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Klimawandel - Schweiz

Klimawandel - Schweiz

Freiwillige

Freiwillige ProgrammebevorzugtDiesem Trend steigender CO 2 -Emissionenkönnen Unternehmen mit Eigeninitiativebegegnen, indem sie sich freiwilligen Programmenanschliessen. Freiwillige Massnahmengegen CO 2 -Emissionen bietenden Vorteil, dass Unternehmen staatlichenVorschriften im Umweltbereich vorgreifenund diese dadurch mitgestaltenkönnen. Deshalb setzen Schweizer Branchenverbändelieber auf Anreizsystemeals auf bürokratische Vorschriften undschliessen sich gemeinsam freiwilligenProgrammen an oder ergreifen selbstständigMassnahmen wie beispielsweiseeinige Schweizer Papierindustrieunternehmen.Mehr als die Hälfte der von Ernst & Youngbefragten Firmen nehmen an freiwilligenProgrammen zur Eindämmung desKlimawandels teil.Rund 1400 Schweizer Unternehmen habenbereits freiwillige Zielvorgaben derEnergie-Agentur der Wirtschaft (EnAW)unterzeichnet und können sich so vonder Lenkungsabgabe befreien, wenn siedie individuellen Zielvorgaben erfüllt haben.Laut EnAW übertreffen die angeschlossenenUnternehmen die Ziele derBundesbehörden sogar und haben dankEnergieeffizienz und niedriger CO 2 -Intensitäteinen Vorsprung von ungefähr dreiJahren.Ulf Berg: «Wir sind für freiwillige Programme,weil diese zu einem breiterenCommitment und zu einer Vielfalt von Lösungenbei der CO 2 -Reduktion führen. Dawir ja noch nicht alles rund um den Klimawandelverstanden haben, geht es darum,möglichst viel Erfahrung über vieleverschiedene Wege zu gewinnen. UnsereGesellschaft kommt nur weiter, wenn wirtausende Lösungen testen, von denenspäter wahrscheinlich hunderte zur Anwendungkommen.»Ein gutes Zusammenspiel zwischenöffentlicher Hand und privater Initiativezur Senkung der Treibhausgase wäresicher am effizientesten. Dazu gehörenneben realistischen Zielen und staatlichenAnreizen für Investitionen in neueTechnologien auch einschneidende Massnahmenvon Seiten der Behörden, fallsdie Ziele nicht erreicht werden (z. B. eineCO 2 -Steuer).Solche staatlichen Pflichtprogramme betreffenzu einem grossen Teil auch dievon Ernst & Young befragten SchweizerUnternehmen; sie haben schon Erfahrungenmit dem «Emission Trading Scheme»der EU und mit national geltenden Programmenin Ländern Europas gemacht.Gerade in der EU werden für die Zeit nachAuslaufen des Kyoto-Protokolls im Jahr2012 Regulierungen entwickelt, die neuerdingsgrenzüberschreitend Industriesektorenstatt einzelne Länder zum Zielhaben. Im Entwurf der neuen Emissionshandels-Richtlinievom 23. Januar diesesJahres setzt die EU Reduktionsziele fürenergieintensive Industriesektoren wiedie Aluminiumproduktion fest. Darüberhinaus arbeitet die EU auf «globale Sektorabkommenfür energieintensive Industrien»für die Jahre nach 2013 hin,die über Europa hinaus gelten würden.Ulf Berg mag den Reduktionszielen derEU auch Positives abgewinnen:«Es klingt zwar widersprüchlich zu meinerAussage über freiwillige Programme,aber staatliche Umweltvorschriften und-programme können auch wirtschaftsförderndsein: Daraus entstehen neueGeschäftsideen, neue Aufträge. Man auferlegtder Menschheit ein höheres Kreativitätsniveauals Bedingung zum Weiterkommen.So wird sich langfristig dasEU Emission Trading Scheme als Vorteilerweisen, weil wir etwas gelernt haben.Wenn wir in der Geschichte zurückblicken,zeigt es sich, dass es den meistenLändern wirtschaftlich schlecht gegangenist, die sich Trends verschlossenhaben.»Geschäftschancen nurfür GrossunternehmenAuf der einen Seite können staatlicheUmweltprogramme wirtschaftsförderndsein. Auf der anderen Seite fürchtenIndustriebetriebe die damit verbundenenKosten und stufen regulatorische Risikenim Zusammenhang mit der Klimaveränderungals hoch ein.Bietet der Klimawandel nicht auch Chancen,neue Produkte auf dem Marktanzubieten, die hohes technologischesKnow-how – eine Stärke der Schweizer Industrieproduktion– voraussetzen? Es istbemerkenswert, dass über die Hälfte derbefragten Unternehmen vorsichtig bleibenund nur wenige Möglichkeiten in diesemUmfeld entdecken. Diese Zurückhaltungdeckt sich nicht mit der Wahrnehmunggrosser börsenkotierter Schweizer Unternehmen,wie jener 48 am Carbon DisclosureProject beteiligten, welche den Klimawandelals eine echte Marktchancewahrnehmen, um neue Produkte undDienstleistungen zu entwickeln. 33In diesem Projekt deklarieren Unternehmen ihren CO 2-Ausstoss.Es wurde im Rahmen des UNO-Programmes für eineKonvention gegen den Klimawandel durchgeführt (UnitedNations Framework Convention on Climate Change,UNFCCC). Pictet / Ethos, Carbon Disclosure Project 2007.Erste Umfrage in der Schweiz unter 50 Unternehmen desSMI Expanded.6 Klimawandel Ernst & Young 2008

Ulf Berg kennt in seinem Geschäftsumfeldkeine Skepsis gegenüber den Geschäftschancendes Klimawandels: «Es kommtvielleicht darauf an, mit wem manspricht. Im Gespräch mit anderenKonzernchefs kommt man relativ raschauf Effizienz zu sprechen. UmweltorientiertesDenken bedeutet weniger Abfall.Das entspricht ganz den Prinzipien desLean Management, bei dem das Vermeidenvon Abfall prioritär ist. Umwelt undRessourcenoptimierung sind folglich eingutes Geschäft!»In die BetriebsoptimierunginvestierenDer Klimawandel konfrontiert die SchweizerIndustrieunternehmen also mit einerunsicheren Situation: Einerseits werdenmehr Kosten wegen neuer Umweltstandardsbefürchtet, und andererseitsscheint noch unklar, welche Marktchancender Klimawandel konkret bieten könnte.und Kontrollen ein, um den Schadstoffausstosswährend der Produktion zu erfassen.Drei von vier Unternehmen setzenbereits klimaschonende Technologien einoder haben dies geplant.Neben dem Produktionsprozess ist dieEntwicklung von neuen Produkten undTechnologien mit verbesserter Umweltleistungein wichtiger Bereich, in demSchweizer Unternehmen der Industrieproduktionaktiv werden.Interessanterweise werden all diese Massnahmenkaum gegenüber der Öffentlichkeitoder den Kunden kommuniziert.Jedenfalls spielt der Klimawandel in derKommunikation und im Marketing kaumeine Rolle. Diese Feststellung wird auchdadurch unterstrichen, dass die befragtenUnternehmen wenig bis gar keinenEinfluss des Klimawandels auf ihre Kommunikationbzw. ihr Marketing feststellen.Dagegen kommuniziert Sulzer seineMassnahmen im Bericht über Nachhaltigkeitund auf der Internetseite. Ulf Berg:«Wir haben seit 2003 jährlich 15% wenigerCO 2 -Ausstoss pro Netto-Wertschöpfungsfranken.Gleichzeitig sind wir umden Faktor 2 gewachsen, bei etwa dergleichen Anzahl Mitarbeiter.»Dieser Unsicherheit begegnen diemeisten der befragten Unternehmen mitEigeninitiative.Etwa zwei Drittel von ihnen haben Massnahmenzur Eindämmung des Klimawandelsergriffen oder haben solche konkretgeplant.Am naheliegendsten ist der Nutzen solcherMassnahmen im Produktionsprozess,wo der Verschleiss an Materialienund der Verbrauch von Energie hoch ist.Bei steigenden Preisen von Energie undRohstoffen lohnt es sich für die grosseMehrheit der befragten Unternehmen, ineffizientere Produktionsanlagen zu investieren.Konkret haben ihre Investitionenzum Ziel, den Ausstoss von Schadstoffenim Herstellungsprozess zu reduzieren. Sieführen dazu zunächst interne ProzesseGrafik 4: Ernst & Young – Center for Business Knowledge, Zahlen aus der Ernst & Young-Befragung «Klimawandel»Einfluss des Klimawandels auf verschiedene UnternehmensbereicheUnternehmensstrategieUnternehmenskommunikation/Public RelationsVertrieb / MarketingProdukt- /TechnologieentwicklungProduktionsprozessEinkauf0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%keinen – wenig Einfluss etwas Einfluss mittlerer – grosser EinflussKlimawandel Ernst & Young 20087

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