Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken

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Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken

3 > Ergebnisse: Einstufung der Arten 29

Phaneroptera falcata, Metrioptera bicolor, Arcyptera fusca und Psophus stridulus

sind charakteristische Arten der Trockenwiesen und -weiden tieferer und höherer

Lagen. Die die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts kennzeichnende Intensivierung der

Landwirtschaft (systematischer Einsatz von Kunstdünger, Erhöhung der Anzahl

Schnitte pro Jahr oder Zunahme des Tierbesatzes) hatte eine Degradierung und Zerstückelung

dieses wertvollen Grünlandes zur Folge. Dies führte zur schnellen und starken

Abnahme sowohl der Anzahl als auch der Grösse der Populationen der stenöken Arten,

die darin leben. Auch wenn sich diese Abnahme in den letzten zehn bis fünfzehn

Jahren verlangsamt hat, wie die scheinbare Stabilität der Populationen der vier oben

genannten Arten bestätigt, so ist die Zukunft dieser Lebensräume noch lange nicht

gesichert. Die neuesten Entwicklungen in der Graslandbewirtschaftung, verbunden mit

je nach Region grossflächiger Nutzungsaufgabe oder ungebremster Überbauung,

können die positive Wirkung des nationalen Trockenwiesen- und -weidenschutzes und

der Massnahmen zur Förderung des ökologischen Ausgleichs und der ökologischen

Qualität im Agrarland zunichte machen. Die folgenden landwirtschaftlichen Praktiken

sind für die Fauna sehr schädlich und breiten sich tendenziell immer mehr aus: die

Mahd mit Kreiselmäher, das sofortige Aufladen und Aufbereiten des Futters, die

Bewässerung von Steppenrasen und Trockenweiden, der Einsatz von Rodungsfräsen

auf steinigem Grünland und die Umwandlung von Weiden in Wiesen.

Oedipoda germanica und Calliptamus italicus weisen in einigen Regionen der

Schweiz, besonders im Wallis, noch zahlreiche und scheinbar stabile Populationen auf.

In anderen Gegenden kommen sie hingegen nur vereinzelt vor, vor allem im Jura, im

Mittelland und in den Nordalpen. Gemeinsam leben sie in steinigen Trockenwiesen

und -weiden im Wallis, wo sie durch die Intensivierung der Landwirtschaft (vgl. oben)

bedroht sind. Sie besiedeln aber auch verschiedene Pionierstandorte: Wiesen mit

offenen Bodenstellen und Felsplatten, oft am Rand von Weinbergen, Steinbrüchen oder

Kiesgruben. In der nördlichen Hälfte der Schweiz, wo die beiden Arten nur selten

zusammen vorkommen, sind ihre oft isolierten und kleinen Populationen in mehreren

Regionen am Abnehmen. Sie sind Opfer der Ausweitung der Rebberge und der Überbauung

von gut exponierten Hängen.

Anonconotus alpinus ist eine Art mit sehr beschränktem Verbreitungsgebiet in den

Voralpen und den westlichen Alpen, wo sie sehr lokal vorkommt. Die trotz intensiver

Suche in dieser Region wenigen neuen Fundorte der letzten Jahre weisen auf eine

gewisse Seltenheit hin. Die Art besiedelt offene, steinige Stellen in kurzrasigen Weiden

höherer Lagen, welche oft mit Wacholder und Zwergsträuchern durchsetzt sind. Ihre

Seltenheit, verbunden mit dem Risiko einer sich verändernden Bewirtschaftung ihres

Lebensraumes (v. a. Rodungsfräsen), stellt eine eindeutige Gefahr für ihre Populationen

dar.

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