Falsch verbunden - RZ User

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2. Geschichte des Verbindungswesens

Die Geschichte der studentischen

Verbindungen geht bis

ins späte Mittelalter zurück.

Damals schlossen sich gläubige

Studenten in so genannten

"Bursen" zusammen, was vor

allem der sozialen Absicherung

und der Geselligkeit diente. Die

Mitglieder einer Burse wohnten

gemeinsam in Kollegienhäusern

und verbrachten ihren studentischen

Alltag innerhalb einer abgeschirmten

Gruppe.

Ihren nationalistischen Charakter

bekamen die studentischen

Verbindungen erst 1814 im Anschluss

an die "Befreiungskriege"

gegen Napoleon, als sich

heimkehrende Soldaten an den

Universitäten sammelten und

dort für "Ehre, Freiheit und Vaterland"

eintraten. Zu diesem

Zeitpunkt erfolgte die Gründung

des studentischen "Deutschen

Bundes", von dem Frauen,

Ausländer und Nichtchristen

automatisch ausgeschlossen

waren. Dieser Dachverband

kann als Vorläufer der heutigen

"Deutschen Burschenschaft"

angesehen werden.

Auf dem ersten "Wartburgfest"

im thüringischen Eisenach versammelten

sich am 18. Oktober

1817 die gegründeten Burschenschaften

und sprachen

sich für die Errichtung eines

Nationalstaates aus. Bereits zu

diesem frühen Zeitpunkt war

der Antisemitismus fester Bestandteil

des burschenschaftlichen

Weltbildes - so wurden etwa

auf öffentlichen Feiern Bücher

von jüdischen Autoren

verbrannt. Die feierliche Bücherverbrennung

auf dem

Bücherverbrennung bei der Wartburgfeier

"Wartburgfest" wurde begleitet

vom Ausspruch "Wehe über die

Juden, so da festhalten an ihrem

Judenthum und wollen

über unser Volksthum und

Deutschthum schmähen und

spotten".

Die zunächst zweifellos auch

vorhandenen demokratischen

und sozialen Elemente in den

studentischen Verbindungen

traten im Laufe des 19. Jahrhunderts

immer mehr in den

Hintergrund. Während die Urburschenschaften

zunächst gegen

den Feudalismus und für

demokratische Grundwerte wie

Presse- und Versammlungsfreiheit

eingetreten waren, wandelten

sie sich nach der gescheiterten

bürgerlichen Revolution

von 1849 innerhalb weniger

Jahre zu einer wichtigen

Stütze des Kaiserreichs. Sie

übernahmen feudalistische und

aristokratische Positionen und sahen

sich selbst zunehmend als gesellschaftliche

"Elite". Zur politischen

Zielrichtung dieser Elite ge-

hörte unter anderem das Niederhalten

der Arbeiterbewegung; so

rief die Deutsche Burschenschaft

etwa zum "Kampf gegen die vaterlandslose

internationale Sozialdemokratie"

auf. Zudem gewannen

nationalistische und völkische Gedanken

innerhalb der burschenschaftlichen

Zusammenhänge zunehmend

an Bedeutung. Unter

anderem waren es die deutschen

Burschenschaften, die ab 1880 den

Hofprediger Adolph Stoecker mit

allen Kräften bei der Sammlung

von Unterschriften für seine "Antisemiten-Petition"

unterstützten.

Ein weiteres Vorbild stellte der Historiker

Heinrich von Tretschke dar,

der Gründungsvater des Vereins

Deutscher Studenten (VDSt) und

offener Antisemit war. Ihm ist der

Ausspruch "die Juden sind unser

Unglück" zuzuschreiben, und anlässlich

einer Festrede sprach dieser

die Worte "Judentum, Franzosentum

wohin wir blicken. Es ist

Aufgabe der christlich-germanischen

Jugend, das auszurotten,

denn uns gehört die Zukunft."

Grundsätzlich ist anzumerken,

dass deutsche Verbindungen zu

dieser Zeit eine wesentliche Antriebskraft

zur Verbreitung des

"modernen Antisemitismus" darstellten

("Der Jude" definiert sich

hiernach nicht mehr über seinen

Glauben, sondern durch seine Rasse.

Deshalb könne er auch niemals

Reader des AStA Uni Hamburg zum Verbindungs(un)wesen

Zeichnung um ca.

1760: Studenten

beim gemeinsamen

Trinken.

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