6. Jahrgang September 2011 - Spix eV

spix.ev.de

6. Jahrgang September 2011 - Spix eV

Liebe Freunde von Spix,

zu unserem Betriebsjubiläum erscheint eine Erinnerungsausgabe.

Fotos, Dokumente und Interviews

bieten Eindrücke von 25 Jahren gemeindepsychiatrischer

Arbeit und den Erlebnissen bei Freizeiten und

Festen. Die besondere Spix-Kultur, die auch in unserem

Logo zum Ausdruck kommt, werden wir weiter

pflegen: Das Leben ist bunt und wir wollen helfen,

das zu entdecken! In diesem Sinn feiern wir Spixler

am 17. September ein buntes Fest – die Mitglieder

des Vereins, Mitarbeiter/innen und Klient/innen. Eine

10köpfige Rock-Band, gutes Essen und ein Überraschungsgast

werden uns im Festzelt begleiten.

Rückblickend war die Finanzkrise 2008/2009 ein heilsamer

Schock. Die Strukturreformen, vor allem die

Verkleinerung der Leitungsebene, haben unser strukturelles

Defizit in ein strukturelles Plus verkehrt. Das

ermöglicht uns neben einem schrittweisen Schuldenabbau

eine Verbesserung unserer Dienstleistungen.

Seit Mitte 2010 ist der Gruppendienst in unserer

Werkstatt und im Wohnheim besser besetzt als je

zuvor. Und neue Projekte können ihre Aufbauarbeit

mit ausreichender personeller Besetzung leisten, ohne

dass sie gleich kostendeckend arbeiten müssen.

Unser wichtigstes Gut bleibt die Arbeitsfreude der

Kolleginnen und Kollegen, ihre Fachlichkeit und ihre

hohe Identifikation mit Spix und seinen partnerschaftlichen

Diensten für Menschen mit einem Handicap.

Gemeinsam mit dem Betriebsrat hat die Betriebsleitung

in diesem Jahr eine Form von Mitarbeitergesprächen

auf den Weg gebracht, bei der Wertschätzung

und die Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten

im Mittelpunkt stehen. Die Mitarbeitergespräche

werden ergänzt durch Funktionsbeschreibungen, die

alle wesentlichen Verantwortungsbereiche des jeweiligen

Arbeitsfeldes auflisten und persönliche Sonderaufgaben

würdigen.

Die Budgetlage erlaubt uns 2011/2012 eine verstärkte

Investition in die Weiterbildung. In unserem Seminarhaus

„Alte Schule“ werden künftig vermehrt Fortbildungen

stattfinden, deren Themen wir durch Mitarbeiterbefragungen

ermitteln. Darunter sind jetzt erstmals

auch Kurse, in denen Yoga-Techniken zur

Stressminderung am Arbeitsplatz vermittelt werden.

6. Jahrgang September 2011

Der Kurs wird ergänzt durch eine individuelle Beratung

und eine halbstündige Rückenmassage mit warmen

Ayurveda-Ölen. Auf die Folgen bin ich gespannt.

Herzliche Grüße

Jo Becker

Neues Projekt: Liebe, Partnerschaft und Sexualität 2

Psychiatriekoordination Kreis Wesel 5

Fachkraft für Arbeitssicherheit 6

Angebote/Gruppen 7

Kontaktdaten 9

Neue Selbsthilfegruppe/Nutzersprecher 10

Praktikum bei ABV-International in Wesel 11

Norwegen - Fjorde und mehr… 12

Silke Erlemann, neues Mitglied der Betriebsleitung/

Vorstellung Petra Pilath 14

Betreutes Wohnen in Familien 15

Aktuelles 16

25 Jahre Spix 18

Die ersten Jahre von Spix, Betreutes Wohnen,

hi Service, Interview Frau Ehret, Interview Frau Sanders,

Kontakt- und Beratungszentrum, Tagesstätte,

Werkstatt für behinderte Menschen,

Zentrum für berufliche Rehabilitation,

Interview Frau Hönnekes-Bathel, Haus Vivaldi, Haus Alia,

Betreutes Wohnen plus, Interview Oliver Kools,

Interview Frau Dabringhausen.

Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte von Jan. Zur Psychiatriegeschichte am

Niederrhein 48

Kostenlose Informationsschrift für Klient/innen und ihre Angehörigen, Mitarbeiter/innen und Freunde von Spix

einzusehen auch unter www.spix-ev.de


Liebe, Partnerschaft und Sexualität sind zentrale

Themen im Leben eines jeden Menschen - Quelle

von Glück und Lust, von Enttäuschung und

Schmerz. Menschen mit einem Handicap sind oft

auch in diesem Lebensbereich behindert. Ein gemeinsames

Projekt von Spix und dem Caritasverband

Dinslaken-Wesel e.V. soll diese Barriere kleiner

machen und spezifische Hilfsangebote entwickeln.

Überall in Deutschland sind in den letzten Jahren

Partneragenturen für Menschen mit geistigen Behinderungen

entstanden. Unter dem Namen

„Schatzkiste“ bieten sie begleitete Tanzveranstaltungen

und individuelle Vermittlungsangebote in

beschütztem Rahmen. Für seelisch kranke Menschen

gibt es solche spezifischen Hilfen bisher

nicht. Wir wollten daher wissen: gibt es überhaupt

Bedarf?

Die Befragung

Im Februar 2011 wurden ca. 760 Klienten von Anbietern

gemeindepsychiatrischer Einrichtungen

und Dienste im Kreis Wesel anonym befragt. Ziel

der Befragung war es zu ermitteln, ob seelisch

kranke Menschen sich Unterstützungsangebote

bei der Suche nach einer Partnerin oder einem

Partner wünschen und wie der Bedarf für eine auf

diese Zielgruppe spezialisierte Partneragentur eingeschätzt

wird. Diese Fragen wurden zunächst

durch vertraute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

mit Klienten von Spix besprochen. Dabei haben wir

Ideen gesammelt, welche Arten von Unterstützung

bei der Partnersuche hilfreich sein können. Auf

Spix-Info 2

dieser Grundlage entstand ein Fragebogen, den

10 Klienten erprobt haben. Anschließende Interviews

mit diesen Klienten führten zu einer Verbesserung

des Fragebogens.

Als Projektpartner der Befragung konnten alle

wichtigen Anbieter der Gemeindepsychiatrie im

Kreis Wesel gewonnen werden: der Caritasverband

Moers-Xanten e.V., die Grafschafter Diakonie,

Weitblick GbR, der Caritasverband Dinslaken-

Wesel e.V. und Soziale Dienste Niederrhein. Ihre

Klienten erhielten die Fragebögen durch vertraute

Mitarbeiter/innen mit einer mündlichen Information

über das Ziel der Befragung. Sie wurden gebeten,

den ausgefüllten Fragebogen in eine Sammelbox

im Treff oder Wohnheim des jeweiligen Trägers

einzuwerfen.

Ergebnisse

Von ca. 760 ausgegebenen Fragebögen kamen

178 ausgefüllt zurück (ca. 23 %). Bei der Frage

nach den Erwartungen an eine Partnerschaft standen

bei Männern wie bei Frauen Wünsche nach

einer langfristigen Beziehung mit emotionaler Nähe

und gemeinsamer Freizeitgestaltung im Vordergrund.

Männer wünschen sich darüber hinaus

deutlich öfter als Frauen auch körperliche Nähe

und Intimität. Frauen wünschen sich dagegen öfter

als Männer, den Alltag gemeinsam zu meistern.

Von acht vorgeschlagenen Angeboten zur Unterstützung

bei der Partnersuche erhielten begleitete

Ausflüge für Singles die meiste Zustimmung (68 %


der Männer und 48 % der Frauen). Es folgen Wünsche

nach einer Partnervermittlung (44 % bzw.

37 %) und Single-Kochkursen im Treff (41 % bzw.

37 %). An einer Disco im Treff hatten mehr als

doppelt so viele Männer wie Frauen Interesse (45

% zu 21 %). Auf wenig Resonanz trafen Gesprächskreise,

begleiteter Besuch einer Tanzschule,

Flirtkurse oder Tanzkurse im Treff.

Bei den Fragen zu einer Partneragentur bestand

insgesamt Zurückhaltung, der Agentur persönliche

Informationen oder ein Foto anzuvertrauen, bei

den Frauen noch stärker als bei den Männern. Eine

Vermittlung ausschließlich von Menschen mit

einer seelischen Erkrankung wurde nur von wenigen

befürwortet (13 % der Männer und 15 % der

Frauen). 68 % bzw. 62 % der Befragten wünschen

sich, dass eine solche Agentur nicht nur seelisch

kranke Menschen, sondern auch andere partnersuchende

Personen vermittelt. Veranstaltungen

zum Kennenlernen standen bei den weiteren

Vorschlägen an erster Stelle der Wünsche. Ferner

wurde eine zunächst anonyme Kontaktanbahnung

gewünscht. Eine darüber hinausgehende

Unterstützung der Agentur, etwa durch Einzel-

oder Paarberatung, begleitete Freizeitaktivitäten

oder Treffen in Anwesenheit eines Vermittlers,

wünschen sich nur wenige Befragte.

Ausblick

Die Mehrzahl der Befragten wünscht sich von

einer Agentur zur Partnervermittlung nicht mehr

als die Möglichkeit, auf anonyme Weise Kontakt

zu anderen Partnersuchenden zu finden. Das

Spix-Info 3


ieten bereits zahlreiche Kontaktdienste im Internet.

Eine Spezialisierung nur auf die Vermittlung

von Menschen mit einem seelischen Handicap

lehnt die Mehrheit ab. Es erscheint daher nicht

sinnvoll, einen ähnlich spezialisierten Dienst für

seelisch Kranke aufzubauen, wie das die

„Schatzkiste“ für Menschen mit geistigen Behinderungen

tut.

Die geringe Beteiligung an der Befragung von nur

23 % mag an methodischen Mängeln liegen: die

eigenständige Rückgabe des Fragebogens durch

Spix-Info 4

Einwurf in eine Box könnte eine Hürde gewesen

sein. Vielleicht ist es aber auch so, dass dieses

Thema für viele Klienten zur Zeit keine große Bedeutung

hat. Diejenigen, die sich an der Befragung

beteiligt haben, äußern jedoch klare Wünsche

nach Angeboten, um eine Partnerin oder einen

Partner kennenzulernen. Gemeinsam mit unserem

Verbundpartner, dem Caritasverband Dinslaken-

Wesel e.V., werden wir daher die am häufigsten

gewünschten Angebote entwickeln und interessierten

Klienten trägerübergreifend zugänglich machen.

Natürlich werden wir weiter darüber berichten.

Jo Becker


Häufiger taucht in Gesprächen bei Spix über die

psychiatrische Versorgung der Hinweis

„Psychiatriekoordination“ auf. Diese gesetzliche

Aufgabe ist bei der Kreisverwaltung Wesel im

„Fachbereich Gesundheitswesen“ in Moers eingegliedert.

Was verbirgt sich eigentlich dahinter?

Dazu zunächst die Erläuterung, die der Kreis Wesel

auf seiner Internet-Seite gibt:

„Ziel der Psychiatriekoordination ist es, dafür zu

sorgen, dass jedem, der Hilfe benötigt, eine individuell

ausgerichtete, abgestimmte und angemessene

Unterstützung zukommt. Dazu werden die

Grundsatzfragen, die im Bereich der psychiatrischen

und psychosozialen Versorgung auftreten,

bearbeitet und koordiniert. Im Kreis Wesel wird die

Koordinierungs- und Steuerungsfunktion nach dem

Gesetz für den öffentlichen Gesundheitsdienst

(ÖGDG) im Bereich der Versorgung von psychisch

erkrankten und behinderten Menschen im Fachbereich

Gesundheitswesen als untere Gesundheitsbehörde

wahrgenommen. Diese Aufgabenstellung

bezieht sich auf folgende Bereiche:

• Erwachsenenpsychiatrie

• Kinder- und Jugendpsychiatrie

• Gerontopsychiatrie

• Versorgung von suchtkranken und drogenab-

hängigen Menschen

• Versorgung von Menschen mit geistiger und/

oder Mehrfachbehinderung

Die Psychiatriekoordination beinhaltet schwerpunktmäßig

die Aufgaben:

Termine für Psychoseseminar

• Koordination von Grundsatzfragen im Bereich

der gemeindenahen psychiatrischen und psychosozialen

Versorgung

• Analyse und Bewertung vorhandener Leistungsangebote

• Aufbau neuer und Veränderung vorhandener

psychiatrischer und psychosozialer Angebote in

enger Abstimmung mit den Einrichtungsträgern

• Mitwirkung bei der Vernetzung der lokalen Beratungs-,

Betreuungs- und Versorgungsangebote

• Verbesserung der Kooperation aller an der

Versorgung beteiligter Einrichtungen

• Teilnahme an Hilfeplankonferenzen

• Mitwirkung in der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft

• Öffentlichkeits- und Pressearbeit, Internetauftritt

• Berichtswesen, Berichterstattung.“

Seit Frühjahr 2011 wird die Koordination von drei

MitarbeiterInnen des Fachbereichs Gesundheitswesen

in der Dienststelle in Moers, Mühlenstr. 9 -

11 wahrgenommen:

Frau Ines Schröer (Tel: 02841/202-1115), u.a. zuständig

für die Kontakte zu den psychosozialen

Institutionen wie Spix e.V. und der PSAG

Frau Karin Behrendt-Bongert (Tel: 02841/202-

1113), u.a. zuständig für Verwaltungsfragen

Herr Dr. Rüdiger Rau (Tel: 02841/202-1120), u.a.

zuständig für die Kontaktpflege mit den Vertretern/

innen in der kommunalen Gesundheitskonferenz

des Kreises Wesel und den Vertretern/innen des

medizinischen Versorgungssystem.

26.09.11 Psychoseseminar 18.00 bis 20.00 Uhr, Sozialpsychiatrisches Zentrum Wesel

„Meine neue Familie“ – Betreutes Wohnen in Familien

31.10.11 Psychoseseminar 18.00 bis 20.00 Uhr, Sozialpsychiatrisches Zentrum Dinslaken

„Wirklichkeit und Selbstvertrauen“ – Wie kann ich mir nach einer Psychose wieder selbst vertrauen?

29.11.11 Psychoseseminar 18.00 bis 20.00 Uhr, Sozialpsychiatrisches Zentrum Wesel

Themensammlung 2012

Martin van Staa

Spix-Info 5


18 Monate lang drückte Ulrich Brücker, Leiter der

Spix Radstation, noch einmal die Schulbank: er

wurde durch die Berufsgenossenschaft zur Fachkraft

für Arbeitssicherheit ausgebildet. Dazu musste

er fünf Mal für eine Woche nach Dresden reisen,

Hinreise am Sonntag Morgen inklusive.

Dazu kamen weitere 160 Stunden für ein Praktikum

und Leistungskontrollen, insgesamt 5 Prüfungen.

Seine Abschlussarbeit trug bereits zur Verbesserung

der Sicherheit bei Spix bei: Ulrich sorgte

für eine bessere Aufhängung und Ausleuchtung

der Fahrrad-Deckenlifter in der Radstation.

Gemeinsam mit Dr. Gervers vom Arbeitsmedizinischen

Dienst des TÜV Rheinland wird Ulrich Brücker

künftig im Arbeitsschutzausschuss und durch

Betriebsbegehungen für eine laufende Weiterentwicklung

der Gefährdungsbeurteilungen in unseren

Betrieben sorgen.

Spix-Info 6

Jo Becker und Ralf Hahn gratulieren Ulrich Brücker zur

erfolgreichen Ausbildung


SPZ - Sozialpsychiatrisches Zentrum

Kaiserring 16

46483 Wesel

Tel: 0281/1633316

(Teilnahme nach Vorgespräch)

Angehörigengruppe

Montags: 19:00 - 20:30 Uhr 1. Montag im Monat

Infos unter: 0151/51414073 Hr. Nobis (Sprecher der Angehörigengruppe)

Beratung unter : 0281/1633317 Martin van Staa

Gesprächsgruppe

Montags: 17:00 - 18:30 Uhr 1. und 3. Montag im Monat

die Gruppe ist für neue Teilnehmer offen!

Infos unter: 0281 / 1633316 Andrea Sanders

Sportgruppen in Wesel

Dienstags: 19:00 - 20:00 Uhr Frau Riehl

Selbsthilfegruppen in Wesel

(Kaiserring 16, 46483 Wesel)

Selbsthilfegruppe „Spieler“

Montags: 19:00 - 21:00 Uhr jeden 2. 3. und 4. Montag im Monat

Kontakt/Infos unter 0162/3497488 Andreas oder 0160/93757418 Bodo

Selbsthilfegruppe „Hoffnungsschimmer“ (psychosomatische Beschwerden)

Dienstags: 19:30 - 21:30 Uhr in Wesel

FÜR NEUEINSTEIGER JEDER 1. DIENSTAG IM MONAT

Infos unter: 02064/7744033 oder 0281/63805

Internet: www.selbsthilfegruppe-wesel.de

Selbsthilfegruppe „Seelenanker“ (Ängste / Depressionen)

Mittwochs: 19:30 - 21:30 Uhr in Wesel

Infos unter: 0281 / 6841152 Andrea

Internet: www.shg-seelenanker.de.tl

Selbsthilfegruppe „Das Ohr“ (Ängste / Depressionen)

Donnerstags: 19:00 - 21:00 Uhr in Wesel

Infos unter: 0281 / 2065833 Frau Czarkowski

Selbsthilfegruppe „Tinnitus“

Freitags: 19:00 - 21:00 jeder 3. Freitag im Monat

Infos unter: 0281 / 2065833 Frau Czarkowski

Selbsthilfegruppe für Eltern psychisch kranker Kinder, Jugendlicher und

junger Erwachsener

Freitags: 19.00 - 21.00 jeder 1. Freitag im Monat

Infos unter: 02859/938935 Johanna Brüggemann

Selbsthilfegruppen in Xanten

(Marsstr. 70, 46509 Xanten, Tel: 02801/6611)

Selbsthilfegruppe „Adipositas“

Dienstags: 19:30 - 21:00 Uhr jeden 2. Dienstag im Monat

Infos unter: 02802/9469719 Frau Ritter o. 02837/7604 Frau Hemmers

Angehörigengruppe für Ehe– und Lebenspartner

Montags: 19:00 - 20:30 Uhr jeden 2. Montag im Monat

Infos unter: 02801/6611 o. 0281/1633316 Martin van Staa

Spix-Info 7


Spix-Info 8

SPZ Wesel

Kaiserring 16

46483 Wesel

Tel: 0281/1633316

Dienstags, Mittwochs & Donnerstags

11.00 - 12.00 Uhr offene Sprechstunde

Montags, Dienstags & Donnerstags

15.00 - 19.00 Uhr Treff

Samstags & Sonntags

11.00 - 15.00 Uhr Treff

Samstags, Sonntags & Feiertage

10.00 - 12.00 Uhr Präsenzdienst

(BeWo Augustastraße 12, 0281/1549070)

SPZ Xanten

Marstraße 70

46509 Xanten

Tel: 02801/6611

Montags & Dienstags

11.00 - 12.00 Uhr Sprechstunde

11.00 - 15.00 Uhr Treff

Mittwochs

11.00 - 12.00 Sprechstunde

10.00 - 12.00 Treff

Freitags

14.00 - 18.00 Uhr Treff

SPZ Schermbeck

(ev. Gemeindezentrum)

Kempkes Stege 2

46514 Schermbeck

Tel: 02853/912353

Dienstags

10.00 - 13.00 Sprechstunde

Ansonsten Sprechzeiten

Nach Vereinbarung


Spix e.V.

Kaiserring 16, 46483 Wesel

Zentrale/Verwaltung 0281/16333-0

Fax 0281/16333-29

Geschäftsführer:

Dr. Jo Becker 0281/16333-0

j.becker@spix-ev.de

Verwaltung:

Karin Weis (Sekretariat) 0281/16333-0

k.weis@spix-ev.de

Renee Löhr-Sanders (Personal) 0281/16333-40

r.loehr-sanders@spix-ev.de

Irina Santroch (Buchhaltung) 0281/16333-41

i.santroch@spix-ev.de

Fachbereich Arbeit

Fachbereichsleiter:

Ralf Hahn

r.hahn@spix-ev.de

Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM)

Bocholter Str. 8, 46487 Wesel

Zentrale/Verwaltung: 0281/31928510

Werkstattleiter:

Ralf Hahn 0281/31928512

Leiterin Sozialer Dienst:

Gertraud Heyermann 0281/31928513

g.heyermann@spix-ev.de

Gleis 31 Fahrrad-Station & Bio-Snack-Station

Franz-Etzel-Platz 11, 46483 Wesel

gleis31@spix-ev.de 0281/47362670

Integrationsfachdienst (IFD) Wesel

Augustastr. 12, 46483 Wesel

Ansprechpartner:

Ute van Suntum 0281/16468-0

ute.vansuntum@ifdwesel.de

Praxis für Ergotherapie

Viktoriastr. 10 46483 Wesel

Leitung:

Achim Rosen 0281/47367855

ergo@spix-ev.de

Institut für systemische Forschung

und Therapie

Marsstr. 70, 46509 Xanten

Geschäftsführerin:

Irmy Schwarzer

Sekretariat:

Sabine Diessenbacher 02804/219465

institut@spix-ev.de

Gemeindepsychiatrische Dienste

Fachbereichsleiterin:

Michaela Jöhren-Bauer 0281/154907-79

m.joehren@spix-ev.de

Sozialpsychiatrisches Zentrum

Kaiserring 16, 46483 Wesel

Ansprechpartner:

Martin van Staa 0281/16333-17

m.vanstaa@spix-ev.de

Tagesstätte

Kaiserring 16, 46483 Wesel

Ansprechpartner:

Andrea Wagmann 0281/16333-13

a.wagmann@spix-ev.de

Betreutes Wohnen (BeWo)

Augustastr. 12, 46483 Wesel

0281/154907-0

Betreutes Wohnen in Familien (BWF)

Ansprechpartner:

Petra Pilath 0281/16333-15

p.pilath@spix-ev.de

Wohnheime/BeWo plus und Reha-

Zentrum

Fachbereichsleiterin:

Brigitte Langwald 0281/82513

b.langwald@spix-ev.de

Wohnheim „Haus Vivaldi“

Friedenstr. 46, 46483 Wesel

Zentrale/Verwaltung: 0281/82513

Wohnheim „Haus Alia“

Salzwedeler Str. 23-25, 46485 Wesel

Leitung:

Franz Niederstrasser 0281/1633806

f.niederstrasser@spix-ev.de

Betreutes Wohnen plus (BeWo plus)

Leitung:

Franz Niederstrasser 0281/1633806

f.niederstrasser@spix-ev.de

Reha-Zentrum

Leitung:

Alexandra Hönnekes-Bathel 0281/9599188

a.hoennekes@spix-ev.de

Betriebsrat

Vorsitzender:

Ralf Gerpheide 0173/2930150

r.gerpheide@spix-ev.de

Spix-Info 9


Carpe diem – Nutze den Tag

Wer sind wir?

Wir sind ehemalige Patienten der Tagesklinik Wesel

(St. Vinzenz Hospital) für Psychiatrie und Psychotherapie.

Jeder von uns hat lange an sich gearbeitet,

um wieder ein normales Leben führen zu

können und tut das immer noch. Und wie alles im

Leben macht die Gemeinschaft stark, deshalb

„Carpe diem“.

Warum „Carpe diem“?

Wir hatten die Idee uns auch nach Beendigung

der Therapien weiterhin zu treffen. Wir als Betroffene

möchten weiterhin einen Erfahrungsaustausch,

einen Ort, wo man auch ohne große Erklärungen

über seine Probleme im Alltag reden

kann. „Carpe diem“ ist:

Betreutes Wohnen

Vorsitzende:

Carola Bleckmann

carolableckmann@gmx.de

Vertretung:

Carmen Maria del Dopazo Lopez

Rebekka Eichelberg

Tagesstätte

Vorsitzende:

Judith Schiemes

Dark-shadow2@freenet.de

Vertretung:

Beatrix Wiegand

Kontakt– und Beratungszentrum

Vorsitzende:

Anneliese Langel

Vertretung:

Wolfgang Fabritz

Werkstattrat

Claudia Ehret

Rainer Tebbe

Willi Kuhmann

Heimbeirat

Vorsitzender:

Dennis Hartmann

Vertretung:

Oliver Kools

Spix-Info 10

ein Ort zum Austausch

eine Selbsthilfegruppe für Patienten mit Depressionen,

Burnout und Phobien

soll helfen, sich selbst zu helfen

will aufklären

hilft zu verstehen

bringt Menschen zusammen

offen für Betroffene und Angehörige

„Carpe diem“ ist eine Gruppe von Menschen, die

durch Zuhören, Informieren, Gestalten eine aktive

Auseinandersetzung mit dem Thema psychische

Erkrankung herbeiführen will. Wir möchten ein

selbstsicheres und zufriedenes Leben führen.

Denn – wir haben nur das Eine!

Die Gruppe trifft sich jeden 1. Samstag um 16.00

Uhr in den Räumlichkeiten von Spix am Kaiserring

16 in Wesel.

jeden 1. Mittwoch im Monat

8.00 - 9.00 Uhr im Rahmen

Des Nutzersprecherfrühstückes

Im BeWo ansprechbar

täglich in der Tagesstätte

ansprechbar

erreichbar zu den Treffzeiten,

auch am Wochenende

werkstattrat@spix-ev.de oder auch

täglich in der WfbM ansprechbar

im Haus Vivaldi und in der Außenwohngruppe

Clarenbachstraße täglich ansprechbar


Nach der Vermittlung durch Frau Beyer- Skomrock

vom Sozialen Dienst der WfbM Spix e.V. absolviere

ich seit dem 02.05.2011 ein Praktikum

bei ABV-International.

Das Unternehmen ist noch recht jung. Es bietet

seine Dienste seit 2007 als Ansprechpartner für

Arbeitssuchende, Arbeitgeber und Existenzgründer

an. In der Kreisstadt Wesel hat das Unternehmen

auf der Beguinenstr. 25 seinen Sitz. Firmen

aus der Handwerks-, Industrie-, oder Dienstleistungsbranche

finden in ABV-International ihren

kompetenten Partner bei der Zusammenführung

von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Besonders

schätzen sowohl Unternehmen als auch Bewerber

die schnelle und unbürokratische Vermittlung

von Personal. Wichtig ist dabei, dass es sich um

keine Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ / Zeitarbeit)

handelt. ABV vermittelt Bewerber direkt an

Unternehmen, wobei die Vermittlung für diese

und auch für die Arbeitsuchenden – mit Vermittlungsgutschein

(ausgestellt vom Arbeitsamt/

ARGE) - kostenlos ist.

Vom Firmeninhaber Andreas Kreischer und seinen

Angestellten wurde ich freundlich aufgenommen

und in mein Arbeitsfeld eingewiesen. Dieses

besteht hauptsächlich in der verwaltungsmäßigen

Bearbeitung von Arbeitsvermittlungsfällen, kon-

kret: Arbeit am PC mit Eingabe von Daten und

Scannen der eingereichten Unterlagen, z.B. Bewerbungsbogen,

Lebenslauf, Zeugnisse, Eignungstest

sowie im Regelfall den abgeschlossenen

Vermittlungsvertrag samt Vermittlungsgutschein.

Die Arbeit im Verwaltungsbereich, die ich auch

vor meiner Pensionierung 25 Jahre ausübte,

macht mir sehr viel Freude und hat zur Steigerung

des Selbstwertgefühles beigetragen. Dazu

trägt das angenehme Betriebsklima ebenfalls

sehr viel bei.

Das Praktikum wurde zwischenzeitlich bis zum

30.09.2011 verlängert.

Willi Kuhmann

Spix-Info 11


Am Montag, den 11.07.2011, starteten wir mit einer

Gruppe von 30 Urlaubern in einem hochmodernen

Reisebus des Unternehmens Job Tours

aus Essen sowie unseren Reisebegleitern Fahrer

Günter und Service-Kraft Conny zum Urlaubsabenteuer

nach Norwegen.

Das Fazit zuerst:

Es war einfach wunderschön, alles passte. Auch

das Wetter spielte bis auf einen teilweise verregneten

vorletzten Tag in Oslo mit. Die landschaftlichen

Eindrücke wie Berge, Felsen, Wälder, Serpentinenstraßen,

Gebirgsseen, Flüsse, Wasserfälle,

Städte und Dörfer und vor allen Dingen die

Fjorde waren einfach grandios. Unsere Reisebegleiter

sowie unser zeitweiliger norwegischer

Gastbegleiter und Moderator Olaf brachten uns

Land und Leute sowie deren Geschichte in sehr

anschaulicher Art und Weise näher. All dieses

lädt zum Wiederholen ein.

Nun die Einzelheiten:

Montag, den 11.07.2011

Um 5.50 Uhr ging es mit Reisebus ab Oberhausen

über die Autobahn Richtung Kiel. Mittags erreichten

wir Hamburg und fuhren dort durch den

Freihafen und die Speicherstadt bzw. legten eine

Pause ein, um einen kleinen Stadtbummel zu unternehmen.

Gegen 19.00 Uhr erfolgte in Kiel die

Einschiffung auf ein komfortables Passagierschiff

der Fa. Stena Line. Abendessen (Buffet) und

Übernachtung erfolgten während der Überfahrt

nach Göteborg/Schweden an Bord.

Dienstag, den 12.07.2011

Nach dem Frühstück (Buffet) lief das Schiff gegen

Spix-Info 12

9.00 Uhr in den Hafen von Göteborg ein. Weiter

mit dem Bus ging es entlang der schwedischen

Westküste und über die Svinesund-Brücke zur

norwegischen Grenze bzw. zum Ort Beitostölen.

Im Hotel Radisson bekamen wir unser Abendessen.

Grundsätzlich bleibt zu erwähnen, dass das

Essen (Frühstücks-Buffet und Abendessen, ebenfalls

Buffet) und auch die Unterbringung in den

Zimmern der verschiedenen Hotels sehr gut war.

Mittwoch, den 13.07.2001

Um 8.00 Uhr begann die Fahrt von Beitostölen

nach Geiranger - Loen. Vorbei an kristallklaren

Bergseen durchquert die Passstraße die mondartige

Hochebene der Valdresflya. Dort bekamen

wir einen herrlichen Rundblick auf umliegende

Gipfel und Gletscher. In Loen besichtigten wir eine

sehenswerte Stabkirche. Vom Berg Dlasnibba

bot sich ein wirkliches Postkartenpanorama des

Gairangerfjords, den wir wenig später in einer 1

¼ stündigen Fährüberfahrt erlebten. Seine bizarren

Felswände und gewaltigen Wasserfälle bildeten

eine großartige Kulisse. Bei der Weiterreise

eröffneten sich Blicke auf das ewige Eis des Gletschers

Jostedallbren. Am späten Nachmittag erreichten

wir unseren Übernachtungsort Loen mit

dem Hotel Loenefjord. Wichtig war, dass wir auf

der gesamten Fahrt regelmäßig Pausen insbesondere

fürs Fotographieren einlegten, um bleibende

Eindrücke festzuhalten.

Donnerstag, den 14.07. 2011

Um 8.00 Uhr - dies blieb während der gesamten

Fahrt unser Zeitpunkt des Aufbrechens, um alle

Sehenswürdigkeiten im Programm unterzubringen

- führte unser Weg von Loen über Stryn am


25 km langen Hornindal See vorbei. Die Straße

verläuft weiter am Ufer des Nordfjords und verwandelt

sich allmählich in eine steil aufragende

Küstenstraße. Es erfolgte ein Zwischenstop im

idyllischen Örtchen Selje mit seinen bunten

Bootshäusern. Nach diesem eher beschaulichen

Eindruck erwartete uns wenig später ein weiterer,

grandioser Höhepunkt der Reise: das Westkap.

Es bot sich uns ein fantastischer Ausblick über

den tosenden Atlantik, der sich an dem fast 500

m hohen Felsen bricht, und dessen Farben sich

im Spiel von Sonne, Wind und Wellen ständig

verändern. Ein gewaltiges Naturschauspiel. Mit

diesen vielen Impressionen kehrten wir nach

Loen zum Hotel zurück.

Freitag, den 15.07.2011

Die Fahrtroute führte entlang des Romsdlasfjord

nach Andalsnes, der Stadt zwischen Fjell und

Fjord. Danach erreichten wir den imposanten

Trollstigen. In nur 11 Kurven schraubt sich diese

einmalige Bergstraße auf über 800 m Höhe und

bietet dabei atemberaubende Ausblicke. Ich kann

mir aber dabei nicht verkneifen anzumerken, dass

es einerseits tolle Augenblicke waren, andererseits

beim Blick in die Tiefe mir schon etwas mulmig

war, zumal auch noch Fahrzeuge entgegen

kamen. Aber unser Fahrer Günther war schon ein

Meister seines Fachs. Nach dem Trollstigen ging

es durch eine reizvolle Landschaft mit Wasserfällen

zur Fähre nach Stranda und von dort nach

Loen zurück.

Samstag, den 16.07.2011

Wir fuhren über Fjärland und anschließend durch

den gleichnamigen Tunnel weiter nach Sogndal

und Kaupanger. Es folgte eine 2-stündige Fahrt

über den “König der Fjorde”, den Sognefjord. Dieser

ist über 200 km lang und bis zu 1300 m tief.

Höhepunkt dieser Bilderbuchfahrt war sicherlich

die Einfahrt in den engen und dramatischen Naeroyfjord

mit bis zu 1000 m aufragenden Felswänden.

Diese Enge misst an der schmalsten Stelle

200 m und ist an der niedrigsten Stelle nur 12 m

tief. Nach der Ankunft in Gudvangen setzte uns

der Bus im Fjorddörfchen Flam ab. Von hier aus

fuhren wir mit der “Bergen und Flambahn”, einem

Meisterstück der Ingenieurkunst. Der Zug

schraubte sich auf 20 Kilometer durch Tunnel,

vorbei an tosenden Wasserfällen und steilen

Schluchten bis auf 865 m Höhe nach Myrdal (mit

teilweise ohrenbetäubendem Lärm) und von dort

durch eine eindrucksvolle Hochgebirgslandschaft

wieder hinunter nach Geilo, wo unser Bus bereits

wartete. Wir übernachteten in Geilo im Hotel

Bardöla.

Sonntag, den 17.07.2011

Nach dem Frühstück fuhren wir in die norwegische

Hauptstadt Oslo. Dort schloss sich eine

Stadtrundfahrt mit einem norwegischen Begleiter

an. Höhepunkte bei leider zeitweiligem Regen

waren u.a. das Rathaus mit seinen imposanten

Wandgemälden (hier wird jährlich im Dezember

der Friedennobelpreis verliehen) und das Wintersportzentrum

“Am Holmenkollen” mit seiner

Großsprungschanze und seinem Skilanglauf- und

Biathlon-Stadion. Am frühen Abend schifften wir

zur Überfahrt nach Fredrikshavn/Dänemark ein.

Die Überfahrt war genauso wie die Hinfahrt sehr

ruhig, so dass alle in ihren Kabinen (mit Dusche/

WC) eine angenehme Nacht hatten.

Montag, den 18.07.2011.

Nach dem wie immer ausgiebigen skandinavischen

Frühstücksbuffet gingen wir von Bord und

traten mit unserem Bus die Heimreise an. Wir

durchfuhren Dänemark, anschließend ging es

durch Hamburg (Elbtunnel) weiter über Bremen in

die Heimat zum Ausgungspunkt der Reise nach

Oberhausen. Gegen 21.30 Uhr war ich zu Hause.

Schlussbemerkung:

Die Wiederholung der Reise bzw. die Nachahmung

ist unbedingt zu empfehlen.

Willi Kuhmann

Spix-Info 13


Im Februar 1970 erblickte

ich in Essen die Welt.

Nach dem Abitur studierte

ich Betriebswirtschaft

an der Verwaltungs- und

Wirtschaftsakademie.

Mit zwei kleinen Kindern

zogen mein Mann und

ich im Jahr 1999 nach

Voerde. Nach zehnjähriger

Tätigkeit bei einem

sozialen Träger werde

ich meine Erfahrung und

Arbeitskraft in den

Dienst von Spix stellen,

indem ich den Fachbereich

Verwaltung, Controlling und Projektmanagement

übernehme. Darauf – sowie auf eine gute und erfolgreiche

Zusammenarbeit – freue ich mich.

Silke Erlemann

„…denn niemand hat ein Lächeln so nötig, wie

der, der es anderen nicht geben kann, “so endet

ein Spruch, den ich vor langer Zeit zu meinem

Lebensleitfaden gemacht habe. Ich bin eine leidenschaftliche

„Sprüchesammlerin“ und mein Name

ist Petra Pilath, Jahrgang 1965. Zu mir gehören

noch mein Mann, mein Sohn und eine Seele

auf vier Pfoten, Kategorie Hund.

Den ersten Kontakt zu Spix habe ich vor über 3

Jahren über einen Flyer bekommen. Bis ich jedoch

den Mut aufgebracht habe meine Bewerbung

abzuschicken, hat es dann doch noch etwas

gebraucht. Nachdem ich im Vivaldi viele Menschen

kennenlernen und ein Stück auf ihrem Lebensweg

begleiten durfte, bin ich seit Juni 2011

für das Betreute Wohnen in Gastfamilien (BWF)

verantwortlich. Meine berufliche Laufbahn geht

über viele Stationen. Nach einer pädagogischen

Grundausbildung zur Erzieherin habe ich mich in

den Bereichen Waldorfpädagogik (keine Angst,

ich werde meinen Namen niemandem vortanzen)

und im Sozialmanagement weiter qualifiziert.

Spix-Info 14

Selbst in einem sozialen Brennpunkt groß geworden,

habe ich dort auch meine ersten Berufserfahrungen

gesammelt. Weitere Projekte mit Kindern,

Jugendlichen und Familien folgten. Nach

einer Pause in der Sozialen Arbeit – Filialleitung

in einem Bioladen – habe ich mir einen Herzenswunsch

erfüllen können und die zertifizierte Weiterbildung

zur Integrativen Familien-

Sozialtherapeutin absolviert. Schwerpunkte: Systemische

Beratung und Psychodrama.

In meiner Hospitationswoche bei Spix habe ich

viele nette Kolleg/innen und Klient/innen kennengelernt.

Sie haben es mir ermöglicht, einen tieferen

Einblick in das vielfältige Angebot von Spix zu

bekommen. Hierfür meinen herzlichsten Dank.

Auch für die Zukunft wünsche ich mir eine gute

Zusammenarbeit und hoffe, dass ich das meinige

so gut wie möglich dazu beitragen kann.

Ich freue mich auf meine Zukunft bei Spix e.V.!

Petra Pilath

Impressum

Herausgeber

Spix e.V.

Kaiserring 16

46483 Wesel

Verantwortlich

Dr. Jo Becker

Redaktionsteam

Kathrin Grimm

Uschi Grolms

Christine Schmitz

Julia Blommen

Layout & Gestaltung

David Kalberg

Druck

Wittfeld – Wohnverbund Moers

Auflage & Erscheinungsweise

500 Exemplare - erscheint

vier Mal im Jahr.


Seit 01.06.2011 leitet Petra Pilath das Betreute Wohnen

in Familien

Eigentlich finde ich es wichtig, dass an dieser

Stelle Berichte von Klienten erscheinen, die ein

neues Zuhause in einer Gastfamilie gefunden haben.

Aber diesmal liegt es mir doch am Herzen,

etwas aus meiner persönlichen Sicht zum BWF

beizutragen.

Seit Juni 2011 habe ich die Nachfolge von Barbara

Telgen angetreten. Nach einer kurzen, aber

intensiven Einarbeitung mit Barbara habe ich

mich auf das Abenteuer BWF eingelassen…und

ich habe es bis jetzt nicht bereut. Ich lerne viele

Mensche kennen, die in den unterschiedlichsten

Kontexten zu Hause sind. Ich lerne Familienkonstellationen

kennen, die ich mir in meiner Phantasie

nicht habe vorstellen können. Ich begegne

Menschen, die aus eigenen Schicksalsschlägen

heraus eine Aufgabe für ihr Leben gefunden haben…

Und vor allem habe ich ganz schnell gelernt,

dass fachliche Qualifizierung gut ist, aber

eine enge Beziehung, wie sie zwischen Klienten

und Gastfamilien im Rahmen des BWF stattfindet,

durch keine noch so gute fachliche Qualifizierung

zu ersetzen ist.

Genau diese Bindung ist es, die das BWF so einzigartig

macht. Als ich das erste Mal von dem

Projekt bei Spix gehört habe, war ich sowohl angenehm

überrascht, dass es solche Projekte

überhaupt gibt, zugleich war ich aber auch sehr

sehr skeptisch, da ich mir überhaupt nicht vorstellen

konnte, dass ich neben meiner Berufstätigkeit

mein privates so Leben gestalten könnte, dass

ich zugleich noch die Betreuung und Verantwortung

für einen Menschen mit Behinderung übernehme.

Das kann ich auch heute noch nicht. Ich

liebe meinen Feierabend, lange einsame Spaziergänge

mit dem Hund, gemütliche Zweisamkeit bei

einem Glas Wein. Aber - das ist meins.

Demgegenüber stehen Menschen, die von dem

Zusammenleben mit einem behinderten Menschen

profitieren, weil sie für sich eine andere

Lebensqualität entdecken können. Das Zusammenleben

in den Gastfamilien ist ein Geben und

Nehmen von Gastfamilie und Klient. Ein gegenseitiges

voneinander Lernen. Ich möchte damit

nicht sagen, dass diese Art des Zusammenlebens

ein Zuckerschlecken ist (was ganz nebenbei auf

die Dauer auch ungesund wäre). Natürlich begleiten

wir die Familien ganz eng und es gibt Probleme.

Gerade in der Anfangszeit, wenn ein Klient

neu in eine Familie eingezogen ist, wenn es in

der Praxis abzuklären gilt, wer hat eigentlich welche

Erwartung an wen? Wer dringt wann in des

anderen Privatsphäre ein usw. Aber das sehe ich

als eine Herausforderung an, wo genau wir als

Team mit unserer Fachkompetenz mit Rat und

Tat zur Seite stehen können.

Noch sind wir ein „Mini-Team“ im BWF. Aber ich

bin davon überzeugt, dass auch unser Team stetig

wachsen wird, weil das Projekt BWF überzeugt

und wir intensiv daran arbeiten, dass dieses

Projekt ein Projekt ohne Ende bleiben wird,

so wie es von Anfang an gedacht war. Wer mehr

über unsere Arbeit wissen möchte, den lade ich

gerne ein mit mir Kontakt aufzunehmen: Telefon

0281/1633315. Und wer jetzt neugierig auf Betreutes

Wohnen in Gastfamilien geworden ist und

die Spix-Info Juni 2011 noch nicht gelesen hat: es

gibt noch ein paar Exemplare dieser Spix-Info mit

einem sehr informativen Bericht über das BWF

von Jo Becker bei mir.

Petra Pilath

Spix-Info 15


Am 20.06.2011 starteten wir gegen 9 Uhr mit ca.

12 BeWo-Nutzern, 3 Betreuerinnen und 2 Autos

in Richtung Scheveningen. Ohne Stau und nach

einer gemütlichen Kaffee-Pause kamen wir gegen

12 Uhr an der Strand-Promenade an. Dort zog es

alle an das Wasser und wir machten uns, ausgestattet

mit Strandtüchern und Proviant, auf den

Weg über den Strand, wo wir uns erstmal gemütlich

niederließen. Nach einer Weile trennte sich

die Großgruppe. Einige bummelten entlang der

Promenade, gingen Kaffee trinken oder am Meer

spazieren. Einige Mutige gingen sogar mit

Schwimmsachen im Meer baden, denn wir hatten

auch echt Glück mit dem Wetter – um die 25 ° C

und strahlender Sonnenschein. Gegen 16 Uhr

trafen wir uns dann wieder an den Autos und trafen

glücklich und erholt mit tollen Erlebnissen die

Heimreise an. Es war ein echt gelungener Tag,

denn ob Bummeln, Relaxen, Schwimmen – für

jeden war etwas dabei. Danke!

Miriam Bartel

Spix-Info 16

Mein Name ist Anthony Thomas, ich bin 36 Jahre,

bin in Wesel geboren und wohne in Möllen. Ich kenne

Spix seit 2002 und bin mit Unterbrechungen seit

dieser Zeit Tagesstättenbesucher. Die Angebote

des Vereins gefallen mir gut, ich bin sehr zufrieden

und möchte jetzt gerne etwas zurückgeben. Durch

einen anderen ehrenamtlichen Helfer bin ich „auf

den Geschmack gekommen“. Ich habe einige Male

geholfen und habe großen Gefallen daran gefunden.

Es macht mir totalen Spaß zu kochen und ab

Ende Juli werde ich eigene Dienste übernehmen.

Übrigens bin ich leidenschaftlicher Hip-Hopper und

produziere eigene Hip-Hop-Musik. Gerne verbringe

ich Zeit am Computer. Also, wir sehen uns bei Spix

und ich würde mich sehr freuen, möglichst viele Besucher

bekochen zu dürfen!

Anthony Thomas

Britt Schröder – ihres

Zeichens ehrenamtliche

Helferin von 2009 bis

2011 – hat ihren Dienst

quittiert! Man muss ihr

allerdings zugute halten,

dass sie das mit

mindestens 1 ½ weinenden

Augen getan

hat. Frau Schröder, uns

allen als leidenschaftliche

Wizardspielerin an

den Dienstagnachmittagen

bekannt, war lange

auf der Suche nach einem Studienplatz bzw. nach

einer Stelle. Dabei war es für sie eine Herzensangelegenheit,

ihre zukünftige neue Stelle mit ihrer

ehrenamtlichen Tätigkeit bei uns in Einklang zu

bringen. Das ist leider nicht geglückt und schweren

Herzens mussten wir „adieu“ sagen. Das Gute im

Schlechten ist natürlich, dass Frau Schröder eine

Stelle gefunden hat und wir wünschen ihr deshalb

viel Glück und alles Gute. Aber, liebe Britt, wie

heißt es bekanntlich so schön: „Man begegnet

sich im Leben immer zweimal!!“ Wer weiß, vielleicht

klappt das ja mit dem Studienplatz zum Wintersemester,

denn dann sehen wir uns bald wieder.

Andrea Sanders


Die Angehörigengruppe und das Sozialpsychiatrische Zentrum Spix e.V. laden alle Interessierten ein zu einer Informationsveranstaltung

zum Thema:

Herr Braun stickt schon über 25 Jahre. Ihm macht

die Arbeit mit den Materialien und verschiedenen

Farben Spaß. Seine Kunstwerke stellt er regelmäßig

in Geldern aus. Herr Braun erzählt mir,

dass er es schafft, ein Bild in einem Jahr zu sticken.

Angefangen hat er mit einem Bild, das er

seiner Mutter zum Geburtstag geschenkt hat. Diese

fand das sehr schön und hat ihm dann gesagt,

dass auch schon sein Vater gestickt hat. Er hat

sich dann Stramin gekauft und ein abstraktes Bild

in der Größe 0,50 x 1,10m gestickt.

Herr Braun hatte 2001 zur 25-Jahr-Feier Kreis

Wesel seine erste Vernissage. Das war im Zuge

des Theaterstücks „Stühle der Gefühle“. Er hat

dazu 10 Bilder im Plattstich mit verschiedenen

Stühlen gestickt, also die Motive waren Stühle.

Die nächste Kunstausstellung findet am

24.09.2011 von 17.00 bis 23.00 Uhr an der Zitadelle

in Wesel statt. Dies im Rahmen der „langen

Nacht in Wesel“. Auch dort wird Herr Braun seine

Kunststücke präsentieren und lädt alle herzlich

ein vorbeizuschauen.

Jasmin Sele

„ Erben und Vererben

in Familien mit chronisch psychisch kranken Angehörigen“.

Datum: Montag, der 07.11.2011

Uhrzeit: 19.00 – 20.30 Uhr

Ort: SPZ Kaiserring 16 (EG), 46483 Wesel.

Als Referent ist die Rechtsanwältin Frau Boland-Schlaghecken eingeladen, die speziell zu dem Thema

„Behindertentestament“ ihre Erfahrungen vortragen wird.

Anmeldung bitte unter 0281/16333-17 bei Herrn van Staa oder per Mail m.vanstaa@spix-ev.de

Spix-Info 17


Spix ist durch die Eindrücke in der Klinik Bedburg-

Hau entstanden, in der ich meine Arbeit als junger

Arzt begonnen habe (vergleiche „Die Geschichte

von Jan“ in diesem Heft). Ich nahm mir damals vor,

nicht wegzugehen, bevor sich nicht die unwürdigen

Lebensumstände der kranken Menschen dort gebessert

hätten. Gemeinsam mit meiner Frau und

den Mitbewohnern meiner Wohngemeinschaft, Lehrern

und Pädagogen, gründeten wir 1986 einen gemeinnützigen

Verein, den wir nach unserem Wohnort

„Sozialpsychiatrische Initiative Xanten – Spix

nannten. Auch Freunde aus der Friedensbewegung

stießen dazu, darunter Ingrid Dabringhausen, unsere

erste und langjährige Kassenwartin und ehrenamtliche

Teestubenbetreiberin bis heute. Als Vorsitzender

von Spix konnte ich die Missstände in Bedburg-Hau

kritisieren, was mir als Mitarbeiter der Klinik

nicht möglich war. Vor allem aber sollte Spix den

Aufbau von Hilfen für seelisch kranke Menschen

ermöglichen.

Mit Gesprächen, Briefen und anderen Formen der

Öffentlichkeitsarbeit erstritten wir uns die Erlaubnis,

2 Räume des Gesundheitsamtes in Xanten nutzen

zu dürfen. Dort starteten Irmy Schwarzer und Monika

von Hebel unser erstes Angebot, eine Angehörigengruppe.

1987 eröffneten wir die erste Beratungsstelle

für seelisch kranke Bürger am Niederrhein.

Spix-Info 18

Ehrenamtlich tätige Fachleute und zwei ABM-Kräfte

boten in Xanten verschiedene Gruppen, Beschäftigungsangebote,

Beratungen und Hausbesuche an.

Da wir außer dem Gehalt für die ABM-Mitarbeiter

keine Zuschüsse hatten, musste alles Übrige aus

Spenden und eigenen Mitteln organisiert werden.

Ingrid Dabringhausen machte nach selbstentwickeltem

Schema die Buchhaltung und transportierte die

Belege im Schuhkarton per Fahrrad. Unsere ehemalige

Wickelkommode musste als Mitarbeiter-

Schreibtisch herhalten, ein zum Arbeiten scheußlich


unbequemes Möbelstück. Und wer noch Spix- Korrespondenz

aus den ersten Jahren findet und gegen

das Licht hält, der sieht lauter kleine Löcher im Papier

- das kleine „o“ wurde von unserer ersten

Schreibmaschine ausgestanzt.

1988 erhielten wir den ersten Sachzuschuss. Dieser

ermöglichte uns, mit dem neuen ABM-Kollegen Viktor

Graff das erste Arbeitsprojekt für seelisch kranke

Bürger im Kreis Wesel aus der Taufe zu heben. Das

„Projekt Arbeit und Beschäftigung (PAB)“ bot am

„Blaufuß“ in Wesel Holzarbeiten an und war Vorläufer

des späteren Handwerker- und Industrie-Service

(HI-Service) von Spix, aus dem unsere heutige

Werkstatt entstanden ist.

1988 begannen wir auch mit berufsbegleitenden

Weiterbildungen in Systemischer Psychotherapie.

Unser erster Lehrtrainer, der bekannte holländische

Systemtherapeut Frans Boeckhorst, sollte uns hel-

fen, eine wertschätzende Grundhaltung und hohe

Professionalität im Umgang mit seelisch kranken

Menschen zu entwickeln. Später kamen in unserem

„Institut für systemische Forschung und Therapie“

zeitlich befristete Forschungsprojekte und das langfristig

angelegte systemische Projekt

„Netzkraftbewegung“ hinzu, ein weltweit wachsendes

Netzwerk von aktuell 1.400 sozial tätigen Organisationen.

Die Ausbildungen des Instituts sind heute

in drei Abschnitte über 3 Jahre gegliedert und

haben soviel Zulauf, dass zwei bis drei neue Kurse

pro Jahr starten können.

1989 erlebte Spix die erste sogenannte

„Regelfinanzierung“, die langfristig angelegte Förderung

einer Personalstelle einschließlich Sachkosten

durch den Landschaftsverband Rheinland zum Betrieb

eines Sozialpsychiatrischen Zentrums. Ein

Jahr später kam das „Betreute Wohnen“ hinzu. Unser

erstes Wohnheim wurde zwar auch seit 1988

intensiv geplant, konnte aber erst im Februar 1993

eröffnet werden.

Aus einem WG-Projekt ist heute ein blühendes soziales

Unternehmen von 130 Mitarbeiter/innen geworden.

Viele Menschen haben das möglich gemacht,

indem sie unentgeltlich viele Stunden ihrer Lebenszeit

und ihre Begeisterung in diese Idee gesteckt

haben. Dafür danke ich allen ganz herzlich. Und

sehr froh bin ich, dass sich der Geist der Anfangsjahre

erhalten hat: ein besonders wertschätzender

Umgang der Kolleg/innen untereinander und mit

kranken Menschen. Spix ist zwar im Vergleich zu

anderen sozialen Trägern klein, hat aber ein großes

Herz.

Jo Becker

Spix-Info 19


Spix-Info 20


Spix-Info 21


Zum Zeitpunkt der Gründung des Vereins Spix

e.V. wurden viele psychisch erkrankte Menschen

noch langfristig in stationären, geschlossenen Einrichtungen

wie beispielsweise den rheinischen

Landeskliniken Bedburg-Hau untergebracht. Bedingt

durch die fehlenden individuellen Unterstützungsmöglichkeiten

im Rahmen einer gemeindenahen

Psychiatrie war ein normales und weitestgehend

selbstbestimmtes Leben und Wohnen nicht

oder nur sehr begrenzt möglich.

Kurz nachdem der Verein ins Leben gerufen wurde,

entstand bereits 1987 eine erste betreute

Wohngemeinschaft. In der Nähe des Nibelungenbads

in Xanten-Wardt hatte Spix damals in der

Ferienhaussiedlung zwei zusammenhängende

Doppelhaushälften angemietet, in denen insgesamt

4 Bewohner die Möglichkeit hatten, im Rahmen

einer betreuten WG einen unterstützten Lebensweg

außerhalb der Psychiatrie einzuschlagen.

1989/90 erfolgte die offizielle Gründung des ambulant

betreuten Wohnens. Büroräumlichkeiten am

Kaiserring 12 wurden angemietet und das BeWo

hatte einen festen Sitz. Es folgte die Einrichtung

zweier großer Wohngemeinschaften für jeweils 6

Bewohner in Mehrhoog -Töven und Dinslaken. Die

Spix-Info 22

drei Wohngemeinschaften waren sehr unterschiedlich,

in Wardt und Töven fuhr der Bus 3x

täglich wochentags und am Wochenende überhaupt

nicht. In Dinslaken war die Wohngemeinschaft

in der Innenstadt in direkter Nähe zur Fußgängerzone.

Nach der Sammlung erster Erfahrungen mit dieser

Form der ambulanten Betreuung entstanden weitere

kleine Wohngemeinschaften in Xanten, Büderich,

Dinslaken, Flüren, Hünxe und Spellen mit 2-4

Bewohnern pro WG. Im Laufe der Zeit entwickelte

sich das ambulant betreute Wohnen immer weiter.

Die Anzahl der dort beschäftigten Mitarbeiter stieg

und bei den Nutzern wuchs der Wunsch nach individuellerem

und autonomerem Leben. Eine Wohngemeinschaft

hat viele Vorteile, insbesondere

wenn man das Alleine-Sein aufgrund jahrelanger

Psychiatrieunterbringung nicht mehr gewöhnt ist.

Allerdings bietet diese Wohnform auch ein hohes

Konfliktpotential, wenn es um die Teilung des

Haushalts oder die jeweiligen „Macken“ der Mitbewohner

geht.

Waren es zu Beginn insbesondere die Menschen

mit jahrelanger Psychiatrieerfahrung, die das Angebot

nutzten, um eine neue Lebensform zu wählen,

so kommen heute die unterschiedlichsten

Menschen mit ihren Lebensgeschichten und Erkrankungen

zu uns. Immer mehr Nutzer bevorzugen

die eigene Wohnung und das alleinige Wohnen

mit Unterstützung.

Im September 2007 war das BeWo mittlerweile so

weit gewachsen, dass die Räumlichkeiten zu eng

wurden. Ein Umzug zur Augustastraße 12 in Wesel

fand statt und das betreute Wohnen konnte

sich über größere, hellere und modernere Räumlichkeiten

sowie zusätzliche Beratungsräume freuen.

Heute steht den Nutzern ein multiprofessionelles

Team aus Erziehern, Heilerziehungspflegern,

Krankenschwestern, hauswirtschaftlichen Fach-


kräften und Sozialpädagogen zur Verfügung, um

mit ihnen gemeinsam den Alltag zu bewältigen.

Das übergeordnete Ziel ist es, jedem Menschen

mit einer psychischen Erkrankung ein selbstbestimmtes

Leben in einem selbst gewählten Wohnraum

zu ermöglichen und zu erhalten. Hierzu gehören

die individuelle Ermittlung des Hilfebedarfs

in allen Lebensbereichen und eine dementsprechend

bedarfsgerechte und persönlich angepasste

Unterstützung.

Neben einer kontinuierlich vertrauensvollen Beziehungsbasis

bieten wir eine Vielzahl an Hilfestellungen

im Alltag. Hierzu zählt für uns die Begleitung

zu Ämtern und Behörden ebenso wie zu Ärzten

und anderen Fachdiensten. Wir koordinieren die

Hilfen zu Therapeuten, tagesstrukturierenden

Maßnahmen und sonstigen Organisationen und

Bausteinen, die zum Erhalt des Wohnraums und

zum Wohlbefinden der Klienten beitragen. Weiterhin

bieten wir professionelle Beratung und fördern

die Teilnahme an Freizeitangeboten in der Gruppe.

Unsere hauswirtschaftlichen Fachkräfte unterstützten

die Nutzer in der Wohnung und geben Anleitung

und Förderung im Hinblick auf häusliche Tätigkeiten.

Um Klinikaufenthalte zu verhindern, gehören

auch Kriseninterventionen zu unseren wichtigsten

Aufgaben und sollte es erforderlich sein,

selbstverständlich auch die Unterstützung bei einer

Behandlung im Krankenhaus.

Um die Wünsche und Verbesserungsvorschläge

unserer Nutzer ausreichend berücksichtigen zu

können, gibt es regelmäßige Versammlungen der

Nutzersprecher. In diesem Forum findet bei lockerer

Atmosphäre ein reger Austausch hinsichtlich

gemeinsamer Ziele und Perspektiven statt.

Aktuell betreuen wir rund 110 Klienten mit den unterschiedlichsten

psychiatrischen Diagnosen und

sind froh und stolz zugleich, dass unsere Nutzer

uns seit vielen Jahren ihr Vertrauen schenken und

wir gemeinsam mit ihnen das „BeWo“ zu dem machen

konnten, was es heute ist.

Kathrin Grimm

Spix-Info 23


Spix-Info 24


Spix-Info 25


Der hi-Service wurde am 01. Juli 1996 gegründet

als Dienstleistungsunternehmen der Spix

e.V. mit dem Ziel, für psychisch behinderte Menschen

sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze

zu schaffen. Das Verbundprojekt „Horizont

Marienthal“ war im internationalen Verbund mit

Partnerbetrieben in unseren europäischen Nachbarländern.

Geboten wurden am Anfang in diesem Arbeitsprojekt

Beschäftigung, Qualifizierung und Zuverdienst

für Menschen, die vorher keine Möglichkeiten

hatten, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Viele waren vorher durchschnittlich ca. 6

Jahre arbeitslos. Am 15. März 1998 wurde ich

für das Projekt eingestellt und mit meinen Aufgaben

wuchs auch die Verantwortung, später mit

ca. 25-30 Klienten. Einige erreichten nach der

Qualifizierung und durch die Vermittlung sogar

wieder den ersten Arbeitsmarkt. Nach anfänglichen

Schwierigkeiten und Hilfen von der FAF

(Fachberatung für Arbeit- und Firmenprojekte) in

Köln kamen wir an einen Punkt der Wirtschaftlichkeit.

Im Laufe der Geschichte wurden verschiedene

Hilfen in Anspruch genommen, verschiedene

professionelle Beratungen, Unterstützung durch

das örtliche Arbeitsamt, den Spix-Vorstand und

nicht zu vergessen das Spix-Kollegen/

innenteam, die in das Projekt immer mehr Professionalität

eingebracht haben.

Folgende Dienstleistungen wurden angeboten:

Druck- und Verpackungs-Service, Fahrrad-

Service, Gartenpflege und Renovierungs-

Service. Im Bereich Druckservice waren wir in

der Lage, Druckaufträge bis zu 4 Farben im DIN-

à-4-Format zu gestalten und durchzuführen. Als

Spix-Info 26

Fachpersonal hatten wir einen Drucker und einen

Schriftsetzer. Mit dem Fahrradservice stellten

wir unseren Kunden einen Reparaturdienst

aller Fabrikate, den Verkauf von geprüften, gebrauchten

Fahrrädern und einen Fahrradverleih

zur Verfügung.

Unsere Dienstleistungen in der Gartenpflege

waren Rasenmähen, Säen sowie Bepflanzen

von Kleingärten durch die angelernten Kräfte.

Die Renovierungsarbeiten bis zum Tapezieren

und Anstrich führte ein Anstreicher mit Anlernkräften

durch. Möbelreparaturen wurden ebenfalls

mit Fachpersonal durchgeführt. Der „hi-

Service“ erledigte Aufträge für die Stadt Wesel,

einige soziale Einrichtungen und zahlreichen

Privatkunden.

Eine gute Zusammenarbeit bestand mit dem

ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club)

Kreisgruppe Wesel, mit der Polizei wurden Fahrradcodierungen

durchgeführt.

Im Oktober 2004 wurde die neue WfbM gegründet

und somit wurde das Arbeitsprojekt eingestellt.

François Urbani


Wie und wann sind Sie zu Spix gekommen

und wie haben Sie von Spix gehört?

Im Sommer 1998 war ich nach einigen wenig erfolgreichen

Klinikaufenthalten zum ersten Mal im

St. Vinzenz-Hospital in Dinslaken, wo es mir dann

doch nach einiger Zeit etwas besser ging. Ich

wohnte zum damaligen Zeitpunkt noch bei meinen

Eltern.

Nachdem ich mein Studium abbrechen musste,

hatte ich zudem keine Beschäftigung. Da bekam

ich im Vinzenz ein Heft namens „Tacheles“ in die

Hände, wo Betreutes Wohnen von Spix angeboten

wurde. Nach einem Treffen mit Mitarbeitern

von Spix in Dinslaken wurde beschlossen, dass

ich ab August 98 ins Betreute Wohnen ziehen

sollte. Gleichzeitig habe ich in der Tagesstätte

von Spix, die sich damals noch im Innenhof des

AWO-Geländes befand, angefangen zu arbeiten.

In welchen Bereichen von Spix sind Sie aufgestellt

oder werden betreut?

Im Moment arbeite ich in der Radstation von der

WfbM. Im November 2002 habe ich in der WfbM

in Blumenkamp begonnen. September 2010 bin

ich dann zur Radstation umgezogen. Außerdem

werde ich von Frau Pollmann im Betreuten Wohnen

betreut.

Wie hat sich der Bereich seitdem Sie bei Spix

sind verändert?

Natürlich hat sich Spix verändert. Es ist sehr viel

größer geworden. Das KBZ und die Tagesstätte

sind in das ehemalige Dammann- Gebäude gezogen

am Kaiserring 16. Im September 2002 wurde

die WfbM im Blumenkamp in der alten Schule eröffnet,

wo ich im November desselben Jahres in

der Verpackung angefangen habe zu arbeiten.

Nach einiger Zeit wurde neben der alten Schule

eine neue Werkstatt gebaut, die wir 2007 bezogen

haben. Seit kurzem sind in der Werkstatt

ausgelagerte Arbeitsplätze in Alpen und Wesel

dazugekommen. Ferner gibt es seit vorigem Jahr

die Brötchentheke, den Bio-Snack und die Radstation

in der Nähe des Weseler Bahnhofs.

Was hat sich für Sie verändert, seitdem Sie

bei Spix sind?

Wichtig war für mich der Wechsel von der Tagesstätte

zur Werkstatt. Dort habe ich in der Verpackung

begonnen und bin dann 2003 zur Fahrradstation

gewechselt, wo hauptsächlich Posträder

repariert werden. Ich arbeite dort in der Buchhaltung,

außerdem betreue ich seit geraumer Zeit

das Ersatzteillager.

Es hat auch noch Rückschläge gegeben, seit ich

bei Spix bin. Ich war noch zweimal im Vinzenz.

Anfangs hatte ich auch Schwierigkeiten mit dem

Ablauf der täglichen Pflichten. 2004 bin ich dann

von der WG in Büderich in die Weseler Stadtmitte

gezogen, wo ich mich ganz wohl fühle und auch

mein Leben ganz gut bewältige.

Was fällt Ihnen als herausragendes oder witziges

Ereignis seitdem Sie bei Spix sind ein?

Ein etwas komisches herausragendes Ereignis in

der Werkstatt fällt mir ein. Mit großem Aufgebot

an Weseler und auswärtiger Prominenz wurde

2005 die Grundsteinlegung für die neue Werkstatt

gefeiert, aber erst 2 Jahre später mit dem Bau

begonnen, wobei zudem die kleine Mauer von der

Grundsteinlegung im Weg stand und abgerissen

wurde.

Spix-Info 27


Wie und wann sind Sie zu Spix gekommen?

Ich bin seit dem 1.7.1992 bei Spix beschäftigt und

habe bis 1998 im Betreuten Wohnen und im Kontakt-

und Beratungszentrum (heute SPZ) gearbeitet.

Seit 1998 arbeite ich halbtags im SPZ.

Wie haben Sie damals von Spix gehört?

Zu dem Zeitpunkt war ich im Nikolaushospital in

Rheinberg beschäftigt. Durch verschiedene Arbeitskreise

und die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft

bekam ich Kontakt zu den damaligen Kollegen.

Da ich selbst Xantenerin bin, wusste ich natürlich

um den Verein und habe bereits ab 1991

ehrenamtlich für den Verein gearbeitet.

In welchen Bereichen von Spix sind Sie aufgestellt

oder werden betreut?

Wie bereits erwähnt arbeite ich halbtags im Sozialpsychiatrischen

Zentrum.

Wie hat sich der Bereich seitdem Sie bei Spix

sind verändert?

Der Platz an dieser Stelle reicht wahrscheinlich

nicht aus, um alle Veränderungen zu beschreiben.

Erst einmal haben sich äußere Bedingungen verändert.

Wir sind sowohl in Xanten als auch in Wesel

umgezogen, Schermbeck als drittes Standbein

ist dazu gekommen. Von den alten Kolleginnen ist

keine mehr hier beschäftigt und der Stellenanteil

Spix-Info 28

hat sich drastisch reduziert. Inhaltlich haben wir

uns im Laufe der Jahre sicher deutlich professionalisiert.

1992 haben wir zwar mehr Teestubenzeiten

vorgehalten, dafür gab es aber nur eine Gruppe,

von den Selbsthilfegruppen einmal ganz zu

schweigen.

Der Einsatz ehrenamtlicher Helfer war zu dem

Zeitpunkt sehr überschaubar. In den letzten Jahren

gab es einen deutlichen Anstieg des Beratungsbedarfs

von Hilfesuchenden und Angehörigen. Inzwischen

kann man sich auch virtuell beraten lassen,

dass war bis vor zwei Jahren in der Form gar nicht

möglich.

Heute gibt es das Psychoseseminar, sechs Selbsthilfegruppen,

drei Angehörigengruppen, eine Gesprächsgruppe

und 19 ehrenamtliche Helfer. Im

Laufe der Jahre haben wir trotz schwindender Mitarbeiterzahlen

immer mehr angeboten, entweder

paradox oder professionell?!

Was hat sich für Sie verändert, seitdem Sie bei

Spix sind?

Ich bin deutlich älter geworden, habe deshalb

mehr Urlaub und mehr Geld. Jetzt einmal ohne

Witz: Ich habe in den letzten 19 Jahren drei Zusatzqualifikationen

erworben und glaube, sehr viel

entspannter zu sein als früher.

Was fällt Ihnen als herausragendes oder witziges

Ereignis seitdem Sie bei Spix sind ein?

Mein witzigstes Erlebnis ereignete sich mit einem

Kollegen, der schon einige Zeit nicht mehr hier ist.

Während eines Gesprächs von meinem damaligen

Bürofenster aus marschierte der Kollege rückwärts

über den Hof und fiel in einen Blumenkübel. Darüber

habe ich mich tagelang amüsiert.


Vor vielen Jahren, wisst Ihr noch, die es von früher kannten

Eröffnete das KBZ bei der Post in Xanten.

Nach einer Mieterhöhung – so ein Ding-

zog man zu Engelbert-Humperdinck.

Und dann fuhr man „hinauf zum Mars“ mit Tisch und Block,

dort traf man sich im ersten Stock.

Es trafen sich dort viele Leute

Was manchen nicht nur immer freute.

Es gab in Xanten sonst ja nix –

So trank man Kaffee dann bei Spix.

2007 in der Marsstr. 70, vom Alten Treff nur wenig weiter,

(da waren anfangs nicht alle Besucher heiter),

mussten viele lang drauf warten,

traf man sich im Erdgeschoss mit Garten.

Nach anfangs ABMlern, die die Stube offenhielten,

kamen Andrea, Ingrid, Karl-Heinz und spielten;

und lange Jahre bis zum heutigen Tage

die Türe offen hielten ohne Klage.

Bei Ingrid geht es immer noch sehr fix –

so steht sie ehrenamtlich gern für Spix.

Und auch in Wesel gab es Menschen,

die ihren Schritt zu Spix hin lenkten.

Erst zum Blaufuß, später zu der AWO.

Und was waren alle erst recht froh

als der Treff und die Beratung

so richtig kamen in Schwung

im alten Haus am Kaiserring.

Da wo man früher zur Schule ging,

geht man heut – wenn die Situation verflixt –

zum Treff und zur Beratung schnell zu Spix.

Spix-Info 29


Spix-Info 30


Spix-Info 31


Frühjahr 1992

Öffnungsdatum : Frühjahr 1992 im Rahmen eines Modellprojekts des LVR. 10 Tagesstätten wurden finanziert,

vorher gab es das Projekt „ Arbeit und Beschäftigung“

Ort : Kaiserring und Blaufuss in Wesel

Arbeitsbereiche : Cafeteria, Holzwerkstatt, Fahrradwerkstatt

Plätze: 15

Mitarbeiter 3: Arbeitspädagoge, Krankenschwester, und Tischler mit Gemeindepsychiatrischer

Zusatzausbildung

Finanzierung : Pauschal

Zusatzangebote: Sprungbrettgruppe, Musikgruppe, Heimaterkundungsgruppe, 1x monatlich Tages-

stättenvollversammlung, 1x jährlich Ferienfreizeit, alle 6 Wochen Disco mit den SPZ-

Kollegen

Zuverdienst: 2,50 DM je Anwesenheitstag

Konzeptionelle Idee: konkrete Arbeitsangebote werden eher angenommen und kontinuierlicher genutzt als

Schnupperangebote. Somit wurden als dauerhafte Lösung die Arbeitsangebote von

9:15-15:00 mit einer großen und mehreren Rauchpausen eingeführt. Bei den Ausflügen

und vor allem bei den Sportangeboten ist ebenfalls ein kontinuierliches Angebot stärker

frequentiert als häufige Variationen. Diese Angebote werden jahreszeitlich und klientenorientiert

variiert ( z.B. Schwimmen im Sommer und Turnen im Winter ). Einzelfallbetreuung

mit dem Ziel, individuelle Verhaltensprobleme oder soziale Defizite zu bearbeiten,

kann von den TS-Mitarbeitern nicht geleistet werden. Ein Bezugssystem besteht

nicht.

Stand 2011

Ort: Kaiserring 16, 46483 Wesel

Arbeitsbereiche: Cafeteria, Kreativwerkstatt, Konfektionierungsbereich, Gartengruppe

Plätze 20 Plätz, durchschnittlich 95 % Belegung

Mitarbeiter: 4: Sozialarbeiterin, sozialpäd. Fachkraft, Krankenschwester, Kunsttherapeutin

Finanzierung: Pflegesatzeinrichtung seit 1999

Zusatzangebote: Konzentrationstraining, wöchentliche Tagesstättenvollversammlung, PC-Training, ausgelagerte

TS-Plätze in der WfbM

Zuverdienst: 2,00 € je Anwesenheitstag bzw. 60,00 € in den ausgelagerten TS-Plätzen in der WfbM

Konzeptionelle Idee. Die Aufgaben der TS reichen je nach Indikation von Hilfen zur Bewältigung des Alltags

über Stabilisierung, kommunikative Stützung und lebensbegleitende Dienste bis zur

Erprobung und Förderung individueller Fähigkeiten und Belastbarkeiten. Neben den

täglichen Anwesenheitslisten werden in regelmäßigen Abständen Einzelgespräche

geführt, in denen kurz-, mittel- und langfristige Ziele gemeinsam mit dem Klienten erarbeitet

und festgelegt werden. Bestehende Betreuungsinhalte und vorherige Absprachen

werden hierbei überprüft. Es wird im Bezugssystem gearbeitet, regelmäßige Runde

Tische mit gesetzlichen Betreuern, BeWo-Kollegen etc. und Überprüfung der Arbeit

durch regelmäßige Entwicklungsberichte. Regelmäßige Teilnahme an der interdisziplinären

Intervision. Bei Bedarf Supervision.

Spix-Info 32


Spix-Info 33


Als sich der Verein vor 25 Jahren gegründet hat,

dachte sicherlich noch keiner daran, welche Entwicklung

Spix nehmen würde. Heute, 25 Jahre

später, ist ein Spix ein etabliertes, soziales Wirtschaftsunternehmen

mit vielfältigen Dienstleistungsangeboten.

Anfang des neuen Jahrtausends stellte der Landschaftsverband

Rheinland (LVR) einen Bedarf an

Werkstattplätzen in Wesel für psychisch erkrankte

Menschen fest, der bisher noch nicht durch Werkstattträger

ausreichend abgedeckt wurde. Nach

Anfrage durch den LVR konnte Spix sich gut vorstellen,

zu den Wohn- und Betreuungsplätzen

auch Plätze zur Teilhabe am Arbeitsleben zu

schaffen. Spix und die Lebenshilfe Unterer Niederrhein

e.V., die im gleichen Gebiet eine Werkstatt

für Menschen mit geistigen Behinderungen

betreibt, gingen eine Kooperation ein, um dieses

Vorhaben zu ermöglichen.

Im September 2002 war es dann soweit, die ersten

6 psychisch erkrankten Menschen aus Wesel

wurden in die Werkstatt für behinderte Menschen

(WfbM) aufgenommen. Die bis dahin von Spix für

andere Projekte genutzte alte Volksschule im Blumenkamp

war der Beginn der Werkstatt. Erste

Bedarfsanalysen hatten ergeben, dass man

Werkstattplätze für ca. 42 Menschen schaffen

müsste. Diese Zahlen sind aber recht schnell korrigiert

worden und die weiteren Erhebungen ergaben

schon einen Bedarf von 60 Plätzen.

Im Jahre 2005 begannen die Planungen für den

Bau einer neuen WfbM auf dem Grundstück nebenan,

das Spix von der Stadt Wesel erworben

hatte. Erneut wurde geschaut, wie sich die Bedarfe

an WfbM-Plätzen entwickelt hatten und wie die

aktuellen Belegungszahlen waren. Zum Jahres-

Spix-Info 34

wechsel 2005/06 waren 57 Menschen mit einer

psychischen Erkrankung in der WfbM. Die neue

Werkstatt, die für 80 Werkstattplätze ausgelegt

ist, wurde dann feierlich im November 2007 eingeweiht.

Zum damaligen Zeitpunkt wechselten 78

WfbM-Mitarbeiter aus der „Alten Schule“ in die

neue WfbM.

Im Jahre 2010 kam noch die Brötchentheke an

der Dinslakener Landstraße hinzu und ebenfalls

konnten wir nach einer langen Planungs- und

Umsetzungsphase die Radstation „Gleis 31“ am

Weseler Bahnhof eröffnen. Zusätzlich zu den beiden

Außenstellen „Brötchentheke“ und „Gleis 31“

konnten wir bis zum heutigen Tage auch 12

Werkstattmitarbeiter arbeitsmarktnah in Firmen

der Region vermitteln. Sie arbeiten dort mit nichtbehinderten

Mitarbeitern der Firmen zusammen.

Diese Plätze nennen wir BiAP (Betriebsintegrierte

Arbeits-Plätze). Die dort eingesetzten Mitarbeiter

sind weiterhin WfbM-Mitarbeiter mit jeglicher sozialer

Absicherung.

Derzeit werden 122 Menschen mit einer psychischen

Erkrankung in der Werkstatt und deren Nebenstellen

betreut und beschäftigt.

Ich bin stolz darauf, dass es Spix gelungen ist,

ein solches Projekt auf die Füße zu stellen und es

auch erfolgreich zu betreiben. Ganz sicherlich

geht es aber auch nicht ohne die hauptamtlichen

Mitarbeiter, denn sie haben maßgeblich zum Erfolg

der WfbM beigetragen. Auf diesem Wege

möchte ich mich bei allen Kolleginnen und Kollegen

der WfbM für diese tolle und engagierte Mitarbeit

bedanken.

Ihr seid ein tolles Team – DANKE!


Spix-Info 35


Tja, wo soll ich beginnen…? Die Geschichte und

Wichtigkeit der Tagestruktur innerhalb des Hauses

Vivaldi ist lang. Bereits als ich 1996 meinen Dienst

im Haus Vivaldi im Gruppendienst antrat, gab es

im unteren Geschoss ein nettes Räumchen, in

dem Ute Sprock (damals noch van de Locht), die

viele jetzt sicherlich auch aus dem BeWo kennen,

dafür sorgte, dass die Langweile über den Vormittag

für viele Bewohner gar nicht erst aufkommen

konnte. Es wurde geplaudert, philosophiert, gesägt,

gebastelt und vieles mehr… Eine schöne Anlaufstelle

halt.

Auch vorangehend wurde dies wohl schon von einer

ominösen Verona angeboten. Ein Schild an

einer Tür bestätigte mir langjährig ihre Existenz–

das Schild durfte nicht entfernt werden, kennengelernt

hatte ich sie aber nie. Es muss sie aber wohl

gegeben haben…

Ute Sprock wurde dann irgendwann dazu berufen,

in den Gruppendienst einzusteigen und weitere

Spix-Info 36

Menschen kamen, um die Möglichkeit zu bieten,

einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen. Ich

muss zu meiner Schande gestehen, die Reihenfolge

und Dauer der Beschäftigungsverhältnisse ist

mir nicht mehr geläufig, aber mir fallen zumindest

einige der netten Kollegen/innen ein. Unser Dank

gilt hier Christian Maier, Barbara Schoofs, Antje

Brahmst, die uns noch im LT23 erhalten ist und

Tobias Blommen, der nach einigen Jahren im

Gruppendienst 2010 den Weg zurück in den Arbeits-

und Beschäftigungsbereich gefunden hat.

Sollte ich nun jemanden vergessen haben, man

sehe es mir nach.

2007 kam erstmalig der Begriff LT24 auf, der sowohl

Wohnheimbewohnern als auch Klienten/

innen des Betreuten Wohnens innerhalb von

Wohnheimräumlichkeiten die Möglichkeit bot, niederschwellig

mit 3 Tagen à 2 Stunden sich wieder

auf eine Beschäftigung einzulassen. In dieser Zeit

waren Sascha Garwermann, Anne Thoenes und

Nils Zellerhoff die Menschen, die das Konzept im

Rahmen der Möglichkeiten vertraten und dem Bereich

eine deutliche Entwicklung zuteil werden ließen.

Die Entwicklung hätte noch deutlicher sein

können, doch Sascha Garwermann durfte leider

nicht wie er wollte. Im Rahmen der Möglichkeiten,

die sie hatten, haben sie aber den Grundstein gelegt

für das, was heute das „Zentrum für soziale

und berufliche Rehabilitation“ ist. Ich danke ihnen

sehr.

2008/2009 waren die Jahre der großen Veränderungen

in allen Bereichen, also auch im LT24. Ich

wurde dazu berufen, aus der Wohnbereichsleitung

heraus die Leitung des LT24 zu übernehmen. Ge-


meinsam mit Sascha Garwermann, meiner damaligen

Kollegin Manuela Ilgen, Anne Thoenes und

Nils Zellerhoff versuchten wir den Bereich so gut

es ging zu „wuppen“, was sich aufgrund äußerer

Umstände als relativ schwierig erwies.

Zur Entwicklung des Bereichs waren räumliche

und personelle Erweiterungen/Veränderungen unabdingbar,

zumal uns leider Anne, Sascha und

Manuela verließen. Hinzu stießen aber Claudia

Hasselmann (vielen bekannt aus der TS), Tobias

Blommen (ich erwähnte es gerade) und in zwei

Anläufen (dies ist ein Insider) Jasmin Dzihanovic.

Um es auf den Punkt zu bringen…seit 2010 ist das

Team komplett.

Auch im Rahmen der Entwicklung der Räumlichkeiten

war 2010 das Jahr. Dank der großartigen

Arbeit der Hausmeistertruppe der WfbM, die im

Winter 2009/2010 den Umbau der hinteren Räumlichkeiten

des Hauses Vivaldi (Garage, Verpackung,

Werkzeugraum) schaffte, haben wir seither

Räume, in denen wir und auch die Klienten/Innen

sich wohl fühlen und motiviert bei der Sache sind.

Die Bereiche Kreativ, Küche, Verpackung und Garten

sind gut ausgelastet und es war an der Zeit

mal durchzuatmen und konzeptionelle Weiterentwicklungen

anzugehen, wie die Entwicklung der

Reha-Pläne.

Im März 2011 fand dann die erfolgreiche offizielle

Eröffnung statt, zu der viele Interessierte kamen

und die auch für weiteren Zulauf sorgte. Im Mai

2011 wurde auch eine Außenstelle der Verpackung

in den Räumlichkeiten der „Alten Schule“

WfbM geschaffen, die den teilnehmenden Klienten/

innen die Möglichkeit offeriert, sich mit der WfbM

und den dortigen Gepflogenheiten vertraut zu machen.

Der Bereich wird begeistert angenommen.

Es wird sicherlich noch weitere Entwicklungen geben,

auf die mein Team und ich schon sehr gespannt

sind.

Wir werden sehen…

Alexandra Hönnekes-Bathel

Spix-Info 37


Wie und wann sind Sie zu Spix gekommen?

Tja, dazu kam ich eigentlich wie die „Jungfrau zum

Kind“. Ich war morgens mit dem Rad bei meiner

Tante zum Frühstück und klagte ihr mein Leid. Ich

benötigte nämlich dringend einen Job während

meines Studiums der Sozialarbeit. Am besten hätte

ich natürlich was Soziales gefunden, da sich das

am Besten in einem Lebenslauf macht. Sie hatte

sofort die spontane Idee, dass sich doch ein Job

beim Arbeitgeber meines Onkels anbieten würde.

Dort wäre gerade eine Stelle frei, die auch ein zeitgleiches

Studium möglich machen würde.

Richtig, dieser Arbeitgeber war Spix. Ich musste

also umgehend nach Hause fahren, um telefonischen

Kontakt aufzunehmen. Damals lag mir nämlich

noch nicht so sehr: „Telefonieren mit Gesellschaft“.

Das geht heute, Gott sei Dank, unproblematisch.

Also, gesagt getan: ich rief an, reichte

mittags meine Unterlagen ein, war tags drauf zum

Gespräch und hatte von diesem Tag an einen Job

bei Spix. Das war 1997.

Wie haben Sie damals von Spix gehört?

Wie schon gesagt, mein Onkel war bei Spix tätig,

wobei er eigentlich seltenst darüber gesprochen

hat. Rückblickend gesagt, hatte ich anfangs Null-

Ahnung worauf ich mich einließ.

In welchen Bereichen von Spix sind Sie aufgestellt

oder werden betreut?

Ich wurde damals eingestellt für den Gruppendienst

im Haus Vivaldi und dieses Haus habe ich

jobtechnisch auch nicht verlassen. Während des

Studiums war ich in unterschiedlichen Gruppen

des Hauses tätig. Im Anschluss oblag mir die

Wohnbereichsleitung. Seit knapp zwei Jahren leite

ich nun das Zentrum für soziale und berufliche Rehabilitation,

ehemals LT24.

Spix-Info 38

Wie hat sich der Bereich seitdem Sie bei Spix

sind verändert?

Seit 1997 hat sich alles verändert. Ich habe mich

verändert und viel in den Jahren gelernt, positives

wie auch negatives. Die wesentlichen Veränderungen

liegen darin, dass aus Heimleitung und Stellvertretung

Heimleitung und Bereichsleitungen und

nun Heimleitung alleine wurde. Die tagesstrukturierenden

Maßnahmen erfuhren einen Ausbau. Ich

habe viele Menschen innerhalb dieser Zeit kennen

und schätzen gelernt und mich von vielen innerhalb

dieser Zeit trennen müssen, Klienten wie Kollegen/innen.

Was hat sich für Sie verändert, seitdem Sie bei

Spix sind?

Zuviel, als dass ich das hier wiedergeben könnte

und wollte. Wie gesagt, es hat sich viel verändert

und auch ich habe mich verändert. Alles in allem

habe ich vor allem meinen ersten Jahren hier viel

in meiner Entwicklung zu verdanken.

Was fällt Ihnen als herausragendes oder witziges

Ereignis seitdem Sie bei Spix sind ein?

Es ist sicher leicht vorstellbar, dass in fast 14 Jahren

viele Gegebenheiten passiert sind. Die meisten

entstanden aus, und das ist mein liebster Humor,

lustigen situativen Anlässen, bei denen man einfach

dabei gewesen sein muss, um sie und die

darin liegende Komik zu verstehen.


Noch zwei Jahre zuvor hätte sich die Nachbarschaft

im Fusternberg nicht träumen lassen, dass

in die Lagerhalle an der Friedenstraße Ecke Reicher-Leute-Stege

im Juli 1993 „das Leben“ Einzug

hält. Für 25 Menschen mit psychischer Erkrankung

war es im Rahmen des Enthospitalisierungs-

Programmes des LVR ein Schritt in eine neue und

doch zugleich bekannte Zukunft. Männer und

Frauen, die teilweise jahrzehntelang in Landeskliniken

fern ihrer Heimat leben mussten, haben die

Möglichkeit erhalten, in ihrer Heimatgemeinde zurück

ins Leben zu finden.

Aus der einstigen Lagerhalle wurde mit viel Einsatz

und Engagement ein Wohnheim mit 6 Wohngruppen,

in dem 25 Bewohner/innen ein Zuhause finden

konnten. In kleinen Wohngruppen (3-5 Personen)

stand schon immer die Individualität des einzelnen

im Vordergrund. Dies sollte sich auch in der

Ausgestaltung der Räumlichkeiten widerspiegeln.

Keine Gruppe gleicht der anderen. Die Harmonie

der Gegensätze bewegte eine Mitarbeiterin des

Hauses zur Namensgebung: „Das Haus, die Bewohner

und Mitarbeiter sind so vielfältig und unterschiedlich

wie die vier Jahreszeiten.“ Schnell war

der entsprechende Komponist auch Namensgeber:

„Vivaldi“.

Die Mitarbeiter des Hauses verstanden sich schon

immer als Lebensbegleiter. Begleitung bei der Essenszubereitung

gehörte selbstverständlich genau

so in den Alltag wie: Frühschoppen, Ausflüge, Urlaubsfahrten,

Kunstausstellungen, Feste und Feierlichkeiten.

Aber auch die Erschließung des neuen

Wohnumfeldes musste begleitet werden: nach

10, 20 oder 30 Jahren in einer Landesklinik nun

plötzlich die „eigenen 4 Wände“ als Heimat und

Zuhause zu empfinden bedarf schon einiger Zeit.

Zeit, die bis heute vergangen ist, wurde im Haus

Vivaldi mit Leben gefüllt.

Jedes Jahr in diesem Haus sollte gefeiert werden.

So ist das alljährliche Sommerfest mittlerweile zur

Tradition geworden. In diesem Jahr fand das 18.

Sommerfest des Hauses statt, d.h. wir wurden gerade

volljährig.

18 Jahre, in denen es viele Veränderungen gegeben

hat: Bewohner/innen sind ein- und ausgezogen.

Für den einen oder anderen war das Haus ein

Übergang in die Selbständigkeit, einige sind in die

Außenwohngruppe gezogen, andere leben mittlerweile

in ihrer eigenen Wohnung. Für einen Großteil

ist es zum Zuhause geworden.

18 Jahre, in denen es viele Veränderungen gegeben

hat: Mitarbeiter/innen haben den Arbeitsplatz

gewechselt, sind bei Spix geblieben oder haben

sich beruflich verändert.

18 Jahre, in denen es viele Veränderungen gegeben

hat: neue Strukturen haben Einzug gehalten,

die Technik hat auch nicht vor der Friedenstraße

halt gemacht.

18 Jahre, in denen eines immer noch Bestand hat:

die Harmonie der Gegensätze!

Brigitte Langwald

Heimleiter/in

Mai 1993 – April 2005 Herbert Lenninger

April 2005 – Juni 2009 Margret Hilbert

Seit Januar 2010 Brigitte Langwald

Stellvertretende Heimleiterin

Mai 1993 – Dezember 1998 Heinke Albers

Januar 1999 – September 1999 Birgit Förster

November 1999 – Juni 2004 Stefanie Szkudlarek

Juli 2004 – Dezember 2009 Elke an de Meulen

Spix-Info 39


Spix-Info 40


Spix-Info 41


Das 240 qm große Wohnhaus befindet sich im sogenannten

Hanseviertel, einem Wohnmischgebiet

in Stadtnähe Wesel. Es bietet neben den Bewohner-Appartements

eine Gemeinschaftsküche, ein

Gemeinschaftswohnzimmer, einen 1200 qm großen

Garten und Platz für 6 Menschen. Es wurde

im Dezember 2001 fertig gestellt und nach heftigen

Diskussionen und Aufklärungsarbeit mit den direkten

Nachbarn am 03.12.2001 in Betrieb genom-

Spix-Info 42

men. An diesem Tag zogen die ersten 2 oder 3

BewohnerInnen ein. Weitere BewohnerInnen folgten

im Laufe der nächsten 3 Monate.

Vor der Inbetriebnahme fuhren wir in die Niederlande

und kauften dort schöne Weichholzmöbel

ein. Diese jedoch in die oberen Appartements zu

bekommen bedurfte einiger Anstrengung, da die

Schränke nicht zerlegbar waren und nicht durch

den Flurbereich passten. Zudem regnete es an

diesem Tag durchgehend und der heutige Garten

war eine einzige Matschlandschaft. Der Name

Haus Alia - „auf anderem Wege“ - war plötzlich

Programm. Wir mussten die Schränke an Seilen

gebunden jeweils durch die Fenster der oben gelegenen

Wohnungen bugsieren. Dies erforderte großen

körperlichen Einsatz. Aber schon zu dieser

Zeit prägte ein ausgesprochener Humor das

Team, der bei allen Schwierigkeiten bis heute

geblieben ist, so ganz nach dem Motto: nur nicht

den Humor verlieren, nicht wahr Antje!? Dieses

Ziel erreichten wir nur, indem alle mitmachten und

dank der Unterstützung des damaligen LT 24, heu-


te Reha-Bereich. So tapezierten und strichen alle

zusammen das Haus. Dies ist heute noch Bestandteil

unserer Arbeit. So gestaltet das Team

den Innen-, aber auch den Außenbereich eigenständig,

was wiederum zu einer engen Verbundenheit

mit dem Haus führt. Und so ging es die erste

Zeit neben der Versorgung der Bewohner weiter

mit der Gestaltung des Gartens. Am liebsten hätten

wir damals einen Steingarten daraus gemacht,

weil wir Pflanzen nur mit der Picke einsetzen konnten.

Der Boden war steinig und es fehlte Mutterboden.

Aber auch dies konnte uns nicht davon abhalten,

einen wie ich finde recht netten Garten im

Laufe der Jahre zu gestalten.

Spix ging und geht es bei diesem Projekt darum,

Menschen mit starken psychischen Störungen und

Verhaltensauffälligkeiten, mit ausgeprägten sozialen

Anpassungsschwierigkeiten, Sucht- und Obdachlosenproblematik

ein Zuhause zu bieten und

sie an 365 Tagen rund um die Uhr durch ein multiprofessionelles

Team zu begleiten.

Im Haus Alia soll der Bewohner zur Ruhe kommen,

seine Ressourcen betrachten, seine Beeinträchtigung

ausloten, gemeinsam neue Lebensperspektiven

entwickeln und diese begleitet in kleinen

Schritten erproben, bei größtmöglicher Eigenständigkeit.

Hierzu bieten wir eine räumliche Besonderheit: jeder

Bewohner bezieht ein eigenes ca. 20 qm großes

Appartement mit eigener Singleküche und eigener

Nasszelle mit Dusche und WC, eingerichtet

mit netten Weichholzmöbeln. Des Weiteren erhält

jeder Bewohner die nötige Grundversorgung, ein

verlässliches Beziehungsangebot sowie ein individuelles

nach Hilfeplan geregeltes Hilfsangebot. In

den ersten 2-3 Jahren, aber auch immer wieder

zwischenzeitlich, gab es im Haus Alia durch die

Bewohner viele belastende und laute Tage und

insbesondere Nächte, die sowohl den übrigen Bewohnern,

dem Team als auch den direkten Nachbarn

nicht verborgen blieben. Nach anfänglichen

Schwierigkeiten mit den Nachbarn bildete sich

durch ständiges Kommunizieren und Aufklären ei-

ne gute Nachbarschaft, so dass das Haus Alia nun

schon seit einigen Jahren jährlich an den Nachbarschaftsfesten

teilnimmt und auch wie in diesem

Jahr selbst ausrichtet. In den nun fast 10 Jahren

nahmen einschließlich der noch aktuell dort lebenden

Bewohner 21 Menschen das Haus Alia in Anspruch.

3 BewohnerInnen wechselten in andere

Wohnheime, 5 BewohnerInnen in das Betreute

Wohnen und 2 in das Betreute Wohnen plus. Dieses

Jahr ist vorgesehen, dass 2 weitere BewohnerInnen

in das Betreute Wohnen plus wechseln. Es

kam auch vor, dass der Eine oder die Andere das

Haus Alia verließ oder auch verlassen musste. In

all den Jahren war jedoch die Belegungsquote

über 90%, was für den Bedarf einer Einrichtung

wie das Haus Alia spricht.

Auch die MitarbeiterInnen wechselten im Laufe der

Jahre. Von Ende 2001 bis 2004 bestand das Team

aus Männern und Frauen. Aufgrund der vermehrten

und massiven Übergriffe arbeitete von 2004 bis

Ende 2007 im Haus Alia ein reines Männerteam.

Einige ehemalige MitarbeiterInnen leisten ihren

Dienst mittlerweile in anderen Bereichen der Spix

e.V., andere haben den Verein verlassen.

Seit Anfang 2008 gibt es wieder ein Team von

Frauen und Männern, worüber ich persönlich sehr

erfreut bin. Ich darf glaube ich sagen, dass wir immer

ein kleines aber sehr effizientes Team waren/

sind und dafür sorgten/sorgen, dass das Arbeitsklima

trotz oder gerade wegen des schwierigen

Klientels und der oft schwer zu ertragenden Situationen

sehr gut war und auch noch ist. In diesem

Sinne, liebe Alianer, nur nicht den Humor verlieren!

Falls doch, meldet euch bei mir, ich weiß wo er zu

finden ist.

Franz Niederstraßer

Spix-Info 43


Beim Betreuten Wohnen plus handelt es sich um

eine recht neue Idee seitens der Spix e.V., die im

April 2010 mit der Belegung von 4 Wohnungen

durch 4 KlientenInnen im alten Hausmeisterhaus

an der Bocholterstraße 12 in Wesel begann. Die-

se Menschen kamen ausschließlich aus stationären

Einrichtungen, sollten eigentlich auch noch

weiter dort leben, da sich eine umfassende und

intensive Begleitung rund um die Uhr als erforderlich

abzeichnete. Zunächst begleitete das Haus

Alia zwei seiner BewohnerInnen bei dem Umzug in

die eigene Wohnung, ebenso begleitete die Außenwohngruppe

Clarenbachstraße einen Bewohner

sowie das Lühlerheim, eine Obdachloseneinrichtung

in Marienthal, einen weiteren Bewohner.

Mittlerweile gibt es Anfragen aus den Kliniken, anderen

Einrichtungen oder über gesetzliche Betreuer.

Spix möchte mit der intensiven ambulanten

Betreuung, die durch die Arbeit des BeWo plus-

Teams gewährleistet wird, einen Beitrag dazu leisten,

das lange Wartelisten in den Wohnheimen

entzerrt werden und Menschen mit psychischer

Spix-Info 44

Beeinträchtigung und einem hohen Betreuungsaufwand

nicht nur in Wohnheimen, sondern auch in

eigener Wohnung leben können: ambulant begleitet

rund um die Uhr, an Sonn- und Feiertagen,

tagsüber wie auch nachts, wann immer nötig und

durch erfahrene Fachkräfte.

Hierzu stehen den KlientenInnen eine Schlafbereitschaft

durch das Haus Alia sowie eine Rufbereitschaft

durch das Haus Vivaldi zusätzlich zur Verfügung.

Da es im Haus Alia für alle Mitarbeiter ein

wenig eng wurde, bezog das Team Büroräume im

Haus Vivaldi. Nachdem vor gut einem Jahr das

Team mit der Begleitung 4 psychisch erkrankter

Menschen begann, betreut das Team nun 12

KlientenInnen. Hierzu stehen 4 multiprofessionelle

Fachkräfte zur Verfügung.

Franz Niederstraßer

Michael Meier war einer der ersten Klienten des BeWo

plus. Nach Jahren im Wohnheim bringt er auf den

Punkt, was ihm seit dem 1.4.2010 in eigener Wohnung

besser gefällt: „Mehr Freiheit, mehr Wertgefühl und

mehr Qualitätsgefühl!“


Wie und wann sind Sie zu Spix gekommen?

Ich bin vor 12 Jahren zu Spix gekommen. Im Jahr

1990 durch meinen damaligen Betreuer. Auf

Grund von längeren Klinikaufenthalten und

schlechten sozialen Verhältnissen in meinem Leben

als Einzelperson hat er mir angeraten, in’s

Haus Vivaldi zu gehen. Das habe ich dann unter

Aufgabe meiner alten Wohnverhältnisse verwirklicht.

Wie haben Sie damals von Spix gehört?

Spix war mir damals unbekannt. Es wurde mir von

meinem Betreuer erklärt, dass Spix in Wesel ein

Wohnheim hat, in dem mir eine geordnete Wohnform

geboten wird.

In welchen Bereichen von Spix sind Sie aufgestellt

oder werden betreut?

Ich bin Mitglied einer Wohngruppe im Haus Vivaldi.

Das ist eine von sechs Wohngruppen mit vier Bewohnern

und zwei Betreuern. Dies beinhaltet, dass

ich eine Gruppenbetreuung in Form von Koordination

der Haushaltsführung und eine Hilfe im Umgang

mit meinen Mitbewohnern erhalte. Zurzeit bin

ich in der Werkstattgruppe des Reha-Zentrums,

die in den Räumen der Alten Schule bei der neuen

WfbM arbeitet. Die Arbeit beinhaltet eine industrielle

Tätigkeit in Form von Verpackungs- und Lagerarbeiten.

Wie hat sich der Bereich seitdem Sie bei Spix

sind verändert?

Der ehemalige Bereich des Reha-Zentrums ist

mehrfach umgestellt worden und hat sich in grundlegender

Form verändert. Anfangs bestand der

Bereich aus einer Instandhaltungsgruppe, die sich

um die Instandhaltung des Wohnheims und des

Mobiliars gekümmert hat. Im Laufe der Jahre fand

hier eine Zweckumgestaltung statt und der Bereich

wurde um eine Fahrradwerkstatt, einen Verpackungsbereich

und einen Beschäftigungsbereich

ergänzt.

Was hat sich für Sie verändert, seitdem Sie bei

Spix sind?

Die Veränderungen im Reha-Bereich haben Betreuerwechsel

zur Folge gehabt, was mich jedes

Mal gefreut hat, auch wenn ich mich jedes Mal neu

darauf einstellen musste. Die Veränderungen im

sozialen Bereich waren Gruppen- und Betreuerwechsel

sowie Wechsel meiner Mitbewohner

durch Neuzugänge und Abgänge.

Was fällt Ihnen als herausragendes oder witziges

Ereignis seitdem Sie bei Spix sind ein?

Herausragend war der Anblick des Tobi Blommen,

der im Gruppenbereich bei der Haus- und Bügelarbeit

der Bewohner anzutreffen war und sich nicht

scheute Späße über sich zu reißen, während er

diese Tätigkeit ausübte.

Spix-Info 45


Wie und wann sind Sie zu Spix gekommen?

Seit der Gründung des Vereins bin ich schon mit

dabei. Herr Graff rief mich damals an. Wir kannten

uns durch die Friedensinitiative, bei der ich damals

tätig war. Er berichtete mir von der Gründung des

Vereins Spix e.V. und sagte, dass jemand für die

Finanzen benötigt werden würde. Ich hab damals

ganz schön geschimpft:“ Was soll ich eigentlich

noch alles machen?“ Aber im Endeffekt entschloß

ich mich dazu und erklärte mich bereit, die Zuständigkeit

der Finanzen so lange zu übernehmen, bis

jemand dafür fest eingestellt werden würde. Von

Anfang an war ich parallel dazu ehrenamtlich in

der Teestube in Xanten tätig…

Wie haben Sie damals von Spix gehört?

Wie bereits gesagt, erfuhr ich durch Herrn Graff

von der Gründung des Vereins. Er rief mich an und

berichtete, dass er gemeinsam mit ein paar anderen

Friedenskämpfern die Gründung eines Vereins

für psychisch kranke Menschen beschlossen habe.

In welchen Bereichen von Spix sind Sie aufgestellt

oder werden betreut?

Zunächst war ich alleine zuständig für die Finanzen.

Obwohl ich mich damals nur so lange zur Verfügung

stellte, bis der Verein in der Lage sein würde,

Festangestellte einzustellen und finanzieren zu

können, habe ich diese Tätigkeit sehr lange ausgeführt.

Nebenbei arbeitete ich zweimal wöchentlich ehrenamtlich

in der Teestube in Xanten, was ich bis heute

mache. Wir machen häufig Ausflüge, auch mit

dem Fahrrad und seit vier Jahren auch von mir organisierte

viertägige Ferienfreizeiten. Spix stellt

uns den Bus dann kostenlos – nur gegen Begleichung

der Treibstoffkosten – zur Verfügung. Um

Spix-Info 46

die Kosten gering zu halten, bereite ich die Mahlzeiten

zuhause schon tags vorher zu.

Anfangs war ich sehr nervös. Das Klientel war mir

neu und meine Tätigkeit war geprägt durch Unsicherheit

und Bedenken. Schließlich hatte ich nie

zuvor mit psychisch kranken Menschen gearbeitet

und hatte stets Angst, etwas falsch zu machen. Mit

der Zeit kam allerdings auch die Erfahrung und

damit die Selbstsicherheit.

Zwischenzeitlich war ich auch noch tätig im Haus

Vivaldi in der Friedensstraße in Wesel. Hier war

ich allerdings lediglich Schriftführer im Heimbeirat.

Meine Tätigkeit im Vorstand habe ich lange ausgeführt.

Eigentlich wusste ich von Beginn an, dass

dies nicht mein „Ding“ ist, aber was man nicht alles

macht?!

Wie hat sich der Bereich seitdem Sie bei Spix

sind verändert?

Insgesamt ist der ganze Verein sehr groß geworden.

Als Spix e.v. damals gegründet wurde, war es

ja gerade einmal die Teestube und das Beratungsangebot.

Heute hingegen sind es so viele unterschiedliche

Angebote und Bausteine, die Spix auszeichnen.

Mein ganz spezieller Bereich hat sich

wenig verändert. Wie bereits oben erwähnt, habe

ich mich verändert. Ich habe einen selbstverständlichen

Umgang mit meinen Leuten. Wir sind heute

in der Teestube wie eine Familie. Zwar sind neue

Besucher herzlich willkommen und werden mit offenen

Armen empfangen, aber viele kennen sich

mittlerweile schon sehr lange und das führt natürlich

zu einer sehr persönlichen Atmosphäre. Sollte

heute mal jemand fehlen, sorgen wir uns schnell

und wenn mal jemand im Krankenhaus liegt, gehen

wir auch einander besuchen. Dies macht,

glaube ich, heute unsere Teestube in Xanten aus.


Was hat sich für Sie verändert seitdem Sie bei

Spix sind?

Mittlerweile habe ich nur noch eine Aufgabe, die

Teestube. Heute bin ich nicht mehr für die Finanzen

zuständig und auch nicht mehr für sonstige

Verwaltungs- oder Vorstandstätigkeiten. Ich bin

froh, dass ich heute das machen kann, was ich mit

meinem ganzen Herzen tue – die Teestube und

der Umgang mit den Menschen.

Was fällt Ihnen als herausragendes oder witziges

Ereignis seitdem Sie bei Spix sind ein?

Ich hatte vor wenigen Wochen eine Situation, die

mich persönlich bei Spix betraf. Ein junger, fremder

Mann kam vor einigen Tagen in die Teestube

und fragte, ob ihm jemand 15 Euro leihen könnte.

Sofort sprang ich auf, schaute in meine Geldbörse

und stellte fest, dass ich nur einen Zwanzig-Euro-

Schein hatte. Also bot ich ihm diesen an, da er versicherte,

er würde das Geld in wenigen Minuten

zurückbringen.

Was passierte, können Sie sich vorstellen… Natürlich

kam er nicht zurück und brachte mir mein Geld

wieder.

Die anwesenden Besucher fragten mich, wie ich

so etwas nur tun könnte und protestierten, dass sie

beim nächsten Mal eingreifen würden, um mich

erneut vor solch einem Schaden zu bewahren.

Und dabei stellte ich zwei Sachen fest. Zum Einen

hat sich an meiner Gutgläubigkeit nichts verändert

und zum Zweiten kann ich mir immer sicher sein,

dass die Besucher der Teestube für mich genauso

da sind, wie ich für sie.

Spix-Info 47


Gestatten Sie, liebe Leserin und lieber Leser, dass ich

an einigen Stellen meines Berichts in die Rolle des

Erzählers schlüpfe. Denn ich kann nicht objektiv über

diesen Menschen berichten. Dicke stinkende Zigarren,

die Jan voller Genuss schmauchte, Reden um des

Redens willen in diesem bauerncharmanten niederrheinischen

Tonfall, sein respektlos liebenswertes Duzen

von Jedermann – so haben wir ihn in Erinnerung,

wir die ihn gekannt haben. Und die wie er zur Geschichte

dieser Klinik gehören. Einer Klinik, von der

ich ebenfalls nur sehr subjektiv berichten kann.

Wie Jan in die Klinik kommt

Jan wächst als einziges Kind seiner Eltern in Sonsbeck

auf, einem kleinen Dorf bei Xanten am Niederrhein.

Vom Vater wird später in Jans Krankenakte berichtet,

dass er an „Trunksucht, Streit- und Schmähsucht“

litt und die Mutter misshandelte. Als Jan vier

Jahre alt ist, wird die Ehe der Eltern geschieden. In

der Schule bleibt er – damals nicht unüblich – „wegen

Spix-Info 48

Überfüllung der Klasse“ einmal sitzen. Später ist er

als Fabrikarbeiter beschäftigt und lebt bei seiner Mutter.

Am 23. Mai 1925, mit 22 Jahren, wird er gegen

seinen Willen in die Rheinische Provinzial Heil- und

Pflegeanstalt Bedburg-Hau gebracht (Abb. 1).

Zur Einweisung in eine „Irren-Anstalt“ musste damals

der Amtsarzt der Gemeinde einen „Fragebogen B“

ausfüllen, mit dem Angaben zur familiären und persönlichen

Krankheitsvorgeschichte erhoben wurden

(Abb. 2). Er enthielt auch Fragen, die uns heute für

eine psychiatrische Einweisung ungewöhnlich erscheinen,

z.B. nach „geschlechtlichen Ausschweifungen,

Hautausschlägen, Ausfluss aus den Ohren“ und

ob der Patient „bei Entleerung der Exkremente die

Reinlichkeit“ beachte. Viele „Anstaltspfleglinge“ dieser

Zeit litten an Hirnschädigungen durch Syphilis oder

Hirnhautentzündung, für die es noch keine wirksame

Behandlung gab.


Das Gesetz von 1891 sah drei Gründe für eine Anstaltseinweisung

vor: dass der Kranke für sich oder

andere gefährlich ist, sich durch unsittliches Verhalten

als ungewöhnlich belästigend zeigt oder dass er wegen

körperlicher Hilflosigkeit auf Pflege angewiesen

und diese außerhalb einer Pflegeanstalt nicht zu beschaffen

ist (Abb. 3). Jan wird eingewiesen, weil er

sich unzureichend ernährt und die Mutter die nötige

Pflege nicht leisten kann. Der Anstaltsarzt diagnostiziert

einen Depressionszustand, jedoch mit rascher

Besserungstendenz. Jan wird deshalb nach drei Wochen

wieder entlassen.

Weitere drei Wochen später bringt ihn die Polizei wieder

zurück. Er hat versucht, an seinem Arbeitsort Xanten

ein Auto zu stehlen – damals ein ungeheuerlicher

Diebstahlsversuch. Jan erklärt, er habe im Hinterreifen

seines Fahrrades keine Luft mehr gehabt und sich

deshalb das Auto ausleihen wollen. Dabei wirkt er ge-

danklich ganz konfus und hört Stimmen, die z.B. sagen,

dass Leichen ausgegraben werden sollen. Jetzt

lautet die Diagnose „Dementia praecox“, vorzeitige

Demenz, wie damals die Schizophrenie genannt wurde.

Deshalb bescheinigt ihm sein Arzt, dass er zur Zeit

des Diebstahlversuchs schuldunfähig gewesen sei. Da

er in der Folgezeit fleißig in der Feldkolonne mitarbeitet

und nach und nach keine Wahnvorstellungen mehr

zeigt, wird er nach vier Monaten „gebessert und arbeitsfähig“

zur Mutter entlassen.

Zehn Monate später teilt der Bürgermeister von Sonsbeck

der Klinik telefonisch und schriftlich mit, dass Jan

von zwei Polizeibeamten zur Anstalt gebracht wird. Im

Fragebogen B wird bescheinigt, dass er seine Mutter

misshandelt und die Nachbarn belästigt. Die Versorgung

kranker und behinderter Bürger ist zu der Zeit

Aufgabe der Heimatgemeinde. Bei einer Anstaltseinweisung

muss die Gemeinde sich verpflichten, die

Kosten für Pflege, Bekleidung und eine eventuelle

Beerdigung zu bezahlen und den Kranken auf Verlangen

wieder abzuholen (Abb. 4). Am 16. Dezember

1926 wird Jan erneut in Bedburg-Hau aufgenommen.

Die Kleidungsstücke in seinem Besitz und ihr Zustand

werden genau dokumentiert: „1 Mütze, 1 Paletot, 1

blaue Arbeiterjoppe… Kleider teilweise zerrissen“

(Abb.5).

Spix-Info 49


In den folgenden Jahren versucht er einige Male wegzulaufen,

zunächst nach Hause und einmal sogar

über die Grenze nach Holland. Er wird jedes Mal von

der Polizei zurückgebracht. Ein Telegramm ins Ausland

muss damals eine teure Angelegenheit gewesen

sein: für 3 Mark 60 Pfennig telegrafiert die Anstalt

1928 an die holländische Polizei, Jan an die nächstgelegene

deutsche Grenzstation auszuliefern (Abb.

6).

Jan gewöhnt sich nach und nach an das Leben in der

Anstalt und geht zur Arbeit in der „Doppelkolonne“,

einer von zwei Pflegern begleiteten Patientengruppe.

In zahlreichen Briefen erkundigt sich die Mutter nach

dem Befinden ihres Sohnes. 1930 schreibt der Bürgermeister

von Sonsbeck, dass Jan auf keinen Fall

Spix-Info 50

zur Mutter entlassen werden solle. Sie lebe in einem

Gemeindehaus, also einem Haus für mittellose Bürger

und sei nicht in der Lage, Jan zu versorgen (Abb. 7)

Die nationalsozialistische Machtergreifung führt bald

zu einem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“,

das behinderte und chronisch psychisch

kranke Menschen zu einer Untersuchung ihrer Fortpflanzungsfähigkeit

zwingt. Viele werden anschließend

zwangsweise sterilisiert. Jan, als

„voraussichtlich dauernd anstaltspflegebedürftig“ eingestuft,

entgeht diesem Schicksal (Abb. 8). Obwohl er

weiter Stimmen hört und Wahnvorstellungen hat, ist

er ein fleißiger und geschickter Arbeiter. 1937 wird er

erstmals in der Schlosserei der Klinik eingesetzt. Er

wird dort mit kurzen Unterbrechungen 49 Jahre lang

arbeiten.

Der „Meldebogen 1“ fehlt in Jans Akte. Nach dem

Krieg wurden diese Bögen aus den meisten Patientenakten

gezielt entfernt und vernichtet. Von seiner

Mitpatientin Katharina ist er erhalten geblieben. Die

nationalsozialistische Mordorganisation „T4“ verschickte

diese Formulare an alle Anstalten in

Deutschland. Ausschlaggebend waren vor allem zwei

Angaben: die der Rasse sowie die „genaueste Be-


zeichnung der Arbeit und Arbeitsleistung“. Waren im

Meldebogen eine geringe Arbeitsleistung oder als

Rasse „Jude, Neger, Zigeuner oder Mischling“ angegeben,

kam das einem Todesurteil gleich. Katharina

dagegen war Deutsche und wurde zunächst – wahrscheinlich

von einer Pflegekraft – als gut arbeitsfähig

beschrieben: „putzt, versorgt auch die Spülküche der

Abteilung, dauernd beschäftigt“. Der letztverantwortliche

Arzt Dr. Stahl mindert ihre Arbeitsleistung auf 40 -

50 % und fügt hinzu, dass es zeitweise Erregungszustände

gebe (Abb. 9). Das ist Katharinas Todesurteil.

53 Jahre später

Manchmal erleiden Menschen etwas, das so unvorstellbar

entsetzlich ist – etwa Folter, Greueltaten im

Krieg oder sexuelle Misshandlung – dass sie die Vorstellung

daran nicht aushalten, ihre Erinnerung als

Opfer oder Zuschauer nicht ertragen können: Obwohl

die Ereignisse wirklich passiert sind, werden Gespräche

und Gedanken darüber so sehr gemieden, dass

sie schließlich fast völlig aus der Erinnerung verdrängt

sind.

Wir in der Psychiatrie Tätigen wissen, dass solche

Erlebnisse „im Untergrund“ weiter wirken und gerade

deshalb schädlich und belastet sein können, weil sie

unbewusst und für eine offene Auseinandersetzung

unzugänglich bleiben. Das gilt nicht nur für Einzel-

schicksale, sondern auch für größere menschliche

Gemeinschaften: Tabus haben nur dadurch Macht

über Menschen, indem sie ein Tabu bleiben.

Ein solches Tabu bilden die Ereignisse, die hier in

Bedburg-Hau vor 53 Jahren stattfanden und bei denen

viele Menschen in weiterem Umkreis Zuschauer

waren. Einige Zeitzeugen leben noch, Kinder und Enkel

sind heute am gleichen Arbeitsort tätig. … Es ist

an der Zeit, mit diesem Tabu zu brechen. …

Am 3. März 1993 fuhren Herr Dr. Spancken, Herr Satter

und ich in das Archiv des Landschaftsverbandes in

Köln-Brauweiler. Wir suchten Material zur Vorbereitung

einer Tagung über die Geschichte unserer Klinik

und ließen uns zahlreiche interessant erscheinende

Quellen bringen, deren Titel und Registriernummern

wir bei einem früheren Besuch ausfindig gemacht hatten

– Aktenordner um Aktenordner. …

Plötzlich hielt ich ein merkwürdiges Schreiben in der

Hand: Herr Prof. Dr. Creutz als hochrangiger Vertreter

des Oberpräsidenten der Rheinprovinz bestellte 1941

die Direktoren aller Provinzial Heil- und Pflegeanstalten

zu einer Besprechung dringlicher Angelegenheiten

nach Düsseldorf, „die zur schriftlichen Erörterung

nicht geeignet sind“. Das persönliche Erscheinen der

Klinikleiter war erforderlich (Abb. 10). Auf der Rückseite

dieser Einladung an den damaligen Direktor Dr.

Trapet fanden sich noch merkwürdigere handschrift-

Spix-Info 51


liche Notizen: Unter den Überschriften „Herein“ und

„Heraus“ waren Zahlen zu finden mit den Kürzeln „M“

und „Fr“, offensichtlich Abkürzungen für „Männer“ und

„Frauen“. Weitere Notizen deuteten auf freigemachte

Häuser im Klinikgelände und es tauchte das Wort

„Görden“ auf, ein Ortsname, mit dem wir zu dem Zeitpunkt

noch nichts anfangen konnten (Abb. 11).

Wenig später fiel Herrn Satter, der Jahreshaushaltspläne

früherer Jahre bearbeitete, eine auffällige Differenz

der Beköstigungszahlen auf (Abb.12): 1940 waren

in der Klinik 3171 Patienten verpflegt worden, ein

Jahr später waren es nur noch 1259. Wo waren die

fehlenden 1912 Patienten geblieben? …

Spix-Info 52

Einige Tage später war ich im Archiv unserer Klinik im

Verwaltungsgebäude, um mikroverfilmte und zur Vernichtung

bestimmte Krankengeschichten zu untersuchen.

Es war ein Montag Mittag, ein schöner Vorfrühlingstag

am 8. März – ein entsetzlicher Jahrestag, wie

sich kurz darauf herausstellte. Auf die Frage, ob es

Verzeichnisse gebe, etwa zeitlich oder nach Alphabet,

nach denen man die Akten der früher in Bedburg-Hau

behandelten Patienten auffinden könne, führte der

Archivar mich vom Keller in die obere Etage des Verwaltungsgebäudes,

zum Archivraum hinter der Bibliothek.

Er zeigte mir dort einen Schrank mit zehn handschriftlich

geführten Aufnahmebüchern. …

Diese Aufnahmebücher – fünf für Frauen und fünf für

Männer – verzeichnen alle Patienten, die seit Eröffnung

unserer Klinik bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg

in Bedburg-Hau behandelt wurden. Mit dem

Wissen um 1912 Menschen, die 1940 aus Bedburg-

Hau verschwanden, suchte ich die Aufnahmebücher

dieser Zeit heraus. Was dort verzeichnet ist, macht

das Dokument vermutlich einzigartig: Obwohl die Täter

und Mittäter der Euthanasie-Morde sich später alle

Mühe gegeben haben, ihre Spuren zu beseitigen, sind

in diesen Aufnahmebüchern die Namen, das Datum

und der Zielort von über 1600 Patienten verzeichnet,

die im März 1940 innerhalb von nur 4 Tagen von hier

in andere Kliniken abtransportiert wurden.

Es muss ein gewaltiger, unübersehbarer Massentransport

gewesen sein, als pro Tag jeweils hunderte

Frauen und Männer „entlassen“ wurden, die größte

Massendeportation der Euthanasie-Geschichte: am

5.3. nach Waldheim, am 6.3. nach Pfaffenrode, Zwiefalten,

Neu-Haldensleben und Grafeneck, am 7.3.

nach Herborn, Eichberg und Weilmünster, am 8.3.

nach Jerichow, Gentkin, Schkeuditz, Görden und

Brandenburg.

Viele dieser Verlegungskliniken dienten wohl als Zwischenstation

vor dem Weitertransport in eine Ermordungsanstalt.

Das zeigen die Einträge „weiterverlegt

nach…“, z.B. in die berüchtigte Anstalt Hadamar.

Häufig heißt es nur: „(Datum) in nicht bekannte Anstalt“.

Hunderte der abtransportierten Patienten wurden

aber von Bedburg-Hau direkt in eine der bekannten

Tötungsanstalten gebracht – nach Grafeneck und

Brandenburg an der Havel.

Zur schrecklichen Wahrheit gehört, dass unsere Klinik

nicht nur den Abtransport, sondern auch den anschließenden

Tod vieler dieser Menschen dokumentiert

hat – in der Spalte „Art des Abgangs“ der Aufnahmebücher

(Abb. 13). Die eingetragenen Sterbedaten

sind über einen Zeitraum von einigen Wochen bis Monaten

verteilt – wohl in dem Versuch, einen natürlichen

Tod glaubhaft zu machen und noch längere Zeit

die Pflegegelder zu kassieren. Zumindest in der Tötungsanstalt

Grafeneck sind aber alle Patienten un-


mittelbar nach dem Abtransport aus Bedburg-Hau

ermordet worden. …

„Meine Eltern waren damals hier im Pflegedienst tätig.

Sie haben mir erzählt, dass die Klinik von heute auf

morgen fast leer war, “ so der Sohn von Augenzeugen,

der heute als Pfleger in Bedburg arbeitet. Ein

anderer Zeitzeuge, jetzt im Ruhestand, berichtet, man

habe wohl gewusst, was mit den abtransportierten

Menschen passieren würde. Man sei jedoch entlastet

und sogar stolz darauf gewesen sagen zu können:

„Bei uns ist keiner ermordet worden, hier in Bedburg

ist keiner umgekommen“. (Bedburger Rundschau, Mai

1993, S. 44-60).

Jan überlebt

Warum hat Jan überlebt? Die Eintragungen in den

Jahren 1940 – 45 zeigen, dass er einmal wegen zunehmender

Wahnhaftigkeit nicht mehr in der Schlosserei,

sondern nur noch in der Kolonne einsetzbar

war, sich ein anderes Mal sogar aufbrausend gegen

Pfleger verhielt und deswegen zur sogenannten Bettbehandlung

gezwungen wurde, dem ununterbrochenen

Verweilen im Bett. Damit war sein Leben in Gefahr.

Er erholte sich jedoch nach kurzer Zeit und

konnte wieder in der Schlosserei arbeiten, wo er besonders

qualifizierte Arbeiten verrichtete: „fleißiger

Arbeiter, hilft dem Heizungsmonteur. Geht alleine zur

Arbeit“ (Abb. 14). Er überlebte, weil er für den Klinikbetrieb

gebraucht wurde.

Nach dem Krieg ist die Versorgungslage für alle miserabel,

viele Menschen hungern. Jan erkrankt im April

1946 akut an Tuberkulose mit starkem Bluthusten.

Allein am 17. Mai verliert er dadurch 1 Liter Blut und

gerät in einen lebensbedrohlichen Zustand. Unter intravenöser

Behandlung mit den damals neu entwickelten

antibiotischen Medikamenten erholt er sich

allmählich. Einige Monate später ist er wieder gesund,

unter anderem erkennbar an der Normalisierung seiner

Gewichtskurve (Abb.15).

Anfang der 50er Jahre geht die Verantwortung für

Psychiatriepatienten von der Gemeinde auf den Landkreis

über. Die Kreisbehörden entscheiden auch, ob

und wieviel Taschengeld zur Verfügung gestellt wird.

Jan bekommt 1953 erstmals ein monatliches Taschengeld

von 10 DM bewilligt (Abb. 16). Ein Jahr

später wird die Zuständigkeit der neuen überregionalen

Behörde „Landschaftsverband Rheinland“ übertragen.

Diese Reform bedeutet für Jan, dass er nur noch

8 DM monatlich erhält.

Spix-Info 53


„Defekt“ nannte man früher eine durch chronische

Schizophrenie veränderte Persönlichkeit. Neben dieser

Charakterisierung wird in Jans Krankengeschichte

immer wieder sein Fleiß gelobt. Zeitweise ist er auch

als „Hausarbeiter“ bei Beamten beschäftigt. Ärzte sowie

hochrangige Mitarbeiter der Verwaltung und des

Pflegedienstes hatten nämlich das Recht, fleißige Patienten

unentgeltlich in ihrem Haushalt arbeiten zu

lassen. In den Ärztehäusern der Anstalt gab es sogar

separate Hintereingänge für die Hausarbeiter. Als

das Hausarbeiter-Privileg eingeschränkt und später

ganz abgeschafft wird, gibt es heftige Auseinandersetzungen

mit dem Personalrat, der darin eine unzumutbare

Härte sieht.

Spix-Info 54

Die Dauerunterbringung psychisch kranker Menschen

in Anstalten wird in den 50er Jahren erstmals kritisch

hinterfragt. Eine Verfügung von 1955 verpflichtet die

Anstalten, die Fortdauer der Unterbringung jährlich zu

überprüfen. Ein Stempel in der Krankenakte dokumentiert,

dass man diese Verpflichtung formal erfüllt

hat (Abb. 17). Interessant ist die therapeutische Bescheidenheit

der psychiatrischen Behandler dieser

Zeit. Jan bekam keine Psychopharmaka, vermutlich

weil er unter seiner Erkrankung nicht litt. Heute erhalten

alle psychisch kranken Menschen in Einrichtungen

Psychopharmaka und nur selten wird durch Absetzen

der Medikamente überprüft, ob ihnen das

überhaupt hilft.

In den 60er und 70er Jahren lebt Jan auf der mittleren

Aufnahmestation für Männer, kurz MA Mitte genannt,

wo er das seltene Privileg eines Einzelzimmers genießt.

Längst ist er allen Mitarbeitern als liebenswürdiges

Original ans Herz gewachsen (Abb. 18). Er ist

beliebt wegen seines Humors und seiner niederrheinischen

Erzählfreude, schmaucht gerne Zigarren und

duzt jeden. Auch ist er einer der wenigen Patienten,

der lebhaft optisch halluziniert, z.B. zu den Pflegern

sagt: „Kuck mal, da läuft der Hund von Oskar Wingen-


der“ – so hieß der Betriebsingenieur – „ein Bernhardiner

von 24 Zentnern!“

Zu der Zeit entwickelt er eine lukrative Nebenbeschäftigung:

er repariert die Uhren von Mitarbeitern, eine

Fähigkeit, die er sich selbst beibringt. Eines Tages

wird eine besonders komplizierte, teure Uhr zu Jan

gebracht. Der müht sich tagelang ab und kriegt sie

nicht wieder ans Laufen, kann das aber nicht eingestehen.

Als der Auftraggeber kommt, übergibt Jan ihm

die Uhr und sagt wutschnaubend: „Schmeiß sie mal

weg, die taugt nichts, das ist bloß billiger Ramsch!“

Bis zu seinem 83. Lebensjahr arbeitet er in der

Schlosserei, bis eine verlängerte Hirnischämie – ein

kleiner Schlaganfall, der sich wieder zurückbildet –

seine Arbeitslaufbahn beendet. Er repariert weiter Uhren

und legt sich ein Hobby zu, die Aquaristik. Eine

Ärztin schreibt 1989 über ihn: „Der Patient hält sich

vorwiegend in seinem Einzelzimmer auf, raucht dort

dicke Zigarren und lebt in seiner reichlich verpesteten

Luft. Bis vor kurzem hatte er noch Goldfische, die jedoch

jetzt verstorben sind. Er beteiligt sich beim Stationsausflug

nach Köln und Nümbrecht. Der Gesundheitszustand

ist zufriedenstellend.“

Unwürdige Verhältnisse

Am 1.10.1983 beginne ich meine ärztliche Tätigkeit in

der Rheinischen Landesklinik Bedburg-Hau. Was als

erste Berufstation gedacht war, lässt mich nicht mehr

los. Bedingt durch den Ärztemangel werden mir drei

Langzeitstationen übertragen, zusammen 126 Patienten.

Obwohl keiner von ihnen gefährlich ist, sind alle

eingesperrt. „Ausgang“ wird nur in genau bemessenen

Stunden gewährt und häufig auch gesperrt –

nicht nur aus Krankheitsgründen, sondern auch zur

Disziplinierung. Es liegt im freien Ermessen des Stationsarztes,

in der Regel auf Vorschlag der pflegerischen

Stationsleitung „Geländeausgang“ zu erlauben

oder zu verbieten. Viele Patienten erhalten nicht nur

antipsychotische, sondern auch dämpfende Medikamente,

obwohl bei den meisten gerade die krankheits-

und hospitalismusbedingte Lethargie ihr größtes Handicap

ist. Fast alle leben in Schlafsälen und tagsüber

im „Tagesraum“ der Station, sofern sie nicht in einen

der klinikeigenen Betriebe zur Arbeitstherapie gehen.

Nicht einmal die Unterwäsche ist privat.

Ärzte haben zu der Zeit hohes Ansehen und Einfluss

auf die Stationsgeschicke. Ich beginne allen Patienten

Ausgang zu gewähren, mir unnötig erscheinende Medikamente

abzusetzen und die Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter des Pflegedienstes für eine Normalisierung

des Stationsmilieus zu gewinnen. Es passt aber

nicht in den Krankenhausbetrieb, den Wohnort der

Langzeitpatienten als ihr Zuhause zu betrachten. Als

1984 z.B. die Schwestern von Haus 22 bereit sind, mit

den Patienten gemeinsam am Sonntag einen Kuchen

zu backen, bedarf es eines Antrags an die Krankenhausbetriebsleitung,

um zu diesem Zweck Backformen

zu erhalten. Der Antrag wird genehmigt.

Meine erste Abmahnung erhalte ich nach einer Feier

in Haus 32-1. Die Patienten sind überwiegend ehemalige

Bergleute aus der Stadt Essen. Von dort werden

zu der Zeit jeden Freitagnachmittag chronisch kranke

Bürger per Sammelbus nach Bedburg-Hau verschickt,

die meisten auf Dauer. Einer von ihnen spielt Akkordeon,

alte Bergmannslieder werden gesungen. Ich

öffne für die Feier die sonst immer verschlossene Tür

zur benachbarten Frauenstation und spendiere ein

Fass Bier, von dem fast alle Patienten in Maßen trinken

dürfen – zu der Zeit eine Provokation.

1986 gründe ich an meinem Wohnort den Verein

Spix, die Sozialpsychiatrische Initiative Xanten, um

Alternativen zur Anstaltspsychiatrie zu entwickeln. Zu

der Zeit gibt es fast keine Wohnangebote und andere

Hilfen für chronisch Kranke in den Gemeinden der

Region. Als Vorsitzender von Spix darf ich Dinge sagen,

die mir als Angestellter zu sagen verboten sind.

In der lokalen Presse und in Fachzeitschriften erscheinen

kritische Beiträge zum Schicksal seelisch

kranker Menschen am Niederrhein und Konzepte für

eine bessere Versorgung. Ein Beitrag schafft es auf

die Titelseite des Deutschen Ärzteblatts, eine Untersuchung

der Lebensumstände von 292 gerontopsychiatrischen

Langzeitpatienten, der die beiden Abtei-

Spix-Info 55


Abteilungsärzte zugestimmt hatten (Abb. 19): „Es ist

in der Tat zeitaufwendiger, wenn alte Leute sich mit

Hilfestellung selbst ankleiden und waschen, statt routinemäßig

vollständig versorgt zu werden. Ab einem

höheren Grad der Hilfsbedürftigkeit wird daher die

Körperpflege aus Zeitgründen vollständig von den

Pflegekräften durchgeführt. Zwei bis acht alte Menschen

sind nach dem Ergebnis der Befragung dabei

gleichzeitig im Badezimmer, werden in Dusche oder

Wanne abgewaschen, wobei routinemäßig Pflegeschüler,

Praktikanten oder Pfleger auch alte Frauen

waschen und weibliche Mitarbeiter die Körperpflege

auch von männlichen Patienten durchführen. Auch die

Versorgung von Wunden und ähnliche Maßnahmen

werden teilweise im Bad erledigt. All dies geschieht in

der Regel unter Zeitdruck.

Für die pflegerische Zuwendung zu einzelnen Patienten

außerhalb der Routinepflege – ein Gespräch, inden-Arm-/

an-die-Hand-Nehmen – blieben pro Patient

durchschnittlich 2,2 Minuten in 24 Stunden, wobei tatsächlich

einzelne Patienten regelmäßig und über längere

Zeit persönliche Zuwendung finden, andere dagegen

selten oder nie diese Möglichkeit haben. …

Eine Ausmessung der Räume, die den Patienten einer

Station zum täglichen Wohnen und zur Fortbewegung

zur Verfügung stehen, ergab nach Teilung durch

die Zahl der Stationsbewohner – die bettlägerigen

nicht gerechnet – einen persönlichen Lebensraum

zwischen 2,7 und 5,4 qm (durchschnittlich 4,1 qm )

einschließlich Möblierung. …

Entsprechend den Personaldienstplänen mussten die

Patienten der Untersuchung täglich zu festgelegten

Zeiten aufstehen, je nach Station zwischen 6.00 und

7.15 Uhr. 63 % der alten Menschen gingen bis 18.00

Uhr und 76 % bis 19.00 Uhr zu Bett. Obwohl allgemein

bekann ist, dass alte Menschen in der Regel

weit weniger Schlaf benötigen als in jüngeren Jahren,

hielten 3 von 4 alterspsychiatrischen Patienten eine

Nachtruhe von elf und mehr Stunden ein. Es ist daher

nicht erstaunlich, das 74 % der Patienten abends ein

sedierendes Medikament erhielten. Darüber hinaus

wurden 28 % der Patienten nachts durch ein Bettgitter

und 5 % durch Haltegurte am Aufstehen gehindert.“

(Deutsches Ärzteblatt, 3. März 1988, S. 507-

509).

Zwei Umstände verhelfen der Reform der Verwahrpsychiatrie

in Bedburg-Hau 1989 zum Durchbruch:

der Wechsel der politischen Mehrheit in der Landschaftsversammlung

und ein unter die Haut gehender

WDR-Film über die Missstände in Bedburg-Hau. Ich

hatte den Reportern vorher mitgeteilt, für welche Orte

sie um Drehgenehmigung bitten und welche Fragen

sie stellen sollten. Wenig später wird die Mehrzahl der

Klinikbetten – der Langzeitbereich – einem neuen

ärztlichen Leiter unterstellt, der Reformen durchführen

Spix-Info 56

soll. Ich darf dabei tatkräftig helfen. Es ist der größte

berufliche Glücksfall meines Lebens.

Jan zieht um

1989 beginnt im Langzeitbereich der Klinik das

„Enthospitalisierungsprogramm“. In Haus 50 werden

die sechs bis dahin getrennt-geschlechtlich geführten

Langzeitstationen gemischt belegt. Als im Oktober

1992 eine junge Mitpatientin auf Jans Station kommt,

ist er sehr daran interessiert sie kennen zu lernen.

Obwohl er sonst zurückgezogen in seinem Zimmer

lebt, sitzt er jetzt mit strahlenden Augen im Tagesraum

und schaut ihr zu, möchte gerne, dass sie an

seinem Tisch sitzt. Die Mitpatientin hat allerdings wenig

Interesse an diesem alten Herrn.

1994 ziehen fast alle Bewohner von Jans Station

nach Goch um, wo die Klinik das ehemals beste Hotel

mitten in der Stadt gekauft und für die Patienten umgebaut

hat. Jan aber will in Bedburg bleiben. Die Mitarbeiter

tun alles, um ihm den unvermeidlichen Wechsel

so leicht wie möglich zu machen. Er wird auf eine

Station verlegt, auf der ein Krankenpfleger arbeitet,

den er besonders schätzt, und mit einigem Aufwand

wird sein neues Zimmer so ähnlich eingerichtet wie

sein altes. Die Einträge in der Pflegedokumentation

zeigen, dass er sich dort anscheinend wohl fühlt. Sein

91. Geburtstag wird ausgiebig gefeiert. Auffällig ist,

dass er jetzt wieder stark halluziniert und laute nächtliche

Selbstgespräche führt. Ohne sonstige Vorzeichen

findet man Jan zwei Wochen nach seinem Umzug

kurz vor Mitternacht tot im Bett (Abb. 20).

Jo Becker

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine