7 - Die Regierung von Niederbayern

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7 - Die Regierung von Niederbayern

PLANEN UND BAUEN IN NIEDERBAYERN

Stadt im Wandel

Die Bevölkerungsstruktur in

Deutschland wird sich in den nächsten

Jahrzehnten wesentlich ändern.

Alterung und Rückgang der Bevölkerung

sowie Wanderungsbewegungen

werden für die Stadtentwicklung

bestimmende Einflussfaktoren

werden.

Zwar kommen die Prognosen zur

Bevölkerungsentwicklung je nach

Szenario zu unterschiedlichen Ergebnissen;

die Trendprognose,

wonach die Bevölkerung trotz höherer

Lebenserwartung bei gleich bleibend

niedriger Geburtenrate und

angenommener Zuwanderung mittel-

bis langfristig abnehmen wird, ist

aber eindeutig. Unstrittig ist auch,

dass sich der Altersaufbau der Bevölkerung

wesentlich verändern

wird; im Jahr 2050 wird jeder Dritte

in Deutschland über 60 Jahre sein.

Welche Auswirkungen haben diese

demographischen Veränderungen

auf die Stadtentwicklung in den

Städten und Gemeinden? Lassen

sich bereits heute Strategien entwickeln?

Nicht überall wird die Entwicklung

gleich verlaufen. Neben Wachs-

INFOBRIEF 7

tumsregionen, in denen auch künftig

Bauland knapp und teuer sein wird,

werden sich viele Kommunen mit

dem Phänomen der schrumpfenden

Stadt oder zumindest einer langfristig

stagnierenden Entwicklung zu

befassen haben.

Eine nachhaltige, umfassende und

vorausschauende Ortsentwicklung

wird vor diesem Hintergrund wichtiger

denn je. So kann möglicherweise

ein neues Baugebiet am Ortsrand

bereits in der nächsten Generation

an Attraktivität verlieren, weil

innerörtliche Grundstücke wegen


der kurzen Entfernung zu den Einrichtungen

des täglichen Lebens

begehrt sind.

Der Vorrang der Innen- vor der

Außenentwicklung hat – neben

dem Erfordernis des sparsamen

Umgangs mit Grund und Boden -

auch handfeste wirtschaftliche

Vorteile. Während jede neue Siedlungstätigkeit

auf der grünen Wiese

notwendigerweise Infrastrukturmaßnahmen

nach sich zieht,

kann bei der Revitalisierung innerörtlicher

Brachflächen in aller Regel

auf bestehende Reserven z. B.

bei der technischen Infrastruktur

oder der Erschließung zurückgegriffen

werden.

Dies hat Kostenvorteile für die

Gemeinde und für Private. Kommunale

Entwicklungskonzepte und

ein vorausschauendes kommunales

Flächenmanagement sind deshalb

notwendiger denn je.

Ein Patentrezept für den Umgang

mit den demographischen Veränderungen

gibt es nicht. Die indivi-

Nachnutzung einer gewerblichen

Brachfläche in Landshut

Direkt am Wasser, in unmittelbarer

Nähe zum Stadtpark - Läden, Praxen

und Kultureinrichtungen nur einen

Steinwurf entfernt - welches Baugrundstück

kann dies schon bieten?

In unseren Innenstädten finden sich

in zunehmendem Maße Bereiche,

die diese Chancen eröffnen.

Hier ist auf der brachliegenden

Fläche eines ehemaligen Autohauses

eine ansprechende, hochwertige

Wohnanlage entstanden. Fünf

aneinander gereihte „Stadthäuser“

entlang der Isar wurden mit zurück

gesetzten Koppelungsbauten verbunden.

So wurde auf die Maßstäblichkeit

der kleinteiligen Bausubstanz

in der Nachbarschaft reagiert

und die Neubebauung sensibel in

das städtebauliche Gesamtgefüge

eingebunden. Jede Wohnung verfügt

über einen privaten Freiraum,

sei es einen Gartenanteil, einen

Balkon oder eine Dachterrasse. Die

Stellplätze sind in einer Tiefgarage

unter dem halböffentlichen Innenhof

untergebracht. (Arch. Feigel

und Huber, Landshut; L.-Arch.

Wartner & Zeitzler, Landshut)

duellen Gegebenheiten in den

Kommunen lassen sich nicht einfach

übertragen. Erfahrungen und

methodische Ansätze müssen

angepasst werden. Vor dem Hintergrund

der sich abzeichnenden

Gesamtentwicklung wird die Bedeutung

vitaler Innenstädte und

Ortszentren, die Schaffung attraktiver

und lebenswerter Wohnquartiere

in den Zentren und die Er-

neuerung vorhandener Stadtstrukturen

noch bedeutsamer.

Kommunale Entwicklungskonzepte

zur Steuerung der baulichen Entwicklung

sind qualitätvolle Nachnutzungen

innerörtlicher Brachflächen

und die Wiedernutzung leergefallener

Bausubstanz. Die im

Infobrief gezeigten Projekte sollen

beispielhaft verschiedene Lösungen

aufzeigen.

1910 2001 2050

.

.

.

© Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2005


Baulandpotential

Entwicklungskonzept

Flächenpotentiale, -bilanzierung

Neuburg am Inn, Lkr. Passau

Die Gemeinde Neuburg a. Inn,

Nachbarkommune zur Stadt Passau,

hat auf die stetige Nachfrage

nach Baugrundstücken für Einfamilienhäuser

bei gleichzeitig fehlendem

verfügbaren Bauland mit

einem Entwicklungskonzept „Wohnen“

reagiert.

Zunächst wurde der Ist-Zustand

der Bauleitplanung analysiert. Es

stellte sich heraus, dass zwar Bauland

für 15 - 20 Jahre potentiell

vorhanden war, dieses jedoch

entweder nicht verfügbar oder ob

seiner Lage mit Nachteilen behaftet

war. Nach der Aktivierung der

privaten Flächen wurden in einem

zweiten Schritt Flächen für eine

neue Baulandentwicklung ermittelt.

Im Gegenzug wurden exponierte

Wohngebiete rückgeführt in land-

wirtschaftliche Flächen.

Nach Bewertung geeigneter

Grundstücke in einem Entwicklungsplan,

der mit den Belangen

des Natur- und Immissionsschutzes

sowie der Verkehrsinfrastruktur

abgestimmt wurde, konnten für

den Hauptort Neuburg a. Inn

Wohnbauflächen für die nächsten

10 – 15 Jahre informell dargestellt

werden.

(Städtebau: Wenzl+Huber, Passau;

Landschaftsplanung: Landschaft+

Plan.Passau, Neuburg a. Inn;

Mitwirkung: KBM Küblböck LRA

Passau, BD Seybold, Regierung von

Niederbayern).

Nachverdichtung von Siedlungsgebieten,

Passau-Grubweg

Die Wohnsiedlung entstand in den

50er Jahren für Werksangehörige einer

benachbarten Fabrik. Die Kreis-

Wohnungsbau GmbH führte im Jahr

1994 einen Ideen- und Realisierungswettbewerb

durch, um die 93 Wohnungen

zu modernisieren und die

einzelnen, relativ locker auf dem stark

hängigen Grundstück verteilten Häuser

nachzuverdichten. In einem ersten

Bauabschnitt entstand ein Neubau mit

elf Wohnungen. Zugleich wurden zehn

Häuser modernisiert und um je zwei

Wohnungen durch die Aufstockung

des Dachgeschosses erweitert. (Architekten

Wenzl + Huber, Passau)


Bauen in Niederbayern

Objekt: Brauerei Viechtach

Bauherr und

Konzept: Josef Spitzenberger, Viechtach

Die mächtigen ortsbildprägenden

Gebäude der ehemaligen Brauerei

verfielen zunehmend. Auf Basis

eines neuen Nutzungskonzeptes

wurde der gesamt Gebäudekomplex

saniert. Es entstanden Einzelhandelsgeschäfte,

Praxen und

ein kleiner Biergarten. Neue fußläufige

Verbindungen wurden

durch die Öffnung des Innenhofes

ermöglicht. Hier oder bei schlechter

Witterung im denkmalgeschützten

Stadel findet der wöchentliche

Bauernmarkt statt.

Objekt: Gartenhofhäuser, Landshut

Bauherrn: Bauherrngemeinschaft

Architekt: G. Püttmann, Landshut

Bereits im Jahr 1972 wurde für

eine Bauherrngemeinschaft eine

individuelle und flächensparende

Wohnanlage konzipiert. Die 12

eingeschossigen Winkelhäuser

sind so angeordnet, dass ca. 10 m

x 10 m große uneinsehbare private

Innenhöfe entstanden sind, von

denen aus die Wohn- und Schlafräume

belichtet werden. Diese

Wohnform hat bis heute nichts an

Attraktivität verloren. 10 Familien

der einstigen Bauherrn wohnen

noch in der Anlage.

Stadtumbau West Bündnis für Flächensparen

Seit 2004 steht Kommunen mit

besonderen Problemlagen in Folge

des wirtschaftlichen Strukturwandels

und der demographischen

Entwicklung (z. B. größere Brachflächen,

umfangreicher Gebäudeleerstand)

das Städtebauförderungsprogramm

Stadtumbau West

zur Behebung städtebaulicher

Probleme zur Verfügung.

Neues Modellvorhaben

„Leben findet Innenstadt“

Das Modellvorhaben der Obersten

Baubehörde richtet sich an bayerische

Kommunen, die gemeinsam

mit Immobilieneigentümern, Gewerbetreibenden

und Bewohnern

die Initiative ergreifen und ein innerörtliches

Gebiet in öffentlichprivater

Partnerschaft aktivieren

wollen. Näheres dazu im Internet:

www.lebenfindetinnenstadt.de.

Das Bündnis zum Flächensparen

wurde 2003 mit 28 Partnern auf

den Weg gebracht. Ziel ist es, die

Flächeninanspruchnahme für Siedlung

und Verkehr deutlich zu senken.

Ein erstes Maßnahmenpaket umfasst

die Prüfung gesetzlicher Vorgaben

und finanzieller Anreize

zum Flächensparen, die Bereitstellung

eines Handlungsleitfadens

sowie die Durchführung öffentlichkeitswirksamer

Aktionen.

In Pilotprojekten hat sich gezeigt,

dass durch ein kommunales Flächenmanagement

vorhandene

Baulandpotentiale aktiviert und

damit eine nachhaltige Entwicklung

befördert werden können.

Flächensparende Lösungen auf

qualitativ hohem Niveau sind danach

möglich. Nähere Informationen

hierüber finden sich unter

www.boden.bayern.de.

Objekt: Wohnen Passau/Kohlbruck

Bauherrn: Bay. Landessiedlung, Landshut

und Sparkasse Passau

Architekten: A2 Architekten, Freising

Auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände

wurde im Rahmen des

Programms Siedlungsmodelle

Bayern Ende 1995 ein städtebaulicher

Wettbewerb ausgelobt, mit

dem Ziel eine modellhafte Wohnsiedlung

zu errichten. Auf 13 ha

entstanden Baufelder für 300 –

500 Wohnungen sowie ergänzende

Gemeinbedarfs- und Infrastruktureinrichtungen.

Das Foto zeigt

einen Blick in den zentralen

Wohnweg mit den kompakten

Baukörpern.

Weitere Informationen

Arbeitsblätter für die Bauleitplanung

der Obersten Baubehörde im

Bayerischen Staatsministerium

des Innern: Nr. 13, „Flächensparende

Wohngebiete“; Nr. 16, „Kosten-

und flächensparende Wohngebiete“.

Arbeitshilfe „Kommunales Flächenressourcen-Management“,Bayerisches

Staatsministerium für Landesentwicklung

und Umweltfragen;

www.umweltministerium.bayern.de.

Regionale Bevölkerungsvorausberechnung

für Bayern bis 2020,

Bayerisches Landesamt für Statistik

und Datenverarbeitung; www.

statistik.bayern.de.

Bertelsmann-Stiftung „Demographie

konkret – Handlungsansätze

für die kommunale Praxis“;

www.bertelsmann-stiftung.de.

HERAUSGEBER: REGIERUNG VON NIEDERBAYERN KONZEPTION: STEPHAN LINTNER SATZ UND LITHO: REPROTECHNIK BENKLER, ALTDORF

KONTAKT: SACHGEBIET 420 – STÄDTEBAU KOORDINATION UND REDAKTION: GEORG HUBER DRUCK: ISARPOST, ALTHEIM B. LANDSHUT

TEL. (0871) 808 - 1459, FAX (0871) 808 – 1498 BEITRÄGE: STEPHAN LINTNER; ROBERT SEYBOLD;

September 2005

E-MAIL: elisabeth.mayerhofer@reg-nb.bayern.de BARBARA KORTMANN; TIM SCHNEIDER;

INTERNET: www.regierung.niederbayern.bayern.de GEORG HUBER VERVIELFÄLTIGUNG AUSDRÜCKLICH ERWÜNSCHT.

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