Color Grading 2013 - color me up!

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Color Grading 2013 - color me up!

FOKUSFilm & VFX 3d & Animation Interactive Digital Art Science & EducationServiceColor Grading 2013Bilder: Andreas BrücklReihe1: Grading imStil der 80er Jahre füreinen Bank-Spot.Reihe 2: OrlandoBloom macht Werbungfür Magnum. DieBrauntöne erinnernan Schokolade.Reihe 3: GeschärfteAugen im HSBC Sport.Reihe 4: Metallic undkühle Farben fürToyota.02www.digitalproduction.com


FOKUSFilm & VFX 3d & Animation Interactive Digital Art Science & EducationService(dailies, rushes), die wie am Fließband abgefertigtwerden mussten und dabei natürlichschon annähernd den finalen Look habensollten.In der Praxis sah das so aus, dass dasNegativ in den Abtaster (Urser, Spirit) eingespanntwurde, szenenmäßig gematcht, alsoin den serientypischen Look gebracht, undanschließend in Echtzeit auf ein Band ausgespieltwurde. Diese „Muster“ wurden späterzum Beispiel im Avid synchron mit dem Tonangelegt und somit für den täglichen Schnittvorbereitet (im Prinzip hat sich an dem grobenWorkflow auch heute nicht viel geändert.Anstelle des Negativs sind eben die digitalenVideofiles getreten).Tücken des FilmmaterialsHier zeigte sich auch die Wichtigkeit der vorangegangenAssistenztätigkeit. Die erlernteSensibilität im Umgang mit dem Filmmaterialwar essentiell. Filmmaterial durfte nichtzu oft im Abtaster bewegt werden, da dasNegativ empfindlich ist und relativ schnellSchmutz aufnimmt. Und nicht auszudenken,sollte durch Unachtsamkeiten Schrammenauf dem Material landen. Schließlich konnteman im dümmsten Fall hier ganze Drehtagefür Zehntausende von Euro innerhalb von Sekundenunwiderruflich vernichten. Folglichmusste jeder Handgriff perfekt sitzen.Trotzdem musste man eine gewisse Geschwindigkeitan den Tag legen. Für 40 MinutenFilmmuster hatte man circa 2 StundenZeit. Das umfasste das Einspannen, Matchen,Ausspielen auf Bändern und Schreiben derBerichte bei möglichen Komplikationen. Nebender komplizierten Technik, dem Handlingdes Films, musste der angehende Colorist natürlichauch eine gewisse Beständigkeit in seinerArbeit aufweisen. So muss etwa die blaueWand im Verhörraum einer Krimiserie auchüber einen mehrmonatigen Dreh im selbenBlau ton erscheinen. Abweichungen würdensofort auffallen. Auch Gesichtstöne dürfennicht wechseln, egal welches Licht oder Wet -ter es gerade gibt. Diese Kontinuität, Sicherheitin der Farbwahl und auch das langsam antrainierteFarbgedächtnis war wohl das größteK.O.-Kriterium für viele Jungcoloristen. Nichtselten konnten viele Anwärter diese harteAnforderungen nicht erfüllen und hatten nureine sehr kurze Karriere als Color Grader.Man bekam eben nur wenige Chancen.DiplomatieWer letztendlich auch die Zeit der Musterüberstanden hatte, durfte irgendwann mitdem Kunden die finalen Korrekturen graden(siehe Box Videomuster, der finale Schnittwird als EDL zurück an die Farbkorrekturübergeben). Mit der Zeit hatte man neben derTechnik und dem Trainieren des Auges nämlichlangsam Vertrauen zu den Kameraleutenaufgebaut sowie das richtige Vokabular undpolitischen Umgang gefunden.Knackpunkt waren oft die Negativberichte,die ja die Qualität des geschossenen Filmmaterialsbeurteilten. Man kann sich vorstellen,dass Begriffe wie „unscharfe Augen beiSchauspieler XY“ oder „keine Zeichnung mehrin den Schwärzen vorhanden“ auf Negativberichtennicht gerade Begeisterungsstürmebeim Produktionsleiter ausgelöst haben. Imschlimmsten Fall bedeutete das Nachdrehund ungemeine Mehrkosten. Als Coloristsitzt man im Prinzip zwischen allen Stühlen.Man hält täglichen Kontakt mit dem DOP undbespricht den Look. Gleichzeitig ist man demProduzenten als Geldgeber verpflichtet. Wirdman also bei seinen Berichten zu pingelig,fühlt sich der Kameramann unnötig auf denSchlips getreten. Schreibt man zuwenig auf– und im Nachhinein stellt sich die Szene alstotal unbrauchbar heraus – bekommt manÄrger mit der Produktion. Wenn man es alsoschafft, all diese Kriterien zu meistern undletztendlich den harten Weg durchhält, darfman sich irgendwann rühmen, Colorist zusein. In den weiteren Schritten kommt danndie Spezialisierung auf Spielfilm oder Werbungund der Aufbau eines Kundenstamms.DigitalisierungMitte der 2000er Jahre hat dann die digitaleRevolution auch die Filmbranche Stück fürStück umgekrempelt. Die ersten digitalenKameras wurden anfangs noch belächelt undals qualitativ zu schlecht abgetan. Allerdingswar dieses Lächeln nicht ganz frei von Sorge,denn dass die digitalen Kameras irgendwannkommen würden, war wohl jedem klar.Die Red One schaffte dann schließlichdas, was der D21 zuvor nicht gelungen war.Sie versetzte die Belegschaft der Kopierwerkeregelrecht in einen Schockzustand.Digitales Footage bedeutet eben keine Musterentwicklung,keine digitale Abtastungund keinen Negativschnitt mehr. Stück fürStück wurde den Kopierwerken somit diefinanzielle Grundlage entzogen. Das Cinepost-Kopierwerkauf dem Gelände der Bavariafilmin München hatte beispielsweise zusammenmit der Agentur für Arbeit frühzeitigDigitalisierungDigital IntermediateDas Digital Intermediate (DI) ist eine digitaleZwischenstufe bei der Postproduktion vonFilmen zwischen aufgenommenem und ausbelichtetemFilm. In einem ersten Schritt wirdhierfür das analog auf Filmmaterial aufgenommeneKameranegativ mit einem Filmabtastergescannt. Alternativ werden die digitalen Bildereiner digitalen Kinokamera direkt genutzt. Dasso entstandene Material wird digital geschnittenund nachbearbeitet (Farbkorrektur, CGI usw.).Dabei entsteht das sogenannte DI-Master,welches als Vorlage sowohl für die spätere digitaleAuswertung (DVD, HD DVD, Blu-ray Disc)als auch zur Produktion der Kopien/Master fürdie analoge oder digitale Kinoprojektion dient.Zur Erstellung analoger Filmkopien wird das DIauf Negativfilm ausbelichtet und das entstandeneInternegativ im Kopierwerk kopiert.Alternativ wird für die digitale Kinoprojektionein digitales Master gemäß DCI erstellt.Quelle: Wikipedia04www.digitalproduction.com


FOKUSFilm & VFX 3d & Animation Interactive Digital Art Science & EducationService2009 – Blackmagic ResolveEine weitere Revolution gab es dann im Jahr2009 als Blackmagic Systems die digitaleVersion von DaVinci mit Namen Resolve veröffentlichte.Eigentlich gab es das System schonseit 2004, wurde aber wegen firmeninternenProblemen nie richtig promoted.Die Marketingaktion 2009 war allerdingsdurchaus gelungen, wenn man bedenkt, dasses für knapp 1.000 Dollar ein digitales Systemgeben sollte, das vondem großen DaVinci2K abstammen sollte.Revolutionär warauch die Tatsache,dass Resolve nodebasiertarbeitet undsomit als erstes Systemnicht auf klassischeLayer setzt.Das suggerierte unterbewusstnatürlicheine ähnliche FlexibilitätnodebasierterCompositingsystemeà la Smoke, Scratch,Nuke oder Flame.Allerdings waren dieBetatester auch sehrschnell ernüchtert.Die erste Oberflächeund Funktionenerinnerten einfachnoch zu sehr an diestarre Linuxoberflächeseines großenBruders. Zudem gabes nur ein rudimentäresHandbuch, dasmehr einer Informationsbroschüreglichals einem komplexenWegweiser. DiverseBugs und zahlreicheDie Oberfläche von Resolve hat sich vonVersion zu Version stark verbessert und isteinfacher geworden.Abstürze taten ihr Übriges. Selbst alte Da-Vinci 2K User brauchten Wochen, um sich indie Oberfläche und Funktionen einzuarbeiten.Wobei nicht so sehr der Gradingteil das Problemwar, sondern das Conforming. Mittlerweilehat sich DaVinci Resolve aber nach einigenUpdates zu einem unglaublich guten undsoliden System entwickelt.Die Strategie von Blackmagic war wohlaber anders gedacht am Anfang. Zu Anfanggab es zwei Versionen, die auf den Markt geschmissenwurden. Die kleine Mogelpackungmit knapp 1.000 Dollar und ein Linuxsystemum die 90.000 Dollar.Die Mac-Version war für HD-Videodatengedacht, die dann mit mehreren Nodes noch inEchtzeit laufen. Natürlich vorausgesetzt manhat genügend Storage in Form eines SAN, dasden Videostrom auch bereitstellen kann und fürRed eine Red Rocket im Gepäck. Zusätzlich benötigtman dann noch zwei Nvidia-Grafikkartensowie für die Videoausgabe und das Captureneine Blackmagic-3D-Xtreme-Karte.Dass kalibrierbareMonitore auch nichtfür ein Taschengeldzu haben sind, sollteauch bekannt sein.Somit kommen in dergünstigsten Preisklassenochmals8.000 bis 25.000 Euroon top. Neben einemMacPro benötigtman dann noch einGradingpanel.Nebendem Flaggschiff, demoriginal Resolve Panelgibt es noch eineReihe von Drittanbietern,die Geräteum die 1.200 Euroanbieten. Das funktioniertfür den kleinenGebrauch ganz gut,manche Funktionensind aber auch nurmit dem BlackmagiceigenenResolve Panelfür knapp 20.000Euro zugänglich.Dieser Komfort wirktsich immens auf dieArbeitsgeschwindigkeitaus.06www.digitalproduction.com


Ausgabe 04|13Color Grading | ÜberblickDas Blackmagic Resolve PanelEin Meisterstück ist Blackmagic mit dem ResolvePanel gelungen. Mit circa 20.000 Euronicht gerade billig, aber durchaus ein Blickfang.Das Panel ist massiv und macht auch vor demKunden einen guten Eindruck. Es ist einfachTatsache, dass man mehr Respekt vor einemPanel hat, dass einem Flugzeugcockpit ähneltals vor einem kleinen Plastikkasten, der geradegenügend Platz bietet für drei rote Bälle.Ein Blick auf LinuxWenn wir nun alle Komponenten auf den unglaublichgünstigen Preis von 1.000 Dollarkalkulieren, enden wir schnell an der unterenGrenze von 50.000 Euro.Blackmagic hat natürlich damit kalkuliert,dass man erst mal mit der Software-Versioneinsteigt und sich dann doch irgendwann fürdie Linux-Variante entscheidet. Denn hierwäre ja bis auf den Monitor schon alles inklusivegewesen. Hier hat sich aber die digitaleRevolution selbst überrannt. Im Sauseschritthat die Arri Alexa der Red den Rang abgelaufenund auch die 5D Mark II wurde immer öfterbevorzugt. Die großen Datenströme der Redin 2K, 3K oder 4K stellten also im Vergleich zudem relativ leicht handlebaren ProRes Codecder Alexa keine Konkurrenz dar.Zudem hatte Linux anfänglich noch großeProbleme mit dem ProRes Codec. Linuxsystemewurden also kaum verkauft. Offiziellwird die Linux-Version inzwischen auch garnicht mehr angeboten. Man kann sie aberanscheinend noch im Bundle beziehen. Werdie Vollversion inklusive einem Resolve Panelbesitzt, kann laut Herstellerangaben dieLinux-Version noch zusätzlich und umsonstbekommen. Diese sollte aber durch einenTechniker installiert werden.Resolve FreeZusätzlich kam Blackmagic mit einer Resolve-Free-Versionauf den Markt. Diese waranfänglich unter anderem auf eine Node begrenzt,bietet inzwischen aber bis auf ein paarAbstriche sämtliche Funktionen der Vollversion.Zur Installation auf dem Notebook unddem Graden kleinerer Projekte reicht es allemal.Bei der Vollversion besteht darüberhinaus noch die Möglichkeit die Rechenleistungender Grafikkarte durch einen externenExpandercube zu erweitern. Der Cube bietetdie vier weitere Steckplätze für zusätzlicheGrafikkarten.Updates und SupportAuch in puncto Funktionalität hat sich durchdie neuesten Updates einiges getan. Das Conformingwurde vereinfacht und speziell dieTimeline gleicht inzwischen einem Drag &Drop-Schnittsystem. Das vereinfacht vieles.Zudem können Clips jetzt leichter ins Resolveimportiert werden. Diese Einfachheit gibt esin keinem anderen Gradingsystem. Weltklasseist auch der 3D Tracker für Masken, dersich statt einem bis dato bekannten 1-oder2-Punkttracker an multiplen Trackpunktenorientiert. Hier mussten Baselight undScratch erst nachziehen, stehen dem abermittlerweile in nichts hinterher. Letztendlichist aber auch die Psychologie des Marketingsentscheidend: 40 bewegende Kreuze seheneben eindrucksvoller aus als ein schlichtesKästchen des Baselight Area Trackers.Der Support lässt leider etwas zu wünschenübrig. Es gibt zwar diverse Foren unddie Community wird auch immer größer, einenoffiziellen Support mit individueller Hilfestellungsucht man aber auf der Webseite vonBlackmagic vergeblich. Lediglich eine Hotlinefür die USA wird angegeben. Der Support wurdeweitestgehend auf die Reseller verlagert,die sich mehr oder weniger mit der Softwareauskennen. Ansonsten gibt es dank der stetigwachsenden Usergroup immer mehr Tutorialsfür das System. Gerade im Langspielfilmbereichsetzt sich Resolve gerade durch undmacht Baselight das Leben schwer.Assimilate ScratchDas ResolvePanel ist solideverarbeitet.Den stärksten Konkurrentenin der Preisklassebis 50.000 Euro findet Resolveim System Scratchder Firma Assimilate. BeiScratch unterscheidetman zwei Versionen. DieScratch-Vollversion unddas Scratch LAB. Beidelaufen sowohl unter Windowsals auch als Mac-Version. Mit der 5.000Euro teuren Softwarelizenzvon Scratch LAB erhält der Käufer eineOn-Set-Version, die rein auf die Arbeit mitDailies ausgelegt ist. Also das Werkzeug fürDITs oder Mustercoloristen. Die Vollversionkostet 17.000 Euro für die Softwarelizenz.Scratch arbeitet klassisch mit Layern, die inder Scratch-LAB-Version allerdings auf einenbegrenzt ist. Dieser kann dann als Gradinglayeroder LUT-Layer benutzt werden.Die Idee dahinter ist, das Pregrading am Set(oder auch in der Firma) am Scratch Lab vorzunehmenund dann das Final Grading, durchÜbernahme der Daten in der Vollversion, zubeenden.Warum nehme ich dann nicht gleich dieResolve-Version für 1.000 Euro wird sich somancher fragen. Hier kann Scratch Lab abermit einigen Features auffahren. Zum einen istes unglaublich absturzsicher, was gerade amSet unabdingbar ist. Die Abstürze von Scratchkann man wahrlich an einer Hand abzählen.Zudem baut Scratch auf einer gut programmiertenDatenbank auf, so dass nichts verlorengehen kann. Zusätzlich ist das Handlingder Daten in beiden Versionen unglaublich gutstrukturiert. Es gibt eine Construct-Ebene,die man sich als Schreibtisch vorstellen kann.Compositingfunktionen in Scratch: Mit demBicubic Filter lässt sich das Bild deformieren07


FOKUSFilm & VFX 3d & Animation Interactive Digital Art Science & EducationServiceHier werden einfach alle Files, ähnlich einerTimeline angezeigt. Dieser Schreibtisch kanndann vielfach kopiert oder auch unterteiltwerden. Letztendlich kann man die Drehtage,verschiedene Versionen etc. wie Schubladenanlegen und somit sehr übersichtliche Strukturenschaffen. Während in allen anderenScratch verbindetGrading mit Compositingfunktionen.Inder rechten Leistekönnen mehrereVersionen oderauch Zusatzlayerabgelegt werden.Gradingprogrammen das Rendern den Userzum Warten veruteilt, kann Scratch diverseFormate parallel im Hintergrund ausgeben.Praktisch könnte das so aussehen, dassman am ersten Drehtag gradet, dann alsDPX für die VFX-Abteilung, als DnxHD fürden Schnitt am Avid sowie als H.264 für dieIpad-Version rendert, während man parallelschon den zweiten Drehtag gradet. Möglichmacht diese schnelle Performance dieAuslagerung rechenintensiver Prozesse aufdie Grafikkarte(n). Besonders raffiniert istdie Metadatenfunktion. Der Mustercoloristkann während des Pregradings die einzelnenClips mit Zusatzinformationen versehen.So lassen sich unter anderem die Qualitätbeurteilen oder auch „Kopierer und Nicht-Kopierer“ kennzeichnen. Im gerendertenMXF-File für den Avid übernehmen die Clipsin der Timeline dann diese Bezeichnung undkönnen so schneller zugeordnet werden. ZurInfo: Bereits im Kamerabericht werden dieguten beziehungsweise schlechten und auchabgebrochenen Szenen als Kopierer oderzum Aussortieren eben als Nicht-Kopierermarkiert.Compositing-Funktionenund SupportScratch hat in den zurückliegenden Versionenimmer mehr Compositing-Funktionenübernommen. So gibt es einen Bicubic Filter,der ähnlich wie in Compositing-Programmenemöglicht, das Bild in ein Raster zu unterteilenund dieses in Realtime zu deformieren.Zudem gibt es Funktionen wie das Staging,was letztendlich wie eine eigene Schubladefür den jeweiligen Clip ist. Man kann also hinterjedem Clip eigene Alphakanäle, Versionenetc. hinterlegen. Wer seine Farbkorrektur effektlastigaufbaut, wird sich freuen. Es magaber den einen oder anderen auch verwirren.Scratch wird immer schwieriger und manweiß nicht genau, wo es hin will. Unglaublichviele Funktionen, die aber inzwischen vielleichtauch zu viel sein können.Im Bezug auf den Support ist Scratch unschlagbar.Es gibt eine geschlossene Usergroup,die von Entwicklern sowie Anwenderngleichermaßen genutzt wird. Oft dauert eskaum ein paar Stunden, bis eine Lösung gegebenwird. Das Entwicklerteam ist allgemeinsehr nahe am User. Kritiken und Wünschewerden aufgenommen und dann, wenn sinnvoll,im nächsten Update übernommen.PanelsAuch bei den verwendbaren Paneln ist Scratchziemlich offen. Neben dem Tangent Wave, derTangent-CP200-Serie (Produktion wird demnächstaber eingestellt) kann auch das AvidArtist Color sowie das Euphonics verwendetwerden. Aufgrund des günstigen Preises vonknapp 1.400 Euro und der Möglichkeit der problemlosenErweiterung um mehrere Module,wird heutzutage meist das Tangent ElementsPanel von den Kunden bevorzugt. Assimilatehat aus Kostengründen auf die Produktioneines eigenen Panels verzichtet und sich auf08www.digitalproduction.com


Ausgabe 04|13Color Grading | ÜberblickDritthersteller verlassen. Hier kann man sichentscheiden wie viel Flexibilität man habenmöchte, je nachdem wie viele Module des Panelsman zusammensteckt.TückenDiese Flexibilität hat aber auch durchaus seineTücken. Es gibt Posthäuser, die sich anstellevon vier Paneln nur ein Panel zulegen,um sich ein paar Tausend Euro zu sparen. DieKnöpfe werden dann drei- und vierfach belegt.Das verlangsamt den Arbeitsprozess natürlichungemein und man läuft auch Gefahr,manche Funktionen aus Bequemlichkeit oderZeitmangel einfach wegzulassen.Gerade als Freelancer hat man Schwierigkeitensich mit der Mehrfachbelegung oderauch eigenen Settings zurechtzufinden. DieseProbleme hat man beispielsweise bei denhauseigenen Panels von Baselight, Resolveoder Nucoda Filmmaster nicht. Diese sindweitestgehend fix vorkonfiguriert. Im Prinzipist jedes Panel weltweit gleich und kann vomArtist sofort bedient werden. Auf der anderenSeite ist man hier auch wieder sehr flexibel, daman seine eigenen Settings einfach auf einemUSB-Stick mitnehmen kann und in Sekundenauf jedem System installiert hat.Die Problematik eines kleinen Panelskonnte ich auch vor geraumer Zeit in Istanbul,beim Posthaus Imaj sehen. Dort sind einBaselight, ein Resolve und zwei Scratch vorhanden.Ich wurde gefragt, ob ich wirklich aufScratch graden will, da das doch eher wie einSpielzeug wirkt. Die Aussage erstaunte michetwas, bis ich sah, dass sie aus Unwissenheitein Tangent Wave gekauft hatten. Selbst diegrößte Panel Version, das CP-200 mit allenvier Paneln, sieht eben winzig aus im Vergleichzu einem Resolve oder Baselight Panel.Für einen Coloristen mag es unbequemersein, auf einem kleinen Panel zu graden, abermanchmal macht größer eben mehr her, vorallem wenn der Kunde daneben sitzt. Geradeim Werbebereich ist der psychologischeFaktor nicht zu unterschätzen. Sie würden jaauch keinen Ferrari kaufen, der von außen wieein Fiat aussieht. Nichtsdestotrotz ist Scratcheines der mächtigsten Systeme auf dem Marktund steht anderen Systemen in nichts nach.Scratch bietet sich durch seine Flexibilitätals Herzstück einer Postproduktion, geradeim TV-Bereich an. Schnelles Datenhandlingsowie sehr komfortable Organisation desFootages bringen Scratch bei TV-Serien ganznach vorne.Im deutschsprachigen Raum gibt es inzwischen22 Scratch-Systeme wobei alleinelf Stück an Bavariafilm verkauft wurden.Bavariafilm hat sogar die weltweit erste Site-License gekauft. Damit können sie für einenjährlichen Festbetrag so viele Softwarelizenzenanfordern, wie sie möchten.LustreSchon seit langem aufdem Markt ist das GradingsystemLustre vonder Firma Autodesk.Ursprünglich wurdees unter dem NamenColossus von der ungarischenFirma Colorfrontals eines der erstenDI-Gradingsystemeüberhaupt entwickelt. In2001 wurde es für dasGrading von „Herr derRinge“ eingesetzt und2003 von Discreet (jetztAutodesk) übernommen.Nur das SystemPandora Pogle war nochetwas früher dran undkonnte sich im Jahre2000 damit rühmen, mit„O Brother, Where ArtThou“ den ersten DI-Film überhaupt bearbeitetzu haben. Pogle hatirgendwann komplettden Anschluss an denMarkt verloren und wirdheute nicht mehr hergestellt.Lustre ist ein sehrmächtiges, linuxbasiertesSystem, das in derUI seinen VerwandtenSmoke und Flame sehr ähnelt. Das macht esfür den Neueinsteiger auch sehr kompliziertins System zu finden, besonders wenn mankeinen Tutor neben sich hat. Im Gegensatz zuSystemen wie Scratch oder Resolve benötigtLustre eine gute Workflow-Integration sowieAnbindung an die Architektur des Netzwerks.Lustre ist also fürwahr kein Einzelkämpfersystemund war wohl als solches auch niegedacht.Gerade in der Kombination mit AutodeskSmoke für das Conforming werden die Stärkender produktübergreifenden Architekturvon Autodesk sichtbar. Man kann sich alsozwischen den beiden Systemen leicht hin- undherbewegen.Natürlich braucht es neben dem Coloristenauch gute Techniker, die sich um dieganze Integration und Workflows kümmern.Zum Beispiel hinkt Lustre bei der Einführungneuer Kameracodecs etwas hinterher.Notfalls muss hier in anderen SystemenLustre wird 2013vollständig in denFlame eingegliedert.das Footage zuerst in DPX-Files gewandeltwerden. Inzwischen wird Lustre auch nichtmehr als Standalone-Version angeboten,sondern im Paket mit Flame und Smoke alsFlame-Premium verkauft. Dabei handelt essich aber im Moment noch um zwei getrennteProgramme auf einer Workstation. Man startetalso entweder den Flame oder den Lustre.Beides zusammen ist im Moment nichtmöglich.Bei dem Preis um die 120.000 bis 150.000Euro für das Komplettsystem auch sicherlicheher für große Posthäuser gedacht. Für dieStandalone-Version gibt es zwar noch Updates,sie wird aber nicht mehr zum Verkaufangeboten.Autodesk plant, dass der Lustre in Zukunftkomplett in den Flame integriertwerden wird und als eigener Reiter im Programmauftaucht. Der Name Lustre wurde jaeigentlich auch schon in FlamePremiumGradinggeändert.09


FOKUSFilm & VFX 3d & Animation Interactive Digital Art Science & EducationServicePanelIn diesem Zuge macht es auch Sinn, dass dasPanel nicht allzu viel Platz in Anspruch nimmt.Seit der neuesten Version von FlamePremiumwird das Tangent Elements unterstützt, dassich auf dem Tisch relativ schlank präsentiert.Das ältere Panel „Autodesk Control Surface“wird zwar nicht mehr produziert, kann aberim Moment noch über die Reseller beschafftwerden. Gerade im Werbemarkt, der ja derPremiummarkt für das Autodesk-Highend-Produkt ist, könnte die „All in One“-Politikfunktionieren. Der Werbespot wird am Flamefinalisiert und letztendlich ohne langes Conformingsowie Umkopieren der Daten an dergleichen Maschine gegradet. Je nach Workflowauch in umgekehrter Reihenfolge.Einen Nachteil hat die Doppelnutzung desSystems natürlich. Compositing und Gradingsind zwei verschiedene Berufe, die auch getrenntvoneinander stattfinden. Wenn diePlanung des Systems nicht stimmt, könntensich die Artists eventuell gegenseitig das Systemblockieren. Vielleicht werden auch dieFlame-Artists in Zukunft einfache Gradingsselbst übernehmen können.Im Moment gibt es auch noch mehreregrößere Posthäuser, die hauptsächlich Spielfilmeauf dem Lustre graden und ihre Workflowsdementsprechend ausgerichtet haben.Es bleibt abzuwarten, wie diese auf den Wegfallder Standalone-Version zukünftig reagierenwerden. Im Moment gibt es fünf Kundenim deutschsprachigen Raum mit jeweilsmehreren Standalone-Lizenzen. FlamePremiumbesitzen zehn Kunden, die aber auchmeist mehrere Lizenzen besitzen.Adobe SpeedgradeSpeedgrade wurde um das Jahr 2003 vonder in München ansässigen Firma Iridas gegründet.Im Prinzip fristete Speedgrade mehroder weniger ein Schattendasein und konntesich im DI-Markt nie richtig durchsetzen.Dabei hatte das System einige gute Ansätzeund war seiner Zeit eigentlich immer ein paarJahre voraus. So wurde frühzeitig an einerOn-Set-Version gearbeitet und auch das ersteProdukt, der Framecycler war durchausbeachtenswert. Framecycler war ein weitestgehendformatunabhängiger Videoplayer, dersoftwarebasiert und ohne spezielle Hardwareuncompressed Playback lieferte. Und das imJahre 2001.Probleme hatte Speedgrade mit der Stabilitätund auch der Conforming Workflowwar sehr umständlich. In einigen VFX-Häusernwurde Speedgrade auch als „Nebensystem“für kleinere Gradingarbeiten benutzt.Also für Formatwandlungen und auch dasSichten sowie Pregraden von digitalen Mustern.Als um 2009/2010 Stereoskopie (Stereo-3D)in aller Munde war und sich ein richtiger Hypeentwickelte, setzte Iridas viel Energie in dieEntwicklung und Implementierung stereoskopischerTools, die sich durchaus sehenlassen konnten. Wie wir alle wissen, war derStereo-3D-Hype aber auch schnell wiedervorbei.Letztendlich konnte Iridas nichts Besserespassieren, als 2011 die Speegrade-Technologievon Adobe aufgekauft wurde. Adobeerweiterte dadurch ihre Produktpalette imVideobereich um ein Color-Gradingtool undversucht damit noch weiter in den professionellenHighend-Markt vorzustoßen. Die Ideeist einfach: Man schiebt sein Videoprojekt innerhalbder Adobe-Produkte zum Beispiel vonPremiere zu After Effects oder Speedgrade.Letztendlich hat sich aber an dem Handlingvon Speedgrade nicht viel geändert.Während man sich in Adobe Premiere auchals Laie relativ schnell zurechtfindet, wird manin Speedgrade schnell an die Grenzen stoßen,wenn man sich nicht an die EDL-Workflowshält. Die Foren sind voll von Usern, die sichüber mangelnde Stabilität und kompliziertesHandling beschweren. Dabei handelt es sichwohl auch um eine Zielgruppenproblematik.Zugegeben, seitdem Apple die (semi-)professionelleVideogemeinde mit dem Releasevon Final Cut X vergrault hat, sind einigeProfessionals auf Premiere umgestiegen.Letztendlich rangiert das Schnittprogrammaber doch eher noch im semi-professionellenBereich, wo man schnell durch Drag & Dropeinen Film schneiden will. Hier ein kompliziertesGradingtool wie Speedgrade an denMann zu bringen, ist dann doch sehr gewagt.Vergleicht man die Oberflächen von DaVinciResolve und Speedgrade werden die Unterschiedesehr schnell klar: Resolve besitzt eineMultilayer Timeline, in der Clips einfach verschobenwerden können, und auch sonst istvisuell alles einfacher und greifbarer.Wenn Adobe diese Hürde meistern kannund Speedgrade ein einfacheres GUI sowieklare, vorgegebene Workflows vorgibt, könntesich das Programm zu einer netten Alternativeim Low-Budget-Bereich entwickeln.MistikaNomen ist Omen sollte es bei dem GradingsystemMistika wohl heißen. Der Grund ist, dassMistika in der Branche durchaus gelobt wird,aber bisher kaum einer das System zu Gesichtbekommen hat, da es einfach im deutschsprachigenRaum nicht oft verkauft wurde.Mistika ist sozusagen ein Allroundprogramm,indem Schnitt, teils Compositing undnatürlich Grading vollzogen werden können.Das erspart Renderzeiten und Kopiervorgängezwischen den Programmen. Um effektiv inMistika arbeiten zu können, braucht es rundeine Woche Training unter Anleitung. FürNeueinsteiger, Autodidakten und Freelancer,die nicht ständig an einem System sitzen, alsodurchaus eine Hürde.Im Stereo-3D-Bereich rangiert das Systemaufgrund seiner hervorragenden Toolswohl auf dem vordersten Platz. Die Arbeitensind extrem schnell und einfach zu bewerkstelligen.Mistika generiert zum Beispiel mithilfeeines ausgeklügelten Erkennungsalgorithmuseine Depth-Mask und erkennt somit,welche Ebenen im Bild in welcher Tiefe stehen.Somit lassen sich in der PostproduktionNegativ- und Positiv-Paralaxe einzeln bearbeiten.Auch die automatische Farbkorrektur(Spiegelkorrektur) für das linke und rechteBild funktioniert dank Bereichserkennungbesser als bei anderen Systemen mit punktuellenErkennungen (trotz zweier Kamerasmüssen beide Bilder natürlich absolut identischgegradet werden).Mistika hat tolle Ansätze und ist eindurchaus durchdachtes System. Das größteProblem stellt allerdings die Verbreitung dar.Wenn es Mistika respektive der HerstellerfirmaSGO gelingt, mehr Systeme zu verkaufenund auch die Ausbildungswege voranzutreiben,könnte das System durchaus eine Chancehaben. Letztendlich braucht es ja auch Artists,die Mistika bedienen können.BaselightDas von der englischen Firma Filmlightproduzierte System Baselight ist einer derBuliden auf dem Markt der Farbkorrektursysteme.Im DI-Sektor kam man als spielfilmbearbeitendesPosthaus kaum an demmächtigen System vorbei. Auch im Highend-Werbemarkt war und ist Baselight weltweitmassiv vertreten.010www.digitalproduction.com


Ausgabe 04|13Color Grading | ÜberblickDurch geschickteInteraktion mitden größten VFX-Schmieden in Londonhat sich Filmlightüber Jahre einenklaren Vorteil verschafft.Das Rezeptist einfach, aber genial:Filmlight hat ihrManagement und denService in den LondonerStadtteil Sohoverlagert. Im Umkreisvon 15 Minutensind alle namhaftenFirmen wie The Mill,Double Negative,Framestore CFC oder MPC vertreten. Zumeinen konnte das Feedback der Color GradingArtists schnell aufgenommen und umgesetztwerden, zum anderen haben die Posthäusersofort einen Servicetechniker im Haus, sobaldein Problem auftaucht. Von hier aus konnteBaselight den Siegeszug in die ganze Welt antreten.Gerade im Spielfilmmarkt gab es außerAutodesk Lustre keine ernstzunehmende Alternative.Die Preise waren dementsprechendhoch und gingen in die Hunderttausende. Aberauch hier haben die günstigeren Konkurrentenin den letzten Jahren massiv Marktanteile fürsich beansprucht.Baselight gibt es in vier Varianten sowieals Plug-in für Avid, Final Cut und Nuke: BaselightOne, Baselight Two (früher HD) sowieBaselight Four und Baselight Eight. Wer jetzteinen Zahlendreher bekommt, kann beruhigtsein. Die Software ist mit allen Funktionen inallen Baselight-Varianten gleich.Die Nummerierung beschreibt die Größedes jeweiligen Systems. So versteht manunter einem Baselight 8 auch acht parallellaufende Rechner, die jeweils einen Teil desBildes bearbeiten und auf die acht Storagesverteilen. Ein Baselight 4 besitzt somit vierRechnereinheiten mit zugehörigem Storage.Ein sogenannter Combiner setzt dann das Bildaus den 4 respektive 8 Bildstreifen wieder zusammen.Das hört sich recht kompliziert an,bedeutet für den Artist aber lediglich, dasser zum Hochfahren des Systems einen Knopfdrückt. Generell wird das System aber nichtruntergefahren, sondern läuft durchgehend.Die Technik befindet sich ja eh in gekühltenMaschinenräumen. Am Baselight selbst stehtdann ein GUI PC. Ein kleiner Desktoprechnerin Form eines Würfels, der für die Darstellungder User Interfaces und die Steuerung desBlackboards zuständig ist und nur über eineinziges LAN-Kabel mit der ganzen Anlageverbunden ist.Das Baselight 8 findet noch in Projektenmit hochaufgelösten Einzelbildsequenzensinnvolle Anwendung, ist aber mit 400.000Euro auch kostspielig. Sicherlich kommt manauch leicht mit einer kleineren Variante aus.Es gibt aber auchHäuser, die sich ausPrestigegründenfür ein Baselight 8entscheiden. Alsnoch hauptsächlichauf Film gearbeitetwurde und massivedigitale (gescannte)Daten über die Raid-Cluster in Echtzeitgeliefert werdenmussten, hatte dasSystem klar seineBerechtigung.Dieser Vorteil gingaber mit den digitalenFormaten undneuen Codecs klar verloren. Ein Baselight 2(Basisversion 80 TB Raid) kostet heutzutagerund 120.000 Euro. Generell ist das Baselightsehr absturzsicher. Wenn es jedoch zu einemAbsturz kommt, kann der komplette Restartdes Systems schon einmal eine halbe Stundedauern. Mit einem wartenden Kunden nebendrankommt einem das dann auch oft wieeine Ewigkeit vor. Zur Verteidigung muss mansagen, dass selbst beim schlimmsten (seltenen)Absturz das Baselight niemals Datenund Gradingschritte verliert.PanelSeinesgleichen sucht das Panel, das sogenannteBlackboard, indem einiges an Entwicklungsarbeitsteckt. Inzwischen sogar inder zweiten Version mit interaktiven Buttons,die auch für den eigenen Workflow programmiertwerden können. Kurzum eine rundeSache und sehr intelligent ausgeklügelt. DieArbeitsprozesse sind stimmig und auch haptischschnell einprägsam.Das Baselight Panel. Für nochschnelleres Arbeiten wurde in derMitte ein Stift-Panel eingebaut.


FOKUSFilm & VFX 3d & Animation Interactive Digital Art Science & EducationServiceMit 40.000 Euro (ohne Softwarebeziehungsweise Technik) nur fürdas Panel aber auch nicht geradeein Schnäppchen. Für 30.000Euro bekommt man die Blackboard-Versionohne programmierbareButtons. Inzwischenkann man auch externe Panelsbetreiben, aber das nimmt demSystem natürlich seine stärksteWaffe. Zur NAB 2013 präsentiertFilmlight eine neue Version desBaselight-One-Systems. Dabei steigt die Firmaganz klar in das Low-Budget-Segment einund sagt DaVinci Resolve den Kampf an. Hierbeihandelt es sich um eine Version ohne Storage.Außerdem wird ein günstiges, neues,kleineres Panel vorgestellt.Das ganze System ist linuxbasiert. Das istzum einen ein Vorteil, da es stabil läuft undauch die Datenbankstruktur unglaublich stabilaufgebaut ist. Prinzipiell könnte man einProgramm ein halbes Jahr später noch öffnenund sämtliche Undo-Schritte vollziehen. Aufder anderen Seite macht es das System auchkomplizierter als ein Windowssystem.Den Trend zum „einfacheren Handling“ hatFilmlight aber erkannt und möchte auch dieSoftwarestruktur in den kommenden Versionenvereinfachen und nutzefreundlichergestalten.Wer sich als „Baselight-Frischling“ nichtgleich von der komplexen Menüführung undden unzähligen Buttons abschrecken lässt,kann innerhalb kürzester Zeit schnell einfacheKorrekturen erstellen. Die Geschwindigkeitwächst dann durch das haptische Training,also das wieder und wiederkehrende Ausführender gleichen Bewegungsabläufe. Bisman alle Feinheiten des Systems beherrscht,können im Eigentraining schon ein paar Wochenvergehen. Wobei ein Colorist niemalsalle Funktionen nutzen muss, respektive immerirgendwie zum Ziel kommt. Wir benutzenja sicherlich auch nicht alle Funktionenin Microsoft Word. Um über alle Funktionenvon Baselight zu schreiben, würde wohl eineigener Artikel nicht ganz ausreichen. IchOn-Set Grading mit Filmlight Fluxmöchte aber noch auf Truelight, das eigeneKalibrierungssystem eingehen. Mit Truelightwird sichergestellt, dass gerade im Kinospielfilmbereich,wo ja mit verschiedenstenProjektoren gearbeitet wird, das Bild immerkorrekt und in den richtigen Farben undLeuchtstärken auf der Leinwand dargestelltwird. Dazu hat Filmlight eigene Techniker,die weltweit Gradingräume einmessen undentsprechend dem vorhandenen Projektorkalibrieren. Truelight kann übrigens auch alsStandalone-Hardware gekauft werden undwird teils auch für andere Gradingsystemeeingesetzt.Neben Baselight und Truelight hat Filmlightaußerdem die neuen Produkte FLIP (einOn-Set Look-Tool) und FLUX (eine Storage-Solution) herausgebracht und durch die Entwicklungin den reibungslosen Austausch inForm von Metadaten eine einfache Vernetzungzwischen den Systemen entwickelt.So wird an allen Produktionsschritten (amSet, im Schnitt, in der Farbkorrekturund im Finishing) dergleiche, konsistente Look gesehen.Nicht zu vergessen ist derSupport, der je nach Zeitzoneauf die einzelnen Filmlight-Supportzentren verlagert wirdund somit recht schnell reagiert.Via Remote können sichdie jeweiligen Techniker dann indas System einloggen und ersteHilfe geben. Baselight wird sichin den verschiedensten Varianten auch in Zukunftwohl eher in den größeren Posthäusernfinden. Die stabile Architektur macht diesesArbeitstier für Häuser mit viel Durchlauf zumverlässlichen Partner. Filmlight hat aberauch erkannt, dass es im unteren Preissegmentaufholen muss und wird hier in Zukunftverstärkt auftreten.MonitoreBei allen Vergleichen um die Gradingsystemedarf Eines nicht vergessen werden: Dasschwächste Glied im System ist und bleibtder Monitor.Grundsätzlich sollte der Monitor als Gradingmonitorausgewiesen und auch kalibrierbarsein. Den richtigen Monitor zu finden, isteine Wissenschaft für sich. Zumal nicht jederum die 20.000 Euro zur Verfügung hat, umsich mit den Highend-Modellen einzudecken.Als absolute Referenz gilt im Moment übrigensder Dolby PRM-4200. Dolby hat sich dashohe Ziel gesteckt, den Monitor in den nächstenJahren in sämtliche Gradingsuiten derWelt zu verkaufen. Qualitativ steht dem nichtsim Wege, allein der Preis von rund 30.000Dollar könnte diesen Plan etwas schwieriggestalten.Anmerkungen zum WorkflowSeit einigen Jahren treten immer wieder dieselbensubjektiven Probleme auf. Das Gradingentspricht in der Suite, am kalibriertenKlasse-1-Monitor genau den Vorstellungen012www.digitalproduction.com


Ausgabe 04|13Color Grading | Überblickder Kunden. Aber vielleicht schon eine Suiteweiter, im Onlineprozess zum Beispiel amNuke, Smoke oder Flame sehen die Farbenkomplett anders aus. Die Schwärzen sindeventuell ausgewaschener, das Grün zubläulich und der Kontrast sieht sowieso andersaus.Gehen wir dann ans Ende der Kette, zumEndkonsumten, sind wir oft von der Qualitätdes ersten Gradings noch weiter entfernt.Manche Kunden meinen sogar, dass in Zeitenvon Film diese Probleme nicht vorhandenwaren und erst mit den digitalen Kamerasauftraten. Ganz unrecht haben sie damitnicht, wenngleich hier mehrere Faktorenzusammenkommen. In Zeiten von Film wurdeirgendwann auf Band ausgespielt, umdas Material ins Fernsehen zu bekommen.Erst analog, dann auf digitale Bandformate.Heutzutage muss man sich mit den verschiedenstenCodecs beschäftigen, die das Gradingnachhaltig beeinflussen können. Auchdie Zahl der Verbreitungskanäle wie Youtube,Vimeo oder Facebook bringen neue Unbekannteins Spiel. Unabhängig davon war derFarbraum bei CRT-Monitoren relativ begrenztund auch durch Normen festgeschrieben. Mitder Einführung von Flachbildschirmen wurdediese Norm rigoros aufgeweicht. Sie könnenzehn Consumer-Fernseher verschiedenerHersteller nebeneinander stellen und werdenauf jedem einzelnen abweichende Farben sehen.Oft geben die Werkseinstellungen einenKontrast von 80 Prozent vor. Dadurch wird dasBild sehr „hart“ und Details (Zeichnungen),die im Gradingprozess noch vorhanden waren,gehen einfach verloren. Im direkten Vergleichzu einem kalibrierten Monitor verliertein Ipad beispielsweise rund 20 Prozent anKontrast und Sättigung.Das Ende der Kette, also den Fernseherim Wohnzimmer, kann man als Colorist nichtbeeinflussen. Umso wichtiger ist es daher,dass zumindest die Kalibrierung beim Gradingkorrekt ist und die technischen Normeneingehalten werden. In dieser Ausgabe beleuchtenwir das Thema Monitore übrigensgenauer.Remote GradingColorist Andreas Brückl am Baselight bei 1000VoltImmer mehr Hersteller werben inzwischenmit dem Feature Remotegrading. Es klingtschon sehr aufregend, wenn der Regisseurzum Beispiel in Hongkong und der Colorist inLondon sitzt und beide fast zeitgleich dasselbeBild sehen und bearbeiten.Praktisch kommt das aber nicht vor undmacht auch nur in Einzelfällen Sinn. Der Aufwandist einfach zu groß. Man benötigt an beidenStandorten das gleiche System sowie dengleichen Monitor (natürlich gleich kalibriert).Darüber hinaus müssen natürlich auch teilsHunderte von Gigabyte an Videodaten parallelvorliegen. Die eigentliche Kommunikation findetdann über Videochat, zum Beispiel Skypestatt. Aber für wen lohnt sich das Ganze, wennman bedenkt, dass die Kosten durch Remotegradingnatürlich um ein Vielfaches höhersind? Im Prinzip lohnt sich dieses Featureeigentlich nur, um an ein paar ausgewähltenSzenen den Look zu bestimmen und dannlokal den Rest dementsprechend fertig zustellen. Alles andere wäre zu aufwendig, zukostspielig und würden wohl die wenigstenKunden bezahlen.Einige Studios in London bieten seit geraumerZeit Remotegrading an und werbenmit ihren Top-Color-Gradern, gerade im Werbebereich.Da spielt natürlich der alte Hypeum das kreative London eine tragende Rolle.Der Trend ist nicht neu. Ein ausländischerArtist verkauft sich beim Werbekunden oftbesser als ein Einheimischer. Die Erfahrunghat aber auch gezeigt, dass im Prinzip jedernur mit Wasser kocht und das deutsche Wassernicht selten viel besser schmeckt als dasLondoner.Deutsche Artists jeder Branche zählenzu den besten der Welt und besetzen nichtumsonst Schlüsselpositionen in allen führendenCG-Firmen weltweit. Deutsche Studioshaben inzwischen Dependancen in allenRegionen der Erde und arbeiten seit Jahrenerfolgreich an großen Blockbustern mit. Esist wohl angebracht, auch den deutschenArtists im eigenen Land mehr Vertrauen entgegenzubringenundsich bewusst hintersie zu stellen. Städtewie Berlin, Hamburgoder Münchenzählen zu den angesagtestenReisezielen,also könnteman den Spieß auchumdrehen und denLondoner StudiosRemotegrading vondeutschen Artistsanbieten. Schauenwir mal, was die Zukunftbringt.FazitColor Grading ist ein sehr spannender Be -reich und dank der steigenden Popularitätund der Verbreitung günstiger Systemeweiß auch der Letzte inzwischen, dass einBild durch den Color-Grading-Prozess eineenorme Aufwertung erfahren kann. In Zukunftwird es wohl einen Zwei-Klassen-Gradingmarktgeben – allerdings mit mehrerenGraustufen dazwischen. Kleinere Produzenten,die sich auch eine Kamera für ein paarTausend Euro kaufen, werden an einem reinsoftwarebasierten Gradingsystem selbst ihreFarbkorrekturen vornehmen. Das ist durchauspositiv zu bewerten, da diese Gruppe ausKostengründen bisher eben kein Grading machenkonnte. Die Ergebnisse werden wir dannmeist im Web und auf diversen Plattformensehen können.Die andere Gruppe ist wie bisher der Serien-,Spielfilm- und Werbebereich. HöherePreise sind hier durchaus berechtigt, da dieProzesse um das Grading selbst aufwendigsind. Wer auf die richtigen Workflows und technischenGrundlagen verzichtet, wird schnellim Chaos landen. Wer am falschen Ende spart,zahlt im Endeffekt immer drauf. Letztendlichwird es auch eine qualitative Unterscheidungbei den Coloristen selbst geben. Nicht jeder,der an einer Freeversion von DaVinci Resolveherumdreht, ist auch ein Colorist – auch wenner sich so bezeichnet. Hier gilt es einfachnachzuforschen, welchen Werdegang derArtist hat. Gab es eine Assistenzzeit? Gibt esnachweislich genügend eigene, qualifizierteProjekte und echte Referenzen? In Zukunftwird es wohl eine Schwemme junger „Coloristen“geben, die sich aufgrund mangelnderAusbildung sehr schwer tun werden, in diehöher bezahlten Gradingjobs vorzustoßen.Wer noch keinen Kinofilm oder eine Coca-Cola-Werbunggemacht hat, dem vertraut maneben meist auch kein großes Projekt an.Bei der Wahl des richtigen Gradingsystemssollte man sich selbst einige Fragenstellen und genau analysieren. Zu den Kosteneines Systems kommen immer die „Folgekosten“für Systempflege durch Techniker,Aufbau der technischen Systemarchitektur,Supportverträge, Schulungen, etc. Gibt esgenügend Color Grader für das System beziehungsweisekann man schnell Leute umschulen?Welche Jobs kommen vorwiegend indie Firma (TV, Kino, Werbung) und wie flexibelpasst sich das Gradingtool dem Volumen an?Das falsche System kann einen im schlimmstenFall täglich mehrere Stunden Zeit undsomit Geld kosten. Letztendlich ist auch dasHandling und der „Wohlfühlfaktor“ entscheidend.Dies kann jeder Artist aber nur durchTesten erfahren. Zum Glück bieten Resellerimmer die Möglichkeit, Gradingsysteme füreinige Zeit zu testen. ❯ sha013

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