Fahrgast Zeitung - FAHRGAST Steiermark

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GrazMinus im WestenLiniennetzreform ja – aber wie?Im November steht im Grazer Südwesten die vierte Liniennetzänderungin 13 Jahren an, gleichzeitig wird der Tangentialbuslinienringendlich geschlossen. Doch statt eines großen Wurfes wirdwieder nur an Details gebastelt, ohne die Probleme zu beheben.Route 62“ hieß die Werbebotschaftzur zweitenGrazer Tangentialbuslinie,der Linie 62 vonPuntigam über Straßgang undEggenberg zur Carnerigasse.Zum einen war Fahrgast natürlichhocherfreut, dass nachder Linie 41 nun der zweiteMosaikstein zu einem Tangentialbuslinienringgesetztwar. Doch zum anderen zeigtesich bereits damals: Die Linie62 fährt zwischen Wetzelsdorfund Puntigam einenUmweg über die Gradnerstraße,statt direkt über das Shopping-CenterWest, wie vonFahrgast vorgeschlagen. Außerdemverkehrt die Linie bisheute am Samstag nur vormittags– im Vergleich zur Linie41 (kein Verkehr im Tangentialbusabschnittam Samstag)eine Verbesserung, aber inZeiten langer Einkaufssamstageschon damals ein Anachronismus.Als im Jahr 2000 die Linie64 von Neuseiersberg überPuntigam nach St. Peter verlängertwurde, war der Tangentialbuslinienringfast geschlossen– nur zwischen derTerrassenhaussiedlung unddem Morrehof prangte weiterhineine – kleine, aber lästige– Lücke. Auch die Linie64 fuhr zunächst samstagsnur am Vormittag auf ganzerStrecke. 2002 wurde die Linie78 parallel zum 64er nachNeuseiersberg eingeführt und2003 erfolgte schon die nächste,vorerst letzte, Liniennetzänderungim Südwesten:Die Linie 64 wurde über dasShopping-Center West nachWetzelsdorf statt nach Seiersberggeführt, die Linie 78übernahm – inklusive Abendverkehr– den Südast der Linie64 und die neue Linie 80wurde eingeführt. Die Linie64 fährt seitdem endlich amSamstag bis 18.30 Uhr.StrukturproblemeDoch weiterhin bestehenim Südwesten Probleme imLiniennetz:– Die Linie 64 endet in Wetzelsdorf,einen Kilometervor dem Eggenberger Bezirkszentrum.– Die Verbindung zwischenPuntigam und Eggenbergist weiterhin mit einemUmweg über die Gradnerstraßeverbunden.– Die Linie 62 fährt amSamstag nur bis Mittag.– Zwischen Webling und demGemeindeamt Eggenbergfahren untertags 10 bis 14Busse pro Stunde (also imDurchschnitt alle 4 bis 6Minuten!), ohne dass dafürBedarf bestünde.– Die Linie 33 fährt einengroßen Umweg zwischender nördlichen StraßgangerStraße und dem Jakominiplatz.VerkehrsmodellDie Stadt Graz und dieGraz Linien investierten einegroße Summe Geld in ein Forschungsprojekt,um die Verkehrsströmein Graz modellierenzu können und damit Entscheidungenüber künftige Liniennetzetreffen zu können.Dieses Modell ist europaweiteines der ausgereiftesten. Mitdiesem Modell wurden bereitsmehrere Szenarien, unter anderemeine Liniennetzreformim Grazer Südwesten, untersucht.Es gibt also einen klar umrissenenProblemkatalog, esgibt die Werkzeuge für eineUntersuchung von Liniennetzenund es gibt Vorstudien.BastelnDoch wer nun glaubt, dassdiese Ergebnisse oder gar diebestehenden Probleme in diefür November angesetzte Liniennetzumgestaltungeingeflossenwären, hat sich getäuscht!Statt eines großenWurfes wird einfach die Linie64 in Puntigam in zwei Teilegeteilt, im Osten bis St. Leonhardverlängert und dort stattder Linie 82 nach Stifting geführt.Zurück bleibt eine verkümmerteRumpflinie zwischenWetzelsdorf und Puntigamsowie eine Linie 64,die zwar endlich die wichtigeVerbindung zwischen St. Peterund St. Leonhard herstellt,aber durch die Verlängerungnach Stifting sogar noch längerals vorher ist – obwohldie „Instabilität langer Buslinien“der Grund ist, die Liniein Puntigam zu teilen.Die Erkenntnisse des Forschungsprojektesoder derVorstudien flossen – erraten!– leider nicht in den Planungsprozessein. Die oben genanntenProbleme bleiben bestehen,zudem kommt noch derzusätzliche Umsteigezwangzwischen St. Peter und Wetzelsdorfhinzu. Im Gegensatzzum Grazer Osten (sieheArtikel gegenüber) gibt es imWesten also keine Verbesserungen,dafür neue Probleme.Fahrgast oder Fahrgastbeiratwaren zu keiner einzigenSitzung zu dem Thema geladen.Das Ergebnis wurde imZuge eines Jour Fixe nebenbeipräsentiert, obwohl Fahrgastder Stadt Graz und auchden Graz Linien mehrmals inverschiedenen Gremien seineMitarbeit angeboten hatte.FazitWie verhält man sich alsoals Fahrgastvertretung, wenneinerseits endlich wichtige Linieneingeführt werden undandererseits bereits die vierteChance, das Liniennetz mitseinen Defiziten zu reformieren,ungenützt verstreicht?Wir freuen uns. Wir freuenuns wirklich. Und trotzdemkönnen wir es nicht glauben,wieso schon wieder das Offensichtlicheversäumt wurde.65Wetzelsdorf (7)Peter-Rosegger-Straße (31,33,62)Grottenhofstraße (31,33,62)Gablenzkaserne (31,62)PS.: Die Umstellungfindet am 26. November,gemeinsam mit derEröffnung der NahverkehrsdrehscheibeHauptbahnhofstatt. Am 9. Dezember ist derinternationale Fahrplanwechsel.Hätte man nicht noch zweiWochen warten können, umalle Änderungen gleichzeitigdurchzuführen?Jakob HolzerWagJaureStraßFahrgast 2/2012

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