Knochen und Gelenke in Gefahr

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Knochen und Gelenke in Gefahr

gut versorgtKnochen undGelenke in GefahrOb im Haushalt, auf dem Arbeitsweg oder beim Freizeitsport – Verletzungendrohen fast überall, sei es wegen Unachtsamkeit oder Überforderung. Wie abermerkt man, dass die Verletzung langwieriger und behandlungsbedürftig ist?Eine falsche Bewegung reicht, umMuskeln zu zerren, Bänder zuüberdehnen oder Gelenke zu überlasten.Oft machen starke Schmerzendarauf aufmerksam, dass eineVerletzung vorliegt. Kurze Zeit späterweisen Schwellungen und Rötungendarauf hin, dass Muskelfasernoder Gelenkstrukturen so geschädigtwurden, dass aus verletzten GefäßenBlut in das umliegende Gewebe sickert:Ein Bluterguss (Hämatom) entwickeltsich. Solche Schwellungenmachen es oft schwer, den Schadenzunächst richtig zu bewerten.Dehnung und VerstauchungEin Beispiel kann das Umknicken mitdem Fußgelenk, wegen eines hohen Absatzes,sein: Gelenke werden durch Bänderaus besonders festem Bindegewebestabilisiert, die bei einer solchen Überbelastungzwar lange Zeit die Stabilität undFunktion des Gelenks schützen, selbstaber in Mitleidenschaft gezogen werden.Reißen dabei einige der Fasern, so sprichtman von einer Bänderdehnung; überdehntenBändern fehlt es oft längere Zeitan Festigkeit, sodass bei kleinen Anlässenweitere Verletzungen (z. B. erneute Überdehnungen)auftreten können. Das kannim Laufe der Zeit zu einem sogenanntenSchlottergelenk führen. Auch Verstauchungensind meist kombinierte KapselundBandverletzungen, vorwiegend imBereich des Fußgelenks. Neben den Fußgelenkentreten Bänderdehnungen undVerstauchungen oft auch in Finger- undKniegelenken auf, gelegentlich auch imSchultergelenk.Eindrucksvolle Auswirkungen habenauch Schläge auf Muskeln, z. B. durch dasAnstoßen an einer Tischkante: Hier tretenoft Tage später ausgedehnte Blutergüsseund Schwellungen zutage, diedurch das im Gewebe verteilte Blut entstehen.Foto ©: Springer Medizin26 w&g 3.2012


gut versorgtBänder-, SehnenundMuskelrisseIst die Überdehnung von Bändern zustark, oder sind Sehnen, die Muskeln mitKnochen verbinden, bereits vorgeschädigt,so können diese komplett reißen.Dabei besteht die Gefahr, dass auch kleinereKnochenstückchen mit ausreißen.Die häufigste Art von Bänderrissensind die des Außenbandes im oberenSprunggelenk, das bei allen DrehundKippbewegungen, die auf den Fußübertragen werden, besonders großenZugkräften ausgesetzt wird. Typisch füreinen Außenbandriss sind eine Schwellungund ein Bluterguss unterhalb desbetroffenen Knöchels, die bis zum Fußrandreichen. Gehen ist oft nur eingeschränktund schmerzhaft oder gar nichtmöglich.Bei sportlich aktiven Menschen könnenplötzliche Richtungswechsel beimLaufen oder Springen auch die Kreuzbänderim Knie zum Reißen bringen –das vordere etwa zehnmal häufiger alsdas hintere. Dann sind ähnliche Verletzungszeichenzu erkennen, der Arzt kannzudem bei der Untersuchung den Unterschenkelin Beugehaltung des Knies gegenüberdem Oberschenkel schubladenartignach vorne verschieben, wenn dasvordere Kreuzband gerissen ist („Schubladenphänomen“).Der Patient hat oft einGefühl der Instabilität.Muskelfaserrisse oder Risse ganzerMuskelbündel machen sich durch einenbei der Bewegung und Belastung heftigeinschießenden Schmerz bemerkbar. Muskelbündelrisselassen sich oft ertasten. Dertypische Bluterguss, der auch der Schwerkraftfolgend tiefer liegen kann, zeigt sichoft erst nach Tagen. Komplette Risse machensich oft durch eine Deformierung derMuskeln bemerkbar.KnochenbrücheAuch die Knochen müssen manchmalviel aushalten. Das kann dazu führen,dass sie brechen. Fast immer sind Knochenbrüchemit solchen Schmerzen verbunden,dass ein Gang zum Arzt unvermeidlichist. Nicht alle KnochenbrücheErste Hilfe nach der PECH-Regel P = Pause E = Kühlung durch Eis C = Druckverband durch „Compression“ H = Hochlagernlassen sich jedoch schon am Unfallort sichererkennen; ein Knochenbruch kannin vielen verschiedenen Formen auftreten,die teilweise auch erst nach Wochenim Röntgenbild nachzuweisen sind (z. B.die Ermüdungsfraktur).Doch welchen Belastungen war derKnochen ausgesetzt, bevor er brach? UnterUmständen sollte daher der Fragenachgegangen werden, ob noch andereFaktoren (z. B. eine geringe Knochendichte)für den Bruch mitverantwortlich gemachtwerden können. So ist beispielsweisebei Männern, die früh mit demRauchen begonnen haben, sowie beiFrauen nach der Menopause die Gefahrvon Knochenbrüchen oft höher.Wann zum Arzt?Die wichtigsten Maßnahmen nach einerSportverletzung sind: die Bewegung beenden,bevor noch größere Schäden entstehen;die verletzte Stelle kühlen, damitsich die Blutgefäße zusammenziehenund Blutungen schneller gestillt werden;mit einem eng sitzenden Verbanddie betroffene Region zum einen stabilisieren,zum anderen durch Druck weitereBlutungen unterbinden; und schließlichdas Hochlagern der betroffenen Gliedmaßen,um das Blut besser abfließenzu lassen, sodass die betroffenen Stellenweniger stark anschwellen. Gelenkeoder Gliedmaßen, die in ihrer Funktiondeutlich eingeschränkt sind und starkund anhaltend schmerzen, müssen ärztlichuntersucht und behandelt werden,am besten von einem Facharzt mit sportmedizinischerErfahrung. Der Arzt untersuchtdie Verletzung und veranlasst eineRöntgenuntersuchung bei Gelenk- undKnochenverletzungen, eine Ultraschalluntersuchungbei Muskelverletzungenund gegebenenfalls auch die Untersuchungin der Röhre. Wichtig auch beiMuskelverletzungen: Sind die Schmerzenstark und nehmen auch in Ruhe zu,ist ein Arztbesuch nötig. Die Schwellungendurch Blut und Gewebeflüssigkeitim Inneren des Muskels können nämlichdie Durchblutung so abschnüren, dassschlimmstenfalls Muskeln und Nervendauerhaft geschädigt werden.Vorsorge durch BewegungWer meint, durch Sportverweigerungsein Verletzungsrisiko zu verringern, derliegt leider falsch: Je besser Muskulatur,Bänder und Sehnen trainiert sind, destogeringer ist das Verletzungsrisiko. Voraussetzungfür ein gutes Training istjedoch eine langsame Steigerung derBelastung.VH Volker Schuck„Schmerzen, die zunehmen oder über Tage gleichbleiben, sollten ebenso wie Muskelde formierungenoder instabile Gelenke so schnell wie möglich vomArzt untersucht werden.“Dr. Klaus Bachfischer, Orthopäde in WeilheimFoto ©: photos.comw&g 3.201227

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