Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken

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Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken

Vorwort 7

> Vorwort

Der Begriff der Roten Listen ist heute nicht nur bei den Fachleuten, sondern auch in der

Bevölkerung allgemein bekannt. Rote Listen sind Warnsignale für den Naturschutz und

wirksame Instrumente für die Beurteilung von Lebensräumen. In dieser Funktion sind sie

auch in der Verordnung zum Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz aufgeführt.

Rote Listen können zudem auch verwendet werden, um den Erfolg von Schutzmassnahmen

zu überprüfen. Gelingt es, den Rückgang der Arten aufzuhalten, so dass die Zahl der Arten

auf der Roten Liste reduziert werden kann, ist ein wichtiger Schritt zur nachhaltigen Entwicklung

im Sinne von Rio getan. Dies jedenfalls ist ein Ziel, das der Bundesrat mit der

Annahme des «Landschaftskonzepts Schweiz» anstrebt.

Wie alle anderen seit 2001 vom BAFU herausgegebenen Roten Listen, baut die vorliegende

neue Rote Liste der Heuschrecken der Schweiz auf den von der IUCN vorgeschlagenen

Kriterien und Kategorien auf. Auch wenn die Verwendung dieser neuen Kriterien den

Vergleich mit der früheren Version von 1994 nicht vereinfacht, ist es gleichwohl gelungen,

einige wichtige Befunde zur Populationsentwicklung der betroffenen Arten festzuhalten:

> Die Situation der bereits 1994 stark gefährdeten Arten, so zum Beispiel solche der

Pionierstandorte der Auengebiete, hat sich weiter verschlechtert;

> die Situation eines bedeutenden Anteils der Arten der feuchten Lebensräume, der Trockenwiesen

und Trockenweiden und der jeweils dazugehörenden Saumgesellschaften

bleibt sehr anfällig;

> die offensichtlich stabile Situation einer Mehrheit der Arten der sekundären Pionierstandorte,

der mässig feuchten Wiesen und Weiden, der Brachen und der extensiv genutzten

Flächen könnte sich mit der Verallgemeinerung bestimmter stark einwirkender

Praktiken in der Landwirtschaft (z. B. Rodungsfräse, Sofortverarbeitung von Erntegut,

Bewässerung) rasch zu Ungunsten dieser Arten verändern.

In diesem Zusammenhang ist es offensichtlich, dass einzig die verbreitete und koordinierte

Anwendung der von den entsprechenden Bundesgesetzen vorgesehenen oder unterstützten

Massnahmen in der Lage ist, die Heuschreckenpopulationen der offenen und halboffenen

Lebensräume dieses Landes zu erhalten oder zukünftig gar zu vermehren zu helfen. Zu

diesen Massnahmen gehören namentlich die Revitalisierung der Gewässer, die Verdichtung

der ökologischen Vernetzung, die Förderung der Qualität der ökologischen Ausgleichsflächen,

die gezielte Erhaltung und der Unterhalt aller heute inventarisierten Objekte von

nationaler und regionaler Bedeutung und deren Eingliederung in die bereits erwähnte

ökologische Vernetzung. Wir hoffen, dass dieses Dokument die Zusammenarbeit zwischen

den zuständigen kantonalen Ämtern und dem Bund fördern wird und damit die Zielvorstellungen

von heute möglichst rasch die Wirklichkeit von morgen werden.

Willy Geiger

Vizedirektor

Bundesamt für Umwelt (BAFU)

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