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38 gingen, erwiderte ich

38 gingen, erwiderte ich ihm etwas unwirsch, dass es im Auto nur ein Steuerrad gebe, welches ich ja in den Händen habe, und falls er gerne fahren möchte, könne ich gleich anhalten, um mit ihm den Platz zu wechseln. Ansonsten aber wisse ich genau, wie ich nach Hause zu fahren hätte. Mit dem endete unsere Unterhaltung, und als ich ihm, als wir an unserem Wohnort angelangt waren, etwas scheu ein «Good Night» zurief, antwortete er mir mit einem unverständlichen Murmeln. Ich schlief in dieser Nacht schlecht. Immer wieder warf ich mir vor, mich falsch verhalten zu haben. Als nach langer Zeit der Morgen graute, hörte ich wie Sunnnyland seine Cousine, die gleich über uns wohnte, anrief, und ihr voll Stolz erklärte: «That Sam, I’m tellin’ you, he can really drive.» Beide Geschichten veranschaulichen meine Erwartungshaltung, die darauf basierte, dass der Ältere zum Jüngeren, der Meister zum Lehrling schaut und ihm mitteilt, wann die nächste Ebene erreicht ist. Erfahren habe ich dabei aber auch, dass ich für meine Interessen eintreten muss und ich der Einzige bin, der das tun kann. Es geht nicht darum, ob das eine System besser ist als das andere, sondern darum, Unterschiede zu erkennen und dementsprechend zu handeln. Es scheint mir, dass man in der Schweiz (und vielleicht allgemein im deutschen Sprachraum) oft fragt: «Darf man das? Ist das erlaubt?» während man hier in Amerika handelt, im Vertrauen, dass alles erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist – ein subtiler und wesentlicher Unterschied. Die richtige Sprache finden: Wie viele Europäer war ich zu Beginn meiner Zeit in Amerika der irrigen Auffassung, dass Englisch eine einfache Sprache sei. Ich hatte in der Schule British English, wie es die Amerikaner nennen würden, gelernt und daneben meinen Wortschatz mit Vokabeln aus der Blueswelt aufgestockt. So war denn mein Englisch eine recht wilde Mischung aus Oxford und Mississippi. Mein Partner Richard hat mich zum Glück von Anfang an korrigiert und so in meinem ‹Englischen Garten› für die nötige Hege und Pflege gesorgt. Auch meine Tätigkeit als Übersetzer und Dolmetscher hat mir immer wieder die Tücken dieser Sprache gezeigt. Englisch, als Mischsprache aus germanischen Elementen (Angelsächsisch) und dem romanischen Element (Normannisch), hat einen riesigen Wortschatz mit vielen spezifischen Ausdrücken. Wenn im Deutschen und Französischen Vokabeln in etwa bedeutungsgleich sind, hat im Englischen das jeweilige sinnverwandte Wort oft eine beschränktere Bedeutung. So ist im Englischen veal (le veau) nur noch das geschlachtete Produkt eines calf (das Kalb). Aber Sprachkenntnisse allein reichen nicht aus. Ohne kulturellen Hintergrund kommt man der amerikanischen Seele nicht auf die Schliche. In der Schweiz aufgewachsen und dort zur Schule gegangen, fehlte mir ein wichtiger Teil der amerikanischen Adoleszenz, Grades und High Schools und was sonst alles in dieser Zeit an amerikanischen Werten weitergegeben wird. Auch die Welt des Sports, vor allem Baseball und Football, haben in der ‹American Imagination› einen grossen Stellenwert. Geschichte und Politik kommen noch dazu. Und, vielleicht als wichtigster Teil, das grosse Geschenk der USA an die Welt: ‹Popular Culture›. Wie wir sie doch zu kennen glauben, diese amerikanische Kultur, aus dem Kino, dem Fernsehen, der Musik. Und doch entgeht sie uns ohne tiefere Landes- und Sprachkenntnisse leicht. Auf der Oberfläche verstehen wir sie, aber bei den Erwartungshaltungen, die die einzelnen Worte, Sätze oder Bilder in uns auslösen, merken wir, wie unsere eigenen Erwartungen von anderen Erfahrungen durchdrungen sind. ¬ Der Basler ‹Auswanderer› Sam Burckhardt lebt seit 1982 mit seinem Partner Richard Wilson, einem Rechtsanwalt, in Chicago. Er arbeitet dort als Musiker und Komponist. Sam Burckhardt hat schon etliche Schallplatten und CDs aufgenommen und arbeitet zur Zeit an seiner neusten Produktion.

«If you go to San Francisco» Schweizer Architekten in den USA Hubertus Adam Immer wieder sind seit dem 19. Jahrhundert einzelne Architekten oder Konstrukteure aus der Schweiz in den Ver- Zeichnung Längsschnitt des de Young Museums in San Francisco. © Herzog & de Meuron, Basel einigten Staaten mit wichtigen Werken hervorgetreten. Zuletzt Herzog & de Meuron mit dem unlängst eröffneten de Young Museum in San Francisco. Der Architekturkritiker Hubertus Adam stellt uns seine Auswahl von Schweizer Bauten in den USA vor ❙ George Washington Bridge: Als ‹grand old man› der Schweizer Architektur in Amerika müsste man wohl zunächst den bei Schaffhausen geborenen Konstrukteur Othmar Ammann (1879-1965) nennen. Er wollte nach einem an der ETH Zürich absolvierten Bauingenieurstudium in der Weite der Neuen Welt eigentlich nur einige Berufserfahrung sammeln. Doch Ammann blieb in New York, eröffnete 1923 sein eigenes Büro und wurde 1925 Chef der Port Authority, der Behörde, welche für die Hudson und East River querenden Infrastrukturverbindungen verantwortlich ist. Die George Washington Bridge, die Manhattan auf Höhe der 179. Strasse mit New Jersey verbindet, gilt als Ammnans Meisterwerk: 1931 eingeweiht, besass sie mit 1067 Metern die doppelte Spannweite der bis dahin längsten Hängebrücke der Welt. Mit der Verrazzano Narrows Bridge und ihrer Spannweite von 1298 Metern gelang dem Ingenieur wenige Monate vor seinem Tod ein neuerlicher Rekord. Ein Dutzend Brücken konnte Ammann im Grossraum New York realisieren – seine eleganten, das Wasser überspannenden Konstruktionen prägen das Bild der Metropole bis heute. Philadelphia Saving Fund Society: Auch die eigentliche architektonische Moderne in den Zwanziger- und Dreissigerjahren wurde in den USA weitgehend durch europäische Einwanderer bestimmt. Rudolph Schindler, Richard Neutra und der Schweizer William Lescaze (1896-1969) gelten als die Pioniere. In Onex bei Genf geboren und an der ETH Zürich diplomiert, wanderte der junge Lescaze 1920 in die Vereinigten Staaten aus. Nach einigen kleinen Bauaufträgen, die er mit seinem 1923 in New York gegründeten Büro ausgeführt hatte, gelang ihm und seinem Partner George Howe mit dem vor wenigen Jahren restaurierten und zu einem Hotel umgewandelten Gebäude der Philadelphia Saving Fund Society der Durchbruch. 39

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