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ContraKinder wählen ihre PfarrleitungSinn oder Unsinn des unbeschränkten StimmrechtsPro &Kinder mitentscheiden lassen lässt sie Demokratie lernenDemokratieStoffAusgabe 1/09Sauerstoff»Mitglied der Katholischen JungenGemeinde kann jeder werden, der/diedie Grundlagen und Ziele des Verbandesbejaht.« So besagt es die Satzung desDiözesanverbandes der KjG Mainz, aberauch die Satzung auf Bundesebene.Weiter heißt es »Stimmberechtigte Mitgliederder Mitgliederversammlung sind:die Dauermitglieder einer Pfarrgemeinschaft,sofern sie den Mitgliedsbeitragfür das laufende Jahr bezahlt haben.« Inkeinem Punkt der Satzung ist geregelt,wie alt ein Mitglied sein muss oder ob esein Mindestalter für die Stimmberechtigunggibt.Das typische KjG–Eintrittsalter liegtbei acht bis neun Jahren. Das bedeutet,dass auch die Pfarrleitung von Acht– bisNeunjährigen mitgewählt wird.Das mag für die Gleichbehandlung allerMitglieder sprechen, egal wie alt siesind. Außerdem ist dies auch ein Beispielfür demokratische Bildung à la »Wiefunktioniert das mit der Demokratieüberhaupt?«, die ein wichtiger Bestandteilder KjG–Arbeit ist.Aber sind Achtjährige in der Lage zubeurteilen, wer fähig ist die Pfarrleitungzu übernehmen? Lassen sich Achtjährigenicht eher durch Coolness als durch Verantwortungsbewusstseinbeeinflussen?Wählen sie nicht eher den völlig unzuverlässigen,aber so süßen Jan, der mitihnen im Zeltlager immer Fußball spielt,als die unscheinbare, aber unheimlichkreative Susi, die immer die Ausflügeplant? Man könnte sagen, das ist nunmal Demokratie. Außenwirkung spielteine große Rolle. Aber sollte bei derBesetzung von solchen Leitungsteamsnicht darauf geachtet werden, dassverantwortungsvolle Aufgaben auch vonverantwortungsbewussten Menschenübernommen werden? Sicher mussman für die KjG–Arbeit keine perfekteFührungsperson sein. Aber ist esgegenüber der anderen Mitglieder einesLeitungsteams fair jemanden wählenzu lassen, der höchstwahrscheinlichseinen Teil der Arbeit schlecht bis nichterfüllt und so zu einer Belastung für dieanderen wird?Natürlich gibt es KjGler, die zum einengut bei den Kindern ankommen, abergenauso gut die Funktion eines Pfarrleiterswahrnehmen können. Aber es gibtauch immer wieder KjGler, deren Popularitätsich tatsächlich nur auf der Tatsachebegründet, dass sie cool gefundenwerden. Für die ist dann die Entscheidung,sich der Wahl zur Pfarrleitung zustellen, mehr ein »Jo, das könnt ich malmachen.«, als der Wille, die KjG–Arbeitin der Gemeinde mitzugestalten undVerantwortung zu übernehmen.Vielleicht sollte einmal darüber nachgedachtwerden, ob es nicht andereMöglichkeiten gibt die jüngsten KjG–Mitglieder in die demokratischenProzesse einzubinden ohne zu riskieren,dass die Arbeit der Pfarrleitungen durchcoole Chaotinnen und süße Schlafmützentorpediert wird.Lar i s s a Ju n g b l u t hBilder: S. Hofschläger / pixelio.de, Lukas ThomasUm es vorweg zu sagen: wir als Kistewaren schon verwundert, dass wir dazuangefragt wurden, eine Stellungnahmezu einem Thema abzugeben, welchesin der KjG–Satzung verankert ist – undsomit in unseren Augen kein Themaeiner Pro–und–Contra–Diskussion ist.Aber es zeigt uns auch, dass das Wissenum das Thema nicht weit genug verbreitetist.Dass es sich lohnt, Kinder durch Mitbestimmungan der KjG–Gemeinschaft teilnehmenzu lassen, hängt nicht nur damitzusammen, dass sich unser VerbandKindermitbestimmung auf die Fahnengeschrieben hat.Kinder können oft mehr, als wir glauben.Durch die Beteiligung lernen sie Verant-wortung für ihre eigenen Interessen zuübernehmen. Mit dieser Stellungnahmewird auch die Programmgestaltungpositiv beeinflusst und zwar, dass nichtnur die Interessen und Ideen der Leitungumgesetzt werden, sondern der Gruppe.So können alle Mitglieder für die Lebensweltder Kinder sensibilisiert werden. Esgeht also darum, dass wir eine Haltungerwerben, die jedes Kind mit seineneigenen Gedanken und Meinungen ernstnimmt und ihm Raum gibt zu Wort zukommen. Dass Kinder bei Wahlen einStimmrecht bekommen, ist erst das Endeeines langen Lernprozesses, bei demdie Kinder verschiedene Formen demokratischenHandelns näher gebrachtbekommen. Um Kinder wirklich amVerbandsleben partizipieren zu lassen,gilt es drei Dinge zu beachten.Den Kindern muss die Möglichkeit derMitsprache gegeben werden, also Raum,um ihre eigenen Ideen einzubringen.Sie müssen nach ihrer Meinung zu denaktuellen Themen befragt werden unddiese bei der Entscheidungsfindungberücksichtigt werden.Als letzten Schritt sollten sie Anteil ander Mitbestimmung über Entscheidungenund Wahlen bekommen. Selbstverständlichsollten sie auch bei derReflexion nicht fehlen, so wird ihnenauch deutlich, dass ihre Wünsche undIdeen umgesetzt wurden.Kein Mensch wird als Demokrat geboren,sondern wir müssen das alle erstlernen. Um Lernprozesse anzuleitenbenötigt man viel Zeit und Vorbereitung.Dafür wäre es hilfreich, wenn es eine ArtKindersprecher gibt, der wie ein Anwaltsich für die Kinderinteressen einsetztbeziehungsweise wie ein Vertrauenslehrerdie Belange der Kinder aufgreift undzur Sprache bringt.Gerade, wenn man Kinder bei derVerbandsarbeit mit einbinden will, sindim Vorfeld Informationen wichtig. Dasheißt, erst muss den Kindern erklärtwerden, was eine Mitgliederversammlungist und was dort passiert, welcheFunktionen die einzelnen Ämter haben.Vielleicht kann sich ja die Pfarrleitungschon in der Gruppenstunde vorhereinmal vorstellen, um die Kinder darüberzu informieren. Wenn die Funktionenklar sind, können die Kinder fast vonselbst Kriterien erstellen, welche Fähigkeitendie Amtsinhaber haben sollten.Für die Sitzung selbst ist wichtig, dass siewirklich demokratischen Strukturen folgtund dass die Regeln mit einem einsichtigenSinn und Ziel versehen sind. Generellmuss auf eine einfache Sprache geachtetwerden, beziehungsweise darauf, Fremdwörteroder auch Abkürzungen sofortzu erklären. Für die Konzentration istes nicht nur den Kindern hilfreich, eineVisualisierung der Ergebnisse zu gewährleisten,auch auf eine gute Zeitplanungzu achten. Bei allem sind der Kreativitätund dem Spiel keine Grenzen gesetzt.Um dies zu erlangen, könnte man zumBeispiel ein Symbol verwenden, dass sichwie ein roter Faden durch die Versammlungzieht (zum Beispiel ein Baum: diesind die Blätter, die guten Früchte diegelungenen Projekte, die Pfarrleitung istder Förster und so weiter.)Bei allem sollten wir im Hinterkopfbehalten: Kinder sind wichtig fürunseren Verband. Kinder werden auchzu zukünftigen Gruppenleitern, Pfarrleitern,….Sie müssen die Möglichkeitbekommen, den Verband mitzugestalten.Wir werden uns als Kiste Gedankenmachen, wie wir Kindermitbestimmungstärker verbreiten können; wie wir Euchals Gruppen– und Pfarrleiter Methodenzur Umsetzung an die Hand gebenkönnen.Wir werden dafür kämpfen, dass Kinderin der KjG was zu sagen haben!St e fa n i e An d e r s, Ki n d e r stu f e n t e a m8 9


DemokratieStoffSauerstoff Ausgabe 1/09Gewissen oder Partei?Wie die Hessenwahl Politiker auf die Probe stellt >v o n Ma i k e Ho r n u n gDie Welt der Andrea Y. ging nicht stillund leise im Privaten unter. Der Tag, andem ihre Welt zusammenbrach, war gleichermaßender, an dem ganz Deutschlandeine wichtige Lektion über dieGlaubwürdigkeit der Politiker lernte.Vier Politiker aus den eigenen Reihen,Abweichler genannt, entdeckten ihrGewissen und enthielten Andrea Ypsilantiihre Stimmen, die sie gebrauchthätte, um Ministerpräsidentin Hessenszu werden. Wieso?Vor der Wahl hatte Andrea Ypsilantiden Wählern versprochen, sie würdekeinesfalls mit der Linken eine Koalitioneingehen oder auch nur mit ihnenzusammenarbeiten. Nach der Wahlstellte sie fest, dass sie auch die Stimmender Linken brauchen würde, wenn sieMinisterpräsidentin werden wollte.Und plötzlich schien eine Koalition garnicht mehr so fern zu sein.Der Empörung vieler Wähler wurde rechtlapidar entgegnet, dass man mancheZiele anderen, wichtigeren opfern müsse.Dies wurde kontrovers diskutiert: darfman das Vertrauen der Wähler somissbrauchen? Darf man Wahlversprechenbrechen, nur um eine angestrebteMachtposition zu erreichen?Kann man tatsächlich wegen des Wunschesnach Macht die eigenen Grundsätze,die mehrfach beteuerte Linie, vonder man nicht abzuweichen versprach,über Bord werfen?Viele Menschen haben ihre Stimme derSPD und Andrea Ypsilanti in der festenÜberzeugung gegeben, sich damit nichtdie Linke ins Boot zu holen. Für vieleWähler war gerade dies ausschlaggebend,Rot zu wählen.Demokratie braucht Tugenden.Deuts c h e Bi s c h o fs ko n f e r e n z, Rat de r Eva n g e l i s-c h e n Ki r c h e in De uts c h l a n d, 2006Nun wollte man eben dieses Versprechenbrechen und somit das Vertrauen, dassdie Wähler in die SPD gesetzt hatten, ausMachtgelüsten enttäuschen.Habt ihr denn kein schlechtes Gewissenbei der Sache?, wurde da die eine oderandere Stimme laut, vor allem die vonent– und getäuschten Wählern.Für das gute Ende muss man manchmalWege beschreiten, die auf den erstenBlick die Falschen zu sein scheinen,dachte man sich innerhalb der SPD wohl,Gewissen hin oder her!Für einen schöneren Friedhof über Leichenzu gehen, erschien einer einzigenDame nicht richtig: Dagmar Metzgerwehrte sich entschieden gegen denBruch des Wahlversprechens und musstefür diese Meinung mit Anfeindungenallerorten innerhalb der SPD leben.Erst einen Tag vor der Wahl entdecktendrei weitere SPDler, Jürgen Walter, SilkeTesch und Carmen Everts, ihr Gewissenund stimmten gegen eine solcheZusammenarbeit. Die vier Abweichlerbegründeten ihre Entscheidung mit ihrerÜberzeugung und damit, dass ein derartigerVertrauensmissbrauch damit nichtzu vereinbaren sei.Die harte Kritik, die diese vier einsteckenmussten, und ihre Gewissensentscheidungmündeten in einer Frage: unterstehtein Politiker zu allererst der Parteioder seinem Gewissen?Natürlich entscheidet man sich vor allemdeshalb für den Eintritt in eine Partei,weil man mit deren Grundlinien undihrer Politik übereinstimmt, weil sichalso die Linie der Partei mit den eigenenVorstellungen deckt. Manchmal wirdes vielleicht die eine oder andere Sachegeben, die man sich anders wünscht,man beugt sich aber der Mehrheit, weilman damit leben kann. Wenn es jedochum etwas geht, was dem eigenen Gewissenwiderspricht, den Idealen, sollte mandann diese verleugnen, zum Wohle derPartei?Artikel 38 des Grundgesetztes gibt klareAntworten auf diese Frage: »(…) Sie (dieBundestagsabgeordneten) sind Vertreterdes ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungennicht gebunden und nur ihremGewissen unterworfen.« (In der hessischenVerfassung, die dem Grundgesetzuntersteht, heißt es hierzu in Artikel 9:»Glauben, Gewissen und Überzeugungsind frei.«)Es gibt Entscheidungen, die Politikerganz explizit nach ihrem Gewissen treffenmüssen, zum Beispiel, ob sie für odergegen einen Einsatz der Bundeswehr imAusland stimmen. Auch die Frage, was ervon Stammzellenforschung hält (Untersuchungenund Experimente, bei denenEmbryos erzeugt und dann verwertetwerden. Das heißt sie werden geschaffen,um genutzt zu werden, nicht, um zuBabys zu werden.), soll laut der deutschenEthikkommission jeder Politikerselbst entscheiden.Entscheidungen, die so elementar sind,dass jeder für sich selbst wissen muss,ob er seinem Spiegelbild weiterhin in dieAugen schauen können wird, wenn erdafür beziehungsweise dagegen stimmt,soll, so ist es ausdrücklich festgeschrieben,auch jeder nach seinem Gewissentreffen dürfen.In genau diesem Sinne haben Metzger,Walter, Tesch und Everts gehandelt unddas Machtstreben Andrea Ypsilantisnicht gegen ihr Gewissen unterstützt.Natürlich wollten auch sie, dass die SPDHessen regiert, aber sie wollten aufkeinen Fall mit der Linken zusammenarbeiten.Das war eine Entscheidung, mitder sie reinen Gewissens leben können.Leicht hat sich diese Entscheidung mitSicherheit keiner der vier gemacht: nichtFähnchen im Wind oder aufs Gewissenhören? Gewissensentscheidungen sind undbleiben unantastabar!nur, dass sie sich grundsätzlich denPrinzipien der SPD verschrieben habenund deswegen nicht einfach »nur malso« gegen den Strom schwimmen, auchkostete sie diese Entscheidung ihre politischenKarrieren.Die Entscheidung, die sie trafen, war alsokeine leichte. Die Frage, die sie sich stellenmussten, war nicht: »Kann ich mitdieser Koalition und den damit verbundenengebrochenen Versprechen lebenoder nicht?«Die Entscheidung, die sie zu treffenhatten, war: »Bin ich bereit, um meinemGewissen zu folgen, meine Karrierezu beenden?« Ganz im Sinne ThomasMorus' haben sie entschieden: »Niehätte ich daran gedacht einer Sachezuzustimmen, die gegen mein Gewissenwäre.«Dagmar Metzger, Jürgen Walter, SilkeTesch und Carmen Everts waren bereit,Opfer zu bringen, um ihrem Gewissenfolgen zu können. Damit sind sie aufSeiten der Politiker jedoch scheinbar eineMinderheit.Dennoch hat Deutschland an dem Tag,an dem die Welt der Andrea Y. zusammenbrach,gesehen, dass es auch in derPolitik Menschen gibt, die ein Gewissenhaben. Es macht Hoffnung darauf, dassnoch mehr Menschen, ganz im Sinne derKjG, den Mut haben werden, sich Widerständenzum Trotz zu ihrem Gewissen zubekennen.Ein Nachtrag noch:Andrea Y., sagt man, ist noch mit demAufkehren der Scherben beschäftigt.Die Maus erklärt:WahlverfahrenÜberall auf der Welt wird gewählt. Aber das sieht nicht injedem Land gleich aus.In den Vereinigten Staaten zum Beispiel wählt man das Parlament,also die Volksvertretung, mit dem System der Mehrheitswahl.Das bedeutet, dass in einem Gebiet verschiedene Parteiengewählt werden können. Die Partei mit den meisten Stimmengewinnt in dem Gebiet, alle anderen Stimmen werden nichtberücksichtigt. Das System wird auch »Winner–takes–it–all«–System genannt. Dasheißt, dass der Gewinner alle Stimmen bekommt, egal, wie viele Stimmen er mehr alsdie anderen hatte. Das System der Mehrheitswahl soll verhindern, dass zu viele kleineParteien in einem Parlament sitzen und so Entscheidungen nur sehr schwer getroffenwerden können. Denn viele Parteien bedeutet viele Meinungen.Auch Klassensprecher werden nach der Mehrheitswahl gewählt. Es treten zum BeispielTim, Claudia, Philipp und Sonja an. Tim bekommt zwölf Stimmen, Philipp zwei,Sonja bekommt elf Stimmen und Claudia drei. Also gewinnt Tim. Tim wurde zwar vonweniger als der Hälfte aller Schüler gewählt. Aber er hat trotzdem gewonnen, weil alleanderen Kandidaten weniger Stimmen hatten als er.In Deutschland wird das Parlament nach einem anderen Verfahren gewählt. Es wird alspersonalisiertes Verhältniswahlrecht bezeichnet.Verhältniswahlrecht, das bedeutet, dass wieder mehrere Parteien gewählt werdenkönnen, dieses Mal aber jeder Partei die Anzahl an Vertretern zugeordnet wird, die demAnteil der für sie abgegebenen Stimmen entspricht. Denn die Verhältniswahl soll dieMeinung der Bürger möglichst genau widerspiegeln.Das wäre, wie wenn die Diko die Diözesanleitung der Diözese Mainz wählen, aber keinedirekten Personen wählen, sondern nur wählen, wie viele Personen aus Rheinland–Pfalz und wie viele aus Hessen in die DL kommen. Die DL bestünde aus zehn Personen.Die Diko–Delegierten wählen also entweder Hesse oder Rheinland–Pfälzer. Wenn sichbei der Wahl 30 % der Diko–Delegierten für Rheinland–Pfälzer aussprechen und 70 %für Hessen, wären also sieben Personen aus Hessen in der DL und drei aus Rheinland–Pfalz.Das ist in Deutschland nicht ganz so einfach, aber so in etwa kann man sich das vorstellen.Und die DL wird natürlich nicht per Verhältniswahlrecht gewählt sondern nachdem Mehrheitswahlrecht und hat auch keine zehn Mitglieder.Es gibt noch viele andere Wahlsysteme, aber eigentlich sind diese ganzen anderenSysteme mehr oder weniger Mischungen aus dem Mehrheits– und dem Verhältniswahlrecht.La r i s s a Ju n g b l u t h10 11Foto: ger.hardt / Pixelio.deInfoWer noch mehr über verschiedeneWahlverfahren wissen möchte,findet weitere Informationen auf derInternetseite der Kindernachrichten»logo«:http://www.tivi.de/fernsehen/logo/index/00076/index.html


Hallo Berlin!Wie steht es um die Demokratie in Deutschland undwie können wir unser Land mitgestalten?Demokratie ist wie Sex. Ist sie gut, ist es sehr gut. Istsie nicht so gut, ist es immernoch ganz gut.Joh n Ke n n e t h Ga l b r a i t h (*1908), a m e r i k. Wi rts c h a f tsw i s s c h e n-s c h a f tl e rDemokratieStoffSauerstoff Ausgabe 1/09Dazu haben wir Bundestagsabgeordnetealler im Bundestag vertretenen Parteienbefragt. Hier sind ihre Antworten. AlleAntworten aller Politiker auf alle Fragengibt es im Internet unterwww.kjg-mainz.de/sauerstoff.O2: Wie erleben Sie die Demokratie inDeutschland?An tj e Bl u m e n t h a l : Die deutsche Demokratieist zweimal von Diktaturen unterbrochenworden. Die Menschen musstenund müssen immer wieder lernen, wieDemokratie funktioniert. Dass wir heuteunsere Meinung frei äußern dürfen, dassFrauen gleichberechtigt zur Wahl gehenkönnen, dass wir uns frei bewegenkönnen, war nicht immer so und sindErrungenschaften unserer Demokratie.Kai Ge h r i n g: Unsere Demokratie funktioniertgut, kann aber durchaus beteiligungsfreundlicherwerden. Partizipationkann ein Mittel gegen Politikverdrossenheitsein. Zugleich braucht Demokratieaktive Demokraten. Im Idealfall müssendaher alle Bürgerinnen und Bürger ander politischen Entscheidungsfindungmitwirken können. Deshalb sollte u.a. dieMöglichkeit von Volksentscheiden auchauf Bundesebene eingeführt, die politischeBildung ausgebaut und das aktiveWahlalter abgesenkt werden.Wol f g a n g Spa n i e r: Die Demokratie in unseremLand ist gefestigt. Dennoch müssenwir wachsam bleiben, vor allem gegenüberdem Rechtsextremismus.O2: Worin sehen Sie die Aufgaben einerjeden Bürgerin/ eines jeden Bürgers ineiner Demokratie?Geh r i n g: Bürgerinnen und Bürger solltenihre demokratischen Rechte bewusstwahrnehmen. Dazu gehört nicht nur,das Wahlrecht tatsächlich auszuüben,sondern auch die an Entscheidungen vorOrt und an gesellschaftlichen Diskussionenmitzuwirken. Sich informieren, seineMeinung frei zu äußern – all das gehörtdazu. Wünschen würde ich mir, dassMenschen wieder stärker für Schwächerein der Gesellschaft Partei ergreifen.Ina Le n k e: 1. Demokratie ist nicht selbstverständlich.Die Grundlagen derDemokratie müssen immer wiederverteidigt werden müssen, zum Beispielbeim Datenschutz. Die Pseudo–Wahlenin Nordkorea haben wieder vor Augengeführt, was es heißt, in einem nicht–demokratischenLand leben zu müssen. 2.Jeder Bürger und jede Bürgerin sollte dasWahlrecht nutzen. Die zurück gehendeWahlbeteiligung macht mir Sorgen. 3.Ich wünsche mir, dass sich mehr Menschenaktiv an der Demokratie beteiligen,d.h.in Parteien und politischenGremien aktiv sind.Wolfgang Spanier, 66 Jahre, istBundestagsabgeordneter derSPD aus Herford und arbeitetschwerpunktmäßig im BereichKinder- und Familienpolitik.Antje Blumenthal, 61 Jahre, istBundestagsabgeordnete der CDUaus Hamburg und beschäftigtsich unter anderem mit Jugendmedienschutzund dem gesundenAufwachsen von Kindern.O2: Wie können Kinder und Jugendliche„lernen“ aktive Staatsbürger/-innen zuwerden?Bl u m e n t h a l : Kinder und Jugendlichekönnen durch die Bestätigung, dassauch sie im Kleinen schon viel erreichenkönnen zum Beispiel in Vereinen, in derKirche oder im Klassenverbund lernen,dass sie einen wichtigen Beitrag leistenkönnen, dass sie die Welt ein kleinesStück verändern können, wenn sie sicheinbringen und engagieren.Wer aktive Staatsbürgerin oder aktiverStaatsbürger werden möchte, sollte sichinformieren und mit den Dingen auseinandersetzen,die im eigenen Land und inder Umgebung passieren. Dazu gehörtnatürlich Zeitung lesen! Für die Jüngerenkann die Nachrichtensendung „Logo“ aufdem KIKA ein guter Einstieg sein.Spa n i e r: Bildung im Allgemeinen und politischeBildung im Besonderen ist wichtig.Man muss den jungen Leuten vorleben,wie wichtig es ist, sich zu engagieren.Wir müssen jungen Leuten zutrauen,dass sie als Bürger teilhaben können undz.B. auch politischen Entscheidungen verantwortungsvollübernehmen können.Deshalb trete ich z.B. für das Wahlalterab 16 ein.Kai Gehring, 31 Jahre, ausEssen ist seit 2005 Bundestagsabgeordneterund Jugend- undhochschulpolitischer Sprecher derGrünen Bundestagsfraktion.Ina Lenke, 60 Jahre, aus Mettmannist Bundestagsabgeordneteder FDP und Sprecherin fürFrauen, Familie und Zivildienstder FDP Bundestagsfraktion.Diana Golze, 33 Jahre, ausSchwedt an der Oder ist Bundestagsabgeordetevon DIE LINKEund Mitglied der Kinderkommissiondes Bundestags.In der Demokratie darf jeder sagen, was er denkt –auch wenn er gar nicht denken kann.Pete r Ba m m (1897–1975), d t . Ar z t u n d Sc h r i f tste l l e r16 17Fotos: ina–lenke.de, Rottmann, Büros der AbgeordnetenO2: Wie kann man Kinder und Jugendlichezu Staatsbürgern erziehen?Len k e: Erziehen heißt für mich vorleben,im Elternhaus und in der Schule. Kindernsollte schon früh erklärt werden, dassjeder in Deutschland durch sein Wahlrechtmitentscheiden kann, welchePolitik gemacht wird. Ich bin auch derMeinung, dass Eltern ihren Kindern imHinblick auf bürgerschaftliches Engagementein Vorbild sein können. Jedersollte sich überlegen, ob er nicht ehrenamtlichtätig sein kann und etwas für dieGemeinschaft tut. Zum Beispiel in derKirchengemeinde, beim Kommunionunterrichtoder im Pfarrgemeinderat undganz besonders in der Jugendarbeit.O2: Warum hat man in Deutschland sowenige direkte Einflussmöglichkeitenauf politische Entscheidungen?Bl u m e n t h a l : Wir leben in einer repräsentativenDemokratie, das heißt das wahlberechtigteVolk wählt seine Vertreter, diefür die Bürgerinnen und Bürger Entscheidungentreffen. In Deutschland wählenwir unsere Vertreter für den Bundestag,für die Landtage und für die Kommunen– also für die Städte und Gemeinden,in denen wir leben. Hier haben also alleWahlberechtigten die Möglichkeit, Einflusszu nehmen, indem sie die Personenwählen, die sie bei politischen Entscheidungenvertreten.Darüber hinaus gibt es in einigen Ländernimmer öfter auch Volksentscheide.Bei Volksentscheiden werden die Bürgerzu bestimmten Problemen direkt gefragtund haben die Wahl, zwischen zweiAlternativen zu wählen.Di a n a Go l z e: Weil dies eben nicht imGrundgesetz so verankert ist – bzw.dieses weitestgehend auf direktdemokratischeInstrumente verzichtet. Und esliegt, wie eingangs auch schon gesagteben auch an den Prinzipien des Parlamentarismus.Für viele Bürgerinnen undBürger stellen die Wahlen die einzigeMöglichkeit der politischen Partizipationdar. Danach wird das Arbeiten impolitischen Rahmen auf die gewähltenParteien und deren PolitikerInnen übertragen.Wege, aus dieser Demokratiefalle herauszukommengibt es viele – sie müsseneben aber auch politisch gewollt sein– und das ist aus meiner Sicht zu weniggewollt – vielleicht aber auch nichtimmer laut genug eingefordert.Len k e: Nach Artikel 20 Abs.2 des Grundgesetzeswird die Staatsgewalt vom Volkin Wahlen und Abstimmungen ausgeübt.Diese Regelung hat sich meiner Auffassungnach bewährt. Die direkte Einflussnahmeeines jeden Bürgers unterstützeich, zum Beispiel die Direktwahl vonLandräten und Bürgermeistern und dasRecht, die Ratsmitglieder persönlich unddirekt zu wählen, ohne dass Parteienüber Listen Einfluss haben. Auch bin ichfür die Direktwahl des Bundespräsidenten.Spa n i e r: Auf der kommunalen und auf derLandesebene haben wir mit Bürgerbegehrenund Bürgerentscheiden Instrumenteder direkten Demokratie. AufBundesebene leider noch nicht. MeinePartei tritt dafür ein, aber es gibt nochkeine Mehrheit für eine entsprechendeVerfassungsänderung. Vor allem in denKommunen gibt es weitere MöglichkeitenKinder und Jugendliche zu beteiligen,z. B. in Kinder– und Jugendparlamenten.Diese müssen aber konkret etwas bewirkenkönnen, sonst haben sie nur eineAlibi–Funktion.Int e r v i ew s : Mic h a e l Zi e g l e r


Die Demokratie setzt die Vernunft im Volk voraus, diesie erst hervorbringen soll.Kar l Jas p e r s (1883–1969), d t . Ph i l o s op hWer nicht wählt, wählt radikalGeld für politische BildungEin Überblick über Zuschussmöglichkeiten für Veranstaltungen und AktionenSauerstoff Ausgabe 1/09DemokratieStoffKommentar gegen Nicht–Wähler >v o n Ma i k e Ho r n u n gDie Fünf–Prozent–Klausel besagt: Nur,wer mindestens fünf Prozent der gültigenStimmen auf sich vereinen kann,darf in den Bundestag oder Landtag einziehen.Konkret heißt das, dass, nachdemalle Stimmen ausgezählt wurden, dieSitze des Land– oder Bundestags nur aufdie Parteien, die mindestens fünf Prozentder Stimmen bekommen haben, verteiltwerden.Je nachdem, wie viele der Wahlberechtigtennun also wählen gehen, entscheidetsich, ob und wie viele Sitze einePartei bekommt. Einfach ausgedrückt:Wenn in einer Gemeinde 200 Leutewahlberechtigt sind, alle gehen wählenund von ihnen geben fünf Stück ihreStimme der Partei XY, dann sind das2.5%. Jetzt gehen von diesen 200 Leuteaber aus verschiedenen Gründen (zufaul, vergessen, alle Parteien doof,…) nur100 Leute wählen. Die fünf, die die ParteXY gewählt haben, sind wieder unter denWählern. Nun sieht das Ergebnis für diePartei XY besser aus: 5%.Das alles ist überhaupt kein Problem,wenn die Partei XY Ziele verfolgt wiemehr Kinderkrippen, kostenlose Schokoladefür alle oder einen neuen Springbrunnenvor dem Rathaus. Wie sieht dasaber aus, wenn die Partei XY beispielsweiserechtsradikale Ziele verfolgt?In Deutschland geht knapp die Hälftealler Wahlberechtigten nicht wählen.Fragt man sie, warum, kommen Antwortenwie: »Die Alternativen sind Mist!«oder »Die Politiker halten eh nichts vondem, was sie versprechen!« oder auchmal knallhart: »Interessiert mich nicht!«.Wer aber immer wählen geht, sind dieAnhänger von Parteien wie beispiels-weise der NPD. Diese Wähler habennämlich im Gegensatz zu vielen andereneines begriffen: Damit eine Partei mitbestimmenkann, braucht sie erst einmal(prozentual gerechnet) möglichst vieleWählerstimmen.Hat auch geklappt, für die NationaldemokratischePartei Deutschlands zumBeispiel 2006 in Mecklenburg–Vorpommern.Sie bekamen 7.3%. Wären alleWahlberechtigten wählen gegangen,wären sie auf 4.2% gekommen. Nun sitztdie NPD, eine Partei, die sich offen zuHitler bekennt und den Holocaust leugnet,also in Mecklenburg–Vorpommernim Landtag. Die NPD, eine Partei, derenParteiprogramm sich so offen wie sonstkeines gegen Demokratie und Toleranzwendet, hat politischen Einfluss gewonnen.Man sollte meinen, die Geschichtehätte uns gelehrt, welche Gefahr dieAnhänger eines solchen Gedankengutsdarstellen. (Fast) niemand will ein zweitesDrittes Reich, und wir alle haben unszu Toleranz bekannt.Eine Wiederholung der Geschichte zuverhindern, ist so einfach wie nie: Wennwir alle (vernünftig) wählen gehen,bekommen Parteien, in deren ParteiprogrammeDinge wie Multikulturalitätals „kulturlose Gesellschaft“ bezeichnetwerden, nicht genug Stimmenund somit keinen politischen Einfluss.Wählen zu gehen ist also die logischeKonsequenz für jeden vernunftbegabtenMenschen. Es liegt in der Hand einesjeden einzelnen von uns, ob wir verfassungsfeindlichenParteien wie der NPDeinen erneuten Aufstieg ermöglichen,ob sich rechtradikale Parteien zukünftigim Bundestag breit machen, weil vieleLeute wegen akutem Desinteresse nichtwählen gegangen sind.Wer findet, dass sich Parteien wie CDUund SPD unglaubwürdig gemacht haben,der soll sich doch bitte enthalten. DieseStimme wird auch gezählt, und jedegezählte Stimme, die nicht für radikaleParteien abgegeben wird, wird gegen siegezählt.Sollte es noch einmal zu einem Regimekommen wie dem unter Adolf Hitler,sollten radikale Parteien noch einmal soviel Macht innehaben, dass sie ihre Zieledurchsetzen können, trägt jeder Einzelne,der sein Wahlrecht nicht wahrgenommenhat, die Verantwortung dafürmit. Sollte es noch einmal zu Genozid,Euthanasie oder anderen Verbrechenan Menschheit und Menschlichkeitkommen, weil eine Mehrheit schweigendzu– oder viel eher wegschaut, dann istjeder Einzelne, der sich am Tag der Wahlentschieden hat, seine Stimme zu verschenken,mit Schuld.Wählen gehen ist Bürgerpflicht.Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wirnicht besser regiert werden, als wir es verdienenGeo r g e Be r n a r d Sh a w (1856–1950), i r i s c h e r Dr a m a t i k e r u n dSatirikerIn der Diktatur sind wenige schuld, in der DemokratiealleWer n e r Mi ts c h (*1936), d t . Ap h o r i st i k e r18 19Foto: Rold van Melis / pixelio.deHier bekommt Ihr eine kleine Übersichtüber Zuschussmöglichkeiten in diesemBereich, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit!Bei allen Fördertöpfen gilt: Es müssenbestimmte Voraussetzungen erfülltwerden, sonst gibt es kein Geld (z.B.bestimmte Stundenkontingente, Prinzip»Gender Mainstreaming« muss berücksichtigtwerden oder ähnliches). Deshalb:Plant Ihr ein entsprechendes Vorhaben,setzt Euch zu Beginn unbedingt mit denBildungsreferenten Eurer zuständigenKJZ (die auch die regionalen Fördermöglichkeitenund aktuelle Wettbewerbeim Blick haben) oder mit Karin, Diözesanstelleder KjG, in Verbindung. Dortwerdet Ihr dann entsprechend beraten,welcher Fördertopf für Euch in Fragekommt und natürlich gerne fachkräftigbei einer eventuellen Antragsstellungunterstützt.Förderung des Bundes:Die Vorschriften für eine Förderung ausdem Kinder– und Jugendplan des Bundes(KJP) sind relativ kompliziert, aber grundsätzlichmöglich. Ein ausgewiesenes Förderzielist die politische Bildung jungerMenschen, eine Querschnittsaufgabedes Programms ist die »Förderung einesdemokratischen Wertebewusstseins«.Der Schwerpunkt hierbei liegt auf derfinanziellen Unterstützung von internationalenBegegnungen.Förderung der EU:Auch bei den Fördermitteln auf europäischerEbene steht das Ermöglichen voninternationalen Begegnungen im Vordergrund.Das Förderprogramm der EUnennt sich »Jugend in Aktion«, es wirdvon 33 Nationalagenturen in 31 europäischenLändern, in Deutschland vonder Agentur »JUGEND für Europa« (JfE)mit Sitz in Bonn, umgesetzt. Von 2007bis 2013 stehen »JUGEND für Europa«80 Millionen Euro aus dem Programm»Jugend in Aktion« zur Verfügung. ProJahr sollen damit unter anderem rund300 Jugendbegegnungen ermöglichtwerden.Land Hessen:Nach dem Jugendbildungsförderungsgesetz(JBFG) können Maßnahmen, diedie politische Bildung von Jugendlichenfördern, bezuschusst werden. Es könnensowohl ein– als auch mehrtägige Veranstaltungenbezuschusst werden. AuchMaßnahmen im Ausland sind möglich.Gefördert werden derzeit 70 % der entstandenenKosten, maximal aber 13,00 €je Tag und Teilnehmer.Auch wird die politische Kinderstufenarbeitgefördert, die Teilnehmer hierdürfen maximal 14 Jahre alt sein. Gefördertwerden derzeit 70 % der entstandenenKosten, maximal aber 5,00 € je Tagund Teilnehmer.Land Rheinland-Pfalz:Bezuschuss werden können Maßnahmender politischen Jugendbildung, die 2 – 15Tage dauern und mindestens sieben Teilnehmendehaben. Auch Maßnahmen imAusland sind möglich, wenn diese nichtauch vom Bund bezuschusst werden. Jenach Veranstaltung gibt es in der Regel7,00 € pro Tag und Teilnehmer, für behinderteund arbeitslose junge Menschensind 10,00 € möglich.Zudem gibt es auch Zuschüsse fürTagesveranstaltungen oder Seminarrreihen(drei Treffen à zwei Stunden) derpolitischen Jugendbildung. Die Sätzeentsprechen denen der Mehrtagesveranstaltungen.Ausgeschlossen von derFörderung sind Gruppenstunden derJugendverbandsarbeit.Kar i n Pl a n k l,Bi l d u n g s r e f e r e n ti n de r KjG Ma i nz


Sauerstoff Ausgabe 1/09DikoStoffDikoStoffDemokratie pur:Wahlkrimi auf der Diko knapp entschiedenDL wird neu besetzt, DA mit eigenem GeistSo spannend kann nur die Diözesankonferenz(Diko) der KjG sein: Vom 6.bis zum 8. März 2009 kamen an die 70Delegierte und Gäste ins JugendhausDon Bosco und stellten die Weichen fürdie kommenden zwölf Monate.Der neue DiözesanausschussDrei Posten waren in der Diözesanleitungneu zu vergeben: Während Anna Zelleraus Klein–Auheim im ersten Wahlgangmit großer Mehrheit gewählt wurde,entwickelte sich um die beiden übrigenPlätze ein echter Wahlkrimi. Am Endehatte Michael Ziegler, der sich nach zweiAmtszeiten ein weiteres Mal beworbenhatte, die Nase knapp vorn: Mit einerStimme Mehrheit verwies er Simon Buttazziauf den zweiten Platz. Ilonka Mohrwurde von der Diko nicht wieder in dieDL gewählt, bleibt aber im Bundesausschussder KjG und wurde gemeinsammit Andreas Hiemstra ins Leitungsteamdes Event³ 2010 gewählt.Auch im Diözesanausschuss hat sicheiniges getan: Wiedergewählt wurdenCarola Hermes und Lena Altherr, neudabei ist Maike Hornung aus Groß–Zimmern und mit Andreas Mager ausBensheim zum ersten Mal seit langerZeit wieder ein Geistlicher Leiter. Andreasbesucht zur Zeit den Pastoralkursim Mainzer Priesterseminar und wird am25. April zum Diakon geweiht werden.Gemeinsam mit den DLern AlexanderWinkler, Monika Stark und Tonke Dennebaumsowie den DAlern Jörg Steffan,Lukas Thomas und Simon Buttazzibesteht der aktuelle Diözesanausschussder KjG damit aus zwölf Personen.Tonke Dennebaum hatte dann allerdingsunerwartete Neuigkeiten zu berichten:Nach nur einem Jahr als GeistlicherLeiter des KjG–Diözesanverbands soller ab dem 1. August 2009 die Stelle desBischöflichen Sekretärs von KardinalLehmann antreten. Laut Auskunft vonWeihbischof Neymeyr wird zur Zeitintensiv nach potentiellen Nachfolgerngefahndet, die sich möglichst noch vorder Sommerpause bei der KjG zur Wahlstellen könnten.Wie immer war der Abend des Diko–Samstags dem Abschiednehmen vorbehalten.Steffen Wörner, bis September2008 Bildungsreferent der KjG, reiste fürseine Verabschiedung extra aus Heidelbergan.Die Berichte über die Arbeit der einzelnenTeams und die Kontaktarbeit wurdenvon der Diko ohne größere Diskussionakzeptiert. Außerdem wurde die KampagneKjG – Schon probiert!? vorgestellt.Heiß her ging es dann bei der Diskussionder Anträge. So soll es für ausscheidendeMitglieder auf Diözesanebene in Zukunfteine Expertendatenbank geben, jedochwurde eine Altersrichtlinie für die Mitarbeitin den Teams abgelehnt. Im Herbst2009 soll eine politische Thomas–Morus–Wallfahrtdie KjGler auf den Spurenihres Schutzpatrons nach London führen.Außerdem wird es einen Glaubens– bzw.Katechesekurs für KjGler geben.Eine große Rolle spielte außerdem der"Genderblock": Für zukünftige Dikoswurde das Prinzip des "Redefluss nachReißverschluss" abgeschafft und durchandere Akzente der Geschlechtergerechtigkeitersetzt. Hierfür ist das neuViele Entscheidungen galt es auf dieser Dikozu treffengeschaffene Gender–Team zuständig,das an die Stelle des bisherigen Frauen–AK–Teams tritt.Außerdem wird es auch im kommendenJahr wieder einen Fundraising–AK geben.Mit großer Mehrheit stimmte die Dikoeinem neuen, projektbezogenen Konzeptzu, das sich zunächst bis zur Diko 2010bewähren soll.Ton k e De n n e b a u mDen Bericht, alle Anträge in der jeweilsbeschlossenen Fassung, alle Ergebnisse,viele Bilder und in Kürze das Protokollder Diözesankonferenz gibt es aufwww.kjg-mainz.deDie Stiefel sind gut gefüllt. Für brave DAler gibt es Geschenke.20 21Fotos: Nadine Wacker, Michael Ziegler, Simon Buttazzi, Lukas ThomasDL inTeamErweiterterBundesausschussDer erweiterte Bundesausschuss istdas Treffen des gewählten Bundesausschusses(BA) mit Vertretern der Diözesanleitungaus den Diözesanverbändenaußerhalb des Rahmens der Bundeskonferenz.Anfang März fuhren deswegenIlonka, die ja ohnehin im BA ist, und Alexnach Essen, um sich dort über die Arbeitdes Bundesverbands zu beraten. Themendabei waren neben den Berichten vonder Bundesebene unter anderem dasBundeszeltlager 2011, eine Kooperationmit Misereor und die Neuauflage vonLautStark!.Neujahrsempfang desBistumsJedes Jahr an einem Samstag AnfangJanuar lädt das Bistum Mainz die Vorständeund Leitungen aller katholischenVerbände, Organisationen und Einrichtungenzum Neujahrsempfang ein. Seiteiniger Zeit ist es gute Tradition, dassauch wir Jugendverbände daran teilnehmenund den Altersdurchschnitt derVeranstaltung erkennbar senken. NebenReden von Kardinal Lehmann und GeneralvikarGiebelmann erwartete uns einBesuch von Sternsingern aus Raunheimsowie Musikbeiträge von Schülern einerkatholischen Schule für Sozialberufe.Anschließend durften wir bei Häppchenund Sekt noch von GeneralvikarGiebelmann zu Recht angeprieseneSektglashalterungen bewundern, die esermöglichen, mit nur einer Hand Tellerund Sektglas zu halten und so noch Händeschüttelnoder essen zu können…Diözesanausschuss–WochenendeVom 05.–07. Dezember zog es den Diözesanausschuss auf den Jakobsberg. Das jährlicheDA–Wochenende startete am Freitag Abend mit der Team–Reflexion. Der Samstagstand im Zeichen der Diko–Vorbereitung, also von Anträgen und den bevorstehendenWahlen. Im Anschluss daran folgte die Diskussion des Haushaltsplans. Weitere Themendes Wochenendes waren der Start der Kampagne »KjG – Schon probiert!?« sowie dieSchulungen im kommenden Jahr. Schließlich verschafften wir uns noch einen Überblicküber die anstehenden Themen und planten die restlichen DA–Sitzungen bis zur Diözesankonferenz.Neben der inhaltlichen Arbeit kamen auch Spaß und Geselligkeit nichtzu kurz.So konnten sich die DA–Mitglieder nicht nur über gefüllte Stiefel am Morgendes 6. Dezember freuen, sondern bekamen am Abend auch Besuch vom Nikolauspersönlich. Nachdem er in seinem großen Buch nachgesehen hatte, was die DAlerinnenund DAler so im letzten Jahr Gutes und Schlechtes getan hatten, durften sich dochnoch alle über ein kleines Geschenk freuen.TermineWeitere Informationen und Anmeldungen aufwww.kjg-mainz.de.13. bis 18. April TeamerschulungJugendhaus Don Bosco, Mainz13. bis 18. April Kupa (ausgebucht)Jugendhaus Don Bosco, MainzKloster Jakobsberg, Ockenheim7. bis 10. Mai 72–Stunden–Aktionüberall19. bis 21. Juni KjG renatured ?26. bis 28. Juni BundesvolleyballturnierKempten19. bis 24. Oktober KupaJugendhaus Don Bosco, MainzKloster Jakobsberg, Ockenheim


Über allem wacht der Seelenbohrer – verpackt und beschriftet für den Umzug100.000 sind dabei! Und Du?Von der Schweizer Grenze bis nach Niedersachen: Die letztenVorbereitungen laufenDas große PackenOder: Der Umzug der BJA–Büros ins Containerdorfist vollbrachtDiözesanStoffSauerstoff Ausgabe 1/09Alexander Arnold, 24 Jahre alt, ist KjGleraus dem Bezirk Darmstadt und unterstütztals Projektmitarbeiter die Steuerungsgruppefür die 72–Stunden–Aktionim Bistum Mainz. Im Interview mit demO2 stellt er die Aktion vor und gibt denteilnehmenden Gruppen Tipps, wie siesich am besten auf die Tage vom 7. bis10. Mai 2009 vorbereiten können.O2: Hallo Alex, auch wenn sicher diemeisten Leser schon von der 72-Stunden-Aktion gehört haben, erkläre uns dochbitte noch mal, um was es dabei gehtund wieso die 72-Stunden-Aktion 2009etwas ganz besonderes wird.Ale x a n d e r Ar n o l d: Die 72–Stunden–Aktionist eine große Sozialaktion des BDKJ in14 deutschen Diözesen. Es gab zwar2001 in Freiburg und 2004 im SüdwestenDeutschlands schon 72–Stunden–Aktionen und auch ähnliche Aktionen inanderen Gegenden. Noch nie gab es abereine so große, fast bundesweite Aktion,wie in diesem Jahr. Das Aktionsgebietreicht von der Schweizer Grenze bishoch nach Niedersachsen. Wir rechnendamit, dass 100.000 Kinder, Jugendlicheund weitere Helfer aus katholischenJugend(verbands)gruppen teilnehmenwerden. Die Gruppen haben nur 72 StundenZeit, soziale Projekte – also nicht nurBauprojekte! – umzusetzen.Dafür gibt es zum Glück breite Unterstützung:So sind die FrankfurterAllgemeine Zeitung, GEPA und CaritasSponsoren der Aktion. Außerdem werdenwir in unserem Gebiet von den MedienpartnernHR3 und SWR3 unterstützt, umso katholische Jugendarbeit einer breitenÖffentlichkeit zu präsentieren.Jeder, der schon 2004 mitgemacht hat,weiß, dass man nicht nur gemeinsametwas Sinnvolles tut, sondern dabei auchnoch eine Menge Spaß hat!O2: Und was erwartet die Gruppen, diebei der Aktion mitmachen?Alex: Was genau auf die Gruppen vom7. bis 10. Mai zukommt, hängt vonden Koordinierungskreisen ab, die diekonkreten Projekte suchen. Da dort aberviele Leute mitarbeiten, die auch schon2004 dabei waren, werden sie sicherversuchen, die Projekte von damals nochzu übertreffen. Aber keine Angst: AlleProjekte werden machbar sein!Anstrengung, Schweiß, wenig SchlafAlexander Arnold ist Projektmitarbeiter derSteuerungsgruppe im Bistum Mainz.aber sehr viel Spaß wird die Teilnehmererwarten! Sie haben die Chance, etwasNeues mit ihrer Gruppe auszuprobieren,das sie sonst nie gemacht hätten.Als KjGler freue ich mich natürlich, dasswieder so viele KjG–Pfarreien bei der72–Stunden–Aktion mitmachen.O2: Wie können sich die Gruppen aufdie Aktion vorbereiten? Können sie jetztschon etwas tun?Alex: Ja, die Gruppen können schoneiniges tun: Sie können einen möglichstgroßen Unterstützerkreis aufbauen unddie Aktion in der Gemeinde vorstellen,zum Beispiel nach einem Gottesdienst.Außerdem können sie schon Sponsorensuchen, etwa einen Bäcker, der einen Tagkostenlose Brötchen für das Frühstückliefert oder einen Getränkehändler, dersie während der 72 Stunden versorgt.Für die Sponsorensuche gibt es übrigensauch unterstützende Materialien von derSteuerungsgruppe aus Mainz. Die Gruppenkönnen auch schon Helfer anfragen,die sie unterstützen oder überlegen, beiwem sie zum Beispiel Werkzeug undandere Materialien ausleihen können,das sie während der Aktion brauchenkönnten.O2: Was kann jemand tun, der keineGruppe hat, die mitmacht, aber selbstunbedingt dabei sein möchte?Alex: Am besten spricht man den Koordinierungskreisan, also die zuständigeKJZ. Die haben einen Überblick über alleGruppen und können bestimmt vermitteln.Man kann natürlich auch direktin der Nachbargemeinde oder beimnächsten PL–Treff fragen, ob noch Hilfegebraucht wird. Ich bin mir sicher, dassdie 72–Stunden–Aktion jede Unterstützungbrauchen kann!O2: Vielen Dank, Alex, für das Interview.Alex: Bitteschön. Ich möchte auch schonallen Teilnehmern viel Spaß und Erfolgwünschen!Int e r v i ew: Mic h a e l Zi e g l e rSekretärin Angela eingeschachtelt zwischenUmzugskartonsIn diesem idyllischen Containerdorf dürfendie Referenten des BJA für das nächste Jahrresidieren.26 27Fotos: Karin Plankl, BDKJ Mainz, Michael Ziegler, Gümpel / 72stunden.deSeit dem 9. Februar arbeiten wir von derDiözesanstelle des Bischöflichen Jugendamtes(BJA) nun schon »im Container«.Die Bürocontainer sind während desAbrisses und des Neubaus des Jugendhausunser Domizil – und wir sind positivüberrascht davon. Die Größe der Bürosist gut, für Angelas »Verwaltungsbüro«reicht es zwar gerade, meines undTonkes haben sich jedoch sogar um eingutes Stück vergrößert. Doch bis wir indie Container einziehen konnten, war»großes Packen« angesagt.In einer Personalversammlung wurdenalle eingewiesen, was denn wie ein– undauszuräumen, zu verkleben und zu signierenwar – und dann ging es los.Um eine Zahl zu nennen: Allein Angelafüllte im Laufe der Woche mit denInhalten ihrer Büroschränke und desSchreibtischs 67 (!) Umzugskartons. Sokann man sich vorstellen, welches Bildsich in der Umzugswoche sehr schnell imJugendhaus ergab: In den Gängen undBüros stapelten sich Kisten über Kisten,unterbrochen von mittelgroßen Müllbergen,und dazwischen wuselten wiefleißige Ameisen Kartons faltende unddieselben, manchmal fluchend, einräumendeBJA–Mitarbeiter herum.Doch insgesamt war die Stimmung,trotz aller körperlicher Anstrengung (werschon mal umgezogen ist, weiß, dassvolle Ordner wirklich schwer sind!), inden Gängen bei allen sehr gut. So liefenalle Kollegen plötzlich mit kurzen Ärmelndurch die Gegend – und das bei Außentemperaturenum 0 Grad –, was ein sehrwitziges Bild ergab. Auch so mancherlauter Lacher beim Auffinden alter Fotos(»So schlimm hast du mal ausgesehen?«)oder Rufe wie »Braucht jemand eine guterhaltene Tüte Aquarienkies?« trugen zurguten Stimmung bei und tröstete auchüber so manche Schmutzattacke beimBergen von Gegenständen von hohenSchränken hinweg. Die Geräuschkulissewar ebenfalls beeindruckend – was somanches Telefonat oder den Vorsatz,eine längere Email zu schreiben, im Versuchersticken ließ.Angela und ich freuten uns zudemlange darüber, dass das Ausräumen des»schmutzigen Kellers« für die KjG keinThema sein würde, da wir, im Gegensatzzu den anderen Verbänden, unser»Lager« glücklicherweise ja nicht direktim Jugendhaus pflegen. Doch unserTraum zerplatzte jäh, als hinter altenSchränken, die unsere Kollegen aussortierthatten, plötzlich zwei noch ältereSchränke mit großen Aufklebern darauf,die eindeutig als Seelenbohrer identifizierbarwaren, zum Vorschein kamen.So erfuhr unser Zeitplan eine Straffung– und wir kamen in den Genuss vonKjG–Unterlagen aus den 60er, 70er und80er Jahren.Am Ende der Umzugswoche waren alleglücklich und stolz auf das vollbrachteKistenwerk – doch so manch wehmütigerBlick in ein fertig gepacktes Bürozeigte erneut, dass viele Kollegen dasalte Jugendhaus mit einem weinendenAuge hinter sich lassen.Nach einer Woche »zwangfrei«, in dereine Umzugsfirma unsere vorbildlichsignierten Sachen dann in die Containergebracht hatte, hieß es auspacken.Doch wie eingangs erwähnt, sind unsereSachen und wir gut dort gelandet. Am20. Juni 2010 soll das neue Jugendhauseingeweiht werden, und wir wissenheute schon: Im Juni 2010 ist wiedergroßes Packen angesagt.Kar i n Pl a n k l,Bi l d u n g s r e f e r e n ti n de r KjG Ma i nz


Nur für MädelsNur für JungsDesperate Wednesday. Ein Mittwoch zum VerzweifelnKleine Schwester… Kleines Monster!NurFür…Sauerstoff Ausgabe 1/09Als ich vor dem Fernseher sitze, freue ichmich auf meinen wohlverdienten DesperateHousewives–Abend.Der Tag hat viel zu früh am Morgen miteinem verpassten Bus begonnen unddann durch eine (verpatzte) Physik–Arbeitnicht gerade an Qualität gewonnen.Am Nachmittag hatten Jessica und ichnoch ein Referat vorzubereiten und alsich endlich auf dem Heimweg war, hattemein Rad einen Platten.Wenigstens jetzt kann nichts mehrschief gehen: ausgerüstet mit Schokoladeund einer Flasche Cola mache ichmich auf den Rückweg ins Wohnzimmerund traue meinen Augen nicht: Inmeinem Lieblingssessel fläzt sich Julian,die Fernbedienung in der Hand. Überden Bildschirm flimmert der Anfang vonCriminal Intent.Er ignoriert mein Eintreten völlig undscheint sich auch nicht weiter daran zustören, dass ich wutschnaubend in derTür stehe.»Julian?«, frage ich, »Du weißt schon,dass heute mein Desperate Housewives–Tag ist?«Als er nicht reagiert, räuspere ich michvernehmlich und er dreht im Schildkrötentemposeinen Kopf.»Ich war zuerst hier.«, brummt erunfreundlich.»Nein, meine Decke!«, antworte ich.Er grinst hämisch: »Die ist echtbequem!«Das ist mal wieder völlig typisch meinBruder: Er kommt, sieht und ignoriert dierestliche Menschheit.»Jedenfalls werde ich jetzt DesperateHousewives gucken!«, erkläre ich, immernoch um Freundlichkeit bemüht, undgreife nach der Fernbedienung.Julian springt auf und rennt mit derFernbedienung in der Hand davon. Ichbin ihm dicht auf den Fersen und dieVerfolgungsjagd geht durch den Flur,zweimal durch die Küche, durchs Bad(wo ich ihn fast erwische!) und meinSchlafzimmer, um wieder im Wohnzimmerzu enden. Er schlittert einmal querdurch den Raum, so dass ich ihn schließlicheinhole.Ich reiße ihm die Fernbedienung aus derHand und schalte endlich um. Werbung!Ich werfe einen Blick auf die Uhr.»Na super!«, sage ich zu Julian. »WegenDir hab ich jetzt die Hälfte von DesperateHousewives verpasst.«»Selbst schuld!«, motzt er jetzt auchnoch, »wenn Du mich in Ruhe gelassenhättest, hätte wenigstens ich meineSerie gucken können.«Mir reicht es endgültig. Türen knallendverlasse ich das Wohnzimmer, nicht ohneJulian noch (laut und deutlich!) einenIdioten genannt zu haben.Dieser Mittwoch wird als schlimmstermeines Lebens in die Geschichte eingehen.28 29Bilder: Thommy Weiss / pixelio.de, Lukas ThomasOh Mann, was für ein Tag: Das Debakelnahm schon gleich in der ersten Stundeseinen Anfang: Ein unangekündigter,fieser Latein–Vokabeltest. Und ratetmal, wer nicht gelernt hatte… Ja, richtig!Ich durfte die ganzen Minuten langdas Grinsen dieses kleinen Gnoms vonLateinlehrer ertragen und mir währenddessenüberlegen, wie ich meiner Muttererkläre, wieso ich eine 6 im Vokabeltesthabe. Später hatte ich dann noch Stressmit einem Kumpel wegen so ner blödenSache mit nem Mädchen und jetztkomme ich gerade von zwei StundenZeitungsaustragen – natürlich im Regen– zurück.Total platt und dringend entspannungsbedürftig,lasse ich mich in den Wohnzimmersesselfallen und bin gerade nochrechtzeitig zum Beginn von CriminalIntent. Ich werde Zeuge eines bestialischenMordes und während ich bei denErmittlungen der Detectives mitfiebere,nehme ich plötzlich ganz in meiner Näheeine aufgeregte Stimme wahr…Lilly! Meine kleine Schwester… »Julian!«,schreit sie, »Du weißt schon, dass heutemein Desperate Housewifes–Tag ist?«.Nein, weiß ich nicht und interessiertmich auch nicht, denke ich mir. Sieht siedenn nicht, dass ich beschäftigt bin?Irgendwann dämmert mir, dass sie wohlder Meinung ist, jetzt hier Fernsehengucken zu können.»Ich war zuerst hier«, erkläre ich ihr ganzsachlich.»Nein, meine Decke«, entgegnet Lilly.Hm, tatsächlich, unter mir liegt eineDecke. Sind wir hier auf Mallorca?Verwechselt Lilly ihre Decke mit einemHandtuch und den Sessel mit einemLiegestuhl am Pool?Aus der Überlegenheit des älteren Brudersheraus, erwidere ich: »Die ist echtbequem.«Jetzt rastet Lilly völlig aus: »Jedenfallswerde ich jetzt Desperate Housewifesgucken«, giftet sie und will mir die Fernbedienungaus der Hand reißen.Womit habe ich das nur verdient, denkeich mir und springe aus dem Sesselauf. Lilly natürlich hinterher. Durch dashalbe Haus rennt mir dieses kleine Biesthinterher und als ich schließlich auf denglatten Fließen fast ausrutsche (habe icherwähnt, dass Hausschuhe völlig überbewertetsind?), gelingt es ihr doch tatsächlichdie Fernbedienung zu ergreifen.Wir sprinten zurück ins Wohnzimmer,wo Lilly sofort auf Desperate Housewifesumschaltet: Werbung!Verdammt! Schon so spät. »Na super!Wegen Dir habe ich jetzt die Hälfte vonDesperate Housewifes verpasst«, erklärtsie mir, was ich ohnehin schon weiß.»Selbst Schuld!«, entgegne ich, »WennDu mich in Ruhe gelassen hättest, hättewenigstens ich meine Serie guckenkönnen.«Wutschnaubend verlässt Lilly den Raum.Zumindest dieser Punktsieg bleibt mir.Aber nachdem ich die Hälfte verpassthabe, brauche ich Criminal Intent auchnicht mehr weiterzugucken…


BasisStoffKinderkinowochenende des Bezirks DarmstadtWo ist eigentlich der Beamer?nach und nach ziemlich müde ins Bett,um sich für den anstrengenden nächstenTag zu stärken.Bezirk DieBurg:Zweite erfolgreicheMiramarfahrtEr erleuchte die Augen Eures Herzens,damit Ihr versteht,zu welcher Hoffnung Ihr durch ihn berufen seid.Eph, 1,18Das Wort zum SonntagObamas Kirche und öffentlich gelebter Glaube >v o n To n k e De n n e b au mBasisStoffSauerstoff Ausgabe 1/09Die Teilnehmer des KinderkinowochenendesNach ein wenig Vorbereitung trafen wiruns am Freitag, den 23.01.09 am spätenNachmittag zum diesjährigen Kinderkinowochenendeim Forsthaus Fasanerie.Nachdem die meisten eingetroffenwaren und die Betten bezogen hatten,versammelten wir uns im Sofaraum zueiner kleinen Begrüßungsrunde.In einem thematischen Teil in Form einerSzenenanalyse des alten Kinderkinofilms,der vor zwei Jahren vom DarmstädterKinderkino–Team gedreht worden war,sollten wir die Schnitte zählen, diehierbei gemacht wurden. Dies sollte unsbewusst machen, wie viel Arbeit diesesWochenende bringen würde.Schon zu diesem Zeitpunkt fragten sichalle, wo denn der Beamer sei, den wir fürdas Wochenende reserviert hatten :–).Um am nächsten Tag, an dem wir nunden neuen Film drehen wollten, der vorden Kinderkinos in den verschiedenenGemeinden als kleiner Vorfilm gezeigtwird, nicht allzu viel Zeit zu verlieren,sammelten wir erste Ideen und kamenauch schnell zu einer Geschichte. Währenddieser Ideensammlung bereiteteneinige schon das Abendessen vor: Es gabRaclette. Einige fanden sich nach langerDiskussion noch zum Film „Keinohrhasen“zusammen, die anderen gingenNach dem Aufstehen trafen die letztenTeilnehmer auch noch ein und wir frühstücktenalle zusammen.Wir berichteten den Dazugestoßenenvon der Geschichte, die wir uns für denFilm ausgedacht hatten und schriebenalle gemeinsam das Storyboard, umdanach mit dem Drehen des Kurzfilmesanzufangen. Den Tag über wurde hartgearbeitet, allerdings gab es auch vielelustige und spaßige Momente. Zwischendurchhatten wir Mittag– und Abendessen.Während die meisten sich amAbend mit Filmeschauen und Quatschenbeschäftigten, schnitten einige tapfereKerle den Film in mühsamster Kleinstarbeitzusammen. Nach der langen Nachtkamen wir zu einem leckeren und nettvorbereiteten Sektfrühstück zusammen,das dann wieder alle munter machte.Das ganze Haus musste geputzt undwieder in Ordnung gebracht werden,wobei jeder kräftig mit anpackte undden Besen schwang.Abgeschlossen wurde das ganze durchgemeinsames Schauen unseres Werkesmit dem Beamer, der uns nachträglichnoch gebracht wurde.Hoffentlich gefällt allen Kindern derneue Film mit Kiki und Heiner „Film imFilm – Gefahr am Set“.Wir hatten ein schönes, erlebnisreichesWochenende, welches wir sicher dienächsten Jahre wiederholen werden.St e p h a n i e Am b r iz u n d Be t t i n a May e r ,KjG St. Lu d w i g Da r m sta dt»Wenn man sich den Bikini in den Postecken, rutscht man schneller!« Übersolche und andere hilfreiche Tipps wusstendie Kinder des Bezirks DieBurg nacheinem Ausflug ins Erlebnisbad Miramarbestens Bescheid.Am 22.11.08 war es mal wieder so weit.Zum zweiten Mal war der Bezirk DieBurgin Richtung Weinheim an der Bergstraßeunterwegs. Diesmal waren über 40Kinder und Leiter aus vier Pfarreien anBord, die schon um 8 Uhr morgens beigefühlten sibirischen Temperaturen aufden Bus warteten.Nach einer Stunde Fahrtzeit folgten fünfStunden Spiele und Spaß im Wasser.Wellenbad, Reifen und fünf verschiedeneRutschen mussten genauso ausgetestetwerden wie die Seilbahn auf demSpielplatz des Außenbereichs. Letzeresist bei Minustemperaturen und leichtemSchneefall ein Erlebnis der ganzbesonderen Art. Der Versuch, quer überdas »Massagebecken« ein Frisbeespielzu starten, verlief allerdings wenigererfolgreich. Die Frisbee landete zwar aneinigen sehr interessanten Orten (zumBeispiel in einer Palme gut zweineinhalbMeter über dem Boden), aber selten inden Händen des eigentlichen Fängers.Spaß gemacht hat es natürlich trotzdem!Zum Glück gab es, außer einer kleinenKinnwunde, keine gravierenden Verletzungen.Und so kamen um 6 Uhr abendsalle Teilnehmer müde, aber glücklich,wieder zu Hause an. Bis zum nächstenMal!An i k a He c k w o l f30 31Fotos: Kinderkino–Team Darmstadt»In welche Kirche geht eigentlich Präsident Obama?«Kaum zu glauben, dass diese Frage Anfang Januarein großes Thema im Fernsehen und den Zeitungenwar. Bei uns in Deutschland findet man diese Frageeigenartig: Warum sollte es uns interessieren, wound wie Barack Obama, seine Frau Michelle und dieKinder Malia Ann und Natasha ihren Sonntagvormittagverbringen? Ist es nicht egal, ob sie langeausschlafen und dann gemeinsam frühstücken, obder Präsident die Zeit lieber zum Arbeiten nutzt oderdie Familie in den Gottesdienst geht? Ist das nichtvor allem Privatsache?Die meisten Amerikaner sehen das offensichtlichanders. Und auch Barack Obama selbst nimmt zudiesem Thema öffentlich Stellung. Er findet, dassman es als Präsident ziemlich schwer hat, wennman sich für eine der vielen Kirchengemeinden inWashington entscheiden möchte. Für Obama istjedoch klar: Der Glaube an Gott ist für ihn wichtigund prägt sein Leben, seine Werte und Überzeugungen.Religion ist deshalb nicht nur Privatsache und eswäre unehrlich, wenn man sie in der Öffentlichkeitverschweigen würde. Das gilt für den Präsidentengenauso wie für jeden einfachen Bürger.Barack Obama ist ein Präsident, auf den auch vieleEuropäer große Hoffnungen setzen. Und er ist einPräsident, der darauf vertraut, dass es Gott gibt,und dass man als Christ herausgefordert ist, dieBotschaft der Liebe zum Nächsten und zu Gott inder Welt umzusetzen. Jeder Christ ist berufen, dasEvangelium Realität werden zu lassen.Wenn wir hören oder lesen, wie Obama über die Religiondenkt, dann wundern wir uns vielleicht. Hörtsich das nicht viel zu sehr nach George W. Bush undseiner Kreuzzugsrhetorik an?Vielleicht spüren wir aber auch, dass Obama den Versaus dem Epheserbrief ernst nimmt, der oben abgedrucktist. Dass Glaube etwas mit Hoffnung zu tunhat – und damit, dass wir nach der Berufung unseresLebens suchen und ihr tatsächlich folgen können.Der Glaube kann unser Leben und unseren Horizontweit und offen machen.Das kommt nicht immer gut an. Als Barack Obamaam 20. Januar in Washington in sein Amt eingeführtwurde, erschien in Spiegel–Online ein Artikel mitder Überschrift »Zu viel Kirche – zu wenig Coolness«.Man kann sich gut vorstellen, dass sich die Autorinziemlich über Obama und sein Bekenntnis zum Glaubengeärgert hat – und dass sie dabei vermutlichalles andere als cool geblieben ist. Und tatsächlichwar ja auch Obama selbst nicht unbedingt der Allercoolsteund musste seinen Amtseid an diesem Taggleich zweimal wiederholen.Der Glaube an Jesus von Nazareth macht unserLeben nicht cool und auch nicht uncool. Aber er zeigtuns, dass es nicht nur auf uns ankommt, sonderngenauso auch auf Gott, der die Menschen liebt unddem wir vertrauen dürfen.Der Präsident ist dann übrigens in die St. John’s–Kirche gegangen. Vielleicht sollten auch wir daraufachten, dass wir Gott nicht aus dem Blick verlieren.Denn er erleuchtet die Augen unserer Herzen undzeigt uns, wozu wir berufen sind.


Diözesankonferenz 20096. bis 8. März 2009Alle Anträge, Ergebnisse,Infos und Bilder aufwww.kjg-mainz.deFotos: Christian Glöckle, Lukas Thomas, Maike Hornung, Michael Ziegler, Nadine Wacker, u.a.

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