Demenz - Rotkreuzklinikum München

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Demenz - Rotkreuzklinikum München

Häufigkeit der Demenz2011: 1 Mio, 2030 1,5 Mio


UnterschiedlicheDemenzformenreversible Demenz---irreversible Demenz


Ursachen für reversible Demenz• Tumoren• Trauma (z.B. subdurales Hämatom)• Infektionen• Normadruckhydozephalus• Autoimminerkrankungen• Stoffwechselerkrankungen (Schilddrüse, Hypoglykämie,Natrium, Kalzium, Kortison etc.)• Medikamente (Antidepressiva, Sedativa, Antikonvulsiva,Herzmedikamente etc.)• Alkohol• Mangelernährung• Psychiatrische Erkrankungen (Depression,Schizophrenie)


Ursachen für irreversibleDemenz• Degenerative Erkrankungen:- Alzheimer- M. Parkinson- progressive Paralyse• Vaskuläre Demenz / Metabolische Störung:- Schlaganfälle- zerebrale Embolien- längerer Sauerstoffmangel• Traumatische Demenz• Infektionen:- HIV- Creutzfeld-Jakob(Rinderwahn)- postenzephalitisch


Alois Alzheimer (1864-1915)1915)Vortrag in der Versammlung Südwestdeutscher Irrenärzte in Tübingen am 3. November 1906:„Über eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“


Diagnose der Demenz• Anamnese• Körperliche Untersuchung (rückbildungsfähigeErkrankungen?)• Neuropsychologische Testverfahren- Mini-MentalMental-Status (MMS)- Uhrentest• Weiterführende Untersuchungen- Laboruntersuchungen- zerebrale Bildgebung (z.B. Computertomogr.)


Kriterien für die DiagnoseDemenz• GedächtnisstörungenKurzzeitgedächtnis: neue Informationen (z.B. vor 5 Minuten)werden nicht gespeichertLangzeitgedächtnis: Vergangenheit (auch Vortag) verlischt• Veränderung der Persönlichkeitmindestens eines der folgendes Zeichen:- abstraktes Denken (Wortdefinition, Sinn von Sprichwörtern)- Urteilsfähigkeit eingeschränkt- Orientierungsstörung- Sprachstörung (Aphasie), Handlungsstörung (Apraxie), Agnosie(Erkennung), Akalkulie (Rechnen)• Pathologie (makroskopisch, mikroskopisch)


Mini-Mental Mental Status Test (MMST)A. OrientierungJahr, Jahreszeit, Datum Wochentag, Monat, Land,Bundesland, Stadt, Aufenthalt, StockwerkB. Merk- und ErinnerungsfähigkeitNennung von 3 Gegenständen (Auto, Blume, Kerze)C. Aufmerksamkeit und Rechenfähigkeit100 – 7 etc., Buchstabieren von „Radio“D. SpracheBenennung von 2 Gegenständen, Nachsprechen,Befolgung von Kommandos, Lesen, ZeichnenMaximale Punktzahl 30


Uhrzeit-ZeichnenZeichnen-Test


PsychischeVerhaltenssymptome


Veränderungen bei Alzheimer DemenzHäufig multikausales Mischbild• Schrumpfung des Gehirns mit Abbau der Nervenzellen• Ablagerung von Proteinen/Eiweiß:Amyloid im Gehirn, Tau-Proteinin den Hirnzellen• Störung des Zusammenspiels der Nervenzellen durchVerlust bzw. Störung der Neurotransmitter (Botenstoffe):zu viel Glutamat, , dadurch Reizüberflutungzu wenig Acetylcholin, , dadurch geringereReizübertragung


Hirn bei M. Alzheimer


Feingewebliche Veränderungen


HistologieGehirnschrumpfungFibrillen Amyloidablagerung


Radiologie


PETPositronen-EmissionsEmissions-Tomographie


LiquordiagnostikAusschluss einer entzündlichen Gehirnerkrankung durchZelldiagnostikBei M. Alzheimer• ß-Amyloid-Peptid1-42 (Abbauprodukt des Amyloids) ) erniedrigt• TAU-ProteinerhöhtAchtung: auch bei Tumoren, Entzündungen,Durchblutungsstörungenbei normalen Werten Alzheimer mit hoher Wahrscheinlichkeitauszuschließen


Ausblick in der Diagnostik• Durch frühzeitige Diagnose früherer Therapiebeginn• Idealer Test: Abbildung der molekularen Pathologie• Hohe Zuverlässigkeit, wenig belastend (nicht(nicht-invasiv),z.B. Bluttest• SignalproteineMolekulargenetik


Jeder Patient mit einer mutmaßlichenDemenz hat das Anrecht aufeine eingehende neurologische undpsychiatrische Untersuchung


Alzheimer DemenzAnfangsstadiumErste geistige Defiziteselbständiges Leben noch möglich:• Vergesslichkeit• Zeitliche Orientierungsschwierigkeiten


Alzheimer Demenzmoderates (mittleres) StadiumZunehmender Verlust der geistigen Fähigkeiten, eingeschränkteSelbständigkeit:• Schwindende Rechen- und Problemlösungsfähigkeit• Handfertigkeitsstörungen (Haushalt, Ankleiden)• Erkennungsstörungen• Steigende Vergesslichkeit (Geburtstage, Medikamente)• Desorientierung (Zeit und Ort)• Sprachstörungen (bes. Sprachverständnis)• Vernachlässigung der Hygiene• Wahnvorstellungen (Bestehlungsideen)


Alzheimer Demenzschweres StadiumVerlust der Alltagskompetenz mit völligerPflegeabhängigkeit:• Weiterer Gedächtniszerfall (auch Langzeitgedächtnis)• Mangelnde persönliche Orientierung• Agnosie (auch Angehörige werden nicht mehr erkannt)• Apraxie• Sprachzerfall (kaum mehr Satzbildung möglich)• Inkontinenz


Demenz vs. Altersveßlichkeit• Alzheimerrascher Verlauf• AltersvergeßlichkeitlangsamAphasie, ApraxieGedächnisfunktionenverliert roten FadenweitschweifigAlltagskompetenzzunehmend beeinträchtigterhalteneAlltagskompetenz


Gedächtnisprobleme bei65-8585-jährigen Nicht-Dementen40% verlegen Dinge39% Wortfindungsstörungen38% schreiben Zettel23% denken langsamer14% werden als vergeßlich eingeschätzt13% vergessen Namen von Verwandtenund Freunden8% Konzentrationsprobleme


Risikofaktoren für Demenz


Positive Beeinflussung der Demenz• Regelmäßige geistige Beschäftigung• Geringer Alkoholkonsum• Senkung der vaskulären Risikofaktoren


Nicht-medikamentöse Therapieder Demenz• Individuelle Beratung pflegender Angehöriger• Milieugestaltung:übersichtliche TagesstrukturGedächtnishilfenAusschaltung von Gefahrenquellen• früher Beginn mit Training alltäglicher Fertigkeiten undKognition,anfangs komplexe Verhaltensweisen, später vonElementarfunktion• Kunst-, , Ergo- und Musiktherapie• Biographiearbeit


Medikamentöse Therapie derDemenz• Internistische Basisbehandlung• Antidementive Medikation- ACHE-Inhibitoren- Glutamatantagonisten• Psychotherapeutische Behandlung von Begleitstörungen- z.B. Antidepressiva- z.B. Neuroleptika• Neue Entwicklungen?


Medikamentöse Behandlung derDemenz mit ACHE-Inhibitoren• Azetylcholinesterase-Hemmer(ACHE-Inhibitoren)Therapie der 1. Wahl bei leichter und mittelschwererDemenz, kann Verlauf positiv beeinflussen• Dosiseinstellung auf maximal verträgliche Dosis• Nutzen abhängig von frühem Therapiebeginn• Wirksam in Hinsicht auf die Fähigkeit zur Verrichtungvon Alltagsaktivitäten und auf die Besserung kognitiverFunktionen (Leitlinien)


Nebenwirkungen von ACHE-Inhibitoren• Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Durchfall,Verdauungsstörungen• Schlafstörungen, Müdigkeit• Herzrhythmusstörungen


Behandlung der nicht kognitivenSymptome der Demenz• Nach Ursachenforschung ggf. kausale Behandlungz.B.- Schlafstörung bei Harnwegsinfekt- Psychose bei pulmonalen Infekten- Depression bei grippalen Infekt- Angst und Aggression bei Gelenkschmerzen- Mileubehandlung: z.B. Schlaf, Bewegung, Koffein


Behandlung der Demenz


Verlauf bei M. Alzheimer


Fazit zur Alzheimer-Demenz• Alzheimer-Demenz ist in Deutschland die häufigste psychiatrischeErkrankung im Alter• Alzheimer-Demenz ist irreversibel• Tod innerhalb 7 Jahren nach Erstdiagnose• Bildgebende Verfahren (CT, MRT, PET) zur differenzialdiagnostischenKlärung• Im Liquor Tau-Protein,Amyloid-Peptid• Durch Medikamente derzeit nur Verlangsamung der Progression• Neue Medikamente den neurodegenerativen Prozess zu beeinflussen derzeitnicht absehbar• Aktive oder passive Immunisierung derzeit nicht absehbar• Alzheimer-Gesellschaft München: Tel.:089 475185, www.agm-online.deonline.de,Josephsburgstr. . 92, 81673 München


Tipps für den Umgang mitDemenzkranken• klare Anweisungen, Konkrete Angaben• wichtige Informationen bei Bedarf wiederholen• Geduld• einfache Regeln, feste Gewohnheiten• fürsorglicher, aber deutlicher Umgangston• mehr loben als kritisieren• Vorwürfe überhören• sinnlose Diskussionen vermeiden• geistige Anregungen• Begleiterkrankungen beachten• ausreichende Ernährung


Problemstellung• Demenz wird tabuisiert (Variante des Älterwerdens)• Defizite in der ärztlichen Weiterbildung in Diagnostik undTherapie• Diagnosestellung häufig zu spät• Demenzkranke können Beschwerden und Wünsche nichtdarlegen• Pflegeeinrichtungen auf Demenzkranke räumlich undpersonell nicht ausreichend eingerichtet• Neuere Medikamente werden aus Kostengründen nichtverordnet• Impfung derzeit nicht möglich (2030?)


Demenz ist in der klinischenVersorgungsrealität1. die falsche Erkrankung2. am falschen Ort3. zur falschen Zeit


Seneca„de senectute“„Etenimcum conplectoranimo, quattuor reperiocausas, cur senectusmisera videatur:unam, quod avocet arebus gerendis,alteram, quod corpusfaciat infirmius,tertiam, quod privet fereomnibus voluptatibus,quartam, quod haudprocul absit a morte…“„Das Nachdenken führtmich auf vier Gründe, ausdenen man das Alter fürunglücklich hält:erstens, , weil es uns vonTätigkeiten abzieht;zweitens, , weil es denKörper entkräftet;drittens, , weil es uns fastaller Freuden beraubt;viertens, , weil es nichtweit mehr vom Todentfernt ist...“

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