Und wie gesund ist Ihre Schule? - Schule & Gesundheit - Hessen

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Und wie gesund ist Ihre Schule? - Schule & Gesundheit - Hessen

Ausgabe 4 · November 2006 13097

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Sicherheit und Gesundheit in der Schule

punkt

■ Suchtprävention

Gesundheit managen

■ Elternarbeit


2

Z U R S A C H E

Nutzen Sie Ihre Einflussmöglichkeiten!

Wer Schulqualität will, muss

Schulgesundheit fördern“.

Dieser viel zitierte Satz gilt

insbesondere auch für Schulleiterinnen

und Schulleiter. Aufgrund ihrer Position

und Funktion sind sie Vorbild für

gesundheitsförderliches Verhalten und

Mentor für das Thema Gesundheit. Sie

beeinflussen durch ihr Führungsverhalten

die Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter und gestalten die

schulischen Prozesse und Strukturen

gesundheitsverträglich und gesundheitsförderlich.

Gesundheitsmanagement ist aber nicht

nur Aufgabe der Leiterin oder des Leiters

einer Schule. Gemäß dem Motto

„Betroffene zu Beteiligten machen“

ist die Partizipation der Lehrkräfte,

Schülerinnen und Schüler sowie Eltern

einer Schule ebenso erforderlich.

Darüber hinaus ist auch die Unterstützung

und Expertise externer Partner

wichtig. Denn nur wenn alle an einem

Strang ziehen, lässt sich ein gutes

Gesundheitsmanagement und damit

letztlich eine gute und gesunde Schule

gestalten.

HEINZ HUNDELOH

Leiter der Abteilung Schulen und

Kindertageseinrichtungen beim

Gemeindeunfallversicherungsverband

Westfalen-Lippe, Münster, und

Mitglied des pluspunkt-Redaktionsbeirats

4/2006

Gesundheit managen

Schwerpunktthemen für pluspunkt 2007

◆ Hautschutz (1/2007; Redaktionsschluss: Oktober 2006)

I N H A L T

3 Bessere Schulen durch integrierte Gesundheits- und Qualitätsförderung:

Schule neu denken

6 Gesundheitsmanagement als Führungsaufgabe:

Und wie gesund ist Ihre Schule?

10 Ein Programm des Hessischen Kultusministeriums: Schule & Gesundheit

Suchtpr ävention

12 Fortbildungsveranstaltung mit Erlebnis- und Abenteuercharakter:

Suchtprävention mit Harry Potter

Elternarbeit

14 Verbesserung des Schulklimas durch gute Kooperation mit Eltern:

Schule gemeinsam gestalten

Alkohol

16 Kinder und Jugendliche aus Familien mit Alkoholproblemen:

Keine schicksalhafte Verkettung

Recht

18 Aufsichtspflicht und Versicherungsschutz

8 Infos/Medien

19 Impressum

19 Träger der Unfallversicherung

Titelfoto: Frank Schuppelius

◆ Sicherheit managen (2/2007; Redaktionsschluss: Januar 2007)

◆ Spiel, Bewegung, Ernährung (3/2007; Redaktionsschluss: April 2007)

◆ Schulqualität, Schulentwicklung (4/2007; Redaktionsschluss: Juli 2007)

Beiträge zu diesen wie auch zu anderen Themen, Fragen, Tipps und

Meinungen richten Sie bitte an: pluspunkt-Redaktion, 65175 Wiesbaden,

oder per E-Mail an: redaktion.pp@universum.de

Internet: www.pluspunkt-online.de

www.unfallkassen.de

P l u s p u n k t 4/2006


Fotos: Frank Schuppelius

Schulen können durch

eine integrierte Gesund-

heits- und Qualitäts-

förderung besser werden.

Blenden wir beim Nachdenken über

die Leistungsfähigkeit unserer Schulen

einmal die bildungspolitischen Veränderungszwänge

aus, so bleibt als gesellschaftliche

Forderung an die Schule,

ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag zu

erfüllen – und es gibt keinen Zweifel, sie

muss dies bei sich permanent ändernden

Rahmenbedingungen effektiver schaffen

als bisher.

Allerdings scheint es nicht mehr auszureichen,

das Erfahrungswissen aus den

Bereichen der pädagogischen Systeme

selbst (oder das biografische Wissen

unserer Bildungspolitiker über Schule)

zu nutzen. Erfolg versprechender ist es,

die Kenntnisse und Erfahrungen für die

Entwicklung von Schulen einzusetzen, die

in Bezug auf die Leistungsfähigkeit des

Menschen und in wettbewerbserprobten

Organisationen zum Einsatz kommen. Die

einzelne Schule bei der Erfüllung ihres

Bildungs- und Erziehungsauftrags mit

diesem Wissen zu unterstützen, ist die

aktuelle Orientierung verschiedener Netzwerk-Programme

zum Thema „Bildung

und Gesundheit“ (siehe auch pluspunkt-

Ausgabe 1/06).

P l u s p u n k t 4/2006

Erkenntnisse zur Leistungsfähigkeit

von Personen und

Systemen

Leistungsfähigkeit von Menschen – und

damit auch von Lehrern und Schülern

– wird unbestritten sowohl durch ihre

„physische“ als auch durch ihre „psychische

Kondition“ bestimmt. Die Physis

wird deutlich beeinflusst durch die „äußeren“

Rahmenbedingungen (Ernährungsmöglichkeiten,

Lebens- und Bewegungsraum),

die Psyche durch die „inneren“

Programme („gut drauf sein“, positive

Einstellungen zu sich selbst und zu den

Anforderungen, Selbstwertbewusstsein,

Kontrollüberzeugungen, Kohärenzsinn

usw.). Beide stehen aber auch in wechselseitiger

Abhängigkeit zueinander.

Diese Abhängigkeiten zwischen Leistung

und positiver Einstellung gehören im

Sport zum Allgemeinwissen und spätestens

seit der Fußball-WM kennen auch

wir Laien-Bundestrainer den „Klinsmann-

Effekt“, ein Ergebnis aus körperlicher

Fitness und psychischer, mentaler Stärke

(Selbstbewusstsein, Zielorientierung,

Vision).

Natürlich stellt sich die Frage, warum

in Schulen dieses Wissen immer noch

so wenig Veränderungskraft hat. Die

Zusammenhänge zwischen Lernen und

Bewegung sind in der Zwischenzeit

gut dokumentiert 1 , wenngleich die Forschungsergebnisse

nur sehr zögerlich in

Schulen angenommen werden. Und wir

G E S U N D H E I T M A N A G E N

Schule

neu

denken

erleben Lehrerinnen und Lehrer, die trotz

ihres Wissens über die Bedeutung der

mentalen Einstellung glauben, ihre Schülerinnen

und Schüler dadurch zu Höchstleistungen

zu motivieren, dass sie sie

abwerten, ihr Versagen erwarten, ihnen

in bildreicher Sprache die Folgen ihres

Scheiterns vor Augen führen usw.

Die positiven Erkenntnisse über Gesundheit

und Leistung werden durch die Ergebnisse

aus unterschiedlichen Forschungsbereichen

untermauert.

Die Ergebnisse der betrieblichen Gesundheitsforschung

zeigen, dass neben den

Merkmalen einer mitarbeiterorientierten

Führung, gemeinsamen Überzeugungen,

Werten und Regeln, positiven Rückmeldungen

in Form von Information, Anerkennung/Wertschätzung

und praktischer

Unterstützung dem „psychischen Befinden“

(Wohlgefühl), welches vor allem

durch die soziale Interaktion beeinflusst

wird, bei der Leistungsfähigkeit eine

besondere Bedeutung zukommt. Beeinträchtigungen

im Wohlbefinden sind in

sehr hohem Maße verantwortlich für die

Arbeitsunfähigkeitszeiten und die Zahl

der Arbeitsunfälle.

Die Ergebnisse aus der schulischen Gesundheitsforschung

belegen, dass die

Gesundheit und damit die Leistungsfähigkeit

von Lehrerinnen und Lehrern ebenso

wie die von Schülerinnen und Schülern

offensichtlich vom „sozialen Klima“ in

der Schule moderiert wird. 2 Und das

Schulklima ist für die Entwicklung psycho-


sozialer Schutzfaktoren – und damit für

Gesundheit und Leistung – von größter

Bedeutung. Die Qualität des Schulklimas

ist dabei abhängig von der Qualität der

Schulleitung und vom Engagement des

Lehrkörpers für eine aktive Gesundheitsförderung.

3

Leistungsfähige Schulen sind

Wohlfühl-Schulen

Ebenso wie die betriebliche und schulische

Gesundheitsforschung zeigt die

neurobiologische Lernforschung den

© Instrumente für die Qualitätsentwicklung und Evaluation in Schulen (IQES) – Gerold Brägger / Norbert Posse

4

Qualitätsmanagement der Schule

Gemeinsame Qualitätsziele

Feedback – Evaluation – Schulentwicklung

Personalentwicklung

Kompetenzentwicklung der Lehrenden – Gesundheitsförderung

Unterrichtsteams

Unterricht gemeinsam

• reflektieren

• entwickeln

Zusammenhang zwischen emotionalen

Zuständen (Wohlbefinden) und Lernoptimierung

(Leistung) auf. 4 Gelernt werden

demnach nicht nur „Inhalte“, sondern

auch „Kontexte“. Und so ist es nach heutigen

Erkenntnissen ein relativ gesichertes

Ergebnis, dass Schulen, die sich durch

ein positives, wertschätzendes Lernklima

auszeichnen, in der Regel auch eine hohe

Leistungsfähigkeit im Bereich der angeregten

Lernprozesse aufweisen. 5

Die Erkenntnisse aus verschiedenen

Forschungsbereichen, der Sportwissenschaften,

betrieblichen und schulischen

Die Qualitätsdimensionen im Zusammenspiel

Kooperatives Lehren

Unterricht wirksam

gestalten

Schulkultur – Schulklima

Schulgemeinschaft

• planen

kooperatives und selbst-

• Kommunika-

• vorbereiten gesteuertes Lernen tionskultur

INPUT

• teilweise

unterrichten

Lernerfolg

der Schüler

• Partizipation

• Umgang mit

OUTPUT

• evaluieren

/innen

Heterogenität

• Integration

• Wohlbefinden

Schule als Lebensraum

Pädagogische, personelle und betriebliche Führung

Schulführung

Gesundheitsforschung und neurobiologischen

Lernforschung führen zu einem

gemeinsamen Resümee:

In Schulen und Betrieben mit einem

positiven Klima werden höhere Leistungen

erbracht, wird auch mehr gelernt

als dort, wo das Wohlfühlen beeinträchtigt

ist. Damit ist klar, dass die

Diskussion um die Leistungsfähigkeit

unserer Schulen nicht um eine Auseinandersetzung

mit ihren salutogenen

Bedingungen herumkommt.

P l u s p u n k t 4/2006


Das Leitmotiv der guten und gesunden

Schule setzt ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag

erfolgreich dadurch um,

dass sie

• bei allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft

Kompetenzen und Haltungen

fördert, die ihre Bereitschaft zum

lebenslangen Lernen stärken und sie

befähigen, in einer sich verändernden

Gesellschaft ein erfolgreiches und gesundes

Leben zu führen

• bei der Gestaltung der Prozesse und

Rahmenbedingungen (Lehr- und Lernprozesse,

Entwicklung des Schulklimas,

Schulführung und Zusammenarbeit,

Qualitätsmanagement) konsequent

die Erkenntnisse und Prinzipien der

Gesundheitsförderung (Partizipation,

Transparenz, Orientierung an der Salutogenese)

anwendet.

Hierdurch leistet die Schule gezielt einen

Beitrag zur Qualität der Schul- und Unterrichtsprozesse,

zur Förderung der Lern-

und Leistungsfähigkeit der Lehrpersonen,

Schülerinnen und Schüler und zur Steigerung

von Zufriedenheit und Wohlbefinden

aller an der Schule Beteiligten.

Gestaltung und Entwicklung

von Schulen

Bei der Vielfalt von Qualitätsansprüchen

und Verbesserungsrezepten, die heute

an die Schulen herangetragen werden,

haben Schulleitende und Lehrpersonen

zunehmend Mühe, auch nur einigermaßen

den Überblick zu behalten. Vielen

fällt es schwer, die richtigen Ansatzpunkte

für die Entwicklung der eigenen Schule

zu finden: Wo sollen wir beginnen? Und

wie sollen wir beginnen? Mit diesen und

ähnlichen Fragen tun sich viele Schulen

schwer. Und einige Schulen machen es

P l u s p u n k t 4/2006

sich vielleicht mit solchen Fragen auch

zu leicht: Sie umgehen kräfteraubende

Diskussionen, indem sie einen ungeordneten

Haufen von Vorstellungen aus den

verschiedenen Gruppierungen des Kollegiums

zum Schulprogramm erheben, ohne

echte Prioritäten zu setzen. Die Folge:

Das Schulprogramm ist reichhaltig, aber

viele Schwerpunkte stehen unverbunden

nebeneinander, ohne inneren Zusammenhang,

ohne Möglichkeiten zur Synergie.

Wenn das der Fall ist, wäre das ein ungesunder,

letztlich wenig wirksamer Aktionismus

– viele sind aktiv und setzen sich

mit ihrem Engagement und ihrem guten

Willen gegenseitig unter Druck.

Wer Schulentwicklung ressourcenschonend

voranbringen will, der braucht praxiserprobte

und wissenschaftlich abgestützte

Wirkungsmodelle, die Schulen als

Systeme verstehbar machen und die nicht

einfach so tun, als ob Schulen mit ein

paar rezepthaften Regeln und Techniken

verbessert werden könnten. Gefragt sind

Hinweise, die ein Denken und Handeln

in Wirkungszusammenhängen unterstützen.

Das abgebildete Wirkungsmodell

(„Die Qualitätsdimensionen im Zusammenspiel“)

zeigt, wie die verschiedenen,

aus den oben skizzierten Erkenntnissen

gewonnenen Qualitätsdimensionen 6 auf

eine Weise zusammengebracht werden

können, die den Lernerfolg der Schülerinnen

und Schüler ins Zentrum stellt und

eine Rückbesinnung auf den Unterricht

als „Kerngeschäft“ der Schule erlaubt.

Das Management einer Schule erhält

hierdurch Hinweise auf die Bereiche, auf

die sich die Schule konzentrieren kann,

um das Lernen und Lehren in Schulen

weiterzubringen und sich auf nachhaltige

Wirkungen und eine gesundheitsorientierte

Entwicklung einzustellen.

G E S U N D H E I T M A N A G E N

Autoren:

Dr. Norbert Posse ist wissenschaftlicher

Mitarbeiter am Erziehungswissenschaftlichen

Institut der Heinrich-Heine-Universität,

Düsseldorf, der Erziehungswissenschaftler

und Organisationsberater

Gerold Brägger ist Leiter der Koordinationsstelle

Weiterbildung an der Universität

Bern.

1, 4 Gasse, M.: Lernen braucht Bewegung.

In: pluspunkt 2/2005

2 Settertobulte, W. / Hurrelmann, K.: Expertise zu Möglichkeiten

der Zertifizierung gesundheitsfördernder Schulen

im Rahmen des OPUS-Netzwerks. Bielefeld 2004

3 Vuille J.-C.: Schulklima und Gesundheit. Referat anlässlich

des Kongresses der Landesunfallkasse Nordrhein-Westfalen

in Dortmund, 15./16. November 2004. In: Hundeloh,

H. / Schnabel, G. / Yurdatap, N. (Red.): Kongress Gute

und Gesunde Schule. Dokumentation (S. 130–136). Zero

Kommunikation, Moers 2005

5 Spitzer, M.: Lernen. Gehirnforschung und die Schule des

Lebens. Spektrum, Heidelberg 2002

Brägger, G. / Posse, N.: Instrumente für die Qualitätsentwicklung

und Evaluation in Schulen (IQES) – Wie Schulen

durch eine integrierte Gesundheits- und Qualitätsförderung

besser werden können. h.e.p.-Verlag, Zürich 2007

(in Vorbereitung)


Und wie gesund

ist Ihre Schule?

Gesundheitsmanagement als Führungsaufgabe

6

Autor:

Heinz Hundeloh ist Leiter der Abteilung

Schulen und Kindertageseinrichtungen

beim Gemeindeunfallversicherungsverband

Westfalen-Lippe,

Münster, und Mitglied des pluspunkt-

Redaktionsbeirats.

Foto: Frank Schuppelius

Die Ergebnisse der verschiedenen

Schulleistungsvergleichsstudien der letzten

Jahre haben in allen Bundesländern

einen Reformprozess in Gang gesetzt, der

unter anderem auch mehr Eigenständigkeit

und Selbstständigkeit der Einzelschule

vorsieht. Mit der damit verbundenen Erweiterung

der Gestaltungsmöglichkeiten

und der Festlegung klarer Verantwortlichkeiten

soll die Schulqualität allgemein

und die Unterrichtsqualität im Besonderen

nachhaltig verbessert werden.

Dieser Reformprozess und insbesondere

die Entwicklung von mehr Selbstständigkeit

und Eigenverantwortlichkeit verändern

zwangsläufig auch das traditionelle

Rollenverständnis der Schulleitung.

Schulleiterinnen und Schulleiter werden

zukünftig nicht mehr so sehr als „primus

inter pares“ agieren, sondern müssen

sich stärker auf die Wahrnehmung von

Führungsaufgaben mit dem Ziel der Verbesserung

der Unterrichts- und Schulqualität

konzentrieren.

Zu den Aufgaben von Schulleiterinnen

und Schulleitern gehört es unter anderem,

in der Regel gemeinsam mit dem

Schulleitungsteam und auf der Grundlage

von Konferenzbeschlüssen Veränderungsprozesse

innovativ und Kommunikationsprozesse

ergebnisorientiert sowie

Prozesse der Willensbildung und Konfliktlösung

transparent zu gestalten. Darüber

hinaus ist es ihre Aufgabe, die Schulentwicklung

durch ein umfassendes Organisations-,

Personal- und Qualitätsmanagement

voranzutreiben. Dabei müssen sie

den gesamten Aufgabenkomplex und die

erforderlichen Prozesse und Strukturen

so gestalten, dass diese die schulischen

Akteure nicht krank machen und in ihrem

Wohlbefinden beeinträchtigen. Da Schülerinnen,

Schüler und Lehrkräfte die Koproduzenten

schulischer und unterrichtlicher

Qualität sind, gilt für eine Schulleitung

vielmehr, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden

zu fördern. Insofern gehört auch

das Gesundheitsmanagement zu den

typischen und grundlegenden Aufgabenfeldern

von Schulleitungen moderner

Schulen.

Wie notwendig Gesundheitsmanagement

in der Schule ist, macht ein Blick auf

die gesundheitliche Situation der schulischen

Akteure deutlich (siehe z. B. auch

pluspunkt-Ausgaben 2/05, 4/05, 1/06).

Gesundheitsmanagement ist aber nicht

nur eine wichtige, sondern auch eine ver-

P l u s p u n k t 4/2006


pflichtende Aufgabe für Schulleitungen.

Aufgrund verschiedener rechtlicher Vorschriften,

vor allem aufgrund der staatlichen

Vorschriften und der Regelungen der

Unfallversicherungsträger zum Arbeitsschutz,

ist die Schulleitung gesetzlich

verpflichtet, Maßnahmen zum Erhalt und

zur Förderung der Sicherheit und Gesundheit

der Beschäftigten in einer Schule zu

treffen. In einigen Bundesländern verpflichten

schulrechtliche Regelungen die

Schulleitung auch dazu, die Schülerinnen

und Schüler zu einem gesundheitsförderlichen

Verhalten zu befähigen und die

Schule zu einem gesundheitsfördernden

Lebensraum zu entwickeln.

Was ist Gesundheitsmanagement?

Unter Gesundheitsmanagement in Schulen

kann die systematische, wissenschaftlich

fundierte und zielgerichtete Steuerung

und Integration aller schulischen

Prozesse unter explizitem Einbezug sicherheits-

und gesundheitswissenschaftlicher

Erkenntnisse mit dem Ziel verstanden

werden, Schulen bei der Erfüllung

ihres Bildungs- und Erziehungsauftrages

nachhaltig wirksam zu unterstützen. Insofern

umfasst Gesundheitsmanagement

alle Maßnahmen, die die individuelle Gesundheit

der schulischen Akteure ebenso

wie die Schulorganisation, die Schulumgebung

und die Schulprozesse fördern.

Dies soll zum einen dadurch erreicht werden,

dass die Integration von Gesundheit

in alle Strukturen und Prozesse erfolgt.

Gesundheit soll in die schulischen Abläufe

einbezogen und damit die Sicherheit

und Gesundheit der Lehrpersonen ebenso

wie die der Schülerinnen und Schüler

während des Schulalltags gewährleistet

und verbessert werden. Hierzu hat die

Schulleitung Gesundheit in jedes ihrer

Aufgabenfelder als Gestaltungsprinzip zu

integrieren.

Neben der Integration in bereits vorhandene

Strukturen erfordert nachhaltiges

Gesundheitsmanagement in Schulen aber

auch die Schaffung eigener Strukturen

und Prozesse zur Verbesserung der Sicherheit

und Gesundheit der schulischen

Akteure. Dies bedeutet, dass sowohl spezielle

Gremien, wie zum Beispiel Gesundheitszirkel

oder Gesundheitsteams, eingerichtet

als auch spezielle Maßnahmen,

wie zum Beispiel Projekte zur Stressprä-

vention, durchgeführt werden müssen.

Wichtig dabei ist, dass diese Maßnahmen

und Prozesse im Rahmen eines systematischen

und konzeptionell begründeten

Rahmens realisiert werden, also nicht

lediglich als Einzelmaßnahmen. Darüber

hinaus sollte Gesundheit im Leitbild der

Schule verankert sein. Diese Verankerung

sorgt dafür, dass Gesundheit systematisch

und zielorientiert bei allen wichtigen

Entscheidungen berücksichtigt wird.

Da Gesundheitsmanagement zum Ziel

hat, sowohl die Gesundheit der Individuen

als auch die Gesundheit der Organisation

zu verbessern, muss es zudem

immer Teil der Personal- und Organisationsentwicklung

sein. Die Effektivität

und die Effizienz schulischen Gesundheitsmanagements

hängen aber auch

wesentlich davon ab, ob es der Schulleitung

gelingt, diese auf eine breite, qualitätsorientierte

Plattform zu stellen. Eine

bessere Gesundheitsqualität in Schulen

wird nur erreicht werden können, wenn

die schulischen Akteure, insbesondere

die Lehrkräfte motiviert und qualifiziert

sind, sich gesundheitsförderlich zu verhalten

beziehungsweise andere, insbesondere

Schülerinnen und Schüler, zum

gesundheitsförderlichen Verhalten zu

motivieren. Insofern können gesundheitsfördernde

Prozesse auch nur begrenzt von

einzelnen Lehrerinnen und Lehrern gestaltet

werden. Notwendig ist im Rahmen

des Gesundheitsmanagements vielmehr

Gruppen- und Teamarbeit.

Aufgaben der Schulleitung

Das Spektrum der konkreten Aufgaben,

die Schulleiterinnen und Schulleiter im

Rahmen des Gesundheitsmanagements

wahrnehmen sollen, ist vielfältig und

anspruchsvoll.

Typische Aufgabenbereiche im Rahmen

des Gesundheitsmanagements sind zum

Beispiel:

1. Im Rahmen der Steuerung der schulischen

Entwicklungsprozesse dafür zu

sorgen, dass

¬ ein Leitbild möglichst unter Berücksichtigung

des Gesundheitsthemas entwickelt

wird

¬ Kriterien für guten und gesunden Unterricht

in der Schule entwickelt und

festgelegt werden

¬ Methodenkompetenzen des pädagogischen

Personals der Schule unter Ein-

G E S U N D H E I T M A N A G E N

beziehung der Gesundheitsförderung

und Prävention systematisch weiterentwickelt

werden

¬ effektive Projekte und Programme zur

Gesundheitsförderung und Prävention,

zum Beispiel zur Bewegungsförderung,

zur sozialen Integration, zur Drogenprävention

und Ernährungsbildung initiiert

und gefördert werden.

2. Zur Entwicklung eines gemeinsamen

Qualitätsverständnisses in der Schule

beitragen durch

¬ die Entwicklung eines verbindlichen

Qualitätsverständnisses, das von allen

an Schule Beteiligten aktiv mitgetragen

wird und das Gesundheit einschließt

¬ Verankerung der Gesundheit und Gesundheitsförderung

in den Qualitätsansprüchen,

pädagogischen Anliegen und

Entwicklungsschwerpunkten.

3. Qualitätsorientierte Unterrichtsentwicklung

unterstützen und sichern, indem

¬ gesundheitsförderliche Prinzipien und

Methoden bei der Unterrichtsentwicklung

berücksichtigt werden

¬ Bewegung als lern- und entwicklungsförderliches

Element in Unterricht und

Schule implementiert wird.

4. Im Rahmen der Personalentwicklung

und Personalführung

¬ Unterstützungsmaßnahmen für das

Personal entwickeln und umsetzen

¬ Maßnahmen zur Förderung der individuellen

Gesundheit und zur Befähigung,

mit Belastungen umzugehen,

initiieren und ermöglichen

¬ das Personal unter Berücksichtigung

der individuellen Kompetenzen und

Ressourcen angemessen einsetzen

¬ Belastungen und Ressourcen der Lehrpersonen

und des sonstigen Personals

erfassen

¬ die Personalführung nach salutogenen

Kriterien gestalten

¬ eine Balance von Aufgaben und Mitarbeiterorientierung

schaffen.

5. Die vorgeschriebenen Aufgaben im

Arbeits- und Gesundheitsschutz und in

der Unfallverhütung umsetzen, indem

¬ Zuständigkeiten, Verantwortungsbereiche

und Befugnisse sowie Bestellung

von Beauftragten festgelegt werden

¬ Maßnahmen, die Gefährdungen vermeiden

oder minimieren, ergriffen werden

¬ Unfälle, Beinahe-Unfälle und Gesundheitsbeeinträchtigungen

erfasst und

ausgewertet sowie deren Ursachen

untersucht werden.

P l u s p u n k t 4/2006 7


6. Innerschulische Kommunikation und

Kooperation mit Gremien und Institutionen

fördern durch

¬ die Institutionalisierung und Förderung

einer transparenten, offenen und

wertschätzenden Kommunikation und

Information

¬ die regelmäßige Rechenschaftspflege

in Gremien

¬ die Bildung von und die Zusammenarbeit

mit Gremien und Ausschüssen der

Gesundheitsförderung und der Arbeitssicherheit,

zum Beispiel Gesundheitszirkel,

Gesundheitsteam.

7. Im Rahmen der Verwaltung und Organisation

des laufenden Schulbetriebs

¬ die Erste Hilfe sachgerecht organisieren

¬ Initiativen im Sinne des Carings (Frühstück,

Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung

etc.) entwickeln und implementieren

¬ gesundheitsförderliche und bedürfnisgerechte

Lehr- und Lernbedingungen,

zum Beispiel Bewegungs- und Entspannungsmöglichkeiten,

ergonomisches

Mobiliar, schaffen und erhalten.

8. Kooperationen und Zusammenarbeit

mit Institutionen beziehungsweise

Personen des Sozial- und Gesundheitswesens,

wie zum Beispiel Unfallversicherungsträger,

Krankenkassen, Hilfsorganisationen,

Ärzte, Psychologen und

Sportvereine, initiieren und fördern.

Um diesen Aufgabenbereich im Rahmen

des Gesundheitsmanagements effizient

und effektiv realisieren zu können, benötigen

Schulleiterinnen und Schulleiter

neben strategischer Kompetenz, Innovations-

und Planungsfähigkeit sowie

Methodenkompetenzen, sozialen Kompetenzen

und Selbstkompetenzen vor allem

auch arbeitsschutzrechtliche und gesundheitsförderliche

Kenntnisse. Hierzu

gehören:

¬ Kenntnisse der einschlägigen Vorschriften

und Regelungen

¬ Wissen über systemische, personale

und thematische Strategien der Prävention

einschließlich des Arbeitsschutzes

und der Gesundheitsförderung sowie

deren Wirksamkeit im schulischen Kontext

¬ Wissen über gesundheitliche Belastungsfaktoren

und Ressourcen im Kontext

von Bildung und Erziehung

¬ Kenntnisse der gesundheitlichen Aspekte

von Organisations-, Personal-,

Unterrichts- und Ausstattungsentwicklung.

Broschüre online

„Schulhöfe – planen,

gestalten, nutzen“

Die neue Broschüre „Schulhöfe

– planen, gestalten,

nutzen“ (GUV-SI 8073) liefert

Anregungen, eine naturnahe

Schulhof(um)gestaltung in

Angriff zu nehmen, um Bewegungsanlässe

für Schülerinnen

und Schüler zu schaffen

und sicherheitstechnische

Belange entsprechend zu

berücksichtigen.

Vielfältige Spiel- und Bewegungs-Tipps

werden zu

einzelnen Bereichen wie

„Raum für Füße und Räder“,

„Unterrichtsort Schulgelände“,

„Platz für Kampf, Streit

und Miteinander“, „Raum für

Gespräche, Ruhe und Entspannung“

und „Raum für

Naturerfahrung“ gegeben.

Die Broschüre ist als 51-seitiges

PDF-Download abrufbar

auf den Internetseiten

des Bayerischen GUVV beziehungsweise

unter www.

unfallkassen.de/webcom/

show_article.php/_c-736/

_nr-17/i.html.

Neue Broschüre

„Mobbing unter

Kindern und Jugendlichen“

Mehrmals in der Woche oder

sogar täglich werden 10–15 %

aller Schülerinnen und Schüler

gemobbt. Insbesondere

zu Beginn der Grundschule

und im Alter von 13–14 Jahren.

Die vor kurzem erschienene

Broschüre der Arbeitsgemeinschaft

Kinder- und Jugendschutz

befasst sich unter anderem

mit folgenden Fragen:

• Woran kann man erkennen,

dass ein Kind gemobbt

wird?

• Wie kann man dem betroffenen

Kind helfen?

• Wie erkennt man Mobber

und wie geht man mit ihnen

um?

• Was können Lehrkräfte tun,

um Mobbing zu verhindern?

Die 35-seitige Broschüre richtet

sich an Eltern und Lehrkräfte.

Sie enthält konkrete

Hinweise zum Umgang mit

Mobbing sowohl in Bezug auf

die Opfer als auch die Täter.

Ein Fragebogen zur Erfassung

von Mobbing in der Schule ist

darin ebenfalls zu finden.

Die im DREI-W-Verlag erschienene

Broschüre ist zum Preis

von 2,20 Euro bei der Arbeitsgemeinschaft

Kinder- und Jugendschutz

NRW zu beziehen,

Tel.: (0221) 921 39 20, E-Mail:

info@mail.ajs.nrw.de.

Junge Radfahrer

brauchen Begleitung

In einer Pressemitteilung

weist die Unfallkasse Hessen

darauf hin, dass Schulanfänger

und Erstklässler im

Straßenverkehr physisch und

psychisch stark gefordert

sind. Sie sollten deshalb das

Fahrrad für den Schulweg

nur in Begleitung Erwachsener

nutzen. Dabei sollte das

Kind vorneweg fahren, damit

der Erwachsene rechtzeitig

P l u s p u n k t 4/2006


eingreifen kann, wenn die

Situation brenzlig wird. Selbst

Grundschüler, die auf dem

Drahtesel sicher wirken, sind

im Straßenverkehr oft überfordert.

Sie können zum Beispiel

noch nicht in eine Richtung

sehen und in die andere lenken.

Viele Verkehrsregeln sind

ihnen noch unbekannt. Zudem

beansprucht die Anstrengung,

auf dem Sattel zu bleiben,

oft die ganze Konzentration.

Blitzschnelle Reaktionen auf

rasch wechselnde Verkehrssituationen

sind dann so gut

wie unmöglich. Rad fahrende

Kinder sollten deshalb erst

dann allein am Straßenverkehr

teilnehmen, wenn sie die

Radfahrprüfung in der vierten

Klasse bestanden haben. Erst

mit 14 Jahren, so die Meinung

vieler Verkehrspädagogen,

sind Kinder rundum sichere

Verkehrsteilnehmer.

Rad fahren lernen – Tipps für

Eltern:

• Lassen Sie Ihr Kind nicht

zu früh mit dem Rad fahren.

Vorschüler können

Gleichgewichtsgefühl und

Konzentration spielerisch

auf Tretroller oder Laufrad

trainieren.

• Zum Üben eignen sich Hinterhöfe

und andere Plätze

abseits des Straßenverkehrs.

• Üben Sie das Rad fahren

regelmäßig mit dem Kind.

• Kinder, die schon auf dem

Gehweg fahren, sollten

für das Überqueren von

Straßen wissen: Absteigen,

nach links und rechts

schauen. Kommt kein Auto,

das Rad über die Straße

schieben.

• Fahren Sie mehrmals gemeinsam

mit Ihrem Kind

die Strecke zur Schule ab

und machen Sie Ihren Sohn

oder Ihre Tochter dabei auf

Gefahren aufmerksam.

• „Toter Winkel“: Kinder sollten

an Kreuzungen immer

hinter, niemals neben einem

Lkw oder Bus stehen. Bei

P l u s p u n k t 4/2006

Pkw steht das Kind sicherer

neben den wartenden Pkw,

damit der Fahrer es sehen

kann. Zeigen Sie Ihrem

Kind, dass es abwarten

muss, bis das rechts abbiegende

Fahrzeug ihm die

Vorfahrt lässt. Helm auf

– gilt auch für die Erwachsenen!

Handbuch

„Lehrergesundheit –

Baustein einer guten

gesunden Schule

Gesunde, leistungsstarke

Lehrkräfte sind eine Voraussetzung

für die Entwicklung

von guten gesunden Schulen.

Impulse für wirkungsvolle

Maßnahmen zur Förderung

von Gesundheit und Leistung

gibt das Handbuch Lehrergesundheit,

das als Ergebnis

eines Modellprojektes

(Auftraggeber: Deutsche

Angestellten Krankenkasse,

Gemeindeunfallversicherungsverband

Westfalen-

Lippe und Bundesverband

der Unfallkassen) an der

Universität Lüneburg entwickelt

wurde. Themen sind:

Organisationsentwicklung

und -diagnose, Förderung der

individuellen und kollegialen

Veränderungsbereitschaft,

Projektmanagement, Arbeiten

in Projektgruppen und Evaluation

von gesundheitsfördernden

Prozessen.

Das Handbuch steht als

Download zur Verfügung unter

http://www.unfallkassen.de/

webcom/show_article.php/_

c-406/_nr-68/sc-2/i.html oder

kann bei den zuständigen

Unfallkassen in den Bundesländern

unter der Bestell-Nr.

GUV-SI 8077 kostenfrei bestellt

werden.

„Not-Aus“ in Schulräumen:

Keine Verschärfung

In naturwissenschaftlich-technischen

Unterrichtsräumen

müssen am Vorführstand (z.

B. Lehrerexperimentiertisch)

und an jedem Ausgang Not-

Aus-Einrichtungen installiert

sein. An diesem Sachverhalt

hat sich auch durch die neue

DIN VDE 100 Teil 723 „Errichten

von Niederspannungsanlagen

– Anforderungen für

Betriebsstätten, Räume und

Anlagen besonderer Art – Teil

723: Unterrichtsräume mit

Experimentiereinrichtungen“

– Ausgabe Juni 2005 – nichts

geändert. Die Norm hatte für

Unsicherheit gesorgt, weil

sie im Kapitel „Handlung im

Notfall“ fordert, dass jede

Experimentiereinrichtung mit

einem Not-Aus-Schalter ausgerüstet

sein muss, der alle

Experimentiereinrichtungen

von der Stromversorgung

trennt. Dadurch war mancherorts

der Eindruck entstanden,

dass an jedem Schülerarbeitsplatz

eine Not-Aus-Einrichtung

notwendig sei. Der Abschnitt

Anwendungsbereich klärt

aber auf: Die Norm gilt nur

für das Errichten elektrischer

Anlagen in Unterrichtsräumen

mit Experimentiereinrichtungen,

bei denen mit berührungsgefährlicher

Spannung

experimentiert werden kann.

Sie gilt ausdrücklich nicht für

Unterrichtsräume mit Experimentiereinrichtungen,

an

denen nur elektrische Betriebsmittel

mit vollständigem

Schutz gegen direktes Berühren

über Steckvorrichtungen

(z. B. beheizte Magnetrührer,

Mikroskope etc.) zum Einsatz

kommen. Fazit: Es reicht nach

I N F O S / M E D I E N

wie vor aus, wenn in naturwissenschaftlich-technischen

Unterrichtsräumen am Vorführstand

und an jedem Ausgang

eine Not-Aus-Einrichtung

installiert ist.

Download-Ratgeber

„Klettern in der

Pause“

Klettern ist ein Grundbedürfnis

kindlicher Entwicklung.

Es gibt wenige Bewegungsformen,

bei denen Kinder

ihren Körper besser kennen

lernen, Körperkraft und Geschicklichkeit

erlangen. Die

Zahl der Boulderwände nimmt

rasant zu. Ein von der Unfallkasse

Sachsen herausgegebener

Ratgeber (GUV-SI 8465)

präsentiert dazu nun Tipps

zur Planung, zum Bau und

zur Sicherheit von so genannten

Boulderwänden, ergänzt

durch eine Sammlung lustiger

Kletterspiele. Der Ratgeber

umfasst 32 Seiten und steht

als PDF-Download abrufbereit

unter www.unfallkassen.

de/webcom/show_article.

php/_c-736/_nr-17/i.html.

Außerdem wurde eine Zusammenstellung

verschiedener

Ausrüster als Word-Datei

veröffentlicht.


Schule &

Gesundheit

Ein interdisziplinäres Arbeitsfeld

des Hessischen Kultusministeriums

stellt sich vor.

Bereits in der pluspunkt-Ausgabe 1/06

wurden drei Programme – „Opus NRW“,

„Anschub.de“ und „bildung + gesundheit“

– kurz vorgestellt, bei denen die Gesundheitsförderung

in die Schulentwicklung

eingebunden ist. „Schule & Gesundheit“,

ein Programm des Hessischen Kultusministeriums,

verfolgt ebenfalls dieses Ziel.

Schulische Gesundheitsförderung bezieht

dabei alle Bereiche des schulischen

Lebens ein. Hauptziel ist es, alle Mitglieder

der Schulgemeinde zu befähigen, ihre

eigene Gesundheit zu fördern und zu

stärken und eine entsprechende Kultur in

der Schule nachhaltig zu entwickeln.

In diesem Arbeitsfeld sind alle Maßnahmen

der mit Gesundheit befassten Arbeitsbereiche

des Hessischen Kultusministeriums

gebündelt. Dazu gehören:

Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit

Bewegung

Ernährungs- und Verbraucherbildung

Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung

Sexualerziehung

Sucht- und Gewaltprävention

Umwelterziehung und ökologische

Bildung

Verkehrserziehung und Mobilitätsbildung.

Das heißt, Schule & Gesundheit führt traditionelle

Themen der schulischen Gesundheitserziehung

(vor allem Bewegungs- und

Ernährungserziehung, Prävention von

Abhängigkeit, Gewaltprävention und

Hygiene) zusammen, ergänzt neuere

relevante Aspekte, wie zum Beispiel die

Förderung der Gesundheit von Lehrkräften,

und erweitert die gesundheitsfördernde

Tätigkeit noch um strukturelle Fragestellungen,

wie zum Beispiel die Etablierung

von gesundheitsförderlichen Organisationsformen

im Schulalltag. Das heißt, die

zentrale Frage lautet: Welchen Beitrag

kann die Gesundheitsförderung in der

„eigenverantwortlichen Schule“ zur

Schulentwicklung leisten?

10

Die Arbeitsschwerpunkte von Schule &

Gesundheit sind

Schulentwicklung durch Gesundheitsförderung

(Prozess)

Schulisches Gesundheitsmanagement

Gesundheitserziehung im Unterricht

(Präventions- und Interventionsmöglichkeiten/Unterrichtseinheiten/Projekte)

Gesunderhaltung im sozialen Netz

(Zusammenarbeit mit inner- und außerschulischen

Partnern).

Das Ziel bis 2009 besteht darin, „in allen

Schulen … Maßnahmen der Gesundheitsförderung

und Prävention zu verankern,

durch die Gesundheit von Schülerinnen

und Schülern sowie von Lehrerinnen und

Lehrern nachhaltig gefördert werden“.

Angedachte Maßnahmen sind Netzwerkbildung

sowie Steigerung von Motivation,

Arbeitszufriedenheit und Gesundheit aller

in der Schule Tätigen.

Die angesprochenen Zielgruppen sind

einerseits die Verantwortlichen der Bildungsverwaltung,

die Mitglieder der

Schulgemeinde, einschließlich des nichtpädagogischen

Personals und andererseits

die Schülerinnen und Schüler sowie die

Eltern.

Seit dem Schuljahr 2005/06 ist im Konzept

von Schule & Gesundheit auch die freiwillige

Zertifizierung zur „Gesundheitsfördernden

Schule“ als einem Meilenstein auf

dem Weg zur „Guten Schule“ vorgesehen.

Das Zertifizierungsverfahren ist geeignet,

Transparenz über den Stand der Schulentwicklung

durch Gesundheitsförderung zu

schaffen. Im Zertifizierungsprozess dokumentieren

die Schulen bereits etablierte

Modelle guter Praxis, belegen ihre Wirksamkeit

und werden ermutigt, weitere

gesundheitsförderliche Aktivitäten und

Projekte zu entwickeln.

Diese Formen interner Evaluation zur

Gesundheit sind eingebunden in die

Hessische Schulinspektion. Das Zertifizierungsverfahren

dient der gesamten Organisation

Schule als Orientierung zur Gestal-

tung durch Schulentwicklung mit Mitteln

der Gesundheitsförderung und es ist

zugleich ein Mittel der Darstellung des

gesundheitsorientierten Profils nach

außen. Konkret bedeutet dies, dass

Gesundheitsfördernde Schulen“ selbstgesteuert

an der Verbesserung ihrer Gesundheitsqualität

als Arbeitsplatz und Lebensraum

arbeiten. Zwischenfazit: Mehreren

Schulen konnten bereits Teilzertifikate

überreicht werden!

Zur Unterstützung auf dem Weg zur „Gesundheitsfördernden

Schule“ können

Schulen beispielsweise folgende Angebote

von Schule & Gesundheit nutzen:

Information durch das Internet unter

www.schuleundgesundheit.hessen.de

Bereitstellung von Supportangeboten

Beratung durch das Projektbüro Schule

& Gesundheit im Hessischen Kultusministerium;

Kontakt: (Projektbüro Schule

& Gesundheit) Frau M. Melcher, Frau

M. Triebe-Schmid:

Tel: (0611) 368-2730, -2736

Fax: (0611) 368-1730, -1736

E-Mail: schuleundgesundheit@hkm.

hessen.de

Beratung durch das regional zuständige

Staatliche Schulamt (Generalist/in bzw.

Fachberater/in)

Beratung und Unterstützung durch

interne und externe Kooperationspartner.

Autorin:

Dr. Beate Zelazny ist im Hessischen

Kultusministerium zuständig für die Koordination

von Schule & Gesundheit.

P l u s p u n k t 4/2006


Verlags-Anzeige

P l u s p u n k t 4/2006 11


12

Suchtprävention

mit Harry Potter

Eine Zeitreise

in die Welt

der Abenteuer

Hier im Bild der „Neon-Turbo-100-

Besen“, der mit Sensorausrichtung

seine Flugrichtung ändert und sich samt

seinem Benutzer unsichtbar machen

kann, wenn die Situation es erfordert …

Fotos: Waltraud Velte

Wer kennt nicht Harry Potter und die

sich um ihn rankenden phantasievollen

Geschichten von Freundschaft und Abenteuer?!

So war es naheliegend, unter dem

Titel „Harry Potter und der Kick des Lebens“

eine Fortbildungsveranstaltung für

Lehrkräfte zu konzipieren und anzubieten,

die ihnen Handlungsmöglichkeiten in der

Suchtprävention mit Schülern spielerisch

vorführt und zur Nachahmung im Unterricht

nahebringt.

Den Fortbildungsrahmen bildet ein

zweitägiges Seminar mit Erlebnis- und

Abenteuercharakter. Eingebunden in

die Rahmengeschichte von Harry Potter

werden Kooperative Abenteuerspiele in

einer Spielkette angeboten und erfahrbar

gemacht.

Der Begriff „Kooperative Abenteuerspiele“

steht für ein Konzept, die Kooperation

und das Erlebnis gemeinsamen

Handelns in einer Gruppe zu unterstützen

und eigene Handlungsmöglichkeiten zu

erweitern. Das Abenteuer, das heißt, das

Erlebnis von Spannung und Herausforderung

wird in Spielsequenzen aufbereitet,

in Komplexität und Schwierigkeitsgraden

gesteigert, um gemeinsame Lösungen

und Erfolge zu bewirken. Das pädagogische

Ziel ist der Transfer dieser erlebten

Verhaltens- und Handlungsweisen in die

Alltagswelt.

Suchtprävention in der Schule

mit erlebnispädagogischen

Methoden

In der modernen Suchtprävention bedienen

wir uns erlebnis- und abenteuerpädagogischer

Konzepte, um eine positive Verstärkung

der individuellen Ressourcen bei

Kindern und Jugendlichen zu bewirken.

Die Steigerung des Selbstwertgefühls,

das Erleben körperlicher Grenzen, die

Auseinandersetzung mit und in der Grup-

pe sowie die Erfahrung, Verantwortung

übernehmen zu müssen, sind wichtige

Handlungselemente zur Persönlichkeitsentwicklung

und Erweiterung der Lebenskompetenz.

Kinder und Jugendliche sollen

motiviert werden, Grenzerlebnisse wahrzunehmen

und diese mit Abenteuer und

Spannung zu assoziieren.

Die Zusammenhänge in der Spielsequenz

werden durch das gemeinsame Lesen der

Texte verbunden. Hierdurch können in

einem Begleiteffekt auch Lesen gefördert

und Bücher, Texte sowie Geschichten neu

entdeckt werden.

Eine Fortbildungsveranstaltung

zur Theorie und Praxis

der Erlebnispädagogik

Im Folgenden soll das zweitägige Seminar

in Auszügen beschrieben werden. Vorlage

hierfür bilden bereits stattgefundene Veranstaltungen

aus den Landkreisen Gießen

und Limburg-Weilburg. Hauptzielgruppe

waren Lehrkräfte aus Real- und Hauptschulen,

eingesetzt in der Förderstufe

oder in der Sekundarstufe I.

Um in die Welt der Abenteuer einzutauchen,

bedarf es einer präzisen Spielanleitung,

hilfreichen Equipments und

Materials sowie der Bereitschaft, seiner

Phantasie freien Lauf zu lassen.

Erster Seminartag: Einführung in die

Rahmengeschichte „Harry Potter“

Zu Beginn erfolgt eine theoretische

Einführung in die Methode der Erlebnis-

und Abenteuerpädagogik. In der ersten

praktischen Übung steht die Zeitreise in

das Abenteuer im Mittelpunkt. In Rollenspielen

erfahren die Teilnehmer die

Abenteuerpädagogik in der Schülerrolle.

Die „Schülerinnen“ und „Schüler“ treten

eine Zeitreise in die Zauberwelt an, dies

erfolgt durch ein Interaktionsspiel. Die in

der Übung entstehende dichte Atmosphäre,

erwartungsvolle Spannung und hohe

Konzentration bilden den Nährboden für

kreatives Denken und ermöglichen das

Eintauchen in die Phantasiewelt.

Im Anschluss wird eine Einteilung in vier

Gruppen vorgenommen, die während der

zwei Seminartage auch bestehen bleibt.

P l u s p u n k t 4/2006


Die Schüler und Schülerinnen erleben

den Wettkampf in den vier gebildeten

Gruppen als bereichernd. Es entsteht eine

konstruktive Konkurrenz im Sinne von

Sportgeist und Wettkampf.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des

Seminars ist die Erstellung von hilfreichen

Requisiten, um ein Eintauchen in die

Zauberwelt zu erleichtern. Hier einige

Beispiele: Zauberstäbe basteln, persönliche

Erkennungszeichen in den jeweiligen

Mannschaftsfarben entwerfen (z.

B. Stirnbänder oder Armbinden). Einen

Höhepunkt der „Bastelarbeit“ stellt die

Fertigung des „Quidditch-Besens“ dar,

der in den Harry-Potter-Büchern als ein

wichtiges „Phantasie-Sportgerät“ vorkommt.

Im weiteren Verlauf des ersten Seminartages

finden Namensspiele, Wahrnehmungsübungen

und einfache Kooperationsübungen

statt.

Zweiter Seminartag:

Das Abenteuer beginnt

Am zweiten Seminartag bauen kooperative

Abenteuerspiele und Vertrauensspiele

aufeinander auf, der Schwierigkeitsgrad

wird gesteigert und es entsteht eine

Spielkette.

Das Abenteuerspiel „Spinnennetz“ wird in

die Rahmenhandlung einbezogen. Harry

und Ron, die wichtigsten Akteure der Titelgeschichte,

sind im „Verbotenen Wald“

unterwegs, um die „Spinne Aragog“ aufzusuchen.

Weitere Kooperations- und Abenteuerspiele

runden das Seminarprogramm ab.

Reflektions- und Auswertungsübungen

beenden die zweitägige Fortbildung.

Die Fortbildungsmaßnahme

im Rückblick

In der Auswertung wurde deutlich, dass

die Lehrkräfte die gewählten Inhalte

und Methoden für geeignet hielten, um

erlebnispädagogische Elemente mit Harry-Potter-Touch

bei der Suchtprävention

einzubeziehen, um Projektwochen und

Klassenfahrten zu gestalten oder um ein

eigenständiges Unterrichtsprojekt anzubieten.

Die direkte Erlebbarkeit der Übungen in

der Schülerrolle und eigene Erfahrungen,

wie zum Beispiel Sportgeist, kameradschaftliche

Konkurrenz und Teamarbeit,

wurden als wertvoll beschrieben.

Laut den Teilnehmerinnen und Teilnehmern

war die Seminaratmosphäre spannend,

anregend, lustig, der Umgang miteinander

vertrauensvoll und kooperativ.

Alle Lehrkräfte würden die Fortbildungsveranstaltung

anderen Kolleginnen und

Kollegen weiterempfehlen.

Interessierte Lehrkräfte können über die

genannte Kontaktadresse einen Fortbildungsreader

anfordern, um das Projekt

„Harry Potter und der Kick des Lebens

– eine Zeitreise in die Welt der Abenteuer“

in ihrer Schule einzusetzen.

Spinnennetz

S U C H T P R Ä V E N T I O N

Autorin:

Waltraud Velte ist freiberufliche Referentin

der Giessener Soziotherapie

und übt eine Lehrtätigkeit an der

Fachhochschule Frankfurt/Main aus.

Kontakt: Giessener Soziotherapie,

Waltraud Velte,

Tel. + Fax: (0641) 76681;

soziotherapie.giessen@web.de

Zwischen zwei Bäumen wird ein Spinnennetz mit Hilfe eines Seils gespannt. Je

nach Teilnehmerzahl müssen 10–15 Löcher im Netz in verschiedenen Höhen

vorhanden sein. Aufgabe der Gruppe ist es, alle Teilnehmer durch die Löcher des

Netzes zu schleusen, wobei jede Berührung des Netzes untersagt ist.

Der Erfahrungswert der Übung besteht darin, dass tatsächlich nur die gesamte

Gruppe gewinnen kann. Die Abenteuerübung weckt großen Ehrgeiz, da sie

herausfordernd ist und nichtalltägliche Erfahrungen ermöglicht. Wenn sie gelingt,

ist es ein eindrucksvolles Erlebnis für die ganze Gruppe. *

* Quellennachweis: Gilsdorf, Rüdiger & Kistner, Günter: Kooperative Abenteuerspiele – Eine Praxishilfe für Schule und Jugendarbeit.

Seelze-Velber: Kallmeyerrsche Verlagsbuchhandlung, 6. Auflage 1999

P l u s p u n k t 4/2006 1


In der Berliner Morgenpost beschreibt

Thomas Neubacher-Riens am 2. Juli 2005

den ersten Elternabend: „Wir hocken mit

angezogenen Beinen in drei Zweierreihen

eng an eng, die Knie stoßen von unten

gegen die Ablage. Vorn steht eine gut

geschminkte Dame und erklärt die Welt.

Nein, kein Ferienflieger. Meine Göttergattin

und ich sitzen in der Schule. Erster

Elternabend vor der Einschulung. Um uns

kauern Mamis und Papis mit krummen

Rücken an den flachen Tischen, schreiben

mit.

„Bitte kaufen Sie nur Schultaschen, die

richtige Standfüße haben“, mahnt die

Lehrerin, „sonst stolpern die Kinder.

Bei Klassenarbeiten stehen die Taschen

zwischen den Schülern auf der Bank.“ Da

kommen Erinnerungen hoch. Und zwei

Reihen vor mir wird hemmungslos geschwätzt!

Doch die Schule bietet auch Neues. Wie

viele Kanten darf ein Holzbuntstift haben?

Wie durchbohrt man einen Radiergummi,

um ihn an das Federmäppchen anzuleinen?

Und bitte, beschriften Sie alles,

auch die Kappen der Filzstifte!“ Diese

Lehrerin, lerne ich, denkt an alles. Selbst

wenn das Klassenzimmer beim Losfliegen

in arge Turbulenzen geriete, würde hinterher

jedes Kind über Nichts gestolpert sein

und seinen Ratzefummel nicht verloren

haben …“

So lassen sich Eltern nicht für eine gemeinsame

Erziehungs- und Bildungspartnerschaft

gewinnen. Leider haben Lehrerinnen

und Lehrer nur selten gelernt, wie

Elternarbeit sinnvoll zu gestalten ist – und

in den schulinternen Fortbildungen ist

Elternarbeit nur selten ein Thema. Dabei

kann eine sinnvolle Gestaltung der Part-

14

Schule

gemeinsam

gestalten

Eine gute Kooperation mit den Eltern

entlastet die Unterrichtsarbeit

und verbessert das Schulklima erheblich.

nerschaft zwischen Eltern und Lehrkräften

die Unterrichtsarbeit enorm entlasten und

das Schulklima entscheidend verbessern.

Das Einbeziehen der elterlichen Kompetenzen

in den Erziehungs- und Bildungsprozess

ist ein entscheidendes Qualitätsmerkmal

gelingender Schule.

Der erste Kontakt

Die erste Verantwortung liegt hier bei der

Schulleitung. Der erste Kontakt der Eltern

mit der Schule findet bei der Anmeldung

und Aufnahme des Kindes statt. Die

Schulleiterin oder der Schulleiter sollten

Gastgeber für die interessierten Eltern

sein. Dazu gehört auch eine Tasse Kaffee

oder Tee. Es ist wichtig, sich Zeit zu

nehmen für die Eltern. Die Schulleitung

sollte sich bemühen, die Erwartungen

der Eltern an die Schule zu erkennen und

wahrzunehmen. Damit kann dann auch

besprochen werden, wie diese Erwartungen

mit dem pädagogischen Konzept

der Schule zusammenpassen. Den Eltern

sollte die Schule – inklusive Lehrerzimmer

und Toiletten – gezeigt werden. Wie ist

die Rolle der Eltern im Schulprogramm

beschrieben? In welchen Bereichen ist die

Mitarbeit der Eltern erwünscht? Welche

Kommunikationsmöglichkeiten bestehen?

Gibt es von der Schulleitung regelmäßige

Gesprächszeiten für die Eltern?

Tipps für die Schulleitung:

Zeit für Aufnahmegespräche einplanen

Freundliches Gesprächsarrangement

vorbereiten

Termine für Schulbesichtigungen anbieten

Regelmäßige Gesprächszeiten für Eltern

veröffentlichen.

Der erste Elternabend

Foto: Paul Misterek

Die zweite Chance für gelingende Elternarbeit

liegt im ersten Elternabend. Für

die Informationen, was die Kinder für den

Schulanfang benötigen, reicht eine kurze

schriftliche Mitteilung. Viel wichtiger ist,

dass die am Bildungsprozess Beteiligten

sich kennen lernen. Der erste Elternabend

sollte die Gelegenheit bieten, dass die

Eltern sich vorstellen, ihre Erwartungen

an die Schule nennen können, dass die in

der Klasse unterrichtenden Lehrerinnen

und Lehrer sich vorstellen und ihre pädagogischen

Ziele und ihre Erwartungen an

die Mitwirkung der Eltern benennen. Auch

hier sind Kommunikationswege zu vereinbaren:

Sind Zwischen-Tür-und-Angel-Gespräche

möglich? Gibt es regelmäßige Gesprächszeiten?

Wann ist die telefonische

Erreichbarkeit der Eltern / der Lehrkräfte

sichergestellt? Sind regelmäßige Entwicklungsgespräche

(natürlich grundsätzlich

mit dem jeweiligen Kind!) vorgesehen?

Wann können Eltern im Unterricht hospitieren?

Welche Möglichkeiten sind vorgesehen,

den erlebten Unterricht zusammen

mit den Lehrkräften auszuwerten?

Gerade in den ersten Kontakten der

Lehrerinnen und Lehrer mit den Eltern

muss deutlich werden, dass Elternbeteiligung

mehr ist als Konfliktmanagement,

wenn das Kind Probleme hat. Es geht um

die gemeinsame Verantwortung für den

Bildungserfolg der Kinder: Dabei sind die

Lehrkräfte die Experten für Pädagogik

und die Eltern sind die Experten für ihr

eigenes Kind – und es ist berechtigt, dass

Eltern das Beste für ihr Kind wollen!

P l u s p u n k t 4/2006


Der erste Elternabend sollte folgende

Elemente beinhalten:

Vorstellungsrunde:

Mein Sohn/meine Tochter kann am

Besten …

Seine/ihre Erwartungen an die Schule

sind …

Mit Blick auf die Schulzeit meines

Kindes freue ich mich, dass …

Schulprogramm

Vorstellung der Lehrkraft mit ihren

pädagogischen Zielen und die Erwartung

an die gemeinsame Arbeit mit den

Eltern

Gespräch über die Kommunikationsmöglichkeiten

zwischen Lehrkräften

und Eltern und entsprechende Absprachen

Austeilen der Checkliste für den Schulanfang

und Rückfragemöglichkeit.

Thematische Elternabende

Gelingt dieser Start in die Elternarbeit,

dann wird es viel leichter sein, die künftigen

Elternabende nicht als formale

Pflichtveranstaltung im Sinne der Mitwirkungsgesetze

abzuwickeln. Dann

wird man schnell viele pädagogische

und erzieherische Themen finden, die es

lohnen, gemeinsam beraten zu werden.

Wenn Lehrerinnen und Lehrer sich dabei

so weit zurücknehmen können, dass sie

eher Moderatoren dieser Gespräche denn

„Belehrende“ sind, dann wird die Zahl der

teilnehmenden Eltern eher wachsen statt

abzunehmen. Das Einüben eines gemeinsamen

Diskurses über Erziehungs- und

Bildungsfragen lässt Eltern und Pädagogen

gleichermaßen kompetenter werden.

Tipps:

Wie wir Schreiben und Lesen lernen/

Mit Beispielübungen für die Eltern und

Hinweise auf Unterstützungsmöglichkeiten

zuhause

Was unsere Kinder bis zur vierten Klasse

in Mathe gelernt haben sollen – die

Bedeutung von Bildungsstandards.

Anhand von Aufgabenbeispielen der

Bildungsstandards Mathematik, vierter

Jahrgang, wird mit den Eltern besprochen,

wie sich das Curriculum aufbaut,

um diese Kompetenzen zu erreichen

Bewegung und Gesundheit

Wie viel Schlaf braucht eine Schülerin/

ein Schüler?

Der Umgang mit (Taschen-)Geld

Schau hin! – Kinder und Medien.

Elternstammtisch

Bisher haben es nur wenige Schulen geschafft,

einen regelmäßigen Elternstammtisch

oder Elterntreff einzurichten. Dabei

sind dies Gelegenheiten, die Stimmungen

in der Elternschaft wahrzunehmen, neue

Ideen zu entwickeln, Potenziale zu entdecken.

Manchmal bietet es sich auch an,

thematische Gesprächsrunden für Eltern,

die nicht berufstätig sind, am Vor- oder

Nachmittag anzubieten.

Tipp:

Schulleitung und Elternvertreter bieten

gemeinsam einen regelmäßigen Elternstammtisch

an.

Elternzimmer

In ganz wenigen Fällen haben Schulen ein

Elternzimmer eingerichtet, in dem sich die

Eltern während der Schulzeit treffen können.

Dort können sie miteinander einen

Kaffee trinken. Sie können sich zurückziehen,

um einen Einblick in die schulischen

Vorschriften, Verordnungen oder Gesetze

zu nehmen. In Ruhe können sie die Schülerakte

ihres Kindes durchlesen.

Tipp:

Die schulischen Räume werden daraufhin

überprüft, ob es einen Raum gibt,

der den Eltern zur Verfügung gestellt

werden kann. Dieser kann von den

Eltern gestaltet und nach ihren Bedürfnissen

genutzt werden.

Erziehungsvereinbarungen

Erziehungsvereinbarungen, die gleichberechtigt

zwischen Eltern, Kind und Schule

vereinbart werden, können in besonderen

Fällen dazu beitragen, Entwicklungsprozesse

zu steuern und zu gestalten.

Tipp:

Im Internet gibt es viele gute Beispiele

für gelungene Erziehungsvereinbarungen.

Je mehr Kommunikationsgelegenheiten

und Plattformen für die Eltern geschaffen

werden, desto mehr wird es gelingen, die

Eltern in die Profilentwicklung der Schule

einzubeziehen. Dann können einzelne Eltern

auch für Gruppenarbeit und Arbeitsgemeinschaften

gewonnen werden. Nicht

zu unterschätzen sind die außerschulischen

Möglichkeiten, die durch Eltern

geschaffen werden können: Betriebsbesichtigungen,

Praktikastellen, Lernorte

außerhalb der Schule.

E L T E R N A R B E I T

Autor:

Wilfried W. Steinert ist Vorsitzender

des Bundeselternrats.

… und wenn Eltern nicht kompetent

sind?

Es wird immer Eltern geben, die überfordert

sind, ihr Kind anzuleiten, regelmäßig

und pünktlich zur Schule zu gehen, die

Essensgeld oder Beiträge nicht zahlen

oder nur ab und zu.

Es wird immer einzelne Mütter und Väter

geben, die auf Hinweise und gute Ratschläge

aggressiv reagieren, gesprächsunwillig

sind und sich jeglicher Mitarbeit

– selbst bei Festen und Feiern – verweigern.

Es hilft nichts, darüber zu jammern. Aber

wenn in der Schule erkennbar wird, dass

die Kinder dabei zu kurz kommen, darunter

leiden, dann muss die Schulleitung

reagieren und dafür sorgen, dass diese

Eltern die besondere Unterstützung durch

Schule und Gesellschaft bekommen! Hier

muss die Zusammenarbeit mit dem Jugend-

und dem Sozialamt, den Frühförder-

und Beratungsstellen und der Erziehungs-

/Familienberatung gesucht werden.

Ziel aller partnerschaftlichen Bemühungen

muss ein: Jedes Kind zu fordern

und optimal zu fördern zu einer selbstbewussten,

neugierigen Persönlichkeit, die

motiviert ist, die vor ihr liegende Zukunft

zu gestalten!

Schule gemeinsam mit den Eltern gestalten

– vielleicht das Thema der nächsten

schulinternen Fortbildung: Zusammen mit

interessierten Eltern.

Informationen

• Besuchen Sie den Bundeselternrat im

Internet: www.bundeselternrat.de

P l u s p u n k t 4/2006 1


Keine schicksalhafte

Verkettung

16

Foto: PantherMedia

Die Schule kann Kindern

und Jugendlichen aus Fami-

lien mit Alkoholproblemen

dabei helfen, zu einer posi-

tiven Identität zu finden.

Schätzungen über den Anteil von Kindern

und Jugendlichen, die in Familien

aufwachsen, in denen ein Elternteil oder

beide Elternteile wenigstens phasenweise

Alkoholprobleme haben, liegen bei 10 %

bis 15 %. Solche Kinder und Jugendliche

leben unter erschwerten Bedingungen.

Lehrkräfte können sich jedoch für Schülerinnen

und Schüler, von denen sie vermuten

oder wissen, dass sie alkoholbelastete

Familien haben, besonders einsetzen.

Sie können sie gezielt im Unterricht fördern,

ihnen positive Rückmeldungen geben,

wenn ihnen eine Arbeit gut gelungen

ist, oder sie trösten, wenn sie misslungen

ist, sie können ihnen widerspiegeln, dass

sie wertvolle junge Menschen sind. Das

bestärkt diese Kinder und Jugendlichen

in ihrem Bemühen, mit den häuslichen

Schwierigkeiten klarzukommen und ein

positives Selbstbild aufzubauen.

Alkoholabhängige Väter und Mütter unterscheiden

sich von Vätern und Müttern

ohne Alkoholprobleme und ohne andere

psychische Störungen vor allem dadurch,

dass sie gegenüber ihren Kindern weniger

aufmerksam und feinfühlig sind. Sie reagieren

weniger sensibel auf deren Bedürfnisse,

fördern sie in der Entwicklung weniger

gut und beschützen gegen Gefahren

weniger zuverlässig. Erwachsene Kinder

aus alkoholbelasteten Familien beschreiben

das Familienklima als eher kalt bis

feindselig, die Atmosphäre als unberechenbar.

In der Interaktion dominieren

Anweisungen und Befehle im Wechsel mit

Vernachlässigung und Gleichgültigkeit,

oft kombiniert mit körperlicher und seelischer

Gewalt. 1 Als besonders belastend

erleben es die Kinder und Jugendlichen,

dass das Verhalten des alkoholabhängigen

Elternteils nicht verlässlich ist und

sich nicht voraussagen lässt und dass es

aus heiterem Himmel zu Streit, Gewaltausbrüchen

und körperlichen wie seelischen

Verletzungen kommen kann.

Obwohl die Lebensbedingungen dieser

Kinder und Jugendlichen nicht einfach

P l u s p u n k t 4/2006


Autorinnen:

Prof. Dr. Irmgard Vogt ist Leiterin des Instituts für Suchtforschung

(ISFF) der Fachhochschule Frankfurt am Main,

Dipl. Sozialarbeiterin Jana Fritz wissenschaftliche Mitarbeiterin

am selben Institut.

sind, und obwohl sie alle unter diesen

leiden, unterscheiden sie sich oft nicht

sonderlich von anderen Kindern und

Jugendlichen. Sieht man von besonderen

Problemlagen ab, sind ihre Entwicklungschancen

(fast) ebenso gut wie die von

anderen Kindern und Jugendlichen – mit

einer Ausnahme: Sie sind stärker als

diese gefährdet, selbst von Alkohol oder

Drogen abhängig zu werden. Aber auch

hier gilt, dass es nicht alle trifft, sondern

nur einen Teil. Es gibt also Entwicklungschancen,

die genutzt werden können. 2

Da viel mehr Väter als Mütter Alkoholprobleme

haben, geht die Gewalt sehr

viel häufiger vom Vater als von der Mutter

aus. Mütter, die sich und ihre Kinder

erfolgreich vor den Wutausbrüchen und

den Gewalttätigkeiten des alkoholabhängigen

Vaters schützen können, vermitteln

den Kindern und Jugendlichen zugleich,

dass es Alternativen gibt. Dazu gehört das

Bemühen der Mütter, die Väter zu einer

Behandlung der Krankheit zu bewegen

und sie in der Abstinenz zu unterstützen.

Gelingt das nicht, kommt es oft zur Trennung

und dem Zerfall der Familie.

Kinder aus alkoholbelasteten Familien

sind überdurchschnittlich oft Scheidungskinder.

Auch hier darf nicht übergeneralisiert

werden; die meisten Scheidungskinder

haben keine alkoholabhängigen

Elternteile.

Überdurchschnittlich hoch ist auch der

Anteil der Kinder und Jugendlichen mit

Verhaltensstörungen. Diese lassen sich

in manchen Fällen, in denen die Mutter

alkoholabhängig ist, auf Beschädigungen

in der vorgeburtlichen Entwicklung des

Kindes zurückführen, beispielsweise

auf das Fetale Alkoholsyndrom (FAS, in

Deutschland auch als Alkoholembryopathie

bezeichnet), das zu dauerhaften

Störungen der kognitiven Entwicklung

führt, die oft mit anderen Funktions- und

Verhaltensstörungen einhergehen. Dazu

gehören unter anderem Minderbegabung,

Sprach- und Hörstörungen sowie feinmo-

torische Störungen. Einige dieser Kinder

fallen durch Aufmerksamkeitsdefizite

und Hyperaktivitätsstörungen auf (ADHS)

auf. Hinzu kommen andere abweichende

Verhaltensweisen, wie Aggressivität,

Desinteresse an schulischen Leistungen,

Schuleschwänzen usw., die man aber

auch bei anderen Kindern mit Eltern, die

keine Alkohol- oder Drogenprobleme

haben, findet.

Problemhinweise sind Alkoholexzesse

auf dem Schulgelände oder auf Klassenfahrten.

Jugendliche, die sich als besonders

trinkfreudig hervortun und die

durch betrunkenes Verhalten besonders

auffallen, sind gefährdet, sich an einen

riskanten Konsumstil zu gewöhnen. Kommen

dazu Hinweise, dass es in der Familie

Alkoholprobleme gibt, sollten die Verantwortlichen

darauf reagieren und Hilfsangebote

bereitstellen.

Als Erwachsene beschreiben sich die

Kinder und Jugendlichen aus Alkoholikerfamilien

als eher traurig, ängstlich oder

depressiv, aber auch als eher ärgerlich,

zornig und wütend und insgesamt als weniger

fröhlich. Sie erleben sich selbst als

Personen mit starken Stimmungsschwankungen,

die sie nicht immer beherrschen

können. 3 Dazu kommt aber auch, dass

sich vor allem die Mädchen als Personen

wahrnehmen, die schon sehr früh im Leben

Verantwortung übernehmen mussten

und das auch getan haben. Darin kann

eine besondere Stärke liegen, die sie zu

ausgeprägten Persönlichkeiten heranreifen

lässt. Auch dies weist darauf hin, dass

es kein sich zwingend erfüllendes Fatum

ist, in einer Familie mit Alkoholproblemen

aufzuwachsen.

Da es keine eindeutigen körperlichen

Merkmale oder besonderen Verhaltensweisen

gibt, die Kinder und Jugendliche

aus Familien mit Alkoholproblemen von

anderen Kindern und Jugendlichen unterscheiden,

sollten Erzieher/innen und Lehrer/innen,

die den Verdacht haben, dass

bestimmte Schüler/innen einen solchen

A L K O H O L

Familienhintergrund haben, diesen mit

konkreten Beobachtungen belegen. Dazu

gehört das Gespräch mit Kolleginnen

und Kollegen über diese Schülerinnen

beziehungsweise Schüler und die eigenen

Vermutungen. Weiterhin sollte das Gespräch

mit den Eltern oder einem Elternteil

gesucht werden, in dem die konkreten

Probleme des Schülers angesprochen

werden, um Wege zu finden, die zu Lösungen

führen können. Alkoholprobleme

in der Familie können nur dann ein Thema

des Gesprächs sein, wenn ein Verdacht

erhärtet ist. Dann ist aber auch zu überlegen,

wer ein solches Gespräch führen soll.

In Schulen, an denen Sozialarbeiterinnen

beziehungsweise Sozialarbeiter und

Psychologinnen beziehungsweise Psychologen

arbeiten, sollten diese solche

Gespräche übernehmen.

Lehrkräfte können auch den Kontakt zu

ihren Schülerinnen beziehungsweise

Schülern direkt suchen. Sie sollten dabei

bedenken, dass für Kinder und Jugendliche

das Thema Alkoholprobleme in der

Familie mit sehr viel Schuld- und Schamgefühlen

besetzt ist. Sie werden sich

also nur dann gegenüber einer Lehrkraft

öffnen, wenn sie zu dieser großes Vertrauen

haben. Die Familie wird mehrheitlich

als eine Einheit empfunden, die durch

Abschottung nach außen Fremden jeden

Zugang beziehungsweise Einblick verwehrt.

Hat sich ein Kind doch anvertraut,

erwartet es dann von dieser Lehrperson

auch, dass sie Verantwortung übernimmt

und ihm beisteht. Oft ist es besser, wenn

Lehrkräfte Fachleute aus der Schule

selbst oder aus anderen Institutionen heranziehen

und diesen solche Gespräche

überlassen.

1 Vogt, I. / Fritz, J.: Alkoholabhängige Mütter und ihre

Gefühle gegenüber ihren Kindern. In: Verhaltenstherapie

und Psychosoziale Praxis, 38/2006, (1), S.17 – 38

2 Zobel, M.: Kinder aus alkoholbelasteten Familien.

Hogrefe, Göttingen 2000

3 Klein, M. / Zobel, M.: Prävention und Frühintervention

bei Kindern aus suchtbelasteten Multiproblemfamilien

(1996 – 1999). RIAS, Mainz 2001

P l u s p u n k t 4/2006 17


Aufsichtspflicht

und

Versicherungsschutz

1

Foto: Frank Schuppelius

Autor:

Dr. Matthias Triebel ist Leiter des GeschäftsbereichesSozialversicherungsrecht,

Rehabilitation beim Bundesverband

der Unfallkassen, München.

Die wesentlichen Bestimmungen zur Aufsichtspflicht

ergeben sich aus den allgemeinen

Rechtsnormen des bürgerlichen

Rechts. Im Schulrecht der einzelnen

Bundesländer sind lediglich Details unterschiedlich

geregelt (z. B. Aufsichtspflicht

an Schulbushaltestellen).

Die Dienstpflicht

der Lehrkräfte umfasst

die Aufsicht

über die Schüler

beim Unterricht

und bei allen schulischenVeranstaltungen.

Sie ergibt

sich zum einen aus

der besonderen

Schutzbedürftigkeit

von Minderjährigen

(als Ersatz

der elterlichen

Aufsichtspflicht),

zum anderen aus

der Fürsorge- und

Verkehrssicherungspflicht,

die

aus dem Schulverhältnis

folgt und

auch für volljährige Schüler gilt.

Ziel der Aufsicht ist es, die Schüler vor

Schäden zu bewahren und zu verhindern,

dass sie andere schädigen. Dies gilt

sowohl für Gesundheitsschäden als auch

für Sachschäden. Bei einer Verletzung der

Aufsichtspflicht sind die Lehrkraft beziehungsweise

(bei Beamten) der Dienstherr

zum Ersatz des dadurch entstandenen

Schadens verpflichtet. Bei Gesundheitsschäden,

die ein Schüler erleidet, tritt

– unabhängig von einer Aufsichtspflichtverletzung

– die gesetzliche Schüler-Unfallversicherung

ein.

Aufsichtspflichtig ist zunächst die Lehrkraft,

der die Schüler anvertraut sind. Im

Übrigen ist jede Lehrkraft einer Schule

gegenüber allen Schülern zur Aufsicht

verpflichtet, soweit sich die Notwendigkeit

zum Eingreifen aus den Umständen

ergibt. Der Schulleiter ist für die Gewährleistung

einer ordnungsgemäßen Aufsichtsführung

verantwortlich. Wird die

Aufsicht durch Hilfspersonen (z. B. Mitschüler,

Eltern) unterstützt, ist die aufsichtspflichtige

Lehrkraft auch für deren

sorgfältige Auswahl und Überwachung

verantwortlich. Inhalt und Umfang der

Aufsichtsmaßnahmen sind vom Einzelfall

abhängig. Insbesondere sind das Alter

und die Einsichtsfähigkeit der Schüler,

die räumlichen Verhältnisse am Ort der

Aufsichtsführung und erkennbare Gefährdungsmöglichkeiten

zu berücksichtigen.

Die ständige Anwesenheit einer Lehrkraft

ist nicht in jedem Fall zwingend erforderlich.

Die Aufsichtspflicht besteht während des

Unterrichts, auch wenn dieser außerhalb

des Schulgrundstücks durchgeführt

wird, auf Unterrichtswegen (z. B. von der

Schule zum Sportplatz oder Schwimmbad),

während der Pausen und Zwischenstunden

sowie in angemessenem Umfang

(15–30 min) vor Unterrichtsbeginn und

nach Unterrichtsende. Der Versicherungsschutz

in der gesetzlichen Schüler-Unfallversicherung

folgt der Aufsichtspflicht,

er besteht also nur, soweit die Schule zur

Aufsicht verpflichtet ist.

Der Schulweg, also der Weg vom Elternhaus

des Schülers zur Schule und zurück,

fällt zwar nicht unter die Aufsichtspflicht

der Schule, ist aber gleichwohl versichert.

Die Aufsichtspflicht kann unter bestimmten

Voraussetzungen entfallen, beispielsweise

wenn sich ein Schüler unerlaubt

vom Schulgrundstück entfernt oder wenn

die Erziehungsberechtigten im Einzelfall

und schriftlich ihr Einverständnis gegeben

haben, dass eine Aufsicht nicht durchgeführt

wird. Die Verantwortung für das Verhalten

der Schüler tragen in diesen Fällen

ausschließlich die Erziehungsberechtigten.

Gleichwohl kann Unfallversicherungsschutz

bestehen, wenn sich die Schüler

auf einem Schulweg befinden.

So in folgendem Beispielfall: Die Lehrkraft

entschließt sich, nachdem von mehreren

Schülern der 6. Klasse über längere Zeit

immer wieder die Hausaufgaben nicht

zum Unterricht mitgebracht werden, in

Absprache mit allen Eltern der Klasse,

solche Kinder während der normalen Unterrichtszeit

nach Hause zu schicken, um

die dort vergessenen Aufgaben zu holen

und damit in die Schule zurückzukehren.

Unabhängig von der Frage der Aufsichtspflicht

besteht dennoch Versicherungsschutz

in der gesetzlichen Schüler-Unfallversicherung,

da es sich hier um einen

Schulweg handelt.

P l u s p u n k t 4/2006


I M P R E S S U M

PLUSPUNKT erscheint vierteljährlich und

wird herausgegeben vom Bundesverband

der Unfallkassen – BUK – im Namen der

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Ein Teil der Ausgabe enthält einen Beihefter,

der vom Bayerischen Gemeindeunfallversicherungsverband,

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Am Mittelfelde 169, 30519 Hannover,

Tel. (05 11) 87 07-0,

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Am Mittelfelde 169, 30519 Hannover,

Tel. (05 11) 87 07-0,

Fax (05 11) 87 07-2 02

info@lukn.de

Nordrhein-Westfalen:

Rheinischer Gemeindeunfallversicherungsverband,

Heyestraße 99, 40625 Düsseldorf,

Tel. (02 11) 28 08-0,

Fax (02 11) 28 08-119

info@rguvv.de

Gemeindeunfallversicherungsverband Westfalen-Lippe,

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Fax (0 39 23) 7 51-3 33

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P l u s p u n k t 4/2006 1


11.

Einsendeschluss:

31.07.2007

Vom BUK werden folgende Preise vergeben:

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Sicherheit

und Gesundheit

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Wettbewerb

Werden auch an Ihrer Schule

Sicherheit und Gesundheit

groß geschrieben?

Gab oder gibt es dazu bei Ihnen vorbildliche Projekte?

Zum Beispiel in der Erziehung zum friedlichen Umgang

miteinander, bei der Vermittlung einer gesunden

Ernährungsweise, in der Verkehrserziehung oder ein

besonderes Engagement in der Drogenprävention

oder, oder …

Besonders interessieren uns in diesem Jahr auch

Projekte und Maßnahmen zum Schutz der Haut.

Hintergrundinformationen hierzu gibt es ab Januar

2007 unter www.unfallkassen.de

Stellen Sie uns in einem Beitrag

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Schrift und Bild oder Film vor!

Die Preisverleihung erfolgt unter Ausschluss des Rechtsweges.

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