Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken

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Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken

2 > Empfehlungen 15

2.2.4 Pioniervegetation in Steinbrüchen und Kiesgruben

Steinbrüche und Kiesgruben sind wertvolle Lebensräume für zahlreiche Arten wie

Calliptamus italicus, C. siciliae, Oedipoda caerulescens, O. germanica oder S.

caerulans. Folgende Massnahmen ermöglichen es, diese Funktion nachhaltig zu sichern:

> In «aktiven» Steinbrüchen und Kiesgruben: Einrichtung und Erhaltung von Fels-,

Kies- und Sandbänken mit lückiger Vegetation am Rand der vegetationslosen aktiven

Abbauflächen;

> Am Ende des Abbaus: Möglichst viele Steinbrüche und Kiesgruben sollten der

natürlichen Dynamik überlassen werden. Dies bedeutet, es wird auf das Auffüllen

der Gruben verzichtet, und das Land wird nicht wieder der Land- bzw. Forstwirtschaft

oder dem Siedlungsgebiet zurückgegeben;

> In aufgegebenen Steinbrüchen oder Kiesgruben: Sicherung einer regelmässigen,

künstlichen Schaffung von Pionierstandorten mit – wenn es die Objektfläche ermöglicht

– verschiedenen Wiederbesiedlungsstadien von Pfützen und Sedimentbänken.

2.2.5 Buntbrachen

In Ackerbaugebieten nützen Buntbrachen mit ihrer oft grossen Strukturvielfalt mehreren

Heuschreckenarten, deren Adulttiere besonders die hohe Vegetation schätzen:

Phaneroptera falcata, Conocephalus fuscus. Bereiche mit niedriger Vegetation oder

Flächen mit offenem Boden mit Pioniercharakter können bedrohte Arten beherbergen,

z. B. Euchorthippus declivus (westliches Mittelland) und Aiolopus thalassinus (Genf

und Südtessin). Die Bedeutung von Buntbrachen für Heuschrecken hängt aber stark

vom Vorkommen einer Population in der Umgebung und von der Ausbreitungsfähigkeit

der Arten ab. Die Anlage von Buntbrachen sollte folglich systematisch zur Revitalisierung

von Ackerbaugebieten tieferer Lagen und vor allem auf leichten und durchlässigen

Böden empfohlen werden.

2.3 Trockenes und feuchtes Grünland

Das Grünland – ob trocken oder feucht, gemäht oder beweidet – beherbergt die meisten

Heuschreckenarten in der Schweiz. Die Bewirtschaftungsweise dieser Flächen hat

folglich einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung dieser Populationen. Nach

dem zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Bewirtschaftung vor allem in Richtung

Ertragssteigerung. Das heisst, es wurde immer mehr Kunstdünger ausgebracht, die

Wiesen wurden immer häufiger geschnitten, und der Tierbesatz auf den Weiden wurde

erhöht. Gleichzeitig verarmte die Landschaft (Hecken, Büsche und Baumgruppen

sowie Steinhaufen und Trockensteinmauern usw. verschwanden), und die Bewirtschaftung

wurde vereinheitlicht (z. B. früher Schnitt praktisch aller Wiesen in einer Region).

Die Fläche an heuschreckenreichem Wiesland (Magerwiesen und -weiden, Trockenwiesen

und Steppen, Streuwiesen, Flachmoore usw.) hat stark abgenommen, was zur

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