Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken

sib.admin.ch

Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken

3 > Ergebnisse: Einstufung der Arten 19

Die Schweizer Heuschrecken, welche meist licht- und wärmeliebend sind, besiedeln

praktisch alle terrestrischen Lebensräume bis auf 3100 m ü. M. Für Heuschrecken

besonders geeignet sind Mosaike von Felsplatten, Trockenwiesen, Magerweiden und

Hecken. Weniger günstig sind intensives Ackerland und dichte Wälder mittlerer und

höherer Lagen. Heuschrecken können bezüglich der Lebensraumbindung grob in

4 Gruppen (Gilden) unterteilt werden:

1. Pionierarten in Auen, Felsplatten, Geröllhalden oder Karst (25 Arten);

2. Sumpfarten in Flach- und Hochmooren (11 Arten);

3. Grünlandarten in Trockenwiesen und -weiden (43 Arten);

4. Wald- und Waldrandarten sowie Gebüscharten, vor allem in tieferen Lagen

(24 Arten).

Mit einem Anteil von je 60 % Rote-Liste-Arten (RL 2007) haben die Pionierarten und

die Arten der Moore in den letzten hundertfünfzig Jahren am stärksten unter den

Auswirkungen der menschlichen Tätigkeiten gelitten: Fluss- und Bachläufe wurden

begradigt, die Ufer verbaut, der Wasserfluss mit dem Bau von Wasserkraftwerken stark

vermindert, zudem wurden die meisten Feuchtgebiete drainiert oder gepflügt, z. B. für

den Ackerbau.

Mit fast einem Drittel bedrohter Arten haben die Grünlandheuschrecken – die artenreichste

Gruppe – die Intensivierung der Landwirtschaft in der zweiten Hälfte des

20. Jahrhunderts mit voller Wucht zu spüren bekommen, vor allem in tieferen und

mittleren Höhenlagen: z. B. die Düngung von Wiesen und Weiden, die Modernisierung

der Mähtechnik, den Anstieg der Anzahl Schnitte pro Jahr und des Tierbesatzes.

Schliesslich scheinen nur die Wald- und Waldrandarten der neuesten Landschaftsentwicklung

standgehalten zu haben. Trotzdem gehört eine dieser Arten, Ephippiger

ephippiger diurnus, welche an buschige Felsformationen oder Felsenheiden gebunden

ist, zu den am meisten gefährdeten Arten der Schweizer Fauna.

3.2 In der Schweiz ausgestorben (RE)

Diese Kategorie umfasst drei Arten, welche in der Schweiz als verschollen gelten. Die

gezielte Suche in angegebenen Fundregionen blieb erfolglos. Diese Arten, von denen

zwei streng an Auen gebunden sind, waren immer relativ selten in unserem Land. Die

Schweiz liegt am äussersten Rand ihres Verbreitungsgebietes.

Bryodemella tuberculata kam in der Schweiz im Inntal des Unterengadins zwischen

Scuol und Tschlin vor (Abb. 4). Sie wurde 1959 zum letzten Mal in Ramosch nachgewiesen

und ist dann anfangs der 1960er Jahre verschwunden (Nadig 1986). Die Gründe

für ihr Verschwinden sind die Veränderungen des Wasserhaushaltes durch den Bau

mehrerer Kraftwerke am Inn sowie der Abbau der Kiesbänke. Die letzten Populationen

dieser in Zentraleuropa vom Aussterben bedrohten Art befinden sich nördlich der

Alpen in Deutschland und Österreich (Reich 2006).

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine