CIHD Magazin 22 12/2013 - Chinesischer Industrie- und ...

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CIHD Magazin 22 12/2013 - Chinesischer Industrie- und ...

AUSGABE 22 Dezember 2013 WWW.CIHD.DE € 5,00CIHD MAGAZINChinesischer Industrie & Handelsverband e.V. in Deutschland01020304InterviewInterviewGastbeitragMitglieder SpezialDr. Matthias MitscherlichVizepräsident des CIHDVorstandsvorsitzender a.A.MAN FerrostaalMike Olosky und HolgerElfes, Henkel AdhesiveTechnologiesChinas neue FührungProf. Dr. Anke ScheererDelegationenzu Gast beim CIHDDr. Matthias MitscherlichVizepräsident des CIHDVorstandsvorsitzender a.D.MAN Ferrostaal


12 I 2013 INHALTSVERZEICHNIS 3Inhalt05 11 17 29Dr. Matthias Mitscherlich Prof. Dr. Anke Scherer Prof. Dr. Jürgen Kretschmann Christian Wuttke0405GRUSSWORTProf.-Ing. Wolfgang LuanINTERVIEW IDr. Matthias MitscherlichChancen und Risiken in der chinesischdeutschenZusammenarbeit2831GASTBEITRAG IVFeldversuche:Entwicklungsstrategien der chinesischenStadtplaner im Perfl ussdeltaNACHRICHTENExperten erwarten weiterhin positivesWirtschaftswachstum081117INTERVIEW IIEröffnung des weltweit größtenKlebstoffwerkes "Dragon Plant" durch dieFirma Henkel in ShanghaiGASTBEITRAG IChinas neue FührungProf. Dr. Anke Scherer, CBS KölnGASTBEITRAG IITechnische Fachschule Georg Agricola -Partner für den chinesischen BergbauProf. Dr. Jürgen Kretschmann3741Beijing geht entschlossen gegenLuftverschmutzung vorDie chinesische Führung will neuenFahrplan für die WirtschaftKUNST & KULTURDas Goetheinstitut feiert sein 25jährigesBestehen in ChinaMITGLIEDER SPEZIALDelegationen zu Gast beim CIHD19WIRTSCHAFTIn der VR China ist Stillstand keine Option43UNTERNEHMENCERTUSS Dampfautomaten GmbH &Co. KG2226Chinas Investitionslandschaft wirdfacettenreicherGASTBEITRAG IIIFlughafen Frankfurt: PersönlicheEinkaufsberater für chinesische PassagierePräsidiums- & Beiratsmitglieder des CIHDAntragsformular für den Eintritt in denCIHDImpressumHerausgeber:CIHD - Chinesischer Industrie- undHandelsverband e.V. in DeutschlandZülpicher Straße 5, 40549 Düsseldorfwww.cihd.deRedaktion/Revision:Beate DethlefsJutta BourgeoisJing MaDruck:Druckstudio GmbHProf.-Oehler-Straße 1040589 Düsseldorf


05 12 I 2011 2013 D GRUSSWORT – WIRTSCHAFT 14 4Aktivitäten der Firma Henkel, die zur Zeitihre Präsenz in China massiv ausbaut. Wirfreuen uns daher besonders, dass Henkeluns in einem Interview Einblick gibt in seinChinageschäft.Prof.-Ing. Wolfgang Luan,Präsident des CIHDSehr geehrte Mitglieder und Freunde desCIHD, liebe Leser/innen,das Magazin begleitet Sie nun schon seitlängerer Zeit und bietet Ihnen eine – wie wirfi nden - interessante und anregende Lektüre.Vor Ihnen liegt nun die vierte und letzteAusgabe im Jahr 2013, bevor wir alle in dasneue Jahr 2014 starten.In China haben sich im ausgehenden Jahrbedeutende Dinge ereignet, was sich auchin den Themenbereichen des Magazinswiederspiegelt. Im kürzlich beendeten 3.Plenum der 18.Tagung des Zentralkomiteesder Kommunistischen Partei Chinas wurdendie Weichen gestellt zu mehr Markt und damitauch zu mehr Chancen für die deutscheWirtschaft in China. Aber auch Problemewerden deutlich beim Namen genannt:Umweltverschmutzung und entsprechendeGegenmaßnahmen sind ein großer Bereich,auch die erforderliche Verschiebungdes Schwergewichts der chinesischenWirtschaft von Investition und Export hinzum Binnenkonsum wird thematisiert. Fürdie deutsche Wirtschaft ergeben sich darausneue Chancen, sie muss aber mit einer immerstärker werdenden chinesischen Konkurrenzrechnen.Entgegen aller Unkenrufe hat es keineharte Landung der chinesischen Wirtschaftgegeben. Das Wachstum hat sich zwarverlangsamt, pendelt sich aber auf ein stabilesMaß ein, und alle Daten zeigen an, dassChinas Wirtschaft weiterhin gesund bleibenwird. Daher verstärkt auch die deutscheWirtschaft ihre Präsenz im Reich der Mitte.Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür sind dieAber in der chinesisch-deutschen Kooperationgeht es nicht nur um Wirtschaft, auch Kulturist ein wichtiger Träger zur Vertiefung des gegenseitigenVerständnisses und zu einem engerenZusammenwachsen meiner beidenHeimatländer China und Deutschland. DasGoetheinstitut ist hier ein ganz wichtigerHandlungsträger und kann auf 25 JahreEngagement in China zurückblicken. PeterAnders, der Länderdirektor China, gewährtuns einen spannenden Einblick in die Rolledes Goetheinstituts in China in den vergangenen25 Jahren.Was sonst noch ist wichtig, damit ein Verstehenbesser gelingen kann und was für Risikenentstehen im bilateralen Handel, wenn es unsnicht gelingt, das gegenseitige Verständniszwischen China und Deutschland zu vertiefen?Diesen Fragen geht mein verehrter undgeschätzter Freund Herr Dr. Mitscherlich imInterview nach.Frau Prof. Dr. Anke Scherer, Dekanin desFachbereichs International Culture andManagement an der Cologne BusinessSchool, erläutert in einem fachkundigenArtikel die neuen Führungsstrukturen,die sich im China des 21. Jahrhundertsherausgebildet haben. Detailliert zeigtsie die Veränderungen auf, die sich inden letzten Jahrzehnten innerhalb derchinesischen Führungsriege ereignet haben,und wiederlegt damit die oft anzutreffendenAnsicht, es gebe in China nur eine Meinung.Ich wünsche Ihnen nun wie immer eineinteressante und anregende Lektüre. Fürdie anstehenden Feiertage wünsche ichIhnen eine geruhsame und friedvolle Zeit mitIhren Familien und hoffe auf ein gesundesWiedersehen mit der 23. Ausgabe unseresMagazins im ersten Quartal des Jahres 2014.IhrWolfgang Luan


12 I 2013 INTERVIEW I 5Chancen und Risiken in derchinesisch-deutschenZusammenarbeitDr. Matthias MitscherlichVizepräsident des CIHDVorstandsvorsitzender a. D. MAN FerrostaalEin Interview mit Herrn Dr. MatthiasMitscherlichCIHD: Sie sind in der ersten Hälfte der 90erJahre zum ersten Mal nach China gereist.Wie intensiv ist Ihr Kontakt mit China vonden 90er Jahren bis heute verlaufen?Dr. Mitscherlich: Leider war der Kontaktzu China nie so intensiv, wie ich ihn mirgewünscht hätte. Das lag vor allem daran,dass die europäischen Preise den meistenchinesischen Unternehmen zu hoch erschienenund sie daher bereit waren, auf lokaleProdukte und vor allem Arbeitskraft zurückzugreifen,auch wenn hier nicht unbedingt derhöchste Technikstand erreicht wurde. Wirhaben daher nur in beschränktem Umfangnach China exportieren können. Im letztenJahrzehnt haben wir dann begonnen, denumgekehrten Weg zu gehen und Produkte ausChina bezogen. Heute finden die Kontaktein erster Linie im Rahmen meiner Tätigkeitbeim CIHD und bei der Firma Famous statt.CIHD: Ihre erste Chinareise fiel etwa indie Zeit, als Deng Xiao Ping mit seinerberühmten Reise nach Südchina denStartschuss gab zu einer phänomenalenwirtschaftlichen Entwicklung Chinas.Was waren damals Ihre ersten Eindrückein China? Wie nehmen Sie China imGegensatz dazu heute wahr?Dr. Mitscherlich: Unter Deng Xiao Ping ist inder Tat Großartiges geleistet worden. In einerZeit, in der der „Ostblock“ zusammenbrach,waren natürlich auch in der chinesischenFührung die Ängste vor unkontrollierbarenEntwicklungen groß. Mit der Politik dergrößeren ökonomischen Freiheit wurdenicht nur vermieden, dass sich die sicherlichvorhandene Unzufriedenheit in politischenUnruhen entlud, sondern gleichzeitig einVentil geöffnet, das es der gut ausgebildetenBevölkerung erlaubte, ihren Hunger nacheinem besseren Leben zu stillen. All dieskumulierte in einer unglaublichen wirtschaftlichenEntwicklung zum Wohle Chinas undseiner Bürger. Nicht vergessen darf manauch, dass ebenfalls in anderen Bereichenwie etwa der Rechtssicherheit große Schritteunternommen wurden. Allerdings ist hiernoch viel „room for improvement“, was derjetzigen Führung vollauf bewusst zu seinscheint. Man kann erwarten, dass sich hiereiniges bewegen wird. Aus meiner Sicht wirdes besonders wichtig sein, den Rechtsstaatweiter zu stärken und die Korruption einzudämmen,die ja ganz offensichtlich eingewaltiger Hemmschuh für eine positiveweitere Entwicklung ist. Wenn es Chinagelingt, die ökonomischen Freiheiten weiter zustärken bei gleichzeitiger Weiterentwicklungder individuellen Rechte – beides erklärteZiele - , kann es der Zukunft sehr optimistischentgegensehen.CIHD: In Ihrem Vortrag vor dem CIHDim Dezember 2012 behandeln Sie u.a.das Thema des mangelnden kulturellenVerständnisses zwischen China undDeutschland und die daraus entstehendenKonsequenzen in Form von Problemen


12 I 2013 INTERVIEW I6und Rückschlägen in der wirtschaftlichenKooperation. Welche Maßnahmen haltenSie für notwendig, um diesem Mangelabzuhelfen?Dr. Mitscherlich: Hier besteht immenserHandlungsbedarf auf allen Ebenen. Dasbeginnt mit der Politik, die sich viel mehr umChina bemühen müsste. Und dies weniger mitwohlgemeinten Ratschlägen zur Entwicklungdes Landes, die leicht als oberlehrerhaftempfunden werden, sondern mit einemAnsatz, der sich darum bemüht, China undseine Besonderheiten zu begreifen. Wir dürfennicht ständig unseren westlichen Standard alsMaßstab verwenden, sondern sollen endlicheinsehen, dass China eine andere Geschichte– im übrigen weniger „blutrünstig" als unsere– hat und ganz anderen Herausforderungengegenübersteht als die westliche Welt. Nurwenn dieses Verständnis die Basis ist, kanneine Kooperation wirklich greifen.CIHD: Wo liegen nach Ihren Erfahrungendie größten Unterschiede inder Zusammenarbeit mit chinesischenPartnern und daher auch die größten„Stolpersteine“?Dr. Mitscherlich: Die Stolpersteinebasieren auf den wesentlichen kulturellenUnterschieden. Die chinesische Seite ist eherpragmatisch und extrem kostenbewusst, diewestliche eher auf den letzten technischenStandard mit entsprechenden „Preisschildern“ausgerichtet. Auch in Fragen Copyright gibt esnach wie vor verschiedene Sichten. Allerdingsist festzuhalten, dass auch in China derWunsch nach technischem Fortschritt größerwird. Auch in Sachen geistiges Eigentum gibtes sehr positive Entwicklungen, wobei Gesetzeund deren Verinnerlichung noch nicht stetskongruent sind. Bemerken möchte ich hier,dass China sich gerade in der Gesetzgebungnach internationalem Standard enormweiterentwickelt hat. Wesentlich schneller imübrigen, als dies etwa Deutschland getan hat,als es sich zu einer industriellen Gesellschaftentwickelte. „Made in Germany“ war damalskein Qualitätszeichen, sondern eine Warnungvor Plagiaten, mit denen sich die weiterentwickelte englische Industrie schützenwollte. Wahrscheinlich nimmt „Made in China“dieselbe Entwicklung. Wiederum ist die Politikaber nur die Spitze des Eisbergs. Wesentlichist, dass eine grundlegende Kulturbarrierebesteht, deren Überwindung durch dieSprachbarriere erschwert wird.CIHD: China ist die zweitgrößteVolkswirtschaft nach den USA. Zu den USAbestehen seit langem enge Verbindungenauf allen Ebenen, die Weltsprache Englischwird in den allermeisten Fällen als ersteFremdsprache in deutschen Schulengelehrt. Chinesisch dagegen wird nachAngaben des Fachverband Chinesische.V. bundesweit in nur 60 weiterführendenSchulen als Wahlfach angeboten. Istdas Angebot zu gering? Halten Sie denAusbau des Chinesischunterrichts füreinen möglichen Weg, das gegenseitigeVerständnis zu vertiefen?Dr. Mitscherlich: Wie gesagt, die Spracheist ein Hauptproblem. Auch heute noch fälltbei Aufenthalten in China auf, dass dortFremdsprachenkenntnisse nach wie vor sehrwenig existieren. Selbst Englisch wird kaumgesprochen. Umso wichtiger erscheint es,dass in Deutschland mehr Chinesisch erlerntwird, viel, viel mehr. Wenn das gelänge,würde man sich einen unschätzbarenWettbewerbsvorteil verschaffen, unddazu einen tieferen Einblick in eine derbedeutendsten Kulturen der Weltgeschichte.Funktionieren wird das aber nur, wennman Mutterspachler(-innen) anheuert. Diesschon mangels entsprechender Kapazitätenin Deutschland. Aber auch wegen derzusätzlichen kulturellen Komponente, diedadurch entstünde.CIHD: Zuletzt der Blick in die Glaskugel:Wo sehen Sie China im Jahr 2049stehen und wo Deutschland? Ziel derchinesischen Führung ist, bis zum 100stenJahrestag der Gründung der VolksrepublikChina ihrer Bevölkerung ein Lebensniveauzu ermöglichen, das etwa dem derwestlichen Mittelschicht entspricht. Ist dasrealistisch? Wie wird das Deutschlandswirtschaftliche Position beeinflussen?Dr. Mitscherlich: 2049 werde ich, wennauch nicht ganz so wahrscheinlich, meinen100. Geburtstag feiern. Ich bin ziemlichüberzeugt, dass China dann in der Tat trotzseiner bis dahin wahrscheinlich deutlichmehr als 1,5 Mrd. Menschen bei seinemenormen Potential einen dem Westenvergleichbaren Lebensstandard habenwird. Dies natürlich nur, wenn es nicht zukriegerischen Auseinandersetzungen kommt.Hier bin ich eher optimistisch, was Chinaangeht, das in seiner Geschichte immerwieder gezeigt hat, dass es Aggressionenablehnend gegenübersteht. Allerdings gibt es


12 I 2013 INTERVIEW I 7auch noch andere „Player“, insbesondere dieUSA. Und wenn eine absteigende Macht aufeine aufstrebende trifft, ist für Konfl iktpotentialreichlich gesorgt. Wir können nur hoffen, dassalle Beteiligten vernünftig genug sein werden,ihr Schicksal nicht herauszufordern.Was Deutschland angeht, bin ich nicht sooptimistisch. Wenn, was wir zur Zeit beobachten,der Staat eine immer größere Rollespielt und dabei die Anspruchsgesellschaftimmer stärker fördert, wird das die Kreativitätund den Unternehmergeist des Individuumslähmen. Da dies aber die Grundlagen für das„deutsche Wunder“ waren und sind, würdedies Deutschland in eine sehr schwierigeLage bringen. Wenn es, was ich hoffe, gelingt,diese Entwicklung umzukehren, kann und wirdaber auch Deutschland weiterhin wirtschaftlicherfolgreich sein. Wenn dann auch noch dieBarrieren zu China überwunden sind, könntendiese beiden Länder eine Schlüsselrolle für2049 spielen. Zu wünschen wäre es!CIHD: Herr Dr. Mitscherlich, wir bedankenuns für das Interview.Herr Dr. Mitscherlich und seine Frau zu Gast beim Vizegouverneur der Provinz Anhui, Herrn Zhenchao YangChinesisch lernenLektion 12Chinesisch lernenLektion 13创 造 性(chuang zao xing)Kreativität信 任(xin ren)Vertrauen


12 I 2013 INTERVIEW II 8Eröffnung des weltweit größtenKlebstoffwerkes "Dragon Plant"durch die Firma Henkel inShanghaiMichael Olosky(Foto: Henkel Corporate Communications)von Michael Olosky, PresidentHenkel Asia Pacific, und HolgerElfesInterview mit Michael Olosky, RegionalPresident Asien/Pazifik und verantwortlichfür Adhesive Technologies über dieDragon Plant sowie weiterführendeInformationen von Holger Elfes, CorporateCommunications Business Unit and BrandPR Adhesive Technologies Henkel AG &Co. KGaAFrage: Was waren die wichtigsten Schritteauf dem Weg zur Verwirklichung diesesehrgeizigen Plans [Errichtung der DragonPlant]?Olosky: Unsere Mitarbeiter haben mit vollemEinsatz diese Fabrik auf die Beine gestellt.Wir haben den Standort im März 2011 ausgewähltund im August desselben Jahresden Grundstein gelegt. Dann begannen dieBauarbeiten, und schon im November 2012war das Dach des Hauptgebäudes fertig.Die Produktionsstätte ist eine 50-Millionen-Euro-Investition, und unsere Kunden sind immersehr beeindruckt, wenn sie die DragonPlant sehen. Dieser neue Standort ist diekonsequente Umsetzung unserer Strategie:Wir brauchen erstklassige Betriebsanlagen,Spitzenpersonal und die bestmöglichen Nachhaltigkeitsmaßnahmen,um unsere Ziele fürdas Jahr 2016 zu erreichen.Frage: Welchen Beitrag leistet die DragonPlant?Olosky: Die neue Fabrik treibt unser weltweitesGeschäft voran, stärkt unsere Kundenbeziehungenund verleiht unserenMarken in der Region Asien/Pazifik mehrDurchschlagskraft. Bei zahlreichen Besuchenhatten wir Gelegenheit, mit unseren Kundenüber deren Bedürfnisse zu sprechen. Wirhaben unser Portfolio angepasst und stellendie bestmöglichen Klebstoffe, Dichtmittelund Oberflächenbehandlungen für Kundenin der Automobil-, Verpackungs- und Luftfahrtindustrieher – um nur drei Kundengruppenzu nennen. Wir verfügen über innovativeTechnologien, mit denen wir uns vonanderen Herstellern unterscheiden, und unsereEffi zienz senkt Kosten, steigert die Profitabilitätunseres Gesamtgeschäfts underöffnet neue Möglichkeiten, die Produktionund Synergien in der Wertschöpfungskettewirksam einzusetzen.Frage: Was steht als nächstes an?Olosky: Unsere Strategie ist ja auf langfristigenErfolg in den Märkten ausgerichtet -und unsere neue Produktionsstätte hilftuns dabei. Innovation steht bei uns imMittelpunkt. Im Januar haben wir dasHenkel Display Center eröffnet. Das istein Forschungslabor für die Entwicklungvon Bildschirmen und Displays. Wir bauenaußerdem gerade ein neues ForschungsundEntwicklungszentrum, das Henkel inShanghai zu einem Innovationszentrummachen wird, das internationale Top-Talenteanzieht und unser Portfolio um neue Produktebereichert. Ich freue mich auf die kommendenHerausforderungen! Bis zum Jahr 2015werden wir die zweite Bauphase der DragonPlant beendet haben. Damit können wir noch


12 I 2013 INTERVIEW II 9mehr unterschiedliche Produkte herstellen.Und weiter wachsen!“Weitere Hintergrundinformationen durchHolger Elfes, Corporate CommunicationsBusiness Unit and Brand PR AdhesiveTechnologies Henkel AG & Co. KGaAFrage: Bitte stellen Sie uns das Profil derFirma Henkel kurz dar.Henkel: Henkel ist weltweit mit führendenMarken und Technologien in den dreiGeschäftsfeldern Laundry & Home Care(Wasch-/Reinigungsmittel), BeautyCare (Schönheitspflege) und AdhesiveTechnologies (Klebstoff-Technologien) tätig.Das 1876 gegründete Unternehmen hält mitbekannten Marken wie Persil, Schwarzkopfoder Loctite global führende Marktpositionenim Konsumenten- und im Industriegeschäft.Frage: Wann begann Henkel in China Fußzu fassen? Bitte stellen Sie uns HenkelsWerdegang in China kurz dar.Henkel: Um die asiatischen Märkte besserbearbeiten zu können, gründete Henkel1971 in Hongkong die Henkel Chemicals.Ab den 1980er Jahren verkaufte Henkel anchinesische Betriebe Klebstoffe, Industriereinigerund oleochemische Produkte. 1988eröffnete Henkel eine Repräsentanz in Pekingund unterstützte 1989 die Restaurierung einesTeilstücks der Chinesischen Mauer. Das erstechinesische Joint Venture startete Henkel1990 mit der Shanghai Henkel Chemicals.Über dieses Gemeinschaftsunternehmenwurden Industriereiniger, Oberflächenbehandlungschemikalienund Reinigungsprodukteproduziert und vermarktet.Henkel als Zulieferer für zahlreiche Branchenhat bereits 1990 eine erste Produktionsstättein China eröffnet. Von dieser ersten Fabriklieferte Henkel Produkte an Industriekunden,die bereits früh eine eigene Fertigungin China aufbauten. Seitdem produziertHenkel ununterbrochen und mit steigendenUmsatzzahlen in dem ostasiatischen Land.Frage: Bitte erläutern Sie den aktuellenStand Henkels in China, seine Umsätzeund Geschäftsziele. Was sind die Hauptgeschäftsbereicheder Produktion inChina? Wieviele Produktionsstätten hatHenkel bereits und an welchen Standorten?Wird dort für den chinesischen oder auchfür den deutschen Markt prouziert?Henkel: Henkel produziert und vertreibtin China Schönheitspflegeprodukte undKlebstoffe, die den größten Teil am Umsatzausmachen. Es gibt Klebstoff-Werke in


12 I 2013 INTERVIEW II 10Changchun, Chengdu, Dan Yang, Dongyong– Panyu, Guangzhou Site, Lianyungang,Shantou, Xi'an und Yantai. Die Klebstoffwerkeim Raum Shanghai (Shanghai - Gulang Rd.,Shanghai - Jiang Tian East Road, Shanghai– Nanhui) verlagern derzeit ihre Produktionauf das neue Werk Dragon Plant im ShanghaiChemical Industry Park. Henkel hat in dasWerk mehr als 50 Millionen Euro investiert undwird dort etwa 600 Mitarbeiter beschäftigen.Mit der Fabrik bedient Henkel, der größteKlebstoffhersteller der Welt, die steigendeNachfrage nach industriellen Klebstoff-Technologien in China und in der gesamtenRegion Asien/Pazifi k.China ist mittlerweile der größte Automarktder Welt mit stark zunehmender inländischerProduktion. Das Land gehört zudem zu denwichtigsten Herstellerländern von Sportartikelnund Elektronikprodukten. In diesen undanderen Branchen werden zunehmendKlebstoffe eingesetzt, da diese die Produkteleichter und leistungsfähiger machenund gleichzeitig zu einer nachhaltigerenHerstellung beitragen.Herr Elfes, wir danken Ihnen für diesesInterview.Frage: Wie bewertet Henkel speziell denchinesischen Markt in den BereichenKlebestoffe und Beauty Care ?Bis 2016 will Henkel den Umsatz auf 20Milliarden Euro steigern, davon sollen 10Milliarden Euro in den Wachstumsmärktenerzielt werden. Die neue Klebstofffabrik wirdeinen wichtigen Beitrag zur Erreichung derstrategischen Ziele für 2016 leisten. Sie bietetdie Basis für weiteres Wachstum in unseremKlebstoffgeschäft. Wir erweitern unsereglobale Präsenz, und wir können unsereMarktanteile in den Wachstumsmärktenweiter ausbauen. Bereits heute erzielt Henkel45 Prozent des Gesamtumsatzes in denWachstumsregionen und beschäftigt dort rund55 Prozent seiner Mitarbeiter.beide Fotos: HenkelPreise für Stahlerzeugnisse auf dem chinesischen Binnenmarkt (in RMB; Veränderung imVergleich zum Vorjahresmonat in %)Erzeugnis Juni 2008 Juni 2009 Juni 2010 Juni 2011 Juni 2012 Veränd.Wire Rod 5.865 4.506 4.151 5.044 3.701 -26,6Rebar 5.714 4.630 4.164 5.030 3.646 -27,5Plate 7.050 4.567 4.778 4.863 3.898 -19,8HR Sheet 6.262 4.481 4.689 4.935 3.622 -26,6HR Coil 6.010 4.400 4.410 4.980 3.747 -24,8CR Sheet 7.308 5.582 5.499 5.507 4.545 -17,5Galvanized Sheet 7.480 5.600 5.456 6.060 5.031 -17Seamless Tube 7.165 4.953 5.262 6.043 5.166 -14,5Quelle: China Iron & Steel Association, eigene Berechnungen


12 05 I 2013 2011 GASTBEITRAG D – WIRTSCHAFT I 11 14Chinas neue FührungProf. Dr. Anke Scherer, CBS KölnEin Beitrag von Prof. Dr. Anke SchererDean of International Culture and ManagementHead of East Asia DepartmentCologne Business School (CBS)Seit März 2013 hat China offiziell eineneue Regierung mit Staatspräsident XiJinping und Premierminister Li Keqiang.Diese neue Regierung wurde im Laufe derersten Vollversammlung des 12. NationalenVolkskongresses, also des chinesischenParlaments, offiziell gewählt, obwohl dieBesetzung vieler Ämter schon längere Zeitvorher feststand. Begonnen hatte der Prozessdes Führungswechsels mit dem 18. Kongressder Kommunistischen Partei Chinas (KPCh)im November 2012 und der Übernahme derParteiführung durch Xi Jinping. Aufgrundder großen Bedeutung der VolksrepublikChina wurde dieser Machtwechsel weltweitbeobachtet und kommentiert. Dies war unteranderem möglich, weil der Prozess geordnetund bis zu einem gewissen Grad transparentablief.Dies war nicht immer so in der VolksrepublikChina, wie man bei einem kurzen Rückblickauf die vorangegangenen Führungsgenerationenschnell feststellen kann. Für dieerste Führungsgeneration steht der großeÜbervater des Kommunismus in China undGründer der Volksrepublik, Mao Zedong. Inseiner Regierungszeit waren Wechsel in derFührung mit innerparteilichen Machtkämpfenverbunden, meist endeten sie für den Unterlegenenmit Exil im chinesischen Hinterland,im Arbeitslager oder mit dem Tod. Maohatte zwar Pläne für seine Nachfolge, diewaren jedoch ausschließlich für den Fallseines Todes gedacht. Sein handverlesenerNachfolger Hua Guofeng hielt sich aber nichtlange nach dem Tode Maos und wurde nachnur zwei Jahren von dem Mann in den Hintergrundgedrängt, der allgemein als die Leitfi gurder zweite Führungsgeneration und als derVater der chinesischen Wirtschaftsreformengilt: Deng Xiaoping. Deng initiierte durchdie Öffnung des Landes und die Liberalisierungder Wirtschaft das chinesische Wirtschaftswunder,das das Land zur heute zweitgrößtenVolkswirtschaft der Welt gemachthat. Genau wie Mao hielt er eisern an derMacht der Kommunistischen Partei fest undschloss politische Liberalisierung kategorischaus. Allerdings hatte Deng seine Nachfolgeanders als Mao vorbereitet und sich schon zuLebzeiten sukzessive aus der aktiven Politikzurückgezogen, bis er nur noch das Amt desVorsitzenden seines Bridge-Clubs innehatte.Sein Nachfolger wurde Jiang Zemin,dessen dritte Führungsgeneration die 1990erJahre in China dominierte. Dies war die Zeit,in der chinesische Politiker Spielregeln fürdie Machtausübung entwickelten und auchanwandten, die für außen stehende Betrachterden Prozess der Machtübergabe berechenbarerund transparenter machten, als diesnoch vor 30 Jahren der Fall war. Heutzutagegibt es feste Legislaturperioden für Partei- undStaatsämter. Mandatsträger, die 68 Jahre undälter sind, können nicht mehr wiedergewähltwerden und gehen dann anstandslos in denwohlverdienten Ruhestand. So gab Jiang von2002 bis 2004 sukzessive seine Ämter auf und


12 I 2013 GASTBEITRAG I 12übergab fast schon lautlos und routinemäßigan die vierte Führungsgeneration unter HuJintao. Wie schon bei seinem Vorgängerund nun auch seinem Nachfolger Xi Jinping,begründete sich dessen Machtposition darauf,dass er die drei Führungsämter in der Partei,im Staat und im Militär auf sich vereinte. Zwarhaben die Bürger in China bei der Auswahl desFührungspersonals kein im westlichen Sinnedemokratisches Mitspracherecht, aber die zugrundeliegenden politischen Prozesse sindheutzutage viel berechenbarer und zugänglicherals in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts.Foto: Cornerstone / pixelio.deAnders als in den ersten Jahrzehnten derVolksrepublik China, wo Mao und in abgeschwächterForm dann Deng als charismatischeEinzelpersonen das Land führten,spricht man heute offiziell von einer kollektivenFührung, bei der es Mandatsträger gibt, dieihre Aufgabe aufgrund von Entscheidungenübertragen bekommen, die innerhalb derKommunistischen Partei getroffen werden.Diese Partei hat derzeit um die 80 MillionenMitglieder, was auf den ersten Blick eine großeZahl zu sein scheint, aber tatsächlich nur 5-6%der chinesischen Bevölkerung entspricht.Damit ist die KPCh keine Massenpartei, esist nicht einfach dort aufgenommen zu werden.Man braucht Bürgen, es gibt eine Probezeit,und die Aufnahmekriterien sind nach wie vorrestriktiv. Waren es zu Maos Zeiten vor allemArbeiter und Bauern, die gerne in der Parteigesehen wurden, so ist die Mitgliedschaftheutzutage das Karrieresprungbrett für dieaufstrebende städtische Mittelschicht. Dervorgeschaltete Jugendverband nimmt mitVorliebe Einserschüler aus betuchten Elternhäusernauf. Seit etwas über zehn Jahrenhat sich zudem die Partei, die laut Parteistatutengegen die Unterdrückung desProletariats kämpft, auch für Kapitalistengeöffnet und nimmt bereitwillig Unternehmerin ihre Reihen auf.Genauso wie sich das Profil der Parteiverändert hat, die den politischen Prozessin China bestimmt, so hat sich auch derCharakter des politischen Spitzenpersonalsgewandelt, das uns heute als neue kollektiveFührung gegenübertritt. Die neue Führungsgenerationist in der Regel in den 1950erJahren geboren, also bereits in der Zeitder Volksrepublik China, die 1949 gegründetwurde. Damit hat sie nicht mehr wie vorangegangeneGenerationen eine Legitimation zurMachtausübung, die auf die Teilnahme amBefreiungskampf des chinesischen Volkesund Mitgliedschaft in der frühen kommunistischenBewegung zurück geht. In der Regelhaben die Politiker der fünften Führungsgenerationnach 1978 mit einer Universitätsausbildungangefangen, weil sie zu derGeneration von Jugendlichen gehören, bei derdie Schulausbildung durch das Chaos und dieSchließung vieler Bildungsinstitutionen in derKulturrevolution 1966-1976 unterbrochenwurde. Viele der damaligen Jugendlichen ausden Städten, die an der Kulturrevolution als„Rote Garden“ teilgenommen hatten, wurdennach 1969 zwangsweise in ländliche Gebieteverschickt, wo sie bis zum Ende der Ära MaoZedong 1976 ohne Bildungs- und BerufschancenLandarbeit zu leisten hatten. Diejenigen,die danach in die Städte zurückkehrtenund eine Parteikarriere anstrebten, hatten ameigenen Leib erlebt, wohin politischer Extremismusund ideologische Massenkampagnenführen können und haben deshalbin der Regel ein sehr abgeklärtesVerhältnis zu Politik und Ideologie. Siegehen sehr pragmatisch mit Macht undIdeologie um, erkennen die Vormachtstellungder KPCh selbstverständlich an und habenes früh verstanden, sich in der Parteihierarchiehochzuarbeiten um etwas zu erreichen.In den 1980er Jahren hatten siefolgerichtig die ersten politischen Ämter aufunteren Ebenen (zum Beispiel an Universitäten)und hielten sich aus den Studentenprotesten1987 und 1989 heraus. In den 1990erJahren stiegen sie in Ämter auf Provinzebeneauf und saßen schließlich vor der Übernahmeder Macht auf der nationalen Ebene in Ämtern,die in der Regel als Warteposition für dieFührungsspitze gelten (Vize-Staatspräsident,Vize-Premier etc.). Aufgrund ihres stromlinienförmigenAufstiegs und der Tatsache, dassnichts Negatives an ihnen zu haften scheint,werden sie manchmal auch als „Teflonpolitiker“bezeichnet.


12 I 2013 GASTBEITRAG I13Ein wichtiger Faktor, der bei vielen Mitgliedernder neuen Führung zudem den Aufstieg erleichterte,ist die Tatsache, dass sie von hochrangigenMitgliedern der KPCh abstammen.Die Kinder von Parteikadern bilden inzwischeneine eigene Elite in China, die oft bei Heiratenunter sich bleibt und sich in ihren Netzwerkenbei Geschäftsbeziehungen unter die Armegreift. Aufgrund der Privilegien, die die Kaderkindergenießen, werden sie oft abschätzig alsPrinzlinge bezeichnet. Der neue starke MannChinas Xi Jinping ist so ein Prinzling, dennsein Vater Xi Zhongxun war als Vize-Premiereiner der Verantwortlichen für die Sonderwirtschaftszonen,die in den 1980er und 1990erJahren die ausländischen Investitionen nachChina geholt und das Land zu einer starkenExportnation gemacht haben. Xi Jinping ist1953 geboren und gehört zu der unglücklichenGruppe von Jugendlichen, die als Folge derKulturrevolution von 1969 bis 1975 zwangsweisein einer landwirtschaftlichen Kooperativearbeiten mussten, statt ihre Schul- oderUniausbildung fortzusetzen. Danach hat Xiallerdings eine steile Karriere hingelegt miteinem Studium an einer der besten Universitätendes Landes (Qinghua) und einerPromotion in Jura. Schnell hatte er sich durchdie Hierarchie von Regierungsämtern hochgearbeitetund wurde 2007 Mitglied iminneren Machtzirkel der KPCh, dem ständigenAusschuss des Politbüros. 2008 wurde erchinesischer Vize-Präsident und 2010 Vize-Vorsitzender der Zentralen Militärkommission,bevor er 2012 und 2013 die jeweiligenhöchsten Leitungsämter in Partei, Militär undStaat übernahm. Xi Jinping ist in zweiter Ehemit einer bekannten chinesischen Sängerinverheiratet, seine Tochter studiert in Harvard,so wie viele Kinder hoher chinesischer Kader,die inzwischen für ihre Ausbildung an dieTop-Unis in den USA oder Großbritanniensgeschickt werden.Premierminister Li Keqiang wurde 1955geboren und verbrachte die Jahre 1974bis 1976 als landverschickter Jugendlichermit Feldarbeit. Danach ist er in die Parteieingetreten, wo er rasch Karriere machte. Erhat an der Top-Universität Chinas, der PekingUniversität, studiert und dort nach seinemBachelor in Jura in Wirtschaftswissenschaftenpromoviert. Da sein Vater nur ein lokaler Funktionärwar, wird er nicht zu den Prinzlingengerechnet. Vielmehr verdankt er seine Karriereder Tatsache, dass er durch den KommunistischenJugendverband aufgestiegen ist. Dortwurde er der Protégé des langjährigenVorsitzenden des Verbandes Hu Jintao, derLeitfigur der vierten Führungsgeneration.Neben der Abstammung aus einer derFamilien des kommunistischen Führungszirkelsist die Mitgliedschaft in einem Netzwerkvon politisch Mächtigen und die Protektiondurch einen hochrangigen Politiker einwichtiger Faktor für die eigene politischeKarriere. So gilt Hu Jintao wiederum alsProtégé des starken Mannes der zweitenFührungsgeneration Deng Xiaoping, dieGefolgschaft des Leiters der dritten FührungsgenerationJiang Zemin ist ein eigenes einflussreichesNetzwerk, das aufgrund seinerlokalen Verortung die Shanghai Cliquegenannt wird und viele Nachwuchspolitiker inaussichtsreiche Positionen gebracht hat.In den Biographien der neuen politischenFührung in China zeichnet sich ein deutlichesMuster ab: Bei ihnen handelt es sich in derRegel um Technokraten, die sehr gut ausgebildetsind. Dabei besteht ihre Expertisenicht im Bereich Politikwissenschaft odermarxistische Ideologie, sondern vielmehr aufdem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften,Jura oder auch den Natur- und Ingenieurswissenschaften.Sie begreifen Politik als einenBeruf, den man von der Pike auf lernt; alsein Handwerk, in dem nicht der exzentrischeEinzelne zählt, sondern die geräuschloseZusammenarbeit einer kollektiven Führung.Wer seine Aufgabe erfüllt hat, der tritt in denHintergrund und kann als elder statesman seinpolitisches Netzwerk pflegen. Diese politischenNetzwerke sind es, die Meinungsvielfaltin die Kommunistische Partei hineintragen.Viele Beobachter außerhalb Chinas gehen oftgrob verallgemeinernd davon aus, dass es dieKommunistische Partei und die chinesischeFührung gibt. Zwar herrscht die KPCh ohneOpposition mit einem sehr homogeneninneren Führungszirkel. Aber tatsächlich gibtes innerhalb der Partei und der chinesischenFührung verschiedene Gruppierungen, die oftnicht einer Meinung sind und im Extremfall inregelrechter Opposition zueinander stehenkönnen. Schon seit einiger Zeit experimentiertdie KPCh mit innerparteilicher Demokratie,indem zum Beispiel für alle in der Partei neuzu besetzenden Posten die Kandidaturenmehrerer Bewerber angenommen werdenund dann innerhalb der Partei eine echteWahl zwischen Bewerbern erfolgen kann. Esgibt dabei zwei große Interessengruppen, dieversuchen, ihre Mitglieder zu positionieren:die so genannte Elite-Faktion der Kaderkindereinerseits und andererseits die aufChinesisch Tuanpai genannte Gruppe derjenigen,die aus dem Kommunistischen


12 I 2013 GASTBEITRAG I14Jugendverband kommen. Die Elite-Faktionist in der urbanen Mittelschicht verankert undsieht sich als deren Interessenvertretung. IhreExpertise liegt in den Bereichen Finanzmärkteund internationaler Handel, und sie sieht es alsdie Aufgabe der chinesischen Führung an, indiesen Bereichen ein gutes Geschäftsumfeldherzustellen und zu erhalten. Xi Jinping, alsKaderkind ein typischer Vertreter der Elite-Faktion, gilt als jemand, der besonders diechinesischen Großunternehmen protegiert,von denen viele durch verwickelte Holdinggesellschaftenanteilig im Staatsbesitz sind.Diese Unternehmen, wie z.B. die großenEnergiefirmen CNOOC, Sinopec oderPetrochina, können sich auf staatlicheUnterstützung zum Beispiel bei der Bereitstellungvon billigem Kapital bei Großinvestitionenverlassen. Xi gilt als ein Marktliberaler,der in die Kräfte des Marktesvertraut und dafür in Kauf nimmt, dass diechinesischen Wirtschaftsreformen eben auchVerlierer hervorgebracht haben. Wenn dasWachstum der chinesischen Wirtschaftanhalte, dann werden auch diese Gruppenirgendwann davon profitieren und deshalbsei es die Aufgabe der Politik, dieses Wachstumzu fördern.Die Faktion mit Verbindungen zum KommunistischenJugendverband, zu der PremierministerLi Keqiang gehört, hat dem gegenüberoft eine Herkunft aus bescheidenenVerhältnissen und sieht sich als Interessenvertretungderjenigen, die noch nicht von denWirtschaftsreformen profitieren. Neben derständig wachsenden urbanen Mittelschichthat China ungefähr 700 Millionen Einwohnermeist in den ländlichen Gebieten, die inbitterer Armut leben und kaum Zugang zuhöherer Bildung, Gesundheitsversorgung undRentenansprüchen haben. Millionen vonWanderarbeitern aus diesen rückständigenländlichen Gebiete leben aufgrund ihresnicht-regulären Aufenthaltsstatus als Bürgerzweiter Klasse in den Industriestädten deröstlichen Küstenregionen. Die Faktion, dieaus dem Jugendverband kommt und zu derauch der ehemalige Staatsprädisent Hu Jintaogehörte, sieht es als die Aufgabe der Politikan, diese regionalen Disparitäten so schnellwie möglich zu entschärfen, bezahlbarenWohnraum und soziale Absicherung auchfür diejenigen zur Verfügung zu stellen, dienicht durch den Wirtschaftsaufschwung reichgeworden sind. Hu Jintao hatte in den Jahrenseiner Präsidentschaft dazu das Schlagwortder „harmonischen Gesellschaft“ immer wiederin den Vordergrund gestellt. Damit ist dasVersprechen der politischen Führung gemeint,dafür zu sorgen, dass die Schere zwischenArm und Reich nicht weiter auseinander gehtund stattdessen der Staat dafür Sorge zutragen hat, dass nach dem Zusammenbruchder Sozialsysteme der Mao-Ära ein neuessoziales Netz entsteht, das für alle da ist undnicht nur - wie im Moment - diejenigen bedient,die es sich finanziell leisten können. Beobachtergehen davon aus, dass beide Faktionenin der Kommunistischen Partei ungefährgleich stark sind und in der konkreten Umsetzungin der Politik arbeitsteilig vorgehen.Allerdings ist es schon eine interessanteEntwicklung, dass der Mann, der jetzt dieLeitung von Partei, Staat und Armee aufsich vereint, nicht länger wie sein Vorgängerein Vertreter der Interessen der armen Masse,sondern ein Vertreter der Elite-Faktion ist,neben dem Premierminister Li Keqiangals der Vertreter der Armen, Bauern undWanderarbeiter recht blass aussieht.Wenig sichtbar für ausländische Beobachtersind auch oft die anderen Mitglieder derkollektiven Führung, die durch einen hartenAusleseprozess innerhalb der KommunistischenPartei in die Spitze gekommen sind.Dies sind zum Beispiel die 25 Mitglieder desPolitbüros, also des obersten Leitungsgremiumsder KPCh, von denen sieben alsständige Mitglieder des Politbüros das wirklicheZentrum der Macht bilden. Außer denauch im Ausland bekannten Xi Jinping und LiKeqiang sind dies fünf weitere Männer, die ander Spitze wichtiger Institutionen von Staat undPartei stehen, z.B. als Parlamentspräsident,Vorsitzender der Politischen Konsultativkonferenz,Präsident der Zentralen Parteischule,Vorsitzender der Zentralen Disziplinarkommissionder KPCh etc. Hier ist Xi Jinpingder „Erste unter Gleichen“ und muss bei allemSelbstbewusstsein, das er seit seiner Machtübernahmean den Tag legt, darauf achten,dass alle Interessengruppen gleichermaßenmit Einfl uss und Schlüsselpositionen in Parteiund Staat versorgt werden. Nur mit einerBalance, die alle Gruppen dazu bringt zusammenzuarbeiten,kann die neue chinesischeFührung sich den enormen Herausforderungender nächsten Jahrzehnte stellen.Da wäre zum einen der Rückgang in denWachstumsraten auf vermutlich 7,5% indiesem und in den nächsten Jahren. Nacheiner Studie der Weltbank wird das Wachstumdann bis 2030 auf 5-6% jährlich zurückgehen.Der Fünfjahresplan für die Jahre 2011bis 2015 sieht deshalb eine Abkehr vombisherigen Wachstumsmodell der Volksrepu-


12 I 2013 GASTBEITRAG I15blik vor. Während in den ersten Jahrzehntender Öffnungspolitik bis in die letzte Dekadeder Fokus auf der Produktion für den Export– häufig durch ausländische Investitionen –lag, liegt jetzt das Hauptaugenmerk aufder Förderung der Binnenwirtschaft. DieseStrategie hat China bereits gut durch dieinternationale Finanzkrise nach der Lehman-Pleite gebracht. Da die chinesischen Exportedurch die nachlassende Nachfrage einbrachen,legte die chinesische Regierung einKonjunkturpaket auf, mit dem die Binnenwirtschaftstimuliert und das nationale Wirtschaftswachstumgesichert wurde. Die Infrastruktur(besonders Eisenbahn und Autobahnen)wurde in großem Maße ausgebaut, eswurde Geld in den Aufbau des Sozialstaatesgesteckt und Subventionen flossen in wirtschaftlichrückständige Gebiete. Diese Förderungsoll konsequent fortgesetzt werden undzur Entwicklung der bislang benachteiligtenLandesteile in Zentralchina, im Westen undim Nordosten des Landes führen. Dabei sollder Fokus auf dem Abbau von Überkapazitätenin traditionellen Sektoren und auf derFörderung neuer strategischer Industrienliegen. Ganz vorne mit dabei ist die sogenannteGreen Economy, also die erneuerbarenEnergien und alles, was im weitesten Sinnemit Umweltschutz zu tun hat. Für die ausländischenWirtschaftsakteure heißt das, dassChina sich nicht länger als die Werkbank derWelt sieht, als die es um die Jahrtausendwendegerne bezeichnet wurde. Die Industriein China wird auch weiterhin für den Exportproduzieren, aber gefördert wird eindeutigder einheimische Konsum. Ausländische Herstellerhaben längst ihre privilegierte Positionals die Bringer dringend benötigter Investitionenverloren und müssen mit starkerinländischer Konkurrenz zurecht kommen.Mehr und mehr chinesische Firmen investierenim Ausland, nicht nur in sogenannten Entwicklungsländernin Afrika, wo chinesischeKonzerne Kupfer, Öl und andere Ressourcenfür die chinesische Wirtschaft fördern, sondernauch in Amerika und Europa.Xi Jinping gilt als jemand, der sich für diesogenannten nationalen Champions einsetzt.Das sind die ehemaligen chinesischen Staatsbetriebe,die nach einer Entschlackungs- undUmbauphase in den 1990ern und 2000erJahren zu internationalen Akteuren gewordensind und in Schlüsseltechnologien den Weltmarkterobern wollen. Diese Betriebe bringenChina notwendige Ressourcen wie z.B. Öl,Kupfer und Stahl; oder sie entwickeln Hightech-Produktewie Computer, Mobiltelefoneund Umwelttechnologie für China und denWeltmarkt. Damit entwickelt das Land einneues Selbstbewusstsein, mit dem nichtlänger alle ausländischen Erwartungen anFoto: Wilhelmine Wulff / pixelio.deChina irgendwie erfüllt werden müssen.In den ersten hundert Tagen als Staatspräsidenthat Xi Jinping sich mit einer Reisenach Südchina auf den Spuren des Architektender chinesischen Reformpolitik Deng Xiaopingdemonstrativ zu dessen Modernisierungsansatzbekannt, der oft mit dem Schlagwortder „Entwicklung eines Sozialismus mitchinesischen Charakteristika“ bezeichnet wird.Hier knüpft Xi an eine Zeit an, die heutzutagefür viele als „die gute alte Zeit“ des Aufbruchsin die Modernisierung gilt. Dies ist deshalbwichtig, weil seither die Korruption in Wirtschaftund Politik derartig zugenommen hat,dass Korruptionsbekämpfung für die neueFührung als die wichtigste Aufgabe gilt, vonderen Bewältigung sogar das Schicksalder Partei abhängen könnte. Der gerade selbstwegen Korruption und Machtmissbrauch zueiner lebenslangen Haftstrafe verurteilte BoXilai hatte sich als Parteisekretärs der bevölkerungsreichstenStadt Chinas, Chongqing,einen Namen gemacht als jemand, der gegendie weit verbreitete Korruption und gegendas organisierte Verbrechen vorgeht. BoXilai ist ein typischer Prinzling, sein Vater BoYibo war ein Kampfgefährte Mao Zedongsund wird im Pantheon der acht kommunistischenUnsterblichen verortet. Bo Xilairief zur Rückbesinnung auf revolutionäreWerte der Mao-Ära wie Ehrlichkeit undGemeinschaftssinn auf. In seiner Zeit alsParteiführer gab es in seiner Stadt eineregelrechte Nostalgiewelle mit großen Veranstaltungen,bei denen Chöre aus vor allemälteren Stadtbewohnern die alten Revolutionsliederneu aufleben ließen. Mitte März2012 – also genau in der Zeit, in der diealljährliche Plenartagung des Nationalen


12 I 2013 GASTBEITRAG I16Volkskongresses in Peking begann –wurde er plötzlich seines Postens inChongqing enthoben, wenig später wurdeseine Mitgliedschaft im Politbüro, demLeitungsgremium der KPCh, ausgesetzt.Wie nach und nach an die Öffentlichkeitdrang, waren die Methoden Bo Xilais nichtimmer legal, seine Frau Gu Kailai ist inzwischenzu einer in eine lebenslange Haftstrafeverwandelbaren Todesstrafe verurteilt,weil sie an der Ermordung eines britischenGeschäftsmannes beteiligt war. Die ursprünglicheBeliebtheit Bo Xilais und seinerKampagnen zur Rückbesinnung auf die Mao-Ära sowie sein lange als richtig geprieseneshartes Vorgehen gegen Korruption inChongqing zeigen, wie wichtig das ThemaKorruptionsbekämpfung ist. Gerade lokaleAutoritäten haben in China den Ruf, besonderskorrupt zu sein und sich nicht anGesetze zu halten, wenn es um die Mehrungihres persönlichen Einflusses oder Wohlstandesgeht. Diese Strukturen sind für dieZentralregierung ein großes Problem; denndas erklärte Ziel der Zentralregierung ist derAusbau des Rechtsstaates und die Bekämpfungvon Korruption auf allen Ebenen.Hier sprechen Beobachter sogar davon,dass die Regierungszeit der viertenFührungsgeneration unter Hu Jintao eineverlorene Dekade war, in der die Reformenstagnierten und die Korruption außerKontrolle geriet. Für Xi Jinping ist es deshalbwichtig die Macht der neuen Führungschnell zu konsolidieren und das durchdie Bo Xilai-Affäre beschädigte Ansehender Partei wiederherzustellen.Zwar werden Xi Jinping noch keine eigenen„Theorien“ oder „Ideen“ zugeschrieben, wiedies bei all seinen Vorgängern im Verlaufihrer Herrschaft der Fall war. Aber imGegensatz zu den recht abstrakten Beiträgenzur Weiterentwicklung des chinesischenMarxismus wie zum Beispiel der „Theorieder drei Vertretungen“ von Jiang Zemin, hatXi eine sehr populistische und eingängigeVision entwickelt. Kernstück dieser Visionist der „chinesische Traum“, bei dem alleChinesen kollektiv und patriotisch von derEntwicklung des Landes profitieren können.Dies basiert auf der neuen Leitlinie derfünften Führungsgeneration, dem Konzeptdes sozialen Managements. Hier heißt es,dass die chinesische Führung sehr wohlerkannt hat, dass sie die Probleme derBevölkerung ernst nehmen und moderierenmuss – sonst zerreißen soziale Konflikteden Zusammenhalt in der Gesellschaft.Erreicht werden soll dies mit einer besserenKommunikation zwischen Gesellschaft undPartei, mehr Transparenz und dem Aufbau vonZivilgesellschaft. Im Rahmen der Herrschaftder Kommunistischen Partei sollen die Rechtevon Arbeitern und Bauern besser geschütztwerden und das soziale Netz für alle ausgebautwerden. Auf der Ebene politischerMaßnahmen wurde diese von der neuenFührung bereits eingeleitet mit dem Einkommensverteilungsprogramm,das dieNationale Entwicklungs- und Reformkommissionim Februar 2013 vorgelegt hat. Dieseaus der Staatlichen Planungsbehörde hervorgegangeneRegierungsinstitution für diemakroökonomische Planung ruft im neuenProgramm dazu auf, mehr Mittel in den Aufbausozialer Sicherungssysteme und in die Bildungzu stecken. Diese Mittel sollen unter anderemdadurch generiert werden, dass die Staatsunternehmenin Zukunft 5% mehr von ihrenProfiten an den Staatshaushalt abführensollen. Um die Stabilität der weiteren Wirtschaftsentwicklungzu gewährleisten, hat Xizudem dafür gesorgt, dass der langjährigePräsident der Zentralbank weiterhin im Amtbleibt, obwohl er die Pensionierungsgrenzefür Staatsbedienstete im Januar 2013 erreichthatte. Da er sich aber als guter Wahrer derchinesischen Wirtschaftsinteressen währendder andauernden Finanzkrise bewährt hat,wurde ihm mit der Vergabe eines Regierungsamtes,das ihn zu einem nationalen Führermacht und ihm deshalb erlaubt, auch nachdem Erreichen des Pensionsalters im Amt zubleiben, ein weiteres Wirken bei der Konsolidierungdes chinesischen Finanzsektorsermöglicht. Damit soll er beitragen zur Verwirklichungdes chinesischen Traums einerwirtschaftlich, politisch und militärisch starkenNation, der bis zum 100. Geburtstag derVolksrepublik China am 1. Oktober 2049 füralle Chinesen verwirklicht werden soll, sodass sie sich alle den angenehmen Lebensstilder Mittelklasse leisten können und in einerauf Nachhaltigkeit ausgerichteten Gesellschaftsozial abgesichert sind.


12 I 2013 GASTBEITRAG II 18einzubringen.“ Entsprechend den spezifi schenAnforderungen des Unternehmens hat dieTFH ein vielseitiges Programm aus Unterrichtseinheitenund Exkursionen zusammengestellt,das bis zu vier Mal im Jahr an derTFH in Bochum durchgeführt wird. ThematischeSchwerpunkte sind zum einen diemoderne arbeitsschutzkonforme Gewinnungstechnikim Bergbau und zum anderen derStrukturwandel in ehemaligen Bergbauregionen.Das Trainingsprogramm umfasst unter anderemdie folgenden theoretischen Unterrichtseinheiten:1. Die Rolle der Regierung zur Unterstützungdes Strukturwandels sowie die Aufgabender Unfallversicherung im deutschen Steinkohlenbergbau2. Geschichtliche Entwicklung der Steinkohleindustrieim Ruhrgebiet3. Moderne Gewinnungstechnik und Stand derMechanisierung4. Gasabsaugung, Arbeitsschutz und-sicherheit, Wettertechnik, Klimatisierung5. Strukturwandel, Renaturierung von aufgegebenenStandorten6. Gewinnung von Braunkohle und Überwachungder Böschungsstandsicherheiten,der Rekultivierungsmaßnahmen sowie möglichenBergschäden mit einem modernenGeotechniklabor7. Haldensicherung (Brandbekämpfung),Haldenrekultivierung und -nutzung für andereZwecke, energetische und umweltverträglicheNutzung von Grubengas in stillgelegtenBergwerkenEntsprechend dem praxisorientierten Konzeptder Weiterbildung korrespondieren mitdiesen Inhalten Exkursionen beispielsweiseins Deutsche Bergbau-Museum (zum ThemaGeschichtliche Entwicklung), zur AbteilungBergbau und Energie der BezirksregierungArnsberg sowie zu führenden Unternehmenund Bergwerken der Region, etwa zur RAGMining Solutions GmbH, zur Eickhoff BergtechnikGmbH, zur Compact FiltertechnikGmbH, zu Bucyrus Europe, in die Tagebauevon RWE Power oder zum ZukunftsstandortZeche Ewald in Herten. Experten aus Unternehmen,Behörden und Verbänden demonstrierenden chinesischen Kollegen dort denaktuellen Stand deutscher Bergbautechnik undzukunftsweisende Folgenutzungen auf ehemaligenBergbaufl ächen. Gerade in den dynamischenWachstumsmärkten wachsen weltweitdie Anforderungen an Arbeitssicherheitund Umweltschutz, und auch für eine nachhaltigeEntwicklung von Bergbaustandortenzeigen sich viele Regionen aufgeschlossen.Die großen Industrienationen können viel voneinanderlernen und zusammen Zukunftgestalten, damit mehr Menschen auf der Weltam Wohlstand teilhaben, sichere Arbeitsbedingungenherrschen und die natürlichenRessourcen besser geschützt werden können.Die TFH Georg Agricola lädt Unternehmen,staatliche Institutionen und Hochschulen inChina zur Kooperation ein. Ob maßgeschneiderteWeiterbildungsaktivitäten, Forschungsprojekteoder der Austausch von Experten - dieTFH ist ein erfahrener Partner für den chinesischenBergbau.Kontakt:Technische Fachhochschule Georg Agricolazu Bochum, Prof. Dr. Jürgen KretschmannHerner Straße 45, D-44787 Bochumkretschmann@tfh-bochum.dewww.tfh-bochum.deTFH-Präsident Kretschmann und XMC-Vorstandsvorsitzender Huang(vorne, 4. und 5. v.r.) mit Seminarteilnehmern in Bochum


12 I 2013 WIRTSCHAFT519In der VR China istStillstand keine OptionUrbanisierung und Infrastrukturausbau imMegamaßstab / Chinas und Asiens WettbewerbsfähigkeitsteigenHongkong (gtai) - In der VR China waren hoheWachstumsraten in den vergangenen 30Jahren die Norm. Durch die schwächere weltwirtschaftlicheKonjunktur, aber vor allemdurch Entwicklungen im Inland, steht dasWirtschaftsmodell des Reichs der Mitteunter Reformdruck: Urbanisierung, Demografie,Umweltverschmutzung, Kostendruckund Exportüberschüsse heißen nur einigeder Baustellen. Auf die sich daraus ergebendenVeränderungen im Raum Greater Chinamüssen sich deutsche Unternehmen einstellen.Chinas wirtschaftliche Dynamik war 2012gedämpfter als gewohnt. Im 4. Quartal erholtesich die Wirtschaft aber und wuchs imGesamtjahr real um 7,8%. Auch für diekommenden Jahre sind die Aussichten gut.Den Zielwert von 7,5% Zuwachs desBruttoinlandsproduktes (BIP), den diechinesische Regierung im 12. Fünfjahresprogramm(2011-2015) anvisiert hat, wirdChina dabei wohl meist übertreffen. Diesist zwar deutlich unter den gewohntenzweistelligen Zuwächsen der vergangenenDekaden, trotzdem bleibt China ein Marktmit großen Möglichkeiten. Allerdings wurdeder Fortschritt bezahlt mit wachsenderUngleichheit und einer verheerendenUmweltbilanz. Im aktuellen 12. Fünfjahresprogrammwurde daher nachhaltiges undgrüneres Wachstum zu den oberstenZielen erkoren. Beim Machtwechsel imHerbst 2012 hat der damalige Präsident HuJintao die Verdoppelung des Pro-Kopf-BIP bis 2020 in Aussicht gestellt. Mitrund 6.100 US$ im Jahr 2012 ist diesesbereits in einem Bereich angekommen,in dem Ökonomen ein überproportionalesAnsteigen der privaten Kaufkraft sehen.Zukünftig soll daher der Binnenkonsum einegrößere Rolle spielen, wohingegen Investitionen,die derzeit etwa 45% der Wirtschaftsleistungausmachen, weniger Bedeutungzukommen wird.Auch der Export als bislang wichtiger Trägerder Konjunktur dürfte in den kommendenJahren nicht mehr die gleiche Dynamikaufweisen. 2012 hatten die schwachenAbsatzmärkte in den USA und vor allemder EU für ein Wachstum unter den Erwartungengesorgt. Auch wurde Umwelttechnikzu einer der sieben Schlüsselindustrienfür die zukünftige Entwicklung ernannt. In denkommenden Jahren wird China dahereiner der größten Märkte für Umwelttechniksein, allerdings dürften, wie bei den erneuerbarenEnergien, starke Wettbewerberentstehen.Küstenregionen werden teuer - neueStandorte im InlandDie Investitionslandschaft in China wird dabeifacettenreicher. Verschiedene Faktorensorgen dafür, dass Standorte abseits derKüstenregionen attraktiver werden. DieHauptzentren der Industrie heißen weiter-


12 I 2013 WIRTSCHAFT 20hin Shanghai, Beijing und das Perlflussdeltain der Provinz Guangdong, doch indiesen explodieren die Kosten. Löhne,Umweltauflagen und wegfallende Steuervorteilespielen die Hauptrolle. Und in denkommenden Jahren wird sich der Trendfortsetzen: die Führung in Peking will dieMindestlöhne weiter anheben, und diearbeitsfähige Bevölkerung Chinas schrumpft.Als erstes hat die Leichtindustrie Südchinasauf die veränderten Rahmenbedingungenreagiert und ist entweder in Länder Südostasiensabgewandert oder hat Standorteim Inland ausgewählt. Besonders dynamischhaben sich die Regionen Sichuan/Chongqingim Südwesten und Nordostchina entwickelt.Im Norden wurde im ehemaligen Rostgürteldurch die Aufbaustrategie "RedevelopingChina's Northeast industrial base" vorallem für Schwerindustrie, Luftfahrt undAutomobilbau eine neue Heimat geschaffen.Rund 350 deutsche Unternehmen sinddort zuhause. Der Südwesten konnte dagegenIndustrien wie IT und Elektronik anziehen,die vielfach mit Luftfracht versenden. Etwa170 deutsche Firmen haben hier investiert.Logistik gilt neben dem Fachkräftemangelals das Hauptproblem, mit dem potenzielleInvestoren beim Umzug ins Landesinnereumgehen müssen. Soll wie von VW für denlokalen Markt in Chengdu oder Foshangefertigt werden, ist dies dagegen kein großesThema. Solchen Schlüsselinvestoren folgendie Zulieferer in aller Regel.Urbanisierung und Infrastrukturausbau imMegamaßstabVerschiedene Faktoren begünstigen eineanhaltende Nachfrage im riesigen Binnenmarkt.Zum einen sorgen die Lohnsteigerungenfür eine wachsende Kaufkraft,zum anderen geht der Infrastrukturausbauim Riesenmaßstab weiter. Megaprojektewie eine Eisenbahn nach Tibet, dieHongkong-Zhuhai-Macau Brücke oder eineNord-Süd Wasserumleitung sind dabei nureinige der Leuchttürme. Dazu sorgen diein die Agglomerationen ziehenden Massenfür weiteren Bedarf, denn China erlebtdie größte Urbanisierungsbewegung allerZeiten. Schon heute lebt jeder zweiteChinese in einer Stadt, bis 2020 werdenes 60% der Bevölkerung sein. Und diegrößte Ausweitung der Urbanisierungsratewird in den Zentralprovinzen erfolgen. Umdiese Veränderung zu bewältigen, müssenweitere gewaltige Infrastrukturinvestitionengetätigt werden. Das 12. Fünfjahresprogrammhat daher einen großen Schwerpunkt aufdiese Herausforderung gelegt: Flughafenausbau,Straßenbau, Erweiterung desHochgeschwindigkeitsnetzes, nachhaltigeEnergieversorgung und Übertragungstechnik,Krankenhäuser, Wasserver- und-entsorgung sowie der Wohnungsbau.Daneben wird der Entwicklung des Inlandsbesondere Aufmerksamkeit geschenkt,und die noch bestehenden großen Unterschiedezwischen den Küstenregionen undWestchina sollen durch Aufbaustrategienund zum Teil durch Steuervorteilemoderiert werden.Chinas Wettbewerbsfähigkeit steigtFoto: Dieter Schütz / pixelio.deFür den Transport bietet sich ansonsten nebenLkw, Flugzeug und Schifffahrt auf dem Yangzineuerdings auch die Bahn stärker an. NeueDirektverbindungen nach Europa haben zwarein Limit, aber auch innerhalb Chinas wirdaufgrund der neu gebauten HochgeschwindigkeitstrassenSchienenkapazität für den Frachtverkehrfrei.China wird in immer mehr Warenkategorienzum größten Hersteller weltweit. Inzwischensind dies nicht mehr nur Plastiktannenbäumeund Billig-Textilien, immer hochwertigereProdukte kommen aus dem Reich der Mitte.Knapp über 20 Mio. Automobile wurdenim vergangenen Jahr produziert, und imMaschinenbau werden chinesische Herstellerzu sehr ernstzunehmenden Konkurrenten.Für Unternehmen, die international bestehenwollen, führt kaum ein Weg an einemEngagement in und mit China vorbei. Ohneeine Präsenz vor Ort geht es heute kaumnoch, allerdings müssen Unternehmen genauüberlegen, welche Kernkomponenten inDeutschland gefertigt werden und welcheSchritte verlagert werden. Dabei wird nichtfür den Export gefertigt, sondern in China für


12 05 09 08 I I 2013 2011 2012 D GRUSSWORT DIALOG WIRTSCHAFT – 21 14 10China. Auch Forschung und Entwicklung vorOrt gewinnt stärker an Bedeutung. Innovationenim "goodenough"-Segment habensich auch in anderen Emerging Markets bewährt.Hier besteht für deutsche Firmen nochPotenzial in der Entwicklung mit China. Fürden deutschen Maschinenbau bleibt Chinader wichtigste Markt weltweit. 2012 sankenjedoch die Importe.Integration in Greater China nimmt zuDie Sonderverwaltungsregion Hongkong(SVR) spielt eine immens wichtige Rolle imChinageschäft. Genau wie Macau wird dieehemalige britische Kolonie bis mindestens2047 ihr Rechts- und Verwaltungsumfeldbehalten. Dieses - zusammen mit demungehinderten Fluss von Informationen,Kapital, Waren und den hochqualifiziertenArbeitskräften - machen Hongkong zueinem der wettbewerbsfähigsten Standorteweltweit. Im Zentrum Asiens mitgelegen -in einem Radius von fünf Flugstundenlebt die Hälfte der Weltbevölkerung - sindHandel und Logistik die tragenden Säulender Volkswirtschaft. Durch die enge Verzahnungmit dem angrenzenden Perlflussdelta,aus dem fast ein Drittel der chinesischenExporte stammt, hat sich Hongkong zu einemSchifffahrts- und Luftfahrtzentrum der Weltklasseentwickelt, das Vierfache der komplettenjährlichen Wirtschaftsleistung machtder Außenhandel aus.Renminbi Yuan abgewickelt werden.Den chinesischen Partnern kann so dasWährungsrisiko abgenommen und nebenPreisvorteilen können niedrigere Transaktionskostenerzielt werden.Asien wächst mit ChinaDie Verbindungen zwischen China und seinenNachbarn in der Region werden nicht nurdurch Trends der Produktionsverlagerungenger. Mit einem engmaschiger werdendenNetzwerk von Freihandelsabkommenund Währungsswaps zwischen der Volksrepublikund Anrainerländern in Asien entstehtsukzessive ein Wirtschafts- undWährungsraum von zunehmender Konvergenz.Dazu gehören die Cepa Abkommen mitHongkong und Macau, das Economic CooperationFramework Agreement mit Taiwanund das ACFTA Freihandelsabkommen(ASEAN-China Free Trade Area) mit denASEAN Ländern. Durch den Abbau vonHandelshemmnissen und die Möglichkeit,Geschäfte in Renminbi Yuan abzuwickeln, wirdein friktionsloser Handel in der ganzenRegion befördert. 2011 entfielen 71% derBestände chinesischer Direktinvestitionenauf die Region Asien. Es wird zunehmendoffensichtlich, dass für deutsche mittelständischeUnternehmen eine vermehrtganzheitliche Betrachtung der Regionbei der Formulierung von Unternehmenszielenund -strategien sinnvoll erscheint. Diebegonnene Integration der Greater ChinaVolkswirtschaften hat dabei ohne Frageeinen gewissen Modellcharakter für dieganze Region.Quelle: Germany Trade & InvestFoto S. 19: Foto: geraltFoto: Florentine / pixelio.deVon Hongkong aus organisieren viele Firmenden Vertrieb in China oder ihr Asien-Sourcing. Nach dem Willen der chinesischenRegierung soll Hongkong als FinanzzentrumGreater Chinas weiter an Bedeutung gewinnenund die Internationalisierung des RenminbiYuan vorangetrieben werden. So könnenZahlungsvorgänge für Handelsgeschäftemit chinesischen Partnern seit 2009 direkt in


12 I 2013 WIRTSCHAFT 23auch im chinesischen Binnenland.In der südchinesischen Provinz Guangdongist dieser Wandel besonders ausgeprägt.So muss ein Arbeitgeber in Shenzhen mitmonatlich 1.500 Renmibi Yuan (RMB; ca.175 Euro; 1 Euro= 8,57 RMB) Mindestlohnerheblich mehr ausgeben als etwa in Sichuanmit 800 bis 1.000 RMB. Die Federation ofHong Kong Industries erwartet daher, dassbis 2015 eine von drei der rund 55.000Hongkonger Fabriken im Perlflussdelta ihreTore für immer schließen muss.Alle zwei Jahre müssen die Mindestlöhneangehoben werden, so der Plan derchinesischen Führung. Anvisiert sind 13%jährlich, wie dies in den vergangenen vierJahren bereits der Fall war. Und auch imFrühjahr 2013 wird sich die Lohn- undGehaltsspirale in Guangdong wieder einStück nach oben drehen. Im Ergebnis folgtdas, was der Förderpolitik für Westchinabisher nur unzureichend gelungen war:Immer mehr Betriebe zieht es ins Inland.In den Westprovinzen gilt noch bis 2020für besonders geförderte Industrien einreduzierter Körperschaftsteuersatz von 15%und damit zehn Prozentpunkte wenigerals im restlichen China. Außerdem könnenInvestitionsausrüstungen zollfrei eingeführtwerden. Die Liste der geförderten Branchenfindet sich in einem Sonderkatalog fürWestchina und gilt für Sichuan, Guizhou,Yunnan, Tibet, Shaanxi, Gansu, Ningxia,Qinghai, Xinjiang, Innere Mongolei, Guangxiund die regierungsunmittelbare StadtChongqing.Auch deutsche Unternehmer interessierensich zunehmend für Inlandsstandorte, nochist ihre Zahl aber überschaubar. So seheneinzelne Maschinenbauer in der Nähe zumKunden ein Plus. Die Konsumgüterherstellerhaben die wachsende Mittelschicht im Visier.Sogenannte aufstrebende Konsumentenleisten sich Luxus - und allein in Sichuan sindlaut "Hurun"-Report, der seit 1999 jährlicherscheinenden Rangliste der reichstenChinesen, bereits über 25.000 Millionärezu Hause. Der Volkswagenkonzern als eineder prominentesten deutschen Firmen inder VR China baut an immer mehr InlandsstandortenProduktionen auf. Ob in Chengdu,Foshan, Ningbo oder Urumqi in Xinjiang,ein erklärtes Ziel dabei ist, näher an den Absatzmärktenzu sein.Überdies seien die Lokalregierungen imInland noch zu mehr Zugeständnissen bereit,heißt es von Firmenvertretern. Allerdingsliefen die erforderlichen Genehmigungsprozessedeshalb nicht unbedingt schneller:"Was in Shenzhen Routine ist, kann inChongqing dauern", berichtet ein Unternehmer.Zum Teil fehlt es schlicht an Erfahrungmit den Erfordernissen modernerUnternehmen. Da Beziehungen zu lokalenEntscheidern ungemein wichtig sind, mussauch am neuen Ort Zeit für deren Aufbaueinkalkuliert werden.Zu den neuen Wirtschaftszentren zählendie 30-Mio.-Agglomeration Chongqingam Yangzi und Chengdu, die Hauptstadtder Provinz Sichuan. Im Jahr 2007 warendie beiden rund 300 km voneinander entferntliegenden Millionenstädte zu einerSonderwirtschaftszone erklärt worden.Foto: R_K_by_Sarah Grazioli_pixelio.deDas regierungsunmittelbare Chongqing,das sich selbst als "Tor nach Westchina"sieht, investierte daraufhin immens in dieInfrastruktur; das Wirtschaftswachstum desStadtgebiets lag mit 16 bis 17% fast doppeltso hoch wie der landesweite Durchschnitt.Zugleich mausert sich die ehemalige "Motorradhauptstadt"Chinas zu einem Kfz-Zentrum.Auch Erdöl- und Chemieindustrie entwickelnsich. Die BASF errichtet derzeit ein Polyethylen-Werkfür 860 Mio. Euro. Seit der Yangzidurchgängig auch für größere Schiffe befahrbarist und eine Schienenstrecke bis nachDeutschland auch von deutschen Logistikernbedient wird, ist das Haupthindernis Transport


12 I 2013 WIRTSCHAFT 24überschaubarer geworden.Chengdu dagegen lebt von seiner reichenUniversitätslandschaft und konnte zahlreicheAnsiedlungen im IT-Bereich anziehen.Neben Intel haben Alcatel-Lucent, Cisco,Ericsson, Microsoft, Nokia, SAP und Siemensden Weg hierher gefunden. OffiziellenAngaben zufolge verzeichnete Sichuan 2011ausländische Direktinvestitionen in Höhevon 11 Mrd. US$. Die ehrgeizige Regierungplant in den kommenden Jahren 3,67 Bill.RMB zu investieren, 1,48 Bill. davon sollenin 639 Infrastrukturprojekte gehen, 1,8 Bill.RMB in 1.253 Industrievorhaben und derRest für Maßnahmen zur Verbesserung derLebensverhältnisse und der Umwelt ausgegebenwerden.Weitere Standorte auf der Investorenlistegelten als schwierig, punkten aber mitlokal-spezifischen Besonderheiten. Mit derInneren Mongolei ist beispielsweise 2012erstmals eine der Inlandsprovinzen in dieRiege der "10.000-US$-pro-Kopf-BIP-Liga"vorgestoßen. Die Provinz profitiert vomgegenwärtigen Ressourcen-Boom und demrasanten Ausbau der Windkraftkapazitäten.Yunnan und Guangxi im Südwestensetzen derweil auf die Verbindung zu denangrenzenden südostasiatischen Nachbarn- und insbesondere auf die Erschließung desderzeit "heißesten Emerging Market" derRegion: Myanmar.Doch auch die zentralen Landesteileverdienen mehr Aufmerksamkeit. Die"Sandwich-Provinzen" Shanxi, Anhui, Jiangxi,Hunan und Henan zwischen entwickelterKüste und peripherem Westen waren bis2004 schon fast ein vergessenes Gebiet,bis Regierungschef Wen Jiabao den "Riseof Central China Plan" initiierte. BesondersWuhan, die Hauptstadt der Provinz Hubei,zieht Investoren an. In den ersten dreiQuartalen 2012 konnte die Hafenstadt amYangzi ihr BIP real um 11,5% steigern,gegenüber dem Landesdurchschnitt von7,7%. Die ausländischen Direktinvestitionenlegten um 21,7% auf 5,7 Mrd. US$ zu.Auch der als Zentrum der chinesischenSchwerindustrie bekannte Nordosten Chinassoll sich revitalisieren, so formuliert es der"Northeast China Revitalization Plan" von2003. Die drei Provinzen Heilongjiang,Jilin und Liaoning, die an Russland unddie koreanische Halbinsel angrenzen,hatten besonders unter dem Ende derPlanwirtschaft und der damit einhergehendenPrivatisierung der Staatsbetriebe gelitten.Jetzt soll die wirtschaftliche Entwicklungin Chinas "Rostgürtel" gefördert werden.Die Bundesrepublik Deutschland trägtder wachsenden Bedeutung des NordensRechnung und unterhält seit 2012 inShenyang ein Generalkonsulat.Schon heute gibt es in der VR Chinaüber 160 Städte mit mehr als einer MillionEinwohner. Bis 2030 sollen es 230 Städtewerden, prognostiziert das McKinseyGlobal Institute. Bereits 2012 lebte dieHälfte der 1,35 Mio. Chinesen in Städten,bis 2030 kommen 350 Mio. dazu. DieseUrbanisierung im Megamaßstab verlangtden Metropolen gewaltige Veränderungenab. Dazu kommt das schwelende Thema derWohnsitzregistrierung. Die Integration derWanderarbeiter ist für den sozialen Friedenunerlässlich, bürdet den ohnehin klammenStadtkassen aber zusätzliche Lasten auf.Die Nachfrage nach Wohnraum, sozialerInfrastruktur und Transport wird so hochbleiben, zunehmend in den Städten derzweiten und dritten Reihe.Im September 2012 wurde beispielsweise dieGenehmigung von 25 neuen U-Bahnprojektenbekannt gegeben, 700 Mrd.RMB sind dafürFoto: R_B_by_Dieter Schütz_pixelio.deveranschlagt. Nachdem die VR China bereitsüber ein gigantisches Konjunkturprogrammeinschließlich groß angelegter Infrastrukturmaßnahmendie Finanzkrise 2009 relativunbeschadet überstehen konnte, setztesie in der unsicheren Lage im 2. Halbjahr2012 erneut auf Beton. Vor allem die Bahninvestitionenzogen an und sollen in denkommenden Jahren auf hohem Niveau


12 I 2013 WIRTSCHAFT 25weitergeführt werden. Für 2013 plant dasEisenbahnministerium Ausgaben von 650Mrd. RMB. Dies wären mehr als 30% überdem Plansoll für 2012, und dieser war bereitsdeutlich übertroffen worden (endgültige Zahlensind noch nicht verfügbar). Ende 2012 verfügtedie VR China mit 98.000 km Schienen daszweitlängsten Netz weltweit, 9.356 km davonHochgeschwindigkeitsstrecken. Insgesamtsollen 2013 rund 5.200 km in Betrieb gehen.Auch der Straßenbau wird fortgesetzt. Zu denknapp 180 bestehenden Flughäfen sollen imZeitraum des 12. Fünfjahresprogramms(2011 bis 2015) 82 neue hinzukommen -alle in bislang noch weniger erschlossenenGebieten. Obwohl schon heute viele derkleineren Flughäfen nicht wirtschaftlicharbeiten, plant Beijing bis 2020 knapp 90%der Bevölkerung mit Flughafenanbindung zuversorgen. Bei all diesen Großprojekten stehthinter der Finanzierung ein Fragezeichen.Nicht nur ist das Eisenbahnministerium verschuldet,auch zahlreiche Kommunen habenüber ihre Verhältnisse investiert und dieKredite in speziellen Finanzierungsstrukturenversteckt. Doch auch wenn nicht alle Pläneumgesetzt werden, führt der fortgesetzteAusbau der Verkehrsinfrastruktur zu einerbesseren Erreichbarkeit und niedrigerenLogistikanforderungen.Quelle: Germany Trade & Invest, 08.02.2013Foto: R_by_Erich Westendarp_pixelio.deTOP 10 der Regionen mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Stadtbewohner in 2012*Rang Provinz Verfügbares Wachstumsrate BIP* WachstumsratePro-Kopf-Einkommen*1 Shanghai 40.188,3 Yuan 10,9% 2010,1 7,5%2 Beijing 36.468,8 Yuan 10,8% 1780,1 7,7%3 Zhejiang 34.550,3 Yuan 11,6% 3460,6 8,0%4 Guangdong 30.226,7 Yuan 12,4% 5706,8 8,2%5 Jiangsu 29.677,0 Yuan 12,7% 5405,8 10,1%6 Tianjin 29.626,4 Yuan 10,1% 1288,5 13,8%7 Fujian 28.055,2 Yuan 12,6% 1970,2 11,4%8 Shandong 25.755,2 Yuan 13,0% 5001,3 9,8%9 Liaoning 23.222,7 Yuan 13,5% 2480,1 9,5%10 Innere Mongolei 23.150,3 Yuan 13,4% 1598,8 11,7%*in Milliarden YuanQuelle: german.china.org.cn | 19. 11. 2013


12 I 2013 GASTBEITRAG III 26Flughafen Frankfurt:persönliche Einkaufsberaterfür chinesischePassagiereFoto: R_K_by_Walter Babiak_pixelio.deDer Frankfurter Flughafen bietet seinenchinesischen Passagieren seit kurzemeinen besonderen Service:So genannte Chinese Personal Shopperkümmern sich um Fluggäste aus demReich der Mitte. Sie beraten Chinesenbeim Einkaufen und helfen ihnen bei derRückerstattung der Mehrwertsteuer. Fallsgewünscht, begleiten die Flughafenmitarbeiterdie chinesischen Fluggäste auch durch dieSicherheitskontrolle bis zum Gate.Die Chinese Personal Shopper sprechenfließend Mandarin und kennen die Kulturund Vorlieben chinesischer Passagiere.Ein mehrwöchiger Test zeigte, dass dieEinkaufsberater sehr schnell das Vertrauenchinesischer Passagiere gewinnen undbei der Verständigung helfen konnten. DieUnterstützung wurde nicht nur dankbarangenommen – zurück in der Heimat erzähltenviele Fluggäste ihren Bekanntenund Geschäftspartnern von der persönlichenBetreuung in Frankfurt. Daher fragenPassagiere mittlerweile gezielt nach diesemServiceangebot.Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig.Chinesische Passagiere, die das Einkaufenam Airport mit einen Personal Shopperausprobieren wollen, können einfach undspontan diese Nummer anrufen: 0049-174-1550602. Der Einkaufsservice ist kostenlos.China ist mit rund einer Million Passagierenpro Jahr ein zunehmend wichtiger Markt.Die Chinese Personal Shopper sind Teil desServiceprogramms „Great to have you here!“,das der Flughafen Frankfurt ins Leben gerufenhat, um mit vielen Verbesserungen den Abfl ugund das Umsteigen an Deutschlands größtemAirport noch komfortabler zu machen. DerFlughafen Frankfurt begrüßte 2011 mehr als56 Millionen Passagiere.Weitere Services des Flughafen Frankfurtfi nden Sie unter www.frankfurt-airport.Foto: Fraport FrankfurtNeues Internetangebot für chinesischeFluggästeNach dem Start einer Web App und einesEinkaufsberaterservices für chinesischeFluggäste reagiert der Frankfurter Flughafennun mit einem weiteren Angebot auf diesteigende Zahl chinesischer Passagiere amgrößten deutschen Luftverkehrsdrehkreuz:Seit Anfang April bietet er seine Internetseite


12 I 2013 GASTBEITRAG III34 27 30www.frankfurt-airport.de auch in einerchinesisch-sprachigen Version (cn.frankfurtairport.com)an, die den Fluggästen aufden Verbindungen von und nach China dieOrientierung und die Planung ihres Aufenthaltsam Frankfurter Airport noch einfacherund bequemer macht.Bei der chinesischen Version der Homepagehandelt es sich nicht um eine einfacheÜbersetzung der bestehenden deutschenund englischen Inhalte. Die Seite ist vielmehrindividuell auf die Informationsbedürfnisseder Reisenden aus China zugeschnittenund bietet neben den klassischen ReiseundFlughafenthemen vor allem detaillierteInformationen zum Warenangebot, zuEinkaufsmöglichkeiten, zur Verfügbarkeitvon besonders beliebten Marken sowieMöglichkeiten der Mehrwertsteuerrückerstattungam Flughafen.Der chinesische Luftverkehrsmarkt – einer derweltweit am stärksten wachsenden überhaupt– ist für den Frankfurter Flughafen von großerBedeutung: Deutschland ist das beliebtestewesteuropäische Reiseziel chinesischerTouristen; auf den Verbindungen von undnach China zählte der Flughafenbetreiberim vergangenen Jahr rund eine MillionPassagiere. Vor diesem Hintergrund soll dasneue Onlineangebot gezielt den Reisekomfortund die Aufenthaltsqualität der ständigzunehmenden Zahl chinesischer Fluggäste inFrankfurt weiter steigern.Foto: Fraport FrankfurtDie wichtigsten Kontaktinformationen für chinesisch-sprachigePassagiere des FrankfurterFlughafens im Überblick:Website: cn.frankfurt-airport.comMit dem Mobiltelefon: www.webapp.frankfurtairport.cnQuelle: Fraport, FrankfurtInternationale Tourismusausgaben in Mrd. DollarJahr China Deutschland USA Großbritanien Rußland2009 43,7 81,2 74,1 50,1 20,92010 54,9 78,1 75,5 50 26,62011 72,6 85,9 78,2 51 32,92012* 102 83,8 83,5 52,3 42,8* vorläufi ge WerteQuelle: Statista.de / United Nations World Tourism Organization


12 I 2013 GASTBEITRAG IV28FeldversucheEntwicklungsstrategiender chinesischen Stadtpanerim PerlflussdeltaChristian Wuttke, Universtität BremenIm chinesischen Perlflussdelta experimentierendie Stadtplaner und externeExperten mit neuen Entwicklungsstrategien.Sie orientieren sich dabeizunehmend an den Bedürfnissen derBevölkerung und hören sogar auch aufderen Stimmen.In China lebte 2011 jeder Zweite in der Stadt– 1978 war es noch jeder Fünfte. Seitherströmten Millionen ehemaliger Bauern ausdem Hinterland in die heutigen Ballungsräumean der Küste. Die Reform- undÖffnungspolitik, die um 1980 begann, löstedie vermutlich größte Binnenmigration derMenschheitsgeschichte aus. Die zuständigenRegierungs- und Verwaltungsinstanzenkonnten das rasante Wachstum der Städtenicht steuern. Unkoordinierte InvestitionsundEntwicklungsprojekte und informelle,häufig auch illegale Bebauung sind schonlange nicht mehr ungewöhnlich.Die Zentralregierung übertrug den Lokalverwaltungen– und zwar nicht nur in dendortigen Sonderwirtschaftszonen – wichtigeEntscheidungskompetenzen. Diese kommunalenEntscheidungsträger nutzten ihreneuen Gestaltungsspielräume für die StadtundWirtschaftsentwicklung. Klare Zuständigkeitenwurden aber nicht definiert, sodass das politisch-administrative System bisin die untersten Ebenen hochkomplex undschwer durchschaubar bleibt.Die Kommunalverwaltungen führen auf ihremTerritorium in Eigenregie wirtschaftspolitischeExperimente durch. Reformen sind im chinesischenTransformationsprozess oft zunächstauf klar defi nierte Räume begrenzt, in denensie erst getestet werden. Wenn sie sich bewähren,wird ihr Modell in anderen Regionenund später möglicherweise auch landesweitumgesetzt. Die Städte des Perlfl ussdeltas fungierenals Labore der nationalen Reformpolitik.Die südchinesische Provinz Guangdongwurde als erste Region für Marktwirtschaftund internationale Investoren geöffnet.Im dortigen Perlflussdelta sind denn auchheute die negativen Begleiterscheinungendes Booms deutlich sichtbar: überlasteteVerkehrsinfrastruktur, Mangel an Versorgungseinrichtungen,Umweltverschmutzungund Verfall ehemaliger Industrie- undWohnviertel. Es gibt im Delta nur nochwenige landwirtschaftlich genutzte Flächen.Für die Reformpolitik Chinas gilt das Perlflussdeltaals wichtige Vorreiterregion.Foto: R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.de


12 I 2013 GASTBEITRAG IV 29Zwischen den Städten herrscht dabei Konkurrenz.„Erfolgsgeheimnisse“ werden nichtgern mit anderen geteilt. Der Standortwettbewerbinsbesondere um internationaleInvestoren wird derzeit schärfer, und es kommtvor allem im Bereich der gemeinsamenInfrastrukturentwicklung zu Koordinationsproblemen.So bleiben bislang beispielsweisedie Verkehrsverbindungen innerhalb desDeltas unterentwickelt. Die Planung behindertdarüber hinaus, dass innerhalb einzelnerStädte zahlreiche Akteure mit unterschiedlichenInteressen, aber teilweise überschneidendenKompetenzen an der Stadtentwicklungmitwirken.Master- und DetailplanungErst 1989 wurde eine gesetzliche Grundlagefür die Stadtplanung geschaffen. Diesesieht eine langfristige Masterplanung fürbis zu 20 Jahre und eine in der Regel auffünf Jahre angelegte Detailplanung vor. Derlangfristige Planungszeitraum und die starrenbürokratischen Genehmigungsverfahrenerwiesen sich aber bald als inkompatibel mitder Dynamik des Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums.Die alte planwirtschaftlichePraxis, dass Behörden Vorgaben für dieFlächennutzung ohne Rücksicht auf die Bedürfnisseder Unternehmen und der Bevölkerungmachen, funktioniert vielerorts schonlange nicht mehr.Heute setzen die Planungsbehörden nichtmehr Produktionsziele fest, sondern definierenEntwicklungsziele. Ressourcenwerden nicht länger zentral zugewiesen, unddie Vergabe von Land wird durch die Kommunalverwaltungengesteuert. Partikularinteressenprivater Unternehmen und staatlicherOrgane setzen sich dabei aber oft gegen dieformale Stadtplanung durch. Weil die Problemeschnell zunahmen, erlebt die Stadtplanungim Perlflussdelta in den letzten Jahrenbemerkenswerte Innovationen. Seit denspäten 90er Jahren wird mit neuen Planungsmodellenexperimentiert.Geburt der strategischen StadtplanungIm Sommer 2000 konsultierte dasGuangzhou Municipal Planning BureauPlanungsinstitute von Hochschulen, um neueStrategien zu formulieren. Ohne die sonstüblichen strikten inhaltlichen, formalen undmethodischen Vorgaben wurde so einegesamtstädtische Vision für das Guangzhoudes 21. Jahrhunderts entwickelt. DieErgebnisse wurden noch im selben Jahrveröffentlicht und markierten die Geburt derstrategischen Stadtplanung in China.Foto: R_by_Dieter Schütz_pixelio.deUnter dem Titel „Expansion im Süden, Optimierungim Norden, Fortschritt im Osten undVerbindung im Westen“ wurden Ziele definiert,die weiterhin gelten:• „Expansion im Süden“ steht für die industrielleErschließung der Stadtteile Panyuund Nansha. Rund um einen neuen Tiefwasserhafen,der derzeit entsteht, isteine Gewerbezone vor allem für SchwerundChemieindustrie geplant.• „Optimierung im Norden“ betont denSchutz der dortigen Trinkwasserreservenfür die Stadt. Sie sieht aber auch weiteresurbanes Wachstum rund um den neueninternationalen Flughafen und den Ausbauder Infrastruktur vor.• „Fortschritt im Osten“ bestätigt die Rolledes Guangzhou Development District alsHauptwachstumszentrum der Metropole.Hier sollen wissensbasierte HightechUnternehmen angesiedelt werden.• „Verbindung im Westen“ bedeutet, dieNachbarstadt Foshan besser anGuangzhou anzubinden.Die ökonomische Restrukturierung und Stadterneuerunggeht dabei sehr weit. GanzeStadtteile werden umgebaut. Eine neuefunktional gegliederte Stadtstruktur soll diehistorisch gewachsene ersetzen. In derUmsetzung der Planung wird indessenauf detaillierte Vorgaben verzichtet, umfl exibel agieren zu können.Guangzhou will sich als wichtigstes politischesund wirtschaftliches Zentrum Südchinasbehaupten. Sein Modell hat derweil Schulegemacht: Konzeptplanung wie in Guangzhou


12 I 2013 GASTBEITRAG IV 30ist heute in allen größeren Städten Chinasüblich.BürgerbeteiligungAuch in Shenzhen hat sich die Planung neuenAkteuren geöffnet: den Bürgern. Shenzhengenoss als erste Sonderwirtschaftszonelange Zeit Sonderrechte. Noch heute hat dieStadtregierung Gesetzgebungskompetenz.Deshalb konnte sie die sogenannte statutarischePlanung (Statutory Planning) einführen,die das öffentliche Interesse an derStadtplanung berücksichtigt und formal verabschiedetePläne rechtlich verbindlich macht.Shenzhen vermeidet so wesentliche Schwächender chinesischen Stadtplanung:• Die Planungshorizonte sind wesentlichkürzer; die Planung wird jährlich neu aufgelegt.• Es herrscht Rechtssicherheit.• Die Öffentlichkeit wird in den Planungsprozesseinbezogen.Planungsentwürfe liegen 30 Tage lang aus,sodass Einzelpersonen und OrganisationenÄnderungswünsche und Vorschläge einreichenkönnen. Ein Stadtplanungskomitee, dasals eigenständige Instanz eingerichtet wurde,prüft und bewilligt diese. Ihm gehören 29Personen an, von denen höchstens 14 Beamteder Stadtregierung sein dürfen. Da Entscheidungenaber mit Zweidrittelmehrheit fallen,haben die Beamten eine Art Vetomacht.Die Bürger engagierten sich aber zunächstkaum. Weil die Stadtregierung ihre Bedürfnisseverstehen wollte, suchte sie nach neuenBeteiligungsformen. Sie gründete ein Unternehmen(„Public Power“), das standardisierteMeinungsumfragen durchführt – etwa über dieQualität der Schulen oder des öffentlichenNahverkehrs. Mittlerweile sind die Bürgerauch aktiver geworden und können übereine Internetplattform Vorschläge machen.Foto: R_by_Florentine_pixelio.deAusblickNeue Planungsmodelle haben in China zwarnicht die gesetzlich vorgeschriebene MasterundDetailplanung außer Kraft gesetzt;sie haben sie aber um neue Elemente ergänzt.Die Stadtplanung wird zunehmendprofessionalisiert und gewinnt Steuerungskapazitätenzurück, wobei Dinge wie Standortmarketing,Image und ökonomischeAttraktivität immer mehr Beachtung fi nden.Das Perlflussdelta bleibt ein Experimentierfeldder Stadtplanung und Stadtentwicklungin China. Die Behörden in Guangzhouund Shenzhen achten auf ihre Gestaltungsmacht.Sie bemühen sich, mehr über Bedürfnisseder Bevölkerung und der Wirtschaftzu erfahren. Was sich bewährt, wird früheroder später auch anderswo in China übernommen.Christian Wuttke ist wissenschaftlicher Mitarbeiterder Universität Bremen. Sein Buch„Die chinesische Stadt im Transformationsprozess“beruht auf seiner Promotion an derUniversität Osnabrück und erschien 2012bei Edition Sigma in Berlin. / cwuttke@iaw.unibremen.deDie Stadtplanung in Shenzhen unterliegt zwarnicht demokratischer Kontrolle durch Wahlen,die Bürger sind aber eingeladen, sich mitVorschlägen zu beteiligen. Die Stadtregierungist ernsthaft am Informationsaustauschinteressiert.Dieses „passive“ Beteiligungsmodell giltoffenbar als Erfolg. Public Power arbeitetbeispielsweise auch im Auftrag andererGebietskörperschaften in China, die solideGrundlagen für ihre Planung brauchen.


12 I 2013 NACHRICHTEN 31Nachrichten aus ChinaFoto: Rainer Sturm/pixelio.deExperten erwarten weiterhin positivesWirtschaftswachstumChinas stabile wirtschaftliche Entwicklungim Oktober stärkte die Erwartungen derÖkonomen, dass es dieses Jahr zu einemglücklichen Ende kommen wird. Trotz einerleichten Inflation wachsen der Industrie- undder Dienstleistungssektor. Das NationaleStatistikamt berichtete am Samstag, dassder Industrieertrag im Oktober 10,3 Prozenterreicht hat. Im Vormonat lag die Kennzifferbei 10,2 Prozent. Dieses Wachstum war höherals im Markt erwartet wurde und lässt sich aufdie Produktion zurückführen, die im Vergleichzum Vorjahr um 11,4 Prozent wuchs. DerVerkauf von Gebrauchsgütern im Einzelhandelstieg um 13,3 Prozent – die gleiche Rate wieim September.Anlageinvestitionen, die im Kampf gegen dieglobale Finanzkrise das Rückgrat der weltweitzweitgrößten Volkswirtschaft bildeten, fl achtenin den ersten zehn Monaten leicht ab underreichten ein Wachstum von 20,1 Prozent,verglichen mit 20,2 Prozent von Januar bisSeptember.Gemäß dem für China zuständigen HSBC-Ökonomen Qu Hongbin gibt es keinSignal, welches auf eine konjunkturelleAbschwächung im vierten Quartal hinweist:"Die wirtschaftliche Situation wird sich inden letzten zwei Monaten des Jahres nichtverschlechtern", sagte er.Unterdessen stieg die Inflation im Oktoberum 3,2 Prozent, verglichen mit 3,1 Prozentim Vormonat. Wie das Statistikamt berichtete,lässt sich die stärkere Inflation vor allem aufeinen 6,5 prozentigen Preisanstieg bei denLebensmittelpreisen zurückführen. In denersten zehn Monaten dieses Jahres lag derKonsumentenpreisindex im Schnitt bei 2,6Prozent, was weniger ist als die 2,7 Prozentwährend der gleichen Zeitspanne im Vorjahr.Der Produzentenpreisindex, ein Indikatorfür die industrielle Inflation, sank im Oktobermit 1,5 Prozent schneller. Im Septembersank er im Vorjahresvergleich bloß um 1,3Prozent. Lu Zhenwei, ein Finanzexperte beider Industrial Bank, erwartet für das letzteQuartal eine leichte Verbraucherinflation.Es gebe keinen Grund, sich in diesem Jahrüber Inflationsdruck Sorgen zu machen.Industrieunternehmen erleben allerdingsnach wie vor einen großen Druck durch dieüberschüssigen Produktionskapazitäten,welche sich in den ständig fallenden Preisenihrer Produkte manifestieren.Da die Gesamtinfl ation auf einem vergleichsweisetiefen Niveau blieb, rechnen Ökonomendamit, dass die gegenwärtige Geldpolitiknicht verändert wird. "Aber eine gewisseFeinabstimmung am offenen Markt wirderforderlich sein, um die Kapitalzuflüsse in dasLand zu sichern ", sagte Qu von der HSBC.Neben den positiven kurzfristigen wirtschaftlichenWachstumserwartungen rechnenÖkonomen stark mit einem langfristigenAusgleich zwischen der Entwicklung und


12 I 2013 NACHRICHTEN 32der strukturellen Reform. Sie sind sich einig,dass beim Wirtschaftswachstum in Chinasieben bis acht Prozent künftig die "normaleGeschwindigkeit“ sein wird. Dies ist eineAbkehr von den bisherigen zweistelligenWachstumsraten.Am selben Tag veröffentlichte das Statistikamtseine Konjunkturindikatoren für den Oktoberund berief sich dabei auf ein Treffen derhöchsten Führer des Landes in Beijing, beidem die Reformagenda für die nächstenfünf bis zehn Jahre besprochen wurde.Die Führung strebt ein nachhaltigeresWachstum an. Um dies zu erreichen will sieden Entwicklungsmodus in ein von Konsumangetriebenes Modell umwandeln.Quelle: german.china.org.cnBeijing geht entschlossen gegen LuftverschmutzungvorDie Beijinger Stadtregierung hat vor kurzemihren Fünf-Jahres-Aktionsplan für saubereLuft (2013 bis 2017) veröffentlicht. Darinbringt sie umfassende und einschneidendeMaßnahmen auf den Weg, in einem Versuch,die starke Luftverschmutzung in der Stadt zubekämpfen.Laut dem Aktionsplan will Beijing die Teilchendichtemit dem Maßstab PM 2.5 bis zum Jahr2017 um 25 Prozent oder mehr verringern.Die Luftqualität wird sich demnach deutlichverbessern, wenn die PM 2.5 Dichte auf rund60 Mikrogramm pro Kubikmeter gehalten wird.Die wichtigsten Ziele des Plans sind in 84Aufgaben unterteilt, an denen 42 Ministerienund 23 Unternehmen beteiligt sind.Der PM 2.5, ein wesentlicher Schadstoff in derHauptstadt, stammt von Kohleverbrennung,Fahrzeug- und Industrieemissionen. FangLi, stellvertretender Leiter des städtischenAmtes für Umweltschutz Beijing, sagte beieiner Pressekonferenz am Montag, dassder neue Aktionsplan aus acht Projektenzur Emissionsreduzierung sowie weiterensechs Maßnahmen zur Sicherstellungder Umsetzung des Plans besteht. "DieReduzierung der Luftverschmutzung duldetkeinen Aufschub, auch wenn das eine großeHerausforderung für uns darstellt", sagteFang.FahrzeugemissionenAuf Fahrzeugemissionen entfallen 22,2Prozent der Beijinger PM 2.5 Partikel,wie aus den Messdaten des städtischenAmtes für Umweltschutz Beijing ausdem Jahr 2012 hervorgeht. Dies zeigt,dass Fahrzeugemissionen ein wichtigerVerursacher der Luftverschmutzung sind.Insgesamt enthält der Plan 22 Maßnahmen,um Autoabgase in Beijing zu reduzieren."Die Gesamtzahl der Fahrzeuge in Beijing wirdbis zum Ende 2017 auf rund sechs Millionenbegrenzt werden. Es werden jedes Jahr mehrFahrzeuge der neuen Energien eingesetzt.Darüber hinaus wird es auf Beijings Straßen200.000 Fahrzeuge geben, die von neuer undsauberer Energie angetrieben werden", sagteRong Jun, Sprecher der städtischen BeijingerKommission für Verkehr.Rong wies darauf hin, dass Beijing seinejetzigen Maßnahmen zur Verkehrsüberwachungbis zum 10. April 2014 beibehaltenwird, um Verkehrsstaus zu reduzierenund die Luftqualität zu verbessern. "Im Jahr2012 wurden mehr als 900.000 Pkws davonabgehalten, täglich zu fahren. Im vergangenenJahr wurden die Schadstoffemissionen um42.000 Tonnen verringert", sagte Rong mitBezug auf Statistiken des Beijinger Amtes fürUmweltschutz.KohleverbrauchDer neue Plan schränkt den jährlichenKohleverbrauch der Hauptstadt um zehnMillionen Tonnen bis zum Jahr 2017 ein – einRückgang von 13 Millionen Tonnen seit 2012.Außerdem sollen in den nächsten vier Jahrenalle Kohlekraftwerke abgeschaltet werden.Bis zum Ende das Jahres 2014 werden viergasbefeuerte thermische Kraftwerke gebaut."Die Senkung des Kohleverbrauchs um13 Millionen Tonnen ist eine gewaltigeAufgabe. Wir haben bereits drei Institutionengegründet, um [ein positives Ergebnis]zu gewährleisten, darunter eines für dieAufteilung und Klärung der Zuständigkeitenfür die verschiedenen Abteilungen sowie dieEinrichtung von Mechanismen zur Evaluationund Rechenschaftslegung“, sagte GaoXinyu, Leiter der Abteilung für Energie undRessourcen der Beijinger Kommission fürEntwicklung und Reform.Quelle: german.china.org.cn


12 I 2013 NACHRICHTEN33Chinesische Führung will neuen Fahrplanfür die WirtschaftAls der 18. Parteitag der KP Chinas im vergangenenJahr die neue Führung Chinaswählte, versprach diese, den "ChinesischenTraum" verwirklichen zu wollen. Mit demBeginn der dritten Plenarsitzung des 18.Zentralkomitees (ZK) der KP Chinas amSamstag versucht die Parteiführung nun,einen wirtschaftlich gangbaren Weg zur Verwirklichungdieses Traums aufzuzeigen.China hatte bereits im letzten Jahr damit begonnen,seine Wirtschaft komplett umzubauen.Einige vorläufige Ziele bei diesemProzess wurden auch bereits erreicht.Die Daten des Nationalen Statistikbüroszeigen, dass das chinesische BIP imdritten Quartal des laufenden Jahres um7,8 Prozent gewachsen ist. Alle wichtigenWirtschaftsindizes, wie zum Beispiel diejenigenfür Investitionen, Konsum und auchder Export, gehen nach oben. Der wichtigeEinkaufsmanagerindex beispielsweise stiegim Oktober auf 51,4 Prozent – ein 18-Monats-Hoch, was zeigt, dass es dem Markt nicht anOptimismus und Zuversicht mangelt.Die wirtschaftliche Restrukturierung desLandes macht FortschrittePrivatinvestitionen und Binnennachfragewachsen mit stabilen Raten, während dieDienstleistungsbranche sogar ein höheresWachstum verzeichnet als die traditionellenIndustrien. Kein Wunder also, dass der Anteildes Dienstleistungssektors am BIP um 0,2Prozent gestiegen ist.Alle Indizes zeigen also, dass es derchinesischen Wirtschaft 2013 – trotz derweltweit nachlassenden Konjunktur –ziemlich gut geht. Vor dem Hintergrundeiner stagnierenden Weltwirtschaft hatdie chinesische Führung behutsam undflexibel neue Maßnahmen eingeführt, die einnachhaltiges Wirtschaftswachstum und mehrStabilität garantieren sollen.Zhang Liqun vom chinesischen Zentrum fürEntwicklungsforschung drückte es so aus:"Die Partei hat drei unumstößliche Ziele:stabiles Wachstum, strukturelle Anpassungenund Reformen."Der Staatsrat hat zu diesem Zweck eineganze Reihe an Maßnahmen implementiert:Kreditfonds sollen künftig die Realwirtschaftunterstützen, landwirtschaftliche Klein- undKleinstbetriebe erhalten Unterstützung,der Binnenkonsum wird angekurbelt – alldiese Maßnahmen erhöhen die Vitalität derWirtschaft."Die Maßnahmen zur Unterstützung von KleinundKleinstbetrieben erhöhen das Vertrauenim Markt", sagte Li Hua, Inhaber eines kleinenElektrounternehmens in Shanghai. "UnserVerkaufsvolumen ist von 3,65 Millionen Euroim ersten auf 12,2 Millionen im dritten Quartalgewachsen – ein unglaubliches Ergebnis."Huang Yuchuan von der Carnegie-Stiftungfür Internationalen Frieden sagte, dass Chinaallen Unkenrufen zum Trotz keine "harteLandung" erlebt habe. Alle Maßnahmenmüssten aber auch von strukturellen Anpassungenund Reformen begleitet werden,um von Dauer sein und die tieferliegendenEntwicklungsprobleme lösen zu können.Wie viele andere Länder hat auch China einProblem mit Überkapazitäten. So ist beispielsweiseder Preis für Kohle um ein Drittelgefallen, und die Profite der Stahlindustriesind so gering, dass mit der Produktioneiner Tonne Stahl nicht genug Gewinn erwirtschaftetwerden kann, um sich davon auchnur eine Dose Cola zu kaufen. Die Regierungversucht derzeit, das Problem durcheine geeignete, langfristige Strategie unterKontrolle zu bekommen.Der nächste und vielleicht auch einer derwichtigsten Gründe, warum sich Chinaüber eine wirtschaftliche TransformationGedanken machen muss: die gewaltigeLuftverschmutzung, die vor allem der Bevölkerungin den Städten zu schaffen macht.Um dieses Problem unter Kontrolle zubringen, hat die Regierung den "Aktionsplanzur Kontrolle und Verhinderung von Luftverschmutzung"ins Leben gerufen, derzwischen 2013 und 2017 implementiertwerden und dafür sorgen soll, dass die Verschmutzungin Ballungsgebieten wie Beijingund der Provinz Hebei wieder auf einerträgliches Maß zurückgeführt wird. Zusätzlichdazu werden umweltfreundlicheBranchen, wie zum Beispiel die Solarindustrie,weiter gefördert.Währenddessen verstärkt die Regierungdie Gesundheitsfürsorge und -industrieund versucht darüber hinaus, den Konsumvon Informationsprodukten und -dienstleistungenweiter anzukurbeln. Nie Gaominvon der Nationalen Kommission für Reform


12 I 2013 NACHRICHTEN 34und Entwicklung drückte es wie folgt aus:"Der Druck, den der Rückgang des Wirtschaftswachstumsausübt, ist gewaltig, und dieRegierung versucht derzeit, einen gangbarenWeg der Restrukturierung und Reform zufi nden, der die Wirtschaft stabilisiert."Quelle: german.china.org.cnZK-Tagung in Peking: Mehr Markt, wenigerStaatPEKING. Am 12. November 2013 gingdie lang erwartete 3. Tagung des 18.Zentralkomitees der KommunistischenPartei Chinas zu Ende. Traditionell geltendie dritten Plenen als die Plattform, auf derentscheidende neue Richtlinien für die weitereWirtschaftsentwicklung verabschiedet wurden.So war es 1978 der Fall, als die ReformundÖffnungspolitik beschlossen wurde, dieder Startschuss für die atemberaubendeWirtschaftsentwicklung der vergangenen mehrals 30 Jahre war.Im Vorfeld der diesjährigen Tagung gabes viele Spekulationen, dass ähnlich„revolutionäre“ Beschlüsse zu erwartensind. Was am Ende herauskam, kann nachersten Betrachtungen nicht als „revolutionär“eingestuft werden. Das wichtigste Signalist, dass die Reform- und Öffnungspolitikvertieft und auf eine neue Stufe gehobenwird. Galt bisher die Marktwirtschaft alsBasis, soll sie nun ein Wesensmerkmal derWirtschaft werden. Die Rolle des Staatesund der Staatsunternehmen wird weitereingeschränkt, Marktkräfte sollen dieWirtschaftsprozesse bestimmen. Gleichzeitigwird vor Experimenten wie beispielsweise inder Sowjetunion gewarnt, die in den 1990erJahren zu einem Kollaps der sowjetischenWirtschaft geführt haben.Bestätigt wurdeweiterhin der Wille, im Finanzmarkttiefgreifende Reformen durchzuführen.Ausdruck dafür ist die bereits im Septembereröffnete Freihandelszone in Shanghai,in der unter anderem eine vollkommeneLiberalisierung des Renminbi-Yuans erreichtwerden soll.Auf die in den vergangenen Jahren derReformen entstandenen gesellschaftlichenUngleichgewichte eingehend, wurdeunterstrichen, dass bei allen Reformschrittensoziale Gerechtigkeit im Mittelpunkt stehenmuss. Umweltschutz und bessere Bildungschancenfür alle seien ebenfalls Voraussetzungenfür die neue Etappe in der wirtschaftlichenEntwicklung.In den kommenden Wochen wird dieverabschiedete „Blaupause“ für die weiterenReformen durch konkrete Maßnahmenunterlegt. Dazu soll ein neues zentrales„Führungsteam für die Vertiefung derReformen“ geschaffen werden.Quelle: german.china.org.cnDie wichtigsten Investitorenländer weltweitim Jahr 20122013 2011 Land InvestitionRang Rang in Mrd. $1 1 USA 328,92 2 Japan 122,63 6 VR China 84,24 4 Hong Kong (SVR) 845 3 Vereinigtes Königreich 71,46 11 Deutschland 66,97 12 Kanada 53,98 7 Rußland 519 13 Schweiz 44,310 10 Britische Jungferninseln 42,4Quelle: GTAI; UNCTAD: World Investment Report2013Defizitbekämpfung im Kohlebergbau,Schließung unrentabler BergwerkePEKING Die chinesische Regierung hatam 28.11. durch das Regierungsbürodes Staatsrates eine Mitteilung bezüglichder „Vorschläge zur Konsolidierung desKohlesektors“ (kurz: „Vorschläge“) gemacht,die die Wiedergesundung des in wirtschaftlicheSchwierigkeiten geratenen Kohlesektorbetreffen. Diese Vorschläge sehen strengeRichtlinien bei der Errichtung neuerBergwerke vor, Kontrolle und Schließungneuer Bergwerke, deren Förderkapazitätunter 300.000 T Kohle pro Jahr liegt, sowiesolcher, deren Förderkapazitäten beiKohle und Gas bei unter 900.000 T liegen.Die „Vorschläge“ beziehen sich hauptsächlichauf fünf Bereiche: 1. Von sachlichenÜberlegungen geleitete Begrenzung derKohleförderung und Eindämmung des


12 I 2013 NACHRICHTEN 35ungezügelten Wachstums der Kohleproduktion.2. Abschaffung unsachgemäßerKohleabgaben und schnellere Reformder Steuern auf Rohstoffe, tatsächlicheErleichterungen der Steuerbelastung fürBetriebe der Kohlebranche: 3. Verbesserungder Strukturen beim Im- und Export von Kohleund sowie eine verbesserte Verwaltung fürdiesen Bereich. 4. Weitere Verbesserungder innerbetrieblichen Verwaltung undVerbesserung des Niveaus in Produktionund Handel; 5. Neuausrichtung der Entwicklungskräfte.Kapital dürfe nicht geringer sein als dieSchuldenlast. Betriebe mit hohem Kapitalverlustund ohne Hoffnung auf Behebungdes Defizits müssen rechtzeitig und entsprechendder gesetzlichen Vorgaben geschlossenwerden. Darüber hinaus müssenlokale Regierungen und Ämter rechtzeitigKontrollmechanismen schaffen, um so aktivzu einer Normalisierung der Lage auf demchinesischen Kohlemarkt beizutragen.Quelle: China Daily Chinese Edition29.11.2013In Bezug auf die wichtige Frage derschrittweisen Reduktion der steuerlichenBelastung für Betriebe des Kohlesektorssehen die Vorschläge vor, dass das Finanzministeriumund die Kommission für Entwicklungund Reformen noch vor Ende desJahres 2013 eine Konsolidierung der Abgabensituationin den Hauptkohleförderungsprovinzendurchführen. Ein Verbot gegenunkontrollierte Abgaben, Kapitalbeschaffungenund Steuern soll erlassen werden, um so diefinanzielle Belastung der Kohleindustrie tatsächlichzu erleichtern. Gleichzeitig soll dieRegelung zur Besueuerung des RohstoffsKohle reformiert werden. Gemäß dem Willendes Staatsrates sollen die entsprechendenBehörden um-gehend eine diesbezüglicheine Arbeits-gruppe bilden und dem StaatsratBericht erstatten.Verantwortliche aus der staatlichen Kommissionfür Reform und Entwicklung sowieder Energiebehörde haben ihre Absicht bekräftigt,den Betrieben sowohl bei der Lösungbestehender Entwicklungsfragen helfenzu wollen als auch Umstrukturierungsmechanismenzu entwickeln. Die Betriebesollen in ihrer Entwicklung angeleitet werden,wobei das Ausmaß der Intervention möglichstgering zu halten ist.Weiterhin wird in dem „Vorschlägen“ gefordert,die von alten Bergbaubezirken und altenBergbaubetrieben hinterlassenen Problemezu lösen. Die sozialen Funktionsträger ehemaligerBergwerke wurden teilweise bereitslokalen Institutionen wie Schulen, Sicherheitsämternüberstellt und kostenmäßig entsprechendder politischen Richtlinien in daslokale Finanzbudget übertragen. Für anderesoziale Funktionsträger soll dieser Prozessebenfalls beschleunigt durchgeführt werden.Foto: 550522_original_R_by_Günter Havlena_pixelio.deChinesisch lernenLektion 15未 来(wei lai)ZukunftDie „Vorschläge“ fordern deutlich, Umstrukturierungsmechanismenzu perfektionieren. Das


12 I 2013 KUNST & KULTUR37Verbinden.Angst Verstehen. vor der Vertrauen Mumie?Die Geschichte der„Gelben Gefahr“Foto: R_K_B_by_twinlili_pixelio.deDas Goethe-Institut feiert sein 25jährigesBestehen in China.Ein Interview mit Peter Anders, Länderdirektordes Goethe-Instituts ChinaCIHD: Das Goethe-Institut feiert in diesemJahr 25 Jahre Jubiläum. Ist das Jahr 2013für Sie Jubiläums- und Freudenjahr?Peter Anders: Es ist wunderbar, dass dasGoethe-Institut seit 25 Jahren in China tätig ist.Das ist die Leistung von so vielen Menschen,sodass man an dieser Stelle all jenen dankenmuss, die daran mitgewirkt haben, ob dieeigenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, diechinesischen Partnereinrichtungen, obKünstler und Künstlerinnen aus China undDeutschland, die ungezählten Freunde desInstituts, die alle den Kulturdialog über dieJahre mit Leben gefüllt haben.CIHD: Wie hat sich das Goethe-InstitutChina in den letzten 25 Jahren stufenweiseentwickelt?Peter Anders: Die Rahmenbedingungen fürdie Arbeit des GIs in China haben sich starkverändert. Der Aktionsradius, den wir ausfüllenkönnen, ist stark erweitert. Angefangenhat alles mit einer kleinen Einheit der Sprachvermittlungdes Deutschen, die dann immerstärker ausgebaut wurde. Später kamen dannneue Aufgabenbereiche im Hinblick auf dieInformations- und Programmarbeit hinzu.Die Nachfrage stieg stetig an, die Partnerschafthat sich vertieft, und es entstandenerweiterte Kooperationsformen und vieleSonderprojekte wie die Deutschlandjahreoder die Internet-Plattform des „deutschchinesischenKulturnetzes“.CIHD: Was für ein Jahr oder welcheVeranstaltungen aus den vergangenen25 Jahren waren für das Goethe-Institutbesonders wichtig?Peter Anders: In jedem Bereich gibt es ganzeigene Erfolge. Die Partnerschulinitiative,die aktuell erweitert wird, ist beispielhaft. DieWirkungen, die Künstler und Intellektuelle,wie Walser und Habermas entfalteten,großartig. Insgesamt ist es die Kontinuität,durch die fortwährend neue Impulse für dasgegenseitige Interesse geschaffen werdenkonnten.CIHD: Welchen Eindruck haben dieseVeranstaltungen in China bzw. beim GIhinterlassen?Peter Anders: Die „erfolgreichen“ Veranstaltungensind die, die bleiben, über die manauch noch nach Jahren nachdenkt und diealso Spuren hinterlassen. Das sind oftmalsgar nicht die lauten, Schlagzeilenträchtigen„events“, sondern die stillen Begegnungen.CIHD: Das Goethe-Institut ist eine sichselbst verwaltende NGO. Es ist nicht auffinanziellen Gewinn ausgerichtet, undunabhängig von der Politik. Wie ist dasVerhältnis zwischen dem Goethe-Institutund dem Auswärtigem Amt, also der


12 I 2013 KUNST & KULTUR14 36 38deutschen Regierung?Peter Anders: Das GI ist ein eingetragenerVerein, der Aufgaben wahrnimmt, die in einemRahmenvertrag zwischen dem Aus-wärtigenAmt und dem Goethe-Institut festgehaltensind. Um diese Aufgaben zu erfüllen, bekommtdas Goethe-Institut einen Zuschuss ausöffentlichen Mitteln. Trotz dieser Zuwendungist das Goethe-Institut autonom in dem, wases auf Grundlage der bilateralen Absprachenleistet. Wir sind im ständigen Dialog mit demAuswärtigen Amt bzw. mit den Botschaften vorOrt über das, was wir im Einzelfall tun, ohneunsere Unabhängigkeit dadurch infrage zustellen.CIHD: Können Sie durch Beispiele dieseUnabhängigkeit von der Politik beschreiben?Peter Anders: Es kommt manchmal vor,dass uns unsere Selbstkritik vorgeworfenwird. Ich halte dem entgegen, dass diese einTeil der Glaubwürdigkeit unserer Arbeit ist.CIHD: Das Goethe-Institut hat herausragendeKultur in China präsentiert, fantastischeVeranstaltungen durchgeführt undChina das deutsche Verständnis zur Arbeitnäher gebracht. Um diese kulturellen Veranstaltungenzu ermöglichen, braucht manenorme finanzielle Unterstützung. Wiehoch sind die jährlichen Ausgaben desGIs? Woher bekommt das Goethe-Institutdie finanzielle Unterstützung? Wie verteiltsich die Finanzierung auf die unterschiedlichenArbeitsbereiche? WelcheEinnahmequellen hat das Goethe-Institut?Wie hoch sind die jährlichen Einnahmenungefähr? Bis zu welchem Grad kanndas Goethe-Institut seine Ausgaben durchdie eigenen Einnahmen selbst abdecken?Peter Anders: Das Goethe-Institut ist nurso stark, wie es seine Partner sind. Insofernkönnen wir das alles nur tun, wenn wir hier inChina unterstützt werden. Man kann sagen,dass wir zu 2/3 aus öffentlichen Geldernfi nanziert werden und zu 1/3 aus Einnahmen.Der deutsche Staat investiert also sehr vielin seine weltweit fast 150 Goethe-Institute.Aufgrund der Krise der öffentlichen Haushaltesind wir auf Drittmittel angewiesen, um denStandard halten zu können.CIHD:Was möchte das Goethe-InstitutChina vermitteln?Peter Anders: Das Goethe-Institut tut gutdaran deutlich zu machen, dass die Neugierdeauf das Fremde einen Gewinn darstellt, und wirwollen Dinge ermöglichen, die sich sozusagenam Rande und außerhalb des kommerziellenInteresses und des Kunstmarktes bewegen.Also Verständnis dafür schaffen, dass Kunstund die sich in ihr artikulierende Utopie eineNotwendigkeit in einer Welt sind, die sehrstark von Ökonomie und Politik bestimmt wird.Wo bleiben unsere Träume, wie artikulierensich unsere Ideen, unsere Vorstellungen,wenn nicht unter Einsatz der Kreativität inder Kunst? Könnten wir diese Einsicht befördern,so wäre das ein schönes Ziel unsererVermittlungsarbeit. Es gibt ein Leben jenseitsder Effi ziensrendite.CIHD: Glauben Sie denn, dass die Vermittlungsarbeitdes Goethe-Instituts den realenZustand in Deutschland reflektiert?Peter Anders: Natürlich gilt dieses Momentder ersehnten Utopie auch für Deutschlandund hinter der Utopie steckt die Realität, diedurch sie vorscheint. Deutschland hat dochviel geleistet im Hinblick auf die Aufarbeitungseiner eigenen Geschichte, auf die selbstkritischeBestandsaufnahme, auf die Position,die es heute einnimmt in der Welt. Es kanndoch vermittelt werden, dass es wichtig ist,nationale Interessen zu überwinden zugunstendes Globalen. Die Toleranz der Gesellschaft,die auch Minderheitsmeinungen aufnimmtund sie als Eigensinn betrachtet, hat diedeutsche Gesellschaft doch sehr stark entwickelt.Es ist ein gutes Beispiel, wenn wirdieses auch zur Diskussion stellen.CIHD: Gibt es einen Fokus bei denProgrammformaten?Peter Anders: Wir entwickeln Projekte vonden Inhalten her, nicht von den Formaten.Also uns interessiert zunächst mal dieFragestellung, warum wir etwas tun, also diegesellschaftliche Relevanz in unseren beidenKulturen. Das kann dann ganz unterschiedlichvergegenständlicht werden: in einer Theateraufführungoder in einem Film oder im Tanz.Gerne würden wir auch zeigen, wie sich eineFragestellung in den verschiedenen Medienund Sparten ausdrückt. Also, wenn ich zumBeispiel das Thema „Erinnerungskultur“habe, dann interessiert mich die Frage, wieich damit im Bereich des Körpers und desChorographischen umgehen kann, wie sichalso Erinnerung in den Körper einschreibt,aber auch der Ausdruck im Bereich des


12 I 2013 KUNST & KULTUR39Bildnerischen. Natürlich auch im akademischenKontext und im intellektuellen Diskurs.Diese Komplexität der verschiedenenFormate ist – glaube ich – ein richtigerAnsatz, der nicht zuletzt auch der Grunddafür ist, dass unsere Arbeit von unserenPartnern sehr geschätzt wird.CIHD: Mit welchen Überlegungen entscheidetman sich für das Veranstaltungsprogramm?Peter Anders: Ich habe schon gesagt, dieRelevanz der Frage für beide Kulturen istentscheidend. Wobei ich natürlich an dieserStelle betonen möchte, dass Kulturen keineabgeschlossenen Systeme sind, sondern einerDynamik unterliegen, die sie auch durchlässigmachen. Diese Prämisse ist Voraussetzungfür einen glückenden Kulturdialog. Wenndiese Einsicht in die Relevanz nicht besteht,dann kann Kulturdialog leicht scheitern. Daherauch mein Plädoyer an die Neugierde derMenschen. Wenn wir uns nicht wirklich dafürinteressieren, wie andere mit aktuellen Fragestellungenumgehen, wenn wir nur das Interessehaben, dass die Anderen das Gleichedenken wie wir, dann sind die Voraussetzungfür einen glückenden Dialog nicht gegeben.Insofern ist diese Analyse der Fragestellung zuBeginn der Projektgenese so wichtig für dieEntscheidung zugunsten eines Programms.CIHD: Nach unserer Erfahrung sind diemeisten Veranstaltungen des Goethe-Instituts kostenfrei, falls eine doch kostenpflichtigist, zahlt man nur einen geringenEintrittspreis. Die Veranstaltungen desGoethe-Instituts sind für jedermann freizugänglich. Stimmt das?Peter Anders: Wir möchten den Zugangerleichtern zu dem, was es schwer hat, sichim Betriebssystem Kunst zu behaupten.CIHD: Also wie Sie sagen, dass es eindezidiertes Ziel des GI ist, den Menschenin den Partnerländern den Zugang zuneuen Kunstdiskursen zu ermöglichen undNeugierde zu wecken?Peter Anders: Genau.CIHD: Stellt das Goethe-Institut auch diechinesische Kultur in Deutschland vor?Peter Anders: Das tun wir nicht, wenngleiches in Ausnahmefällen vorkommt, dass wirgemeinsame Produktionen fördern, die inChina entstanden sind und anschließendauch einem deutschen Publikum gezeigtwerden sollen.CIHD: Welcher kulturelle Aspekt könnteIhrer Meinung nach das Land Chinaam besten symbolisieren?Foto: Goethe-Institut China


12 I 2013 KUNST & KULTUR40Peter Anders: Ich denke, dass das zeitgenössischeSchaffen vieler junger chinesischerKünstler und Künstlerinnen dasdeutsche Publikum überraschen würde, dennes ist inhaltlich und formell sehr viel komplexerals man gemeinhin glaubt.CIHD: Welche Arbeit hat das Goethe-Institut zum Bereich „visuelle Kunst“ geleistet?Peter Anders: Die Frage, die wir stellen,lautet: „Gibt es eine universelle Bildspracheund wie beeinflussen kulturelle Kontexte dasVisuelle, das uns allgegenwärtig ist?“ DasWerk von Bernd und Hilla Becher, das wirexemplarisch vorstellten, für nachfolgendeGenerationen, die sich der so genannten „konzeptuellenFotografie“ verpflichteten und dievon Deutschland aus weltweit starke Beachtungfand. Zur Referenz wird etwas, wenn esvon denen, die es wahrnehmen, langfristigweiter getragen wird. Das ist das, was manmit „Nachhaltigkeit“ bezeichnet, wobei ichdieses Wort im Kunstkontext schrecklichfinde, denn es kommt aus der Ökologie undÖkonomie. In der Kunst bedeutet „Nachhaltigkeit“wohl „Betroffenheit“ – der Punkt, andem mich ein Kunstwerk nicht mehr loslässtund meine eigene künstlerische Praxis motiviertund befragt. Ob etwas zur Referenz wird,zeigt die Geschichte. Die Kunstgeschichte istja voll davon.unterscheiden. Das können klimatische, strukturelle,aber auch politische Unterschiede sein.In China herrscht ein anderes politisches Systemals in Europa. Die Frage, die sich stellt,ist die, ob man die damit verbundenen Regelnmitträgt oder sie unterläuft, weil sie dem eigenenWeltentwurf widersprechen. Ich bin bereit,meine eigene Position zu befragen und nehmezugleich den Einwurf ernst, dass ein Kulturrelativismusals Schwäche ausgelegt werdenkann.CIHD: Die Feier für das 25-jährige Jubiläumwird eng mit dem Thema „Verbinden.Verstehen. Vertrauen“ verbunden sein.Welche Ideen und Vorstellungen habenSie zu diesem Thema?Peter Anders: Die Schaffung von Netzwerken– das „Verbinden“ - ist die Voraussetzungdafür, dass man aufeinander zugeht undden Anderen wahrnimmt. Wenn man das tutund ihm zuhört, wird man auch in die Lageversetzt sein, die andere Perspektive zunächsteinmal wahrzunehmen und dann hoffentlichzu „verstehen“. Wenn das gelingt, ist dieVoraussetzung gegeben, das Gespräch zuvertiefen. Es ist das Utopische und Optimistischean unserem Motto, dass diesesMiteinander zu jenem „Vertrauen“ führt, dasdie Voraussetzung ist für eine bessere Welt.Dieses idealistische Moment dürfen wir unsnach 25 Jahren Arbeit in China gönnen.Interview mit freundlicher Unterstützung desGoethe-Instituts China, PekingChinesisch lernenLektion 16Foto: Goethe-Institut, Feng ShuoCIHD: Das Goethe-Institut ist in unterschiedlichenLändern tätig. Je nach denverschiedenen nationalen Gegebenheitenerfährt das Goethe-Institut sicherlich verschiedeneSchwierigkeiten. Gab es besondereSchwierigkeiten für das Goethe-Institut in China?合 作(he zuo)ZusammenarbeitPeter Anders: Das Goethe-Institut ist mit fast150 Instituten und in über 90 Ländern vertreten.Sie können sich vorstellen, dass es invielen dieser Länder Bedingungen gibt, diesich von denen in Deutschland und Europa


12 I 2013 MITGLIEDER SPEZIAL 41Delegationen zu Gastbeim CIHDHerr Lu und Prof. LuanFoto: CIHDDüsseldorf - Der Chinesische Industrie- undHandelsverband e.V. empfängt Delegierteder Shandong Zhaojin Group Co. Ltd.sowie der JCHX Group Co. Ltd.. Am 19.August besuchten Herr Dongshang Lu, Vorstandsvorsitzenderder Shandong ZhaojinGroup Co. Ltd., sowie der stellvertretendeGeneral Manager Herr Wenge Shi den CIHD.Bei dieser Gelegenheit haben die ShandongZhaojin Group Co. Ltd. und die FamousIndustrial Group als Mitglied des ChinesischenIndustrie- und Handelsverbandes e.V. eineÜbereinkunft zur strategischen Zusammenarbeitunterzeichnet und Gespräche überverschiedene Kooperationsprojekte geführt.Darunter waren Technik in den Branchenuntertägige Klimatisierung, untertägigerStreckenvortrieb und Schwefelsäure-Rückgewinnung aus schwefelhaltigen Nebenprodukteneines Prozesses zur Herstellungvon Edelmetall, etc.Die Shandong Zhaojin Group Co. Ltd. hatihren Sitz in der Stadt Zhao Yuan, ProvinzShandong, die aufgund der dort beheimatetenGoldproduktion auch als Hauptstadtdes chinesischen Goldes bekannt ist; dieGruppe zählt zu den größten Betrieben mitder höchsten Produktivität innerhalb derchinesischen Goldbranche. Die Gruppewurde in ihrer heutigen Form im Juni 2002gegründet. Sie verfügt über ein Gesamtkapitalvon 1 Mrd. Yuan und gliedert sich in 3100%ige Tochterunternehmen, 11 Aktiengesellschaften,1 Teilhaberschaft an einerAktiengesellschaft, 2 Zweigunternehmen und4 Vertretungen und beschäftigt insgesamt12.000 Mitarbeiter. Zur Zeit führt die Firmaden kompletten Produktionsprozess vonFörderung, Einschmelzung, Verfeinerung,Weiterverarbeitung und Handel von GoldundSilberprodukten durch. Im Vergleich zuanderen chinesischen Bergbauunternehmenhat sie dabei die niedrigsten Produktionskostenund ist gleichzeitig der größte GoldverhüttungsbetriebChinas. Die Firma verfügtüber Goldreserven von über 600 Tonnen. DerZhaojin Bergbau AG GmbH, die zur Gruppegehört, gelang mit einem Kapital von über250 Mio. Hong Kong Dollar am 8.12.2006der Eintritt in den Hong Konger Markt. DerGesamtgewinn der Gruppe betrug im Jahr2012 mehr als 4 Mrd. Yuan bei einem Gesamtsteuervolumenvon über 300 Mio. Yuan;sie konnte ein starkes Wachstum verzeichnenbei sicherer Produktionsweise und unter Vermeidungumweltschädigender Vorfälle.Herr Lu und Herr Shi nahmen auch die Gelegenheitwahr, die Firma GTA MaschinensystemGmbH mit Sitz in Hamminkeln sowiedie Firma WAT GmbH zu besuchen. AmFolgetag besuchten sie einen in Duisburgansässigen Betrieb, der über die weltweitfortschrittlichste Technik zur Schwefelrückgewinnungverfügt sowie die inMönchengladbach ansässige berühmte Stahlakademie.Darüber hinaus führte der VorstandsvorsitzendeHerr Lu erfolgreiche Gesprächein der Cologne Business School.Am 26. September besuchte eine Delegationder JCHX Group Co. Ltd. unter Führung desVorstandsvorsitzenden, Herrn Xiancheng


12 I 2013 MITGLIEDER SPEZIAL14 42Wang, den CIHD; beide Seiten führtenGespräche über eine mögliche zukünftigeZusammenarbeit im Bereich des Bergbaussowie der damit in Zusammenhang stehendenTechnologien.Die JCHX Group Co. Ltd. (nachfolgendeinfach als JCHX bezeichnet) wurde imDezember 1997 gegründet und ist jetzt eineKapitalinvestment AG, die über vielfältigeGeschäftszweige verfügt. Sie blickt aufeine langjährige Firmengeschichte zurück,innerhalb derer sie – stets nach dem Kernprinzipder Rechtschaffenheit handelnd –einen Weg mit chinesischen Besonderheitenbeschritten hat, der von einfachen zumodernen Arbeitsprozessen, von traditionellerTechnik zur Hochtechnologie und von Industrieund Handel zu Kapitalgeschäften geführt hat.Das Kernstück der Firma liegt heute in ersterLinie in der Marktanalyse und nachgeordnetin der sich schnell entwickelnden industriellenProduktion.Die Delegation besuchte außer dem CIHDauch dessen Mitgliedsunternehmen dieFamous Gruppe, die GTA MaschinensystemGmbH sowie die Firma WAT WärmeaustauschtechnikGmbH zu technischenGesprächen.Die Delegation der JCHX im Gespräch bei FamousFoto: CIHD


12 I 2013 UNTERNEHMEN 43Firmenportrait des CIHD MitgliedunternehmensCERTUSS DampfautomatenGmbH & Co. KGCERTUSS ist seit Jahrzehnten Marktführerund Vorreiter in Fragen Energieeffizienzund Umweltbewusstsein im Bereich derSchnelldampferzeugung. Unsere jüngstenNeuentwicklungen, die Dampfautomaten derneuen Baureihen CERTUSS Universal TC(für Gas und Öl) und E 6-72 M (für Strom)dienen dank innovativer modulierenderLeistungsregelung optimal dem Einsatz inIndustrie- und Gewerbebetrieben. DieUniversal TC-Baureihe gibt es in vierLeistungsstufen. Sie liefern zwischen 500und 1800 Kilogramm Dampf in der Stundeund bestechen durch sofortige energiereduzierendeLeistungsanpassung beivariierender Dampfabnahme, eine deutlichvereinfachte Bedienung und völlige Netzwerkfähigkeit.Die eigengefertigten Bauteile wieRohkessel, Drucksysteme, Brennerausrüstungenund Elektrosteuerungen vervollständigendie Produktpalette. AufWunsch liefern wir unsere Dampfautomatenmit komplettem Zubehör als betriebsbereitevormontierte Einheit. Weitere Zusatzausrüstungenwie etwa eine Thermotimat-Steuerung ermöglichen einen personalfreien,vollautomatischen Betrieb. Die Anlagen sindmit einem intelligenten Steuerungsmodul ausgestattet.Dessen Speicher enthält Listen allerGerätekomponenten. Bei Fehlermeldungenwissen die Monteure sofort, welche Ersatzteilebenötigt werden, was positive Auswirkungenauf die Servicequalität hat und dieWartungskosten senkt.CERTUSS Dampfautomaten Dampfverfügbarkeitin Sekundenschnelle 30%größere Energieeffizienz. Bis zu 102%feuerungstechnischer Wirkungsgrad mitBrennwerttechnologie.Mit Dampf wird geheizt, gekocht, sterilisiert,erhitzt, gereinigt und gelöst. UnzähligeProduktionsprozesse benötigen eine kontinuierlicheDampfzufuhr. Dampf ist allgegenwärtig,und je effizienter er produziert wird,umso positiver wirkt sich dies auf die Klimabilanzdes Anwenders aus.Das Mitarbeiterteam von CERTUSS in derZentrale im niederrheinischen Krefeld und amzweiten Produktionsstandort im bayerischenZusmarshausen ist inzwischen auf über100 Beschäftigte angewachsen. Allein 45Facharbeiter sichern den Nachschub aneigengefertigten Bauteilen wie Rohkesseln,Drucksystemen, Brennerausrüstungen undElektrosteuerungen. Den reibungslosenService sichert CERTUSS in Deutschlandmit 25 eigenen Technikern, weitere Kollegenund Kolleginnen arbeiten in Vertrieb, Verwaltungund der starken Forschungs- undEntwicklungsabteilung.Um den Nachwuchs kümmert sich CERTUSSin besonderer Weise. Als zertifizierterAusbildungsbetrieb werden im KrefelderWerk, in Kooperation mit der Siemens AG,Mechatroniker und Industriemechanikerausgebildet. 2013 konnte CERTUSS wiederzwei Auszubildende nach erfolgreich absolvierterAbschlussprüfung in den Mitarbeiterstabübernehmen. Interessierten Jugendlichender Berufsfachschulen bieten wir zusätzlichbei Eignung Praktikumsplätze in unsererFertigung und in der Elektrowerkstatt an.Das Anfang 2013 im Werk Krefeld eingeweihteSchulungszentrum schafft zusätzlichideale Rahmenbedingungen für AusundWeiterbildungen von Kunden und Technikern,die sich mit der Funktionsweiseunserer CERTUSS Dampfautomaten undderen Wartung vertraut machen wollen. Hierfinden auch die regelmäßig stattfindendenWeiterbildungsmaßnahmen unserer in- undausländischen Vertriebspartner als auchunseres hauseigenen Serviceteams statt.Dampf? CERTUSS !Kontaktperson / Ansprechpartner:Sales Executive AsiaHolger Deimannh.deimann@certuss.com+49(0)2151-578190+49(0)170-6353682Dampfautomaten der Firma CertussFoto: Certuss


Präsidiumsmitglieder CIHDEhrenpräsident: Canrong MaGesandter und bevollmächtigterChinesischer Botschafter in Deutschland a. D.Vizepräsident: Dr.-jur. Matthias MitscherlichVorstandsvorsitzender a. D.MAN Ferrostaal AG (2002-2010) Ferrostaal Vorstandsvorsitzender a. D.Athens International Airport S.A.Präsident: Prof.-Ing. Wolfgang LuanGeschäftsführender GesellschafterFAMOUS Holding GmbH & Co. KG, GermanyVizepräsident: YiLiuGeneral Manager AssistantState Development & Investment Corporation (SDIC)VorstandvorsitzenderSDIC Xinji Energy Co., Ltd. (börsennotierte AG)


Kuratorium (Beirat) In alphabetischer Reihenfolge Changsen BuVorstandsvorsitzenderShandong Energy Group Co., Ltd.Dr. Jochen PleinesDirektorLandesspracheninstitut in derRuhr-Universität Bochum (LSI)Helmut DiegelHauptgeschäftsführerIHK Mittleres Ruhrgebiet, BochumDr. Ottilie ScholzOberbürgermeisterinStadt BochumDirk ElbersOberbürgermeisterLandeshauptstadt DüsseldorfZhiyuan TaoVorstandsvorsitzenderShandong Fengyuan Group CorporationLimitedDr. Gerhard EschenbaumStellvertr. HauptgeschäftsführerIHK DüsseldorfMingsheng WangVorstandsvorsitzenderHuaibei Coal and Mining Group Co., Ltd.Youling LiGeneral ManagerKunming Iron & Steel Holding CorporationPetra WassnerGeschäftsführerinNRW.INVEST GmbHDr. Hans-Peter MerzLeiter InternationalIHK Mittleres Ruhrgebiet, BochumReinhold ZimmermannGeschäftsführerZimmermann Investment GmbH & Co. KG


12 I 2013 IN EIGENER SACHE 46Unsere SchwerpunkteDie Mehrzahl der deutschen CIHD Mitgliedersind mittelständische Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen.Etwa die Hälfte ist im BereichMaschinen- und Anlagenbau inklusiveBergbau angesiedelt. Ein Drittel der Mitgliederverteilt sich auf den Dienstleistungssektor,wobei die Rechts-, Steuerberatung und Wirtschaftsprüfungdie größte Gruppe stellt. Auchdie Redaktion des CIHD Magazins orientiertsich an diesem Profi l. Unser Ziel ist es, Informationenbedarfsorientiert zu selektierenund an Sie weiterzugeben. Den vom CIHDorganisierten regelmäßigen Veranstaltungenstehen externe Referenten und Experten zurSeite, die einen regen Erfahrungs- und Informationsaustauschgewährleisten. Somit wirddas Netzwerk der Mitglieder untereinander gefördertund intensiviert.Für Fragen und Anregungen stehen wir Ihnenselbstverständlich jederzeit zur Verfügung.Leistungsangebot des CIHDUnseren Mitgliedern stehen insbesonderefolgende Leistungen zur Verfügung:• Informations- und Beratungsdienste• Zweimonatliche Publikation des CIHDMagazins• Recherche und Marktsondierung• Veröffentlichung von Projektgesuchen undProjektangeboten• Vermittlung von Investoren aus China• Kooperationsbegleitung• Regelmäßige Veranstaltungen mit themenbezogenemErfahrungsaustauschIhr Ansprechpartner:CIHD e.V.,Zülpicher Strasse 540459 DüsseldorfTel.: 0211 500 81 30Fax: 0211 500 81 31Email: info@cihd.deInternet. www.cihd.deCIHD Mitglieder nach Branchen4% 2%MaschinenbauAnlagenbau9%11%26%DienstleistungBergbauindustrielle Zulieferer15%24%9%Rechts- und SteuerberatungKunsthandwerkChemie

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