Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken

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Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken

Rote Liste der Heuschrecken der Schweiz BAFU / SZKF 2007 30

3.6 Potenziell gefährdet (NT)

Die Arten der ersten Gruppe dieser Kategorie (Yersinella raymondi, Pezotettix giornae,

Pholidoptera fallax) kommen fast ausschliesslich im Tessin vor. Ihr Verbreitungsgebiet

ist sehr klein und würde als alleiniges Kriterium einen höheren Gefährdungsstatus

rechtfertigen. Folgende Gründe sind für ihre tiefere Einstufung verantwortlich: Als

ökologisch wenig anspruchsvolle Arten (euryök) besiedeln sie viele verschiedene,

nicht oder kaum gefährdete, offene oder halboffene Lebensräume im Tessin; ihre

Populationen sind stabil und in ständigem Austausch mit denjenigen in Norditalien.

Die zweite Gruppe umfasst mehrere Arten mit beschränktem Verbreitungsgebiet

und/oder mit kaum direkt vom Menschen beeinflussten Lebensräumen (Felsbänder

und -wände, Geröllhalden, Rasen mit offenen Bodenstellen): Aeropedellus variegatus,

Antaxius pedestris, A. difformis, Stenobothrus rubicundulus und Tetrix bipunctata.

Die dritte Gruppe umfasst mehrere Arten (Omocestus haemorrhoidalis, Polysarcus

denticauda, Ruspolia nitidula), deren Verbreitungsgebiet zwar beschränkt ist, sich aber

in den letzten Jahrzehnten vergrössert hat, und/oder für die in den letzten Jahren eine

beträchtliche Anzahl neuer Fundorte entdeckt wurde. Der scheinbar gute Zustand

dieser Populationen bleibt jedoch durch eine allfällige Intensivierung der Landwirtschaft

bedroht.

Die vierte Gruppe schliesslich umfasst weit verbreitete und in der Schweiz relativ

häufige Arten (Decticus verrucivorus, Platycleis a. albopunctata, Omocestus rufipes,

Chrysochraon dispar, Metrioptera brachyptera, Chorthippus mollis, Oedipoda

caerulescens), welche allein aufgrund dieser Kriterien einen tieferen Gefährdungsstatus

erhalten hätten. Da sie aber von einer extensiven Bewirtschaftung und meist von

qualitativ guten Lebensräumen abhängig sind, sind sie dennoch direkt durch die heutige

Entwicklung in der Grünlandbewirtschaftung bedroht: Mahd mit Kreiselmäher,

Mähaufbereitung und unmittelbares Einfahren des Erntegutes, Bewässerung von

Steppenrasen und Trockenweiden, Einsatz von Rodungsfräsen auf steinigem Grünland,

Umwandlung von Weiden in Mähwiesen.

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