Ventura I - 2010 - Stadtsparkasse Düsseldorf

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Ventura I - 2010 - Stadtsparkasse Düsseldorf

VENTUR V

Das Private-Banking-Magazin der Stadtsparkasse Düsseldorf

1 | 2010

> GEMEINSAM < > GESTALTEN < > GEWINNEN < > GENIESSEN <

VORRUHESTAND

Wie ein ehemaliger

Topmanager am Ball bleibt

KUNSTSAMMLUNG NRW

Wer ist und was will

Marion Ackermann

Zukunft

im im im

Blick Blick Blick

Neuer Glanz für die

Kunstsammlung NRW

KRISTALLKUGEL

Was ein Chefvolkswirt

von 2010 erwartet

VIRUS

Wo Spielfreude zur

Leidenschaft wird


LIEBE

LESERINNEN,

LIEBE

LESER,

Stefan Drzisga Direktor Private Banking Stadtsparkasse Düsseldorf

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft

betreffen“, stellte bereits vor über 120 Jahren der

amerikanische Schriftsteller Mark Twain fest. Sicherlich

eine aphoristische Überspitzung, aber sicherlich

auch nicht ganz falsch, blickt man auf die vielen gegensätzlichen

Vorhersagen über das Geschehen in Volkswirtschaften

und Finanzmärkten. Das Bedürfnis nach

Prognosen gehört wohl zur menschlichen Grundausstattung

und ließ den Erdbewohner schon immer in die

Sterne, in den Kaffeesatz, in den Wetterbericht gucken

– oder das Orakel zu Delphi oder Allensbach befragen.

Wenn wir es dennoch wagen, uns in dieser VENTURA-

Ausgabe mit der Zukunft zu beschäftigen, ist das kein

geheimnisumflorter Blick in die Glaskugel. Wir versuchen,

auf der Basis valider Daten, die Wahrscheinlichkeit

von Entwicklungen zu prognostizieren. Jeder, der

ein wenig Grundkenntnisse in Statistik hat, weiß aber

auch, dass die Wahrscheinlichkeit, punktgenau ein Ergebnis

vorhersagen zu wollen, praktisch unmöglich ist,

sobald Zufallsprozesse am Werke sind.

02 1 | 2010

> E D I T O R I A L <

Worum es geht, ist, Zukunft zu wagen, seinen Phantasien

immer wieder Gestalt zu verleihen. Sie zu überprüfen,

ob sie in diesem oder in verändertem Gewand

tragfähige Perspektiven enthalten. Oder ob Ansätze

einer Zukunftsentwicklung sichtbar werden, die die

Konfrontation mit der Wirklichkeit aushalten. Das kann

auch heißen, mit den Möglichkeiten zu spielen und zu

experimentieren, auch zu riskieren, Fehler zu machen.

Dies kann allein dann entstehen, wenn man der Kreativität

ausreichend Spielraum gibt.

Aber es geht auch darum, vorausschauend zu handeln.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der persönlichen Anlagestrategie.

Auch hier kommt es vor allem darauf an,

rechtzeitig Markttrends zu erkennen. Und daraus die

nötigen Konsequenzen zu ziehen. Ihnen einen ersten

Anhaltspunkt auf die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen

in 2010 zu geben, ist Ziel des Beitrags des Chefvolkswirtes

der DekaBank, Dr. Ulrich Kater. Die gleiche

Absicht verfolgt die Finanzkolumne der aktuellen Ausgabe.

Sie beschäftigt sich mit Perspektiven unterschiedlicher

Anlageformen für dieses Jahr.

Ansonsten stehen bei uns Menschen im Mittelpunkt, die

„Zukunft wagen“, die Visionen, Wünsche und Phantasien

nachhaltig umsetzen: der ehemalige Bundesliga-Handballspieler,

Topmanager und Mentor für junge Unter-

nehmer Rolf van Kaldekerken, Dr. Marion Ackermann,

die neue Leiterin der Kunstsammlung NRW. Auch die

Verantwortlichen des Golf Club Hubbelrath tragen mit

ihren Visionen dazu bei, nicht nur sportlich einer der

erfolgreichsten Golfclubs der Republik zu sein, sondern

geradezu beispielhaft Golf und Umweltschutz im

Interesse nachfolgender Generationen miteinander zu

vereinen. In einem Exklusivinterview, das er uns zwischen

zwei Turnieren am Persischen Golf gegeben hat,

spricht der Golfer Martin Kaymer, dem nach weltweiter

Expertenmeinung die Zukunft gehören wird, mit uns.

Auch mit dieser ersten Ausgabe der VENTURA in 2010

wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre.

Herzlichst Ihr


INHALT

04 16

32

38

> G E m E I n S A m < > G E S T A L T E n < > G E W I n n E n < > G E n I E S S E n <

04 NACHHALTIGE UNTERSTÜTZUNG Ein ehemaliger

Topmanager engagiert sich für junge Unter nehmer.

08 WENDEMANÖVER Ein Chefvolkswirt über die

Auswirkungen von geld- und fiskalpolitischen

Impulsen auf Anlageszenarien 2010.

10 AUSSICHTEN Verhalten positiv, mit vielen

Stolpersteinen, nicht ohne Enttäuschungen.

12 DIE LUST AM GOLF Wo man in Düsseldorf beim

Sport frische Früchte pflücken kann.

15 WELTKLASSE Warum Deutschlands Ausnahmegolfer

nicht Fußballprofi geworden ist.

16 DIE ZUKUNFTSFINANZIERER Innovationen junger

Unternehmen sind der Antrieb der Wirtschaftserfolge

von morgen. Risikobereite Investoren mit

Gespür für gute Ideen liefern den Treibstoff.

21 DAS MAÑANA-PRINZIP Für Gunter Frank und Maja

Storch ist entspannendes Abschalten kein Grund

für ein schlechtes Gewissen.

22 FORTUNAS FORSCHER Zwischen Glücklich sein

und Glück haben dehnt sich ein weites Feld für

wissenschaftliche Studien.

24 HOCHOFEN DER KULTUR Als Kulturhauptstadt Europas

bringt RUHR.2010 den „Pott“ wieder zum Kochen.

28 IN BESTER GESELLSCHAFT Stiftungen als Zeichen

einer aktiven Bürgergesellschaft erfreuen sich in

Deutschland wachsenden Zulaufs.

31 IDEEN, DIE VERÄNDERN Warum die Zeitung und

das Fernsehen aus Ulrich Walter einen Astronauten

gemacht haben.

32 GELB GEWINNT Im Spagat zwischen Tradition und

Wettbewerb zeigt William Verpoorten Familiensinn,

Profil und Markenbewusstsein.

36 GEFÄHRLICHE ILLUSIONEN Mit dem Wiedererstarken

der Aktie drängen die „Pennystock-Piraten“

auf die Anlagebühne.

38 GOLDENES GRAS VON AUGUSTA Der Golfkurs für

das jährliche Masters wird gehegt und gehätschelt

wie kein zweiter Rasen auf dem Planeten.

42 SOCKE, SAG MAL … Smarte Textilien sind mehr

als ein Modegag. Sie bereichern den Kleiderschrank

mit neuem Komfort und verbesserter

Sicherheit.

45 ZAHLEN UNSERES LEBENS Spielraum und Orientierung

quer durchs Leben: das Viertel.

46 STAATSGALERIE NRW Ein neues Gesicht für

Düsseldorfs Kunsttempel in der Altstadt und

im Ständehaus.

1 | 2010

03


04 1 | 2010

> G e m e i n s a m <

Rolf van Kaldekerken – Schlosser, Handballer, Topmanager, Mentor für junge Unternehmer

„Ich möchte

von dem zurückgeben,

was ich in meinem Leben

an Gutem erhalten habe!“


Von Klaus Hackert

in Deutschland fehlt es nicht an guten

ideen. es fehlt oft an finanziellen mitteln,

an selbstlosen Beratern. Der gebürtige

Gummersbacher Rolf van Kaldekerken

ist einer, der nachhaltig unterstützt –

mit Rat und Tat. Und wenn nötig auch

mit Geld. VenTURa sprach mit dem

ehemaligen europapräsidenten eines

der größten weltweit operierenden

„Dienstleister rund um das Büro“

über motive, Werte und den standort

Deutschland.

Er selbst bezeichnet sich als „Vorruheständler“.

Doch kann man das von jemandem

sagen, der als Aufsichtsrat der

memo AG, als mehr oder weniger stiller

Teilhaber diverser mittelständischer Betriebe,

als Berater diverser Headhunter

und ,last but not least‘ als umtriebiger

Präsident des Tennisvereins TV Osterath

aktiv Einfluss nimmt?

Ursprünglich stammt die Familie aus

dem niederländischen Venlo. Mitte des

19. Jahrhunderts hatte ein gewisser

Johann van Kaldenkerken neun Kinder.

Fünf davon hießen nach der Geburt

Kaldenkerken, vier Kaldekerken. Diese

Zweige entwickelten sich auseinander:

Die Kaldekerkens zogen über die Grenze

nach Mönchengladbach, während die

Kaldenkerkens in Holland blieben. Mit

Rolf van Kaldekerken hat sich ein wenig

der Kreis geschlossen, da „ich die letzten

13 Jahre bis 2005 in Venlo als Manager

gearbeitet habe. Interessant auch“, lacht

er, „dass ich täglich auf meiner Fahrt

ins Büro über den Kaldenkerkerweg in

Venlo gefahren bin“. Aufgewachsen ist

Rolf van Kaldekerken im oberbergischen

Gummersbach. Dass er einmal als Topmanager

für die Zukunft von tausenden

Mitarbeitern verantwortlich sein würde,

war so nicht eingeplant.

schlosserlehre und die Karriere als

Handballer beim VFL Gummersbach

„Beim Verlassen der Volksschule mit 14

> G e m e i n s a m <

Jahren, wusste ich nicht, was ich werden

wollte“, berichtet er. „Da hat mein Vater

rigide bestimmt, ich gebe dir noch zwei

Wochen Zeit, wenn Du dann nicht weißt,

was du werden willst, wirst du Schlosser.

Nach zwei Wochen wusste ich genauso

viel wie zuvor. Konsequenz – ich bin

Schlosser geworden.“ Die Lehre hat er

mehr schlecht als recht überstanden.

Aus mehreren Gründen: „Der Beruf hat

mir keinen Spaß gemacht. Vor allem aber

war Handballspielen beim VFL Gummersbach

mein eigentlicher Lebensinhalt.“

Als die Lehre zu scheitern drohte, erteilten

ihm die Eltern ein vorläufiges Handballverbot.

„Und – oh Wunder, nach drei

Monaten war ich wieder voll bei der

Lehre dabei. Und habe sie dann auch mit

2,8 abgeschlossen. Kommentar meines

Berufsschullehrers: „Einen solchen Idioten,

der so mit seinen Talenten umgeht,

habe ich noch nie gesehen.“

1974 kam der Wendepunkt. Van Kaldekerken

hatte sein großes Ziel endlich

erreicht, kam in den Kader der Bundesligamannschaft

des VFL Gummersbach,

damals die Topadresse im europäischen

Handball. Spielte mit Leuten wie Hansi

Schmidt, Heiner Brand, Jochen Brand,

Klaus Westebbe, Jochen Feldhoff zusammen.

Doch aus der großen Profikarriere

als Handballer wurde nichts: „Ich habe nie

so richtig den Durchbruch geschafft, da

ich für meine Position ,Rückraum rechts‘

rund zehn Zentimeter zu klein war. In der

zweiten Liga war ich der absolute Goalgetter,

habe so meine acht bis zehn Tore

pro Spiel geworfen. Für diese Klasse war

ich zu gut, aber es hat eben nicht ganz

gereicht, um auch in der Bundesliga den

Durchbruch zu schaffen.“ Dennoch war

der Handball für die Managerkarriere

„verantwortlich“. „Ich war der einzige

Handwerker in der Mannschaft“, erzählt

er. „Und das hat mir so zu denken gegeben,

dass ich mich entschlossen habe,

etwas zu machen, was mir wirklich ent-

sprochen hat.“ Er absolvierte erfolgreich

die Fachhochschule für EDV in Hochdahl.

Der legendäre Eugen Haas, der den VFL

eigentlich großgemacht hat, vermittelte

Rolf van Kaldekerken zu einem führenden

europäischen Tapetenhersteller aus

Gummersbach. Hier begann er als Computeroperator.

„Entscheidend war hier für

mich, dass mein damaliger Chef erkannt

hatte, hier ist einer, der nicht immer nur

Computeroperator bleiben wollte“, berichtet

er. „Nach einem Jahr kam ich in

den Bereich Organisation, übernahm die

Verantwortung für die Arbeitsvorbereitung

und das Rechenzentrum. Danach

betreute ich die Auslandsgesellschaften,

habe in Brügge gearbeitet.“ Schließlich

wechselte er nach Paris zur Auslandstochter,

übernahm das Büro in der französischen

Metropole.

Von Paris via Düsseldorf nach Venlo

1986 zog die Familie van Kaldekerken

wieder um – von Paris an den Rhein.

In die Stadt, die, glaubt man den Düsseldorfer

Marketingverantwortlichen,

bereits Napoleon Bonaparte als „Klein

Paris“ bezeichnet hat. Neue Aufgabe war

es, für einen amerikanischen IT-Händler

eine Deutschland-Niederlassung in der

NRW-Hauptstadt aufzubauen. Später

1 | 2010

05


war er dann europaweit verantwortlich

für EDV, Logistik, Einkauf und Transport.

Ab 1995 arbeitete er als Manager für

einen weltweit tätigen US-Büromaterialdienstleister.

Erst in Düsseldorf, dann

im grenznahen Venlo. Zum Schluss war

er President Europe des US-Konzerns

Viking Direkt / Office Depot, gehörte

dem Executive Board des Konzerns in

den USA an und hatte die Verantwortung

über mehr als 12.500 Mitarbeiter,

die 3,5 Milliarden Umsatz erzielten. In

dieser Funktion flog er dann alle zwei

Wochen Sonntag für Sonntag von

Frankfurt in die Staaten. „Montag war

Meeting, Dienstag ging es wieder zurück“,

erinnert er sich.

Seit Januar 2009 ist van Kaldekerken

Aufsichtsrat bei der memo AG. Auch ein

Versandhaus für Büroartikel, wie der

amerikanische Global Player, bei dem er

zuletzt gearbeitet hat. Der Unterschied:

Die Gesellschaft ist komplett ökologisch

und nachhaltig organisiert. Gründer

und Vorstandssprecher Jürgen Schmidt

war 2007 „Manager des Jahres“. Für

das Engagement im Dienste der Nachhaltigkeit

wurde die memo AG bereits

mehrfach ausgezeichnet.

VENTURA: Sie haben eine erfolgreiche

Karriere als Manager realisiert. Ihr Rezept?

Ihr Führungsstil?

06 1 | 2010

> G e m e i n s a m <

v. Kaldekerken: Dazu gehören unterschiedliche

Dinge – Glaubwürdigkeit,

Respekt, Zuhören können, Offenheit,

Durchsetzungsvermögen. Vor allem aber,

auch wenn es komisch klingen mag:

,Mensch bleiben‘. Ich möchte als Person

überzeugen, nicht aus einer Position heraus.

Dazu zählt aber auch die Fähigkeit,

integrieren zu können. Die Leute sollen

miteinander arbeiten, nicht gegeneinander.

Und man muss entscheiden können

und bereit sein Verantwortung zu übernehmen.

VENTURA: Wie kennzeichnen Sie Ihren

Führungsstil?

v. Kaldekerken: Ich habe keine Angst

davor, mich mit Mitarbeitern zu umgeben,

die in ihrem Bereich besser sind als

ich. Ich glaube, das können nicht viele.

Ich bin ein sehr guter Generalist, habe

Ahnung von Logistik, von Finanzen, von

Marketing. Ich bin aber in keinem dieser

Themen ein Spezialist. In meinem Team

hatte ich in jedem einzelnen Bereich

einen Spezialisten, der dort weitaus

besser war als ich. Nicht ich stehe im Vordergrund,

es kommt darauf an, was ich

gemeinsam mit meinem Team erreiche.

VENTURA: Was zeichnet einen guten

Manager aus?

v. Kaldekerken: Auf der einen Seite gilt

es natürlich die Erwartungen des Unternehmens

zu erfüllen – ob es nun die

Gesamtentwicklung betrifft, oder ob die

Zahlen stimmen. Und das muss realisiert

werden mit einem möglichst hohen Zufriedenheitsgrad

der Mitarbeiter. Ohne

motivierte, gute und qualifizierte Mitarbeiter

kann niemand einen unternehmerischen

Erfolg erzielen.

VENTURA: Ihr letzter Satz soll ein Stichwort

sein. Was bedeutet eigentlich unternehmerischer

Erfolg für Sie?

v. Kaldekerken: Erst einmal Anerkennung.

Und das nicht auf das Finanzi-

elle beschränkt. Für mich war es immer

wichtig, dass mir jemand gesagt hat, du

machst einen guten Job. Egal ob mein

Chef oder meine Mitarbeiter. Ich habe

eigentlich nie in meinem Leben geplant.

Das einzige, was ich immer gewollt

habe, war, in die erste Mannschaft des

VFL Gummersbach zu kommen. Aber

im Berufsleben habe ich nie gesagt, ich

möchte Manager hier sein oder dort.

Wann immer ein Lebensabschnitt zu

Ende war, gab es für mich eine neue

spannende Gelegenheit. Ich war nie unzufrieden

mit dem, was ich in meinem

Job getan habe. Und das ist für mich ein

Segen. Trotz aller Zufriedenheit sollte

man sich nie mit dem Erreichten begnügen.

Mein Ziel ist immer eine Weiterentwicklung,

kein Stillstand.

VENTURA: Kann man Erfolg überhaupt

steuern?

v. Kaldekerken: Ja, in dem Sinne, dass

man Voraussetzungen schafft, die einem

helfen können, erfolgreich zu sein. Zum

Beispiel über eine hervorragende Ausbildung.

Doch ab dem Augenblick, wo ich

dies realisiert habe, bin ich nicht mehr allein

von mir selbst abhängig, bin immer

wieder auf andere angewiesen.

VENTURA: Warum engagieren Sie sich

nach Ihrem Ausscheiden als Europachef

für junge Unternehmer?

v. Kaldekerken: Ich möchte etwas von

dem zurückgeben, was ich in meinem

Leben an Gutem erfahren habe. Ich

hatte bislang so viel Glück in meinem

Leben: Sei es im privaten Bereich mit

meiner Frau Karin, mit meinen zwei

Söhnen, aber auch im Beruf. Ich hatte

stets verständnisvolle Vorgesetzte, die

mir ihr Vertrauen geschenkt haben.

Ein Beispiel für das Engagement: Ich

gehe seit rund 15 Jahren zur Massage

zu einem jungen Unternehmer,

der betreibt ein Therapiezentrum mit

angeschlossenen Fitnessräumen. Der


Mann ist ein Genie in allem, was er

anpackt. Er kann nur eines nicht – mit

Zahlen umgehen. Er benötigt einfach

jemanden, der ihm zur Seite steht, ihm

hilft, ihm ein wenig den Weg zeigt. Und

das mache ich. Und im Laufe der letzten

Jahre sind da ein paar Unternehmen

zusammengekommen.

VENTURA: Was machen Sie konkret für

diese Unternehmer?

v. Kaldekerken: Ich unterstütze sie vor

allem in den Bereichen Betriebsentwicklung,

Marketing und in finanziellen

Fragen. Das sind Bereiche, von denen

diese Leute oft wenig wissen. Das

meine ich nicht negativ, das ist einfach

eine Tatsache. In einigen Fällen bin ich

inzwischen auch Miteigentümer oder

stiller Teilhaber. Vor allem dann, wenn

ich sehe, dass hier ein großes Potenzial

steckt und nur ein wenig finanzielle

Hilfe für den Erfolg nötig ist.

VENTURA: Gibt es da Branchenschwerpunkte?

v. Kaldekerken: Das hat sich mehr

oder weniger zufällig entwickelt. Aktuell

sind es vor allem Therapie- und

Fitnesszentren. Nicht nur Zufall, sicherlich

auch, weil dieser Sektor eindeutig

beste Zukunftsaussichten bietet. Dazu

zählt aber auch ein Unternehmen aus

der Lichtbranche, das vor allem LED-

Leuchten als Lichtsysteme vermarktet

und verkauft.

Allgemein muss ich feststellen: Es gibt

für eine solche Mentorentätigkeit bei

uns in Deutschland einen Riesenbedarf.

Es gibt ganz viele junge Unternehmer,

die in der gleichen Situation stecken,

wie die, die ich konkret unterstütze. Offensichtlich

gibt es hierzulande keinen

systematischen Ansprechpartner, der

ihnen wirklich helfen kann, weiterzukommen.

Die heute existierenden Hürden

sind enorm hoch. Das fängt beim

> G e m e i n s a m <

Finanziellen an. Wer gibt denn noch

Geld? Ich sehe hier auch Banken und

Sparkassen in der gesellschaftlichen

Pflicht.

VENTURA: Welche Bedingungen sollte

ein junger Unternehmer erfüllen, um

Ihre Unterstützung zu gewinnen?

v. Kaldekerken: Grundsätzlich muss mir

die Zusammenarbeit Spaß machen und

für den Auftraggeber muss es Sinn machen.

Er muss mich ganz einfach davon

überzeugen, dass für alle Beteiligten

eine Zusammenarbeit von Vorteil ist. Es

muss jemand sein, der von seiner Idee

überzeugt ist. Und er muss bereit sein,

alles zu tun, um seine Idee, seine Vision

zu realisieren.

VENTURA: Wir haben jetzt so viel über

Stärken gesprochen. Haben Sie denn

auch Schwächen?

v. Kaldekerken: Mir hat einmal ein Chef

gesagt, „Deine größte Schwäche ist es,

dass Du von allen Menschen geliebt

sein willst“.

VENTURA: Noch einmal zurück zur

Gesellschaft. Was stört Sie persönlich

aktuell am meisten am Standort

Deutschland? Worin liegt die größte

Schwäche aktuell hierzulande?

v. Kaldekerken: Das größte Problem,

was ich derzeit sehe, ist die geringe

Glaubwürdigkeit der Politiker. Ein zweiter

Punkt, der mir ein wenig Angst bereitet,

ist das Schrumpfen der Mittelschicht. Gerade

eine breite Mittelschicht war früher

eine große Stärke unseres Landes. Wenn

es uns nicht gelingt, da entgegenzusteuern,

diese gewaltige Diskrepanz auszugleichen,

dann wird das nicht gut enden.

VENTURA: Gibt es denn auch etwas

hierzulande, was Sie mit Optimismus

erfüllt?

v. Kaldekerken: Auf jeden Fall! Ich bin

davon überzeugt, dass 2010 ein wesentlicher

Schritt nach vorne gemacht wird.

Die Stimmung wird besser. Das stelle ich

in allen Unternehmen, mit denen ich zu

tun habe, fest. Schon im letzten Quartal

2009 waren ja viele positive Trends zu

bemerken. Deutschland hat eine hochqualifizierte

Mitarbeiterschaft, die bereit

ist, sich für das Unternehmen zu engagieren.

Allerdings nur dann, wenn die

Arbeitsumgebung und das Umfeld stimmen.

Die Qualität der Arbeit stimmt, auch

die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber

ist immer noch vorhanden. Hinzu kommt

eine noch stabile politische Umgebung.

Mein Fazit: Der Standort Deutschland ist

trotz aller Kritik 2010 einer der besten

und einer der sichersten in der Welt.

1 | 2010

07


Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt DekaBank

08 1 | 2010

> G e m e i n s a m <

Weltwirtschaftliches

Wendemanöver

Dr. Ulrich Kater

e

e

geglückt

Das Jahr 2009 war nach der schweren Finanzkrise, die im Jahr davor ausgebrochen

war, ein Wendejahr: Die Weltwirtschaft hat sich überraschend schnell vom Konjunktur-

Kollaps erholt. Der Rückgang der wirtschaftlichen aktivität konnte im zweiten Quartal

gestoppt werden, seither steigt die Wirtschaftsleistung wieder an. Umfangreiche

wirtschaftspolitische interventionen haben eine negative erwartungsspirale

durchbrochen. Das wirtschaftspolitische management dieser weltweit bedrohlichen

Finanzkrise war beeindruckend. Die geld- und fiskalpolitischen impulse sorgen auch

im kommenden Jahr noch für genügend nachfrage-Treibstoff.

Die Bankenproblematik war

jedoch nur eine Folgeerscheinung

einer tiefer liegenden Strukturkrise

der Weltwirtschaft, der „Krise

hinter der Krise“. Über eine längere

Zeit hinweg haben sich an vielen

Stellen der Weltwirtschaft Ungleichgewichte

aufgebaut: in den Bilanzen

der privaten Haushalte, etwa in

den USA, in den Leistungsbilanzen

vieler Volkswirtschaften und erst

recht in vielen Bankbilanzen. Diese

Ungleichgewichte konnten eine

Zeit lang über die Finanzmärkte finanziert

werden. Niedrige Zinsen

halfen hierbei. Wesentlich war auch

die Entdeckung des Verbriefungsmechanismus

für Kredite, der die

Kreditschöpfungsmöglichkeiten

des Bankensystems enorm vergrößerte.

Diese Finanzierungsmöglichkeiten

sind nun nicht mehr im

gleichen Umfang vorhanden. Die

Weltwirtschaft steht damit vor enormen

Anpassungsaufgaben, nicht

nur bei der Schuldenreduzierung.

Denn auch die Wirtschaftsstrukturen

von vor der Krise passen nicht

mehr in die Nachkrisenwelt. Ähnlich

wie sich etwa die Vegetation an eine

Klimaänderung anpassen muss, so

müssen sich die Volkswirtschaften

auf ein verändertes Finanzierungsklima

einstellen.

Beispielhaft seien hierfür

genannt:

• Nachfrage der privaten Haushalte:

Der Sektor der privaten Haushalte,

etwa in den USA, wird seine Schulden

konsolidieren müssen. Da

das gegenwärtig bereits geschieht,

drückt es aber vorübergehend auf

die Nachfrage nach Konsumgütern.

• Leistungsbilanzsalden, Produktionsstruktur:Leistungsbilanzsalden

von teilweise fünf bis zehn

Prozent des Bruttoinlandsprodukts

können nicht auf Dauer

durchgehalten werden. Volkswirtschaften

mit großen Überschüssen

müssten ihre Binnennachfrage

stärken, beispielsweise Produktionsstrukturen

mehr auf Dienstleistungen

verlegen, Länder mit

Defiziten dagegen müssten mehr

Industriegüter für den Weltmarkt

herstellen. Solche Strukturveränderungen

können jedoch nicht

verordnet werden, sondern müssen

sich marktgesteuert ergeben.

• Dies verlangt auch Umstellungen

von Branchenstrukturen. Überkapazitäten

in einzelnen Zweigen

(Auto, Konsum, Bauwirtschaft)

und bei ihren Zulieferern müssen

abgebaut, dafür an anderer Stelle

neue Kapazitäten in neuen Verwendungen

aufgebaut werden.

Wie immer trifft es in einer Rezession

diejenigen Unternehmen zuerst,

denen es am schlechtesten

gelungen ist, sich auf geänderte

Nachfragetrends einzustellen.

• Nicht zuletzt hat sich die Finanzwirtschaft

auf neue Umfeldbedingungen

einzustellen:

Höhere Eigenkapitalanforderungen,

veränderte und zumindest

vorübergehend geringere

Verbriefungsmöglichkeiten und

eine höhere Regulierung werden

die Kreditvergabefähigkeit einschränken.

e


Aus all diesen Gründen wird es

wohl in diesem und in den kommenden

Jahren die historisch

langsamste wirtschaftliche Erholung

nach einer Rezession. 2010

wird die US-Volkswirtschaft wohl

nur um knapp drei Prozent, die

deutsche Wirtschaft um 1,5 Prozent

wachsen.

Schnell kam mit den Garantieerklärungen

der Staaten für ihre

Bankensysteme im vergangenen

Herbst die Angst vor dem „Staatsbankrott“

auf. Sie bezog sich an

den Kapitalmärkten aber insbesondere

auf kleinere Volkswirtschaften,

deren Bankensektor im

Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt

unverhältnismäßig groß

war. Nachdem es zunächst schien,

als würden sich hierfür Lösungen

finden lassen, indem etwa Länder

der Europäischen Währungszone

Kreditmöglichkeiten durch

andere Mitgliedsländer erhalten

könnten, erweist sich dies etwa im

Fall von Griechenland als schwieriges

Unterfangen. Zwar wird der

„Fall Griechenland“ wohl am Ende

des Tages gelöst werden können,

aber eines ist ganz klar: Die Kapitalmärkte

zeigen den Staaten

die gelb-rote Karte. Nach den Rettungsaktionen

muss nun eine

Phase der Beruhigung und Erholung

einsetzen, auch für die Staatsfinanzen

in aller Welt.

> G e m e i n s a m <

Was soll der Anleger in

Deutschland jetzt tun?

Es sind sicherlich keine euphorischen

Kapitalmarktzeiten, in

denen die Märkte von einem Hoch

zum nächsten stürmen. Aber wir

wissen mittlerweile, dass es genau

solche Euphorie-Phasen sind, die

die gefährlichsten Wegstrecken

bei der Kapitalanlage darstellen.

Gegenwärtig sind den Marktteilnehmern

viele Risiken immer

noch sehr präsent, die Vorsicht

ist immer noch ausgeprägt. Auch

muss man sehr darauf achten, dass

einzelne Kapitalmarktsegmente

im Einklang mit fundamentalen

Ertragsaussichten stehen und

dass sich keine neuen Blasen aufbauen.

Bis auf den Goldmarkt (an

dem man mangels laufender Erträge

eine Blasenbildung nur sehr

schwer definieren kann) ist dies gegenwärtig

nicht festzustellen.

Es liegt in der besonderen Situation,

dass auch so gegensätzliche Welten

wie Deflations- oder Inflationsszenarien

aktuell eng beieinander

liegen. Der Patient ‚Weltwirtschaft‘

hat zwar die richtige Medizin erhalten,

aber ob die Dosierung nicht

doch zu niedrig war (Deflation)

oder vielleicht zu hoch angesetzt

wurde (Inflation), ist gegenwärtig

noch nicht abzuschätzen. Wer sich

gegen Deflationsszenarien absichern

möchte, kann dies mit einer

Anlage in Staatsanleihen erreichen,

vor allem aber sollte er Verbindlichkeiten

zurückfahren. Wer dagegen

Ängste einer ausgeprägten

und dauerhaften Inflation hegt, der

kann sein Finanzvermögen wirksam

mit Immobilienanlagen, inflationsgeschützten

Anleihen und

Aktien schützen.

Unser Anlageszenario für das kommende

Jahr lautet: Das Zinsumfeld

wird im kommenden Jahr weiterhin

sehr niedrig bleiben. Niedrige

Zinsen sind angesichts der niedrigen

Wachstumsperspektiven der

Weltwirtschaft und niedriger Inflationserwartungen

auch makroökonomisch

nichts Ungewöhnliches.

Wer höhere Renditen anstrebt, ist

auf die schwankungsintensiveren

Kapitalmarktsegmente angewiesen,

die jedoch zum jeweiligen

Anlagehorizont passen sollten. Angesichts

unseres moderaten Erholungsszenarios

der Weltwirtschaft

sehen wir keinen Grund, nicht zeitlich

gestaffelt – insbesondere bei

zwischenzeitlichen Rückschlägen

– in die weltweiten Aktien- und Anleihemärkte

zu investieren, jeweils

mit einem ausgeprägten Emerging-

Markets-Anteil. Da gerade hier für

viele Anleger Sicherheit eine große

Rolle spielt, bieten sich hier Garantiefonds

an, die Schwankungen

nach unten wirkungsvoll abschneiden.

1 | 2010

09


DieFinanz Kolumne

10 1 | 2010

> G e m e i n s a m <

Der Blick zurück nach vorn

Autor: Stefan Drzisga, Direktor Private Banking Stadtsparkasse Düsseldorf

Vielerorts herrscht zu Beginn des Jahres bei den anlegern

Ratlosigkeit: Tages- oder Festgelder bringen nur magere

erträge, aktien dagegen sind nach ihrem tiefen Fall wieder

kräftig gestiegen. Was sind die wichtigsten Trends in 2010?

Lassen Sie uns erst einmal einen Blick zurück auf das Börsenjahr

2009 werfen. Wenn man eine Umfrage durchführen

würde, wie ertragsbringend denn 2009 gewesen sei, würde

wahrscheinlich bei den meisten Befragten die Performanceschätzung

als „eher verhalten“ bezeichnet werden. Sicherlich

ist das den vielen Crash-Szenarien, die landauf landab seit

dem Sommer 2008 gezeichnet wurden, geschuldet. Doch in

Wirklichkeit war 2009 ein gutes Jahr für jeden Anlegertypus,

gleichgültig ob er eher konservativ oder mehr chancen- und

risikoorientierter ausgerichtet ist. So erwirtschafteten deutsche

Staatsanleihen im mittleren Laufzeitenbereich 4,92 Prozent

Rendite, Unternehmensanleihen im „Investmentgrade"

7,70 Prozent und der Dax-Index legte mit 22,6 Prozent um fast

ein Viertel zu, von seinem Tiefpunkt im Frühjahr 2009 sogar

um 65,9 Prozent. Bei Rohstoffen glänzten vor allem Silber und

Gold. Ausnahme: 1-Monats-Festgelder unter Banken hatten

eine Durchschnittsrendite von 0,86 Prozent. In der folgenden

Tabelle können Sie sehen, welche Renditen Sie bei verschiedenen

Mischungsverhältnissen der einzelnen Anlageklassen

Abb.1

Jahresrendite 2009 Mischungsverhältnis in %

monatsgeld

Deutsche Bundes-

0,86% 10 10 10

anleihen 5 Jahre Lfz. 4,92% 60 50 30

Unternehmens-

anleihen 7,70% 30 30 30

aktien Dax 22,60% 0 10 30

Rendite 5,35 7,12 10,65

mit Ihrem liquiden Vermögen erzielen konnten. Dabei habe

ich bewusst nur „sehr konservative" bis „noch konservative"

Portfolien betrachtet. (siehe Abbildung 1)

Bereits mehrfach haben wir uns in der VENTURA mit der Bedeutung

der Struktur des Vermögens als wesentliche Bestimmungsgröße

für eine langfristige und nachhaltige Rendite beschäftigt.

Die Frage, in welchem Verhältnis bei den Anlagen Aktien, festverzinsliche

Papiere oder Immobilien vertreten sind, hat eine direkte

Auswirkung auf Jahresperformance bzw. Veränderung des

Vermögenswertes. Wesentlicher Erfolgstreiber ist, neben der

jährlichen Überprüfung bzw. Anpassung der Struktur zu Gunsten

der festgelegten Relationen der Anlageklassen zueinander,

die Nachhaltigkeit im Durchhalten der Langfriststrategie. Die

Realität sah jedoch anders aus. Viele Anleger reduzierten ihre

Aktienquote im Verlauf der letzten Jahre deutlich. Diese Tendenz

fand erst Mitte 2009 ihr (vorläufiges) Ende. Seitdem zeigt

sie wieder leicht aufwärts. So fiel die Zahl der Direktaktionäre in

Deutschland von 6,2 Millionen zu Beginn des Jahres 2000, dem

Höhepunkt des inzwischen zur Geschichte gewordenen „Neuen

Marktes“ auf 3,4 Millionen im Sommer 2009. Inzwischen hat sich

die Zahl leicht um 200.000 erhöht und liegt damit etwa wieder

auf dem Niveau des Jahres 1990. (siehe Abbildung 2)

Was man den Anlegern zu Gute halten muss, ist, dass sie sich mit

einer Systemkrise konfrontiert sahen, die in ihrem Ausmaß bisher

als unvorstellbar galt und die selbst hartgesottenen Investoren

den Angstschweiß auf die Stirn trieb. Im Zuge der Überschwemmung

der Kapitalmärkte mit billigem Geld durch die Notenbanken

wurde viel über Inflationsgefahren diskutiert. Die in diesem

Zusammenhang als sicherer Hafen bzw. Absicherung angesehenen

Anlageklassen wie Immobilien und Edelmetalle konnten profitieren

und verzeichneten Mittelzuflüsse. Die aber mit Abstand am


Abb. 2 Zahl der Aktionäre

in millionen (ohne Besitzer von aktienfonds)

6,0

6,2

5,5

5,0

4,5

4,0

3,5

stärksten gewachsene Anlageklasse waren kurzfristige Geldanlagen,

die den schlechtesten Schutz vor Geldentwertung darstellen.

Leider war diese Anlageklasse zudem in 2009 auch noch die mit

der bei weitem niedrigsten Jahresrendite.

Die Aussichten

Lassen Sie uns nun einen Blick auf unsere Prognose für 2010 der

auch schon oben in der Rückschau betrachteten Assetklassen

werfen. Vor dem Hintergrund der sich insgesamt langsam wieder

erholenden Wirtschaft rechnen wir zum Jahresende mit einem

Dax-Niveau etwas über dem Jahresendstand von 2009. Die fulminanten

Kurssteigerungen aus den letzten sechs Monaten sind

wohl vorüber, der Markt hat schon viel Positives vorweggenommen.

Die grundsätzlich vorsichtig optimistische Haltung darf

aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Jahresendniveau

bereits unterstellt, dass die Gewinne der Unternehmen in 2010

durchschnittlich um 40 Prozent steigen. (siehe Abbildung 3)

Temporär sind hier Enttäuschungen nicht ausgeschlossen, ein

geradliniger Weg dürfte es sicher nicht werden. Schlechte Nachrichten

bei dem einen oder anderen Unternehmen bzw. von der

internationalen politischen Bühne werden in einem immer noch

nervösen Umfeld ihre Wirkung entfalten. Die damit einhergehenden

Kursrückschläge an den Wertpapiermärkten könnten

für chancenorientierte Anleger interessante Einstiegspunkte

darstellen. Tradingorientierte Investoren könnten versuchen,

diese Volatilität zu nutzen, indem sie ihre Aktienbestände bei

einem Dax-Niveau über 6.000 Punkten reduzieren, um dann

auf tieferem Niveau wieder einzusteigen.

Bei den festverzinslichen Papieren sollte sich im Verlauf des Jahres

2010 das Zinsniveau über die gesamte Zinsstrukturkurve erhöhen.

Zusätzlich sehen wir tendenziell ein Verflachen der aktuell

> G e m e i n s a m <

2. Hj. 09

3,2

1. Hj. 09 3,4

3,0

1988 1992 1996 2000 2004 2009

3,6

Quelle: F.a.Z.-Grafik BVi; Dai

Abb. 3 Jahreschart DAX

8500

8000

7500

7000

6500

6000

5500

5000

4500

4000

3500

2008 2009

steilen Kurve. Dies resultiert im Wesentlichen aus dem von uns

erwarteten stärkeren Anstieg der kurzfristigen Zinsen. Hintergrund

hierfür ist eine Reduzierung der Liquidität durch die Europäische

Zentralbank, die die im Sommer fälligen Geldmarktgeschäfte nicht

mehr in voller Höhe prolongiert. Wir sehen die 3-Monats-Zinsen

auf ein Niveau von circa 1,50 Prozent und das der 2-Jahres-Zinsen

auf 1,90 Prozent zum Ultimo 2010 ansteigen. Mit einer ersten

Zinserhöhung der EZB rechnen wir frühestens im letzten Quartal

dieses Jahres. Der Renditeanstieg der kurzen Gelder wird sich

auch moderat auf das lange Ende auswirken. Ausgehend von

einem heutigen Renditeniveau bei 10-jährigen Bundesanleihen

von 3,15 Prozent prognostizieren wir einen Anstieg auf einen

Jahresendstand von ca. 3,75 Prozent. Da ein Anstieg der Renditen

bei bereits am Markt befindlichen Anleihen zu entsprechenden

Kursrückgängen führt, bedeutet das für den Anleger, dass bei

seinen lang laufenden Rentenpapieren der Zinsertrag durch den

Kursverlust der Anleihe aufgezehrt wird.

Bei den Unternehmensanleihen werden wir sicherlich nicht mehr

die hohen Renditen sehen, die Ende 2008, Anfang 2009 zu erzielen

waren. Aber die von uns bei den Aktien erwartete Volatilität

könnte dazu führen, dass die Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen

wieder steigen und ein Investment wieder attraktiv wird.

Weiterhin gilt, auf die Bonität und die Bonitätsveränderungen des

Emittenten zu achten.

Es wird eine anspruchsvolle Aufgabe sein, im Börsenjahr 2010 eine

attraktive Rendite bei überschaubarem Risiko zu erzielen. Die von

uns erwartete Seitwärtsbewegung bei den Aktien in Verbindung

mit leicht steigenden Renditen bei den festverzinslichen Papieren

rückt die Produkte in die erste Reihe, die ein aktives Anlagemanagement

betreiben. Überprüfen Sie gemeinsam mit Ihrem

Berater Ihr Portfolio, ob es noch Ihrem persönlichen Risikoprofil

entspricht. Passen Sie es mit ruhiger Hand – wenn nötig – an.

So sollten Sie auch in Zukunft vor Überraschungen gefeit sein.

Quelle: s-investor

1 | 2010

11


12 1 | 2010

> G e m e i n s a m <

olf – etwas für alle Sinne?

spricht man mit aktiven Golfern, so wird unweigerlich das schottische sprichwort zitiert:

„Golf ist keine Frage von Leben und Tod – Golf ist wichtiger“. VenTURa versucht im Gespräch

mit Clubverantwortlichen, einem ex-nationaltrainer, einem Bundesligagolfer und einem

Greenkeeper im Golf Club Hubbelrath ein wenig von der Faszination dieses sportes zu lüften.

Es ist nicht nur ein Ball, ein

Schläger, ein Platz, sondern

eine Wissenschaft, eine mehrstündige

Wanderung, ein Turnierspiel,

die Zugehörigkeit zu einer weltweit

wachsenden Gruppe. Und es gehört

eine Menge Materialkenntnis zum

Golfsport: zum Beispiel, dass ein

Schlägersatz aus Hölzern (für weite

Schläge), Eisen (für alle Schläge), Pitching

Wedges (für hohe Schläge) und

dem Putter besteht, mit dem man

schlussendlich gefühlvoll einlocht.

Geschichtlich erwähnt wurde Golf

bereits 1297 in Holland. Schäfer sollen

das „Kolven“ genannte Spiel mit

umgedrehten Hirtenstöcken betrieben

haben. Im 17. Jahrhundert war es

in Schottland ein solcher Volkssport

geworden, dass König James es verbieten

ließ. Die Leute sollten lieber

Bogenschießen üben, um wehrhaft

zu sein. Der elitäre Ruf des Sportes

ergab sich später daraus, dass er zeitaufwändig

war und viel Freizeit bei

Tageslicht erforderte. Diesen Luxus

kannten nur die Besserverdienenden.

Und trotz aller Entwicklung hin zum

Volkssport, bleibt Golfen immer noch

ein Gentleman-Sport. Es wird ungern

gesehen, dass Frauen Spaghettiträger

tragen oder Herren kurze Hosen. Und

man hat die Pflicht, das Grasbüschel,

das man herausgeschlagen hat, wieder

festzutreten. Vor allem auf dem

Rasenteppich rund um die Löcher.

Golf auf höchstem Niveau

Der Düsseldorfer Ortsteil Hubbelrath

liegt ganz im Osten, quasi am Fuße

des Bergischen Landes. Dennoch

nur eine gute Viertelstunde mit dem

Auto von der hektischen Innenstadt

entfernt. Hier erwarten den Besucher

klare Bäche, fischreiche Teiche. Sanfte

Hügel bilden einen Hochgenuss fürs

Auge. „Ein idealer Standort für Golf“,

sagt Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Kühn,

seit gut acht Jahren Präsident des Golf

Club Hubbelrath, des wohl mitgliederstärksten

Golfclubs in Deutschland.

„Wenn Golf ein Sport ist, den man mit

allen Sinnen genießt, dann ist Hubbelrath

der Platz, der Spielfreude zur

Leidenschaft werden lässt.“ Die fast

100 Hektar umfassende Anlage mit

zwei anspruchsvollen Plätzen liegt

rund um den höchsten Punkt der

NRW-Landeshauptstadt. Auf dem

Sandberg in 168 Metern Höhe steht

das Clubhaus. Es verspricht neben

Gaumenfreuden und gepflegter Unterhaltung

den nötigen Weitblick, der

nicht nur für Golfer nützlich ist.

Doch bevor wir uns näher mit den

Details des Hubbelrather Golflebens

beschäftigen, sei noch ein kurzer

Blick auf die Motive, die bei vielen

Menschen die Golfleidenschaft lodern

lässt, erlaubt. Eine Antwort gibt

der 24-jährige Student der Betriebswirtschaft

Christian Fuchs, Bundesligagolfer

für den Düsseldorfer

Golfclub: „Ich bin sehr ehrgeizig, bin

sehr perfektionistisch. Beim Golf erhält

man eigentlich jedes Mal eine


„Ohrfeige“, glaubt man, das Spiel zu

beherrschen. Das Schöne ist auch,

dass man sich durch die Handicap-

Regel stets mit Spielern sämtlicher

Klassen messen kann. Im Tennis beispielsweise

wäre das Spiel nach dem

Aufschlag oder dem ersten Return

beendet, sollte ein 50-Jähriger mit

einem 25-jährigen Halbprofi spielen.“

Eine Anmerkung für Nichtgolfer:

Das Handicap ist eine Kennzahl,

die die ungefähre Spielstärke eines

Golfers beschreibt. Vereinfacht lässt

sich sagen, dass sich das Handicap

aus der Differenz der Schläge, welche

zum Beenden eines Platzes benötigt

werden, vom Par des Platzes (in der

Regel 72) ergibt. Verschieden hohe

Handicaps können gegeneinander

aufgerechnet werden, so dass ein

Wettbewerb „auf Augenhöhe“ auch

zwischen Golfern unterschiedlicher

Spielstärke möglich wird. Und das

Faszinierende am Clubleben? Noch

einmal Fuchs: „Dass Menschen unterschiedlichsten

Alters, unterschiedlichster

Handicapklassen sich über

ein so faszinierendes Thema wie das

Golfspielen über Stunden hinweg unterhalten

können, ohne dass einem

dabei langweilig wird.“

Für den promovierten

Anwalt Kühn, Seniorpartner

einer

Düsseldorfer Anwaltssozietät,

ist

Golf Lebenserhaltung:

„Man kann

total abschalten. Die

Menschen kommen hier auf den Platz

und haben den Kopf voller wichtiger

Dinge. Man kann auf dem Platz ein-

> G e m e i n s a m <

fach an nichts anderes denken als an

den nächsten Schlag.“ Und Ingo Lüders,

Geschäftsführer des Golf Club

Hubbelrath meint: „Faszinierend für

mich ist der Sport im Einklang mit der

Natur. Sportlich reizt mich besonders

die Möglichkeit, mich ständig verbessern

zu können. Die Möglichkeit

und der Ehrgeiz, immer wieder von

Neuem an jedem Schlag zu feilen.

Es wird einfach nichts zur Routine,

nichts eintönig.“

Wo Spielfreude

zur Leidenschaft wird

Der Golf Club Hubbelrath ist einer der

ältesten Golfclubs der Republik. Insgesamt

30 dienstbare Geister schwirren

zwischen Bahnen und

Clubhaus, um die ‚Dienstleistung

Golf‘ möglichst

perfekt Mitgliedern und

Gästen darbringen zu

können. „Es ist quasi

ein mittelständisches

Unternehmen“, sagt Clubmanager

Lüders, selbst ambitionierter

Golfer mit Handicap 5.

„Dienstleistungsorientiert heißt für

mich, dass man für die Mitglieder,

für die Gäste das leistet, was auch in

einem Hotel mit einem sehr hohen

Qualitätsstandard erwartet werden

darf.“ Laut Aussage des Präsidenten

wurde der Club vor allem von alten

Düsseldorfer Familien gegründet.

„Und die haben für uns Außerordentliches

geleistet. Unter anderem

das Clubhaus gespendet. Aber ich

möchte betonen, wir sind offen für

alle Menschen, die gern Golf spielen“,

erklärt Kühn.

Golf Club Hubbelrath

Was ist das Besondere am Hubbelrather

Club? Noch einmal der Präsident:

„Wir sehen uns zusammen mit zwei,

drei anderen Clubs als einen der führenden

Golfclubs in Deutschland.

Unsere Anlage ist gerade von der „Golfwelt“

als bester Golfplatz zwischen

Münster und Mainz geratet worden.

Wir hatten hier in Hubbelrath mehrfach

die Deutschen Meisterschaften.

Das wichtigste aber ist vielleicht: Wir

sind für die Mitglieder da. Sie sollen

sich bei uns wohlfühlen.“

Ein wichtiger Aspekt ist natürlich das

Clubleben. Im Gegensatz zu anderen

Sportarten, wo meist die Generationen

unter sich bleiben, harmonieren im

Golfclub Jung und Alt hervorragend

– sagt zumindest der

Geschäftsführer. Aber wie

ist das mit den Geschäften

auf dem Golfplatz? „Sicherlich

ergeben sich im Golfclub

Möglichkeiten, Netzwerke zu

schaffen, Business anzubahnen“,

sagt Lüders. „Aber das ist hier wirklich

nicht die Hauptsache. Vor allem lernt

man hier interessante Menschen aus

den unterschiedlichsten Berufsgruppen

kennen. Ob Arzt, ob Opernsänger.

Menschen, die man vielleicht außerhalb

des Clubs nie kennengelernt

hätte.“

Sport

„Entscheidend ist das Verständnis!“

Sportlich spielt Hubbelrath mit zwei

Mannschaften (Damen/Herren) an

der Spitze der ersten Bundesliga und

stellte mit Max Glauert 2008 und

1 | 2010

13


Carolin Masson 2009 die deutschen

Meister. Für den Sport ist vor allem

Cheftrainer Roland Becker zuständig.

Becker war zuvor deutscher Nationaltrainer.

„Hubbelrath war da eine

der wenigen Adressen, die für mich

in Frage kamen. So viele Vereine, die

auf einem so hohen Niveau spielen,

gibt es hierzulande nun

mal nicht“, begründet er sein

Engagement im Düsseldorfer

Osten. Beckers Methode:

„Der klassische Golfunterricht

besteht darin, bei einem

Golfspieler jeder Alters- oder Leistungsklasse

das Spiel zu optimieren.

Dazu gehört viel technisches Knowhow.

Es selber zu können, ist nur ein

ganz kleiner Teil. Entscheidend ist

das Verständnis dafür, weshalb Dinge

bei einem Schlag passieren. Dazu gehört

heute auch die Videoanalyse. Es

gehört aber auch dazu, sich auf den

Menschen einzulassen, seine Ängste

oder Bewegungseinschränkungen zu

verstehen. Golftraining mit Bundesligaspielern

aber ist noch einmal etwas

ganz anderes: Dabei benötigt man unbedingt

deren Vertrauen. Das ist nur

durch Leistung zu erreichen. Natürlich

hilft einem dabei das Standing

eines ehemaligen Nationaltrainers.“

Der Golfclub hat mit fünf Düsseldorfer

Schulen Kooperationen geschlossen,

die es interessierten Schülern

erlaubt, innerhalb von Arbeitsgruppen

auf die Anlage zu kommen und

von Becker und seinen Kollegen in

das Golfspiel eingeführt zu werden.

In der Regel findet das auf der Driving

Range, manchmal aber auch auf

14 1 | 2010

> G e m e i n s a m <

dem Platz selber statt. „Hubbelrath

ist immer für Jugendliche offen, die

gerne Golf spielen wollen“, verspricht

Becker.

Aktiver Naturschutz

in Hubbelrath

Für die perfekte Platzanlage

ist der Engländer Christopher

Ramsden zuständig.

Der Course Manager

ist Chef der insgesamt

zehn Greenkeeper. Im

Sommer sind er und sein

Team an bis zu sieben Tagen

in der Woche damit beschäftigt, das

Green um die Löcher der beiden

Plätze auf exakten 3,5 Millimetern

zu halten. Darauf zu achten, dass das

Gras im Rough nicht die neuralgische

Höhe von 40 Zentimetern überschreitet.

Sein Erfolgsgeheimnis: „Man

muss seine Arbeit einfach lieben.“

Eine seiner wichtigsten Aufgaben ist

auch die Anpflanzung von Bäumen

und Sträuchern. Mehr als 140.000

davon haben die Greenkeeper von

Hubbelrath seit 1966 gepflanzt. „Wir

beweisen eindrucksvoll, dass ein

Golfclub keineswegs umweltschädlich

ist“, freut sich Dr. Gerd Thörner.

Der promovierte Mediziner ist im

Vorstand des Golfclubs zuständig für

den Platz. 50 Hektar des gesamten

Clubareals stehen dem Naturschutz

zur Verfügung. Vor allem werden

standortgerechte Gehölze auf den

Höhen der Anlage gepflanzt: „Sie

sind als Brut- und Nahrungsstätte für

einheimische Tiere wesentlich besser

geeignet als Fichten.“ Ramsden und

Christian Fuchs

seine Kollegen setzen faktisch keine

Pestizide oder Kunstdünger ein,

Bäche und Teiche wurden im Laufe

der Jahre renaturiert. Das Ergebnis

ist beeindruckend: 54 Vogelarten,

darunter absolute Raritäten wie Eisvogel

und Grauschnäpper brüten

auf dem Gelände. 23 Gastvogelarten

wie der Weißstorch, der Graureiher

oder der Zwergtaucher machen im

Club Zwischenstation auf ihrem Weg

in den Süden. Der Club beherbergt

die größte Grasfroschpopulation im

Düsseldorfer Raum. „Insgesamt gibt

es bei uns mehr Libellen-

und Schmetterlingsarten

als

im NaturschutzgebietUrdenbacher

Kämpe“, sagt

Thörner.

Besonders stolz ist der für den Platz

zuständige Vorstand auf die Streuobstwiesen.

Hier gedeihen traditionelle

Apfelsorten wie die Rheinische

Schafnase oder der Rheinische

Bohnapfel, die es sonst kaum noch

zu probieren gibt. Das Frühjahr ist

die schönste Zeit im Golfclub, wenn

Gehölze, Blumen und Obstbäume

ihre ganze Blütenpracht entfalten.

„Dann herrscht hier ein unbeschreiblicher

Duft“, sagt Ramsden. Diese –

auch kostspieligen – Anstrengungen

werden anerkannt. Der Golfclub

wird mit Umwelt- und Naturschutzpreisen

ausgezeichnet und trägt das

Golf- und Natur-Zertifikat des Deutschen

Golf Verbandes. Zudem ist er

offizieller Kooperationspartner des

Naturschutzbundes (NABU).


VENTURA: War Ihnen Golf in die Wiege

gelegt?

Kaymer: Nein. Begonnen habe ich mit Fußball

und bin erst im Alter von zehn Jahren

zum Golf gekommen. Ich habe dann allerdings

schnell gemerkt, dass viele meiner

Eigenschaften für Golf sehr wichtig sind und

dann versucht, mich stets zu verbessern.

VENTURA: Wie sieht ein ganz normaler

Arbeitstag abseits der Turniere des Golfprofis

Martin Kaymer aus?

Kaymer: Vor meinem Unfall im letzten Jahr

(mehrfacher Zehenbruch) bin ich nach dem

Aufstehen zunächst Joggen gegangen,

habe dann gefrühstückt und bin zur Driving

Range gefahren. Bis zum Mittagessen

habe ich trainiert. Danach habe ich meistens

9 oder 18 Loch gespielt, je nachdem

ob ich noch trainieren wollte oder nicht. Anschließend

ging es noch ins Fitnessstudio.

Seit dem Unfall habe ich das morgendliche

Joggen durch Stretching und andere Kräftigungsübungen

ersetzt.

VENTURA: Sie erwähnten eingangs für

den Golfsport wichtige Eigenschaften.

Was sind Ihre prägendsten Charaktereigenschaften?

Kaymer: Ich behaupte von mir, dass ich

zielstrebig, beharrlich und ruhig bin.

VENTURA: Wie sehen Ihre Pläne für 2010

aus? Was erträumen Sie sich?

Kaymer: Mein Wunsch ist, auch 2010 wie-

> G e m e i n s a m <

Der Ausnahmespieler

Deutschlands aktuell bester Golfer martin Kaymer im Gespräch

martin Kaymer wurde am 28.12.1984 in Düsseldorf geboren. er ist seit 2005 Profigolfer und gilt als

Riesentalent und große Hoffnung für den deutschen Golfsport. Der sieg zum auftakt der saison 2010

bei der abu Dhabi Golf Championship brachte ihn in der Weltrangliste auf Platz 6 und damit erstmals

unter die zehn besten Golfprofis der Welt. Die stadtsparkasse Düsseldorf pflegt ausgezeichnete

Kontakte zum Golfsport, insbesondere durch das stellvertretende Vorstandsmitglied Thomas Boots.

sie fördert seit langen Jahren Bundesligamannschaften. Zudem besteht eine enge Beziehung zum

Golfzentrum Hummelbachaue bei neuss, der Kaderschmiede für das deutsche spitzengolf. Hier trainiert

auch martin Kaymer bei der deutschen Trainerlegende Günter Kessler, wenn er denn in Düsseldorf

ist. Dank dieser fast schon „freundschaftlichen“ Beziehungen zu unserem Hause und dank

der Unterstützung durch seinen Trainingspartner aus amateurzeiten Christian Fuchs gelang es

VenTURa, den Weltklassegolfer während der „Qatar masters“ für ein exklusivinterview zu gewinnen.

der zwei Turniere in Europa gewinnen zu

können und außerdem bei den Majors

und WGC-Turnieren besser zu spielen. Ein

Traum wäre die Ryder-Cup-Teilnahme.

VENTURA: Die angenehmen Seiten des

Golferlebens – und die Schattenseiten?

Kaymer: Beide Seiten gehen Hand in Hand.

Auf der einen Seite sieht man sehr viel von

der Welt, auf der anderen Seite ist man sehr

selten zu Hause und somit oft von Familie

und Freunden getrennt.

VENTURA: Sie standen als Jugendspieler

bei Fortuna Düsseldorf vielleicht auch vor

einer Fußballerkarriere. Warum die Entscheidung

für Golf?

Kaymer: Weil ich im Golf selbst entscheiden

kann, was und wie ich trainiere, mein

eigener Herr bin. Mache ich Fehler, habe

ich gar nicht erst die Möglichkeit, die auf

andere zu schieben.

VENTURA: Was unterscheidet den engagierten

Amateurgolfer von einem Profigolfer?

Kaymer: Mit Sicherheit die Tatsache, dass

der Profi sich den ganzen Tag mit seinem

Sport beschäftigen kann und muss. Als

Amateur hat man generell weniger Druck,

weil nicht der Lebensunterhalt von einer

kleinen weißen Kugel abhängt.

VENTURA: Wie gehen Sie mit dem mentalen

Druck während eines Turniers um?

Kaymer: Ich empfinde das in der Situation

meistens nicht als Druck, da gerade die Turniere,

in denen ich vorne mitspielen kann,

die Momente sind, für die ich trainiere. Es

ist dann quasi der Lohn meiner Arbeit. An

den Tagen nach solchen Runden, in denen

es um viel geht, mache ich aber meistens

nur wenig, da ich dann doch die Anstrengungen

des Vortages spüre.

VENTURA: Ihre Beziehung zu Ihrer Heimatstadt

Düsseldorf?

Kaymer: Ich bin hier aufgewachsen und

fühle mich immer wieder sehr wohl, wenn

ich hierhin zurückkomme.

VENTURA: Haben Sie Zeit für Interessen

außerhalb des Golfspiels?

Kaymer: Klar! Außerhalb des Platzes versuche

ich viel Zeit mit meiner Familie und

meinen Freunden zu verbringen. Oder ich

schaue mir die kulturellen Sehenswürdigkeiten

des jeweiligen Spielorts an.

Ansonsten treibe ich gerne unterschiedlichste

Sportarten. Zudem habe ich gerade

begonnen, Spanisch zu lernen.

VENTURA: Was hätten Sie gemacht, wenn

es mit dem Profigolfen nicht so grandios

geklappt hätte?

Kaymer: Darüber hätte ich mir Gedanken

machen müssen, wenn es nicht funktioniert

hätte. Eigentlich wollte ich immer

Golfprofi werden. Zumindest aber etwas

im Bereich Sport machen.

1 | 2010

15


Marion Ackermann richtet sich in Düsseldorf ein

Es ist ihr nicht leicht gefallen, Stuttgart zu verlassen, weil sie

sich dort alles selber neu aufgebaut hatte: vom Neubau bis

zur neuen Konzeption. Das Land NRW musste einiges an Überzeugungsarbeit

leisten, doch nach einem Monat Bedenkzeit hat

sie die neue Herausforderung am Traditionshaus in der NRW-

Metropole angenommen. „Bewogen hat mich schließlich, dass

die Kunstsammlung NRW auch sehr viel mit meiner Person, meiner

Prägung zu tun hat. Über die Erzählungen meiner Mutter aus

meiner Kindheit bin ich für die Künstler begeistert worden, die

Schmalenberg damals in der Hannoveraner Kestner-Gesellschaft

ausgestellt hat. Über Armin Zweite habe ich indirekt das Thema

meiner Doktorarbeit gefunden. So habe ich zur Düsseldorfer Sammlung

eine besondere Affinität. Ebenso fand ich es sehr reizvoll, mit

der Verbindung von klassischer Moderne (K20) und Gegenwartskunst

(K21) zu arbeiten.“

Der Spagat zwischen Gewachsenem und sich wandelnder Kunst

Marion Ackermann will neue Akzente auf das Fundament setzen,

das ihre beiden Vorgänger gelegt haben: Werner Schmalenbach erwarb

erlesene Einzelwerke und legte den Fokus auf die Vermittlung,

während Armin Zweite den Sammlungsausbau und die Forschung

vorantrieb, auf globale Kontakte setzte. Was fehlt jetzt? „Vor allem

die Gegenwartsmalerei“, sagt die neue künstlerische Direktorin der

Kunstsammlung NRW. „Im K21 Ständehaus fehlt noch das 21. Jahrhundert

sowie der Bereich Zeichnung.“

Eines bleibt aber auch unter der Ägide von Marion Ackermann: Die

Düsseldorfer Häuser werden weiterhin Maßstäbe setzen, ihren hohen

Qualitätsanspruch erhalten. Dazu trägt sicherlich der ab 2010 stark

erhöhte Ankaufsetat bei. Bei der Sammlungspräsentation steht die

Einheit von K20 am Grabbeplatz und dem Ständehaus K21 im Mittelpunkt.

Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst sollen sich

besser aufeinander beziehen, sich stärker durchmischen. Für Marion

Ackermann zählt zu ihren schönsten Aufgaben, die Sammlung neu

zu beleben – sei es mit Leihgaben oder mit jungen Künstlern. Doch

46 1 | 2010

> G e m e i n s a m <

Zukunftsideen für

Düsseldorfs umgestaltete

Kunsttempel

autor: Klaus Hackert

Dr. Marion Ackermann, 1965 in Göttingen geboren, leitete von 2003 bis 2009 das Kunstmuseum

Stuttgart. Damals war sie die jüngste Museumsleiterin eines größeren Hauses in der Republik.

Geprägt hat sie aber auch ihre Arbeit als Kuratorin im Münchener Lenbachhaus. Nun hat sie den

Dienst als Nachfolgerin von Armin Zweite in der Düsseldorfer Kunstsammlung NRW angetreten. Sie

studierte in Kassel, Göttingen, Wien und München Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik

und promovierte über die autobiographischen und theoretischen Texte von Wassily Kandinsky.


Max Beckmann „Die Nacht“ 1918-1919

Beckmanns Darstellung eines Mordes

ist in brutaler Sachlichkeit ausgeführt.

Hirschhorns zeitgenössische Arbeit

steht exemplarisch für die unfreiwillige

Nachbarschaft gegensätzlicher Positionen,

die in Gewalttätigkeit mündet.

Thomas Hirschhorn, Zwei Familien, 2002

> G e m e i n s a m <

was sie nicht will ist eine ‚Eventschleuder‘: „Die Inszenierung von

Besucherschlangen ist für mich kein Wert an sich.“

Krisen, Probleme bilden für die zweifache Mutter eine Herausforderung:

„Wir haben in unserem Team ein aufregendes Jahr vor uns.

Düsseldorf ist eine Stadt in der künstlerisch gerade unheimlich viel

passiert. Wir möchten das noch ausbauen, in den Häusern der Sammlung

die Atmosphäre erzeugen, die die Künstler beflügelt und inspiriert.

Eine zentrale Rolle spielt dabei auch die nicht nur räumliche

Nähe zur Kunstakademie. „Es ist ja das Reizvolle, dass der neue Rektor

Tony Cragg ähnliche Ansätze wie ich verfolgt“, sagt die Museumsdirektorin.

Ein Anfang der Zusammenarbeit wird im Schmela-Haus,

Kunst im Dialog Silent Revolution 27.02.2010 – 13.06.2010

Bevor die Meisterwerke von Picasso bis Klee, von Pollock bis Warhol ab 10. Juli 2010 wieder in die

Räume der Kunstsammlung am Grabbeplatz einziehen, wird eine Auswahl aus dem eigenen Bestand

im Ständehaus zu sehen sein. Die Arbeiten werden in einen Dialog mit Gemälden, Skulpturen

und Installationen zeitgenössischer Künstler aus der Sammlung gesetzt. Unerwartete Begegnungen,

Konfrontationen und überraschende Verwandtschaften prägen dieses Zwiegespräch zwischen Vergangenheit

und Gegenwart. Der Titel der Präsentation „Silent Revolution“ ist einem Werk von Georg

Herold entlehnt, das seinerseits in Dialog mit Gemälden von Jasper Johns und Georges Braque tritt.

dem neuen dritten Standort der Kunstsammlung, praktiziert. Später

soll der Standort einmal eine experimentelle Probebühne werden, ein

Raum für junge Kunst. „Praktisch unser Schaufenster zur Stadt“, sagt

Ackermann. Aktuell werden hier beispielsweise in allwöchentlichen

Diskussionen die Grundlagen für die im nächsten Jahr geplante große

Beuys-Schau in Düsseldorf gelegt. Die Akademiestudenten sind regelmäßig

dabei, betreiben auch die Bar. „Das ist natürlich nur ein Anfang.

Ich möchte eben die Offenheit als persönlichen Stil einführen. Das betrifft

auch die Gastgeberrolle. Dazu gehört beispielsweise, dass am Vorabend

großer Ausstellungen wieder Künstlerfeste stattfinden werden.

Die Künstler sollen das Gefühl erhalten, willkommen zu sein – zum Feiern,

aber auch um Anteil zu nehmen, um Teil des Ganzen zu werden.“

Kunstvermittlung und neue Werkstätten

„Mein Auftrag ist es, die Menschen in Stadt und Land mit Kunst zu

erreichen. Kunstvermittlung hat daher für mich eine zentrale Bedeutung“,

lautet das Credo der Leiterin der einzigen Staatsgalerie

des Landes. Ihr Markenzeichen in Stuttgart war, dass sie von Anfang

an Ausstellungen aus dem Vermittlungsgedanken konzipierte. Vermittlung

wird zum Teil des Ganzen. Ziel ist es, den Abstand zu den

Menschen am Ort zu verringern. „Ich will vor allem auch die Düsseldorfer

begeistern, sie ermutigen, immer wieder in die Sammlung zu

kommen.“

Eine wichtige Rolle spielen dabei die geplanten acht Werkstätten

für interdisziplinäre und experimentelle Kunstvermittlung, für

die zum Teil schon Künstlerpaten feststehen. Eine davon wird Hilla

Becher sein. Sie hat die Patenschaft für die Videowerkstatt übernommen.

Ackermann wünscht sich für ihre Häuser „eine Art Kompetenzzentrum“

für die „Reflexion auf wissenschaftlicher Ebene“.

Aber auch Kunstvermittlung an Kinder, die vorher noch nicht mit

Kunst in Berührung gekommen sind. „Bildung ist einfach Chefsache“,

sagt sie. Gesehenes und Erlebtes soll in Beziehung zum Alltag

gestellt werden, nicht nur durch reines Betrachten, sondern es

sollen spielerisch alle Sinne angeregt werden.

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mediendesign (Seite 13),

Thomas Teufel, Fotolia.com

(Seite 13), Markus Scherer

(Seite 13 – 14),

Kunstmuseum Stuttgart /

Mellenthin (Seite 46),

Ralph Richter (Seite 46),

VG Bild-Kunst, Bonn 2002,

2010 (Seite 47), alle anderen

N. N. / Agenturen / privat

1 | 2010

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