Manuskriptband zum Download - Lymphom Selbsthilfe Österreich

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www.myelom.atwww.lymphomhilfe.atRaum 2 – LymphomeErstlinientherapie bei Lymphomen 10.50 – 11.25OA Dr. Georg HopfingerHanuschkrankenhaus WienRezidivtherapie bei Lymphomen 11.25 – 12.00Univ. Prof. Dr. Werner Linkesch Med. Universität GrazVorstellung der aktuellen klinischen Studien bei Lymphomen 12.00 – 12.20Univ. Prof. Dr. Ulrich JägerMed. Universität WienRaum 3 – MDSBiologie und Krankheitsverlauf bei MDS 10.50 – 11.20Univ. Prof. Dr. Michael Pfeilstöcker Hanuschkrankenhaus WienAktuelle Behandlungsmöglichkeiten im Überblick undFragestunde zu Ihrer persönlichen SituationUniv. Prof. Dr. Michael PfeilstöckerOA Dr. Otto KriegerHanuschkrankenhaus WienKH der Elisabethinen Linz11.20 – 11.50Behandlung spezieller Nebenwirkungen bei MDS 11.50 – 12.20OA Dr. Otto KriegerKH der Elisabethinen LinzMITTAGSPAUSEParallele Vorträge in 4 Räumen 13.30 – 14.30Raum 1Bedeutung der wichtigsten Laborparameter bei Multiplem Myelom,Lymphomen und MDSBlutbild, Nierenwerte, Elektrophorese, Immunfixation Bestimmungder freien Leichtketten usw.Priv. Doz. OA Dr. Niklas ZojerWilhelminenspital Wien13.30 – 14.00Autologe Stammzelltransplantation, Chancen und Risken 14.00 – 14.30Univ. Doz. Dr. Eberhard GunsiliusMed. Universität InnsbruckSeite 6


www.myelom.atwww.lymphomhilfe.atRaum 2Multiples Myelom und die Nieren 13.30 – 14.00Niereninsuffizienz, Vorbeugung und BehandlungsmöglichkeitenOA Dr. Hedwig KasparuKH der Elisabethinen LinzMultiples Myelom und die Knochen 14.00 – 14.30Entstehung von Osteolysen, Wirbelkörpereinbrüche, Kyphoplastie,Behandlung mit Bisphosphonaten, Strahlentherapie.Aktuelles zur Kiefer-Nekrose. Wie wichtig ist Zahngesundheit insgesamt?OA Dr. Adalbert WeißmannWilhelminenspital WienRaum 3Nur für Angehörige – Wie geht es IHNEN mit der Erkrankung? 13.30 – 14.30Susie NovisChristina Ochsner, MASPsychoonkologinÜbersetzung durchOA Dr. Kathrin Strasser-WeipplPräsidentin der IMFWilhelminenspital WienWilhelminenspital WienRaum 4Gescheit essen bei Krebserkrankung 13.30 – 14.00Elisabeth FischerErnährungsexpertinKörperliche Aktivität und Bewegung zur Steigerung der Lebensqualität 14.00 – 14.30OA Dr. Karin VonbankMed. Universität WienK a f f e e p a u s eFragestunde zur Komplementärmedizin und zu Wechselwirkungen vonMedikamenten und Nahrungs(ergänzungs)mitteln15.00 – 15.20MR Dr. Jutta HellanMed. Universität WienTipps für das Arzt-Patienten Gespräch, Zweitmeinung 15.20 – 15.40Welche Fragen sollten Sie nach der Diagnose stellen, wann ist eineZweitmeinung sinnvoll?Elfi JirsaOA Dr. Otto KriegerMyelom- und Lymphomhilfe ÖsterreichKH Elisabethinen LinzSeite 7


www.myelom.atwww.lymphomhilfe.atAsk the Experts 15.40 – 16.00Univ. Prof. Dr. Johannes DrachUniv. Prof. Dr. Ulrich JägerUniv. Prof. Dr. Heinz LudwigMed. Universität WienMed. Universität WienWilhelminenspital WienWie kann mein Lebensstil die Lebensqualität verbessern?(Vortrag in Englisch)Prof. Dr. Brian C.M. DurieÜbersetzung durchOA Dr. Kathrin Strasser-WeipplCedars-Sinai Medical Center, L.A.Wilhelminenspital Wien16.00 – 16.30Geplantes Ende der Veranstaltungca. 16.30 UhrBei Schönwetter im Anschluss„Nordic Walking Einführungskurs“im angrenzenden Park.(Eigene Stöcke erforderlich)Seite 8


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalProf. Dr. Brian C.M. DurieCedars-Sinai Medical CenterLos Angeles, USAMultiples Myelom – Neue Forschungsergebnisse in den USAEin Überblick, woran in den USA gerade intensiv geforscht wird und woraufbesondere Aufmerksamkeit liegt, neue TherapienVortrag in EnglischÜbersetzung: OA Dr. Kathrin Strasser-WeipplSeite 9


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8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalUniv. Prof. Dr. Johannes DrachUniv. Klinik für Innere Medizin IKlinische Abteilung für OnkologieMedizinische Universität WienMultiples Myelom – Diagnostische Maßnahmen im ÜberblickBei klinischem Verdacht auf ein MM werden die in der Tabelle genannten Untersuchungenbzw. Tests durchgeführt. Die diagnostischen Kriterien wurden kürzlich von einer Konsensus-Gruppe erstellt, wobei neben dem Paraprotein und der Knochenmarksinfiltration auch einemögliche Organmanifestation (Hyperkalzämie, Niereninsuffizienz, Anämie, Knochenläsionen;aufgrund der englischen Bezeichnungen als CRAB-Kriterien bezeichnet) relevant ist.Von Seiten des Paraproteins besteht in ca. 65% der Patienten ein Immunglobulin der IgG-Klasse; ein IgA-Paraprotein findet sich bei ca. 20%, ein Paraprotein mit Leichtketten (Bence-Jones-Myelom) bei etwa 10%. Selten liegt ein biklonales MM oder ein IgD-Myelom vor. DasIgD-Myelom ist durch häufigeres Auftreten von extramedullären Plasmozytomen,Niereninsuffizienz und Amyloidose sowie durch eine verkürzte Überlebenszeitgekennzeichnet. In etwa 1% der Fälle lässt sich weder im Serum noch im Harn einParaprotein mittels Immunfixation nachweisen („asekretorisches Myelom“); die Mehrzahldieser Fälle zeigt jedoch einen abnormen Befund im freien Leichtketten-Assay (neuerSerumtest zur Bestimmung der freien kappa- und lambda-Ketten, der zur Zeit der sensitivsteTest zum Nachweis eines Paraproteins darstellt).Die Untersuchung des Knochenmarks ergibt beim MM in unterschiedlichem Ausmaß dieInfiltration mit zytologisch atypischen Plasmazellen. Maligne Plasmazellen sind polymorphund häufig größer als normal; mehrkernige Plasmazellen und ein vakuolisiertes Zytoplasmasind typische Malignitätszeichen. Die Kern-Zytoplasma-Relation ist meist zugunsten desKernes verschoben, bei undifferenzierten (plasmoblastischen) Myelomen finden sich auchprominente Nukleolen. Histologisch kann die Infiltration diffus oder nodulär sein.Die Knochenläsionen beim MM sind in erster Linie osteolytisch, weshalb die Diagnostikmittels konventioneller Röntgenaufnahmen (und nicht mittels Knochenszintigraphie)zielführend ist. Noch sensitiver ist der Nachweis mittels Kernspintomographie. Dies wurdevor allem bei der Abgrenzung des solitären ossären Plasmozytoms vom MM gezeigt. DieKernspintomographie ist außerdem beim Verdacht auf intraspinale Veränderungen dieUntersuchung der Wahl.Tabelle: Diagnostische Tests beim Multiplen Myelom- komplettes Blutbild inklusive Differentialblutbild- Serumchemie einschließlich Kalzium, Gesamteiweiß, Albumin, Kreatinin, Harnsäure,LDH, CRP, β2-Mikroglobulin, Eisenstatus- Serumproteinelektrophorese, freie Leichtketten im Serum- Immunfixation im Serum und Harn- Harnstatus, Quantifizierung der Eiweißausscheidung im 24-h-Harn- Radiologischer Skelettstatus, evtl. Magnetresonanz der Wirbelsäule- Knochenmarksaspiration und –biopsie (Zytologie, Histologie, Zytogenetikeinschließlich FISH, Zellproliferation).Fakultative Zusatzuntersuchungen sind:- Bildgebende Verfahren (CT, PET) und Punktion bei extramedullären Manifestationen,Schleimhautbiopsie bzw. Aspiration von subkutanem Fettgewebe (Amyloid?),- Nierenbiopsie.Seite 13


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalUniv. Prof. Dr. Heinz LudwigVorstand der 1. Med. Abteilung – Zentrum für Onkologie und HämatologiePast-Präsident der Europ. Gesellschaft für med. Onkologie (ESMO)Wilhelminenspital WienMultiples Myelom – Aktuelle Therapiestrategien im ÜberblickErstlinien-, Rezidiv- und Erhaltungstherapie, VerlaufskontrolleBei Patienten mit aktiver Erkrankung also (myelom-bedingter Nierenfunktionseinschränkung,hohen Calciumwerten, Anämie, und klinisch relevanten Knochenveränderungen) ist dieEinleitung einer Behandlung erforderlich, während bei Patienten mit nicht aktiver Erkrankung(Smouldering Myelom) mit der Therapieeinleitung zugewartet werden kann.Prinzipielles Ziel einer Myelomtherapie ist die Erzielung einer kompletten Remission mitNormalisierung der Veränderungen in der Proteinproduktion sowie derKnochenmarkinfiltration. Nach längerer Remissionsdauer kann es – wenn auch selten – zurRückbildung der Knochenveränderungen kommen. Erfahrungsgemäß ist die Erzielung einerkompletten Remission mit optimalen Überlebenschancen verbunden. Dies ist vor allem beiPatienten mit ungünstigen genetischen Faktoren der Fall, während bei Patienten mitgünstiger genetischer Konstellation auch eine geringere Tumorrückbildung mit einer sehrguten Prognose verknüpft sein kann.Die Wahl der Behandlung für einen individuellen Patient hängt vor allem vom Lebensalterund Allgemeinzustand ab. Bei jüngeren Patienten gilt nach wie vor eine kurzeInduktionsbehandlung mit 3 bis 4 Zyklen gefolgt von einer autologenStammzelltransplantation als Therapiestandard. Bei älteren Patienten, sowie bei jenen, dieaus anderen Gründen (schlechter Allgemeinzustand, ungenügend Funktion wesentlicherOrgane, Patientenwunsch etc.) nicht für eine Transplantation in Frage kommen, empfiehltsich eine sogenannte ‚konventionelle’ Chemotherapie. Moderne Therapien sollten zumindesteine der neuen Substanzen (Thalidomid, Bortezomib oder Lenalidomid) beinhalten um einegute Ansprechrate, und damit verbunden, eine lange Remissionsdauer zu erzielen.Offen ist derzeit die Frage ob nach erfolgter autologer Transplantation versucht werden solldas Behandlungsergebnis durch eine sogenannte ‚Konsolidierungsbehandlung’ zuverbessern. Die Rolle einer Erhaltungstherapie nach abgeschlossener Erstlinienbehandlungist ebenfalls nicht eindeutig geklärt. Allerdings zeigen umfassende Analysen, dass mit einerThalidomid-Erhaltungstherapie die Dauer der Remission wesentlich verlängert werden kann.Ein Nutzen hinsichtlich Gesamtüberlebens konnte allerdings nicht in allen Studien bestätigtwerden. Ähnliche Ergebnisse liegen für Lenalidomid vor.Seite 14


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalOA Dr. Niklas Zojer1. Med. Abteilung – Zentrum für Onkologie und HämatologieWilhelminenspital WienModerne Diagnostik und Verlaufsbeurteilung beim MyelomZur Verlaufbeurteilung beim multiplen Myelom werden heute generell die Kriterien derInternational Myeloma Working Group (IMWG) herangezogen (Durie et al., 2006). Dieälteren EBMT Kriterien oder die der Southwest Oncology Group (SWOG) sollten nicht mehrherangezogen werden.IMWG ResponskriterienRespons KategorieKriteriensCR „stringent CR“ Wie CR + normale Serum Freie Leichtketten Ratiound Fehlen von klonalen Plasmazellen imKnochenmark mittels immunphänotypischerAnalyseCR komplette Remission Fehlender Nachweis eines Paraproteins in Serumund Urin inkl. negative Immunfixation + Reduktionder Plasmazellinfiltration im Knochenmark aufunter 5%VGPR „very good partial remission“ Positive Immunfixation in Serum und/oder Urin bei≥ 90%-ige Reduktion des Serum Paraproteins +Bence-Jones Proteinurie < 100mg/24 hPR partielle Remission ≥ 50%-ige Reduktion des Serum Paraproteins +≥ 90%-ige Reduktion der Bence-Jones Proteinurieoder Bence-Jones Proteinurie< 200mg/24 hSD „stable disease“ Kriterien für CR, VGPR, PR oder progredienteErkrankung nicht erfülltIMWG Kriterien für progrediente ErkrankungRelaps KategorieProgrediente ErkrankungKriterien≥ 25%-ige Zunahme von- Serum Paraprotein (absoluteZunahme muss ≥ 0.5 g/dL sein)- Bence-Jones Proteinurie (absoluteZunahme muss ≥ 200mg/24h sein)- Plasmazellinfiltration desKnochenmarks (der absoluteProzentsatz muss über 10% liegen)Neue Läsionen oder Zunahme der Größebekannter Läsionen (Osteolysen,Weichteilplasmozytome)Hyperkalziämie bedingt durch dieMyelomerkrankungSeite 15


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalDie aktuellen Kriterien für eine komplette Remission (CR) verlangen nicht nur den fehlendenNachweis eines Paraproteins in der Serum-und Harn-Elektropherese und eine Reduktion derPlasmazellinfiltration im Knochenmark auf unter 5%, sondern auch eine negativeImmunfixation (Durie et al., 2006). Mittlerweile wurde eine weitere Unterteilung in CR und„stringent CR“ (sCR) vorgenommen, wobei für die letztere Kategorie, zusätzlich zu den CRKriterien, eine Normalisierung der Serum Freie-Leichtketten Ratio und ein fehlenderNachweis klonaler Plasmazellen im Knochenmark mittels immunphänotypischer Analysevorliegen muss. Derzeit steht nicht fest, ob das Erreichen eines sCR auch mit günstigerenÜberlebensdaten (etwa einem verlängerten krankheitsfreien Überleben) vergesellschaftet ist.Generell gelten daher die Parameter für eine CR oder VGPR als Standard-Surrogatparameter für einen optimalen Therapieerfolg und als primäres Behandlungsziel.Für eine „very good partial remission“ (VGPR) ist eine zumindest 90%-ige Reduktion desParaproteins notwendig.Bei der Myelomerkrankung ist allerdings auch bei Erreichen einer CR unweigerlich mit einemKrankheitsrückfall zu rechnen, wenn auch oft erst nach Jahren des krankheitsfreienIntervalls. Ursächlich hierfür ist das Vorliegen einer minimalen Resterkrankung („minimalresidual disease“ = MRD), die unter der Nachweisgrenze für die herkömmlichenUntersuchungsmethoden liegt. Mittels Standard Immunohisto- und zytochemischenUntersuchungsmethoden wird eine Sensitivität zur Detektion von 1:10 2 – 1:10 3 Myelomzellenerreicht. Neuere Untersuchungstechniken wie die Multiparameter-Durchflußzytometrie unddie Allele-spezifische Poylmerase Kettenreaktion (ASO-PCR) erzielen allerdings eineweitaus höhere Sensitivität von 1:10 4 bis 1:10 6 (Ladetto et al., 2008; Paiva et al., 2008)Erst unlängst wurde vom International Myeloma Workshop Consensus Panel vorgeschlagen,die Kategorie „molecular response“ in die IMWG Responskriterien aufzunehmen. Dieserwäre definiert als sCR + Vorliegen einer negativen ASO-PCR. Es wird spekuliert, dass dasErreichen eines Ansprechens über die CR hinaus (fehlender Nachweis von MRD) mit einemverlängerten krankheitsfreien Überleben assoziiert ist. Derzeit ist eine Studie zurUntersuchung dieser Frage an unserem Zentrum in Planung.Durie, B. G., J. L. Harousseau, et al. (2006). "International uniform response criteria for multiplemyeloma." Leukemia 20(9): 1467-73.Ladetto M, Pagliano G, et al. (2008). Major Shrinking of residual tumor cell burden and achievement ofmolecular remissions in myeloma patients undergoing post-transplant consolidation with bortezomib,thalidomide and dexamethasone: A qualitative and quantitative PCR study. Blood (ASH AnnualMeeting Abstracts) 112: Abstract 3683Paiva, B., M. B. Vidriales, et al. (2008). "Multiparameter flow cytometric remission is the most relevantprognostic factor for multiple myeloma patients who undergo autologous stem cell transplantation."Blood 112(10): 4017-23.Seite 16


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalUniv. Prof. Dr. Johannes DrachUniv. Klinik für Innere Medizin IKlinische Abteilung für OnkologieMedizinische Universität WienTherapie des MM beim älteren PatientenBei Patienten im Alter über 65 Jahren sowie Situationen, die gegen eine Hochdosistherapiesprechen (Begleiterkrankungen, Patientenwunsch, ungenügende Zahl an mobilisiertenStammzellen), erfolgt die Behandlung mittels konventionell dosierter Chemotherapie. Dashistorische, orale Schema mit Melphalan + Prednison (MP; Melphalan 8 mg/m² undPrednison 60 mg/m², jeweils für 4 Tage; Wiederholung alle 5 – 6 Wochen) wird heute miteiner neuen Substanz kombiniert. Dadurch können höhere Remissionsraten und einverlängertes Überleben für Patienten mit MM erreicht werden (mehrere Studien mit MP +Thalidomid sowie eine randomisierte Studie mit MP + Bortezomib zeigen diese Vorteilegegenüber MP). Auch in Patientenkollektiven über 75 Jahre wurde die Effektivität undMachbarkeit von MP + Thalidomid bzw. Bortezomib gezeigt. Seit kurzem liegen auch Datenzur Kombination von MP + Lenalidomid vor. Die aktuellsten Daten zu diesem Themastammen vom EHA Meeting 2010:Phase III-Studie: Melphalan/Prednison (MP) plus Lenalidomid versus MP beim älterenMyelompatienten (MM-015)Nach den überzeugenden Studiendaten von Lenalidomid-hältigen Kombinationen beimrezidivierten/refraktären MM wurde in der aktuellen Studie die Kombination vonMelphalan/Prednison (MP) plus Lenalidomid (Revlimid ® , MPR) in der Erstlinientherapie desälteren Patienten mit MM geprüft. In diese randomisierte Phase III Studie wurden 459Patienten aufgenommen und entweder mit MP, MPR, oder MPR + R Erhaltungstherapiebehandelt (Studie MM-015). Nach einer medianen Beobachtungszeit vom 21 Monaten zeigtsich eine signifikante Verbesserung der Remissionsrate (77% gegenüber 49% bei MP)einschliesslich der CR-Rate (16% versus 4%) und der VGPR-Rate (32% versus 12%). Auchdie Zeit bis zum Ansprechen war bei MPR-R rascher (median 1.9 Monate) als bei mit MPbehandelten Patienten (median 2.8 Monate). Das verbesserte Ansprechen führte zu einersignifikanten Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (PFS): Das mediane PFSbetrug 13,2 Monate im MP Arm, während der Median im Behandlungsarm mit MPR-R nochnicht erreicht wurde. MPR + R-Erhaltungstherapie war auch der alleinigen MPRInduktionstheraspie (ohne weitere Erhaltungstherapie) signifikant überlegen (medianes PFS14,1 Monate). Hinsichtlich der Gesamtüberlebenszeit ergeben sich bislang keinesignifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen. MPR-R wurde allgemein guttoleriert: Die Hauptnebenwirkung war Neutropenie (36%), die Rate an febrilen Neutropenienlag bei 8%. Nebenwirkungs-assoziierte Therapieabbrüche waren bei 16% der Patienten zubeobachten. Es wurden keine Grad 3/4 Neuropathien berichtet. MPR + R stellt somit eineweitere Behandlungsoption für ältere Patienten mit MM dar (Palumbo, EHA Abstract # 566).MP + Thalidomid: Meta-AnalyseMittlerweile liegen Daten zu 6 prospektiv randomisierten Studien vor, welche MP +Thalidomid (MPT) mit MP beim älteren Patienten mit MM vergleichen. Waage präsentierteeine Meta-Analyse, welche anhand der individuellen Daten der 1682 Studienpatientendurchgeführt wurde (EHA Anstract # 567). Es zeigte sich ein signifikant verlängertes PFS fürMPT (median 20,4 Monate) gegenüber MP (median 14,9 Monate; P < .05). Auch dasGesamtüberleben war für Patienten, welche mit MPT behandelt wurden, länger, wenn auchohne statistische Signifikanz (39,3 Monate versus 32,7 Monate bei MP; P = .085).Seite 17


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalModifiziertes VISTA-Schema (Melphalan/Prednison plus Bortezomib) beim älterenPatienten mit Multiplem MyelomDie Kombination von Melphalan/Prednison mit Bortezomib (Velcade; VMP-Schema) ist eineder Standardtherapien für ältere Patienten mit unbehandeltem Multiplem Myelom. Diesberuht auf den Daten der sog. VISTA Studie, welche die Überlegenheit von VMP gegenüberMP betreffend aller Effektivitätsparameter (Ansprechraten, progressionsfreies Überleben,Gesamtüberlebenszeit) gezeigt hat. Die italienische Myelom-Studiengruppe hat nun dieIntensität der Bortezomib Behandlung im Vergleich zum Original-VISTA-Protokoll modifiziert:Anstelle der zweimal-wöchentlichen Gabe von Bortezomib wurde nun im Induktionsteil desSchemas Bortezomib auf einmal wöchentlich reduziert. Dies führte zu vergleichbarenRemissionsraten, jedoch zu einer signifikanten Reduktion der Neuropathierate (3% Grad 3PNP gegenüber 16% bei zweimal wöchentlichem Bortezomib) (Bringhen, EHA Abstract #369).Seite 18


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalProf. Dr. Brian C.M. DurieCedars-Sinai Medical CenterLos Angeles, USAWichtige Fortschritte in der Erforschung und Behandlung bei MMSeite 19


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8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalOA Dr. Kathrin Strasser-WeipplI. Med. Abteilung mit OnkologieWilhelminenspital, WienBehandlung von Symptomen von Multiplem Myelom und LymphomenInsbesondere Schmerzen, Anämie und FatigueSeite 25


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8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalUniv. Prof. Dr. Heinz GisslingerUniversitätsklinik für Innere Medizin IMedizinische Universität WienVorbeugung und Behandlung von Komplikationen und Nebenwirkungender Myelom- und Lymphom-TherapienInsbesondere Übelkeit, Infektionen und NeuropathienRaum für Notizen:Seite 33


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalUniv. Prof. Dr. Heinz LudwigVorstand der 1. Med. Abteilung – Zentrum für Onkologie und HämatologiePast-Präsident der Europ. Gesellschaft für med. Onkologie (ESMO)Wilhelminenspital WienErstlinientherapie beim Multiplen MyelomAutologe Stammzelltransplantation und der Stellenwert der„Neuen Medikamente“ bei jüngeren und älteren PatientenWann welche Therapie? Chancen und Risken der Stammzell-TransplantationDie Wahl der Erstlinienbehandlung hängt vor allem vom Lebensalter und Allgemeinzustanddes betroffenen Patienten ab. Bei jüngeren Patienten gilt nach wie vor eine kurzeInduktionsbehandlung mit 3 bis 4 Zyklen gefolgt von einer autologen Stammzelltransplantationals Therapiestandard. Bei älteren Patienten, sowie bei jenen, die ausanderen Gründen (schlechter Allgemeinzustand, ungenügende Funktion wesentlicherOrgane, Patientenwunsch etc.) nicht für eine Transplantation in Frage kommen, empfiehltsich eine sogenannte ‚konventionelle’ Chemotherapie.Patienten, die für eine Hochdosistherapie mit autologer Transplantation in Frage kommen.Mit dem ersten Behandlungsabschnitt (Induktionstherapie) wird eine substantielle Reduktionder Tumorlast angestrebt um unter anderem die Ausgangslage für die nachfolgendeTransplantation zu verbessern. Die dafür zur Verfügung stehenden Behandlungsprotokollebeinhalten zumindest eine der sogenannten neuen Substanzen (Thalidomid, Bortezomib,oder Lenalidomid), nicht selten werden aber 2 der neuen Medikamente mit Cortison, das inallen Induktionstherapieprotokollen enthalten ist, kombiniert. Mit diesen modernenInduktionstherapien lassen sich bereits nach 3 bis 4 Zyklen (noch vor Beginn derHochdosistherapie) hohe Ansprechraten erzielen. Anschließend werden Stammzellengewonnen und danach eine Hochdosistherapie mit 200mg Melphalan gefolgt von autologerStammzelltransplantation durchgeführt. Patienten, die bereits vor Transplantation einekomplette Remission erreichen, weisen die besten Überlebensraten auf.Patienten, die nicht für eine Hochdosistherapie mit autologer Transplantation in Fragekommen.Für den Großteil der Patienten empfiehlt sich eine ‚konventionelle’ Chemotherapie wobeiauch hier zumindest eine der neuen Substanzen im Therapieprotokoll enthalten sein soll. Bisvor wenigen Jahren galt Melphalan-Prednison (MP) als Standardtherapie. Kombinationenvon MP mit Thalidomid (MPT), Bortezomib (VMP) und Lenalidomid (MPR) führen zu höherenAnsprechraten und längerem progressionsfreien Überleben. Für MPV konnte auch eindeutlicher Vorteil bezüglich Gesamtüberlebens gezeigt werden. Lenalidomid mit niedrigdosiertem Dexamethason ist der Kombination von Lenalidomid mit hochdosiertemDexamethason überlegen. Ein allgemein akzeptierter Behandlungsstandard liegt nicht vor.Bei der Wahl der für einen individuellen Patienten bestgeeigneten Therapie solltentumorspezifische Faktoren – wie zytogenetische Parameter – und patientenspezifischeEigenschaften - wie Alter, Allgemeinzustand, Organfunktion, Neuropathie,Stoffwechselerkrankungen, Entfernung des Wohnorts vom Behandlungszentrum und andere– herangezogen werden.Seite 34


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalUniv. Prof. Dr. Johannes DrachUniv. Klinik für Innere Medizin IKlinische Abteilung für OnkologieMedizinische Universität WienAktuelle Behandlungsmöglichkeiten des Rezidivs beim Multiplen MyelomWenn es nach einer Remission zum Wiederauftreten der Erkrankung kommt, ist die weitereTherapiewahl zunächst von der Remissionsdauer nach Erstlinientherapie beeinflusst:- Bei längerer Remissionsdauer nach der vorangegangenen Therapie (zumindest 12Monate) kann die ursprüngliche Therapie wiederum zur Anwendung gelangen. Diesbetrifft sowohl die konventionelle Therapie als auch die Hochdosistherapie(vorausgesetzt, dass noch genügend Stammzellen vorhanden sind).- Bei kurzer Remissionsdauer bzw. Nicht-Ansprechen auf eine Therapielinie ist dieUmstellung auf ein neues Behandlungsschema erforderlich. Dabei hängt die Wahlder Therapie von der Vortherapie, der Symptomatik des Patientensowie vonmöglichen Begleiterkrankungen ab. Von der herkömmlichen Chemotherapie steheneine Reihe von Zweitlinienprotokollen zur Verfügung (z. B. VAD-ähnliches Schema),häufig kommen in dieser Situation aber die „neuen“ Substanzen zur Anwendung.- Thalidomid kann beim vorbehandelten Myelompatienten in etwa einem Drittel derFälle eine Remission bewirken. Durch die Kombination mit Dexamethason bzw.Chemotherapie kann die Effektivität noch gesteigert werden. In diesemZusammenhang ist vor allem auf Thrombosen (Blutgerinnsel) zu achten, wobei durchHeparingabe eine Prophylaxe erreicht werden kann. Weitere Nebenwirkungen sindvor allem Müdigkeit und die sog. Polyneuropathie (Gefühlsstörung, fallweiseSchmerzen an Fingern und Zehen).Abkömmlinge von Thalidomid, die sog. Immunmodulatorischen Substanzen (= ImiD’s):Lenalidomid (Revlimid ® ) ist dabei in Kombination mit Dexamethason für dieZweitlinientherapie zugelassen. Unter Lenalidomid ist besonders auf die Neutropenie(Reduktion der weissen Blutkörperchen) zu achten.- Bortezomib (Velcade ® ): Dieses Medikament hat im Rezidiv die höchste Aktivität alsEinzelsubstanz, was das Erreichen einer Remission betrifft. Auch Bortezomib kannmit Dexamethason und Chemotherapie kombiniert werden, wodurch sich eineAddition der Wirksamkeit ergibt. Müdigkeit, Neuropathie und eine vorübergehendeErniedrigung der Blutplättchen zählen zu den wesentlichen Nebenwirkungen.Neue Therapieansätze:Eine Vielzahl von neuen Medikamenten wird in der Behandlung des multiplen Myeloms inklinischen Studien geprüft. Das heisst, es handelt sich nicht um etablierte Behandlungen, eskann sich aber dennoch für die Studienteilnehmer ein Nutzen ergeben. Viele neueSubstanzen wirken durch die Beeinflussung der Wechselwirkungen von Myelomzellen mitdem Knochenmarksstroma (siehe oben unter Thalidomid). Beim letzten ASCO- Meetingwidmete sich ein Symposium dem Thema „Novel therapies for Myeloma“ und umfasste4 Präsentationen mit neuen Substanzen:Seite 35


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalNeuer Proteasomen-Inhibitor: CarfilzomibCarfilzomib ist dem Bortezomib ähnlich (gleicher Angriffspiunkt am Proteasom), aber miteiner längeren Wirkunsdauer und verändertem Nebenwirkungsprofil, insbesonderebetreffend der peripheren Neuropathie. Dr. Ravi Vaj stellte die Ergebnisse der Phase II-Studie mit Carfilzomib bei rezidivierten/refraktären MM Patienten vor. Dabei zeigte sich einehöhere Remissionsrate bei Bortezomib-naïven Patienten (55%) gegenüber mit BortezomibvorbehandeltenPatienten (21%). Die Remissionsdauer war selbst bei Patienten mitminimalem Ansprechen verlängert. Die Nebenwirkungsrate war gering, weshalb nun höhereDosierungen und Kombinationstherapien evaluiert werden.Neue immunmodulatorische Substanz: PomalidomidPomalidomid ist chemisch mit Thalidomid und Lenalidomid verwandt. Dr. Martha Lacy vonder Mayo-Klinik präsentierte Daten zur Studie von Pomalidomid in Kombination mitDexamethason bei stark vorbehandelten Patienten mit MM. Die Gesamtansprechrate lag bei26%; 54% der Patienten erreichten zumindest einen minimalen Response. Die Zeit bis zumAnsprechen betrug lediglich ein Monat – dies wurde als besonders rasches Ansprecheninterpretiert. Die Ansprechraten waren unabhängig vom Risikoprofil der Patienten. DieNebenwirkungen waren ähnlich wie bei Lenalidomid (Leukopenie und Thrombopenie;Indikation zur Thromboseprophylaxe). Weitere Studien, vor allem an Patienten mit wenigerVortherapien, werden daher folgen.HDAC Inhibitor PanobinostatDie Histon-Deacetlylase (HDAC)-Inhibierung gilt als neues, vielversprechendesTherapieprinzip beim Myelom, welches zu einer starken Indizierung der Apoptose führensoll. In dieser Phase Ib-Studie wurde Panobinostat in Kombination mitBortezomib/Dexamethason bei rezidivierten/refraktären MM Patienten evaluiert. Dr. KennethAnderson (Boston) berichtete über eine Gesamtansprechrate von 70% und insbesondereüber ein Ansprechen bei 60% der Patienten, welche bereits mit Bortezomib vorbehandeltwaren. Die Beobachtungszeit ist noch zu kurz, um Angaben über eine Zeit bis zurProgression machen zu können. Die Nebenwirkungen waren vorwiegend hämatologischerNatur, jedoch mit Standardmassnahmen zu behandeln. Dr. Anderson erklärte in seinerZusammenfassung, dass dies bislang die effektivste Kombinationstherapie darstellt, welchezu Remissionen bei Bortezomib-vorbehandelten Patienten führt. Panobinostat wird dahernun in einer grossen Phase III Studie beim rezidivierten MM evaluiert.Antikörper ElotuzumabEine effektive Antikörpertherapie beim MM – in Analogie zur Situation bei B-Zell-Lymphomen- wird nach wie vor eifrig gesucht. Ein therapeutischer Antikörper, der gegen das sog. CS-1Antigen an der Oberfläche der Myelomzellen gerichtet ist (Elotuzumab), wird derzeit inklinischen Studien untersucht. Eine Phase I-Studie von Elotuzumab in Kombination mitBortezomib bei rezidivierten/refraktären Patienten zeigte eine Remissionsrate von 48% (64%der Patienten hatten zumindest ein minimales Ansprechen). Die Zeit bis zur Progressionbetrug 9,5 Monate (auch bei Bortezomib-vorbehandelten Patienten). Die Hauptnebenwirkungwar Lymphopenie, im übrigen war die Elotuzumab plus Bortezomib Behandlung gutverträglich ohne Dosis-limitierende Toxizitäten.Diese Daten lassen vermuten, dass in Kürze einige weitere Therapieoptionen zurBehandlung des MM zur Verfügung stehen werden.Seite 36


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalDr. Martin Schreder1.Med.Abt.Wilhelminenspital WienVorstellung der aktuellen klinischen Studien beim Multiplen MyelomIn der Behandlung des Multiplen Myeloms konnten in den vergangenen Jahren durch denEinsatz neuer Medikamente wie Thalidomid, Lenalidomid und Bortezomib bemerkenswerteFortschritte erzielt werden. Die genaue Prüfung der Wirksamkeit und Verträglichkeit dieserPräparate erfolgte zunächst im Rahmen klinischer Studien. Die Behandlung wird hier aneiner Vielzahl an Studienteilnehmern nach einem vorab festgelegten Prüfplan durchgeführt.Dabei werden in Studien der Phase I und II vor allem Nebenwirkungen und die optimaleDosierung eines neuen Medikaments bzw. einer Medikamentenkombination untersucht, inStudien der Phase III erfolgt schließlich der Vergleich mit einer Standardbehandlung odereinem Placebo. Die Betreuung im Rahmen solcher Studien ist dabei außerordentlichsorgfältig und umfassend, vor allem können neue Therapien lange vor ihrem Einsatz in dertäglichen Praxis angeboten werden.Derzeit wird eine Reihe neuer Substanzen in klinischen Studien untersucht. Es handelt sichhierbei um Weiterentwicklungen bekannter Präparate oder auch Medikamente mit einemneuartigen Wirkmechanismus. Der Vortrag wird einen Überblick über die aktuellenTherapieprotokolle geben.Erstlinienbehandlung – FIRST-StudiePatienten über 65Jahre mit neu diagnostizierter Erkrankung erhalten derzeit eineStandardbehandlung mit Melphalan und Prednisolon in Kombination mit Thalidomid bzw.Bortezomib. Die Kombination von Lenalidomid und Dexamethason ist bislang nur für dieBehandlung eines Krankheitsrezidivs zugelassen, konnte hier jedoch hervorragendeErgebnisse erzielen. Im Rahmen der FIRST-Studie (MM020) erfolgt nun die Prüfung einerErstlinienbehandlung mit Lenalidomid/Dexamethason („LD“) entweder bis zurKrankheitsprogression (Arm A) oder über eine festgelegte Therapiedauer von 18 Zyklen(Arm B) im kontrollierten Vergleich zu 12 Zyklen einer Therapie mitMelphalan/Prednisolon/Thalidomid („MPT“).Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion – LD-StudieEine Einschränkung der Nierenfunktion ist eine der häufigsten Komplikationen des MutliplenMyeloms und ist bereits bei 25% aller Patienten bei Diagnosestellung nachweisbar. Ursachesind vor allem die von Myelomzellen produzierten freien Leichtketten, die zu einerVerstopfung und Schädigung der Nierenkanälchen führen. Entscheidend für dieWiederherstellung der Nierenfunktion ist eine rasche und effiziente Eindämmung derEiweißproduktion durch Myelomzellen. Nach guten Ergebnissen mit Bortezomib-hältigenProtokollen wird nun in der LD-Studie die Wirksamkeit von Lenalidomid undDexamethason bei Patienten mit myelombedingtem Nierenversagen geprüft.Patienten mit KrankheitsrezidivBei Wiederauftreten der Erkrankung nach einer oder mehrerer Vorbehandlungen kann nachentsprechend langem Intervall eine wiederholte Therapie mit einer der verwendetenMedikamente sinnvoll sein, letztlich ist jedoch nur ein zeitlich begrenztes Ansprechen zuerwarten. Für eine effiziente Krankheitskontrolle sind daher neue Therapieansätzeerforderlich.Seite 37


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalVorinostat ist eine Substanz mit nachgewiesener Effektivität bei speziellen Formen der Non-Hodgkin-Lymphome und greift über Hemmung bestimmter Enzyme in die (abnorme)Genregulation von Tumorzellen ein. Erste Studien weisen auf eine noch verstärkte Aktivitätbei Kombination mit Bortezomib hin. Im Rahmen der VANTAGE-Studie erhalten Patienteneine Behandlung mit Bortezomib im Standardschema sowie zusätzlich das in Tablettenformverabreichte Vorinostat oder ein Placebo bis zur Krankheitsprogression.Bendamustin ist ein bereits in den 1960er Jahren entwickeltes Chemotherapeutikum, dasdurch einen veränderten Wirkmechanismus auch nach Versagen verwandter Medikamentewie Mephalan oder Cyclophosphamid effektiv eingesetzt werden kann. Mittlerweile istBendamustin fester Bestandteil der Standardtherapie für indolente Non-Hodgkin-Lymphomeund hat in Studien bei Patienten mit Multiplem Myelom sehr gute Ergebnisse bei günstigemNebenwirkungsprofil erzielt. In der BBD-Studie wird nun die Effektivität von Bendamustin inKombination mit Bortezomib und Dexamethason untersucht.Carfilzomib stellt eine Weiterentwicklung von Bortezomib dar und zeichnet sich durchvielfach höhere Aktivität bei besserer Verträglichkeit, insbesondere fehlender Neurotoxizität,aus. Im Rahmen von 2 Studienprotokollen können wir unseren Patienten diesesvielversprechende Medikament seit kurzem anbieten. In der Studie „011“ steht Carfilzomibals Monotherapie für Patienten nach Versagen aller etablierten Behandlungen (Lenalidomid,Thalidomid, Hochdosisthertapie, Anthrazykline, Bortezomib) zur Verfügung. Dierandomisierte Prüfung sieht in der Vergleichsgruppe eine Behandlung mit Corticosteroidenund Cyclophosphamid vor.Die Studie „009“ wird voraussichtlich Anfang 2011 geöffnet werden; nach Versagen einerErstlinientherapie erhalten Patienten hier eine Standardbehandlung mit Lenalidomid undDexamethason mit/ohne Hinzugabe von Carfilzomib.Plitidepsin (Aplidin) ist eine neuartige, erstmals aus einer Meeresschnecke isolierteSubstanz mit wachstumshemmender Wirkung auf Myelomzellen. Erste Studien konnten eineklinische Aktivität bei mehrfach vorbehandelten Myelompatienten demonstrieren. In derADMYRE-Studie wird nun in einer größeren Patientengruppe Plitidepsin in Kombination mitDexamethason verglichen mit Dexamethason alleine nach Versagen allerStandardtherapien eingesetzt.Seite 38


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalOA Dr. Georg Hopfinger3. Medizinische Abteilung mit OnkologieHanusch Krankenhaus, WienErstlinientherapie bei LymphomenMit dem Begriff Lymphom wird im Allgemeinen eine bösartige Lymphknotenerkrankungassoziiert, wobei dahinter auch eine Reihe entzündlicher Veränderungen stehen können;abgeklärt sollten Lymphknotenveränderungen aber in jedem Fall werden. Insbesondereschmerzlose Lymphknotenschwellungen alleine oder gemeinsam mit Fieber oder ungewollteGewichtsabnahme können Anzeichen eines bösartigen Lymphoms sein. Sehr häufig wird dieDiagnose eines NHL mithilfe einer Entnahme eines betroffenen Lymphknotens gestellt,wobei man bei den Lymphomen sog. Hodgkin und Non-Hodgkin-Lymphome (NHL)unterscheidet, bei letzeren werden weiters noch B-und T-NHL unterschieden.Klinisch können drei Gruppen von B-NHL unterschieden werden:1. indolente Lymphome, die durch ein oftmals langsames Voranschreiten gekennzeichnetsind wie z.B.: chronisch lymphatische Leukämie (CLL) oder Follikuläres Lymphom2. aggressive Formen wie diffus groszelliges Lymphom und Mantelzell-Lymphom3 sehr aggressive Formen wie Burkitt Lymphom.Die Art der Therapie wird aus der Histologie und dem Ausbreitungsmuster (Stadium),welches mit unterschiedlichen Untersuchungen (Ultraschall, Computertomographie)festgestellt wird, abgeleitet und sollte Gegenstand sorgfältiger Planung und ausführlicherGespräche mit dem Betroffenen sein. Eine sorgfältige Unterscheidung ist notwendig, so istbei CLL ist im frühen Stadium i. A. keine Behandlung erforderlich. Ebenso wird nicht bei allenPatienten mit einem follikulären Lymphom sofort eine Chemotherapie empfohlen; Gründe füreine systemische Therapie sind unter Anderem Lymphome größer 7 cm, sog. B-Symptomen(Nachtschweiß, Fieber, ungewollter Gewichtsverlust) oder mindestens 3 betroffeneLymphknoten- Areale.Bei den aggressiven Lymphomen ist nach Diagnosestellung unmittelbar eine Start derBehandlung erforderlich. In den letzten Jahren wurden die Therapiemöglichkeiten wesentlichdurch die Einführung von sog. monoklonalen Antikörpern (moAK) verbessert; es handelt sichhierbei um gentechnisch hergestellte Eiweißkörper, die gegen bestimmteOberflächenstrukturen auf Lymphomzellen gerichtet sind. Ein ganz wesentlicher moAK istder gegen die CD 20 Struktur gerichteter Antikörper Rituximab. So konnte kürzlich in derBehandlung der CLL die Überlegenheit einer Kombinationstherapie (Fludarabin,Cyclophosphamid=FC) mit Rituximab gegenüber einer alleinigen Chemotherapie (FC) imHinblick auf Ansprechen und Überleben gezeigt werden (Hallek et al. Lancet 2010).Beim follikulären Lymphom stellt eine Kombination einer Chemotherapie mit Rituximabschon länger den Standard dar. Neu ist hier der Wert eine Erhaltungstherapie nach erfolgterInduktion; so erfolgte in der sog. PRIMA Studie im Anschluss an die Ersttherapie eineZuordnung (Randomisierung) entweder zu Beobachtung oder zu weiterer RituximabTherapie über zwei Jahre, wodurch es zu einer deutlichen Reduktion eines Wiederauftretender Erkrankung in der Rituximab-Gruppe kam (Salles et al.ASCO 2010).Seite 39


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalAuch bei diffus großzelligem Lymphom stellt die Kombination von Chemotherapie undRituximab (R-CHOP) wegen einer Verbesserung im Ansprechen und Überleben seit vielenJahren den Standard dar (Coiffier et al. Blood 2009); auch hier wurden Erhaltungskonzeptemit Rituximab geprüft, Ergebnisse stehen jedoch noch aus.Eine Sonderstellung nehmen sog. T-Zell Lymphome ein, die etwa 15 % aller Non-HodgkinLymphome ausmachen. Sie sind meist durch einen aggressiveren Verlauf und einschlechteres Ansprechen gekennzeichnet. In der Vergangenheit wurden diese Lymphomemit den gleichen Therapieprotokollen, wie B-NHL behandelt, in aktuellen Studienprotokollenwird versucht mit neuen Medikamenten wie Alemtuzumab® oder Revlimid® das Ansprechenzu verbessern.Insgesamt haben moderne Therapieformen zu einer deutlichen Verbesserung derGesamtsituation geführt, wobei dieser Fortschritt nur durch zahlreiche Teilnahme derPatientInnen an den unterschiedlichen Studien möglich gewesen ist. Es werden derzeit eineReihe weiterer Antikörper und auch anderer Wirkprinzipien auf ihre Aktivität bei Lymphomenuntersucht, wobei dadurch eine weitere Verbesserung zu erhoffen ist.:Seite 40


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalUniv. Prof. Dr. Werner LinkeschLeiter der Klinischen Abteilung für HämatologieUniv. Klinik für Innere MedizinLKH-Univ. Klinikum GrazRezidivtherapie bei LymphomenAktuelle Behandlungsmöglichkeiten des Rezidivs bei Non-Hodgkin-LymphomenLiegt eine lange Remissionsdauer vor, kann durchaus erfolgreich nochmals die initialeChemo-Immunotherapie eingesetzt werden – unter Berücksichtigung der kumulativenToxizität.Follikuläres Lymphom – Zweitlinientherapie• Bendamustin-RituximabBei 63 PatientInnen (33 % refraktär auf vorherige Therapie) wurde ein Ansprechen von 90 %(60 % CR, 30 % PR) gesehen, progressionsfreies Überleben 24 Monate.• Bortezomib, Bendamustin, Rituximab (VERTICAL-Studie)Bei schwer vorbehandelten PatientInnen (43 % hatten 3 oder mehr Regimens, 48 %refraktär) wurden noch 50 % CR und 30 % PR erzielt• Lenalidomid/Rituximab ± DexamethasonLenalidomid als Monotherapie erzielte bei 22 PatientInnen ein Ansprechen von 27 % (9 %CR). In Kombination mit Rituximab wurde ein overall-response von 53 % (33 % CR)beobachtet.• RadioimmuntherapieIm Rahmen der FIT-Studie wurde gezeigt, dass PatientInnen, welche nach einer 1st line-Therapie nur eine PR erreichten nach Gabe von 90 Y-Ibritumomab-Tiuxetan in einem hohenProzentsatz in eine lang anhaltende CR übergeführt werden konnten.• Autologe StammzelltransplantationDie GELA konnte zeigen, dass hier eine Konditionierungstherapie mit Z-BEAM dieRemissionsraten post ASCT auf 88 % CR und 7 % PR gesteigert werden konnten mit einemprogressionsfreien Überleben nach 1 Jahr von 87 %.Mantelzell-Lymphom - Zweitlinientherapie• Bortezomib7 Phase II-Studien mit 424 relapsierten Mantelzell-Lymphomen zeigten ein ORR von 18-58% bei einer Dauer des Ansprechens von 6-19 Monaten.• Bortezomib-KombinationenStudien mit Bortezomib, Rituximab, Dexamethason oder Phase I/II Rituximab-Cyclophosphamide, Bortezomib, Prednison (R-CBorP) wurden begonnen, dzt. liegen nochkeine Ergebnisse vor.• BVR (Bendamustin, Bortezomib, Rituximab)Präliminäre Daten liegen vor.Seite 41


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie Pflegepersonal• LenalidomidBei 57 PatientInnen wurde ein ORR von 42 % (21 % CR, CRu) erreicht.• Lenalidomid-RituximabBei 24 PatientInnen wurde ein ORR von 53 % (29 % CR) erreicht. Median PFS 12,4 Monate,Median Gesamtüberleben: 25 Monate.• TemsirolimusAls Monostubstanz wurde ein ORR von 22 % und ein Gesamtüberleben von 12,8 Monatenerzielt.Diffus-großzelliges B-Zell-Lymphom - Zweitlinientherapie• CORAL-Studie:R-ICE vs. R-DHAP weisen als salvage-Therapie keinen Unterschied im Ansprechen auf (2-Jahres-Überleben 56 %)• R-GemOXBei PatientInnen, die für eine Hochdosis-Therapie + ASCT nicht geeignet sind. ORR bei 48PatientInnen 60 % (44 % CR, CRu), median PFS ~ 12 Monate.• LenalidomidAls Dauertherapie bis zur nächsten Progression; bei Ansprechen wurde eineRemissionsdauer von 10,6 Monaten erzielt.• Autologe StammzelltransplantationEine Konditionierungstherapie mit Z-BEAM erzielt eine höhere Langzeit-Überlebenszeit alsBEAM oder TBI/VP16.Neue Substanzen• Enzastaurin• Fostamatinib• Inotuzumab-Ozogamicin+Rituximab• BlinatumomabSeite 42


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalUniv. Prof. Dr. Ulrich JägerKlinische Abteilung für Hämatologie und HämostaseologieUniversitätsklinik für Innere Medizin IMedizinische Universität WienVorstellung der aktuellen klinischen Studien bei LymphomenPatienten mit malignen Erkrankungen sollten auch in Österreich Zugang zu den neuestenund besten diagnostischen und therapeutischen Entwicklungen haben. Da neueMedikamente zunächst nur in Form von klinischen Studien angeboten werden, versuchen wirin möglichst allen Institutionen für möglichst viele Erkrankungsformen den Patienten dieMöglichkeit zu geben, diese Medikamenten im Rahmen von klinischen Studien zu erhalten.Es ist vielfach gezeigt, dass Patienten, die in klinischen Studien betreut werden, einintensiveres Monitoring ihrer Erkrankung und der Therapie erhalten und dass sowohlLebensqualität als auch Überleben von Patienten in klinischen Studien insgesamt besser istals während der reinen Routinebetreuung. In Österreich sind wir in der glücklichen Lage,dass natürlich jeder Patient und jede Patientin die neuesten zugelassenen Medikamente imRahmen der Routinetherapie erhält, was in anderen Ländern nicht selbstverständlich ist.Deshalb ist auch das Überleben der Patienten mit bösartigen Erkrankungen in Österreichsehr hoch. Trotzdem profitieren Patienten eben noch zusätzlich vom Einschluss in klinischeStudien. Ziel dieses Vortrags ist es, einen Überblick über die derzeit wichtigsten laufendenklinischen Studien zum Thema Lymphome, Myelome und Leukämien zu geben und diePatienten über die Möglichkeiten zu informieren, wie sie in diese klinischen Studieneingeschlossen werden können. Es stehen Studien für Patienten, die eine erste Therapieerhalten, genauso wie Studien für Patienten, die bereits einen Rückfall der Erkrankunghatten, zur Verfügung. Unter diesen Studien finden sich einerseits Beobachtungsstudien, woden Patienten lediglich Blut abgenommen wird, um Aufschluss über die Prognose derErkrankung (prognostische Marker) zu erhalten. Bei den Therapiestudien gibt es einerseitsStudien, die von österreichischen Studiengruppen betrieben werden, die als sogenannteTherapieoptimierungsstudien bezeichnet werden und dazu dienen, die richtige Dosis und diegünstigste zeitliche Verabreichung von Medikamenten zu definieren. Manchmal bedeutet dasauch, dass bei Erkrankungen, wo die Therapie bereits sehr große Erfolge hat, versucht wird,mit weniger Medikamenten auszukommen oder die Nebenwirkungen zu verringern. Ein Teilder klinischen Studien mit ganz neuen Medikamenten sind die Studien, die von derpharmazeutischen Industrie gesponsert werden, wo die Patienten den Zugang zu denallerneuesten Therapien erhalten. Klinische Studien werden in verschiedene Phaseneingeteilt. In der Phase I werden Medikamente zum ersten Mal bei Patienten getestet, wobeihier vor allem auf das Auftreten von Nebenwirkungen und die Verträglichkeit geachtet wird.In der Phase II wird bereits Augenmerk auf die Wirksamkeit von Medikamenten beibestimmten Erkrankungen und Patientengruppen gelegt. Die Phase III Studien sindsogenannte randomisierte Studien, wo eine Standardtherapie mit einer neuen Therapieverglichen wird und die PatientInnen durch Los einem bestimmten Arm dieser Studienzugeteilt werden. Diese Phase III Studien führen zur Zulassung von Medikamenten. PhaseIV Studien dienen dazu, den Einsatz dieser bereits zugelassenen Medikamente noch weiterzu optimieren.Es ist uns ein großes Anliegen, alle Patienten möglichst objektiv über die zur Verfügungstehenden Möglichkeiten zu informieren. Wir werden auch versuchen, die entsprechendenWebseiten über die Selbsthilfegruppe zugänglich zu machen.Seite 43


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalUniv. Doz. Dr. Michael Pfeilstöcker3. Medizinische Abteilung mit Hämatologie/OnkologieHanusch Krankenhaus WienBiologie und Krankheitsverlauf bei MDSMyelodysplastische SyndromeMyelodysplastischen Syndrome (MDS) sind eine Gruppe von Blutkrankheiten mit gestörterBlutbildung im Knochenmark, die typischerweise eher ältere Menschen betrifft. Sie sindheterogen, gemeinsam sind typische Veränderungen der blutbildenden Zellen, sogenannteDysplasiezeichen. Die Blutbildung im Knochenmark ist zwar vorhanden, zumeist deutlichangeregt, aber in der Ausreifung gestört und ineffizient, sodass die Patienten unter Mangelan Blutzellen im peripheren Blut (Zytopenien) leiden.Biologie: Grundlage ist eine Schädigung der Knochenmarkstammzellen, diese sind in ihrerErbsubstanz verändert (Chromosomenveränderungen, DNA Schäden), es kann aber auchdas Ablesen von Genen gestört sein (über epigenetische Mechanismen). Welche Gene undwelche Funktionen betroffen sind, ist bei verschiedenen Patienten unterschiedlich, es kannsich um Gene der Zellwachstumsregulation, des kontrollierten Zelltods, der Kommunikationder Zellen untereinander, der Signalübertragung innerhalb der Zelle, der Gefässneubildungoder der Immunüberwachung handeln. Die gemeinsamen Folgen sind Dysplasiezeichen,Zytopenien sowie das Risiko, dass durch die angeregte aber ineffiziente Blutbildung nacheiner gewissen Zeit eine akute Leukämie entsteht.Symptomatik: Der Mangel an Blutzellen kann eine oder mehrere Zellreihen betreffen, beiMangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) spricht man von Anämie, bei fehlendenweissen Zellen von Neutropenie, bei fehlenden Blutplättchen (Thrombozyten) vonThrombozytopenie. Daraus ergeben sich die Symptome der MDS Erkrankungen, die mildund uncharakteristisch, aber auch sehr ausgeprägt sein können. MDS kann langsamvoranschreitend über viele Jahre verlaufen, andererseits gibt es Formen, die eine rascheVerschlechterung zeigen können.Hauptsymptom der Anämie ist die eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit, Fatiguebezeichnet hier extreme Müdigkeit und Energiemangel. Haut und Schleimhäute sind blass,Zeichen der Herzschwäche (Kompensationsmechanismus) können auftreten. BeiNeutropenie kann es zu Infektionen aller Art und in unterschiedlicher Ausprägung kommen,bei Thrombozytopenie können spontane Blutungen der Haut, Schleimhäute und innererOrgane auftreten.Diagnostik: Bei Verdacht auf MDS müssen zunächst andere Ursachen von Zytopenienausgeschlossen werden. Zur definitiven Diagnose ist anschliessend die Durchführung einerKnochenmarkspunktion erforderlich, da Dysplasien im peripheren Blut nicht ausreichend fürdie Diagnose beurteilt werden können und zusätzlich die Beurteilung des Knochenmarks(auch mittels spezieller genetischer Untersuchungen) Aussagen über den Subtyp derErkrankung, die Prognose und teilweise auch über mögliches Therapieansprechenermöglicht. Ergänzend werden spezielle Laboruntersuchungen aus dem peripheren Blutdurchgeführt. Nach Bestimmung des Subtyps der Erkrankung und Erstellung einesRisikoprofil mittels sogenannter Prognosescores wie des IPSS (International PrognosticScoring System) kann der natürliche Verlauf der Erkrankung abgeschätzt werden(Zugehörigkeit zu Niedrig oder Hochrisiko MDS). Daneben geben prädiktive FaktorenAufschluß über ein Ansprechen auf spezifische Therapien. Vor einer Therapieentscheidungmüssen aber alle Ressourcen des Patienten in Betracht gezogen werden, bestimmteSeite 44


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalBehandlungsoptionen kommen nicht für jeden Patienten in Frage, insbesondereBegleiterkrankungen sind zu berücksichtigen.Therapie: Zunächst sind die Behandlungsziele zu klären. Wenn ein natürlicher Verlauf überviele Jahre zu erwarten ist, ist die Verbesserung der Symptomatik (hauptsächlichVerbesserung des Blutbilds und Erzielung einer Transfusionsunabhängigkeit) wichtiger, beikurzer erwarteter Überlebenszeit muß naturgemäß die Lebensverlängerung angestrebtwerden, wobei in diesem Fall auch schwerwiegendere unerwünschte Therapiewirkungen inKauf genommen werden müssten. Der Erhalt der Lebensqualität ist ein zusätzlicherwesentlicher Faktor als Therapieziel. Eine Auswahl kann aus den drei Therapieoptionengetroffen werden:1. Supportive Therapie bezeichnet die rein symptomatische Behandlung der Erkrankung.Fehlende Blutzellen werden durch Transfusionen ersetzt, Infektionen behandelt.Wachstumsfaktoren können die Bildung von Blutzellen anregen: ein Teil der MDS Patientenspricht zumindest für gewisse Zeit auf Erythropoietin an, bei schweren Infektionen undgleichzeitig massivem Mangel an weißen Blutkörperchen wird G-CSF eingesetzt,plättchenstimulierende Wachstumsfaktoren werden in klinischen Studien geprüft. ChronischeTransfusionen mit roten Blutzellen führen zu einer Eisenüberladung des Körpers, derennegative Auswirkungen mittels Eisenchelationstherapie behandelt werden. SupportiveTherapie ist aber nicht nur Alternative sondern auch Basis aller anderen Therapieoptionen.2. Die Eliminierung der MDS Stammzelle kann durch Chemotherapien wie bei akutenLeukämien erzielt werden. Da mit Rückfällen zu rechnen ist, bietet nur eine anschließendeallogene Stammzelltransplantation die Möglichkeit dar, eine MDS Erkrankung auf Dauer zuheilen. Auf Grund der hohen Toxizität kommt diese Behandlung nur für einen kleinen Anteilder Patienten in Frage.3. Zielgerichtete Behandlungen versuchen die Krankheitsursachen in den Stammzellen zuerreichen und rückgängig zu machen.In den letzten Jahren wurde die Bedeutung epigenetischer Veränderungen für dieEntstehung von MDS Erkrankungen erkannt, bei Störungen werden wichtige Gene für dieBlutbildung und zur Verhinderung von Krebsentstehung nicht abgelesen. Therapien wurdenentwickelt, die darauf abzielen, die Genexpression wieder zu ermöglichen. DemethylierendeSubstanzen wie Azacytidin und Decitabine beeinflussen die Hypermethylierung, fürAzacytidin wurde in Studien ein deutlicher Überlebensvorteil gezeigt.Histondeacetylasehemmer haben Histondeacetylierung als epigenetischen Prozess als Ziel,eine Reihe von neuen Substanzen wird derzeit in Studien geprüft, am weitesten entwickelt istVorinostat, das bereits in der Lymphomtherapie verwendet wird.Mit der immunmodulierenden Substanz Lenalidomid konnten bei Niedrig Risiko MDS undinsbesondere bei 5q- Patienten Erfolge erzielt werden. Transfusionsunabhängigkeit isterreichbar, bei 5q- Patienten ist sogar die Normalisierung im Chromosomenbefund möglich.Für einen kleinen Anteil von Patienten, bei denen eine mögliche Unterdrückung derBlutbildung durch immunologische Prozesse besteht, kommen immunsuppressive Therapienmit Antithymozytenglobulin in Verbindung mit Cyclosporin in Frage. Diese Therapie istallerdings ebenfalls toxisch und daher auch von Seiten der Patientenfaktoren auf wenigePatienten beschränkt.Insgesamt haben die letzten Jahre bedeutende Fortschritte in der Therapie ergeben, aberauch die Patientenbetreuung auf den ersten Blick unübersichtlicher gemacht. Heterogenitätder Erkrankung aber auch unterschiedliche Patienteneigenschaften bedingenindividualisierte, auf einzelne Patienten zugeschnittene Therapien. In den Therapiezieleerleben wir bereits heute den Übergang von rein symptomatischen Therapien zu solchen, dieden Krankheitsprozess auf Stammzellniveau erfassen, den Leukämie Übergang verhindernbzw nachhaltig verzögern und das Überleben verlängern.Seite 45


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalUniv. Doz. Dr. Michael Pfeilstöcker3. Medizinische Abteilung mit Hämatologie/OnkologieHanusch Krankenhaus WienOA Dr. Otto KriegerKrankenhaus der Elisabethinen LinzAktuelle Behandlungsmöglichkeiten im Überblickund Fragestunde zu Ihrer persönlichen SituationRaum für Notizen:Seite 46


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalOA Dr. Otto KriegerKrankenhaus der Elisabethinen LinzBehandlung spezieller Nebenwirkungen bei MDSSeite 47


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8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalOA Dr. Niklas Zojer1. Med. Abteilung – Zentrum für Onkologie und HämatologieWilhelminenspital WienBedeutung der wichtigsten Laborparameter beiMultiplem Myelom und Lymphomen sowie MDSBlutbild, Nierenwerte, Elektrophorese, Immunfixation, Bestimmung der freienLeichtketten usw.Was bedeutet es, wenn das β-2 Mikroglobulin erhöht ist oder die Leichtketten im Serum beiVerlaufskontrollen sinken? Diese und andere Fragen sollen in diesem Vortrag geklärtwerden. Für das Myelom wurde eine Broschüre erstellt „Das multiple Myelom – WichtigeBefunde besser verstehen“ (Herausgeber: Myelom- und Lymphomhilfe Österreich), mit dereine schriftliche Unterlage zum Thema zur Verfügung steht. Der Schwerpunkt liegt aufBefunden, die zum Verständnis der Myelomerkrankung wichtig sind. Für Interessierte seieine Webseite der Labormedizin des Wilhelminenspitals empfohlen, in der in auch für Laienverständlicher Form die Bedeutung verschiedener Laborparameter in großer Ausführlichkeitdargestellt wird: www.med4you.atRaum für Notizen:Seite 51


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalUniv. Doz. Dr. Eberhard GunsiliusUniversitätsklinik für Innere Medizin VMedizinische Universität InnsbruckAutologe Stammzelltransplantation, Chancen und RiskenNachdem mit einer konventionellen Behandlung (z.B. Velcade®-hältig) dieMyelomerkrankung möglichst weit zurückgedrängt wurde, kommt häufig als weitereMaßnahme die Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation zum Einsatz, umden Behandlungserfolg weiter zu verbessern. Bei der autologen Stammzelltransplantationwerden die eigenen Blutstammzellen, die zuvor mittels einer speziellen Maschine gesammeltwurden (Stammzellapherese) und zwischenzeitlich in flüssigem Stickstoff gelagert wurden,über eine Infusion zurückgegeben. Vorher erfolgt eine Chemotherapie, meistens mithochdosiertem Melphalan. Melphalan ist eine Substanz die sehr gut beim multiplen Myelomwirkt. Allerdings hat dieses Medikament als Nebenwirkung die Schädigung desKnochenmarks. Würde man hochdosiertes Melphalan ohne nachfolgende Blutstammzellengeben so wäre ein viele Wochen dauernder schwerer Mangel an weißen Blutkörperchen,roten Blutkörperchen und Blutplättchen die Folge. Dadurch kann es zu Infektionen kommen,zu Blutungen und zu Symtomen der Blutarmut wie Schwäche und Kreislaufprobleme. Umdies so weit wir möglich zu verhindern werden nach der Melphalaninfusion meistens amübernächsten Tag die Blutstammzellen zurückgegeben. Diese Blutstammzellen sind die„Mutterzellen“ der Blutbildung und suchen sich von alleine den Weg ins Knochenmark undfangen dort an wieder Blutzellen zu bilden. Dadurch kommt es schnell, in der Regelinnerhalb von 10-14 Tagen zur Erholung des Blutbildes. Während dieser Zeit wird manstationär von einem speziell geschulten Ärzte- und Pflegeteam betreut, da aufgrund des oftfür einige Tage völligen Fehlens der weißen Blutkörperchen eine hohe Infektionsgefahrbesteht. Auch nach der Behandlung muss man für einige Monate Medikamente zurVorbeugung gegen Infektionen einnehmen. Einige Tage nach der Behandlung kann es zuSchäden an der Mundschleimhaut kommen mit Schmerzen. Zum Schutz der Nieren erhältman vor und nach der Hochdosisbehandlung spezielle Infusionen. Mittel gegen Übelkeitwerden vorbeugend gegeben.Die autologe Stammzelltransplantation kann bei vielen Patienten die Dauer der Remission,also den Zeitraum wo die Myelomerkrankung nicht aktiv ist, deutlich verlängern und gehörtzu den Standardbehandlungen beim multiplen Myelom. Diese Behandlung kann auchwiederholt werden, z.B. wenn die erste Behandlung sehr gut gewirkt hat aber dieMyelomerkrankung nicht ganz verschwunden ist. Auch bei einem Rückfall ist prinzipiell eineerneute Stammzelltransplantation möglich. Da die Myelomerkrankung bei allen Patientenunterschiedlich verläuft, wird auch der Zeitpunkt der Hochdosisbehandlung beiverschiedenen Patienten anders sein.Insgesamt ist die Hochdosistherapie mit autologer Blutstammzelltransplantation einebelastende Behandlung, die Nebenwirkungen können aber in aller Regel gut beherrschtwerden. Todesfälle aufgrund von Komplikationen sind sehr selten. Auch ältere Patientenkönnen diese Behandlung erhalten wenn sie „fit“ sind. Da in vielen Fällen dieMyelomerkrankung damit über Jahre zurückgedrängt werden kann überwiegen die Vorteileklar.Seite 52


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalOA Dr. Hedwig Kasparu1. Innere AbteilungKrankenhaus der Elisabethinen LinzMultiples Myelom und die NierenNiereninsuffizienz, Vorbeugung und BehandlungsmöglichkeitenDie Niere ist ein häufig betroffenes Organ im Rahmen der Diagnose eines MultiplenMyeloms. Bereits bei der Hälfte der Patienten ist zum Zeitpunkt der Diagnosestellung derKreatininwert erhöht, 20-30 % haben eine Nierenfunktionseinschränkung und ca.10 % der Patienten benötigen eine Dialyse. Meistens liegt ein akutes Nierenversagen vor.Die Ursache der Nierenschädigung ist eine Ablagerung der übermäßig produzierten freienLeichtketten.Bei Vorliegen einer Nierenfunktionseinschränkung ist ein sofortiger Therapiebeginnnotwendig. Zuerst müssen weitere Ursachen einer Nierenschädigung (z.B. erhöhterKalziumspiegel im Blut, Einnahme von bestimmten Medikamenten, Flüssigkeits- mangel undInfektionen) ausgeschlossen und gegebenenfalls behoben werden. Die wichtigsteMaßnahme ist die Behandlung der Myelomerkrankung. Durch den Einsatz der neuenMedikamente wie Thalidomid, Bortezomib oder Lenalidomid kann bei bis zu 2/3 derPatienten die Nierenfunktion gebessert werden. In vielen Fällen werden bereitsdialysepflichtige Patienten wieder dialysefrei.Seite 53


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalIm Laufe der Myelomerkrankung ist es notwendig konsequent die Nierenfunktion zuüberwachen um eine Verschlechterung rechtzeitig erkennen zu können. Zusätzlich ist esnotwendig auf die Nierengesundheit besonders zu achten.Hier einige nützliche Hinweise :Seite 54


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalWie schon erwähnt kann durch einen raschen Therapieeinsatz, sowie durch das Vermeidenzusätzlicher nierenbelastender Situationen eine Dialysefreiheit erhalten werden. Durch diemoderne Myelomtherapie ist die Nierenfunktionseinschränkung beherrschbar geworden.Seite 55


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalOA Dr. Adalbert Weißmann1. Medizinische Abteilung mit OnkologieWilhelminenspital WienMultiples Myelom und die KnochenEntstehung von Osteolysen, Wirbelkörpereinbrüche, Kyphoplastie, Behandlung mitBisphosphonaten, Strahlentherapie.Aktuelles zur Kiefer-Nekrose. Wie wichtig ist Zahngesundheit insgesamt?Das Multiple Myelom ist eine Erkrankung, die meist im Knochenmark durch eine bösartigeEntartung der Plasmazellen entsteht und somit auch den Knochen selbst betrifft. Es kann infortgeschrittenen Stadien zur Auflösung der gesunden Knochenstruktur, zur Ausbildung vonOsteolysen kommen. Diese gefährden durch die Zerstörung der regulärenKnochenarchitektur deren Stabilität, was zu Schmerzen und Knochenbrüchen führen kann.Im Bereich der vertikal belasteten Wirbelkörper zeigt sich das meist in Form vonKompressionsfrakturen, die Knochen werden einfach zusammengedrückt. Das ist sowohlschmerzhaft als auch gefährlich für das Rückenmark, es kann zu Querschnittslähmungenkommen. Außerdem kann das im Rahmen der Knochenauflösung übermäßig freigesetzteCalcium im Blut zu erheblichen Stoffwechselkomplikationen führen.Natürlich versucht man nach Diagnosestellung diesen Problemen vorzubeugen. Das kannvor allem durch die effiziente medikamentöse Behandlung der Grunderkrankung gelingen,wie auch durch präventive Unterstützung des Knochenstoffwechsels. Dafür stehenmittlerweile zwei verschiedene Strategien zur Verfügung: Bisphosphonate und monoklonalehumane Antikörper gegen RANK-Liganden.Sind bereits Osteolysen aufgetreten, bietet sich in erster Linie eine Strahlentherapie derbetroffenen Region an, Knochenbrüche müssen nicht selten operativ stabilisiert werden. Beifrischen Kompressionsfrakturen der Wirbelkörper besteht die Möglichkeit einer neuerlichenAufrichtung der originalen Wirbelform durch einen kleinen chirurgischen Eingriff, einerKyphoplastie. Allerdings muss die Indikation sehr sorgfältig gestellt werden, da meist diebenachbarten Wirbelkörper ebenfalls sehr fragil sind. Zu all diesen Maßnahmen werden inder Regel begleitend Bisphosphonate verabreicht.Allerdings muss im Rahmen der Behandlung mit Bisphosphonaten das Thema derKiefernekrose sehr sorgfältig beobachtet werden, wobei es zu einer Zerstörung desKieferknochens aus noch nicht vollständig geklärter Ursache kommen kann. BekannteRisikofaktoren sind jedenfalls bestimmte Präparate, die Dosierung und Dauer der Therapie,sowie Infekte im Bereich der Zähne und des Zahnfleisches. Sorgfältige Hygiene und einezahnärztliche Sanierung evtl. bestehender Probleme vor Therapiebeginn ist somit obligat.Seite 56


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalSusie NovisPräsidentin der IMFDipl.LSB Christina Ochsner,MASPsychoonkologie/Palliative Care1.Med.Abteilung-Zentrum für Hämatologie und OnkologieWilhelminenspital WienÜbersetzung durchOA Dr. Kathrin Strasser-WeipplNur für Angehörige – Wie geht es IHNEN mit der Erkrankung?(Beitrag von Christina Ochsner, MAS)Als Angehörige sind Sie ebenso Betroffene. Nicht im selben Ausmaß wie der Patient, Siesind „Betroffene der 2.Ebene“. Das körperliche und seelische Leiden eines nahestehendenMenschen konfrontiert uns mit unseren eigenen Ängsten und Fragen, denen wir uns nurungern stellen. Hinzu kommt, dass unsere Gesellschaft im Umgang mit Schwerkranken nichtgeübt ist.Auch Sie - nicht nur der Erkrankte - sind mit den Gefühlen der Ohnmacht und Hilflosigkeitkonfrontiert. Es wird oft der Zustand eines Dilemmas beschrieben: hilfreich undunterstützend sein zu wollen, gleichzeitig aber selber Hilfe und Unterstützungnotwendig(=um die Not zu wenden) zu benötigen.In dieser Situation empfehle ich das Angebot der Psychoonkologie in Anspruch zu nehmen.Sei es, um sich selber stützen zu lassen, über eigene Ängste und Sorgen frei sprechen zukönnen, als auch um Hilfestellung im Umgang mit dem kranken Menschen zu bekommen.Was ist hilfreich?Vorweg wäre zu empfehlen, den Schwerpunkt nicht ausschließlich auf Defizite zu legen,sondern mehrheitlich Stärken, Kraftquellen, Ressourcen zu fokussieren.In diesem Zusammenhang sollte man allerdings auf die „Dosierung des positiven Denkens“achten. Niemand kann in dieser Lage durchgehend „positiv“ sein. Um mit dieser Diagnoseumgehen zu können, ist es wichtig Platz für Gefühle wie Wut, Niedergeschlagenheit,Verzweiflung, Angst und Trauer zu ermöglichen.Diese „negativen“ Gefühle zuzulassen und gemeinsam auszuhalten ist eine große Hilfe undsehr verbindend. Wir Menschen kommen einander dabei sehr nahe. Je offener undauthentischer wir sein können, besonders in schwierigen Lebensphasen, umso mehr fühlenwir uns verstanden, geborgen und getragen.Verlässliche, offene = ehrliche Nähe in dieser Situation ist für beide Seiten „heilend“.Hilfe anzunehmen ist definitiv ein Zeichen der Stärke, nicht der Schwäche. Nützen Siesämtliche Möglichkeiten, die Ihnen angeboten werden – egal ob einmalig, regelmäßig oderbei Bedarf immer wieder.Nur ein gestützter und gestärkter Angehöriger ist seinem lieben Kranken hilfreich!Letztendlich gilt: die Lebensqualität des sozialen Umfelds hat großen Einfluss auf dieLebensqualität des Patienten!Seite 57


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalElisabeth FischerErnährungsexpertinErnährungstipps bei KrebserkrankungenGesund Genießen – Powerplus für den AlltagDas richtige Essen gibt Kraft und schützt, während der Therapie, aber auch danach imAlltag. Nicht nur Sie, sondern Ihre ganze Familie profitieren davon.Eine vollwertige, gesunde Ernährung ist erwiesenermaßen ein Schutzprogramm für denganzen Körper. Viel Obst und Gemüse, reichlich Kartoffeln, Getreideprodukte, Hülsenfrüchteund Sojaprodukte, pflanzliche Öle dazu öfters Meeresfisch und fettarme Milchprodukte. BeimFleisch heißt es ab und zu kleinere Portionen, die aber von bester Qualität. Ein Essen, dasso zusammengesetzt ist versorgt mit einer ausgewogenen Nährstoffmischung: reichlichaufbauendes Eiweiß, genug energieliefernde Kohlenhydrate und wertvolle Fettsäuren. Dazuist es reich an Vitaminen, bioaktiven Substanzen und Mineralstoffen. Dieses Essenverhindert Übergewicht, schützt Herz und Gefäße, macht die Knochen fest und stärkt dasImmunsystem.Dieses Essen ist aber nicht nur gesund, sondern schmeckt auch hervorragend. ProbierenSie neue Rezepte aus, wagen Sie sich an überraschende Gewürzmischungen, schwelgenSie in frischen Kräuter und schöpfen Sie aus dem Vollen - aus dem Garten der Naturkommen ganz im Einklang mit den Jahreszeiten immer neue frische Genüsse.Seite 58


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalOA Dr. Karin VonbankMedizinische Universität WienKörperliche Aktivität und Bewegung zur Steigerung der LebensqualitätDie meisten chronischen Erkrankungen führen zu einer Verminderung derLeistungsfähigkeit. Früher hat der Arzt den Patienten sogar dazu aufgefordert, sich zuschonen und körperliche Aktivitäten zu vermeiden. Mittlerweile hat sich die Meinunggeändert und man ist sich der zahlreichen positiven Effekte eines regelmäßigen Trainingshinsichtlich der Gesundheit bewusst. Dennoch hat das Training bei Krebserkrankungen erstrelativ spät seinen Stellenwert gefunden. Die meisten Studien konnten bislang deneindrucksvollen präventiven Effekt des Trainings auf Krebserkrankungen zeigeninsbesondere betreffend Prostata-, Brust-, Ovarien, sowie Dickdarmerkrankungen.Die Lebensqualität vieler Patienten ist jedoch nicht durch die Krebserkrankung limitiert,sondern vorwiegend durch die zahlreichen Nebenwirkungen, die mit den entsprechendenTherapien (Operationen, Chemotherapie, Bestrahlungen) einhergehen. Insbesondere diezunehmende Müdigkeit sowie der Verlust der Leistungsfähigkeit führen zu einer starkeingeschränkten Lebensqualität, und dies unabhängig von der Grunderkrankung. Diemeisten Studien haben sich bislang mit Brustkrebspatientinnen beschäftigt, die Zahl derStudien, die sich mit Myelom Patienten und dem Effekt von Training während bzw. nachTherapie beschäftigt haben, sind allerdings in den letzten Jahren zunehmend. Training führtzu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität mit Reduktion der Müdigkeit,Zunahme der Leistungsfähigkeit, sowie einer antidepressiver Wirkung mit deutlicherStressreduktion.Als mögliche Trainingstherapie stehen einerseits das Ausdauertraining und andererseits dasKrafttraining zur Verfügung. Ausdauertraining in Kombination mit Erythropoetingabe zeigtebei Patienten mit Myelom eine signifikant bessere Lebensqualität als eine Erythropoetingabealleine. Die Art des Ausdauertrainings ist nicht entscheidend (Radfahren, Laufen, Nordicwalking, Gehen), wichtig ist eine Kontinuität des Trainings über einen längeren Zeitraum,sowie die Durchführung des Trainings mit einer entsprechenden Intensität.Krafttraining ist insbesondere für Patienten mit stark eingeschränkter Leistungsfähigkeit undentsprechendem Abbau der Muskulatur bedeutend. Durch den Muskelaufbau sind diePatienten in weiterer Folge in der Lage ein entsprechendes Ausdauertraining durchzuführen.Patienten mit Myelom, wo es zur Umstrukturierung des Knochenaufbaus und darausresultierendem erhöhtem Frakturrisiko kommt, ist Krafttraining zur Stabilisierung derMuskulatur ein entscheidender Faktor und kann ohne relevanten Nebenwirkungendurchgeführt werden, wenn das Training unter entsprechender Anleitung und Abstimmungauf die Grunderkrankung durchgeführt wird.Zusammenfassend ist anzumerken, dass Training eine sinnvolle Maßnahme ist, die zu einerdeutlichen Verbesserung der Lebensqualität führt, wobei eine entsprechende Anleitung undMotivation zur Durchführung des Trainings entscheidend ist.Seite 59


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalMR Dr. Jutta HellanMedizinische Universität WienFragestunde zur Komplementärmedizin und zu Wechselwirkungen von Medikamentenund Nahrungs(ergänzungs)mittelnSie haben die Möglichkeit, direkt Ihre Fragen zu stellenTumorpatienten suchen zunehmend nach Methoden, die einerseits durch Anregung vonSelbstheilungsprozessen die Heilungschancen verbessern und andererseits einlebenswertes Leben mit der Krankheit ermöglichen sollen. In dieser Situation nehmen dieBetroffenen und auch deren Angehörige alles in Anspruch, was angeboten wird oft ohne zuwissen, ob es sinnvoll oder manchmal auch gefährlich ist. Deshalb ist es wichtig mit dembehandelnden Onkologen jegliche Zusatztherapie abzusprechen. Komplementär bedeutet jaunterstützend und begleitend.Raum für Notizen:Seite 60


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalElfi Jirsa (Myelom u. Lymphom Hilfe Österreich) undOA Dr. Otto Krieger (Krankenhaus der Elisabethinen Linz ) im DialogTipps für das Arzt-Patienten Gespräch, ZweitmeinungWelche Fragen sollten Sie nach der Diagnose stellen, wann ist eine Zweitmeinung sinnvollMit diesem Informationsblatt wollen wir Ihnen eine Hilfestellung für ein Gespräch mit Ihrembehandelnden Arzt geben und Sie ermuntern, ohne Scheu und Ängste mit IhremVertrauensarzt alle Sie bewegenden Fragen zu diskutieren um Probleme beseitigen zukönnen.1. Diagnosemitteilung des behandelnden ArztesDie Mitteilung einer Krebsdiagnose ist für Patienten und Arzt eine belastende Situation.Sie sollten – auch wenn Sie wie in einem Schock- (Trance-) Zustand sind – die sichaufdrängenden Fragen sofort stellen, um damit die Aussichten auf Besserung oderHeilung gleich evaluieren zu können. Machen Sie sich auch gleich einen Termin(möglichst ohne Hektik) für ein Folgegespräch aus!2. Das zweite Gespräch und die TherapieplanungIn dieses Gespräch können Sie gefasster und gut vorbereitet gehen: Sie haben überlegt,was die Diagnose für Sie bedeutet (und dieselbe Diagnose wird unterschiedlichinterpretiert), haben die Meinung Ihrer nächsten Angehörigen gehört und sich vielleichtanderweitig (z.B. Freunde, befreundete Ärzte, Internet, Selbsthilfegruppe) informiert.Besprechen Sie dies alles mit Ihrem Vertrauensarzt und entscheiden Sie, ob Sie mit Ihmden weiteren Krankheits- und Therapieverlauf erleben wollen. Fragen Sie ihn alles, wasIhnen am Herzen liegt! Denken Sie daran: „Es gibt keine dummen Fragen, nur dummeAntworten!“Falls Sie Zweifel über die vorgeschlagene Therapie hegen oder zutiefst verunsichert sind,ob Therapie A besser ist als Therapie B, fragen Sie Ihren Vertrauensarzt, ob er Ihneneinen Kollegen nennen könnte, zu dem er selbst bezüglich einer Zweitmeinung gehenwürde! Tun Sie dies nicht ohne das Wissen Ihres Arztes – damit wird nur Misstrauenhervorgerufen. Und denken Sie daran, dass auch Spezialisten sich immer wieder mitKollegen wegen schwieriger Therapieplanungen absprechen. Die Tumorboards, dieschon in jedem Krankenhaus selbstverständlich sind, sind auch eine Diskussionsrundevon Spezialisten (z.T. unterschiedlicher Fächer). Diskutieren Sie auch die Empfehlungenmit Ihrem Praktischen Arzt und fragen Sie ihn um seine Meinung!3. Was tun, wenn die Therapie nicht den erwünschten Erfolg verspricht?Sie sollten um ein neuerliches (ausführliches) Gespräch mit Ihrem behandelnden Arztbitten, damit die Zweittherapie-Möglichkeiten besser verstanden werden und fragen Sieihn um die – aktuellen – Chancen, mit Ihrer Krankheit leben oder (trotzErsttherapieversagens) überleben zu können. Auch hier kann eine Zweitmeinung sinnvollsein!Die gleiche Situation stellt sich, wenn (unerwartet) die Krankheit nach einer Remission (=der Arzt kann die Krankheit nicht entdecken) wieder auftritt.Seite 61


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie Pflegepersonal4. Was bedeutet Heilung für Sie?Es gibt (immer mehr) Krebserkrankungen, die heute geheilt werden können. Ob man diesnach 1 Jahr, 5 Jahren oder 20 Jahren nach Diagnosestellung sagen kann, hängt von derArt der Krankheit ab. Viele Patienten können dann ein „normales“ Leben führen, manchehaben jedoch an Folgeschäden der Erkrankung und/oder Therapie zu leiden. ErkundigenSie sich, welche – und wie häufig – Folgeschäden auftreten könnten. Wie kann man demvorbeugen?5. Komplementäre Therapiemassnahmen, EigeninitiativeBitte nehmen Sie keine Zusatztherapien ohne Wissen Ihres Vertrauensarztes! MancheSubstanzen sind harmlos und als Unterstützung sinnvoll; manche (auch natürliche)Kräuter sinnlos und gefährlich! Seien Sie immer kritisch mit „marktschreierischen“Anboten!6. Was tun bei nicht heilbarer, weit fortgeschrittener Tumorerkrankung?Wenn die Ihnen verabreichten Medikamente nicht mehr den gewünschten Effekt zeigen,so sollten Sie ein ehrliches (wahrhaftiges) Gespräch mit Ihrem Arzt suchen. Trotzfehlenden Tumoransprechens gibt es heute viele palliative (=symptombessernde)Massnahmen, die Ihnen helfen können. Es gibt keine „austherapierte“ Patienten! Derbetreuende Arzt sollte Ihnen immer zur Seite stehen und Ihnen Hilfestellung anbieten!Wir hoffen, wir konnten Ihnen einen „kleinen Leitfaden“ für das Arzt-Patienten Gesprächmitgeben! Fordern Sie Ihren Arzt, er kommt Ihnen mit Empathie entgegen und behandelt Sieals Person! (nicht die Tumorerkrankung!) Verzeihen Sie, dass aus Einfachheitsgründen diemännliche Person im Text vorkommt – natürlich gilt dasselbe auch für Ärztinnen!Elfi JirsaVizepräsidentin der SelbsthilfegruppeMyelom- und Lymphomhilfe ÖsterreichWie gehe ich um mit dem Thema Zweitmeinung,wie gelingt das Arzt-Patienten-Gespräch erfolgreichIm Laufe meiner Karriere als Patientin habe ich für mich gelernt, dass jeder auch ein großesStück Eigenverantwortung trägt, die Verantwortung für Information, Therapie, Lebensqualitätnicht dem Arzt „umhängen“ darf. Das Verhältnis soll partnerschaftlich sein, geprägt vonVertrauen, ich kann mit meinem Arzt alles besprechen. Ich darf auch andere Spezialisten umRat fragen, wenn ich unsicher bin. Aber ich muss mit offenen Karten spielen. Mein Arzt hältdas aus, sieht das nicht als Misstrauensvotum. Es geht schließlich um mein Leben.Als Laie kann ich nicht beurteilen, welchen Wissensstand mein Arzt hat, wie viele Kongresseer besucht, wie er sich weiterbildet, kennt er die neuesten Therapien? Ich habe auch gelernt,vor allem durch Gespräche mit anderen Patienten, dass man sich am besten in einemKrankenhaus behandeln lässt, das viel Erfahrung mit unseren seltenen Erkrankungen hat.Wenn kein solches in der Nähe des Wohnortes ist, sollte man in einem Zentrum oder beieinem ausgewiesenen Spezialisten einen Therapieplan erstellen lassen und im Wohnortnahen Krankenhaus die Therapie durchführen lassen (Beispiel Dr. Krieger - Amstetten).Ich gehe als Patient auch sorgsam mit der Ressource Zeit um, das bedeutet, dass ich michvor einem Gespräch mit meinem Arzt vorbereite. Ich informiere mich, möglichst ausSeite 62


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie Pflegepersonalverlässlichen Quellen, das Internet ist dafür nur bedingt geeignet, ganz schlimm sind meinerMeinung nach Foren, denn da kursieren oft haarsträubende Geschichten. Auf den Websitesunserer SHG findet man überprüfte Links und Beiträge von Experten, wir versenden auchinformative Broschüren. Ideal ist es, sich die Fragen, die man stellen möchte, zu notieren,eventuell schon vorab per Mail an den Arzt zu schicken. Beim Gespräch ist man aufgeregt,vergisst vielleicht Wichtiges zu fragen, blendet Unangenehmes aus. Man sollte auchüberlegen, eine Person des Vertrauens mitzunehmen, das gibt Sicherheit.Heutzutage sind die meisten Ärzte komplementären Therapien gegenüber aufgeschlossen,denn wenn diese Maßnahmen die Lebensqualität verbessern, kann sich das auch positiv aufdie schulmedizinischen Therapien auswirken. Aber es ist ganz wichtig, dass derbehandelnde Arzt darüber informiert ist. Denn selbst so scheinbar banale, gesunde Dingewie Grapefruitsaft können die Wirkung einer Chemotherapie stören. Und Versprechungenvon Wunderwuzzis, die für ihre Safterln und Pulverln etc. den Leuten das Geld aus derTasche ziehen, denen sollten Sie sowieso nicht trauen. Stichwort Breuss-Saftkur,Immunsystem stärkende Mittel, hoch dosierte Vitamine etc. Ihr Arzt kann da fundiertAuskunft geben.Es ist aber auch ganz wichtig, dass Sie Ihren Arzt informieren, wenn Sie von anderen Ärzten(Allgemeinmediziner, Fachärzte) Medikamente und Therapien verschrieben bekommen.Beim MM können z. B. Schmerzmittel schädlich für die Niere sein. Wenn Sie eineBisphosphonat-Therapie bekommen, müssen Sie Ihren Zahnarzt wegen möglicherKomplikationen bei invasiven Behandlungen informieren. Auf unserer Website kann man einInfo-Blatt für den Zahnarzt als pdf herunterladen. Elke Weichenberger, die leider letztes Jahrverstorbene Gründerin unserer Gruppe hat es gemeinsam mit Herrn Prof. Ludwig erstellt.Manche der Therapien haben unangenehme Nebenwirkungen – bitte sprechen Sie sofort mitIhrem Arzt darüber. Sie können dann gemeinsam überlegen, ob es sinnvoll ist, die Dosis zureduzieren oder, wenn die Nebenwirkungen sehr stark sind, eine andere Therapie zuversuchen. Eine gute Sache ist es, ein Patienten-Tagebuch zu führen und zum Arzt-Gespräch mitzubringen. Darin sind Ihre unmittelbaren Eindrücke über Ihr Befinden, überSchmerzen, Übelkeit etc. enthalten. Manche Menschen neigen dazu, Unangenehmesherunter zu spielen, weil sie den Arzt nicht enttäuschen wollen ...Bitte bedenken Sie, die Krankheit sollte nicht Ihr Lebensmittelpunkt sein, sie verdient sich nurso viel Aufmerksamkeit, wie für Ihre Lebensqualität nötig ist. Das Leben ist der Mittelpunkt.Lernen Sie das Schöne sehen, freuen Sie sich am Kinderlachen, an einem schönenSonnenuntergang, an guter Musik. Jede Minute ist kostbar. Genießen Sie sie ...Seite 63


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalUniv. Prof. Dr. Johannes DrachUniv. Klinik für Innere Medizin IKlinische Abteilung für OnkologieMedizinische Universität WienUniv. Prof. Dr. Ulrich JägerKlinische Abteilung für Hämatologie und HämostaseologieUniversitätsklinik für Innere Medizin IMedizinische Universität WienUniv. Prof. Dr. Heinz LudwigVorstand der 1. Med. Abteilung – Zentrum für Onkologie und HämatologiePast-Präsident der Europ. Gesellschaft für med. Onkologie (ESMO)Wilhelminenspital WienAsk the Experts(mit Fragekarten)Raum für Notizen:Seite 64


8. Internationales SymposiumMultiples Myelom, Lymphome und MDSfür PatientenInnen, Angehörigeund ÄrzteInnen sowie PflegepersonalProf. Dr. Brian C.M. DurieCedars-Sinai Medical CenterLos Angeles, USAWie kann mein Lebensstil die Lebensqualität verbessern?Vortrag in EnglischÜbersetzung: OA Dr. Kathrin Strasser-WeipplSeite 65


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