Aufrufe
vor 2 Jahren

Joachim Helfer antwortet auf die Kritik von Samir ... - Navid Kermani

Joachim Helfer antwortet auf die Kritik von Samir ... - Navid Kermani

Joachim Helfer antwortet auf die Kritik von Samir ... - Navid

Joachim Helfer antwortet auf die Kritik von Samir GreesSamir Grees arbeitet für die Arabische Redaktion (Radio) der Deutschen Welle in Bonnsowie als Übersetzer; seine Rezension von „Die Verschwulung der Welt“ erschien am8. November 2006 in der internationalen arabischen Tageszeitung „Al-Hayat“; sie istübersetzt in der Datei mit den englischen Texten.Lieber Herr Grees,Da Sie fragen, was ich von Ihrer Rezension halte: Nun, ich finde (soweit ich michauf die Übersetzung verlassen kann), dass Sie einiges sehr richtigsehen, anderes dagegen falsch, teilweise auch ungerecht. Im Einzelnen:Sie weisen sehr zu Recht auf das Ungleichgewicht hin, unter dem das ganzeDiwan-Projekt leidet, weil die Teilnehmer aus der arabisch/islamischenWelt durchgehend älter und bereits übersetzt sind. Natürlich war es für Rashidund mich sehr misslich, dass er sich mit meiner Literatur gar nichtauseinandersetzen konnte. Ich habe das im Buch, gleich zu Beginn, dargestellt;eine Schuld trifft daran keinen von uns. Es ist einfach so, dass ein Grass oderHandke sich die Zeit nicht nehmen würden, schon gar nicht für das im Verhältniszum Aufwand bescheidene Honorar.Dass Rashid von Thomas Hartmann von Beginn an auf meine Homosexualitäthingewiesen wurde, mag richtig oder falsch gewesen sein; jedenfalls hätteRashid, auch darauf weisen Sie zu Recht hin, mich auf diese Tatsache nichtreduzieren müssen. Womit ich nicht meine, dass es falsch war, sich in unserbeider Abschlussberichte auf diesen Aspekt zu beschränken, denn das Thema istja offenkundig brisant und ergiebig genug. Rashid, auch da stimme ich Ihnen zu,hat Mut bewiesen, dieses Thema offen anzugehen, auch den Mut zurSelbstentblößung - auch das habe ich in meiner Antwort mehrfach betont.Völlig unverständlich ist mir, warum Sie meine Antworten unehrlich finden, garheuchlerisch. Was verschweige ich denn, wo lüge ich? Rashid stellt seine Sichtdar, ich meine. Meine Absicht war keinesfalls ein Duell zu führen, sondern einenDialog. Dass ich dabei das letzte Wort habe, war so nicht von mirgewünscht: Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir diesen Dialog alswirkliche Wechselrede geführt. Rashid ist dem zuvorgekommen, in dem er einenMonolog über mich veröffentlicht hat, sich selber die unwidersprocheneDeutungshoheit über mein Privatleben angemaßt hat. Das hatte ich ihmdurchaus nicht erlaubt: Vielmehr durfte ich erwarten, dass er sich an die Regelnund Gesetze der Literatur, des Journalismus und des Persönlichkeitsrechtshält, also ENTWEDER eine diskrete Reportage schreibt, in der er seineBegegnung mit dem realen Joachim Helfer, unsere Gespräche, nicht aber meinPrivatleben schildert, ODER einen fiktionalen Text, in dem er die Rückkehr desDeutschen zur Vernunft als Literatur erzählt, also bis zur Unkenntlichkeit meinerPerson fiktionalisiert. Er hat stattdessen, auf meine Kosten, die Grenzen derLiteratur sprengen wollen. Dass er sich diese Freiheit nimmt, begründet er damit,dass ich selber in der eigenen Literatur mein Privatleben zum Teil entblöße.Verstehen Sie, dass mich das an die klassische Ausrede aller Vergewaltigererinnert: Sie hatte doch so einen kurzen Rock an!? Tatsächlich habe ich seinenText als Vergewaltigung empfunden, und ich glaube auch nicht, dass ich Rashidda Unrecht tue: Er wollte über mich triumphieren, mich auf offener Bühne

Rezensionen und Kommentare zu: - Navid Kermani
Warum das Leben hassenswert ist (Die Literaturen ... - Navid Kermani
Warum das Leben hassenswert ist (Die Literaturen ... - Navid Kermani
1 Was ist deutsch an der deutschen Literatur ... - Navid Kermani
Warum das Leben hassenswert ist (Die Literaturen ... - Navid Kermani
Der Aufstand gegen Gott. Der persische Dichter ... - Navid Kermani
Warum das Leben hassenswert ist Die Literaturen ... - Navid Kermani