Folien der Vorlesung - ICR

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Konfliktforschung IKriegsursachen im historischen KontextWoche 8: Quantitative KonfliktforschungProf. Dr. Lars-Erik Cedermanvertreten durchLutz F. KrebsStampfenbachstrasse 63, Raum 4.12krebs@icr.gess.ethz.chwww.icr.ethz.chAssistentin: Valentine OffenlochSeilergraben 49, Raum F9voffenlo@student.ethz.ch


Agenda• Kleiner Rückblick• Quantitative Konfliktforschung– Ziele– Methoden– Ergebnisse• Beispiel 1: Demokratisierung & Konflikt• Beispiel 2: Ethnizität & Konflikt


Kriegsursachen• Kriegsursachen in Theorie & Geschichte– 3 Analyseebenen: Individuum, Staat &internationales System– Kriege als Vergesellschaftungsprozesse– Souveräne Territorialstaaten: europäischesGleichgewicht der Mächte– Nationalismus als Kriegsursache– Idealismus & kollektive Sicherheit gg.Realismus & Abschreckung– Ethnische Bürgerkriege


Kriegsursachen• Historischer Überblick: Entstehung vonKonflikten im Kontext• Ab dieser Woche: Theorien & Methoden imDetail– Quantitative Kriegsursachenforschung– Die 3 Analyseebenen– Computer-basierte Simulationen


Ein Schritt zurück...• „So scheinen die Ehen, die daher kommendenGeburten, und das Sterben, da der freie Willeder Menschen auf sie so grossen Einfluss hat,keiner Regel unterworfen zu sein, nachwelcher man die Zahl derselben zum vorausdurch Rechnung bestimmen könne; unddoch beweisen die jährlichen Tafelnderselben in grossen Ländern, dass sie ebenso wohl nach beständigen Naturgesetztengeschehen (…)” – Immanuel Kant


Risiko Verallgemeinerung


Ziele & Vorgehen• Quantitative Methoden erlauben es uns,auf verfügbaren Daten basierendtheoretische Schlussfolgerungen zu ziehen.• Sie ermöglichen es uns:– Grosse Mengen von Informationenzusammenzufassen– Zusammenhänge zwischen Variablenaufzudecken– Kausalerklärungen aufzustellen undauszuwerten


Zwei Kausalbegriffe• Hume: Regelmässigkeitendurch die „constantconjunction“• WissenschaftlicherRealismus:KausalmechanismenDavid Hume


Methoden der Datenerhebung• Befragung von Betroffenen oder Experten,ggf. strukturiert, mittels div. Medien.• Beobachtung durch Teilnahme undDokumentation des rel. Ereignisses.• Inhaltsanalyse von Quellen zum rel.Ereignis.• Prozessgenerierte Daten, also direkteÜbernahme von Quellen, die durch dasEreignis entstanden sind.


Bekannte Datensammlungen• Correlates of War: Existenz und Fähigkeitenvon Staaten, Allianzen und Bürger(kriege).• Polity: Pol. Wettbewerb, Auswahlmechanismenfür und Verbindungen derExekutive.• Minorities at Risk: Zustand und Bedrohungvon Minderheiten.• Armed Conflict Dataset: Beginn, Dauer undAusmass von (Bürger)kriegen.


Methoden der Datenanalyse• Die Art der Daten beeinflusst die Wahl derMethode. Beispiele:– Prozessverfolgung zum Nachweis einerKausallogik bei qualitativen Daten.– Regressionsanalyse zum Nachweis vonKorrelationen in quantitativen Daten.– Vergleichende Fallstudien zum Nachweis vonUnterschieden bei qualitativen Daten.– Data Mining zum Entdecken von Mustern inquantitativen Daten.


Bekannte Ergebnisse• Stabile Machtungleichgewichte senken dasKriegsrisiko.• Demokratien führen selten/nie Krieguntereinander, sind aber nicht prinzipiellfriedfertiger.• Demokratisierung macht Konfliktwahrscheinlicher, besonders, wenn dieDemokratisierung nicht vollständigerfolgreich war.


Mansfield & Snyder 1995• Demokratien führen selten/nie Kriegmiteinander, aber:• Staaten im Begriff der Demokratisierunghaben eine höhere Konfliktwahrscheinlichkeit• Besonders problematisch sind teilweiseDemokratisierungen.


Messung von Demokratie...• Der Polity-Index besteht zu je 1/3 aus:– Angaben zur Rekrutierung der Exekutive– Angaben zur Unabhängigkeit der Exekutive– Angaben zum politischen Wettbewerb und zurOpposition.• Eine Skala von -10 bis +10 gibt denDemokratiestatus jedes Landes an.• Probleme: Definitionen der Komponenten,Zusammensetzung des Index.


... und DemokratisierungIhr Handout beinhaltet die Polity-Kurve für einzufälliges Land.Identifizieren Sie Demokratisierungen mitIhrem Nachbarn.


Länderbeispiele


... und Demokratisierung• Verschiedene Methoden:– 5-Jahres-Perioden werden verglichen.Demokratisierung bedeutet den Wechsel ineine höhere Kategorie.– Einzelne Jahre werden verglichen.Demokratisierung bedeutet den Wertanstiegum mindestens 2 Punkte.– Einzelne Jahre werden verglichen.Demokratisierung bedeutet den Wertanstiegum mehr als 2 Punkte in den letzten 3 Jahren.


Probleme• Wie definieren wir Demokratie undAutokratie?– Und: wie werden unterschiedliche Bestandteilegewichtet?• Wie gross muss eine Veränderung sein, umals Demokratisierung zu zählen?• Wie gehen wir mit fehlenden Werten um?


Eine neue Methode1. Wir definieren stabilePerioden, die wenigVarianz aufzeigen.2. Wir vergleichen das Niveauzwischen den Perioden.3. Wir beobachten instabileVeränderungsversuche.


Länderbeispiel


Erste Ergebnisse* p < 0.05 ** p < 0.01 *** p < 0.001


Erste Ergebnisse* p < 0.05 ** p < 0.01 *** p < 0.001


Erste Ergebnisse• Demokratisierung und Autokratisierungsteigern das Konfliktrisiko• Das Demokratieniveau hat keinen/einengeringen Einfluss• Nach Demokratisierung dauert dieEntstehung des Konfliktes länger als beiAutokratien


Mechanismen• Was steckt hinter Konflikten in derDemokratisierungsphase?• Demokratisierung bedeutet– Öffnung des politischen Systems– Umverteilung der politischen Macht• Einzelne Gesellschaftsgruppen können sichbedroht fühlen• Ein Sicherheitsdilemma kann entstehen


Bedrohte Minderheiten• Minorities at Risk erfasst standardisierteInformationen zu politisch aktivenMinderheiten– Die Risikobewertung erfasst dieWahrscheinlichkeit von Protesten, Rebellionund Unterdrückung– Die Analyse gibt einen historischen Überblickzu den Beziehungen zwischen Gruppen undStaat


Bedrohte MinderheitenIhr Handout beinhaltet MAR-Angaben zu einerMinderheit in der Schweiz oder einemNachbarland.Lesen Sie die Angaben und bewerten Sie sie imGespräch mit Ihrem Nachbarn.


Länderbeispiele• Schweiz– Ausländische Arbeiter– Bewohner der Jura• Italien– Roma– Südtiroler– Sarden• Frankreich– Basken– Korsen– Muslime ohne franz.Staatsangehörigkeit– Roma• Deutschland– Türken


Probleme• Diskutable Auswahl der Gruppen– Ausländische Arbeiter?– Vollständig integrierte Bürger?• Kein einheitlicher Gegenspieler– Erfassung der Gesamtsituation problematisch• Machtverhältnisse– Die genauen Machtverhältnisse lassen sich nurschwer eruieren


Eine neue Methode• Erfassung aller Gruppen im Weber‘schenSinn, die national politisch aktiv sind• Expertenumfrage bezüglich– Bevölkerungsanteil der Gruppe– Politischem Machtzugang der Gruppe:Monopolist oder Dominanter Akteur? Partnermit anderen? Keine (überlokale) Macht?Diskriminierung?


Länderbeispiel: LibanonGruppe 1946—1970 1971—1991 1992—2005Maronit. Christen* 29% Sr. Partner 14% Sr. Partner 14% Sr. PartnerSunnit. Araber* 22% Sr. Partner 24% Sr. Partner 24% Sr. PartnerSchiit. Araber* 20% Jr. Partner 36% Jr. Partner 36% Sr. PartnerPalästinenser* 10% Machtlos 10% Diskrimin. 10% Diskrimin.Drusen* 7% Jr. Partner 6% Jr. Partner 6% Jr. PartnerOrthodoxe Christen 5% Jr. Partner 5% Jr. Partner 5% Jr. PartnerKath. Griechen 3% Jr. Partner 3% Jr. Partner 3% Jr. PartnerArmen. Orthodox 1% Jr. Partner 1% Jr. Partner 1% Jr. PartnerAndere 3% Lokal 1% Lokal 1% Machtlos* Auch in MAR erfasst. Änderungen zur Vorperiode sind fett gedruckt


Erste Ergebnisse• Grosse Gruppen, die politischunterrepräsentiert sind, erhöhen dieKonfliktwahrscheinlichkeit• Der aktive Ausschluss von der politischenMacht erhöht dieKonfliktwahrscheinlichkeit


Blick in die Zukunft• Einfluss räumlicherVerteilung auf dieKonfliktwahrscheinlichkeit:– Entfernung vomKerngebiet– Grosse oder kleineStreuung– Nachbarländer mitverwandten Gruppen

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