Organspendekonsil - Transplantationszentrum Freiburg

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Organspendekonsil - Transplantationszentrum Freiburg

1ORGANSPENDE-KONSIL | 1Organspende-Konsil1Dieses Konsil dient Ihnen zur Klärungder Voraussetzungen für eine Organspende(Feststellung des Todes/Hirntoddiagnostik,Entscheidung zur Organspende) und demAusschluss einer medizinischen Kontraindikation.Weiterhin sollten hier schon erste gemeinsameAbsprachen über das weitere Vorgehen unddie Unterstützung der DSO im Organspendeprozessgetroffen werden.1.1 ZeitpunktEin orientierendes Organspende-Konsil mit der DSO ist indiziert,wenn bei einem Patienten mit akuter primärer oder sekundärerHirnschädigung (im Verlauf der Therapie bei kontrollierter Beatmung)ein unbeeinflussbar fortschreitender Verlust der Hirnstammfunktionenmit folgenden klinischen Symptomen beobachtet wird:KomaPupillen weit/mittelweit, fehlender Lichtreflex bds.fehlender okulozephaler Reflex bds.fehlender Cornealreflex bds.fehlende Trigeminus-Schmerzreaktion bds.fehlender Pharyngeal-/Trachealreflex[ KAPITEL 2 – HIRNTOD, HIRNTODDIAGNOSTIK ]Eine Altersgrenze für die Organspende gibt es nicht.Entscheidend sind die aktuellen Organfunktionen.In Zweifelsfällen sollten Sie Rücksprache halten.dso informationen zur organspende


1ORGANSPENDE-KONSIL | 31.3 Unterstützung durch die DSOEine Organspende ist ein seltenes Ereignis im Krankenhaus.Alle notwendigen Schritte – von der Einleitung bis zur Organentnahme –stellen Sie vor ungewohnte Anforderungen.Wir, die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), haben deshalbein Konsiliar- und Unterstützungsangebot etabliert, das es ermöglicht,Sie bei allen Maßnahmen im Spendeprozess jederzeit umfassend zuberaten und zu entlasten:Unterstützungsspektrum derDeutschen Stiftung OrgantransplantationOrientierendes KonsilKlärung der Voraussetzungen einer Organspende,Ausschluss einer medizinischen Kontraindikation,Besprechung weiterer SchritteVermittlung eines neurologischen KonsilsHirntoddiagnostikEntscheidung zur OrganspendeGespräch mit den AngehörigenKommunikation mit der StaatsanwaltschaftFreigabe bei nicht-natürlicher TodesursacheOrganprotektive IntensivtherapieBeratung, Unterstützung vor OrtDurchführung spezieller Laboruntersuchungenz.B. Toxikologie, Infektionsserologie, GewebetypisierungKoordination der OrganentnahmeEurotransplant (Organvermittlung), Entnahmeteams,Transporte (Teams, Organe)dso informationen zur organspende


1ORGANSPENDE-KONSIL | 41.4 Krankenhausinterne FestlegungenGeplante Abläufe und feste Zuständigkeiten in Ihrem Hause erleichterndie Arbeit, insbesondere bei eher seltenen Ereignissen wie Organspenden.Die Koordinatorin oder der Koordinator der DSO kann Ihnenhelfen, diese Festlegungen zu erstellen.Krankenhausinterne FestlegungenWer ist autorisiert, eine Organspende einzuleiten(Konsil mit DSO)?Wer ist im Krankenhaus an der Hirntoddiagnostik beteiligt(bzw. welche Abteilung)?Wer stellt die Betreuung und Information der Angehörigensicher und kümmert sich um die Entscheidungsfindungzur Organspende (Angehörigengespräch mit Arzt, Pflegepersonalund/oder Koordinator)?Wer trifft Festlegungen zur organprotektiven Intensivtherapie?Wer unterstützt die weiteren Schritte im Krankenhaus(Laboruntersuchungen, apparative Zusatzdiagnostik,OP-Planung, Versorgung des Leichnams)?[ CHECKLISTE „KRANKENHAUSINTERNE ABLÄUFE“]Wichtig für Ihre Festlegungen ist auch, mit uns zu vereinbaren,welchen konkreten Unterstützungsumfang Sie von uns erwarten.Diese klinikinternen Vorbereitungen und die getroffenen Absprachenmit der DSO erleichtern eine situationsgerechte Zusammenarbeitund sorgen für die notwendige Handlungssicherheit des beteiligtenPersonals.dso informationen zur organspende


1ORGANSPENDE-KONSIL | 51.5 Risiko-EvaluierungEine erhebliche Diskrepanz zwischen der notwendigenund der tatsächlichen Zahl gespendeter Organe ist seit mehrerenJahren kennzeichnend für die Situation der Transplantationsmedizinin Deutschland.Die Festlegung von Organspenderkriterien muss auf der einenSeite den optimalen Nutzen für den Empfänger (Transplantatfunktion)und dessen Schutz vor übertragbaren Erkrankungen sowie aufder anderen Seite die Dringlichkeit der Transplantation berücksichtigen.Hierbei handelt es sich um teilweise konkurrierende Einflussgrößen.Der optimale Nutzen und der Schutz vor übertragbaren Erkrankungenerfordert eine restriktive Indikationsstellung, während im Falle einerdringlichen Transplantation bei der bestehenden Knappheit an Spenderorganenweitgefasste Kriterien akzeptiert werden müssen.Bestimmte, im folgenden aufgeführte klinische Umständestellen zwar keine sicheren Kontraindikationen zur Organspende,wohl aber Risikokonstellationen dar:RisikokonstellationenAlter [ 1.5.1]Malignom [ 1.5.2]Infektion [ 1.5.3]eingeschränkte Organfunktion [ 1.5.4]aktuelle i.v.-Drogensucht [ 1.5.3]dso informationen zur organspendeAKTUALISIERUNG 07/2003Hier ist in jedem Einzelfall, mit Unterstützung durch die Koordinatorinnenund Koordinatoren der Deutschen Stiftung Organtransplantation,eine individuelle Abwägung erforderlich. Diese Abwägung stützt sichauf zusätzliche anamnestische, klinische und laborchemische Untersuchungensowie konsiliarische Stellungnahmen von Transplantationsmedizinern.Sie erfordert eine enge Kooperation zwischen derIntensivstation und dem Koordinator.


1ORGANSPENDE-KONSIL | 61.5.1 ALTERIm hohen Lebensalter ist vor allem die Entnahme der Nieren,der Corneae, aber auch der Leber möglich.Die obere Altersbegrenzung richtet sich weniger nach demkalendarischen Alter, sondern nach dem Funktionszustand bzw.der Funktionsreserve der zur Explantation vorgesehenen Organe.Aus der Vorgeschichte sollten Erkrankungen und ihre Behandlungbekannt sein.1.5.2 MALIGNOMMalignome sind prinzipiell eine Kontraindikation zur Organspende.Ausnahmen können allenfalls gelten für:BasaliomeCarcinoma in situ der Cervix uteriTumore des Zentralen Nervensystems (ZNS),bei denen allerdings differenzierte Regelungen zu beachten sind:Kein Ausschlussgrund zur Organspendebenigne Meningiomehypophysäre AdenomeAkustikusneurinomeKraniopharyngeomeAstrozytome Grad I und IIOligodendrogliome Grad A und Bsowie einige andere seltene TumorformenAusschlussgrund zur Organspendeanaplastische Astrozytomeanaplastische Oligodendrogliome Grad C und DGlioblastoma multiformeMedulloblastomedso informationen zur organspendesowie einige andere seltene maligne Tumore des ZNSUnter Experten ist umstritten, ob Patienten mit einem Astrozytom Grad IIoder einer Gliomatosis cerebri für eine Organspende in Frage kommen.


1ORGANSPENDE-KONSIL | 7Gerade bei Hirntumoren sollte die Unterstützung derKoordinatoren der DSO wahrgenommen werden, da es in diesemZusammenhang von internationalen Fachleuten verabschiedete,sehr detaillierte Konsensusdokumente des EUROPARATs über dieAkzeptanz von Organspendern mit Hirntumoren gibt. Auf Wunschstellen Ihnen unsere Koordinatoren gerne diese Dokumente zurVerfügung.Besteht aktuell der Verdacht auf das Vorliegen eines Malignoms,muss eine histologische Abklärung mittels Schnellschnittverfahrenerfolgen. Technisch kann dies am sichersten durch eine währendder Organspende gewonnene Gewebeprobe erfolgen, die durch denKoordinator organisiert wird.Die Entnahme von Herzen für Empfänger mit höchsterDringlichkeit (High Urgency, HU) wird bei Spendern mit einerTumorerkrankung in Einzelfällen diskutiert, da in diesemFall eine Malignomübertragung äußerst selten ist. Hier ist eineRisikoabwägung durch das Empfängerzentrum zu treffen.dso informationen zur organspende


1ORGANSPENDE-KONSIL | 81.5.3 INFEKTIONVIRALE INFEKTIONEine akute oder abgelaufene Infektion mit dem HIV-Virus stellt wegendes hohen Risikos einer Virus-Transmission eine Kontraindikation zurOrganspende dar. Bei einem im persönlichen Umfeld des Spenderserkennbaren Risiko (z.B. i.v.-Drogensucht) wird eine frühzeitige Beratungmit der DSO empfohlen, um weitere diagnostische Maßnahmenabzustimmen.Eine akute Infektion mit Hepatitis-Viren (HBV und HCV) stellt ebenfallseine Kontraindikation zur Organspende dar.Eine abgelaufene Infektion mit Antikörpernachweis (HBV; anti-HBs;HCV; anti-HCV) stellen wegen des geringen Transmissionsrisikos keineKontraindikation dar. Die Akzeptanz der Spenderorgane hängt indiesen Fällen vom Empfängerprofil ab (hohe Dringlichkeit, bestehenderImpfschutz, Möglichkeit der antiviralen Behandlung).BAKTERIELLE INFEKTIONEine Organentnahme bei einer Infektion mit Nachweis von Erregern,die laut Antibiogramm nicht multiresistent sind, ist dann möglich, wenndie Infektion adäquat behandelt wurde und nach klinischen und laborchemischenKriterien als beherrscht gilt oder im Abklingen begriffenist. Dennoch ist eine Infektion mit systemischer Beteiligung im Sinneeiner Bakteriämie schwerwiegender als eine lokale Infektion.Ergänzend sollten im Rahmen der Organspende Blutkulturen undAbstriche durchgeführt werden. Keimnachweis und Antibiogrammmüssen als Befundkopien den transplantierenden Kliniken überden Koordinator zur Verfügung gestellt werden, damit eine adäquateBehandlung des Organempfängers vorgenommen werden kann.dso informationen zur organspendeAKTUALISIERUNG 07/2003ACHTUNGDas Sepsis-Syndrom mitHypotensionThrombopenie undVerbrauchskoagulopathiestellt eine Kontraindikation zur Organentnahme dar,wenn das Sepsis-Syndrom nicht behandelbar ist und/oderzu einer schweren Organdysfunktion führt.


1ORGANSPENDE-KONSIL | 91.5.4 EINGESCHRÄNKTE ORGANFUNKTIONAn Hand der Behandlungsunterlagen ist die Frage zu klären,ob eine Funktionseinschränkung schon vor dem Auftreten der akutenHirnschädigung bestand oder erst im Rahmen dieser Erkrankungaufgetreten ist.Beispielsweise ist eine passagere Nierenfunktionseinschränkung,deren Ursache bekannt ist und die alsreversibel betrachtet werden muss, keine Kontraindikationzur Organentnahme.Passagere Organfunktionsstörungen sind inder Regel reversibel durch eine:adäquate Hydratation mit Elektrolytausgleichkreislaufwirksame Therapie undFortsetzung der IntensivpflegeBei einer persistierenden Funktionseinschränkung undfehlender Fremdanamnese können durch eine intraoperative Biopsiemöglicherweise weitere Erkenntnisse gewonnen werden.Die medizinische Evaluierung sollte immer unter der Prämisseerfolgen, dass der Ausschluss einer Organspende wegenvermeintlicher Empfängerrisiken – ohne konsiliarische Abklärungmit der DSO – bei der Knappheit an Spenderorganen zwangsläufigzum Tod von Patienten auf der Warteliste führt.Gleichzeitig kann eine unvollständige Risikoabwägung auch dazuführen, dass ein Transplantatempfänger durch ein ungeeignetesOrgan geschädigt wird.dso informationen zur organspendeEine gründliche und vollständige Risikoabwägung kannauch bei einer primär kritischen Ausgangssituationzu einer Organspende führen, die mit einer erfolgreichenTransplantation der Empfänger abschließt.


1ORGANSPENDE-KONSIL | 101.6 Statistische ErfassungDie Erkennung und Meldung aller potenziellen Organspenderist die Voraussetzung für eine bedarfsgerechte Versorgung vonPatienten mit chronischem oder akutem Organversagen.Wichtig für die präzise Einschätzung der Versorgungsmöglichkeitendurch die Transplantationsmedizin ist die Analyse der Indikation bzw.Kontraindikation zur Organspende bei allen Todesfällen auf Intensivstationennach primärer oder sekundärer Hirnschädigung.Rechtliche Grundlage für die Erhebung ist der § 11 desTransplantationsgesetzes (TPG) und § 3 Abs. 3 des Koordinierungsstellenvertrages.In diesem Vertrag [ KAPITEL 8 ] mit Wirkung vom16.07.2000 heißt es sinngemäß im § 3 Abs. 3:Die Krankenhäuser mit Intensivstationen oder Beatmungsbettentragen dafür Sorge, dass die von der Koordinierungsstellebeauftragten Ärzte über die Zahl der an einer primären undsekundären Hirnschädigung verstorbenen Patienten Auskunfterhalten. Insbesondere sind dabei die Gründe anzugeben,die zum Ausschluss einer Organspende geführt haben.Zur Erleichterung der Dokumentation fügen wir Ihnen eineneinfachen, mit den Datenschutzbeauftragten der Länder abgestimmtenErhebungsbogen bei [ ANHANG].Die Dokumentations- und Auswertungsintervalle sollten Bestandteilder Absprachen zwischen Ihrem Krankenhaus und der regionalenOrganisationszentrale der DSO sein.dso informationen zur organspende

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