B I L D U N G S C H W E I Z - beim LCH

lch.ch

B I L D U N G S C H W E I Z - beim LCH

BILDUNG SCHWEIZ 11 I 2010 ............................................... LCH UNtERWEGS

dass sie hierarchisch von oben

gesteuert werden könne. Die

Dozierenden wüssten am besten,

was fachlich relevant und

pädagogisch sinnvoll ist, steht

in einer Medienmitteilung des

Verbandes.

Forschende als Jongliermasse

Aber auch inhaltlich gibt es

Verbesserungspotenzial und

damit Arbeit für den Verband.

Ein wunder Punkt, so Martin,

sei die Vermischung der unterschiedlichen

Kompetenzen und

Aufträge als Folge des Spardrucks.

«Dozierende und Forschende

werden zur Jongliermasse,

indem je nach Dringlichkeit

Mitarbeitende von der

Forschung abgezogen und als

Dozenten eingesetzt würden.

Wenn gar wissenschaftliche

Mitarbeitende zu tieferen Löhnen

angestellt und später in

der Lehre arbeiten, ohne eine

Lehrausbildung zu haben, sei

dies eine Sparübung auf dem

Buckel der Studierenden.

«Besorgniserregend», so Denise

Martin, sei es auch, dass

eine Tendenz festzustellen sei

in Richtung Teilpensen-Anstellungen.

«Dies erschwert unter

anderem die Identifikation der

Mitarbeitenden mit der einzelnen

Fachhochschule.»

Im Weiteren habe die Umstellung

auf modulare Studiengänge

dazu geführt, dass häufig

die Inhalte eines Moduls

nicht von den Fachpersonen

ausgearbeitet werden, welche

das Modul später auch unterrichten.

Das heisst, Dozierende

werden aufgefordert, unter

Umständen irgendein Modul

zu übernehmen, was nicht zur

Qualitätssteigerung der Ausbildungsgänge

beitrage.

Dozierende als Kostenstelle

Dozentinnen und Dozenten haben

im Allgemeinen einen

mehrfachen Leistungsauftrag,

der Lehre, Forschung, Weiterbildung

und Dienstleistung

umfassen kann. Mit der Einführung

der Jahresarbeitszeit

wurden Pauschalen für die einzelnen

Bereiche festgelegt, die

anfänglich grosszügig bemessen

waren, unter zunehmendem

Spardruck aber reduziert

wurden. So sei beispielsweise

die Stundendotation für die Betreuung

der Bachelorarbeiten

der Studierenden an den einzelnen

FH unterschiedlich hoch

und häufig zu knapp bemessen.

Eine solch einengende

«Stundenbuchhaltung» gehe zulasten

der Kreativität. Dagegen

anzukämpfen, sei jedoch äusserst

schwierig.

«Unter den Sparanstrengungen

der Politik werden Dozierende

auf eine ‹Kostenstelle› reduziert»,

stellt Denise Martin

weiter fest. Arbeiten, welche

in keine Kostenstelle passen,

existieren einfach nicht, können

also auch nicht bezahlt

werden, sinnvolle Weiterbildungen,

Tagungen, Kongresse

würden oft nur ungenügend

finanziert. Diese Unzulänglichkeiten

führen dazu, dass einige

Dozierende der FH den Rücken

kehrten und zurück in die

Gymnasien, Berufsschulen

oder in die Industrie gingen.

Korrekturen und Entwicklungen

seien also in verschiedenen

Bereichen nötig. «Das

heisst aber nicht, dass wir eine

Rückkehr zu alten Strukturen

wollen», betont Denise Martin.

Als durchaus nützlich für die

Arbeit des Verbandes schätzt

sie deshalb die angebotene

Unterstützung des LCH ein.

Weiter im Netz

www.fh-ch.ch

LCH-Zentralsekretärin Franziska Peterhans

Mehr Spielraum

für Lehrende

Franziska Peterhans,

Zentralsekretärin LCH

Die Bologna-Reformen haben

unter anderem die Ausbildungen

modularisiert und untereinander

kompatibler gemacht,

was durchaus zu begrüssen ist.

Was mich aber zunehmend

irritiert, sind die Nebenwirkungen

von grossen Bildungs- und

Verwaltungsreformen!

Wenn ich Dozierende im Organigramm

der Fachhochschulen

suche, finde ich sie auf den untersten

Stufen einer langen

Hierarchieleiter. Sie unterstehen

den Instituts- und Studiengangsleitenden,

diese sind den

Bereichsleitenden unterstellt,

diese den Hochschuldirektionen,

diese dem Direktionspräsidenten.

Der Direktionspräsident

wiederum ist dem Fachhochschulrat

unterstellt, dieser dem

Regierungsausschuss und zuoberst

stehen dann Bund oder

Kantone, je nach Zuständigkeit.

Was also, wenn Dozierende

eine aus ihrer Sicht sinnvolle

fachliche oder pädagogische

Veränderung einleiten wollen?

«Joggeli wott go Birli schöttle,

Birli wänd ned falle...» Die Ge-

25

schichte, die ich vor vielen Jahren

als Lehrerin den Erstklässlern

erzählt habe, kommt mir

dazu spontan in den Sinn. Die

Fortsetzung der Geschichte

führt dann irgendwann zu folgendem

Sachverhalt:

«Do schickt de Meischter de

Metzger us, er söll go s Chälbli

stäche. Metzger wott nid Chälbli

stäche, Chälbli wott nid Wässerli

sufe, Wässerli wott nid

Füürli lösche, Füürli wott nid

Chnebeli brönne, Chnebeli wott

nid Hündli haue, Hündli wott

nid Joggeli biisse, Joggeli wott

nid Birli schüttle, Birli wei nid

falle.»

Die schier endlosen Hierarchiestufen

im Fachhochschulwesen

erinnern mich an diese

Geschichte. Wie um Himmels

willen soll denn eine relevante

Meldung aus der Praxis je das

System nachhaltig verändern,

wenn so viele Ebenen involviert

sind. Und wie soll denn

eine Neuerung von oberster

Ebene je rechtzeitig und noch

in der vollen Sinnhaftigkeit von

Dozierenden umgesetzt werden,

wenn so viele Stufen zu

überwinden sind.

Darum unterstütze ich das Anliegen

der Dozierenden entschieden,

in sämtlichen Führungsgremien

der Fachhochschulen

mit Stimmrecht vertreten zu

sein. Dozierende wissen aus

ihrer täglichen Arbeit mit den

Studierenden, was fachlich relevant

und pädagogisch sinnvoll

ist. Dieses Praxiswissen gilt

es zu würdigen und gewinnbringend

einzusetzen.

Als gut vernetzter Dachverband

kann der LCH anbieten,

diese und weitere Anliegen der

FH-Dozierenden gegenüber

der EDK und dem Bund zu vertreten.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine