Naturfarben - Color X

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Naturfarben - Color X

Rachwachsende-RohstoffeNaturfarbenOberflächenbeschichtungen ausnachwachsenden Rohstoffen


Inhaltsverzeichnis1 Oberflächenbeschichtungen: Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Oberflächenbeschichtungen: Aufgabe und Anforderung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5Materialschutz | Hygienewirksamkeit | Farbgebung von Oberflächen |Beeinflussung der Dampfdiffusion | Weitere Aufgaben von Beschichtungsstoffen |Fazit: Generelle Anforderungen an Beschichtungen3 Zusammensetzung von Beschichtungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7Bindemittel | Lösungsmittel | Natürliche Lösungsmittel | Farbstoffe/Pigmente | Hilfsstoffe4 Warum Naturfarben? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13Die wesentlichen Kernpunkte des konsequenten Naturfarben-Konzepts5 Gewinnung, Verarbeitung und Eigenschaften der natürlichen Rohstoffe . . . . . . . . . . . . . . . 16Gewinnung | Verarbeitung | Eindringverhalten und Verankerung im Untergrund |Trocknung | Kratzfestigkeit6 Übersicht verschiedener Beschichtungsstoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19Nach Art der Anwendung | Nach Art der Rohstoffbasis | Naturfarben | Volldeklaration7 Die wichtigsten Produktgruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22Wandfarben (innen, außen; deckend, lasierend) | Holz-Lasuren | Naturharzlacke(Klarlacke, Weiß- und Buntlacke) | Öle | Wachse | Weitere Produkte8 Anstrichaufbauten bei verschiedenen Untergründen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27Untergrund Holz | Untergrund Tapete | Mineralische Untergründe | Untergrund Metall9 Leistungsfähigkeit, Möglichkeiten und Grenzen natürlicher Beschichtungen . . . . . . . . . . . 3410 Tipps für Erstverarbeitung, Reparatur und Instandhaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3611 Kostenvergleich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3812 Kleine Rohstoffkunde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4013 Anlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45Infos | Grenzwerte für den Höchstgehalt von Farben und Lacken2


1 Oberflächenbeschichtungen: EinführungFarben, Lasuren, Lacke und andere Beschichtungsproduktespielen im Bezug auf die Frage nach derLuftqualität in Innenräumen immer noch eine wichtigeRolle in der ökologischen Diskussion. Gesundheitlichrelevant sind vor allem diejenigen Baustoffe,deren Masse im Vergleich zu den „klassischen“ Baustoffenwie Massivbaustoffe, Dämmstoffe, Konstruktionselemente,Holz etc. vergleichsweise geringist. So z. B. Farben, Dichtstoffe oder Holzimprägnierungen.Bei der Auswahl dieser Baustoffe fehlt es oftmals ander ökologischen Konsequenz. Der Grund liegt in derTat darin, dass diese Produkte quantitativ nur einensehr geringen Teil der Baumasse ausmachen und alsvergleichsweise unwichtig angesehen werden.Qualitativ hingegen schaffen diese Produkte die Situation,dass in der Regel nahezu alle raumabschließendenFlächen und alle Baustoffoberflächen mit ihnenbeschichtet sind. In Folge gehören Produkte dieserArt zu den ökologisch und toxikologisch relevantestenMaterialien überhaupt. Sowohl Menschenals auch Raumluft haben permanent unmittelbarenKontakt zu diesen Oberflächen – man sieht Oberflächen,man fühlt Oberflächen, man riecht und atmetdie Substanzen ein, die die Oberflächen emittieren.Es hier an der ökologischen Konsequenz mangeln zulassen, grenzt insofern an Fahrlässigkeit.In die ökologische Bewertung müssen nicht nur daseigentliche Produkt und seine Inhaltsstoffe, sondernauch Herstellung und Lebenslauf einbezogen wer-Materialfluss bei der Herstellung von 100 kg rotem Farbstoff„Benzopurpurin“100 kg roter FarbstoffBenzopurpurin 4 B700 kg Chemikalien:SchwefelsäureSalpetersäureSalzsäureNatronlaugeNatriumnitritEisen, Zink, Natriumamalgamund Natriumacetat168 kg organischeVorprodukte:ToluolNaphtalinAnilin u. a.220 kg50 kg130 kg40 kg210 kg50 kg700 kg92 kg64 kg12 kg168 kg686 kg Abfall:82 kg Nebenprodukte:p-Nitrotoluolm-NitrotoluolPhenylnitromethanNaphthylaminosulfonsäureAnilinMethyl-BenzidinSchwefelsäureSalpetersäureSalzsäureNatriumchloridNatriumsulfatNatriumacetatNatriumamalgamZinkchloridEisenoxidNatriumnitrit42 kg7 kg82 kg686 kg3


den. Erst so lässt sich feststellen, ob z. B. die verwendetenPigmente abfallintensiv hergestellt wurden.Die Abfallmenge (darunter auch Sondermüll)kann bis zum neunfachen des erzeugten Farbstoffesbetragen.Auch im Hinblick auf Gesundheitsgefährdung stehenPigmente zur Diskussion. Dabei geht es nicht nurum schwermetallhaltige Pigmentgruppen (Cadmium,Zink, Nickel etc.) und Kunstharz-Bindemittel,sondern auch um die modernen organisch-synthetischenFarbstoffe wie Azo-Pigmente. Viele dieser Stoffesind durch ihre chemische Konstitution schwer abbaubarund widersetzen sich einer Wiedereingliederungin den ökologischen Kreislauf.Grundsätzlich erfüllen Beschichtungen unterschiedlicheZwecke. Eines jedoch haben sie gemeinsam: AlsGrenzfläche von Materialien nehmen sie immer entscheidendenEinfluss auf die Eigenschaften von Objekten.Die Beschichtungen von bewitterten Flächenz.B. schützen die darunterliegenden Materialien vorZerstörung und haben wegen der Verlängerung derLebensdauer von Objekten einen ungemein hohenökologischen Stellenwert. So haben z. B. die Mehrfachschichtenvon Kalk-Casein-Anstrichen auf Marmordazu beigetragen, dass römische Bauwerke bisin unsere Tage überdauern konnten.Neben dem Bautenschutz vereinen Beschichtungenauch andere Funktionen. So dienen Kalkfarben inStällen z.B. immer noch dem Hygieneschutz der dortgehaltenen Tiere (wegen der hohen Alkalität antibakterielleund schimmelwidrige Wirkung).4


2 Oberflächenbeschichtungen:Aufgabe und AnforderungDas „Hauptanliegen“ der Beschichtungen von Oberflächensinda) die farbliche Gestaltung,b) der Schutz vor Verschmutzung,c) Erleichterung der regelmäßigen Reinigungund Pflege,d) der Materialschutz sowie Verlängerung derLebensdauer und Gebrauchstauglichkeit.Gleichzeitig genügen Beschichtungen meist weiterenAnforderungen, denen man sich oftmals gar nicht bewusstist.MaterialschutzVor allem im Außenbereich sowie bei wetterund/oderfeuchtebeanspruchten Oberflächen ist derSchutz von Baustoffen vor Korrosion, Feuchtigkeit,Abnutzung, Erosion, Emissionen, Verschmutzung,Sonnen- und Wettereinwirkung eine wesentlichebautechnische Aufgabe. Im Sinne der Langlebigkeitvon Bauteilen kann der zu treibende Aufwand nichthoch genug eingeschätzt werden.HygienewirksamkeitWo ein relativ hohes Ausmaß an hygienischen Anforderungenzu erfüllen ist, sollten die Beschichtungenselbst bereits entsprechende z. B. antibakterielleEigenschaften besitzen, zumindest aber sehr leichtzu pflegen und zu überarbeiten sein. Die Wahl des„richtigen“ Anstrichs berücksichtigt daher auch immerdie Abstimmung von Beschichtungsmaterial undPflege- bzw. Reinigungskonzept.Farbgebung von OberflächenEine nicht zu unterschätzende ästhetisch-gestalterischeAufgabe von Beschichtungen ist die farblicheund auch haptische Gestaltung von Oberflächen.Hier spielen zum Teil auch psychologische Aspekteeine Rolle.Beeinflussung der DampfdiffusionVor allem bei sehr sorptionsfähigen Baustoffen, d.h.sehr gut wasseraufnahmefähigen und wieder abgebendenMaterialien wie z. B. Holz oder Mineralputzen,spielt die Dampfdurchlässigkeit (früher „Offenporigkeit“genannt) eine wichtige Rolle. DampfdurchlässigeBeschichtungen wie Öle und Wachseauf Holz, aber auch Naturharz- oder Kalkfarben aufWandputzen, wirken ausgleichend auf das Raumklima.Bei hoher Witterungsbelastung hingegen kann es inAbstimmung mit dem baulichen Schutz sinnvoll sein,„dichtere“ und somit wasserabweisendere Beschichtungenaufzubringen. Sperrende Schichten imInnenbereich (z.B. aus Schellack) können auch gegenSchadstoffemissionen aus dem Untergrund aufgebrachtwerden.Weitere Aufgaben von BeschichtungsstoffenIm Innenbereich dominieren gestalterische und ästhetischeAspekte. Überdies hat die Beschichtungmeist die Aufgabe, Oberflächen vor Verschmutzungzu schützen und die Pflege zu erleichtern. Man kannOberflächen daher weiß oder farbig behandeln, siemit stärkerem oder matterem Glanz versehen, mitBeizen einfärben, um sie „anzufeuern“ oder – beiHolzuntergründen – um eine andere Holzart zu imitieren,mit Schellacken mattieren und polieren, unbehandeltlassen oder nur regelmäßig mit Laugenscheuern.Im Außenbereich hat eine Beschichtung in erster Linieoberflächentechnische und MaterialschützendeAufgaben. Die Beanspruchung entsteht hier insbesonderedurch Feuchtigkeitseinflüsse (Regen, Nebel,Tau, Kondenswasser), Temperaturwechsel an derOberfläche, Quell- und Schwindspannungen, Sonnenlicht,Winddruck und andere mechanische oderatmosphärische Belastungen.5


Fazit: Generelle Anforderungen anBeschichtungen■ gebrauchstauglich (d. h. je nach Einsatzortwischfest, waschbeständig oder scheuerfest)■ diffusionsoffen■ dauerhaft, beanspruchbar, alterungsbeständig■ im Außenbereich licht- und wetterbeständig■ im Innenbereich emissionsarm und frei vonelektrostatischer Aufladung■ pflegeleicht■ in Abhängigkeit der (Witterungs-)Beanspruchungleicht zu überarbeiten■ frei von gesundheitsbeeinträchtigendenAusdünstungen■ im Prinzip geruchsneutral; besser noch:positiv auf das Raumklima einwirkend■ umweltgerechte Entsorgung muss problemlosmöglich sein■ und – „last but not least“ – Inhaltsstoffe undderen Herkunft sollten voll deklariert sein.6


3 Zusammensetzung von BeschichtungenDie Bezeichnung von Anstrichen und Beschichtungenin der Praxis können sich an der Anwendung orientieren(z. B. Wandlasur-Pflanzenfarbe), aber auchan der Art der Zusammensetzung oder des Untergrundes(z.B. Holz-Lasur). Sie können benannt werden■ nach der Art des Bindemittels (z. B. Kalkcasein-Farbe)■ nach der Art der Anwendung oder des Untergrundes(z. B. Natur-Holzwachs)■ nach der Funktion, die die Beschichtung zuerfüllen hat (z. B. Wetterschutzfarbe)■ oder nach deren Kombinationen.Es gibt viele hunderttausende verschiedener Rezepturen.Sie beinhalten jeweils meist dutzende von Einzelstoffen.Trotz der enormen Vielzahl der Bestandteilelässt sich ein Beschichtungsstoff letztlich nachden vier Prinzipien Färben, Binden, Lösen und Wirkenbeschreiben. Naturfarben bestehen daher prinzipiellaus den gleichen Grundkomponenten wie generellalle Beschichtungsstoffe. Es sind enthaltena) Farbstoffe/Pigmente,b) Bindemittel,c) Lösemittel sowied) sogenannte Hilfsstoffe zum Emulgieren, Trockenund Konservieren.BindemittelNaturharze, PflanzenölePflanzen- und BienenwachseLösemittelWasser, Ätherische ÖleGärungsalkoholFarbstoffe/PigmentePflanzenfarbenErd- und MineralfarbenAdditive/HilfsstoffePflanzliche Emulgatoren/Caseinbleifreie Trockenstoffe, Ätherische ÖleBei Naturfarben werden diese aus natürlichen bzw.nachwachsenden Ressourcen gewonnen. Zum Einsatzkommen unter anderem …■ als Farbstoffe/Pigmente: Erd- und Mineralpigmente,Pflanzenfarb-Extrakte■ als Bindemittel: Naturharze, Pflanzenöle,Pflanzen- und Bienenwachse■ als Lösemittel: Wasser, ätherische Pflanzenöle,Gärungsalkohol■ als Hilfsstoffe: pflanzliche Emulgatoren, Ammoniumseifen,bleifreie Trockenstoffe, mineralischeKieselsäure, ätherische Öle – siehe Abb. 2.Es werden bei Naturfarben praktisch ausschließlichnachwachsende, pflanzliche Rohstoffe – teilweise sogaraus kontrolliert biologischem Anbau – für die organischenInhaltsstoffe verwendet. Pigmente, Füllstoffeetc. hingegen bestehen aus Erden und mineralischenRohstoffen.BindemittelBindemittel bleiben als Schicht (z. B. Öl und/oderHarz) auf der behandelten Oberfläche zurück, verbindendie Pigmente untereinander, sorgen für Haftungam Untergrund und erzeugen – bei farbigenProdukten zusammen mit den Pigmenten und Füllstoffen– den Oberflächenfilm. Als Bindemittel dienenin Naturfarben u. a. Bienenwachs, Carnaubawachs,Dammar, Holzöl-Standöl, Kiefernharz, Lärchenharz-Balsam,Leinöl, Milch-Casein (auch alsEmulgiermittel), Rizinen- und Safflor-Standöl, Sonnenblumenöl.Als Bindemittel werden in herkömmlichen Anstrichenu. a. Acrylharze, Alkydharze, PA (Polyacrylat)und PVA (Polyvinylacetat) eingesetzt. Die Filmbildungverläuft physikalisch durch Verdunsten derLösemittel oder chemisch, indem sich die Einzelbausteinevernetzen und das Endprodukt bilden.Reaktive Bausteine (Restmonomere) bleiben jedochimmer vorhanden und gehen mit der Zeit in dieRaumluft über.Abb. 2: Bestandteile von Naturfarben7


Zu den synthetischen Bindemitteln zählt man auchdie Filmbildner und die Weichmacher. Die Filmbildungshilfsmittelsorgen dafür, dass sich die im Lösemittelgelösten bzw. im Wasser dispergierten Bindemittelbestandteilenach Auftragen auf die Oberflächeauch „finden“. Die Weichmacher bestimmendie Elastizität und die Verlaufseigenschaften einesAnstrichs, auch sie emittieren Schadstoffe. Eingesetztwerden u. a. Phthalate, Chlorparaffine, Carbamidsäuren,ggf. auch Alkydharze. Sie werden den Produktenin Konzentrationen von 1 bis 10 % zugegeben.LösungsmittelLösemittel lösen die Bindemittel, verdünnen die gesamteMischung und bringen den Beschichtungsstoffso in eine verarbeitbare Konsistenz. Sie müssen nachdem Auftrag verdunsten und dabei den raschen Austrittbei der Trocknung entstehender Abspaltproduktegewährleisten. Hieraus ergibt sich zumindest für diePhase der Verarbeitung eine besonders hohe Belastungder Raumluft. Lösungsmittel haben üblicherweiseSiedepunkte bis zu 200°C; ihre Verdunstungerfolgt vergleichsweise rasch. Sogenannte „hochsiedende“Lösungsmittel verdunsten langsamer; ihreAbgabe an die Raumluft kann sich u. U. über Monatehinziehen.Die Lösungsmittelgehalte verschiedener Beschichtungsstoffedifferieren stark.■ Dispersionsfarben 0 – 10 %■ Lacke mit Umweltzeichen bis zu 10 %■ Alkydharzlacke 10 – 50 %■ Nitrolacke ca. 70 %■ Naturharzlacke < 30 %Die Nitrolacke sind bezüglich des Lösungsmittelgehaltesdie absoluten Spitzenreiter und sollten daher– auch im Profibereich – möglichst nicht verwendetwerden.Im Folgenden werden die sogenannten organischenLösungsmittel in Gruppen eingeteilt.GruppeneinteilungAlkoholeGlykoleEther undGlykoletherKetoneEsterDie Frage der „chemischen Reinheit“ ist bei Lösungsmittelnvon besonderer Bedeutung: praktischgibt es keine Reinsubstanzen; es liegen immer mehroder weniger unvermeidbare oder zum Teil „gewollte“Begleitstoffe vor. Beispiel Benzin (Ottokraft-HalogenkohlenwasserstoffeKohlenwasserstoffeBeispieleMethanolEthanolPropanoleButanoleEthylenglykolDiethylenglykolDiethyletherDibutyletherTetrahydrofuranPolyethylenglykoletherAcetonButanonCyclohexanonEssigsäureesterEssigsäurebutylesterDichlormethan (Methylenchlorid)ChloroformTrichlorethenTetrachlorethenBenzineIsoparaffineBenzolToluolXyloleCyclohexanIn vielen Fällen werden in Lasuren, Lacken und Farben– auch aus Wirtschaftlichkeitsgründen – nicht diereinen Lösungsmittel verwendet, sondern Gemische,die die Lösungseigenschaften vereinigen, oder mangreift zu Lösungsvermittlern. Dies sind Stoffe, diedurch ihre Gegenwart andere, in einem bestimmtenLösungsmittel praktisch unlösliche Verbindungen indiesem löslich oder emulgierbar machen: Glykolether.8


Pflanzen-Chemie:geschlossener KreisNaturproduktAnwendungHalbfabrikatMikroorganismenPflanzen-RohstoffSauerstoffBiolog. AbbauSonnenenergiePhotosyntheseKohlendioxid,WasserMineralstoffePflanzenblattLebende Pflanzestoff): enthält Benzol (1 – 5 Vol. %), Methanol (max.3 Vol.%) sowie Toluol und Xylole. Dies hat große Bedeutung,weil einige Lösungsmittelbestandteile bzw.unvermeidbare Begleitstoffe meist toxikologisch kritischersind als die eigentlichen Lösungsmittel. Siekönnten darüber hinaus krebserregende und fruchtschädigendeWirkung haben, andere könnten die Leberoder das blutbildende System schädigen.Alle Lösungsmittel besitzen ein gesundheitlichesGefährdungspotential, denn sie können das Nervensystemschädigen. Zumindest können sie betäubendeoder benebelnde Auswirkungen auf den Verarbeiterhaben. Betroffen davon sind insbesondereMaler, Lackierer und andere Angestellte des Baugewerbes,die über Jahre hinweg relativ hohen Lösungsmittel-Emissionenausgesetzt sind.Aufgrund der komplexen Zusammensetzung vonFarben und Lacken, der vielen verschiedenen eingesetztenLösungsmittel(-gemische) und aufgrund derschlecht rekonstruierbaren Expositionen der betroffenPersonen ist allerdings nur für wenige Lösungsmittelsicher nachgewiesen, dass sie auch nachhaltigeSchäden am Nervensystem des Menschen hervorrufenkönnen. Ein zum Teil deutlicher Eigengeruchvon Farben und Lacken, der meist von denverdunstenden Lösungsmitteln ausgeht, übt dahereine natürliche Warnfunktion aus.Die Warnfunktion des oftmals erkennbaren Eigengeruchsist das einzig „Positive“ an Lösungsmitteln.Sie sorgt dafür, dass bei der Verarbeitung zur Verdünnungder Raumluftkonzentration ausgiebig gelüftetwird (und auch gelüftet werden muss). Leidersind die beliebten Isoaliphate (Isoparaffine) fast geruchsfrei,ihnen fehlt daher die Warnfunktion vor hohenLösungsmittelkonzentrationen. Zu besondererVorsicht ist auch bei den Halogenkohlenwasserstoffen(wozu die Chlorkohlenwasserstoffe gehören) zu9


aten. Methylenchlorid und Chloroform z. B. geltenals Stoffe mit begründetem Verdacht auf krebserzeugendesPotential. Trichlorethen steht im Verdacht,bei längerer Einwirkung carcinogen zu sein.Natürliche LösungsmittelIn Naturfarben wird heute hauptsächlich Wasser verwendet.Daneben gibt es aber auch noch natürlicheätherische Öle, die aus Pflanzen gewonnen werden.Ihre Herstellung erfolgt nicht mittels chemischer Synthese,geht also ohne Sondermüll und prozessbedingteRisiken und unerwünschte Begleitstoffe ab.Das bedeutet, dass neben der Gewinnung auch derenBeseitigung letztlich ohne ökologische Risikenund ohne Netto-CO 2-Eintrag in die Umwelt erfolgt– denn dort kamen sie ja her. Nach ihrer Verwendungals Verdünner und Löser von Naturfarben werdendie ätherischen Öle dem natürlichen Kreislauf wiederzugeführt, dem sie nur „entliehen“ waren.Die richtige Rohstoffauswahl sorgt dafür, dass das –für Allergiker – sensibilisierende Potential, das auchNaturstoffe grundsätzlich immer besitzen können,und der verantwortliche delta-3-Caren-Gehalt (z. B.im Kiefern-Balsamterpentinöl) klein bleiben. Im Laufeder Evolution hat es zahlreiche feine wechselseitigeAnpassungsprozesse zwischen diesen ätherischenÖlen – die teilweise auch in Arzneimitteln ihre heilsameWirkung entfalten – und Organismen gegeben.Auf diese Weise lassen sich unkalkulierbare Langzeitrisikenvermeiden. Als natürliche Lösungsmittelwerden eingesetzt: Wasser, Orangenöl, pflanzlicherGärungsalkohol, hochreines und – relativ selten –rektifiziertes Kiefern-Balsamterpentinöl. Die Volldeklarationaller Inhaltsstoffe, die Naturfarbenherstelleranbieten, gibt Hilfe bei weiteren Fragen.Die natürlichen Lösungsmittel sind also in jedem Fallden synthetischen vorzuziehen. Aber selbst diese Fragestellt sich nicht mehr allzu häufig, denn es gibtzahlreiche Entwicklungen der Rezepturen auf Wasserbasis.Natürliche Aminseifen, Lecithine sowiepflanzliche Raps- und Rizinusöl-Tenside, zum Teil inKombination mit natürlichem Borax, ermöglichen eineoptimierte „Einarbeitung“ von pflanzlichen Bindemittelnin Wasser zur Herstellung eines lösungsmittelfreienNaturharzöl-Gemisches.Durch neue gesetzliche Auflagen wie VOC-Verordnungoder „Decopaint“-Richtlinie (siehe Tabelle imAnhang) können die alternativen Beschichtungen ohnebzw. mit geringem Gehalt an ätherischen Ölen zusätzlicheBerechtigungen und Chancen am Markt erhalten.Farbstoffe/PigmenteFarbstoffe/Pigmente (zusammenfassend auch „Farbmittel“genannt) geben der Beschichtung den Farbton.Dabei sind „Farbstoffe“ zumeist chemisch-organischeVerbindungen, die im Bindemittel oder Lösungsmittelgelöst und daher in feinster Verteilungim Beschichtungsfilm enthalten sind. „Pigmente“hingegen sind körnige Partikel, die nicht löslich imeigentlichen Sinne sind; sie werden einfach nur sehrfein verrührt. Neben dem eigentlichen, ästhetischgestalterischenAspekt sind Farbstoffe/Pigmenteauch für Deckkraft und UV-Schutz der Beschichtungzuständig.Beim Renovieren alter Anstriche wird man es nochlange mit den früher eingesetzten organischen Metallverbindungen(Schwermetallverbindungen wieBleichromate, Chrom-VI- oder Cadmium-Verbindungen)zu tun haben. Diese Verbindungen sind sehrgiftig und teilweise krebserzeugend. Gerade beimAbbrennen oder Abschleifen (Stäube) werden dieVerbindungen freigesetzt; die notwendigen Vorsichtsmaßnahmenkönnen nicht sorgfältig genug umgesetztwerden.Exkurs: TitanweißWichtigstes Weißpigment ist das Titanweiß oder –chemisch – Titandioxid. Dieses hochwertige Pigmentwird wegen seiner hohen Deckfähigkeit, der guten(Licht-)Brechkraft und seiner Chemikalienbeständigkeitäußerst umfangreich zur weißen Farbgebungfür Lacke und Farben sowie für Kunststoffe aller Art(z. B. Küchen, Bad, Möbel, Rollläden, Plastikgegenständenetc.) eingesetzt. Es wird aus dem Mineral„Rutil“ gewonnen, wobei die farbigen Begleitstoffemit Hilfe von Schwefelsäure abgetrennt werden. Dabeiverdünnt sich die Säure; früher wurde sie in großemMaße in Gewässern entsorgt (Dünnsäureverklappung).Heute wird die Dünnsäure recycelt und10


die zusätzlich entstehenden Grünsalze wieder aufbereitet.Bei der ökologischen Betrachtung generell ist dahernicht nur das Endprodukt Lack, Imprägnierung oderWandfarbe relevant, auch die Herstellung eines Anstrichstoffesführt zu Schadstoffemissionen, z. B. beiPigmenten: So können bei der Herstellung einer einzigenTonne eines organisch-synthetischen rotenFarbstoffes nicht weniger als neun Tonnen Abfallstoffe(Salze, Säuren, organische Abfälle) entstehen,die z.T. als hochgiftiger Sondermüll entsorgt werdenmüssen.Unproblematisch und ungiftig sind die natürlich vorkommendenErd- und Pflanzenfarben (Abb. 3). Natürlichemineralische Pigmente und Füllstoffe sindz.B. Erdfarben wie Umbra, Englischrot, Ocker, Terradi Siena oder Oxidbraun sowie Kreide, Talkum,Kieselsäure. Ultramarinblau, bei dem die natürlicheEntstehung wegen der sonst schlechten Verfügbarkeit„künstlich nachgemacht“ wird, oder im Recyclingverfahrenaufbereitetes Titanerzmineral (siehe„Exkurs Titanweiß“) werden ebenfalls eingesetzt. Dienatürlichen, echten Erdfarben sind, da sie eine Evolutionlang den Einflüssen an der Erdoberfläche ausgesetztwaren, besonders lichtecht und abwitterungsresistentund damit langlebig.Pflanzenfarben wie Reseda, Krapp oder Indigo hingegensind nicht mineralischen Ursprungs, sondernwachsen immer wieder nach und können, auf Tonerdeals Träger gezogen, auch in pigmentierten Beschichtungenwie Wandlasur-Pflanzenfarben brillieren.Ihre Farbwirkung ist infolge des lasierenden Effektesbesonders effektiv und schön.Abb. 3: Die Produktbiographie einer ErdfarbeLacke Lasuren Malfarben PutzeErdfarbeBrennen, MahlenWasserSchlämmenSand, SteineFarb-ErdeGangartGraben, SortierenEisenoxidhaltiges Sediment11


HilfsstoffeAdditive und Wirkstoffe verfeinern die Tauglichkeitder Produkte und beeinflussen spezielle Anstricheigenschaften(wie Verlauf, Trocknung oder Glanzgrad)bis hin zur konservierenden und gegebenenfallsholzschützenden Wirkung. In einer konventionellenBeschichtung findet sich noch eine Fülle vonchemischen Hilfsstoffen: z. B. Trocknungsbeschleuniger(Sikkative), Antihautmittel, Emulgatoren, Antischaummittel,UV-Absorber, Verlaufsmittel, Benetzungshilfen,Antiabsetz- und Antiausschwimmmittelsowie Verdickungsmittel. Pilz- und bakterien -tötende Mittel (Fungizide und Bakterizide) werdenals Topfkonservierer eingesetzt, damit Farben undLacke – vor allem bei Wasserverdünnbarkeit – nichtschon im Topf von Mikroorganismen befallen werden.Sie können aber auch gegen Schimmelbefallder fertigen Oberflächenbeschichtung verwendetwerden; wobei ihr Einsatz im Innenbereich bzw. beiVerhältnissen, die bauphysikalisch in Ordnung sind,völlig unnötig ist.Mögliche gesundheitliche Auswirkungen sind aufgrundder Vielfältigkeit und gegenseitigen Wechselwirkungender eingesetzten Verbindung nicht abzuschätzen.Auch in Naturfarben benötigt man verschiedeneRezepturbestandteile, die die Eigenschaftenoptimieren. Entsprechend dem ökologischenRohstoffprinzip werden u.a. eingesetzt: Aminseifen,mineralisches Borax, Eucalyptusöl, Gips, Kalzium-Kobalt-Zirkonium-Trockner (Vitamin-B12-Analogie),Lavendelöl, pflanzliches Lecithin, Milch-Casein,Quellton, Rosmarinöl, Weizenmehl und Zirbelkieferöl.12


4 Warum Naturfarben?Das Energieerhaltungsgesetz zwingt uns in zunehmendemMaße, die Endlichkeit der energetischenund auch der stofflichen Ressourcen auf unseremGlobus zu berücksichtigen. Auch sind die „stofflichenSenken“ auf dem Globus (Deponien, Umweltmedien,Atmosphäre), in denen letztlich jedes Erzeugnisendet, erschöpft.Eine wesentliche Konsequenz dieser Naturgesetzevon Energie- und Massenerhalt ist, auf den Einsatzpetrochemischer, nichtregenerativer Rohstoffe zu verzichtenund die erneuerbaren Rohstoffe, die natürlichenKreislaufprozessen entstammen, zu nutzen.Während der rasanten technischen und chemischenEntwicklung des letzten Jahrhunderts – ausgehendvor allem von der Farbenindustrie – ist schlicht vergessenworden, dass Pflanzen schon seit Jahrmillionenin der Lage sind, hochkomplexe Moleküle aufzubauen,und zwar in ungeheurer Vielzahl undVariationsmöglichkeit. Produziert werden diesepflanzlichen Komplex-Stoffe ausschließlich mit demvergleichsweise milden Licht der Sonne als Energiequelleund den Pflanzenzellen als Reaktor. Diese Substanzenhaben entscheidende Vorteile.Aus dem biologischen und ökologischen Bauen sindNaturfarben daher nicht mehr wegzudenken. Einerseitswerden sie aus natürlichen (mineralischen oderpflanzlichen) Rohstoffen erzeugt, und können sichAbb. 4: Material- und Energiefluss bei einem Naturharz(Dammar)DiagrammEnergie-NiveaugegenZeit-Ablauf+ h•vC0 2H 20Syntheseca.20.000kJ/kgHarz-Inhaltsstoffe(Damaroresen,äther. Öle etc.)LösenStoffwechsel-EnergieC0 2H 20Film-BildungTeil-Abbau durch UVAbbauMineralisationAnbau Stoffbildung Ernte Transport Produktion Verarbeitung Verwitterung AbbauSonnenenergiePhotosyntheseDammar-BaumH 20(Verdunstung)KohlendioxidWasserEntnahmeÄther. ÖleSauerstoffH 20Transport (Esel)SammelnGlobales Kohlendioxid-ReservoirGlobales Wasserdampf-ReservoirSortierenVerpacken (Jute)Transport (Schiff)Produktion: AUROEintragmech. EnergieUV-LichtWasserC0 2H 20Dammar-Naturharzöl-LasurH 20(Regen)HarzflußHarzC 20H 30O 2VerarbeitungAbwitterungMineralienBodenorganismen(Mikrokreislauf)Transportenergie(v.a. Schiff)ca. 500 kJ/kgDammarMechan. Energie(Rühren, Dispergieren)ca. 100 kJ/kgDammar (Primär)Abbau(Bodenorganismen)C 20H 30O 2(+O 2)-> CO 2+ H 2O13


Energie-Niveau/ZeitdiagrammC0 2H 20SynthesePflanzen-Inhaltsstoffe(Farben, Harze, Wachse,Öle, Gerüststoffe etc.)Teilabbau durchKompostierungC0 2H 20MineralisationZeitProzesseEnergieca. kj/kg FarbeAnbau-50+20.000Ernte-100-100-50-1.000Fitration-50-50StoffbildungTransportVorbehandlungAuskochenPigmentierungVerarbeitung-100AbbauStoffflussGlobaler KohlendioxidbestandGlobaler WasserbestandKohlendioxid Wasserdampf Wasser Alaun Soda Naturharze KohlendioxidSauerstoffÄtherische ÖleWasserdampfHumusPflanzeMineralienWasserWasserPflanzenteileErdgasKohlendioxidLufttrocknenSchneidenLagernKohlendioxidWasserdampfWärmeAckerboden Kompost FilterrückstandFarbstoff-LösungPigment-PasteSonnenenergiePhotosyntheseFertig-ProduktWasserAbbau durchLicht, Sauerstoff,MikroorganismenVerwendungals Holzbeize,Wandfarbe etc.TonerdeAbb. 5: Entstehung und Abbau einer Pflanzenfarbe; weitgehend geschlossene Stoffkreisläufe, weitgehende Nutzung vonSonnenenergie.andererseits mühelos wieder in den natürlichenKreislauf einfügen. Die pflanzlichen Rohstoffe unterihnen wie die Öle, Harze oder die ätherischen Ölewerden vollständig abgebaut, um schließlich als CO 2und H 2O wieder in das globale CO 2- und H 2O Reservoirzu gelangen, wo sie vorher auch waren: Imglobalen CO 2- und H 2O -Reservoir. Vereinfacht dargestelltentstammen diese Rohstoffe dem natürlichenCO 2- und H 2O-Kreislauf, dem sie für die Zeit derNutzung als Anstrichstoff entliehen worden sind(Abb. 5, 6).Die CO 2-Bilanz bleibt perfekt ausgeglichen; es gibtkeinen Netto-Eintrag in die Umwelt. Die modernePflanzenchemie heutiger Prägung versteht es, ausder Vielzahl natürlicher Rohstoffe pflanzliche undauch rein mineralische Rohstoffe so auszuwählen,dass eventuell schädliche Bestandteile (denn auch dieNatur kann mit Gift aufwarten) von der Verwendungausgeschlossen bleiben. Zum Beispiel sind ätherischePflanzenöle seit Urzeiten Bestandteil der Umwelt –und zwar in riesigen Mengen. Die Natur hatte einekomplette Evolution lang Zeit für die wechselseitigeAnpassung von ätherischen Ölen und Lebewesen.Heute trifft man sie vor allem in Nadelwäldern, woman sie sogar riechen kann (pro Jahr sind, vorsichtiggeschätzt, ca. 109 Tonnen davon im Umlauf). Sie sind100 %ig nachwachsende Substanzenund werdendurch Planzen aus der gleichen Menge an Kohlenstoffgebildet, die sie bei Verdunstung und stofflichemAbbau wieder freisetzen, also eine perfekt ausgeglicheneStoff- und Mengenbilanz.Ätherische Öle sorgen bei zivilisationsbedingt erhöhtenBodenozon-Werten im Hochsommer für eine14


Reduzierung der Ozonkonzentration, können aberwegen des raschen stofflichen Abbaus und der raschenWiedereingliederung in den globalen Kohlenstoff-Kreislaufnicht zum Ozonloch beitragen, da siegar nicht erst in die Nähe der oberen Atmosphärenschichtengelangen. Es hat über Jahrmillionen einGleichgewicht zwischen Nadelwäldern und der Atmosphäregegeben.Die wesentlichen Kernpunkte eines Naturfarben-Konzepts:■ Vollkommene Erneuerbarkeit der Rohstoffe (d. h.Berechenbarkeit in materieller und ökologischerHinsicht).■ Keine petrochemische Rohstoffbasis.■ Nachhaltigkeit der Produktion; es wird nur sovielverbraucht, wie auch wieder nachwächst■ Keine chemische Synthese mit Prozessrisiken undStörfällen.■ Kein Netto-Eintrag in die Umwelt; da die stofflicheBasis in gleicher Quantität dem globalen CO 2-und H 2O -Reservoir entnommen worden ist. Rohstoffesind in den natürlichen Kreislauf integrierbar.Es sagt erst die lückenlose, positive Volldeklarationaller Inhaltsstoffe (ggf. zusammen mit dem vollständigenLebenslauf) etwas über die Einhaltung des Naturstoffkonzeptesund den gesellschaftlichen Nettonutzeneines Produktes aus.AdditivePigmenteFarbenLackeAnstrichstoffeLösemittelBindemittelBindemittelLösemittelPigmenteAdditiveKonventionelleFarbprodukte(lösemittelreich)KonventionelleFarbprodukte(Wasserlacke)Naturfarben(mit ölbasiertenInhaltsstoffen)Naturfarben(Ölbasis)(wasserverdünnbar)Naturfarben(wasserverdünnbar)TypischeInhaltsstoffe:KunstharzeBenzineIsoaliphatensynthetischeAzo-PigmenteTypischeInhaltsstoffe:KunstharzeWasserGlykolesynth. Azo-PigmenteEntschäumerBiozideTypischeInhaltsstoffe:NaturharzePflanzenöleIsoaliphatensynthetischeAzo-PigmenteBiozideTypischeInhaltsstoffe:NaturharzePflanzenöleÄtherische ÖleErd- undMineralpigmenteTypischeInhaltsstoffe:NaturharzePflanzenöleNatürlicher EmulgatorWasserErdfarben-PigmenteAbb. 6: Vergleich aktueller Rohstoffkonzepte verschiedener Anstrichstoffe.15


5 Gewinnung, Verarbeitung und Eigenschaftender natürlichen RohstoffeGewinnungDie Gewinnung pflanzlicher, natürlicher Rohstoffeerfolgt aus geschlossenen ökologischen Kreisläufen.Harze werden von Bäumen gewonnen – ohne Raubbauoder den Baum unzuträglich zu schädigen – undentstammen sozusagen der Forstwirtschaft: z.B. Lärchenharzaus Österreich, Kiefernharz aus Frankreich,Dammar aus Indonesien. Pflanzenöle werden landwirtschaftlichangebaut; Leinöl wird in zahlreichenlandwirtschaftlichen Betrieben z.B. in Niedersachsenangebaut. Schon heute stammt der größere Anteil auskontrolliert biologischem Anbau in kbA-Qualität.Färberpflanzen wie Reseda und Krapp – und neuerdingsin Thüringen sogar wieder der Färbewaid fürIndigo-blaue Färbungen – werden ebenfalls landwirtschaftlichangebaut und stehen in ausreichenderMenge zur Verfügung. Gleiches gilt für Hilfsstoffepflanzlicher Herkunft wie Rosmarin-/Lavendelöloder pflanzlichen Gärungsalkohol.Die mineralischen Rohstoffe wie z.B. Kreide werdenLagerstätten entnommen, die eine enorm großeReichweite haben. Auch die Farbpigmente und farbigenErden wie Umbra, Englischrot, Ocker oderBöhmische Grüne Erde entstammen der Erdoberflächeebenso wie z.B. Boraxsalz den großen Salzlagerstätten.Sie sind zwar prinzipiell kein nachwachsenderRohstoff aber Erden- und Salzlagerstätten besitzeneine riesige Kapazität. Bei weiteren mineralischenRohstoffen mit unzureichender Verfügbarkeit (z. B.BienenwachsNaturharz DammarFarbpigmente aus der ErdoberflächeUltramarinblau) werden die natürlichen Entstehungsprozesseproduktionstechnisch nachempfunden.Viele der eingesetzten Rohstoffe in Naturfarben sinddem Menschen in pädagogisch-sinnlicher Hinsichtsogar ausgesprochen förderlich. Pflanzliche Rohstoffewie Kiefernharz, Lärchenharz, Leinöl, Holzöl, reineKautschukmilch, Carnaubawachs, Dammar oder echtesMastix begleiten den Menschen seit Jahrtausenden.Natürliche Farbstoffe wie das Indigo, das Alizarinaus der Krappwurzel, das Resedagelb oder diefarbigen Erden wie Persisch Rot, Terra di Siena, UmbraBraun sind nicht nur hoch lichtecht, sie weisendarüber hinaus, jede für sich, eine ungeheure Farb-Vielfalt auf mit unterschwellig harmonisch „mitschwingenden“Farbtönen.16


VerarbeitungDie Verarbeitung von Naturfarben erfolgt grundsätzlichebenso wie bei den bekannten konventionellenProdukten. Die Arbeitstechniken für das Ölen,Wachsen, Lasieren und Lackieren mit Naturproduktensind daher nicht neu. Das klassische Streichen mitdem Pinsel ist auch heute noch ebenso verbreitet wiedas Auftragen und Polieren von Wachsen mit Ballentuchoder Bürste. Natürliche Beschichtungsmaterialienkönnen auch industriell verarbeitet werden;verschiedene Spritz-, Tauch- und Flutverfahren sindgebräuchliche Methoden für Profis.Grundsätzlich gilt: Werkzeuge, Geräte, Maschinenund Anlagen bzw. deren Teile, die mit den Produktenbzw. Verdünnungs- und Reinigungsmitteln inKontakt geraten, müssen gegenüber diesen Mittelnverträglich sein. Voraussetzung für die Verarbeitungwasserverdünnbarer Naturprodukte sind korrosionsfesteWerkzeuge bzw. Anlagenteile.Eindringtiefe von Naturharzöl-Imprägniergrund in Buche-HirnholzEindringverhalten und Verankerungim UntergrundNatürliche Harze und Öle sind in der Regel kleinmolekularerals synthetisch hergestellte Polymere(sog. Riesenmoleküle). Während die polymeren Kunstharze,ob wasserverdünnbar oder lösemittelhaltig, inder Regel auf der Oberfläche aufliegen, weil sie nichtin das Kapillarsystem z.B. des Holzes hineinpassen,können natürliche Harze und Öle wegen ihrer kleinenMoleküle tief eindringen. Der hier abgebildeteVersuch zeigt deutlich die über Hirnholz erreichbarenEindringtiefen bei Buche (diese Holzart ist hierwegen des besseren Kontrasts gewählt worden).Nach rund 10 Minuten werden durchschnittliche Eindringtiefenvon 10 mm und Spitzenwerte von 40 mmerreicht.Erst nach dem Eindringen setzt mit der – relativ langsamen– Trocknung das ein, was bei den Kunstharzenbereits in der chemischen Retorte geschieht: dieVernetzung der kleinen Teilchen zu größeren und festerenGebilden. Es ergibt sich insgesamt eine tiefereImprägnierung des Untergrundes (Holz, mineralischeSubstanzen etc.) mit Bindemitteln, welche wiederumverschiedene Vorteile besitzt, wie z.B. Verankerungim Untergrund, kein Abplatzen und guteWasserabweisung.Die relativ kleine Molekülstruktur und das ausgezeichneteEindringvermögen sorgen dafür, dass derfertige Anstrich auf eine Weise mit dem Untergrundverzahnt und verbunden ist, wie es bei einem reinenKunstharz nicht denkbar wäre. Das Ergebnis dieserVerankerung ist eine ausgezeichnete Witterungsfestigkeitund Untergrundhaftung – selbst noch bei gealtertenAnstrichen.TrocknungDie verwendeten pflanzlichen Öle und Harze trocknen– über die Abgabe von Wasser bzw. von ätherischenÖlen hinaus – durch Aufnahme von Sauerstoffaus der Luft. Meist dauert es einen Tag, bis der Öl-Harz-Film bis zum Untergrund mit Sauerstoff angereichertist und sich so vernetzt hat.17


Dies wird oft als Nachteil gegenüber konventionellenProdukten ausgelegt, die in relativ kurzer Zeitdurchgehärtet sind; hier kann dann schon relativ frühweiterbearbeitet oder genutzt werden. Die Trocknung(bzw. die Oxidation) hört aber auch bei konventionellenBeschichtungen nicht auf; sie geht, wenn auchstark verlangsamt, weiter. Schließlich ist der Anstrichso spröde, dass er bereits bei relativ geringer mechanischerBeanspruchung abplatzt. Als Faustregel gilt:Je rascher ein Anstrichstoff nach der Applikationtrocknet, desto intensiver tritt die spätere Versprödungein. Langsam trocknende Anstriche hingegenhaben später keine bzw. nur eine sehr geringe Neigungzum Verspröden und Abplatzen. Eine langsamereTrocknung führt daher ganz generell zu einerverbesserten Oberflächenqualität.KratzfestigkeitKonventionelle Produkte können durch entsprechendeRezepturen und spezielle synthetische Bindemitteleine ganz besondere Strapazierfähigkeit erreichen(z.B. für mechanisch stark beanspruchte Bereiche).Dabei wird oft suggeriert, dass solche Beschichtungennicht verkratzen. Dies ist jedoch unzutreffend.Kratzfeste Lacke im eigentlichen Sinnegibt es nicht. Auch sehr harte Versiegelungslacke beispielsweisefür Fußböden und Treppen bekommenKratzer (bereits ein kleines Steinchen unter demSchuh kann eine makellose Oberfläche ruinieren), daherkönnen auch sie bei intensiver Benutzung in sehrkurzer Zeit gebraucht und unansehnlich aussehen.Naturharzöl-Lacke und -Lasuren erreichen diese hohemechanische Härte und Festigkeit in der Tat nicht,folglich kann mit ihnen beispielsweise ein Fußbodensiegeloder eine harte Sitzmöbellackierung auchnicht gleichwertig ersetzt werden. Wo es im Hauswegen hoher mechanischer Belastung also auf einebesondere Strapazierfähigkeit ankommt (z. B. beiFußböden, Treppen oder auch bei stärker belastetenRegalböden, Tischen etc.), bieten geölte und gewachsteFlächen einen Ausweg aus diesem Dilemma.Sie können bei Kratzern, Benutzungsspuren oderVerletzungen lokal begrenzt und ohne Ansatz zurUmgebung wieder ausgebessert werden. Damit sindsie sogar „kratzfesten“ konventionellen Lacken überlegen.18


6 Übersicht verschiedener BeschichtungsstoffeNach Art der AnwendungJe nach Verwendungszweck und Art der Oberflächenbeschichtungwerden verschiedenste Produktgruppenunterschieden:■ sogenannte „offenporige“ (Holz-)Oberflächen ohnenennenswerte bzw. ganz ohne Filmbildung:„Einlassen“ und Ölen von z. B. Holz, Cotto oderKlinker; teilweise mit nachfolgender hauchdünnerWachsbehandlung; innen – bzw. witterungs-(teil-)geschützt auch außen (z. B. Gartenmöbel)■ filmbildendes Lasieren von Holz: relativ dünneBindemittelschichten; als Dünnschicht- oder Dickschichtlasureninnen- und außen■ lackierte Oberflächen (Holz, Metall o. ä.): dicke,versiegelnde, bei Pigmentierung auch farbig deckendeBeschichtungen innen- und außen■ Wandfarben, für Putz oder Tapeten, als PulveroderDispersionsprodukt; auf Kalk- oder Harzöl-Bindemittelbasis; innen und außen■ Spezialprodukte wie Faserputze oder Lasurfarbenzum MalenDie Lebensdauer von Anstrichen ist in der Regel erheblichkürzer als die der Bauteile oder Gegenstände,die beschichtet, geschützt oder gestaltet werdensollen. Daher werden sie in regelmäßigen Abständenzu überarbeiten oder zu erneuern sein. Weil das je nachArt der Beschichtung mehr oder weniger häufig bzw.aufwendig erfolgen muss, spielt es eine wesentlicheRolle bei der Beurteilung der Gesamtökologie einesGebäudes. Es kommt also nicht nur auf die ökologischeBewertung des Erstanstrichs an, sondern auchauf seine Lebensdauer, auf die Renovierungszyklen,auf seine Sanierungsfähigkeit und Erneuerbarkeit.Dieser Aspekt kann beispielsweise dazu führen, einepigmentierte, aber relativ dünnschichtige Außenlasurdem dickschichtigeren und besser wasserabweisendenDecklack vorzuziehen, weil die Dünnschichtlasurproblemlos überarbeitbar ist. Auch istinnen die weniger strapazierfähige Wachsoberflächewegen der einfachen – und lokal begrenzten – Renovierbarkeitgegenüber dem aufwendigen Fußbodensiegelim Vorteil. Auch sollte die vom Materialeinsatzher gesehen ökologisch beste Lösung desKomplettverzichts auf eine Oberflächenbeschichtungzumindest erwogen und geprüft werden.Nach Art der RohstoffbasisDurch die Volldeklaration aller Inhaltsstoffe sind Naturfarbenvon konventionellen Beschichtungsstoffenunterscheidbar.■ Konventionelle Produkte bestehen in ihren Grundbausteinenüberwiegend aus synthetischen Rohstoffen– unabhängig davon, ob als Lösungs- undVerdünnungsmittel Wasser verwendet werdenkann oder nicht. Je nach Bindemittelart unterscheidensich Acryl- und Alkyd-Produkte, Reaktionslacke,Nitro- oder Polyurethanlacke sowieKunstharzdispersionen. Aus Gründen dera) nicht erneuerbaren Rohstoffbasis,b) z. T. gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffe, undc) Emissionen in der Verarbeitungs- und Nutzungsphasesollte darauf verzichtet werden.■ bei „Öko“-Produkten wurde das Lösungsmittelgrößtenteils durch Wasser ersetzt. Dieanderen Grundbestandteile bleiben im Prinzip unangetastet.Sie enthalten nur noch max. 10 % Lösungsmittel.Dazu kommen jedoch, weil sich dieKunstharze nicht so ohne weiteres in Wasser verteilenlassen, eine Vielzahl von Hilfsstoffen undLösevermittlern wie Glykole und Glykoläther (mitrelativ hohen Siedepunkten), deren Ausdünstungsphasesich über einen längeren Zeitraum hinzieht.Außerdem braucht man Topfkonservierer,synthetische Entschäumer, Filmbildungshilfsmittel,die in konventionellen Produkten vorher nichtnotwendig waren. Die ökologischen Problemewerden dadurch in den Bereich der Acrylatproduktionund der synthetischen Additive verlagert.■ Bei Naturfarben bestehen die Grundbestandteileaus natürlichen-mineralischen bzw. nachwachsenden-pflanzlichenRohstoffen. Bei den mineralischenRohstoffen werden – selbst bei technischhergestellten Mineralstoffen – ganz gezielt solcheSubstanzen ausgewählt, deren Kapazität die desErdöls weit hinter sich lässt und die auch noch in19


einer Zeit verfügbar sind, in der man gelernt habenwird, sie durch Stoffe pflanzlichen Ursprungszu ersetzen. Rohstoffe mit petrochemischer Herkunftwerden vermieden.Sollte bei der Auswahl der richtigen Farbe die Volldeklarationaller Inhaltsstoffe fehlen, kann es sich unterUmständen um keine Naturfarbe handeln.Manche Personen reagieren auf ätherische Öle sensibel(allergische Reaktionen). Im Gegensatz zu synthetischenLösungsmitteln wie z.B. Isoaliphaten habendiese einen – oft als angenehm empfundenen –Eigengeruch, der empfindlichen Personen als Warnsignaldienen kann. Durch die Volldeklaration allerInhaltsstoffe können sensible Menschen die Rezepturbestandteileidentifizieren und gegebenenfallsätherische Öle vermeiden, indem sie wasserverdünnbareProdukte auswählen.In der Verarbeitung, Deckkraft, Haltbarkeit – also inihrer ganzen Leistungsfähigkeit – von Naturfarbenbesteht mittlerweile kein Unterschied mehr zu konventionellenProdukten. Teilweise muss noch mit längerenTrocknungszeiten gerechnet werden. Dies kannsich u. a. negativ beim Behandeln von Fenstern undTüren mit dickeren Schichten (wie Lacken) auswirken,dem man jedoch durch ein sparsameres und gegebenenfallshäufigeres Auftragen entgegenwirkenkann. Naturharzlacke bleiben wegen ihrer pflanzlichenÖle und Harze länger weich und elastischer,sind somit weniger anfällig gegen Verspröden undplatzen weniger schnell ab. Längere Trocknungszeitenführen aber zu besserem Verlauf, zur besserenOberfläche und zu längerer Haltbarkeit.Auswahl an konsequent natürlichen RohstoffenNaturfarbenModerne Naturfarben sind heute in Wasser gelöst,und zwar neben den schon immer wasserverdünnbarenNaturharzöl-Dispersions-Farben vor allem dieHolzlasuren, Klar- und Decklacke sowie Bienenwachsprodukte.Dies ist selbst unter Wahrung derökologischen Rohstoffkonzeption ohne synthetischeHilfsmittel möglich. Manche Produkte aus dem Programmökologischer Naturfarben enthalten jedochauch mehr als 10 % ätherische Öle (die als Lösungsmittelfungieren). Formal könnten sie daher nicht dieKriterien für die Vergabe des Umweltzeichens „BlauerEngel“ erfüllen. Ihr Verbrauch liegt jedoch oft niedrigerals beim „Blauen Engel“ – z. B. bei Holz-Lasuren,was letztlich dazu führt, dass die Menge an verarbeitetemLösemittel pro m 2 annähernd gleich hocheinzustufen ist.Nicht jeder RAL-Farbton ist aus natürlichen Bestandteilenermischbar und eine exakte Reproduktioneines definierten Tones ist zum Teil problematisch.Die Farbtöne der Naturfarben werden jedoch insgesamtals harmonisch und angenehm empfunden.Sorgfältige Rohstoffauswahl, hochmoderne Labormethodenund Produktionstechniken von Naturfarbenherstellersorgen für ein breites Sortiment von Beschichtungsstoffen,das die Verbraucherwünscheauch in anstrichtechnischer Hinsicht komplett abdeckt.Es gibt sowohl wasch- und scheuerfeste weißeWandfarben als auch pulverförmige Kasein- undLeimfarben. Holzlasuren sind in vielen Farbtönen fürinnen und außen verfügbar und gewährleisten einenUV-Schutz und Wetterfestigkeit. Möbel-, Fenster- undBautenlacke farblos, farbig, seidenmatt, seidenglänzendund glänzend bilden ebenso einen weiterenSchwerpunkt des Programms wie zahlreiche „offenporige“Bienenwachsprodukte für Holz innen undSpezial-Hartöle und -Hartwachse für den stark stra-20


pazierten Fußbodenbereich. Fußbodenkleber, Wandlasur-Pflanzenfarben,dekorative Naturfaser-Innenputze,Tapetenkleister, Heizkörperlacke und sogarFassadenfarben für den Außenbereich runden dasNaturfarbenprogramm ab.VolldeklarationFür eine konsequente ökologische Oberflächenbehandlungsollte man unbedingt auf die Volldeklarationaller Inhaltsstoffe der Naturfarben-Produkte achten.Nur bei genauer Auswahl und Abwägung ihrerInhaltsstoffe kann man sicher sein, auch tatsächlichNatur-Produkte zu erhalten. Naturfarbenherstellerwählen auch bei Benetzungsmitteln und Emulgierhilfen,bei Lösungsmitteln oder bei Konservierungsstoffenausschließlich die natürliche Alternative.21


7 Die wichtigsten ProduktgruppenDie wichtigsten Produktgruppen aus mehr als 100verschiedenen Naturfarben-Produkten:1. Wandfarben (innen, außen; deckend, lasierend)2. Holzlasuren3. Naturharzlacke (Klarlacke, Weiß- und Buntlacke)4. Öle5. Wachse6. Sonstige: Streich- und Faserputze, Kleber, Reinigungund Pflege, Pflanzenfarben zum Malen undBildenFassadenfarbe aus natürlichen RohstoffenWandfarben (innen, außen, deckend,lasierend)Natur-Dispersionfarben und weitere Natur-Dispersionsproduktegibt es hauptsächlich für Putze, Tapetenund Plattenwerkstoffe (wie Gipskarton- oderFaserplatten) innen. Auch Fassadenfarben stehen zurVerfügung. Die Vielfalt ist enorm:Silikatfarben (Wasserglasfarben) sind Wandfarbenfür innen und außen. Sie eignen sich auf vielen mineralischenUntergründen wie Putzen aus Kalk oderKalkzement, nicht aber auf Gips. Auf kalkhaltigenMaterialien haften sie sehr gut, da sie mit ihnen chemischreagieren. So werden sie hier sehr hart, sindwasserfest, witterungs- und säurebeständig; auf dieseWeise wirken sie sogar fungizid und antibakteriell.Zu beachten: die Farbe ist im flüssigen Zustand ätzendund sollte daher mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmenverarbeitet werden. Zur Herstellungwird Quarzsand (Silikat) mit Pottasche (Kaliumcarbonat)unter Hitze geschmolzen und zu einerwässrigen Silikatschmelze verarbeitet, dem sogenanntenKali-Wasserglas. Beim Aushärten verkieseltdie Farbe mit dem mineralischen Untergrund durchWasserabgabe und Kohlenstoffaufnahme aus der Luft.Naturharz-Dispersionsfarben sind die gebräuchlichstenNaturwandfarben. einsetzbar auf allen mineralischenUntergründen und Tapeten im Innenbereich,aber als Fassadenfarbe auch im Außenbereich.Sie zählen zu den sogenannten Dispersionsfarben,sind also in Wasser dispergierte - besonders fein verteilteRohstoffbestandteile. Ihre Beliebtheit rührt daher,dass man sie streichfertig kaufen kann und dasssie sehr leicht zu verarbeiten sind. Diese Naturwandfarbenstehen den konventionellen Produktennicht nach; die Anstriche sind wischfest und abwaschbar,einige Produkte mit höherem Harzöl-Anteilkönnen sogar als scheuerfest eingestuft werden.Die Basisfarbe ist weiß. Mit weiteren, farbigen Natur-Abtönfarbensteht eine große Farbpalette zurAuswahl, die zartes, pastellartiges Abtönen zulässt,aber auch äußerst kräftige und „leuchtende“ Farbtöneermöglicht.Wandlasur-Pflanzenfarben: Lasierende Wandoberflächenerhält man mit einer Anstrichfolge aus weißemUntergrund, behandelt mita) weißem Streichgrund,b) Raumweiß,c) Naturharz-Wandfarbe, oderd) Objektfarbeals reinweiße Grundierung mit hohem Reflexionsvermögenund den harmonischen Wandlasur-Pflanzenfarbenals Endbehandlung. Die Wandlasur-Pflanzenfarbeneignen sich sehr gut für die farbige Gestaltungvon Innenräumen. Diese außergewöhnlicheFarbgestaltung mit Farbtönen wie Reseda-Gelb,Krapp-Rot, Cochenille-Rot, Blattgrün, Indigo-Blau,Indigo-Rotviolett führt zu ganz eigentümlichen Farbwirkungenin wunderbar lasierenden Farbtönen, vielfältigenSchattierungen und Nuancierungen.22


Leimfarben waren früher für lange Zeit die gebräuchlichstenInnenraumfarben. Sie lassen sich zwarnicht sehr oft (mit Leimfarben!) überstreichen, blätterndann ab; dafür lassen sie sich aber vor einemNeuanstrich leicht wieder entfernen. Für die Überarbeitungmit anderen Produkten ist das Abwaschenzwingend erforderlich. Sie sind sehr gut dampfdiffusionsfähigund daher sind sie z. B. für Stuckarbeitenbesonders geeignet. Leimfarben sind nicht ganzso wasch- und scheuerbeständig wie Naturharz-Dispersionsfarben.Die Grundfarbe ist weiß; farbige Gestaltungkann über hinzugefügte Pigmente erfolgen.Kalkfarben: Sollen Feuchträume gestrichen werden,greift man am besten zu Kalkfarben. Wegen des Kalkhydrat-Gehaltessind sie alkalisch und wirken daherauf natürliche Weise „desinfizierend“ und schimmelwidrig.Zur Herstellung wird Kalkstein gebrannt,gelöscht und der daraus entstehende Sumpfkalk zuKalkfarben weiterverarbeitet. Diese sind hoch-diffusionsoffen,wischbeständig und sogar geruchsabsorbierend.Diese traditionellen Farben auf Sumpfkalkbasissind besonders geeignet für die Sanierung historischerund denkmalgeschützter Bauten, aber auchim Neubau. Kalkfarben werden meist weiß angewendet,können im Innenbereich aber auch abgetöntwerden.Kalkkasein-Wandfarben sind einfache Pulverprodukte,die zur Anwendung mit Wasser zum gebrauchsfertigenAnstrich angerührt werden. Diesetraditionelle Innenfarbe besteht aus Sumpfkalk inPulverform, mit Milchkasein und Celluloseäther gebunden.Teilweise wird auch ein Kalkspat-Kreide-Gemisch mit Kalkmilch verwendet. Sie ist wischfestund wird meist weiß verarbeitet, kann aber auch abgetöntwerden. Sie eignet sich für weniger stark beanspruchteFlächen im Innenbereich und auch in derDenkmalpflege.Holz-LasurenNatur-Holzlasuren sind die universellen, filmbildenden„Anstrichstoffe“ für Holzflächen innen undaußen. Sie sind hinsichtlich der Schichtdicke und derPigmentierung gewissermaßen Zwitterprodukte zwischender nur geölten und der komplett lackiertenOberfläche. Die Kleinmolekularität der natürlichenHarze und Öle macht sie sehr gut eindringfähig, besondersgut anhaftend und daher wasserabweisendund witterungsfest. Voraussetzung für die Verwendungim Außenbereich ist eine UV-Schützende undfarbgebende Pigmentierung. Die Holzmaserungwirkt „durchscheinend“ und noch erkennbar (diesist der „lasierende“ Effekt); wenn auch gilt: je mehrPigment, umso besser gegen UV-Strahlung.Im Innenbereich kann man auch auf die Pigmentierungverzichten, farblos streichen und dünnereSchichtstärken aufbringen. Lasuren gelten als vergleichsweisediffusionsoffen, was dazu führt, dassWasser (als Flüssigkeit) zwar abgewiesen, als Dampfaber durchgelassen wird. Holz, einmal feucht geworden,kann also relativ rasch wieder austrocknen(früher hatte man das einmal als sogenannte „Atmungsfähigkeit“bezeichnet).23


Holzlasuren von Naturfarbenherstellern zeichnensich durch einige besondere Merkmale aus:■ gutes Eindringen in die Holzsubstanz■ gleichmäßige Filmbildung, guter Verlauf■ gute Haftung am Untergrund■ UV-Schützende Wirkung■ Wasserdampfdurchlässigkeit■ Widerstand gegen Feuchtigkeit in flüssiger Form■ Elastizität■ keine Versprödung und Rissbildung■ lange Haltbarkeit bei Bewitterung■ gleichmäßige Abwitterung■ kein Abplatzen bei Alterung■ leichte Überstreichbarkeit bei InstandhaltungsarbeitenWegen der besseren Wetterschutzwirkung geht derTrend heute bei maßhaltigen Außenbauteilen wieFenstern und Außentüren zu Dickschichtlasuren (alsoProdukten mit mehr Bindemittelgehalt). Ganz besondersin den Punkten Untergrundhaftung, Eindringenin die Holzoberfläche bei gleichzeitiger Filmbildung,Verlauf, kein Abplatzen und gleichmäßigeAbwitterung sind Naturharzöl-Lasuren sehr zu empfehlen.Diese Vorteile führen zu einer besseren Dauerhaftigkeitvon Natur-Holzlasuren im Außenbereichund die Instandhaltungsintervalle werden somitebenfalls minimiert.Als Untergrund und Anwendungsbereich eignet sichhauptsächlich Holz im Außenbereich. Natur-Holzlasurendienen als Anstrich für Fassaden, Fassadeneinbauten,Balkone, Pfosten, Pergolen, Zäune undmäßig strapazierte Holzbauteilen wie Gartenmöbel(nicht jedoch im Fußbodenbereich wie z.B. bei Holzdecksvon Terrassen oder Balkonfußböden). Hiermüssen Lasuren wegen des UV- und Witterungsschutzesunbedingt ausreichend pigmentiert und damitfarbig sein.Naturharzlacke (Klarlacke, WeißundBuntlacke)Naturharzöl-Lacke sind für Anwendungsfälle vorgesehen,wo komplett deckende, weiße oder farbigeBeschichtungen gewünscht sind. Sie zeichnen sichdurch eine sehr gute Untergrundhaftung aus (dankder kleinen Partikelgrößen der Harze und Öle). Aufdiese Weise bieten Sie – z.B. für Holzfenster, Gartenmöbel,aber auch für Metallteile – einen besonderslanglebigen Witterungsschutz im Außenbereich. ImInnenbereich können sie auch farblos angewendetwerden; seidenmatt oder hochglänzend ist hier keinProblem. Wer die klassische „Versiegelung“ von(Holz-)Flächen und relativ große Schichtdickenwünscht, ist mit den Naturharzöl-Lacken sehr gut bedient.Wegen der großen Schichtdicken ist der Aufwandnicht unerheblich, der zu ihrer anstrichtechnisch optimalenHerstellung zu treiben ist. Dafür genügenlackierte Oberflächen auch besonderen Anforderungen.Vor allem wasserabweisende, dimensionsstabilisierendeWirkungen, höhere Abriebfestigkeit einigertransparenter Lacke (z.B. beim Natur-Bernsteinlack)sowie längere Haltbarkeit bei Freibewitterungund intensive Farbgebung (ohne Durchscheinen desUntergrunds) sind bei Decklacken hervorzuheben.Transparente Natur-Klarlacke sind im Innenausbauz. B. verwendbar für Möbel, Innentüren, Innenwandverkleidungen,Decken und – eingeschränkt –auch Fußböden. Aus baubiologischen Gründen – z.B.Beeinträchtigung des Wasserdampf- und Gasaustauschsvon Holz mit der Umgebung – sollte innenauf das Lackieren jedoch zugunsten der geölten odergewachsten Oberflächen verzichtet werden. Auch dieungünstigen Renovierungseigenschaften sprechengegen eine Lackschicht, vor allem in stark strapaziertenBereichen wie Fußböden und Arbeitsflächen.24


Grundsätzlich sind Weiß- und Decklacke innen undaußen geeignet, so z. B. für Türen, Einbauten, Holzdecken,Möbel (mit Ausnahme der stärker strapaziertenBereiche wie Arbeitsflächen, Regalböden etc.)und ähnliche Holzbauteile, nicht jedoch für Fußbödenund Treppen. Im Außenbau sind sie, wie alleBautenlacke auch, im Wesentlichen für Fenster undAußentüren sowie auch für Gartenmöbel einsetzbar.Metalle innen und außen werden immer mit Lackfarbenbehandelt. Hier ist unbedingt mit einem Natur-Rostschutzgrundvorzustreichen. Lackfarben aufNaturharzbasis haben sich dank der hervorragendenKriechfähigkeit und Untergrundhaftung, abplatzungsfreisogar auf Problemuntergründen bewährt(verzinkte Metalle wie Stahlzargen für Türen, Dachrinnenoder Regenfallrohre).ÖleBeim sogenannten „Ölen“ werden Holz oder anderesaugfähige Untergründe mit Ölen oder mit Produktenbehandelt, die in ihrer Zusammensetzung im Wesentlichennatürliche Öle enthalten. Ein weiteres wesentlichesMerkmal ist, dass diese Öle und ölhaltigenProdukte nicht filmbildend verarbeitet werden. DasÖl bzw. das ölhaltige Produkt soll restlos in das Holzeindringen, ohne auf der Oberfläche Rückstände zubilden. Auf diese Weise wird das Holz in seinenobersten Schichten – je nach Produktart verschiedentief – mit Öl durchtränkt.Praktische Effekte:a) Wassereinwirkung auf Holz wird gemildertb) Strapazierfähigkeit wird erhöhtc) Verschmutzungsneigung gemindertJeder kennt das Verstauben, Stumpf-Werden und Verschmutzenvon rohen, unbehandelten Holzoberflächen.Das Ölen ist der erste Schritt zu dessen Vermei -dung. Die typischen Eigenschaften von satt geöltenHolzoberflächen: gute Wasserabweisung, geringeSchmutzneigung, keine Wasserflecken, passable Strapazierfähigkeit,befriedigende Reinigungsmöglichkeit,ausgezeichnete Renovier- und Überarbeitbarkeit.Das Holz wird im Farbton „angefeuert“, seine Maserungund Struktur reizvoll hervorgehoben. WasserverdünnbareNaturöle hingegen belassen Holz imneutralen, hellen Farbton. In vielen Bereichen derHolzverwendung im Innenbereich ist die geölteOberfläche gut geeignet. So reicht für Holz an Deckenund in Wandbereichen eine Ölbehandlung vollkommenaus. Geölt werden außerdem Flächen, beidenen wegen der außergewöhnlich intensiven mechanischenBelastung und der gleichzeitigen massivenFeuchtebeanspruchung und Beeinflussung durchaggressive Substanzen wie Obstsäfte, Zwiebel, Essig,rohes Fleisch etc. besondere Gesetzmäßigkeiten gelten:wie Küchenarbeitsplatten und hölzerne Arbeitsbrettchen.WachseDie sozusagen „natürlichste“ Behandlung von Holzist die gewachste Oberfläche. Auf diese Weise werdenzwar hauchdünne, aber höchst wirkungsvolleSchichten aufs Holz aufgetragen.Zunächst wird das Holz geölt (siehe oben), wobei dieNaturöle als Grundierung dienen. Auch hier wirddas Holz wiederum im Farbton „angefeuert“, seineMaserung und Struktur reizvoll hervorgehoben. Hiergibt es auch eine farbneutrale, wasserverdünnbareWachs-Alternative, bei denen die Hölzer naturbelassen-hellaussehen. Die dünnflüssigen Naturöledringen komplett in den Untergrund ein, schützendas Holz schmutz- und wasserabweisend von innenheraus. Die Wachse hingegen bilden nach dem Poliereneine hauchdünne Schicht auf der Oberfläche,die die Schmutz- und Wasserabweisung verstärkt.Das Ölen und Wachsen eignet sich nur im Innenbereich,hier aber können praktisch alle Holzoberflächenund Anwendungsfälle abgedeckt werden. Bei25


Decken und Wandvertäfelungen ebenso wie bei Innentüren,Möbeln, auf Tischen, Küchenarbeitsflächenund sogar bei stark strapazierten Fußböden undTreppen ist die geölte und gewachste Oberfläche nahezuunschlagbar. Es empfiehlt sich zur Erhöhungder Belastbarkeit und Verlängerung des Pflegeintervallsunbedingt eine ölige Grundierung bzw. das„Vorversiegeln“ mit Natur-Hartöl bei Fußböden undTreppen.Ob als spezielles, hochstrapazierfähiges Wachsfinishvon Fußböden oder als Möbelbalsam, stets habensich die Bienenwachsbalsame infolge der leichtenPflege und der unerwartet guten Reparaturfreundlichkeitals die zeitgemäßesten und dauerhaftestenOberflächen erwiesen. Dank des äußerst angenehmenKlimas, das sie verbreiten, sind gewachste Holzoberflächendas baubiologische Ideal schlechthin.Nach der Devise „Qualität statt Quantität“ ist ein zuvielan Bienenwachs eher schädlich. Schon einehauchdünne Schicht genügt, um den gewünschtenEffekt zu erzielen. Angenehmer Nebennutzen: Mitdem Materialverbrauch kann auch der Preis für dieOberflächenbehandlung erfreulich niedrig gehaltenwerden.Wachsbehandelte Holzoberflächen sind natürlichnicht säure- und chemikalienbeständig; wozu auch.Ihre Alltagstauglichkeit hingegen ist hervorragend.Besonders gelobt wird von den Anwendern (auch improfessionellen Bereich) die leichte Reparierbarkeitvon Wachsoberflächen. Während bei Verletzung einerLack- oder Lasuroberfläche nur noch Abschleifenund Neubehandlung helfen, lassen sich gewachsteFlächen in kurzer Zeit und mit wenigenGramm Wachs lokal nacharbeiten – und dies in derRegel ohne Ansatz zur Umgebung.Maße sorptionsfähig und kann Luftfeuchte wie auchSchadstoffe puffern. Das Raumklima wird positiv beeinflusst.Die Putze werden relativ dünn aufgetragen,die große Elastizität und längere Trocknungsphaseerlauben, falls gewünscht, ein nachträglichesStrukturieren der Oberfläche.Naturklebstoffe sind besonders für Bodenbeläge entwickeltworden. Andere Anwendungsfälle (also sozusagenals Ersatz für Holz-Leime, Universalkleberund 2K-Kleber etc.) werden nicht abgedeckt. DieNaturkleber sind Dispersionsklebstoffe aus Natur-Kautschukmilch und Naturharzen; sie sind gebrauchsfertigund eignen sich für die Fixierung vonKorkbelägen, Linoleum, textilen Bodenbelägen, Naturfaserteppichbödenund sogar von Keramikfliesenim Dünnbettverfahren.Für Reinigung und Pflege gibt es ebenfalls ein breitesSortiment von Pflegeprodukten. Unterhaltspflege,Unterhaltsreinigung und auch Grundreinigungwerden mit natürlichen Pflegewachsen, Pflanzenseifensowie Bodenpflege-Emulsionen oder LackundLasurreiniger durchgeführt. Für hartnäckige Verschmutzungenbei geölten und gewachsten Oberflächeneignen sich besonders natürliche „Kraftreiniger“,die die Oberfläche anlösen und den Schmutznachhaltig beseitigen; gleichzeitig sind sie leicht„nachwachsend“. Ein wunderbar ätherisches undwohlriechendes Pflegeprodukt schließlich ist die Arvengeist-Möbelpolitur(sie enthält die ätherischen Öleder Zirbelkiefer) für gewachste Oberflächen an Türen,Möbeln, Schränken, Truhen etc.Weitere ProdukteNatürliche Streich- und Faser-Putze sind besondersgut geeignet zur bauphysikalischen und baubiologischenAufwertung von Wandoberflächen im Innenbereich.Durch den hohen Anteil an Naturfasern undZellulose bekommt der naturharzgebundene Putz einegroße innere Oberfläche. Er wird auf diese Weisebesonders „atmungsaktiv“, d. h. er ist in hohem26


8 Anstrichaufbauten bei verschiedenenUntergründenDas Ölen von Holzfußböden ist eine ausgesprochenIm Gebäudeinneren haben Beschichtungen – bis aufSonderfälle – keine materialschützenden und konservierendenEigenschaften. Hier sollte auf großenAufwand aus ökologischen Gründen verzichtet undeinfache Lösungen bevorzugt werden.Außen und bei bewitterten Flächen hingegen spielenUV-Schutz, Wasserabweisung, ganz generell der Witterungsschutzund alle materialschützenden Aspekte(z. B. Fäulnis bei Holz, Korrosion bei Metall) einegroße Rolle; Abplatzen muss vermieden werden; derFeuchte haushalt der zu beschichtenden Gegenständeist zu berücksichtigen (Austrocknungsfähigkeitmuss bleiben) etc. Hier ist die Beschichtung mit Sorgfaltzu planen; der Aufwand kann entsprechend großsein.natürliche Variante der OberflächenbehandlungDie Art des Untergrunds entscheidet oft über die geeigneteBeschichtungsart; d. h. mit den vorgefundenenUntergründen ergeben sich auch Festlegungenfür die nachfolgende Beschichtung.Untergrund HolzWändeEine Öl- und/oder Wachsbehandlung ist die sinnvollsteAlternative. Der Untergrund bleibt „offenporig“,„atmungsaktiv“, die natürliche Fähigkeit desHolzes zur Verbesserung des Raumklimas bleibt erhalten.Stärker strapazierte Stellen (z. B. im Griffbereich)können ohne besonderen Aufwand überarbeitetwerden.Anstrichaufbau1.) Ölen des Holzes; bei gegebenenfallsnachfolgender Wachsbehandlung2.) hauchdünnes Wachsen3.) kräftiges PolierenHolzlasuren ergeben relativ dünne Anstrichfilme aufder Oberfläche; sie lassen sich auch farbig gestalten.Zum Überarbeiten kann man leicht anschleifen undeinfach überstreichen.Anstrichaufbau1.) Grundieren des Holzes2.) und 3.) LasuranstrichLackierte Flächen werden relativ dampfdicht undmechanisch stärker strapazierbar. Allerdings ist derspätere Renovierungsaufwand größer.Anstrichaufbau1.) Grundieren des Holzes2.) Vorstreichfarbe3.) und 4.) Lackbeschichtung; gegebenenfalls noch ein5.) Arbeitsgang mit LackAchtung: wegen der Trocknung die Schichten möglichstdünn auftragen.FußbodenbelägeWie bei den Wänden sind Holzfußböden wegen ihrergroßen Fläche wichtig für ein ausgeglichenesRaumklima. Die Dampfdiffusionsfähigkeit (sogenannte„Offenporigkeit“) spielt eine besondere Rolle,diese natürliche Eigenschaft des Holzes darf nichteingeschränkt werden. Daher sind Öl- und Wachsbehandlungenvorzuziehen; die problemlose Pflege27


und Nachbearbeitung der am stärksten beanspruchtenBereiche ist ein weiteres wichtiges Argument fürdie Wachsoberfläche. Lacke – und vor allem Lasuren– sollten nicht verwendet werden. Alternativ kannauch mit Laugen und Seifen gearbeitet werden, wasdie Holzoberfläche natürlich-hell belässt.Wegen der mechanischen Beanspruchung ist mitHartöl zu grundieren.Anstrichaufbau1.) Hartölgrundierung; gegebenenfalls2.) Wiederholen der Hartölgrundierung (Achtung:Schichtbildung auf der Oberfläche vermeiden!)3.) hauchdünnes Wachsen4.) kräftiges PolierenDas gleiche gilt prinzipiell auch für Kork- und Steinfußböden(Terrakotta, Kunststein, Marmor etc.)Möbel, InnentürenMöbel und Innentüren spielen für die „Diffusionsbilanz“,also für ein angenehmes und ausgeglichenesRaumklima wegen ihrer kleinen Flächen eine wenigerwichtige Rolle. Für Innentüren gelten, rein anstrichtechnisch,die gleichen Grundregeln wie beiWänden (siehe dort).Bei Möbeln hingegen sieht die Sache anders aus. Ihremechanische Beanspruchung kann größer sein (Tische,Stühle). Wie bei Fußböden spielt hier ist die guteschmutzabweisende Wirkung und die leichte Renovierbarkeitder geölten und gewachsten Oberflächedie wichtigste Rolle. Daher sind Öl- undWachsbehandlungen vorzuziehen:1.) Ölen des Holzes2.) hauchdünnes Wachsen3.) kräftiges PolierenKüchenarbeitsflächen nehmen eine Sonderstellungein. Hier wird mit zum Teil rohen Lebensmitteln„hantiert“ und es werden teilweise aggressive oderstark färbende Substanzen und Flüssigkeiten (wie Essig,Rotwein etc.) auf die Oberfläche gebracht. Aufabreibende Schichten wie Wachse sollte verzichtetwerden; auf Lasuren und Lacke ebenfalls. Am bestenist hier ein Einölen des Holzes, und zwar mehrmals,bis es mit Öl gesättigt ist. Ein (glänzender) Ölfilm aufder Oberfläche ist unbedingt zu vermeiden; dahersind nicht eindringende Reste abzuwischen. Nebenreinem Leinölfirnis eignen sich auch spezielle natürlicheArbeitsplattenöle. Bei beiden ist die regelmäßigePflege sehr einfach: Oberfläche säubern, oder beiBedarf „abseifen“, und dann nur noch nachölen.DeckenEin einfaches Ölen des Holzes reicht in der Regel völligaus. Es fehlen die Beanspruchung durch „Anfassen“und erst recht die mechanische Strapazierung;auch müssen Deckenflächen üblicherweise nicht gepflegtwerden. Auf ein nachfolgendes Wachsen kanndaher verzichtet werden.Anstrichaufbau1.) Ölen des Holzes2.) gegebenenfalls wiederholen (Achtung: Schichtbildungauf der Oberfläche vermeiden!)TreppenIm Innenbereich sind Treppen wie Fußböden zu werten.Fenster und HolzfassadenFenster und Holzfassaden sind witterungsbeanspruchteBauteile. Hier gelten besondere Regeln. Diewichtigste ist die konsequente Einhaltung des konstruktivenHolzschutzes:a) Wasser muss vom Holz ferngehalten werden(Dachüberstand, Abdeckbretter etc.)b) wo dies nicht möglich ist, muss Wasser zügig abgeleitetwerden (Tropfkanten, V-Fugen, Profilausbildungmöglichst vertikal)c) wo wiederum dies nicht möglich ist, muss Wassermöglichst schnell aus dem Holz ausdiffundierenkönnen (Kontaktflächen „Holz-auf-Holz“ minimieren,keine dampfdichten Anstriche, diffusionsoffeneBauteile etc.). Insbesondere diese Grundregelnsichern die Langlebigkeit der Konstruk -tion.Beschichtungen wirken unterstützend wasserabweisendund natürliche Öle und Harze sind hier dankihrer guten Eindringfähigkeit in die Holzsubstanzklar im Vorteil. Wegen der Witterungsbelastung (UV-Licht, Regen, Temperaturwechsel etc.) ist die Abwitterungund Renovierungshäufigkeit ein weitererwichtiger Aspekt. Auch hier führt die Kleinmolekularitätder Naturstoffe zu einer sehr guten Anhaftung28


am Untergrund; kein Abplatzen; einfache Überstreichbarkeit.Im Außenbereich muss der Anstrichzu UV-Schutz unbedingt farbig pigmentiert sein, jekräftiger, erdiger die Farbtöne sind, um so länger istdie Dauerhaftigkeit des Anstrichs.Geeignet sind Holz-Lasuren und Naturharzlacke; eineinfaches Ölen und Wachsen ist nicht möglich. Fensterals maßhaltige Bauteile verlangen erhöhte Sorgfalt;hier sind bestimmte, wasserabweisende Schichtdickeneinzuhalten. Bei Fassadenschalungen alsnicht-maßhaltige Bauteile (wo ein Quellen undSchwinden von Holz ungehindert möglich seinmuss) empfiehlt sich die Anwendung von Holz-Lasur.Lasur-Anstrichaufbau1.) Grundieren des Holzes (Spezialgrundierung)2.), 3.), 4.) Lasuranstrich, farbig pigmentiertLackierte Flächen1.) Grundieren des Holzes (Spezialgrundierung)2.) Vorstreichfarbe3.), 4.), 5.) LackbeschichtungAchtung:a) wegen der Trocknung die Schichten möglichstdünn auftragenb) im Außenbereich nur glänzende Buntlacke verwenden.GartenmöbelGartenmöbel aus Holz müssen regelmäßig gepflegtwerden, um die Einflüsse von Sonne, Regen und dieSpuren des täglichen Gebrauchs zu mildern. Hiergibt es spezielle Naturprodukte, die dem einfachenEinölen des Holzes (siehe oben) ähneln: dunkelbraunpigmentiertes Öl, als Gartenmöbelöl („classic“ oder„aqua“) gebrauchsfertig im Handel. Je ein Ölauftragim Frühjahr und im Herbst ist meist ausreichend. Dabeiversteht es sich von selbst, dass Gartenmöbel inder Phase des „Nicht-Gebrauchs“ (Herbst, Winter,längere Regenperioden) vorübergehend wasser- undwettergeschützt zwischengelagert werden.Untergrund TapeteIm Vergleich zur Behandlung von Metall oder Holz(vor allem außen) sind Anstriche auf Tapeten – weilnur Innenanwendung – im Prinzip einfach auszuführen.Dies verführt oft auch ungeübte Heimwerkerzur Eigenleistung. Grundsätzlich werden Tapetennur mit Dispersionsfarben und ähnlich typischen,wasserverdünnbaren Produkten (wie Kreide- oderKalkkaseinfarben) behandelt. (Öl-Harz-)Lasuren odergar Lacke haben auf Tapeten nichts zu suchen. Zudemführen sie zu einer relativ starken Einschränkungder Diffusion, während naturharzgebundeneDispersionsfarben „offenporig“ und diffusionsoffenbleiben und die Putzflächen nicht „versiegeln“.Das in der Rezeptur verwendete natürliche Bindemittel(wie z.B. Leim, Kalk, Kasein, Harz etc.; das übrigensmeist auch den Produktnamen prägt) führt zuunterschiedlichen Qualitäten von Natur-Wandfarben.So kann je nach Beanspruchung der Oberflächeoder Anspruch der Nutzer an den Raum das richtigeProdukt ausgewählt werden. Dabei sind Pulverprodukte,die mit Wasser selbst anzurühren sind, üblicherweisefür die einfachen Benutzungsgewohnheitengeeignet, während streichfertig hergestellteDispersionsfarben höheren Ansprüchen genügen.LeimfarbenAls preiswerte Alternative für weniger stark strapazierteBereiche wie z.B. Keller und Abstellräume gibtes die Naturkreide-Leimfarben zum Selbstanrühren.Der Anstrich ist wischfest und passabel deckend;muss aber beim Überstreichen mit „Nicht-Leimfarbe“wieder abgewaschen werden (Wasser). DurchZusatz von Leinöl- oder Kräuterfirnis (ca. 5 %) kanner wischfester gemacht werden; darunter leidet aberdie Abwaschbarkeit.Kalkkasein-WandfarbenDies sind einfache Pulverprodukte ohne ätherischeÖle, die in Wasser angemischt werden. Ihre Deckfähigkeitist besser als bei den Naturkreide-Leimfarben,da sie neben der Kreide auch Weißkalkhydratund weitere natürliche Pigmente enthalten.KalkfarbenDiese rein mineralischen Anstriche eignen sich vorallem für mineralische Untergründe wie (Kalk-)Put-29


ze oder Lehmputze, können aber auch auf Tapetenangewendet werden. (Näheres dazu siehe unten unter„mineralische Untergründe“).Naturharz-DispersionsfarbenJe nach Qualitätsanspruch (hochdeckend, waschfest,scheuerbeständig o.ä.) gibt es mehrere Produkte zurAuswahl: vom einfachen „Raumweiß“ über die„Wandfarbe“ bis hin zur besonders gut deckendenund strapazierfähigen „Objektfarbe“. Sie sind anwendungsfertigund brauchen vom Verwender nichtmehr angemischt zu werden.Der Standardfall des deckenden und strapazierfähigenAnstrichs im normal beanspruchten Innenbereichist die Verwendung von „Raumweiß“’, eine Naturharz-Dispersionohne spezielles Weißpigment. Die(Weiß-)Deckkraft ist für die Praxis gut genug; die Abtönbarkeithingegen ist hervorragend.Für einen weißen Anstrich mit höherem Weißgradund höherer Abriebfestigkeit in stärker strapaziertenBereichen – und dort, wo aus technischen Gründenein hochwertiger und aus ästhetischen Gründen einweißer Anstrich benötigt wird – wird der Klassikerunter den Naturfarben gewählt: die „Wandfarbe“. Sieist eine Naturharzdispersion mit höherem Harz- undPigmentanteil; oft reicht schon ein Anstrich aus, umdas gewünschte Ergebnis zu erzielen.Einen reinweißen, sehr gut deckenden Anstrich mithoher Strapazierfähigkeit (scheuerbeständig nachDIN) erhält man mit der „Objektfarbe“. Diese Naturharz-Dispersiongenügt höchsten Ansprüchen undwird in der Regel bei größeren Objekten verwendet.Wandlasur-PflanzenfarbenEine ganz eigene lebendige Optik entsteht durch dasÜber-„malen“ einer weißen Fläche mit transparentenWandlasur-Pflanzenfarben. Der Untergrund mussreinweiß vorbehandelt werden mit weißem Streichgrund,Raumweiß, Naturharz-Wandfarbe oder Objektfarbe.Durch mehrere aufeinander folgendeWandlasur-Farbaufträge lassen sich ausdrucksvolleNuancierungen und Farbwechsel erzielen. Die Arbeitenkönnen in verschiedenen Techniken ausgeführtwerden: a) einfache Streichtechnik, b) Stupftechnik(„stupfen“ mit einem Schwamm), c) Wickeltechnik(wobei ein feuchtes, fusselfreies BaumwolloderLeinentuch mit Lasurfarbe benetzt und über dieWand gerollt wird), d) Schablonen-/Spritztechnik(mit Papp-Schablonen und Schablonierpinsel bzw.auch Airbrush-Pistole).Raufasertapeten und ähnlich einfache Tapeten benötigenim Allgemeinen keine besondere Vorbehandlung.Die Anzahl der Arbeitsgänge richtet sichnach der erzielten Deckkraft der aufgebrachten Anstrichschicht.Bei gut deckenden Beschichtungenkann ein einmaliger Anstrich bereits ausreichendsein. Soll mehrmals gestrichen werden, empfiehlt sichfür den ersten Arbeitsgang eine Verdünnung mitmax. ca. 20 % Wasser.Gipskartonplatten, Glasfasergewebe, textile Wandbeläge,Stoffbespannungen oder ähnliches müssenwegen ihrer großen Saugfähigkeit immer vorbehandeltwerden. Hierzu kann ein verdünnter (ca.20 – 30 % Wasser zugeben) Deckanstrich verwendetwerden. Es ist aber auch die Anwendung einer speziellenNatur-Tiefengrundierung oder eines weißenStreichgrundes möglich.Mineralische UntergründeDiese Untergründe sind grundsätzlich saugfähigerals Tapeten. Daher muss in der Regel vorbehandeltwerden. Grundieren kann man prinzipiell mit verdünntem(ca. 20% Wasser) Deckanstrich. Die Art derverwendeten Grundierung kann aber auch nach derBindemittelart des Deckanstrichs ausgewählt werden.So sind Kalkanstriche anders vorzubehandelnals Naturharz-Dispersionen.■ Leimfarben sind grundsätzlich mit verdünntenLeimfarben vorzubehandeln;■ Kalkkasein-Wandfarben: mit Natur-Kasein-Grundierung;■ Kalkfarben (siehe unten): innen mit verdünnterKalkfarbe; außen mit Silikatgrundierung;■ Naturharz-Dispersionsfarben: Naturharz-Tiefengrundoder weißer Naturharz-Streichgrund;■ Silikatfarben (siehe unten): mit Silikatgrundierung;auch Silikatfarben mit 20 % Silikatbinder.Weitere Produktgruppen, die im Gegensatz zu Tapetenbesonders auf mineralischen Untergründen,auch im Außenbereich, geeignet sind:30


werden. Im Außenbereich sind mindestens zwei Arbeitsgängenotwendig. Achtung: leichtes Auskreidenist möglich.Silikatfarben (Wasserglasfarben)Die besondere Zusammensetzung von Silikatfarbenverleiht ihnen besondere Eigenschaften. Als Bindemittelwird Kaliwasserglas verwendet. Ein Anstrichbildet daher nicht wie andere Anstriche eine Schicht,sondern verbindet sich, unter dem Einfluss des Kohlendioxidsder Luft, durch Verkieselung unlösbar mitdem Untergrund.Zum Abbinden setzen Silikatfarben also einen siliziumhaltigenGrund voraus. So eignen sie sich auf vielenmineralischen Untergründen wie Kalkmörtel,Putzen aus Kalk oder Kalkzement, Beton, Natursteineetc., nicht aber auf Gips. Durch die Verkieselungwerden Silikatfarben insgesamt sehr „hart“, wasserfest,witterungs- und säurebeständig. Die Silikatfarbenwerden „nass-in-nass“ aufgetragen. Achtung:ansatzfrei arbeiten. Bei mehreren Schichten ist einelängere Zwischentrocknung unbedingt anzuraten(min. 12-18 h, bei feuchter und kühler Witterungmehr). Silikatfarben sollten nicht bei Sonne oderWind, starker Beheizung oder Zugluft verarbeitetwerden. Zu schneller Wasserentzug beeinträchtigtdie Verkieselung.KalkfarbenDiese Produkte werden ohne jeglichen synthetischenZusatz aus rein mineralischen Rohstoffen und ausgewähltemSumpfkalk hergestellt. Wer den klassischenKalkanstrich bevorzugt, kommt um die Kalkfarbennicht herum. Sie sind vor allem auf mineralischenUntergründen wie Kalksandstein, Kalk- undZementputzen, Beton oder auch Lehmputzen (hiernur innen) und daher besonders für die Sanierunghistorischer und denkmalgeschützter Bauten geeignet.In Feuchträumen wirken sie wegen des Kalkhydrat-Gehaltessogar schimmelwidrig. Die Kalkfarbewird mit Wasser angerührt. Die Anstriche sind hochdiffusionsoffen,wischbeständig und sogar geruchsabsorbierend.Kalkfarben wurden früher meist weißangewendet, können heute – im Innenbereich - aberauch kräftig abgetönt verwendet werden. Da derFarbton des Anstrichs im nassen Zustand noch lasierendwirkt, sollte er erst nach Trocknung bewertetBetonBeton ist baubiologisch als sehr ungünstig zu bewerten;er bringt überdies viel Wasser mit ins Gebäudeund ist schlecht diffusionsfähig. Dennoch kanner als zu beschichtender Untergrund auch bei Naturfarbenvorliegen. Bisweilen kann Beton mit Schalölenoder Resten von Trennmitteln verunreinigt sein,welche die Anhaftung von Anstrichen stören.Im Vorfeld einer Beschichtung ist daher zu überprüfen,■ ob Öl- bzw. Trennmittelreste vorhanden sind; welcheentfernt werden sollten.■ ob die Tragfähigkeit für nachfolgende Beschichtungengegeben ist; sowie weitere Verunreinigungenentfernen.Technisch geeignete Naturfarben sind Kalkkasein-Wandfarben, Naturharz-Dispersionsfarben (je innen);Kalkfarben und Silikatfarben (je auch außen).31


Zur Verbesserung der baubiologischen Eigenschaftenund der Innenraumatmosphäre können bzw. solltenblanke Betonoberflächen innen zunächst mit Putzenversehen werden. Es eignen sich Naturfaserputzeoder naturharzgebundene Mineralputze. Durchdie große innere Oberfläche wirken sie ausgleichendauf das Raumklima, puffern hohe Raumluftfeuchtenund sogar Schadstoffkonzentrationen ab.Porenbeton, KalksandsteinBei unbehandelten Untergründen sind grundsätzlichauch hier die Beschaffenheit der Oberfläche, Tragfähigkeitund Tauglichkeit für nachfolgende Beschichtungenzu überprüfen. Da Porenbeton relativstark saugfähig ist, sollte hier in jedem Fall vorgrundiertwerden, damit der Materialverbrauch der Endbeschichtungnicht ausufert.Technisch geeignete Naturfarben: Naturharz-Dispersionsfarben;bei Kalksandstein auch Kalkfarbenund Silikatfarben.Untergrund MetallIm Stahlbau und generell bei Metallanwendungensollte sich der Korrosionsschutz aus ökologischenGründen an den wirklichen Anforderungen orientieren.Ein „Zuviel“ ist schädlich, weil der Korrosionsschutzimmer auch eine Umweltbelastung bedeutet.Hochwirksame Maßnahmen (Verwendungvon Edelstahl, Feuerverzinkung, Einbrenn- oder Pulverlackierung)sollten sich auf den exponierten Außenbereichbeschränken sowie auf Nassräume bzw.-bereiche innen. Durch Anstriche und einfache Beschichtungenmit Rostschutzfarben sind die übrigenBereiche abzudecken, sofern Rostschutz überhauptnotwendig ist.RostschutzfarbenRostschutzfarben für den Korrosionsschutz sind Beschichtungsstoffemit Pigmenten, die durch Passivierungeinen aniodischen Schutz von Eisen undStahl bewirken. In der Vergangenheit wurden häufigdie bekannte „Bleimennige“ sowie Pigmente auf32


Chromat-Basis verwendet. Sie sind hochschädlich,zum Teil krebserzeugend und besitzen besondersbeim Entfernen von Altanstrichen ein hohes Schadpotential(z.B. Einatmen von Schleifstäuben). Heutewird oft Zinkphosphat, Bariumtetraborat oder Zinkmolybdatverwendet.Naturfarbenhersteller bieten sehr gute Rostschutzfarbenohne all diese „Wirkstoffe“ an. Sie basierenletztlich auf dem natürlichen Schutz, den Eisen beiRosten sich selbst gibt: dem Eisenoxid (nichts anderesist Rost: oxidiertes Eisen). Eisenoxid-Pigmente, inNaturharzölen gebunden, sorgen für einen höchst effektivenRostschutz. So war eine Naturfarbe in zweiverschiedenen Tests von 31 Rostschutzfarben derTestsieger.Anstrichaufbau1.) Entfetten und Entrosten2.) und 3.) je einmal Vorbehandeln der Metalloberflächemit Naturharz-Rostschutzgrund4.) und 5.) Lackbeschichtung weiß bzw. farbigAchtung:a) wegen der Trocknung die Schichten möglichstdünn auftragenb) im Außenbereich nur glänzende Lacke verwenden.Metallisches Zink ist für den Menschen vergleichweisemindergiftig. Allerdings reizt Zinkstaub dieAtemwege. Vorsicht daher bei Schleifarbeiten anverzinktem Metall.Verzinkte Oberflächen lassen sich erfahrungsgemäßschlecht lackieren. Wegen der Kleinmolekularität vonNaturharz-Lacken haften sie besonders gut. Selbstbei starker Abwitterung kommt ein regelrechtes Abplatzennicht vor. Dies vereinfacht die Renovierungsanstrichebeträchtlich.Anstrichaufbau1.) Entfetten und Entrosten2.) Vorbehandeln der Metalloberfläche mit Naturharz-Rostschutzgrund3.) und 4.) Lackbeschichtung weiß bzw. farbigAchtung:a) wegen der Trocknung die Schichten möglichstdünn auftragenb) im Außenbereich nur glänzende Lacke verwenden.Zink/VerzinkungDie Herstellung von Zink erfolgt aus Zinkspat (carbonatischeErze) und Zinkblende (sulfidische Erze).Zink findet weithin Verwendung zum Galvanisierenvon Eisen und Stahlprodukten. Titanzink, eine Legierungvon Zink mit Titan und Kupfer hat eine verbesserteDauerstandsfestigkeit und eine geringereWärmedehnung. Es wird z.B. zum Korrosionsschutzbei Dachrinnen und Regenfallrohren verwendet. BeiBewitterung von Zink bildet sich eine festhaftendeund sozusagen „selbstheilende“ Schutzschicht ausZinkoxid und Zinkhydroxidcarbonat.33


9 Leistungsfähigkeit, Möglichkeiten und Grenzennatürlicher BeschichtungenInsgesamt kann rasch widerlegt werden, dass bei einerHolzoberflächenbehandlung mit Naturproduktendie Oberflächengüte für die Praxis unzureichendist (wie teilweise immer noch behauptet wird). Denn„nur wenige Fremdstoffe verursachen ernste Beschädigungenbei Bio-Oberflächen“, wie es bereits ineiner frühen Untersuchung der Fachschule für Holzin Stuttgart-Feuerbach hieß (damals wurde noch daseigentlich unzutreffende Präfix „Bio-“ verwendet).Bei einer Zimmerdecke, einer Wandverkleidung odereinem Möbel treten im täglichen Gebrauch derartigverschärfte Prüfbedingungen ohnehin nicht auf. Liegteine geölte und/oder gewachste Oberfläche vor, sokann sie zudem problemlos wieder hergestellt werden,falls es wirklich einmal zu einer Beschädigunggekommen ist.Auch Naturharz-Wandfarben für den Innenbereichführen seit Jahren die entsprechenden Leistungsnachweisefür höchste Beanspruchung. Die entsprechendenSpitzenprodukte der ökologischen Naturfarbenherstellersind absolut scheuerbeständig nachDIN 53 778. Auch eine Flächendesinfektion von 1Stunde Einwirkdauer (wie in der DIN vorgeschrieben)verändert die Oberfläche nicht.Die Moleküle natürlicher Rohstoffe sind von einerhohen Komplexität, so dass sie wie die synthetischenRohstoffe ein breites Spektrum außerordentlicher Leistungsfähigkeitenbesitzen. Sorgfältige Rohstoffauswahlund Produktionstechniken auf Herstellerseite,aber auch die vernünftige Auswahl der anzuwendendenProdukte für die jeweiligen Anwendungsbereicheauf Verarbeiterseite sorgen dafür, dassdie Leistungsfähigkeit natürlicher Beschichtung derjenigenkonventioneller Beschichtungen in Nichtsnachsteht. Oft erzielen Naturfarben in neutralen undverbraucherorientierten Waren- und Tauglichkeitstestsunter einer Vielzahl von konkurrierenden Produktenbeste Ergebnisse. Teilweise stellen sie sogardie Testsieger.Lediglich einige Spezialbereiche der Beschichtungstechnikwie schwerer Korrosionsschutz, Industrielackierungenoder UV-härtende Möbeloberflächenlassen sich derzeit noch nicht mit Naturfarben ausführen.Zudem wird eine äußerst kurzfristige Trocknungaufgrund der physikalischen Trocknung vonNaturharzölen durch Sauerstoffaufnahme nicht zuerreichen sein. Die Trocknungsdauer ist allerdingsauch nicht unzureichend lang; nach spätestens 24 hsind Produkte überarbeitbar oder beanspruchbar(z. B. Naturharzöl-Decklacke), je nach Produktgruppeaber auch schon erheblich früher (z. B. wasserverdünnbareWachse oder in ätherischen Ölen gelösteBienenwachsprodukte).Besser als bei herkömmlichen Beschichtungen ist dieAnhaftung am Untergrund wegen der kleineren Molekülstrukturnatürlicher Harze und Öle. Sie passenin kleinste Kapillare und Unebenheiten des jeweiligenUntergrundes hinein. Infolge dieser hohenKriechfähigkeit verankern sie sich intensiv, was Makromoleküle,die die mikroskopisch kleinen Unebenheitenlediglich überbrücken, nicht können. DieFolge: Selbst nach alterungsbedingter Versprödungkönnen Naturfarben praktisch nicht abplatzen. Diestrifft sowohl auf Holzlasuren im bewitterten Außenbereichals auch auf Innen-Wandfarben und Klar- wie34


Decklacke zu. Die Untergrundhaftung ist sogar sogut, dass Natur-Decklack-Beschichtungen abplatzungsfreisogar auf Problemuntergründen wie verzinktenDachrinnen und Regenfallrohren verarbeitetwerden können. Außerdem erfolgt „ganz von selbst“ein gleichmäßiges Abwittern der Anstrichschicht,was wiederum den Instandhaltungsaufwand deutlichverringert.Für Stauballergiker ist eine geölte und mit Natur-Bienenwachsenbehandelte Oberfläche ideal, da sie sichnicht elektrostatisch auflädt und nicht zum Staubmagnetenwird.35


10 Tipps für Erstverarbeitung, Reparaturund Instandhaltung!Ein erster und wichtiger Ratschlag: Bei Holz undMetall so selten wie möglich lackieren. Besser lasierenoder, wo es möglich ist, nur ölen oder wachsen.Das spart Material und vereinfacht Instandhaltungund Überarbeitung. Je geringer die Schichtstärkedes Anstrichs ist, umso einfacher ist die spätereRenovierung.!Keine „überqualifizierten“ Produkte bzw. Anstrichsystemeverwenden. Die Beschichtung solltenur so viel leisten, wie benötigt wird. So sind pilzwidrigeHolzschutzmittel in trockenen Innenräumenebenso überflüssig wie in vielen Fällen scheuerfesteObjektfarben für Wände im Privatbereich. Auch dasmindert den Verbrauch an Beschichtungsstoffen undden späteren Renovierungsaufwand.!Bei gering beanspruchten Holzflächen in Innenräumenreicht oft eine „Minimallösung“: Leinölfirnisseenthalten weder Harze noch ätherische Öle.Wird Holz damit satt getränkt (Achtung: keinenÜberstand auf der Oberfläche zurücklassen; er bleibtsehr lange klebrig), ist der Beanspruchung – sogarbei Küchenarbeitsflächen – Genüge getan. Solche Flächenlassen sich sehr leicht überarbeiten: nach Säubernund Abseifen einfach erneut Einölen.!Keine Produkte im Innenbereich verwenden, diefür „außen“ vorgesehen oder für „innen und außen“geeignet sind. Eine Fassadenfarbe also sollteauch nur auf Außenfassaden verwendet werden.!Alle beweglichen Gegenstände möglichst im Freienverarbeiten.!Vor allem für sensible Personen: Auch bei Naturfarbendirekte Berührung der Haut mit Beschichtungsstoffvermeiden; gegebenenfalls Handschuhebenutzen, Haut mit Fettcreme schützen.!Sprühverarbeitung generell vermeiden. Sprühverlusteerhöhen den Materialverbrauch und belastendie Raumluft mit Aerosolen, die eventuell eingeatmetwerden können.!Pinsel und Arbeitsgeräte nach Abschluss der Arbeitenso weit wie möglich ausstreichen. Anstrichrestelassen sich bei den auch bei Naturfarbeninzwischen weitverbreiteten wasserverdünnbarenProdukten mit warmem Wasser und Pflanzenseifeauswaschen, bei ätherisch-Öl-gelösten Harzöl-Produktenvor der Antrocknung mit ätherischen Ölenund dann mit Seife. Reste nicht in den Ausgussschütten. Sie können nach Trocknung im Hausmüllentsorgt werden.!Auch wasserverdünnbare Naturfarben gehörennicht in den Ausguss. Flüssige Farben- und Lackrestesind den gesetzlichen Vorschriften entsprechendzu entsorgen. Dies gilt auch für Naturfarben, da derGesetzgeber hier nicht differenziert. EAK-Code080112, 080120, 200112, 200127 oder 200128; EAK-Bezeichnung„Farben“ oder „wässrige Suspensionen“.!Getrocknete Anstrichreste hingegen, aber auch(Naturfarben-)Altanstriche, können im Hausmüllentsorgt werden (letztlich ist sogar eine Kompostierungdenkbar).!Beim Entfernen oder Aufrauen alter Anstrichschichtenmöglichst keine Lösemittel verwenden.Es sollte mechanisch entfernt werden (Schleifen,Spachtel) bzw. mit einem Heißluftfön oder mit Abbeizern(Laugen, Alkalien) gearbeitet werden; Achtungauf Arbeitssicherheit (Atemschutz, Verätzungen).Transportable Gegenstände können auch einemAbbeizfachbetrieb übergeben werden.!Eine gute Hilfe beim Entfernen der Altanstrichevom Holz bietet der „Abzieher“. Dies ist ein speziellesMesser mit aufgebogener Kante, welches beisorgsamer Benutzung die alte Farbschicht gründlichund holzschonend abpellt. Er eignet sich besondersbei großen, ebenen Flächen; bei Rillen, Kanten undEcken ist er weniger gut geeignet.!Der Heißluftfön zum Entfernen von Altanstrichensollte nur in Ausnahmefällen verwendet werden.Durch die Hitze können vor allem bei konventionel-36


len Beschichtungen schädliche Substanzen freigesetztwerden.!Nicht abblätternde, noch fest haftende und tragfähigeAlt-Anstriche (wie z.B. bei Holzlasuren oderDispersionsfarben möglich) können nach leichtemAnschleifen (Holzlasuren) und/oder Säubern (Wandfarben)der Oberfläche einfach erneut überstrichenwerden.!In Innenräumen während der Arbeiten gut Lüften;bei Produkten, die ätherische Öle enthalten auchnoch einige Tage länger. Dies schützt insbesonderesensible Personen vor allergischen Reaktionen. Dahersollten sensible Personen (auch Kinder) bei derAusführung der Arbeiten nicht anwesend sein.!Wird überschüssiges ölhaltiges Material (Leinölfirnis,Holzgrundierung etc.) abgewischt, sind derLappen, das Papier etc. zum Trocknen auszubreitenoder aufzuhängen. Leinöl nimmt beim Trocknen Sauerstoffauf; dieser Prozess setzt Energie frei, die abgeführtwerden muss. In einem zusammengeknülltenLappen beispielsweise gibt es einen Wärmestau,so dass es im seltenen Extremfall zur Selbstentzündungkommen kann.!Bei Wandfarben lassen sich anhand verschiedenerKürzel auf Etiketten bzw. technischen Merkblätterndie technischen Eigenschaften und Leistungsfähigkeitenerkennen. Die Wichtigste davon istdie Gebrauchstauglichkeit bzw. Abriebfestigkeit. Siewird nach DIN EN 13300 festgestellt (früher: DIN53778). Darin wird die „Naßabriebfestigkeit“ – infünf Klassen eingeteilt.Höchste Einstufung: Klasse 1Klasse 2 (= früher: „scheuerbeständig“)Klasse 3 (= früher: „waschbeständig“)Klasse 4 (= früher: „wischfest“)Klase 5 mit der schlechtesten Abriebfestigkeit!Für gering beanspruchte Flächen bzw. bei Räumenmit untergeordneter Nutzung wie Keller, Ställe etc.reicht als Wandfarbe eine einfache Kalkfarbe aus. Sieerreicht zwar höchstens die „Naßabriebfestigkeits“-Klasse 4 (ein mechanischer Abrieb liegt also vor), enthältaber auch kein Titandioxid als Weißpigment, wasletztlich ein ökologischer Vorteil ist. Wegen des Kalkhydrat-Gehaltessind sie zudem alkalisch und wirkendaher desinfizierend und schimmelwidrig.!Auch Leimfarben, die für gering beanspruchte Flächenim Innenbereich vorgesehen sind, lassen sichauf Dauer abreiben („wischfest“). Auch können siebei Renovierungsarbeiten nur wieder mit Leimfarben(ca. 2 – 3-mal), nicht aber mit anderen Produktenüberstrichen werden, weil sich der alte Anstrichlöst und zusammen mit der neuen Schicht oft flächigabblättert. Daher müssen sie mit Wasser oder Seifenlaugeabgewaschen werden. Ihre Vorteile: a) technisch:sie sind sehr dampfdiffusionsfähig (ausgeglichenesRaumklima), und b) ökologisch: ihre Rezepturist vergleichsweise einfach (unter Verzicht aufTitanweiß).!Generell sind die Verarbeitungsempfehlungen derNaturfarbenhersteller genau zu lesen; hier werdendetaillierte und hilfreiche Empfehlungen gegeben.Für eine gute Ausführungsqualität muss dasrichtige Werkzeug eingesetzt werden.!Naturfarben erscheinen – pro Gebinde bzw. proLiter – zunächst als deutlich teurer als konventionelleProdukte. Dies gilt aber nur vordergründig.Wegen der hohen Ergiebigkeit sind Naturfarbenumgerechnet auf den Quadratmeter gestrichene Flächein vielen Fällen sogar billiger.!Ein weiterer Vorteil: die Volldeklaration; die Herstellervon Naturfarben schreiben aufs Etikett, wasdrin ist.37


12 Kleine RohstoffkundeBindemittel, Harze, Öle, Wachse, Fette, Seifen, MineralischePigmente, Füllstoffe, Hilfsmittel, PflanzenundWandfarben, Lösemittel, ätherische Öle, Lacke,Lasuren:Alaun, ein weißes, auskristallisiertes Pulver aus Kalium-und Aluminiumsulfat, das in der Pflanzenfarbherstellungeingesetzt wird.Alkohol wird durch Gärung von stärkehaltigenPflanzen und anschließende Destillation gewonnen.Alkydharzlacke sind die traditionellen, kunstharzgebundenenMalerlacke. Sie lassen sich einfachund schnell verarbeiten, trocknen sehr schnell undhaben eine harte Oberfläche. Ihr Lösungsmittelanteilbeträgt bis zu 50 %.Aluminiumsilikat – als wasserhaltige Tonerde, diesich durch Verwitterung von aluminiumreichen Gesteinengebildet hat oder aus technischer Fällung gewonnenerfeiner mineralischer Füllstoff mit Pigmenteigenschaften.Aminseifen sind mit organischen Bestandteilen modifizierteAmmoniumverbindungen, die für eine bessereEinarbeitung von Bindemitteln in wasserverdünnteProdukte dienen.Arvenöl ist ein wasserhelles Öl der Zirbelkiefer mitstarkem, aber wohlriechendem Duft. Es schützt vorTextilmotten und anderen Insekten.Bergamotteöl ist ein echtes ätherisches gelblichesÖl aus den Fruchtschalen des Bergamottebaumes,welches als Geruchsstoff verwendet wird.Bienenwachs ist ein weiches, rein natürlichesWachs und wird als Bestandteil von Möbel- und Fußbodenwachsenverwendet.Bienenwachs(-Ammonium)-Seife wird in Kesselnmit Salmiakgeist verseift. Es dient als natürlichesNetzmittel für die Pigmente.Blauholz-Extrakt wird aus dem Kernholz eines inPlantagen kultivierten Baumes zum Färben gewonnen(Farbstoffnuancen liegen in Blau-, Violett-Schwarz-Bereichen).Borax ein althergebrachtes, mildes natürliches Mineralaus Salzseen; welches zum Aufschluss z. B. vonCasein verwendet wird.Borsäure, früher aus toskanischen Quellwässernund heute aus Borax mit Schwefelsäure hergestellte,schwache mineralische Säure.Borsalz (Natriumoktaborat) ist ein natürlichesMineral aus Salzseen, dass als ein ausgezeichnetwirksames, nicht flüchtiges, nicht ausgasendes Mittelzum vorbeugenden biologischen Holz- undFlammschutz eingesetzt wird.Carnaubawachs ein hartes, wasserabweisendesWachs einer brasilianischen Palmenart. Die Blätterwerden von den hochgewachsenen Palmen abgeschnitten(sie wachsen ständig nach), das Wachs wirddurch Auskochen in Wasser verflüssigt, abgeschöpftund physikalisch (mit Bleicherden) gereinigt.Es ergänzt durch seine besondere Härte die mechanischeBelastbarkeit aller weichen Wachse. Es findetVerwendung in einer Mischung mit Orangenöl, Bienenwachsund Leinöl als Fußboden und Möbelhartwachs.Es kann aber auch, fein verteilt in Wasser, z.B. als Bodenpflegemilch eingesetzt werden.Catechu ist der eingedickte Saftextrakt aus demKernholz der indischen Gerberakazie. Catechu wirdfür braune bis schwarze Pflanzenfarben verwendet.Celluloseäther, -ester sind aus Holzzellulosedurch chemischen Aufschluss hergestellte Quellmittelund dienen als z.B. Klebemittel.Chlorophyll ist ein aus dem Farbstoff des Blattgrünsgewonnenes Pigment. Der grüne Farbstoff der Pflanzenblätterwird als Kupferkomplex in Pflanzenfarbeneingesetzt.40


Chromoxidgrün ist ein grünes Mineralpigment ausChromerzen, dessen Herstellung nicht ohne Umweltbelastungvon statten geht, aber derzeit ohne Alternativeist. Es ist im Unterschied zu den sog.Chrom-VI-Verbindungen nicht löslich und daher ungiftig.Cochenille, ein roter Farbstoff, den eine auf den Kanarenund in Mexiko verbreitete, auf Kakteen lebendeSchildlausart erzeugt. Dient zur Ergänzung derPflanzenfarben-Pigmente um einen leicht blaustichigenRot-Ton zu erhalten. Der rot bis violett färbendeRohstoff wird z.B. als Lebensmittelfarbe eingesetzt.Colophonium-Glycerinester das Naturharz Colophoniumwird nach einem besonderen Verfahrenmit dem Fettbestandteil Glycerin in einem Verkochungsprozessabgewandelt. Es entsteht ein Bindemittelmit sehr guter Wetterbeständigkeit und Elastizität.Dammar ist eines der wertvollsten und schönstenPflanzenharze dieser Erde. Sein Name kommt vommalayischen Wort für „Katzenauge“. Es ist sehr hellund vergilbt kaum. Sein Ursprungsbaum auf Sumatraist auch Lieferant des Meranti-Holzes. Die Dammarharz-Gewinnungerlaubt den Einwohnern eine nachhaltigeNutzung des Tropenwaldes ohne Raubbau.Dispersionswandfarben sind die inzwischenwohl am häufigsten verwendeten konventionellenHeimwerkerlacke. Sie sind universell verwendbarund kommen daher vor allem bei Fenstern, Möbeln,Heizkörpern und auch beim Rostschutz zum Einsatz.Eisenoxidpigmente, transparent sind extrem feinteilige,hochtransparente Pigmente, mit hohem UV-Schutz und guter Wetterbeständigkeit, die insbesonderein Lasuren eingesetzt werden.Erd- und Mineralpigmente sind anorganischePigmente wie natürliche Erdfarben, künstliche Eisenoxidpigmente(z.B. Ocker, Englischrot, Persischrot,Erdschwarz) sowie ausgewählte Mineralfarben wieTitandioxid, Ultramarinblau und Chromoxidgrün.Eucalyptusöl ist ein durch Wasserdampf-Destillationgewonnenes ätherisches Öl mit leicht konservierenderWirkung aus den Blättern des australischenEucalyptusbaumes.Gips, natürlicher Gips (Calciumsulfat).Glaubersalz, ein aus Natriumsulfit und Schwefelsäurehergestelltes Salz zur Verwendung in Pflanzenfarbenund Waschmitteln.Hirschhornsalz auch (Ammoniumcarbonat), findetz.B. Verwendung als Beiz-Zusatz in Pflanzenfarben.Holzöl-Standöl ist ein dickgekochtes Öl aus derNuss des chinesischen Tungbaumes und ein wertvolles,gut trocknendes Lackbindemittel.Holzzellulose ist ein aus Laub-, bzw. Buchenholzohne Chlorbleiche hergestellter organischer Zell-Faser-Füllstoff,welcher in Wandfarben und Putzen mechanischeStabilität und holzähnlicheResorptionsfähigkeit bewirkt.Indigo ist ein durch Fermentation gewonnener Extrakt(Indigoferatinctoria), der bengalischen Indigo-Pflanze. Als blaues Pflanzenfarben-Pigment wurdeIndigo schon vor 4.000 Jahren zum Färben benutzt.Jojobaöl ist ein ölartiges Pflanzenwachs das aus denSamen des Jojoba-Strauches gewonnen wird.Kaliwasserglas ist die feinstverteilte Lösung vonKieselsäure in Wasser, die durch Schmelzen vonQuarzsand und Pottasche hergestellt wird.Kalk-Colophonium wird aus geschmolzenem Colophonium-Harz,dessen natürlicher Säuregehaltdurch Zusatz von gebranntem Kalk gezielt neutralisiertwird, hergestellt.Kalkfarbe bzw. Kalkstein wird gebrannt, dannmit Wasser gelöscht und als Kalkmilch eine Zeit langeingesumpft. Dieser Sumpfkalk wird zu Kalkfarbe,Kalkputz, Kalkmörtel oder zu Kalkpulver verarbei-41


tet. Da Kalkfarbe Hochalkalisch ist, ist die Farbe sogarbegrenzt schimmelwidrig und neutralisiert bzw.„dämpft“ geruchsintensive Raumluft. Durch den Zusatzvon Zellulosefasern und Leinöl verbessert sichdas Haftvermögen.Kalkspat (Marmormehl) ist die natürliche Erscheinungsformdes Calciumcarbonats (wie Kreide).Von feinstvermahlen bis grobe Körnungen erhältlich.Als Füllstoff für Lacke, Wandfarben, Putzen und Klebern.Kaolin wird als natürliches Tonmineral (Porzellanerde,ein Tonerde-Silikat) z.B. als Füllstoff in Wandfarbenverwendet.Katalytisch wirksame Pigmente sind anorganischePigmente mit spezieller, feinteiliger Strukturund großer Oberfläche, welche organische Bestandteile,z. B. Schadstoffe, bei Lichteinwirkung aufspaltenund abbauen können.Kiefernterpenalkohol, wird durch hochsiedendeFraktionen aus der Destillation von Kiefern-Balsamterpentinölnach katalytischer Wasseranlagerung gewonnen.Kieselsäure – eine durch Flammenhydrolyse ausQuarzsand und Kalk hergestellte reine, feinteiligeKieselsäure ohne kristalline (Quarz)-Struktur, welcheals mattierender Füllstoff zum Einsatz kommt.Kokosfett-Kaliseife ist ein mit Kalilauge schonendverseiftes Fett aus den Samen der Kokospalme.Krappwurzeln – eine Färbedroge aus Mitteleuropa,mit hohem Gehalt an rotem Farbstoff, der für dieroten Pflanzenfarben-Pigmente in Wandlasuren eingesetztwird.Kreide ist ein natürliches Calciumcarbonat, welchesvermahlen und geschlämmt wird und dadurch übereine hohe Weißkraft und Kornfeinheit verfügt.Lavendelöl ist ein wasserdampfdestilliertes ätherischesÖl der im Mittelmeerraum beheimateten Lavendelpflanze.Lärchenharz-Balsam wird durch Anbohren derStämme gewonnen. Das ätherische, farblose und terpenartigriechende Balsamharz dient als Geruchsstoffund Bindemittel.Leinöl ist das fette Samenöl der Leinpflanze, welchesdurch Kalt- und Warmpressung und anschließendschonender Entschleimung und physikalischer Entfärbung(ohne chemische Bleichmittel) gewonnenwird. Dieser wertvolle Bindemittelbestandteil ergibteine hohe Elastizität und Kriechfähigkeit.Leinöl-Kaliseife ist ein aus reinem Leinöl durchVerseifung mit Kalilauge oder Pottasche hergestelltes,leicht wasserlösliches, pflegendes biologisch sehrleicht abbaubares Reinigungsmittel.Leinöl-Standöl entsteht durch Dickkochen vonLeinöl und stellt ein wertvolles Bindemittel für Lacke,Lasuren und Wandfarben dar.Lemongrasterpene, ein Destillat aus dem ätherischenÖl des in Ostindien beheimateten tropischenGrases.Milch-Casein wird aus Kuhmilch nach Abtrennungdes Fettes durch Ansäuern ausgeflockter Eiweißbestandteilder Milch hergestellt und dient als wertvollesBinde- und Emulgiermittel in Farben und Klebern.Mit milden Alkalien (Borax) wird Milch-Caseinzum Caseinleim aufgeschlossen.Naturharzfarben (Naturharz-Decklacke, natürlicheHolzlasuren, Natur-Dispersionswandfarben) bestehen,letztlich wie Ölfarben oder Naturharzlackeaus verschiedenen natürlichen Bindmitteln, Harzenund Ölen, natürlichen ätherischen Ölen bzw. Wasserals Lösungsmittel, mineralischen oder Erdfarben-Pigmentenund zur Verbesserung ihrer Eigenschaftenaus verschiedenen Hilfsmitteln wie Aminseifen, mineralischesBorax, Eucalyptusöl, Gips, Lavendelöl,pflanzliches Lecithin, Milch-Casein etc.42


Naturharzlacke gibt es sowohl für den Innen- alsauch für den Außenbereich; sie sind verglichen mitdem Oberbegriff „Naturharzfarben“ höher bindemittelhaltig,da sie als Lack dickere Schichten auf derOberfläche bilden sollen. Sie bestehen wie Naturharzfarbenaus natürlichen Rohstoffen. Hier sind vorallem die Bindemittel zu nennen: natürliche Öle, Harzeund Wachse. Dazu kommen Lösemittel wie Orangenöloder Citrusschalenöl bzw. Wasser bei den lösemittelfreienNaturharzlacken. Als Pigmente fungierenFüllstoffe wie Talkum, Kreide (oder ggf. Kalk)sowie die farbgebenden mineralischen oder Erdfarben-Pigmente.Des Weiteren können sie verseifte Naturharzeund -wachse sowie Hilfsstoffe, zum BeispielBorax, enthalten. Naturharzlacke können bis zu 40%Lösemittel enthalten; es gibt sie aber auch lösemittelfreiund wasserverdünnbar. Sie brauchen im Vergleichzu Kunstharzlacken länger, bis sie getrocknetsind.Natur-Kautschukmilch wird aus dem heute inSüdostasien kultivierten Kautschukbaum durch Anritzengewonnen. Der Milchsaft stellt eine hochkonzentriertenatürliche Dispersion von Naturgummi(Kautschuk) in Wasser dar. Als unverzichtbares Bindemittelfindet man Natur-Kautschukmilch vor allemin Klebern. Gegen Ausflocken beim Transportenthält der Kautschuk beim Transport stets etwasSalmiakgeist.Natur-Wachse bzw. Wachsprodukte bestehenaus Gemischen verschiedener Naturwachse, meistBienenwachs und Carnaubawachs. Sie bilden äußerstdünne Schichten auf der Oberfläche; müssen poliertwerden und ergeben sparsame, aber höchst effektive,schmutz- und wasserabweisende Oberflächenbehandlungen.Carnaubawachse sind die härtestenWachse. Oberflächenbehandlungen, die Carnaubawachsenthalten, sind daher besonders widerstandsfähig.Zur besseren Verarbeitung und zur Verbesserungihrer Eigenschaften werden sie mit ätherischenÖlen und Leinölen gemischt. Als Pflegemittel(Bodenmilch) werden sie auch als wasserlöslicheEmulsionen eingesetzt.Orangenöl ist ein bei der Apfelsinensaftproduktionanfallendes ätherisches Öl. Die abdestillierten,stark duftenden Anteile werden in der Parfümistikund Aromatherapie eingesetzt, die schwächer riechenden„Terpen-Basen“ als Lösemittel zum Lösender Harze und Öle.Organische Säuren sind Kohlenstoffverbindungenmit leicht sauren Eigenschaften (im Unterschiedzu den bekannten Mineralsäuren wie Schwefelsäure).Solche organischen Säuren können in Kombinationmit Bindemitteln auf der Basis pflanzlicher Harzeund Öle deren anstrichtechnischeEigenschaften verbessern.Ölfarben bestehen aus Pflanzenölen, ätherischenÖlen (als Lösemittel), Trockenstoffen und Farbpigment.Die Eigenschaft einer Ölfarbe wird in erster Linievom Bindemittel bestimmt. Die Grundstoffe (Bindemittel)für die Herstellung von Ölfarben sind z.B.Leinöl (ausgepresste Leinsamen, günstige Herstellung,trocknet sehr langsam, vergilbt stark) und Leinölfirnis(mit Trockenstoffen verkochtes Leinöl, welchesdie Trockenzeit auf ca. 24 Stunden verkürzt). AlsLösemittel werden Orangenöl, Citrusschalenöl undgegebenenfalls noch Balsamterpentinöl (Destillat ausKiefernharz) eingesetzt. Vorgrundierungen enthaltenin der Regel einen höheren Lösemittelanteil alsdie Deckenanstriche, damit das Öl schneller und tiefereindringt. Zum Einfärben von Ölfarben werdendie verschiedensten Pigmente eingemischt. Lasurensind Ölfarben mit geringem Pigmentanteil zum Holzschutzim Außenbereich.Pflanzenseife wird aus mit Kalilauge schonendverseifte pflanzliche Fette und Öle hergestellt undhauptsächlich in Wasch-, Reinigungs- und Pflegemittelneingesetzt.Pottasche, ein früher aus Pflanzenasche gelaugtes,heute durch Umsetzung von Soda mit Kaliseifen gewonnenesmildes Alkali. Pottasche wird für die Verseifungvon Pflanzenwachsen, -harzenund –ölen genutzt.43


Quarzsand ist eine kristalline Kieselsäure (Siliciumdioxid)und eines der häufigsten Mineralien derErdkruste. Bei der Verwitterung von Erstarrungsgesteinenbleibt es als chemisch sehr widerstandsfähigesMaterial zurück. Quarzsand ist nahezu unbegrenztverfügbar.Reseda ist eine Färbepflanze zur Herstellung desgelben Pflanzenfarben-Pigments.Rizinen-Standöl entsteht durch Dehydratisierung(Wasserentzug) des Rizinusöls und ist ein trocknungsfähiges,wertvolles Bindemittel.Rosmarinöl – ein ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillationaus den Blättern des echten Rosmarinshergestellt wird. Das Öl hat milde fungizideund konservierende Eigenschaften.Safflor-Standöl ist ein aus dem fetten Samenöl derSafflor-Distel hergestelltes, trocknendes Öl, welchesdurch Kochen zum gilbungsarmen Bindemittel verdickt.Salmiakgeist ist eine alkalische Lösung von Ammoniakin Wasser zur Herstellung spezieller, wasserlöslicherHarz-, Wachs-, Ölseifen, den sogenanntenAmmoniumseifen.Schellack, ein Symbioseprodukt eines vor allem inIndien beheimateten Baumes und der darauf lebendenLackschildlaus. Die Harzkrusten werden vonden Zweigen gelöst, heiß durch Tücher filtriert undrein physikalisch gebleicht. Schellack findet Verwendungals elastisches Bindemittel für schnell trocknendeLacke, oft glänzender Möbel- und Instrumentenlackund Sperrgrund für Wasser-, Nikotin- undTeerflecken. In wasserlöslicher Form als Lasurfarbefür Wände und als lösemittelfreie Grundierung fürHolz geeignet.Silikatfarbe (Wasserglas-Farbe) Quarzsand(Silikat) wird mit Pottasche unter großer Hitze geschmolzenund zu einer wässerigen Silikatschmelzeverarbeitet (Kali-Wasserglas). Dies sind die sogenanntenSilikatfarben. Die Verkieselung (Aushärtung)mit dem Untergrund erfolgt durch Wasserabgabeund Kohlenstoffaufnahme aus der Luft. Dadurchwerden sie sehr „hart“, wasserfest, witterungs- undsäurebeständig. Voraussetzung: siliziumhaltige, mineralischeUntergründe wie Kalkmörtel, Putze ausKalk oder Kalkzement, Beton, Natursteine (nicht aberGips).Sonnenblumenöl ist ein hellgelbes fettes Öl ausden Samen der Sonnenblumen und wird in Lacken,Farben und Seifen eingesetzt.Talkum, ein natürliches Silikat-Mineral mit ausgeprägterSchichtstruktur („Speckstein“).Titandioxid ist ein sehr gut deckendes, ungiftigesWeißpigment für Farben und Lacke und wird aus natürlichenMineralien durch Abtrennung farbiger Begleitstoffehergestellt.Trockenstoffe (bleifrei) sind aus Mineralien vonCalcium, Cobalt, Zirkonium oder Mangan hergestellteHilfsstoffe, Metallseifen, zur Trockenzeitverkürzungvon Pflanzenölen.Ultramarinblau ist ein anorganisches Pigment, derenKristallstruktur ähnlich Lapislazuli ist. Es wirdin allen blauen Lasuren und Lacken als mineralischesPigment ein gesetzt.Weißkalkhydrat ist gelöschter Kalk (Sumpfkalk)in Pulverform. Hergestellt wird dieser durch Brennenvon Kalk und anschließendes Trockenlöschen.Seit der Antike ist Weißkalkhydrat Bindemittel fürKalkmörtel und Kalkfarben.Schellack (Ammoniumseife) wird durch Verseifenmit Salmiakgeist hergestellt und als wasserlöslicheDispersion sowie als Bindemittel für Pflanzenfarbenverwendet.44

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