EINBLICKE - KHSB

khsb.berlin.de

EINBLICKE - KHSB

einblickE

Wise 2010

Journal der HocHscHule


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Querblick

eiNblick

rückblick

AugeNblick

gott uNd die Welt

FerNblick

Ausblick

Inhalt

soziale gesundheit stärken: das verkannte Potential sozialen

Wohlbefindens / sozialer unterstützung / sozialer sicherheit 4

Studentische Identität und gutes Studium 10

»Ach wie gut, dass niemand weiß ...« Ein Interview mit Ingrid Lutz 12

Weiterbildung Pflegeberatung – ein neues Angebot 13

Neue Koordinationsstelle »Männer in Kitas« 14

Promotionskolleg »Soziale Professionen und Menschen rechte« 15

Forschungsprojekt Ȁlter werdende Eltern und erwachsene

Familienmitglieder mit Behinderung« 16

Auf der Baustelle mit der Startwerkstatt 17

Bachelorpreis der Hamburger Caritasstiftung geht an Studierende der KHSB 17

Das Gute im Blick 18

Abschlussbericht der »Kundenstudie« zum unterstützten Wohnen in Berlin 18

Abschluss des europäischen Projekts UNIQ 19

Start des Projektes »Potenziale und Risiken in der familialen Pflege

alter Menschen« 20

Alternative Lehrveranstaltungen an der KHSB 20

Zusammenarbeit über Grenzen hinweg 21

Fachgespräch: »Qualitätsanforderungen und Qualitätssicherung internationaler

Praktika und Hospitationen« 21

Religiöse Praxis – die KHSB beteiligt sich am interreligiösen Dialog 22

Ehemaliger Student der KHSB erhält den Johannes-Stelling-Preis 22

Prof. Dr. Leo J. Penta 23

Prof. Dr. Birgit Bertram 30

Reise nach Oswiecim 24

Die KHSB auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München 25

Wie machen es die anderen? 26

Kleine Schritte, die die Welt verändern… 27

Sattelt die Hühner, wir reiten nach Texas! 27

Internationaler Tag an der KHSB 28

Sport und Behinderung 28

Gerechte Finanzierung der Pflege 29

Veranstaltungen des ForumFamilie 29

Case-Management in der Sozialen Arbeit 29


Vorausblick

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich freue mich, Ihnen die vierte Ausgabe unserer Hochschulzeitung Einblicke

vorzulegen. Zu Beginn des Wintersemesters 2010 / 11 geben wir Ihnen einen Einblick

in neue Entwicklungen in der Hochschule und blicken auf eine Vielzahl von

Projekten des Sommersemesters zurück. Vorangestellt ist der neuen Ausgabe als

QUERBLICK ein Beitrag von Prof. Dr. Dieter Röh mit dem programmatischen Titel

»Soziale Gesundheit stärken«. Gesundheit braucht mehr als medizinische Versorgung.

Gesundheit ist abhängig von sozialen Bedingungen. Diesen Zusammenhang

zu reflektieren, durch Forschung auszuleuchten und Handlungsmethoden für gesundheitsorientierte

Soziale Arbeit im Studium zu vermitteln, ist das Anliegen der

Instituts für Soziale Gesundheit und der katholischen Hochschule insgesamt. Soziale

Gesundheit ist ein Profilelement der katholischen Hochschule. Wir ermöglichen

den Studierenden bereits im Bachelorstudium, sich in einem entsprechenden Studienschwerpunkt

mit Anforderungen an eine gesundheitsorientierte Soziale Arbeit

zu befassen. Der Weiterbildungsmasterstudiengang »Klinische Soziale Arbeit« leistet

eine Vertiefung und Ausdifferenzierung der sozialarbeiterischen Konzepte für

die Bearbeitung komplexer psychosozialer Problemlagen. Ich freue mich, dass wir

in den letzten Tagen die Nachricht erhielten, dass dieser Weiterbildungsstudiengang

gerade erfolgreich reakkreditiert wurde. Der Beitrag von Prof. Dr. Röh steckt

den Rahmen und die Aufgaben einer gesundheitsbezogenen klinischen Sozialen

Arbeit ab. Wie denken Studierende über das Studium an der KHSB? Was ist gutes

Studium? Einen kleinen EINBLICK gibt das Forschungsprojekt »Studentische Identität

und gutes Studium«. Es verweist auf die Notwendigkeit der kontinuierlichen

Arbeit an der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung von Lehre, Forschen

und Administration im Hochschulalltag. Darauf haben sich Lehrende, Studierende

und Verwaltungsmitarbeiterinnen während eines Hochschultags im Mai dieses

Jahres verständigt. Eine hochschulübergreifende Konsultation zum Thema Qualität

in Praktika und Hospitationen im Ausland führte in der KHSB Studierende und

Lehrende der drei Berliner Fachhochschulen des Sozialwesens und Vertreterinnen

der Akademie Jabok in Prag zusammen. Im RÜCKBLICK berichten wir über eine

Reihe von Forschungsprojekten, die in jüngster Zeit Ihre Arbeit erfolgreich beendet

oder gerade aufgenommen haben. Ihrer besonderen Aufmerksamkeit empfehle

ich die beiden Praxisforschungsprojekte Ȁlter werdende Eltern und erwachsene

Familienmitglieder mit Behinderung« und das Projekt »Potenziale und Risiken in

der familialen Pflege alter Menschen«. Beide Praxisforschungsprojekte haben im

Sommersemester ihre Arbeit aufgenommen. Sie greifen Fragen auf, die mit der

demographischen Veränderung unserer Gesellschaft verbunden sind und Herausforderungen

für die sozialen Professionen bergen.

Ich empfehle die vielfältigen Einblicke in das Leben der KHSB Ihrer

Aufmerksamkeit.

3


4

Querblick

soziale gesundheit stärken: Das verkannte potential sozialen

Wohlbefindens/sozialer unterstützung/sozialer sicherheit

1. EInlEItung: Was macht uns EIgEntlIch krank?

DIE top-tEn DEr hEalth rIsks DEr Who

Soziales und Gesundheit, das scheinen auf den ersten Blick

zwei verschiedene Dimensionen und Kategorien zu sein. Soziales

– das hat scheinbar etwas mit Abweichung, Randgruppen,

Kriminalität, Jugendhilfe, Arbeitslosigkeit, Sozialamt zu tun, also

mit etwas, dass es nur bestimmte, marginalisierte, an den Rand

gedrängte Bevölkerungsgruppen betrifft. Gesundheit dagegen

– das hat etwas mit uns allen zu tun: Jeder und jede, ob jung

oder alt, ob Frau oder Mann, ob mit oder ohne Migrationshintergrund,

ob arm oder reich, wir alle hegen und pflegen unsere

Gesundheit und vermeiden oder erleiden Krankheit. Doch ist der

augenscheinliche Gegensatz auch ein tatsächlicher, d.h. hält er

wissenschaftlichen Kriterien und Ansprüchen stand? Schon die

Hinführung zur Frage lässt erkennen, dass dies gewiss nicht so

ist bzw. sein kann und der genauere Blick, den ich im Folgenden

einnehmen möchte, zeigt uns, dass es keineswegs so ist.

Lediglich die öffentliche Meinung, die laienhafte Betrachtung

und auch die medial transportieren Bilder über Gesundheit und

Krankheit lassen so etwas vermuten. In diesem Beitrag soll es um

die Darstellung der sozialen Grundlagen von Gesundheit ebenso

wie um die Frage nach der Herstellung sozialer Gesundheit

gehen. Ein prominenter Platz wird dabei der Sozialen Arbeit als

Expertise für die Zusammenhänge zwischen individueller Lebensführung

und externen, kollektiven Umwelten mit Risiken und

Ressourcen zuerkannt. Soziale Arbeit verfügt wie keine andere

Profession bzw. Disziplin über genügend Kontext- und Anwendungswissen,

um soziale Gesundheit herzustellen. Dass sie dies

nicht allein aus wissenschaftlicher Begründung und professioneller

Tätigkeit heraus kann, werden die Hinweise auf gesellschaftliche

Zusammenhänge zwischen sozialer Lage und Gesundheit

zeigen. Trotzdem soll versucht werden, die Handlungsbeiträge

der gesundheitsbezogenen Sozialen Arbeit in Form von Gesundheitsförderung,

Gesundheitsberichterstattung, Klinischer

Sozialarbeit und Krankenhaussozialarbeit aufzuzeigen und damit

das Potential eines konsequenten Einbezugs der sozialen Seite

der Gesundheit zu verdeutlichen. Für einen ersten Zugriff auf

das Thema lohnt sich ein Blick auf die Top-Ten der Gesundheitsrisiken,

die die Weltgesundheitsorganisation (2009, 9) für die

menschliche Gesundheit erkennt: »More than one third of the

world’s deaths can be attributed to a small number of risk factors.

The 24 risk factors described in this report are responsible

for 44% of global deaths and 34% of DALYs; the 10 leading risk

factors account for 33% of deaths. […] The five leading global

risks for mortality in the world are high blood pressure, tobacco

use, high blood glucose, physical inactivity, and overweight and

obesity. […] The leading global risks for burden of disease in the

world are underweight and unsafe sex, followed by alcohol use

and unsafe water, sanitation and hygiene.«


Die Aufzählung verrät uns also zunächst, dass bestimmte Gesundheitsrisiken,

wie z.B. Bluthochdruck, Tabakkonsum, hoher

Blutzucker, Bewegungsmangel und Übergewicht, für einen

Großteil tödlicher Krankheiten verantwortlich sind. Diese sind,

wie sich unschwer erkennen lässt, alle mit sogenannten Zivilisationskrankheiten,

wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen,

Diabetes oder Krebs, verbunden und damit dem Lebensstil moderner

Menschen in den industriell entwickelten Staaten dieser

Welt geschuldet. Die Aufzählung zeigt uns aber auch, dass sich

daneben nach wie vor auch genügend Gesundheitsrisiken im

Bereich von Untergewicht, ungeschütztem Geschlechtsverkehr,

Alkoholmissbrauch und unsauberem Wasser bzw. mangelnder

Hygiene und dies vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern

finden lassen. Zerfällt die Welt also in zwei Teile, deren

Gesundheitsrisiken recht unterschiedlich sind? Die einen gefährden

durch ihren Lebensstil ihre Gesundheit und die anderen leiden

unter den mangelhaften Umständen im Bereich Ernährung,

Versorgung und Gesundheitsverhalten? Sicherlich spricht einiges

für diese Polarität im Bereich der Gesundheitsstörungen bzw.

des Gesundheitsverhaltens, jedoch gibt es auch hierzulande genügend

Hinweise für eine soziale Verursachung von Krankheiten

bzw. eine Mitverursachung respektive Verschlechterung derselben.

Denn wie Abbildung 1 zeigt, ist, weltweit gesehen, die

Ausstattung und der Zugriff auf ökonomische Mittel, hier ausgedrückt

durch das Einkommen der Bevölkerung, ein wesentlicher

Faktor, der das Krankheitsrisiko zum Teil erheblich potenziert.

Menschen mit geringem Einkommen sind beispielsweise sowohl

im Bereich des Gesundheitsverhaltens (siehe hierzu die ernährungsrelevanten

Faktoren, wie z.B. hoher Blutzucker oder hohes

Cholesterin) als auch im Bereich der Umweltfaktoren (siehe hierzu

Untergewicht bei Kindern oder unsauberes Wasser) größeren

Risiken ausgesetzt.

Figure 7: Percentage of disability-adjusted life years (DALYs) attributed to 19 leading risk factors,

by country income level, 2004.

Childhood underweight

Unsafe sex

Alcohol use

Unsafe water, sanitation, hygiene

High blood pressure

Tobacco use

Suboptimal breastfeeding

High blood glucose

Indoor smoke from solid fuels

Overweight and obesity

Physical inactivity

High cholesterol

Occupational risks

Vitamin A deficiency

Iron deficiency

Low fruit and vegetable intake

Zinc deficiency

Illicit drugs

Unmet contraceptive need

High income

Middle income

Low income

0 1 2 3 4 5 6 7

Percent of global DALYs (total: 1.53 billion)

Abb. 1: Todesfälle mit verursachenden Gesundheitsrisiken in Verbindung

mit dem Einkommensniveau (WHO 2009, 104)

Noch stärker schlägt diese Ungleicheit zu Buche, wenn man sich

die Lebensjahre mit schlechter Gesundheit (disability-adjusted

life years) anschaut, eine Maßzahl, die nicht auf die Lebensdau-

er rekurriert, sondern die gesunden bzw. kranken Lebensjahre

wiedergibt: In Abb. 2 ist klar zu sehen, dass sich hier die Einkommensverteilung

erheblich negativer auswirkt als noch bei

den Risiken selbst, d.h. die Folgen von beispielsweise schlechter

Ernährung oder Alkohol- und Tabakkonsum wirken sich negativer

bei geringem Einkommen aus als bei mittleren oder höheren

Einkommen.

Figure 6: Deaths attributed to 19 leading risk factors, by country income level, 2004.

High blood pressure

Tobacco use

High blood glucose

Physical inactivity

Overweight and obesity

High cholesterol

Unsafe sex

Alcohol use

Childhood underweight

Indoor smoke from solid fuels

Unsafe water, sanitation, hygiene

Low fruit and vegetable intake

Suboptimal breastfeeding

Urban outdoor air pollution

Occupational risks

Vitamin A deficiency

Zinc deficiency

Unsafe health-care injections

Iron deficiency

0 1000 2000 3000 4000 5000 6000 7000 8000

Mortality in thousands (total: 58.8 million)

Abb. 2: Anteile an »disability-adjusted life years (DALYs)« bezüglich der

19 führenden Risikofaktoren, in Verbindung mit dem Einkommensniveau

(WHO 2009, 10)

Liegt also in der sozialen Lage der Menschen selbst ein gesundheitliches

Risiko? Die genannten sozialepidemiologischen Daten

deuten darauf hin und geben somit Anlass für eine verknüpfende

Betrachtung beider Dimensionen: des Sozialen und der

Gesundheit. Zur Erklärung des augenfälligen Zusammenhangs

bieten sich zwei Modelle an: Zum einen wird in der sog. Verursachungshypothese

davon ausgegangen, dass sich ein schlechter

sozio-ökonomischer Status negativ auf die Gesundheit auswirkt,

zum anderen erklärt die sog. Drift-Hypothese, warum kranke

Menschen (insbesondere chronisch kranke Menschen) häufiger

von Armut oder einem schlechten sozio-ökonomischen Status

betroffen sind als gesunde (vgl. Mielck 2000).

2. Warum machen uns soziale Faktoren krank?

theoretische grundlagen und Erklärungsmodelle

High income

Middle income

Low income

Die oben erwähnten Hypothesen lassen sich bislang vor allem

über ein transitives Modell erklären, das annimmt, dass bestimmte

soziale Ungleichheiten für ein bestimmtes Risikoniveau

verantwortlich sind, das dann wiederum auf die Gesundheit

Einfluss nimmt. So entstehen durch die jeweilige soziale Lage

zum einen Unterschiede in den gesundheitlichen Belastungen

selbst, zum anderen aber auch im Bereich der Inanspruchnahme

gesundheitlicher Versorgung. Schließlich spielt auch das gesundheitsbezogene

Verhalten selbst, also z. B. die Einstellung zur

eigenen Gesundheit und das daraus resultierende Maß an ge-

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6

Querblick

sundheitsbewusstem Verhalten, eine entsprechende Rolle: Neben

den oben referierten Erkenntnissen und Erklärungen stehen der

Sozialen Arbeit im Bereich von Gesundheit und Krankheit weitere

Theorien zur Verfügung. Mit der Sozialökologie oder ökosozialen

Theorie verfügt sie über ein Grundverständnis, das das

Verhalten von Menschen in einem transaktionalen Zusammenhang

mit ihren Verhältnissen sieht. Menschen agieren in einer

sie umgebenden natürlichen, kulturellen und sozialen Umwelt,

aus der sowohl Risiken wie auch Ressourcen für die Erhaltung

von Gesundheit oder die Vermeidung von Krankheit resultieren.

unterschiede in den

gesundheitlichen

Belastungen

(z. B. psychische und

physische Belastung am

Arbeitsplatz)

soziale ungleichheit

(Unterschiede in Wissen, Macht, Geld und Prestige)

unterschiede in den

Bewältigungsressourcen,

Erholungsmöglichkeiten

(z. B. soziale Unterstützung,

Grünfläche in der

Wohnumgebung)

unterschiede im gesundheitsverhalten

(z. B. Ernährung, Rauchen, Compliance)

gesundheitliche ungleichheit

(Unterschiede in Morbidität und Mortalität)

unterschiede in der

gesundheitlichen

Versorgung

(z. B. Zahnersatz, Arzt-

Patient-Kommunikation)

Abb. 3: Erklärungsmodell zur gesundheitlichen Ungleichheit,

Mielck 2000, S. 173

Sozialökologisch gedacht wird dabei Lebensführung als fortlaufender

Bewältigungsprozess verstanden, der eine dynamische

und auf eine gelingende Lebensführung abzielende, beständige

Auseinandersetzung mit den individuellen Lebenszielen und

–möglichkeiten sowie den in der Umwelt vorfindlichen Ressourcen

und Begrenzungen der eigenen Lebensführung umfasst. In

Abwandlung eines bekannten Satzes von Karl Marx (aus: »Der

achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte«) könnte man sagen:

Die Menschen machen ihre eigene Gesundheit, aber sie machen

sie nicht nur aus freien Stücken, nicht nur unter selbstgewählten,

sondern auch unter unmittelbar vorgefundenen und gegebenen

Umständen. Bei dem medizinsoziologischen Stressforscher Aaron

Antonovsky finden wir ein ähnliches Gesundheitsverständnis,

das wiederum für den Zusammenhang von sozialer Lage und

Gesundheit entscheidende Hinweise liefert. Antonovsky (1997)

beschrieb in seinem Modell der »Salutogenese« das Zusammenwirken

einer individuellen, psychologischen Variable, die er »Kohärenzgefühl«

nannte, und sozialen Variablen, die er unter dem

Terminus »Generalisierte Widerstandsressourcen« zusammenfasste.

Das Kohärenzgefühl als ein Persönlichkeitsfaktor spiegelt

nach Ansicht Antonovskys eine psychische Disposition wider, die

allerdings durch Erfahrungen erworben wird und nach der Menschen

in unterschiedlichem Maße davon überzeugt sind, dass sie

etwas an ihrer Lage, auch ihrer Gesundheit, verändern können

oder nicht. Das Kohärenzgefühl besteht aus drei Teilkomponenten:

erstens durch die Fähigkeit zum Verstehen der jeweiligen

Anforderungen (sense of comprehensibility), die mich in die Lage

versetzt, Informationen in einem Bewertungsprozess als relevant,

irrelevant, herausfordernd oder gefährlich und auch deren

Herkunft, voraussichtlicher Dauer und Dringlichkeit einschätzen

zu können. Zweitens zählt zum Kohärenzgefühl auch die Fähigkeit

zum adäquaten Umgang mit diesen Erkenntnissen und der

Bewältigung im engeren handlungszentrierten Sinne (sense of

manageability). Diese Fähigkeit zeichnet sich dadurch aus, dass

ich zur Lösung einer erkannten Herausforderung bzw. eines

Problems die nötigen praktischen Fähigkeiten besitzen muss, um

es anzugehen. Hierzu gehören also wiederum Kenntnisse über

Lösungswege und Bewältigungsressourcen wie auch Fertigkeiten

zu deren Umsetzung. Drittens gehört zum Kohärenzgefühl nach

Ansicht Antonovskys eine motivationale Komponente (sense of

meaningfulness), die anzeigt, wie viel Energie jemand zur Bewältigung

des Problems aufbringen kann. Wesentlich hierbei ist, wie

viel »Sinn« in dem Problem selbst gesehen wird und vor allem,

wie stark die Überzeugung ist, das durch das eigene Handeln etwas

zu verändern bzw. zu bewirken ist. Neben dieser individuellen

Konstitution setzt das Modell der Salutogenese auch auf die

sog. »Generalisierten Widerstandsressourcen«, die Antonovsky

in individuellen (z.B. körperlichen Faktoren, Intelligenz, Bewältigungsstrategien)

als auch in sozialen und kulturellen Faktoren

(z.B. soziale Unterstützung, finanzielle Möglichkeiten, kulturelle

Stabilität) sah. Unterm Strich wird deutlich, dass sich auch mithilfe

dieses Modells die Zusammenhänge zwischen individueller

Konstitution (Verhalten) und sozialer Verfasstheit (Verhältnisse)

verstehen lassen. Zuletzt hat die Weltgesundheitsorganisation im

Jahre 2001 mit ihrer International Classification of Functioning,

Disability and Health (ICF) diesem bipolaren, aber komplementären

Verständnis Rechnung getragen und die Entstehung von

Behinderung als negative Wechselwirkung zwischen einer Gesundheitsstörung

und Umweltfaktoren sowie personenbezogenen

Faktoren definiert (Deutsche Übersetzung unter www.dimdi.

de). Überhaupt setzt die Weltgesundheitsorganisation schon seit

ihrem Bestehen auf ein multidimensionales Gesundheitsverständnis

und proklamierte schon 1948, dass Gesundheit ein Zustand

vollständigen physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens

sei und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit oder Behinderung.

Diese biopsychosoziale Sichtweise setzte sich auch in der

o.g. ICF sowie in der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung

(1986) durch und sollte als unumstrittener Maßstab für jedwedes

Handeln im Bereich der Gesundheitsversorgung gelten.

Umgesetzt finden wir es jedoch bislang hauptsächlich in der

Rehabilitation, dort vor allem in psychosomatischen, psychotherapeutischen

oder psychiatrischen Einrichtungen und wesentlich

seltener in rein somatischen Fächern der Medizin. Lediglich die

sog. »Integrierte Medizin« (v. Uexküll/Wesiack, 2003) leitet ihr

Handlungskonzept konsequent aus einem solchen biopsychosozialen

Modell ab, ebenso wie die Klinische Soziale Arbeit (Pauls

2004, Ortmann/Röh 2008).


3. FormEn Von gEsunDhEItsBEzogEnEr sozIalEr arBEIt

Soziale Arbeit kann auf den oben beschriebenen Zusammenhang

durch ihre Expertise für die Zusammenhänge zwischen

Individuum und Gesellschaft oder zwischen dem »Psychosomatischen«

(Leib, Geist, Handeln) und dem »Sozialen« (Beziehungen,

Normen, materielle Umgebung) in vielerlei Weise Einfluss

nehmen. Traditionell ist die Soziale Arbeit als Beruf schon in

ihren Pionierjahren (um 1900) als Fürsorgearbeit im Gesundheitswesen

bzw. Gesundheitssektor tätig gewesen. Alice Salomon

(1872-1948), die 1908 die erste soziale Frauenschule mit dem

Anspruch der Professionalisierung des bisherigen, häufig ehrenamtlichen

Helfens aufbaute, berichtet in ihrem Werk »Sociale

Diagnose« von 1926 von einer Aussage des amerikanischen Arztes

Richard Cabot und schrieb hierzu: »Noch enger wurde das

Zusammenwirken von Arzt und Fürsorgerin in der sozialen Krankenhausfürsorge,

für die uns die ersten Anregungen aus Amerika

gekommen sind. Hierbei sind die sozialen Ermittlungen oft

geradezu als Unterlagen für die ärztliche Diagnose zu verwenden.

Dr. Richard Cabot aus Boston, Begründer einer der ersten

sozialen Krankenhausfürsorge-Stellen, wollte durch Anstellung

geschulter Sozialbeamtinnen nicht eine Vermischung von ärztlicher

und sozialer Arbeit, sondern eine chemische Verbindung

von beiden herbeiführen. Er sagt: »Wenn wir zusammenfassend

über unsere Fälle in der sozialen Krankenhausfürsorge berichten,

legen wir uns vier Fragen vor: 1. Wie ist der Gesundheitszustand

des Patienten? 2. Wie ist sein Charakter, sein geistig-moralischer

Zustand? 3. Wie sind die äußeren Verhältnisse beschaffen, unter

denen er aufgewachsen ist und lebt? 4. Wie sind die geistigseelischen

Einflüsse beschaffen, unter denen er aufgewachsen ist

und lebt? Der Arzt weiß in der Regel viel über den ersten Punkt,

etwas über den zweiten – über die beiden anderen so gut wie

nichts auszusagen.« (S. 5 f.) Das hier in Andeutungen ersichtliche

hierarchische Unterstellungsverhältnis, dass nämlich die

sozialen Ermittlungen als Unterlagen für die ärztliche Diagnose

zu verwenden seien, finden wir auch heute häufig wieder, wenn

sich beispielsweise Soziale Arbeit im Krankenhaus als sozialadministrative

Tätigkeit darstellt, die sich parallel neben der medizinischen

Behandlung hauptsächlich als Sozialberatung sowie Organisation

von Anschlussheilbehandlungen oder Nachsorge (etwa

Unterbringung in Pflegeheimen bei älteren Patienten) manifestiert.

Dass aber durch die Soziale Arbeit selbst ein Behandlungseffekt

erzielt werden kann, und sei es auch nur, dass die medizinischen

Behandlungen dadurch besser vom Patienten angenommen

oder im häuslichen Alltag umgesetzt werden können oder

der behandelnde Arzt gleich auf die lebensweltlichen Zusammenhänge

hingewiesen wird, liegt auf der Hand. Hierzu noch

einmal Richard Cabot, zitiert nach Alice Salomon: »Die soziale

Arbeit hat nicht einen besonderen Gesichtswinkel, sondern ist

auf den gesamten Menschen eingestellt, und das kann der soziale

Arbeiter den Ärzten nahe bringen, die durch ihre Ausbildung

oft dazu verführt werden, das Blickfeld zu verengen.« (S. 6). In

dieser Zeit manifestierte sich die Gesundheitsfürsorge als Tätigkeit

in den Bereichen der psychiatrischen Anstalten und sonsti-

gen Rehabilitationsstätten ebenso wie in der Trinkerfürsorge, in

den Gesundheitsämtern (dort v.a. als Tuberkulose-Fürsorge und

Hygiene-Beratung) und in der Schulgesundheitspflege. Ziel dieser

Bemühungen war es, neben der Verhinderung der Ausbreitung

von ansteckenden Krankheiten, wie etwa der Tuberkulose, auch

die Lebens- und Wohnbedingungen der Menschen insgesamt,

und zuvorderst in den Großstädten mit ihrer engen Bebauung

und den dunklen, unhygienischen, stickigen Mietwohnungen,

zu verbessern. Auch war mit dieser Gesundheitsfürsorge ein

gewisser Erziehungsanspruch verbunden, der die Menschen in

ihrem Lebensstil zu Mäßigung, Sauberkeit und Ordnung anhalten

sollte. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter beteiligten sich

aber auch an den ersten Untersuchungen über gesundheitliche

Missstände im Rahmen der sog. Sozial-Enquêten, die hauptsächlich

von den gerade erst entstandenen Krankenkassen oder auch

von Wohnungsbaugenossenschaften durchgeführt wurden. Soziale

Arbeit hat also sehr früh einen Bezug zur gesundheitlichen

Lage und Versorgung gehabt und diesen in den letzten 100

Jahren auch ausbauen können. So beschreiben Ortmann/Waller

(2005) immerhin elf verschiedene Handlungsfelder, in denen

gesundheitsbezogene Soziale Arbeit stattfindet. Dabei kann man

zwischen Tätigkeiten im Gesundheitswesen (im Krankenhaus, im

Öffentlichen Gesundheitswesen, in der gesetzlichen Krankenversicherung,

in der Sozialpsychiatrie, in der Suchtkrankenhilfe und

in der Rehabilitation) und solchen im Sozialwesen (Kindergärten,

Jugendhilfe, Schulen, Stadtteil, Wohnungslosenhilfe) unterscheiden.

Sting/Zurhorst (2000) gehen von fünf großen Bereichen

aus: Gesundheits-Selbsthilfe, Jugendarbeit, Gemeinwesenarbeit,

Suchtkrankenhilfe, Klinische Sozialarbeit.

4. VIEr tätIgkEItsFElDEr EInEr gEsunDhEItsBEzogEnEn

sozIalEn arBEIt

An dieser Stelle möchte ich vor allem vier Ansätze bzw. Tätigkeitsbereiche

unterscheiden, nämlich die Gesundheitsförderung

und die Gesundheitsberichterstattung als allgemeine und die

Krankenhaussozialarbeit und die Klinische Sozialarbeit als besondere

Formen der Sozialen Arbeit im Bereich von Gesundheit und

Krankheit. Die Darstellung wird notwendigerweise auf Skizzen

der jeweiligen Bereiche reduziert bleiben müssen.

gesundheitsförderung

Mit der Entdeckung von bakteriellen und viralen Übertragungswegen

durch Robert Koch Ende des 19. Jahrhunderts erreichte

die Medizin einen neuen Zugang zu Krankheiten, die sie nicht

länger nur behandeln, sondern denen sie auch in weiten Teilen

vorbeugen konnte. Aufklärung und Information über notwendige

Hygienemaßnahmen sowie weitere Maßnahmen, wie etwa

der Bau von Kanalisationen und einer Frischwasserversorgung

in den Städten, führten dazu, dass Übertragungskrankheiten

wie Tuberkulose oder auch Typhus erheblich zurückgingen und

gleichzeitig die weiteren Fortschritte in der Behandlung (und

v.a. die neuen Hygiene-Standards in der Geburtshilfe) für eine

7


8

Querblick

steigende Lebenserwartung der Menschen sorgten. Gegenüber

der Krankheitsvorbeugung, zu der man ein unbedingtes Wissen

über die kausalen Zusammenhänge von Risikofaktoren und

Krankheitsfolgen benötigt, geht die Gesundheitsförderung von

einem anderen Prinzip aus. Sie wird als Prozess verstanden, der

Menschen befähigen soll, durch individuelle und soziale Maßnahmen

mehr Kontrolle über ihre Gesundheit zu erlangen. Gesundheitsförderung

setzt also neben der individuellen Ansprache

an das Gesundheitsverhalten unbedingt auch an den sozialen

Strukturen und sozialen Faktoren an, die die gesundheitliche

Lage von Menschen beeinflussen (siehe den oben beschriebenen

Zusammenhang von sozialer Lage und Gesundheit). Zudem wird

eine andere Philosophie mit Gesundheitsförderung verbunden,

denn anders als im Bereich Prävention wo nach einem pathogenetischen

Muster gedacht und gehandelt wird (»Wie entstehen

Krankheiten?«), wird im Bereich der Gesundheitsförderung eine

salutogenetische Perspektive eingenommen (»Wie entsteht

Gesundheit?«). So werden vor allem die Ressourcen zum gesund

bleiben, statt die Risiken zum krank werden in den Blick

genommen. Gesundheitsförderungsmaßnahmen wirken damit

zwar auf eine Art ebenfalls präventiv, fokussieren aber nicht die

Verhütung einer bestimmten Krankheit, sondern wollen die Gesundheit

der Menschen im Allgemeinen stärken und verbessern.

Ein zentrales Dokument der Gesundheitsförderung ist die bereits

erwähnte Ottawa-Charta der Vereinten Nationen, die 1986 auf

einer der ersten Konferenzen zum Thema veröffentlicht wurde.

Sie definiert verschiedene Handlungsfelder (Entwicklung einer

gesundheitsfördernden Gesamtpolitik, gesundheitsfördernde Lebenswelten

schaffen, gesundheitsbezogene Gemeinschaftsaktionen,

persönliche Kompetenzen entwickeln, Gesundheitsdienste

neu orientieren), in denen mit den Handlungsstrategien Vernetzung,

Anwaltschaft und Befähigung die gesundheitliche Lage der

Bevölkerung insgesamt verbessert werden soll. Zentral ist dabei

der sog. Setting-Ansatz: Maßnahmen zur Gesundheitsförderung

sollen nicht künstlich angelegt sein, sondern grundlegend in die

Lebenswelt der Menschen integriert werden, z.B. durch entsprechende

Maßnahmen in Schulen, an Arbeitsplätzen, in Städten

usw. Damit gewinnt dieser Ansatz eine deutliche Nähe zur lebensweltorientierten

Sozialen Arbeit und ist deshalb gerade für

viele Bereiche der Sozialen Arbeit von Bedeutung.

gesundheitsberichterstattung

Eine eher indirekte Maßnahme zur Stärkung der sozialen Seite

der Gesundheit ist die seit den 1990'er Jahre entstandene und in

vielen Bereich mittlerweile etablierte Gesundheitsberichterstattung,

die neben den klassischen Berichten über die soziale Lage

der Bevölkerung wesentliche Daten über die gesundheitliche

Lage und die gesundheitliche Versorgung sowie die Häufigkeit

von gesundheitlichen Belastungen liefern kann. Neben den eingangs

zitierten Berichten der WHO werden auch in Deutschland

auf Bundes- (www.gbe-bund.de) als auch auf Länderebene und

vereinzelt auch in den Kommunen in regelmäßigen Abständen

Reporte erstellt, die entweder allgemeine Indikatoren und Maß-

nahmen beschreiben oder spezifische Schwerpunkte setzen, z.B.

zur Kindergesundheit. Zielgruppe der Gesundheitsberichte sind

in erster Linie jene Instanzen, die politische oder strukturelle Entscheidungen

über Maßnahmen oder Veränderungen herbeiführen

können, also Politiker, Arbeitgeber, Verbände, Krankenkassen

und andere Organisationen.

klinische sozialarbeit

Neben einer pädagogischen Ausrichtung hat die Einzelfallhilfe

in der Sozialen Arbeit auch eine therapeutische, behandelnde

Interventionsform herausgebildet, die in Anlehnung an den

anglo-amerikanischen Terminus »Clinical Socialwork« auch in

Deutschland als Klinische Sozialarbeit verbreitet ist. Die »klinische«

Ausrichtung ist jedoch nicht auf »krankenhausbezogen«

zu reduzieren, vielmehr besteht der besondere Ansatz in der

Behandlung von sozio-psycho-somatisch zu verstehenden Störungen,

Erkrankungen und Behinderungen im Allgemeinen, wobei

das »Klinische« weit über eine rein individuelle Betrachtung

von Störungen hinausgeht und sich gerade durch den Einbezug

sozialer Umweltbedingungen auszeichnet. Denn immer ist im

Fall des sozialarbeiterischen Handelns das in Rechnung zu stellen,

was bereits eine Pionierin der Sozialen Arbeit, Jane Addams

(1860-1935) als »vortex causation« bezeichnete: das »kumulative

Feld persönlicher Schwierigkeiten, verwirrenden gesetzlichen

Regelungen, multiplen Krankheiten und konfliktiven Kulturen«

(Addams zitiert nach: Staub-Bernasconi 1995, 49). Krankheiten,

Störungen und Behinderungen entstehen in der Analyse

Klinischer Sozialarbeit in einem Gefüge von bio-psycho-sozialen

Einflüssen und ziehen immer auch entsprechende Folgen in diesen

Bereichen nach sich. Der Wert der gesundheitsbezogenen

Sozialen Arbeit, und damit auch der Klinischen Sozialarbeit als

behandlungskompetenter Professionalität innerhalb der Krankenversorgung

bemisst sich daher am Ziel der Verringerung von

sozialen Gradienten sowohl im Zugang zu Gesundheits- und Sozialleistungen

wie auch in der Bewältigung von gesundheitlichen

und sozialen Problemen. Klinische Sozialarbeit findet in therapeutischen

Kontexten der psychiatrischen, neurologischen aber auch

in somatischen Bereichen der Krankenversorgung statt und liefert

dort wertvolle Beiträge zu einer ganzheitlichen Betrachtung und

Behandlung von Krankheiten. Sie bedient sich dazu moderner

Methoden Sozialer Diagnostik (vgl. Pantucek 2010, Pantucek/

Röh 2009, Heiner 2004) und Sozialer Therapie, um bestmögliche

Interventionen zur Verbesserung der gesundheitlichen Lage von

Einzelnen, Familien und Gruppen leisten zu können (vgl. Schaub

2008).

krankenhaussozialarbeit

In einer besonderen Form findet Klinische Sozialarbeit auch

als Krankenhaussozialarbeit statt. Diese schon 1905 als soziale

Krankenhausfürsorge vom bereits erwähnten Bostoner Arzt Richard

Cabot gegründete Institution hat sich mittlerweile auch in

Deutschland zur Standardversorgung entwickelt. Jedes Krankenhaus

verfügt über einen Sozialdienst, der sich laut § 112, Abs. 2


Nr. 4 des Vierten Sozialgesetzbuches um die soziale Betreuung

und Beratung von Versicherten kümmern soll, wobei entsprechende

Landeskrankenhausgesetze die Tätigkeitsfelder mitunter

näher spezifizieren. Nicht immer sind in diesen Sozialdiensten

Fachkräfte der Sozialen Arbeit tätig, da mitunter auch Pflegepersonal

oder andere Berufsgruppen eingesetzt werden. Zu den

Aufgabenfeldern bzw. Tätigkeitsbereichen gehören neben der

sozialen Beratung von Patientinnen und Patienten und deren

Angehörigen auch das Case Management (häufig als Entlassungsmanagement)

sowie soziale Gruppenarbeit und vereinzelt

auch Sozio- oder Sozialtherapie. Die Sozialdienste arbeiten dabei

eng mit dem medizinischen, pflegerischen und therapeutischen

Personal des Krankenhauses zusammen. Entscheidend für den

Erfolg der Krankenhaussozialarbeit ist der Zeitpunkt der Einbeziehung

in die Behandlung (früh oder erst kurz vor der Entlassung),

die damit verbundene Dauer und Intensität des Kontaktes

zu den Patientinnen und Patienten sowie die personelle und

organisatorische Ausstattung und Einbindung in die Organisationsstruktur

des Krankenhauses. Klinische Sozialarbeit als Arbeit

im Krankenhaussozialdienst unterstützt die Bewältigungsprozesse

bei akuten, schweren oder chronischen Erkrankungen,

insoweit die soziale Situation der Patienten betroffen ist. Sie

diagnostiziert die die Krankheit beeinflussenden soziale Faktoren,

wie beispielsweise das Vorhandensein einer ausreichenden

materiellen, häuslichen Versorgung oder auch von Angehörigen,

Freunden, Nachbarn, die den Patienten im Sinne sozialer

Unterstützung nach Rückkehr in ihre häusliche Umgebung

entsprechend helfen können. So nennen denn auch 63% der in

einer Studie der Deutschen Vereinigung für den Sozialdienst im

Krankenhaus (heute Deutsche Vereinigung für Sozialarbeit im

Gesundheitswesen, DVSG) befragten Nutzerinnen und Nutzer

eines Kranken haussozialdienstes, dass Gegenstand der Beratung

die Hilfe durch die Familie war. 20% gaben an, dass es um nachbarschaftliche

Hilfe in den Beratungen ging und für 37% war

die Hilfe im Haushalt von entscheidender Bedeutung. Daneben

sind Informationen über Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen,

Sozialstationen und anderweitige Betreuung von Interesse (Layer/Mühlum

2003, S. 35).

Prof. Dr. Dieter Röh ist Professor für Sozialarbeitswissenschaft an der Hochschule für Angewandte

Wissenschaften Hamburg, Fakultät Wirtschaft und Soziales, Department Soziale

Arbeit. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit,

insb. im Bereich der Behindertenhilfe, Psychiatrie und Klinischen Sozialarbeit

Die Literaturliste zum Artikel kann auf Anfrage gern zugeschickt werden.

E-Mail: kaplow [at] khsb-berlin.de

5. ausBlIck

Soziale Arbeit und Gesundheit stehen in einem engen Zusammenhang,

wie oben gezeigt werden konnte. Soziale Einflüsse,

wie z.B. die soziale Lage oder auch das Maß an sozialer Integration,

wirken auf die Gesundheit von Menschen ein und Gesundheit

selbst wiederum ist eine starke Ressource zur Bewältigung

von Lebensaufgaben und alltäglichen Anforderungen. Aus

diesem Grunde sollte die soziale Gesundheit der Bevölkerung

viel stärker in den Blickpunkt gerückt werden, hier sind enorme

Potentiale für mehr Gesundheit und auch effektivere Behandlung,

insbesondere von schwerwiegenden oder chronischen

Erkrankungen, zu erwarten. Statt immer mehr Geld in die Medikotherapie

oder die Apparatemedizin zu stecken, sollte sich

einerseits die Medizin selbst wieder zu einer »sprechenden Medizin«

entwickeln und andererseits die sozialen Einflüsse auf Gesundheit

ernsthaft und vollständig in die Versorgung integriert

werden. Hierzu bedarf es auch entsprechender Umsteuerungen

im Versorgungssystem, von denen die Integrierte Versorgung

nach § 140 SGB V eine solche moderne, integrierende Versorgungsform

darstellen könnte. Soll das kooperative Zusammenwirken

von Ärzten, Sozialdiensten, Pflege- und Krankenkassen,

stationären, wie teilstationären und ambulanten Hilfen und

vieler anderer Gesundheits- und Krankheitsinstitutionen erfolgreich

verlaufen, bedarf es schließlich auch einer professionell

ausgeführten und anerkannten Klinischen Sozialen Arbeit bzw.

gesundheitsbezogenen Sozialen Arbeit, die ihre Expertise für die

Zusammenhänge zwischen individuell feststellbarer Krankheit

und lebensweltlichen, sozialen Einflüssen in den notwendigerweise

multiprofessionellen Behandlungsprozess einfließen lassen

kann. Sollte dies geschehen, so ist die soziale Seite der Gesundheit

berücksichtigt und sind die verkannten Potentiale sozialer

Ressourcen angemessen genutzt.

9


10

eiNblick

studentische Identität und gutes studium

eiNblick iN die ergebNisse eiNes ForschuNgsProjektes

Prof. Dr. Ralf Quindel

Der Bolognaprozess, die Rahmenbedingungen

der Hochschulbildung in Deutschland

und die konkrete Gestaltung von Bachelor-

und Masterstudiengänge werden

vielerorts kritisch diskutiert. Studierende

klagen über die Verschulung durch Anwesenheitspflicht

und hohe Prüfungsbelastung,

Hochschullehrer/innen über die

mangelnde Motivation der Studierenden.

Diese Situation war Ausgangspunkt eines

Forschungsprojekts, das die Perspektive

der Studierenden beschreiben und verstehen

möchte. Die qualitative Studie

wurde im Bachelor Soziale Arbeit an der

Katholischen Hochschule für Sozialwesen

Berlin im Wintersemester 2009/2010

von Prof. Dr. Ralf Quindel unter Mitarbeit

der Studierenden André Kremer und

Daniela Stegemann durchgeführt. Nach

einer Datenerhebung in Form von drei

Gruppendiskussionen mit Studierenden

der Sozialen Arbeit aus dem ersten und

siebten Semester, wurde die Auswertung

mit Hilfe eines inhaltsanalytischen Verfahrens

vorgenommen. Aus den Ergebnissen

der Studie werden hier exemplarisch zwei

Aspekte ausgewählt und mit Zitaten aus

den Gruppendiskussionen mit Studierenden

aus dem siebten Semester illustriert.

Die Bedeutung der noten im studium

Durch die Bolognareform sind in die Organisation

des Studiums der Sozialen Arbeit

mit Modulen, workloads und credits

quantifizierbare Steuergrößen eingeführt

worden, die für die Studierenden die

Benotung weit bedeutsamer machen als

im Diplomstudiengang. Dies liegt unter

anderem daran, dass von Beginn an alle

Noten in die Endnote einfließen, sowie

an der Reglementierung des Zugangs

zum Masterstudium. Diese Rahmenbedingungen

verstärken die Konkurrenzorientierung

der Studierenden: Noten

werden nicht als individuelle Bewertung

der eigenen Leistung, sondern primär im

Vergleich gesehen. Es entsteht ein starker

Druck mit guten Noten abzuschließen,

um sich nicht »abgehängt« zu fühlen.

D: Aber wenn ich dann so in der Klausur sehe,

da ist jetzt nicht die Mehrheit, die da jetzt kurz

vorm Durchfallen ist, sondern eigentlich ist das

meiste mit Eins ... Zwei. C: Aber ich find auch

grade das setzt einen nochmal unter Druck.

A: Ja. C: Dass man irgendwie das Gefühl hat:

Man muss jetzt mit Eins abschließen. So ungefähr,

weil alle schließen ja mit Eins oder Zwei

ab.

Es kann ein Widerspruch entstehen zwischen

dem Anspruch, etwas zu lernen,

und dem, eine gute Note zu erreichen:

Seminare und Lehrende mit hohem

Anspruch zu wählen, heißt auch, mehr

leisten zu müssen und doch potentiell

schlechtere Noten in Kauf zu nehmen.

»Wenn du dann wirklich was lernen willst,

dann dahin gehst, wo du denkst okay, von diesem

Prof könnt ich wirklich profitieren, dann

ist es schwer!«

Für die Studierenden gilt es also, eine

Balance zu finden zwischen ihren inhaltlichen

Interessen auf der einen und der

Orientierung an den Rahmenbedinungen

im Sinne eines angepassten, ökonomisch


effizienten Studiums auf der anderen Seite.

Inwiefern diese Balance gelingt, hängt

unter anderem von den strukturellen Rahmenbedingungen

des Studiums ab.

strukturelle Bedingungen für ein aktives,

interessiertes und (selbst-) kritisches

studieren an der khsB

Als wichtige Bedingung wird eine möglichst

große inhaltliche Wahlfreiheit in der

Studiumsgestaltung gesehen, die die Bildung

eigener Interessen ermöglicht. Die

Realität sieht jedoch momentan anders

aus: Der Umfang des verpflichtend zu

bearbeitenden »Stoffes« ist so groß, dass

kaum Zeit bliebt, eigene Interessen und

Neigungen auszubilden.

»So viel … einfach so viel Stoff hat und ich

finde wenig. kaum [?] herauszufinden was einen

wirklich interessiert und sich da auch mehr

zu spezialisieren und dazu mehr zu machen

… sondern man hat halt einfach so viel zu

machen.«

Die mangelnde Wahlfreiheit im Studium

wird kritisiert, das »Ausprobieren« von

Themen und Lehrenden als studentisches

Privileg ist in dem engen Korsett des BA-

Systems nicht mehr möglich.

»Und vielleicht liegt das tatsächlich dann an

diesem Bachelorsystem, dass das da nicht, oder

kaum unterstützt wird (...) Die Möglichkeit

zwei Seminare parallel zu belegen und dann

festzustellen, dass einem das eine schmeckt

und das andere nicht.«

Als gute Studienbedingungen haben die

Studierenden die semesterübergreifenden

und projektorientierten Lehrveranstaltungen

START-Werkstatt und Studienschwerpunkt

hervorgehoben. Die Eigenverantwortung

und die Prozessorientierung wird

hier betont, ebenso, dass in diesen Veranstaltungen

Freiräume vorhanden seien

zu bearbeiten, was wirklich interessiert.

Es sind die längeren Phasen über zwei

Semester hinweg, die auch ein anderes

Erleben von Prozessen erlauben:

»Startwerkstatt ist da schon ein Ansatz. Wo

ein größerer Freiraum ist, wie man auch mit,

auch vom zeitlichen Ablauf her mit anderen

Rhythmen arbeiten kann, als jetzt so eine

Seminarsitzung, die 90 Minuten dauert. Die

Studienschwerpunkte genauso. Was über zwei

Semester geht, was man erst langsam gären

lassen kann so, bis sich Gruppen finden, bis

sich Themen finden. Bis man so dran ist an der

Thematik und das man das über zwei Semester

entwickeln kann find ich (...) vom zeitlichen

Ablauf her ein wichtiges Strukturelement.«

Fazit

Soweit der kurze Einblick in die Ergebnisse

des Forschungsprojektes. Statt einer

Zusammenfassung soll zum Abschluss

eine These zur »Studentischen Identität«

stehen, die beschreibt, wie sich die ge-

sellschaftlichen Widersprüche im Studium

der Sozialen Arbeit spiegeln: Es besteht

eine starke Diskrepanz zwischen dem

durch die Bolognareform etablierten

neoliberalen Studiumsethos (individueller

Leistungswille, Durchsetzungsvermögen,

Konkurrenz, Wettbewerb) und dem von

den Studierenden der Sozialen Arbeit

antizipierten Berufsethos (Reflexionsfähigkeit,

Mitgefühl, Gerechtigkeit, Gleichheit,

Einsetzen für Schwächere, Akzeptanz von

Eigensinn).

Prof. Dr. Ralf Quindel ist Professor für Psychologische

Grundlagen der Sozialen Arbeit und der

Heilpädagogik an der KHSB. Der ausführliche

Forschungsbericht ist auf der KHSB-Homepage

von Prof. Dr. Ralf Quindel als pdf-Datei veröffentlicht.

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eiNblick

»ach wie gut, dass niemand weiß ...«

Ein Interview mit Ingrid lutz, leiterin des nächsten Durchlaufs der Weiterbildung Drama- und theatertherapie, einem

kooperationsprojekt des referats Weiterbildung mit der Deutschen gesellschaft für theatertherapie (Dgft)

Das Gespräch mit Ingrid Lutz führte Mechthild Schuchert, Studienleiterin KHSB.

Frau Lutz, die Hochschule hat die Kooperationsanfrage

der DGfT gern aufgegriffen und

wird gemeinsam mit Ihnen im nächsten Frühjahr

ein zweites Mal die Weiterbildung Dramaund

Theatertherapie beginnen. Für die KHSB

ist diese Weiterbildung ein weiteres wichtiges

Element in der Qualifizierung von Professionellen

in den Feldern der Sozialen Arbeit, der

Heilpädagogik und der gesundheitsorientierten

Berufe mit kreativen, künstlerischen Methoden.

Wir haben uns auch deshalb gern für eine Zusammenarbeit

mit Ihnen entschieden, weil wir

wissen, dass Sie über vielfältige Erfahrungen

in der dramatherapeutischen Arbeit mit Menschen,

z.B. mit Suchterkrankungen, verfügen.

Wie kann die Dramatherapie hier nutzbar gemacht

werden?

Ich muss etwas ausholen, um Ihnen ein

Beispiel zu nennen, mit dem ich Ihre Frage

hoffentlich anschaulich beantworten

kann. Zum Ende eines dramatherapeutischen

Prozesses mit alkoholabhängigen

Menschen erarbeiteten wir ein Stück mit

dem Titel: »Ach wie gut, dass niemand

weiß…« Dieser Satz bedeutete den Menschen

viel, denn er fasste wesentliche Erfahrungen

mit ihrer Suchterkrankung zusammen:

die Angst, erkannt zu werden,

den Druck, das Suchtverhalten verstecken

zu müssen, die Einsamkeit und die soziale

Isolierung – aber vorrangig die Erfahrungen

im Therapieprozess, wesentliche Teile

der eigenen Person nicht zeigen zu dürfen

oder bagatellisieren zu müssen.

Eine theatertherapeutische Methode

besteht darin, dass die Gruppe die Rollen

entwickelt und einander zuweist. In dieser

Gruppe gab es eine Frau von etwa 50

Jahren, die sehr »unscheinbar« war und

in ihrem Verhalten sehr unterordnend. In

diesem Stück nun wurde ihr die Rolle einer

Domina zugewiesen. Zu meiner größten

Überraschung nahm sie diese Rolle

sofort an und spielte sie mit Lust und Lei-

denschaft. Nach der Aufführung erzählte

sie mir lächelnd, dass ihr Mann sie nicht

erkannt hatte und jetzt ganz begeistert

sei. Er empfand offensichtlich zum ersten

Mal Respekt vor ihr – und das war ein

wichtiger Schritt für ihre Heilung.

Frau Lutz, ich sehe an diesem Beispiel, dass

diese Frau, die sich – wie Sie berichteten –

immer unterordnen musste – gern eine Rolle

nahm, in der sie dominieren darf, stärker noch

ausgedrückt: in der sie über die ihr zugewiesene

Rolle dominieren muss, also eine Antirolle

übernimmt. Wie passt dieses Verhalten zur

»Sucht« und was

bedeutet es in

einem heilenden

Prozess, dass

diese Frau sich

zu einem dominanten

Verhalten

entscheiden kann?

Sie hätte die Rolle

ja auch so spielen

können, dass

z.B. ihr Mann sie

erkennt … also

mit weniger Überzeugungskraft,

mit

weniger Hingabe.

Ihre Sucht drückt die Abhängigkeit von

einem sehr engen Selbstverständnis aus.

Nur über das Suchtmittel gelingt »im

Rausch« kurzfristig der Ausbruch aus

einem engen Korsett, gefolgt von noch

größerer Selbstentwertung, wenn der

Rausch vorbei ist. Und so, wie sie ihre

Lebenswünsche verheimlichen muss,

muss sie auch die Sucht verheimlichen. Im

Schutz des Spiels und der Rolle findet sie

den »Raum«, tabuisierte Verhaltensweisen

und Lebenswünsche auszuprobieren.

Im spielerischen Tun verliert sie die Angst

vor Bedürfnissen, die sie in ihrer Lebensgeschichte

gelernt hat zu verneinen. Und

in diesem Spiel ging es ja nicht darum,

Domina zu sein, sondern auszuprobieren,

wie es sein kann, zu bestimmen und sich

nicht mehr zu unterwerfen. Im dramaund

theaterherapeutischen Handeln geht

es darum, »Spiel-Räume« zu ermöglichen.

Ein schönes Bild – passend zum Leitgedanken

der künstlerischen und kreativen Verfahren, unbewussten,

geheimen und ungenutzten Möglichkeiten

Ausdruck zu verleihen. Wie gelingt

es, diese Fähigkeit zu lehren?

Man kann es nur »am eigenen Leib«

erfahren und lernen. Wir lehren es, indem

wir auch in der Ausbildung »Spiel-

Räume« eröffnen und die Lust, sich zu

entwickeln, ungenutzte Möglichkeiten

zu leben. Ausbilden heißt, geschützte

Räume der Bühne, geschützte Räume der

Rolle und von Ritualen anzubieten und

das Experimentieren zu unterstützen. Erst

danach kann gelernt werden, dies weiterzugeben.

Ich tue so, als ob … und ich kann ja – weil es

doch nur ein Spiel ist – immer wieder zurück ...

Ja, hier liegt die große Chance. Im Spiel

auf der Bühne, im Theater kann ich die

Angst vor einem mir fremden Verhalten


nehmen. Ich darf es probieren. Und es

mir aneignen oder auch wieder verwerfen.

Und weiter spielen …, alles aus noch

einem anderen Blickwinkel sehen.

Welche Haltungen brauchen Sie und was kann

zum Gelingen dieser therapeutischen Arbeit

beitragen?

Ich brauche Respekt vor den Handlungen

der Menschen, mit denen ich

arbeite. In der Sozialen Arbeit würde

man wahrscheinlich sagen, dass ich auf

die Ressourcen blicke, weg von der Defizitorientierung.

Als Dramatherapeutin

respektiere ich das Suchtverhalten als

ein Lösungshandeln aus einem tiefen

Dilemma. Zwar ein destruktives – aber

ein Lösungsverhalten. Meine Aufgabe ist

es, Menschen dabei zu unterstützen, in

einem künstlerischen Schaffensprozess

diese lebensfeindlichen Formen in lebensförderliche

zu verwandeln.

Woran können Sie erkennen, ob Sie mit einem

Menschen auf dem »richtigen Weg« sind?

Aus meiner Arbeit in einer Drogeneinrichtung

in Peru habe ich einen ganz einfachen

Indikator mitgebracht: Als geheilt

gilt dort jemand, der den eigenen Körper

und das Leben in seiner Umgebung würdigen,

schätzen und pflegen kann. Dieser

Respekt vor dem Leben ist gleichzeitig die

Voraussetzung für ein soziales und ökologisches

Miteinander.

Mit diesem Konzept passt die Dramatherapie

sehr gut in die neuen Ansätze der Suchttherapie.

Was sagen Sie zur Nachhaltigkeit der

kreativen Verfahren?

Wir müssen auf einen wichtigen Punkt

hinweisen, der im Übrigen für die meisten

therapeutischen Verfahren gilt: Die

Drama- und Theatertherapie kann ihre

Wirksamkeit nur entfalten, wenn der Klient/die

Klientin wirklich Veränderungen

möchte. Diese kreativen Verfahren setzten

eine hohe Motivation voraus – dann

können sie sehr nachhaltig wirken und zu

einer lebendigen und lebensförderlichen

Gesellschaft beitragen.

Weiterbildung pflegeberatung

Ein neues angebot kooperation mit dem Institut für

Innovation und Beratung der EhB

Mechthild Schuchert

Ab dem 1. Januar 2009 haben die ca. 2,1

Millionen pflegebedürftigen Menschen

in Deutschland einen Rechtsanspruch auf

Pflegeberatung gegenüber ihrer Pflegekasse.

Pflegeberaterinnen und Pflegeberater

sollen Betroffene individuell beraten

und Hilfestellung bei der Inanspruchnahme

von bundes- oder landesrechtlich

vorgesehenen Sozialleistungen und sonstigen

Hilfsangeboten, die auf Unterstützung

von Menschen mit Pflege-, Versorgungs-

oder Betreuungsbedarf ausgerichtet

sind, anbieten. Das individuelle Fallmanagement

reicht von der Feststellung und

systematischen Erfassung des Hilfebedarfs

über die Erstellung eines individuellen

Versorgungsplans mit allen erforderlichen

Leistungen bis hin zur Überwachung der

Durchführung des Versorgungsplans.

Diese Pflegeberatung erfordert von den

Pflegeberaterinnen und Pflegeberatern

zusätzliche Qualifikationen, die abhängig

von den jeweils im erlernten Beruf

erforderlichen Kenntnissen und Qualifikationen

sind. Das Referat Weiterbildung

hat in Kooperation mit dem Institut für

Innovation und Beratung der Evangelischen

Hochschule Berlin (INIB) eine

modularisierte Weiterbildung konzipiert.

Sie entspricht den Empfehlungen des

GKV-Spitzenverbandes nach § 7a Abs. 3

Satz 3 SGB XI vom 29. August 2008. Die

drei Module Pflege, Recht und Case Management

sind getrennt belegbar, bereits

erworbene Qualifikationen können nach

Einzelfallprüfungen angerechnet werden.

Mit dem erfolgreichen Abschluss des Moduls

»Case Management« sind die Qualitätsstandards

der Deutschen Gesellschaft

für Sozialarbeit (DGS) und des Deutschen

Berufsverbandes für Soziale Arbeit (DBSH)

erfüllt und die Zertifizierung als Case

ManagerIn kann beantragt werden. Die

wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof.

Dr. Gabriele Kuhn-Zuber (KHSB) und Prof.

Dr. Peter Sauer (INIB).

Weitere Informationen zum Beginn und zu den

Kosten entnehmen Sie bitte der Homepage.

www.khsb-berlin.de Referat Weiterbildung

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eiNblick

Die türen der kitas stehen männern

weit offen

nEuE koorDInatIonsstEllE »männEr In kItas«

Anfang 2010 nahm die Koordinationsstelle

»Männer in Kitas« ihre Arbeit an

der Katholischen Hochschule auf. Sie

verfolgt das Ziel, in den kommenden

Jahren gemeinsam mit Verantwortlichen

aus Politik und Praxis den Anteil männlicher

Fachkräfte in Kitas zu erhöhen, und

wird vom Bundesministerium für Familie,

Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Der Einrichtung einer Koordinationsstelle

ging eine vom Familienministerium beauftragte

Studie mit dem Titel »Männliche

Fachkräfte in Kindertagesstätten« voraus,

die von der Katholischen Hochschule für

Sozialwesen Berlin und Sinus Sociovision

GmbH erstellt wurde.

nur 2,4 prozent männliche

Fachkräfte in kitas

Die Studie »Männliche Fachkräfte in

Kindertagesstätten« kommt zu dem Ergebnis,

dass derzeit lediglich 2,4 Prozent

männliche Fachkräfte in Kitas arbeiten.

»Zwar steigt die absolute Anzahl der

männlichen Fachkräfte tendenziell, das

macht sich aber vor dem Hintergrund

der insgesamt zunehmenden Anzahl von

Fachkräften in Kitas kaum bemerkbar«,

kommentiert Jens Krabel, einer der drei

Autoren der Studie die aktuelle Situation.

Die wenigen in den Kitas anwesenden

männlichen Fachkräfte werden von allen

Befragten als für die pädagogische Arbeit

bereichernd wahrgenommen und geschätzt.

Die Türen der Kitas stehen Männern

weit offen. Trotz positiver Bilanz gibt

es zahlreiche Hürden und Barrieren, die

verhindern, dass Männer den Erzieherberuf

ergreifen. »Der Facettenreichtum

des Berufs und der mittlerweile hohe Bildungsanspruch

an die Arbeit in Kitas sind

wenig bekannt«, sagt Michael Cremers,

Mitautor der Studie.

politische unterstützung gewünscht

Mehr als 80 Prozent der Eltern sind der

Meinung, dass Träger von Kitas einen

wesentlichen Beitrag dazu leisten sollen,

den Anteil männlicher Fachkräfte in Kitas

zu erhöhen. Die Erhöhung des Männeranteils

in Kitas bedarf vor allem aus Sicht

der Träger-Verantwortlichen und Kita-Lei-

tungen politischer Unterstützung – und

die gibt es ihrer Meinung nach bislang

nicht. Familienministerin Kristina Schröder

(CDU) will dies ändern und reagierte

Ende Juli auf das positive Klima für mehr

Männer in Kitas mit der Aufforderung an

die Verantwortlichen, Modellprojekte und

tätigkeitsbegleitende Qualifizierungen für

Erzieher zu entwickeln.

Ab dem 1. Januar 2011 stehen dafür

12,5 Millionen Euro zur Verfügung. Damit

werden drei Jahre lang mindestens zehn

Modellregionen, in denen mehr männliche

Fachkräfte für Kindertagesstätten

gewonnen werden, gefördert. Diese

gleichstellungspolitischen Vorhaben hat

die Koordinationsstelle mit entwickelt

und ist nun für die fachliche Begleitung

zuständig.

Weltweit einmaliges Vorhaben

»Das im Aktionsplan der Bundesregierung

eingesetzte Finanzvolumen ist weltweit

einmalig. Nicht einmal die skandinavischen

Länder Norwegen oder Schweden

haben eine solche umfassende, von der

Politik unterstütze Aktion gestartet, um

männliche Fachkräfte für den Erzieherberuf

zu gewinnen«, begrüßte Prof. Dr.

Stephan Höyng, Projektleiter der Koordinationsstelle,

das Vorhaben des Bundesministeriums.

Weitere Informationen zur Koordinationsstelle,

zur Studie und zum Modellprojekt unter:

www.koordination-maennerinkitas.de


neuerscheinung

»hanD In hanD DIE WElt BEgrEIFEn«

BIlDWörtErBuch DEr DEutschEn

gEBärDEnsprachE Für pErsonEn

aB 7 jahrEn

Viel Lust auf Spaß und Spiel, ein bisschen

Neugier und zwei freie Hände – mehr

braucht es nicht für dieses einzigartige

Mitmach-Wörterbuch der Gebärdensprache.

Von A wie Angeben über K wie

Klopapier bis Z wie Zuckerwatte sind hier

knapp 2000 Alltagsbegriffe versammelt.

Sämtliche Themen, die Menschen ab

etwa sieben Jahren umtreiben, werden in

wunderbar quirligen Wimmelbildern dargestellt,

umrahmt von den dazugehörenden

Gebärden-Zeichnungen. Schön und

gut, aber ist das nicht eher nur etwas für

Gehörlose? Wer das Buch mit hörenden

Kindern zusammen anschaut, weiß es

sofort besser: Mit Begeisterung eignen sie

sich die neue „Geheimsprache“ an. Auch

wir Erwachsenen haben großen Spaß

daran, diese expressive Sprache auszuprobieren

und im wahrsten Wortsinn zu „begreifen“,

welche Ausdrucksmöglichkeiten

in uns stecken. Wer dieses Buch betrachtet,

kann nicht still sitzen bleiben!

Hand in Hand die Welt begreifen

Bildwörterbuch der deutschen Gebärdensprache

für Personen ab sieben Jahren

Klett Kinderbuch Verlag

192 Seiten, gebunden

EUR 19,90 [D] • EUR 20,50 [A] CHF 32,90

ISBN 978-3-941411-26-5

promotionskolleg

»soziale professionen und menschenrechte«

Als Förderprogramm für NachwuchswissenschaftlerInnen

läuft seit Januar 2010

das Promotionskolleg »Soziale Professionen

und Menschenrechte« an der KHSB.

Das Kolleg bietet einen Rahmen für

kontinuierlichen, fachlichen Diskurs und

zielt darauf, Promotionen von FachhochschulabsolventInnen

zu unterstützen.

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der

Förderung der Chancengleichheit von

Frauen. Aus zahlreichen Bewerbungen

wurden neun PromovendInnen in das

Kolleg aufgenommen. Davon erhalten

fünf Frauen ein Promotionsstipendium.

Mit ihren Promotionsvorhaben sind die

KollegiatInnen an verschiedenen Universitäten

deutschlandweit eingebunden.

ProfessorInnen der KHSB wirken in der

Regel als ZweitgutachterInnen in den

Promotionsverfahren mit und begleiten

die KollegiatInnen fachlich. In den monatlichen

Kollegstreffen wird zum einen der

Austausch über die Forschungsprojekte

sichergestellt. Zum anderen werden Themen

entlang des Forschungsprogramms

»Soziale Professionen und Menschenrechte«

erarbeitet. Im Mittelpunkt stehen dabei

die Reflexion von Sozialer Arbeit und

Heilpädagogik als Menschenrechtsprofession

sowie die Grundlagen der Praxisforschung.

aktuEllE ForschungsprojEktE

Im kollEg

»subjektive theorien von Mitarbeiterinnen

in den erstanlaufstellen für

Flüchtlinge und deren einfluss auf das

frühe erkennen von Problemlagen

von Flüchtlingen mit behinderung«

von Doris Gräber (Prof. Dr. Ralf Quindel)

»begegnung, bildung und beratung

für Familien im stadtteil – eine exemplarisch-empirische

untersuchung«

von Sarah Häseler (Prof. Dr. Jens Wurtzbacher)

»lerndienste und Machtspiele. der

entwicklungspolitische Freiwilligendienst

aus der sicht der Aufnahmeorganisationen.

eine qualitativ-empirische

studie und netzwerktheoretische

reflexion« von Ute Elisabeth Hoffmann

(Prof. Monika Treber)

»schule aus sicht der Migrantenfamilien

– eine systematische darstellung

von handlungs- und deutungsmustern

von Migrantenfamilien im Verhältnis

zu bildungsmöglichkeiten und

schule in deutschland« von Meryem

Ucan (Prof. Dr. Gaby Straßburger)

»lebenslagen und Familiengeschichten

von Menschen mit so genannter

geistiger behinderung« von Thomas

Schmidt (Prof. Dr. Reinhard Burtscher)

»beteiligungskulturen der jugendhilfe

aus sicht der eltern« von Judith

Schobert (Prof. Dr. Gaby Straßburger)

»Zur bedeutung sozialer unterstützung

für die gesundheit gewaltbetroffener

Frauen in Frauenzufluchtswohnungen«

von Juliane Wahren (Prof.

Dr. Karlheinz Ortmann)

»die gemeinnützige Arbeit als sanktion.

Arbeitslose im konflikt von Norm

und realität« von Frank Wilde (Prof. Dr.

Jens Wurtzbacher)

»ein systemischer Vergleich der

Frühförderung in schweden und

deutschland anhand der Zielsetzung

der inklusion als Menschenrecht.

Möglichkeiten und grenzen einer optimierung

der deutschen Frühfördersysteme«

von Anja Wohlfahrt (Prof. Dr.

Monika Schumann)

Weitere Informationen finden Sie im Internet

unter www.khsb-berlin.de Forschung Pro-

motionskolleg

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rückblick

ForschungsprojEkt ältEr WErDEnDE EltErn unD ErWachsEnE FamIlIEnmItglIE-

DEr mIt BEhInDErung zu hausE – InnoVatIVE BEratungs- unD untErstützungsangEBotE

Im aBlösungsprozEss an DEr khsB gEstartEt

Auf Einladung von Prof. Dr. Burtscher

trafen sich am 31.05.2010 an der Katholischen

Hochschule für Sozialwesen die

Projektpartner für das Forschungsvorhaben

»ElFamBe« zu ihrem ersten Treffen.

Dies war der offizielle Startschuss für das

vom Bundesministerium für Bildung und

Forschung geförderte Projekt. Ziel des

ersten Treffens war es, sich gegenseitig

besser kennenzulernen, erste Forschungsaufgaben

vorzustellen und zu diskutieren.

Im Anschluss fand im Senatsaal der Hochschule

ein Empfang zusammen mit der

Hochschulleitung, Projektpartnern und

Hochschulmitarbeitern statt. Die Projektfinanzierung

erfolgt über die Förderline

»Soziale Innovationen für Lebensqualität

im Alter« »SILQUA-FH«, es ist neben dem

Forschungsprojekt SEVERAM das zweite

Forschungsvorhaben, das an der Katholischen

Hochschule für Sozialwesen Berlin,

über diese Förderlinie finanziert wird.

Das Projekt läuft von Mai 2010 bis April

2013. Das Forschungsvorhaben stellt älter

werdende Eltern, die ihre erwachsenen

Söhne und Töchter mit Behinderung zu

Hause betreuen, in den Mittelpunkt. Im

Rahmen eines partizipativen Modells

werden innovative Unterstützungsarrangements

entwickelt mit dem Ziel, die

Lebensqualität in den beschriebenen Familien

zu verbessern.

Folgende Aufgaben sind im Rahmen des

Projekts vorgesehen:

› Bedarfserhebung in Berlin

› Familienbegleitung und Infrastrukturanalyse

› Entwicklung, Erprobung und Evaluierung

niedrigschwelliger Unterstützungsangebote

› Multiplikatorenschulung und Erarbeitung

eines Praxishandbuches

› Sicherung von Nachhaltigkeit durch

Netzwerkarbeit

Als Kooperationspartner sind beteiligt:

› Eltern beraten Eltern von Kindern mit

und ohne Behinderung e.V.

› Eltern für Integration e. V.

› Eltern helfen Eltern e.V. in Berlin-Brandenburg

› Lebenshilfe Berlin gGmbH

› Spastikerhilfe Berlin eG

› IN VIA Projekte Berlin gGmbH

› Der Paritätische Wohlfahrtsverband

Landesverband Berlin e.V.

› Humboldt-Universität zu Berlin

Weitere Informationen finden Sie auf folgenden

Seiten im Internet:

www.khsb-berlin.de Reinhard Burtscher

Kontakt: reinhard.burtscher[at]khsb-berlin.de

oder thomas.schmidt[at]khsb-berlin.de


auF DEr BaustEllE mIt DEr startWErkstatt

ulrich Binner

Am 13.04.2010 fand die Startwerkstatt

von Prof. Dr. Ortmann in einem besonderen

Rahmen statt. Die Studierenden

besuchten das Generationsübergreifende

Wohnprojekt Alte Schule Karlshorst. Dies

geschah aber nicht, um das Projekt zu

besichtigen, sondern um tatkräftig beim

Bau eines generationenübergreifenden

Spielplatzes mitzuhelfen.

Die Alte Schule Karlshorst steht mit der

Katholischen Hochschule in einer besonderen

Verbindung. Von 2006 bis 2009

wurde das Vorhaben während der Projektentwicklung,

der Umsetzung und des

ersten Wohnjahres durch die Katholische

Hochschule wissenschaftlich begleitet.

In dem Generationsübergreifenden

Wohnprojekt Alte Schule Karlshorst leben

Menschen in allen Lebensphasen und in

unterschiedlichen Lebenslagen, mehrere

Bewohner sind von Schwerbehinderungen

betroffen und pflegebedürftig. Das

Altersspektrum der Bewohnerschaft reicht

von drei bis neunzig Jahre, insgesamt

leben 29 Kinder und Jugendliche in der

Alten Schule. Das ehemalige Schulhaus,

das innerhalb von zwei Jahren durch die

SelbstBau Genossenschaft in ein barrierefreies

Wohnhaus für 20 Mitparteien

umgebaut wurde, beherbergt auch eine

Wohngruppe des Kinderhaus Berlin -

Mark Brandenburg e.V., in der zehn Kinder

und Jugendliche zwischen drei und

16 Jahren, deren Eltern überfordert, alkoholkrank

oder obdachlos sind. Das Wohnprojekt

umfasst neben dem Haupthaus

auch ein ca. 5000m² großes Außengelände

für dessen Ausbau bislang sowohl das

Geld als auch die benötigten Fachkräfte

fehlten. ZIBB und radioBerlin 88.8 haben

nun mit Hilfe ihrer Zuschauer und Zuhörer

innerhalb von 96 Stunden diesen Ausbau

in Angriff genommen, nachdem eine

Bewohnerin der Kinderhauswohngruppe

mit einem Brief um Unterstützung bei der

Gestaltung des Hofs bat. Durch den Umbau

konnten sowohl Spielgeräte und ein

Baumhaus für die Kinder auf dem Gelände

aufgebaut werden, als auch ein barrierefreier

Mehrgenerationentreffpunkt

und Hochbeete für die Bewohner, die auf

einen Rollstuhl angewiesen sind, realisiert

werden. Die Studierenden der Startwerkstatt

beteiligten sich am ersten Tag der

Bauarbeiten im Rahmen ihrer Seminarzeit

(10 - 17.30 Uhr) rege und mit vollster

Tatkraft an den Bauarbeiten. Das Prinzip

der SelbstBau e.G., dass sich Gruppen

durch gemeinsames Arbeiten finden und

verfestigen, konnte so am eigenen Leib

ausprobiert werden. Mit Spaten und

Spitzhacke rodeten die Studierenden die

ihnen zugewiesenen Teile des Geländes.

Wie viele Schubkarren mit abgetragener

Deckschicht und abgeschnittenem Wildwuchs

an diesem Tag zusammen kamen,

hat wohl keiner gezählt, der Muskelkater

am nächsten Tag zeigte aber allen Beteiligten,

dass sie am Dienstag viel geschafft

hatten…

BachElorprEIs DEr hamBurgEr

carItasstIFtung gEht an stuDIErEnDE

DEr khsB

Die »Caritasstiftung Hamburg – Menschen

in Not« hat am 2. Juni 2010 erstmalig

einen Bachelorpreis für Abschlussarbeiten

in den Studiengängen Soziale

Arbeit und Sozialpädagogik verliehen.

Zur Verleihung in die Rathauspassage

kamen u.a. die Staatsrätin der Hamburger

Sozialbehörde, Frau Dr. Angelika Kempfert,

Mitglieder des Stiftungsvorstandes

und Stiftungsrates, Mitarbeiter des Caritasverbandes

sowie weitere Kooperationspartner.

Nach einer Begrüßung von

Caritasdirektor Laschinski wurden die

Preisträger für ihre Arbeiten mit einem

Blumenstrauß, einer Urkunde und einem

entsprechenden Geldbetrag ausgezeichnet

und stellten ihre Abschlussarbeiten

dann in zehnminütigen Vorträgen vor.

Von den sieben norddeutschen Hochschulen

in Hamburg, Kiel, Bremen und

Berlin, mit denen die Stiftung beim Bachelorpreis

kooperiert, hatten vier Hochschulen

insgesamt zehn Arbeiten eingereicht.

Prof. Sturzenhecker (Hamburg),

Prof. Panitzsch-Wiebe (Hamburg) und

Prof. Bernzen (Berlin) prüften die Arbeiten

und wählten die drei Preisträger aus. Den

2. Preis erhält Doreen Schrötter von der

Kath. Hochschule für Sozialwesen in Berlin.

Sie schrieb eine preiswürdige Arbeit

über ein Patenschaftsmodell für Kinder

aus suchtbelasteten Familien.

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18

rückblick

Das gutE Im BlIck

Ralf Quindel und Kai Schmidt

Im Rahmen eines Hochschultags diskutier-

ten am 26. Mai 2010 Lehrende, Studierende

und Verwaltungsmitarbeiterinnen

Erfahrungen mit Verfahren der Qualitätssicherung

und erörterten Ansätze zu deren

Weiterentwicklung. Die Themen der

sieben Arbeitsgruppen, die den Kern des

Tages bildeten, deckten unterschiedliche

Ebenen (Lehrveranstaltung, Modul, Studiengänge)

der Qualitätssicherung, Kernprozesse

(Studieneingangsphase, Theorie-

Praxis Verknüpfung, Prüfungen) der Lehre

sowie das Profil der Hochschule ab.

Die Weiterentwicklung der Verfahren der

Qualitätssicherung an der KSHB ist nach

Einschätzung der Teilnehmerinnen und

Teilnehmer am Hochschultag insbesondere

im Hinblick auf vier Bereiche sinnvoll

(vgl. Bericht der Kommission für Qualitätssicherung

zum Hochschultag):

› Wiederholt wurde der Wunsch nach

mehr Information und Transparenz der

Verfahren geäußert. So wurde z. B. in AG

1 ausgehend von der Einschätzung, dass

das Verfahren der Lehrevaluation wenig

transparent ist, einige Ideen entwickelt um

die Transparenz des Verfahrens zu verbessern

› Die Frage, wie sich die Qualität der

Lehre durch Vernetzung unterschiedlicher

Akteure und durch Etablierung von

Kommunikationsräumen verbessern ließe,

nahm in den Arbeitsgruppen einen breiten

Raum ein.

› Dass der im Qualitätskreis beschriebene

idealtypische Zusammenhang von Planen,

Handeln, Überprüfen und Verbessern in

vielen praktizierten Verfahren der Quali-

tätssicherung mehr zur Geltung gebracht

werden könnte, war ein weiteres zentrales

Thema des Hochschultags.

› Ein viertes Thema, das sich durch mehrere

Arbeitsgruppen zog, war die Perspektive

auf die Verantwortlichkeit für Verfahren

der Qualitätssicherung. In mehreren

Zusammenhängen äußerten Hochschulmitglieder

die Einschätzung, dass Verantwortlichkeiten

auszudifferenzieren und zu

klären seien. Am deutlichsten wurde diese

Einschätzung im Hinblick auf die Rolle der

Modulverantwortlichen zum Ausdruck gebracht

(AG 5).

Abgeleitet von den Ergebnissen des

Hochschultags hat der Akademische

Senat in seiner Sitzung am 14. Juli 2010

eine aus den Säulen Qualitätskonzept,

Prozessdokumentation und Entwicklung

von Verfahren der Qualitätssicherung

bestehende Qualitätsstrategie beschlossen

und die KfQ mit der Umsetzung

beauftragt. Dadurch soll die Transparenz

und Information über Verfahren der Qualitätssicherung

erhöht, die Vernetzung der

Akteure verbessert, Qualitätskreisläufe

geschlossen und Verantwortlichkeiten

ausdifferenziert werden.

DEr aBschlussBErIcht DEr »kunDEn-

stuDIE« zum untErstütztEn WohnEn

In BErlIn lIEgt Vor: stanDortBEstImmung

unD stratEgIEVorschlag.

Im April diesen Jahres hat das Forschungsprojekt

»KUNDENSTUDIE« –

BEDARF AN DIENSTLEISTUNGEN ZUR

UNTERSTÜTZUNG DES WOHNENS VON

MENSCHEN MIT BEHINDERUNG« seinen

Abschlussbericht vorgelegt. Gefördert

von Aktion Mensch wurde das Projekt

von 2007– 2009 an der Katholischen

Hochschule für Sozialwesen Berlin unter

Leitung von Prof. Dr. Monika Seifert und

der wissenschaftlichen Mitarbeit von Dr.

Birgit Steffens durchgeführt. Kooperationspartner

waren der Paritätische Wohlfahrtsverband

(Landesverband Berlin) und

die Eberhard-Karls-Universität Tübingen

(Forschungsstelle »Lebenswelten behinderter

Menschen«). Schwerpunkt der

Studie war eine mehrperspektivische und

mehrdimensionale Analyse der wohnbezogenen

Unterstützungsleistungen für

Menschen mit geistiger und mehrfacher

Behinderung im Land Berlin. Im Sinne

partizipativer Forschung haben sich rund

250 Frauen und Männer mit Behinderung

an Befragungen, Interviews, Workshops

und stadtteilbezogenen Praxispro-jekten

beteiligt. Als weitere Experten wurden

Vertreter der Behindertenhilfe und der

Sozialverwaltung sowie lokale Akteure

sozialer Einrichtungen und Dienste in die

Untersuchungen einbezogen.

Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes

Bild der aktuellen Strukturen und

Entwicklungen im Bereich des Wohnens

sowie der Erfahrungen der behinderten

Menschen mit den Unterstützungsleistungen

und mit dem Zusammenleben im

Wohnquartier. Ihre Veränderungswünsche

zeigen, dass verlässliche soziale Beziehun-


gen und individuelle sozialraumorientierte

Wohn- und Unterstützungsarrangements

einen zentralen Stellenwert haben.

Die Erkenntnisse der »Kundenstudie«

werden zu einem Strategiekonzept verdichtet,

das konkrete Maßnahmen auf

dem Weg zur Inklusion benennt. Sie

betreffen die Ebene des Individuums und

seiner Lebenswelt sowie die Ebene des

Hilfesystems und des Sozialraums, unter

Einbeziehung von behinderten Menschen

mit Migrationshintergrund. Durch die

Vermittlung theoretischer Prämissen und

Leitorientierungen der Behindertenhilfe

mit den realen Versorgungsstrukturen

eröffnet die Studie neue Entwicklungsperspektiven.

Sie liefert einen praxisbezogenen

Baustein zur Umsetzung der

UN-Behindertenrechtskonvention, die die

vollständige gesellschaftliche Partizipation

von Menschen mit Behinderung in einem

inklusiven Gemeinwesen einfordert und

seit 2009 verbindliche Grundlage für das

nationale Recht ist. Die Studie hat für die

Weiterentwicklung der Strukturen und

Prozesse nicht nur der Behindertenhilfe

bundesweite Bedeutung.

aBschluss DEs EuropäIschEn projEkts unIQ - usErs nEtWork to

ImproVE QualIty: nutzErInnEn unD nutzEr EValuIErEn angEBotE.

Monika Seifert / Janna Harms

Mit dem Workshop »Qualität sicherstellen:

Dienstleistungen auf der Grundlage

von Rechten und Werten« fand das

UNIQ-Projekt auf dem 15. Weltkongress

von Inclusion International im Juni 2010

in Berlin seinen Abschluss. UNIQ ist eines

von acht europäischen Projekten

im Programm Progress, mit denen die

EU-Kommission bewährte Methoden zur

Definition, Verbesserung und Messung

der Qualität sozialer Dienstleistungen in

den Mitgliedsländern verbreiten möchte.

Koordiniert wurde das Projekt von

Atempo aus Österreich. Projektpartner in

Berlin waren der Paritätische Wohlfahrtsverband

Berlin, die Senatsverwaltung für

Integration, Arbeit und Soziales und die

Katholische Hochschule für Sozialwesen

Berlin. Die Hochschule wurde vertreten

durch Prof. Dr. Monika Seifert und Dipl.-

Heilpäd. (MA) Janna Harms.

Im Zeitraum von 2009-2010 wurde in

drei Ländern (Deutschland, Tschechien,

Norwegen) getestet, wie das in Österreich

entwickelte Evaluationsmodell Nueva auf

die Bedingungen in anderen europäischen

Ländern übertragen werden kann.

Nueva evaluiert die Qualität von Diensten

für Menschen mit Lernschwierigkeiten

und Behinderung. Das Besondere: Menschen

mit Lernschwierigkeiten waren an

der Entwicklung der Evaluationsinstrumente

beteiligt und arbeiten als Interviewer

aktiv bei der Durchführung und

Auswertung mit.

In Berlin wurden im Rahmen des UNIQ-

Projekts vier Nutzerinnen und Nutzer

von Wohnangeboten für Menschen mit

Lernschwierigkeiten in Grundlagen der

nutzerorientierten Evaluation geschult.

Als UNIQ-Peers führten sie Testinterviews

in Wohneinrichtungen der Berliner Behindertenhilfe

durch. In einem Seminar

von Professor Dr. Monika Seifert haben

sie über ihre Erfahrungen berichtet. Eine

Teilnehmerin brachte nach Abschluss

des Projekts zum Ausdruck, was die Mitarbeit

für sie bedeutet: »Nueva ist eine

neue, gute Möglichkeit für Menschen

mit Lernschwierigkeiten, etwas auf die

Beine zu stellen und im Vordergrund

zu stehen. Hier sind wir. Hier bin ich.

Wir haben unsere Rechte und unsere

Fähigkeiten. Wir werden bei Nueva so

akzeptiert wie wir sind und nicht als blöd

dargestellt.« (Näheres zum Projekt: http://

www.nueva-network.eu/cms/de/UNIQ/

UNIQ_in_Deutschland/).

Die Nueva-Evaluationsmethode wird in

Berlin auf breiter Basis von der Fachverwaltung

und von Trägern der Behindertenhilfe

unterstützt. Der Beginn einer

Ausbildung für Menschen mit Lernschwierigkeiten

zur Nueva-Evaluatoren ist

zum Ende des Jahres 2010 geplant.

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20

rückblick

ForschungsprojEkt potEnzIalE unD rIsIkEn In DEr FamIlIalEn

pFlEgE altEr mEnschEn an DEr khsB gEstartEt

Am 1. September 2010 fällt der Startschuss

für ein neues vom Bundesfamilienministerium

finanziertes praxisbezogenes

Forschungsprojekt an der KHSB. Die

Mittel für das Projekt mit den Standorten

Siegen und Berlin wurden von Professor

Dr. Suanne Zank (Universität Siegen) und

Professor Dr. Claudia Schacke (KHSB) eingeworben.

Das Projekt Purfam ist mit der

Früherkennung, Prävention und Intervention

prekärer, von Gewalt bedrohter oder

betroffener familiärer Pflegebeziehungen

befasst.

hintergrund und wesentliche Inhalte

des projektes

Cirka 70% pflegebedürftiger älterer

Menschen werden zuhause von Familienangehörigen

betreut. Die Betreuung

insbesondere demenzkranker Angehöriger

ist mit vielfältigen Anforderungen

verbunden, die zu Überlastung und

schwerwiegenden physischen und psychischen

Beeinträchtigungen der Pflegenden

führen können. Chronische Überlastung

wiederum gilt als eine Hauptursache von

Aggressivität und Gewalt in der Pflege.

Zwar leistet die überwältigende Mehrheit

der Angehörigen eine gute, engagierte

und aufopferungsvolle Pflege. Zu den

Risiken der familialen Pflege zählen

jedoch auch körperliche und seelische

Misshandlungen sowie Vernachlässigung.

Bislang existieren jedoch kaum Konzepte,

die die (Früh)erkennung, Prävention und

Intervention von Gewalt in der häuslichen

Pflege älterer Menschen in den Blick nehmen.

Vor diesem Hintergrund besteht das

übergeordnete Ziel von Purfam in der Op-

timierung des Praxishandelns in der Angehörigenarbeit,

wobei der Schwerpunkt

auf Gewaltprävention durch Früherkennung

und Ressourcenstärkung liegt.

Im Einzelnen beinhaltet das Projekt folgende

Bausteine:

1. Analyse internationaler Best-Practice-

Ansätze

2. Tagung mit internationalen Experten

3. Entwicklung von Früherkennungsmaßnahmen

4. Durchführung von Workshops mit

Mitarbeitern in ambulanten Pflegediensten

5. Evaluation der Interventionsmaßnahme

6. Bundesweite Implementierung von

Screeningverfahren und Interventionsangeboten

7. Erarbeitung eines Maßnahmenkatalogs

für Entscheidungsträger aus

Gesundheits- und Sozialpolitik, Erarbeitung

eines Handbuchs / Manuals

für die Praxis.

Das Projekt hat eine geplante Laufzeit

von 2 1/2 Jahren (Standort Berlin) und

ein Gesamtvolumen von 604.705 EUR

(199.830 EUR Standort Berlin). Durch die

Kooperation mit Professor. Dr. Susanne

Zank besteht für die beiden an der KHSB

beschäftigten Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen

die Möglichkeit, im Rahmen

des Projekts zu promovieren. Interessierte

Studierende der KHSB sind eingeladen,

das Projekt kennenzulernen und ggf. ihre

Abschlussarbeit zu schreiben.

altErnatIVE lEhrVEranstaltungEn

an DEr khsB

Ulrike Poppe, Studentin an der KHSB

Unter dem Motto »Rolle und Funktion

der Professionellen im Sozialwesen« fanden

im Sommersemester 2010 fünf alternative

Lehrveranstaltungen an der KHSB

statt. Die Idee zur Veranstaltungsreihe

stammt aus dem Bildungsstreik 2009. Das

Organisationsteam aus Studierenden und

Lehrenden hat es sich zum Ziel gesetzt

selbstorganisierte Lehrveranstaltungen

sowie ein kritisches Bewusstsein und

einen Blick auf gesamtgesellschaftliche

Zusammenhänge an die Hochschule zu

bringen und zu entwickeln. Die Themen

reichten vom Einblick in den Berufsalltag

von Berufseinsteigern und »alten Hasen«

im Sozialwesen über Einblicke in internationale

Verhältnisse. In einer weiteren Veranstaltung

ging es um die Entwicklungen

in der Trägerlandschaft Berlins und deren

Auswirkungen auf die Beschäftigungsverhältnisse

von Bachelorabsolventen. Hierzu

wurden Vertreter/Innen von Gewerkschaften

und Trägern der Sozialen Arbeit

und Heilpädagogik eingeladen. Es folgte

ein Gastvortrag zum Thema »Kritische

Theorie« von Dr. phil. Alexander Demirovic,

bei dem man angeregt wurde einen

Blick über den Tellerrand zu wagen und

gedanklich neue Wege einzuschlagen. In

der letzten alternativen Lehrveranstaltung

stand der Austausch über die vollendete

erste Lehrveranstaltungsreihen, sowie

das Schaffen gemeinsamer Perspektiven

an der KHSB für kommende Semester im

Vordergrund. Resümierend ist zu sagen,

dass ein großes Interesse an sozialpolitischen

Themen herrschte, aber auch

darüber hinaus. Besonders die Gespräche

im Anschluss an die Veranstaltungen


erfreuten sich großer Beliebtheit. Alles in

allem wurden die alternativen Lehrveranstaltungen

im Sommersemester 2010

begeistert aufgenommen und zum Anlass

tiefgehender Diskussionen. Aufgrund dieser

Tatsachen und der tollen neuen Ideen

aus der letzten Veranstaltung wird es im

Wintersemester weitergehen! Schon jetzt

wird angedacht das Repertoire von Veranstaltungen

um einen aktiveren Teil in

Form von Workshops zu ergänzen. Natürlich

sind alle eingeladen, die ihre Themen

umgesetzt sehen wollen, die sich an der

Organisation beteiligen möchten oder

die einfach nur die Lust verspüren eine

Veranstaltung zu organisieren. Informationen

zu den Organisationstreffen und

dem weiteren Vorgehen – oder einfach

nur ein/e persönlichen Ansprechpartner/in

gibt es unter folgender Adresse:

internes[at]khsb.de

zusammEnarBEIt üBEr grEnzEn hInWEg

FachgEspräch: »QualItätsanForDErungEn unD QualItätssIchErung

IntErnatIonalEr praktIka unD hospItatIonEn«

Bernd Streich

»Qualität« ist in aller Munde. – auch in

Hochschulen und hier vielleicht in den

letzten Jahren in einem besonderen Maß.

Dies führte verschiedene Hochschulen mit

sozialer Ausrichtung zusammen. Unter

dem Thema »Qualitätsanforderungen

und Qualitätssicherung internationaler

Praktika und Hospitationen« fand am

03./04.Mai 2010 ein interessantes Fachgespräch

in Berlin statt. Tagungsort war

die Evangelische Hochschule Berlin und

die KHSB, also Zehlendorf und Karlshorst.

Dem »Ev. Verein zur Förderung der Initiativen

gegen Arbeitslosigkeit Berlin-Steglitz

e. V.« – Eviga genannt – war es gelungen

die Evangelischen Hochschule Berlin

(EHB), die Alice-Salomon-Hochschule

Berlin (ASH), die Katholischen Hochschule

für Sozialwesen Berlin (KHSB) und die

Akademie für Sozialpädagogik und Theologie

Prag (Jabok) zusammen zu führen,

um sich über internationale Praktika und

Hospitationen auszutauschen und vielleicht

auch Anregungen zu erarbeiten,

insbesondere auch für Praktika in östlichen

Nachbarländern. Ziel war es, das

Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu

betrachten und die Erfahrungen der beteiligten

Fachhochschulen und von Eviga

einer Fachöffentlichkeit vorzustellen und

darüber ins Gespräch zu kommen. Beteiligt

waren neben vielen Vertretern aus

den beteiligten Institutionen auch alle drei

Rektorinnen der Hochschulen. Von besonderem

Interesse waren die Erfahrungen

von Studierenden und Lehrenden der

Jabok aus Prag. Die Jabok – Akademie für

Sozialpädagogik und Theologie in Prag -

ist eine Einrichtung der Gemeinschaft der

Salesianer Don Boscos, einer katholischen

Ordensgemeinschaft, die sich insbesondere

um Kinder und Jugendliche kümmert.

Die Schule in Prag bietet eine College-

Ausbildung in der der christliche und der

Don-Bosco- Geist im Bereich der Sozialarbeit,

Sozialpädagogik und Theologie seine

Verankerung hat. Die Initiatoren wollten

sich mit diesem Fachgespräch zu einem

bildungspolitischen Thema an aktuellen

Debatten beteiligen. Dies wurde auch

in der abschließenden Podiumsdiskussion

unter dem Thema: »Nachhaltigkeit

und Effekte internationaler Praktika und

Hospitationen für Studium und Lehre«

mit den Rektorinnen Frau Prof. Dr. Borde

(ASH), Frau Prof. Treber (KHSB), Herrn

Prof. Dr. Hildebrand und Herrn Direktor

Mgr. Martinek (Jabok) deutlich.

Ein herzlichen Dank allen, die zum Gelingen

dieses Fachgesprächs beigetragen

haben.

21


22

rückblick

rElIgIösE praxIs – DIE khsB BEtEIlIgt

sIch am IntErrElIgIösEn DIalog

Bernd Streich

Interreligiösen Dialog praktisch erlebten

Studierende aus dem religionspädagogischen

Bachelorstudiengang im April des

Jahres. Sie nahmen zusammen mit Frau

Professor Dr. Christine Funk teil an einen

Vortrags- und Gesprächsabend, zu dem

der Sachausschuss »Ökumene und interreligiöser

Dialog« des Diözesanrates der

Katholiken im Erzbistum Berlin und die

islamischen Organisation DITIB (Türkisch-

Islamische Union der Anstalt für Religion

e.V.) eingeladen hatten. Das Thema »Religiöse

Praxis in Christentum und Islam«

stand an diesem Abend im Mittelpunkt.

Und gab viel Stoff zum Austausch. Für

die religiöse Praxis im Islam spielen die

fünf Grundpflichten dieser Religion,

auch »Pfeiler« oder »Säulen« des Islams

genannt, eine maßgebende Rolle: Glaubensbekenntnis,

Gebet, Unterstützung

der Bedürftigen, Fasten und Pilgerfahrt.

Impulsreferate zur religiösen Praxis im

Islam wurden von Andry Abbas Schulz

und im Christentum von Dompropst Dr.

Stefan Dybowski gehalten. Sie ließen

schon etliche Parallelen deutlich werden.

In kleiner Runde konnten die Teilnehmenden

über die Bedeutung der religiösen

Praxis für das eigene Leben miteinander

ins Gespräch kommen. Im Podium- und

Plenumsgespräch zeigten sich einige

Entsprechungen im Christentum und im

Islam. Zum Gelingen des Abends trugen

viele junge Muslime durch ihr engagiertes

Gespräch bei, ebenso die Beteiligung von

interessierten Nicht-Christen.

Weitere Kooperationveranstaltung: 25.10.2010

»Sterben und Tod aus christlicher und islamischer

Perspektive« (Berliner Hospizwoche)

EhEmalIgEr stuDEnt DEr khsB Erhält DEn

johannEs-stEllIng-prEIs gEgEn rEchtsExtrEmIsmus

Der Leiter der Kreisgeschäftsstelle der Caritas

in Anklam und ehemaliger Student

der KHSB (damals KFB), Ulrich Höckner,

erhielt am 22. Juni 2010 den mit 2.000

Euro dotierten Johannes-Stelling-Preis

der SPD Fraktion des Landtages Mecklenburg-Vorpommern.

Ulrich Höckner

war in der Vergangenheit in seinem Heimatort

Bargischow immer wieder offen

gegen rechtsextremistische Tendenzen

eingetreten. Sein Engagement gegen

die zeitweilige Nutzung eines dörflichen

Jugendclubs durch den sogenannten Heimatbund

Pommern – eine Vorfeldorganisation

der militanten Neonazikameradschaften

– führte zu einer beispiellosen

Verleumdungs- und Schmutzkampagne

gegen ihn und seine Familie. Trotz der

erheblichen Anfeindungen blieb Höckner

bei seiner engagierten demokratischen

Grundhaltung und trat als unabhängiger

Kandidat zur Kommunalwahl an. In seiner

Laudatio würdigte der Ministerpräsident

des Landes Mecklenburg-Vorpommern,

Erwin Sellering, die Leistungen von Ulrich

Höckner und der weiteren Preisträgerin

Jutta Bressem. Beim Kampf gegen Rechtsextremismus

brauche man einen »langen

Atem«, so Sellering. Wichtig sei, dass

rechtsextreme Straftaten konsequent verfolgt

würden. Von ganz besonderer Bedeutung

sei zudem die Bekämpfung des

Rechtsextremismus im gesellschaftlichen

Raum: »Hier sind alle gesellschaftlichen

Akteure gefragt. Das Engagement der

beiden Preisträger kann dabei Vorbild für

viele andere sein«, so Sellering. Der Preis,

der seit 2006 verliehen wird, ist benannt

nach Johannes Stelling, einem sozial-

demokratischen Politiker der Weimarer

Republik, der im Juni 1933 in Berlin während

der sogenannten Köpenicker Blutnacht

ermordet wurde. Ulrich Höckner,

der neben seiner Tätigkeit für die Caritas

auch Vorsitzender des Präventionsrates

der Stadt Anklam ist, war von 1992 bis

1996 Student der damaligen KFB. Die gesamte

Hochschule gratuliert ihm von Herzen

zu diesem Preis und wünscht ihm für

sein Wirken alles Gute und Gottes Segen.


AugeNblick

prof. Dr.

leo j. penta

professor für gemeinwesenarbeit und

-ökonomie

Warum möchten Sie ausgerechnet an einer

katholischen Hochschule für Sozialwesen unterrichten?

Weil ich Priester bin, könnte man einerseits

meinen, dass es »natürlich« ist, dass

ich hier bin. Die meisten Leute überrascht

es jedoch, dass ich nicht Theologie , sondern

Stadtteil- oder Gemeinwesenarbeit

unterrichte. Für mich ist es dabei wichtig

darauf hinzuweisen, dass es verschiedene

Ausdrucksweisen des kirchlichen Auftrags

geben kann.

Was finden Sie an Ihrer Arbeit an der KHSB

besonders erfüllend, herausfordernd oder änderungsbedürftig?

Ich arbeite an der KHSB seit langem und

habe viele Wellen der Curriculumsreform

erlebt. Das war nicht immer einfach,

weil ich oft das Gefühl hatte, schon die

nächste »Reform« entwerfen zu müssen,

bevor die alte wirklich eingespielt

war. Nach wie vor schätze ich sehr die

Studienschwerpunkte, bei deren Entwicklung

ich in meiner Anfangszeit an

der Hochschule mitwirken durfte. Auch

herausfordernd war die Tatsache, dass

ich früher und lange Zeit der erste und

einzige Nicht-Deutsche Professor an der

KHSB war; es bedurfte ein hohes Maß an

kultureller Übersetzung! Ich finde es nach

wie vor schade, dass die Bologna-Reform

das Beste aus den anglo-amerikanischen

Traditionen der B.A. und M.A. oft liegen

lässt und die Schwächen zu eigen macht.

Doch die KHSB ist für mich besonders erfüllend,

weil man hier Theorie und Praxis

als Selbstverständlichkeit verbinden kann.

Es ist eine Plattform, um Innovatives in

Deutschland zu initiieren. Deshalb wollte

ich an eine (Fach-)Hochschule anstatt eine

Uni-Praxis zu generieren und zu reflektieren.

Wenn Sie Ihren Studierenden eins vermitteln

könnten, was wäre das?

Die Menschen, mit denen sie arbeiten,

sind nicht Kunden oder gar Klienten – wie

sie leider meistens benannt werden. Sie

sind Personen! »Klient« kommt aus dem

Lateinischen und bedeutet »der Hörige«

– der Inbegriff eines Objekts! Studierende

sollten lernen, sie aber als Subjekte zu

sehen und zu schätzen.

Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Strömung

in der Sozialen Arbeit bzw. Heilpädagogik, die

mehr beachtet werden müsste?

Die Sozialraumorientierung.

Glauben Sie, dass es in den Sozialen Berufen

Fortschritt gibt?

Wessen Fortschritt? Fortschritt – aber

aus welcher Sicht? In erster Linie gibt

es Veränderung. Aber nicht jedwede

Veränderung ist positiv, ist »Fortschritt«.

Manche Änderungen sind einfach Modeerscheinungen,

manche bringen keine

Besserungen, manche sind gar gefährlich.

In der Sozialen Arbeit liegen geschichtlich

gesehen die Beispiele für einen gefährlichen

»Fortschrittsglauben« auf der Hand.

Haben Sie eine Person im Umfeld der Sozialen

Berufe, die Sie als Vorbild sehen?

Paulus und Saul Alinsky.

Welche Autorin oder welchen Autor lesen Sie

besonders gern?

Hannah Arendt.

Was würden die meisten Menschen von ihnen

gar nicht erwarten?

Ich fahre gern Kajak.

neuerscheinung

kunDEnstuDIE – BEDarF an DIEnstlEIs-

tungEn zur untErstützung DEs WohnEns

Von mEnschEn mIt BEhInDErung

Die UN-Behindertenrechtskonvention hat

seit 2009 für die Behindertenpolitik in

Deutschland programmatische Bedeutung.

Unter der Zielperspektive Inklusion

proklamiert sie die gleichberechtigte Teilhabe

von Menschen mit Behinderung am

Leben in der Gemeinde. Vor diesem Hintergrund

hat die Berliner »Kundenstudie«

eine Standortbestimmung der wohnbezogenen

Unterstützungsleistungen für

Menschen mit geistiger und mehrfacher

Behinderung vorgenommen und den

Handlungsbedarf präzisiert. Die Erkenntnisse

werden in einem Strategiekonzept

verdichtet, das konkrete Maßnahmen

auf dem Weg zur Inklusion benennt. Sie

betreffen die Ebene des Individuums und

seiner Lebenswelt sowie die Ebene des

Hilfesystems und des Sozialraums.

Die Forschungsarbeit weitet den Blick

über das System der Behindertenhilfe

hinaus auf sozialraumorientierte Ansätze

der Sozialen Arbeit und der Sozialen

Stadtentwicklung. Dabei wird den Unterstützungsbedarfen

von behinderten

Menschen mit Migrationshintergrund

besondere Aufmerksamkeit zuteil. Die

Studie hat für die Weiterentwicklung der

Strukturen und Prozesse (nicht nur) der

Behindertenhilfe bundesweite Bedeutung.

Taschenbuch: 420 Seiten

Rhombos-Verlag; Auflage Juli 2010

ISBN-10: 3941216287

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gott uNd die Welt

reise nach oswiecim

Fahrt zu den gedenkstätten des konzentrationslagers auschwitz vom

5. bis 9. Februar 2010

Vor der reise

Dem Aushang für die Fahrt nach Auschwitz

im Dezember 2009 folgte eine Phase

überraschend intensiver Kommunikation:

Kolleginnen und Kollegen sprachen

mich an: »Ja, es ist nötig, sich mit dem

Ort zu konfrontieren.« Einige warnten:

» Einfach so? Haben Sie sich das gut

überlegt?« Es gab auch Distanzierung:

»Auschwitz? Nein, das reicht jetzt doch.

Es gibt wichtigere Themen für mich.«

Einige Kollegen erzählten mir von Vorfahren,

die in Konzentrationslagern waren.

Einige überlegten, ob sie Urlaub dafür

investieren sollten. Auch Studierende erwogen

das Für und Wider einer Reise zu

den Gedenkstätten der Vernichtungslager

des Nationalsozialismus Auschwitz und

Auschwitz-Birkenau. »Interesse hätte ich

schon, aber ich trau mich nicht.« »Für

das Geld kann ich eine Woche schönen

Urlaub machen.« »Ich war schon mal da.

Einmal reicht mir. Aber gut, dass es die

Möglichkeit gibt, hin zu fahren.«

Ohne die konkrete Anbindung an ein

Seminar sollte eine persönliche Erfahrung

und Auseinandersetzung ermöglicht werden,

mit dem, wofür der Name »Auschwitz«

in der Geschichte steht. Von der

»Erziehung nach Auschwitz« über die

Theologie, die sich von daher in Frage

gestellt sieht, bis hin zu den Auswirkungen

von Selektion, die die Arbeitsbereiche

der Sozialen Arbeit und Heilpädagogik

betreffen.

Verlauf der reise

Am 5. Februar 2010 machte sich eine

Gruppe von 19 Personen mit der Bahn

auf den Weg nach Oswiecim. 14 Studierende

aus allen Studiengängen, 2

Professoren und 3 Mitarbeitende der

Verwaltung. Am Abend erreichten wir

die Begegnungsstätte »Zentrum für Dialog

und Gebet«, einer Einrichtung der

katholischen Kirche, in der wir komfortabel

untergebracht waren. Am ersten

Tag besuchten wir die Lagergebäude des

sogenannten »Stammlagers Auschwitz

I«. Unser Begleiter, der hauptberuflich als

Geschichtslehrer arbeitet und seit zwanzig

Jahren nebenamtlich Besucherinnen

und Besucher durch die Gedenkstätten

begleitet, erschloss uns über das unmittelbar

zu Sehende hinaus eine Ahnung

des »Funktionierens des Lagers«, indem

er uns an vielen Zeugenberichten teilhaben

ließ, die er im Laufe seiner Tätigkeit

vernommen und recherchiert hatte. Nach

dem Besuch der Lagergedenkstätte mit

der ganzen Gruppe gab es am Nachmittag

Zeit, nochmal in kleineren Gruppen

oder alleine das Gelände zu begehen

und auch die sog. Nationalausstellungen

anzusehen. Hier dokumentieren und

gestalten die einzelnen von der Shoah

betroffenen Länder das Gedenken an ihre

Staatsangehörigen. Am Vormittag des

zweiten Tages besuchten wir mit unserem

Guide die Gedenkstätte des riesigen

Lagers Birkenau. Am Nachmittag hatten

wir die Gelegenheit, mit Archivalien des

Archivs des Lagers in Kontakt zu kommen.

Lagerbücher, Transportlisten, Personalakten

der Aufseher u.s.w. Hier kann

man komplementär zu der Qual und dem

Leiden der Gefangenen, die man erahnt,

den Versuch besichtigen, alles in verwaltungsmäßiger

Ordnung darzustellen.

Am Vormittag des nächsten Tages hatten

wir eine Begegnung mit Herrn Wilhelm

Brasse. Er war als politischer Häftling im

Stammlager gefangen und musste als

gelernter Fotograf die neu ankommenden

Häftlinge für die Akten fotografieren und

später auch die Menschen, mit denen

Ärzte, wie Dr. Mengele und Prof. Dr.

Clauberg, ihre medizinischen Versuche

machten. Nach der Befreiung des Lagers

wollte er natürlich seinen Beruf weiter

ausüben, war dazu aber nicht mehr in

der Lage, weil er - traumatisiert von dem

im Lager Erlebten - immer wieder Opfer

der Experimente vor Augen hatte. Am

Nachmittag unseres letzten Tages besuchten

wir mit dem Zivildienstleistenden

des Zentrums für Dialog und Gebet das

Stadtzentrum von Auschwitz und hörten

etwas von der wechselvollen Geschichte

der Stadt, bevor sie durch die Einrichtung

dieses Vernichtungslagers zum Synonym

der Shoah wurde und seitdem kaum je

als eigene wahrgenommen werden kann.

An den Abenden trafen wir uns in der

Gruppe und versuchten, die Eindrücke

des jeweiligen Tages anzuhören. Aus

dem Vielen, das zur Sprache kam: die

Verstörung, die die Fotos der ausgemergelten

und ausgebeuteten Menschen


auslösen. Die Verzweiflung, die der Block

11, der »Todesblock« hervorruft, in dem

Unrechtssystem die Fiktion von rechtmäßigen

Verurteilungen von Verstößen

gegen Lagergesetze exekutiert wurde und

Gefangene als Häftlinge zusätzlich brutal

eingesperrt wurden. Die Fassungslosigkeit

über Werkzeuge für die »Sonderstrafen«,

denen die Häftlinge ausgesetzt waren, die

der Brutalität und der Erniedrigung immer

noch den Anschein von Rechtmäßigkeit

geben sollten. Neben der Erschütterung

über das vielfache Leiden der Häftlinge,

für die es keine rechte Sprache zu geben

scheint, gab es auch Reaktionen der Empörung,

z.B. über die effiziente Organisation

zur eigenen Bereicherung des NS-

Staates. Empörung darüber, dass die Juden

aus Griechenland beispielsweise ihre

Fahrkarten zum Vernichtungslager selbst

bezahlen mussten, darüber, wie die Habe

der Deportierten säuberlich desinfiziert,

gelagert und magaziniert wurde, um sie

ausgebombten Bewohnern im »Reich«

als Ersatzgüter anbieten zu können. Empörung

und Wut, wie die Menschen mit

Ankunft im Lager wie Sachen behandelt

und wie sorgfältig die Sachen ihres Besitzes

behandelt wurden. Und Erschrecken

über den »Wert von Modernität«

zeigte sich angesichts der »innovativen

Technik«, mit der die Massenvernichtung

organisiert wurde.

nach der reise

Nachdem wir am 9. Februar 2010 wieder

in Berlin angekommen waren, gingen wir

in die vorlesungsfreie Zeit. Bei einem Treffen

zu Beginn des Semesters stellten wir

fest, dass wir mit vielen Eindrücken nicht

»fertig« waren. Dass sie einerseits nicht in

die erlebten Alltage zu passen scheinen,

andererseits hörten wir aber auch von

Alltagserfahrungen und Themen, die sich

als durchsichtig erweisen für das, was wir

beim Besuch der Gedenkstätten erfahren

haben.

Die khsB auf dem 2. ökumenischen

kirchentag in münchen

Bernd Streich

Unter dem Motto »Forschung & Lehre«

präsentierten sich die 17 kirchlichen

Hochschulen in Deutschland auf dem 2.

Ökumenischen Kirchentag in München

mit einem gemeinsamen Stand.

Mit mehr als 20 Vorträgen, Filmvorführungen,

Performances und Diskussionsrunden

stellten die kirchlichen Fachhochschulen

der Rektorenkonferenz kirchlicher

Fachhochschulen (RKF) ihr breites Themenspektrum

vor. Die Inhalte reichten

von Religion und Religiosität über Soziale

Arbeit, Bildung und Erziehung bis hin

zu Pflege und Alter. Der Focus lag dabei

auf Forschungsprojekte aus den einzelnen

Hochschulen. Die KHSB war täglich

am Stand vertreten: am Samstag durch

die Rektorin, Frau Prof. Monika Treber

und am Donnerstag durch Herrn Bernd

Streich. Herr Prof. Dr. Stephan Höyng war

im Dialogforum auf dem Stand beteiligt

und stellte am Freitag unter dem Thema:

»Männer in Kindertagesstätten – Bedarfe,

Schwierigkeiten und Handlungsempfehlungen«

sein Forschungsprojekt vor. Ziel

des Projektes ist es, in den kommenden

Jahren gemeinsam mit politisch und praktisch

Verantwortlichen den Anteil männ-

licher Fachkräfte spürbar zu steigern. Der

gemeinsame Stand war einer der größten

Stände in der Halle A6 und bot vielfältige

Informationen, die Möglichkeit zum Gespräch

mit Studierenden, Lehrenden und

Mitarbeitern der Administration. Viele

Interessierte informierten sich über konkrete

Studienmöglichkeiten und fragten

nach Besonderheiten einzelner Hochschulen.

Es gab auch viele Gäste, die sich über

die kirchlichen Hochschulen informieren

wollten. So war Erzbischof Marx aus

München sehr interessiert und ein gefragter

Gesprächspartner.

Studierende der Katholischen Hochschule

Nordrhein-Westfalen führten ein Umfrageprojekt

zum Thema »Ökumene«

durch. Sie fragten Jugendliche und junge

Erwachsene nach ihren Ansichten zur

Ökumene. »Damit ihr Hoffnung habt«

war das Motto des 2. Ökumenischen

Kirchentages. Die Zusammenarbeit der 11

evangelischen und 6 katholischen Hochschulen

war gelungen und gibt Hoffnung

zu weiterer guter ökumenischer Zusammenarbeit,

nicht erst beim 3. Ökumenischen

Kirchentag.

25


26

FerNblick

Wie machen es die anderen?

Deutsch-französischer Austausch zu Studium und Praxis im Nachbarland

Wie machen es die anderen? Das ist die

Leitfrage des deutsch-französischen Austauschs,

den die KHSB in Zusammenarbeit

mit dem Institut Universitaire de Technologie

de Rennes, dem Interkulturellen

Netzwerk e.V. und unterstützt durch das

Deutsch-Französische Jugendwerk in diesem

Jahr durchführt. Im Mittelpunkt des

deutsch-französischen Gemeinschaftsprojekts

steht der professionsbezogene Austausch

und der Vergleich der deutschen

Studiengänge Soziale Arbeit, Heilpädagogik,

Bildung und Erziehung sowie des

französischen Studiengangs Animation

Sociale et Socio-culturelle. Den Studierenden

des jeweils anderen Landes soll gezeigt

werden, welche potentiellen Berufsfelder

mit der erworbenen Qualifikation

angestrebt werden können. Neben diesen

fachlich orientierten Zielen stehen der

kulturelle Austausch und die Entdeckung

der jeweils anderen Kultur im Zentrum.

Die erste Austauschwoche, an der neben

Professorinnen und Betreuern 8 deutsche

und 10 französische Studierende teilnahmen,

fand im Juni 2010 in Berlin statt. Als

Highlights wurden die praxisnahen Exkursionen

in die verschiedenen Einrichtungen

wie z.B. Unter Druck/Kultur von der Stra-

ße sowie Kontakt- und Beratungsstelle für

Flüchtlinge und MigrantInnen e.V. erlebt.

Da in Frankreich keine institutionell verankerte

Arbeit mit Obdachlosen existiert,

sondern nur eine Grundversorgung für

Obdachlose geleistet wird, war insbesondere

dieses Thema für die französischen

Studierenden von großem Interesse. Aber

auch der Unterschied zwischen den deutschen

und französischen Studiengängen

sowie den potentiellen Berufsfeldern

erzeugte noch mehr Neugier und den

Wunsch, die einzelnen Studiengangsinhalte

noch besser kennen zu lernen. In

binationalen Gruppen wurden verschiedene

Themen so z.B. zum Thema Arbeit

mit Jugendlichen, KITA und Arbeit mit

Obdachlosen bearbeitet. Die binationalen

Gruppen entwickelten zu diesen Themen

fiktive Projekte. Trotz unterschiedlich

vorhandener Fremdsprachenkenntnisse

schafften es die Studierenden, gemeinsam

originelle Projektideen zu entwickeln

und Sprachhemmnisse sowie kulturelle

Unterschiede zu überwinden. Die Gruppenmitglieder

lernten hierbei gegenseitig

voneinander. Die Studierenden der KHSB

lernten z.B. die in Frankreich verbreitete

Methode des Debatten-Cafés kennen, die

themenspezifisch eingesetzt wird. Es wer-

den hierbei Betroffene, der Bürgermeister

sowie VertreterInnen von Organisationen

eingeladen, um das spezifische Thema zu

diskutieren. Nach der Austauschwoche

waren sich die deutschen und französischen

Studierenden einig, dass es eine

gelungene Austauschwoche war. Die

Tränen bei der Verabschiedung zeigten,

dass nicht nur ein fachlicher Austausch

stattgefunden hatte, sondern dass auch

grenzüberschreitend neue Freundschaften

geschlossen worden waren. Aber der

Abschied ist ja noch kein richtiger: Im

November diesen Jahres wird die Rückbegegnung

in Rennes stattfinden – hier wird

es für die Studierenden der KHSB dann

um die Frage gehen: Wie machen es die

anderen?

WEgE Ins auslanDssEmEstEr &

auslanDspraktIkum

…interkulturelle Erfahrungen sammeln, über

den Tellerrand hinausblicken, das professionelle

Spektrum erweitern, die Fremdsprachenkenntnisse

verbessern, auf eigenen Beinen stehen…

Es gibt gute Gründe, einen studienintegrierten

Auslandsaufenthalt zu planen.

Die KHSB unterstützt Studierende bei

der Planung eines Auslandssemesters

und Auslandspraktikums. Als anerkannte

ERASMUS-Hochschule kann die KHSB

jährlich Stipendien an Studierende vergeben,

die an einer der 17. Partnerhochschulen

studieren oder ein Praktikum

an einer sozialen Einrichtung in Europa

absolvieren wollen.

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Marion.Mueller[at]khsb-berlin.de


kleine schritte,

die die Welt verändern…

Mein Praktikum auf den Philippinen

Paradiesische Natur und Pazifik, Palmenund

Bananenwälder sowie wunderbare

Natur … das sind unsere ersten Eindrücke,

als wir in Davao City auf den Philippinen

ankommen, um dort unser Praktikum

bei der Kindernothilfe zu absolvieren.

Schnell folgen allerdings auch andere

Bilder von der Realität auf den Philippinien

und den Problemen des Landes: Die

Armut ist sehr groß, oft leben bis zu fünf

Generationen in einer kleinen Holzhütte.

Die Menschen haben Krankheiten aufgrund

schlechter Hygiene und Ernährung.

Kinderarbeit und Kinderprostitution sind

Alltag. Es gibt viele Kinder, die auf der

Straße leben. Die Mitglieder armer Familien

sind kaum gebildet und selten über

Menschenrechte aufgeklärt. Gewalt als

Erziehungsmethode ist vorherrschende

Realität. Unser Praktikum eröffnet uns die

Möglichkeit, mit Straßenkindern in einem

Slumgebiet zu arbeiten. Für diese Kinder

veranstalten wir Kunst- und Tanzprojekte.

Wir arbeiten mit den Bajaos. Die Bajaos

gehören zu den ethnischen Minderheiten

auf der Südhälfte der Insel Mindanao.

Außerdem erhalten wir die Möglichkeit,

zwei Wochen in einer Einrichtung zu arbeiten,

die psychisch und körperlich misshandelte

Mädchen betreut. Aus der Sicht

von Sozialarbeitern gibt es auf den Philippinen

sehr viel zu tun und Hilfe von Außen

ist hier von großer Bedeutung. Wer

helfen will, kann Partner von Pag-Ugmad

(meine Organisation) werden. Schon mit

2 oder 3 Euro kann Kindern auf den Philippinen

für eine Woche geholfen werden.

Es gibt viele Möglichkeiten, die Menschen

zu unterstützen, sodass sie eine Chance

haben in die Schule zu gehen, jeden Tag

zu essen zu bekommen und einen sicheren

Schlafplatz zu finden.

Willst Du aktiv werden? Dann fordere weitere

Informationen an: ninawahle[at]gmx.de

sattelt die hühner, wir

reiten nach texas!

Das vierte Semester rückt näher und die Frage

des passenden Praktikums wird für viele Studierende

immer drängender. Benny und Rico

studieren Soziale Arbeit hier an der KHSB und

wagen den Fernblick nach Austin, Texas. Rico

berichtet:

Austin gehört mit seinen über 750 000

Einwohnern zu den größten Städten in

Texas. Hier gibt es zwei große und mehrere

kleine Universitäten, sodass das Stadtbild

von jungen Leuten und Alternativen

geprägt ist, ganz nach dem Motto »Keep

Austin weird«. Man merkt außerdem,

dass Austin nicht zu unrecht als eine der

»grünsten« Städte der USA gilt, da sich

hier viele »grüne« Unternehmen angesiedelt

haben und viele »Austinites« sehr

umweltbewusst leben, Hybrid-Autos,

Fahrräder, Busse und die Tram nutzen.

Es fällt auch sofort auf, dass Austin zu

Recht als die »Live Music capitol« der

Welt gilt. Man kann jeden Abend in unzähligen

Bars und Clubs auf der berühmten

6th Street und »SoCo« live Bands

erleben. Zudem veranstaltet die Stadt

jedes Jahr zwei international bekannte

und geschätzte Festivals: das »South by

Southwest« und »Austin City Limits«.

Wir hätten uns also keinen besseren Ort

aussuchen können, um uns während des

Praktikums auch in der Stadt wohl zufühlen.

Die Unterschiede in der Sozialen

Arbeit im Vergleich zum Sozialsystem in

Deutschland erscheinen uns nicht all zu

groß. Wir arbeiten beide in einer Non-

Profit-Organisation für Menschen mit

HIV / Aids. Ich selbst (Rico) bin in einem

Wohnprojekt tätig und Benny arbeitet

in einem Hospiz. Uns beeindruckt, wie

stark die verschiedenen Einrichtungen in

Austin untereinander vernetzt sind und

wie offen und dennoch professionell die

Kommunikationsstrukturen sind. Unsere

Aufgaben sind sehr vielfältig und reichen

von »Counseling« über Case Management

bis hin zur Mitarbeit bei verschiedenen

Projekten: Zum Beispiel einen

Nachbarschaftsgarten zu organisieren,

Fundraising-Aktionen wie das alljährliche

Fahrradrennen der »AIDS Service Agencies«

in Austin zu unterstützen oder mit

einer Ressourcen Map den Dschungel an

Hilfsangeboten für die Klienten verständlicher

zu machen. Neben dem Praktikum

haben wir zusätzlich die Chance, einen

Einblick in das »Social Work«-Studium

an der University of Texas in Austin zu

bekommen. Wir besuchen ein Seminar zu

»International Social Work« und halten

dort eine Präsentation über Soziale Arbeit

in Deutschland. Das Auslandspraktikum in

Austin ist für uns beide ein voller Erfolg!

Wir treffen hier interessante Menschen,

lernen viel Neues über US-amerikanische

Sozialarbeit und stellen fest, dass viele europäische

Vorurteile gegenüber der USA

nicht mehr sind als eben nur Vorurteile.

27


28

Ausblick

IntErnatIonalEr tag an DEr khsB

24. noVEmBEr 2010

13:30 uhr – 18:00 uhr

»Die KHSB ist internationaler als man

denkt!« Viele Studierende bringen internationale

Erfahrung mit, interessieren sich

für andere Länder, wollen im Studium

ins Ausland oder engagieren sich über

Grenzen hinweg. Auch Lehrende sind oft

international aktiver als es scheint. Es gibt

hier und da an der KHSB Projekte mit internationaler

Ausrichtung, von denen die

wenigsten wissen. Diese Internationalität

soll sichtbar gemacht werden. Am 24.

November gibt es hierfür einen Internationalen

Tag. Geplant sind neben Diskussionsrunden,

Schnupperworkshops, Vorträgen

und Ideenworkshops auch Foren für

den Erfahrungsaustausch zu international

ausgerichteten Themen. Für ein spannendes

Programm und eine Menge Spaß

ist somit gesorgt. Am besten den Termin

gleich in den Kalender eintragen!

… und wer sich im Vorfeld aktiv einbringen

will, kann sich bei uns melden.

Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen!

Kontakt

Franziska Leers & Sara Kauer

internationalertag[at]khsb-berlin.de

Carolin Osterburg & Teresa Ernst

ausland[at]khsb-berlin.de

Marion Müller

marion.mueller[at]khsb-berlin.de

»sport unD BEhInDErung – DIE hErausForDErungEn

DEr un-BEhInDErtEnrEchtskonVEntIon«

symposIum

am 22. noVEmBEr 2010 Im staDIon Von

BayEr 04 lEVErkusEn (BayarEna)

Das Thema »Sport und Behinderung« ist

nicht neu. Neu aber sind jene Anforderungen,

die die UN-Behindertenrechtskonvention

an sämtliche kollektiven und

individuellen Akteure des Sports stellt.

Diese Konvention bedeutet für den Sport

weitaus mehr als nur die Sicherstellung

des Zugangs von Menschen mit Behinderungen

zu Sportstätten und der Möglichkeit

ihrer Teilnahme an sportlichen

Aktivitäten! Welche Implikationen sie für

die diversen kollektiven und individuellen

Akteure des Sports mit sich bringt

und wie die aus ihr hervorgehenden

Grundsätze in den diversen Bereichen

des Sports in konkrete Strukturen und

Handlungen umgesetzt werden können,

ist Gegenstand dieses Symposiums, das

vom ICEP in Kooperation mit dem »Wissenschaftlichen

Beirat des Arbeitskreises

Kirche und Sport« und der »Arbeitsstelle

Pastoral für Menschen mit Behinderung«

der Deutschen Bischofskonferenz veranstaltet

wird. Referent/-innen sind u.a.

Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper (Deutscher

Olympischer Sportbund, Vizepräsidentin

für Bildung und Olympische Erziehung);

Hubert Hüppe (Behindertenbeauftragter

der Bundesregierung); Prof. Dr. Andreas

Lob-Hüdepohl (Präsident der Katholischen

Universität Eichstätt-Ingolstadt).

Information und Anmeldung:

Florian Kiuppis

ICEP - Berliner Institut für christliche Ethik

und Politik

Telefon 030 – 50 10 10 913

kiuppis[at]icep-berlin.de

www.icep-berlin.de


»gErEchtE FInanzIErung DEr pFlEgE

– WIE muss solIDarItät künFtIg organIsIErt

WErDEn?« 28. oktoBEr 2010,

katholIschE akaDEmIE BErlIn

Die Ermöglichung einer menschenwürdigen

Pflege ist eine der großen sozialpolitischen

Herausforderungen der kommenden

zwei Jahrzehnte. Die Erweiterung

des Pflegebedürftigkeitsbegriffs und die

Dynamisierung der Beiträge durch die

Pflegereform 2008 haben die Frage nach

den strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen

der sozialen Pflegeversicherung

(SPV) nur zum Teil beantwortet.

Es bleibt nach wie vor unklar, ob und wie

eine solidarische und paritätisch getragene

Finanzierung auch langfristig zu realisieren

ist. Im Rahmen dieser Fachtagung

werden Zukunftsfragen der Finanzierung

der SPV und den sich daran anschließenden

Herausforderungen für Politik,

Ökonomie und Sozialethik diskutiert.

Die Fachbeiträge aus der Wissenschaft

und die politische Kontroverse sollen zur

Reflexion der ethischen Dimensionen der

Finanzierung von Pflege und zur Entwicklung

geeigneter Lösungswege in Politik

und Gesellschaft beitragen.

Das ICEP veranstaltet diese nichtöffentliche

Fachveranstaltung in Kooperation mit dem Verband

Katholische Altenhilfe Deutschland und

der Katholischen Akademie Berlin.

VEranstaltungEn DEs ForumFamIlIE

Im WIntErsEmEstEr 2010/11

4.11.2010 | Das Patenprojekt: Bereichung der

eigenen Lebenswelt für Kinder, Eltern und

Paten. Ein Unterstützungsmodell für Kinder, die

eine Erweiterung ihres familiären Netzwerkes

benötigen.

Andrea Rakers, Dipl.Päd, LebenLernen e.V.

Kooperationsprojekt von PiK GmbH mit

LebenLernen e.V. und Aktion Mensch,

das Paten sucht, schult und begleitet,

damit Kinder ohne stabiles soziales Netzwerk

eine dauerhafte zusätzliche verlässliche

Bezugsperson haben für ihre gesunde

Entwicklung.

18.11.2010 | Auf der Suche nach den »neuen

Vätern« – Männer zwischen Familienarbeit und

Brotverdienen.

Johanna Possinger, Dipl.-Kulturwirt, Referemntin

für Familienpolitik beim Deutschen Verein

für öffentliche und private Fürsorge, Berlin

Statt um »Vätermonate« und Elternzeit

geht es auch um vielfältige Vereinbarkeitsdilemmata

zwischen betrieblichen

Hindernissen und persönlichen familiären

Ansprüchen – Ergebnisse einer empirischen

Studie bei einem großen Energiekonzern.

13.1.2011 | Die Begleitung von pflegenden Angehörigen

demenzerkrankter Menschen durch

Soziale Arbeit.

Antje Doliff, cand. BA Soz.Arbeit (KHSB); Projektmitarbeiterin

am Demenzzentrum Schwerin

Neue Versorgungsstrukturen und niedrigschwellige

Betreuungsangebote

Immer donnerstags 14.00 – 15.30 Uhr in

Raum 214. Jede Veranstaltung wird hochschulöffentlich

angekündigt.

casE-managEmEnt In DEr sozIalEn

arBEIt – chancE Für DIE proFEssIon –

Fluch oDEr sEgEn?

Fachtagung am 27.11.2010

Eine Fachtagung in Zusammenarbeit mit dem

Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit e.v.

(DBSH)

Case Management bewegt sich in der Polarität

zwischen einer von Klienten beauftragten

Hilfe-(dienst)-leistung und dem

Anspruch hoher fachlicher Arbeit auf der

einen Seite, und der Beauftragung zur

kosten- und wirksamkeitsorientierten

Verknüpfung gesundheitlicher, sozialer

und materieller Dienste auf der anderen

Seite. Chancen und Risiken des Case

Management hängen daher entscheidend

von den sozialpolitischen Rahmensetzungen,

aber auch den Ausbildungsstandards

ab. Entsprechend können Erfordernisse,

Bedeutung, Reichweite, Motive, Inhalte

und Wirkung des Case Managment

höchst unterschiedlich sein. Das Referat

Weiterbildung wird mit dem DBSH die

Positionierung von Case Management in

der Sozialen Arbeit bilanzieren. Eingeladen

sind Prof. Dr. Matthias Müller von der

Fachhochschule Neubrandenburg, Prof.

Dr. Remmel-Faßbender, Katholische Fachhochschule

Mainz und Friedrich Maus,

DBSH

Weitere Informationen bekommen Sie bei

Mechthild Schuchert, Referat Weiterbildung.

Telefon 030 – 50 10 10 37

mechthild.schuchert[at]khsb-berlin.de

29


30

AugeNblick

prof. Dr.

Birgit Bertram

professorin für mikrosoziologie

Warum möchten Sie ausgerechnet an einer

katholischen Hochschule für Sozialwesen unterrichten?

Es entspricht meiner Vision vom Menschen,

dass jeder Mensch, ob groß oder

klein und egal in welchem Kontext, immer

ein ganzer Mensch ist und damit ein

Ebenbild Gottes.

Was finden Sie an Ihrer Arbeit an der KHSB

besonders erfüllend, herausfordernd, oder änderungsbedürftig?

Das hängt mit der ersten Frage zusammen.

Ich mag es, wie menschenfreundliche

und zugleich kompetente Lösungen

gesucht und auch gefunden werden. In

meinem Leben bin ich kreuz und quer

durch die Republik gezogen und habe

immer im Kontext der Caritas in der

Kinder- und Jugendhilfe gearbeitet und

dabei eine eindrückliche Kombination von

Professionalität mit Herzlichkeit erlebt.

Und das finde ich hier an der Hochschule

fortgesetzt, nämlich eine hohe Übereinstimmung

von Menschenfreundlichkeit

und Herzlichkeit, gepaart mit hoher

Professionalität. Das finde ich großartig.

Ich bin seit 18 Jahren hier und habe viel

miterlebt – Umzüge, Reformen, Änderungen,

was nicht immer einfach war. Dadurch

aber ist ein Ethos entstanden, das

die Menschen hier zusammenhält, trotz

aller Differenzen.

Wenn Sie Ihren Studierenden eins vermitteln

könnten, was wäre das?

Die Person ihres Gegenübers ganzheitlich

ernst zu nehmen, weder auf den »Kopf«

zu reduzieren noch auf das »Problem«,

aber auch nicht auf die Interessen der Institutionen

– sonst wird schnell übersehen,

was wirklich hilft. Nützlich ist das Wissen,

dass die kleinen Lebenskreise Stabilität

und Hilfe ermöglichen. Das Schöne an der

Mikrosoziologie ist, die Wirksamkeit der

sozialen Netzwerkstrukturen zu erkennen

– Familien, Freundschaften, Nachbarschaften

– eben den Menschen in seinen

Beziehungen zu seinen Mikrosystemen.

Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Strömung

in der Sozialen Arbeit bzw. Heilpädagogik, die

mehr beachtet werden müsste?

Ich lehre in den sog. Bezugswissenschaften,

aber ich würde sagen: das Studium

der gelebten Familienwirklichkeit aus der

Perspektive ihrer Mitglieder, und dazu die

empirischen Befunde ernst nehmen.

Glauben Sie, dass es in den Sozialen Berufen

Fortschritt gibt?

Auf jeden Fall. Wir wissen jetzt viel dezidierter

über die Entwicklungspotentiale

von Menschen Bescheid, und das ist ein

Ergebnis der Integration von verschiedenen

Disziplinen: Neurologie, Medizin, Pädagogik,

Psychologie, Soziologie – all das

ergibt ein Mosaik, das hilft, die menschliche

Entwicklung in unterschiedlichen

Kontexten besser zu verstehen. Einige

Entwicklungen tragen schon Früchte.

Kinder werden zunehmend ganzheitlich

ernst genommen, sozusagen schon als

kleiner Mensch ein ganzer Mensch. Im

Mittelpunkt sollte nicht stehen, wo es erst

hinkommen soll, sondern wie es jetzt sein

Leben mitgestalten kann. Kinder haben

das Recht, dass ihre Bedürfnisse ernst genommen

werden.

Haben Sie eine Person im Umfeld der Sozialen

Berufe, die Sie als Vorbild sehen?

Weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Welche Autorin oder welchen Autor lesen Sie

besonders gern?

Ich lese viel Belletristik und auch »gute«

Krimis, und es fällt mir schwer, einzelne

Namen zu nennen. Diese Lektüre brauche

ich als Gegengewicht zu den wissenschaftlichen

Texten. Ich habe zuerst Psychologie

studiert und schwankte damals,

ob ich nicht doch Kriminalistin werden

könnte, denn mich fasziniert es herauszufinden,

warum ein Mensch so handelt,

wie er es tut. Das kann ich gut in meine

Arbeit integrieren: Im Biographie-Seminar

gibt es neben der wissenschaftlichen Literatur

auch eine Romanliste für den »biographischen

Blick«, was die Studierenden

sehr schätzen.

Was würden die meisten Menschen von Ihnen

gar nicht erwarten?

Die meisten sind völlig verblüfft – ich

mache große Teppichbilder, die jeweils

zwischen 3 und 5 Jahre dauern, und zwar

Bilder, die ich im Kopf habe und denen

ich mit Wolle und Farbe Gestalt gebe. Ich

brauche etwas, was ich mit den Händen

anfertige. Der letzte Teppich heißt »Californian

Stranded Goods«, und gerade

entsteht einer über Musik: »Hallelujah«!


IMPRESSUM

Katholische Hochschule

für Sozialwesen Berlin

Köpenicker Alle 39-57

10318 Berlin

Herausgegeben von der Rektorin

Prof. Monika Treber

Chefredakteur

Dr. Ian Kaplow, Presse

kaplow[at]khsb-berlin.de

Ausgabe WiSe 2010

Layout & Satz

Norbert Poppe | transformhaus.de

Druck: Pinguindruck Berlin

Auflage: 5000

Gedruckt auf Papier mit FSC Umweltsiegel

Bildnachweis

S. 4 Dmitry Nikolaev - Fotolia.com

S. 13 deanm1974 - Fotolia.com

S. 20 Alexander Raths - Fotolia.com

S. 21 willma... / photocase.com

S. 24 istock.com

S. 26 Kristin Werschnitzke

Alle anderen Bilder KHSB

PersoNAliA

Im sommersemester 2010 haben einige kolleginnen und kollegen die hochschule

verlassen. Ihnen gelten unser Dank und unsere guten Wünsche für die zukunft.

tombolo Mukengechay

Mitarbeiter in der Verwaltung seit 01.01.1992

judith schobert

wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt »Aktuelle Entwicklungen

in der Sozialpädagogischen Familienhilfe« seit 04.09.2009

neu berufen bzw. angestellt wurden:

dr. ute Fischer

Gastprofessorin für Heilpädagogik

projektmitarbeit:

Astrid homann

Sachgebietsbearbeitung in der Koordinationsstelle »Männer in Kitas«

thomas schmidt

wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt Ȁlter werdende Eltern und

erwachsene Familienmitglieder mit Behinderung zu Hause«

sandra schulte

Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit, Web-Site-Management und Tagungsplanung

in der Koordinationsstelle »Männer in Kitas«

Dienstjubiläum:

Wir gratulieren Frau Annegret Schenkel zum 25-jährigen Jubiläum im kirchlichen

Dienst am 01.09.2010.

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