Geriatrischer Patient

dgn2010.de
  • Keine Tags gefunden...

Geriatrischer Patient

Neurologische versusGeriatrische RehabilitationDr. H. L. UngerFA. f. Neurologie/Klinische GeriatrieGeriatrisches Zentrum im Kreis Ahrweilerwww.geriatrie-ahrweiler.deahrweiler.dewww.brohltalklinik.de


Veränderung der Altersstruktur bis zum Jahre 2040Anteil [%] / Jahr21 23 29 361413121517141713 13171314111211 1022 21 17 16> 60 Jahre50 - 60 Jahre40 - 50 Jahre30 - 40 Jahre20 - 30 Jahre0 - 20 Jahre1995 2000 2020 2040Jahrnach Prognos Gutachten 1998


Zur demografischen Situation... Die Alterung der Bevölkerung, insbesondere die rascheund erhebliche absolute und relative Zunahme der ZahlHochbetagter (80 Jahre und älter) führt zu einem Anstiegder Zahl multimorbider alter Menschen, die ein hohes Risikoaufweisen, hilfs- und pflegebedürftig zu werden. Bei gleich bleibender Inzidenzrate der Pflegebedürftigkeitnach SGB XI bis 2050 ist zu diesem Zeitpunkt von knapp 8Millionen Hochbetagten auszugehen, wovon 4,35 Mio Pflegebedürftige erwartet werden(Sachverständigenrat 2009)!


Eindeutige Rechtslage…Ob nach einem Herzinfarkt, einer Hüftoperation oder Tumorentfernung: Rund zweiMillionen Menschen in Deutschland nehmen jedes Jahr Rehabilitationsleistungenin Anspruch. Bislang herrschte bei Versicherten viel Verunsicherung darüber, beiwelchen Krankheiten oder Verletzungen man einen Anspruch auf „Reha“ hat, undOb sie von der Krankenkasse genehmigt wird. Jetzt gilt ohne Ausnahme: AlleLeistungen der medizinischen Rehabilitation sind Pflichtleistungen dergesetzlichen Krankenkassen, sowohl im ambulanten wie im stationären Bereich.Besonders wichtig: Das umfasst auch die Rehabilitation für ältere Menschen,die so genannte geriatrische Rehabilitation. Die Genehmigung sinnvollerRehamaßnahmen liegt jetzt nicht länger im Ermessen der Krankenkasse.Infoblatt der Bundesregierung Nr.004, Stand April 2007


Altersdiskriminierungin der MedizinIm Prinzip ist das Altwerdenbei uns erlaubt, aber es wirdnicht gern gesehen.Dieter Hildebrand


Aktuelle Situation zur Rehabilitation Nach dem Finanzbericht des BMG sind die Leistungsausgaben fürPflegebedürftige in den vergangenen 10 Jahre um 30% auf 20,3 Mrd. €gestiegen! Krankenkassen-Ausgaben für Rehabilitation sind dagegen starkrückläufig und betragen nur noch 1% des Gesamtvolumens derKosten im Gesundheitswesen (Rehaanteil sank seit 2000 um dieHälfte)!


Grundsatz Reha vor Pflege wird ignoriert!…“Seit vielen Jahren fordert der SoVD eine konsequentereUmsetzung des Grundsatzes Rehabilitation vor und bei Pflege.Dieser Grundsatz wird durch die verantwortlichen Rehabilitationsträger,insbesondere die Krankenkassen völligignoriert. Wir hoffen sehr, dass das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz,welches am 1. Juli 2008 in Kraft tritt, hier eine spürbareVerbesserung bringen wird“.Dr. Gabriele Kuhn-ZuberSozialverband Deutschland e.V.11. 06. 2008


Ausgaben für Rehabilitation…


Konsequenzen… Rechtsanspruch auf eine Rehabilitationsleistung wird nicht beachtet Selbstbestimmte Teilhabe älterer Menschen am sozialen Leben wirderschwert Pflegebedürftigkeit wird begünstigt statt verhindert, die letztlich dieSolidargemeinschaft auffangen muss (bereits durch Verschiebung derPflegebedürftigkeit um 3,5 Monate haben sich die Kosten für einegeriatrische Rehabilitation amortisiert!) Gewährte Leistungen entsprechen oft nicht dem anerkanntenmedizinischen Erkenntnisstand Betroffene und Angehörige müssen sich aktiv bemühen, um dieRealisierung des gesetzlichen Anspruches auf eine geriatrischeRehabilitation


Können wir uns eine angemessene Versorgungunserer alten Menschen nicht mehr leisten? Nur noch 1 % der jährlichen Gesundheitsausgaben-Kosten gehen zu Lasten derRehabilitation Nur 1,5% des jährlichen Ausgabenzuwachses im Gesundheitswesen ist auf diealternde Gesellschaft zurückzuführen Ein viel größerer Kostenfaktor ist der medizinische Fortschritt und die zunehmendeTechnisierung der Medizin Es ist nicht belegt, dass ältere Menschen davon profitieren Experten sind sich einig, dass Rationierungsmaßnahmen in der Altersmedizin keineKosten sparen werden!Quelle: Prof. Häussler, IGES


Entschiedenes Handeln für unsereälteren Menschen fehlt…Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit fürRationierungsentscheidungen und die in ihnenenthaltenen Wertentscheidungen ist wünschenswertund bedarf seriöser und fundierterInformationen, bedarf einer breiten offenenDiskussion statt eines verdeckten Agierens.Was ganz offensichtlich fehlt ist ein klares,entschiedenes Handeln für unsere älterenMenschen!!!


Handlungsbedarf Die geriatrische Versorgung in Deutschland muss sich weiterentwickeln Die Akteure müssen zukünftig stärker vernetzt werden Alle Beteiligten – insbesondere die Politik- sind hierbei gefordert


Na so was…


Geschichtliche Hinweise... Ignaz Nascher: in Wien geborener US-Arzt , prägt 1909den Begriff „Geriatrie“ in Analogie zum Begriff „Pädiatrie“. Dr Marjory Warren (West Middlesex Hospital,UK) 1935:She practiced comprehensive geriatric assessment andrehabilitation in 700 infirmary patients.“Pioneer of Geriatric Medicine”


Die Mutter der Geriatrie…Warren publizierte 1943 einen nur knapp zwei Seiten langen Artikel imBritish Medical Journal, indem sie auf überzeugende Weise ein FachgebietGeriatrie und eine spezielle geriatrische Abteilung im Krankenhaus fordert.Aufgrund ihrer beeindruckenden rehabilitativen Erfolge stellte sie die heutenoch gültigen Forderungen auf: Ältere Patienten benötigen besondere Abklärungs- und Therapiemethoden Kein Patient sollte in eine Pflegeeinrichtung verlegt werden, ohne dassvorher eine medizinische und psychosoziale Abklärung oder ein Rehabilitationsversuchstattgefunden hat.


Startschuss für die Geriatrie…International entwickelten sich in den 60er und 70er Jahrendes 20. Jahrhunderts geriatrische Versorgungssysteme bestehendaus den "drei Säulen" der Geriatrie als:1.) Geriatrie an Kliniken2.) Geriatrie in der stationären Pflege3.) Geriatrie in der ambulanten PflegeDies in den anglo-amerikanischen Ländern, Skandinavien undim übrigen Europa außer in Deutschland.


Und in Deutschland...Deutschland hat sich dieser internationalen Entwicklungerst viel später angeschlossen, sowohlinstitutionell (geriatrische Kliniken) als auch fachlich.


Geriatrische Versorgungsquoten in Krankenhäusern undRehabilitationseinrichtungen pro 10.000 Einwohner > 65 J.(Stand 2006); Versorgungsstrukturen sehr heterogen!


Vertragsstatus geriatrischer Kliniken inDeutschland... Geriatrische Krankenhausabteilungen(§ 39 SGB V i.V.m. § 108/109 SGB V)• stationär• teilstationär Geriatrische Rehabilitationseinrichtungen(§ 40 SGB V i.V.m. § 111 SGB V)• stationär• teilstationär


Was ist Geriatrie?Geriatrie ist das medizinische Fachgebiet für die Alterungsprozesseund die präventiven, diagnostischen, therapeutischen und rehabilitativenAspekte der Erkrankungen alter Menschen.Die gesundheitliche Gesamtsituation alter Menschen wird häufigdurch das gleichzeitige Vorkommen mehrerer Krankheiten undderen Folgen, altersbedingter Veränderungen sowie gesundheitlichrelevanter Lebensumstände und Lebensgewohnheiten geprägt.Dies erfordert speziell auf die Situation der alten und in besonderemMaße hilfsbedürftigen Menschen abgestimmte komplexe Behandlungs-bzw. Rehabilitationsangebote.


Querschnittsfach Geriatrie


Was umfasst Geriatrie? Die akut-/organmedizinische Behandlung Die Frührehabilitation (=Akutbehandlung mit gleichzeitigerfunktioneller Therapie und psychosozialem Management) Die indikationsübergreifende Rehabilitationvon geriatrischen Patienten.


Was ist ein geriatrischer Patient?Ein geriatrischer Patient ist definiert durch...• Höheres Lebensalter (in der Regel 70 Jahre oder älter;Abweichungen von diesem strikten Kriterium sind möglich,bedürfen jedoch einer Begründung)und• Geriatrietypische Multimorbidität


Geriatrietypische MultimorbiditätFrailty („Altersgebrechlichkeit“)ImmobilitätSturzneigungKognitive DefiziteDecubitalulceraFehl- und MangelernährungStörungen im Elektrolyt- und FlüssigkeitshaushaltDepression, AngststörungChronische SchmerzenSensibilitätsstörungenHerabgesetzte körperliche BelastbarkeitStarke SehbehinderungAusgeprägte SchwerhörigkeitInkontinenz


Geriatrietypische MultimorbiditätWeitere für das geriatrische Syndrom relevanteSachverhalte… Mehrfachmedikation Herabgesetzte Medikamententoleranz Häufige Krankenhausbehandlung


Geriatrischer Patient – HochrisikopatientDer Geriatrische Patient ist ein Hochrisikopatient,• der aufgrund eingeschränkter Reservekapazitäten• und/oder schon manifester oder latenter Funktionsbeeinträchtigungenin Gefahr steht, bereits durch• relativ banale zusätzliche Erkrankungen oder• sonstige Veränderungen sogenannter KontextfaktorenDauerhaft• wesentliche Einbußen seiner bisherigen funktionellen Selbständigkeit zuerleiden• oder in Pflegeabhängigkeit zu geraten bzw. diese zu vergrößern.


Beziehungsgeflechtzwischen Krankheiten undgeriatrischen Syndromen


Ein geriatrischer Patient hat folgendes Profil ... Biologisches Alter mit physiologischen Altersveränderungen Multiple chronische Erkrankungen und multiple funktionelle Einschränkungenin wechselseitiger Beeinflussung Große intra- und interindividuelle Schwankungsbreite der Normalwerte Atypische Symptompräsentation Somatisch, kognitiv und affektiv erhöhte Instabilität und verringerteAnpassungsfähigkeit Fehlende sektorielle Begrenzung eines Organschadens Kritisch begrenzte Kompensationsfähigkeit Reduzierte Spontanrekonvaleszenz Drohende Immobilisation Oft unzureichende oder fehlreagierende Unterstützungssysteme Biographische Krisensituation Notwendigkeit der Rehabilitation


Früherkennung…Elementar ist dabei das frühzeitige Erkennen der Notwendigkeiteiner geriatrischen Rehabilitationsmaßnahme…1. während einer stationären Krankenhausbehandlung,2. bei ambulanter Behandlung durch die an vertragsärztlicherVersorgung teilnehmenden Ärzte3. vor allem auch bei Pflegebegutachtung nach SGB XI, wo dieMDK-Gutachter zu potentiellen Weichenstellern für diegeriatrische Rehabilitation werden können, was allerdingsnach bisherigen empirischen Hinweisen nicht bedarfsgerechterfolgt.Alt und abgeschoben?


Antragsrelevante HauptdiagnosenTypische antragsrelevante Hauptdiagnosen beim geriatrischenPatienten sind: Zustand nach Schlaganfall, Zustand nach hüftgelenksnahen Frakturen, Zustand nach operativer Versorgung mit Totalendoprothesen vonHüfte und Knie, Zustand nach Gliedmaßenamputation bei peripherer arteriellerVerschlusskrankheit oder diabetischem Gefäßleiden.Ebenso finden sich bei geriatrischen Patienten neurologische, kardiopulmonaleund muskuloskelettale Erkrankungen wie auch Tumor- und Stoffwechselerkrankungenals Hauptdiagnosen.


Was ist ein geriatrischer Rehabilitand?Erfüllt der geriatrische Patient die Indikationskriterien fürdie geriatrische Rehabilitation, d.h. Rehabilitationsbedürftigkeit Rehabilitationsfähigkeit Positive RehabilitationsprognoseWird aus ihm ein potentieller geriatrischer Rehabilitand.


Was ist ein geriatrischer Rehabilitand?


RehabilitationsbedürftigkeitRehabilitationsbedürftigkeit besteht, wenn als Folge einerSchädigung bei Vorliegen von voraussichtlich nicht nurvorübergehenden Fähigkeitsstörungen oder drohenden oderbereits manifesten Beeinträchtigungen über die kurativeVersorgung hinaus eine medizinische Rehabilitationerforderlich ist.


Geriatrische RehabilitationsfähigkeitBei geriatrischen Patienten sind Besonderheiten der Rehabilitationsfähigkeitzu beachten.Sie verfügen im Unterschied zu Patienten, für die eine indikationsspezifischeRehabilitation in Betracht kommt, über eine herabgesetztekörperliche, psychische oder geistige Belastbarkeit und zeichnen sichdurch größere Hilfsbedürftigkeit aus.Damit auch diese Patienten die erforderlichen, auf ihre speziellenBedürfnisse zugeschnittenen Rehabilitationsleistungen erhalten, sind dienachstehenden niedrigschwelligeren (Einschluss-)Kriterien für dieIndikationsstellung einer geriatrischen Rehabilitation zu berücksichtigen.


Geriatrische Rehabilitationsfähigkeit istgegeben, wenn...... wenn alle nachfolgend genannten (Einschluss-) Kriterien erfüllt sind: Die vitalen Parameter sind stabil. Die bestehenden Begleiterkrankungen, Schädigungen und typischen Komplikationenkönnen vom ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Personal der geriatrischenEinrichtung behandelt werden. Die Stabilität des Kreislaufs und die allgemeine psychische und physische Belastbarkeitdes Patienten erlauben, dass er mehrmals täglich aktiv an rehabilitativen Maßnahmenteilnehmen kann.Niedrigschwelligere Kriterien wegen herabgesetzter körperlicher, psychischer undkognitiver Belastbarkeit geriatrischer Patienten!!!


Geriatrische Rehabilitationsfähigkeit ist nichtgegeben, wenn:...wenn mindestens eines der nachfolgend genannten (Ausschluss-)Kriterienerfüllt ist: Fehlende Zustimmung des Patienten zur Rehabilitation Fehlende oder nicht ausreichende Belastbarkeit, die die aktive Teilnahme verhindert(z.B. nach Frakturen und nach Gelenkoperationen) Stuhlinkontinenz, wenn diese Ausdruck einer weit fortgeschrittenen geistigen undkörperlichen Erkrankung ist Begleiterkrankungen bzw. Komplikationen, die eine aktive Teilnahme an derRehabilitation verhindern, z. B.o Desorientiertheit,o Weglauftendenz,o Erhebliche Störung der Hör- und Sehfähigkeit,o Lage und Größe eines Dekubitus, Probleme am Amputationsstumpf,o Schwere psychische Störungen wie schwere Depression oder akute Wahnsymptomatik.


Positive RehabilitationsprognoseEine positive Rehabilitationsprognose ist anzunehmen, wennmindestens eines der nachfolgend genannten Kriterien zutrifft:: Beseitigung/alltagsrelevante Verminderung der Beeinträchtigung(en)der Aktivitäten durch Verbesserung der Selbsthilfefähigkeitsind erreichbar, Kompensationsmöglichkeiten zur Alltagsbewältigung sind mitnachhaltigem Erfolg anzuwenden (trainierbar) und/oder Adaptionsmöglichkeiten, welche die Beeinträchtigungen derTeilhabe vermindern, können erfolgreich eingeleitet werden.


Antrag auf geriatrische RehabilitationUm Ihnen unnötige Arbeit und Zeitverzögerung durch Nachfragen des MDK,Ablehnungen, Widersprüche, ect. zu ersparen, anbei folgende Arbeitshilfe beimAusfüllen von Reha-Anträgen für die Geriatrische Rehabilitation:Aus dem Antrag auf geriatrische Rehabilitation sollte hervorgehen: Der Pat. ist n. Abschluss der kurativen Behandlung rehabilitationsbedürftig. Er ist rehabilitationsfähig und hat eine positive Rehabilitationsprognose. Pflegebedürftigkeit kann vermindert oder abgewendet werden/ Selbstständigkeitverbessert oder wiederhergestellt werden Aufgrund der Multimorbidität und der funktionellen Ausfälle ist einekomplexe geriatrische Rehabilitationsmaßnahme erforderlich, indikationsspezifischeReha/ambulante Heilmaßnahmen sind nicht ausreichend! Vor allem sollten auf dem Antrag mindestens drei realistische, alltagsnaheRehabilitationsziele der der folgenden Liste vermerkt sein; die pauschaleFormulierung „Mobilisierung“ ist in der Regel nicht ausreichend.


Geriatrische Rehabilitationsziele...Das Rehabilitationsziel der Geriatrie ist die dauerhafte Wiedergewinnung, Verbesserungoder Erhaltung der Selbstständigkeit bei den alltäglichen Verrichtungen,damit ein langfristiges Verbleiben in der gewünschten Umgebung möglichwird. Angestrebt wird dies u.a. durch- Verbesserung der Mobilität,- Verbesserung der sozialen Integration,- Vermeidung/Verminderung der Abhängigkeit von Pflegepersonen.Alltagsrelevant können in diesem Zusammenhang z.B. sein- Erreichen der Stehfähigkeit,- Erreichen des Bett-Rollstuhl-Transfers,- Verbesserung der Rollstuhlfähigkeit,- Erreichen des Toilettenganges/persönliche Hygiene,- Selbstständige Nahrungsaufnahme,- Selbstständiges An- und Auskleiden,- Gehfähigkeit über mehrere Treppenstufen, Gehfähigkeit innerhalb undaußerhalb der Wohnung,- Tagesstrukturierung.


Was bringt Geriatrie?Wirksamkeit geriatrischer InterventionsprogrammeInternational existiert ein abgesicherter geriatrischer Wissensstand. In über40 Evaluationsstudien ist nachgewiesen, dass geriatrische Interventionsprogrammezu einer Senkung der Mortalität Vermeidung von Pflegeheimeinweisungen Verbesserung der funktionalen Gesundheit und Selbstständigkeit Erhöhung der Lebensqualität Verkürzung des stationären Aufenthaltes ... führen!Die vor allem bei folgenden Erkrankungen:SchlaganfallAmputation im Bereich der unteren ExtremitätenProximale FemurfrakturenKardiovaskuläre Erkrankungen


Ergebnisse in RLP und deren NachhaltigkeitDie sehr guten Ergebnisse der geriatrischen Rehabilitation in RLP werdenhalbjährlich vom MDK veröffentlicht in einem Handbuch: Nahezu 90 % der Patienten können mit erheblich verbesserten funktionellenFähigkeiten wieder in Ihre häusliche Umgebung zurückkehren. Ferner ist der Nachweis erbracht, dass die erzielten Effekte bezüglich derSelbstständigkeit auch nachhaltig sind und nach 1 Jahr noch bestehen! Auch international ist in über 40 Evaluationsstudien die Wirksamkeitgeriatrischer Interventionsprogramme hinreichend belegt.


Vorteile der Geriatrischen MedizinGeriatrie = gewichtende und wertende Zusammenschau vielerFachgebiete im Dialog mit dem Patienten unter Vermeidung einerfachspezifischen Aufsplitterung; keine isolierte Betrachtungvon TeilkomponentenExpertise im Management von Kombination von kurativer und rehabilitativer Medizin Multimorbidität Multimedikation Ethische Aspekte von Hochbetagten Organisation von ambulanter Versorgung Wohnortnahe Versorgung in überschaubarem Rahmen


Geriatrische Rehabilitation und Demenz


Geriatrische Rehabilitation und Demenz


Der lange Weg...Der lange Weg...


Rehabilitationsform? Qual der Wahl...Stationäre Rehabilitation Alle Patienten, die eine kontinuierliche medizinische Überwachung oder pflegerischeBetreuung benötigen Patienten mit schwerer Einschränkung der Selbsthilfefähigkeit (keine oder nur sehrgeringe Eigenleistung bei ADL) Patienten nach neurochirurgischen OP (sofern eine teilstationäre Behandlung nichtmöglich ist)Teilstationäre Rehabilitation Grundsätzlich gilt der Grundsatz "ambulant/teilstationär vor stationär" Das Wohnen Zuhause muss möglich sein (Tagesklinik, Mo.-Fr., 8.00-16.00 Uhr) Patienten benötigen eine multiprofessionelle, teamintegrierte Behandlung (KG, ET, Logopädie, evtl.Neuropsychologie) Patienten mit leichter Einschränkung der Selbsthilfefähigkeit. Patienten mit mittelschwerer Einschränkung der Selbsthilfefähigkeit nur, wenn pflegerische Betreuungzu Hause möglich ist und Transportfähigkeit besteht (mit PKW) Spezielle psychopathologische und neuropsychologische Defizite (Depression, Aphasien, Apraxien,Neglect). Die Orientierung muss eine teilstationäre Behandlung zulassen. Entfernung nicht > 45 min.Mobile Geriatrische RehabilitationRein ambulante Therapie (Behandlung auf Rezept) Entspricht nicht den Kriterien einer multiprofessionellen, teamintegrierten Rehabilitation. Daher nur beimonofunktionellen Störung ohne Beeinträchtigung der Selbstständigkeit.


Überschneidungen zur neurologischen Rehabilitation…ergeben sich v.a. bei älteren Schlaganfallpatienten. Primär an eine geriatrische Reha zudenken ist bei folgenden Konstellationen (in Anlehnung an das VersorgungskonzeptNeurorehabilitation der Ostkantone der Schweiz und die Stellungsnahme der DGNR):1. Gebrechliche (frail) / multimorbide Betagte (i.d.R. älter als 80) mit Rehabilitationspotenzial(v.a. bezüglich der Aktivitäten des täglichen Lebens)2. PatientInnen, die medizinisch instabil bzw. während der Rehabilitation vonden verschiedenen Erkrankungen interkurrent bedroht (mit entsprechendemRisiko / medizinischem Interventionsbedarf) und auf eine intensive geriatrisch-aktivierendePflege (mit 24-Stunden-Konzept) angewiesen sind3. PatientInnen, die bezüglich ihrer therapeutischen Möglichkeiten in derRehabilitation dauerhaft reduziert bzw. stark schwankend belastbar sind4. PatientInnen, die wegen ihrer psychosozialen Kontextfaktoren (z.B. zurStabilisierung/Sicherung ihres sozialen Umfeldes) wohnortnahe Reha ben.5. Die Rehabilitation kann grundsätzlich auch in geriatrischen Einrichtungenerfolgen, wenn der hierfür erforderliche neurologische Sachverstand mitPlanungs- und Entscheidungsbefugnis für die Diagnostik und Therapievorhanden ist und wenn die Einrichtung die für neurologische Patientenadäquate Struktur und personelle Ausstattung aufweist.


Überschneidungen zur neurologischenRehabilitation… PatientInnen, die mehrere Kriterien (darunter die Kriterien 1oder 2) erfüllen, haben eher Bedarf an einer (eher wohnortnahen)geriatrischen Rehabilitation und weniger an einer(häufig wohnortfernen) spezialisierten Neurorehabilitation. Eine eindeutige Grenzziehung zwischen geriatrischerRehabilitation und spezialisierter Neurorehabilitation aufgrundallgemeingültiger patientenbezogener Kriterien bzw.entsprechender Scores ist heute aber nicht möglich. Schlüsselfaktor aber bleibt die geriatrietypische Multimorbidität,die eine breiter angelegte Rehabilitation über dieFachgrenzen hinweg erforderlich macht.


Es bleibt eine Unschärfe…Dabei ist zu berücksichtigen, dass – vor allem auf Grund der Vielfalt undVielgestaltigkeit der medizinischen und psychosozialen Betreuungserfordernissebeim alten Patienten – eine in jedem Fall eindeutige undreproduzierbare Differenzierung zwischen den Indikationen für einegeriatrische und indikationsspezifische Rehabilitation allein mit Hilfe dieserBegutachtungs-Richtlinie nicht möglich ist. Es wird eine „Restmenge“von alten Patienten bleiben, bei denen die genannten Kriterien imEinzelfall durch eine nachvollziehbare Empfehlung des Gutachterssinnvoll ergänzt werden müssen.Bei der Umsetzung der sozialmedizinisch fundierten Zuweisungsempfehlungfür die (geriatrische) Rehabilitation durch die Krankenkasseist auch zu berücksichtigen, ob die benötigte geeignete Versorgungsstrukturregional vorhanden ist. Steht diese nicht zur Verfügung, so wirdempfohlen, den geriatrischen Rehabilitanden in eine geeigneteEinrichtung der indikationsspezifischen Rehabilitation einzuweisen.


FallbeispielFür eine 74-jährige Patientin mit Schlaganfall (linkszerebral)wird eine Maßnahme zur Anschlussrehabilitation beantragt:


Gleiche Diagnose, andere Konstellation…


KlassifizierungBefund-/Faktenkonstellation 1:Es handelt sich nicht um eine geriatrische Patientin, da keine geriatrietypischeMultimorbidität vorliegt, d.h. kein eindeutiges geriatrisches Syndrom (a), es bestehen nur geringe Einschränkungen der Selbstständigkeit im Alltag (b) und es liegt kein hohes Risiko von Krankheitskomplikationen vor (c).Befund-/Faktenkonstellation 2:Es handelt sich eindeutig um eine geriatrische Patientin, da geriatrietypische Multi-Morbidität vorliegt, d.h. ein ausgeprägtes geriatrisches Syndrom (Hemiplegie, Sehbehinderung, Dauerkatheter)(a) es bestehen erhebliche Einschränkungen der Selbstständigkeit im Alltag (arthrosebedingteMobilitätseinschränkung)(b) und es liegt ein relativ hohes Risiko von Krankheitskomplikationen (z.B. Stürze, Infektionender ableitenden Harnwege u.a.) vor (c).


Vielen Dank für IhreAufmerksamkeit!

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine