Bildungsplan-Anteil zur sprachlichen Förderung in ... - sprich-mit-mir.at

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3. Zwei- und Mehrsprachigkeit 3. Zwei- und Mehrsprachigkeit Zwei- oder Mehrsprachigkeit liegt dann vor, wenn ein Kind zwei oder mehrere Sprachen täglich als Mittel der sprachlichen Kommunikation einsetzen kann (Günther & Günther, 2007). Dabei können zwei Sprachen gleichzeitig – wie zwei Erstsprachen – erworben werden (simultaner Zweitspracherwerb), etwa wenn beide Sprachen im unmittelbaren Umfeld des Kindes gesprochen werden. Ein späterer Zweitspracherwerb (sukzessiver Zweitspracherwerb, etwa ab dem vierten Lebensjahr) baut auf eine bereits (teilweise) entwickelte Erstsprache auf und findet z. B. dann statt, wenn ein Kind mit einer anderen Erstsprache als Deutsch in eine elementare Bildungseinrichtung eintritt. Kracht (2007) spricht von lebensweltlicher Mehrsprachigkeit, wenn z. B. im Leben der Kinder unter Migrationsbedingungen mehreren Sprachen Bedeutung zukommt. Die Kinder sind auf den Gebrauch mehrerer Sprachen angewiesen, um ihr Leben gestalten zu können und handlungsfähig zu sein. Sie sind mit der Entwicklungsaufgabe der Mehrsprachigkeit konfrontiert; Mehrsprachigkeit besitzt für sie Entwicklungs- und Bildungsrelevanz. In der Sprachwissenschaft wird betont, dass Kinder problemlos mit mehreren Sprachen aufwachsen können und eine mehrsprachige Erziehung sogar empfehlenswert und gewinnbringend ist. Das Überwinden einer monolingualen (einsprachigen) Perspektive wird dringend angeraten (Gombos, 2003; Schneider, 2003; Schaner-Wolles, 2005a, 2005b; Ulich, 2000a). Das Erlernen einer Zweitsprache hat ganz allgemein positive Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung. Sprachen werden umso leichter gelernt, je früher, unbefangener und spielerischer Kinder mit ihnen in Kontakt kommen (Hartmann, Hajszan, Pfohl-Chalaupek, Stoll & Hartel, 2009). Dabei ist es wichtig, dass der Erwerb der Zweitsprache in Handlungszusammenhänge eingebettet ist, die Aufschluss über die Bedeutung sprachlicher Äußerungen geben bzw. diese begleiten. Auch Mimik und Gestik tragen zu Beginn des Zweitspracherwerbs wesentlich zu einem besseren Sprachverständnis bei. Die gleichzeitige Verwendung verschiedener Sprachen ist für mehrsprachig aufwachsende Kinder typisch. Die Vermischung der Sprachen innerhalb eines Satzes ist meist vorübergehend und oft ein Hinweis auf Fortschritte in der sprachlichen Entwicklung. Damit sprachliche Bildungsprozesse im Bereich der Zwei- und Mehrsprachigkeit herausgefordert werden, brauchen Kinder: • Kontakte zu Personen, die unterschiedliche Sprachen sprechen (im besten Fall als Native Speaker) und als Sprachvorbilder agieren • Motivation, um mit diesen Personen in Kontakt zu treten • eine anregungsreiche Umgebung, die die Lernmotivation unterstützt Ein erfolgreicher Zweitspracherwerb baut auf erstsprachlichen Kompetenzen auf, wobei im Kindergartenalter die Entwicklung der Erstsprache noch lange nicht abgeschlossen ist. Defizite in der Erstsprachentwicklung können Auswirkungen auf die sprachliche Kompetenz in der Zweitsprache haben. Deshalb sollte die Erstsprache Bildungsplan-Anteil © 2009 23

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