Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken

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Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken

Rote Liste der Heuschrecken der Schweiz BAFU / SZKF 2007 14

2.2 Sekundäre Pionierstandorte

Die durch gewisse menschliche Tätigkeiten geschaffenen Pionierstandorte sind förderlich

oder gar unerlässlich für das Überleben von zahlreichen Heuschreckenarten. Viele

waren ursprünglich an primäre Pionierstandorte gebunden, welche heute fast völlig

verschwunden sind (z. B. See- und Flussauen mit starker natürlicher Dynamik). Diese

Arten sind nun abhängig von dem zerbrechlichen Gleichgewicht zwischen mechanischen

Störungen zur Regeneration günstiger Standorte, den unerlässlichen Ruheperioden

für Ansiedlung und Wachstum der betroffenen Populationen und der darauf folgenden

Degradierung der Lebensräume, wenn diese von der Vegetation überwachsen

werden.

2.2.1 Schlammige Pionierstandorte in Moorlandschaften, Lehmgruben und Mergelgruben

Die vergänglichen, kleinen einjährigen Pflanzen des Nanocyperion bilden den bevorzugten

Lebensraum von Tetrix ceperoi. Sie sind vor allem anthropogenen Ursprungs

und in der Schweiz stark bedroht, weil sie abhängig sind von:

> dem periodischen Bodenabtrag und der regelmässigen Bildung von Spurrinnen in

gewissen Bereichen des Moores, besonders an geschützten Standorten, sowie in aufgegebenen

Lehm- und Mergelgruben ohne natürliche Regeneration;

> der Erhaltung von Teichen, temporären Pfützen und schlammigen Pionierflächen,

welche für die schweren, regelmässig überschwemmten Böden des Mittellandes

typisch sind;

> der Neuschaffung solcher Lebensräume in überschwemmbaren Gebieten des Mittellandes,

wo sie vollständig verschwunden sind.

2.2.2 Offene Flächen in Torfmooren

Die nackten Torfflächen und -hügel des früheren Torfabbaus bilden im Jura und in den

Nordalpen sehr günstige Restlebensräume für Myrmeleotettix maculatus. Die Neubesiedlung

dieser Flächen durch Gefässpflanzen oder durch das Torfmoor stellt eine

Bedrohung für Populationen dieser Art dar, weil günstiger Lebensraum zerstört wird.

Die einzigen möglichen Massnahmen gegen diese Bedrohung sind das Roden und der

gelegentliche Bodenabtrag auf Teilflächen bereits existierender Pionierstandorte (die

Bildung neuer Pionierstandorte ist ausgeschlossen).

2.2.3 Schwach bewachsene Ruderalflächen auf Bahnhöfen und Geleisen

Die auf Sand oder Kies wachsenden ruderalen Vegetationsgruppen entlang von Geleisen

und auf Güterbahnhöfen bilden bedeutende Ersatzlebensräume für Sphingonotus

caerulans. Ihre Erhaltung muss bei Instandstellungsarbeiten auf Bahnhöfen und Geleisen

unbedingt gesichert sein, denn sie sind für ihre Entwicklung abhängig von

feinkörnigem Untergrund (S. caerulans kolonisiert keine Flächen mit grobkörnigem

Boden).

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