Mit Energie in die berufliche Zukunft - LIFE eV

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Mit Energie in die berufliche Zukunft - LIFE eV

Worauf kommt es bei den Anforderungender Arbeitswelt an,was ist ausschlaggebend?Was bei der Bewerbung zählt, isteine überzeugende Darstellung der fachlichen, sozialen undpersönlichen Kompetenzen. Bei unseren Teilnehmerinnenkommt als weitere besondere Herausforderung die sprachlicheKomponente hinzu, hier muss mitunter sowohl dieUmgangssprache als auch die Fachsprache trainiert und beider Vorbereitung auf die Bewerbung auch korrigiert werden.Denn Arbeitgeber erwarten, dass Anschreiben und Lebenslaufin perfektem Deutsch formuliert werden.Welches Wissen vermitteln Sie den Teilnehmerinnen, damit diesefür die Anforderungen des deutschen Arbeitsmarktes bessergerüstet sind?Das Allerwichtigste ist, dass den Frauen ein Perspektivwechselgelingt. Sie müssen lernen, sich auch in deutscheArbeitgeber oder Arbeitgeberinnen hineinzuversetzen. VieleTeilnehmerinnen kommen aus osteuropäischen Ländern,dort gibt es beispielsweise klare Vorgaben, die zu erfüllensind, und strikte Hierarchien, an die man sich halten muss.In Deutschland hingegen ist oft Mitdenken erwünscht, esgibt Teamarbeit mit flachen Hierarchien und es gibt Projektarbeiten,die stark auf Eigenorganisation und Eigenverantwortungsetzen. Einige der Frauen haben beispielsweise einsehr starkes Durchsetzungsvermögen oder sind sehr zielorientiert– das ist gut, aber es bedarf auch eines gewissen Fingerspitzengefühlsgegenüber der Unternehmensleitung. Einweiteres Beispiel für den Perspektivwechsel ist die Bedeutungder Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hier leistendie meisten Frauen Gewaltiges, weil Haushaltsführung undKinder alleine in ihr Ressort fallen. Sie müssen sich jedochauch vergegenwärtigen, dass deutsche Chefs und ChefinnenArbeit und Familienbelange strikt getrennt halten möchten.Da kann man nicht einfach zwischendurchden Arbeitsplatzverlassen, um einen Behördengangfür die Familie zu erledigen.Sie sehen, es geht umCodes und Verhaltensweisen, die auch kulturell geprägt sind– und die die Frauen kennen müssen.Nun ist das Wissen um solche Gepflogenheiten das eine, sie zuverinnerlichen und automatisch anzuwenden ist aber noch einweiterer Schritt – wie üben Sie das in der Maßnahme?Dazu wende ich als Methode die Themenzentrierte Interaktionan, die sehr gut geeignet ist, um Selbstreflektion undEigenverantwortung zu fördern. Die Frauen sollen sich inDeutschland ja nicht auf Biegen und Brechen anpassen, siesollen ihre ganz eigene Persönlichkeit weiterentwickeln, indemsie Fragen und Aufgaben lösen und dann reflektieren,wie sie diese gelöst haben. Sehr viel Potential liegt hier auchim gemeinsamen Lernen in der Gruppe – als Übungsfeld fürInteraktion. Die Frauen ergänzen sich und können sehr voneinanderprofitieren.Was würde Ihrer Meinung nach das Matching zwischen denzugewanderten Akademikerinnen und hiesigen Arbeitgebernverbessern?Im Prinzip das, was wir im Projekt auch machen: Erstenssollte der Perspektivwechsel gelingen, wie schon erwähnt.Zweitens gehört dazu, dass die Teilnehmerinnen von sich ausBrücken zwischen den Kulturen bauen, denn das können sienicht von den Arbeitgebern verlangen. Drittens sollten dieFrauen ihre Präsentation und ihre Bewerbung so verbessern,dass mehr über sie selbst rüberkommt. Denn ich bin davonüberzeugt, dass die persönlichen und sozialen Kompetenzen,wie Eigeninitiative und Teamfähigkeit, für eine Einstellungausschlaggebender sind als die fachlichen Kompetenzen.21

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