Überleben Extra Kirchentag 2003 - Bundesverband Information und ...

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Überleben Extra Kirchentag 2003 - Bundesverband Information und ...

extraMai 2003Liebe BesucherInnendes ersten ÖkumenischenKirchentags,es ist eine gute Tradition der Kirchentage,auf den „Märkten derMöglichkeiten“ gesellschaftliche Initiativenmit ihren vielfältigen Anliegenvorzustellen. Man erlebt hautnah,wie viele Menschen sich in unseremLand engagieren. Man spürtaber auch, dass auf dem Weg zu einerwirklich humanen Gesellschaftnoch viel zu tun bleibt.In unserer Initiative arbeiten jungeDeutsche mit Überlebenden nationalsozialistischerVerfolgung in allerWelt zusammen. Unser Ziel: Gerechtigkeitfür die Überlebenden, Sicherungihrer Menschenwürde inden letzten Jahren ihres Lebens.Dazu gehört auch eine materielleKompensation ihrer Leiden. Deutschlandbleibt auch in seiner aktuellenökonomischen Krise verantwortlichfür einen gesicherten letzten Lebensabschnittderjenigen, die es so brutalmisshandelt hat.Auf unserem Stand im Themenbereich„Lebendige Geschichte“,(Halle 3 obere Ebene, Stand B42) undin dieser Sonderausgabe von „überleben...“ziehen wir eine Zwischenbilanzdes Projektes Zwangsarbeiterentschädigung.Eine zwiespältige Bilanz:Zwar haben über eine MillionÜberlebende eine erste Rate der erstrittenen10 MilliardenDM erhalten. Eswird jedoch wahrscheinlichzwei weitereJahre dauern,bis die Auszahlungenabgeschlossenwerden können.Zehntausende, diedringend auf ihreGalina Stutschinskaja, geb. 1924, Häftling des KZ Auschwitz von 1943 bis 1945, fotografiertvon Manfred Linke für das Photoprojekt „Späte Gerechtigkeit...“. siehe S. 3Entschädigung für NS-Zwangsarbeit:Erfolgsbilanz mit EintrübungenIn regelmäßigen Abständen präsentiert die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung undZukunft“ beeindruckende Erfolgszahlen. Über 2,1 Milliarden Euro hat sie an über1,2 Millionen ehemalige NS-Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ausgezahlt.Ein Erfolg, gewiss, den man nicht klein reden soll. An einigen Stellen jedoch knirschtes im Stiftungsgebälk. Ein Bericht von Lothar Evers, der für unseren Bundesverbandim Kuratorium der Stiftung die Interessen der Überlebenden vertritt.Seit den 90ern sind wir Jahr um Jahr indie Aktionärsversammlungen der deutschenGroßunternehmen gezogen, habenan deren mörderische Vergangenheit erinnert.In der ersten Reihe immer dabei:Hans Frankenthal, Auschwitzüberlebenderund langjähriger Vorsitzender unseresBundesverbandes. In aufrüttelndenWortbeiträgen hat er Entschädigung fürdie Opfer eingeklagt. Wir waren ein kleines,versprengtes Häuflein auf der Suchenach Gerechtigkeit. Die Reaktionen derVorstände waren mitleidig bis brutal:Man lachte uns aus, drehte uns dieMikrofone ab und nicht wenige machten richte konntenauch mit den Saalschützern in ihren wattiertenBomberjacken Bekanntschaft. liarden DM,jene zehn Mil-Lothar Evers Fortsetzung Seite 2 Hans Frankenthal hat dann immer l Seite 2„Mörder, Mörder!“ geschrien! In seinemKopf waren sie schlagartig wieder da: dieBilder aus Auschwitz. Wir waren so verschworenwie erfolglos. Ein jährlicherMerkposten, nicht mehr.Heute bestimmen wir darüber mit,wie über 5 Milliarden Euro an NS-ZwangsarbeiterInnen auszuzahlen sind.Das hätten wir noch 1997 nicht zu hoffengewagt. Class action hieß ab 1998 dasZauberwort, mit dem aus Habenichtsensatisfaktionsfähige Gegner der deutschenWirtschaft wurden. Nur mit Hilfe amerikanischerGe-BUNDESVERBANDINFORMATION &BERATUNG FÜRNS-VERFOLGTE


Entschädigung warten, werdendas nicht mehr erleben.Das Projekt Zwangsarbeiterentschädigungist mehr als einKampf um späte Gerechtigkeit. DieZahlungen aus Deutschland werdenvon den Überlebenden dringenderwartet, z.B. um nötige Reparaturenan ihren Dächern auszuführen,lebenswichtige Medikamentezu kaufen oder den Enkelnein kleines Extra zu gönnen. Dieseindividuellen Wünsche und Träumeder Überlebenden stehen imMittelpunkt der von dem KölnerFotograf Manfred Linke realisiertenund von uns unterstütztenAusstellung „Späte Gerechtigkeit...“.Erste Elemente der Ausstellungbilden den Mittelpunkt unseresAGORA-Standes.Gerechtigkeit für die Überlebendender NS-Verfolgung zu organisierengleicht gerade in Zeitender ökonomischen Krise dem Bohrendicker Bretter. Dafür brauchenwir Ihre persönliche Unterstützung.Darauf weist das Überweisungsformularam Ende dieserSonderausgabe von „überleben...“hin. Schon jetzt bedanke ich michsehr herzlich für Ihre Unterstützung.Lothar EversImpressumHerausgeber:Bundesverband Informationund Beratung für NS-VerfolgteHolweider Str. 13-15, 51065 KölnTel. 0221-17 92 94-0,Fax 0221-17 92 94-29www.nsberatung.deinfo@nsberatung.deRedaktion: Lothar Evers, Andreas Plake,Dr. Jost Rebentisch, Matthias Reinert,Sonja Schlegel, Michael Teupen.Fotos: Manfred LinkeAuflage: 4000 Stück im Mai 2003Verlag: GNN-Verlag mbHdie jetzt je zur Hälfte aufgebracht vonStaat und Wirtschaft die Stiftung bilden,erkämpft werden. So haben wir unserenin Deutschland aussichtslosen Kampfwenn schon nicht gewinnen, so doch respektabelbeschließen können. Nur HansFrankenthal hat sich nicht mehr mit unsfreuen können. Kurz vor Weihnachten1999 ist er gestorben.Im Tausch gegen unsere Klagen gibtes nun die „Stiftung Erinnerung, Verantwortungund Zukunft“, wie – leicht pompös– der offizielle Titel lautet. Seitdem istes vorbei mit der Gleichberechtigung.Bundesregierung und deutsche Wirtschaftgerieren sich wie echte Stifter. Längst habensie vergessen, dass hier eine vor Gerichterstrittene Vergleichssumme zu verteilenist. Statt dessen frönen sie dem altenStiftermotto: „Wer zahlt, bestimmt!“.Und für uns heißt es erneut: wachsamsein! Denn da fliegen schon mal ganzeOpfergruppen wie die italienischenMilitärinternierten aus der Leistungsberechtigung.Die Zinsen der Wirtschaftfehlen bis heute. Beim Währungsumtauschgehen Millionen Euro verloren.Und ob bei der Geldanlagepolitik derStiftung unter Regie der drei deutschenGroßbanken alles mit rechten Dingenzugeht, darf getrost bezweifelt werden.Stolz auf das Erreichte sind wir trotzdem.Aber manchmal spüren wir HansFrankenthals alte Wut, seinen bebendenZorn in uns. Und werden etwas schärferim Tonfall.Lothar EversRot-Grün beschließt Renten für Ghetto-Häftlinge und spielt Verstecken:Das steht im Gesetz, und dableibt das auch?Nach dem rot-grünen Wahlerfolg in derBundestagswahl 1998 herrschte Aufbruchstimmungauch bei den Überlebendennationalsozialistischer Verfolgungund deren Unterstützern. DerKampf um die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiterbeherrschte die Medien. Wenigerspektakulär ging es auf einer anderenGerechtigkeits-Baustelle der ersten rotgrünenBundesregierung zu. ZumSchluss der Legislaturperiode im Sommer2002 beschloss das Parlament einstimmigdas „Gesetz zur Zahlbarmachungvon Ghettorenten“ (ZRBG). Unterbestimmten Voraussetzungen kannnach diesem Gesetz Arbeit im Ghettoals Beitragszeit für die Rentenversicherunganerkannt werden. Damit wurdeden oft unter schwierigen materiellenBedingungen im Ausland lebenden früherenGhetto-Häftlingen die Zahlungeiner bescheidenen deutschen Altersrenteeröffnet.Die Urheberschaft für den Sinnspruch„Das steht im Gesetz, und dableibt das auch“ wird AltbundeskanzlerKonrad Adenauer nachgesagt. Betrachtetman, wie die Bundesregierung mitdem einstimmig verabschiedeten ZRBGumgeht, spürt man Adenauers zeitloseAktualität. Alle Berechtigten des neuenGesetzes leben zwar im Ausland. AufÖffentlichkeitsarbeit im allgemeinen,oder gar in den Heimatsprachen der Berechtigtenhat man in Berlin aber getrostverzichtet. Die eine oder andere deutscheBotschaft der Bundesrepublik präsentiert(in deutsch natürlich) ein Merkblattder Bundesversicherungsanstalt fürAngestellte auf ihrer Website. Wohl weilüber 70-jährige Ghetto-Häftlinge täglichim Internet surfen, um die neuestendeutschen Leistungsgesetze nicht zu verpassen.Fragt man bei den zuständigen Stellennach, kommt man aus dem Staunennicht mehr heraus. „Man wolle bei denÜberlebenden nicht falsche Hoffnungenwecken“, lautet die fürsorgliche Antworteiner Botschaft in Osteuropa.Einen Monat vor Antragsschluss am30. Juni 2003 sind die Überlebenden,die bereits eine Entschädigung ausDeutschland erhalten haben, über diesie vertretenden Anwaltskanzleien gutüber das neue Gesetz informiert. Diejenigenaber, die bisher leer ausgingen, habenkaum eine Chance, über ihre neuenRechte auch nur informiert zu werden,2überleben … extraBundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte


Ausstellungsprojekt„Späte Gerechtigkeit...“:Gesichter &WünscheHinter den Statistiken des Projektes„Zwangsarbeiterentschädigung“ steheneinzelne Menschen. Überlebende derNS-Zwangsarbeit – die meisten in denLändern Mittel- und Osteuropa – wartendringend auf ihre Entschädigung.Bisher haben alle höchstens eine ‚ErsteRate‘ erhalten. Die ging oft für den Kauflebensnotwendiger Medikamente drauf.Die meisten haben die Zahlungen ausDeutschland längst ausgegeben.Höchste Zeit, sich die individuellenPläne der Überlebende einmal genaueranzuschauen. Wofür brauchen sie dieEntschädigung? Welche Wünsche aktivierensie beim Warten darauf? Um diesekonkreten Hoffnungen geht es in derPhotoausstellung „Späte Gerechtigkeit...“des Kölner Fotografen ManfredLinke, die unser Bundesverband unterstützt.Linke reist an die Heimatorte derl Seite 4Weza Zamach, geb. 1925, von 1943 bis1945 zur Zwangsarbeit verschleppt. Portraitvon Manfred Linke für „Späte Gerechtigkeit...“geschweige denn bei deren Wahrnehmungunterstützt zu werden.Zusammen mit Organisationen derÜberlebenden und befreundetenRechtsanwälten haben wir versucht inletzter Sekunde das Schlimmste zu verhindern.Beispiel Tschechien: dort sind dieÜberlebenden des Ghettos Theresienstadtin der Theresienstädter Initiativegut organisiert. In der zuständigenRentenbehörde in Landshut lagen ganzeeinhundert Anträge vor, als wir mitden Theresienstädtern eine gemeinsameInfokampagne vereinbarten. Mitwirklich überschaubaren Mitteln wirdes uns binnen zwei Monaten gelingen,die Zahl der Antragsteller mindestenszu verfünffachen. Eigentlich nach demSozialstaatsprinzip des Grundgesetzesdie Aufgabe der für die Abwicklung desGesetzes zuständigen Behörden.Für zahlreiche andere Staaten werdenunsere Kräfte nicht reichen. Dahersollte der Deutsche Bundestag dringenddie Antragsfrist 30. Juni 2003 aufheben.Das zuständige Ministerium für Gesundheitund soziale Sicherheit wäre gutberaten, dieser Fristverlängerung zuzustimmenund umgehend die bisher versäumteInformationskampagne auf denWeg zu bringen. Unsere Erfahrungensteuern wir hierzu gerne bei.Lothar EversBundesverband Information undBeratung für NS-Verfolgte,Holweider Str. 13-15 . 51065 KölnZuwendungsbestätigung einerSpende bis 50,00 EUR zur Vorlagebeim FinanzamtWir sind wegen Förderung der Fürsorgefür politisch, rassisch oderreligiös Verfolgte nach dem Bescheiddes Finanzamtes Köln-Ost vom15.3.2001 (Az.: 218/5752/ 0366) als besondersförderungswürdig und gemeinnützigenZwecken dienend anerkannt.Eswird bestätigt, dass es sichnicht um Mitgliedsbeiträge, sonstigeMitgliedsumlagen oder Aufnahmegebührenhandelt und die Zuwendungnur zur Förderung der Fürsorge für politisch,rassisch oder religiös Verfolgteim Sinne der Anlage 1 zu § 48 Abs. 2Einkommensteuer-Durchführungsverordnungverwendet wird. Bank fürSozialwirtschaft, BLZ 370 205 00Kontonr. 7073101


!Beleg/Quittung für den AuftraggeberEmpfängerBundesverband Informationund Beratung für NS-Verfolgte e.V.Holweider Str. 13-15 . 51065 Köln70 73 101„...ich habe einen Kühlschrank gekauft, aber ich habe kein Geld für Zähneund eine Toilette. Die Toilette ist im Garten. Das ist sehr schlecht."“Weza Zamach in „Späte Gerechtigkeit...“Konto-Nr. des AuftraggebersEURAuftraggeber/EinzahlerBank fürSozialwirtschaft AG KölnSpendeBis 50,– EUR gilt dieser Beleg als Spendenbescheinung(s. Rückseite). Bei jedem Betrag über 50,– EUR schickt Ihnen derBundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte e.V.automatisch eine Spendenbescheinigung zu.Überweisungsauftrag / Zahlschein(Name und Sitz des beauftragten Kreditinstituts)Empfänger (max. 27 Stellen)Konto-Nr. des EmpfängersName des Spenders: (max. 27 Stellen) ggf. StichwortPLZ und Straße des Spenders (max. 27 Stellen)Kontoinhaber / Einzahler: Name, Ort (max. 27 Stellen)l von Seite 3Überlebenden, führt mit ihnen ausführliche Gesprächeund portraitiert ihren Alltag.In der Ausstellung, Premiere im Herbst 2003,werden 15 ehemalige Zwangsarbeiterinnen undZwangsarbeiter stellvertretend für über 1,2 Millioneneine Reisegruppe durch Deutschland bilden. 15 Doppelportraitsder Überlebenden werden ausgestellt.Jeder Reisende antwortet auf die Frage „Wenn ichmeine Entschädigung habe...“. Die Ausstellung wirdergänzt durch eine Toninstallation und – wenn die finanziellenMittel reichen – auch durch eine stets aktualisiertePräsentation im Internet. Neben dem Bundesverbandwird Linkes Projekt zum Redaktionsschlussdieser Ausgabe von „überleben...“ von der IG-Metall,der VG-Wort und dem Projekt „Gegen Vergessen –Für Demokratie“ unterstützt. Auf dem Stand desBundesverbandes zum ersten ökumenischen Kirchentagin Berlin zeigen wir erstmalig Elemente aus „SpäteGerechtigkeit...“.Sieben Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiterhat Manfred Linke bisher besucht. Für weitere achtBesuche, die Herstellungskosten der Ausstellung undderen Reise durch Deutschland suchen Bundesverbandund Fotograf noch Paten und Unterstützer.Nähere Informationen beim Bundesverband Informationund Beratung für NS-Verfolgte in Köln:info@nsberatung.de oder direkt bei Manfred Linkeeinzuholen.Zur Unterstützung des Projektes kann man auch denÜberweisungsträger auf dieser Seite nutzen. Bitte alsVerwendungszweck eintragen: „Späte Gerechtigkeit ...“.Lennart KolbergBundesverband Information und Beratung fuer NS-Verfolgte e.V.EURBetrag(Bankleitzahl)Bankleitzahl7073101 370 205 00BUNDESVERBANDINFORMATION &BERATUNG FÜRNS-VERFOLGTEBenutzen Sie bitte diesen Vordruckfür die Überweisung des Betrages vonIhrem Konto oder zur Bareinzahlung.Den Vordruck bitte nicht beschädigen,knicken, bestempeln oder beschmutzen.K tSPENDEQuittung des KreditinstitutsKonto-Nr. des KontoinhabersBitte geben Sie für dieSpendenbescheinigung IhreSpenden-/Mitgliedsnummeroder Ihren Namen undihre Anschrift an.DatumUnterschrift19

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