Protokoll - Eine Welt Netz NRW

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Landeskonferenz „Wie nachhaltig ist die Green Economy?“ vom 16.-17.03.2012Protokoll Workshop 4: Rio +40 –Wie wollen wir nachhaltig im Jahr 2030 lebenWie lebt Familie You in 20 Jahren? –eine interaktive ZukunftswerkstattReferentin: Tatjana Giese Jugendnetzwerk OpenglobeModeration: Nora Brüggemann CSCPZentrales Thema dieses Workshops war, wie das alltägliche Leben einer Familie im Jahr2032, 20 Jahre nach der diesjährigen Rio-Konferenz, aussehen wird. Den Hintergrund bildeteein exemplarischer Ressourcen-Fußabdruck der momentan einen Verbrauch von 35t proMensch ausweist. Bis zum Jahr 2050 soll dieser Verbrauch auf unter 8t gesenkt werden. DieHauptfrage in diesem Workshop lautet, was bedeutet dies nun für das Leben der Familie Youim Jahr 2030.Zunächst stellte Nora Brüggemann den Aufbau des Workshops vor, der sich wie folgtgliedert: Zur Einleitung in das Thema des Workshops wurde als erstes ein animierter Filmgezeigt, in dem die einzelnen Familienmitglieder der Familie You und ihr Leben im Jahr 2032vorgestellt wurden. Im Anschluss an den Film wurden dann in Kleingruppen zuverschiedenen Lebensbereichen der Familie You erste Visionen erarbeitet. Die Kleingruppenuntergliederten sich in die Lebensbereiche:1.) Kommunikation 20322.) Mobilität 20323.) Gesundheit und Gesellschaft 20324.) Konsum 20325.) Wohnen 2032Die Teilnehmer sollten nun visionäre Vorstellungen herausarbeiten, wie in diesen Bereichendie Lebensweisen verändert werden sollten, um das Ziel eines Ressourcen-Fußabdrucks von8t im Jahr 2050 zu erreichen. Nach der Erarbeitungsphase folgte die Vorstellung derwichtigsten Ergebnisse der jeweiligen Kleingruppen.Die Gruppe, die sich mit Formen der Kommunikation 2032 auseinandergesetzt hat,entschied sich für eine bildliche Darstellung der Ergebnisse. Es wurde von der Gruppe einBaum aufgezeichnet und die übrigen Teilnehmer sollten erraten, was dieser verdeutlichensollte. Ergebnis war, dass für die Kommunikation 2032 wichtig sein wird „Bewährtes mitNeuem zu verbinden“ und die Gemeinschaft und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.Die Gruppe, die eine Vision für Mobilität im Jahr 2032 entwickeln sollte, entschied sich füreine pantomimische Vorstellung ihrer Gruppenergebnisse. Hier standen vor allem derAusbau des ÖPNV und die dadurch bedingte engere soziale Verbindung im Vordergrund. DerMensch soll bis 2032 aus seiner isolierenden Stellung im Individualverkehr durch verbesserteÖPNV-Angebote herausgeholt werden.Das weite Feld von Gesundheit und Gesellschaft 2032 war das Thema von Gruppe 3. Hierwurden folgende Ergebnisse für diesen Bereich festgehalten. Zunächst stand hier vor allemein verändertes Bewusstsein im Vordergrund, welches sich bis 2032 eingestellt haben muss.Sowohl Entschleunigung der Gesellschaft als auch verstärkte soziale Solidarität


untereinander sieht diese Gruppe als Schlüsselvision. Subsummiert hat die Gruppe dieseVisionen mit der Aussage „Superschuhe statt Mercedesstern“. Damit sollte einerseits auf dasveränderte Gesundheits- und Wertebewusstsein angespielt werden, dass sich bis 2032eingestellt haben muss, aber andererseits auch der Aspekt eines bewussten, gesunden undaktiven Lebensstils aufgegriffen werden.Thema von Gruppe 4 war der Konsum im Jahr 2032. Da dieser Bereich sehr weit gefasst ist,entschied sich die Gruppe nur ein exemplarisches Beispiel einer Vision für den Konsum imJahr 2032 vorzustellen, und zwar ein Stecksystem für elektronische Geräte. Anstatt ganzverschiedener Einzelgeräte sollte nun ein Gerät viele Funktionen übernehmen.Mit dem Bereich des Wohnens im Jahr 2032 hat sich die letzte Gruppe auseinandergesetzt.Diese Gruppe entschied sich auch für eine Fragerunde, um ihre Ergebnisse sozusagenerraten zu lassen. Da der Wohnraum immer knapper wird, müssen neue Wohnformenentwickelt werden, die diesem Aspekt Rechnung tragen. Gemeinschaftliches Wohnen siehtdie Gruppe hier als Vision für die Zukunft. Individuelle persönliche Rückzugsräume, aberauch gemeinschaftlich genutzte Räume sollen einem veränderten WohnraumbedarfRechnung tragen.Nachdem alle Gruppen ihre Ergebnisse vorgestellt hatten, wurde der Workshop durch eineMittagspause zunächst unterbrochen. Nachdem alle Teilnehmer sich wieder eingefundenhatten, wurde mit dem zweiten Teil der interaktiven Zukunftswerkstatt begonnen. Dieeinzelnen Gruppen sollten nun, aufbauend auf den am Vormittag entwickelten Visionen,konkrete Maßnahmen und Ziele entwickeln. Diese Maßnahmen sollten sich auf die FelderPolitik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und das eigene Ich beziehen.Die Kommunikations-Gruppe stellte als Maßnahme für das Feld Wirtschaft die Förderungdes „Homeworking“ in den Vordergrund. Des Weiteren sollen große Aktionen (z.B. Flashmobin Bezug auf nachhaltiges Leben) ein Bewusstsein für Themen eines nachhaltigen Lebens beiden Menschen schaffen. Ziel muss es im zivilgesellschaftlichen Bereich sein, eine breitePlattform bei den Menschen zu bilden.Die Mobilitäts-Gruppe stellte für das Feld Politik das Ziel auf, durch einen Ausbau des ÖPNVeinen attraktiven Nahverkehr zu schaffen. Außerdem soll der nachhaltige Städtebauverstärkt gefördert werden. Eine regenerativ ausgerichtete Logistik ist das vornehmliche Ziel,das im Feld Wirtschaft erreicht werden soll. Für das Feld der Zivilgesellschaft lassen sich dieMaßnahmen unter den Begriffen Aktionstage, Labelling und Lobbying subsumieren. AlsMaßnahmen für das eigene Leben stellte die Gruppe den eigenen Verzicht sowie eineverstärkte ÖPNV-Nutzung in den Vordergrund.Als Maßnahmen für den Bereich Gesundheit und Gesellschaft 2032 erachtet diese Gruppedie Förderung der Bildung für nachhaltige Entwicklung, sowie für den Bereich derGesundheit die Förderung der Salutogenese als wichtigste Schritte für die Politik. Außerdemist es für die Politik wichtig, Möglichkeiten der organisierten Bürgerpartizipation (z. B.Verbandsklagerecht) zu ermöglichen. Gesamtziel der Politik für diese Bereiche muss es sein,dass die Zielvorgaben, die aus Aushandlungsprozessen der Zivilgesellschaft hervorgehen,umgesetzt werden. Für das Feld Wirtschaft soll vor allem die spekulative Geldwirtschaftbeschränkt werden. Sowohl im Bereich der Gesundheit als auch im Bereich der Gesellschaftsollte das Ziel der Gewinnfokussierung weit hinter die Ziele einer nachhaltigen Lebensweisezurücktreten. Als Maßnahmen sollten regionale Potentiale verstärkt genutzt und gefördertwerden, hierbei bietet sich eine Umnutzung des durch die Einschränkungen der spekulativenGeldwirtschaft frei werdenden Kapitals an. Die allgemeine Förderung des bürgerschaftlichenEngagements (z.B. Stärkung des Ehrenamts) muss Ziel im Feld der Zivilgesellschaft sein. Ziel


für das eigene Leben muss ein persönliches Verantwortungsbewusstsein gegenüber unsselbst, aber auch unserer Umwelt, sein.Konkrete Ziele und Maßnahmen für den Bereich des Konsums im Jahr 2032 sieht die Gruppein einheitlichen Stecksystemen für Elektrogeräte.Zunächst bedeutet dies als Ziel für das Feld des eigenen Lebens, dass man mehruntereinander Teilen muss. Dies fördert den sozialen Umgang und die soziale Integrationjedes einzelnen. Als Maßnahme führt dies dazu, dass sich die Menschen untereinander mehrabsprechen müssen, aber auch zu Einschränkungen, da nicht alles jederzeit verfügbar ist. Zielfür die Wirtschaft sollte es sein, langlebige und reparierbare Geräte zu produzieren, sowieeinheitliche Standards und Open-Source-Plattformen zu entwickeln, um die Kompatibilitätzwischen verschiedenen Geräten zu ermöglichen bzw. zu erhöhen. Für die Zivilgesellschaftbedeutet dies, dass Zugangsmöglichkeiten geschaffen werden müssen. Eine konkreteMaßnahme hierzu wäre, dass Stadtbibliotheken in Zukunft zu Medienzentren werden. DiePolitik muss im Gegenzug Bildungsziele wie Medienkompetenz bei den Bürgern fördern,sodass sich das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum erhöht. Außerdem muss eingesetzlicher Rahmen geschaffen werden, der Möglichkeiten der Weitergabe und des Teilensvon Medien zulässt. Konkrete Maßnahme für die Politik ist dann vor allem die Schaffunggesetzlicher Grundlagen, die einheitliche Standards für die Kompatibilität bewirken.Die Gruppe Wohnen 2032 sieht als Ziele für die Politik, dass gemeinschaftliche Wohnformengefördert werden, die Partizipation der Bürger verstärkt wird und das der Flächenverbrauchverringert wird. Für die Wirtschaft wird als Ziel gefordert, dass Genossenschaftswesen zufördern und auszubauen. Als konkrete Maßnahmen werden das Recycling von Baustoffen,sowie die energetische Gebäudesanierung benannt. Visionen für eine nachhaltigeLebensweise gemeinsam zu entwickeln und insgesamt das soziale Miteinander undZusammenspiel zu verbessern, wird die Anforderung an die Zivilgesellschaft sein. Für daseigene Leben bedeutet dies dann, sich selber Ziele zu setzen (sparen und planen), diepersönliche Bereitschaft sich einzuschränken und auch zu verzichten, sowie einer Offenheitanderen gegenüber. Eigenes Ziel muss es werden einen nachhaltigen, selbstbestimmtenLebensstil zu finden.Protokoll: Jan Dübner