Die chinesische Verpackungsindustrie ist auf dem Vormarsch

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Die chinesische Verpackungsindustrie ist auf dem Vormarsch

MÄRKTELebensmittelPharmaKosmetikChemieNon FoodDer Drache ist erwachtDie chinesische Verpackungsindustrie ist auf dem Vormarsch | Seit mehr als einer Dekade verzeichnetdie chinesische Verpackungsindustrie mit 11 % bis 16 % pro Jahr ein stabiles Wachstum auf sehr hohemNiveau. Der wertmäßige Ausstoß liegt derzeit bei gut 37 Milliarden Euro. Damit hat sich China imweltweiten Vergleich auf die dritte Position hochgearbeitet und liegt nun hinter den USA und Japan.Christian Rommel, Hong KongFoto: © Volker Schwere – Fotolia.com.Premierminister Wen Jiabao undStaatschef Hu Jintao haben mit demneuen 11. Fünfjahresplan (2006 –2010) die Weichen für die weitere wirtschaftlicheEntwicklung Chinas gestellt. EineWende sollte eingeleitet werden, dochder Ehrgeiz der Zielumsetzung ist ebensogewaltig wie die Herausforderung. Derwirtschaftliche Boom ohne Grenzen sollgezielt kanalisiert werden und ei-nem ausgewogenerem Wachstum weichen.Der Ausgleich der dramatischenKluft zwischen Arm und Reich einerseits,und der Stadt- und Landbevölkerung andererseits,hin zu einer gerechteren Verteilungdes Wohlstandes genießt dabei oberstePriorität. Qualität statt Quantität, heißtdas neue Motto, und das in allen Bereichenvon Industrie und Wirtschaft. Die Folgedieser Strategie waren und sind systematischeReformen wohin man sieht –auch in der Verpackungsindustrie.Konkret bedeutet diesinnovativeHigh-Tech-Produkte statt billigerMassenproduktion.Obwohl inChina imMoment eine Konsolidierungsphase zuherrschen scheint, ist für den kommenden12. Fünfjahresplan von 2011 bis 2015 einweiterer Schub zu erwarten und der Ausstoßder chinesischen Verpackungsindustriekönnte die 600 Milliarden RMB-Grenzeüberschreiten.Veränderte Konsumgewohnheitenfordern neue VerpackungslösungenDie rasante Entwicklung der Verpackungsindustriesteht ganz im Einklangmit der ständig wachsenden Volkswirtschaftund dem allgemeinen Anstieg desLebensstandards. Parallel dazu haben sichsowohl die traditionellen Einzelhandelsformenweiterentwickelt – heute dominierenin den urbanen Gebieten Supermärkte undConvenience-Stores – als auch haben sichdie Bedürfnisse der chinesischen Gesellschaftin Bezug auf ihre Verpackungsanforderungenund Konsumgewohnheiten geändert.Tiefkühl- und Mikrowellverpackungen,Kleinportionen aufgrund reduzierterHaushaltsgrößen und Take-Away-Produkte für eine zunehmend mobileBevölkerung erfreuen sich wachsenderPopularität. Von diesen Trends im Lebensmittelsektorprofitieren die internationalenMarkenartiklern, die mit großemWerbeaufwand neue Verpackungskonzepteund -lösungen in den Markt drücken. Inharten Zahlen bedeutet das eine zu erwartendeAusbringungsmenge im Verpackungsbereichvon geschätzten 36 MillionenTonnen im Jahr 2015. Diese gewaltigeZahl setzt sich zusammen aus 9.46 MillionenTonnen Kunststoffverpackungen,4.91 Millionen Tonnen Metallverpackungenund 15.5 Millionen Tonnen Glasverpackungen.Lebensmittelverpackungen vornFlexible Verpackungen verzeichneten inden vergangenen Jahren den höchsten Zu-*Der Autor dieses Artikels, Dipl.-Ing. Christian Rommel,ist geschäftsführender Gesellschafter der ROXAsia Consultancy Ltd. in Hong Kong, einem internationalenBeratungsunternehmen, das sich auf dieDruck- und Verpackungsindustrie Chinas spezialisierthat. www.roxasia.com.22]neue verpackung 10.2008


wachs innerhalb der Lebensmittelverpackungen.Der wachsende Einfluss westlicherKonsumgewohnheiten bei der Verwendungund Zubereitung bestimmterNahrungsmittel fordert hier seinen Tribut.Das betrifft vor allem die Bereiche Fleischprodukte,Back- und Süßwaren, eingelegteLebensmittel, frische oder tiefgekühlte Produkte,Saucen, Mitnahmeprodukte wieKartoffelchips und Snacks und Milchprodukte.Beispiele für Letzteres wären Milchpulver,aber auch Einzelportionen für Eiscreme.Der tägliche Verbrauch im Niedrigpreissegmentstieg in den letzten Jahrenin manchen Bereichen inzweifachen Prozentzahlen, wiebeispielsweise bei Milchschläuchen.Die Entwicklung und derEinsatz immer neuer Folienverbundemit kombinierten Barriereigenschaften– man bedenkehier die hohen Unterschiede vonTemperatur und Luftfeuchtigkeitinnerhalb der einzelnen ProvinzenChinas – machen den hohenverpackungstechnischen AnspruchChinas deutlich. Verbundeaus Aluminium mit Papieroder Kunststoff als Siegelfolie, fürStandbodenbeutel oder kostengünstigeNachfüllpacks für festeVerpackungen wie zum BeispielWaschmittel, sind von der Industriemehr gefragt denn je.Doch nicht nur die westlichenKonzerne haben diese Trendsentdeckt und reagieren mit geballterMarketingpower, um ihreProdukte in China zu vermarkten.Entsprechend haben auchalle großen einheimischen Produzentenihr Produktportfolioerweitert, um sich durch attraktiveVerpackungen von ihrenwestlichen Wettbewerbern abhebenzu können. Auf einmalwerden Kekse nicht nur in dertraditionellen Faltschachtel, sondernparallel dazu in Beuteln undnoch dazu in verschiedenen Packungsgrößenangeboten. DieseVielfalt gab es noch vor ein paarJahren nicht. Der kaufkräftigeKunde zwischen Guanzhou undPeking hat auf einmal am POSdie Qual der Wahl und nimmt siein positiver Weise an.Pharmazieverpackungen mitbesonderen AnsprüchenAllein im Jahr 2007 erreichteder Wert chinesischer PharmazieverpackungeneineinhalbMilliarden US-Dollar, was über 12 % desWertes aller Verpackungen entspricht.Das übersteigt den prozentualen Anteildes Wertes der Pharmaindustrie an demBruttosozialprodukt Chinas bei Weitem.Von daher kann man die qualitativeWertschätzung der Verpackung in diesemSektor gut ablesen. Es wird erwartet,dass Pharmaverpackungen „made inChina“ innerhalb der kommenden fünfJahre weltweit an Nummer 2 stehenwerden. Eindeutige Identifizierbarkeit,Originalitätsverschlüsse und Fälschungssicherheitwerden dabei oberstePrämisse haben, und den Bedarf anhochqualitativen Verpackungsmaschinenweiter pushen.Etikettenmarkt birgt noch vielePotentialeChina gehört zweifelsfrei zu den faszinierendstenMärkten für Etiketten. Auchhier lässt sich ein weltweit einzigartigesWachstum von jährlich bis zu 15 % feststellen.Der Bedarf an immer neuen Qualitätenund Varietäten, sowohl was Maschinen,Materialverbunde als auchDruck- und Veredelungstechnik betrifft,


kann China weder von seinem Knowhownoch von den jetzigen Maschinenproduktionskapazitätendiesen Bedarf decken.Also haben wir ein weiteres Beispielfür zukunftsträchtiges Importgeschäft. Alleinim Jahr 2006 wurden entsprechendeMaschinen im Wert von zwei MilliardenUS-Dollar von China importiert. Über alleVerpackungsbranchen hinweg bedeutetdas einen Bedarf von über 1.2 MillionenEinheiten von Verpackungsmaschinen innerhalbder kommenden fünf Jahre.Qualität erreicht westliches NiveauDie Qualität der am Markt befindlichenVerpackungen zeigen keine große Unterschiedemehr zu westlichen Standardswie noch vor ein paar Jahren. Hier wirdbesonders deutlich, in welch kurzer ZeitChina den schwierigen Wandel vom verpackungstechnischenEntwicklungslandmit minderwertigen Materialien, mangelhafterVerarbeitung und schlechtemDruckbild zu einer Ernst zu nehmendenIndustrienation nicht nur durchlaufen,sondern in vielen Bereichen sogar gemeisterthat. Es kommen ständig neueMaterialkombinationen, innovative Packungsformenund Größen in die Regale.Convenience-Funktionen bei Verpackungenmit integrierten Dosierhilfen,Löffeln als Onpack oder Wiederverschließbarkeit,wissen auch kaufkräftigeKonsumenten zwischen Guangzhou imSüden und Peking im Norden des Reicheszu schätzen. Hier wurde eine ganz eigeneKäufergruppe für Premiumprodukteidentifiziert, die stetig wächst und bedientwerden will.Trink-Joghurt gibt es kaum noch in traditionellenKeramik- oder Glasflaschen,sondern in ebenso formschönen wiedünnwandigen Behältern aus PET oderHDPE. Diese Materialien werden auchmillionenfach für die Verpackungsherstellungvon stark nachgefragten Produktenwie Gemüseöle eingesetzt. Trotz steigenderPreise der Herstellung und möglicherUmweltbedenken bei der Entsorgungist hier ein Ende des Trends nochlange nicht in Sicht.Verpackung und UmweltDie Zielsetzung der Regierung ist eindeutig.Man sucht den mittelfristigen Wandelvom gierigen Ressourcenverschwenderhin zu einer verantwortungsbewusstenÖko-Wirtschaft. Doch dieser Spagat gelingtnicht so recht und alle Pläne, zumBeispiel die der drastischen Energieverbrauchsreduzierung,sind bisher gescheitert.Ob es helfen wird, dass Chinas Autofahrerdemnächst eine Benzinsteuer entrichtenmüssen und Umweltsünder künftigmit Strafen belegt werden sollen? DerTrend zu erneuerbaren Energien und einemneuen Umweltbewusstsein ist bishernur theoretischer Natur, denn guter Willeund schöner Plan ist eine Sache, die Realitätjedoch eine andere. Beispielsweise lässtdie chinesische Regierung – wie schon seitJahren – wieder und wieder verlauten,man arbeite an umweltfreundlichen Verpackungskonzepten,geschlossenen Wertstoffkreisläufenund schlüssigen Recyclingsystemen.Gespräche mit Verantwortlichendes Dualen Systems und dem „GrünenPunkt“-Prinzip gab es schon reichlich,um von den guten Erfahrungen der Deutschenzu profitieren. Im chinesischen Alltagmerkt man bisher von einem bewussterenUmgang mit der Wertstoff Verpackungnicht viel – weder in der Herstellung,noch in der Verwendung oder gar imRecycling. Man darf insofern gespanntsein, wie derartige Lösungen irgendwanneinmal aussehen werden. Eines scheint jedochsicher, die Bezeichnung „GelberSack“ wird sich in China wohl kaumdurchsetzen können.Rosige Aussichten bergen auch hohesRisikoSeit der Öffnung Chinas Ende der 80erJahre und dem Beginn der Reformenschielen westliche Unternehmen permanentnach China und erhoffen sich großeGewinne. Doch der Blick auf die überwältigendenZahlenwerke allein birgtviele Gefahren. Allzu oft lassen sich europäischeund amerikanische Unternehmenvon den Verlockungen verleitenund verlieren den Blick für das Wesentliche.China will immer das neueste Equipment,doch nur ein sehr kleine Anzahlvon Unternehmen kann es sich auch leisten.China will immer nur High-Tech,doch nur ein sehr kleines Marktsegmentbraucht es tatsächlich. China will sichentwickeln und wachsen und lernen,aber nur wenige westliche Unternehmenhaben die Ressourcen und die Geduld,dem über viele lange Jahre hinweg Rechnungzu tragen, ohne dafür eine Rechnungstellen zu können.China ist wahrscheinlich der amgleichzeitig am meisten über- und unterschätzteMarkt der Welt. Überschätztwird die Möglichkeit, von dem Boom zuprofitieren und kurzfristig Gewinne einzufahrenund gravierend unterschätztwerden nach wie vor die Gesetze des chinesischenMarktes, die anderen Regelnfolgen, als wir es gewohnt sind. Undtrotzdem kann es für einen Unternehmer,der diese Bezeichnung wirklich verdient,heute nur eine Devise geben: Aufnach China! neue verpackung 10.2008]25

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