Kinder raus ins Grüne! - Jako-o

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Kinder raus ins Grüne! - Jako-o

familienmagazinAusgabe 2 2012Art. Nr. 648-326-22 Schutzgebühr 2,50 € www.jako-o.dewirbelwindKinder rausins Grüne!Weil Natur denKleinen gut tutStartschuss fürbessere Noten?Wie Nachhilfewirklich wirktWohin mitder Wut?Wie Kinder lernen,„cool“ zu reagieren


editorial:SchreibenSie uns!Bettina PeetzGeschäftsleitung JAKO-ODamit wirbelwindinteressant und spannendbleibt, brauchen wir Sie!RUBRIKLiebe Eltern,freuen Sie sich mit uns auf einen tollen Sommer! Wir helfen Ihnen dabei mit einemwirbelwind, der sich trotz der spannenden Themen ganz entspannt im Liegestuhllesen lässt. Und mit frischer Luft um die Nase sind Sie auch bestens eingestimmtauf unsere Titelgeschichte. Denn wir fordern: Kinder raus! Ins Grüne nämlich, aufdie Bäume, in den Matsch. Warum die Natur dem Nachwuchs so viel gibt, erfahrenSie in unserem Artikel.Mit den Gaben der Natur hat auch unser Bericht zu „Wegwerf-Lebensmitteln“ zutun: Unmengen an Essen landen auf dem Müll. Dabei wäre die Ware noch genießbargewesen und hätte Hungernde ernähren können. Ein Skandal, finden wir! Undwir alle sind ein wenig schuld daran. Lesen Sie, was jeder von uns tun kann.Ganz und gar entspannen dürfen Sie dagegen bei unseren Anti-Chaos-Tipps fürFamilien. Eine erfahrene Expertin verrät Ihnen, wie Sie Stress aus der Organisationdes Familienalltags herausnehmen.Außerdem nehmen wir in diesem Heft die Entwicklung zu immer mehr Ganztagsschulenkritisch unter die Lupe und geben Ihnen Tipps in Sachen Nachhilfe – damitdie Zusatzstunden Ihrem Kind Erfolg bringen!Eltern von Babys und Kleinkindern möchte ich besonders unseren Artikel zu EmmiPikler ans Herz legen. Ihr pädagogischer Ansatz ist noch kaum bekannt, aber eineEntdeckung wert.Was brennt Ihnenunter den Nägeln?Welches Thema sollenwir recherchieren?Worum sollen wiruns kümmern?Was vermissen Sie?Schreiben Sie uns undlassen Sie uns wirbeln!Kontakt:JAKO-O GmbHRedaktion „wirbelwind“Postfach 1150D-96473 Bad Rodachoder per E-Mail:redaktion@wirbelwind-magazin.dewirbelwind 2 - 2012Viel Freude beim Lesen wünschtBettina Peetz, JAKO-O GeschäftsleitungP.S. WIR LADEN SIE HERZLICH EIN IN UNSERE NEUEN FILIALEN:Am 22. März haben wir unseren Ladenin der Braunschweiger Innenstadt eröffnet,am 10. Mai folgt Wiesbaden (Marktstraße 6).Nutzen Sie die Chance, unsere Produkte anzufassenund auszuprobieren –Wir freuen uns auf Sie und Ihre Kinder!(Lesen Sie mehr auf Seite 57)Alle Infos unter www.jako-o.de/filialenSagen Sie unsIhre MeinungWie gefällt Ihnen unserFamilienmagazin wirbelwind?Was finden Sie gut, waskönnen wir besser machen?Klicken Sie sich insJAKO-O Forum unter:!www.jako-o.de/feedback2


inhalt:FAMILIENLEBEN14 Zeitmanagement für Familien: Nur kein Stress! Plädoyer für mehr Spaß,Gelassenheit und Lebensfreude im täglichen Chaos18 Lebensmittel zum Wegwerfen: Rund die Hälfte unserer Nahrung landetauf dem Müll. Was kann der Einzelne dagegen tun?BABY + KLEINKIND22 Hebammen-Sprechstunde: Bewährte Hausmittel gegenSchwangerschaftsbeschwerden51 Kleinkind-Erziehung nach Emmi Pikler: „Lasst Kindern Zeit,sich eigenständig zu entwickeln!“ERZIEHUNG6 Zurück zur Natur: Warum Kinder Wald und Wiese, Gestrüpp und Matsch,Freiheit und Bewegung für ihre gesunde Entwicklung brauchen30 Konflikte gewaltfrei lösen: Wie lernen Kinder, mit ihren Aggressionenumzugehen, ohne anderen weh zu tun?KIGA + SCHULE34 Ganztagsschulen: „Es muss mehr auf Qualität geachtet werden“ –Eltern berichten über ihre Erfahrungen39 Nachhilfe für bessere Noten: Wann ist es sinnvoll, sich Unterstützungzu suchen und was sollten Eltern dabei beachten?POLITIK + GESELLSCHAFT11 Familie aktuell: Wissenswertes – kurzgefasst28 Risiko Altersarmut: Ausgerechnet die Frauen, die durch Kindererziehungden wesentlichen Teil zur künftigen Alterssicherung beitragen, sind amstärksten davon betroffen44 Familienleben in der Zeitlücke: Neun von zehn Eltern wünschen sichmehr gemeinsame Familienzeit – aber sie wird immer weniger!PAPAEXTRA618Abenteuer NaturAb nach draußen – warumdas Kindern so gut tut.Alles für die Tonne?Resteverwertung stattRestmüll – Tipps gegen dieLebensmittelverschwendung.54 Nachgefragt: Vater und Sohn im Gedankenaustausch über Vaterrolle,Erziehungsideale und KarriereJAKO-O INSIDE12 Gut ausgerüstet auf Entdeckertour: Nützliches für Wald und Flur24 JAKO-O Familien-Kongress-Tage 2012: Spannende Vorträge vonführenden Fachreferenten in 5 Städten. Jetzt anmelden!57 Neueröffnung: JAKO-O-Filiale jetzt auch in Braunschweig!58 Städtereisen: Kurz und gut – mit Gewinnspiel für Kinder© ping han - Fotolia.com30Wut im BauchSchlagen und Beißenist keine Lösung!RUBRIKEN4 Bunte Seiten: Infos – Tipps – Termine – Verschiedenes59 Vorschau auf Heft 3/2012 – Bezugshinweise – Impressum3


u...die b nte SeiteWissenswertes - Informatives - Termine - Ideen - VerschiedenesRUBRIK© KZENON - Fotolia.jpgNach vier Jahren:Das zweite KindDurchschnittlich vier Jahrelassen sich Mütter Zeit,bis sie ihr zweites Kind aufdie Welt bringen. Ein drittesGeschwister folgt imDurchschnitt nach weiterenfünf Jahren.Dies teilte das StatistischeBundesamt aufgrundvon Zahlen aus dem Jahr2010 mit. Insgesamt wurdenin diesem Jahr 680000Babys geboren. 307000 davon waren das zweite oder dritteKind. Im früheren Bundesgebiet, so das Statistische Bundesamt,entscheiden sich die Eltern im Durchschnitt schnellerfür ein weiteres Kind als in den neuen Ländern. ●Ausflugsziele:Die Haut der Erde entdeckenEntdeckungstouren „mit Bodenhaftung“stellt ein kostenloser Reiseführerdes Umweltbundesamtes vor.Enthalten sind 70 Ausflugsziele ausallen 16 Bundesländern. Dazu zählenMuseen, Erlebnispfade, Umweltinformationszentrenoder Bodenprofilsammlungen.Mit dabei sind zum Beispielder nationale GeoPark „Eiszeitland“ inBrandenburg, der hessische „Tatort“Boden oder die bayerische „Boden undWein“-Route. ●Der Reiseführer „Die Böden Deutschlands“ kann kostenlos bestelltoder heruntergeladen werden unter:www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/4161.htmlwirbelwind 2 - 20124Tipps: Wasserspaß mit SicherheitErwachsene unterschätzen oft die Gefahren beim Baden fürkleine Kinder. Die Knirpse sollten sowohl in der Badewanneals auch im Planschbecken beaufsichtigt werden, empfiehltdie BAG Mehr Sicherheit für Kinder. Auch beim Toben instehtiefen Schwimmbecken sollte auf die Kinder ein Auge geworfenwerden. Selbst Bottiche und Regentonnen können gefährlichwerden. Hier rät die BAG zu abschließbaren Deckeln.Für Schwimmbecken und Gartenteiche empfiehlt sie Schutzgitteroder Zäune mit absperrbaren Zugängen. ●© st-fotograf - Fotolia.jpgNeuer Trend:Samenbomben werfenSie sind klein und rund und haben esin sich: Samenbomben gehen nicht indie Luft, sondern werden dorthin geworfen,wo es grüner und bunter werdensoll. Die kleinen Kugeln bestehenaus Erde, Ton und Pflanzensamen, dienach einiger Zeit zu keimen beginnen.Wie die grünen Bomben selbst hergestelltund platziert werden können, verrätdas neue Buch „Mit Samenbomben dieWelt verändern“ von Josie Jeffery (ISBN 978-3-8001-7693-9).Orte, die verschönert werden sollten, können online auf einer Mitmach-Kartevorgeschlagen werden. Hier kann auch markiert werden,wo bereits Samenbomben abgeworfen wurden. ●Mehr Informationen finden Sie unter:www.samenbomben.ulmer.de


HABA-Firmenfamilie:Familie und Beruf– das passt zusammen!RUBRIK„Family Cockpit“:Familienalltag online organisierenEin kostenloser Online-Organizer für Familien kann beim Internetportalwww.allaboutfamily.de heruntergeladen werden.Statt Wandkalender und Zettelsammlung ist bei diesem papierlosenOrganizer alles an einem Ort und für alle jederzeitverfügbar. Pinnwand, Kalender, Adressbuch und Listen helfen,den Familienalltag zu organisieren. Weitere kleine Featuresergänzen die praktische Planungshilfe. ●Mehr Informationen finden Sie unter:www.allaboutfamily.deTests:Bestnoten für TrinkwasserFrisches Wasser aus der Leitung ist ein preiswerter Durstlöscher,den Sie in Deutschland ohne Bedenken trinken können.Nach dem aktuellen Bericht zur Trinkwasserqualität entsprechen99 Prozent aller Proben aus dem Wasserhahn den mikrobiologischenund chemischen Qualitätsanforderungen.Kein Thema mehr ist Nitrat, wo die Grenzwerte so gut wienirgends überschritten werden. Wenn das Wasser aus demHahn Blei, Kupfer, Nickel oder Cadmium enthält, liegt dieUrsache häufig in den Hausleitungen oder Armaturen. ●Mehr Informationen bietet der Ratgeber „Rund um das Trinkwasser“des Umweltbundesamtes:www.uba.de/uba-info-medien/4083.html© NatUlrich - Fotolia.jpgDie HABA-Firmenfamilie, zu der neben JAKO-O der SpielwarenherstellerHABA sowie WEHRFRITZ als Ausstattersozialer Einrichtungen gehören, ist erneut als familienfreundlichesUnternehmen zertifiziert worden.Zu den schon seit Jahren etablierten Angeboten für Beschäftigtemit Kindern zählen neben individuellen Arbeitszeitmodellendie betriebliche Kinderkrippe sowie die Ferienbetreuungin den Sommerferien. In den nächsten Jahren wird auch dieUnterstützung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, diesich um pflegebedürftige Angehörige kümmern, mehr Gewichterhalten. Nachgedacht wird ferner über eine weitere Flexibilisierungder Arbeitszeiten sowie die häufigere Einrichtungvon Home-Offices. ●Mehr Informationen und Stellenangebote unter:www.haba.deInternetportal:Hilfe beimUmgang mit TVund ComputerWas heißt „Medienkompetenz“?Welche Fernsehsendungen sind für kleine Kindergeeignet? Ab welchem Alter ist ein Computer sinnvoll? Undwie können Eltern möglichen Gefahren beim Surfen im Internetvorbeugen? Antwort auf diese und viele weitere Fragengibt ein Themenbaustein im Kindergesundheitsportal derBundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Außerdembieten thematisch sortierte Linksammlungen Eltern Orientierungbei der Auswahl geeigneter Medien. ●Zu finden unter: www.kindergesundheit-info.de/fuereltern/fernsehen-computer-co/wirbelwind 2 - 20125


© tanatat - FotoliaText: Yasmin BohrmannERZIEHUNGWild und geborgenFotos: Rolf K. Wegst„Kinder raus!“, „Mehr Matsch!“,„Kinder auf die Bäume!“:Das fordern Wissenschaftlermit großem Nachdruck. Kinderund Jugendliche hielten sichzu wenig in Wald und Feld auf,heißt es. Es fehle ihnen zurgesunden Entwicklung anBäumen, Matsch und Gebüsch.Worin aber liegt die wohltuendeWirkung der Natur aufKinder und Jugendliche?Auf Spurensuche im Taunus.wirbelwind 2 - 2012Yasmin Bohrmann, selbst Mutter vonzwei wilden Draußen-Spiel-Kindernim Alter von sieben und neun Jahren,schreibt seit 20 Jahren als Journalistinfür Zeitungen, Zeitschriften undMagazine. Ihre Themen findet sie oftin den Bereichen Kinder, Jugendlicheund Kirche. Dass sie als Reporterineinen ganzen Tag lang mit Jugendlichendurchs Unterholz toben durfte,war ihr ein besonderes Vergnügen.6


ERZIEHUNGIngo Langes Tröte quäkt unerbittlich überdas Gelände der Jugendherberge Oberreifenberg.Der Outdoor-Trainer mit typischerWind- und Wetter-Bräune ruft damitdie 24 Fünftklässler der LichtenbergschuleDarmstadt zusammen, die hier am Fuß desGroßen Feldberg auf Klassenfahrt sind. DasThermometer zeigt kaum fünf Grad an diesemFrühlingsmorgen. Kinder und Betreuerfrieren. Keiner ist recht überzeugt, dass ergerade heute Natur braucht.Von zehn bis siebzehn Uhr steht Geländeorientierungauf dem Programm. Nick fragtalle fünf Minuten nach der Uhrzeit. „SiebenStunden im Wald“, stellt er immer wiederungläubig fest. Mit Karte und Kompass ausgerüstet,sollen sich die Kinder in Gruppendurch Unterholz und Gebüsch zum Feldberg-Gipfeldurchschlagen – rund 200 Höhenmeterauf einer Gehstrecke von fünf bissechs Kilometern.Spielraum: Gelingt die Kombination, stürmenauch angeblich bewegungsfaule Kinderschon mal zwei Kilometer über Stock undStein bergauf. Um Ameisenhaufen auf einerLichtung zu betrachten zum Beispiel, undum im Nadelholz nach den unheimlichenArbeitstieren zu stochern.„Nach so einem Gruppen-Ausflug findenGrundschulkinder schnell zum eigenenSpiel im Wald“, berichtet Lange. Einer derAmeisenhaufensucher baut dann schon wenigeMinuten später zusammen mit einemFreund eine Hütte aus trockenen Ästen; einanderer balanciert über einen umgelegtenBaumstamm zu einem Wurzelteller; einMädchen aus der Gruppe schminkt sich dieWangen mit aus Lehm gerührter Steinzeitkosmetik.Vom Pfarrer am Meerüber Nacht „ausgesetzt“Freiheitsgefühl haben sich mir tief eingebrannt“,sagt Lange. Er durfte Natur als Erlebnisorterfahren, an dem er frei sein, sichbewähren und abenteuerliche Erfahrungenmachen konnte. Diese Erfahrung gibt erheute weiter an die Kinder und Jugendlichenin seinen Gruppen.„Eine Baumschule, yippie!“Nach zwei Stunden trifft die letzte Fünftklässler-Gruppeauf dem Feldberg ein, dieSonne hat sich durch die Wolkenschicht gekämpft.Das Thermometer zeigt nun fastzehn Grad an. Auch das Stimmungsbarometerist spürbar gestiegen: Alle haben’s geschafft.Ein paar Kinder fallen über ihreLunchpakete her. Andere klettern auf denBrunhildis-Felsen.© lakalla - FotoliaAngeblich bewegungsfauleKinder stürmen über Stock undStein bergaufMit seiner Firma „Siebenmeilen-Stiefel“und dem Verein „Nathea“ veranstaltet IngoLange seit mehr als zehn Jahren Klassenfahrten,Ferienspiele und andere Outdoor-Projekte für Kinder im Vorschul- und Schulalter.Wir orientieren unser Programm anden Bedürfnissen der Kinder“, sagt der 42-Jährige. Grundschulkinder während einerFerienfreizeit im Sommer etwa brauchenBewegung und Anregung, aber auch vielDen Beruf als Erlebnispädagoge verdanktIngo Lange der Tatsache, dass er ein glücklichesDraußen-spiel-Kind war, dem die Elternviel Freiheit ließen. Und einem echtenSchlüsselerlebnis auf einer Jugendreise mitder Kirchengemeinde nach Griechenland.Der begleitende Pfarrer setzte ihn und andereJugendliche ohne erwachsene Aufsichtspersonmit der Grundausrüstung füreine Übernachtung auf einem Felsen amMeer ab.„Das Meeresleuchten, die phosphoreszierendenAlgen, der Kieferngeruch und daswirbelwind 2 - 20127


ERZIEHUNGFoto: Carola Keilwirbelwind 2 - 2012Fotos: Rolf K. WegstEs folgt die erste echte Herausforderung: DieSchüler sollen eine Quelle finden, mitten imWald, abseits von Wander- und Wirtschaftswegenund ohne Orientierungsmöglichkeitan Flusslauf oder Gipfel. Nun sind tatsächlichKenntnisse im Umgang mit Karte undKompass gefragt. Die Gruppen formierensich neu, jede wird nun von einem Erwachsenenbegleitet – für den Notfall.Ingo Lange kreist das Ziel auf der Karte ein:„Wir müssen vier Wege queren, bevor wirbei der Quelle ankommen können: Seht ihrdas?“ Die Gruppe mit Roman, Nick, Niccolo,Miguel, Malte und Kien stürmt vor.Niccolo hält die Karte, Roman den Kompass.Nick will noch einmal genau wissen,wie spät es ist. Er fragt seit neuestem nurnoch alle halbe Stunde nach der Uhrzeit.Dann stürzt er sich hinter seinen Mitschülernin ein Fichtendickicht. „Eine Baumschule,yippie!“Den Waldboden fegen, aufStämmen wippen und die ZeitvergessenNach zwei Stunden haben alle Gruppen immerhindas Quellgebiet erreicht. Die Überraschung:Die Quelle ist kein Loch, aus demWasser sprudelt, sondern ein sumpfiges Geländeunter einem Fichtendickicht. DieKinder lassen sich genüsslich einsinken.Nick hat schon seit Beginn der Quellen-Suche nicht nach der Uhrzeit gefragt. Zubeschäftigt: Er muss über Wurzeln steigen,vertrockneten Bachläufen folgen und kleineSteine vom Boden aufheben – Quarzite, erklärtIngo Lange, allerdings nur, wenn er gefragtwird.Und dann die „Baumschulen“. „Das ist eineBaumhochschule“, sagt Niccolo und zeigtauf etwas höher gewachsene Bäume. „Undhier! Ein Baumseniorenheim!“, platzt Miguelheraus. Nach dem Mittagspicknickspielt ein Teil der Kinder „Anschleichen“.Nick fegt den Wald mit einem vom Bodenaufgehobenen Astwerk, das sich in seinenHänden unversehens in einen Besen verwandelt.Einige Mädchen wippen auf einemabgeholzten Stamm.„Die Quelle war super“Um 17.20 Uhr treffen alle 24 Kinder wohlbehaltenwieder in der Jugendherberge Oberreifenbergein. Ingos Tröte quäkt die Kinderein letztes Mal an diesem Tag zusammen.Was war gut? Was könnte besser werden?„Die Quelle war super“, finden die meisten,„und das Anschleichen“. Wünsche? Norawünscht sich für künftige Touren eine bessereAbstimmung der Gehgeschwindigkeitin den Gruppen. Und Nick will nach unglaublichensieben Stunden und zwanzigMinuten im Wald nur noch zwei Dinge:erst was essen und dann Fußball spielen.Die Uhrzeit interessiert ihn schon langenicht mehr. Er ist im Wald angekommen.Familienstark machen!Erleben SieDr. Phil. Andreas Weber live beimFamilien-Kongress!Infos und Anmeldung:www.jako-o.de/familienkongressWeitere Infos auch in diesem HeftSeite 24-27.Buchtipp„Lasst sie raus!“Überbehütet und eingezäuntverlieren Kinder denKontakt zu ihrer natürlichenUmwelt. Und ohneNähe zu Pflanzen undTieren verkümmertenBindungsfähigkeit, Empathie, Phantasie,Kreativität und Lebensfreude,meint der Philosoph und BiologeAndreas Weber. Er warnt eindringlichvor den Folgen zunehmender Indoor-Kindheiten. Seine These: „Natur machtgesund“ und deshalb müssen Kinderraus: in den Matsch und auf die Bäume!*Art.-Nr. 641 312-22 Buch„Mehr Matsch! Kinder brauchen Natur“,€ 9,99 (D) € 10,30 (A)8*Bestellhinweise siehe Seite 59


Kinder brauchen draußen Natur, Freiheit, Freunde –aber keine Belehrungen!Von Bambisyndromund NaturschutzbrillenKinder finden heutzutagenur schwer Zugang zuWald und Natur: Das habenwegweisende Studien desMarburger Natursoziologenund Wanderforschers RainerBrämer bereits in den 1990er-Jahren ergeben.Er hatte damals nach Ursachen für diezunehmende Naturentfremdung von Kindernund Jugendlichen gesucht.Ein wenig überraschendes Ergebnis: Naturerscheint Kindern oft langweilig. „Schülermachen heute nicht wenig Naturerfahrungen,sie fühlen sich davon aber häufig nichtausreichend angeregt, angesichts scheinbargrößerer Möglichkeiten in virtuellen Welten“,sagt Brämer. Immerhin entfalten sichvirtuelle Reize auf Knopfdruck und vielschneller als natürliche Reize. Ein weiteresErgebnis: Viele Schüler halten Naturund Wald für schützenswerte Güter, begegnenihnen aber gerade deshalb mit einerausgeprägten Berührungsscheu. „Wir setzenKindern heute viel zu früh die Naturschutzbrilleauf“, so der Natursoziologe. Sie werdenmit waldpädagogischen und umweltschützerischenVerhaltensregeln geimpft –leise sein im Wald, nicht von den Wegengehen, keine Zweige abbrechen etc. –, stattWald und Natur als „Welten der Bewährung“zu erleben, als Orte, an denen sich dieSelbstwirksamkeit eigenen Handelns erfahrenlässt.„Nicht anfassen“ – Bedrohte Naturmit Berührungsverbot„Die Naturschutz-Brille führt zu einer zweifelhaftenRomantisierung“, erläutert RainerBrämer. Wald und Natur erscheinen als„großartige, aber bedrohte Wesen“, als „BambiNatur“, die geschützt werden muss, undzwar auch vor dem eigenen Zugriff. Dasheißt nun freilich nicht, dass Brämer gegenNaturschutz ist.„Eine Rotte Wildschweine richtet aber mehrSchaden im Wald an als Schüler, die sich aufEntdeckertour ins Unterholz schlagen“, ister überzeugt. Vor dieser allzu direkten Begegnungmit Natur aber schrecken Kinderund Jugendliche heute immer öfter zurück.Hier könnte eine Ursache dafür liegen, dasseine wachsende Zahl an Kindern und Jugendlichensich mit grobmotorischen undmentalen Defiziten und sozialpsychologischenProblemen herumschlägt.Die Pädagogik zuhause lassenMüssen Kinder erst wieder lernen, in derNatur oder im Wald zu sein, als Kulturtechniksozusagen, so wie sie schreiben lernen,lesen oder Flöte spielen? Die Experten verneineneinmütig. Die Naturnäheder Kinder sei oftschon gegeben, argumentiertUlrich Gebhard. Nötigsei mehr das Interesse und diegroßzügige Gewährung der Erwachsenenals die pädagogische und didaktischeGeste. „Kinder brauchen in natürlichenUmwelten keine Pädagogik“, sagt auchRainer Brämer. „Am besten entdecken siediese in Gleichaltrigen-Gruppen, in denensie sich gerade gegen die Erwachsenen absetzen.“Erwachsene suchen Entspannung,Kinder HerausforderungDie Bedürfnisse von Kindern und Erwachsenenin der Natur unterscheiden sich erheblich,so ein Resultat seiner Studien. Erwachsenesuchen Entspannung und so etwaswie eine heile Welt in natürlichen Umwelten.Am liebsten gehen sie in rhythmischemTempo durch abwechslungsreicheLandschaften mit weitem Ausblick, der zugleichihr Sicherheitsbedürfnis und ihreVorstellungen von Schönheit befriedigt.Kinder dagegen wollen an den Herausforderungenin der Natur wachsen. Sie erschließensich diese am liebsten im eigenenTempo – mal in die Betrachtung versunken,mal rennend – abseits der Hauptwege. JedesDetail am Wegrand ist von Interesse. „DerBlick weitet sich erst im Verlauf des Heranwachsens“,sagt Brämer.„Spannende Weltender Bewährung“Der Wissenschaftler empfiehlt Eltern, dieetwas für die Naturverbundenheit ihrer Kindertun wollen, diese in Waldschulen oderWaldkindergärten anzumelden. Und Schulen?„Wenigstens Ganztagsschulen könntenERZIEHUNGwirbelwind 2 - 20129


einen Waldtag pro Woche ins Programm aufnehmen“,findet er, „und Klassenfahrten inLandschaften unternehmen, die Erlebnispädagogenals spannende Welten der Bewährungso inszenieren, dass Kinder sie in ihremeigenen Rhythmus erfahren können“.Foto: Carola KeilERZIEHUNGwirbelwind 2 - 2012Warum fühlen wir uns in der Naturso wohl?„Naturreize sind optimal auf unser Wahrnehmungssystemzugeschnitten, sie wirkenwie ein mentaler Jungbrunnen“, sagt RainerBrämer. Er beruft sich unter anderem aufEdward Oswald Wilsons „Biophilie“-These:Der Aufenthalt in der Natur sei heilsam undentspannend, so der Ökopsychologe ausden USA, weil er uns an unser artspezifischesBiotop anschließe, an unser ursprünglichesHabitat.„Die natürliche Reizumwelt nimmt eineMittelstellung zwischen neu und vertrautein und lädt deshalb zu Exploration und Erkundungin einem sicheren Umfeld ein“,sagt auch der Hamburger ErziehungswissenschaftlerUlrich Gebhard, der mit seinerHabilitationsschrift „Kind und Natur“ dasdeutschsprachige Standardwerk zum Themaverfasst hat. „Der psychische Wert natürlicherUmwelten besteht unter anderem inihrem eigentümlichen Doppelcharakter“,argumentiert er. „Sie vermitteln die Erfahrungvon Kontinuität und Sicherheit undzugleich sind sie immer wieder neu“.„Kinder nicht in wildenFreiräumen einsperren“Natürliche Umwelten bedienen damit dasBedürfnis nach Sicherheit, Bindung undGeborgenheit einerseits und nach Neuigkeitund Freiheit andererseits. Dieser ambivalentenBedürfnisstruktur von Kindern und Jugendlichenöffnen sich in der Natur FreiundSpielräume. „Allerdings nur“, betontder Hamburger Pädagoge, „wenn Eltern,Erzieher und Lehrer den gewonnenen Freiraumnicht sofort wieder pädagogisch besetzen“.Dann würden die „wilden Freiräumeeinfach nur dazu missbraucht, die Kindereben darin einzusperren“.Naturnaher „Spielraum“statt Spielplatz„Geplante“ Wildnis in Wohnungsnäheals Alternative zu Schaukel, Rutsche und Sandkasteninder brauchen naturnahe Aktions-in Wohnungsnähe, wo sie„Kräumeohne Überwachung durch Eltern oder Pädagogenmit anderen Kindern spielen können“,sagt der ErziehungswissenschaftlerUlrich Gebhard. Hausgärten und Spielplätzeallein reichten da nicht aus, zu eingeschränktund zu kontrolliert sei dort meistder Gestaltungsspielraum der Kinder.Gebhard verweist auf ein Freiburger Modellprojekt.Dort wurden so genannte „Naturerfahrungsräume“(NER-Räume) für Kindergeschaffen – Spielflächen ohne technischesSpielgerät und mit pflegeleichten, unempfindlichenGewächsen darauf.Für die Bereitstellung „naturnaher Spielräume“setzen sich auch Henriette Deguentherund die von ihr begründete Interessengemeinschaftim pfälzischen Oppenheimseit fast zwanzig Jahren ein. Jungen undMädchen finden im naturnahen Spielraum„Paradies“ zwei Hektar kontrollierte Wildnisvor. Neben dem schmalen gemulchtenHauptweg führen gemähte Wiesenpfadedurchs Gelände. Von Kindern freigeschlageneSchneisen bahnen Tunnel durchs wildeGesträuch. Hinter so manchem querliegendenAst tut sich ein Trampelpfad auf. Erführt in der Regel zu einer freigespieltenLichtung unter Bäumen oder zwischenSträuchern – zu einer Kinder-Natur-Baustelle,wo sich Äste, Zweige und Blätter stapeln.Henriette Deguenther führt zwar regelmäßigKinder in die Nutzung ein. Sie verstehtden „naturnahen Spielraum“ aber als entpädagogisiertenRaum, in dem sich Kinderihren Bedürfnissen entsprechend durchBauen, Bewegen oder Entspannen entfaltenkönnen – am besten ohne Einmischung derErwachsenen. ●10


Foto: www.shutterstock.comfamilieaktuellWissenswertes – Informatives – TippsAnzeigeNEUStudie: Elterngeld verkürzt BabypauseNach fünf Jahren Elterngeld belegt eine Studie des Deutschen Institutsfür Wirtschaftsforschung (DIW, Berlin) im Auftrag des BerlinerFamilienministeriums, dass das Elterngeld dazu geführt hat,die Erwerbsbeteiligung von Müttern im zweiten Lebensjahr einesKindes zu steigern. Damit entfalte es die ihm zugedachte Wirkung.Bundesfamilienministerin Kristina Schröder wertet das Elterngelddeshalb als Erfolg.Während die Reformen von Mutterschutz und vormaligem Erziehungsgeldseit den 1980er Jahren die Erwerbsunterbrechungen vonMüttern tendenziell verlängert hätten, sei dieser Trend mit dem Elterngeldnun erstmals gestoppt. ●Achter Familienbericht:„Dreijährige Elternzeit zu lang“Die Berichtskommission des achten Familienberichtes schlägt vor, diebisher dreijährige Elternzeit auf zwei Jahre zu verkürzen, da sie „nichtselten eine große organisatorische und finanzielle Belastung für die Un-Sensino-Boxtasten, fühlen, kombinierenternehmen“ sei. „Hier sind bei den zuständigen Mitgliedern derBerichtskommission wohl die Prioritäten durcheinander gekommen.In der Familienpolitik steht das Wohl der Familien im Mittelpunkt,nicht die Interessen der Wirtschaft“, kommentierttreffend Elisabeth Bußmann, Präsidentin des Familienbundes derKatholiken, Berlin. ●Statistik: Neue Zahlen zum Thema KinderIm ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts ist die Zahl der minderjährigenKinder in Deutschland um 2,1 Millionen gesunken.2000 waren es noch 15,2 Millionen, 2010 nur noch 13,1Millionen – so das Ergebnis des Mikrozensus. Laut Bevölkerungsvorausberechnungwird sich dieser rückläufige Trend weiterfortsetzen.Gut 4 Millionen Kinder, 31 Prozent der minderjährigen ledigenKinder in Deutschland, leben in einer Familie mit Migrationshintergrund.In Großstädten mit mehr als 500.000Einwohnern stammt sogar fast jedes zweite Kind (46 Prozent)aus einer Familie mit Migrationshintergrund. ●POLITIK + GESELLSCHAFTBildnerisches GestaltenWahrnehmung/FeinmotorikKommunikative und kreative BildungSinneszuordnungen kombinieren, Formen, Buchstaben undZahlen auf den Rücken mit dem Finger malen, Oberflächenmit verbundenen Augen fühlen und zuordnen. Sensino fördertgleichzeitig Gedächtnis, Feinmotorik, soziale Kompetenz undKreativität mit einer großen Portion Spaß und Lernfreude.3 Spiele mit 124 SpielkartenSpiel 1: FingerschriftSpiel 2: TastspielSpiel 3: Sinne zuordnenAb 4 Jahre Best.-Nr. 3050€ 24,80Wir fördern Kinder, Logo!www.logo-verlag.dewirbelwind 2 - 201211


Nix wie raus ...Abenteuer Natur erleben!JAKO-O INSIDEUm die Wunder der Natur zuentdecken, brauchen Kindernicht viel: eine vernünftige Ausrüstung,jede Menge Neugierund – ganz wichtig – reichlichZeit. Die Sprösslingekönnen sich fürs scheinbarGeringste begeistern: Einschillernder Käfer, eineSpinne beim Netzbauoder Tautropfen, die anBlüten abperlen.Wer fürdie Natur ein Gespür entwickelnmöchte, braucht nurdiese eine Begabung:im Einfachen das Besonderesehen können. Augen auf undstaunen!JAKO-O Fernglas· 6fache Vergrößerung· robuste Gummi-Ummantelung*Art.-Nr. 625-177-2214. 95JAKO-O Natur-Spaß-Buch· mit vielen spannendenIdeen, Natur zu erleben*Art.-Nr. 655-239-22 € 7,90Ausgrabungs-Set· 7 Teile, 1a-Qualität· echte Werkzeuge· Tasche mit vielenpraktischen Details*Art.-Nr. 193-712-22 € 29,95wirbelwind 2 - 201212JAKO-O Buch„Faszination Wald“· macht Lust, den Waldzu entdecken· mit Bestimmungsbüchlein*Art.-Nr. 671-410-22 € 14,90Weitere Artikel zum Thema Natur finden Sie unter www.jako-o.deGelände-Kompass· Arbeitsmittel zum Buch*Art.-Nr. 694-310-22 € 2,95


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Cordula Nussbaumist Deutschlands erste Expertin für kreativ-chaotisches Zeit- undFamilienmanagement und bietet seit vielen Jahren Vorträge,Seminare und Coachings an. Stiftung Warentest kürte ihren Ansatzzum Testsieger unter allen aktuellen Zeitmanagement-Ratgebern.Cordula Nussbaum ist verheiratet, hat zwei Kinder im Alter vonneun und elf Jahren und lebt im Raum München.Familienstark machen!Erleben Sie Cordula Nussbaumlive beim Familien-Kongress!Infos und Anmeldung:www.jako-o.de/familienkongressWeitere Infos auch in diesem Heft S. 24-27.FAMILIENLEBENZeitmanagement für Familien:Gönnen Sie sich mehr Spaß, mehr Gelassenheit,mehr LebensfreudeSchluss mit Stress!Text: Cordula Nussbaumlienkompatiblen – Traum-Job. Eine derwichtigsten Kernbotschaften dabei ist: ReduzierenSie Ihren Stress, indem Sie sichPausen gönnen, organisieren Sie Ihren (familiären)Alltag so, dass Sie viele Inseln derRuhe erleben können. Denn je entspannterwir sind, desto souveräner meistern wir diezahlreichen Ansprüche und Verpflichtungen.wirbelwind 2 - 2012Wer kennt sie nicht, die unberechenbarenTücken des Familien-Alltags.Gerade hatten Sie noch alles so gutgeplant, schon steht der gesamteTagesablauf wieder Kopf. Und stattsich in den eigenen vier Wänden zuerholen, mutiert die Familie zunehmendzum Stressfaktor Nummer Eins.Doch der ständige Balanceaktzwischen Organisation und Chaosmuss nicht sein. Cordula Nussbaum,Expertin für kreativ-chaotischesZeitmanagement, zeigt, was esbraucht, um mehr Harmonie undGelassenheit zu erleben.Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder?Sollen Jan-Erik oder Luise-Maria spätermutige, selbstbewusste und gelasseneErwachsene werden? Oder lieber gestresste,ausgebrannte und permanent angespannteZeitgenossen? Blöde Frage, denken Sie sichjetzt vielleicht, was soll das?Die gute Nachricht: wir als Eltern haben esin der Hand, wie stressresistent unsere Kleinenspäter mal werden. Zahlreiche Studienbelegen, dass bereits im Mutterleib und dannin der Kleinkindphase psychische Belastungenden Samen legen, wie stressempfindlich(oder unempfindlich) unser Nachwuchs späterwird. Forscher haben belegen können, jemehr Eltern den Kindern emotionale Sicherheitvermitteln und selbst ein entspanntesLeben (vor-)leben, desto weniger schnell lassensich Jan-Erik oder Luise-Maria als Erwachseneaus der Ruhe bringen.Inseln der Ruhe schaffenWarum erzähle ich Ihnen das? Seit vielenJahren halte ich Seminare und Vorträgeüber ein optimales kreativ-chaotisches ZeitundSelbstmanagement und coache Wiedereinsteigerauf ihrem Weg zum – fami-Leicht gesagt, nicht wahr? Denn in einerFamilie ist das eine echte Herausforderung:Zwischen Büro und Babybett, zwischenKüche und Kita und zwischen Supermarktund Schule reiben sich immer mehr Elternauf, den privaten Alltag zu meistern undallen Ansprüchen gerecht zu werden.Kaum sind die Kleinen im Bett, die Kücheeinigermaßen passabel aufgeräumt, die Bauklötzeaus den Tiefen der Couch-Ritzen gekramt,das Plakat für das Referat über denKarpfen Ihres Sohnes getrocknet und Siewollen sich an die längst überfällige Steuererklärungsetzen, da piept es eindringlich inder Küche – und die Spülmaschine übergibtsich in schaumigen Sturzbächen aufdie Fliesen. Optimisten denken sich jetzt:„Prima, ich wollte schon längst mal wiederfeucht wischen!“. Alle anderen Mamas undPapas sinken jedoch erschöpft in die Hockeund fragen sich, ob das Chaos nicht irgendwannmal ein Ende haben kann.Wenn das schlechte Gewissen regiertund eigene Bedürfnisse zurücktretenNatürlich wissen wir längst, dass Pausen,Sport und gesundes Essen uns helfenkönnten, dem familiären Chaos gelassen die14


Illustrationen: Carola KeilStirn zu bieten. Doch immer wieder tappen Männerund Frauen in die gleiche Falle. Sobald es darum geht,für die Kinder da zu sein und den Haushalt picobellohalten zu wollen, da wird die Sportstunde zugunsten des„Karpfen“-Referates sausen gelassen, die abendlicheWalking-Runde durch den Wald muss warten, bis dieWohnung ordentlich ist, und um pünktlich beim Elternabendzu sein, knallen wir ein Fertiggericht auf denEsstisch, anstatt frisch zu kochen.kostet allerdings viel Zeit und Kraft. Noch dazu, weilalle anderen um ihn herum nicht so hohe Ansprüchehaben und er deren „Schlampigkeit“ nur schwer ertragenkann. Deshalb macht Perfektus auch alles am liebstenselbst, denn dann ist es wenigstens so, wie er es sichwünscht. Sein Weg zu mehr Zeit und Zufriedenheit: Pareto-Prinzip,delegieren.(Siehe Selbsttest unter Klicktipps!)FAMILIENLEBENWarum tun wir das? Sehr viele meiner Seminarteilnehmerund Coachingklienten berichten, dass es dasschlechte Gewissen sei, weshalb sie immer und immerwieder die eigenen Bedürfnisse hinter die Wünsche derKinder, der Partner, der heiligen Ordnung stellen.Wie also können Eltern das schlechte Gewissen so in denGriff bekommen, dass sie das Maß ihres Einsatzes im privatenAlltag an die eigenen Kräfte anpassen können?Die Widersacher in uns:Von „Verzettelern“ und PerfektionistenEin erster Schritt ist es, sich seine kleinen Widersacherklar zu machen, die uns zu Höchstleistungenantreiben. Da ist beispielsweise „Galoppus“:Galoppus sprudelt über vor lauter Ideen und Zielen,doch er erreicht nur selten, was er will. Galoppus neigtdazu, sich zu verzetteln, sich ohne Prioritäten ins Getümmelzu stürzen und irgendwann geht ihm unterwegsdie Luft aus. Hektik verstellt den Blick auf das Wesentliche.Da kann es sein, dass er vorschnell Ziele in Angriffnimmt, ohne das „Warum“ zu klären. Galoppus Wegzu mehr Zeit und Zufriedenheit: Ziele setzen; To-do-Sammlungen machen, Prioritäten setzen.Oder „Perfektus“: Gut ist ihm nicht gut genug. Allesum ihn herum und er selbst müssen 100%ig perfektsein. Die Perfektion vermittelt ihm ein gutes Gefühl,Entspannte Eltern: Kindern ein gutes Vorbild seinEin zweiter Schritt ist es, im eigenen Wunsch nachAusgleich, nach Auszeiten, nach Ausklinken aus dentäglichen Pflichten einen höheren Sinn zu sehen, dessenErreichen so attraktiv ist, dass die eigenen Widersacherdie Klappe halten.Und hier kommt die Studie vom Beginn dieses Texteswieder ins Spiel: Statt Ihren Wunsch nach Erholphasenals „egoistisch“ abzuwerten, machen Sie sich klar, dassSie mit Ihrem Verhalten heute schon fördern, wie IhreKinder später mit Stress zurechtkommen. Jeentspannter SIE sind, desto eher könnenIhre Kleinen eine gesunde Sicherheitentwickeln. Wer in einem entspannten,fröhlichen Umfeld aufwächst,der geht später mit Belastungensouveräner um.Rücken Sie deshalb gedanklichIhr eigenes Wohlbefinden in einenanderen Zusammenhangund holen Sie sich damit die nötigeRückenstärkung, Ihren familiärenAlltag so zu gestalten, wie Siees sich wünschen. Geben Sie IhrenKindern als selbstbewusste Eltern, dieachtsam mit den eigenen Ressourcen umgehen,ein gutes Vorbild.15


Drei Schnell-Tipps für denentspannten Familien-Alltag:FAMILIENLEBENDenken Sie dabei vorerst in zwei Kategorien, die zu einem späteren Zeitpunkt inwirbelwind2 - 2012Familie: Wenn Chaoten aufOrdnungsfreaks treffen ...Achten Sie vor allem auch darauf, ob Sieeher zu den „Kreativen Chaoten“ oder den„Logischen Ordnern“ gehören. „KreativeChaoten“ sind die Querdenker, die Andere-Wege-Geher, die Ideensprudler und diewarmherzigen Unterstützer, die großenSpaß an Abwechslung und am Miteinandermit anderen Menschen haben.Während Kreative Chaoten sich dabei oft imWirrwarr ihrer Pläne verlieren und zu vereinbartenTerminen gar nicht oder zu spätaufkreuzen, herrschen bei „Logischen Ordnern“Ordnung und klare Strukturen. Treffenbeide Denktypen aufeinander, könnendie Fetzen fliegen – müssen sie aber nicht!Harmonischer wird es ab dem Zeitpunkt,an dem Mama, Papa und Kinder begreifen,dass „das nervige Ordnungsgehabe“ oderspontane Umkrempeln gemeinsamer Plänedurchaus seine Vorteile haben kann. Wennder Ordnungswächter in der Familie dannnoch aufhört, seine Ansprüche an ein gepflegtesEigenheim weiter nach oben zuschrauben und der vermeintliche „Chaot“sich in Selbstorganisation übt, verbessertsich das Miteinander schlagartig.Zeitmanagement in der Familie bedeutetnicht, noch mehr Aufgaben in den Tag reinzupressenund als Organisations-Genie indie Annalen der Familien-Geschichte einzugehen.Es geht darum, sich auf das Wesentlichezu besinnen und somit zufriedenerzu leben. Damit schaffen Sie die besteGrundlage für ein Familienleben, das Spaßmacht und Ihnen Energie schenkt.Der 20-Minuten-MorgenlaufSorgen Sie mit einer täglichen Gewohnheit dafür, dass Sie künftig schon morgensein vorzeigbares Haus haben und sich als tüchtiger und erfolgreicher Familien-Manager fühlen. Halten Sie in wenigen Minuten und mit wenigen Handgriffen denordentlichen Zustand Ihres Heimes aufrecht. Es lohnt sich, denn ohne die morgendlicheWirbelrunde fühlen Sie sich vor unangemeldetem Besuch oder dem Postboten,der durch die Tür das Chaos sieht, als schlechter Familien-Boss, der seinen „Laden“nicht im Griff hat.Die Regeln:■ Nehmen Sie sich für jeden Raum maximal fünf Minuten Zeit.■ Arbeiten Sie „von oben nach unten“ oder „von vorne nach hinten“(von der Haustür weg in die Tiefen der Wohnung – nach dem Motto:Was sieht ein Besucher zuerst?).■ Räumen Sie herumliegende Spielsachen, Kleidung etc. in die Schränkeoder Regale. Hängen Sie Handtücher auf.■ Werfen Sie Abfall weg.■ Sammeln Sie Schmutzwäsche ein.■ Machen Sie die Betten.■ Wischen Sie verschmutzte Tische oder Waschbecken mit einemfeuchten Lappen ab.■ Putzen Sie nicht zu gründlich. Wenn Sie sehen, dass der Boden gewischtoder die Dusche entkalkt werden muss, dann notieren Sie es auf IhrerTo-do-Sammlung.Der 20-Minuten-Morgenlauf reicht völlig aus, um Ihre Wohnung optisch ordentlichwirken zu lassen, und geht umso schneller, je höher die Grundordnung ist. NehmenSie es sportlich, motivieren Sie sich mit Musik, singen Sie mit, zünden Sie eineDuftkerze an.Die reisende To-do-SammlungBringen Sie mehr Ruhe und Übersicht in Ihre Aktivitäten und Pflichten mit der„Reisenden To-do-Sammlung“. Verdonnern Sie sich nicht, Tagespläne zu erstellen,an die Sie sich eh nicht halten werden.16


Diskutieren Sie über dieses Thema mit im:www.jako-o.de/familienalltagForumHörbuch Tipp:einandergreifen werden: Nutzen Sie separate Instrumente für IhreAufgaben und für Ihre Terminübersichten. Kreieren Sie sich einereisende To-do-Sammlung. Hier notieren Sie alles, was Sie erledigenwollen. Ja, wirklich alles. Diese Sammlung kann und soll alle Ihre Ichmuss,Ich-könnte, Ich-sollte-Aufgaben aufnehmen und Sie nehmensie von Tag zu Tag mit.FAMILIENLEBENAber beschränken Sie das weitere Prozedere auf die Aufgaben, diewirklich wichtig sind! Blumengießen, Müll runterbringen oder Duschenzähle ich nicht dazu. Sie wollen mit Notizen ja Ihren Kopf entlasten.Wer hier übertreibt, der blockiert sich und erzeugt neuenStress.Abenteuer Familien-AlltagSo meistern Sie das täglicheChaos gelassen und souverän.Gehen Sie nun immer mal wieder Ihre To-do-Sammlung durch undtragen Sie Aufgaben, die Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigenwollen oder müssen, als Zeitinsel in Ihren Terminplaner ein. BlockenSie den voraussichtlich nötigen Zeitraum. So sehen Sie auf einenBlick, an welchen Tagen es eng wird und Sie zum Beispiel Aufgabenablehnen oder an andere Menschen abgeben können.Freiräume für die Überraschungen des LebensHolen Sie sich jetzt noch ein paar Tipps, wie Sie Ihre Wünsche auchzeitlich und organisatorisch unter einen Hut bringen: Vergessen Siedabei strikte Tagespläne – ein Leben mit Kindern ist ein Leben vollerÜberraschungen. Erfahrungsgemäß sind diejenigen Eltern entspannter,die lieber weniger organisieren und flexibel auf die Herausforderungenreagieren. Das heißt jetzt nicht: „Lass Dich überrollen von dem,was kommt.“ Sondern es heißt: „Plane und organisiere, was Du gutplanen kannst. Achte vor allem auf genügend Puffer und Freiräumefür Unvorhergesehenes und Spontanes. Den Rest lass einfach laufen.“Humorvoll und praxisnah vermitteltCordula Nussbaum die besten Strategien,um das tägliche Chaos gelassen in den Griffzu bekommen. Vom Nein-Sagen über den20-Minuten-Morgenlauf bis hin zur optimalenTagesgestaltung. Auf der zweiten CDin diesem Set beantwortet sie Fragen vonMüttern und Vätern, wie beispielsweise dieFrage eines Mannes: „Wenn meine Frausich nun mithilfe Ihres Hörbuches besserorganisiert, muss ich dann nicht mehr denMüll runtertragen?“ Lassen Sie sich überraschenvon der Antwort auf diese und vieleandere Fragen.*Art.-Nr. 641 313-22 Hörbuch auf CD„Abenteuer Familien-Alltag“,€ 16,80 (D) / € 18,50 (A)*Bestellhinweise siehe Seite 59Es macht keinen Sinn, penible To-do-Listen zu führen. Denn je längerdiese werden, desto mehr wächst auch das schlechte Gewissen und dasGefühl zu doof zu sein, um den Alltag zu stemmen. Hinzu kommt,dass Planen und Aufräumen so oftmals gar nicht unseren Präferenzenentsprechen und deshalb wesentlich mehr Energie kosten, als dass sieEntspannung bringen. ●Illustrationen: Carola KeilKlick Tipps:http://www.kreative-chaoten.com/metamenu/selbst-checks/widersachertest.htmlHier finden Sie einen ausführlichen „Widersacher“-Selbstcheck mit konkreten Tipps und unterhttp://www.kreative-chaoten.com/metamenu/selbst-checks/chaot-oder-systematiker.htmlden Selbstcheck „Chaot oder Systematiker“mit konkreten Tipps für Ihr Zeitmanagement.wirbelwind 2 - 201217


Und für die auch wir arbeiten mussten, umdas Geld zum Kauf im Portemonnaie zuhaben? Der Kölner Psychologe und MarktforscherStephan Grünewald meint dazu:„Wir kaufen heute nicht Dinge ein, die wirunbedingt brauchen, sondern wir kaufendass der Anteil weggeworfener Lebensmittelin Haushalten mit einem Einkommen biszu 1500 Euro, aber auch da, wo besondersgebildete Menschen leben, überdurchschnittlichhoch ist. Jüngere Menschen neigteneher zu spontanen und unbegründetenWeggeworfen werden im Handel zum BeispielObst und Gemüse mit Macken, Backwarenvom Vortag, Produkte, die aus demSortiment fallen oder Artikel mit ablaufendemMindesthaltbarkeitsdatum. Aussortiertwird Ware oft schon Tage vor diesem aufgedruckten„Stichtag“, weil niemand Quarkkauft, der in zwei Tagen „abläuft“. In Müllcontainernlanden aber auch vollkommeneinwandfreie Artikel: Sie hatten „das Pech“,sich gemeinsam mit einem verdorbenenoder angeschlagenen Lebensmittel auf einerPalette befunden zu haben. Es rechnet sichnicht, die „Schmuddelkinder“ auszusortierenund den Rest zu verkaufen.Vom Feld bis auf den Teller:Ein Drittel wird weggeworfenFAMILIENLEBEN© Eisenhans - Fotolia.comEinkaufsfahrt durchs Schlaraffenland:Das Angebot verführt dazu, mehr zu kaufenals wir essen können.Dinge ein, die wir irgendwann mal optionalgebrauchen könnten. Wir versuchen fürjede Stimmungs- und Lebenslage gerüstetzu sein. Darum kaufen wir letztendlichimmer zu viel“. Das Mindesthaltbarkeitsdatumsei die Berechtigung, Nahrungsmittelwegzuwerfen, obwohl in der Dritten WeltMenschen hungern. „Wenn ich reinen Tischgemacht habe, beziehungsweise reinenKühlschrank, dann kann ich wieder mitFreude in den Supermarkt laufen und indieser ganzen Vielfalt schwelgen“, so Grünewald.Jüngere Menschen kaufen unüberlegterBesonders viel Essen wandert bei jüngerenMenschen in den Abfall und bei größerenHaushalten, so eine Untersuchung der WelternährungsorganisationFAO. Sie zeigte auch,Einkäufen – so lange der Kühlschrank nochPlatz hat, stellt die Studie fest.400 Euro landen im AbfallNach Schätzungen wirft jeder deutscheHaushalt im Jahr Lebensmittel im Wert von300 bis 400 Euro in den Müll. Schon bezahlthat er auch all die abgelaufenen Joghurts,Vortags-Brote und fleckigen Äpfel,die der Handel bereits entsorgt hat, bevorein Kunde danach greifen könnte. Der Ausschusswird einkalkuliert. Dabei ist nichtalles ungenießbar. „Mülltaucher“, die vorallem in Großstädten in den Abfallbehälternder Supermärkte illegal nach Essbarem fischen,„retten“ oft so viele brauchbare Lebensmittel,dass sie sich den normalen Einkaufsparen können.Jedes fünfte Brot füllt keinen hungrigenMagen, sondern verrottet oder wird verbrannt.Nach Angaben der Journalisten ValentinThurn und Stefan Kreuzberger (sieheBuchtipp) könnte ganz Niedersachsen mitder Menge an Brot versorgt werden, diein Deutschland weggeworfen wird. Jederzweite Kopfsalat und jede zweite Kartoffelschaffen es nach den Recherchen des Autorenduosnicht in den Laden. Bei Obst undGemüse besteht ein großer Anteil seine Prüfungnicht: Zu groß, zu klein, zu krumm, zugerade, zu schwer oder zu leicht, um demVerbraucher nach Maßstäben des Handelsangeboten zu werden. Schädlinge und Fäulnis,falsche Lagerung und falscher Transportkönnen zudem für Verderb sorgen, bevorObst, Gemüse, Getreide zum Endkundengelangen. „An jeder neuen Umschlagstellegehen Lebensmittel verloren“, beklagenThurn und Kreuzberger. Nach Zahlen derWelternährungsorganisation werden weltweitauf dem langen Weg vom Feld bis aufden Teller ein Drittel aller Lebensmittelweggeworfen.Der Lebensmittel-Müllberg als Folge derKundenwünsche? Die Argumente: Die Verbraucherseien daran gewöhnt, alles jederzeitin makelloser Qualität kaufen zu können:Am Abend wollten sie unter verschiedenenSorten frischgebackenen Brotes auswählenund unter verschiedenen knackig grünenSalaten zugreifen. Das Brot vom Vormittagund der Salatkopf mit den welken Außenblätternhabe keine Chance mehr.wirbelwind 2 - 201219


FAMILIENLEBENwirbelwind 2 - 201220Auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatumsnoch gesund und leckerAllerdings ist nach Schätzungen in der EUder Einzelhandel nur zu fünf Prozent amWegwerfen von Lebensmitteln beteiligt.Die Industrie trägt zu 39 Prozent dazu beiund für den größten Anteil sind mit 42Prozent die Privathaushalte verantwortlich.Fachleute geben daran dem Mindesthaltbarkeitsdatum(MHD) eine große Schuld.Es suggeriert offenbar vielen Menschen,dass ein Produkt nach Ablauf ungenießbarsei. Doch das MHD garantiert bis zum genanntenTag nur bestimmte „spezifische Eigenschaften“,zum Beispiel Aroma oderKonsistenz. Es geht nicht um Genießbarkeitoder gar Gesundheitsgefahren. Nacheiner Studie aus Österreich waren Lebensmittelauch weit über das MHD hinaus ingeschmacklich und mikrobiologisch einwandfreiemZustand. Für die Berechnungdes Mindesthaltbarkeitsdatums gibt eskeine Vorschriften. Die Hersteller entscheidenselbst und können so auch die Geschwindigkeitdes Warenumschlags steuern.„Das Essen, das wir in Europa wegwerfen,würde zwei Mal reichen, um alle Hungerndender Welt zu ernähren“, meinen ValentinThurn und Stefan Kreuzberger. Das Wegwerfenvon Lebensmitteln ist aber nicht nurein ethisches Problem. Es ist auch ein ökologisches:Verschwendet werden wertvolleRohstoffe, Wasser und Energie, die in dieProduktion der Nahrungsmittel fließen.Hinzu kommen weitere Ressourcen, die fürdie Vernichtung verbraucht werden.TIPP!© edK - Fotolia KopieWeniger Essen wegwerfen –das können Sie tun:Kaufen Sie nur die Mengen, die Sie brauchen:Lassen Sie sich nicht zu Großpackungen oder „Zwei zum Preisvon einem“ verführen, wenn Sie schon ahnen, dass nach vierTagen niemand mehr Lust auf den Käse aus dem Mammut-Packhat. XXL-Packungen können sich lohnen, wenn Sie einen Teileinfrieren oder mit Nachbarn teilen können.Das Verbrauchsdatum – wie hier bei frischem Hackfleisch – ist eine „Deadline“:Nach Ablauf gehört das Produkt in den Müll. Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten,kann man durchaus noch zugreifen. Vorausgesetzt, die Ware macht einen guten Eindruck.© M&S Fotodesign - FotoliaEssen oder nicht essen?Zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum …… liegt ein wichtiger Unterschied: Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatumskönnen Sie das Produkt noch essen, wennSie es kritisch unter die Lupe genommen haben (s. u.). AbgepacktesFrischfleisch oder Fisch muss nach Ablauf des aufgedrucktenVerbrauchsdatums weggeworfen werden! Sie könntenbeim Verzehr Ihre Gesundheit gefährden.Vertrauen Sie Ihren Sinnen!Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) auf dem Joghurt zeigtden Dienstag letzter Woche, doch der Joghurt riecht gut, siehtgut aus und schmeckt gut? Dann können Sie ihn ohne Bedenkenessen. Denn das MHD gibt nur den Termin an, bis zu dem derProduzent garantiert, dass ein „Lebensmittel unter angemessenenAufbewahrungsbedingungen seine spezifischen Eigenschaftenbehält“, so die Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung(LMKV). Hier geht es um Aroma, Vitamingehalt, Konsistenz,aber nicht um Verderblichkeit. Das MHD ist kein Verfallsdatum.© Gina Sanders - Fotolia


Diskutieren Sie über dieses Thema mit im:Je frischer, destobesser – die Kehrseite:Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatumnaht, greiftniemand mehr zu.Forum© Monkey Business - FotoliaUnd wenn nichts draufsteht?Wenn Sie beim Metzger, auf dem Markt oder ander Supermarkt-Bedienungstheke frisches Fleisch,Wurst oder Käse kaufen, müssen Sie selbst entscheiden,wie lange Sie Ihren Einkauf für essbarhalten. Der Verkäufer ist nur dafür verantwortlich,dass Sie von ihm einwandfreie Ware erhalten.Kochen Sie so oft wie möglich frischSo können Sie die Mengen perfekt an dem BedarfIhrer Familie ausrichten, besonders wenn Siedafür lose, frische Ware einkaufen. Bei vorportioniertenPackungen und Fertiggerichten ist esschwieriger, die geeignete Menge zu finden. BleibenReste und Sie haben in den nächsten Tagen keineVerwendung dafür, frieren Sie die Gerichte ein.BUCHTIPP:www.jako-o.de/wegwerflebensmittelDie EssensvernichterRund die Hälfte unserer Lebensmittel landet nicht in unserenMägen, sondern auf dem Müll. Wie und warum es zu dieserungeheuren Verschwendung kommt, zeigen die AutorenStefan Kreuzberger und Valentin Thurn. Sie haben schockierendeZahlen zusammengetragen, blicken hinter die Fassadenunseres Schlaraffenlandes und offenbaren eine Gesellschaft,die fast jeden Respekt vor Lebensmitteln verloren hat. MitAnregungen und Ideen, was Sie ändern können. Unbedingtlesen, bevor Sie das nächste Mal im Supermarkt einkaufen!ISBN 978-3-462-04349-5 € 16,99FAMILIENLEBENSchreiben Sie einen Einkaufszettel… und machen Sie einen wöchentlichen Speiseplan.Das erspart Ihnen unüberlegte Spontankäufe,die Sie letztlich nicht verwerten können.Lagern Sie Ihre Lebensmittel richtigGut verpackt und bei der richtigen Temperaturverdirbt die Ware nicht vorschnell oder hält sogarüber das angegebene Mindesthaltbarkeitsdatumhinaus. Informationen, wie Sie Ihre Lebensmittelgut lagern, finden Sie unter:www.was-wir-essen.de in der Rubrik „Lagerung“Kreative Resteküche80 familienfreundliche Rezepte und umfangreichesBasis-Küchen-Wissen.ISBN 978-3940580443 € 9,90Restlos glücklich: Lecker essen mit RestenAltes Brot, bräunliche Bananen oder ein paarübrig gebliebene Pellkartoffel müssen Sie nichtwegwerfen: Mit Kreativität und Fantasie undeinem durchdachten Grundstock im Vorratsschrankzaubern Sie ruckzuck ein leckeres Essen.Ideen dazu finden Sie in speziellen Ratgebern(siehe Buchtipps) oder Sie schauen einmal in diealten Kochbücher Ihrer Mutter oder Großmutter.Für frühere Generationen war das Kochen mitResten selbstverständlich. ●Das Nichts Wegwerfen KochbuchEinfache, schnelle Rezeptideen quer durch die Küchender Welt, mit pfiffigem Daumenkino zur Rezeptsucheanhand von Zutaten.ISBN 978-1407509297 € 4,99wirbelwind 2 - 201221


Diskutieren Sie über dieses Thema mit im:www.jako-o.de/schwangerschaftForumGerade in der Schwangerschaft klagenviele Frauen über Verstopfung.Die Hormonumstellung lässt den Darm trägerwerden. Besonders gegen Ende derSchwangerschaft entsteht hier ein nachvollziehbares„Platzproblem“. Mein Tipp: Morgensals allererstes ein großes Glas lauwarmesWasser trinken, das regt die Darmtätigkeitan. Insgesamt ist es wichtig, überden Tag verteilt mindestens zwei Liter Wasser,Tee (möglichst Früchte- oder Rooibostee)oder verdünnte Säfte zu trinken. Idealwäre, dazu zweimal täglich einen Esslöffelgeschroteten Leinsamen zu sich zu nehmen(hierbei ist Flüssigkeit besonders wichtig).Geachtet werden sollte auf eine ballaststoffreicheErnährung mit wenig Teigwaren undMehlspeisen – und natürlich viel Bewegung!Wichtig: Ohne Absprache mit dem Arztdürfen keine Einläufe und chemischen Abführmittelverwendet werden.In der Schwangerschaft könnenverstärkt Hämorrhoiden entstehen.Aus dem gleichen Grund, warum sichKrampfadern an den Beinen bilden, könnenauch Hämorrhoiden am Po entstehen, dasliegt an dem aufgelockerten Gewebe unddem erhöhten Blutvolumen in der Schwangerschaft.In jedem Fall ist Verstopfung zuvermeiden (siehe oben) und zu starkes Pressenwährend des Stuhlgangs.Wohltuend sind kühle anschließende Waschungen.Ebenso hilfreich sind Sitzbäderin Eichenrinde oder Ringelblume oder Salbenmit Hamamelis und/oder Myrte. BeiFragen und Unsicherheiten immer an dieHebamme oder den Arzt wenden.Warum kommt es in der Schwangerschafthäufig zu lästig juckenden undunangenehmen Scheideninfektionen?In der Schwangerschaft ist die Immunabwehrmeist etwas reduziert, auch ist die Vaginalschleimhautaufgelockert und extra gutdurchblutet, das in Kombination bieteteinen idealen Nährboden für Pilze und Bakterien.Wichtig ist, die Infektion mit derHebamme oder dem Frauenarzt abzuklärenund anschließend ein entsprechendes Medikamentzu verwenden. Nach Abklingender Beschwerden ist es ratsam, zur Vorbeugunggegen Pilze und Bakterien mit Joghurtgetränkte Tampons in die Scheide einzuführen(am besten nachts), die Milchsäurebakteriendes Joghurts unterstützen den Aufbaueiner gesunden Scheidenflora. Auch könnenhomöopathische Salben zum Aufbau derFlora aus der Apotheke verwendet werden.Und: Nicht übermäßig waschen und keineScheidenspülungen machen! Wer gerne insSchwimmbad geht und häufiger an Infektionenim Intimbereich leidet, kann vordem Schwimmen einen mit Öl getränktenTampon einführen (diese gibt es auch fertigin der Apotheke). Manche Krankenkassenstellen auch Einmalhandschuhe, damit dieSchwangere selbst regelmäßig den PH-Wertder Scheide kontrollieren und schnell reagierenkann.Sodbrennen ist eine häufigeunangenehme Begleiterscheinung.Weil der Magenschließmuskel aufgelockertist, kann das zu diesem unangenehmen Säuregefühlim Bauch führen. Beim Essen aufFettes, Saures und Scharfes verzichten undkeinen Kaffee und schwarzen Tee trinken.Nur kleine Portionen essen und dann möglichstlangsam. Es tut gut, Trockenfrüchteoder Mandeln zu kauen, auch Milch, Joghurtund Quark sind bekömmlich. BeimSchlafen und Ruhen ist es ratsam, denOberkörper hoch zu lagern; und bei Alltagsarbeitenvermeiden, sich zu bücken.Warum werden so viele werdendeMütter von Wadenkrämpfen geplagt?Die Gebärmutter benötigt in Zeiten derSchwangerschaft vermehrt Magnesium, weilsie innerhalb der neun Monate ihre Muskulaturvon ca. 60 Gramm auf ca. ein Kilogrammerhöht. Das kann dazu führen, dassin der restlichen Muskulatur ein Magnesiummangelentsteht. Gut tun hier leichteGymnastik und spezielle Dehnübungen(z.B. Yoga). Auf jeden Fall flache Schuhetragen! Eine magnesiumreiche Ernährungist zu empfehlen, z.B. viel Mineralwasser,Bananen, Kartoffeln, Nüsse, Spinat undAprikosen. Auch homöopathische Mittelwie Magnesium phosphoricum comp. könnenunterstützend gegen Wadenkrämpfewirken.Rückenschmerzen und Verspannungenwerden gegen Ende der Schwangerschaftschlimmer.Entlastend für den Rücken sind das Trageneines „Baby-Belts“ und unbedingt flache,bequeme Schuhe. Schwimmen, Gymnastikund Yoga sind wohltuende Sportarten, diedabei helfen können, die eigene Körperhaltungzu korrigieren. Massagen helfen beimStressabbau, auch Akupunktur oder Osteopathiesind gut bei der Behandlung gegenlästige Verspannungen. Wärme, wie etwaein Vollbad oder ein erwärmtes Kirschkernsäckchen,sind altbewährte wohltuendeHausmittelchen. ●BABY + KLEINKINDwirbelwind 2 - 201223


NEU:IM HERBST 5 x IN DEUTSCHLAND – INFORMATIV, UNTERHALTSAM UND MIT AHA-EFFEKT!DerFamilien-Kongressu in HAMBURG ● BRAUNSCHWEIG ● DARMSTADT ● ERLANGEN ● STUTTGARTJAKO-O INSIDEGeballtes Wissen für eingelungenes Familienleben!Als Eltern wissen wir, wo der Schuhdrückt. Und wir kennen das Gefühl,mit Erziehungs- und Alltagsproblemenalleingelassen zu sein. Wir wissen aberauch : Die Sorgen und Probleme ähnelnsich. Oft fehlt nur das Wissen – derentscheidende Tipp, wie sie in denGriff zu bekommen sind. Die Teilnehmererwarten beim JAKO-O Familien-Kongressgeballtes Know-how für ein gelungenesFamilienleben – kompakt an einemSonntag, den sie bestimmt für ihreWeiterbildung freihalten können.Auch gut informierte Eltern lernenhier noch dazu!Spannende Vorträge von führenden Fachreferenten, zum Beispiel:wirbelwind 2 - 2012Dr. Jan Uwe Roggearbeitet als Familien- undKommunikationsberater.Er hält zahlreiche Vorträge,leitet Seminare imIn- und Ausland und istbekannt als Bestsellerautorvon Erziehungsbüchern.Seine Vorträge sindunterhaltsame Highlights.Eva-Maria undWolfram ZurhorstEva-Maria Zurhorst istAutorin der bekannten„Liebe dich selbst“-Bücher.Das Ehepaar hält Vorträgeund gibt gemeinsam Paar-Intensiv-Coachings undSeminare im In- undAusland.Marion Grillparzerist Diplom-Ökotrophologinund ausgebildete Journalistin.Sie schrieb zahlreicheBücher über Ernährung undGesundheit, z.B. die „GLYX-Diät“. Sie soll helfen, gesundabzunehmen und dauerhaftsein Gewicht zu halten.„Tiki“ KüstenmacherDer Pfarrer, Cartoonistund Bestseller-Autor ist„Spezialist“ für Glaube,Glück, Humor und Lebensfragen.Küstenmacher istbekannt durch Ratgeberwie zum Beispiel„Simplify your Life“.Christiane & Dirk KonnertzDie Gründer und Inhaberdes LernTeams Marburgwissen, wie Schüler motivierterund effektiver lernen.Sie leiten u.a. seit vielenJahren die erfolgreichenJAKO-O Gern-Lern-Seminareund arbeiten als Autorenrund ums Thema Lernen.24


Sonntag, 16. Sept. 2012Universität HamburgIDEEN für ein KINDER-FREUNDLICHES LANDFoto: UHH-DichantSonntag, 23. Sept. 2012Stadthalle BraunschweigJAKO-O INSIDEFoto: juergenmai.comSonntag, 07. Okt. 2012darmstadtium DarmstadtJETZTANMELDEN!Sonntag, 21. Okt. 2012Heinrich-Lades-Halle ErlangenSonntag, 11. Nov. 2012Filharmonie Stuttgart/FilderstadtWeiterbildung in Sachen Familie:●Geballtes Wissen von führenden Fachreferentenzu den Themen: Erziehung, Schule, Partnerschaft,Familie, Gesundheit● Alltagstauglich und abwechslungsreich● Viele Hintergrundtipps und handfestes Wissen● Know-how für Ihr FamilienlebenDas erhalten Sie für 110 € pro Person:● Alle Vorträge für Eltern vonführenden Fachreferenten● Ihre Kongress-Informationen● Komplett-Verpflegung:Mittagessen, Getränkeund Pausensnacks!Stundenpläne +alle Infos unter:www.jako-o.de/familienkongresswirbelwind 2 - 201225


Rückblick auf unsereFamilien-Kongresse:▼Unterhaltsame Referenten, spannende Themen, wissenswerte Informationenund viele nette Kontakte zu anderen Eltern – das ist der JAKO-O Familien-Kongress.JAKO-O INSIDEImmer ein Erlebnis: Jan-Uwe Rogge hältEltern unterhaltsam den Spiegel vor.Spannende Eltern-Weiterbildungin entspannter Atmosphäre.Kongress-Informationenschnell zur Hand.Rundum-Versorgung mit Lesestoff.JAKO-O Chefin BettinaPeetz in einer Pause.Leckere Verpflegungin der Mittagspause.Einer der jüngsten „Teilnehmer“mit seinem Papa.wirbelwind 2 - 2012Interessierte Nachfragennach einem Vortrag des LernTeams.Wir bedanken uns beiunseren Kooperationspartnern:Nette Kontakte zu anderenEltern knüpfen.„Heißer Job“, damit alle rechtzeitigihr Essen bekommen.26


ZeitfragenText: Frauke Obländer-GarlichsPOLITIK + GESELLSCHAFTZeit haben für Kinderendet in ...Das Risiko der Altersarmut von Frauenmit einem familienorientierten Lebenslaufwächst. Eine jüngste wissenschaftlicheStudie – Ende Januar vorgelegtund von der Deutschen Rentenversicherungfinanziert – fordert deshalbals ultima ratio gegen Altersarmutmehr Vollerwerbstätigkeit von Müttern.Das macht wirbelwind-RedakteurinFrauke Obländer-Garlichs zornig – undnicht nur sie!...Vielen Frauen der Babyboomer-Generation, diezwischen 1955 und 1967 geboren wurden, drohttrotz deutlich besserer Ausbildung Altersarmut.Das hat sich inzwischen auch in der Politik herumgesprochenund das zeigen aktuelle Studien. 41Prozent dieser Frauengeneration in den alten Bundesländernund 21 Prozent in den neuen könnenlediglich eine Rente auf oder unter Grundsicherungsniveauerwarten. Zumal die Renten ganz allgemeinsinken, dennwirbelwind 2 - 201228Bildmontage aus: ©Brebca-Fotolia und ©N-Media-Images-Fotolia● 65 Jahre nach dem Babyboom wird es einenRentnerboom geben.● Die Zeit des Ruhestandes und damit des Rentenbezugeshat sich durch die längere Lebenserwartung– ein Plus von 25–30 Jahren imLaufe der letzten hundert Jahre – deutlich verlängert.● Durch längere Ausbildungszeiten und um dieJahrhundertwende zunehmend unsichere Arbeitsplätzesind die Rentenbiografien dieser Generationgenerell in Mitleidenschaft geraten.


Diskutieren Sie über dieses Thema mit im:www.jako-o.de/altersarmutForum● Und besonders wichtig: Die Generationder Babyboomer hat das Kinderbekommenkräftig reduziert, zu lange aufgeschobenoder ganz darauf verzichtet – zu vieleverlockende Lebensmöglichkeiten bot dasausgehende 20. Jahrhundert.FAZIT: Weniger Menschen müssen mehr Ruheständlerlänger unterhalten! Das bedeutet:Die Renten müssen sich in der einen oderanderen Form drastisch verringern. KlugeMenschen haben das schon vor 30, 40 Jahrenkommen sehen und entsprechend gewarnt.Doch Gesellschaft und Politik steckten lieberden Kopf in den Sand. Es ging uns ja gut!Unfair daran ist, dass ausgerechnet diejenigenBabyboomer-Frauen mit einem familienorientiertenLebenslauf später besonders von Altersarmutbetroffen sein werden. Denn sie habenKinder geboren und groß gezogen und deshalbfamilienbedingte Brüche in ihrer Erwerbsbiographie.Meist waren sie weniger alsVollzeit, oft geringfügig oder – bei mehrerenKindern – gar nicht erwerbstätig. Und dochhaben sie den wesentlichen Beitrag zur Sicherungder künftigen Renten geleistet.Die Schlussfolgerung der erwähntenStudie daraus ist wahrhaft zynisch:Um diese Frauen vor Altersarmut zu schützen,müsse sich die Politik endlich dazudurchringen, Altersarmut dort zu bekämpfen,wo sie – angeblich – entstehe: am Arbeitsmarkt!Die volle Integration der Frauenins Erwerbsleben müsse gefördert werden.Es gelte Anreize zu schaffen, damit Frauenauch mit Kindern in Vollzeit arbeiten und ihrRentenkonto auffüllen. Denn im Gegensatzzu früheren Rentnergenerationen könnediese Generation nicht mehr hoffen, dassihre Versorgungslücken durch Ehepartnerkompensiert werden. Sinkende Renten derMänner, geringe Witwenrenten und erhöhteScheidungsraten ließen das Versorgermodellbröckeln.Die Mitversicherung in der Krankenversicherungfür nicht oder nur geringfügig erwerbstätigeEhefrauen und die Wirkung desEhegattensplittings seien hingegen Fehlanreize,ebenso wie das Elterngeld und die Erziehungszeit,die lange Erwerbsunterbrechungenvon Müttern herbeiführten.„Die klassischen Zuverdienerinnen haben einhohes Risiko, in der Altersarmut zu landen“,sagt Prof. Barbara Riedmüller, eine der beidenWissenschaftlerinnen, die die Studie erstellthaben. Und sie kritisiert, dass dieErwerbsneigung von Frauen im Westennach wie vor geringer als im Osten sei. „DerTrend bei Frauen muss zur Vollerwerbstätigkeitgehen“, so Riedmüller. Frauen, dieheute schon Vollzeit arbeiten, Kinder habenund nur kurze Babypausen einlegen, bezeichnetsie als „Pionierinnen“. „Sie lebenein Modell, das zum Vorteil ihrer eigenenBiographie ist.“Zynischer geht es kaum: Wer zu Gunsten vonKindern, Kranken und Alten sein Leben familienorientierteinrichtet und dabei Unschätzbaresfür die Gesellschaft leistet, istselbst schuld – basta! Kein Gedanke daran,die erkannten Versorgungslücken solidarischzu schließen und Altersarmut dort zu bekämpfen,wo sie tatsächlich entsteht, nämlichda, wo Kinder großgezogen werden. EntsprechendeEntscheidungen des Bundesverfassungsgerichtssind fast vergessen.Nicht einmal die simple Logik kommt inden Blick: Mehr Vollerwerbstätigkeit heutebringt zwar höhere Rentenansprüche, fülltaber nur die Rentenkasse von heute, nichtdie von morgen! Im Gegenteil: Die Stückedes umlagefinanzierten Rentenkuchens werdennoch schmaler! ●Die Studie „Die Lebens- und Erwerbsverläufe von Frauen im mittleren Lebensalter – Wandel und rentenpolitischeImplikation“, Freie Universität Berlin, findet man im Internet unter www.polsoz.fu-berlin.deLeserzuschrift:Liebe Wirbelwindler!In Ihrem Magazin 4/2011 gibt es eineBunte Seite-Notiz „Schulkinder-Ganztagsbetreuungbringt Mütter in Arbeit“.Hier nun meine erschreckten Gedankendazu: So fängt es an und dann …Ich lebe seit über zehn Jahren mit meinerFamilie in Schweden und habe dashiesige Ganztagsbetreuungssystem fürKinder beobachten können. Der Beginndesselben war der Gedanke, dass auch dieMütter gleichberechtigt erwerbstätig seinkönnen sollten. Daraus hat sich inzwischeneine sehr familienunfreundlicheForm des Zwangs zur Kinderbetreuungentwickelt.Diese sieht in etwa so aus, dass mansein Kind nach der Elterngeldzeit (spätestensmit 18 Monaten) in die Ganztagsbetreuunggeben muss … weil beide Elternerwerbstätig sein müssen, um Versicherungen,Rente, Lebensunterhalt zu sichern.Fortsetzung findet das System dann imHort für die Schulkinder, der offen ist,bis die Eltern von der Arbeit kommen …Das vielfach als positives Beispielangeführte schwedische System hatgroße Nachteile!Alle sollen ins Muster passen und weres selber anders machen möchte, … hatgroße finanzielle Nachteile! Eine solcheZukunft wünsche ich den deutschenFamilien nicht!Die Möglichkeit der Ganztagsbetreuunghat sich hier fast völlig zur Unmöglichkeitder Ablehnung derselben entwickelt.Eine deutsche Mutter in Schweden**Absender der Redaktion bekanntPOLITIK + GESELLSCHAFTwirbelwind 2 - 201229


ERZIEHUNGText: Kareen KlippertWohin mit meiner Wut?Wenn Kinder aggressiv werden, sind Eltern oft hilflos.Zorn und Raufereien dürfen sein. Doch die Sprösslingemüssen lernen, Konflikte fair zu lösen und ihre Impulseim Griff zu behalten.Zoff im Sandkasten:Meist so harmlos, dass dieKleinen ihren Streit alleinbeilegen können.Illustration: Thomas Fahrtender Bundesvorsitzender der Bundeskonferenzfür Erziehungsberatung (bke). Werunter den Wutausbrüchen cholerischer Kollegenleidet, weiß, dass auch viele Erwachsenehier Nachhilfe brauchen – Elterneingeschlossen: Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage bestrafen vier von zehn Mütternund Vätern ihr Kind mit Ohrfeigen, einemKlaps auf den Po oder Schlägen für „Unverschämtheiten“oder „Nicht-Gehorchen“.Wenn die Kleinenschlagen und beißenZwar entwickeln schon Einjährige Strategiensich zu beruhigen: Wenn der Ball unterdas Sofa gerollt ist, lenken sie sich mit demKuscheltier ab. Sie stopfen sich bei Aufregungihren Schnuller in den Mund oderwollen bei Angst mit Mama kuscheln. Dochje jünger ein Kind ist, desto eher lebt esstarke Emotionen motorisch aus: „Wenner seinen Willen nicht durchgesetzt hat,patscht mich Ben neuerdings wütend insGesicht“, erzählt Angela, die Mutter desZweijährigen. „Dabei haben wir weder ihnnoch seine Geschwister jemals geschlagen“,wundert sie sich und fragt sich besorgt, obihr kleiner Sohn zur Gewalttätigkeit neigt.Solche Befürchtungen sind meistens unbegründet:Solange kleinen Kindern die passendenWorte fehlen, beißen, schlagen undkratzen sie, um ein „Nein“ oder „Lass’das!“ auszudrücken. Hier geht es nicht umeine bewusste Aggression. Eltern könnensolche Attacken „abbiegen“, indem sie zumBeispiel bei Wutanfällen ein Beißtuch oderÄhnliches anbieten.wirbelwind 2 - 2012Hilfsbereit, einfühlsam, freundlich, sowünschen sich Eltern ihr Kind. Undauch durchsetzungsfähig, zielstrebig undehrgeizig. Ein Feigling soll es nicht sein,aber auch kein kleiner Rambo. Wie also reagieren,wenn Nick im Sandkasten seinerSpielgefährtin Kira ihr Lieblingsförmchenwegnimmt und Kira ihn mit der Schippeauf den Kopf haut? Was tun, wenn Bennoseinen Klassenkameraden Yannis in denBauch boxt? Der hat sich nämlich überseine schlechte Mathenote lustig gemacht.Wie lernen Kinder, mit Wut, Enttäuschung,Ärger umzugehen? Sollen sie zurückschlagen,wenn sie angegriffen werden? Sollen siejeder Rauferei aus dem Weg gehen und nur„mit Worten kämpfen“?„Seine Emotionen beherrschen zu lernen,gehört zu den vornehmsten Entwicklungsaufgabendes Menschen“, meint der Diplom-PsychologeAndreas Engel, stellvertre-Erst langsam wächst ein Verständnisvon Gut und BöseMit der Sprache entwickelt sich auch dasDenken. So beginnen die Sprösslinge erstim zweiten bis dritten Lebensjahr, eine ersteVorstellung von Gut und Böse zu entwickeln.Und erst, wenn sie sich der Kraft vonWorten bewusst werden, macht es Sinn,über Wut zu reden und wie man handelnkann, ohne anderen weh zu tun. Dochselbst wenn sie langsam begreifen, was sietun dürfen und was nicht, testen sie aus, was30


hier ihre Jugendzeit zu verbringen?“, fragtAppel. Das „Mehr an Zeit“ für kind- undjugendgemäßes Lernen und Leben in derGemeinschaft dürfe nicht vergeudete Zeitund nicht verpaukte Zeit werden. Er weistauf die verschiedensten Bedürfnisse hin, fürderen Erfüllung die Schule die Voraussetzungenzu bieten habe: von sozialen Beziehungenüber Kreativität, Technik- undMedienerfahrungen bis hin zu Bewegung.Raum und Zeit soll auch sein für Spaß undVergnügen, Geborgenheit und Entspannung.Eine gute Ganztagsschule hängt für ihnnicht am Modell. Gebundene Schulen mitganztägigem „Pflichtbesuch“ und aufeinanderabgestimmtem Angebot von Unterrichtund weiteren Aktivitäten hätten zwar diebesten Erfolge, aber Qualität sei auch an offenenGanztagsschulen zu erreichen, weißStefan Appel. Den Unterschied zur Halbtagsschulemit Nachmittagsprogramm siehter im Konzept: Ganztagsschulen verständensich als „Lebensschule“, als Ort zum Lebenund Lernen.Bessere Förderungfür leistungsschwache und fürbesonders begabte SchülerGute „Fulltime-Einrichtungen“ passen denSchulalltag an die Leistungsfähigkeit unddie Bedürfnisse der Kinder im Tagesverlaufan. Im Idealfall wechseln KonzentrationsundEntspannungsphasen. „Hausaufgabensollten absolut minimiert sein“, sagt StefanAppel. Ein großer Teil werde in den Unterrichtintegriert. Einen großen Vorteil derganztägigen Schule sieht er in der besserenFörderung sowohl lernschwacher als auchbesonders begabter Kinder. Darüber hinaussollte die Lehranstalt auch außerhalb desschulischen Unterrichts vielfältige Anregungenbieten – von der Medien-AG über denTheater-Workshop und den Extra-Sport bishin zur Web-Programmierung beispielsweise.Und weil der Tag zum großen Teil inder Gemeinschaft verbracht wird, stehtimmer auch „soziales Lernen“ auf dem Plan.„Aus Fehlern wird nicht gelernt“Ganztagsschulen werden gegenwärtig als besondersleistungsfähig betrachtet, wenn esdarum geht, Kinder schulisch optimal zufördern und in ihrer Entwicklung zu unterstützen.Gleichzeitig sollen sie Eltern helfen,Kind und Karriere zu vereinbaren. Angestoßendurch ein milliardenschweres Investitionsprogrammals Folge des PISA-Schocks,haben sich im vergangenen Jahrzehnt zahlreicheLehranstalten in Richtung Ganztagsschuleentwickelt. Auch nach Auslaufen desProgramms hält der Schub an und in absehbarerZeit wird wohl jede zweite Schule „irgendetwasmit Ganztag zu tun haben“.Doch die Qualität hinkt den Zahlen hinterher„Es wird oft herumgedoktert“, kritisiertAppel. Und man versäume es, aus Fehlernzu lernen.So wird zum Beispiel nicht selten bei der Personalausstattunggespart: 30 Prozent mehrfachkundige Mitarbeiter – Lehrer und verschiedeneandere Professionen – sind eigentlichfür einen „erfolgreichen Betrieb“nötig. Stattdessen werden oft unzureichendqualifizierte Kräfte oder hilfsbereite Elterneingespannt, weiß der Experte.Bei der Umgestaltung leistet nicht seltenauch das Kollegium Widerstand, hat StefanAppel bei seinen Beratungen bundesweitfestgestellt. „Viele sind nicht gerade begeistert,wenn sich die Arbeitsbedingungen ändern“,erzählt er.Sparsamkeit rächt sich –die Schüler bleiben wegFür die Aktivitäten außerhalb des Unterrichtswerden nicht nur Betreuer, sondern –so banal es klingt – auch Räume benötigt.Ein Problem, das vor allem in Großstadtschulenauf beengtem Grundstück ohneAnbaumöglichkeiten schwer zu lösen ist.Die Erfahrungen des Ganztagsschulverbandes:Voll ausgebaute Ganztagsschulen benötigeneine Küche für Gemeinschaftsverpflegung,einen Speisesaal, eine Cafeteria, einenRaum mit Bewegungsspielen (Tischtennis,Billard), eine Freizeitbibliothek, Rückzugszonen,einen Clubraum für Musik undeinen Hausaufgabenraum. Bei Grundschulenzusätzlich Räume zum Verstecken,Toben, Basteln. Gebundene Ganztagsschulenfunktionierten ohne dieses Raumangebotnicht, erläutert der Experte. Bei offenen© Monkey Business Fotolia.com© Christian Schwier Fotolia.com© Monkey Business Fotolia.com© .shock - Fotolia.comGute Ganztagsschulen sindOrte zum Leben und Lernen.Kinder pauken hier nicht nurSchulstoff, sondern sollenauch vielfältige Unterstützungund Anregung für ihre persönlicheEntwicklung finden.KIGA + SCHULEwirbelwind 2 - 201235


„Es muss mehr auf Qualität geachtet werden“Das sagen Eltern:KIGA + SCHULEwirbelwind 2 - 2012Konzepten darf es anfangs bescheidenerzugehen, doch nach seinen Erfahrungenrächt sich zu viel Sparsamkeit:Wenig attraktive Räume und Angebotewerden von Schülerinnen undSchülern auch weniger genutzt.Der Fachmann des Ganztagsschulverbandesruft die Eltern auf, ihre Macht zunutzen und sich über den Elternbeiratfür ein qualitätvolles Ganztagsangeboteinzusetzen. Und ein solches ist nach der1.JAKO-O Bildungsstudie gefragt: Sowürden 59 Prozent der Eltern ihr Kindauf eine Ganztagssschule schicken und61 Prozent fordern von der Politik,mehr solcher Schulen einzurichten.„Je stärker die Eltern beruflich gebundensind, desto deutlicher ist der Rufnach Ganztagsschulen“, meint Klaus-Jürgen Tillmann, emeritierter Professorfür Schulpädagogik und lang -jähriger wissenschaftlicher Leiter derBielefelder Laborschule, in seiner Analyseder JAKO-O Bildungsstudie. Inder Untersuchung spricht sich aberauch ein beträchtlicher Teil der Elterngegen ein Ganztagsangebot aus. Hierausleitet Tillmann als zentrale bildungspolitischeForderung ab, dassdas Schulsystem in jeder Region fürjede Schulform die Wahl zwischeneiner Halbtags- und einer Ganztagsversorgunganbieten müsse.Kein Hausaufgabenstress –Entspannung fürs FamilienklimaAppel kennt die Kritik von Eltern, diebefürchten, dass ihre Kinder keineechte freie Zeit mehr zur Verfügunghaben und dass sie keine Kontrollemehr über das Gelernte haben. „Wirsind kein Gegner der Halbtagsschule“,betont der GGT-Fachmann. „Wirwollen sie nicht abschaffen. Für Familien,in denen sich Eltern nachmittagsum ihre Kinder kümmern können,hat sie ihre Berechtigung“, meintStefan Appel. Wenn aber zum Beispieldie Hausaufgaben in einer Familieein dauerhafter Stressfaktor seien,könne der Besuch einer Ganztagsschuleviel Entspannung ins Familienklimabringen.Gute Schulen – gute NotenSolche positiven Effekte belegt auchdie „Studie zur Entwicklung vonGanztagsschulen“ (StEG). Weit über50.000 Schüler, Eltern, Lehrer undBetreuer aus 370 Schulen in 14 Bundesländernwurden in einem Zeitraumvon fünf Jahren zwischen 2005und 2010 mehrfach befragt. Die Untersuchungzeigte, dass sich Ganztagsangebotepositiv auf das Sozialverhaltenund das Familienklima auswirken.Es bleibt nach Meinung der Befragtenimmer noch Zeit für gemeinsameAktivitäten wie Gespräche, Ausflügeund Zusammensitzen. VieleMütter und Väter gaben an, Entlastungzu spüren.Die Schulnoten verbessern sich jedochnur bei entsprechender pädagogischerQualität. Negative Auswirkungenwurden nicht gefunden. Allerdingsstellten sich die positiven Effektevor allem bei regelmäßigerTeilnahme und hoher Qualität desAngebotes ein. Dazu zählen nebenabwechslungsreichem, differenziertemUnterricht die enge Verknüpfung vonUnterricht und Zusatzangeboten undeine gute Zusammenarbeit zwischenLehrern und Betreuungskräften. ●Katrin Schmidt schreibt:Optimale Betreuung, viele guteAngebote und nach der Schuleechte FreizeitIn unserem Fall geht die Schule von Donnerstagbis Freitag von 8 bis 15.45 Uhrund am Freitag von 8 bis 13 Uhr. Neben denganz „normalen“ Schulstunden gibt es Vertiefungsstunden,in denen die Hausaufgabenerledigt werden bzw. die Klasse auch mal aufgeteiltwird, z.B. lesen die einen Geschichten,während die anderen, die noch nicht so gutlesen können, noch Wörter üben.Das finde ich sehr gut, weil viel besser aufdas Tempo der einzelnen Kinder eingegangenwerden kann und die Kinder besser gefördertwerden.Wahlunterricht wie zum Beispiel Musik,Tanz und Bewegung, Schauspiel, Schule derFantasie, Englisch, Blockflöte oder Computerist gut in den Stundenplan eingebettet.Unser Sohn Vincent ist beim Computerndabei, bei Musik, Tanz und Bewegungund bei Blockflöte.Chancengleichheit!Eindeutiger Vorteil aus meiner Sicht: Erkann neue Dinge ausprobieren (Wahlfächersind für 1 Schuljahr verbindlich), ohne dasswir uns als Eltern gleich – bei einer Musikschulezum Beispiel – vertraglich bindenmüs-sen. In Vincents Klasse sind auch Kinderaus Familien, die sich einen extra Musikunterrichtgar nicht leisten könnten. Inder Ganztagesklasse haben alle Kinder diegleichen Möglichkeiten. Finde ich super!Chan-cengleichheit!Nach dem Vormittagsunterricht essen dieKinder zusammen zu Mittag mit einer nach36


ForumDiskutieren Sie über dieses Thema mit im:www.jako-o.de/ganztagsschuleAuskunft meines Sohnes sehr netten Betreuung.Danach haben sie eine Stunde Freizeit.Die wird in der Regel zum Austoben genutzt.An zwei Nachmittagen ist die Klassenlehrerinda. An den anderen beiden Nachmittagengibt es spezielle Angebote – darunterSchach – und an einem Nachmittagkommen Senioren vom Seniorentreff Starnbergmit unterschiedlichen Angeboten. Einepädagogische Fachkraft ist zusätzlich dabei.Unser Fazit: Betreuung optimal, viele guteAngebote, gutes Mittagessen und auch ausreichendZeit für Bewegung.Kinder lernen schnellerHausaufgaben gibt es nur am Freitag, sonstnur Lesen. Wenn Vincent gegen 16 Uhrnach Hause kommt, hat er frei: Zeit zumSpielen, fürs Fußballtraining etc. Im Vergleichzu seinen Kindergartenfreunden, diein einer „normalen“ ersten Klasse sind, lernendie Kinder der Ganztagesklasse meinerMeinung nach schneller.Wir haben uns aus beruflichen Gründen füreine Ganztagesklasse entschieden und hattenGlück, einen Platz für Vincent zu bekommen.Hort oder andere Nachmittagsbetreuungin Starnberg hätte nicht zu meinenArbeitszeiten gepasst. Die Betreuungund das pädagogische Angebot in der Ganztagesklassefinde ich viel runder als in derKombination Schule und extra Nachmittagsbetreuung.Wir können ab 16 Uhr das machen, was unsSpaß macht: basteln, spielen, Spielplatz,schwimmen gehen – ohne dass wir uns nacheinem ohnehin schon langen Arbeits-, SchuloderKindergartentag noch um die Hausaufgabenkümmern müssen. Ich genieße die zwei,drei Stunden bis zum Abendessen mit Vincentund seinem kleinen Bruder!Umdenken ist nötigInteressant sind oft die Reaktionen aus demerweiterten Bekanntenkreis, wenn ich erzähle,dass Vincent in der Ganztagesklasse ist:Was? So lange? Der Arme! usw. Obwohl ichvon dem Konzept überzeugt bin und auchfroh bin, einen interessanten Job zu haben,nehme ich solche Kommentare auch nichtimmer ganz gelassen. Warum eigentlich?Kommt da das Rabenmutter-Gefühl auf?Ich glaube, dass in Deutschland das Umdenkenzum Thema Ganztagesschule nochin den Kinderschuhen steckt. Erzählen Siemal einer berufstätigen Mama in Frankreich,dass ihr Kind um 11.20 Uhr Schuleaus hat. Die tippt sich an die Stirn! ●Familie Weingärtner schreibt:„Absolut überzeugt“Unser Sohn Luca (Jahrgang September2004) geht seit September 2010 in eineGanztagesklasse an der Herman-Hedenuss-Grundschule in Erlangen. Er fühlt sich sehrwohl und ist auch nicht überfordert. DerUnterricht wird über den Tag sehr gut verteilt.Zusätzlich gibt es an unserer SchuleAktivitäten wie Schach, Natur/Technik,Theater, Chor und Selbstverteidigung, diefest im Stundenplan verankert sind und ander auch alle Kinder teilnehmen müssen.Verpflichtend ist auch die Teilnahme amMittagessen, das von einem Caterer kommtund extra gezahlt werden muss.Auch gibt es zusätzliche Lernzeit, in der Kindergefördert werden, die noch Schwachpunkteaufweisen.Der Schultag geht von 8 bis 15.30 Uhr, Freitagnur bis 12.15 Uhr. Die Kinder haben danachkeine Hausaufgaben mehr auf und könnensofort in Entspannung, Sport und Freizeitstarten.Uns hat diese Schulform absolut überzeugtund wir können sie nur empfehlen. ●Susanne B. schreibt:Keine gute Betreuungund FörderungDie Idee der Ganztagsschule ist ja eigentlichgut, wenn die Kinder dort gut betreutund gefördert werden. Leider ist dasan unserer Schule zurzeit nicht der Fall.Wegen Personalmangels ist seit Schuljahresanfangeine Betreuungskraft für 25 Kinderda. Hausaufgaben können nicht korrigiertwerden, Rückzugsmöglichkeiten zum Lesengibt es nicht. Oft bringen die Kinder dieHausaufgaben sogar mit nach Hause, weiles in der Schule zu laut war, und sie müssensich dann noch abends hinsetzen. Wurdendie Aufgaben in der GTS gemacht, ist leideralles voller Fehler. Individuelle Förderungoder Arbeitsgemeinschaften gibt es keine.Netterweise hat mir mein Chef jetzt einenHalbtags-Arbeitsplatz eingeräumt, damitich meine Kinder selbst zuhause betreuenkann. Jetzt steht allerdings noch der Kampfan, mein Kind von der GTS abzumelden.Denn wer einmal angemeldet ist, muss dasProgramm ja das ganze Schuljahr durchhalten,Personal hin oder her. ●Ilka B. schreibt:Viele Vorteile, aber auchStartschwierigkeitenMeine Tochter ist jetzt in der 5. Klasse.Schon in der Grundschulzeit war sie inLesen Sie weiter auf der nächsten SeiteKIGA + SCHULEwirbelwind 2 - 201237


Das sagen Eltern:... zum Thema GanztagsschuleAnzeigeAlpenzwerg– der Bio-Kinderjoghurt aus dem Berchtesgadener LandKIGA + SCHULEeiner Ganztagsschule. Ich hatte mich im Vorhineinbewusst für eine Ganztagsschule entschieden, da siemir viele Vorteile zu haben schien. Zum Beispiel einegute Bearbeitung der Hausaufgaben, Mittagessen, Freizeitangebote,ohne erst durch die halbe Stadt kutschierenzu müssen. Im Großen und Ganzen war ich auchzufrieden, bis heute, denn sie ist auch an der Realschulewieder in einer Ganztagesklasse, und ich habe es nichtbereut, mich dafür entschieden zu haben.Das Problem war aber, dass wir die erste Ganztagsgrundschulein unserer Stadt waren und noch niemand Erfahrungdamit hatte. So musste doch häufiger improvisiertwerden. Es gab keine Mensa oder Ähnliches, wo die Kinderordentlich hätten essen können. Die Platzkapazitätender Schule reichten für den Ganztagsbetrieb nicht ausund es wurde zusätzlich ein Container aufgestellt. In diesemwar es aber für Ganztagsklassen unmöglich, einenganzen Tag zu verbringen. So zogen sie im nächstenSchuljahr doch wieder ins Schulhaus.VersuchskaninchenWir waren für vieles die „Versuchskaninchen“. Aber dadurchwurde auch von Jahr zu Jahr vieles verändert, wassich im laufenden Betrieb als unpassend herausgestellthatte. Ein Nachteil ist, jetzt in der Realschule, dass derUnterricht doch sehr lang geht (16.15 Uhr). Bis dieKinder zu Hause sind, hat man nicht mehr so viel vomTag. Ich werde mich, trotz der negativen Seiten, trotzdemweiterhin für eine Ganztagesbetreuung entscheiden,da die Vorteile deutlich gewichtiger sind und unsin vielen Dingen das Schulleben erleichtern. ●Joghurt ist gesund und auch von den Kleinen schon heiß geliebt. Schön,dass inzwischen ein speziell für Kinder entwickeltes Produkt in anerkanntökologischer Qualität angeboten wird.Der Alpenzwerg Kinderjoghurtder Molkerei BerchtesgadenerLand wird nur ausreinster Bio-Alpenvollmilchvon Naturlandhöfen aus demGrünlandgürtel der Alpen hergestellt.Der milde Fruchtjoghurtenthält alle wertvollenBestandteile der Milch: HochwertigesMilcheiweiß für denMuskelaufbau, Milchzuckerund das leichtverdauliche Milchfett als Energielieferanten in Spiel- undSchulpausen. Mit fein pürierten Früchten und aufgrund der besonderskompakten Konsistenz ideal zum Selberlöffeln für die Kleinen!Natürlich reich an CalciumGerade in der Kindheit muss in der Ernährung auf ausreichende Calciumversorgunggeachtet werden, notwendig für starke Knochen undgesunde Zahnentwicklung. Die Alpenzwerge leisten mit ihrem natürlichhohen Calciumgehalt in einem Becher bereits 26 % des Tagesbedarfsfür 4- bis 7-Jährige.Natur pur ohne ZusätzeAllergien sind auf dem Vormarsch; daher wurde bei der Entwicklungdes Kinderjoghurts auf alle unnötigen Zutaten bewusst verzichtet.Der fruchtige Geschmack beim Alpenzwerg kommt allein durch denhohen Anteil biologisch erzeugter Früchte ganz ohne Aromastoffzusatz.Bio-Rohrzucker – sparsam zugesetzt – unterstützt den Fruchtgeschmackund gibt dem Kinderjoghurt eine angenehme Süße.Die Alpenzwerge sind frei von Konservierungsstoffen und auf Anreicherungmit Vitaminen und Mineralstoffen wurde bewusst verzichtet,denn Bio-Vollmilch als natürliche vollwertige Basis bedarfkeiner Ergänzung! ●wirbelwind 2 - 201238„Es muss mehr auf Qualität geachtet werden“Gibt’s in den Sorten:Vanille, Erdbeere,Banane und Himbeere.


Nachhilfe:Starthilfe für bessere Noten?Tim geht, Anton geht, Franziska geht und Enya geht auch –zur Nachhilfe. Ein Geheimnis machen die Kinder nicht daraus,ebenso wenig wie ihre Eltern. Wieso auch? Die bezahltenExtrastunden gelten längst nicht mehr als peinlich. Kaum einElternstammtisch, bei dem nicht Adressen empfehlenswerterNachhilfelehrer ausgetauscht werden.3KIGA + SCHULEDem Schulerfolg auf die Sprünge helfen:Jedes vierte Kind nimmt im Laufe seines Schullebensirgendwann einmal Nachhilfe.Text: Kareen KlippertRund 1,1 Millionen deutsche Schüler bekommenNachhilfeunterricht, so eineBertelsmann-Studie. Bis zu 1,5 MilliardenEuro geben die Eltern in Deutschland jährlichdafür aus. Und es beginnt schon in derGrundschule: Bereits in der vierten Klassenutzt im Bundesdurchschnitt jeder siebteSchüler Nachhilfeunterricht in Deutsch. Vonden 15-Jährigen ließen sich rund neun Prozentim Fach Mathematik helfen. Im Altervon 17 Jahren soll etwa jeder vierte Jugendlicheim Laufe seiner Schulkarriere mindestenseinmal bezahlte Nachhilfe bekommenhaben.Die 1. JAKO-O Bildungsstudie brachteähnliche Ergebnisse: Danach benötigten elfProzent der Schulkinder Nachhilfe, um denAnforderungen gerecht zu werden. Ein Drittelwird von Eltern oder Geschwistern unterstützt.Über das gesamte Altersspektrumhinweg bekommt auch nach der JAKO-OStudie jeder vierte Schüler regelmäßig oderzumindest hin und wieder Nachhilfeunterricht.Nach Ansicht der Autoren der Bertelsmann-Studie,den Bildungsforschern Klausund Annemarie Klemm, haben Eltern denEindruck, dass ihre Kinder im Schulunterrichtnicht bestmöglich gefördert werden.Nachhilfe soll dies ausgleichen. Eine Erwartung,die nicht unberechtigt ist: Studien zeigenpositive Effekte des freiwilligen zusätzlichenPaukens.wirbelwind 2 - 201239


Christiane Konnertzist Lehrerin, Lerncoach und gemeinsam mit ihrem Mann Inhaberindes Marburger LernTeams, einem privaten Bildungsinstitut. DasLernTeam leitet die erfolgreichen JAKO-O Gern-Lern-Seminare underhält für seine Vorträge bei den JAKO-O Familien-Kongressen immerwieder Bestnoten der Zuhörer.KIGA + SCHULEwirbelwind 2 - 2012Wann ist Nachhilfe sinnvollund was sollten Eltern dabeibeachten?Die wirbelwind-Redaktion sprachdarüber mit Christiane Konnertz vomMarburger LernTeam:wirbelwind: Wann sollten Schüler undEltern Nachhilfe ins Auge fassen?Christiane Konnertz: „Nachhilfe ist immerdann sinnvoll, wenn der Schüler inhaltlicheLücken nicht mehr allein oder mitHilfe der Familie schließen kann. Sinnvollist sie aber nur bei Problemen in einem oderzwei Fächern. Wenn das Kind flächendeckend„Land unter“ sieht, muss man nachUrsachen und anderen Lösungen suchen.In der Pubertät ist ein Absacken normal undgleichzeitig wollen sich Teenies von den Elternungern etwas sagen lassen. Hier kannes das Familienklima verbessern, wenn dasThema Schule „ausgelagert wird“. Davonabgesehen fühlen sich viele Eltern zeitlichund inhaltlich nicht in der Lage, als „Zusatzlehrer“einzuspringen.“wirbelwind: Wie lange sollte Nachhilfe dauern?Christiane Konnertz: „Sie sollte immerzeitlich befristet sein. Als Dauereinrichtunghalte ich Nachhilfe für ganz schlecht. Es bestehtdie Gefahr, dass das Kind sich daraufausruht und die Verantwortung für das eigenständigeLernen abgibt. Wenn ständigHilfe nötig ist, zeigt dies eine dauerhafte Überforderungdes Kindes. Hier muss vielleicht einSchulwechsel ins Auge gefasst werden.“wirbelwind: Wann kann ich mit einemErfolg rechnen?Christiane Konnertz: „Diese Frage lässtsich pauschal nicht beantworten. Der Erfolghängt von den individuellen Problemen abund lässt sich zunächst auch nicht unbedingtan den Schulnoten messen. Es istschon ein Erfolg, wenn das Kind selbstbewussterund sicherer wird und den Stoff besserversteht. Nach einem halben Jahr solltensich im Allgemeinen schon Verbesserungenzeigen. Wenn die Noten in Tests nicht besserwerden, kann auch Prüfungsangst die Ursachesein, die man dann ebenfalls behandelnsollte.“wirbelwind: Wo und wie finde ich einenguten Nachhilfelehrer?Christiane Konnertz: „Das kann ganz unterschiedlichsein. Manchmal kann schonein Klassenkamerad weiterhelfen. Auch ältereSchüler eignen sich, die man durch einenAushang in der Schule findet oderindem man den Fachlehrer fragt. Hier hatman den Vorteil, dass sie noch als Schülerdenken und sich die beiden wahrscheinlichschnell sympathisch sind. In einer Uni-Stadtlassen sich leicht geeignete Studenten finden.Manchmal freuen sich pensionierte Lehrer,ihr Wissen weiterzugeben. Auch Mütteroder Väter von Gleichaltrigen erklärensich gelegentlich bereit, mit einem kleinen„Grüppchen“ den Schulstoff zu pauken undWissenslücken zu füllen. Wer auf diesenWegen niemanden findet, kann Kontakte zuprivaten Anbietern auch über Online-Nachhilfebörsenknüpfen, die allerdings nur ingrößeren Städten viel Auswahl bieten (zumBeispiel: www.nachhilfenet.de).“wirbelwind: Was ist von kommerziellenNachhilfeinstituten zu halten?Christiane Konnertz: „Hier bin ich skeptisch:Oft wird in kleinen Gruppen gelernt,die aus Kindern mit sehr unterschiedlichenAnsprüchen zusammengesetzt sein können.Die Mischung kann passen oder nicht. Imschlechteren Fall kann der Kursleiter zu wenigauf das einzelne Kind eingehen.“wirbelwind: Ein neuer Trend ist individuelleOnline-Nachhilfe. Wie sehen Sie dieseAngebote?Christiane Konnertz: „Hier spielt sicherauch der Reiz des Neuen mit. Für Kinder,die sonst keine Nachhilfe wollen, oder fürkranke Schüler können diese Angebote interessantsein. Vorteile sehe ich keine.“wirbelwind: Wie beurteile ich die Qualitätvon Nachhilfe?Christiane Konnertz: „Gute Nachhilfemacht sich selbst überflüssig. Sie soll Hilfezur Selbsthilfe sein. Die Kinder sollen lernen,dass sie es selbst können. Deshalb muss derUnterricht mehr sein als eine Unterstützungbeim Erledigen der Hausaufgaben. Ein guterNachhilfelehrer sollte anschaulich erklärenund – für Kind und Eltern erkennbar –strukturiert arbeiten. Gut ist es, wenn Karteikartenoder ein Schaubild oder andere Materialienzum Grundwissen erarbeitet werden,die zum Beispiel zum Nachschlagen in einerschönen Mappe aufgehoben werden. Empfehlenswertist auch, die Kinder zum Fragenzu animieren oder wenn sich der Lehrer vomKind belehren lässt. Bei Mathe ist es hilfreich,wenn der Nachhilfelehrer das Kind eine Aufgabebis zum Ende rechnen lässt und so ganzgezielt auf die Fehler eingehen kann. Zur individuellenFörderung gehört auch, bei Kindernmit Prüfungsangst die Testsituation zutrainieren. Das alles sollten Eltern – falls nötig– auch einfordern!“ ●40


Familienstark machen!Erleben Sie das Marburger LernTeamlive beim Familien-Kongress!Infos und Anmeldungwww.jako-o.de/familienkongressWeitere Infos auch in diesem Heft S. 24-27Tipp:Schulstoff onlineUnterstützung im NetzErfolgreich die Schule meistern!Hausaufgaben, fehlende Konzentration, Unlust, Notendruck– diese Themen bestimmen nicht selten den Alltag und mitunterauch das Wochenende vieler Familien.Bei den JAKO-O Gern-Lern-Seminaren erfahren Schüler undEltern, wie das Lernen besser und schneller gelingt und das Konzentrierenund Organisieren leichter fällt. Vor allem aber lernendie Schüler, wie sie Verantwortung für das eigene Lernen übernehmenund selbstständiger werden.KIGA + SCHULEWenn das Kind bei Sinuskurven insSchwanken gerät und die direktenObjektpronomen in Französisch einRätsel bleiben, lohnt sich ein Blickins Netz: Auf zahlreichen Seitenkann online kostenlos geübt oderkönnen Aufgaben mit Lösungenheruntergeladen werden. Seien Sievorsichtig, wenn Sie sich anmeldenoder Ihre Adresse eingeben sollen.Hier können sich kostenpflichtigeAngebote verbergen.Die JAKO-O Gern-Lern-Seminare werden in folgendenRegionen angeboten: Stuttgart, Frankfurt,München, Berlin, Hamburg, Ruhrgebiet,Rhein-Main-Taunus, Erlangen, Lüneburg, Bodensee.Einen empfehlenswerten Wegweiserbietet das Kinderportalwww.internet-abc.deIn der Rubrik „Schule“ findetsich der „Schulfachnavigator“mit geprüften Links zu hilfreichen„Lernseiten“ für zahlreiche Fächer.Manchmal fällt der Groschenschon, wenn ein Thema anderserklärt wird, zum Beispiel mitVideos bei www.mathe.comAuch die Suche bei YouTube kannhier weiterhelfen.für Schülerab der 3. KlasseZweitägiges Seminarfür Schüler250,- €Detaillierte Informationen unter:www.jako-o.de/seminareEintägiges Seminarfür Eltern230,- €Eintägiges Seminarfür Einzelteilnehmer115,- €Hier finden Sie auch eine Spiegel TV Reportage zum JAKO-O Gern-Lern-Seminar!Information & Buchung unter Fon: 0 95 64 / 92 93 87wirbelwind 2 - 201241


AnzeigeDie neue Ausgabe von BRIGITTE MOMgibt’s am 2. Mai – für Mütter im Gefühlsdreieckzwischen Mut, Wut und Lust.„Endlich!“, haben wir JAKO-Os gedacht, als wir die erste Ausgabevon BRIGITTE MOM durchblätterten. Endlich eine Frauenzeitschrift,die uns Müttern richtig Spaß macht: Keine Diäten, die wirsowieso nicht durchhalten, keine Fitnessübungen, zu denen wirkeine Lust haben, und keine Erziehungstipps, die nur bei anderenKindern funktionieren. Stattdessen dürfen wir so unperfekt bleiben,wie wir sind.ANZEIGEwirbelwind wollte mehr wissen über Mütter, dieüber sich selbst lachen können, und sprach mitBRIGITTE MOM-Redaktionsleiterin Angela Wittmann.„Eine Mutter, die ihr Bestes versucht, ist gut genug“wirbelwind 2 - 2012wirbelwind: „Welche Leserin haben Sie imKopf, wenn Sie Ihr Heft gestalten?“Angela Wittmann: „Alle Mütter. Und alleFrauen, die sich fragen, ob ein Kind dasLeben besser oder schlechter macht. (Naklar! Beides!) Alle Frauen mit wenig Zeitund viel Stress, die ständig unter Strom sindund am Rande des Wahnsinns. Alle Frauen,die ihre Kinder wie verrückt lieben, die aberauch mal überglücklich sind, wenn sie sielos sind. Die sagen: Ihr seid mein EIN, abernicht mein ALLES. Die über sich selbst lachenkönnen und sich in einem anarchischenAlltag voller Chaos und Flickschustereietwas zugelegt haben, was immerhilft: Galgenhumor.“wirbelwind: „Was ist das Besondere anBRIGITTE MOM?“Angela Wittmann:„Wer sie liest, verliert dieBeherrschung. Das schreiben uns zumindestunsere Leserinnen: „Ich musste so oft lachen,dass die Mütter in der Turnstundemeiner keinen Leonie (3 Jahre) dachten,ich hab ’nen Vogel“. Oder: „Schon auf demBahnsteig bin ich das erste Mal in Tränenausgebrochen vor Lachen. Und im Zug ginges so weiter. Zugegeben, meine Nerven sindwegen Schlafmangels nicht die besten, aberdie Ironie in euren Aussagen hat bei mireinen Nerv getroffen.“Das Besondere an BRIGITTE MOM istaber auch, dass wir eine Frauenzeitschriftmachen und kein Elternmagazin. Bei unsgeht es immer um die Frau – und dann erstum die Familie. Vielleicht haben wir deswegenauch besonders viel Zuspruch von alleinerziehendenMüttern bekommen – undvon Müttern, die sich die meiste Zeit alleinerziehendfühlen. Unsere MOM-Welt istnicht heil, da kann es schon mal sein, dassMutter die Nerven verliert. Aber keineAngst: Wir finden sie schon wieder.“wirbelwind: „Welche Themen finde ichin BRIGITTE MOM?“Angela Wittmann: „Wir schrecken vornichts zurück. Selbst nicht vor Beleidigungen.Im letzten Heft haben wir da ein paarpassende (zum Teil nicht jugendfreie) Sätzevorbereitet. Für alle Mütter, die sonstimmer nur wütend und fassungslos nachWorten suchen, wenn sie mal wieder von irgendeinemdahergelaufenen Idioten wegenihrer Kinder bepöbelt werden. Kam sehr gutan. „Freue mich schon diebisch, wenn ichdem Nächsten, der mir doof kommt, einf..k you very much an den Kopf knallenkann“, hat uns eine dankbare Leserin geschrieben.Mütter bewegen sich in einemGefühlsdreieck zwischen Mut, Wut undLust – und von dort kommen auch dieThemen, die sich in BRIGITTE MOMfinden.“wirbelwind: „ ... und welche ganzbestimmt nicht?“Angela Wittmann: „Ratgeber-Themen.Aber zum Beispiel auch keine klassischenDiät- oder Fitness-Strecken, die MütternEnergie rauben und zusätzlich Druck aufbauen.Unser einziges „Workout“ im erstenHeft haben wir „Iron Mom“ genannt,weil Muttersein an sich schon Extremsportist. Beschrieben wurden klassische Alltagssituationenwie: „Die Mutter muss hoch zurS-Bahn. Der Aufzug ist kaputt. Rolltreppegibt’s nicht. Bislang hat sie zwei Männer umHilfe gebeten, beide hatten akut „Rücken“.42


Das neue Hefterscheint am2. Mai 2012ANZEIGEWer muss ins Fitnessstudio,wenn er Kinder hat? Workoutfür Mütter sieht anders aus,wie BRIGITTE MOM im erstenHeft zeigte.Die Zeit drängt, die S-Bahn fährt gleich, dieKarre muss hoch. Also los: Stufe, hauruck,Stufe, hauruck, Stufe, hauruck (zwei Treppenabsätzeà 20 Stufen), zwei Stufen nochbis zum Bahnsteig. Oben fährt die Bahn.Baby schreit. Mutter auch“. Da ist manganz schön erledigt. Aber erledigt hat sichdann eben auch das Fitness-Studio – eineFitness-Expertin hat uns diesen Kraftaktnämlich umgerechnet in Bauch-Beine-Po-Übungen und Kalorienverbrauch.“wirbelwind: „Lebe lieber unperfekt!“,hieß es in Ihrem ersten Heft. Machensich Frauen heute selbst das Leben zuschwer und wie hilft BRIGITTE MOMdem Perfektionismus Adieu zu sagen?“Angela Wittmann: „Ildikó von Kürthy, dieunseren Aufmacher zum Thema „Lebe lieberunperfekt“ geschrieben hat, beschreibtdas Dilemma der modernen Mutter so:„Alles unter einen Hut kriegen, geht nicht.Es ist, als wenn man mit einem Topflappeneine vierköpfige Familie zudeckenwill. Irgendwas guckt immer raus undkriegt kalte Füße“. In ihrem Text erzähltunsere Autorin auch von einer Freundin, dieschon ein schlechtes Gewissen hat, wenn sienur aufs Klo geht: „Kack doch, wenn deinKind schläft“, raunt die innere Übermutterihr zu. Da sehen wir Handlungsbedarf. Undein erster Schritt, der uns allen Entlastungbringt, ist, dass Gefühle offen ausgesprochenwerden. Alle Gefühle. Gern mit drastischenWorten. Aber ohne, dass schonwieder jemand mit dem Zeigefinger rumfuchtelt.Eine Mutter, die ihr Bestes versucht,ist gut genug. Egal ob sie arbeitengeht oder zuhause ihren Job macht. Ob sieein Kind hat oder viele. Ob sie in der Stadtwohnt oder auf dem Land. Auch wenn sicham Ende rausstellt, dass ihr Bestes eben einfachnur „nicht schlecht“ ist.“wirbelwind: „Ein kleiner Ausblickauf das nächste Heft, das Anfang Maierscheint: Worauf können sich dieLeserinnen freuen?“Angela Wittmann: „Auf ein Alleinerziehenden-Thema,das jeden Anflug von Mitleidsofort erstickt. Auf die Wiederholung unseresGewinnspiels, bei dem der Hauptpreiseine Haushälterin ist – für ein ganzes Jahr.(Über 40 000 Leserinnen wollten unsere„Perle“, das müssen wir einfach noch malmachen).Und auf das Gefühl: Puh, ich bin dochnicht allein auf dieser Welt. Das wird sicheinstellen bei Geschichten, in denen Mütterzugeben, dass es oft keinen Spaß macht,der einzige Erwachsene unter schreienden,schmutzenden Kindern zu sein. Und dasssie zuhause einen ganz privaten Panic Roombrauchen. Das kann ein Schrank sein odereine Rumpelkammer. Ausgestattet mit einerNotfallration Lieblingsschokolade, einerSchachtel Kleenex, einem iPod und Kopfhörern.Vielleicht muss auch noch ein SixpackBier rein. Und dann loslassen, losheulen,in Selbstmitleid baden. Atmen. DieVerantwortung abgeben, die Kontrolleverlieren. Die kommt schon wieder. Unddie gefühlte Liebe auch. Weil die Liebebleibt, auch wenn man sie vor Tränen geradekaum sehen kann. Oder vor Frustrationeine Zeitlang nur noch Rot. Doch dieLiebe bleibt. Für immer. Versprochen.” ●wirbelwind 2 - 201243


ZeitfragenText von:Frauke Obländer-Garlichs,Fachjournalistin fürFamilien- und Gesellschaftspolitik,verheiratet, zwei Kinder.POLITIK + GESELLSCHAFTwirbelwind 2 - 2012Ausreichend gemeinsame Zeitist zentral für ein gelingendesFamilienleben! „Daraus erwächstdie Aufgabe, Zeitpolitikals einen eigenständigen Teileiner nachhaltigen Familienpolitiksystematisch zu entwickelnund strategisch auszurichten“,so lautet der Auftrag der SachverständigenKommission, dieden achten Familienberichtunter dem Thema „Zeit fürVerantwortung in der Familie“erarbeitet hat.Zeit für die eigene Familie –wie sieht es damit aus, warumfehlt sie vielen Familien, washat sich verändert und waskönnte den Familien mehr zeitlichenSpielraum verschaffen?Diesen Fragen geht wirbelwind-Redakteurin Frauke Obländer-Garlichs hier nach.Lesen Sie dazu auch: „Zeit haben für Kinderendet in Altersarmut“ auf Seite 28/29„ Für das größte Unheil unsrer Zeit,die nichts reif werden lässt, mussich halten, dass man im nächstenAugenblick den vorhergehendenverspeist, den Tag im Tage vertut,und so immer aus der Hand in denMund lebt, ohne irgend etwas vorsich zu bringen.... alles veloziferisch.“GoetheFamilienleben in der Zeitlücke„Es war einmal ein Gartenzaun mit einemZwischenraum, hindurch zu schaun.Da kam ein Architekt, nahm den Zwischenraumheraus und baute draus einHaus.“Treffender als diese hintersinnigen Zeilen vonChristian Morgenstern kann man nicht beschreiben,was viele Familien, vor allem dieMütter, Tag für Tag leisten. Mit viel Improvisationpassen sie das Familienleben immerwieder in die Zeitlücken ein, die zwischenzwei Erwerbsberufen, Wegezeiten, Überstundenund Wochenendarbeit, Schule und Kindergarten,Sport und Nachhilfe, Theater AGund Arztterminen und oft auch noch derSorge für kranke und alte Familienmitgliederbleiben. Und es will scheinen, dass die Zaunpfähleimmer noch näher zueinander rückenund die Lücken immer enger werden. Nichtzuletzt auch, weil die Ansprüche der Gesellschaftan uns als Eltern immer weiter wachsenund unsere eigenen an uns auch. (s. S. 49)Moderne „Übereilung“ –alles veloziferischZeitdruck und Zeitzwang sind die Zeichenunseres beschleunigten Lebenstempos, dasGoethe weitsichtig schon vor über 200 Jahrenmit einer genialen Wortschöpfung als„veloziferisch“ perfekt beschrieben hat – zusammengesetztaus velocitas, die Eile (lat.)und Luzifer, des Teufels! Mit der Entwicklungwirtschaftlicher Dampfmaschinen abder zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts undder Französischen Revolution hatte sich dasDasein ruckartig geändert und auf bis dahinunbekannte Weise beschleunigt – und es beschleunigtsich noch immer weiter. „Reichtumund Schnelligkeit ist, was die Weltbewundert und wonach jeder strebt; Eisenbahnen,Schnellposten, Dampfschiffeund alle möglichen Fazilitäten der Kommunikationsind es, worauf die gebildeteWelt ausgeht, sich zu überbieten, zu überbilden…“ Herrlich treffend diese Erkenntnisdes Dichters, heute noch! – wenn mandie Dampfschiffe z. B. durch Flugzeuge ersetzt.Familien sind die Hauptleidtragenden unddie Getriebenen unserer veloziferischen Zeit!Neun von zehn Eltern wünschen sich zuallererstmehr Zeit – noch vor mehr Geld undbesserer Kinderbetreuung (Ravensburger ElternSurvey). Eltern mit kleinen Kindern klagenam meisten über Zeitnöte. Es gehtihnen vor allem um mehr gemeinsameZeit für die ganze Familie. Gerade sie aberist das Nadelöhr für das Familienlebenheute. Und doch ist diese gemeinsame ZeitIllustration: Thomas Fahr44


Gemeinsame Zeit als ErfolgskonzeptFrage: „Könnten Sie mir bitte sagen, was auf Sie und Ihre Familie zutrifft?*) Eltern mit Kindern unter 16 Jahrendas Erfolgsrezept für Familie, sie schafft dieemotionale Basis. (s. nebenstehende Grafik).Unsere Familie hält gut zusammen.74%97%Mehr als 40 Prozent der Eltern geben an, dasssie unter Zeitdruck leiden. 63 Prozent derVäter und 37 Prozent der Mütter mit minderjährigenKindern haben nach eigenen Angabenzu wenig Zeit für ihren Nachwuchs.Unter den alleinerziehenden Müttern sind es47 Prozent. Und dass dies keine Einbildungist, beweist eine Befragung von sechs- biselfjährigen Kindern von World Vision. Sieergab aus Kindersicht – fast identisch – dasszwei Drittel der Väter und ein Drittel derMütter zu wenig Zeit haben.Zeitstau in der Mitte des LebensZu wenig Zeit? Obwohl wir doch an Lebensjahrenund -stunden reicher sind als alle Generationenvor uns. Keine konnte so vielFreizeit und eine so lange Lebensspanne genießenwie die gegenwärtige.Schon der siebte Familienbericht brachte esauf den Punkt: Nicht generell fehlt unsZeit, sondern vor allem in der Rushhourdes Lebens! Damit ist das Alter zwischen 27und 35 bis 40 Jahren gemeint – genau dieLebensspanne, in der junge Menschen nacheiner zunehmend längeren und immer anspruchsvollerenAusbildung beruflich Fußfassen und in den ersten Berufsjahren ganzbesonders den Anforderungen des Arbeitsmarktesentsprechen müssen. Es sind aberauch genau die Lebensjahre, in die zumindestfür Frauen die Familiengründung mit ihrenso gänzlich anders gearteten Zeitbedürfnissenfallen muss.In unserer Familie gibt es vielWärme und Geborgenheit.Kinder und Eltern verstehensich sehr gut.Wir sprechen sehr viel miteinander,tauschen uns oft aus.Es wird viel gemeinsamunternommen.Kontakte zu Familienangehörigen,die nicht im Haushalt wohnen.Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 5256, März 2009Berufstätige Vätervon Kindern unter 18 Jahren35%länger5%0 10 20„Wir nehmen uns viel Zeit füreinander.“Ideale Wochenarbeitszeit wäre –60%kürzerÜbrige ElternBerufstätige Müttervon Kindern unter 18 JahrenkürzerBasis: Bundesrepublik Deutschland; berufstätige Eltern von Kindern unter 18 Jahren, die konkrete Angaben machen.Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 10036, April 200955%53%53%62%63%82%90%89%88%92%30 40 50 60 70 80 90 100längergleichlanggleichlang20%39%41%POLITIK + GESELLSCHAFTDieses zeitliche Zusammentreffen vonzwei lebensentscheidenden Ansprüchenwird noch härter werden, so lange für diemeisten Menschen Ausbildungsabschlussund berufliche Etablierung eine – nicht zuletztauch wirtschaftliche – Voraussetzung fürdie Familiengründung bleiben. Noch fälltUnternehmen und Politik wenig dazu ein,wie sich diese knallharte Konkurrenz von Familien-und Arbeitszeit, ausgerechnet in derZeit der jungen Familie, entschärfen ließe,ohne einen Verlust für späteres Fortkommen.Das Elterngeld schafft zwar im ersten Lebensjahreines Kindes für Vater oderMutter eine Jobpause, animiert aber offenbarMütter – wie von der Wirtschaftgewünscht – ihre Erwerbstätigkeit imzweiten Lebensjahr deutlich früher undumfangreicher als in der Vergangenheitwieder aufzunehmen (s. S. 11). Obwohl sieüber drei Jahre eine gewisse Arbeitsplatzsicherheithätten, endet der Schonraum fürviele Familien mit einem kleinen Kind nach12 bzw. 14 Monaten. Vor allem Mütter ausFamilien mit niedrigem Haushaltseinkommengehen deutlich früher zurück in den Erwerbsberufals zur Zeit des Erziehungsgeldes,das – zur Erinnerung – bei geringen Haushaltseinkommenzwei Jahre lang in Höhevon monatlich 300 Euro gezahlt und nichtauf das Arbeitslosengeld II angerechnetwurde. Gut die Hälfte dieser Mütter arbeitetsofort wieder 30 oder mehr Stunden in derWoche. Zwischen dem zweiten und drittenLebensjahr des Kindes steigt die Erwerbstätigenquotevon Müttern auf über 50 Prozent.wirbelwind 2 - 2012Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite45


ZeitfragenDa stimmt doch etwas nicht mit der Verteilung der Zeit ...POLITIK + GESELLSCHAFTIllustration: Thomas Fahr... In bestimmten Lebenslagen und -phasen fehlt sie,in anderen gibt es sie als Freizeit oder Ruhestand oft reichlich. Apropos Verteilung: Rechnerisch macht selbsteine Vollerwerbsarbeit über 40 Jahre nur rund 10 Prozent unserer Lebenszeit aus!wirbelwind 2 - 2012Zeitreserven umverteilen„Zeitumverteilung“ nennt der achte Familienberichteines von vier Handlungsfeldernkünftiger Familienzeitpolitik. Denn Zeit isthöchst ungleich verteilt – zu knapp für Elternim Alltag der mittleren Lebensjahre, währendÄltere, Kinderlose und Ruheständler oft überZeitreserven verfügen. Wir brauchen einenach Lebensphasen und Lebenslagen sinnvollereOrganisation der Zeitressourcen inder Gesellschaft.Denn „wir nutzen die längere Lebenserwartungvöllig falsch. Die Lebensarbeitszeit verkürztsich und die Arbeitsintensität erhöhtsich drastisch. Wir sollten die Arbeit durchdie gewonnenen Lebensjahre entspannenund uns Auszeiten nehmen. Stattdessen verschließenwir vor dem Problem der alterndenGesellschaft die Augen und überlastendie Familien.“( Hans Bertram, Humboldt-Universität zu Berlin)Innerhalb der Familien findet eine Umverteilungvon Zeit schon statt. Viele Betreuungsproblemewerden – anders als dieÖffentlichkeit meint – nach wie vor gestütztauf die weitere Familie gelöst, selbstdann, wenn diese nicht in unmittelbarerNähe wohnt. Etwa die Hälfte aller Kinderwird in den ersten drei Lebensjahren vonGroßeltern mitbetreut, sind beide Eltern erwerbstätig,dann noch häufiger. Vielfach wirddie Betreuung in der Kita mit der Betreuungdurch Großeltern kombiniert. Sie üben diePufferfunktion aus, überbrücken Zeitlücken,wenn der Kindergarten früher schließt, dieEltern aber später nach Hause kommen,wenn Wochenendarbeit oder Dienstreisenetc. angesagt sind, und sie haben Feuerwehrfunktion,z. B. wenn Kinder erkranken. Elternpaare,die auf breite Netzwerke zurückgreifenkönnen, ganz besonders aufGroßeltern, sind deutlich zufriedener mit dereigenen Gesundheit, mit ihrer Schlafzeit undihrer Freizeit.Deutlicher Anstieg derArbeitszeit von PaarenNatürlich basieren die Zeitzwänge bei jungenFamilien nicht zuletzt auf den verändertenGeschlechterrollen. Erwerbstätigkeitspielt heute für die meisten der jungenFrauen eine gewichtige Rolle in ihrer Lebensplanung,auch jenseits wirtschaftlicherNotwendigkeit.Und das ist bei einer so viel längeren Lebenserwartung,in der die Fürsorgezeit für Kindereinen wesentlich kürzeren zeitlichen Anteilhat, auch nur natürlich. Vor zwei, drei Generationendominierte die Fürsorge für die Kindereinen Großteil des Lebens von Frauen.Heute ist auch bei mehreren Kindern dieHälfte des Lebens frei von dieser Fürsorge.So sind Mütter – auch bei noch kleinenKindern – immer häufiger und immer längererwerbstätig. Die Arbeitszeiten derVäter aber haben sich über viele Jahrenicht verändert, in der Regel auch dannnicht, wenn Mütter Vollzeit arbeiten.Dennoch sind Väter heute stärker eingebundenin das Familienleben und auch in die Familienarbeit.Das entlastet Mütter aber – wieStudien zeigen – nicht von ihren familiärenVerpflichtungen. Denn die jungen Paare mitkleinen Kindern setzen auf gemeinsame Aktivitäteninnerhalb ihrer Familie. Immermehr Väter üben damit auch den Spagatzwischen Beruf und Familie!Für einen großen Teil der Familien addierensich die Arbeitszeiten von Vater undMutter erheblich – vor allem in den neuenBundesländern. Dort liegt die gemeinsamewöchentliche Arbeitszeit bei über der Hälfte46


der Eltern mit minderjährigen Kindern zwischen70 und 80 Stunden, weil beide in Vollzeiterwerbstätig sind. In den westlichenBundesländern sind das nur 20,3 Prozent.Die Mehrheit der westdeutschen Familiensetzt auf das so genannte sequentielle Modell,bei dem Mütter zu Gunsten der Fürsorge fürdie Kinder zunächst ihre Erwerbsarbeit verringern,zumal bei mehreren Kindern, undspäter Stück für Stück wieder in den Berufeinsteigen – meist unter Einbußen im beruflichenAufstieg.Bis in die sechziger Jahre bedeutete Vollzeitarbeitnoch 48 Stunden, an sechs Tagen derWoche arbeiten. Aber in der Regel nur fürden Vater! Heute liegt die durchschnittlicheWochenarbeitszeit in Deutschland de factobei nur noch 41 Stunden (so eine EU-Studie),aber eben nicht selten für beide Eltern.Der Einzelne arbeitet zwar weniger. Aberdie addierte Arbeitszeit von Paaren hatsich seit den fünfziger Jahren statistischvon 48 auf 72 Stunden erhöht. Selbstbeim Mehrheitsmodell – Vater Vollzeit,Mutter Teilzeit – addiert sich die Zeit, diebeide zusammen für Erwerbsarbeit aufbringen,auf deutlich mehr als damals –längere Wege noch nicht eingerechnet.Zeit, die in der Familie eben fehlt!Daran ändert auch eine noch bessere Zeitorganisationnicht viel. Zeitkompetenz nenntder Familienbericht als weiteres Handlungsfeld,„dass Familien ihre Zeitressourcenoptimal nutzen. Aber die meisten Familiensind ohnehin schon Meister darin.Der fremdbestimmte ZeittaktKlar also, was den Zeitdruck schafft, unddass Wirtschaft und Arbeitsmarkt den Zeittaktfür die Familie vorgeben. Das bekommtihr nicht wirklich gut. „Stattdessen müsstedie Familie den Takt im Alltag angeben.Denn ohne eine auch privat organisierteFürsorge für andere kann eine Gesellschaftnicht bestehen“, meint der Leiter dervormaligen Forschungsstelle Zeitpolitik an derUniversität Hamburg Prof. Mückenbergerund bedauert: „Die Flexibilisierung der Berufsweltfolgt heutzutage aber meist einerstreng betriebswirtschaftlichen Logik“ – undeben nicht den Zeitbedürfnissen der Familie.Es ist anzunehmen, dass sich das auch nichtwesentlich ändern wird. Zwar sieht der Familienberichtein drittes Handlungsfeld inmehr Zeitsouveränität für Familien mitKindern. Allerdings betonen die Expertendes Familienberichts, eine Erhöhung derZeitsouveränität dürfe betriebliche Notwendigkeitenbei der Gestaltung der Arbeitszeitennicht außer Acht lassen. Sie forderndeshalb sogar, die 3-jährige Elternzeit zu verkürzen(s. S. 11) „Eine Zeitverwendung inWas Eltern sich von denBetrieben wünschenEine rundum flexible, den Bedürfnissender eigenen Familie angepassteArbeitszeit, Auszeiten eingeschlossen,das ist es, was Familien sich zwischenBeruf und Familie wünschen – ebenZeit dann, wenn die Familie sie braucht.Aber das entzieht sich dummerweiseder klugen Einteilung des Terminkalendersund bleibt immer ein wenig unkalkulierbar.Gut ein Viertel der Vollzeit beschäftigtenVäter und zwei Drittel der Vollzeitbeschäftigten Mütter unter 45 Jahrenwünschen sich kürzer zu arbeiten.Dass sie jedoch meist nur die Wahl zwischenhalben oder ganzen Tagen haben,trifft nicht den Wunsch der Eltern.Zwar ist die Hälfte der Mütter in Teilzeitbeschäftigt, aber rund 30 Prozent vonihnen würden gerne etwas mehr arbeiten,sehr viele in großer Teilzeit zwischen30 und 35 Stunden die Woche.Außerdem würden zwei Drittel der jungenEltern lieber zuweilen länger undan einem anderen Tag gar nicht arbeiten,statt täglich eine konstante Arbeitszeitzu haben.POLITIK + GESELLSCHAFT9%0 10 2019%30%Lesen Sie weiter auf der nächsten SeiteFrage: „Was sind die Gründe dafür, dass Sie oft nicht genug Zeit für ihreFamilie haben? Könnten Sie es mir nach dieser Liste sagen?“Ich muss viel arbeiten, bin beruflichstark gefordert.Meine Arbeitszeiten sind ungünstig.Ich bin beruflich viel unterwegs.Ich brauche viel Zeit für denWeg zur Arbeit.Väter mit Kindern unter 18 JahrenMütter mit Kindern unter 18 Jahren39%40%35%71%89%30 40 50 60 70 80 90 100Basis: Personen, die nicht genug Zeit für ihre Familie haben.Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 10032, April 2009Fragt man diese Eltern unter 45, waseinen familienfreundlichen Betrieb ausmacht,dann nennen 90 Prozent flexibleArbeitszeiten wie Gleitzeit, Arbeitszeitkontenund Ähnliches – undzwar nach ihren Wünschen, nicht jenendes Betriebes. Fast drei Viertel der erwerbstätigenEltern wünschen sichSonderurlaub, wenn Kinder krank sind,und fast zwei Drittel Erleichterungenbeim Wiedereinstieg nach der Elternzeit.DieMöglichkeit, zu Hause zu arbeiten,mehr Teilzeitplätze, kurzfristigeUnterstützung bei familiären Notlagen– auch das sind Maßnahmen, diesich erwerbstätige Eltern zur besserenVereinbarkeit von Beruf und Familiesehr häufig wünschen.wirbelwind 2 - 201247


ZeitfragenPOLITIK + GESELLSCHAFTwirbelwind 2 - 2012Form bezahlter Erwerbsarbeit stellt letztlichdie wesentliche Grundlage materiellen Wohlstandsdar. Deshalb sollte bei der Ausgestaltungeiner Familienzeitpolitik stets im Augebehalten werden, dass sie nicht zu einemZielkonflikt mit der Sicherung des materiellenWohlstands führt“, warnt einer der Experten(Hans-Peter Klös, IW. Köln).An dieser Stelle sei eine Abschweifung erlaubt:Acht wissenschaftliche Experten habenden achten Familienbericht im Auftragdes Bundesfamilienministeriums erstellt –der bereits erwähnte Vertreter des Institutsder Deutschen Wirtschaft (IW), eine Expertinfür allgemeine Betriebswirtschaft, ein Arbeitsmarktforscher,ein Marketingexperte, einExperte für Arbeitsrecht und das Recht dersozialen Sicherung, ein Soziologe aus der Bevölkerungsforschungsowie ein Gerontologe(Altersforscher) und eine Expertin für Frühpädagogik.Allein schon diese Zusammensetzungder Wissenschaftler legt nahe, dass derBericht die Zeitzwänge von Eltern zwischenFamilie und Erwerbsarbeit eher aus demBlickwinkel von Wirtschaft und Arbeitsmarktals aus dem der Väter, Mütter und vorallem der Kinder betrachtet!Die „runde“ Zeit der KinderWir aber wollen die Zeitproblematik jetzt ausder Sicht der Kinder betrachten: Was Zeitwirklich ist, wissen wir nicht. Seit Jahrhundertenist es der Wissenschaft nicht gelungen,ihr endgültig auf die Spur zu kommen. Bildetsie sich nur in unseren Gedanken und Gefühlenoder gibt es sie tatsächlich? Eines istnur sicher: es gibt ein Vorher, ein Jetzt undein Nachher. Das ist eine der frühesten Erkenntnissezum Thema Zeit – sie rinntimmer weiter, unwiederbringlich – „allesfließt“ (Heraklit, griechischer Philosoph um520 bis 460 v. Chr.). Man kann nicht zweimalin den gleichen Fluss steigen. So empfindenwir Erwachsenen die Zeit linear,immer schneller, uns davon laufend zwischenLebensanfang und Lebensende, wie sehr wirauch versuchen, sie mit unseren Uhren undTimern einzuteilen und einzufangen.Kinder, zumal kleine, erleben Zeit ganzanders. Ihre Vorstellungen von vorher undnachher, von schnell und langsam, von gestern,heute und morgen bilden sich erst allmählichaus. Säuglinge und Kleinkinder„verbrauchen die Zeit so wie die Luft zumAtmen“ – unbewusst! Und kleine Kinder erlebenZeit eher als Kreis oder Spirale – alssich wiederholende Wechsel von Tag undNacht, von Aufstehen und Frühstück, vonin den Kindergarten gehen und abgeholtwerden, Abendbrot essen, vorlesen und einschlafen.Zeitkreise, wie sie die Natur selbst mitSonnenaufgang und Sonnenuntergang,mit den Jahreszeiten etc. vorgibt, tröstlicheund beruhigende Wiederkehr. Daläuft noch nichts davon! Kinder brauchendiese Regelmäßigkeit und Wiederholungenund leben noch lange „in einer anderen subjektivenZeit als der Erwachsene“. Die Erwachsenenmüssen sich auf ihre Zeitrhythmen,auf ihr langsameres Lebenstempo einlassen,„um sie zu erreichen!“ Dazu jedochbrauchen auch sie ausreichend Zeit.Die Zeitproblematikaus der Sicht der KinderJe mehr sich aber der Alltag für die Eltern indie Erwerbsarbeit und für die Kinder in Betreuungsinstitutionenverlagert, umso mehrunterliegen schon die kleinen und kleinstenKinder einem fremd bestimmten Zeittakt.Die ungerechtfertigteDominanz der Erwerbsarbeit:Sie bringt Eltern in dieZwickmühle zwischenFamilie und Beruf.Es beginnt gleich am frühen Morgen, die Elternsind genervt über das langsame Anziehtempoihrer Sprösslinge, schließlich müssensie zur Arbeit. Ungeduldig wird der Mantelzugeknöpft, werden die Schuhe zugebunden.Doch unter Druck kann ein Kind nicht lernen,seine Aufgaben selbst zu lösen, aberauch nicht den Stolz erfahren, wenn es geklappthat. Auf dem Weg zur Kita heißt eszügig der Mama oder dem Papa folgen, nochso Interessantes am Wegesrand muss unbetrachtetbleiben – zum Träumen keine Zeit.In der Kita und erst recht in der Schule gibt esProgramm. Zeit ist eingeteilt in Mahlzeiten,Ruhezeiten, Spiel- und Lernzeiten. EigenesTun wird unterbrochen oder abgebrochen.Kinder aber brauchen Zeit zum ungestörtenfreien Spielen, auch zum Trödeln odernur, um sich in irgendetwas hinein zu fantasieren,die Muster des Teppichs etwa.„Wenn wir den Kindern ihre Eigenzeit nehmenund das freie Spiel immer weiter einengen,gefährden wir ihre gesunde Entwicklung.“Ein minutiös durchgeplanter, ofthektischer Alltag ist das Gegenteil von zeitlichemSpielraum für Kinder, ebenso sind esaber auch ehrgeizige Förderung und zu vielgut gemeinte Events und Attraktionen.Und – Kinder brauchen Zeit mit ihren eigenenEltern! Gemeinsame Familienzeitmit Vorlesen, Spielen und Gesprächen.Auch Zeit, in der die Eltern an ihren Erleb-Illustration: Thomas Fahr48


Diskutieren Sie über dieses Thema mit im:nissen zum Beispiel in der Kita beim Bastelnoder bei der Projektwoche in der Schule teilnehmen.Und nicht zuletzt die Zeit desselbstverständlichen, beiläufigen Zusammenseinsim Alltag, die den Familienimmer mehr verloren geht.Müde von Job, Schule oder Kita abendsnoch eine Stunde so genannte Qualitätszeitgemeinsam zu verbringen, ersetzt dasnicht. Was für ein Wort überhaupt? Qualitätszeit– es betont regelrecht die Knappheitder Zeit, die unbedingt sinnvoll miteinanderverbracht werden muss und damit schon wiederalle unter Druck setzt.FAZIT: Im Ergebnis begleitet viele Kindervon klein auf Stress, vernachlässigen Elternim Spannungsfeld zwischen Erwerbsarbeitund Familie die eigenen Bedürfnisse und esknirscht in den Beziehungen, oft bis zumZerbrechen – zuletzt dann Schuldgefühle,wenn der Alltag misslingt.Die bedrohliche Dominanzder Erwerbsarbeit„In diesem Jahr beschäftigen wir uns vorallem damit, wie wir Zeitbrücken für Familienbauen und Zeitkonflikte für Elternvermeiden können“, sagte BundesfamilienministerinKristina Schröder AnfangFebruar 2012. Die sicher notwendigenVerbesserungen im vierten HandlungsfeldZeitsynchronisation – d.h. die verschiedenenZeitstrukturen von Schulen, Kitas, Vereinen,Öffnungszeiten der Ämter, Ärzte etc.besser auf die Arbeitszeiten der Eltern abzustimmen– reichen da nicht aus. Schrödermuss Geld beim Finanzminister loseisenund Gesetze veranlassen, die nicht nur dieEffizienzwünsche und den Arbeitskräftebedarfder Wirtschaft bedienen (s. nächste Seite).Es gilt, die Zeitzwänge von Familienan der Wurzel zu packen, nämlich beider bedrohlichen Dominanz der Erwerbsarbeit.Sie muss auf ein familienverträglichesMaß zurückgeführt werden.Quelle: Zitate zum Thema Zeit und Kinderu.a., Frühe Kindheit 5/10.Nein – aber hier und da ließe sich etwasDruck aus der Zeit nehmen. Heutesind die Ansprüche an die Erziehungder Kinder deutlich höher als vor dreioder vier Jahrzehnten. Die Gesellschafterwartet, dass sie die bestmöglicheFörderung ihrer Fähigkeiten erhalten.Für Eltern ist das wesentlich kostenundzeitintensiver als noch vor einerGeneration. Und da schon sitzen Väterund Mütter in der Falle: Wenn sie sichdie Kosten dank entsprechender Erwerbstätigkeitleisten können, dannfehlt es ihnen in der Regel an Zeit und,wenn sie weniger erwerbstätig sind,um mehr Zeit zu haben, dann an Geld.Nicht von der Hand zu weisen ist aberauch, dass mancher Zeitdruck und auchmancher Druck für die Kinder durch zuvieldes Guten entsteht. Hirnforscherund Psychologen konstatieren allenthalbenschon eine gewisse Förderhysterie.Wenn du mit deinem Säuglingkeinen Schwimmkurs gemacht hast,lebt er später ganz sicher von Hartz IV– so etwa werde es Eltern immer mehrsuggeriert, formuliert überspitzt einHirnforscher. Fast jedes dritte Kind sollbereits im Vorschulalter besonders gefördertoder therapiert werden.Der bekannte Kinderpsychiater MichaelWinterhoff meint, dass viele Eltern imDauerstress ihre intuitive Art zu erziehenverloren haben: „Die kommennicht mehr raus aus dem Hamsterradund ziehen die Kinder in ihren überdrehtenLebensstil hinein!“www.jako-o.de/zeitzwaenge... selbst Schuld an den Zeitzwängen?ForumWeniger Erwartung, weniger Förderung,weniger Musts, dafür mehr KindKind sein lassen, das – darin sind sichinzwischen Hirnforscher und Psychologeneinig – würde den Kindern mehrbringen und die Eltern entlasten. WenigerAngst, den Ansprüchen und Erwartungennicht zu genügen, Verzicht aufPerfektion und die Vorstellung, manmüsse alles im Griff haben, das könntemanchen Zeitdruck mildern. PerfekteMutter, perfekte Hausfrau, perfekte Partnerin,perfekte Arbeitnehmerin unddabei immer heiter und gut aussehend– das ist ein modernes Folterprogrammfür Frauen.Und es gibt noch einen Aspekt zumThema Zeitnot, den wir beeinflussenkönnen. Er hat etwas damit zu tun, waswir überhaupt unter Zeithaben verstehen.Eine französische Soziologin interviewtezu dieser Frage 150 Frauen,die alle erwerbstätig waren, mindestensein Kind, meistens aber mehrereversorgten. Die Antworten hingenstark vom Bildungsgrad der Mütter ab.Für Frauen mit einfachem und mittleremSchulabschluss bedeutet Zeithabenin erster Linie, sich mit den Kindernein paar schöne Stunden zu machen.Berufstätigkeit erscheint ihnenals eine lästige Pflicht des Geldeswegen, die sie davon abhält, Zeit mitihren Kindern zu verbringen. Frauenmit Hochschulausbildung hingegendenken anders. So sehr auch sie dasZusammensein mit den Kindern wünschen,bedeutet ihnen Zeithaben eherfreie Zeit für sich allein oder mit demPartner – Fitnessstudio, ins Kino gehen,Essen gehen etc.Wenn aber zwischen Beruf und Familiedie Zeit dafür in der Regel nicht wirklichreicht, dann könnte man vielleichteinen kleinen Perspektivwechsel durchführenund die Stunden mit den Kindernzum Vergnügen erheben, schonwäre man ein bisschen weniger Opferseines Zeitmangels. ●POLITIK + GESELLSCHAFTwirbelwind 2 - 201249


ZeitfragenPOLITIK + GESELLSCHAFTwirbelwind 2 - 201250Die Mehrheit der Eltern/Mütter möchte zu Gunsten vor allem ihrer kleinenKinder im Anschluss an die Elterngeldzeit ihre Erwerbstätigkeit einschränkenoder eine Auszeit nehmen. Das aber bedeutet auch weniger Geld für dieFamilien – und zwar gerade dann, wenn mehr benötigt wird. Und zugleichbedeutet es berufliche Unsicherheit! Entlasten könnten z. B. folgende ...Zeit- und Finanzbrücken■ Ausbau des Elterngelds durch ein Teilelterngeld:Wer Elterngeld bezieht, aber50 Prozent oder mehr seiner Arbeitszeitweiter arbeitet, verbraucht nur noch einenhalben Anspruchsmonat und verlängertdamit die Monate, für die er sein individuellesElterngeld beziehen kann(nicht zu verwechseln mit der schon bestehendenMöglichkeit, das Elterngeldauf zwei Jahre zu strecken. Dabei gibt esnur den halben individuellen Satz proMonat).Das Teilelterngeld könnte den zeitlichen/finanziellenDruck bis zum Endedes zweiten Lebensjahres eines Kindesmindern. Es war in der letzten Legislaturperiodeschon quasi zugesagt, Anfang2010 aber vom Finanzministeriumgestoppt worden, ebenso wie zwei weitereVätermonate!■ Ein Familienzeitkredit: Ein Familienzeitkreditist ein zinsgünstiges Darlehen, fürdas der Bund bürgt, nach dem Vorbilddes schon existierenden Bildungskredits.Ein solcher Kredit kann für Familiendie finanzielle Brücke sein, wenndie familiäre Situation einfach mehr Zeiterfordert und deshalb die Arbeitszeitverringert oder sogar eine Jobpause eingelegtwerden muss. Auch der Familienzeitkreditwar schon in der letztenLegislaturperiode im Gespräch.■ Teilzeit mit „Rückfahrtticket“: Nach demTeilzeit- und Befristungsgesetz habenArbeitnehmer in Betrieben mit mindestens15 Arbeitnehmern zwar das Recht,ihre Arbeitszeit zu reduzieren, wenndem nicht nachgewiesene betrieblicheGründe entgegenstehen, aber sie habennicht das Recht, in ihre vorherige Arbeitszeitzurückzukehren! Wenn Eltern gesetzlichberechtigt wären, ihre Arbeitszeitnur vorübergehend zu reduzieren,könnten sie unbefangener weniger arbeiten.■ Einführung einer Familienbetreuungszeitnach dem Vorbild der Familienpflegezeit,aber mit Rechtsanspruch:Sie würde Eltern erlauben, über zweiJahre die Arbeitszeit flexibel zu reduzieren.Dabei wird das Arbeitsentgelt nichtkomplett auf die neue Arbeitszeit abgesenkt,sondern aufgestockt. Später,wenn sie in ihre volle Arbeitszeit zurückkehren,wird der Aufstockungsbetrag zurückgezahlt.Bei der Deutschen Telekomsoll das so eingeführt werden – nichtnur um Zeit für die Familie, sondernauch für Bildung oder soziales Engagementzu gewinnen.■ Ein „Job-Kind-Modell“, das die Präsenzvon Mutter und Vater sichern will: WeilKinder ein Recht auf Vater und Mutterhaben, Väter ein Recht auf das Kind undMütter ein Recht auf ihren Beruf. Im Anschlussan das Elterngeld könnten Vaterund Mutter nach diesem Modell beide,bis das Kind drei wird, ihre Erwerbstätigkeitauf 60 Prozent reduzieren, aberFremdbestimmt:Den Zeittakt des Familienalltagsgibt die Erwerbswirtschaft vor.Illustration: Thomas Fahr80 Prozent ihres bisherigen Einkommensbeziehen. Die zusätzlichen 20 Prozentwürden vom Staat getragen. (ErichBruckberger, österreichischer Familienforscherin „Die neuen Eltern“, 2011)■ Firmenindividuelle Familienteilzeit: Arbeitgeberkönnen eigene Modelle zurzeitlichen Entlastung von Familien entwickeln.Bei der Firma B. Braun, Melsungenz. B. haben Mütter und Väter dieMöglichkeit, der Kindererziehung wegenfür fünf Jahre und der Pflege von Angehörigenwegen für drei Jahre in Teilzeitzu arbeiten. Dabei wird ihre Arbeitszeitmit einem Zuschlag von 15 Prozent beimersten Kind (und bei Pflege) und von 25Prozent ab dem zweiten Kind vergütet.Diese Familienteilzeit ist in einer Betriebsvereinbarungverankert.■ Mehr Zeitwertkonten: Ein Zeitwertkontoist ein in Geldwert geführtes Konto, aufdas Arbeitnehmer völlig flexibel Arbeitszeit-Guthabenz. B. aus Mehrarbeit oderauch Teile ihres Arbeitsentgelts vom Arbeitgebereinzahlen lassen. Mit den angespartenZeit-/Geldguthaben könnensie später phasenweise Arbeitszeit reduzierenoder sich für eine bestimmte Zeit,z. B. nach der Elternzeit, ganz freistellenlassen. Die sozialversicherungsrechtlichenRahmenbedingungen sind imSozialgesetzbuch IV festgeschrieben.Größere Unternehmen nutzen bereitsZeitwertkonten.


Christina Hauptmann,Kleinkind-Erziehung nach der Lehre Emmi Piklers„Lasst mir Zeit!“Respekt vor der Eigenständigkeit des KindesAngst, dass das Kind abrutschenkönnte? Eltern, die nach derLehre Emmi Piklers erziehen,haben in dieser SituationVertrauen. Denn Kinder,die sich selbstständig analtersgemäßem Bewegungsmaterialerproben dürfen,kennen von ganz alleineihre Grenzen. Sie entwickelnsich unabhängigvon Hilfestellung undLob des Erwachsenen.verheiratet, drei Töchter. Die Germanistin arbeitetals Redakteurin und PR-Beraterin und kümmert sichum die regionale Öffentlichkeitsarbeit von JAKO-O.Als Autorin im wirbelwind schreibt sie über diebunte Welt von Babys und Kleinkindern.INFO:Emmi Pikler wurde 1902 in Wiengeboren und verstarb 1984 in Budapest.Als ungarische Kinderärztin ging sie neueWege in der Kleinkindpädagogik: Ein Kindmuss nicht zu Bewegungen und zum Spielangeregt werden, so ihre Erfahrung mitder eigenen Tochter. Pikler gründete 1946in Budapest das Lóczy-Institut, ein internationalanerkanntes Säuglings- undKleinkinderheim. Sie veröffentlichte vieleBücher, u.a. „Lasst`mir Zeit“, „FriedlicheBabys – zufriedene Mütter“ und„Miteinander vertraut werden“.Nach der Lehre Emmi Piklerswerden Babys und Kleinkindervoller Achtsamkeit und Geduldauf ihrem Entwicklungswegbegleitet. Da diese Philosophieimmer mehr Beachtungfindet, hat sich wirbelwind-Autorin Christina Hauptmanndie Thesen der ungarischenKinderärztin einmal aus derNähe angeschaut.BABY + KLEINKINDDiskutieren Sie über dieses Thema mit im:www.jako-o.de/kleinkinderziehungForumDas Baby liegt in seiner Wiege undschreit. Die Mutter läuft zu ihm undnimmt es auf den Arm. Nach und nach beruhigtsich das Baby und es wird wieder hingelegt.Schon wenige Minuten später schreites wieder. Wieder nimmt es die Mutter aufden Arm, wiegt es hin und her, läuft auf undab, singt, tanzt, bis es wieder aufhört zu weinen.– Ein Szenario, wie es bei jungen Elternhäufig vorkommt, oft auch am Abend vordem Einschlafen. So muss und sollte es abernicht ablaufen, wenn man sich nach denEntwicklungs- und Forschungstheorien vonEmmi Pikler richtet. Die ungarische Ärztin,die von 1902 bis 1984 lebte, vertratnicht die Meinung, Babys schreien zu lassen,aber sie fand es auch nicht gut, Babyseinfach sofort auf den Arm zu nehmen –damit kämen die Eltern in einen Kreislauf,der unendlich und für beide Seitensehr unbefriedigend sein kann. Das Babywirbelwind 2 - 201251


BABY + KLEINKINDwirbelwind 2 - 2012gewöhnt sich an das Herumtragen und Wiegen,das Weinen hat sich gut bewährt und esdrückt fortan alle Wünsche durch Weinenaus. „Es erweint sich alles“, so schreibt es dieKinderärztin in einem ihrer zahlreichen Ratgeber„Friedliche Babys – zufriedene Mütter“(neu aufgelegt 2009). Wie aber hätte Piklergehandelt?„Dem weinenden Säugling muss geholfenwerden. Wir müssen versuchen, die Ursachezu beseitigen, und das Kind wird sich in kurzerZeit beruhigen“, so schreibt sie es in ihremoben erwähnten Ratgeber. Ursachen könntensein: Hunger, unbequeme, zu stark oder zuwenig wärmende Kleidung, eine volle Windel,zu grelles Licht, zu viel Trubel und Unruhein der Familie. Um die Ursache zuerkennen, müssten die Eltern sorgend nachschauen,dem Baby gut zureden, sich an seinBettchen setzen, die Hand nehmen oder esstreicheln. „Die Besonderheiten des Babyszu erspüren, gehört zu den ersten Aufgabender Eltern“, schreibt Monika Aly inihrem kürzlich erschienenen Buch: „MeinBaby entdeckt sich und die Welt“ (VerlagKösel). Die Autorin und Vorsitzende der PiklerGesellschaft Berlin ist selbst langjährigeKindertherapeutin und überzeugt von denThesen der einstigen ungarischen Kinderärztin.Diese mögen zunächst ein wenig hartklingen, sind aber immer geprägt von großerAchtsamkeit und Fürsorge; Liebe ist bei Piklerdie Basis für alles. Mit dieser liebevollenUmsicht sollten Eltern die Gelassenheit erlangen,dass ihr Baby vieles von alleine, aussich selbst heraus, bewältigen kann.„Eines der wichtigsten und nicht einfach zuerreichenden Lernziele während der ersten Lebensmonatebesteht darin, dass der Säuglingdie Fähigkeit erlangt, selbstständig zur Ruhezu finden“, sagt Monika Aly. Das Baby suchenach Mitteln und Wegen, die innere Balanceohne fremde Hilfe wiederzufinden. „In demMaße, wie sich das kleine Kind diese Fähigkeitaneignet, gewinnt es Autonomie und Selbstvertrauen“,so die Buchautorin weiter.Was laut Emmi Pikler nicht heißen soll, dasBaby gar nicht hochzunehmen. „Lässt es sichnicht beruhigen, warten Sie ab, sprechen Siewieder mit ihm und nehmen es dann ruhigund weiterhin beruhigend sprechend auf denArm“, erklärt Aly. Wichtig sei dann aber,das Baby nicht herumzutragen, zu schaukelnoder ihm Spielzeuge vorzuführen,„das lenkt das Kind von den wirklichenGründen seines Unwohlseins ab“, beschreibtMonika Aly.Emmi Pikler verband ihre praktische Arbeitals Leiterin des Budapester Säuglingsheims„Lóczy“ mit wissenschaftlichen Forschungenzur körperlichen und geistigen Entwicklungder Kinder. Im Zusammenspiel von Theorieund Praxis konnte sie gemeinsam mit ihrenMitarbeiterinnen Prinzipien entwickeln, dieKindern dabei helfen, emotional gesund heranzuwachsen.„Dazu gehört in erster Linie,der Respekt der Erwachsenen vor den Eigenaktivitätendes Kindes“, so schreibt MonikaAly in ihrem Buch. Wieder geht es also umdie jedem Kind gegebene Kraft, aus sichWichtige Zeit zu zweit:In ruhiger Atmosphärekönnen sich Kinder aktivbeim Anziehen und Wickelnbeteiligen, sie erlebendabei die volle Zuwendungder Eltern. Ein Wickeltischmit Seitengittern ist Voraussetzungfür eine uneingeschränkteBeweglichkeitdes Kindes, dadurch kannes sicher aktiv am Geschehenteilnehmen.selbst heraus etwas zu erlangen.Im oben beschriebenenFall war es das „Selbstzur Ruhe kommen können“,auch und vor allem betrifft esdie gesamte Entwicklungdes Kindes.Hier hat Emmi Pikler eineganz wesentliche Aussage getroffen:„Lasst mir Zeit“. Jedes Baby hat seineigenes Entwicklungstempo, das eine Babydreht sich schon mit fünf Monaten vom Rückenauf den Bauch und zurück, das anderevielleicht erst mit acht Monaten. „Wie einBaby etwas macht, also mit welcher Ruhe,Zufriedenheit und Qualität, ist viel wichtiger,als wann es etwas macht“, erklärt Anja Werner,zweite Vorsitzende der Pikler Gesellschaft.Eltern sollen niemals „Hand anlegen“, alsoKinder bewusst weiterbringen wollen, wie dasin vielen Kursen der Fall ist. Ein Kind, dasLaufen lernt, braucht keine Hand, das es vorzeitigfesthält, damit kommt nur der Gleichgewichtssinndes Kindes durcheinander.„Wenn es bereit ist, eigenständig zu laufen,dann wird es das auch tun – ganz ohne dieHilfe eines Erwachsenen“, so Werner, die alsPhysiotherapeutin viel Praxiswissen besitzt.Und ob es nun die anderen Meilensteine wieKrabbeln oder Sitzen betrifft – immer heißtdie Devise für die Eltern „abwarten – undnicht überfordern“.Fotos: Pikler-Gesellschaft Berlin52


Spiel und Spaß: Eine geschützte und anregendeSpielumgebung daheim in Sichtweiteder Eltern bietet Raum für Entdeckungen(Bild links).In einer Pikler-Gruppe haben Babys Gelegenheitzum freien Experimentieren, aberauch für Begegnungen zwischen Kindern.Das gilt auch für die Auswahl und Anzahl desSpielzeugs für Babys. Neu angebotene Gegenständewerden von Säuglingen nur fürkurze Zeit genutzt, überwiegend wählensie schon bekanntes Spielzeug. Monika Alyerklärt, was das bedeutet: „Das Kind verfeinertErprobtes gründlich und mutet sich neueHerausforderungen nur in kleinem Umfangzu“. Kinder brauchen ihrer Ansicht nach entwicklungsphysiologischgenaue, aber nurkleine Anregungen – „jedoch keinen Alltag,der aus Terminen wie Babyschwimmen, Babymassageoder Ähnlichem besteht.“ Das Zuvielan Angeboten sowie gut gemeintenInterventionen nehme den Kindern ihr wichtigstesKapital, sagt die Pikler-Vorsitzende: dieMöglichkeit, eigene Fähigkeiten und Lösungswegeselbst zu entdecken.wirbelwind-Redakteurin ChristinaHauptmann im Gespräch mitAnja Werner, zweite Vorsitzendeder Pikler-Gesellschaft Berlin:Eine der Kernthesen der Lehre von EmmiPikler ist die achtsame Pflege des Babys.Macht das nicht jede Mutter ganz automatisch?Anja Werner: Das ist richtig.Jede Mutter pflegt ihr Kind aufihre Weise liebevoll. Das Besonderean der Pflege nach Piklerist die Idee, das Kind vonAnfang an am Wickeln, Umziehenund Füttern auf seinem Niveau aktivteilhaben zu lassen, z. B. indem man schondas Neugeborene ständig mit Worten informiert,was gleich mit ihm geschehen wird,und ihm Zeit gibt, sich darauf einzustellen.Später erwartet man, dass das Kind Freudeam Mittun hat: dass es vielleicht seinen Armdurch den Ärmel schiebt oder sein Füßchenentgegenstreckt, wenn man es darum bittet.Das ist nur möglich, wenn die Kinder denAblauf der Pflege gut kennen und sie als genussvollerleben. Daher werden die Babysnicht mit Spielzeugen abgelenkt, man suchtvielmehr ihre Aufmerksamkeit und nutzt diegemeinsame Zeit für eine bereichernde Begegnung,die gerne auch etwas länger dauerndarf. Danach ist das Kind emotional gesättigtund kann sich wieder selbstständig in seinSpielen und Bewegen vertiefen.Können Eltern diese starke Konzentrationauf das Baby auch noch beim zweiten oderdritten Kind leisten?Anja Werner: Pikler geht ja davon aus, dassdie Kinder in einer sicheren und anregendenSpielumgebung eigenaktiv sind und sich geradedadurch harmonisch in ihrem Rhythmusentwickeln. Das heißt, dass die Eltern Zeit gewinnen,da sie ihr Kind nicht „bespielen“ und„beturnen“ müssen. So ist es möglich undwichtig, dass auch das zweite oder dritte Kinddie volle Aufmerksamkeit bei der Pflege undbeim Füttern erhält. In Krippen, die nachPikler arbeiten, werden beispielsweise die jungenKinder nacheinander in aller Ruhe gefüttert,während die anderen in einem durchTrenngitter abgegrenzten Bereich spielen. Dasschafft bereichernde „Eins-zu-Eins-Situationen“.Wie erklären Sie die Ansicht Piklers, dassTragetücher nicht gut fürs Baby seien?Anja Werner: Pikler hat sich nicht grundsätzlichgegen das Tragen ausgesprochen, wenn esphysiologisch geschieht. Physiologisch bedeutet,dass die Wirbelsäule des Babys erst danndazu reif ist, in eine aufrechte Position gebrachtzu werden, wenn sich das Kind selbstständigaufrichtet, in der Regel gegen Endedes ersten Lebensjahres. Pikler hat sich jedochenergisch gegen die in den 70er Jahren aufkommendeRichtung gewandt, das Kindmöglichst viel am Körper zu tragen, um dieBindung zu stärken. Bindung entsteht nachihrer Meinung nicht nur durch Körperkontakt,sondern auch durch viele andere Formender Begegnung: durch Blicke, Worte, durchdas feinfühlige Eingehen auf die Bedürfnissedes Kindes. In der Praxis sehen wir oft Kinder,die weinen, wenn man sie auf eine Spieldeckelegen möchte, da sie an ständigen Körperkontaktgewöhnt sind. Diese Kinder müssen erstwieder lernen, eigenaktiv zu sein und ihreSelbstwirksamkeit beim Spielen und Bewegenzu genießen. Auch ihr Schlaf-Wachrhythmusist oft unklar. Übrigens: Nach Pikler solltenBabys möglichst lange nur waagerecht aufdem Arm getragen werden.Relativ wenige Eltern kennen bislang dieThesen der einstigen ungarischen Ärztin.Warum gehen mehr Eltern mit ihrenSprösslingen ins Pekip als zu Pikler-Eltern-Kind-Gruppen?Anja Werner: Zum einen natürlich, weil bisherviel mehr Pekip-Gruppen als Pikler-Gruppenangeboten werden. Die Pikler-Pädagogikfindet zwar immer mehr Anhänger, die Zahlausgebildeter Pikler-Pädagoginnen ist abernoch recht begrenzt. Zum anderen fällt esnicht allen Eltern leicht, sich zurückzunehmen,die Aktivitäten ihres Kindes zu beobachtenund wertschätzend zu begleiten. Umdem Kind Zeit zu lassen, müssen die Elterninnere Ruhe und Vertrauen in die Entwicklungihres Kindes haben. Dieses Vertrauenkann durch eine Pikler-Gruppe gestärktwerden. ●Weitere Infos sowie eine DVD „Freude an derBewegung“ gibt es unter www.pikler.deBABY + KLEINKINDwirbelwind 2 - 201253


Lutz Steinbrück (39) arbeitet als freier Journalist und Online-Redakteur in Berlin fürPrint- und Onlinemedien. Seine Themenschwerpunkte sind Soziales, Bildung,Gesellschaft und Kultur. Er gehört zur Journalisten-Bürogemeinschaft Freistil Berlin.papaextraDie Seiten für Papaswirbelwind-Gespräch:Vaterrolle vorwärts ...PAPA-EXTRAHans (73, pensionierter Lehrer)und sein Sohn Arne (38, Arzt,zwei Töchter) trafen sich mitwirbelwind-Mitarbeiter LutzSteinbrück zum Gespräch überdas Vater-Sein in den Siebzigernund heute. Mit seiner Frau, einerÄrztin, hat Hans in den 1970erund 1980er Jahren in Bremendrei Söhne großgezogen. Arneist der Mittlere. Er lebt mit Frauund zwei Töchtern in Berlin.Hans und sein Sohn Arne beim Gespräch über Vater-Ideale, Kuschelpädagogik und Karriere.wirbelwind 2 - 2012wirbelwind: Hans, wie hast du deine Zeitals Familienvater in Erinnerung?Hans: Meine Frau und ich waren voll berufstätig.Wir teilten uns die Erziehung unsererSöhne, solange sie klein waren, mitHilfe einer Hausangestellten. Als Lehrer warich nachmittags oft zu Hause und konntemich mit den Jungen beschäftigen. Wirhaben viel mit Playmobil und Lego gespielt.Mir war das Konstruktive wichtig, meineFrau war mehr für das Künstlerische zuständig.Das Vorlesen war dann wieder meinPart. Ich erinnere mich, dass ich den Kinderwagenin der Öffentlichkeit lässig miteiner Hand geschoben habe. Sonst wäre ichmir zu „mütterlich“ vorgekommen.wirbelwind:Worauf hast du bei derErziehung deiner Söhne besonders geachtet?Hans: Ich habe versucht, die Jungs so anzunehmen,wie sie sind, und ihnen dabei Verständnisund Vertrauen, auch in ihre Fähigkeiten,entgegenzubringen. Außerdemwar mir wichtig, dass sie verstehen, warumich mich als Vater in konkreten Situationenauf eine bestimmte Weise verhalte. Mansollte den Kindern sein Handeln begründenkönnen und nicht bloß Anweisungen geben.Konsequenz ist ebenfalls wichtig, umglaubwürdig zu sein. Ein Vater sollte sichnicht heute so und morgen ganz anders verhalten.Allerdings darf daraus keine Prinzipienstarrewerden.wirbelwind: Hatte der antiautoritäreZeitgeist der Siebziger starken Einflussdarauf, wie du die Vaterrolle gelebt hast?Hans: In meinem privaten Umfeld und natürlichauch in der Schule haben wir unsmit reformpädagogischen Ansätzen vonA.S. Neill und seiner Summerhill-Schulebeschäftigt. Ideen wie die offene Erziehungund das selbstbestimmte Lernen habenmich beeinflusst. Es ging Neill ja darum, dasKind als Persönlichkeit anzuerkennen, esernst zu nehmen und ihm nicht einfach nurtraditionelle Werte aufzuzwingen. Aber daswar nicht allgemein anerkannt. Bei unserenNachbarn galten wir als „Linke“, weil unsereKinder uns duzten und sich nicht immer54


angepasst verhielten. Als einmal der Chefmeiner Frau zu Besuch war, fand er unsereSöhne viel zu wild, weil sie ständig um denTisch herumrannten. Ich habe mich undmeine Frau aber nie als antiautoritär empfunden,sondern wir haben eine Gratwanderungzwischen autoritärer Erziehung undLaissez-faire versucht.wirbelwind:Wie hast du Hansals Vater erlebt, Arne?Arne: Verständnisvoll und liebevoll. Ichhabe nie als problematisch empfunden, dasser und meine Mutter nicht immer einerMeinung waren. Ich glaube, dass es für Kindereher schwierig und entwicklungshemmendist, wenn sie automatisch einer Elternwandgegenüberstehen. Sie sollten eherdarin bestärkt werden, selbstbewusst ihre eigeneMeinung und Persönlichkeit zu entwickeln.Ich halte Kinder dazu in der Lage,„mehrsprachig“ aufzuwachsen und unterschiedlichesVerhalten der Eltern im jeweiligenKontext der Person und Situation zuverstehen, solange dies nicht zu Spannungenbei grundlegenden Fragen führt.wirbelwind: Ist also das Vorbild des eigenenVaters prägend für die Vaterrolle?Hans: Das würde ich nicht pauschal sagen.Ich glaube, es ist vor allem eine Typfrage.Mein Vater war auch liebevoll im Umgangmit uns, trotzdem habe ich ihn nie bewusstals Vorbild für mich als Vater gesehen. UndArnes Bruder erzieht seine Kinder ganz andersals Arne. Er stellt mehr Regeln für seineKinder auf. Darüber wird nicht diskutiert.„Die Zeit der Kuschelpädagogik ist vorbei“,sagt er mit Blick auf seine Kindheit. EinBeispiel: Seinem Sohn wurde mit zwei Jahrenvon heute auf morgen der Schnuller entzogen,weil es an der Zeit sei. Der Jungeweinte. Aber er hat sich schnell dran gewöhnt,auch ohne Schnuller einzuschlafen.Wir haben unsere Kinder langsamer entwöhnt:Arne hatte seinen Schnuller bis erfünf war. Den haben wir Silvester gemeinsammit einer Rakete in die Luft gejagt.halb ist mein Erziehungsstil aber nicht erziehungslos.Ich setze auch Grenzen, wennich es für sinnvoll halte. In der Schulzeitgeht es früher ins Bett als im Urlaub, nichtzuletzt, weil ich dann abends selber eher malerschöpfter bin.wirbelwind: Deine Töchter sind sechs undzehn Jahre alt. Hattest du viel Zeit für diebeiden, als sie jünger waren?Arne: Ich bin recht jung Vater geworden, als27-jähriger Student. Meine Frau war ebenfallsmitten im Studium. Uns war wichtig,uns gemeinsam ums Kind zu kümmern. Ichhabe zwei Semester pausiert und vom Erziehungsgeldgelebt. Um später für meine jüngereTochter mehr Zeit zu haben, habe ichmir nach dem Studium zunächst Zeit fürmeine Doktorarbeit genommen, bevor ichin den Beruf eingestiegen bin.PAPA-EXTRAwirbelwind: Hat dich dein Vaterin Hinblick auf das eigene Vater-Seinbeeinflusst?Hans in denSiebzigern mit seinendrei Söhnen.Arne: Bestimmt, wahrscheinlich gibt esmehr Übereinstimmungen als Unterschiedezwischen uns, nur dass man sich Dinge, dieman anders macht, vermutlich eher bewusstmacht. Bestimmte Verhaltensweisen, die ichals Vater an den Tag lege, habe ich sicherlichautomatisch von ihm übernommen undverinnerlicht. Wie er lege ich zum Beispielviel Wert auf einen liebevollen Umgang undEmpathie für die Kinder. Mir ist es wichtig,mich gegenüber meinen Töchtern transparentund authentisch zu verhalten und mitihnen zu diskutieren. Ich möchte sie zu tolerantenPersönlichkeiten erziehen.Arne: Eine meiner Töchter hatte ihrenSchnuller manchmal zum Einschlafen sogarbis sie sechs war. Das war kein Problem. Ichhalte wenig von übermäßiger Prinzipienreitereioder „erzwungenem Glück“. Wenn ichdie Bedürfnisse meiner Kinder verstehe,lasse ich auch eher mit mir handeln. Des-wirbelwind: Du arbeitest ganztags alsPsychiater. Wie sehr kannst du dich umdeine Töchter kümmern?Arne: Die Vollzeit-Stelle ist finanziell notwendig,weil meine Frau ihr Referendariatmacht, um Lehrerin zu werden. Ich übe mei-wirbelwind 2 - 2012Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite55


papaextraDie Seiten für PapasLiebe Väter. Schreiben Sie uns!Welche Themen wünschen Sie sichfür unsere Papa-Extra-Seiten?– Wir greifen Ihre Ideen gerne auf!Kontakt: redaktion@wirbelwind-magazin.dePAPA-EXTRAnen Beruf gerne aus, hätte aber auch gernemehr Zeit für meine Kinder. In der Wochekomme ich frühestens um 17.30 Uhr nachHause, da bleibt nicht viel gemeinsameZeit, bis die Kinder ins Bett gehen. Prinzipiellkann ich mir gut vorstellen, halbtagszu arbeiten, um mehr Zeit für meine Familiezu haben. Für meine berufliche Entwicklungwäre die Teilzeit allerdings ein Nachteil,nicht zuletzt weil sich auf der leitendenEbene in meinem beruflichen Umfeld das Verständnisdafür in Grenzen hält.Zeit für die Kinderder Kinder:Hans mit Enkeln.wirbelwind 2 - 2012wirbelwind: Was bedeutet es dir, als VaterZeit für deine Töchter zu haben?Arne: Ich genieße unser Zusammensein. Esbereichert mich und bedeutet eine Emotionalität,die ich nicht missen möchte. Es istfantastisch, die Kinder aufwachsen zu sehenund vom ersten Moment an diese intensive,selbstverständlichste Bindung zu erleben.wirbelwind: Laut Statistischem Bundesamtnehmen immer mehr Väter die Elternzeitin Anspruch und stellen ihre Karriere zurück.Seit der Einführung des Elterngeldes2007 ist ihre Zahl kontinuierlich gestiegen,im 2. Quartal 2010 lag die Quote bei 25,4Prozent. Wäre eine solche Entwicklung inden Siebzigern auch möglich gewesen?Hans: Als Vater zu Hause zu bleiben undsich um die Kinder zu kümmern, das wardamals noch nicht in den Köpfen. Hausmännerwaren die große Ausnahme. Unddie wenigen, die auf diese Weise ihre Kinderbetreuten, schrieben gleich ein Buch darüber.Fast allen anderen ging es in erster Liniedarum, voll zu arbeiten, um ihre Familienzu versorgen.wirbelwind: Ticken Väter heutewirklich anders?Arne: Paare legen größeren Wert darauf,ihre Kinder gemeinsam zu erziehen und zugleicheinen Beruf auszuüben. Vor allemdeshalb nutzen mehr Väter die Elternzeit.Sie wollen häufiger mehr Zeit mit den Kindernverbringen und stellen dafür zum Teilberufliche Ambitionen zurück. Das wird inunserer Generation akzeptiert und nicht als„unmännlich“ abgetan, wie es früher öfterder Fall war. Auf der anderen Seite strebenFrauen stärker nach beruflicher Verantwortung.Der Mann ist nicht mehr automatischder Hauptversorger.wirbelwind: Welche Rolle spielen das sozialeund das berufliche Umfeld für die Entscheidungvon Vätern, sich möglicherweise aufKosten ihrer Karriere stärker um ihre Kinderzu kümmern?Arne: Dass Väter heute mehr Zeit mit denKindern verbringen wollen, ist nach meinerErfahrung nicht bloß eine Bildungsfrage.Grundsätzlich dürfte sich der Trend, sich gemeinsaman der Erziehung zu beteiligen,wenn auch in unterschiedlichem Maße,durch alle sozialen Milieus ziehen. Ob dieseHaltung im beruflichen Kontext akzeptiertoder zum Nachteil wird, hängt von der Jobsituationund vom Verständnis des Arbeitgebersab. Freiberufler sind, zumindest zeitlich,wahrscheinlich flexibler als Angestellte.wirbelwind: Habt Ihr eine konkreteVorstellung vom idealen Vater und seidihr mit euch als Vater zufrieden?Arne: Einen idealen Vater gibt es aus meinerSicht nicht. Die Auslegung der Vaterrolle istindividuell. Sie ist abhängig von eigenenAnsprüchen und Erziehungsmaßstäben undvon gesellschaftlichen Realitäten. Außerdemwerden die Kinder, etwa durch Schule oderFernseher, durch Freunde, Lehrer oder durchin Werbung vermittelte Werte geprägt, aufdie man nur bedingt Einfluss nehmen kann.Zum Beispiel, wenn es um starke Konkurrenzunter Mitschülern geht oder darum,welche Klamotten gerade angesagt sind.Hans: Ein konkretes Vater-Ideal habe ichnicht. Man entscheidet vieles spontan ausdem Bauch heraus und macht dabei auchFehler. Aber die Richtung sollte stimmen.Ich habe versucht, meinen Vorstellungenvon einem guten Vater gerecht zu werden.Ich denke, dass mir das ein Stück weit gelungenist, indem ich mich intensiv mit denJungs ausgetauscht und sie in ihren Fähigkeitenbestärkt habe. Heute bin ich auf alledrei Söhne in je ganz eigener Weise stolz. ●56


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Städtereisen mit Kindern – kurz und gutKinder haben Spaß daran, fremde Städte zu entdecken. So planen Sie Ihren Kurzurlaub mit der Familie:JAKO-O INSIDEIllustrationen: Thomas FahrRechtzeitig planen und Geld sparenBeginnen Sie frühzeitig sich zu informieren.Dann können Sie und Ihre Kinder nichtnur länger die Vorfreude auskosten. Mitguter Vorbereitung können Sie auch Geldsparen und den Aufenthalt entspannter genießen:Am Wochenende und in den Sommerferien,wenn die Geschäftsleute als Gästefehlen, reduzieren viele Stadthotels diePreise. Immer mehr entdecken Familien alsKundengruppe und bieten gut ausgestatteteFamilienzimmer und passenden Service.Wenn Sie zeitlich flexibel sind, können Sieauch bei Flügen und Bahnfahrten günstigeAngebote nutzen.Kindern Lust auf den Städtetrip machenSpezielle Kinderreiseführer können Reiselustwecken. Anknüpfungspunkte bietenauch Kinderbücher, Filme, DVDs, CDs, indenen die Stadt oder Menschen aus ihr eineRolle spielen. Manche Kinder haben Spaßdaran, vorab ein „Tour-Plakat“ mit allenHighlights zu malen. Während des Aufenthaltshält ein kleines Reisetagebuch dieSprösslinge bei der Stange.Die Mischung macht’sKultur muss nicht langweilig sein. HaltenSie Ausschau nach Angeboten für Kinder:Spezielle Stadtführungen für den Nachwuchszum Beispiel oder Kinderaktionen inMuseen. Tragen Sie rechtzeitig vor IhrerReise Informationen aus den unterschiedlichstenQuellen zusammen: von der Tourist-Info,aus Reiseführern, aus Internet-Foren mit Erfahrungen anderer Familien.Planen Sie ein abwechslungsreiches Programmohne Zeitdruck, bleiben Sie flexibelund lassen Sie die Kinder mitentscheiden.Wenn Sie zwischen Museumsbesuchen undBesichtigungen für genügend Zeit zum Austobenund Entspannen sorgen, genießenauch die Kinder die Städtetour. ●Wir verlosen für Euch 10 Travelbooks und 10 City-Guideswirbelwind 2 - 2012Sie sind knallbunt, ein bisschen schräg und fürEltern tabu. Die neuen Kinderreiseführer von„National Geographic“ und „Lonely Planet“ zeigenabenteuerlustigen Kids die aufregendstenOrte der Welt. Von gespenstischen Schlössern inDas Travelbook ist für 24,95 Euroim Handel erhältlich.London – über das Wohnzimmer der Mona Lisain Paris bis hin zur Sesamstraße in New York. ImTravelbook „Eine cool verrückte Weltreise“ findenkleine Entdecker spannende Fakten, Geschichtenund Ereignisse aus 200 Ländern.Wollt Ihr ein Travelbookoder einen der City-Guides gewinnen?Dann schreibt uns in einem Satz, wohin auf der Welt Ihr schonimmer einmal reisen wolltet und warum. Alle Einsendungennehmen an der Verlosung teil. Absender nicht vergessen. FallsIhr einen City-Guide gewinnen wollt, vermerkt bitte EurenStädtewunsch (London, Paris, Rom oder New York).JAKO-O GmbHRedaktion wirbelwind96475 Bad RodachE-Mail: redaktion@wirbelwind-magazin.deDie neuen City-Guides„Für Eltern verboten!“sind für 9,99 Europro Reiseführer beiFIT-Z erhältlich:Art.Nr. 649-485-22Reiseführer RomArt.Nr. 649-484-22Reiseführer ParisArt.Nr. 649-486-22Reiseführer New YorkArt.Nr. 649-483-22Reiseführer Londonwww.fit-z.deEinsendeschluss ist der 1. August 2012. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.58


vorschau wirbelwind 3/2012www.shutterstock.com● Männer in KitasNoch sind sie eine Seltenheit: männlicheErzieher. Sie werden in den Kindergärtengewünscht und gebraucht,aber auch misstrauisch beäugt. Was istanders, wenn Männer dabei sind?● Spiel-Raum schenkenDamit Kinder sich gut entwickeln,müssen sie viel und vielfältig spielen.Tipps für Eltern, wie sie ihre Sprösslinge„spielerisch“ fit fürs Leben machen.● Heute schon verwöhnt?Den Dreijährigen im Kinderwagenherumgeschoben? Dem Grundschülerschnell die Matheaufgabe ausgerechnet?Eltern meinen es manchmal„zu gut“ mit ihren Kindern – indemsie ihnen die Chance rauben, an ihrenHerausforderungen zu wachsen.● Was Eltern zur Schule sagenDie Meinung von Müttern und Väternzu Lehrern, Übertritt, Ganztagsschule,Förderung und vielem mehr: Die spannendenErgebnisse der 2. JAKO-OBildungsstudie.Werben im wirbelwindDer nächste wirbelwind:ab 7. August 2012kostenlos in Ihrem Paketfür Deutschland:Fon 0 18 05 – 2 4 6 8 10(0,14 €/Min. deutsches Festnetz / Mobilfunknetzemax. 0,42 €/Min.)www.jako-o.defür Österreich:(solange der Vorrat reicht)*bei JAKO-O bestellen:JAKO-O GmbHKindersachen mit KöpfchenD-96475 Bad RodachJAKO-O GmbHKindersachen mit KöpfchenBusinesscenter 270A-4000 LinzFon 0 08 00 / 22 44 88 00 (kostenfrei aus demösterr. Festnetz, Mobilfunknetze abweichend)Fax 0 08 00 / 22 44 88 90 (kostenfrei)www.jako-o.at*Preise inkl. ges. MwSt., zuzügl. 3,95 €Versand (innerhalb Deutschlands und Österreichs)Mit einer geschäftlichen Anzeige im wirbelwind erreichen Siehunderttausende interessierte Eltern in Deutschland.Anzeigenverkauf:Petra SanchoAgentur fürZielgruppenberatungTel. 0 81 42 – 66 90 70Anfragen unter:petra.sancho@zielgruppenberatung.deJetzt auch„ivw“ zertifiziert!impressumVerlag:JAKO-O GmbHD-96475 Bad RodachBettina Peetz, GeschäftsleitungJAKO-O ist ein Unternehmensbereichder HABA-Firmenfamilie.Geschäftsführender Gesellschafter:Klaus HabermaaßGeschäftsführer: Harald GroschChefredaktion:Anne Marie Tusche (verantwortlich)Leitende Redaktion: Kareen KlippertRedaktionsassistenz: Yvonne RöderRedaktion Familie: Kareen KlippertRedaktion Gesellschaft und Politik:Frauke Obländer-GarlichsRedaktion Gesundheitstipps: Yvonne RöderRedaktion Baby: Christina HauptmannAnzeigenleitung:Anne Marie Tusche (verantwortlich)Anzeigenverkauf:Agentur für ZielgruppenberatungPetra SanchoIndustriestr. 5182194 GröbenzellTel.: 0 81 42 – 66 90 70Fax: 0 81 42 – 66 907 30E-Mail: petra.sancho@zielgruppenberatung.deRedaktionsanschrift fürDeutschland und Österreich:JAKO-O GmbHRedaktion „wirbelwind“D-96475 Bad RodachTel.: 0 95 64 – 9 29 4 56Fax: 0 95 64 – 9 29 7 96E-Mail: redaktion@wirbelwind-magazin.deLayout – Grafik – Bildredaktion –Schlussredaktion:Werbeagentur Böss und FahrHinterer Glockenberg 13D-96450 CoburgTel.: 0 95 61 – 28 00 11E-Mail: info@bf-werbeagentur.dewww.boessundfahr.deDruck:Evers-Druck GmbHPostfach 84025704 MeldorfTel.: 0 48 32 – 60 80Bezugshinweis:Die JAKO-O Zeitschrift „wirbelwind“erscheint viermal im Jahr.Besteller bei JAKO-O erhalten dasFamilienmagazin „wirbelwind“ automatischkostenlos im Paket mit ihrer Lieferung.RUBRIKwirbelwind 2 - 201259


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