Rohstoff des 21. Jahrhunderts - Musikforum

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Rohstoff des 21. Jahrhunderts - Musikforum

© Thorsten Freyer/PixelioFOKUSFür die Kreativwirtschaft stehees „fünf vor zwölf“. So zumindesthaben die Dienstleistungsgesellschaftver.di und die Spitzenorganisationender Film-, Buch-,Musik- und TV-Branche bei einerPressekonferenz im April aus ihrerSicht die Situation des geistigenEigentums im Internet beschrieben.Mit diesem „Weckruf“ sollte deutlich gemachtwerden, dass der „Umsonst-Mentalität“im Internet stärker entgegengewirkt werdenmüsste. Wenn keine stärkeren Maßnahmengegen den Diebstahl geistigen Eigentumsim Internet entwickelt würden, bliebe derKreativbranche nichts anderes als zuzusehen,wie durch die zunehmende Entwicklung desInternets und seiner digitalen Möglichkeitenkreative Werke wie Musik, Filme, Bücher,Bilder etc. im Netz weiter illegal heruntergeladen,getauscht und vervielfältigt würden.Der Umgang mit dem geistigen Eigentumim Netz wirft zunehmend Fragen auf: Wiekönnen digitale Inhalte im Netz stärker urheberrechtlichgeschützt werden? Und wiekönnen die Urheber angemessen vergütetwerden? Neben diesen auf rechtliche Implikationenverweisende Fragen geht es auchum eine ganz grundsätzliche: Welchen Stellenwerthaben Kunst und Kultur und damiteinhergehend das geistige Eigentum einesKünstlers in einer Gesellschaft, in der Fotos,Bilder, Musik, Spiele in Sekundenschnellekopiert und vervielfältigt werden können? Undwas bedeutet dies für den Umgang mit denNeuen Medien?Enquete-Kommission „Internetund digitale Gesellschaft“Klar ist, dass es im Zeitalter der Digitalisierungeine zentrale Aufgabe aller Akteure(Staat, Urheber und Verbraucher) ist, einenSpagat zwischen dem barrierefreien Zugangzu Informationen und Werken und der angemessenenVergütung derer zu finden, diediese Informationen bzw. Werke produzierenund geschaffen haben. Zunehmend sindaber auch die Bildungseinrichtungen gefragt,sich diesem Thema von medienpädagogischerSeite zu widmen. Dass dies eine zentraleAufgabe für die kommenden Jahre sein wird,zeigt auch die Einsetzung der Enquete-Kommission„Internet und digitale Gesellschaft“Geistiges Eigentum und Kreativität sind im Internet-Zeitalternur schwer zu schützen. Kulturelles Bewusstsein ist gefragtES GEHT UM DENRohstoff des 21. JahrhundertsVon Kristin Bässlerdes Deutschen Bundestages . So heißt es imAntrag der Fraktionen CDU/CSU, SPD, FDPund Bündnis 90/Die Grünen für den Einsetzungsbeschlusszu der Enquete-Kommission:„Das Internet führt zu einer tiefgreifendenVeränderung des Medienverhaltens und schafftvöllig neue Möglichkeiten für den Vertriebund die Nutzung kreativer Inhalte und künstlerischerWerke. Das Verständnis für dieBedeutung des Urheberrechts zu fördern undgeistiges Eigentum zu achten, ist zugleich einegesellschaftspolitische Aufgabe.“Die Enquete-Kommission, bestehend ausAbgeordneten des Deutschen Bundestagesund externen Sachverständigen, hat AnfangApril ihre Arbeit im Bundestag aufgenommenund wird neben Wirtschafts- und Verbraucherfragenauch den Bereich „Kultur undMedien“ sowie Fragen zur Medienkompetenzbeleuchten. Ziel ist es, am Ende derzweijährigen Arbeit, politische Handlungsempfehlungenzu erarbeiten. Dabei sollen˜ die Verbesserung der Medienkompetenz,Medienerziehung in Schule, Hochschulesowie Aus- und Weiterbildung im Sinne eineslebenslangen Lernens,˜ die Stärkung der Medienverantwortungund Medienkompetenz bei Anbietern undNutzern sowie˜ die Veränderungen der Produktion,Distribution und Nutzung von künstlerischenWerken und kreativen Inhaltengenauso eine Rolle spielen wie die Auswirkungender Entwicklung großer globalerInternetkonzerne oder die Verbraucherschutzpolitikin der digitalen Gesellschaft und dieAnforderungen an einen internationalenVerbraucherschutz.Medienverantwortung undMedienkompetenzSie sind grundlegende Fähigkeiten des 21.Jahrhunderts: Medienverantwortung undMedienkompetenz. Dies zeigen neben derregen Diskussion um schärfere gesetzliche Regelungendes Urheberrechts im Netz und dieDiskussion um neue Vergütungsmodelle auch10MUSIKORUM


medienpädagogische Überlegungen, wie durchAufklärung und Prävention Kinder, Jugendlicheund Erwachsene einen verantwortungsbewusstenUmgang mit Neuen Medien vermitteltbekommen können. Medienkompetenzbedeutet Medienkritik, Medienkunde,Mediennutzung, Mediengestaltung – vierDimensionen der Medienkompetenz, die derMedienpädagogen Dieter Baacke im Jahr 1999einführte. Bei der Frage um den Schutz desgeistigen Eigentums geht es nämlich nicht nurum gesetzliche Rahmenbedingungen, sondernauch um die medienpädagogische Frage, wiemit kulturellen digitalen Produkten umgegangenund welchen Wert ihnen beigemessenwird.Bereits im Jahr 2008 verdeutlichte derDeutsche Kulturrat in seiner Stellungnahme„Neue Medien: Eine Herausforderung für diekulturelle Bildung“, dass die neuen und schnellenDistributionswege digitaler Medien einenunmittelbaren Einfluss auf die Entwicklungunserer Kultur haben und dies nicht nur inHinsicht auf neue Formen der Kommunikationund Verbreitung, sondern auch vor demHintergrund der Diskussion um den Missbrauchurhheberrechtlich geschützter Produkte.Medienkompetenz ist umso bedeutender,als das viele technische Modelle zum Schutzdes geistigen Eigentums im Netz oft eher kurzlebigsind, da sich die Technik und die digitalenMöglichkeiten rasant verändern. Insofernscheint eine langfristige Nachhaltigkeit durchAufklärung sinnvoll.„PlayFair“ geht an die SchuleGedanken, wie Medienverantwortung undMedienkompetenz bei Anbietern und Nutzerngestärkt werden können, hat sich auchdie Musikindustrie gemacht und weitereMöglichkeiten entwickelt, wie beispielsweiseder Internetpiraterie entgegengewirkt werdenkann. Durch das Projekt „PlayFair – RespectMusic“ des Bundesverbands Musikindustrie,das in Zusammenarbeit mit der Hochschulefür Musik und Theater Hannover durchgeführtwird, sollen Schülern und Lehrern denWert der Musik und der Kreativität vermitteltbekommen. „Wenn es nicht gelingt, beiKindern und Jugendlichen ein Bewusstseindafür zu schaffen, dass der Wert von Musik,Film oder Literatur unabhängig von Trägermedienwie der CD, der DVD oder demBuch ist, verspielen wir die kulturelle undökonomische Zukunft dieser Branchen“, erklärteDieter Gorny, Vorsitzender des BundesverbandesMusikindustrie, bei der Vorstellungdes Projekts im vergangenen Jahr.„PlayFair – Respect Music“ setzt in derSchule an. Nicht nur Schülern, sondern vorallem auch Lehrern soll mit Hilfe von AusundFortbildungen vermittelt werden, wie engkulturelle und ökonomische Aspekte in derKulturwirtschaft zusammenhängen. Der Ansatzist einfach: Wenn Kindern und Jugendlichendeutlich gemacht wird, was es bedeutet,ein Musikstück zu schreiben, zu komponierenund dann zu produzieren, dann sollensie auch ein Gespür für die Unrechtmäßigkeitbekommen, Musikstücke am Urhebervorbei zu verbreiten. Dass dieses Bewusstseinbei vielen Kindern und Jugendlichenbereits latent vorhanden ist, zeigen Interviews,die im Rahmen des Projekts mit einer Reihevon Jugendlichen gemacht wurden. Die Jungenund Mädchen erklärten, dass Musik nichtillegal aus dem Internet heruntergeladenwerden dürfe, erzählten aber zugleich, wiesie sich ihre Lieder aus dem Internet ziehen,um diese dann mit ihren Freunden zu tauschen.Bewusstsein für kulturelleProdukte stärkenDiese Diskrepanz zwischen Bewusstseinund dem tatsächlichen Handeln soll mit demProjekt „Play Fair“ geschlossen werden. Insgesamtsieht das dreijährige Modell bis EndeRespect Music!2011 musikpädagogische Pilotprojekte, wissenschaftlicheBegleitforschung und damit auchgesellschaftliche Impulse vor. Der Umgangmit neuen Medien soll sensibilisiert werdenund der Musikunterricht dahingehend verbessertwerden, dass kreative Anteile wieSelbstproduktionen stärker fokussiert werden.Das kulturelle Bewusstsein für Musik sollgeweckt und die Wertschätzung für kulturelleProdukte gestärkt werden. Zudem sollenin Aus- und Fortbildungen (Musik-)Lehrergeschult werden, Kindern und Jugendlichendies alles zu vermitteln.Inwiefern das Projekt am Ende seinemedienpädagogische Wirkung erzielen kann,wird sich zeigen. Es ist aber ein erster Schritt,um bereits frühzeitig das Bewusstsein für denWert der Kreativität zu schärfen und deutlichzu machen, dass kreative Produkte wieBücher, Musik, Filme, Bilder etc. genauso wenigim Netz umsonst zu haben sind, wie in einemGeschäft. Deswegen forderten die Spitzenorganisationender Film-, Buch-, MusikundTV-Branche im Nachgang an ihre Pressekonferenzauch, die Verbraucher verstärktfür die „Bedeutung des geistigen Eigentumsals ‚Rohstoffdes 21. Jahrhunderts zu sensibilisieren.“Kindern und Jugendlichen den Wert musikalisch-kreativerLeistungen vermitteln – darum geht es der Initiative„PLAY FAIR – RESPECT MUSIC“ (das MUSIKFORUM berichtete bereits).Diese Vermittlung geschieht über aktiven Musikunterricht an den Schulen,neue Unterrichtskonzepte sollen wieder Lust auf Musik machen.Die Initiative ruft Wettbewerbe zu den Themenbereichen „Wert und Schutzder Kreativität“ aus. Auch im laufenden Jahr gibt es wieder Wettbewerbefür Schüler, die die eigenständige kreative Arbeit zum Thema haben.Informationen:U www.playfair.hmt-hannover.deDie Wettbewerbe werden von der Strecker-Stiftung unterstützt undbieten durch hohe Preisgelder und breitenwirksame Veröffentlichungender besten Einreichungen einen hohenAnreiz für thematisch Interessierte.MUSIKORUM11

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