Dipl.psych., Dipl.kfm. Prof. Dr. Gerhard RAAB Der Kick des Kaufens ...

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Dipl.psych., Dipl.kfm. Prof. Dr. Gerhard RAAB Der Kick des Kaufens ...

Dipl.Psych., Dipl.Kfm.

Prof. Dr. Gerhard RAAB

Der Kick des Kaufens...

Wenn das Shoppen zur

Droge wird. (Kaufsucht)

Fachhochschule

Ludwigshafen am Rhein

Prof. Dr. oec. Dipl.-Psych. Dipl.-Kfm. Gerhard Raab | Fachhochschule Ludwighafen am Rhein | Transatlantik-Institut


� Wann wurde die „Kaufsucht“ entdeckt?

� Was sind die Kriterien für die Diagnose „Kaufsucht“?

� Wie kann „Kaufsucht“ gemessen werden?

� Was sind die Ursachen der „Kaufsucht“?

� Was kann man gegen „Kaufsucht“ tun?

� Worin bestehen die zentralen Aufgaben der Zukunft?

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Wann wurde die „Kaufsucht“ entdeckt?

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„...die krankhafte

Kauflust, die den

Kranken veranlasst,

sobald sich ihm dazu

Gelegenheit bietet, ohne

jedes wirkliche

Bedürfnis in großen

Mengen einzukaufen...“

Emil Kraepelin (1909, S. 408)

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Seit 1980er Jahre intensivere Forschung

� Faber, O‘Guinn und Krych (1987)

� Valence, d‘Astous und Fortier (1988)

� Krueger (1988)

� Scherhorn, Raab und Reisch (1989)

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Was sind die Kriterien für die Diagnose

„Kaufsucht“?

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Kriterien zur Diagnose „Kaufsucht“

Jede Sucht ist nach der Weltgesundheitsorganisation

(WHO) durch vier Kriterien gekennzeichnet:

Drang (Verlangen)

� Verlust der Selbstkontrolle

� Tendenz der „Dosissteigerung“ (Toleranz)

� Entzugserscheinungen

Siehe auch ICD-10 (International Classification of

Diseases) und DSM IV-TR (Diagnostic and Statistical

Manual of Mental Disorders)

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Wie kann „Kaufsucht“ gemessen werden?

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Screeningverfahren zur Erhebung

von kompensatorischem und süchtigem Kaufverhalten

(SKSK)

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Screeningverfahren zur Erhebung

kompensatorischen und „süchtigen“ Kaufverhaltens

(SKSK)

Nach dem Kauf frage ich mich oft,

ob es wirklich so wichtig war.

Ich kaufe oft etwas, nur weil es

billig ist.

Ich habe schon oft etwas gekauft,

das ich dann nicht benutzt habe.

Einkaufen ist für mich ein Weg,

dem unerfreulichen Alltag zu

entkommen und mich zu entspannen.

trifft nicht zu trifft zu

1-----------2-----------3-----------4

1-----------2-----------3-----------4

1-----------2-----------3-----------4

1-----------2-----------3-----------4

(Raab et al., 2005: Screeningverfahren zur Erhebung kompensatorsichen und süchtigen Kaufverhaltens. Göttingen: Hogrefe)

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Was sind die Gründe bzw. Ursachen

der „Kaufsucht“?

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Der Mensch ist ein Kultur- und Naturwesen.

Oder, anders ausgedrückt: Das Verhalten des

Menschen ist eine Funktion von Person und Umwelt“

(Kurt Lewin, 1944)

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Ergebnisse zur Verbreitung des „süchtigen“

Kaufverhaltens 1991 & 2001 (Längsschnittstudie)

Durchschnittliche

Ausprägung

„süchtigen“

Kaufverhaltens

26,5

Westdeutschland (1991)

n=959

24,3

Ostdeutschland (1991)

n=495

(F 1 =90,73; p


„Süchtiges“ Kaufverhalten in Deutschland (1991, 2001)

Anteil ‚kaufsüchtiger'

Konsumenten in %

10

9

8

7

6

5

4

3

2

1

1991 2001

Alte

Bundesländer

Neue

Bundesländer

(Neuner, Raab & Reisch, 2005: Compulsive buying in maturing societies,

Journal of Economic Psychology, 26, 509-522)

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Jahr


Ergebnisse zur Verbreitung des „süchtigen“

Kaufverhaltens 1991 & 2001 (Längsschnittstudie)

Durchschnittliche

Ausprägung

„süchtigen“

Kaufverhaltens

64

16

30,4

25,5

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31,9

28,5

bis 21 Jahre ab 21 Jahre bis 21 Jahre ab 21 Jahre

(Raab et al., 2005)

1991

2001


„Süchtiges“ Kaufverhalten nach Altersklassen

(5. Österreichische Kaufsuchtstudie 2008)

Relative Häufigkeiten

„süchtigen“

Kaufverhaltens

9,4%

16,0%

3,3%

14-24 Jahre

n=118

10,3%

10,1% 9,9%

25-44 Jahre

n=71

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7,1%

9,5%

4,8%

45-59 Jahre

n=39

7,8%

7,0%

Gesamt

Frauen

Männer

60+ Jahre

n=32

8,8%


„Eine Marke ist wie ein guter Freund“

Robbie Williams, Pop-Star, 2003

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Was sind die biologischen bzw. neuropsychologischen

Gründe bzw. Ursachen der „Kaufsucht“?

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Neuropsychoökonomisches Forschungsprojekt zum

unkontrollierten und „süchtigen“ Kaufverhalten

40 bis 50 % der Käufe sind impulsive bzw. unkontrollierte Käufe

Steigende Problematik der Ver- und Überschuldung der

Privathaushalte für konsumtive Zwecke

Entwicklung des Phänomens des „süchtigen“

Kaufverhaltens

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Funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT)

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Experimentalpsychologischer Untersuchungsansatz

Experimentalgruppe –

„Süchtiges“ Kaufverhalten (n = 25)

Kontrollgruppe –

„Unauffälliges“ Kaufverhalten (n = 25)

Simulierte Kaufentscheidungssituation

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Bei „süchtigem“ Kaufverhalten kommt es zu einem

Ungleichgewicht im „Kaufnetzwerk“ des Gehirns

Striatum

Kaufsüchtige zeigen ein verstärktes

Verlangen zum Kauf

Insula

Kaufsüchtige zeigen ein geringeres

Verlustempfinden für Geld

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Ausgaben während der fMRT-Untersuchung

1000

800

600

400

200

0

475

138,89

geschätzter

Betrag

923,64

182,61

tatsächlicher

Betrag

474,09

43,73

Unterschied

"süchtiges" Kaufverhalten "unauffälliges" Kaufverhalten

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Selbstwertschätzung

Die Frankfurter Selbstkonzeptskala zur allgemeinen Selbstwertschätzung (FSSW),

Deusinger, 1986

60

55

50

45

40

35

30

25

20

15

10

32,13

48,17

"süchtiges" Kaufverhalten "unauffälliges" Kaufverhalten

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Selbstkontrolle

Deutsche Version der Self-Control Scale -Tagney, Baumeister und Boone, 2004

176

156

136

116

96

76

56

36

104,39

122,08

"süchtiges" Kaufverhalten "unauffälliges" Kaufverhalten

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50

40

30

20

10

0

Depression

MMPI-2 Minnesota Multiphasic Personality Inventory-2,

Hathaway, McKinley und Engel, 2000

30,26

22,35

"süchtiges" Kaufverhalten "unauffälliges" Kaufverhalten

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Kaufen Sie mehr Produkte, wenn Sie mit einer

EC-Karte oder Kreditkarte bezahlen?

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

88,3%

19%

16,7%

71,4%

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0%

9,5%

ja nein weiß nicht

"süchtiges" Kaufverhalten "unauffälliges" Kaufverhalten


Was kann man gegen „Kaufsucht“ tun?

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Prävention

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25. Januar 2007 12:03:44

Hilfe für „Shopaholics“

Behandlung

Kommt jetzt die Pille gegen Kaufsucht?

Das 86. Paar Schuhe liegt noch immer unbeachtet im Karton, und der Blazer, der in der

Boutique so klasse aussah, bleibt unausgepackt in der Einkaufstasche...

Die Rede ist von Kaufsucht – dem zwanghaften Drang, Geld für etwas

auszugeben, das man gar nicht braucht. Rund 500 000 Menschen in Deutschland

sind davon betroffen. Jetzt gibt es für sie neue Hoffnung: eine Pille, die ihre Sucht

heilen könnte.

Ihr Name: Nalmefene. In den USA hat sie bereits Erfolge bei Spielsüchtigen gezeigt. In

Studien bestätigten sechs von zehn Betroffenen, die Einnahme würde ihren Drang, sich

an Spielautomaten oder den Roulette-Tisch zu setzen, deutlich eindämmen...

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SKSK

61

56

51

46

41

36

31

26

21

16

Behandlung

Das Erlanger Therapieprogramm zur Behandlung

von „pathologischem“ Kaufverhalten

53,4

52,6

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42

51,1

vor Therapie nach Therapie

(Müller, de Zwaan & Mitchell, 2008)

Therapiegruppe Wartekontrollgruppe


Worin bestehen die zentralen Aufgaben der

Zukunft?

� Erforschung der psychologischen (persönlichen,

sozialen und biologischen) Ursachen

� Entwicklung präventiver Maßnahmen

� Anerkennung als „Krankheit“

� Entwicklung effizienter Therapien

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Ich kaufe, also bin ich?

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