Gemeinde - Kirche für morgen

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Gemeinde - Kirche für morgen

Editorial und InhaltsverzeichnisLiebe Leserinnen und Leser,Wir haben neu gewählt!Ja, Sie haben richtig gesehen:Es gibt ein neues Gesichtbeim Editorial. Seit März 2007bin ich Vorsitzender von Kirchefür morgen.Zunächst möchte ichReinhold Krebs ganz herzlichdanken für die sechs JahreVorsitz und besonders für dasEngagement beim Aufbau desZitronenfalters! Er mischt zumGlück weiter kräftig mit — sowohl im Leitungskreisals auch im Redaktionsteam.Und nun haben Sie die Wahl! – am 11.11.Am 11. 11. ist Kirchenwahl: Die Landessynode inWürttemberg wird neu gewählt. Und Kirche für morgentritt wieder an mit interessanten Kandidat/innen(siehe S. 18+19). Dass Sie die Wahl haben, dasdurchzieht diese Sondernummer des „Zitronenfalters“.Sie ist umfangreicher geworden und verbindetzwei Ausgaben miteinander.Oft werden wir gefragt: Was ist das Besondere anKirche für morgen? Warum soll ich gerade eure Kandidatenwählen?In den Programmen aller Gruppierungen steht,dass sie mündige Gemeindeglieder wollen. Aber:Wenn es zum Schwur kommt, dann will niemandaußer uns• das Pfarrerwahlgesetz so ändern, dass die Gemeinden(und Pfarrer!) wirklich frei wählen können,• Jugend- und andere Profilgemeinden wirklichkonsequent – auch mit einer geänderten Verteilungder Kirchensteuer unterstützen und ermöglichen,• Ihre Spendenbereitschaft so unterstützen, dassjeder gespendete Euro verdoppelt wird,• Abendmahlfeiern auch in Gruppen und Kreisenermöglichen.Prüfen Sie also genau: Atmen die ProgrammeZukunft oder konservieren sie Vergangenheit? Wirfragen: Welche Strukturen müssen geändert werden,dass die alte unverändert„gute Nachricht“ von JesusChristus (das „euangelion“) die heutigen Menschenerreicht? Ich hoffe, Sie spüren bei uns: Kirche fürmorgen ist „erfrischend anders“.Beim letzten Kirche-für-morgen-Forum sagte einBesucher: Ihr seid ein Grund für mich, in der Kirchezu bleiben. Vielleicht ist Kirche für morgen auch einGrund für Sie, bei der Kirchenwahl aktiv zu werdenund andere für das Gleiche zu motivieren. Sokönnen wir gemeinsam zeigen: Wir haben Hoffnung– gerade auch für unsere Evangelische Landeskirchein Württemberg.Heftthema: EinmischenKirche für morgenEditorial Seite 2Das Wahlprogramm Seite 3Sechs Jahre kfm — ein Interviewmit den Verantwortlichen Seite 4Kirche für morgen-ForumPaul M. Zulehner:Schwangere Mutter Kirche Seite 8Ein Gottesdienst mit NebenwirkungenSeite 10BeteiligungskircheFür mündige Gemeinden Seite 11Entdecke die Möglichkeiten Seite 12Lust auf Beteiligung Seite 14Fördervereine gezielt fördern Seite 15SpiritualitätSpiritualität und Hape KerkelingSeite 16KirchenwahlVorstellung der kfm-KandidatenSeite 18Wozu Synode? Seite 20Statements zur Kirchenwahl Seite 22SpiritualitätPilger, Papst und Protestanten Seite 23Neue GemeindeformenGemeindemodell Jesus-Treff Seite 26Diakonische GemeindeMit Menschen Hoffnung entdeckenSeite 28BuchrezensionWachsen mit weniger Seite 31Kfm intern(Her-)eingetreten Seite 32Reformationshelfer gesucht! Seite 32Interview mit Markus Haag Seite 33Kurz notiertZu guter Letzt Seite 36Zur Gestaltung dieser AusgabeDie Rubriken dieses Zitronenfalterssind entsprechend der Thesen unseresWahlprogramms angeordnet.Friedemann Stöffler


Kirche für morgenDas WahlprogrammWer ist Kirche für morgen?• Wir sind eine Initiative, die sich vor derletzten Kirchenwahl 2001 gegründet hat.• Die Kirche hat sich von vielen Menschenund ihrer Lebenswelt entfernt. Das lässtuns keine Ruhe.• Die in Jesus Christus Mensch gewordeneSehnsucht Gottes nach den Menschen bewegtuns. Deshalb unterstützen wir auchneue Formen gelebten Glaubens.• Wir wollen in unserer Kirche vorhandenePotenziale freisetzen, damit sie neueWege beschreitet.Was will Kirche für morgen?Wir wollen eine Beteiligungskirche, dieEntfaltungsraum bietet.• In den Gemeinden schlummern Begabungenvon vielen Ehrenamtlichen. Siebrauchen mehr Entscheidungskompetenzund Möglichkeiten, die Entwicklung derGemeinde aktiv mitzugestalten.• Gemeinden müssen ihre Pfarrerinnen undPfarrer in der Regel frei und direkt wählenkönnen.• Pfarrerinnen und Pfarrer sollen mit ihrenKernkompetenzen zum Zug kommen: alsGeistliche und Theologen, die andere begleitenund anleiten. Das entlastet sie.• Wir wollen eine zweite Säule der Kirchenfinanzierungaufbauen. So soll z.B. jederfreiwillig gespendete Euro aus Kirchensteuermittelnverdoppelt werden. Kirchefür morgen fördert Fördervereine. Siehe Impulspapier Gemeinde der Zukunft,These 2Wir wollen eine Kirche, die Räume bietet,in denen der Hunger nach Spiritualität, Sinnund Werten gestillt wird.• Gemeinde soll ein Ort gelebter Gastfreundschaftsein, in der alle willkommensind. Glaube kann wachsen und sichentfalten. Eine in Christus verwurzelteSpiritualität führt in die Weite, nicht in dieEnge.• Wir stehen für eine Vielfalt der Gottesdienste,die sich in Musikstil und Formunterscheiden (Taizé- und Friedensgebete,Segnungs-, Film- und Rockgottesdienste...).Daraus dürfen auch neue Gemeindeformenwachsen. Impulspapier Gemeinde der Zukunft, These 2Wir wollen mehr Lebens- und Gestaltungsräumefür alle Generationen – auch jenseitsvon Orgel, Bach und Bänken.• Die bisherigen Ortsgemeinden sind wichtig.Sie brauchen aber – vor allem imstädtischen Raum – eine Ergänzung durchGemeinden mit eigenem Profil. Wir wollen,dass alle ihre Gemeinde frei wählenkönnen.• Für Jugendliche muss es eigene Gottesdienstformengeben. Kirche für morgenhat von Anfang an die Gründung von Jugendgemeindenunterstützt. Sie ergänzendie bestehenden Gemeinden und sind mitihnen zu vernetzen.• Familienfreundlichkeit sollte zu einemMarkenzeichen vieler Gemeinden werden.Kinder und Eltern sollen Gemeinde als Lebensraumentdecken, in dem sie selbstverständlichwillkommen sind.• Kirche für morgen ermutigt neue Bewegungen,sich aktiv in die Landeskircheeinzubringen. Impulspapiere Jugendkirche und Umgang mitcharismatischen Aufbrüchen in der KIrcheWir wollen eine Kirche der Barmherzigkeitund der Solidarität.• In einer Erfolgsgesellschaft, die oft genuggnadenlos ist, steht Gemeinde Jesu Christifür eine Kultur der Nächstenliebe.• Will Kirche wirklich Kirche Jesu Christisein, kann sie sich nicht auf die Mittelschichtbeschränken. Wer bei Gott eintaucht,taucht bei den Armen auf.• Glaubwürdige Kirche setzt Zeichen deskommenden Reiches Gottes kommunalvor Ort, aber auch weltweit. Sie überzeugteher durch Modelle als durch Appelle. Impulspapier Gemeinde der Zukunft, Thesen 6und 10Wir stehen für eine zukunftsorientierteKirche. Für eine Kirche mit Vision.kfm-ImpulspapiereKirche für morgen hat bisher vier Impulspapiereveröffentlicht. Sie sind auf unsererHomepage unter Downloads/Impulspapierezu finden oder können auf Anfrage zugesandtwerden.Themen:- Gemeinde der Zukunft- Jugendkirche- Alternative Finanzierungsformen- Umgang mit charismatischen Aufbrüchenin der Kirche


Kirche für morgenKirche für morgen will glückliche Pfarrerinnenund PfarrerIm Herbst steht die Kirchenwahl vor der Tür. Marc Stippich stellte drei Verantwortlichenvon Kirche für morgen kritische Fragen.Wie sollKirche2030aussehen?Herr Krebs, sechs Jahre Kirche fürmorgen. Bis vor kurzem waren SieVorsitzender. Mit nur zwei Synodalen:Konnten Sie da überhaupt kirchenpolitischetwas bewegen?Offiziell hatte Kirche für morgenwenig Einfluss in der Synode. Nurzwei Mal konnten wir einen Antrageinbringen. Aber das ist nur die formelleSeite.Uns geht es um Inhalte, nicht umMacht. Das ist eines unserer Credos.Daran halten wir fest. Inhaltlich hatsich viel in unsere Richtung bewegt.Das liegt am „Grünen-Effekt“. Als dieGrünen die politische Arena betraten– als kleine vierte Partei, wurden sieoffiziell für dumm verkauft. Inoffizielljedoch wurden die anderen Parteienplötzlich auch ein wenig grün. WerAugen hat, entdeckt in der kirchenpolitischenLandschaft heute einen„Zitronengelb-Schimmer“. Das istunser größter Erfolg!Zum Beispiel wird mittlerweiledas Projekt Jugendkirche von allenGesprächskreisen positiv bewertet.Oder: Legen Sie das EKD-Papier„Kirche der Freiheit“ neben unserWahlprogramm von 2001. Fastkönnte man meinen, manche Passagenseien bei uns abgeschrieben...Sind sie natürlich nicht. Aber daszeigt: Wir sind in vielem der innerkirchlichenDiskussion um einigeJahre voraus.Ich hoffe, dass wir im Herbst einpaar Synodale mehr stellen könnenund dann für ein neues Selbstbewusstseinin der Synode sorgen. Vonder Kirchenverfassung her kann dieSynode diese Kirche wirklich gestalten.Sie muss es nur wollen.Herr Stöffler, Sie haben inzwischenden ersten Vorsitz bei Kirchefür morgen übernommen. Warumbrauchen wir angesichts dreier etablierterund profilierter Gesprächskreisenoch eine vierte Gruppierung?Schaut man die drei Gesprächskreisean, dann sieht man, dass dieeigentlichen Zukunftsfragen vonihnen nur sehr zögerlich gestelltwerden. Warum? Weil erstens dasDenken strukturell immer noch in derKirche des 19. Jahrhunderts gefangenist: einer Kirche, die von oben nachunten funktioniert, die vom klassischenPfarramt und von flächende-Friedemann Stöffler, Tübingen, ist neuer Vorsitzender und eine Zitrone der ersten Stunde.


ckenden Gemeindebezirken ausgehtund die neuen gesellschaftlichenHerausforderungen ausblendet. Dazukommt zweitens, dass insbesonderedie beiden größten Gesprächskreisesich in einem überholten Rechts-Links-Schema mit wechselseitigenFeindbildern gegenseitig blockieren.Für uns sind die Zukunftsfragenwichtig: Wohin entwickelt sich Kirchein den nächsten zehn Jahren? Wiesoll sie 2030 aussehen? Wir wollendie anderen Gesprächskreise dazubringen, auf diese Fragen einzugehenund die Blickrichtung zu ändern,nach vorne hin.Frau Hieber, seit dem Referat vonProfessor Herbst 2005 kursiert derSlogan „ Wachsen gegen den Trend“.Was verbinden Sie als zweite Vorsitzendevon Kirche für morgen damit?Ich bin tief beunruhigt darüber,dass sich unsere Kirche von denMenschen und ihrer Lebenswelt sehrweit entfernt hat. Wir müssen neufragen: Wie kommt die Botschaft Gottesden Menschen wieder näher, inhaltlichund strukturell? Was könnenwir kirchenpolitisch tun, um Raum zuschaffen für neue Aufbrüche in denGemeinden?Herr Stöffler, Sie kommen ausTübingen. Wachsen gegen den Trend– in einer Uni-Stadt?In unserer Jakobusgemeindeerleben wir, dass immer mehr Leutein die Kirche eintreten. Menschen,die bisher nichts mit der Kirche amHut hatten und die vor allem durcheinladende und inspirierende Gottesdiensteden Weg in die Kirche finden.Hier zeigt sich: Hat eine Gemeindeein klares Profil, dann kann Wachstumdurchaus zum Trend werden.Neue Gottesdienstformen warenschon immer ein Thema von Kirchefür morgen. Kann eine kirchenpolitischeInitiative hier die Teams vor Ortunterstützen, Herr Krebs?Die einzig halbwegs vollständigeÜbersicht zu Alternativ-und Jugendgottesdienstengibt es auf unserer Homepagewww.kirchefuermorgen.de. Auchunser Forum, das wir jetzt zum fünftenMal durchführten, vermittelt vielInspiration. Ebenso der Zitronenfalter.Aber wir brauchen hier dringendweitere Weichenstellungen.Für jede Baumaßnahme erhält eineGemeinde mehr Beratung durch denOberkirchenrat als für neue Gottesdienstkonzepte.Die Ressourcen sindeinseitig auf den Sonntagmorgen-Gottesdienst ausgerichtet. Ein Organisthat sein Instrument in der Kirche„vorrätig“, bekommt eine Aufwandsentschädigung.Von solchen Bedingungenkönnen neue Gottesdienstenur träumen. Wobei eine gute PA javiel weniger kostet als eine Orgel.Auch die öffentliche Wortverkündigungist noch immer allein an dasRessourcensind einseitigaufden Sonntagmorgen-GottesdienstausgerichtetTabea Hieber, Markgröningen, zweite Vorsitzende, bringt Frauen-Power ins Team.


Wir sind fürein Pfarramt,dassich auf dieKernaufgabenkonzentriertPfarramt gebunden. Hier braucht esneue Regelungen.Herr Stöffler, Sie sind Theologe. Die„Zitronen“ stehen in dem Ruf, nichtviel für Theologen übrig zu haben.Manche sagen sogar, Kirche für morgensei im Kern pfarrerfeindlich.Wer unsere Papiere genau liest,wird nichts finden, was darauf hinweist.Ganz im Gegenteil: Kirche fürmorgen ist realistisch und sieht, dassdie Struktur des jetzigen Pfarramtssowohl die Gemeinden als auch ihreTheologen überfordert.Wir setzen uns für ein Pfarramtein, das sich auf die Kernaufgabenkonzentriert. Kirche für morgen willglückliche Pfarrerinnen und Pfarrer.Theologen als Geistliche sollen imTeam mit Ehrenamtlichen Gemeindeleiten. Sie sollen andere zum Glaubeneinladen, Menschen im Glaubensprachfähig machen, sie bei ihremTun und ihrem christlichen Zeugnisin unserer Gesellschaft unterstützen.Andere Aufgaben müssen zweitrangigsein. Es darf nicht nur darum gehen,dass Hauptamtliche von Ehrenamtlichenunterstützt werden! SondernEhrenamtliche sollen ihr Charisma imSinn des „Priestertums aller Gläubigen“einbringen und dabei vonHauptamtlichen unterstützt, trainiertund begleitet werden.In Ihrem Wahlprogramm steht,dass Sie neue Gestaltungsräume füralle Generationen wollen „auch jenseitsvon Orgel, Bach und Bänken“.Frau Hieber, wollen Sie die Orgelnaus den Kirchen ausbauen und auchmit anderen Traditionen brechen?Natürlich nicht. Ich zum Beispielmag Orgelmusik sehr. Während meinerZeit in der bayrischen Landeskirchehabe ich auch die geistliche Tiefeund Aussagekraft der liturgischenTexte für mich entdeckt. Viele unsererZeitgenossen jedoch haben einenanderen Musikgeschmack. Das musswahrgenommen und Gottesdienste ineiner musikalischen Vielfalt gestaltetwerden.In unserer Kirche gibt es einen inzwei Jahrtausenden gewachsenenReichtum an Spiritualität. Diesengroßen Schatz von der Gregorianikbis hin zu Abendmahlsfeiern undTauferinnerung gilt es neu zu entdecken.Gleichzeitig brauchen wir aberauch moderne Formen, ob aus Taizéoder aus der Thomasmesse, ob Gebetsstationenoder Worship-Songs.Nur so werden wir die vielgestaltigenBedürfnisse nach Nähe und ganzheitlichemErleben ernst nehmen undimmer wieder Raum für Gottes Nähegewinnen.Kirche für morgen will der Ortsgemeindenoch mehr Verantwortunggeben. Besteht da nicht die Gefahr,dass Kirche zerfließt und zersplittert?Die katholische Kirche, Herr Stöffler,hat es hier vergleichsweise einfach...Die Stärke der EvangelischenKirche ist, dass sie dem einzelnenChristen Mündigkeit in Glaubensfragenzuspricht. Es ist immer ein großerIrrtum der Kirche gewesen, durchMacht z.B. in der Hierarchie von obennach unten – und nicht allein durchdas Wort - herrschen zu wollen (fürdie Theologen: CA 28, sine vi, sedverbo). Der Oberkirchenrat müsstesich eigentlich als eine Art Vernetzungs-Agenturverstehen. Die Kräfteund Bewegungen in den einzelnenGemeinden sind bewusst zu fördern,nicht zu beschränken. Dann gilt esdiese zu bündeln und in Beziehungzu bringen, damit ein Feuerwerk anIdeen und Begeisterung entsteht.Von oben dirigiert wird unsere Kirchenicht überleben – von unten her wirdsie wachsen und Lebensdynamik entfaltenkönnen.„We bei Gott eintaucht, taucht beiden Armen auf“ steht im Wahlprogrammvon Kirche für morgen. Trotzdembleibt der Eindruck, dass dieZitronen in Sachen Diakonie wenigzu sagen haben. Täuscht das, FrauHieber?Zitrone steht für „Vitamin C“, füreine Christus-Zentrierung. Auch inReinhold Krebs, Herrenberg, kfm-Urgestein,war bis März 2007 Vorsitzender von Kirche fürmorgen.


diesen Fragen. Jesus war nahe beiden Armen, Ausgestoßenen. Eine dergrößten Herausforderungen bleibt:Wie können wir uns heute als Kircheum Menschen mühen, die gesellschaftlichkaum Chancen haben? Wiefinden sie Raum in unseren Gemeinden?Ein sehr schönes Beispiel dafür,dass dies gelingen kann, habenwir vor einem Jahr im Zitronenfaltervorgestellt: Gemeindenahe Diakoniein Wasseralfingen. Es gilt, dieMittelschicht–Zentrierung all unsererGemeinden wahrzunehmen. UndProjekte zu entwickeln, die dieseStrukturen aufbrechen.Jeden Spenden-Euro verdoppeln,Herr Stöffler, fordern Sie in ihremWahlprogramm. Sie wollen so dievorhandenen Finanzquellen vor Orterschließen. Aber kann das so einfachgehen?In der Hannoverschen Kirchewurde das Programm, bei Initiativenvor Ort jeden Spenden-Euro zuverdoppeln, wieder aufgegeben.Warum? Weil das Ganze zu erfolgreichwar! Natürlich muss man voreinem solchen Schritt sorgfältigüberlegen, woher das Geld kommenkann. Dazu gilt es, finanziell insgesamtumzusteuern. Ein solches Konzepthat viele Facetten. Hier nur soviel: Es könnte bedeuten, dass Stellendann nicht mehr zu 100% finanziertwerden, sondern nur mit einerGrundfinanzierung von 60 oder 80 %.Wenn eine Gemeinde dann selbstweitere 10 % aufbringt, gibt auchdie Kirche nochmals 10 % frei. Soentsteht eine Dynamik, die eine neueSpendenbereitschaft vor Ort weckenkann. Wir glauben, dass sich damitmancherorts neue Stellen schaffenlassen: Gemeinden „wachsen gegenden Trend“. Wir müssen die Verantwortungsbereitschaftder Menschenvor Ort wahrnehmen und aufgreifen.Natürlich müssen sie dann auch beiden Stellenbesetzungen mitredenkönnen.Herr Stöffler, es kursiert auch derVerdacht gegenüber Kirche für morgen,dass beim Schriftverständnisfundamentalistische Tendenzen nichtauszuschließen seien.Ich kenne niemanden bei uns, derauch nur ansatzweise fundamentalistischeTendenzen hätte. Ich nehmedas als gezielte Verleumdungskampagnewahr. Fast ein Viertel unsererMitglieder sind Theologen. Wir stehenzur historisch-kritischen Methodeund für eine Liebe zur Theologie.Das Fundament des christlichenGlaubens ist die Person Jesu Christi,und die Bibel ist für uns das Ur-Dokument,in dem das bezeugt wird.Eine wortwörtliche und unreflektierteBibelgläubigkeit aber ist uns fremd.Wir fragen – wie Luther – in der Bibeldanach, „was Christum treibet“.Herr Krebs, das EKD-Papier „Kircheder Freiheit“ prognostiziert, dass2030 nur noch jede zweite Gemeindeeine Ortsgemeinde sei, ergänzt durchProfil-, Netzwerk- und Lebensweltgemeinden.Inzwischen schlagen hierdie Diskussionswellen hoch.Wir freuen uns, dass sich die Argumentations-Notwendigkeitumgekehrthat. Als wir im Wahlprogramm2001 für Lebenswelt-Gemeindenplädierten, wurden wir von vielenals „Spinner“ abgetan. Nun werdenwir mit einem offiziellen EKD-Papierkonfrontiert, das genau in diese Richtungzielt. Plötzlich stehen die anderenmit dem Rücken zur Wand undfangen an zu argumentieren.Ein massiver Umbau bzw. eineNeugründung von Gemeinden wirdnur Wirklichkeit werden, wenn dasvon der Kirchenleitung massiv gewolltund gefördert wird. Das istin Württemberg in erster Linie dieSynode! Wir haben hier eine klareVision, auch für das Zusammenspielvon „alt“ und „neu“. Manchen fehltdafür leider bisher die Vorstellungskraft.Sie sehen Jugendgemeindennur als Separierung. Aber auf derEbene einer Gesamtkirchengemeindeoder auf Distriktsebene kann einneues Zusammenspiel stattfinden.Jugendgemeinden, Ortsgemeindenund Profilgemeinden können hier engkooperieren. Ziel muss es sein, dassmehr „Milieu-übergreifende“ Einheitdes Leibes Christi sichtbar wird alsheute. Wie wir uns das konkretervorstellen, kann man in unserem Gemeindepapiernachlesen.An einer Wahrheit kommen auchalle Kritiker von „Kirche der Freiheit“nicht vorbei. Reinhard Hempelmannvon der EZW in Berlin hat es so formuliert.„In einer ausdifferenziertenGesellschaft braucht Kirche eine Vielzahlvon Sozialgestalten“. Wer dasnicht will, will im Kern auch keineVolkskirche. Aber Gott liebt alle,nicht nur die in einem bevorzugtenkirchlichen Segment.Die Mittelschichtszentrierungder Kircheaufbrechen


Kirche für morgen-ForumPaul M. Zulehner: Schwangere Mutter KircheDer katholische Theologieprofessor Paul M. Zulehner verglich in seinem Impulsreferatauf dem Kirche für morgen-Forum die westliche Kirche mit der schwangerenSara, Abrahams Frau. Die wichtigste Aufgabe der Kirche sei, so meint er, eine neue,junge Kirche zur Welt zu bringen. Der Zeitpunkt dafür ist nah.Abram erhält, so die alte Erzählung (1.Mose 18), Besuch von Gott in drei Fremden.Schon das ist für uns Heutige eine wichtigeNachricht: Gott begegnet in den Anderen,in den Fremden. Gastfreundschaft wird zurGottesbegegnung. Abram bewirtet mit Hilfeseiner Frau Sara die Gäste in nobler Weise.Der Besuch der drei Männer gilt einemAlten. Auch seine Frau ist schon in hohemAlter. Sie sind schon weit über jene Zeit hinaus,in der sie Kinder zeugen konnten. Beidewaren unfruchtbar. Kinder waren aber diegroße Hoffnung der Menschen in Israel, nichtnur, um in ihnen fortzuleben, sondern wegender Möglichkeit, dass aus ihrem Geschlechtder Messias hervorgehen werde.Und dann kommt die Überraschung. DieGäste sagen, dass die Kinderlosen und Unfruchtbarenums Jahr, wenn sie wiederkommen,ein Kind haben werden. Für Sara, dieam Zelteingang mitlauscht, ist das so unvorstellbar,dass sie darüber nur lachen kann.Darauf von den Gästen angeredet, leugnetsie das zwar, aber vergeblich. Ihr Lachen warso offenkundig, dass auch das Kind späterden Namen „sie lachte“ (jizzak) erhielt, nämlichIsaak. Er ist ein Kind der Verheißung.Solche Geschichten, die das Unfruchtbaregebären, wiederholen sich in der Heilsgeschichte.„Auch Elisabeth, deine Verwandte“, so erzähltLukas in der Kindheitsgeschichte Jesu,„hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen;obwohl sie als unfruchtbar galt, ist siejetzt schon im sechsten Monat.“ Und er fügtgleich die Begründung hinzu: „Denn für Gottist nichts unmöglich.“ (Lk 1,36f.)Unfruchtbare KirchenDie Lage der christlichen Kirchen schautin unseren Breiten jener von Abram undSara sehr ähnlich. Auch die Kirchen sind altgeworden – wie die Gesellschaften, in denensie leben, zunehmend überaltern. Weltkirchlichgesehen leben wir Christen in Europa imVergleich zu den jungen Kirchen der Südregionender Erde – Lateinamerika, Afrika, Asien– im Altersheim. Das betrifft nicht nur denAltersdurchschnitt der teilnehmenden Kirchenmitgliederund der Priester/Ordensleute.Es bezieht sich das Bild vom „Altersheim“auch auf die innere Lebenskraft der Kirchenhierzulande. Sie sind „unfruchtbar“. Esgelingt ihnen nicht, bildlich gesprochen, inGlaubensschwangerschaften Glaubenskinderhervorzubringen. Die Glaubensmütter (einaltes Bild für die christlichen Gemeinden)und Glaubensväter (jene, die Über-Zeugungs-Arbeit leisten) hierzulande gelten als unfruchtbar.Der Hoffnungssatz von Lukas, kann dieserauch auf unsere Kirchen zutreffen: „BeiGott ist kein Ding unmöglich!“? Ist es denkbar,dass auch den alt gewordenen Kirchenund Kirchengemeinden vom gastfreundlichaufgenommenen Gott verheißen wird: „UmsJahr, wenn ich wiederkomme, wird ein Kindda sein?“Das Fremde freundlich aufnehmenDie Einlösung der Hoffnung beginnt mitdem Aufnehmen Gottes, also mit Gastfreundschaft.Ohne ihn werden die Alten, wird diealte Kirche hierzulande kinder- und zukunftslossterben.Die Kirchen können dann auf das Wortder Verheißung setzen. Wenn Gott in unserenBreiten eine lebendige Kirche will, dann kanner sie auch inmitten der müde und alt gewordenenKirche schaffen. Aus der Sara-Kirchekann eine Isaak-Kirche hervorgehen.Wir wissen nicht, wie lange dann einesolche Kirchenschwangerschaft dauern wird.Wie lange ist ein solches Kirchen-Jahr? Aberhier gilt wohl: Wichtig sind nicht die zählbarenJahre, sondern entscheidend ist die Hoffnung,dass es möglich ist und geschehen wird.Paul M. Zulehner während des kfm-Forums am 25. Februar ’07.Rechts und S. 11: weitere Bilder von dieser Veranstaltung.


Aber gehen nicht auch hier bei uns dieKirchen schwanger? Trifft es denn wirklich zu,dass alle Entwicklungen in den Untergangführen? Gibt es nicht gleichzeitig, neben denAnzeichen des Sterbens, auch Aufbrüche?Hierher gehört sicher, dass es viele Gemeindenund Gemeinschaften gibt, die sich aufden Weg gemacht haben. Noch nie habensich in den Kirchen so viele Mitglieder ehrenamtlichbeteiligt wie heute. Das Selbstbewusstseinder Frauen, ihre Bereitschaft undihr Anspruch, den Gang der Kirche nachhaltigmitgestalten zu können, gehört sicherlichzu den Hoffnungszeichen der kirchlichenEntwicklung. Auch das Zusammenwachsender christlichen Kirche in der innerkirchlichenÖkumene sowie die wachsenden Bemühungenum eine Begegnung der großen Weltreligionenermutigen. Dazu kommt das starkesolidarische Engagement von Christinnenund Christen: als einzelne, in Netzwerken.Der Hinweise auf eine laufende Kirchenschwangerschaftsind viele.Neugeburt der KircheNoch wissen wir nicht, wie der Kirchen-Isaak morgen aussehen wird. Wir erahnenvielleicht etwas von seiner Gestalt, wennwir „kirchlichen Ultraschall“ anwenden undfragen, was die Kirche morgen für die Weltzu tun haben wird und welche Sozialform siesich dazu geben soll.Es ist auch nicht möglich, die Geburtzu beschleunigen. Denn das ergäbe wie imLeben auch eine Risikogeburt. Zugleich sollteaber ein Gefühl für die Zeit wachsen. Dennwenn die Schwangerschaft zu lange dauert,ist das Kind gleichfalls gefährdet. Die rechteZeit ist zu erfühlen. Durch eine Art „Schwangerschaftsgymnastik“,um immer noch imBild zu bleiben, kann sich die alte Sara-Kircheauf die Geburt vorbereiten.Eines wäre freilich absurd: Sara zu töten,bevor sie geboren hat. Sie (die überkommeneGestalt der Kirche) mag in Würde altern.Sie kann eines Tages, wenn ihre Zeit gekommenist, in Frieden und Würde sterben.Aber ihre Aufgabe ist es, Isaak zu gebärenund dafür alle Kräfte zu bündeln.Trauen wir der Verheißung Gottes? Dannhoffen wir zu Recht, dass sich auch bei unsdie Kirche erneuern und zu neuer Lebendigkeitgelangen wird.glauben siefragte sie zögerndes wäre ein wunderwenn morgenwieder leben kämein unserer kirche?und wollten siewirklichuns lehrenzu glaubenan dieses wunder?übers Jahr komme ich wieder zu dir,dann wird deine Frau Saraeinen Sohn haben(Paul M. Zulehner, zu Gen 18,19)Prof. Dr. D. Paul M. Zulehner lehrt alsPastoraltheologe an der UniversitätWien und hat schon mehrere Bücherzum Thema „Erneuerung der Kirchen“geschrieben.Unser Abschnitt erfolgt mit freundlicher Genehmigungdes Schwabenverlags und ist folgenderVeröffentlichung entnommen: Paul M. Zulehner/Josef Brandner, Meine Seele dürstet nach dir.GottesPastoral, © Schwabenverlag, Ostfildern2002, 179ff.


Kirche für morgen-ForumEin Gottesdienst mit NebenwirkungenEin Gottesdienst mit „Kanten und Ecken“ bildete den Abschluss des 5. Forumsvon Kirche für morgen. Beeindruckendes und Anstößiges, gesammelt von MichaelJosupeit.Ein lauter Knall mitten im Gottesdienst.Nein, da war keiner von den Reifen geplatzt,die Pfr. Karl-Friedrich Schaller … aber derReihe nach.Wie bringt man gut 300 Menschen, dieschon den halben Tag mit vielen gewichtigenund inspirierenden Informationen gefüttertwurden, dazu, sich noch einmal für etwasNeues – einen Gottesdienst – zu öffnen? Ander Garderobe vor der Tür gab’s keine passendenHaken für das Sammelgut. Aber diebeim Gottesdienst von der Gruppe Wörship(Jakobusgemeinde, Tübingen) angestimmtenLobpreislieder sorgten dann doch dafür, dasses neuen Raum gab. Scheint ein Kernprogrammaus Gottes Betriebssystem für uns zusein: Man hat mehr, auch mehr freien Raumin sich, wenn man auf andere schaut; undganz besonders, wenn man beim Lobpreisauf Gott sieht. Und Gott hat natürlich seineChance genutzt. Er tat es auf vielfältige undunterschiedliche Weise. So wurde uns deutlich:Unsere jetzige Kirche ist noch langenicht alles, was Gott im Ärmel hat.Kanten …Da war die Predigt von Karl-FriedrichSchaller („Sind wir Leuchtfeuer oder Tranfunzeln?“).Sie kam von Ostern her und machteuns klar, dass es beim Umbruch der Kirchenicht um eine Runderneuerung geht wie beialten Autoreifen („Wir brauchen kein neuesProfil, wenn die Luft raus ist!“). Vielmehr giltseit der Auferstehung von Jesus Christus:Wir können Altes sterben lassen, dann brichtUndenkbares auf. Das ist das Gegenteil vonErneuern. Kantig und knapp der Sprachstil;Gedankenspitzen und Geistesblitze, die somanchen und so manche nicht nur vor Lachenzusammenzucken ließen.… und EckenUnd dann als Kontrastprogramm zu denKanten die „Ecken“ des zwanzigminütigenHoffnungsteils im Gottesdienst. Da war Raumund Zeit, sich persönlich segnen und salbenzu lassen. Eine Kerze konnte man in Verbindungmit einem Gebet anzünden, ein „Hoffnungs-bäumchen“pflanzen oder zusehen,wie eine Blüte im Wasser aufgeht. Ach ja,und Mandalas konnte man ausmalen – eineDomäne der Kinder, die beim Forum dabeiwaren. Wenn ihr nicht werdet...Katholisch?Vielleicht. Etwas für alle Sinne. Ganzbestimmt. Und da uns Gott nicht nur als Ohrgeschaffen hat, bin ich an dieser Stelle gernekatholisch – und Gott übrigens auch.Nein, Feuer fiel nicht vom Himmel,nicht vorher, nicht während, nicht hinterher.Aber man hat es knistern gehört beivielen. Scheint so, als ob„Gottes brennende Geduld“(Schaller) wieder einmal zumZiel gekommen ist. Es warein guter, ein schöner, einanstößiger und ein beeindruckenderGottesdienst,auch fürs Ohr: der Knall – einLuftballon.Michael Josupeit, Herrenberg,ist Theologe,Lektor und Übersetzerund Mitglied im Leitungskreisvon Kfm.10


Für mündige GemeindenEs „soll kein Bischof jemanden (Pfarrer/Pfarrerin) einsetzen ohne Wahl, Willenund Berufen der Gemeinde, sondern er soll den von der Gemeinde Erwählten undBerufenen bestätigen.“ So formulierte es Martin Luther 1523. Die real existierendePraxis der Pfarrstellenbesetzung in Württemberg sieht jedoch anders aus. Warumdies so nicht bleiben darf, beschreibt Markus Haag.BeteiligungskircheEine Kirchengemeinde in Württemberg.Gerade ist ihr Pfarrer weggezogen. Die Gemeindesteht vor der großen Herausforderung,eine Vakatur zu bewerkstelligen. Und– sie braucht einen neuen Pfarrer/Pfarrerin.Turnusgemäß wird dieses Mal das „Benennungsverfahren“angewandt: Der Oberkirchenratfiltert aus den bei ihm eingehendenBewerbungen eine einzige aus und schlägtdiese dem Besetzungsgremium vor.Die erste Ausschreibung ergibt keine einzigeBewerbung. Die zweite offenbar mehrere.Die Gemeinde – vertreten durch das Besetzungsgremium– hat einen Monat Zeit, umüber die Zustimmung zur vorgeschlagenenBewerbung abzustimmen. Lehnt die Gemeindeden Bewerber ab, trifft sie die Keule desVerfahrens: Ein weiteres halbes Jahr ohnePfarrer/in. Denn es wird neu ausgeschrieben.So will es das Verfahren.Das Verfahren und die MündigkeitWir reden in unserer Kirche viel von Mündigkeit.Wir wollen einen mündigen Protestantismus.Mündige Christinnen und Christen.Und mündige Gemeinden. Jedoch: Wobleibt die Mündigkeit, wenn der Ortsgemeinde,die doch die „Elementarstruktur der Kirche“ist (Wilfried Härle), bewusst Informationenvorenthalten werden? Wenn sie bewusst,verfahrensgemäß nicht beteiligt ist? „Mankann doch nicht erwarten, dass die Gemeindehierbei eine qualifizierte Entscheidungtreffen kann“ – so höre ich immer wieder.Doch. Man kann. Man muss sogar.Gemeinden! Machen wir sie mündig! So wiein Thüringen oder Hannover zum Beispiel.Was, wenn nicht?Andernfalls werden wir zunehmend frustrierteGemeinden und Kirchengemeinderätebekommen. So wie in dem eingangs angeführtenrealen Fall. Nach der zweiten Ausschreibungwurde der Gemeinde ein einzigerBewerber vorgeschlagen. Da Ausschreibungstextund Bewerberprofil zu weit auseinanderlagen, lehnte die Gemeinde ab – um Schadenvon ihr und dem Bewerber abzuwenden.Die Folge: Die Gemeinde muss büßen. Wasbleibt, sind enttäuschte, weil entmündigteChristenmenschen.In Thüringen und auch in der HannoverschenLandeskirche gilt ein Wahlverfahren,wie wir es uns vorstellen. Näheresdazu und zu unserem Entwurf für ein geändertesPfarrerwahlgesetz finden Sie unterwww.kirchefuermorgen.de.Markus Haag wohnt in Oberstenfeld-Gronauund wünscht sich alsPfarrer mündige Gemeinden, indenen alle ihre Gaben einbringen,damit sich Gemeinden gesund entwickelnkönnen.Lutherische Stellenbesetzung„Wahl, Willen und Berufen“ (Luther) mussbei der Gemeinde liegen. Sie bzw. ihre gewähltenVertreter/innen wissen am besten,wer zu ihnen passt. Sicher: Auch der Oberkirchenratweiß einiges zur jeweiligen Person.Vielleicht sogar mehr. Ich frage jedoch:Warum weiß er mehr? Warum gibt es einenInformationsüberhang zugunsten des Oberkirchenrates?Warum liegt er nicht auf derEbene der „Elementarstruktur der Kirche“?Geben wir das Herrschaftswissen doch denDie Fotos auf dieser und den folgenden Seiten entstandenbeim Gemeindeforum 2007 der GesamtkirchengemeindeDenkendorf (Fotos: Gerhard Harsch).Bild rechts: Christuszentrierte Vielfalt des Gemeindelebens.11


Beteiligungskirche„Entdecke die Möglichkeiten!“Wie konkrete Beteiligung der Mitarbeitenden einer Gemeinde hilft, die Umbrüchezu gestalten und ein neues „Wir-Gefühl“ zu schaffen, beschreibt Martin Schmid.Wie das gehen kann? Ende 2004wurde in der KreuzkirchengemeindeReutlingen ein Mitarbeiterforumeingerichtet. Vorausgegangen war einlängerer Prozess mit einer Befragungder Ehrenamtlichen, vielen Gesprächenund dem Ergebnis: Das „Wir-Gefühl“soll gestärkt werden. Mitarbeitendewollen mehr Information undBeteiligung.Zwei Mal im Jahr treffen sichseitdem Delegierte von Gruppen undProjekten. Das Mitarbeiterforum ähnelteinem Parlament. Es gibt aktuelleInformationen über Aktivitäten undPlanungen, u. a. auch Bau- und Konzeptionsfragen.Die Mitarbeitendenkommen ins Gespräch untereinander.Grundlegende Fragen werden diskutiert,z. B.: „Wie stelle ich mir (m)eineGemeinde vor, in der ich mich zuhau-DasEin-Mann-Systemüberwinden„Unsere Mitarbeiterinnen undMitarbeiter sind die wichtigste Voraussetzungfür unseren Erfolg. Wirbrauchen Mitarbeitende, die nichtnur neugierig auf neue Möglichkeitensind, sondern auch Verantwortung fürdie praktische Umsetzung übernehmenwollen.“ (aus: IKEA Grundsätzedes Mitarbeiterverständnisses).Können wir uns davon eine Scheibeabschneiden und entsprechendeMöglichkeiten für die Gemeindesituationentwickeln?Ich bin überzeugt: nur in dieserGrundhaltung sind die gravierendenUmbrüche in der Kirche zu bewältigen.Bei uns waren Gemeindeversammlungenund ein Gemeindeforumim Rahmen der Visitation ersteSchritte in diese Richtung. Mitarbeitendesollten als Multiplikatoren undkompetente Akteure mehr als bisherzum Zug kommen.Mitarbeiterforum – so eine Art MitarbeiterparlamentEntdecke die Möglichkeiten …Gespräch zwischen den Generationen, einander einschenken und gemeinsam genießen, den Begabungen Raum geben.12


se fühle und gerne engagiere?“Die Zwischenbilanz nach zwei Jahren:Das Klima hat sich in der Gemeindeverbessert. Dazu trägt sicher auchnoch das jährliche Mitarbeiter-Dankeschön-Fest bei. Derzeit wird beiuns geklärt, wie Kirchengemeinderatund Mitarbeiterforum besser verzahntwerden können.Was heißt hier „Beteiligung“?Von Beteiligung und Partizipationzu reden ist „in“. Aber worum gehtes?• Beteiligung ist ein geistlicher Prozess:„Nur wo das Ein-Mann-Systemüberwunden wird, könnenGemeinden wieder zu blühen beginnen,werden sie lebendig, gewinnenMitarbeitende Zuversicht.Gott will nicht, dass wenige vonder Gesamtverantwortung für alleund alles erdrückt werden. GeteilteVerantwortung ist ein Grundprinzipgeistlicher Leitung in der Kirche.Es ist ein Zeichen von Krankheitin unserer Kirche, dass so vieleVerantwortungsträger so wenigVerantwortung abgeben können.”(Altlandesbischof Theo Sorg)• Wirkliche Beteiligung ist eineForm der Wertschätzung. „MeineMeinung und meine Kompetenzen,auch in Fragen der Gemeindeentwicklung,sind gefragt.” Dasmotiviert manche Mitarbeitendemehr als „nur“ ein Weihnachtsgeschenk.• Beteiligung ist in aller Munde,aber es muss klar sein, worum esgehen soll. Soll ein Mitarbeiterforumnur Dekoration sein oder darfes mehr sein: Mitsprache, Mitwirkungoder Formen von Mitbestimmung?Daran hängt es letztlich,ob in der Gemeinde Potentiale freiwerden. Warum soll nicht auch inder Gemeinde gelten: „Entdeckedie Möglichkeiten...”Martin Schmid ist Gemeindediakonin Reutlingen und verantwortetebisher das Kirche fürmorgen-ForumBeteiligungist eine Formder Wertschätzung13


BeteiligungskircheLust auf Beteiligung weckenAuch größere Gruppen können kreativ sein, Lösungen entwickeln. Reinhold Krebsbeschreibt in Kurzform drei Möglichkeiten.World CaféZiel:in kleinen Gruppen viele Aspekte zu einigenLeitfragen des Themas zusammentragen.Zeitbedarf:ein bis zwei StundenRaum und Material:Den Raum wie ein Café gestalten mit Tischen,an denen 4-5 Personen Platz finden. Auf denTischdecken große Papierbögen (A0) und 4bis 5 Marker bereitlegen. Hintergrundmusikund Getränke erhöhen die Café-Atmosphäre.Ablauf:Jeder Café-Tisch hat seine eigene Impuls-Frage, die auf dem Papierbogen steht.Führen Sie zwei bis drei Runden von ca. 20-30 Minuten durch.Die wichtigsten Ideen auf die Plakate schreibenoder zeichnen – je kreativer, desto besser.Bitten Sie nach der ersten Runde eine Person,als „Gastgeber“ am Tisch zu bleiben,während die anderen sich einem neuen Tischmit einer neuen Frage zuwenden.Bitten Sie die Gastgebenden, den Neuen diewichtigsten Ideen der letzten Runde mitzuteilen.Diese lassen sich inspirieren, kommentieren,ergänzen.Nach der letzten Gesprächsrunde werden dieEntdeckungen im Plenum mitgeteilt und diePlakate aufgehängt.Metaplan-Technik mit Post-itZiel:viele Ideen sammeln, nach Priorität sortierenZeitbedarf:20-40 MinutenRaum und Material:Pro Person 5 bis 10 große Post-it-Zettel undein Marker. Tür, Wand oder Fensterscheibezum Ankleben der Zettel.Ablauf:Zu einer Leitfrage/einem Thema schreibenalle in „Stillarbeit“ gut lesbar Stichworte aufihre Post-it-Zettel.Nacheinander kleben alle die Zettel an undkommentieren ihre Stichworte.Ähnliche Zettel können zueinander geklebtwerden.Durch Umhängen „Cluster“ von ähnlichenStichworten bilden.„Ranking“ der verschiedenen Cluster, indemdie Teilnehmenden z.B. je drei Punkte vergebenund diese mit ihren Markern anbringen.Zukunftswerkstatt (nach Robert Jungk)Ziel:Ein Problem wird von max. 20 - 25 Personenangegangen. Sie werden als Experten in eigenerSache gesehen und entwickeln gemeinsamzukunftsweisende Alternativen.Zeitbedarf:einige Stunden – bis zu einem ganzen WochenendeRaum und Material:Papierbahnen. Für die PhantasiephaseMusik, Teppichboden etc.Ablauf:1. Phase: KritikphaseWichtig ist hier: Verzicht auf Diskussion – kritischePunkte als Stichworte notieren – beimThema bleiben – Ranking der Kritikpunkte.Die wichtigsten bilden die Grundlage für die2. Phase: PhantasiephaseDas Herzstück der Zukunftswerkstatt: Utopien,Alternativen, Traumvorstellungen,Wunschzustände im Zukunftsjahr X werdenentworfen. Dabei gelten folgende Regeln:Alles ist möglich – es gibt keine Grenzen.Geld und Macht spielen keine Rolle.Spinnen ist erlaubt.Durch Entspannung, Meditation, Phantasiereisenoder Spiele werden die Teilnehmendenan ihre eigenen kreativen Potentiale herangeführt,um „das Undenkbare zu denken.“3. Phase: RealisierungsphaseDie Teilnehmenden werden auf den Bodender Realität zurückgeholt. Die Rahmenbedingungensind jetzt wieder zu berücksichtigen.Gemeinsam gilt es abzuwägen, welche Zielesofort, im nahen Zukunftsjahr X oder spätererreicht werden können.Konkrete erste Schritte werden in einemMaßnahmen-Plan festgehalten.BuchtippReinhold Krebs, Landesjugendreferent,liebt das „Kreativfeld“ großer Gruppen.Josef W. Seifert, Visualisieren. Präsentieren.ModerierenEin Standardwerk zum Thema, das in übersichtlicherForm das Wesentliche darstellt.Gabal Verlag – als Sonderausgabe zumSparpreis bei www.jokers.de14


Fördervereine gezielt fördernCyrill Schwarz leitet als Jugendreferent die Jugendgemeinde MOC Leonberg undabsolviert momentan eine Ausbildung zum Fundraiser. Im Interview macht er dieZusammenhänge deutlich.BeteiligungskircheDu leitest eine der ersten Jugendgemeindenin Württemberg. Und du machst eineAusbildung als Fundraiser. Ist das Zufall— oder gibt es da Zusammenhänge?Unser Bezirksjugendwerk bekam als Trägerder Jugendgemeinde für drei Jahre einenZuschuss zu den Personal- und Sachkostendurch das landeskirchliche Projekt „Jugendkirche“.Jetzt kommt keine weitere finanzielleUnterstützung mehr, obwohl natürlich die Arbeitder Jugendgemeinde weitergeht. Dahersind wir auf alternative Finanzierungskonzepteangewiesen.Meine Ausbildung vermittelt mir dasKnowhow dazu. Das Thema Finanzen undJugendarbeit beschäftigt mich schon seitJahren. Sowohl an meiner ersten Stelle imKirchenbezirk Bernhausen als auch jetzt inLeonberg sind Stellen für die Jugendarbeitüber Fördervereine finanziert.Bisher war es ja sehr bequem, dass derKirchensteuer-Geldregen so selbstverständlichkam wie Regen in der Natur. Kannst duder Finanzierungs-Problematik eine geistlichePerspektive abgewinnen – oder regiertGeld nicht nur die Welt, sondern jetzt auchnoch die Kirche?Geld kann dazu dienen, Macht auszuüben,das stimmt. Geld kann aber auchWachstum ermöglichen. Es ist für mich eineFrage der Grundeinstellung: Wofür sammelnwir als Gemeinde Geld? Wo können wir eseinsetzen, um neue Ressourcen zu erschließen?Welche Projekte und Stellen dienendazu, Menschen zum Glauben einzuladen?Du schreibst gerade ein Fundraising-Konzeptfür einen Förderverein. Kirche für morgenwill „Fördervereine fördern“. Wie kann dasaussehen?Einen großen Bedarf sehe ich im BereichBeratung und im Erfahrungsaustausch unterden Fördervereinen. Spannend fände ichauch den Gedanken der Vernetzung, eineArt Solidaritätsfond, der den Fördervereinenfinanziellen Rückhalt bietet und längerfristigeZusagen vor Ort ermöglicht. Dann wünscheich mir, dass die Landeskirche das Engagementder Fördervereine stärker anerkennt.Wünschenswert wäre hier durchaus aucheine finanzielle Unterstützung: jeder Euro,den ein kirchlicher Förderverein sammelt,wird mit einem Zuschuss der Landeskircheaufgewertet.Laut dem EKD-Impulspapier „Kirche derFreiheit“ sollen 20 Prozent der kirchlichenFinanzen im Jahr 2030 über Spenden undfinanzielle Quellen vor Ort kommen. Utopie— oder eher noch zu klein gedacht?Ich halte es für ein absolut realisierbaresZiel. Vorausgesetzt, die Kirche fördert dasEngagement der Förderer. Darüber hinausist ein klares Profil der Jugendarbeit und derGemeindearbeit vor Ort und in den Bezirkenhilfreich, um auch neue Spendergruppenanzusprechen. Und dieser Umbauprozessdarf nicht erst 2029 beginnen, er muss jetzteinsetzen!Welche Aha-Erlebnisse hattest du bisherin deiner Fundraiser-Ausbildung auch imBlick auf die kirchliche Szene?Entscheidend für den Erfolg ist ein systematischesund konsequentes Betreiben vonFundraising. Weg vom blinden Geld-Sammel-Aktionismus zum überlegten und geplantenAnsprechen des richtigen Spenders, zumrichtigen Zeitpunkt, mit dem richtigen Instrument,mit dem richtigen Anliegen….Herzlichen Dank für das Gespräch.Die Fragen stellte Reinhold Krebs,Mitglied im Leitungskreis von Kirche für morgen15


Heiligung, Spiritualität und Hape KerkelingSind wir alle Heilige? Wie kann man heutzutage Spiritualität leben? Und was hatdas alles mit Hape Kerkeling zu tun? Darüber hat sich Manfred Bletgen Gedankengemacht.SpiritualitätEinfach malweg sein:Jesus hatdas hinbekommen16Heiligung ist …… kein zusätzlicher Appell zugeistlichem Aktivismus, sonderneine geistliche Lebenshaltung. Ichbin ein Empfangender und nicht derMacher! Glaube an Jesus Christus,das Heilige und die Heiligung werdennicht gemacht, sondern empfangen.Wir Christen sind normalerweise– wie andere Menschen auch — vonaußen bestimmt. Wir rasen von einerAktivität zur anderen, mit dem Unterschied,dass meine Aktivitäten sichim christlichen Bereich befinden. Wirsagen, dass Jesus die Mitte unseresLebens sei, aber wir leben nichtdavon. Johannes 15,5: „Wer in mirbleibt und ich in ihm, der bringt vielFrucht.“ Oder Römer 8, 16: „GottesGeist bezeugt mit unserem Geistgemeinsam … .“ Heiligung ist ein innererWachstumsprozess. Ich bereitelediglich den Boden, die Rahmenbedingungen,damit „es“ geschieht. Aufdie Frage „Wo ist Gott?“ zeigen diemeisten Christen zum Himmel. Diewenigsten zeigen auf diese Frage hinauf ihr eigenes Herz. Heiligung anmir geschehen zu lassen bedeutet,Zeit zu haben.Stolpersteine gibt es jede MengeWir machen uns Illusionen darüber,wie viel Aufmerksamkeit, wieviel innere Präsenz einem Menschenheute überhaupt noch möglich ist.Viele Teenager, junge Erwachsene,Erwachsene fühlen sich von ihreneigenen Lebensabläufen überfordert.Ständig online sein ist so was wieder irre Versuch, allgegenwärtig zusein. Laptop, Handy, Mailbox, SMS,Internet, und am Abend kommt derAnrufbeantworter noch hinterhergeklappert. Um »In« und »Dabei« zusein, um mitzuhalten, leben erstaunlichviele Menschen in einem atemlosen,lebensfeindlichen Zeitdruckund Kantenstress.Und Hape Kerkeling?Sein Buch über seine eigene Pilgerreiseauf dem Jakobsweg steht inDeutschland seit Wochen ganz obenin den Bestsellerlisten. Es trägt denTitel „Ich bin dann mal weg.“ Nachder hohen Leserzahl gefragt, antwortetder Autor: „Offensichtlich sinddas Menschen, die in einem ähnlichenTempo laufen, ticken, denkenund reden wie ich.“ Der Haupt-Stolperstein,wenn es um die Gestaltungder Heiligung geht, besteht darin,dass wir diesen Satz und den Vorgangnicht mehr hinbekommen: „Ichbin dann mal weg!“Zeichen beachten!Im Straßenverkehr macht esabsolut Sinn, Stoppschilder undrote Ampeln zu beachten. Das kannansonsten tödlich ausgehen. Jesussagt in Matthäus 24, 1: „Achtet aufdie Zeichen der Zeit!“ Wir haben esmit atemlosen, überstressten Menschenzu tun, die sich selbst zugebaggerthaben. Noch einmal OriginaltonJesus: „Lasstden Quatsch! Kommther zu mir alle, die ihrmühselig und beladenseid. Aufatmen solltihr und frei sein!“ (Mt.11, 28) Dann muss ichauch mal weg. Weilich meine Zeiten desBetens, der Stille inmeinem Alltag nichthineingequetschtkriege.Orte aufsuchenEs gibt sie: Klöstermit Gäste- und Exerzi-


tienhäusern. Evangelische Kommunitäten,Selbitz oder Gnadenthal.Die CVJM-Landesverbände in ihrenTagungsstätten, Einkehrhäusern mitden Angeboten von Exerzitien, Einkehrwochenenden.Schweigen, Stille,Beten. Raus aus dem alltäglichenKram. Ich muss mal weg. Jesus hatdas hinbekommen. Er war einfachmal weg. Auf einem Berg in der Stille,in der Wüste.Rituale einüben„Ich bin dann mal weg.“Das war die Information vonHape Kerkeling an seine Freunde.Von seinem Buch mit dem gleichnamigenTitel wurden bis März 20071,2 Millionen Exemplare verkauft.Der katholisch erzogene HapeKerkeling beschreibt in seinemPilgertagebuch vom Jakobsweg dieSituation vieler Menschen. „ÜberMonate nicht auf seine innere Stimmezu hören, die einem das Wort‚Pause’ förmlich in den Leib brüllt,sondern vermeintlich diszipliniertweiterzuarbeiten, rächt sich.“Er hat sich auf den Weg gemacht.Nicht auf irgendeinen, sondernauf einen Pilgerweg. Man kannsich auf solch einem Weg der Besinnung,des Schweigens nicht einfachan der Frage nach Gott vorbeimogeln.So auch Kerkeling: „Ich konntelosziehen mit der Frage im Kopf:Gibt es Gott? Oder Jahwe, Shiva,Zeus, … Wotan, … Buddha, Allah,Krishna und Jehova?“ Eine Mitpilgerinhat ihm den Rat gegeben, denWeg schweigend zu gehen.Der Schlusssatz in seiner Tagebucheintragungheißt: „Ich habeGott getroffen.“ Und er notiert:„Eigentlich ist mein Pilgerweg hierbeendet, denn meine Frage ist eindeutigbeantwortet.“ (S. 241).In diesem Buch ist nicht beschrieben,wie ein Mensch zu einemBild links: photocase, Bild oben: Umschlagbilddes Buchs von Hape Kerkelingtrations- oder Atemübung? Erst maldurchatmen! Rituale kann ich beiEinkehrwochenenden einüben.Heiligung geschehen lassenWoran orientiere ich mich? AnJesus Christus, der in mir Raumgewinnen will oder an all den Aufgaben,Anrufen, Ansprüchen, die mirständig um die Ohren fliegen? Wachsengeht leise, macht keinen Lärm.Wachstum kann man nicht aus demBoden stampfen. Wachsen brauchtZeit. Ich will es geschehen lassen.Ich will Jesus als einen Freund undVerbündeten in mir erkennen. Jesussagt: „Ihr seid das Licht der Welt“(Mt. 5, 14). Licht der Welt sein ohnezu verlöschen. Darum Heiligung geschehenlassen.Rituale sind wiederholbare Handlungen,die mir vertraut sind. Wirkennen sie aus Gottesdiensten, Fußballstadienund bei Begrüßungen amMorgen. Ich muss nicht lange überlegen:Wie mache ich das jetzt? DasRitual hilft mir, ich kann mich darinfallen lassen. Kerze anstecken vormeinem Morgengebet. „Aufstehenheißt vor dir stehen, Herr.“ Das Herzensgebetauf dem Weg zur S-Bahn.Kniend beten oder mit erhobenenHänden? Was hilft mir? Eine Konzen-Manfred Bletgen hat (nicht nur)als ehemaliger Studienleiterdes Bernhäuser Forsts Erfahrungmit geistlich-spirituellenAngeboten. Auch das Lesen von Hape KerkelingsBestseller hat ihn inspiriert (sieheRezension im Kasten).persönlichen Vertrauensverhältniszu Jesus Christus findet. Aber wases bedeuten kann, zur Be-Sinnungzu kommen, das findet man inHapes Buch: Aufmerksam werdenauf Gott als gelebte Spiritualität.Manfred BletgenHape Kerkeling, Ich bin dann malweg. Meine Reise auf dem Jakobsweg,Malik-Verlag 2006, € 19,90Wachsengeht leise,machtkeinenLärm17


Reiner KlotzWahlbezirk 4 – Ludwigsburg / Marbach45 Jahre, verheiratet, 3 Töchter. Wohntin Steinheim a. d. Murr. Arbeitet alsGemeindediakon in 6 Gemeinden, inverschiedenen Arbeitsbereichen.„Weil bei Kirche für morgen Lamentieren verbotenund Vorandenken erwünscht ist, und weil man hierkeine Angst vor Veränderungen hat, bin ich aktiv dabei, und will meinenBeitrag dazu leisten will, dass unsere Kirche sich bewegt! Für die Synodekandidiere ich, weil ich möchte, dass Menschen wieder eine Heimat inder Kirche haben können, und weil ich die Weichen stellen möchte, dassdies durch vielfältige Angebote, offene Kirchenräume und die nötigenFinanzen auch geschehen kann.“Matthias BöhleWahlbezirk 8 –28 Jahre, verheiraBönnigheim-Hofezurzeit in Schwed„Mir gefällt, dassvor VeränderungReformation unseElan und Mut DinSteine ins Rollen bringt und BeweguGang kommt.Ich will mich dafür einsetzen, dass sunsere Kirche nicht nur Volkskirchenennt, sondern auch wirklichwieder eine Kirche füralle wird.“Angela SchwarzWahlbezirk 6 – Leonberg / DitzingenRuhrgebietspflanze, mit einem Schweizer verheiratet.Wohnt in Leonberg. Arbeitet seit sechs Jahren alsJugendreferentin und Diakonin im EvangelischenJugendwerk Bezirk Leonberg.„Man kann auf dem Sofa sitzen und über unsere Kirchemeckern oder versuchen neue Wege zu gehen und siezu verändern. Kirche für morgen ist eine Initiative, diesich Letzteres auf die Fahnen geschrieben hat und mutig nach Vorne denkt.Das finde ich sympathisch. Ich träume davon, dass unsere Kirche auch fürMenschen wieder attraktiv wird, die sich schon lange von ihr verabschiedethaben. Und ich habe die Sehnsucht, dass diese Menschen unter demDach der Landeskirche ein Zuhause finden.“Götz KanzleiterWahlbezirk 20 – Nagold / Calw / Neuenbürg40 Jahre, verheiratet, 4 Kinder, wohnt inOstelsheim.Langjährige Arbeit als (Landes)Jugendreferent,jetzt in der Diakonischen Bezirksstelle Calw fürdie Beratung von Menschen in Ehe-, Familien- undLebenskrisen und für die Förderung der diakonischenAktivitäten im Kirchenbezirk und in den einzelnenKirchengemeinden zuständig.„Kirche für morgen ist eine Bewegung, die sich nicht in eine Schubladestecken lässt. Nicht nur fromm und nicht nur politisch offen, nicht nurfrech und innovativ, sondern auch traditionell und bodenständig. Ichglaube, dass unsere Kirche eine inhaltliche und strukturelle Reformnötig hat. Deshalb möchte ich mich kirchenpolitisch einmischen undmeine Gaben und Kenntnisse in diese Kirche einbringen.“Markus BrennerWahlbezirk 3 – Degerloch / Bernhausen38 Jahre, verheiratet, 3 Kinder. Arbeitet als Naturdesigner und wohntin Scharnhausen.Intensive Mitarbeit in verschiedenen kirchlichen Arbeitsbereichen.„Ich habe einen Traum, dass meine Kinder einmal gerne und mitFreude in einen Gottesdienst gehen; und dass sie von vorhandenenund gut geführten Jugend- und Hauskreisen aufgenommen werden.Hier bei der Kirche für morgen findet man Menschen, die IhreHoffnung und Ihre Liebe zur Landeskirche noch nicht verloren haben und ‚Zurück indie Zukunft’ wollen.“Kathrin MessnerWahlbezirk 22 – TübingenJahrgang 1970, wohnt in Tübingen. Studium Ev. Theologie und Französisch für dasLehramt, 3 Jahre als Studienrätin in Kirchheim u. Teck. Derzeit „Repetentin“ am Ev. Stift inTübingen, arbeitet nebenbei an ihrer Doktorarbeit, leitet seit 10 Jahren den Chor „Off Beat“des CVJM.„Kirche für morgen steht mit ihrem in erster Linie nach vorne ausgerichteten Kurs für michdafür, dass wir in unserer (Landes-) Kirche erkannt haben, dass es etwas zu tun gibt, wenn wirzukunftsfähig sein wollen; und dass wir die mit dieser Erkenntnis einhergehenden Aufgabenmit Kopf, Herz und Hand – gerade in Anbetracht der Traditionen, auf denen wir stehen und in Verantwortunggegenüber dem reformatorischen Erbe, dem wir uns verpflichtet wissen – auch tatsächlich mutig anpacken.“B6TuAninJaLaVdZuS


Besigheim / Brackenheimtet ein Kind. Wohnt inn. Gelernter Orgelbauer, arbeiteten.Kirche für morgen keine Angsthat, sondern darin die ständigerer Kirche sieht und mit Kraft,ge in unserer Kirche anstößt,ng inichKerstin LeuzWahlbezirk 10 – Weinsberg / Neuenstadt/ ÖhringenDiakonin, wohnt in Oedheim. Arbeitetseit 2003 als Jugendreferentin undReligionslehrerin im Kirchenbezirk Neuenstadtam Kocher.„Bewährtes beibehalten, aber Neues nichtausbremsen, vielerorts sogar nach Neuem suchen, diesesAnliegen erkenne ich bei der Arbeit von Kirche für morgen. Ichmöchte dazu beitragen, dassdie Stimmen von Jugendlichenund Ehrenamtlichen in derKirche deutlicher gehörtwerden. Denn daran hängt dieZukunft unserer Kirche!“Guntram RixeckerWahlbezirk 13 – Waiblingen /BacknangVerheiratet, 2 Kinder, wohntin Fellbach. Arbeitet alsGeschäftsführender Jugendreferentim Evangelischen Jugendwerk,Bezirk Waiblingen.„Kirche für morgen wagt Neues. Gemeindevon unten zu bauen, die Gemeindemitgliederin allen Bereichen mitbestimmen zu lassen,Gabenorientierte Teamstrukturen in der Gemeindeaufzubauen sind genau die richtigen Schritte, umunsere Kirche umzubauen. Schritte, die nach vornegehen.“Martin AllmendingerWahlbezirk 5 – Esslingen55 Jahre, verheiratet, 7 Kinder. Diakon, wohnt in Denkendorfund arbeitet nach 40 Jahren in der Jugendarbeit imEhren- und im Hauptamt, jetzt als Diakon in der Seelsorgein Senioreneinrichtungen, Pflegeheimen und beiKrankenpflegevereinen im Besuchsdienst im KirchenbezirkEsslingen.„Weil ich neue Aufbrüche, neues Wachstum, phantasievollesMitgestalten in unserer Kirche sehen, fördern und voranbringen möchte, bleibtmir gar nichts anderes übrig, als mich bei Kirche für morgen zu engagieren.“Stefan TautWahlbezirk 5 – Esslingen41 Jahre, verheiratet, 5 Kinder. Pfarrer der GesamtkirchengemeindeReichenbach an der Fils. Gemeindetrainer, Organisation von Network XXL.„Ich möchte mich einsetzen für eine Kirche, in der nicht die Bewahrungvergangener Traditionen oberstes Gebot, sondern die sich zum höchstenZiel setzt, die verschiedenen Menschen und Bevölkerungsgruppenkonsequent durch eine Vielfalt von Gemeindeformen, Stilrichtungen undStrukturen mit der Besten aller Botschaften neu zu erreichen.“Markus MunzingerWahlbezirk 24 – Bad Urach /MünsingenPaul-Gerhard BayhaWahlbezirk 21 – Tuttlingen /alingen8 Jahre, verwitwet, 4 Kinder, wohnt inttlingen.usbildung als Augenoptiker und Feinmechaikermeister,lange Jahre als Selbständigerder Medizintechnik gearbeitet. 22hre Kirchengemeinderat, 10 Jahre alsienvorsitzender und 4 im Kirchenbezirksausschuss. Zeitweiseorsitzender des örtlichen Jugendwerks, Arbeit im Offenen Kreis,em Ökumenischen Arbeitskreis und der ACK.rzeit engagiert im Tafelladen, dem Arbeitskreis geöffnetetadtkirche, dem Männerkreis und dem Krankenpflegeverein.36 Jahre, verheiratet, 2 Kinder.Arbeitet als Gemeindediakonin Dettingen Erms.Gründungsmitglied bei Kirche fürmorgen und seit 2001 in der Landessynode.„Ich wünsche mir, dass die EvangelischeLandeskirche in Württemberg wieder das wird wassie selbst sein möchte: Volkskirche. Wir solltenerkennen wie weit sich die Evangelische Kirchein Württemberg von vielen Menschen und ihrenLebenswelten entfernt hat. Ihre Bedürfnisse undgeistliche Sehnsucht möchte ich ernst nehmen.Dazu braucht es auch neue (Gemeinde-)Formen wiedas Evangelium zu diesen Menschen kommt.“


KirchenwahlWas Kirche für morgen in der Synode willNach Gründung von Kirche für morgen hieß es: „Was, eine vierte Gruppierung? Euchbrauchen wir nicht!“ Sechs Jahre nach dem Start begründen die Kfm-SynodalenBarbara Hering und Markus Munzinger die Notwendigkeit von Kirche für morgen inLandeskirche und Landessynode.Die strukturelle Chance„Was die da oben wieder machen!Die haben doch keine Ahnung vonder Praxis!“ So oder ähnlich reagierenoft Gemeindeglieder, wenn es umden Oberkirchenrat oder die Landessynodegeht. Wie gerechtfertigt dieseVorwürfe sind, das muss je von Fallzu Fall entschieden werden. Allerdingshaben Gemeindeglieder innerhalbder württembergischen Landeskirchedie einmalige Chance diePolitik mitzubestimmen: „Die EvangelischeLandeskirche in Württembergist die einzige Gliedkirche derEvangelischen Kirche in Deutschland,in der die Mitglieder der Landessynodedirekt von den Gemeindegliederngewählt werden (Urwahl).“ 1Jedes Gemeindeglied hat alsoalle 6 Jahre die Möglichkeit mitzuredenund mitzubestimmen. DiesesJahr ist wieder „Wahlkampf“, und diekirchenpolitischen Gruppierungenstellen sich mit ihren Kandidatinnenund Kandidaten zur Wahl. DieHauptaufgaben der Landessynodesind: kirchliche Gesetze und Gottesdienstordnungen,den landeskirchlichenHaushalt und die Verteilungder Kirchensteuer. Daneben hat dieLandessynode das Recht, Anträge,Wünsche und Beschwerden an denLandesbischof und den Oberkirchenratzu richten und Auskünfte von ihmzu erbitten.Die Arbeit der Landessynodegeschieht in sieben geschäftsführendenAusschüssen und durch ihreöffentlichen Tagungen (3x im Jahr).Innerhalb eines Wahlkreises werdeneine bestimmte Anzahl von Synodalen(Theologen und so genannte„Laien“ im Verhältnis 1:2) durch Urwahlgewählt. Dieses Wahlsystem hatim Jahr 2001 dazu geführt, dass von20


Kirche für morgen auf Anhieb zweivon 15 Kandidaten in die Landessynodekamen.Die inhaltliche Notwendigkeit:Synode und StraßeAnfangs gab es innerhalb vonKfm die Diskussion: „Synode oderStraße?“ Mit Straße waren Aktionengemeint, die Anliegen von Gemeindegliedernaufnehmen und frech ineiner Aktion pointieren sollten (z. B.Thesenanschlag während des Wahlkampfes2001, Anzeige Pfarrerwahlgesetz…) Mit Synode war gemeint:in die Strukturen zu gehen, um somitreden und mitbestimmen zu können.Kirche für morgen hat sich entschieden,Akzente durch Straße undSynode zu setzen.Nach fünf Jahren Synodalarbeitmöchten wir an zwei Beispielen zeigenwas bewegt werden konnte:LebensweltgemeindenSchon 2001 haben wir die Einrichtungvon Lebensweltgemeindengefordert. Heute fordert das Impulspapier„Kirche der Freiheit“ der EKDdie vermehrte Gründung von Profilundnetzwerkorientierten Gemeinden2 .Im März dieses Jahres fand eineAussprache zum Thema „WachsendeKirche“ und zum Impulspapier derEKD statt. Innerhalb der Ausspracheinitiierten wir einen Antrag, der zweibis fünf Stellen zur Gründung vonneuen Gemeinden innerhalb der Landeskirchefordert 3 . Wir hoffen, dassder Antrag erfolgreich weiter beratenwird.Stärkung der unterschiedlichenÄmter und BegabungenBild links: Amt für Information / EidenmüllerKirche für morgen hat sich für dasDiakonat eingesetzt und durch einenÄnderungsantrag in der Haushaltsdebatteeine Erhöhung der Plätze fürdie Aufbauausbildung von 15 auf 18erreicht. Ebenso haben wir die Gründungeiner Stiftung zur finanziellenFörderung der Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburggefordert. DieseStiftung gibt es seit November 2005.Wir haben uns auch für dasPfarramt und seine Profilierungeingesetzt: Der Stundenanteil imPfarramtssekretariat wurde an vielenStellen in den letzten Jahren gekürzt.Nun müssen Pfarrerinnen undPfarrern noch mehr Verwaltungsaufgabenleisten. Darum wünschenwir uns eine Zusammenschau vonlandeskirchlichem Haushalt und denKirchenbezirkshaushalten.Natürlich sind wir auch mit vielenunserer bisherigen Anträge gescheitertund hoffen sehr, dass wir in derneuen Synode mit mehr Synodalenmehr Einfluss nehmen können.Der geistliche Auftrag„Kirche für morgen“ lebt aus demErbe der Reformation. Wir haben eineVision für unsere Landeskirche. Wirwollen geistliche Profilierung undpolitisches Engagement miteinanderverbinden. Wir wollen, dass dieLandeskirche sich in die Gesellschafteinmischt, und dass in Gemeindenunterschiedliche geistliche Profilegelebt werden. Dabei soll das Pfarramtals geistliches Leitungsamt vonverschiedenen anderen Dingen freigesetztwerden, damit durch die Pfarrerinnenund Pfarrer „die Heiligenzugerüstet werden zum Dienst“ (Eph4,12; Priestertum aller Gläubigen).Unsere Anliegen wollen wir in dernächsten Synode möglichst mit mehrPersonen einbringen 4 . Deshalb tretenwir wieder in verschiedenen Wahlbezirkenan.Barbara Hering undMarkus Munzinger,Landessynodale fürKirche für morgen1Zitat Homepage der Evang. Landeskirchein Württemberg: www.elkwue.de2„Geht man davon aus, dass gegenwärtigetwa 80 Prozent der Gemeindenrein parochialer Struktur sind, dass esetwa 15 Prozent Profilgemeinden (z. B.City-, Jugend- oder Kulturkirchen) gibtund nur etwa 5 Prozent der Gemeindenauf netzwerkorientierten Angeboten beruhen(z. B. Akademiegemeinden, Tourismuskirchenoder Passantengemeinden),dann sollte es ein Ziel sein, diese Proportionzu einem Verhältnis von 50 Prozentzu 25 Prozent zu 25 Prozent weiterzuentwickeln.S. 57, Impulspapier des Ratesder EKD: „Perspektiven für die Kirche im21. Jahrhundert — Kirche der Freiheit“.3Zehn Synodale der „LebendigenGemeinde“, eine Synodale von „Evangeliumund Kirche“ und Markus Munzingerals Antragssteller von Kirche für morgenhaben diesen Antrag unterschrieben.4Weitere inhaltliche Ausführungensind in unseren Thesenpapieren veröffentlicht.geistlicheProfilierungundpolitischesEngagementmiteinanderverbinden21


Kirchenwahl„Ich wähle Kirche für morgen, weil …“Wir haben einige Leute, bekanntere und unbekanntere, gefragt, warum sie Kirchefür morgen wählen würden.Ich wähle Kirche für morgen,weil mir dort Menschenbegegnen, die nicht jammern,sondern handeln. Die nichtaus Frust einfach weggehen,sondern entschieden bleiben.Menschen, die nicht die Augenzumachen vor gesellschaftlichenHerausforderungen, vor dringendnotwendigen Veränderungen, sondern sichfreuen über neue geistliche Aufbrüche.Menschen, die träumen und arbeiten aneiner experimentier- und fehler-freundlichenKirche. Mutig. Kreativ. Visionär. Frech. Lebendig.Glaubend. Dialogfähig. Fröhlich. Buntund vielgestaltig. Den Menschen zugewandt.Präsent. Zukunftsfähig. — Eine Kirche, zu derich gehören will.Anne Winter, Hessigheim, Landesjugendreferentinim Evangelischen Jugendwerk in WürttembergWäre ich bei Ihnen wahlberechtigt,würde ich Kirchefür morgen wählen, weil mirMenschen wichtig sind, dieVisionen haben. Sie schauenauf die Welt, und sie sehendie Menschen in ihr mit denbarmherzigen und manchmalwohl auch zornigen Augen Gottes. Sie teilenseine Leidenschaft für die Menschen undmöchten eine Kirche, die sich dafür von Gottin Dienst nehmen lässt. Die Strukturen, diees dann braucht, folgen den Visionen undnicht umgekehrt.Paul M. Zulehner, Prof. für Pastoraltheologie, WienIch wähle Kirche für morgen,weil ich um die Zukunftsfähigkeitunserer Kirche inSorge bin; weil wir mehr engagierteChristen brauchen, dienicht nur von „Reform” reden,sondern ihren Veränderungswillenmit dem Mut Martin Luthersumsetzen und weil die Sehnsucht nacheinem neuen Profil von Kirche kraftvollereFürsprecher in der Synode braucht — sonstwandern gerade die tatkräftigsten Mitarbeiteraus Hauskreisen und Gemeinden mehr nochaus unserer Kirche ab.Eine Kirche, die sich wirklich erneuernmöchte, braucht Christen erfrischend andererGesinnung!Jens Plinke, landeskirchlicher Pfarrer für die württembergischenHauskreiseIch wähle Kirche für morgen,weil sich Kfm für eineKirche einsetzt, die von JesusChristus beauftragt ist Menschenin ihrer Lebenswelt (z.B.Jugendliche, Familien, Senioren)zu erreichen. Kfm ist fürmich der Garant dafür, dasssich unsere Kirche hin zu einer gabenorientiertenBeteiligungsgemeinschaft entwickelt,in der geistliche Aufbrüche durch neue Formender Gemeindearbeit gewünscht, gefördertund gestaltet werden.Daniel Haas, 1. Vorsitzender des CVJM Dettingen/ErmsMein Leben ist seit über30 Jahren geprägt vom immerneuen Aufbruch: „Tag desAufbruchs“, „Kirche im Aufbruch“,„Beter im Aufbruch“.Ich möchte auch weiterhindabei sein, wo „Aufbruch“geschieht. Darum unterstützeich Kirche für morgen. Jeder Aufbruch aberverpufft, wenn er seine Form nicht findet ineiner lebendigen Gemeinde.Ortwin Schweitzer, LE-Stetten, „Beter im Aufbruch- Wächterruf“Ich wähle Kirche für Morgen,weil ich in unserer heutigenLandeskirche einigesvermisse, was bei vielen freienGemeinden schon lange praktiziertwird. Jeder sollte sichin seiner Kirche nach seinenGaben einbringen können,sich wohl fühlen, mitreden können.Gemeinde nahe bei Gott und den Menschen.Kirche soll Spaß machen als gelebteund erlebte Gemeinschaft.Werner Lindner, LeutenbachIch wähle Kirche für morgen,weil ich mich hier als Kirchenmitgliedernst genommen fühle,und weil bei den dort erlebtenGottesdiensten nicht nur meinKopf, sondern auch meineSeele, mein Herz und meinKörper wahrgenommen werden.Hier ist Kirche nicht Institution, sondern Leben,hier geht es um den ganzen Menschen.Edeltraud Egle-Illg, 2. Vorsitzende des CVJM Grunbach,Remshalden22


Pilger, Papst und ProtestantenGibt es ein neues Interesse an Religion in Deutschland? Dr. Thomas Hoffmann-Dieterichanalysiert als Religionswissenschaftler die „Lage der Nation“ unter spirituellemVorzeichen.SpiritualitätDie Antwort ist nicht einfach, weil dieFakten nicht eindeutig sind: Werden in anderenTeilen der Welt, etwa in Asien, Afrikaoder sogar in Russland neue Kirchen gebaut,um den wachsenden Gemeinden Raum zuschaffen, machen sich die deutschen KirchenGedanken über die Stilllegung oder UmwidmungHunderter von Kirchengebäuden. DerGottesdienstbesuch und die Teilnahme ankirchlichen Amtshandlungen gehen stetigzurück. Die EKD rechnet mit einer weiterenSchrumpfung ihres Mitgliederbestandesbis 2030 um mindestens ein Drittel. Schonheute gibt es im Norden und Osten der Republikviele Menschen, die in der zweiten unddritten Generation ungetauft und areligiösaufgewachsen sind. Durch die Kirchenaustritteseit den siebziger Jahren ist der Anteil derKonfessionslosen heute etwa gleichstark wieder Anteil der evangelischen Bevölkerung.Die religiöse Landschaft der Bundesrepublikteilt sich in drei Segmente: Etwa ein Drittelist katholisch, ein Drittel gehört zu einerder evangelischen Kirchen, und das letzteDrittel besteht aus dem wachsenden Anteilder Muslime und Konfessionslosen. Vordiesem Hintergrund haben seit den siebzigerJahren immer wieder Wissenschaftler dasallmähliche Absterben des Christentums inEuropa prognostiziert. Die Kirchen wurden zueinem Auslaufmodell erklärt. Der persönlichechristliche Glaube wurde als irrelevant undals wissenschaftlich überholt eingestuft.Das Beispiel des Kardinal RatzingerIn der öffentlichen und der veröffentlichtenMeinung der Republik war der KurienkardinalRatzinger geradezu zur Symbolfigur derunzeitgemäßen Muffigkeit des Christentumsgeworden. Nachdem Ratzinger zum Nachfolgervon Johannes Paul II. gewählt wurde,entwickelte sich eine ganz neue Bewertungdes neuen Papstes in den Medien. DieBildzeitung mit ihrem guten Gespür für dieöffentliche Meinung titelte gar euphorisch:„Wir sind Papst!!!“ (Eine Aussage, bei derwohl noch um die Jahrtausendwende die Bedeutungvon „wir stehen für mittelalterlicheNormen und Werte“ mitgeschwungen hätte.)Ein ähnliches Phänomen konnte man imHerbst 2006 beobachten, als Papst BenediktXVI. in der islamischen Welt wegen seiner Re-


eine vagabundierendeGemeinde inder Frauenkirchegensburger Rede scharf angegriffenwurde. Nicht nur Protestanten, sogarlinke unkirchliche Intellektuelle undPhilosophen schlossen die Reihenund verteidigten die Rede gegen dieungerechtfertigte Empörung aus derislamischen Welt. Der Papst war imHerbst 2006 für Katholiken, Protestantenund Konfessionslose endgültigzu einer positiven Leitfigur derwestlichen Welt geworden. Auchwenn dies die Protestanten irritierte,so muss doch neidlos festgestelltwerden, dass für viele MenschenBenedikt als Papst zum Symbol füreine neue intellektuelle Qualität deschristlichen Glaubens wurde: einesGlaubens, der nicht mehr als altmodischund überholt , sondern alsebenbürtiges Angebot verstandenwird, das sich auf der Höhe der Zeitmit anderen Religionen und philosophischenSystemen messen kann.Es handelt sich dabei um einenTrend, der natürlich in abgeschwächterForm sogar auf den konfessionslosenAnteil der Bevölkerung zutrifft,ohne dass dies unmittelbar eine Stärkungder Autorität der katholischenKirche zur Folge hat. Ähnlich wie derDalai Lama wird nun Benedikt alspositive religiöse Autorität wahrgenommen.Ich bin dann mal weg.Eine ursprünglich katholischeFrömmigkeitsübung, die ihre Wiedergeburtfeiert, ist das Pilgern aufdem Jakobsweg. Ein Trend, der ohneBedenken auch von kirchen- undglaubensfernen Menschen mitgegangenwird. Im Herbst und Frühjahrsind die spanischen Etappendes Jakobsweges schon so überlaufen,dass die Pilger zuweilen keineHerberge finden. Die Motive für dasPilgern sind so vielfältig wie dasLeben. Von geglückter Selbstfindungnach Lebenskrisen ist die Rede, vonder Erfahrung der Selbstüberwindungdurch das Meistern des Pilgerweges,von neuen Freundschaften durch dasgemeinsame Unterwegssein und vonauthentischen religiösen Erfahrungen.Multipliziert wird diese neueBegeisterung durch Bestseller wieHape Kerkelings Pilgerbuch „ Ich bindann mal weg – Meine Reise auf demJakobsweg“, das monatelang auf denBestsellerlisten war. Kerkeling gelingtes, Menschen zu motivieren, einealte religiöse Praxis neu zu beleben.Das Pilgern wird zu einem Ausbruchaus den Zwängen des Alltags. Durchsolche Bücher wird die Neugierdenach einem Weg der Begegnung geweckt– mit sich selbst, den Mitmenschenund möglicherweise auch mitGott..Der Petersdom der ProtestantenEin ähnliches Phänomen erlebendie Pfarrer in der Dresdner Frauenkirche,dem neuen „Petersdom derProtestanten“. Der Kirchenneubauübt auf Katholiken, Protestanten undKonfessionslose gleichermaßen einegewaltige Anziehungskraft aus. Seit24


2005 zählt die Frauenkirche bishermehr als zwei Millionen Besucher,die lange Wartezeiten in Kauf nehmen,um „ihren Dom“ zu sehen.Bei Gottesdiensten, Andachten undKonzerten müssen regelmäßig Besucherwegen Überfüllung abgewiesenwerden. Es heißt, Kinder, die in derFrauenkirche getauft werden sollen,müssten schon vor der Zeugung dortzur Taufe angemeldet werden.Sicherlich ist eine Fülle von MotivenAuslöser für die Faszination, diedie Frauenkirche ausübt. So habenSpenden aus aller Welt einen Teil derBausummen finanziert. Ein Besuchder Kirche kann so Genugtuung überden Einsatz der Spende vermitteln.Spender und Besucher kommen wiederumaus allen Kirchen oder gehörengar keiner an. Wie beim Pilgernauch wird das Angebot Frauenkirchevon einer internationalen, gemischten„vagabundierenden Gemeinde“aus Gläubigen und Ungläubigen angenommen.Taizé und Transzendenz im AlltagEin weiterer überkonfessionellerGottesdienstort, der seit vielen Jahrenvon einer solch vagabundierendenGemeinde besucht wird, ist dieKommunität von Taizé. Sie wurde inden letzten fünfzig Jahren von mehrerenMillionen Jugendlichen besucht.Die kontemplativen Gottesdienstesind von Gebet, Stille und den typischenTaizé-Gesängen geprägt. TäglicheBibelarbeiten und Diskussionenüber den Glauben haben besondersBilder: S. 23 Bild-Zeitung, S. 24: Taizé(privat), S. 25 ZEITjungen Menschen alternative Formender Frömmigkeit eröffnet.Angelehnt an solch positiveErfahrungen mit neuer Spiritualitätetablieren sich in der Landeskircheseit über zehn Jahren die sogenanntenZweitgottesdienste, die zuweilenso viele Besucher anziehen, wiees die traditionelle Ortsgemeindenur an hohen kirchlichen Feiertagenerlebt. Viel Arbeit, Kreativität und Leidenschaftwerden dabei von einemVorbereitungsteam aufgewandt, umdurch Anspiele, neue Musik undneue Formen der Verkündigung aufdie Menschen zuzugehen.Kleine Transzendenzerfahrungenermöglichen auch offene Kirchen undKapellen sowie Räume der Stille inHospitälern und Autobahnkirchen.Die dort ausliegenden Besucherbücherbezeugen auf eindrücklicheWeise, wie auch unkirchliche Menschenin diesen sakralen RäumenGott ansprechen, ihm ihre Nöte erzählen,ihm danken.FolgerungenDie pilgernde oder vagabundierendeVolkskirche konstituiert sichbei einem religiösen „Event“ kurzfristigund immer wieder neu. Kirchensollten deshalb durchaus auchfördern, was diesem „Unabhängigkeits“-und „Bewegungsdrang“ angepasstist: Event-Gottesdienste, neueGemeindeformen, geöffnete Kirchenals Stätten der Kontemplation unddes Gebets, Pilgerreisen, Freizeitenund Exerzitien. Die polemische Abgrenzungeines sozialdiakonischenTraditionschristentums gegen solch„oberflächliche Eventfrömmigkeit“sollten der Vergangenheit angehören.Die religiöse Suche wird kaumdurch konfessionelle Prägung bestimmt.Auch aus der Kirche ausgetreteneoder ungetaufte Menschenwollen zuweilen an einer christlichenFrömmigkeit teilhaben.Eine offene und einladende Kirchesollte deshalb die Integration dieserMenschen fördern und dabei ihreganze Angebotsbreite nutzen – vonder Kindersegnung über besondereGottesdienstformen und Thomasmessenbis hin zu Glaubenskursen mitanschließender Erwachsenentaufefür die Ungetauften.Dr. Thomas Hoffmann-Dieterich lebt undarbeitet als Religionswissenschaftler inHaigerloch.keine polemischeAbgrenzungvon einer„Event-Kirche“25


Neue GemeindeformenHeimat für eine junge Generation: GemeindemodellJesustreffTobi Wörner, einer der Mitbegründer des Jesustreffs, steht Rede und Antwort. EinInterview, das dazu motiviert, Jugendlichen eine geistliche Heimat anzubieten.die meistenBesuchersagen:„der Jesus-Treff istmeineGemeinde“26Tobi Wörner, Mitglied im Leitungskreis desJesus-TreffsDer Jesustreff ist eine Gemeinschaftaus motivierten ehrenamtlichenjungen Menschen zwischen 16und 36, denen Gott in ihrem Lebenwichtig ist. Sie treffen sich jedenSonntag in der Stuttgarter Martinskirche,um Gottesdienst zu feiern. DieLiturgie – bestehend aus Lobpreiszeit,Predigt, Gebet und Segen – istbestechend einfach; die Reihe dereingeladenen Predigerinnen und Predigerist lang und besteht sowohl aus„kirchlicher Prominenz“ als auch ausMitarbeitenden des Jesustreffs. TobiWörner, „Gründervater“ und Mitglieddes Leitungsteams, stellte sich denfolgenden Fragen:Vom Jugendkreis zum Gottesdienstzur Gemeinde ... wie kam es dazu?Im Jahr 1999 leitete ich mit einemTeam den Jugendkreis der StuttgarterStiftsgemeinde. Wir hatten dassimple Bedürfnis nach einer ansprechendenGottesdienstform für unsund unsere Freunde, und so entstandder Jesustreff. Nach einjährigerÜberlegungs- und Gebetsphase undeinem Testlauf begannen wir mit denJesustreff-Gottesdiensten im zweitenStock des Stiftsgemeindehausesin der Stadtmitte im Oktober 2000.Zwischen 30 und 70 Besuchendeaus unserer Altersgruppe besuchtenregelmäßig den Jesustreff. StiftspfarrerBittighofer war von Anfang an eingroßer Befürworter und Unterstützerunserer Arbeit. Das ehrenamtlicheMitarbeiterteam wuchs in den erstenJahren von anfänglich 10 Menschenauf 20 an. Der Besuch stieg. Im Jahr2004 zogen wir in die „riesige“ Martinskirche,weil das Gemeindehauszu klein geworden war.Heute kommen regelmäßig zwischen150 und 200 Gottesdienstbesuchende.In unserer Kleingruppenstruktur– den „Jesuskreisen“ – sind90 Menschen fest integriert. Auf derMitarbeiterliste stehen 60 Namen.Die meisten Jesustreffler sagenvon sich: „Der Jesustreff ist meineGemeinde“. Obwohl das nicht vonAnfang an unser Ziel war, scheint esGott zu gefallen, diese dynamischeGemeinschaft zu einer geistlichenHeimat für viele werden zu lassen.„Der Auftrag des Jesustreffs ist,Menschen, die Jesus nicht kennen, zuERREICHEN, sie mit anderen Christenzu VERBINDEN, ihnen zu helfen, inihrem Glauben zu WACHSEN, sie zuermutigen, ihren Dienst zu ENTDE-CKEN und mit ihrem ganzen LebenGott zu EHREN.“War das von Anfang an die Visionoder hat sich die im Laufe der Zeitentwickelt?Tatsächlich haben wir das zu Beginnso formuliert – noch bevor dererste Gottesdienst stattfand – allerdingsohne zu ahnen, welch großeBedeutung dieser Satz mit dem fünffachenAuftrag im Laufe der Zeit nochbekommen sollte…Welche charakteristischen Eigenschaftenkennzeichnen den Jesustreff?• jesuszentriert – wie der Name, sodas Programm.• gottgeführt – im Rückblick sehenwir an vielen Punkten das Eingreifenund die Leitung des Vaters.• geistangeschubst – der HeiligeGeist weht, wo er will – aberwenn, dann geht’s ab.• ausprobierend – jeder darf mitmachenund sich einbringen.• authentisch – ein ehrliches Zeugnisgibt mehr her als eine gestyltePredigt.Warum ist es euch so wichtig, INder Landeskirche zu bleiben?


Es ist uns nicht sooooo wichtig,aber wir vergessen nicht, woher wirkommen. Und wir glauben an eineReformation, Revolution und aneinen neuen Aufbruch in alten Gemäuern.Bei uns geht’s schon los…Welche konkrete Unterstützunghattet ihr und wo hättet ihr noch Hilfebrauchen können?Eine enorme Hilfe war der Rückenwinddurch den StiftspfarrerBittighofer. Es war für uns anfangskeineswegs selbstverständlich, dasswir unsere „wilden Ideen“ so ohneweiteres umsetzen durften. Bis aufden heutigen Tag fragen wir in „Kirchendingen“gerne bei ihm nach. Außerdemgab und gibt es viele weitereUnterstützer, ohne deren Supportund Gebet es nie so weit gegangenwäre.Was wir mehr hätten brauchenkönnen, waren und sind erfahreneChristen, die als Mentoren die jungenMitarbeitenden und Leitenden zurüstenund geistlich voranbringen.Was rätst du Leuten, die einenJugendgottesdienst / eine JungeGemeinde anfangen wollen? Was istwichtig, was gilt es zu beachten? Woist Vorsicht geboten?Do’s:• Vom Ziel und vom Auftrag herdenken.• Nicht nur denken, sondern auchmachen.• Ausprobieren und dann regelmäßigmachen.• Viele Menschen im Entscheidungsprozessmitnehmen.• Dankbar sein in allen Dingen.Don’ts (also bitte nicht!)• Den zweiten Schritt vor dem erstenmachen.• Alles auf Langfristigkeit anlegen(denn: der Inhalt bleibt, die Formändert sich).• Die Menschen vergessen.• Kirchenpolitische Grabenkämpfeausfechten.• Zu klein denken.Wir haben diese Fehler nicht allegemacht. Aber wir wissen sehr wohl,dass der Jesustreff letzten Endestrotz unserer Unzulänglichkeiten sogebaut wurde – eben weil das Fundamentstimmt. Denn wir sagen mitPaulus: Einen anderen Grund kannniemand legen, außer dem der gelegtist – Jesus Christus.Wer mehr über den Jesustrefferfahren möchte, kann sich auf derbrandneuen Homepage www.jesustreff.infoumsehen oder einfach malvorbeischauen – immer sonntags,immer 18 Uhr, immer in der Martinskircheund natürlich immer mit Jesus.Das Interview führte Katrin Müller,Jugendreferentin, die dieMartinskirche durch ihreMitarbeit bei der StuttgarterJugendkirche kennt undimmer noch sonntagabendsdort hin pilgert.Bild unten: Jesus-Treff, Sascha„Wir glaubenaneinen neuenAufbruchin altenGemeinden“27


Diakonische GemeindeMit Menschen Hoffnung entdeckenMartin Allmendinger begründet, warum Gemeinde Jesu Christi nicht anders kann,als diakonisch in die Gesellschaft hineinzuwirken.Sich vonder Not derMenschenberührenlassenHoffnung entdeckenDie Grundvoraussetzung auf demWeg zu einer diakonischen Gemeindeist, Hoffnung zu entdecken inmittenaller Hoffnungslosigkeit. Ein ersterGrund zur Hoffnung begegnet unsbereits im Schöpfungsbericht: „Dubist: Ein Ebenbild von niemand Geringeremals Gott!“ (1. Mose 1,27)Aber auch die Not Benachteiligter istvon jeher eine Perspektive, die Hoffnungbegründet. So wird im Ersten(alten) Testament die Ausgrenzungvon Fremden abgelehnt und eineGleichbehandlung mit den Einheimischenangemahnt (vgl. 2. Mose 22).Der Schutz und die Versorgung vonWaisen und Witwen werden besondershervorgehoben. Selbst Totschlägersind nicht einfach dem Faustrechtausgesetzt.Diese klaren Hoffnungszeichengreift Jesus auf. Etwa im Gleichnisvom barmherzigen Samariter. Aberauch die Heilungsgeschichten atmendiese Hoffnung. Selbst die Benachteiligungder griechischen Witwengegenüber den hebräischen in derApostelgeschichte (6, 1–7) führt zueiner Hoffnungsgeschichte: Die wachsendeZahl und bunte Vielfalt derjungen Gemeinde gerät nicht durchÄrger und Neid ins Stocken. Gemeinsamwerden Strukturen geschaffen.Menschen werden gesucht, gefundenund beauftragt. So wird der Notabgeholfen.Deutlich wird: Es ist wichtig, denMenschen nahe zu sein.Den Menschen nahe seinWer den Menschen nahe ist, siehtauch ihre Not. Markus beschreibtden Anfang des Wirkens Jesu mitden Worten: „ Kehrt um, denn dasHimmelreich ist nahe herbeigekommen.“(Mt 4,4). Dann beruft JesusMenschen in seine Nähe. Und baldkann er sich vor Menschen, die ihmnahe sein wollen, kaum mehr retten(Mk 1,33+34).Und doch: Nachts rettet er sich. Ersucht eine einsame Stelle und betet.Jesus sucht die Nähe zu seinemVater. Diese Nähe ist Voraussetzungdafür, auch vor anderen keine Berührungsängstezu haben. Wer denMenschen nahe sein will, muss dieNähe Gottes suchen. Bei Paul Zulehnerklingt das so: „Wer bei Gott eintaucht,taucht bei den Armen auf…“.Bei den Armen auftauchen heißtBerührung zulassen, sich von der Notder Menschen anrühren lassen. Meineigener diakonischer Werdegang istvon solchem Berührtwerden und Angerührtseingeprägt:Da kamen eines Tages einigejunge Männer an meine Haustür28


und fragten mich, ob ich die Leitungihres Jungmännerkreises übernehme.Meine Antwort hieß: „Ja, aber ichhabe da einen Wunsch.“ So entstandvor über 30 Jahren die Behindertenarbeitin unserem DenkendorferCVJM. Aus dieser Arbeit ergaben sichfür mich und für andere neue beruflichePerspektiven. Ein weiterer Schrittwar meine Berufung als Sachgebietsleiterfür den Bereich Soziales in meinerHeimatgemeinde. Dies hat mirzu vielen Menschen aus unserem Orteine große Nähe gebracht, insbesonderedie damit verbundene Begleitungvon Menschen auf der Fluchtund im Asyl. Die jüngste beruflicheVeränderung nun bringt mir die Hochbetagtennahe, besonders einsame,altersverwirrte Menschen. In allden Entwicklungen war immer meinWunsch, dass sich unsere Kirche amOrt zu einer sichtbar diakonischenGemeinde entwickelt. Denn die Nähezu den Menschen lebt davon, dasswir gemeinsam auf dem Weg sind.Gemeinsam auf dem Weg„Einsam bist du klein, aber gemeinsamkönnen wir Anwalt desLebendigen sein.“ In dieser Liedstrophekommt zum Ausdruck, was füreine diakonische Gemeinde unverzichtbarist. Ein Mensch, begabtvielleicht und gut ausgebildet undmit vielen Ideen, aber alleine – istwie ein Tropfen auf den heißen Stein.Wie anders geht Jesus vor, z.B. beider Speisung der 5 000: Er handelt,er dankt und gibt weiter. Die von ihmeingesetzten Jünger verteilen dasEmpfangene in zuvor geordnetenStrukturen und räumen am Ende dieReste auf. In der Übertragung ergebensich klare Abläufe für eine diakonischeGemeinde:- Bei Jesus lernen – Weil wir gemeinsamauf dem Weg sind, lernenwir bei Jesus Christus, unseremMeister.Wenn Gottes Liebedein Herz durchströmt,wirst du selbst in Bewegung geraten.Du wirst deine Schritte zuversichtlichsetzenvon heute auf morgenund auf alle Zukunft hin.Jörg Zink- Strukturen erkennen – GottesGeist lässt uns eine gute Ordnungfinden.- Mitarbeitende gewinnen – Mitarbeitendefinden sich und bringenihre Gaben ein.- Den Auftrag sehen – ein klarerAuftrag hilft, die Aufgaben abzugrenzenund anzupacken.- Auf Gott hören – im Dankgebetversichern wir uns der Gaben undwerden vor Selbstüberschätzungund Überforderung bewahrt.- Aufgaben übernehmen – Wir sindeingebunden in das LiebeshandelnJesu und nehmen Aufgabenverantwortlich wahr.Diakonische Gemeinde lebt vonIn derKirchengemeindediakonischhandelnDie Bilder zu diesem Artikel stammen aus der Vesperkirche Wasseralfingen und wurden demBuch „Kanzel, Kraut und Semmelknödel“, Edition Ostalb, entnommen.29


Durch praktizierteGastfreundschaftGegenpolezur EntsolidarisierungbildenTeamarbeit, vom gegenseitigen Helfenund vom gemeinsamen Tragender Lasten. Wichtige Stichwortedabei sind: Bereicherung und Ergänzung– gemeinsam sind wir stark– vier Augen sehen mehr als zwei– „einer trage des andern Last…“(Gal.6,2). Damit sind wir beim Prinzipeiner diakonischen Gemeinde:Einladend – gastfreundlich – diakonischGott nimmt den Menschen inseiner Bedürftigkeit ernst. Als Kirchesind wir herausgefordert, es ihmgleich zu tun. Das heißt, dem Nächstenmit Respekt, Ehrerbietung undAchtung zu begegnen. Dies meintWolfgang Vorländer, wenn er sagt:„Ehrung geht vor Bekehrung.“ DerBesuch ist ein wichtiges Elementeiner gastfreien Gemeinde. Vorländerbezeichnet den Besuch sogar alsSakrament. „Gott hat besucht underlöst sein Volk“ (Lk 1, 68).Eine in Zukunft relevante Kirchenutzt die geöffneten Türen. Sie trittdort ein, wo Menschen ihre Türenöffnen. Sie tritt nicht verschlosseneTüren ein. Gastfreundschaft ist dasWesen des Evangeliums und damitdas Wesen der Kirche. Wer gastfreilebt, schafft Platz für andere. Daunsere Gesellschaft durch einenProzess dramatischer Entsolidarisierunggeht, ist es nötig, durch praktizierteGastfreundschaft Gegenpolezu bilden. Gastfreundschaft wirktbeheimatend. Noch einmal WolfgangVorländer: „Wir müssen Oasenschaffen, die Gotteserfahrungenmöglich machen“. Solche Oasensind in vielen Gemeinden sichtbar,in denen der scheinbare Gegensatz„missionarisch oder diakonisch“aufgelöst ist. Das Wörtchen oderwird durch und ersetzt. Bei unserenenglischen Schwestern und Brüdernheißt das: „To be, to say and to dothe gospel.“ Wenn das Evangeliumvon Jesus Christus in unseren HerzenWurzel geschlagen hat, zu wachsenbeginnt und sich stetig ausbreitet,können wir es nicht lassen, davon zureden und es zu tun. Deshalb habeich Hoffnung für unsere Kirche undfür Menschen in Not. Gemeinsamwerden wir immer neu Hoffnung entdecken.Martin Allmendinger ist Diakon,Supervisor (DGSv) undSpiritual. Er lebt und wirkt inund um Denkendorf.Eine unvollständige, aber spannendeListe diakonischer Dienste im mittelbarenund unmittelbaren Gemeindebezug:• Behindertenarbeit, Integration, Inklusion• Besuchsdienste, Geburtstage,Neuzugezogene, Junge Familien,Senioren, im stationären Bereichz. B.: Krankenhaus, Altenheim…• Krankenpflege, Diakonie – undSozialstation• Gesprächsgruppe für pflegendeAngehörige• Betreuungsnachmittag für demenzerkrankteoder altersverwirrtePersonen• Nachbarschaftshilfe• Nachbarschaftliche Netzwerke• Essen auf Rädern, Mahlzeitendienste• Mittagstisch• Vesperkirche• Sterbebegleitung, Hospizdienste• Suchtkrankenhilfe• Offene Angebote für bestimmteZielgruppen, Jugend, Senioren• Sonntagscafe, Frauencafe, Frauenmorgen,Männervesper• Angebote für Jungsenioren unterdem Motto „Loslassen – Neu anfangen“• Verein Senioren – und Altenhilfe• Stadtseniorenrat als Kooperationspartner• Altenheimsingen, Geburtstagsständcheno. ä. des Posaunenchors• Gottesdienste für Kranke und ihreAngehörigen• Kirchenasyl• Diakonie- und Sozialfond• Gemeindekontakte/Gemeindebesuch von in Heimenund Einrichtungen untergebrachtenMenschen, z. B. Diakonie Stettenbesucht Kirchengemeinde• Patenschaft einer Kirchengemeindefür eine Behindertenwohngruppe• Kooperation Gemeinde – DiakonischeEinrichtung z. B.: Sonntagsdienst• Begleitgruppe für Heimbewohnerbeim Gottesdienstbesuch• Kooperation Jugendarbeit undSchule, z. B.: Angebot für dieGanztagsschule, Family life, ThemenorientiertesProjekt SozialesEngagement (TOP SE) an der Realschule• Jugendbegleiter: Vorschlag derLandesregierung zur Betreuungvon Schülerinnen und Schülern30


Wie man mit weniger wachsen kannDie Brüder Wolfgang Hemminger & Hansjörg Hemminger – der eine Weltanschauungsbeauftragterder Württembergischen Landeskirche, der andere Synodaler derBraunschweiger Landeskirche – schreiben gemeinsam zu nötigen Reformen in derKirche.BuchrezensionWer nach dem lesenswerten Vorworteinen Gemeinde-Entwicklungs-Pop-Up-Ratgeber erwartet, der wird– zum Glück! – enttäuscht. Vielmehrgibt es Fakten, Statistiken, Vorschlägeund Visionen, verteilt auf 10Kapitel und 351 Seiten. Kernfrage istdabei, ob das „semper reformanda“(immer zu reformieren) auch für die„Organisationen und Strukturen“ derKirche gilt. Die Antwort der Autoren:„In einer sich wandelnden Welt könnendie Formen nicht so bleiben, wiesie früher waren.“Aus historischen, soziologischen,kirchlich-theologischen und unternehmerischenBlickwinkeln herauswird diese Aussage dann begründet.Der ständige Verweis darauf, dassdie Kirche auch Strategien und Methodenaus der Wirtschaft übernehmensollte, um ihr äußeres Weiterbestehenzu sichern, lässt den Leserbei einem ersten Überflug vielleichtetwas verwirrt zurück: Neues Marketing,neues Personalmanagement,neue Strukturen gleich „die Kirchevon morgen“?! – Dass man diesenEindruck gewinnen kann, liegt abereher am komplexen Thema und derFülle an Informationen und impliziertenSchlussfolgerungen, die im Buchbegegnen.Wer sich die Mühe macht und bisKapitel 4 (Qualitatives Wachstum)durchliest, dem wird klar, dass dieBrüder Hemminger durchaus auchdie geistlich-theologische Komponenteim Blick haben: Die „bestenWerbeträger der Kirche sind menschlichangenehme und geistlich überzeugendeHauskreise, Jugendgruppen,Kirchenchöre ...“(107). Kirche„muss ... in der Lebenswelt der Menschen,in Staat und Gesellschaft präsentsein“ (109). Nur Strukturen, diedieser Aufgabe dienen, haben eineExistenzberechtigung für die Zukunft.Personal- und Milieugemeinden sindnotwendig. Wo das Parochiedenkendie Lebenswelt nicht mehr im Blickhat, wird es zum Hindernis (110/126!). Weitere Forderungen sind einemassive Verstärkung der ehrenamtlichenArbeit bis hin zur Aufgabe derGemeindeleitung, ein Mix aus inhaltlicherProfilierung und unterschiedlichenProfilen (114) von Kirche undGemeinde. Ebenso der Auf- undAusbau eines verlässlichen Netzwerkesder unterschiedlichen Profilgemeinden– mit Auswirkungen auf diezukünftige Struktur der Ausbildungvon Pfarrern und Pfarrerinnen, dieauch weiterhin mit „theologischerKompetenz und Führungsfähigkeiten“(123) dringend gebraucht werden.Und so fort.Wie bei einem guten Roman sollhier das Ergebnis der Überlegungennicht vorweg genommen werden.Denn das Buch ist – trotz seinesUmfanges und seiner gelegentlichensprachlichen Überlängen – dieLesezeit wert. Vor allem, wenn esdem Leser um die Kirche von morgengeht.Michael Josupeit zum Buch vonWolfgang Hemminger & HansjörgHemminger, Konzepte für dieEvangelische Kirche von morgen,Brunnen Verlag, 19,95€.Eine ausführlichere Besprechung findenSie auf www.kirchefuermorgen.deIn einer sichwandelndenZeit müssensich auchdie Formenwandeln31


kfm intern(Her-)eingetretenKirche für morgen hat knapp 110 Mitglieder. Reinhold Krebs nennt fünf gute Gründe,warum es sich lohnt bei den „Zitronen“ Mitglied zu werden.Der Zitronenfalter gefällt Ihnen? WasKirche für morgen will, geht ihrer Meinungnach in die richtige Richtung? Sie wollen,dass die Evangelische Kirche nicht Reförmchenproduziert, sondern dass sie mutig eineVision entwickelt und ihre Mission lebt? Auchwenn Vereine an und für sich nicht so sehrIhr Ding sind - warum nur zuschauen und dieandern machen lassen? Treten Sie ein in denVerein. Gestalten Sie mit. Neben dem Gefühl,das Richtige zu tun, gibt es fünf gute Gründedafür:• Sie werden Teil des „Zitronen-Netzwerkes”.Sie lernen mutige Christen kennen,die von der Sehnsucht Gottes nach denMenschen bewegt sind. Das stärkt Ihnenden Rücken, wenn Sie mal wieder an derKirche zu verzweifeln drohen.• Sie können kirchenpolitische Anliegentransportieren, Agenda-Setting betreibenund Themen in die Synode einbringen.• Kirche für morgen ist mehr als ein Wahlverein.Mitglieder nehmen zu besonderenKonditionen an Forum, Veranstaltungenund Studienreisen teil. Mitgliederversammlungund Zukunftskonferenzen sindweitere Plattformen.• Sie bleiben theologisch und thematischdran an den Zukunfts-Themen unsererKirche, werden über Mitgliederbriefe und-Newsletter informiert.• Kirche für morgen ersetzt keine Gemeinde,bietet aber geistliche Gemeinschaftdurch informelle Vernetzung, durch denOasengebetstag und anderes. Mitgliederladen andere zu Retraites ein.Überzeugt?Eine Mail an info@kirchefuermorgen.de genügtund alle Unterlagen kommen ins Haus.Reformationshelfer gesucht!Cyrill Schwarz, Jugendreferent in Leonberg und im Bereich Fundraising aktiv,ermutigt zur Unterstützung bei der Kirchenwahl.Helfen auch Sie mit die württembergischeLandeskirche zu reformieren. UnterstützenSie Kirche für morgen mit Ihrem Beitrag.Besonders in diesem Jahr, dem Jahr derKirchenwahl, sind wir auf Ihre Spende angewiesen.Wir haben das Ziel, möglichst viele Kandidatenvon Kirche für morgen als gewählteVertreter in die nächste Legislaturperiode derEvangelischen Landessynode zu bekommen.Das kostet viel Geld. Die Prospekte fürjeden Wahlbezirk kosten mindestens 2000Euro. Dazu sind wir auf ihre Hilfe angewiesen.Drei Beispiele, wie Sie uns unterstützenkönnen:• Mit einer Spende von 100 € ermöglichenSie den Druck von 3000 Wahlprospekten• Mit einer Spende von 50 € finanzierenSie 500 Plakate• Mit einer Spende von 30 € finanzierenSie 10 ZitronenfalterUns helfen einmalige Beiträge, aber auchregelmäßige Spenden sind sehr willkommen!Für alle Spenden stellen wir Spendenbescheinigungenaus. Dafür bitten wir Sie Ihrevollständige Adresse anzugeben.Unser Bankverbindung: Kto. Nr. 419 435bei der EKK Stuttgart, BLZ 600 606 06, Stichwort:KirchenwahlEine Abbuchungsermächtigungkönnen Sie uns erteilen unter http://www.kirchefuermorgen.de/unterstuetzen32


kfm internInterview mit Markus HaagMarkus Haag ist aktiv im Redaktionsteam des Zitronenfalters, seit kurzem Pfarrerz. A. in Gronau und Prevorst (Oberstenfeld). Über seine Erfahrungen zum Thema„Einmischen“ kam Tabea Hieber mit ihm ins Gespräch.Markus, als Ehemann und Familienvatergibt es sicher einige Bereiche,in denen du dich gerne oderauch weniger gerne einmischst.O ja! Ich mische mich sehr gerneein, wenn es um die Frage geht,wie unsere Veranstaltungen kinderfreundlicherwerden können. Aberauch in der Familie mische ich kräftigmit – auch und gerade im oft turbulentenAlltag.Seit kurzem kannst du deinenBerufstraum verwirklichen: Du bistGemeindepfarrer. Wo wünschst dudir, dass sich deine Gemeindegliedereinmischen?Nahezu überall! Nur wenn jedesGemeindeglied seine spezifischenGaben einbringt, erreichen wir unserZiel: Menschen zu Nachfolgern JesuChristi zu machen. Neben dem spezifischenVerkündigungsauftrag seheich mich deshalb v. a. in einer Art„Hebammenfunktion“: Ich will mithelfen,dass Talente entdeckt, geborenund in die Gemeinde eingebrachtwerden.Darüber hinaus engagierst dudich kirchenpolitisch. Was möchtestdu dadurch bewirken?Dass durch mein bzw. unser Engagementkirchliche Strukturen aufden Prüfstand kommen: Unterstützensie die Gemeinden bei der Erfüllungihres Auftrages? Oder sind sie reinerSelbstzweck? Alle „alten“ Gesprächskreisehinterfragen mir hier zu wenig.Welche bunten Farbtupfer mischstdu deinem Leben sonst bei – nebendem kirchlichen Engagement?Ich gehe leidenschaftlich gern indie Tiefe! Ob es nun das Mittelmeerist oder der Bodensee – das Tauchenmacht mir sehr viel Spaß. Ich genießedie Ruhe, die herrliche Unterwasserwelt,das Wasser – eine superMöglichkeit, den Alltag einmal hintersich zu lassen und zugleich Gotteswunderbare Schöpfung zu genießen.Apropos „genießen“: Kochengehört auch zu den Dingen, die ichmeinem Leben sehr gerne beimische.Dazu einen guten Rotwein – egal, obaus Schwaben, Frankreich oder Chile… dann wird das Leben „würzig“.Leider kommt diese „Würze“ jedochzeitlich oft zu kurz.Was sind deine Visionen und Träume?Ich träume von einer Gemeinde,die von Beziehungen lebt – und überBeziehungen wächst. Denn „Gemeinde“– das sind Menschen! Wir sindeben keine Behörde … und auch keinUnternehmen!Ich träume von einer Gemeinde,in der Familienleben und Gemeindelebendas Gleiche ist. Denn die Kircheist ursprünglich aus den (Familien-)Häusernentsprungen. Da gehörtsie wieder hin! Rein ins Leben!Und ich träume von einer Gemeinde,die auf diese Weise „Mission“ ist– und nicht Mission treibt. Die ebennah an den Menschen ist. Schließlichhaben wir einen menschlichen undmenschenfreundlichen Gott!Tabea Hieber mischt als zweiteVorsitzende bei Kirche fürmorgen und im Zitronenfalter-Redaktionsteam mit.„ich träumevon einerGemeinde,die vonBeziehungenlebt“33


Zu guter LetztDer Zitronenfalter & das Biologiebuch„Die meisten Schmetterlinge leben nur kurz, der Zitronenfalteraber neun Monate...Obwohl der Zitronenfalterdurch Lebensraumzerstörung bedroht ist, hält sich seinBestand relativ gut... Der Zitronenfalter ist einer der größtenSonnenanbeter unter den Schmetterlingen. Er heiztsich gern auf, bevor er zum Fliegen abhebt... In Ruhehaltungschaltet der Zitronenfalter völlig ab. Das geht so weit,dass er einer Fliege erlaubt, auf ihm zu landen.“ rkGünter Grass & der ZitronenfalterAuch im Evangelischen Gesangbuch lässt sich derZitronenfalter nieder. Auf Seite 656 findet sich ein trotzigesBonmot von Günter Grass: „Tour de France – Als dieSpitzengruppe von einem Zitronenfalter überholt wurde,gaben viele Radfahrer das Rennen auf.“ rkDer Zitronenfalter & die Deutsche PostErgraute KircheVon unerwarteter Seite kommt hochkarätigeUnterstützung: Wir tun was fürdie Wohlfahrtspflege in unserem Land– meint auch die Deutsche Post. msZum Thema „Kirche und Verwaltung“ sind wir beimHerrenberger Kirchenkabarett „Die Würdentreter“ fündiggeworden mit einer bissigen Umdichtung des Chorals „Wernur den lieben Gott lässt walten“:Wer nur den lieben Gott verwaltetund hoffet auf die alte Zeit.Der merkt, wie Kirche bald erkaltet,und kommt in Not und Traurigkeit.Wer nur auf Traditionen baut,der merkt nicht, wie die Kirch ergraut.Dann halten wir es doch lieber mit Paul M. Zulehnerund hoffen darauf, dass die einsam Ergraute doch nochKinder bekommt – dass aus der Sara-Kirche eine Isaak-Kirche wird (siehe S. 8f. im Innenteil). Denn: Wer will, dassKirche bleibt, wie sie ist, will nicht, dass Kirche bleibt. msSind Zitronen ansteckend?Vor zwei Monaten hätte ich mir bei dieser Frage an denKopf getippt und mich zum Arzt geschickt. Mittlerweile steheich zu meiner Frage und kann sie auch bejahen, wie das Bildbeweist.Ja, es gibt ihn, den Kirche für morgen-Button, und mankann ihn sich wirklich – fast überall – anstecken. An dieJacke, ans Hemd, den Pullover … als Ohr- oder Nasensteckeraber bitte (noch) nicht. Natürlich fällt dieknallgelbe Zitroneauf, Kirche für morgenist ja auch kein de-zentes Accessoire. Formund Farbe unseres„Früchtchens“ verursachenBlicke, Lächeln, Fragen, selten Kopfschütteln.Und das soll es ja auch! Außerdem gibt es uns die Gelegenheit,von Kirche für morgen zu erzählen, und vielleichtandere anzustecken.Wer ihn sich ebenfalls anstecken will, der kann dasgerne tun. Der Button ist gegen eine Spende von 1,– € proStück (plus Briefporto) in der Geschäftsstelle von Kfm, AmAuchtberg 1, 72202 Nagold, zu bekommen (Tel: 0700-36636 936 69, Mail: info@kirchefuermorgen.de). mjImpressumDer Zitronenfalter wird herausgegebenvon Kirche für morgen e. V.Erscheinungsweise3 x jährlich. Bestellung (auch weitereExemplare) bei der Geschäftsstelle.Die Zusendung ist kostenlos.GeschäftsstelleKirche für morgen e. V.Am Auchtberg 1, 72202 NagoldFon 0700-36693669Fax: 0721-151398429info@kirchefuermorgen.dewww.kirchefuermorgen.deVorstandFriedemann Stöffler, TübingenTabea Hieber, MarkgröningenMartin Mielke, BalingenMitglieder des LeitungskreisesMartin Allmendinger, DenkendorfMichael Josupeit, HerrenbergJens Plinke, GomaringenReinhold Krebs, HerrenbergGisela Schneider, LeonbergAngela Schwarz, WeissachStefan Taut, ReichenbachBarbara Hering, HerrenbergKarl-Martin Beck, GomaringenSynodaleBarbara Hering, HerrenbergMarkus Munzinger, Dettingen/ErmsBankverbindungEKK Stuttgart, BLZ 600 606 06,Konto 419 435Wir danken allen, die durch ihreSpende die kostenlose Weitergabe desZitronenfalters ermöglichen.RedaktionsteamMarc Stippich, Grunbach (ms) (ViSdP)Martin Allmendinger, Denkendorf (ma)Pina Gräber-Haag, Gronau (pg)Markus Haag, Gronau (mh)Tabea Hieber, Markgröningen (th)Reinhold Krebs, Herrenberg (rk)Werner Lindner, Winnenden (wl)Katrin Müller, Leonberg (km)Johannes Stahl, Eschenbach (js)LayoutLutz Eisele, MarkgröningenDruckDruck + Medien Zipperlen GmbHVersandTobias Zipperlen, WeissachRedaktionsadresseredaktion@kirchefuermorgen.de undüber die GeschäftsstelleAnzeigenpreislistelindner-service@gmx.deFAX: 07195-979759Titelbild: eyelustrate / M.Weinbrenner.

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