Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken

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Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken

3 > Ergebnisse: Einstufung der Arten 21

3.3 Vom Aussterben bedroht (CR)

Diese Kategorie umfasst diejenigen Arten, welche an weniger als fünf Schweizer

Standorten gefunden wurden, oder deren Verbreitungsgebiet sehr klein ist. Diese

Populationen, welche in den letzten Jahren offensichtlich weiterhin stark abgenommen

haben, sind alle sehr isoliert. Für die Mehrzahl dieser Arten wird die extrem hohe

Gefährdung auch nicht durch die Entdeckung von einigen neuen Standorten verringert.

Epacromius tergestinus war früher in mehreren Auengebieten der Schweiz verbreitet,

so in den Tälern der Rhone, des Rheins, des Inns und des Rombaches (Münstertal GR).

Diese Art ist in den letzten zwei Jahrzehnten zweifellos verschwunden, die letzte

bestätigte Beobachtung datiert aus dem Jahr 1989 im Pfynwald (Zettel in litt.). Die

Gründe für ihr Verschwinden sind die Verbauung der Ufer, der Abbau der Kiesbänke

und der Bau von Kraftwerken an den grossen Wasserläufen der Alpen. 2004 wurde die

Art im Pfynwald wieder eingeführt, indem etwa dreissig Larven aus dem benachbarten

Frankreich freigelassen wurden (Werner 2006). Dies scheint gelungen zu sein, denn

2005 und 2006 konnte diese Art wieder beobachtet werden. Ihr Status ist dennoch sehr

besorgniserregend: Sie ist in allen Wasserläufen der Alpen vom Aussterben bedroht

(Carron et al. 2001).

Pteronemobius lineolatus lebt in zwei natürlichen Auengebieten des Kantons Tessin,

dem der Maggia und dem der Verzasca sowie ihren Mündungen in den Lago Maggiore.

Aufgrund kürzlich entdeckter neuer Standorte entlang dieser beiden Flüsse wurde

das regionale Verbreitungsgebiet dieser Art angepasst. Sie benötigt ausgedehnte Kies-

und Steinbänke sowie Flächen mit feinkörnigem, sandigem oder schlammigem Material

für die Eiablage. Ihre Situation bleibt sehr unsicher, weil jegliche Veränderung der

Auendynamik und der Ufer dieser beiden Flüsse eine fatale Wirkung hätte.

Chorthippus pullus und Tetrix tuerki sind zwei typische Arten der dynamischen

Auensysteme tieferer und mittlerer Höhenlagen. Die derzeitige Verbreitung beschränkt

sich auf einige isolierte Standorte in den Alpen und vereinzelte Vorkommen in den

Voralpen und im Mittelland. Die seit über einem Jahrhundert andauernden Beeinträchtigungen

der Wasserläufe durch den Bau von Kraftwerken und die Eindämmung der

Ufer sind die Hauptursache für den Rückgang. T. tuerki kommt an der Saane, der

Ärgera, im Berner Oberland (Engstlige, Kander), im Rhonetal, im Nordtessin (Brenno),

im Rheintal und im Inntal vor. Das Verbreitungsgebiet von C. pullus (Abb. 5), welcher

im Berner Oberland und auch im Tessin fehlt, ist eingeschränkter als das von T. tuerki.

Der Rückgang der beiden Arten hat sich in den letzten Jahrzehnten fortgesetzt, wie das

wahrscheinliche Aussterben an mehreren Standorten, an welchen sie noch in den

1960er Jahren beobachtet wurden, bestätigt. Die Lage von C. pullus ist noch kritischer

als diejenige von T. tuerki.

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