fl doku/innen_band_6 Kopie - Landesverwaltung Liechtenstein

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fl doku/innen_band_6 Kopie - Landesverwaltung Liechtenstein

Kultur und Sport

Fürstentum Liechtenstein

Eine Dokumentation

Band 6


Inhaltsverzeichnis

Kultur 5

Gesetzliche Grundlagen und Organisation staatlicher Kulturpolitik 6

Finanzielles 7

Bildende und angewandte Kunst 8

Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein 9

Kunstmuseum Liechtenstein 12

Status und Geschichte 12

Die Sammlung 13

Das Kunstmuseum Liechtenstein 14

Ausstellungen und Kunstvermittlung 15

Theater, Tanz und Bühnen in Liechtenstein 16

Theater am Kirchplatz 18

Geschichte und Organisation 18

Programm 20

Musik in Liechtenstein 21

Josef Gabriel Rheinberger 23

Literatur und Verlage, Film und Kino 25

Pen-Club Liechtenstein 27

Liechtensteinische Landesbibliothek 29

Gründung 29

Aufgaben 29

Räumliche Entwicklung 30

Die Bibliotheksbestände und ihre Benützung 31

Bibliotheksnetzwerke und Katalogverbünde 33

Kulturpflege 34

Der Historische Verein für das Fürstentum Liechtenstein 35

Liechtensteinisches Landesmuseum 38


Kultur und Sport

Postmuseum 40

Die Liechtensteiner Briefmarken 40

Weitere Kulturträger 42

Archive in Liechtenstein 43

Liechtensteinisches Landesarchiv 43

Hausarchiv der regierenden Fürsten von Liechtenstein 45

Gemeindearchive 45

Kirchliche Archive 46

Josef Rheinberger-Archiv 46

Denkmalschutz und Architektur in Liechtenstein 47

Sport in Liechtenstein 49

Leitlinien der staatlichen Sportförderung 49

Institutionen des öffentlichen Sportwesens 53

Finanzierung der Sportförderung 57

Der Liechtensteinische Olympische Sportverband 60

Freizeit 61

Wichtige Adressen und Öffnungszeiten 62

Impressum 64

Bild Seite 4: Mimmo Paladio «Cavallo» (1996); Bronze, Stahl und Blattgold; 380 x 263 x 113 cm

Standort: Burg Gutenberg, Balzers


Kultur

Kultur und Sport

«Kunst ist ja in Liechtenstein eine Dienstleistung! Zwar eine ohne Auftrag, aber

dennoch ...» – «Mit Begabung hat die Kunst hierzulande nichts zu tun!

Oder mit Talent!» – «Oder gar mit Können! Hier kommt die Kunst nach wie

vor von Gunst! Und von Gönnen!» – «Und natürlich von Gönnern!» –

«In Ermangelung einer eigentlichen Kundschaft ist ja der Günstler auf

die Günstlinge angewiesen.» – «Auf Leute, Finanzdienstleister meist, die

sich etwas Kunst gönnen. So wird die Gunst, wenn sie zur Kunst wird, von

Dienstleistern gemacht.»

Etwas weniger überspitzt formuliert: Das kulturelle Leben in Liechtenstein ist geprägt

von strukturellen Besonderheiten, die sowohl Schwierigkeiten darstellen

als auch Chancen sind. Die meisten dieser Strukturmomente hängen mit den

kleinen Verhältnissen des Landes zusammen: Liechtenstein besitzt keine Stadt,

in der sich an Kunstakademien oder Konservatorien ein reges kulturelles Leben

entfalten könnte, in der sich verschiedene Kulturszenen im dauernden Austausch

oder Wettstreit befinden könnten. Zwar verfügt das Land – gemessen

an der Grösse – über ein sehr reichhaltiges Kulturleben, die «kritische Masse»

an Kunstschaffenden und Kulturveranstaltern kann allerdings kaum erreicht

werden, es fällt unter diesen Bedingungen schwerer, das Kunstschaffen kritisch

zu betrachten und zu beurteilen. Das zwingt Liechtenstein dazu, in beständigem

Austausch mit dem Ausland zu sein. Liechtensteins Künstlerinnen und Künstler

gehen ins Ausland zur Ausbildung, Liechtenstein lädt ausländische Kunstschaffende

ins Land ein. So kann gerade diese Kultur in scheinbar prekären Verhältnissen

eine vornehme Aufgabe erfüllen: Sie öffnet die Augen für Fremdes, sie

lässt sich aus fremden Augen betrachten.

Liechtenstein befindet sich wirtschaftlich in einer ausgezeichneten Lage und hat

damit die Möglichkeit, zu einem kulturellen Zentrum zu werden. Das Theater

am Kirchplatz und das Kunstmuseum Liechtenstein strahlen weit in die Region

aus und mit den Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein befindet sich eine

der berühmtesten Sammlungen alter Kunst in Liechtenstein. Liechtenstein hat

eine grosse Anzahl an privaten Sammlern und Gönnern und die Privatwirtschaft

wurde sich in den letzten Jahren auch zunehmend ihrer Verantwortung für öffentliche

und kulturelle Interessen bewusst.

Traditionelle Formen der Kultur geniessen in Liechtenstein einen hohen Stellenwert.

Das Vereinsleben ist sehr aktiv und übernimmt einen grossen Teil der Aufgabe,

Heimat zu vermitteln und dem Land die Kultur zu erhalten.

Liechtensteinische Kultur ist im Vergleich zum Ausland stark geförderte Kultur.

Sie bedarf auch dieser Förderung, ist sie doch nicht einfach lokale Kultur, sondern

gleichzeitig regionale und nationale Kultur, welche einen Teil der liechtensteinischen

Identität darstellt. Wie in andern Bereichen, etwa der Aussenpolitik,

Dialog aus «Hirsch & Wurscht»,

der Produktion 2000 des

Liechtensteiner Gabaretts LiGa;

Text: Mathias Ospelt

5


6

muss der Staat auch in der Kulturpolitik grosse Anstrengungen unternehmen –

weil Liechtenstein Staat sein will.

Gesetzliche Grundlagen und Organisation staatlicher Kulturpolitik

Einen eigentlichen Kulturartikel in der liechtensteinischen Verfassung gibt es

nicht. Hier wird auf den ersten Artikel im Abschnitt «Von den Staatsaufgaben»

verwiesen, der den Staat mit der «Förderung der gesamten Volkswohlfahrt» als

oberster Aufgabe beauftragt. Seit einem Gesetzeserlass von 1964 (und späteren

Überarbeitungen) besteht in Liechtenstein ein Kulturbeirat als Kommission der

Regierung. Mit dem Kulturförderungsgesetz von 1990 wurde die Kulturpolitik

und -förderung neu geregelt. Als Zielsetzung wird hier formuliert: «Das Land

fördert im Interesse der Gesamtbevölkerung kulturelle Tätigkeiten. Es schafft die

Voraussetzung für die Organisation und Ausübung kultureller Tätigkeiten insbesondere

dann, wenn sie im Lande ausgeübt werden oder in einer besonderen

Beziehung zum Land stehen.»

Staatliche Kulturpolitik ist dem Ressort «Kultur» zugeordnet. Für die Musikschule

und die Kunstschule ist das Ressort «Bildungswesen» zuständig. Die

beiden wichtigsten Institutionen sind der Kulturbeirat, der die Regierung bei der

Förderung und Koordination der kulturellen Tätigkeit berät und die Stiftung

«Pro Liechtenstein» verwaltet, sowie die Stabsstelle für Kulturfragen, die 1999

für die Umsetzung kultureller Aktivitäten geschaffen wurde. Die Regierung arbeitet

darauf hin, ein Amt für Kultur einzurichten, das in sich alle staatlichen

Tätigkeiten für die Belange der Kultur vereinigen soll. Da sich (wie z.B. bei der

Musik- und der Kunstschule) die Ressorts «Bildungwesen» und «Kultur» immer

wieder ergänzen oder überschneiden, sei hier auf den Band 4 «Bildung» dieser

Publikationsreihe verwiesen.

Ein grosses Augenmerk schenkt die Regierung der internationalen Zusammenarbeit.

Liechtenstein engagiert sich in der UNO, im Europarat, bei der Internationalen

Bodenseekonferenz IBK und in der «Konferenz der Kulturbeauf-


Kultur und Sport

tragten der Ostschweizer Kantone und des Fürstentums Liechtenstein». Als

Mitglied im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), der selbst auch eine «Arbeitsgruppe

für kulturelle Angelegenheiten» unterhält, kann Liechtenstein am

Kulturförderungsprogramm der EU teilnehmen.

Finanzielles

2000 hat der Staat für die Kultur über 25 Mio. Schweizer Franken ausgegeben,

davon 7 Mio. als Investitionen. Die rund 18 Mio. entsprechen 2,8 Prozent der

gesamten Ausgaben aus der Landesrechnung 2000. Die höchsten Budgetposten

bilden die Aufwendungen für die Musikschule (3,3 Mio.), die Landesbibliothek

(1,5 Mio.), das Theater am Kirchplatz (2,2 Mio.), das Kunstmuseum

Liechtenstein (5,8 Mio.) sowie das Postmuseum und die Briefmarkengestaltung

(2,4 Mio.). Diese Zahlen ergeben eine erstaunlich hohe Pro-Kopf-Belastung. Wie

nicht anders zu erwarten, sind die Auslagen für Kultur in einem Kleinstaat

wesentlich höher als in andern Staaten. Im Vergleich zur Schweiz gibt

Liechtenstein pro Kopf auf Landesebene 4,5-mal soviel aus, auf Gemeindeebene

steigt die Zahl um das 5,5fache.

Der Liechtenstein-Pavillon an

der Expo 2000 in Hannover

7


8

Bildende und angewandte Kunst

Die bildende und angewandte Kunst ist von allen Facetten liechtensteinischer

Kultur jener Teil, der im Ausland den höchsten Bekanntheitsgrad erlangt hat.

Das liegt in erster Linie an den weltberühmten Sammlungen des Fürsten von

Liechtenstein und am Kunstmuseum Liechtenstein, das mit dem neuen Museumsbau

einen Ausstellungsort mit grosser Strahlkraft bekommen hat, aber

auch an vielen erfolgreichen Künstlern und Künstlerinnen, die seit Jahrzehnten

immer wieder auf sich aufmerksam machen.

Momentan beschäftigen sich rund 50 Kunstschaffende in Liechtenstein professionell

mit Malerei und Bildhauerei. Sie können dabei auf grosse Förderung von

staatlicher und privater Seite zählen und finden im Land beim Publikum relativ

grosses Interesse für ihre Arbeiten und eine sehr gute Infrastruktur. Der Kulturbeirat

der Regierung fördert das Kunstschaffen durch Kulturaustauschprojekte

und durch das regelmässige Ausschreiben von Werkjahrstipendien, die es der

Künstlerin oder dem Künstler erlauben, sich ohne finanzielle Sorgen auf ein

Projekt oder eine Weiterbildung konzentrieren zu können. Weiter unterstützt

er die zeitgenössische Kunst mit seiner Sammlung, für die er regelmässig Werke

liechtensteinischer Kunstschaffender erwirbt und indem er finanzielle und strukturelle

Hilfe leistet, wenn es um die Planung von Ausstellungen oder das

Veröffentlichen von Werkkatalogen geht.

Die Liechtensteinische Kunstgesellschaft wurde ursprünglich mit dem Ziel gegründet,

ein Kunsthaus zu errichten und zu betreiben. Nachdem dieses Ziel mit

dem Kunstmuseum Liechtenstein erreicht wurde, fungiert die Kunstgesellschaft

als Veranstalterin von Vorträgen und Kunstbetrachtungen. Sie unterstützte 1993

die Gründung der Kunstschule Liechtenstein, welche als Vor- oder Förderstufe

einer Kunstakademie oder einer Kunstgewerbeschule Menschen jeden Alters in

verschiedenen Fächern ausbildet.

Das Land bietet eine grosse Anzahl an Möglichkeiten, Kunstwerke auszustellen

und zu verkaufen: das Kunstmuseum Liechtenstein, das Theater am Kirchplatz,

die Galerie «DoMuS» (Dorfmuseum) und das Haus Stein-Egerta in Schaan, die

Tangente und das Pfrundhaus in Eschen, die Alte Weberei und das Atelier 11 in

Triesen, der Verein Schichtwechsel in Vaduz sowie eine Reihe privater Galerien

und anderer Austeller wie z.B. Bankinstitute und Geschäftshäuser.

Mit dem Werk und dem Nachlass bedeutender Künstler Liechtensteins befassen

sich mehrere Stiftungen, so die Prof. Ferdinand Nigg Stiftung, die Kanonikus Anton

Frommelt Stiftung und die Prof. Eugen Zotow-Ivan Miassojedoff-Stiftung.


Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

Kultur und Sport

Die Fürstlichen Sammlungen bilden den herausragendsten kulturellen Schatz,

der in Liechtenstein zu finden ist. Davon zeugen zahlreiche wissenschaftliche

Publikationen und das grosse Echo, welches die Sammlungen bei grossen

Ausstellungen in Luzern (1948), New York (1985/86), Jerusalem und Luxemburg

(beide 1995) fand. In Liechtenstein konnten die Sammlungen noch nie

in ihrem ganzen Umfang gezeigt werden. Zwar gab es in den 1960er- und

1980er-Jahren Bestrebungen, in einem grossen Kunsthaus die Fürstlichen und

Peter Paul Rubens (1577–1614)

«Venus vor dem Spiegel»

(ca. 1613–1614)

Holz; 124 x 98 cm

Inv. Nr. G 120

9


10

Oben:

Adriaen de Fries (1545–1626)

«Christus im Elend» (1607)

Bronze; Höhe: 149 cm

Inv. Nr. S 515

Unten:

Dionysio Miseroni

(ca. 1607–1661)

«Maienkrug» (1638/39)

Rauchquarz; Bronze und

Silber vergoldet; Email

Höhe: 37,5 cm

Inv. Nr. 310

Staatlichen Sammlungen gemeinsam auszustellen, das Projekt des Kunsthauses

scheiterte jedoch. Weiterhin besteht die Idee, für die Fürstlichen Sammlungen

ein eigenes Haus zu bauen. Immerhin stehen den Besuchern seit 1952 in einem

regelmässigen Turnus von drei bis vier Jahren themenbezogene Ausstellungen

offen. Bis ins Jahr 2000 waren diese im Engländerbau zu sehen, mit der Eröffnung

des Kunstmuseums haben sie neben der Staatlichen Kunstsammlung einen

neuen, wenngleich auch weiterhin begrenzten Platz gefunden.

1608 wurde Karl von Liechtenstein (1569–1627) von Kaiser Rudolf II. in den erblichen

Fürstenstand erhoben. In zweierlei Hinsicht legte er den Grundstein für die

Fürstlichen Sammlungen: Zum einen schloss er mit seinen Brüdern Maximilian

und Gundaker den Familienvertrag, der u.a. den Familienbesitz zum unteilbaren

und unveräusserlichen Gesamtbesitz (Fideikommiss) erklärte. Zum andern besass

er eine ausgeprägte Vorliebe für Gegenstände und Geräte aus Gold, Silber und

Edelsteinen. Durch ihn kam es zur Schaffung einer eigenen Silberkammer, die

1623 von der «Guardaroba» getrennt und eigenständig inventarisiert wurde. Die

«Guardaroba» selbst umfasste Teppiche, Möbel, Gold- und Silbergeräte sowie

Gemälde und zahlreiche Bergkristallgefässe. Als Obersthofmeister Rudolfs II. in

Prag ohnehin für die Verwaltung der kaiserlichen Werkstätten zuständig, vergab

er bedeutende Aufträge an Goldschmiede und Edelsteinschneider, insbesondere

aber an den kaiserlichen Kammerbildhauer Adriaen de Fries (1545–1626), dessen

für Karl geschaffene lebensgrosse Bronzeplastiken auch heute noch zu den

herausragenden Werken der Fürstlichen Sammlungen gehören.

Als eigentlicher Gründer der Sammlungen aber gilt Karls Sohn Fürst Karl Eusebius

(1611–1684). Nachdem es seinem Vater und dessen Brüdern gelungen war,

auch nach aussen die Grundlage für ein wirtschaftliches, soziales und kulturelles

Wohlergehen der Familie zu schaffen, galt seine Sorge der Pflege und dem Ausbau

des Familienbesitzes. Als einem «Mann der Künste» war ihm gewiss, dass

es die Pflicht eines Fürsten «adelichen Gemiets» sei, «curios zu sein, was Schenes,

Statliches, Rares und Künstliches zu schatzen und zu lieben». Er verfasste

mit grosser Sachkenntnis die Schrift «Werk von der Architectur» und betätigte

sich als Bauherr von vielen Kirchen, Schlössern und Residenzen. Für die Fürstlichen

Sammlungen erwarb er feinste Werke der Malerei, der Skulptur und des

Kunsthandwerks oder vergab Aufträge zur Schaffung solcher Werke. Die Sammlungen

dehnten sich in verschiedene Gattungen aus. Weit über das dem Fürstenstand

angemessene Kultur- und Repräsentationsbewusstsein hinaus wirkte

hier seine kennerschaftliche Liebe und die begeisterte Leidenschaft zur Kunst.

Mit Fürst Johann Adam Andreas (1657–1712) erlebten das Fürstenhaus und seine

Sammlungen einen Höhepunkt während der Blütezeit des österreichischen

Barock. Johann Adam I. («der Reiche») erwarb seiner Familie ein Stadtpalais

nahe der Hofburg in Wien und baute dieses und das Gartenpalais unter Mithilfe

von italienischen Künstlern zu «Gesamtkunstwerken» aus, in denen die Fürsten

ihre wahrhaft barocke Hofhaltung im Zentrum des Reiches entfalteten. Am Rande

des Reiches erwarb er das heutige Territorium des Fürstentums Liechtenstein

und sicherte sich mit diesen reichsunmittelbaren Territorien einen Sitz im Reichsfürstenrat.

Die Sammlungen wurden von Schloss Feldsberg nach Wien gebracht

und fortan dem Fideikommiss unterstellt. Johann Adam I. führte ausgiebig


Kultur und Sport

Korrespondenz mit Künstlern seiner Zeit und erweiterte die Sammlungen um

ihren heute bedeutensten Teil: Er erwarb Gemälde von Peter Paul Rubens

(darunter den Decius Mus Zyklus), von Anton van Dyck und von anderen

Meistern des flämischen und italienischen Barock.

Fürst Josef Wenzel (1696–1772) tat sich vor allem als Feldherr und Diplomat hervor.

Auf seinen ausgedehnten Reisen im Auftrag des Kaisers suchte er Begegnungen

mit Künstlern und war vor allem an französischer Kunst interessiert. Mit

der barocken Nachblüte unter Josef Wenzel endet die grosse Sammlertätigkeit

der Fürsten. Alois II. erweiterte die Bestände mit Werken aus dem Wiener Biedermeier.

Mit Johannes II. (1840–1929) erfuhren die Sammlungen eine weitere Ausdehnung

und zugleich ihre Begrenzung: Der Fürst war nicht interessiert an der

Kunst seiner Zeit und verzichtete daher auf einen Anschluss an die Moderne, dagegen

erwarb er viele Werke aus dem 14., 15. und frühen 16. Jahrhundert und

erweiterte so die Sammlungen, die sich bis anhin auf die Zeit zwischen dem 16.

und frühen 19. Jahrhundert konzentrierten. In seine Ära fällt zudem der Verlust

der Hälfte des liechtensteinischen Territoriums in Böhmen und Mähren nach dem

Ersten Weltkrieg und die Restaurierung von Schloss Vaduz, das 1938 zur Residenz

der Fürsten und zum neuen Zuhause der Sammlungen werden sollte.

Die beiden Weltkriege hatten die Familie in eine schwierige Lage gebracht, was

Fürst Franz Josef II. (1906–1989) zu umstrittenen Verkäufen wertvollster Kunstwerke

zwang. Der wirtschaftliche Aufschwung seit 1970 erlaubt es dem damaligen

Erbprinzen und heutigen Fürsten Hans-Adam II. nun wieder, zahlreiche

bedeutsame Werke zu erwerben, sodass die Sammlungen wieder im Wachstum

begriffen sind.

Rembrandt (1606–1669)

«Amor mit Seifenblase» (1634)

Leinwand; 74,7 x 92,5 cm

Inv. Nr. G 880

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Links: Wilhelm Lehmbruck

«Kleiner weiblicher Torso»

(‹Hagener Torso›)

(1910/11)

Steinguss; 69,5 cm

Rechts: Absalon

«Cellule no 5» (1992)

Holz, Karton und weisse Paste;

4,30 x 2,40 m

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Kunstmuseum Liechtenstein

Status und Geschichte

Im Juli 2000, kurz vor dem Einzug in den neuen Museumsbau, wurde die «Liechtensteinische

Staatliche Kunstsammlung» den neuen Anforderungen angepasst

und bekam neben einem neuen rechtlichen und finanziellen Rahmen auch

einen neuen Namen: «Kunstmuseum Liechtenstein». Wie schon die Vorgängerin

ist das Kunstmuseum Liechtenstein eine Stiftung des öffentlichen Rechts und

wird von der Regierung finanziert.

Anlass zur Gründung der Sammlung war eine grosse Schenkung im Jahre 1967:

Graf Maurice Arnold von Bendern (1879–1968) schenkte der Regierung des

Fürstentums Liechtenstein zehn Gemälde aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert.

Seit der darauf folgenden Gründung der Staatlichen Kunstsammlung wird

am Aufbau einer Sammlung von Kunstwerken des 19. und des 20. Jahrhunderts

gearbeitet und damit ein zeitlicher Anschluss an die bedeutenden Kunstsammlungen

des Fürsten von Liechtenstein vollzogen, die Kunstwerke vom

ausgehenden Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts umfassen. Das

Kunstmuseum Liechtenstein übernimmt mithin die Aufgabe, dem Land Liech-


Kultur und Sport

tenstein ein Stück seiner kulturellen Identität zu geben, da es gerade die Kunst

jener Zeit ausstellt und sammelt, in der das Land zu seiner heute gültigen Gesellschaftsform

und den heute wirksamen wirtschaftlichen Strukturen gefunden

hat. Damit leistet das Kunstmuseum zugleich einen wichtigen Beitrag zur Integration

Liechtensteins in die internationale kulturelle Gemeinschaft. Schliesslich

vermittelt das Kunstmuseum zwischen der Kunst und den Künstlerinnen und

Künstlern einerseits und dem Publikum in seinen verschiedenen Ausprägungen

andererseits. Erster Konservator war während 27 Jahren Dr. Georg Malin, 1996

wurde er von Dr. Friedemann Malsch abgelöst, der nach Umwandlung der

Staatlichen Kunstsammlung nun Direktor des Kunstmuseum Liechtenstein ist.

Die Sammlung

Die Sammlungsbestände des Kunstmuseum Liechtenstein sind kontinuierlich

erweitert und gezielt verstärkt worden. Dabei bilden graphische Arbeiten sowie

Skulpturen, plastische und andere dreidimensionale Werke die Schwerpunkte,

ergänzt von Gemälden verschiedener Epochen. Drei inhaltliche Grundlinien definieren

den Zeitraum seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts und bilden gleichzeitig

die Konstanten in der Sammlungspolitik des Kunstmuseum Liechtenstein:

– Rationale Ansätze: Zwischen Konkretion und Transzendenz

– Anthropologische Methoden: Vom Surrealismus und seinen geistigen Erben

– Der Beitrag Italiens zur internationalen Kunstentwicklung seit 1900:

Futurismus und Arte Povera

Im Hinblick auf den Neubau des Kunstmuseums konnte die Sammlungstätigkeit

seit 1996 so verstärkt werden, dass die grundlegende Ausrichtung des Sammlungsprofils

zur Eröffnungsausstellung im Jahr 2000 durch Eigenbesitz vorgestellt

werden konnte.

Die Erweiterung der Sammlungsbestände erfolgte durch Ankäufe aus eigenen

Mitteln sowie mit Zuwendungen von privater Seite, namentlich der Lampadia-

Stiftung, Vaduz, die seit vielen Jahren durch bedeutende finanzielle Beiträge

viele Neuerwerbungen ermöglicht hat. Auch andere Stiftungen haben durch

Schenkungen geholfen, die Sammlung zu erweitern, ausserdem erfolgten

Schenkungen durch die Regierung, von Seiten der liechtensteinischen Wirtschaft

und von Privatpersonen des In- und Auslands. Schliesslich kam die

Sammlung in den Genuss von Leihgaben aus Privatbesitz, namentlich der

Sammler Parvati und Per Sandven, Oslo.

Neben den Sammlungen, die im Museum zu besichtigen sind, besitzt das Kunstmuseum

Liechtenstein verschiedene Werke, die in den verschiedenen liechtensteinischen

Gemeinden im Aussenraum zu sehen sind: die Stele «Fünf Anrufungen»

(1990) von Karl Prantl in Bendern, die Bronzeskulptur «Figure in a Shelter»

(1983) von Henry Moore, das «Tor der Freiheit» (1983) von Eduardo Chillida und

der «Z-Würfel» (1997) von Georg Malin in Vaduz, das Bronze-Pferd «senza

titolo» (1997) von Mimmo Paladino in Balzers sowie die vier Skulpturen im Park

der Erwachsenenbildungsstätte Stein-Egerta in Schaan, von denen etwa

«Stufenschichtung» (1996) von Claus Bury erwähnt sei.

13


Das Kunstmuseum

Liechtenstein in Vaduz wurde

am 12. November 2000

eröffnet

14

Das Kunstmuseum Liechtenstein

Im Jahr 2000 konnte das Kunstmuseum Liechtenstein den neuen Bau im Zentrum

von Vaduz beziehen. Der Weg dahin war von langem Suchen geprägt: Seit

den frühen 1970er-Jahren teilte sich die Kunstsammlung mit dem Tourismusbüro

und dem Postmuseum den Engländerbau, ein ehemaliges Spielcasino.

Auch wenn eine Renovierung Mitte der 1980er-Jahre einen Museumsbetrieb

gewährleistete, konnte doch das grösste Problem des Platzmangels nicht behoben

werden. Bereits zehn Jahre vor dieser Renovation entstand die Idee eines

grossen Kunsthauses, in welchem sowohl die Fürstlichen Sammlungen als auch

die Staatliche Kunstsammlung ausgestellt werden sollten. Das Projekt gelangte

in den 1980er-Jahren zur Baureife, wurde an einer Volksabstimmung auch

angenommen und scheiterte dann an Rechtsstreitigkeiten. Nach diesem Scheitern

blieb die Idee lange liegen, bis sich 1996 eine private «Stiftung zur Errichtung

eines Kunstmuseums» gründete, die ihr Ziel sehr rasch erreichte. Sie brachte

85 Prozent der erforderlichen Geldmittel auf, ergänzt von Geldern des Staates

und der Gemeinde Vaduz, und trieb ihr Bauvorhaben in Zusammenarbeit mit

Staat und Gemeinde voran. Nach einem Architekturwettbewerb fand im

November 1998 der Spatenstich statt und bereits im August 2000 konnte die

Stiftung das betriebsbereite Museum als Geschenk dem Land Liechtenstein

übergeben. Die Stiftung Kunstmuseum Liechtenstein ist fortan Betreiberin des

Museums, der Staat hat die Mittel auf rund 2,8 Millionen Schweizer Franken

pro Jahr aufgestockt.

Der Bau der Architekten Morger, Degelo und Kerez aus Basel und Zürich ist ein

monolithischer Block, in dessen Aussenhaut aus geschliffenem Basalt-Zementgemisch

sich die Umgebung des Kunstmuseums spiegelt. Unübersehbar gross,


Kultur und Sport

ist es doch kein protzender Bau und überrascht durch seine Anpassungsfähigkeit,

sei es, dass seine Fassade je nach Wetterverhältnissen einen anderen

Charakter erhält, sei es, dass die Fassade die benachbarten Bauten in ihre Ruhe

und Tiefe aufnimmt. Die wenigen Öffnungen erlauben Einblicke in einzelne

Räume: in die grosse Eingangshalle mit einer Bibliothek, dem Museumsshop

und einer Cafeteria, in einzelne Arbeitsräume der Verwaltung und in den

Seitenlichtsaal. Von aussen nicht sichtbar, befinden sich im Obergeschoss vier

Oberlichtsäle, welche sich um das zentrale Treppengeschoss gliedern. Zusammen

mit dem im Erdgeschoss liegenden Kunstlichtsaal und dem Auditorium im

Untergeschoss wird der Bau aus museumstechnischer Sicht allen Anforderungen

gerecht. Und mit seinem «Café im Kunstmuseum» bildet er auch ein

gesellschaftliches Zentrum in Vaduz und in der Region.

Ausstellungen

und Kunstvermittlung

Im Zentrum stehen die Werke des

Kunstmuseums, die nun zum ersten

Mal fast in ihrer ganzen Breite

gezeigt werden können. Sie sollen

monographische Einzelausstellungen

ergänzen, sollen immer wieder

unter neuen Aspekten und in neuen

Facetten gezeigt werden und

werden immer kontrastiert durch

die Ausstellung von Teilen der Fürstlichen

Sammlungen, welche ihren

Platz in einem Oberlichtsaal gefunden

hat und die alten Meister neben

die moderne Kunst stellt.

Das Auditorium wird für Vorträge, Konzerte oder Lesungen genutzt und soll

auch der Kunst mit neuen Medien dienen. Im Weiteren lädt das Kunstmuseum

Liechtenstein alljährlich eine Künstlerin oder einen Künstler zu einem

dreimonatigen Arbeitsaufenthalt («artist in residence») und einer anschliessenden

Ausstellung nach Vaduz.

Das Kunstmuseum Liechtenstein arbeitet in der Vermittlung der Kunst eng mit

der Liechtensteinischen Kunstgesellschaft und der Kunstschule Liechtenstein zusammen,

der ein Schulungsraum zur Verfügung gestellt wird. Auch beteiligt es

sich am Aufbau eines museumspädagogischen Dienstes.

Forum Kunsttreff:

Nicole Ohneberg

(Bildmitte) im Gespräch

mit Besuchern des

Kunstmuseums

15


Oben: Ausschnitt aus dem

Liechtensteiner Gabarett (LiGa)

Unten: «Mink – a fantasy

story», Tanz und Theater von

Jacqueline Beck und

Ralph Vogt

16

Theater, Tanz und Bühnen in Liechtenstein

Liechtensteins Bühnenleben konzentriert sich sehr im Theater am Kirchplatz,

lässt sich aber nicht darauf beschränken. Während das Theater am Kirchplatz

Künstler und Besucher von weither anlockt, bleibt die professionelle Bühnenkunst

auf wenige Einzelpersonen beschränkt.

Mit dem Liechtensteiner Gabarett (LiGa) wurde 1994 das

politische Kabarett im Fürstentum Liechtenstein erfolgreich

wieder belebt: Die professionelle dreiköpfige Truppe tritt

seit 1999 auch im Ausland auf und erhielt mit dem Förderpreis

der Internationalen Bodenseekonferenz und dem

«Josef Gabriel Rheinberger Preis» der Gemeinde Vaduz

bereits zwei sehr renommierte Auszeichnungen.

Im Bereich des Tanztheaters sind in Liechtenstein immer

wieder erfolgreiche Projekte zu sehen. Jacqueline Beck als

Choreographin geniesst in Liechtenstein und weit über die Landesgrenzen

hinaus einen guten Ruf. Die Tanzarena Liechtenstein tritt bei verschiedenen Anlässen

auf und wirkt oft auch bei Operetten und Musicals mit.


Kultur und Sport

Auf dem Gebiet des Laientheaters hat Liechtenstein eine reiche Tradition. Die

Theatergruppen werden meist von Vereinen getragen und führen unter zum Teil

professioneller Regie Schwänke und leichte Stücke auf. Erwähnenswert ist die

Schülertheatergruppe Sisyphos des Liechtensteinischen Gymnasiums, die seit

Jahren auch bei anspruchsvollen Stücken grosse Leistungen zeigt.

Neben den Bühnen des Theaters am Kirchplatz findet

Kleinkunst ihre Auftrittsmöglichkeiten auch auf den Bühnen

von Schloss Gutenberg in Balzers, des Vereins Alte

Weberei in Triesen und in den Gemeindesälen sowie in verschiedenen

Gasthäusern. Zudem bieten Vaduz und auch

Schaan mit seinen vielfältigen Veranstaltungen im Rahmen

des Kultursommers Liechtenstein der Musik und der Strassenkunst

eine reizvolle Ambiance.

Links: Ausschnitt aus «Martha»,

Oper von Friedrich von Flotow,

Opernverein Vaduz, 2001

Unten: Ausschnitt aus dem

Musical «Joseph and the

amazing dreamcoat» von

Andrew Lloyd Webber

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18

Das Theater am Kirchplatz

in Schaan, kurz TaK

genannt

Theater am Kirchplatz

Das Theater am Kirchplatz (TaK) bildet das Zentrum des liechtensteinischen Bühnenschaffens

und geniesst weit über die Landesgrenzen hinaus einen hervorragenden

Ruf.

Geschichte und Organisation

Gegründet wurde das TaK 1970. Im 1964 ins Leben gerufenen Kabarett «Kaktus»

fanden sich junge Leute zusammen, welche nicht nur Theater machen,

sondern auch ein Theater haben wollten. Diese Gruppe war neben dem Erarbeiten

von Eigenproduktionen sehr bemüht, immer wieder Künstler nach Liechtenstein

einzuladen. 1970 wurde das Schaaner Vereinshaus an der Reberastrasse

nahe der Kirche in «Theater am Kirchplatz» umbenannt, hier fanden sich im

ersten Spieljahr (1970/71) bereits 10’000 Besucher ein. Alois Büchel, Texter des

«Kaktus» und treibende Kraft für ein Theater, stritt lange für die Sache, bis es

1972 im komplett umgebauten Theater (Architekt Ernst Gisel, Zürich) zur Eröffnungsvorstellung

kam. Im selben Jahr gab sich das Theater die rechtliche Struktur

einer Genossenschaft.

Unter der Intendanz von Alois Büchel erarbeitete sich das Theater einen grossartigen

Ruf, der von weither Zuschauer und viele Grössen der europäischen Bühnen

anzog. Die Aktivitäten weiteten sich zusehends aus: Kleinkunst wurde


Kultur und Sport

geboten neben symphonischen Konzerten (im Vaduzersaal), Jazzgrössen

besuchten Schaan und Eigenproduktionen riefen ein grosses Echo hervor, eine

Galerie entwickelte sich zu einer eigentlichen TaK-Sammlung, mit dem TaKino

in Schaan wurde eine Probe- und Kleinkunstbühne geschaffen.

Zu Beginn der 1990er-Jahre kam es zum Zerwürfnis zwischen dem Intendanten

Alois Büchel einerseits und der Genossenschaft und der Gemeinde Schaan

andererseits. Kurt Weiss übernahm die Leitung des TaK. Das Theater verlor das

Vertrauen vieler Besucher, das Programm wurde zusehends dünner, die

wirtschaftliche Lage immer prekärer. Während das TaK von verschiedenen Seiten

schon fast totgesagt wurde, konnte für die Spielzeit 1997/98 mit Georg

Rootering ein Indentant gefunden werden, der seitdem die Aufmerksamkeit des

Publikums wieder weg von den Gerichten auf die Bühne hin lenken konnte. Das

TaK befindet sich wirtschaftlich und inhaltlich wieder im Aufwind und die Altlasten

können angesichts des wachsenden Publikumzuspruchs ruhiger angegangen

werden. Seit 2000 ist die Krise überwunden.

Neben den Einnahmen aus dem Kartenverkauf und Spenden von verschiedenen

Seiten darf die TaK-Genossenschaft mit Subventionen rechnen, die vom Land

Liechtenstein und den Gemeinden Schaan und Vaduz aufgebracht werden.

Primarschule in Ruggell

Gert Voss (links) und

Ignaz Kirchner (rechts)

in Jean Genets «Die Zofen»,

Gastspiel des Burgtheaters

Wien

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Hans Rudolf Twerenbold

(links), Mathieu Carrière

{Mitte) und Eveline Ratering

(rechts) in der TaK-

Eigenproduktion des

«Herakles» von Euripides

Programm

Heute präsentiert sich das TaK als klassisches

Dreispartenhaus (Sprech-, Musikund

Tanztheater) mit einem zusätzlichen

grossen Konzertangebot. Das TaK nimmt

darüber hinaus als heimliches Staatstheater

noch weitere Aufgaben wahr: Es

betreut ein eigenständiges Kindertheater,

führt eine Galerie, ermöglicht die Zusammenarbeit

mit liechtensteinischen Bühnenkünstlern

ausserhalb des TaK und hat

im TaKino mit dem «Filmclub Frohsinn»

einen Mieter, der für ein reichhaltiges

Studiokinoprogramm besorgt ist. Das

Stammhaus an der Reberastrasse bietet

340 Plätze, der Vaduzer Saal 640 und das

TaKino 120.

Als Theater von Rang in der Region weiss das TaK ein reichhaltiges Programm

anzubieten. Mit den Worten des Intendanten Georg Rootering (Rede 1999):

«Im Theater am Kirchplatz finden im Schnitt 130 Vorstellungen im Jahr statt. Es

handelt sich dabei um eine grosse Palette der Bühnenkünste. Hier erleben Sie

Schauspiel, Boulevard, Volkstheater, Jazz, Lesungen, Tanz, Ballett, Diskussionen,

Literaturpreisverleihungen, Ausstellungen, Vernissagen, Kino, Kabarett, Kinderund

Jugendtheater, Vorträge, Randgruppenveranstaltungen, Konzerte, Musiktheater,

Kleinkunst, Akrobatik, Workshops etc. Nennen Sie mir ein Theater, das

ähnlich viele Richtungen beheimatet. Wir haben hier ein Juwel, das aus Liebhaberei

entstanden ist und in zwei Jahren auf eine dreissigjährige Geschichte zurückblickt.

Die vielfältige Programmierung ist so etwas wie eine kleine Tradition

geworden, weil das Land so klein ist und der kunstinteressierte Mensch in seinem

Theater so ziemlich alles finden sollte, was er sonst nur in der Grossstadt

vorfinden könnte.»

Im Konzert und Theater sind Künstlerinnen und Künstler von Weltrang dem Haus

eng verbunden und gewährleisten eine hochrangige Spielplangestaltung. Der

Erfolg des Hauses stimmt zuversichtlich und stellt einen Neubau in Aussicht, der

das Theater in neuem Glanz erscheinen liesse, den das Haus inhaltlich bereits

heute erreicht hat.


Musik in Liechtenstein

Kultur und Sport

Liechtenstein ist ein überaus musikalisches Land mit einer grossen Tradition und

Breitenwirkung. Als grösster Verband im kulturellen Leben vereinigt der Fürstlich

Liechtensteinische Sängerbund nicht weniger als 36 Chöre unter seinem Dach

(13 gemischte Chöre, 3 Frauen-, 8 Männer-, 6 Kinder- und 6 Jugendchöre). Dazu

finden sich in den 11 Gemeinden 10 Blasmusikvereine, die sich im Liechtensteinischen

Musikverband organisiert haben. Zwei Operettenbühnen sorgen

abwechslungsweise für eine jährliche Produktion, welche auch Besucherinnen

und Besucher aus der weiteren Region anzuziehen vermag. Der Opernverein

Vaduz, ein alljährlich durchgeführtes Musikseminar und zwei symphonische

Orchester (Symphonisches Orchester Liechtenstein und Orchesterverein Liechtenstein-Werdenberg)

mit grosser Ausstrahlung vervollständigen das Spektrum

im traditionellen Musizieren. Im professionellen und halbprofessionellen Bereich

haben sich zwei Ensembles einen internationalen guten Ruf verschafft: die

Werdenberger Kammermusiker und der Big Band Verein Liechtenstein.

Im Zentrum des musikalischen Lebens steht die Liechtensteinische Musikschule,

an der fast ein Zehntel der Bevölkerung eingeschrieben ist und die mit ihren jährlich

rund 180 Veranstaltungen allgegenwärtig ist. Die bedeutendste Veranstaltung

sind dabei die Internationalen Meisterkurse, die seit 1971 jeden Sommer

bedeutende Lehrer und Studenten aus vielen Konservatorien in den Bereichen

klassischer Musik und Jazz nach Vaduz laden. Sie finden vorwiegend in den

Räumen der Musikschule statt, werden aber nicht von ihr organisiert.

Das musikalische Jahr ist reich befrachtet: Zur Fasnachtszeit treten 7 Guggamusiken

mit ihren schrägen Klängen auf, im «Triesenberger Frühling» lädt der

Verein Triesenberger Kirchenkonzerte zu einer Konzertreihe ein. Im Sommer finden

im Rahmen des Liechtensteiner Kultursommers zahlreiche Veranstaltungen

Das Symphonische Orchester

Liechtenstein spielte im Herbst

2001 in Strassburg Werke von

Josef Gabriel Rheinberger

21


V.l.n.r.: Jazz in der Tangente in

Eschen, das Little Big One in

Vaduz und eine Harmoniemusik

22

statt, die grössten unter ihnen sind das Open Air Festival Little Big One, das sich

seit 1993 etablieren konnte und mittlerweile über 15’000 Besucher nach Vaduz

lockt, und die Liechtensteinischen Gitarrentage (LiGiTa). Im Herbst zeigt die

Liechtenstein Musical Company LMC im Zweijahresrhythmus ein Musical und

der Verein Freunde der Liechtensteinischen Blues- und Rockmusik präsentiert

am «Soundtschäk» Neues von den rund 30 Bands mit den Stilrichtungen Rock,

Blues, Heavy Metal und Funk. Hausgemachter Jazz und neue elektronische Musik

sind in Liechtenstein selten zu vernehmen, der Verein Tangente allerdings betreibt

seit Ende der 1970er-Jahre in Eschen einen exquisiten Jazzclub, der sich

mit Weltstars und experimentellem Jazz in einem geografisch erstaunlich grossen

Radius sein Stammpublikum erworben hat.

Ein weiterer bedeutender Veranstalter ist das Theater am Kirchplatz, das alljährlich

bedeutende Symphonieorchester und grosse Interpreten der klassischen

Musik, des klassischen Jazz, Liedermacher und Ballettabende in sein Programm

aufnehmen kann.

Für die kleinere Kunst stehen der Musik zudem die Bühne der Alten Weberei in

Triesen, das Haus Stein-Egerta der Erwachsenenbildung in Schaan und das Haus

Gutenberg in Balzers zur Verfügung.

Liechtenstein besitzt mit der Musikschule zwar eine sehr gute Volksmusikschule,

konnte ohne Stadt aber nie zu einem musikalischen Zentrum werden. Wer sich

für die Musik als Beruf entscheidet, muss für die Lehrjahre ins Ausland. Mit dem

Konservatorium im benachbarten Feldkirch (A) ist der Weg allerdings nicht weit.

Der bedeutendste Musiker Liechtensteins ist Josef Gabriel Rheinberger (*1839

in Vaduz, †1901 in München), in dessen Geburtshaus sich heute der Hauptsitz

der Musikschule befindet. Ihm folgten in Liechtenstein viele weitere Komponisten,

deren Einfluss aber meist auf das Land beschränkt blieb. In jüngster Zeit

aber macht Marco Schädler (*1964) hier eine Ausnahme.

Josef Frommelt hat sich als Initiator und eigenverantwortlicher Organisator der

Liechtensteinischen Meisterkurse, als langjähriger Leiter der Musikschule und als

Präsident der Europäischen Musikschulunion EMU um die Musik in Liechtenstein

und deren Ansehen im Ausland sehr verdient gemacht. Ebenfalls verdankt

ihm Liechtenstein die Sammlung, Rekonstruktion und Niederschrift alter liechtensteinischer

Musik (rund 200 Tänze aus dem 19. Jahrhundert).


Josef Gabriel Rheinberger

Kultur und Sport

Der Komponist und Kompositionslehrer Josef Gabriel Rheinberger wurde am

17. März 1839 in Vaduz als Sohn des Fürstlichen Rentmeisters Johann Peter

Rheinberger und der aus dem graubündischen Disentis stammenden Maria

Elisabeth Carigiet geboren. Das aussergewöhnliche musikalische Talent des

Knaben wurde früh durch den Dorfschullehrer und Organisten

Sebastian Pöhly von Schaan entdeckt und gefördert, sodass der kleine

Josef schon im Alter von sieben Jahren den Organistendienst in der

dem Geburtshaus benachbarten Florinskapelle übernehmen konnte.

Unter der geschickten Anleitung seines Lehrers entstanden bereits

erste Kompositionen, neben kleineren Orgelstücken auch eine

dreistimmige Messe, die bei Gottesdiensten aufgeführt wurde.

Nach einer kurzen Lehrzeit beim Chorregenten Philipp Schmutzer in

Feldkirch (Vorarlberg) trat der Zwölfjährige 1851 in die königliche

Musikschule in München ein. Hier fand der junge Eleve neben

tüchtigen Lehrern wie Johann Georg Herzog (Orgel), Julius Joseph

Maier (Harmonielehre und Kontrapunkt), Emil Leonhard (Klavier) und

später Franz Lachner jenen kulturellen Nährboden, der die Grundlage

seines späteren Schaffens bildete.

Durch Organistendienste in verschiedenen Kirchen Münchens wuchs er in die

auf Orlando di Lasso zurückgehende Münchner Chortradition hinein und lernte

auch die von Caspar Ett begonnenen kirchenmusikalischen Reformbestrebungen

kennen; daneben öffnete ihm sein väterlicher Freund und Nestor Prof. Dr.

Karl Emil von Schafhäutl den Weg zur Wiener Klassik. So standen Rheinbergers

Studienjahre doppelt im Zeichen des Konservatismus: Die Schulung an den alten

Meistern formte entscheidend sein handwerkliches Können und bei den

neueren Meistern lernte er vor allem im Studium von Johann Sebastian Bach,

Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven.

1859 wurde er als Klavierlehrer an jenes Konservatorium berufen, an dem er

kurz zuvor seine Ausbildung beendet hatte, und nur ein Jahr später folgte seine

Anstellung als Lehrer für Kontrapunkt und Komposition. Zusätzlich übernahm

er 1864 die Leitung des Oratorienvereins und für drei Jahre die Stelle eines

Solorepetitors an der Königlichen Hofoper, die er nach seiner Berufung als Professor

für Komposition und Orgelspiel an die neu gegründete «Königliche

Musikschule» wieder aufgab. Im selben Jahr 1867 heiratete er Fanny von Hoffnaass,

eine vielseitig begabte Frau, die sich im lokalen Bereich als Schriftstellerin

und Übersetzerin einen Namen gemacht hatte. Auf ihren Gatten, den sie in

ihren Aufzeichnungen «Curt» nennt, übte sie in künstlerischen Fragen einen

grossen Einfluss aus. Bis zu ihrem Tod am 31. Dezember 1892 führte sie gewissenhaft

die Tagebücher und die Korrespondenz und schrieb auch zahlreiche

Texte zur Vertonung.

Josef Gabriel Rheinberger

23


24

Oben: «An die Heimath»,

Gedicht von J. B. Büchel,

Komposition von

J. Rheinberger, München,

23. Juni 1896 (Leihgabe

Emanuel Vogt, Balzers/RhAV)

Unten: Das Geburtshaus von

Josef Gabriel Rheinberger in

Vaduz, heute ist darin die

Liechtensteinische Musikschule

untergebracht

Trotz labiler Gesundheit und einem hartnäckigen Leiden an der rechten Hand,

das zeitweise selbst das Schreiben sehr erschwerte, schrieb Rheinberger neben

seiner Tätigkeit als Lehrer zahlreiche Werke auf allen musikalischen Gebieten:

Messen, Oratorien, zwei Opern, Singspiele, zwei Symphonien, Kammermusik,

Klavier- und Orgelwerke, darunter zwanzig Orgelsonaten, die bahnbrechend in

dieser Gattung waren.

Obwohl Rheinberger zahlreiche Ehrungen erhielt, musste er am Ende seines

Lebens erkennen, dass die Zeit sein künstlerisches Schaffen eingeholt hatte.

«... Man ist jetzt überhaupt schnell Todt; Mancher ist es schon längst und merkt

es nur nicht», schrieb er ein Jahr vor seinem Tod an eine Bekannte. Resigniert

und müde legte er seine Ämter als Lehrer und Inspektor der Königlichen Musikschule

im Herbst 1901 nieder und starb wenige Wochen später am 25. November

des gleichen Jahres in seinem Heim in München.

Josef Rheinberger war trotz der grossen Zahl seiner Werke kein Vielschreiber.

Die ihm eigene Beherrschung des musikalischen Handwerks und eine strenge

Arbeitsdisziplin erlaubten eine verhältnismässig rasche Arbeitsweise. Neben seinen

Kompositionen, vor allem der Orgel- und Kirchenmusik, blieb er auch als

Musikpädagoge von weitreichendem Einfluss in Erinnerung. Zu seinen Schülern

gehörten Komponisten wie Engelbert Humperdinck, Ermanno Wolf-Ferrari,

Ludwig Thuille, aber auch Horatio Parker, der Lehrer von Charles Ives und George

Chadwick, durch welche das Musikleben der USA stark beeinflusst wurde. Auch

der Dirigent Wilhelm Furtwängler und der Physiker Max Planck zählten zu

seinem Schülerkreis. Hans von Bülow, Freund und Förderer Rheinbergers, bezeichnet

ihn als «idealen Kompositionslehrer, unübertroffen in ganz Deutschland

und darüber hinaus».


Literatur und Verlage, Film und Kino

Gemessen an seiner ländlichen Struktur und seiner Kleinheit

verfügt Liechtenstein über ein sehr lebendiges literarisches

Schaffen und ein reiches Verlagswesen. Liechtensteinische

Literatur ist dabei eine eher jüngere Erscheinung. Bis weit ins

20. Jahrhundert hinein war Liechtenstein in erster Linie idyllischer

Schauplatz in den Werken ausländischer Schriftsteller

und Schrifstellerinnen, vereinzelt entstand auch romantische

Heimatliteratur – Gedichte und kleine Geschichten, die oft in

einem liechtensteinischen Dialekt niedergeschrieben wurden.

Traditionell besitzt Liechtenstein eine reiche Sagenwelt des

ausgehenden Mittelalters und eine bäuerliche Kultur des Geschichtenerzählens,

diese beiden Stränge wurden in den letzten

Jahren wieder aufgenommen und finden Eingang in die

moderne Literatur. Im Ausland allerdings ist es vor allem die

weniger an die «Heimat» gebundene junge liechtensteinische

Lyrik, die Erfolge verzeichnen kann und auch ausländische Verleger

findet.

Der Literatur werden in Liechtenstein mehrere Plattformen

geboten. Alle zwei Jahre finden in Schaan die Liechtensteiner

Literaturtage statt, an welchen Dichter und Dichterinnen aus

dem In- und Ausland aus ihren Werken lesen und diese zur

Diskussion stellen. Weitere Lesungen organisieren regelmässig

das Theater am Kirchplatz, der Verein Alte Weberei und der

Verein Schichtwechsel.

In Liechtenstein sind diverse Verlage ansässig, von denen

wenigstens zwei Dutzend Publikationen für ein breites Publikum

produzieren. Auch finden sich immer wieder renommierte

ausländische Verlegerinnen und Verleger zur Zusammenarbeit

mit liechtensteinischen Verlegern bereit, wenn es darum geht,

liechtensteinische Geschichte, Kunst oder Literatur von internationalem

Interesse zu publizieren. An der Frankfurter Buchmesse

präsentiert sich neben wenigen liechtensteinischen Verlagen

auch das Land Liechtenstein seit dem Jahr 2000

regelmässig. Ein weiterer wichtiger Träger ist der PEN-Club

Liechtenstein, er fördert literarisches Schaffen durch Preisvergaben,

durch seine Ausschreibung eines Landesschreibers und

durch die Herausgabe der Zeitschrift Zifferblatt. Der Verlag der

Liechtensteinischen Akademischen Gesellschaft LAG wurde

1972 mit dem Ziel gegründet, geisteswissenschaftliche und kulturelle

Beiträge auf hohem Niveau zu publizieren und dadurch

über aktuelle, für Liechtenstein relevante Fragen beizutragen.

Kultur und Sport

25


26

Liechtenstein nimmt

seit 1998 regelmässig mit

einem Länderstand an der

Frankfurter Buchmesse teil

Michael Donhauser,

geboren in Vaduz und

wohnhaft in Wien,

erhielt im Jahr 2001 den

Mondseer Lyrikpreis

Für die Leser und Leserinnen stehen in vielen Gemeinden Gemeinde- und Schulbibliotheken

zur Verfügung, die Landesbibliothek bildet das Zentrum und die

Sammelstelle allen literarischen und publizistischen Schaffens in Liechtenstein.

Sehr bescheiden nimmt sich das Angebot an Buchhandlungen aus, ebenso gibt

es kein eigentliches Feuilleton in den liechtensteinischen Massenmedien.

Im Bereich Film und Kino führte Liechtenstein lange Zeit ein unscheinbares Dasein.

Drei kleine Kinos im Land haben mit grosser Konkurrenz im benachbarten

Ausland zu kämpfen, zu einem Publikumsmagnet hat sich allerdings das sommerliche

Film-Fest Vaduz entwickelt. Das inländische Filmschaffen ist im Aufbruch,

erst seit kurzem sind hier Erfolge vorzuweisen: Junge liechtensteinische

Filmschaffende im Ausland beschäftigen sich mit Liechtenstein, Sebastian

Frommelt gelang mit «Für Gott, Fürst und Vaterland», einem Film über Liechtensteins

Geschichte während des Zweiten Weltkriegs, ein im Inland viel

diskutierter Film, und Daniela Marxers «Im Wunderland», ein Dokumentarfilm

über Liechtensteins jüngste Geschichte und seinen Finanzplatz, wurde an den

Solothurner Filmtagen gezeigt und erhielt sehr gute Kritiken.


PEN-Club Liechtenstein

Kultur und Sport

Auf Initiative von Manfred Schlapp wurde 1978 als autonomes Zentrum des

Internationalen PEN-Clubs der PEN-Club Liechtenstein gegründet Die Zielsetzung

des Clubs ist in Artikel 2 der Statuten niedergeschrieben: «Der Zweck

des Vereins besteht in der Erfüllung der Internationalen PEN-Charta. Darüber

hinaus ist es Ziel des PEN-Clubs Liechtenstein, gemäss der internationalen

Orientierung des Fürstentums Liechtenstein über die Grenzen hinaus als Katalysator

literarischer Entwicklungen zu wirken.»

Seit seinem Bestehen ist der PEN-Club Liechtenstein bemüht, im Geiste der Internationalen

PEN-Charta und im Sinne der Statuten grenzenüberschreitend

wirksam zu sein. Er tut dies durch Verleihungen von Preisen, durch Veröffentlichungen

und Veranstaltungen.

Das «Zifferblatt»

Jährlich erscheint das «Zifferblatt», eine literarische Schriften-Reihe des PEN-

Clubs Liechtenstein. Im «Zifferblatt» erscheinen die Arbeiten der Preisträger

(Liechtenstein-Preis), die «Visitenkarten» (literarische Beiträge der Mitglieder)

oder die Berichte von Symposien, die der PEN-Club Liechtenstein veranstaltet

(«Österreich von aussen», «Wege aus dem Hass», «Das verratene Gewissen»,

«Versuchskaninchen Mensch»).

Der Liechtenstein-Preis

Der «Liechtenstein-Preis zur Förderung junger literarischer Talente» wurde

1980 erstmals verliehen. Ursprünglich wurde er in Anlehnung an die Kürzel

P.E.N. (Poetry, Essay, Novel) ausgeschrieben. Die Ausschreibung lud junge Leute

ein, mit Gedichten, essayistischen oder erzählenden Prosatexten am Wettstreit

um den «Liechtenstein-Preis» teilzunehmen. In der Folge stand er mehrheitlich

im Zeichen der Lyrik und einmal im Zeichen der Dramatik. Der «Liechtenstein-Preis»

geniesst internationales Ansehen und ist mit 25’000 Schweizer

Franken dotiert. Die Ausschreibung richtet sich zwar an deutschschreibende

Autoren, doch sie ist auf kein Land beschränkt

Der Peter-Surava-Preis

1998 hat der PEN-Club Liechtenstein in memoriam seines verdienten Mitgliedes

Peter Surava alias Ernst Steiger den Peter-Surava-Preis geschaffen. Der

Preis ist mit 25’000 Schweizer Franken dotiert. Er wird alle zwei Jahre verliehen,

mit dem Ziel, das Andenken an Peter Surava zu bewahren und Menschen

auszuzeichnen, die sich so wie er für Verfolgte, Entrechtete und Ausgebeutete

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einsetzen, Menschen also, deren Tun von Zivilcourage und Gerechtigkeitssinn

geprägt ist. Der Preis soll die Geehrten ermutigen und all jene anspornen, die

im Geiste von Peter Surava tätig sind. 1999 wurde der Peter-Surava-Preis erstmals

verliehen, und zwar an das «Writers-in-Prison-Committee» in London. Der

Preisträger 2001 ist Rupert Neudeck, der Leiter des Komitees «Cap Anamur».

Landesschreiber

Dank einer Stiftung konnte Manfred Schlapp das Fundament für die Institution

eines Landesschreibers legen. Für den Landesschreiber stehen ein Jahresstipendium

von 50’000 Schweizer Franken und freie Unterkunft zur Verfügung.

Die Nationalität spielt keine Rolle. Der Landesschreiber ist zehn Monate

lang (Ende August bis Ende Juni) Gast im Fürstentum Liechtenstein. Er oder sie

ist ungebunden und frei in der Arbeit. Es wird vom Landesschreiber oder der

-schreiberin jedoch ein literarisches «Abschiedsgeschenk» erwartet, das den

Raum und die Zeit des Aufenthaltes in poetischer, essayistischer und/oder novellistischer

Form reflektiert.

Der Erste mit der Aufgabe «literarische Spuren seines Aufenthaltes zu hinterlassen»

ist Robert Menasse, der nach längerem Südamerika-Aufenthalt nun in

Wien und Amsterdam lebt und arbeitet. Er hat sein Amt als Landesschreiber

im September 2001 angetreten.


Liechtensteinische Landesbibliothek

Gründung

Kultur und Sport

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, in einer Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs,

unmittelbar nach der glanzvollen 150-Jahrfeier der liechtensteinischen Souveränität,

erfolgte der entscheidende Anstoss zur Gründung der Landesbibliothek.

Verbesserte wirtschaftliche Verhältnisse und verstärktes Besinnen auf die Werte

der Eigenstaatlichkeit liessen die Idee einer eigenen liechtensteinischen Nationalbibliothek

Wirklichkeit werden. Das Fehlen einer zentralen Sammel- und Dokumentationsstelle

für landeskundliches Schrifttum hatte eine private Initiative

geweckt, die schliesslich 1961 zur Gründung der Liechtensteinischen Landesbibliothek

als Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Vaduz führte. Organe

der Stiftung sind der Stiftungsrat, die Bibliothekskommission und der Landesbibliothekar.

Aufsichtsbehörde ist die Regierung. Die Kleinheit liechtensteinischer

Verhältnisse machte Vielseitigkeit, nicht Spezialisierung erforderlich. So

wurden in der Landesbibliothek drei Bibliothekstypen vereinigt: Nationalbibliothek,

wissenschaftliche Bibliothek und Volksbibliothek. Darüber hinaus

wurden Landesarchiv und Landesbibliothek unter gemeinsame Leitung gestellt.

Aufgaben

In der Funktion einer Nationalbibliothek sammelt die Landesbibliothek alles, was

in Liechtenstein gedruckt oder verlegt wird, was Liechtensteinerinnen und

Liechtensteiner geschrieben haben, was Liechtenstein und seine Nachbarschaft

betrifft. Sie beschränkt sich jedoch nicht nur auf das gedruckte Schrifttum, auch

Blick in die Liechtensteinische

Landesbibliothek, die im Jahr

2001 das 40-jährige Jubiläum

feierte

29


30

Der Lesesaal mit

22 Arbeitsplätzen

Bild- und Tondokumente sollen ihre Sammlung zu einem Gesamtbild liechtensteinischen

Schaffens ergänzen. Die Sammlung ist Grundlage für jede Beschäftigung

mit Liechtenstein, seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die gesetzliche

Pflicht für alle inländischen Drucker und Verleger, der Landesbibliothek

Belegexemplare aller von ihnen produzierten Werke abzuliefern, hilft entscheidend

mit bei diesem Sammelauftrag. Erschlossen wird das landeskundliche

Schrifttum durch die von der Bibliothek jährlich herausgegebene ‹Liechtensteinische

Bibliographie›.

Als wissenschaftliche Bibliothek bildet die Landesbibliothek eine wichtige Komponente

der kulturellen, bildungspolitischen und wirtschaftlichen Entwicklung

Liechtensteins. In dieser Funktion hält sie die für Studium und Beruf notwendige

Fachliteratur bereit, beschafft oder vermittelt Informationen von ausländischen

Bibliotheken.

Als Volksbibliothek dient sie allen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen,

indem sie gute Medien zur Belehrung, Unterhaltung und zu einer sinnvollen

Freizeitgestaltung vermittelt.

Die Landesbibliothek verwaltet neben eigenen Beständen auch solche verschiedener

so genannter Depotbibliotheken, wie die Landes-Lehrer-Bibliothek, die

Bibliotheken des PEN-Clubs Liechtenstein, des Sportbeirats, des Fischereivereins

und des Philatelistenvereins.

Räumliche Entwicklung

Erste Heimstätte der Landesbibliothek war von 1961 bis 1968 die so genannte

alte Realschule, die ursprünglich als Landtags- und Gerichtsgebäude errichtet

worden war. Das Gebäude wurde 1970 gesprengt, um einem geplanten Neubau

Platz zu machen, in dem die Fürstliche Waffensammlung und Gemäldegalerie

sowie die Landesbibliothek untergebracht werden sollten.

Seit Dezember 1968 befindet sich der Hauptbestand der Bibliothek in gemieteten

Räumen im AHV-Verwaltungsgebäude. Obwohl dort nach und nach weitere

Räume zugemietet werden konnten,

mussten von Beginn an Depotbestände

ausserhalb gelagert werden. Als Büchermagazine

dienten von 1972 bis 1985 Zivilschutzräume

im Liechtensteinischen Gymnasium

und von 1981 bis 1993 ein Doppelpavillon

beim AHV-Gebäude. Durch

einen Wassereinbruch in die Zivilschutzräume

wurde 1985 der eingelagerte

Buchbestand von ca. 30’000 Bänden zerstört.

Seither verfügt die Landesbibliothek

dort nur noch über einen Lagerraum für

Mobiliar und Bibliotheksmaterial. Der

Pavillon, in dem 1988 eine Ludothek

eingerichtet worden war, musste 1993 im

Hinblick auf die Arealüberbauung «Real»

geräumt werden. Als Ersatz für die entgangenen

Büchermagazine wurden 1987


Kultur und Sport

in Triesen (Industriestrasse 5) und 1993 in

Vaduz (Pflugstrasse 30) Lagerräume gemietet.

Die Ludothek fand 1994 in Schaan

eine provisorische Ersatzunterkunft. Im

Zuge der Aufstockung des AHV-Gebäudes

erhielt die Landesbibliothek 1986,

sozusagen als Geschenk zu ihrem 25. Geburtstag,

im 2. und 3. Obergeschoss neu

gestaltete und erweiterte Räumlichkeiten.

Es war dies die letzte Ausweitung an

ihrem «Hauptsitz».

Schon früh war man bemüht, der Landesbibliothek

eine eigene Heimstätte zu geben.

Als Standorte vorgesehen waren im

Vaduzer Städtle das projektierte Bankund

Postgebäude (1964), die Planungsobjekte

Kunsthaus (1968/69), Post und

Kongresshaus (1971), dann das Vaduzer

Rathaus (1974), die alte Schule in Schaan

und die alte Post und Telefonzentrale in

Vaduz (1976), schliesslich der Engländerbau

mit einer Erweiterung in Richtung

Landesmuseum (1983). Zuletzt war im

Rahmen des 1989 eingeleiteten Architekturwettbewerbs

für eine Arealüberbauung

westlich der Marktplatzgarage der

Neubau einer Landesbibliothek berücksichtigt.

Obwohl die Zielsetzung eines eigenen Gebäudes

für die Landesbibliothek grundsätzlich

stets unbestritten war, ist das Anliegen

bis heute unerfüllt geblieben. Mit

dem jüngsten Umbau des AHV-Gebäudes

1997/98 ist dieses Ziel für die Landesbibliothek

jedoch entscheidend näher gerückt.

Der Bibliothek wurden zusätzlich

zur bestehenden Nutzfläche von ca. 910 m 2 das Dachgeschoss und weitere Teile

des Kellergeschosses, insgesamt ca. 380 m 2, zugewiesen. Mittelfristig sollen ihr

auch die provisorisch noch vom Amt für Volkswirtschaft genutzten Flächen zur

Verfügung gestellt werden. Die Landesbibliothek wird dann an ihrem Hauptsitz

eine Nutzfläche von rund 2460 m 2 aufweisen.

Die Bibliotheksbestände und ihre Benützung

Die Landesbibliothek ist heute zu einem bedeutenden Informations- und Dokumentationszentrum

herangewachsen. Ihr Gesamtbestand stieg von 16’260

Bänden im Jahre 1965 auf 123’150 Bände im Jahre 1984. Trotz des Verlustes

von ca. 30’000 Bänden durch den Wasserschaden im Jahre 1985 vergrösserte

Oben: Ausleihe

Unten: Im Multimediaraum

stehen 6 PC-Arbeitsplätze mit

Zugang zum Internet zur

Verfügung

31


32

Sonderkredite der Regierung

und private Spenden

ermöglichen den ständigen

Ausbau der bibliophilen und

grafischen Sammlung

sich ihr Buchbestand bis 1991 auf knapp 150’000 Bände. Dazu kamen annähernd

10’000 Einheiten so genannte Nonbooks und grafische Sammelobjekte.

1998 umfasst der Gesamtbestand annähernd 200’000 Medien: Bücher, Zeitschriften,

Zeitungen, Video- und Tonkassetten, Schallplatten, CDs, CD-ROMs,

Mikrofiches und Mikrofilme. Der jährliche Gesamtzuwachs an Medien beträgt

ca. 4000 bis 5000 Einheiten. Etwa 55 Prozent des Zuwachses sind Ankäufe, 45

Prozent Geschenke oder Belegexemplare.

Der Anteil der Liechtensteinensia beträgt etwa 76’000 Einheiten. Das seit der

Bibliotheksgründung entstandene liechtensteinische Schrifttum ist weitgehend

vollständig vorhanden. Auf antiquarischem Weg konnte auch der grösste Teil

an älteren Werken, darunter viele schöne und wertvolle Raritäten, erworben

werden. Rund 105’000 Bände, Bücher und

Zeitschriften sowie 13’000 audiovisuelle

Medieneinheiten sind den Aufgabenbereichen

«Volksbibliothek» und «Wissenschaftliche

Bibliothek» zuzuordnen.

Seit ihrer Gründung hat die Landesbibliothek

auch dem schönen Buch und der alten

Grafik Aufmerksamkeit geschenkt.

Sonderkredite der Regierung und grosszügige

private Spenden ermöglichten den

Aufbau einer bibliophilen und grafischen

Sammlung. So besitzt sie kostbare Faksimileausgaben

und eine Sammlung alter

Ansichten und Karten von Liechtenstein

und seiner Nachbarschaft.

Nur knapp die Hälfte des Bibliotheksbestandes

befindet sich im ehemaligen AHV-

Verwaltungsgebäude, dem eigentlichen

Bibliotheksgebäude am Gerberweg 5 in

Vaduz. Der Rest ist aus Platzmangel in einem Aussendepot eingelagert.

Die Medien im Bibliotheksgebäude sind grösstenteils für das Publikum frei zugänglich.

Der Freihandbereich im 2. Obergeschoss umfasst einen Teil der Volksbibliothek

mit Belletristik, Videos, CDs und eine eigene Abteilung für Kinder und

Jugendliche. In einer kleinen Cafeteria werden Tages- und Wochenzeitungen

aufgelegt. Der Freihandbereich im 3. Obergeschoss bietet ausschliesslich Sachbücher

und andere Medien mit Sachinformation. Im 4. Obergeschoss wird ein

Grossteil der Zeitschriften präsentiert. Es stehen acht Leseplätze zur Verfügung.

Im gleichen Geschoss befindet sich der Lesesaal mit 22 Arbeitsplätzen, rund

10’000 Büchern, vor allem Nachschlagewerken und einer vollständigen liechtensteinischen

Zeitungssammlung. Im Multimediaraum werden dem Publikum

6 PC-Arbeitsplätze mit Zugang zum Internet und zu den Katalogen und CD-

ROM-Werken der Landesbibliothek geboten. Ein Mikrofilm-Lese-Kopiergerät,

verbunden mit einem Scanner, erlaubt eine optimale Verarbeitung und den

Transfer von Informationen auf die verschiedenen Datenträger. Vollständig erneuert

ist der Arbeitsplatz der Patentbibliothek. Hier können die auf etwa 3000

CD-ROM-Scheiben gespeicherten internationalen Patentdokumentationen eingesehen

werden. Zudem besteht via Internet ein direkter Zugang zu den Daten

des Europäischen Patentamts.


Kultur und Sport

Die Bibliotheksbenützung hat seit der Gründung stetig zugenommen. Markant

angestiegen ist die Ausleihe 1986 nach dem Umbau und der Erweiterung der

Freihandbücherei im AHV-Gebäude. Heute trifft es pro Einwohner im Jahr gut

zwei ausgeliehene Medien aus der Landesbibliothek. Rund 4000 Personen benützen

mindestens einmal jährlich die Bibliothek. Seit ihrer Gründung haben

sich bis Ende 1999 rund 22’000 Leserinnen und Leser eingeschrieben. Die jährliche

Gesamtausleihe ist auf fast 90’000 Einheiten gestiegen. Sie wird nach dem

jüngsten Umbau weiter wachsen. Die Leserschaft stammt aus allen Gemeinden

des Landes und aus der schweizerischen und österreichischen Nachbarschaft.

Bibliotheksnetzwerke und Katalogverbünde

St. Galler Bibliotheksnetz

Die Landesbibliothek gehörte bis Ende 1999 als Teil des St. Galler Bibliotheksnetzes

zum Kreis jener Bibliotheken, die das System SIBIL anwendeten. So

konnten neben dem Bestand der Landesbibliothek zusätzlich auch die Bestände

dieser Bibliotheken abgefragt werden, die sich zu einem Katalogverbund zusammengeschlossen

hatten. Es waren dies neben dem St. Galler Bibliotheksnetz

mit der Kantonsbibliothek (Vadiana), der Deutschschweizer Verbund (DSV) mit

den Universitätsbibliotheken von Basel und Bern und der Westschweizer Verbund

(RERO) mit allen grösseren Bibliotheken. Über OPAC zugänglich war zudem

der ETHICS-Verbund mit ETH-Bibliothek und Zentralbibliothek in Zürich.

Aleph500, ein neues Bibliothekssystem – Informationsverbund

Deutschschweiz (IDS)

1996 haben die Bibliotheken der deutschsprachigen Schweizer Universitäten

entschieden, ihre verschiedenen Automatisationssysteme durch ein einziges,

neuartiges Bibliothekssystem zu ersetzen. Folgende Bibliotheken und Netzwerke

haben sich zum Informationsverbund Deutschschweiz (IDS) zusammengeschlossen:

das Bibliotheksnetzwerk der Universitäten Basel und Bern, das Zürcher

Netzwerk mit der ETH-Bibliothek und der Zürcher Zentralbibliothek, das

Bibliotheksnetzwerk der Universität Zürich, die Bibliotheken der Universität St.

Gallen und die Luzerner Zentralbibliothek. Der Verbund IDS umfasst etwa 250

Bibliotheken mit etwa 230’000 Nutzern und einem Volumen von 16 Millionen

Medieneinheiten.

Liechtensteinisches Bibliotheksnetz

Die Liechtensteinische Landesbibliothek hat sich 1998 entschlossen, das System

Aleph500 selbständig zu übernehmen und Zentrum eines lokalen liechtensteinischen

Mehrbibliothekensystems zu werden. Am 1. Dezember 1999 wurde der

Betrieb mit dem neuen System eröffnet. Am neuen liechtensteinischen Bibliotheksnetz

können Schul- und Gemeindebibliotheken sowie weitere Bibliotheken,

beispielsweise diejenigen der Fachhochschule Liechtenstein, des Liechtenstein-Instituts,

der Internationalen Philosophischen Akademie und des Liechtensteinischen

Gymnasiums, teilnehmen. Die Kommunikation mit dem St. Galler-

Netz und anderen Bibliotheksverbünden wird via Internet verbessert und

ausgebaut.

33


34

Kulturpflege

Viele Institutionen in Liechtenstein widmen sich der Kulturpflege, ohne dass

sie in der hier gewählten Einteilung (Bildende Kunst, Theater, Musik, Literatur

und Film) einem Kapitel zugewiesen werden könnten. Das sind vor allem die

Museen und viele kleinere Initiativen, die spartenübergreifend arbeiten.

Oben links: Hanneke Beaumont «Fragment de temps» (1993); Bronze (VP Bank-Kulturstiftung)

Oben rechts: Ausstellung «Ivan Miassojedoff/Eugen Zotof 1881–1993. Spuren eines Exils» in Vaduz (1997/98)

Unten links: Die «Galerie am Lindenplatz» in Vaduz

Unten rechts: Das «Atelier 11» in Triesen


Der Historische Verein für das Fürstentum

Liechtenstein

Kultur und Sport

Das Gründungsdatum des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein

ist der 10. Februar 1901. Bei der an diesem Tag stattfindenden ersten Jahresversammlung

in Vaduz wurden 67 Gründungsmitglieder gezählt. Sie hatten sich

zum Ziel gesetzt, «die vaterländische Geschichtskunde einschliesslich der Urgeschichte

zu fördern und die Erhaltung der natürlichen und geschichtlich gewordenen

Eigenart zu pflegen» (Paragraph 1 der Vereinsstatuten).

Dies ist auch heute noch das Hauptanliegen des Historischen Vereins. Diese Zielsetzung

umfasst jedoch nicht nur rückwärts gerichtete Forschung, sondern beinhaltet

vielmehr eine ständige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des

Landes. Darüber hinaus ist es dem Verein ein Anliegen, dem liechtensteinischen

Staat wie auch seinen Bürgerinnen und Bürgern bei der Suche nach Identität

zu helfen. Geschichte soll hierbei im umfassendsten Sinn als das prägende Element

der staatlichen Eigenart bewusst gemacht werden.

Seit seiner Gründung veröffentlicht der Verein ein Jahrbuch, das sämtlichen Vereinsmitgliedern

(gegenwärtig sind es rund 830) zugestellt wird. Die bisher erschienen

Bände (100 Bände bis Ende 2001) gelten in ihrer Gesamtheit als das

bedeutendste Werk zur liechtensteinischen Landeskunde im weitesten Sinne.

Das Jahrbuch enthält Abhandlungen über die ältere und neuere Geschichte des

Fürstenhauses, des Landes, seiner Gemeinden und Pfarreien sowie Urkunden

und andere Quelleneditionen zur Landesgeschichte. Ab 1942 erschien – vorerst

als Anhang zum Jahrbuch – das liechtensteinische Urkundenbuch. Die Publikation

der Urkunden konnte 1998 in einem ersten Teil (Urkunden bis 1416) abgeschlossen

werden, diese sind auch in separaten Sammelbänden verfügbar. Im

Jahrbuch befinden sich ausserdem Berichte über archäologische Grabungen,

Funde und Erwerbungen, Beschreibungen von Baudenkmälern und Abhandlungen

über alte Sitten, Bräuche und Sagen, ebenso Arbeiten zu sprach- und

rechtsgeschichtlichen, geografischen und naturwissenschaftlichen Themen.

Neben dem Jahrbuch gibt es eine ganze Reihe namhafter Sonderpublikationen,

für die der Verein verantwortlich ist oder an denen er beteiligt war: So erschien

1950 in der Reihe «Die Kunstdenkmäler der Schweiz» der Sonderband «Fürstentum

Liechtenstein», der gegenwärtig unter der Trägerschaft des Historischen

Vereins neu bearbeitet wird; 1987 erfolgte die Publikation «Liechtenstein

fürstliches Haus und staatliche Ordnung», die auf ein Seminar zurückgeht, welches

die Universität Tübingen und der Historische Verein gemeinsam in Vaduz

veranstalteten. Ebenso sei in diesem Rahmen das 1993 erschienene Buch «Die

Wiederherstellung von Schloss Vaduz», verfasst von Elisabeth Castellani Zahir,

erwähnt. Eine wichtige Publikation zur Zeitgeschichte ist das vom Historischen

Verein und dem Chronos Verlag Zürich 1997 (Zweitauflage: 2000) gemeinsam

herausgegebene zweibändige Werk von Peter Geiger «Krisenzeit. Liechtenstein

35


36

Seit der Gründung

veröffentlicht der Verein

ein Jahrbuch, 2001

erschien Band 100

in den Dreissigerjahren 1928–1939». Eine gemeinsame Publikation der genannten

beiden Verlage ist auch das 1998 erschienene, ebenfalls zweibändige Werk

«Nach Amerika!», in welchem Norbert Jansen und Pio Schurti als Hauptautoren

das Schicksal von liechtensteinischen Auswanderern beleuchten.

Neben diesen Publikationen beteiligt sich der Historische Verein auch an anderen

wissenschaftlichen Projekten und entsprechenden Publikationen. Im Bereich

der Mundartforschung etwa veranlasste der Verein 1960 die Aufnahme liechtensteinischer

Mundarten auf Schallplatten und beteiligt sich seit dieser Zeit

auch an der Schaffung und Herausgabe eines vorarlbergisch-liechtensteinischen

Sprachatlasses.

Zwei bedeutende, langfristige Projekte des Historischen Vereins sind das «Liechtensteiner

Namenbuch» sowie das «Historische Lexikon für das Fürstentum

Liechtenstein». Das Projekt «Liechtensteiner Namenbuch» konnte mit der 1999

erfolgten Publikation des sechsbändigen Werkes «Die Orts- und Flurnamen des

Fürstentums Liechtenstein» den Werkteil I abschliessen. Der weniger umfangreiche

Werkteil II (Personennamen) wird im Jahre 2002 abgeschlossen sein. Das

Historische Lexikon ist ein wissenschaftliches Projekt, in welchem das geschichtliche

Wissen über das Fürstentum Liechtenstein von den Anfängen bis zur Gegenwart

aufgearbeitet und integral in lexikografischer Form (Buch und Datenbank)

aufbereitet wird. Bis Ende 2000 stand das Historische Lexikon unter der

Trägerschaft des Historischen Vereins. Organisatorische Neuerungen bewirkten,

dass dieses Projekt von 2001 bis zu seinem Abschluss im Jahre 2006 unter eine

staatliche Trägerschaft gestellt sein wird.

Gemäss den 1912 revidierten Statuten gehörte es auch zu den Aufgaben des

Historischen Vereins, «Ausgrabungen zur Erforschung ur- und frühgeschichtlicher

Siedlungen unseres Landes auszuführen» und «die seiner Obsorge anvertraute

Sammlung liechtensteinischer Altertümer möglichst zu erweitern». Damit

ist einerseits die archäologische Forschung, andererseits die Museumstätigkeit

angesprochen. Der Historische Verein hat seit seiner Gründung bis zum Erlass

des ersten Denkmalschutzgesetzes 1944 in eigener Regie und mit staatlicher

Unterstützung, danach (bis Ende 1998) im gesetzlichen Auftrag der Regierung

Ausgrabungen durchgeführt und die archäologische Forschung betreut. Seit

Anfang 1999 sind die mit der archäologischen Forschung und Aufarbeitung

betrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter innerhalb der liechtensteinischen


Kultur und Sport

Landesverwaltung dem Hochbauamt angegliedert. Die Zusammenarbeit mit

dem Verein bleibt indessen eng, da die wissenschaftlichen Ergebnisse der archäologischen

Forschung weiterhin im Jahrbuch des Vereins oder auch in vereinseigenen

Sonderpublikationen erscheinen werden. Der Historische Verein

war zudem ein Mitbegründer des liechtensteinischen Landesmuseums, dem er

seine umfangreichen Sammlungen aus dem Bereich der Geschichte, der Volkskunde

und der Kunst zur dauernden Verfügung gestellt hat.

Das Tätigkeitsfeld des Historischen Vereins hatte sich im Laufe seiner nunmehr

100-jährigen Geschichte immer mehr ausgedehnt. Gewisse Institutionen, deren

Bestehen ohne den Verein nicht denkbar wäre, sind – wie oben erwähnt – heute

selbständig geworden oder sie wurden einer anderen Trägerschaft unterstellt.

Der Verein ist dennoch ausgefüllt, auch wenn er sich heute wieder vermehrt auf

die eingangs angesprochenen Kernaufgaben sowie auf die Herausgabe des

Jahrbuches und die weitere Verlagstätigkeit konzentriert. Lange Zeit wurden die

Vereinsgeschäfte von den ehrenamtlich tätigen Vorstandsmitgliedern wahrgenommen.

Im Jahre 1992 wurde schliesslich mit der Schaffung einer Geschäftsstelle

der Vereinsvorstand von administrativen Aufgaben weitgehend entlastet.

Die Geschäftsführung besteht in einer 50-Prozent-Stelle. Ihr Sitz befindet sich

im Mehrzweckgebäude der Landesverwaltung in Triesen. In den Räumen der

Geschäftsstelle befindet sich die Fachbibliothek des Historischen Vereins mit

annähend 3000 Bänden. Ein weiteres Arbeitsinstrument für die Historikerinnen

und Historiker ist die umfangreiche Tauschschriftenbibliothek, entstanden durch

den Schriftentausch mit einer Vielzahl von wissenschaftlichen Institutionen in

ganz Europa.

Der Verein finanziert seine Aktivitäten durch die jährlichen Mitgliederbeiträge,

aber auch durch finanzielle Zuwendungen von Seiten des Landes, der Gemeinden

sowie von privaten Gönnerinnen und Gönnern. Dazu zählt seit der Vereinsgründung

im Jahre 1901 auch stets das fürstliche Haus Liechtenstein.

37


Madonna von Erasmus Kern,

Feldkirch, aus dem Rosenkranz-

Altar der alten Pfarrkirche

von Triesen. Um 1640. Holzgeschnitzt,

mit originaler Fassung.

Höhe 113,5 cm. Aus den

Sammlungen des Liechtensteinischen

Landesmuseums

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Architekturmodell des sich

seit Herbst 1998 im Aufbau

befindenden Liechtensteinischen

Landesmuseums (im

Bild oben). Die Neueröffnung

ist für das Jahr 2003 geplant.

Architektur:

Franz Brunhart, Johannes

Brunner und Christoph

Kranz, Balzers

Liechtensteinisches Landesmuseum

Die Eröffnung des Landesmuseums im Juni 1954 geht auf die Initiative und die

jahrelangen Bemühungen des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein

zurück. Dieser hatte seit seiner Gründung 1901 eine umfangreiche Sammlung

von Kunst- und Kulturgut angelegt, die er in einer permanenten Ausstellung

der Öffentlichkeit präsentieren wollte. Dem Historischen Verein oblag bis

zur vorübergehenden Schliessung des Museums 1967 auch dessen Betreuung.

Anlässlich der Neueröffnung in der ehemaligen fürstlichen Taverne in Vaduz –

einem Anfang des 16. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnten historischen

Gebäude – erhielt das Museum 1972 den Status einer selbständigen Stiftung

des öffentlichen Rechts.

Gemäss Statut besteht der Stiftungszweck in der Sammlung, Erhaltung und

Ausstellung liechtensteinischen Kulturgutes sowie in der Förderung des Verständnisses

für die Landeskunde und die Geschichte Liechtensteins. Der Stiftungsrat,

die Museumskommission und der Konservator zeichnen aufgrund

ihrer statutarisch festgelegten Kompetenzen und Pflichten für die Führung des

Landesmuseums verantwortlich.

Die Hauptanliegen des Liechtensteinischen Landesmuseums sind ein auf die Region

bezogenes, breit angelegtes Sammeln, Bewahren und Forschen sowie die

lebendige Vermittlung an ein möglichst grosses Publikum. Den Besucherinnen

und Besuchern soll ein vielseitiger Einblick in die Geschichte und das Kulturerbe

Liechtensteins gewährt werden. Ein wichtiges Instrument für eine Vertiefung

des Wissens und des Verständnisses wie auch zur Belebung des Museumsbetriebs

bilden die Wechselausstellungen. Das Landesmuseum hat seit seinem


Kultur und Sport

Bestehen rund fünfzig solcher Veranstaltungen organisiert, in denen Objekte

aus den eigenen Depotbeständen, die normalerweise nicht zu besichtigen sind,

sowie Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen gezeigt wurden.

Die Sammlungen des Liechtensteinischen Landesmuseums lassen sich wie folgt

gliedern:

– Archäologie

– Geologie, Kartografie

– Bildende Kunst

– Kunstgewerbe

– Kulturgeschichte

– Volkskunde

– Gewerbe, Industrie

– Münzen, Medaillen, Siegel

– Militärgeschichte

– Tibetica (Spezialsammlung)

Seit 1994 betreut das Landesmuseum eine Aussenstelle. In Schellenberg wurde

das bis heute älteste bekannte Holzhaus Liechtensteins als ländliches Wohnmuseum

eingerichtet. Es ist weitgehend in seiner originalen spätmittelalterlichen

Raum- und Baustruktur erhalten. Die Ausstattung vergegenwärtigt die

bäuerliche Lebensweise, die unser Land bis in die 1950er-Jahre prägte.

1992 musste das Landesmuseum in Vaduz seinen Ausstellungsbetrieb einstellen,

da das Gebäude von Bautätigkeiten in der Nachbarschaft schwer in Mitleidenschaft

gezogen wurde und so die Sicherheit für das Ausstellungsgut und

die Besucher nicht mehr gewährleistet werden konnte. Im Frühjahr 2003 wird

die renovierte «Fürstliche Taverne» zusammen mit dem Landesverweserhaus

und einem Erweiterungsbau an der Rückseite wieder ihrer Bestimmung als

Liechtensteinisches Landesmuseum übergeben werden können, inhaltlich ergänzt

und erweitert durch eine naturkundliche Abteilung.

Links: Bauernstube aus dem

abgebrochenen Haus Büchel im

Oberbühl in Gamprin, einem

ehemaligen Lehen des Klosters

St. Luzi in Chur, Anfang des 17.

Jahrhunderts. Heute im Liechtensteinischen

Landesmuseum

Rechts: Ehemalige Telefon-

Vermittlerstation im

Regierungsgebäude in Vaduz,

um 1940. Aus den Sammlungen

des Liechtensteinischen

Landesmuseums

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40

Postmuseum

Das Postmuseum des Fürstentums Liechtenstein besteht seit 1930. Die Briefmarken-Ausgaben

ab 1912 und die davon vorhandenen Entwürfe, Stichplatten,

Probedrucke usw. sowie die eingetauschten Briefmarken der Weltpostvereinsstaaten,

zahlreiche Dokumente und historische Postgeräte waren Ansporn,

eine eigene Sammlung anzulegen. Aus Anlass der Gründung wurde dem Postmuseum

eine wertvolle philatelistische Sammlung geschenkt.

1936 wurde das Postmuseum auch als Ausstellung eröffnet. Seither wechselte

es mehrmals seinen Standort und ist derzeit im Erdgeschoss des Engländergebäudes

in Vaduz untergebracht. Bald schon sollen ihm weitere Räume im ersten

Obergeschoss desselben Gebäudes zur Verfügung gestellt werden. Seine Aufgabe

ist das Sammeln, Konservieren und Ausstellen von Material, das die

liechtensteinische Philatelie und Postgeschichte dokumentiert. Die Bestände des

Postmuseums umfassen unter anderem:

– die philatelistische Liechtenstein-Sammlung, ergänzt durch Vorlagen

und Belege aus der Briefmarkenherstellung

– die Sammlung der Briefmarken der Weltpostvereinsstaaten

– postgeschichtliche Dokumente (Bilder, Illustrationen, Fotografien,

Korrespondenz, Karten, Briefe), Geräte und Einrichtungen

– Kunstwerke von Briefmarken-Entwerfern

– die postgeschichtliche und philatelistische Bibliothek.

In der permanenten Ausstellung wird ein repräsentativer Querschnitt durch die

gesamte Liechtenstein-Philatelie gezeigt, erweitert durch Original-Briefmarkenentwürfe

und Material aus der Druckvorstufe sowie postgeschichtliche Dokumente,

Geräte und Einrichtungen. Wechselausstellungen ergänzen das Programm.

Regelmässig werden auch Briefmarken-Ausstellungen mit Liechtenstein-Exponaten

beschickt. Das Postmuseum wird durch das Amt für Briefmarkengestaltung

geleitet und ist somit Teilbereich der Landesverwaltung.

Die Liechtensteiner Briefmarken

Liechtensteiner Briefmarken gibt es seit 1912. Zuvor erledigten Boten oder die

offizielle Österreichische Post in Liechtenstein den Import und Export der Post

für Liechtenstein. Erhaltene Briefe mit heute seltenen Stempeln aus der damaligen

Zeit sind Zeugnis dafür.

Ab 1852 verwendete man in Liechtenstein die Marken der kaiserlich-königlichen

(k.k.) österreichischen Post. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Ruf

nach eigenen liechtensteinischen Briefmarken immer lauter. Doch die Verhandlungen

mit der k.k. österreichischen Post erwiesen sich als zäh und kompliziert.

1912 erschienen erstmals Liechtensteiner Briefmarken mit der Aufschrift «k.k.

österreichische Post im Fürstentum Liechtenstein». Daneben verwendete man


Kultur und Sport

weiterhin auch österreichische Briefmarken bis in Folge des Ersten Weltkriegs

die vertraglichen Bindungen zur k.k. österreichischen Post am 1. März 1920

gelöst wurden.

Auch der neue Postvertrag mit der Schweiz erlaubte dem Fürstentum Liechtenstein

die Herausgabe eigener Briefmarken, nun mit Taxwerten in Schweizer

Franken. Bei Inkrafttreten der Vereinbarungen standen aber die erforderlichen

Briefmarken noch nicht in ausreichender Menge zur Verfügung. Deshalb wurden

einerseits Marken österreichischer Währung mit Rappenwerten überdruckt

und andererseits vorübergehend auch Schweizer Briefmarken verwendet.

Noch vor der Auflösung des Postvertrags mit Österreich hatte die liechtensteinische

Regierung Herstellung und Vertrieb der Briefmarken gegen eine jährliche

Lizenzgebühr einem privaten Konsortium übergeben. Diese Gesellschaft missbrauchte

die vertraglichen Freiheiten zur Anfertigung zahlreicher Fehldrucke

und Abarten in riesigen Auflagen: Die Liechtenstein-Philatelie geriet als Folge

davon in ein schlechtes Licht und löste den Konsortiumsvertrag umgehend auf.

Seither konnte sich die Liechtenstein-Philatelie einen guten Namen schaffen und

geniesst heute ein weltweit hohes Ansehen. Eine stets seriöse Ausgabenpolitik,

die zudem nur bescheidene finanzielle Forderungen an den Sammler stellt, hat

massgeblich dazu beigetragen.

Gelegentlich sorgte die Ausgabepolitik für grosses Aufsehen in der Welt der

Philatelie: So wurde z.B. 1934 aus Anlass der Liechtensteinischen Landesausstellung

ein Briefmarken-Block zu 5 Franken herausgegeben, der aber wegen

des hohen Preises nur zu einem sehr kleinen Teil der bereitgestellten Auflage

abgesetzt werden konnte. Der Rest wurde vernichtet. Eine Marke des 5-Franken-Blocks

gilt heute als die höchst bezahlte liechtensteinische Sammlermarke.

1960 kam es zu einem Engpass, als der Bedarf an erstmals herausgegebenen

Europa-Marken stark unterschätzt wurde. Die starke, bisher in solch einem Ausmass

unbekannte Nachfrage liess eine riesige Spekulationswelle einsetzen.

Die Minnesänger-Motive von 1961 markierten den Beginn eines neuen bunten

Zeitalters der Liechtensteiner Briefmarke. Die ersten vielfarbigen Drucke waren

ein meisterhaftes Zeugnis moderner Drucktechnik und verliehen der liechtensteinischen

Briefmarke neuen Glanz.

Die Erlöse aus dem Verkauf der Briefmarken bildeten während Jahrzehnten eine

sehr wichtige Einnahmequelle für den Staat. Heute ist die fiskalische Bedeutung

der Briefmarken nicht mehr so gross. 1995 betrug der Anteil der Verkaufserlöse

für Wertzeichen an den Staatseinnahmen noch etwa 3 Prozent.

Die Selbstdarstellung des Staates in seiner Vielfalt gilt als Grundsatz bei der Wahl

der Themen und Motive. An den Entwürfen arbeiten vorwiegend einheimische,

zuweilen auch ausländische Kunstschaffende. Die Herstellung der Marken erfolgt

bei spezialisierten Briefmarken-Druckereien im Ausland.

Die Kreation und Produktion neuer Marken gehören zu den Aufgaben des

Amtes für Briefmarkengestaltung. Die Postwertzeichenstelle der Regierung besorgt

Marketing und Verkauf an eine Vielzahl von Abonnenten in aller Welt.

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Tangente

Schichtwechsel

Atelier 11

Haus Stein-Egerta

DoMuS

Pfrundhaus

Alte Weberei Triesen

Kultur verbindet

Walser Heimatmuseum

Trachtenvereinigung

Antikmuseum

Skimuseum

Weitere Kulturträger

Der 1979 gegründete Verein Tangente betreibt in Eschen einen Jazzclub von internationalem

Renommee und zeigt in seiner Galerie Ausstellungen regionaler

Künstlerinnen und Künstlern.

Der Verein Schichtwechsel bemüht sich um die Kommunikation zwischen den

Kunstschaffenden und fördert kulturelle Projekte im Bereich der bildenden

Kunst und ihrer Grenzräume. Als weiteres Ziel seiner Arbeit nennt der Verein

die Erschliessung neuer geistiger und materieller Räume für die Kunst und den

Aufbau einer Kunst- und Aktionshalle Liechtenstein.

Die Aterrana-Stiftung setzt sich für Kulturaustausch ein und unterhält das Atelier

11, das sie für Ausstellungen nutzt oder ausländischen Künstlern und

Künstlerinnen im Rahmen von Kulturaustauschprojekten zur Verfügung stellt.

Das Haus Stein-Egerta ist das Zentrum der Erwachsenenbildung. An diesem Ort

finden die Liechtensteiner Literaturtage und die Liechtensteiner Exkurse statt,

ebenso regelmässige Ausstellungen von einheimischen Kunstschaffenden.

Das Schaaner Dorfmuseum DoMuS vereinigt eine Galerie und ein Museum und

führt zahlreiche Veranstaltungen durch, die das Dorfleben bereichern. Ebenso

bietet das Eschner «Pfrundhaus» Vereinen und Kunstschaffenden Räume zur

vielfältigen Nutzung.

Der Verein «Alte Weberei Triesen» betreibt im Dachgeschoss der ehemaligen

Textilfabrik eine Bühne, die für Kleinkünstler und zahlreiche Veranstaltungen

einen Platz mit einer besonderen Atmosphäre bietet.

Der Verein «Kultur verbindet» will einheimische Kultur fördern und ihr Plattformen

im Ausland verschaffen. Seit seiner Gründung im Jahre 1997 konnten

durch seine Arbeit schon einige Musikformationen im Ausland auftreten.

Im Walser Heimatmuseum in Triesenberg begegnet der Gast dem bäuerlichen

Leben der alten Walser. Neben Geräten für die Haus- und Landwirtschaft finden

sich viele Zeugnisse des religiösen Lebens und der Geschichte der ausgewanderten

Walser. Die Ausstellung wird ergänzt durch die sehenswerte Sammlung

von Plastiken aus Baumgebilden des einheimischen Künstlers Rudolf Schädler.

Neben Museen wie diesem trägt auch die Liechtensteinische Trachtenvereinigung

viel zur Bewahrung von volkstümlicher Kultur bei. Sie setzt sich ein für

die Erhaltung der Mundarten, des Volkstheaters, des Liedes und des Tanzes, der

Sitten und Bräuche.

Zwei interessante Kuriosa in der liechtensteinischen Museumslandschaft bilden

das Antikmuseum in Schaan mit seinen historischen Rechen- und Schreibmaschinen

sowie das Skimuseum in Vaduz, welches mittlerweile über 300 Paar

Skier sowie viel anderes Anschauungsmaterial aus 150 Jahren Ski- und Wintersportgeschichte

und als Juwelen der Sammlung Originalabriebe von 4500

Jahre alten Felszeichnungen der alten nordischen Skifahrer zeigen kann.


Archive in Liechtenstein

Liechtensteinisches Landesarchiv

Kultur und Sport

Die zentralen Aufgaben des Landesarchivs bestehen in der Erhaltung und Nutzbarmachung

der schriftlichen Unterlagen der Landesbehörden. Das Archiv dokumentiert

die Tätigkeit dieser Behörden und trägt damit sowohl zur Rechtssicherheit

als auch zur demokratischen Entwicklung des Landes bei. Darüber

hinaus nimmt es einen kulturellen Auftrag wahr, indem es wichtige Dokumente

zur liechtensteinischen Geschichte sammelt und aufbewahrt. Das Landesarchiv

leistet einen wichtigen Beitrag zur Bildung einer liechtensteinischen Identität.

Das Landesarchiv erfüllt sowohl öffentliche als auch private Informationsbedürfnisse.

Die primäre Funktion ist die eines «Gedächtnisses» für die staatlichen Behörden:

Es sichert und verwaltet jene Unterlagen, die zur Dokumentation bzw.

zur Rekonstruktion von wichtigen staatlichen Vorgängen (Landesverwaltung,

Gerichte, Landtag) notwendig sind.

Nicht weniger wichtig ist die sekundäre Funktion: das Zugänglichmachen dieser

Informationen für die Öffentlichkeit und damit die Schaffung von Transparenz

über die staatlichen Tätigkeiten. Dies ist eine Vertrauen schaffende Funktion,

die für die demokratische Entwicklung unseres Landes von grosser Bedeutung

ist. Nach Ablauf einer Sperrfrist von 30 Jahren (bei besonders schützenswerten

Personenakten von 80 Jahren) sind die Bestände des Landesarchivs auch für

Private zugänglich. Eine Benützung ist nur in den Räumen das Archivs möglich.

Eine Ausleihe ist nur für besondere Zwecke gestattet (z.B. Ausstellungen, Fotoreproduktionen

oder Restaurationen). Benützerinnen und Benützer haben über

den Zweck ihrer Nachforschungen Auskunft zu erteilen und müssen sich auf

Verlangen ausweisen. Mit Einwilligung des Archivs können Kopien erstellt

werden.

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Die Bestände des Landesarchivs reichen vereinzelt ins Spätmittelalter zurück. Der

mehrfache Wechsel der Landesherrschaft auf dem heutigen liechtensteinischen

Staatsgebiet seit dem Mittelalter führte zu einer stark gestörten Überlieferung.

Grosse Teile der alten Bestände vor ca. 1790 gingen verloren. Nach dem Amtsantritt

von Landvogt Franz Xaver Menzinger im Jahre 1788 wurde das Archiv

neu organisiert. Seither ist die Überlieferung bei den Beständen der Regierung

und des Landgerichts gut bis sehr gut, beim Landtag (seit 1862) und den Ämtern

der Landesverwaltung hingegen sehr unterschiedlich. Da wichtige Dokumente

aus der Zeit vor 1790 verloren gingen, gehört es auch zu den Aufgaben

des Archivs, Dokumente zu erfassen und nachzuweisen, die in andern Archiven

über Liechtenstein vorhanden sind.

Das Landesarchiv wurde erst 1961 als eigenes Amt geschaffen. Bis dahin wurden

die Archivalien von den Behörden verwaltet, bei denen sie entstanden sind.

Dies hat in vielen Fällen zu den erwähnten sehr bedauerlichen Verlusten geführt,

da manchmal wahllos Akten vernichtet wurden. 1961 wurde nicht nur eine eigene

Amtsstelle, sondern auch ein Archivgebäude geschaffen. Das ursprüngliche

Magazin erwies sich bald als viel zu klein und musste in der Zwischenzeit

mehrfach erweitert werden, da die Ablieferungen der staatlichen Behörden

lawinenartig zugenommen haben. Seit den 1980er-Jahren musste deshalb auch

das Personal aufgestockt werden, was wiederum zu einer intensiveren Nutzung

geführt hat. Das drängendste Problem ist heute ein grosszügiger Neubau, der

es ermöglicht, die wertvollen Archivalien optimal aufzubewahren.

Die Bestände des Landesarchivs sind strikt nach dem so genannten Provenienzprinzip

aufgebaut, d.h. sie werden nach ihrer Herkunft strukturiert und damit

in dem Zusammenhang belassen, in dem sie entstanden sind.

Das ganze Archiv ist in drei Abteilungen unterteilt. Die erste Abteilung bilden

die so genannten Hauptbestände: die historischen und modernen Verwaltungsakten

der staatlichen Behörden. Dieses Schriftgut gelangt nicht aufgrund einer

Sammeltätigkeit ins Archiv, sondern aufgrund der gesetzlichen Ablieferungspflicht

der staatlichen Organe. Alle staatlichen Behörden sind aufgrund des Archivgesetzes

verpflichtet, ihr Schriftgut dem Landesarchiv abzugeben, sobald sie

es nicht mehr für ihre amtlichen Tätigkeiten benötigen. Ein grosser Teil der Geschäftsunterlagen

hat jedoch keinen historischen Wert und kann vernichtet

werden. Dies darf jedoch nicht wahllos geschehen, sondern nur aufgrund einer

fundierten und systematischen Bewertung.

Die zweite Abteilung des Landesarchivs besteht aus den so genannten Nebenbeständen:

Archive von Pfarreien, Gemeinden, Vereinen oder Firmen, Nachlässe

von Privatpersonen usw. Diese Archivalien dokumentieren nicht staatliche Tätigkeiten

und stellen für Historikerinnen und Historiker äusserst wertvolle Ergänzungen

zur staatlichen Überlieferung dar. Für diese Bestände ist charakteristisch,

dass sie nicht ans Archiv abgegeben werden müssen, sondern aufgrund einer

Schenkung, eines Ankaufs oder aber als Leihgabe ins Landesarchiv gelangen.

Meistens sind die abgebenden Personen einfach davon überzeugt, dass ihre Dokumente

hier am sichersten aufgehoben sind und der Nachwelt erhalten

bleiben. Einige wichtige Nebenbestände seien hier beispielhaft aufgezählt: alter

Bestand des Gemeindearchivs Triesen, Archiv des ehemaligen Dekanats Liechtenstein,

Pfarrarchiv Bendern, Pfarrarchiv Eschen, Archiv der fürstlichen Domänen-


Kultur und Sport

verwaltung, Firmenarchiv Jenny, Spoerry & Cie., Pfadfinderarchiv, Archiv des

FL-Sängerbundes, sog. Schädler-Urkunden, Nachlass J. B. Büchel usw.

Die dritte Abteilung besteht aus verschiedenen Sammlungen, die vom Archiv

selber angelegt und aufgebaut werden: Urkunden, Staatsverträge, Amtsdruckschriften,

Fotos, Filme, Tonaufnahmen, Siegel, Pläne und Karten, Presseausschnitte,

Flugblätter, Mikrofilme, Abschriften und Kopien aus andern Archiven.

Vereinzelt werden auch Objekte (Bilder, Medaillen etc.) aufbewahrt. All diese

Sammlungen haben einen klaren Bezug zu Liechtenstein.

Pfarrbücher, die für Familienforscher besonders interessant sind, können im

Landesarchiv auf Mikrofilmen eingesehen werden. Schliesslich besitzt das Landesarchiv

noch eine Handbibliothek mit wichtigen landeskundlichen und

archivwissenschaftlichen Publikationen. Auch diese Bibliothek ist eine Präsenzbibliothek,

d.h. es werden keine Bücher ausgeliehen.

Hausarchiv der regierenden Fürsten von Liechtenstein

Das Fürstenhaus von Liechtenstein besitzt ein eigenes Hausarchiv, in dem Unterlagen

zur Familien- und Besitzgeschichte des Hauses, aber auch wichtige Informationen

zur Geschichte des Staats Liechtenstein zu finden sind, da die Fürsten

von Liechtenstein seit der Entstehung des Fürstentums Liechtenstein in alle

wichtigen Entscheidungen einbezogen waren.

Das fürstliche Hausarchiv ist eines der am besten erhaltenen Adelsarchive im

deutschsprachigen Raum überhaupt. Die Bestände des Hausarchivs sind geteilt:

Der mengenmässig grössere Teil der Archivalien (darunter die Wirtschaftsakten

und die Plansammlung) befindet sich in Wien, wo die Familie Liechtenstein bis

kurz vor dem Zweiten Weltkrieg residierte. Während des Zweiten Weltkriegs

wurde dann ein Teil des Hausarchivs – die Urkunden, Handschriften und die

Akten zur Familiengeschichte – ins Schloss Vaduz gebracht, wo die Familie seit

1938 residiert. Die Benutzungsmöglichkeit ist auf Grund der personellen

Voraussetzungen eingeschränkt und muss von Fall zu Fall abgesprochen

werden.

Gemeindearchive

Die Gemeinden besitzen eigene Archive, die in erster Linie die Tätigkeit der

Gemeindebehörden dokumentieren. Die älteren Bestände in den Gemeindearchiven

wurden fast ausnahmslos in den 1950er-Jahren von Fridolin Tschugmell

geordnet und erfasst. Mehrere Gemeinden haben in den letzten Jahren erhebliche

Anstrengungen zur sicheren Aufbewahrung ihrer Unterlagen gemacht.

Die Ordnungs- und Erschliessungsarbeiten wurden intensiviert, die alten Pergamenturkunden

oft transkribiert.

In den Gemeindearchiven werden vielfach auch Unterlagen von Vereinen oder

Alpgenossenschaften aufbewahrt. Die meisten Gemeindearchive bauen überdies

Sammlungen zu bestimmten Themen auf (z.B. Fotosammlung, Druckschriften

etc.). Auskunft über die Bestände der einzelnen Gemeindearchive und

die Benützungsmöglichkeiten gibt die jeweilige Gemeindeverwaltung.

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Kirchliche Archive

Das grösste kirchliche Archiv ist das Archiv des ehemaligen Dekanats, das nach

dessen Auflösung im Landesarchiv deponiert wurde. Dieses hat einen klaren

Schwerpunkt in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, reicht aber bis

in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück, wenn man die Akten des ehemaligen

Landesvikariats mit einbezieht.

Einige der insgesamt zehn katholischen Pfarreien haben ihr Archiv (oder Teile

davon) im entsprechenden Gemeindearchiv oder im Landesarchiv deponiert. Als

besonders wertvolle Dokumente sind die Pfarrbücher, die Urbarien und die Pfarreirechnungen

hervorzuheben. Die Pfarrbücher sind mikroverfilmt. Die entsprechenden

Mikrofilme können im Landesarchiv eingesehen werden.

Von den Archiven der evangelischen Kirchen befinden sich einige wenige Unterlagen

aus dem 19. Jahrhundert im Landesarchiv.

Josef Rheinberger-Archiv

Der Vaduzer Bürger Josef Gabriel Rheinberger (1839–1901) war zu seiner Zeit

einer der bedeutendsten Komponisten in Europa. Um das musikalische Werk

Rheinbergers zu pflegen, wurde 1944 aufgrund einer Initiative von Severin

Brender und Walter Kaufmann das Josef Rheinberger-Archiv in Vaduz gegründet.

Es erhielt von der Familie Rheinberger bedeutende Leihgaben (Briefe an die

Familie, Fotos, Erinnerungsstücke usw.) zur Aufbewahrung. Der Staat unterstützte

den Aufbau einer Rheinberger-Dokumentation mit erheblichen finanziellen

Mitteln (Ankauf von gedruckten Notenwerken, Schallplatten, Musikkassetten,

CDs und Publikationen). Vereinzelt konnten auch Handschriften erworben

werden. Der grösste Teil des eigentlichen musikalischen Nachlasses befindet

sich in der Bayerischen Staatsbibliothek in München.

In einer ersten Phase bis in die 1960er-Jahre bestand der Schwerpunkt der Tätigkeiten

des Archivs im Sammeln von Notenwerken und Literatur. Nachdem

Harald Wanger 1960 die Leitung des Archivs übernommen hatte, verlagerte sich

der Schwerpunkt mehr und mehr auf die Förderung von wissenschaftlichen

Publikationen und die Unterstützung von Aufführungen der Werke Rheinbergers.

Von 1982 bis 1986 wurde vom Rheinberger-Archiv eine neunbändige Ausgabe

mit Briefen und Dokumenten Josef Rheinbergers herausgegeben. 1988

wurde mit einer wissenschaftlichen Gesamtedition der Werke begonnen, die

schliesslich aus insgesamt 48 Bänden und einzelnen Supplementbänden bestehen

wird. 1989 wurde aus Anlass des 150. Geburtstags Rheinbergers in Vaduz

und Berlin eine grosse Ausstellung gezeigt. 2001 wurde eine Reihe von Veranstaltungen

aus Anlass seines 100. Todestags durchgeführt.

Bis 1998 war das Rheinberger-Archiv eine selbständige Institution, die jedoch

keinen klaren rechtlichen Status hatte. Nach der Pensionierung des Archivleiters

wurde der Aufgabenbereich neu organisiert und die Betreuung der Archivalien

dem Liechtensteinischen Landesarchiv übertragen. Für die wissenschaftliche Bearbeitung

der Gesamtausgabe wurde eine eigene Editionsstelle beim Carus-

Verlag geschaffen.


Kultur und Sport

Denkmalschutz und Architektur in Liechtenstein

Mit der Einführung des ersten Denkmalschutzgesetzes Liechtensteins im Jahre

1944 sollten die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, den Erhalt

der Denkmäler des Landes für künftige Generationen weitmöglichst sicherzustellen.

Einer grossen Anzahl Privatpersonen, Institutionen der Gemeinden sowie des Landes

ist es zu verdanken, dass bis heute rund 150 Objekte formell unter Denkmalschutz

gestellt werden konnten. Durch fachgerecht durchgeführte Arbeiten an Denkmälern

– dazu gehören Burganlagen, Häusergruppen, Einzelbauten, archäologische Ausgrabungsstätten,

Kunstobjekte, Schriften, Gebrauchsgegenstände u.v.a.m. –

Alt und Neu:

Oben: Die denkmalgeschützte

ÖBB-Haltestelle, Schaanwald

Unten: Das neue Postgebäude

in Eschen (Architektur:

Franz Marok, Schaan, in

Zusammenarbeit mit Ivan

Cavegn, Schaan)

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Wohnhaus an der Landstrasse

in Triesen

(Architektur: Silvio, Marogg, Triesen)

soll deren Substanz möglichst ungeschmälert erhalten bleiben.

Die sich mit der Zeit wandelnden Wertvorstellungen, technischer

Fortschritt sowie individuelle Bedürfnisse zwingen den Denkmalschutz

aber auch dazu, nach Möglichkeit den Veränderungen

offen gegenüberzustehen. In vielen Fällen gilt es dann, Veränderungen

an schützenswerten oder bereits geschützten Objekten

in behutsamer Weise durchzuführen.

Auch wenn Liechtenstein in Anbetracht der Kleinheit des Landes

sowie der einst ärmlichen Verhältnisse nur eine bescheidene Anzahl

von Denkmälern mit internationaler Bedeutung aufzuweisen hat,

so liegt ein grosser Teil der Bemühungen doch im Erhalt jener

Objekte, deren Bedeutung andernorts vielfach verkannt wird.

Schutz und Pflege einstmals einfacher Bauernwohnhäuser im

Mitteldorf von Vaduz sowie im Oberdorf von Triesen lassen jedoch

erkennen, dass auch Bauten anonymer Architektur besonderes

Augenmerk verdienen. Vermehrte Anerkennung gebührt zudem

einer beträchtlichen Anzahl von Gegenständen des täglichen

Gebrauchs, den Bauten des Ingenieurwesens sowie der zeitgenössischen

Kunst und Architektur. Hier gilt es im Besonderen, durch

intensive Aufklärungsarbeit eine vermehrte Sensibilisierung der

Bevölkerung zu erzielen.

Mit dem rasanten Wandel des Bauernstaats Liechtenstein in einen

hochindustrialisierten Staat mit einem starken Finanzplatz vollzog

sich auch in der Architektur ein Wandel. Die Notwendigkeit des

funktionalen bäuerlichen Wohnungsbaus entfiel und wurde nicht

ersetzt durch eine neue Baukultur. So ist denn die Architektur (im

privaten wie im öffentlichen Bereich) zu grössten Teilen gekennzeichnet

durch eine Vielzahl von Baustilen, die vor allem den sehr

unterschiedlichen Neigungen der Bauherren und manchmal auch

dem Zufall zu gehorchen scheinen. Die zunehmenden Probleme in

der Raumplanung scheinen hier eine Wende zu bringen: Die Bauherrschaften,

zumal jene der öffentlichen Hand und der finanzstarken

Privatwirtschaft werden sich der städtebaulichen Verantwortung

bewusst. Immer mehr grosse Bauvorhaben finden ihre

Realisierung nach Architekturwettbewerben. Einen weiteren Beitrag

zur Baukunst leisten der Staat und die Gemeinden: Seit einem

Regierungsbeschluss von 1967 und dem Inkrafttreten des Kulturförderungsgesetzes

1990 muss grundsätzlich bei allen staatlichen

und subventionierten Bauten ein Prozent der Bausumme für Kunst

am Bau aufgewendet werden. Diese Gestaltung des öffentlichen

Raumes liefert viele Denkanstösse über die Bedeutung der Architektur

und bildet mittlerweile gleichzeitig auch einen interessanten

Einblick ins zeitgenössische Kunstschaffen.

Mitte: Das Schulzentrum Mühleholz in Vaduz steht unter Denkmalschutz;

Baujahr: 1970–72, in späteren Jahren erweitert (Architektur: Ernst Gisel, Zürich)

Unten: Das Haus Banzer, Oberdorf, Triesen; spätmittelalterliches Wohnaus;

1999 unter Denkmalschutz gestellt und in den folgenden Jahren renoviert


Sport in Liechtenstein

Kultur und Sport

Sport hat in Liechtenstein eine grosse und breit abgestützte Bedeutung. Auf der

einen Seite hat die gesamte Bevölkerung neben der individuellen sportlichen

Betätigung die Möglichkeit, die Angebote einer Vielzahl von Sportvereinen zur

Ausübung verschiedener Sportarten wahrzunehmen. Diese Möglichkeit wird

rege genutzt. Breitensport bedeutet Bewegung, Ausgleich zum Arbeitsleben,

Ruhe, Wohlbefinden und nicht zuletzt Förderung der Volksgesundheit. Dank

der schon vor mehreren Jahren aus den USA nach Europa «herübergeschwemmten»

Fitnesswelle dürfte der Breitensport noch mehr an Bedeutung

gewonnen haben. Auf der anderen Seite hat Liechtenstein trotz seiner Kleinheit

schon einige Spitzensportler und Spitzensportlerinnen hervorgebracht, die

aufgrund ihrer Leistungen den Namen Liechtenstein in die Welt getragen haben

und noch tragen und dem Land dadurch zu vermehrter Bekanntheit verhelfen.

Sport, sei es Breiten-, Leistungs- oder Spitzensport, hat in sozial- und gesundheitspolitischer

Hinsicht eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf die Gesellschaft.

Das ist Grund und Beleg dafür, dass der Sport – der sich zu einem Grossteil

im Rahmen privater Vereine und Verbände abspielt – von der öffentlichen

Hand gefördert werden soll und muss. Die dargelegte Wirkung des Sports liegt

im öffentlichen Interesse und rechtfertigt die Unterstützung durch den Staat. In

diesem Bewusstsein leistet auch das Land Liechtenstein bedeutende Beiträge

zur Förderung des Sportwesens.

Nachfolgend soll ein Überblick über die verschiedenen Bereiche des öffentlichen

Sportwesens und der Sportförderung verschafft werden. Dazu wird vorerst die

Leitlinie kurz dargelegt, nach welcher sich der Staat im Rahmen seiner Fördertätigkeit

richtet. Weiters wird Auskunft über die Organisation und die Institutionen

des öffentlichen Sportwesens, die Zuständigkeiten und Tätigkeiten der

einzelnen Institutionen sowie die von der öffentlichen Hand für die Sportförderung

zur Verfügung gestellten Mittel einschliesslich der Kriterien, nach

welchen diese grundsätzlich vergeben werden, gegeben.

Leitlinien der staatlichen Sportförderung

Bedeutung

Als Grundsatz kann festgehalten werden, dass aus staatlicher Sicht einer breiten

und qualifizierten Sportausübung eine wichtige sozial-, gesundheits- und

gesellschaftspolitische Bedeutung zukommt. Der Sport ist ein existenzieller Pfeiler

für die Entfaltungsmöglichkeiten des Einzelnen sowie von Gruppen und für

die Erhaltung und Förderung der Volksgesundheit. Dieser Aspekt gewinnt gerade

in einer Zeit des Wohlstands und einer zunehmenden Bewegungsarmut,

verbunden mit ungesunden Ernährungsgewohnheiten, ständig an Bedeutung.

49


50

Städtlelauf in Vaduz

Gemeindesportfest in Ruggell

Das Bewusstsein um diese Aspekte sollte, als Teil der Ausbildung und Erziehung

junger Menschen, so früh wie möglich vermittelt werden. Deshalb war und ist

es ein Anliegen des Staates, in der Schule den Sport als Pflichtfach vorzusehen

und den Schulsport im Allgemeinen zu fördern. Die Lehrpläne aller Schularten

beinhalten die regelmässige sportliche Betätigung der Schüler im Umfang von

2 bis 4 Wochenstunden (je nach Schultyp und Schulstufe). Der Schulsport vermittelt

den Kindern und Jugendlichen verschiedene

Bewegungserfahrungen und soll

durch entsprechende Massnahmen Haltungsschäden

und damit verbundene Langzeitschäden

vorbeugen. Ferner tragen viele Sportarten

zur Förderung von Teamgeist und Sozialisation

bei. Zudem weckt der Schulsport vielfach die

Freude am Sport und bietet die Basis für den

Eintritt in einen Sportverein, womit eine über

die Schulzeit hinausgehende sportliche Tätigkeit

verbunden ist. Neben der allgemeinen Bedeutung

als einem Teil des Bildungswesens

bietet der Schulsport weitere Varianten der

schulisch-sportlichen Betätigung, so den «freiwilligen»

Schulsport, spezielle Sportanlässe

wie Sportlager und Schulsporttage und auch

verschiedene Wettkampftätigkeiten.

Der Breitensport dient der aktiven Freizeitgestaltung und der Gesundheitsförderung,

verbunden mit verschiedenen positiven Aspekten: Ausleben des natürlichen

Bewegungsdrangs; unterschiedliche individuelle Ausgestaltungsmöglichkeiten;

Möglichkeit zum Spiel; Abbau von Schranken durch ein gemeinsames

Erlebnis; Vermittlung eines gesunden Gefühls für den eigenen Körper; Vollbringung

einer (körperlichen) Leistung sowie Ausgleich zum Alltag.

Der Breitensport steht bei der staatlichen Sportförderung wegen seiner breit

gestreuten Vielschichtigkeit und des damit verbundenen weit reichenden

Wirkungsgrades bezogen auf die Gesamtbevölkerung

im Vordergrund. Die Förderung

erfolgt durch die finanzielle Unterstützung von

Sportanlagen, von Trainingsmöglichkeiten und

Hilfsmitteln, durch Abgabe von Leihmaterial

und insbesondere auch durch die Unterstützung

der Verbände und Vereine im Land.

Unter Leistungssport wird die intensive Trainings-

und Wettkampftätigkeit im Rahmen

von nationalen und/oder internationalen

Meisterschaften auf der Basis des Amateursports

verstanden. Der Staat unterstützt teilweise

die Trainingsaktivitäten, die Durchführung

von internationalen Grossanlässen und

deren Besuche im Ausland, hier insbesondere

die Beschickung bei Olympischen Spielen.


Kultur und Sport

Durch den internationalen Aspekt, der in den Leistungssport einfliesst, und

durch den Umstand, dass im Bereich des Leistungssports ein internationales

Mitwirken von Amateursportlern möglich und sinnvoll ist, wird der Name Liechtenstein

über die Grenzen hinausgetragen. Darüber hinaus kann dem Leistungssport

insofern Vorbildcharakter attestiert werden, als der Leistungssportler an

die Grenze seiner Leistungsfähigkeit geht, obwohl er neben seiner sportlichen

Tätigkeit im normalen Berufsleben steht oder zumindest nicht über die erforderlichen

Grundlagen (insbesondere in finanzieller Hinsicht) verfügt, um seine

Sportart professionell ausüben zu können.

Spitzensport zu betreiben heisst, auf dem sportlichen Niveau der Weltbesten zu

sein, was heute im Rahmen des Amateursports kaum oder nicht mehr möglich

ist. Liechtenstein ist ein kleiner Staat, so dass das Potenzial an Spitzensportlern

schon aufgrund der Einwohnerzahl beschränkt ist. Auch wenn für den Staat die

breiten Interessen im Bereich des Sports (Breitensport) eindeutig im Vordergrund

stehen müssen, ist darauf hinzuweisen, dass

erfolgreiche Spitzensportlerinnen und Spitzensportler

«Botschafter» und «Werbeträger»

für den Staat sind, aus dem sie stammen oder

für welchen sie an Wettkämpfen starten. Insbesondere

Spitzensportlerinnen und Spitzensportler,

aber auch alle anderen im sportlichen

Bereich Aktiven leisten über den Sport ganz

allgemein und auch auf besondere Art einen

Beitrag an die liechtensteinische Kultur sowie

an die kulturellen und in diesem Zusammenhang

auch aussenpolitischen Anstrengungen

Liechtensteins. Zudem sind Aktive im Spitzensport

Idole und können als solche Vorbildfunktion

haben, was insbesondere auf jugendliche

Menschen motivierend wirken kann.

Gerade die Teilnahme an Weltmeisterschaften

und Olympischen Spielen hat Liechtenstein

immer wieder positive Schlagzeilen beschert. Es sei nur an die grossartigen Erfolge

der liechtensteinischen Skifahrer und Skifahrerinnen erinnert. Auch die

Modellfluggruppe Liechtenstein darf sich rühmen, in der Spitze mitzufliegen.

Aus diesen Überlegungen heraus soll der Staat an der gezielten Förderung des

Spitzensports mitwirken. Zum einen kann der Staat für eine optimale Infrastruktur

sorgen, soweit dies die Verhältnisse zulassen. Liechtenstein verfügt

ohne Zweifel über eine sehr gute Infrastruktur, insbesondere auch mit Blick auf

die neuen Sportstätten in Schaan (Leichtathletik) und Vaduz (Fussball). Zum

anderen spielt die finanzielle Komponente eine bedeutende Rolle, da Spitzensport

heute nur noch in Form des Profisports denkbar ist. Dies ist mit einem

hohen Bedarf an finanziellen Mitteln verbunden, welche von den betreffenden

Aktiven zumindest so lange nicht aus eigenen Kräften aufgebracht werden

können, als sie nicht im Zuge allfälliger Erfolge zu den Spitzenverdienern aufsteigen.

Primär ist es dabei die Aufgabe der einzelnen Sportverbände, für die

notwendigen Voraussetzungen zu sorgen. Nicht zu vergessen ist auch das aus

Im Jahr 2000 feierte die

Schwimm- und Badeanstalt

Mühleholz Vaduz den

40. Geburtstag

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52

dem Profisport nicht mehr wegzudenkende private Sponsoring. Der Staat

fördert den Spitzen- und Leistungssport in Form von einmaligen oder jährlich

wiederkehrenden finanziellen Beiträgen oder durch sonstige Unterstützungsmassnahmen,

die sich fördernd auswirken.

Sportgesetz

Am 1. April 2000 ist das Sportgesetz in Kraft getreten. Es stellt die erstmalige

Regelung des Sports auf gesetzlicher Ebene dar und bildet heute die Grundlage

für die staatliche Sportförderung. Neben den Bereichen Schulsport, «Jugend

und Sport» und Breitensport finden erstmals der Behinderten-, Senioren-, Leistungs-

und Spitzensport explizit Erwähnung. Organisationen, Personen und

Personengruppen können nach Massgabe allgemeiner Grundsätze und bei

Erfüllung bestimmter Voraussetzungen in den Genuss von öffentlichen Förderungsmassnahmen

kommen. Besonders im Leistungs- uns Spitzensport konnten

dank dem neuen Gesetz erhebliche Verbesserungen für die Sportlerinnen

und Sportler erzielt werden: So werden seit Januar 2001 monatlich fixe Beträge

an die Eliteathletinnen und -athleten ausbezahlt. Dies im Sinne einer gezielten,

der Sportlerin bzw. dem Sportler unmittelbar zugute kommenden Förderung.

Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, werden im Sportgesetz

die staatlichen Stellen und deren Aufgaben klar definiert: Regierung, Sportkommission

und Dienststelle für Sport. Als «Fachgremium» wurde ein Spitzensportausschuss

gebildet, der für die Beurteilung der Gesuche zuständig zeichnet.

Der zweite wesentliche Bestandteil des Sportgesetzes, neben der Sportförderung,

ist die Dopingbekämpfung. Die Dopingproblematik kann nicht mehr

allein durch die Sportverbände gelöst werden, da das Umfeld der Sportler

immer häufiger und in zunehmenden Masse in die Vorkommnisse involviert ist

und daher rechtlich mehr zur Verantwortung gezogen werden muss. Daher

wurden zeitgemässe und umfassende Bestimmungen zum Thema Doping in das

Gesetz aufgenommen.

Finanzielle Entwicklung der Sportförderung

Im Zuge dieser Verbesserungen wurden auch die finanziellen Mittel, die der

Staat dem Sport zur Verfügung stellt, angehoben. Insgesamt wurde der Sport

im Jahre 2001 mit rund 3 Mio. Schweizer Franken unterstützt. Zusätzlich konnten

verschiedene Projekte in Bezug auf die Verbesserung der Sportinfrastruktur

wie das Rheinpark Stadion in Vaduz und die Leichtathletikanlage in Schaan dank

der Finanzierung durch Land und Gemeinden verwirklicht werden.

Haus des Sports

Der Bedeutung des Sports wurde einerseits durch die genannten rechtlichen

und finanziellen Massnahmen Rechnung getragen. Zusätzlich gelang es, die

massgeblichen staatlichen und privaten Sportstellen bzw. -organisationen unter

einem Dach zu vereinen und somit eine zentrale Anlaufstelle zu schaffen. So

präsentiert sich heute das Verwaltungsgebäude Rietacker 4 in Schaan als «Haus

des Sports». Im zweiten Stockwerk befinden sich dort die Büroräumlichkeiten

der Sportkommission, der Dienststelle für Sport, des Liechtensteinischen Olympischen

Sportverbandes (LOSV) und des Liechtensteiner Skiverbandes (LSV). Die

räumliche Nähe dieser wichtigen staatlichen und privaten Sportorganisationen

und -stellen schafft Synergien, von denen die ganze liechtensteinische Sportfamilie

profitiert.


Institutionen des öffentlichen Sportwesens

Kultur und Sport

Regierung

Die Regierung ist als oberstes staatliches Exekutiv-Organ für die Durchführung

der Landesverwaltung in Gemässheit der Landesverfassung und der Gesetze

verantwortlich (Art. 78 Abs. 1 LV). Im Rahmen dieser Stellung bestimmt die

Regierung auf der Grundlage der verfassungsmässigen Aufträge an den Staat

im Bereich der Volkswohlfahrt und der Volksgesundheit unter anderem auch

über die Politik im Bereich des Sports bzw. der Sportförderung. Eine der wichtigsten

Aufgaben der Regierung im Hinblick auf die Realisierung von Sportförderung

ist es demnach, beim Landtag im Rahmen des Landesvoranschlags jährlich

die für die Sportförderung benötigten Mittel zu beantragen. Die Regierung

wird zum einen von der Sportkommission und zum anderen von der Dienststelle

für Sport unterstützt. Zuständig innerhalb der Regierung ist das Ressort Sport.

Sportkommission der Regierung

Mit dem Sportgesetz vom 16. Dezember 1999 hat die Regierung eine Sportkommission

zur Förderung und Koordination des Sports errichtet. Sie hat folgende

Aufgaben:

a) die Regierung in Fragen des Sports zu beraten

b) die Beschlussfassung über den jährlichen Voranschlag und Jahresbericht

zuhanden der Regierung

c) die Entscheidung über die Ausrichtung von Förderungsbeiträgen

d) die Durchführung von Jugend und Sport

Im Rheinpark Stadion in Vaduz

wurden 1999 die Lie-Games

(8. Europäische Kleinstaatenspiele)

feierlich eröffnet

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54

Schwimmwettbewerb

anlässlich der Lie-Games

Die Sportkommission besteht aus sieben stimmberechtigten Mitgliedern, die

von der Regierung auf vier Jahre bestellt werden. Der Präsident wird von der

Regierung ernannt. Der Liechtensteinische Olympische Sportverband (LOSV) hat

Anspruch auf drei Sitze. Der Leiter der Dienststelle für Sport und der Schulsportinspektor

nehmen beratend an den Sitzungen teil. Entsprechend der Aufgabenumschreibung

beschäftigt sich die Sportkommission mit allen Belangen des

Sports, insbesondere mit der Sportförderung. Ferner erfüllt die Sportkommission

eine wichtige Funktion in (sport-)politischer Hinsicht, da durch seine Zusammensetzung

den Anliegen der zentralen Sportinstitutionen im Bereich des privaten

Sports (Liechtensteinischer Olympischer Sportverband, LOSV), von Jugend

+ Sport (J+S) und des Schulsports (Turninspektor) in diesem die Regierung beratenden

Gremium Gehör verschafft werden kann. Dadurch ist die Berücksichtigung

der einzelnen Interessen grundsätzlich gewährleistet. Zudem stellt die

Sportkommission im Sinne der obigen Ausführungen eine wichtige Verbindung

zwischen dem zuständigen Regierungsmitglied bzw. der Regierung und den

privaten Institutionen des Sports dar.

Spitzensportausschuss

Der Spitzensportausschuss besteht aus sieben stimmberechtigten Mitgliedern.

Die Sportkommission und der Vorstand des LOSV entsenden je zwei Mitglieder

aus ihren Reihen. Die Sportkommission benennt zusätzlich einen Athleten- und

einen Trainervertreter und einen Vertreter aus der Privatwirtschaft. Der Spitzensportausschuss

hat folgende Aufgaben:

– die Ausarbeitung von Reglementen betreffend die Gewährung von Förderbeiträgen

für den Spitzen- und Leistungssport zuhanden der Sportkommission

– die Abgabe von Empfehlungen an die Sportkommission betreffend Gewährung,

Aufhebung, Kürzung, Rückerstattung, Ersatz und Höhe von Förderbeiträgen

gemäss den nachfolgenden Bestimmungen

Dienststelle für Sport

Mit Inkrafttreten des Sportgesetzes am 1. April

2000 wurde die frühere «Dienststelle für Jugend

und Sport» in «Dienststelle für Sport»

umbenannt. Sie unterstützt die Regierung in

sämtlichen Fragen und Bereichen des Sports.

Für die Besorgung der laufenden Geschäfte

kann die Regierung der Sportkommission die

Mitarbeit der Dienststelle für Sport zur Verfügung

stellen. Die Dienststelle für Sport ist die

Geschäftsstelle der Sportkommission der Regierung

und ist in dieser Funktion für die Durchführung

des «Jugend + Sport»-Programms

zuständig. Ferner unterstützt sie den Spitzensportausschuss

als Ansprechpartner und Anlaufstelle

für Verbände und Sportler. Die Dienststelle für Sport ist dem Ressort

Sport unterstellt und nimmt von Amtes wegen beratenden Einsitz in die

Sportkommission. Als Geschäftsstelle der Sportkommission und in enger Zusammenarbeit

mit diesem Gremium ist sie eine wichtige Ansprechpartnerin für

den öffentlich-rechtlichen Bereich des Sports.


Kultur und Sport

«Jugend + Sport»

In Liechtenstein wird das in der Schweiz erfolgreiche Förderprogramm

Jugend und Sport (J+S, Sportförderung für

Jugendliche im Alter von 10 bis 20 Jahren) seit dem 1. Juli

1979 angeboten. Durch die Initiative des damaligen Sportbeirates

und den Abschluss eines Abkommens am 8. April

1981 zwischen der Schweiz und Liechtenstein konnte diese

bedeutende Verbindung erreicht werden. Jugend + Sport

(J+S) hat den Auftrag, den Sport für die Jugend zu fördern.

Das Land Liechtenstein übernimmt die Kosten für die

Ausbildung und die Aktivitäten von Leiterinnen und Leitern

in Vereinen und Jugendorganisationen. Aus dem Sportfächerkatalog

mit über 70 Sportarten der Eidgenössischen

Sportschule in Magglingen werden 24 Sportfächer in Liechtenstein

angeboten, welche den Jugendlichen zwischen 10

und 20 Jahren erlauben, Aktivitäten in Form von Sportfachkursen

auszuwählen. Betreut von kompetenten Leiterinnen

und Leitern, die sich systematisch weiterbilden,

können sie auf ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten ausgerichtete

Sportarten ausüben. Um den Qualitätsstand der

Leiterinnen und Leiter aufrecht zu erhalten, bietet J+S Liechtenstein

jährlich in Zusammenarbeit mit den Kantonalen

Sportämtern der Region Ostschweiz ein Aus- und Fortbildungsprogramm

an. Im Weiteren steht das gesamte Kursprogramm

der Eidgenössischen Sportschule in Magglingen

den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Liechtenstein zur Verfügung. Jedes

Jahr vermitteln über 600 Leiterinnen und Leiter ihr Wissen an über 4000 Jugendliche

in rund 14’000 Trainingsstunden in Vereinen, Clubs und Jugendgruppen,

mit einheitlichen Zielen und unter kundiger Leitung.

Wer profitiert von J+S? In erster Linie kommen das vielfältige Angebot und der

Unterricht durch gut ausgebildete Leiterinnen und Leiter den Jugendlichen

zugute. Durch die Entschädigung an die Leitenden und Organisationen können

allfällige Kosten für die Teilnehmenden tief gehalten werden. Vereine und

Jugendgruppen profitieren von den ausgebildeten Leiterinnen und Leitern, den

Entschädigungen für die Aktivitäten und von weiteren Leistungen wie der

Abgabe von Leihmaterial. Gute Leitende sind besonders im Jugendbereich

wichtig. Leiterinnen und Leiter profitieren nicht nur von der finanziellen Entschädigung,

sondern besonders von den verschiedenen Bildungsangeboten (Grundausbildung,

Weiter- und Fortbildung). Für den Sport in Liechtenstein sind die

einheitlichen Ausbildungsprogramme und die ausgebildeten Leitenden von

Vorteil. Es darf angenommen werden, dass die Liechtensteiner Erfolge im internationalen

Sport auch auf J+S zurückzuführen sind. Die Basis für spätere Erfolge

wird im Kindes- und Jugendalter gelegt, und viele Spitzensportler haben ihre

erste sportliche Ausbildung im Rahmen von J+S erhalten.

Schulamt (Schulsport)

Obligatorischer Schulsport: Die Verordnung über den obligatorischen Turnunterricht

an den Elementarschulen wurde am 28. Oktober 1987 in Kraft gesetzt.

Der Tennissport hat in

Liechtenstein viele

Anhängerinnen und Anhänger

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56

Der Turnunterricht an den

Schulen Liechtensteins ist

obligatorisch

Heute ist der obligatorische Sportunterricht

inhaltlich und umfangmässig über die Stufenlehrpläne

geregelt. Mit Ausnahme der ersten

beiden Klassen der Sekundarstufe, auf der die

Anzahl Sportlektionen anlässlich des Internationalen

Jahres der Jugend auf vier Lektionen

erhöht wurde, finden auf allen Stufen der

Pflichtschule drei wöchentliche Lektionen

Sportunterricht statt. Auf der Primarstufe wird

der Unterricht mehrheitlich durch die Stufenlehrkräfte

erteilt, während auf der Sekundarstufe

vorwiegend Fachlehrkräfte eingesetzt

werden. Derzeit sind im liechtensteinischen

Schuldienst 30 Sportlehrerinnen und Sportlehrer

beschäftigt.

Zusätzliche Sportförderungsprogramme: Der

Freiwillige Schulsport wurde im Dezember

1979 provisorisch, im März 1983 definitiv eingeführt.

Das aufgrund von Erfahrungen überarbeitete und heute gültige Reglement

wurde am 5. Oktober 1993 in Kraft gesetzt. Darin sind die Aufgaben, Zielsetzungen

und organisatorischen Rahmenbedingungen des Freiwilligen Schulsports

festgehalten.

Spezielle Sportanlässe der Schulen: Die Organisation von Schulsportlagern obliegt

den einzelnen Schulen. In der Regel kommt jedes Schulkind im Laufe der

Primarschulzeit und im Laufe der Sekundarschulzeit in den Genuss von je einer

Sportwoche. Sportwochen werden als Wanderwochen, Wintersportwochen

oder polysportive Sommerlager durchgeführt. In der Regel führen die Schulen

pro Jahr je einen Schulsporttag im Sommer und im Winter durch. Dabei werden

im Sommer meist Geschicklichkeitsspiele, leichtathletische Disziplinen und

Turniere der grossen Sportspiele angeboten. Bei den Wintersporttagen steht Skifahren,

Snowboardfahren und Eislaufen im Vordergrund. In einzelnen Schulen

werden diese Aktivitäten durch Wandertage und Schwimmtage ergänzt.

Wettkampftätigkeiten im Rahmen des Schulsports: Jährlich finden Schülermeisterschaften

der Sekundarschulen in den Sportarten Badminton, Basketball,

Fussball, Unihockey und Volleyball statt. Die Klassenteams bereiten sich im

Schulsport auf ihre Turniereinsätze vor. Die Schülermeisterschaften werden in

Zusammenarbeit mit Fachverbänden organisiert und erfreuen sich grosser

Beliebtheit. Seit vielen Jahren nehmen Teams aus liechtensteinischen Sekundarschulen

am jährlich stattfindenden Schweizerischen Schulsporttag teil. Liechtenstein

ist seit 1974 Mitglied der Internationalen Schulsportföderation und

nimmt regelmässig an verschiedenen Wettkämpfen aktiv teil. In den vergangenen

Jahren wurden Wettkämpfe in den Disziplinen Fussball, Kunstturnen,

Skifahren, Leichtathletik, Tischtennis, Schwimmen und Volleyball beschickt.


Finanzierung der Sportförderung

Kultur und Sport

Allgemeines

Die Finanzierung der Sportförderung mit öffentlichen Mitteln erfolgt über das

Landesbudget mit folgenden Hauptbereichen: Schulsport, Jugend + Sport, Breitensport,

Leistungs- und Spitzensport, Dopingprävention und über die Dachorganisation

der Sportverbände (LOSV). Zusätzlich werden durch Subventionsbeiträge

des Landes (Gross-)Projekte zur Verbesserung der für den Sport zur

Verfügung stehenden Infrastruktur unterstützt.

Schulsport

Für ausserordentliche Schulsportanlässe steht ein jährliches Budget zur Verfügung.

Die Aufteilung dieses Budgets ist von Jahr zu Jahr verschieden. Neben der

Durchführung von nationalen Sporttagen und Schülermeisterschaften gehört

auch die Beschickung des Schweizerischen Schulsporttags zum festen Programm

der Schulsportförderung. Ebenso werden jährlich verschiedene Wettkampfanlässe

der Internationalen Schulsportföderation beschickt, sofern diese in Europa

stattfinden. Die Selektion und Vorbereitung der Schülerteams erfolgt dabei

sinnvollerweise in enger Kooperation mit den Fachsportverbänden.

Jugend und Sport

Der Hauptteil der Ausgaben dient zur Finanzierung der Sportfachkurse. Darunter

fallen alle qualifizierten Trainingseinheiten und Lagertage, die von den anerkannten

Leitern über die Sportvereine der Dienststelle für Sport angemeldet und

abgerechnet werden. Weiters werden die Bereiche Leiterausbildung und Leiterfortbildung

finanziell unterstützt. Die Leistungen, welche das Land Liechtenstein

an die Schweiz im Rahmen der Zusammenarbeit

in J+S erbringt, sind in einem Abkommen

geregelt. Hierfür wird ein jährlicher Beitrag an

das Bundesamt für Sport (BASPO) in Magglingen

gerichtet. Neben diesen Beiträgen werden

weiters eigene Aktivitäten der Dienststelle für

Sport wie Sportlager, Spezialkurse usw. unterstützt.

Breitensport

Das Budget sieht unter diesem Titel die Mittel

der allgemeinen Sportförderung vor. Darunter

fallen insbesondere Beiträge an die liechtensteinischen

Sportverbände. Neben den allgemeinen

Verbandsbeiträgen werden Mittel aus

diesem Konto u.a. für internationale Mitgliedsbeiträge,

Beiträge an Breitensportorganisationen/Senioren-

und Behindertensport, Infrastrukturbeiträge

und die Finanzierung von

Breitensportanlässen verwendet. Die Verteilung der Mittel, die als Jahresbeiträge

an die Verbände zur Verfügung stehen, erfolgt nach einem durch die

Sportkommission ausgearbeiteten System, das verschiedene Kriterien wie

Mitgliederzahl, Ausbildungsgrad der Trainerinnen und Trainer, Aktivitäten und

Auch liechtensteinische

Radfahrer kämpften an den

Lie-Games 1999 um Medaillen

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Brigitte Heeb-Batliner

und Marco Büchel gehören

u.a. dem A-Kader des

Liechtensteinischen

Skiverbandes LSV an

Teilnahme an Wettkämpfen berücksichtigt. Nach Ermittlung der Kennzahlen

gemäss diesen Kriterien wird aufgrund eines Schlüssels die prozentuale Aufteilung

der Mittel an die einzelnen Verbände vorgenommen.

Leistungs- und Spitzensport

Der Leistungs- und Spitzensport erfährt eine gesonderte Förderung. Sie besteht

im Wesentlichen in der (Mit)finanzierung der Teilnahme an internationalen

Wettkämpfen im Ausland und der Organisation von Sportveranstaltungen im

Inland. Zudem gibt es eine direkte Förderung von Athletinnen und Athleten,

welche Leistungs- und Spitzensport betreiben, und Beiträge an talentierte Nachwuchssportler,

welche eine Sportschule im Ausland besuchen.

Dopingprävention

Der Staat fördert die Dopingprävention

durch Ausbildung, Information,

Beratung, Dokumentation

und Forschung. Der LOSV

wurde beauftragt die Dopingkontrollen

durchzuführen, welche

vom Staat finanziert werden.

Verfahren

Die Anträge der Sportverbände

und Sportvereine werden direkt

an die Sportkommission gerichtet.

Zum einen ist die Sportkommission

das Gremium, welches

im Rahmen der einzelnen Förderbereiche

die Entscheidung über

Gewährung, Aufhebung, Kürzung,

Rückerstattung und Ersatz

von Förderbeiträgen auf Empfehlung

des Spitzensportausschusses

fällt. Zum anderen hat die Sportkommission

die Funktion der beratenden

Anlaufstelle für die privaten

Träger des Sportwesens.

Landessubventionen

Zur Sportförderung des Staates

im weiteren Sinne ist die Bereitstellung

von finanziellen Mitteln

gemäss dem Gesetz vom 3. Juli

1991 über die Ausrichtung von

Landessubventionen zu zählen.

Dabei sind die zweckgebundenen

Unterstützungsleistungen an Gemeinden,

Genossenschaften, Verbände,

Vereine und andere Orga-


Kultur und Sport

nisationen sowie an Private zu verstehen. Besondere Bedeutung erlangen diese

Beiträge im Zusammenhang mit der Sicherung eines Teils der Finanzierung von

Grossprojekten der Gemeinden oder von Projekten, die gemäss Landtagsbeschluss

von landesweitem oder regionalem Interesse sind. Die Voraussetzungen

und das Verfahren hierfür sind im Gesetz geregelt.

Auf diesem Wege konnte das

Land in der Vergangenheit wiederholt

wichtige Hilfestellung bei

der Schaffung und Verbesserung

der bestehenden Infrastruktur für

den Sport leisten. Das beste Beispiel

hierfür ist der Bau des Rheinpark

Stadions in Vaduz, der durch

den Staat subventioniert wurde.

Dieses schöne Kleinstadion, das

Platz für ca. 3500 Zuschauer bietet,

konnte nach einer kurzen

Bauzeit von etwas mehr als einem

Jahr am 15. Juli 1998 eingeweiht

werden.

Die moderne Anlage mit regionalem

Charakter wird heute vor

allem für den Fussballsport benutzt.

Einerseits trägt der Liechtensteinische

Fussballverband seine Heimspiele und in Zukunft alljährlich das

Cupfinale im Rheinpark aus, andererseits wird es vom FC Vaduz als Platzclub

für seine Meisterschaftsspiele benutzt. Um den internationalen Ansprüchen zu

genügen, wurde das Stadion unter Berücksichtigung der international geltenden

Normen des Weltfussballverbandes FIFA und der Europäischen Fussballunion

UEFA gebaut. Die Anlage steht aber auch für andere Sportarten und

Nutzungsmöglichkeiten (Konzerte etc.) zur Verfügung. Am 24. Mai 1999 haben

im Rheinpark Stadion die Eröffnungsfeierlichkeiten anlässlich der 8. Europäischen

Kleinstaatenspiele, den Lie-Games 1999, stattgefunden.

Andere bedeutende Beispiele staatlicher Förderung des Sportstättenbaus sind

die Leichtathletikanlage in Schaan und der Center Court der Tennisanlage Vaduz.

Zusätzlich zu dieser Unterstützung in Form von Landessubventionen stellt

das Land dem liechtensteinischen Sport eigene Bauten und Anlagen zur

Nutzung bereit. Zu erwähnen sind hierbei die Sportanlagen des Liechtensteinischen

Gymnasiums und des Schulzentrums Unterland. Alle staatlichen Bemühungen

im Bereich der Infrastruktur sind vom Gedanken getragen, den Bedürfnissen

aller Interessen- und Altersgruppen bestmöglich Rechnung zu tragen,

und sie sollen dem Erfordernis der Wirtschaftlichkeit genügen. Sport- und Freizeitanlagen

sollen zu Begegnungsstätten im Rahmen der sinnvollen Freizeitgestaltung

werden.

Der Fussballsport erfreut in

Liechtenstein Gross und Klein

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Hanni Weirather-Wenzel

gewann diverse Medaillen an

Olympischen Winterspielen

und Skiweltmeisterschaften

Bei den Olympischen Spielen

in Sydney 2000 nahm das

Fürstentum Liechtenstein

seit 1936 insgesamt zum 13.

Mal bei Sommerspielen teil.

In Australien war Liechtenstein

durch Ulrike Kaiser im

Judo (Bild) sowie Oliver

Geissmann bei den Schützen

vertreten

60

Der Liechtensteinische Olympische

Sportverband

Der Liechtensteinische Olympische Sportverband, kurz LOSV genannt, ist als

Dachorganisation der Verbände und Vereine der direkte Ansprechpartner in

allen Fragen des Sports. Der LOSV unterstützt und berät die Organisationen

in ihren Tätigkeiten und Entwicklungen für den Sport in Liechtenstein, sofern

diese den Grundsätzen der Sportethik entsprechen

(Umwelt, Fairness, Doping, Diskriminierung

usw.).

In seinen Ressorts bearbeitet der Liechtensteinische

Olymische Sportverband folgende Bereiche

des Sports (alphabetische Reihenfolge):

– Ausbildung

– Breitensport

– Dienstleistungen

– Olympisches

– Spitzensport

Dabei hält sich der LOSV an die international

gültigen Abmachungen bezüglich des Dopings

und der Fairness. Er orientiert sich an den

demographischen Gegebenheiten des Landes

und schont Umwelt und Natur. Er bemüht sich

im Interesse der Verbände und Vereine ständig um eine konstruktive Zusammenarbeit

mit der Sportkommission. Das Sportbüro ist dabei ein integraler

Bestandteil dieser Bemühungen. Der LOSV beschafft die finanziellen Mittel für

spezielle Aufgaben wie beispielsweise Olympiabeschickungen oder das Elitesportkonzept,

ohne dass die Finanzpolitik der Verbände und Vereine dabei

tangiert wird. Er sieht sich auch als Anlaufstelle für alle Sportinteressierten.

Zudem ist er bestrebt, den Sport allen Bevölkerungsteilen des Landes näher zu

bringen.


Freizeit

Neben den vielen Freizeitmöglichkeiten, die

nicht ohne weiteres den bereits erwähnten

Bereichen Kultur oder Sport zugeordnet

werden können, gibt es zahlreiche Aktivitäten

und Unternehmen, die hier genannt werden

sollen. Einen weiteren Bereich der Freizeit

deckt die Weiterbildung ab, hier sei vor allem

die Stiftung Erwachsenenbildung erwähnt,

mehr darüber in Band 4 «Bildung» dieser

Dokumentationsreihe. Ein anderer Bereich von

Freizeitgestaltung soll zu einem späteren

Zeitpunkt im Band «Brauchtum» näher beschrieben

werden.

Eine wichtige soziale Funktion übt Liechtensteins

einzige landesweite Jugendorganisation

aus: Die Pfadfinder und Pfadfinderinnen

Liechtensteins haben in jeder Gemeinde eine

Abteilung und total rund 900 Mitglieder.

Der Seniorenbund ist Interessenvertreter und

Freizeitgestalter zugleich. Neben seinen politischen

Aktivitäten fördert er den Dialog unter

den Generationen und organisiert eine Vielzahl

von Anlässen für ältere Menschen.

Kultur und Sport

Der Liechtensteiner Alpenverein unterhält zwei

Hütten in den Liechtensteiner Bergen und organisiert übers Jahr Wanderungen,

Skitouren, Ausflüge im Sommer und Winter sowie Informationsveranstaltungen.

Mit der «Rheinmark» hat das Fürstentum Liechtenstein auch eine farbentragende

akademische Verbindung.

In Liechtenstein haben sich eine grosse Anzahl Vereine von ausländischen Bewohnern

gebildet, die den Kontakt unter den Landsleuten erhalten, den Liechtensteinern

und Liechtensteinerinnen ein Stück ihrer Heimat näher bringen und

ein sinnvolles Freizeitangebot bieten wollen.

Weiter gibt es in Liechtenstein eine Vielzahl an Vereinen, welche Menschen mit

gleichen Hobbys oder Interessen versammeln, seien das nun Fussballfans, Krippenfreunde,

Ponyhalter oder die Hells Angels.

Oben: Die Pfadfinder und

Pfadfinderinnen Liechtensteins

messen sich unter anderem bei

nationalen Wettbewerben

Unten: Für die liechtensteinischen

Seniorinnen und

Senioren ist der Computer

kein Fremdwort

61


62

Wichtige Adressen und Öffnungszeiten

Allgemeine Informationen

Presse- und Informationsamt

9490 Vaduz

Telefon +423-236 67 21

Fax +423-236 64 60

www.presseamt.li

presseamt@llv.li

Stabsstelle für Kulturfragen

9490 Vaduz

Telefon +423-236 60 80

thomas.buechel@skf.llv.li

Museen

Liechtensteinisches Landesmuseum

Telefon +423-236 75 50

Eröffnung Frühjahr 2003

Kunstmuseum Liechtenstein

Städtle 32

9490 Vaduz

Telefon +423-235 03 00

Fax +423-235 03 29

www.kunstmuseum.li

mail@kunstmuseum.li

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag

10 bis 17 und Donnerstag bis 20 Uhr

Briefmarkenmuseum

Städtle 37

9490 Vaduz

Telefon +423-236 61 05

Fax +423-236 61 09

www.pwz.li

Öffnungszeiten: April bis Oktober

täglich 10 bis 12 und 13.30 bis 17.30 Uhr

November bis März bis 17 Uhr

Walser-Heimatmuseum Triesenberg

Dorfzentrum

9497 Triesenberg

Telefon +423-262 19 26 oder 265 50 10

Fax +423-262 19 22

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag

13.30 bis 17.30 Uhr,

Samstag 13.30 bis 17 Uhr,

Sonntag 14 bis 17 Uhr

(Juni, Juli und August)

DoMuS-Museum und Galerie

der Gemeinde Schaan

Rathaus

9494 Schaan

Telefon +423-237 72 71

Fax +423-237 72 79

Öffnungszeiten: Freitag 14 bis 20 Uhr,

Samstag und Sonntag 14 bis 18 Uhr

www.schaan.li

domus@schaan.li

Ski-Museum

St. Luzistrasse 1

9490 Vaduz

Telefon +423-232 15 02

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag

14 bis 18 Uhr oder nach tel. Vereinbarung

Bäuerliches Wohnmuseum «Biedermann-Haus»

Schellenberg

Im Dorf 12

9488 Schellenberg

Telefon +423-373 44 34

Öffnungszeiten: April bis Oktober erster und

letzter Sonntag des Monats 14 bis 17 Uhr

Kulturveranstalter

Theater am Kirchplatz

Reberastrasse 10/12, Postfach 763

9494 Schaan

Telefon +423-237 59 60

Fax +423-237 59 61

www.tak.li

theater@tak.li

Tangente

Musik und Kunst

Haldengasse 510

9492 Eschen

Telefon +423-373 28 17

Fax +423-373 49 49

www.tangente.li

info@tangente.li


Bildung und Forschung

Liechtensteinische Landesbibliothek

Gerberweg 5

9490 Vaduz

Telefon +423-236 63 62

Fax +423-232 63 75

www.lbfl.li

labibl@firstlink.li

Liechtensteinisches Landesarchiv

Städtle 49

9490 Vaduz

Telefon +423-236 63 40

Fax +423-236 63 59

www.landesarchiv.li

landesarchiv@llv.li

Liechtensteinische Musikschule

St. Florinsgasse 1

9490 Vaduz

Telefon +423-235 03 30

Fax +423-235 03 31

Kunstschule Liechtenstein

Essanestrasse 736

9492 Eschen

Telefon +423-373 34 88

www.lol.li/kunstschule

flkunst@schule.lol.li

Erwachsenenbildung Stein-Egerta Anstalt

In der Stein-Egerta 26

9494 Schaan

Telefon +423-232 48 22

Fax +423-232 48 31

www.stein-egerta.li

info@stein-egerta.li

Historischer Verein für das Fürstentum

Liechtenstein

Messinastrasse 5, Postfach 626

9495 Triesen

Telefon +423-392 17 47

Fax +423-392 19 61

www.hvfl.li

hvfl@hvfl.li

Kultur und Sport

Liechtenstein-Institut

Oberbendern 2

9487 Bendern

Telefon +423-373 30 22

Fax: +423-373 54 22

www.liechtenstein-institut.li

admin@liechtenstein-institut.li

Öffnungszeiten der Präsenzbibiothek:

Montag bis Freitag 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr

Sport

Dienststelle für Sport

Im Rietacker 4

9494 Schaan

Telefon +423-236 63 30

Fax +423-236 63 33

stefano.naescher@ds.llv.li

Liechtensteiner Olympischer Sportverband

Im Rietacker 4

Postfach 427

9494 Schaan

Telefon +423-232 37 57

Fax +423-233 16 73

www.losv.li

sekretariat@losv.li

Tourismus

Liechtenstein Tourismus

Städtle 37

9490 Vaduz

Telefon +423-232 14 43

Fax +423-263 73 44

www.tourismus.li

touristinfo@liechtenstein.li

Zweigbüro Malbun

9497 Triesenberg-Malbun

Telefon +423-263 23 41

Fax +423-263 73 44

malbuninfo@liechtenstein.li

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Herausgegeben vom Presse- und Informationsamt, Vaduz

Literatur

Kulturgemeinschaft Liechtenstein, Regierung des FL, Vaduz 2000

Sport in Liechtenstein, Regierung des FL, Vaduz 1999

Bericht und Antrag der Regierung an den Landtag des FL betr. Zielsetzungen und

Prioritäten der liechtensteinischen Kulturpolitik, Vaduz 2000

Texte

Amt für Briefmarkengestaltung

Dienststelle für Sport

Hochbauamt/Denkmalschutz

Liechtensteinisches Landesarchiv

Liechtensteinisches Landesmuseum

Joachim Batliner

Klaus Biedermann

Friedemann Malsch

Alois Ospelt

Daniel Quaderer

Georg Rootering

Manfred Schlapp

Harald Wanger

Uwe Wieczorek

Konzept, Redaktion und Produktionsleitung

Elisabeth Sele, Mauren

Gestaltung und digitale Produktion

Claudia Wachter AG, Werbeagentur, Schaan

Fotos und Bildnachweis

Close up AG, Triesen

Edition Fuchs & Hase, Triesen

Fotoform +, Hannover

Paul Frick, Liechtensteinisches Landesmuseum

Alfons Kieber, Mauren

Mychalzik & Cornaker, Frankfurt

Heinz Preute, Vaduz

Brigitt und Eddy Risch, Schaan

Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein, Schloss Vaduz

Philipp Schönborn

Theater am Kirchplatz, Schaan

V.Com, Sven Beham, Vaduz

Atelier Walter Wachter, Schaan

Ruedi Walti, Basel

LOSV, Schaan

Heinz Michels, Schaan

Druck

Hilty Buch- und Offsetdruckerei, Schaan

Buchbinderarbeiten

Buchbinderei Thöny AG, Vaduz

© Presse- und Informationsamt, Vaduz, 2001

Gedruckt in Liechtenstein

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