Spezifikationsbericht Elektronisches Gewerberegister

tic.magazin.de

Spezifikationsbericht Elektronisches Gewerberegister

Spezifikationsbericht

Elektronisches Gewerberegister

Von

Kooperation KISA (Kommunale Informationsverarbeitung

Sachsen, Stadt Limbach-

Oberfrohna, Glauchau und Aue)

Landeshauptstadt Erfurt

Im Rahmen der Initiative

MEDIA@Komm-Transfer

Gefördert vom

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Koordiniert und unterstützt von

Transferagentur MEDIA@Komm-Transfer

Capgemini Deutschland GmbH

Oktober 2006


IMPRESSUM

Impressum

Dieser Bericht ist Teil der Veröffentlichungsreihe „Spezifikationsberichte“ im Rahmen des Projekts

MEDIA@Komm-Transfer, das durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

im Zeitraum Frühling 2004 bis Herbst 2006 gefördert wurde.

Herausgeber:

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Referat P3 – Öffentlichkeitsarbeit –

www.bmwi.de

Download:

www.mediakomm-transfer.de

Redaktion:

Transferkommune Limbach-Oberfrohna, Frank Schlosser, Leiter Kompetenzcenter

E-Government der Kommunalen Informationsverarbeitung Sachsen (KISA), Andreas Liebert,

Anwendungsbetreuer E-Government bei der KISA

Transferkommunen Landeshauptstadt Erfurt, Dr. Gerald Hartung, Leiter des Amtes für Datenverarbeitung,

Dr. Frank Roth, Projektleiter E-Government, Amt für Datenverarbeitung

Guntram Flach, Leiter der Abteilung "eGovernment & Multimedia Informations Management",

Zentrum für Graphische Datenverarbeitung e.V. (ZGDV e.V.), Rostock

Stefan Audersch, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Graphische Datenverarbeitung

e.V. (ZGDV e.V.) Rostock

Unterstützt durch Transferagentur MEDIA@Komm-Transfer, Ricarda König, Evelyn Saal, Dr.

Norbert Niemeier, Koordinator bei der Erstellung der Berichte, Capgemini Deutschland

GmbH, Public Services

Qualitätsgesichert durch Dr. Norbert Niemeier (Projektleiter) und Ricarda König, Capgemini

Deutschland GmbH, Public Services

Design und Umsetzung Inhalt:

Graphic Services, Capgemini Deutschland GmbH

Stand: Oktober 2006

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VORWORT

Vorwort

An der Nahtstelle von Staat, Wirtschaft und Bürger sind leistungsfähige Kommunen

ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes. In Verbindung

mit einer Optimierung der Prozesse bietet der Einsatz von E-Government-

Lösungen ein hohes Potenzial für Verbesserungen. So können kommunale Aufgaben

effizienter erbracht werden. Die Qualität und Transparenz der Dienste kann gesteigert

werden. Der Kontakt zu Bürgern und Wirtschaft wird verstärkt. Erweiterte Dienstleistungen

werden möglich.

Anders als auf den Ebenen von Bund und Ländern mit ausgeprägten E-Government-

Initiativen stehen die ca. 12.000 Kommunen und Kreise vor der großen Aufgabe, geeignete

Lösungen mit beschränktem Know-how und Ressourcen bereitzustellen. Mit

dem Förderprogramm MEDIA@Komm hat das Bundesministerium für Wirtschaft und

Technologie (BMWi) in den Jahren 1999 bis 2003 die Entwicklung von rechtssicherem

kommunalem E-Government maßgeblich vorangetrieben. Wichtige Standards für

Dienste der öffentlichen Verwaltung (OSCI) mit großer Bedeutung auch für Bund und

Länder (SAGA, KoopA ADV) sind entstanden.

Mit MEDIA@Komm-Transfer hat das BMWi seine Aktivität zum E-Government in den

Jahren 2004 bis 2006 fortgeführt. Zentrale Handlungsfelder waren Harmonisierung,

Verbreitung und Internationalisierung. Getragen wird MEDIA@Komm-Transfer von

20 Transferkommunen, die in einem Wettbewerb aus mehr als 100 Interessenten

ausgewählt wurden, und der Transferagentur, die vom BMWi mit der zentralen Koordination

beauftragt wurde.

Die Transferkommunen haben 24 mit Blick auf E-Government besonders relevante

kommunale Themen ausgewählt und in enger Abstimmung untereinander sowie in

eigener Regie erarbeitet. Die Ergebnisse liegen nun in Form von Spezifikationsberichten

vor. In diesen Berichten wurden strategische, technische, funktionale und organisatorische

Anforderungen an E-Government untersucht. Den Transferkommunen,

die diese Themen mit hohem Einsatz bearbeitet haben, und den Experten der

Qualitätssicherung gilt ein besonderer Dank.

Die in den Spezifikationsberichten zusammengetragenen Anforderungen, Verfahren,

Vorgehensweisen und Erfahrungen stehen allen Akteuren für eigene weitere Schritte

in das E-Government zur Verfügung. Aufgezeigter Nutzen und Wirtschaftlichkeit der

harmonisierten Verfahren machen deutlich, dass E-Government sich lohnt für Verwaltung,

Wirtschaft und Bürger. Als Leitfäden sollen diese Spezifikationsberichte Impulse

für den Transfer und die Verbreitung des E-Governments in Deutschland geben

und helfen, bisherige Zurückhaltung in der Umsetzung zu überwinden.

Ein Erfolgsfaktor von MEDIA@Komm-Transfer waren Netzwerke und Kooperationen,

die zwischen Kommunen und zwischen Staat und Wirtschaft geknüpft wurden. Jetzt

kommt es darauf an, dass die Akteure und Netzwerke (Kommunen, Datenzentralen

und Softwareunternehmen, Deutschland-Online, kommunale Spitzenverbände, Ver-

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VORWORT

bände der Wirtschaft, Initiative D21) die angestoßenen Entwicklungen weiterführen

und für möglichst flächendeckende Breitenwirksamkeit sorgen. Denn E-Government

entwickelt sich mehr und mehr zu einem wesentlichen Standortfaktor im globalen

Wettbewerb.

Berlin, im Oktober 2006

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

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INHALTSVERZEICHNIS

Inhaltsverzeichnis

Impressum.................................................................................................................. 2

Vorwort ....................................................................................................................... 3

Inhaltsverzeichnis...................................................................................................... 5

Abbildungsverzeichnis.............................................................................................. 7

Tabellenverzeichnis................................................................................................... 9

Abkürzungsverzeichnis........................................................................................... 10

1 Einleitung.......................................................................................................... 14

1.1 Ziele und Inhalte der Spezifikationsberichte........................................... 14

1.2 Gegenstand und Bearbeiter des Spezifikationsberichts „Elektronisches

Gewerberegister“.................................................................................... 16

2 Harmonisierung im Rahmen der Initiative MEDIA@KommTransfer ........... 18

3 Beschreibung des Verfahrens „Elektronisches Gewerberegister“............. 21

3.1 Ausgangslage......................................................................................... 21

3.2 Definition und Abgrenzung ..................................................................... 22

3.3 Einsatzfelder........................................................................................... 23

3.4 Nutzen.................................................................................................... 24

3.5 Wirtschaftlichkeit .................................................................................... 26

3.6 Berücksichtigung sonstiger Standardisierungs-aktivitäten ..................... 27

3.7 Gesetzliche Vorgaben ............................................................................ 27

3.7.1 Verwaltungs- und Gewerbevorschriften ................................. 27

4 Spezifikation des Verfahrens „Elektronisches Gewerberegister“ .............. 29

4.1 Technische Anforderungen und Lösungsansatz .................................... 29

4.1.1 Die technischen Anforderungen im Überblick ........................ 29

4.1.2 Beispielhafter Architekturansatz ............................................. 35

4.1.3 Sicherheitsaspekte ................................................................. 40

4.2 Funktionale Anforderungen .................................................................... 41

4.3 Organisatorische Anforderungen, dargestellt an Praxisbeispielen......... 42

4.3.1 Gewerbeanzeige online im Freistaat Sachsen

(medienbruchfreier Workflow)................................................. 43

4.3.2 Die Gewerbeanmeldung in Mecklenburg Vorpommern

(medienbruchfreier Workflow)................................................. 60

4.3.3 Die Gewerbeauskunft im Freistaat Thüringen ........................ 67

4.3.4 Administrationsanwendungen ................................................ 75

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INHALTSVERZEICHNIS

Literaturverzeichnis................................................................................................. 77

Anhang 1: § 14 Gewerbeordnung........................................................................... 78

Anhang 2: Schutzbedarfsfeststellung für das eGWR........................................... 83

Anhang 3: Maßnahmen zur Erfüllung der Sicherheitsanforderungen................ 90

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ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Charakterisierung der Spezifikationsberichte ....................................... 15

Abbildung 2: Der Beitrag der Harmonisierungsvorhaben zur Fortentwicklung des E-

Governments ............................................................................................................. 19

Abbildung 3: Ist-Zustand der bisherigen Lösungen für eine Gewerbeanzeige .......... 22

Abbildung 4: Soll-Zustand eines elektronischen Gewerberegisters online ................ 23

Abbildung 5: Die Beteiligten der elektronischen Gewerbeanzeige/-an-, um- und

abmeldung ................................................................................................................. 24

Abbildung 6: Dialogmodus am Beispiel der KISA ...................................................... 33

Abbildung 7: Formularmodus am Beispiel der KISA.................................................. 34

Abbildung 8: Beispielhafter Architekturansatz ........................................................... 36

Abbildung 9: Schichtenmodell der Architektur ........................................................... 37

Abbildung 10: Beispielarchitektur der Middleware in der Landeshauptstadt Erfurt.... 39

Abbildung 11: Beispiel für Nutzergruppen (Gewerbeanzeige online im Freistaat

Sachsen).................................................................................................................... 44

Abbildung 12: Beispiel für Rechte (Gewerbeanzeige online im Freistaat Sachsen).. 45

Abbildung 13: Workflow der Gewerbeanzeige zwischen Gemeinde und Landkreis im

Freistaat Sachsen ...................................................................................................... 46

Abbildung 14: Erstellung der Online-Gewerbeanzeige ( E-Bürgerdienst).................. 47

Abbildung 15: Assistent für die Anzeige eines Gewerbes ......................................... 48

Abbildung 16: Gewerbeanzeige von der Gemeinde mit Fremdverfahren an das

eGWR ........................................................................................................................ 50

Abbildung 17: Datenübermittlung Kommune – Landratsamt ..................................... 51

Abbildung 18: Gewerbeanzeige mit elektronischer Rückinformation......................... 52

Abbildung 19: Elektronische Rückinformation an die Gemeinde bei Ablehnung der

Gewerbeanzeige durch das Landratsamt .................................................................. 53

Abbildung 20: Datenübermittlung Kommune – Landratsamt ..................................... 54

Abbildung 21: E-Bürgerdienst Gewerbeanzeige online mit Anbindung

Fremdverfahren ......................................................................................................... 55

Abbildung 22: Auswertung der Gewerbedatenbank am KISA-Beispie ...................... 57

Abbildung 23: Klassen von Gewerbeanmeldungen ................................................... 62

Abbildung 24: Workflow für die Anmeldung eines anzeigepflichtigen Gewerbes ...... 63

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ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 25: Workflow für die Anmeldung eines erlaubnispflichtigen Gewerbes .... 64

Abbildung 26: Workflow für die Anmeldung eines erlaubnispflichtigen Gewerbes –

Gastronomie .............................................................................................................. 65

Abbildung 27: Workflow für die Anmeldung eines erlaubnispflichtigen Gewerbes –

Bewachung ................................................................................................................ 66

Abbildung 28: Funktionsschema autorisierte Auskunft – Autorisierung..................... 69

Abbildung 29: Online Gewerberegisterauskunft – Funktionsfluss ............................. 70

Abbildung 30: Online-Gewerberegisterauskunft – Architektur ................................... 71

Abbildung 31: Online Gewerberegisterauskunft – Bürgersicht .................................. 72

Abbildung 32: Formular einer Suchmaske für autorisierte Behörde am Beispiel der

Stadt Erfurt................................................................................................................. 73

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TABELLENVERZEICHNIS

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Nutzen des elektronischen Gewerberegisters für einzelne Gruppen........ 25

Tabelle 2: Schutzbedarfsklassen ............................................................................... 84

Tabelle 3: Schutzbedarfsfeststellung für das Sicherheitsziel Vertraulichkeit ............. 85

Tabelle 4: Schutzbedarfsfeststellung für das Sicherheitsziel Verbindlichkeit

(Gesamtdarstellung) .................................................................................................. 86

Tabelle 5: Schutzbedarfsfeststellung für das Sicherheitsziel Integrität...................... 86

Tabelle 6: Schutzbedarfsfeststellung für das Sicherheitsziel Authentizität und Nicht-

Abstreitbarkeit der übertragenen Daten..................................................................... 87

Tabelle 7: Schutzbedarfsfeststellung für das Sicherheitsziel Authentizität der

Kommunikationspartner............................................................................................. 88

Tabelle 8: Schutzbedarfsfeststellung für das Sicherheitsziel Vertraulichkeit ............. 89

Tabelle 9: Schutzbedarfsfeststellung für das Sicherheitsziel Verfügbarkeit .............. 89

Tabelle 10: Verschlüsselung in Abhängigkeit vom Schutzbedarf der Vertraulichkeit 90

Tabelle 11: Einsatz von Signaturen in Abhängigkeit vom Schutzbedarf der

Verbindlichkeit............................................................................................................ 91

Tabelle 12: Auswirkungen eines Schriftformerfordernisses auf den Einsatz von

Signaturen.................................................................................................................. 91

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ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abkürzungsverzeichnis

ABl. EG Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften

ASP Application Service Providing

API Application Programming Interface

B2G Business-to-Government (eine Beziehungsebene im E-

Government)

BayLfStaD Bayerischen Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung

BITV Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung

BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (vormals Bundesministerium

für Wirtschaft und Arbeit, BMWA)

BSI Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik

bzgl. bezüglich

bzw. beziehungsweise

C2G Citizen-to-Government (eine Beziehungsebene im E-Government)

ca. cirka

CGI Common Gateway Interface (Technik im Bereich der Webserver)

HWK Handwerkskammer

DES Data-Exchange-Service

d. h. das heißt

DIN Deutsches Institut für Normung

EDIFACT Electronic Data Interchange For Administration, Commerce and

Transport

EDV Elektronische Datenverarbeitung

E-Government Electronic Government

eGWR elektronisches Gewerberegister

E-Mail Electronic Mail

etc. et cetera

EUR Euro

EWG Europäische Wirtschaftsgemeinschaft

FTP File Transfer Protocol (ein Netzwerkprotokoll zur Dateiübertragung)

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ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

G2G Government-to-Government (eine Beziehungsebene im

E-Government)

GewA Gewerbeanzeige

GewA2 Gewerbe-Ummeldung

GewO Gewerbeordnung

ggf. gegebenenfalls

HTTP HyperText Transfer Protocol (ein Protokoll zur Übertragung von

Daten über ein Netzwerk)

HTTPS HyperText Transfer Protocol Secure

HTML Hyper Text Markup Language (dient der Darstellung von meist statischen

Inhalten wie Texten, Bildern und Hyperlinks in einem Webbrowser)

ID Identifikator

IDE Integrated Development Environment (eine integrierte Entwicklungsumgebung

für Computerprogramme)

i. d. R. in der Regel

IHK Industrie- und Handelskammer

IHL InfoHighway – Landesverwaltung (ein Behördennetz im Freistaat

Sachsen)

IKOL-GW Integrierte Kommunale Lösungen – Gewerberegister (Programm

zur Erfassung und Verwaltung der Gewerbeanzeigen)

IP Internet Protocol (ein Protokoll in der Netzwerktechnik)

ISIS-MTT Industrial Signature Interoperability Specification

MailTrusT-Standard

ISO International Standardization Organization

IT Informationstechnik /-technologie

Kap. Kapitel

KBSt Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik

in der Bundesverwaltung

KDN Kommunales Datennetz Sachsen (Behördennetz im Freistaat

Sachsen)

KGSt Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement

KISA Kommunale Informationsverarbeitung Sachsen

o. g. oben genannt

OSCI Online Services Computer Interface

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ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Mio. Millionen

NTP Network-Time-Protocol

PC Personal Computer

PIN Persönliche Identifikationsnummer

PDF Portable Document Format

PPP Public Private Partnership

RMI Remote Method Invocation

s. siehe

s. a. siehe auch

SAGA Standards und Architekturen für E-Government

SIGA Sichere Integration von E-Government-Anwendungen

sog. so genannt

SMTP Simple Mail Transfer Protocol (ein Protokoll, das zum Austausch

von E-Mails in Computernetzen dient)

SOAP Simple Object Access Protocol (ein Protokoll, mit dessen Hilfe Daten

zwischen Systemen ausgetauscht und Remote Procedure

Calls durchgeführt werden)

SQL Structured Query Language (eine deklarative Datenbanksprache

für relationale Datenbanken)

SQL-DB Structured Query Language Database

s. u. siehe unten

TCP Transport Control Protocol (ein Protokoll in der Informationstechnologie)

u. a. unter anderem

URL Uniform Resource Locators

usw. und so weiter

u. U. unter Umständen

VESUV Verteilte Software-Agenten für sichere, rechtsverbindliche Aufgabendelegation

in mobilen, kollaborativen Anwendungen (ein vom

BMWA gefördertes Projekt)

VPN Virtual Private Network

vgl. vergleiche

W3C World Wide Web Consortium

WCAG Web Content Accessibility Guidelines

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ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

WiBe Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

WZ Wirtschaftszweige

XML Extensible Markup Language

XSD XML Schema Definition

XSLT Extensible Stylesheet Language Transformations (eine funktionale

Programmiersprache zur Transformation von XML-Dokumenten)

XÖV Zusammenfassung der verschiedenen, fachlich orientierten Standards

für den interoperablen Datenaustausch im E-Government

z. B. zum Beispiel

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1 EINLEITUNG

1 Einleitung

Die Initiative MEDIA@Komm-Transfer des Bundesministeriums für Wirtschaft und

Technologie verfolgt das Ziel, E-Government auf kommunaler Ebene zu fördern. Ein

Netzwerk von zwanzig Transferkommunen erarbeitete Ansätze im nationalen und

internationalen Bereich, wie kommunales E-Government weiterentwickelt werden

kann. Hierbei wurden sie von der Transferagentur unterstützt, die durch Capgemini

Deutschland gestellt wird.

Die Initiative MEDIA@Komm-Transfer ist in drei Aufgabenbereiche untergliedert (nähere

Informationen siehe Kapitel 2):

• Harmonisierung: Ziel der Harmonisierung war es, Anforderungen an kommunales

E-Government über regionale Grenzen hinweg zu bestimmen und zu dokumentieren.

Die Transferkommunen haben sich hierfür in Arbeitsgruppen zusammengefunden

und mit Unterstützung der Transferagentur zu einzelnen Themenstellungen

Spezifikationsberichte erarbeitet, die ein wesentliches Ergebnis der Initiative

MEDIA@Komm-Transfer darstellen.

• Verbreitung: Die in den Transferkommunen vorliegenden Erfahrungen und die

Ergebnisse der Harmonisierung wurden auf zentralen und regionalen Veranstaltungen

einem breiten Publikum vorgestellt und in individuellen Workshops mit interessierten

Kommunen diskutiert. So wurde eine breite Öffentlichkeit für das

Thema kommunales E-Government erreicht.

• Internationale Kooperation: Weiteres Ziel war es, auch auf internationaler Ebene

kommunales E-Government aus Deutschland bekannt zu machen und mit internationalen

Initiativen zu vernetzen. Kooperationen wurden insbesondere im

Bereich der EU und Osteuropa etabliert.

Bei dem hier vorliegenden Dokument handelt es sich um einen Spezifikationsbericht

aus dem Aufgabenbereich der Harmonisierung. Im Folgenden werden die Ziele und

Inhalte der Spezifikationsberichte zunächst allgemein und anschließend bezogen auf

das in diesem Bericht behandelte Verfahren erläutert.

1.1 Ziele und Inhalte der Spezifikationsberichte

Ein wesentliches Resultat der Arbeiten der einzelnen Vorhaben im Rahmen der Harmonisierung

sind die Spezifikationsberichte. Die Spezifikationsberichte beschreiben

Verfahren und Konzepte mit dem Ziel, eine Harmonisierung innerhalb des kommunalen

E-Governments voranzutreiben (s. Abbildung 1).

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1 EINLEITUNG

Der Spezifikationsbericht ist …

• … eine detaillierte Beschreibung

des Verfahrens hinsichtlich

– der Grundmerkmale wie

Funktionalität, Nutzen,

Wirtschaftlichkeit

– der technischen, funktionalen

und organisatorischen Anforderungen

• … ein Leitfaden zur Handhabung

des Verfahrens in den

Kommunen

* Vgl. KBSt 2005

Abbildung 1: Charakterisierung der Spezifikationsberichte

• … komplette Beschreibung der

Verfahren

• … Charakterisierung der Verfahren

nach dem SAGA-Prinzip

(Viewpoint etc.) *

Der Spezifikationsbericht liefert

keine …

• … komplette Beschreibung der

Verfahren

• … Charakterisierung der Verfahren

nach dem SAGA-Prinzip

(Viewpoint etc.)

• … Standards im Sinne der Festlegung

von Lösungen

• … Anleitung zum Roll-out von

Produkten

*

Der Spezifikationsbericht liefert

keine …

• … Standards im Sinne der Festlegung

von Lösungen

• … Anleitung zum Roll-out von

Produkten

Hauptadressaten 1 der Spezifikationsberichte sind folglich zuerst Kommunen, 2 die

sich damit befassen, die in den Spezifikationsberichten beschriebenen Anwendungen

oder Komponenten des E-Governments einzuführen. Zweite Zielgruppe sind Unternehmen,

die Softwarelösungen für die in den Berichten beschriebenen E-Government-Anwendungen

und -Komponenten entwickeln.

Die Spezifikationsberichte dienen vor allem als Leitfaden. Darüber hinaus sind es Berichte

aus der Praxis mit Fallbeispielen zur Verdeutlichung von abstrakten Anforderungen.

Weiterhin stellen die Transferkommunen ihre Vorgehensweisen zum jeweiligen

Harmonisierungsverfahren vor. Damit wird der pragmatische Charakter der Spezifikationsberichte

deutlich hervorgehoben.

Die Spezifikationsberichte sind das Ergebnis von interkommunalen Arbeitsgruppen,

in denen die beteiligten Transferkommunen kooperativ zusammengearbeitet haben.

Die Grundlage der Berichte sind die konkreten Entwicklungs- und Implementierungsaktivitäten

der Kommunen, die an der jeweiligen Arbeitsgruppe beteiligt waren. Die

Definition und Konkretisierung der jeweiligen Inhalte der Spezifikationsberichte erfolgte

gemeinsam mit der Transferagentur. Um die Berichte auf ein solides Fundament

1 In dem vorliegenden Dokument wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit auf die gesonderte Nennung beider

Genera verzichtet. Bei Nennung nur einer grammatikalischen Form sind grundsätzlich sowohl weibliche als auch

männliche Personen gemeint.

2 Der Begriff „Kommunen“ wird hier als Oberbegriff für alle kommunalen (Gebiets-)Körperschaften, wie Gemeinden,

Kreise, kreisfreie Städte oder Kommunalverbände mit eigenen Selbstverwaltungsaufgaben, verwendet (vgl. Andersen

1997, S. 174).

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1 EINLEITUNG

zu stellen, wurden diese von Anfang an mit Experten aus Kommunen, Verbänden,

Wissenschaft und Wirtschaft abgestimmt. Hiermit geht die Zielstellung einher, einen

möglichst breiten Konsens herzustellen und somit eine Doppel- oder Parallelarbeit an

Spezifikationen in verschiedenen kommunalen Gremien zu vermeiden. Dies schont

wertvolle Ressourcen und reduziert aufwändige und – aufgrund oftmals verfestigter

Interessenlagen – mühselige Ex-post-Abstimmungen mit ungewissem Ausgang. Überdies

ist im Falle verwaltungsebenen-übergreifender Anwendungen und Verfahren

die frühzeitige Kooperation bei der Erstellung von Spezifikationen zwingend.

Vor diesem Hintergrund wurden die Spezifikationen in allen relevanten Harmonisierungsvorhaben

mit den Vertretern der nationalen Gremien (z. B. TeleTrusT, DIN,

OSCI-Leitstelle) diskutiert und mit den Arbeitsgruppen der Initiative Deutschland-

Online abgestimmt. Außerdem wurde bei der Erarbeitung der Spezifikationen der

Sachverstand der Vertreter der MEDIA@Komm-Regionen Bremen, Esslingen und

des Städteverbundes Nürnberg hinzugezogen, sofern dies inhaltlich geboten schien

und alle Beteiligten dies als sinnvoll ansahen.

1.2 Gegenstand und Bearbeiter des Spezifikationsberichts

Elektronisches Gewerberegister

Dieser Bericht stellt einen Handlungsleitfaden dar für die Einführung eines elektronischen

Gewerberegisters als E-Governmentlösung mit elektronischem Datenaustausch

zur Vermeidung von Medienbrüchen bei allen beteiligten Verwaltungen und

Institutionen. Es werden hier sowohl die technischen als auch die organisatorischen

Voraussetzungen für eine solche E-Governmentlösung beschrieben.

Nicht Gegenstand des Berichtes ist die inhaltlich-funktionale Beschreibung eines

Gewerbeverfahrens in Bezug auf die fachliche Tätigkeit der Sachbearbeiter in Städten,

Gemeinden und Landkreisen. Eine solche Beschreibung wäre für den vorliegenden

Bericht zu umfassend. Weiterhin kann vorausgesetzt werden, dass das Wissen

zum fachlichen Leistungsumfang eines Gewerbeverfahrens bei den Beteiligten vorliegt.

Im Rahmen von MEDIA@Komm-Transfer soll eine Konzentration auf die

E-Governmentfunktionalität erfolgen und damit Neuland betreten werden.

An der Erstellung des Spezifikationsberichts wirkten mit:

• für die federführende Transferkommune Limbach-Oberfrohna:

– Herr Frank Schlosser, Leiter Kompetenzcenter E-Government der Kommunalen

Informationsverarbeitung Sachsen (KISA);

– Herr Andreas Liebert, Anwendungsbetreuer E-Government bei der KISA;

• für die beteiligte Transferkommunen Landeshauptstadt Erfurt :

– Herr Dr. Gerald Hartung, Leiter des Amtes für Datenverarbeitung;

– Herr Dr. Frank Roth, Projektleiter E-Government, Amt für Datenverarbeitung;

• weitere Beteiligte:

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1 EINLEITUNG

– Herr Guntram Flach, Leiter der Abteilung "eGovernment & Multimedia Informations

Management", Zentrum für Graphische Datenverarbeitung e.V.

(ZGDV e.V.), Rostock;

– Herr Stefan Audersch, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Graphische

Datenverarbeitung e.V. (ZGDV e.V.) Rostock;

• unterstützend von der Transferagentur:

– Frau Ricarda König, Mitarbeiterin im Bereich Public Services der Capgemini

Deutschland GmbH;

– Frau Evelyn Saal, Mitarbeiterin im Bereich Public Services der Capgemini

Deutschland GmbH;

– Herr Dr. Norbert Niemeier, Koordinator bei der Erstellung der Berichte, Mitarbeiter

im Bereich Public Services der Capgemini Deutschland GmbH.

Die Autoren danken Herrn Hansjörg Zitzmann, Bayrisches Landesamt für Statistik

und Datenverarbeitung, und Herrn Jan Hegewald, sd&m AG, für wertvolle Anregungen

zu diesem Spezifikationsbericht.

Die Projektgruppe setzte sich aus den kreisangehörigen Städten Aue, Glauchau und

Limbach-Oberfrohna, zusammen mit der KISA als kommunalem Gebietsrechenzentrum,

und der Landeshauptstadt Erfurt als kreisfreier Stadt zusammen. Daher war es

möglich, im vorliegenden Bericht zwei Anforderungsprofile, jeweils bezogen auf die

Rechtslage in den Ländern Sachsen und Thüringen, zu beleuchten und darzustellen.

Unterschiede wurden an den entsprechenden Stellen herausgearbeitet. Mit dem

ZGDV Rostock, welches sich im Auftrag der Stadt Rostock mit dem Problem des Elektronischen

Gewerberegisters beschäftigt, konnte ein Partner gewonnen werden,

welcher die Aspekte eines weiteren Bundeslandes einbringt. Stellvertretend für die

Empfängerbehörden konnten die Thüringer HWK und IHK in die Projektgruppe eingebunden

werden.

Der folgende Spezifikationsbericht beginnt mit der Darstellung der Initiative

MEDIA@Komm-Transfer im Hinblick auf die Inhalte und Ziele der Harmonisierung.

Im nachfolgenden Kapitel wird das Verfahren elektronisches Gewerberegister definiert

und anhand der Aspekte Einsatzfelder, Nutzen für verschiedene Nutzergruppen,

Wirtschaftlichkeit und gesetzliche Grundlagen beschrieben. In Kapitel 3 werden

schließlich die Anforderungen an das Fachverfahren aus organisatorischer, funktionaler

und technischer Sicht näher ausgeführt. Da das Verfahren aus verschiedenen

Teilkomponenten besteht, werden diese im organisatorischen Teil näher ausgeführt.

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2 HARMONISIERUNG IM RAHMEN DER INITIATIVE

MEDIA@KOMMTRANSFER

2 Harmonisierung im Rahmen der Initiative

MEDIA@KommTransfer

Harmonisierung ist – wie eingangs dargestellt – neben der Verbreitung und der Internationalisierung

eine der drei Hauptaktivitäten der Initiative MEDIA@Komm-Transfer

des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi, vormals Bundesministerium

für Wirtschaft und Arbeit, BMWA).

Diese Initiative ist ein wesentlicher Pfeiler der Bemühungen der Bundesregierung,

eine leistungsfähigere und dabei kostengünstigere öffentliche Verwaltung zu schaffen.

MEDIA@Komm-Transfer unterstützt im Rahmen von Deutschland-Online die

Modernisierung der Kommunalverwaltungen in Deutschland. Ein selbstorganisierter

Prozess der Entwicklung und Verbreitung von E-Government-Verfahren wird in Gang

gebracht, der geeignet ist, Verwaltungsvorgänge zu vereinfachen, die Beteiligungsmöglichkeiten

für die Bürgerinnen und Bürger zu fördern und die Nachfrage bei Hard-

und Softwareherstellern sowie bei Dienstleistern zu erhöhen.

MEDIA@Komm-Transfer soll dazu beitragen, die Entwicklung von E-Government

bundesweit zu beschleunigen und zu harmonisieren sowie die Position des

E-Government-Standorts Deutschland im internationalen Wettbewerb zu verbessern.

Durch die Verknüpfung besonders viel versprechender kommunaler und regionaler

Initiativen zu einem länderübergreifenden E-Government-Netzwerk sollen der Transfer

von Best Practice-Verfahren und von Know-how erleichtert, Standards weiterentwickelt

und Selbstorganisationsprozesse für die weiterführende Verbreitung angestoßen

werden. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft intensiviert werden,

damit das Wachstums- und Beschäftigungspotenzial von E-Government genutzt

werden kann. Dies schließt auch die Vertiefung internationaler Kontakte und Kooperationen

zur Förderung der digitalen Integration Europas und die Erschließung neuer

Exportchancen mit ein.

Die zwanzig MEDIA@Komm-Transfer-Kommunen, welche im Jahre 2003 im Rahmen

einer Interessenbekundung von einer unabhängigen Jury, gebildet von Vertretern

der kommunalen Spitzenverbände, 3 des BMWi und der Wissenschaft, ausgewählt

wurden, entwickeln Verfahren und Komponenten. Sie beschreiben diese unter

technischen, funktionalen und organisatorischen Gesichtspunkten.

Zur Unterstützung und Koordination der dezentralen Aktivitäten in den Transferkommunen

wählte das BMWi die Unternehmensberatung Capgemini als Transferagentur

für die mehr als zweijährige Laufzeit des Projekts MEDIA@Komm-Transfer aus.

Die Harmonisierungsvorhaben im MEDIA@Komm-Transfer-Projekt haben eine wesentliche

Bedeutung in der Herausbildung von zukunftsfähigem E-Government, das

3 Die kommunalen Spitzenverbände haben sich beim letzten Wahlgang ihrer Stimme enthalten.

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2 HARMONISIERUNG IM RAHMEN DER INITIATIVE

MEDIA@KOMMTRANSFER

als integriertes, nutzenorientiertes und wirtschaftliches E-Government – fokussiert auf

medienbruchfreie Transaktionen – zu verstehen ist.

Harmonisierung bedeutet, jenseits der historisch gewachsenen, zum Teil gravierend

unterschiedlichen Lösungsansätze, einzelne Verwaltungsverfahren bzw. Komponenten

in ihren wesentlichen Anforderungen zu spezifizieren. Es werden funktionale und

technische Anforderungen sowie die organisatorischen Voraussetzungen zur Gewährleistung

einer rechtsverbindlichen, authentifizierten und sicheren Transaktion

zwischen kommunaler Verwaltung und ihren Kunden ausreichend und detailliert dargestellt.

Nach Maßgabe des in Art. 28a Grundgesetz verbrieften kommunalen Selbstverwaltungsrechts

und des sich daraus ableitenden, spezifisch kommunalen Vergaberechts

können weiterreichende Ziele, wie etwa eine für die Kommunen und Marktteilnehmer

verbindliche Standardisierung von Verfahren und Komponenten, nicht verfolgt werden.

Standardisierungen kann es unter den verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen

in Deutschland nur für die Bundesverwaltung und die Landesbehörden in ihrem

rechtlichen Wirkungsbereich geben. So können sich Bundes- und Landesverwaltungen

dazu verpflichten, zur Unterstützung der internen wie externen Aufgabenverrichtung

und Kommunikation standardisierte Verfahren und Produkte beispielsweise

aus der XÖV-Welt zu verwenden. Gegenüber den Kommunen wird es dagegen immer

nur ein Angebot geben, ein einheitliches Verfahren zu nutzen.

Von zentraler Bedeutung ist die Präzisierung unterschiedlicher Themenstellungen in

den Spezifikationsberichten, sei es in technischer, funktionaler oder organisatorischer

Hinsicht. Dies bedeutet, dass durch die Spezifikationsberichte eine Klärung der Semantik

erfolgt. Bestehende Ansätze und Lösungen werden konkret für die Kommunen

beschrieben und ausgearbeitet. Diese können als Richtschnur für das Handeln

der Kommunen dienen. Über spezifische Anpassungen können einzelne Kommunen

die Inhalte der Spezifikationsberichte auf ihren konkreten Bedarf hin ausrichten (siehe

Abbildung 2).

Leitbild von zukunftsfähigem E-Government

Inhalt der Harmonisierung

Beschreibung der technischen,

funktionalen und

organisatorischen Anforderungen

der Verfahren und

Komponenten des

E-Governments

Ziel

Handlungssicherheit für

Kommunen und

Dienstleister

Zukünftiges Ergebnis

Modernisierung der

Kommunalverwaltung

Klärung der Semantik für

E-Government-Anbieter und

-Nachfrager

Abbildung 2: Der Beitrag der Harmonisierungsvorhaben zur Fortentwicklung des

E-Governments

Weiterhin besteht die Hoffnung, dass die mit den Spezifikationsberichten gegebene

Harmonisierung der Verfahren dazu führen wird, dass Kommunen ihre Ausschreibungen

weitgehend nach diesen harmonisierten Verfahren ausrichten und Softwarehersteller

zunehmend ihre Produkte entsprechend der Verfahrensbeschreibungen

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2 HARMONISIERUNG IM RAHMEN DER INITIATIVE

MEDIA@KOMMTRANSFER

entwerfen bzw. anpassen. Dies ist ein Beitrag, um dem Flickenteppich aus Einzellösungen

durch eine relative Vereinheitlichung der Vorgehensweisen und der Softwareprodukte

– oder zumindest deren Schnittstellen – entgegen zu wirken.

Harmonisierungsaktivitäten bewegen sich strikt im vorwettbewerblichen Raum, dienen

aber dazu, den Wettbewerb transparenter zu gestalten. Harmonisierung trägt

somit dazu bei, das Handlungsfeld für Kommunen wie für Produkt- und Dienstleistungsanbieter

transparent zu gestalten und einen gemeinsamen Bezugsrahmen für

Angebot und Nachfrage zu schaffen.

Was ist nun der Gegenstand der Harmonisierung? Betrachtet werden die technischen,

funktionalen und organisatorischen Anforderungen an das jeweilige Verfahren.

Nur wenn der Datenaustausch aufgrund einheitlicher Protokolle und eindeutiger

semantischer Festlegungen erfolgt, können Transaktionen medienbruchfrei und mit

gegenüber heutigen Verhältnissen erheblich verringertem Aufwand durchgeführt

werden. Zukunftsfähiges E-Government ist ferner nur möglich, wenn die Geschäftsprozesse

innerhalb der Verwaltung und in den Kooperationen mit externen (privaten

oder öffentlichen) Akteuren angepasst sind. Eine wesentliche Aufgabe der Spezifikationsberichte

besteht folglich darin, für die jeweiligen Harmonisierungsvorhaben die

technischen und funktionalen Merkmale der Verfahren bzw. Komponenten zu definieren

und die organisatorischen Voraussetzungen zu identifizieren, die einen Datenaustausch

und einen optimierten Geschäftsprozess möglich machen sowie die Funktionalität

des Verfahrens sicherstellen.

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3 BESCHREIBUNG DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

3 Beschreibung des Verfahrens „Elektronisches

Gewerberegister

In diesem Kapitel wird zunächst als Ausgangssituation das bislang übliche Vorgehen

bei der Anzeige eines Gewerbes geschildert. Anschließend wird als Weiterentwicklung

dessen das Verfahren elektronisches Gewerberegister definiert und anhand der

Aspekte Einsatzfelder, Nutzen für verschiedene Nutzergruppen, Wirtschaftlichkeit

und gesetzliche Grundlagen näher beschrieben.

3.1 Ausgangslage

Für die Gewerbeanzeige gemäß § 14 Gewerbeordnung (GewO) sind in der Regel die

Gemeinden oder kreisfreien Städte zuständig. Die Daten zu den angezeigten Gewerben

sowie deren Inhabern werden von den zuständigen Städten und Gemeinden in

einem Gewerberegister (siehe Kapitel 3.2) geführt. Insbesondere in kleinen Gemeinden

existiert ein solches Register häufig noch in Papierform, die Regel ist aber eine

datenbankbasierte Softwarelösung. In einigen Bundesländern sind für die Prüfung

von Gewerbeanzeigen kreisangehöriger Gemeinden die Landratsämter zuständig,

die wiederum ein Gewerberegister auf Kreisebene führen.

Für die Vorgänge der Gewerbeanzeige ist jeweils ein spezieller Formularsatz zu verwenden.

Ein solcher Formularsatz besteht je nach Bundesland aus einem Original

sowie 13 bis 14 Durchschriften. Das Original und eine Durchschrift für die Steuerstelle

verbleiben bei der entgegennehmenden Gemeinde, die weiteren Exemplare gehen

nach der Erfassung an folgende Stellen: Anzeigepflichtiger (Empfangsbescheinigung),

Landratsamt, IHK, Handwerkskammer, Staatliches Umweltfachamt, Staatliches

Gewerbeaufsichtsamt, Eichamt, Bundesagentur für Arbeit, Hauptverband der

gewerblichen Berufsgenossenschaften, Registergericht, Finanzamt, Statistisches

Landesamt, Zollverwaltung. Die Exemplare der genannten Stellen enthalten dabei

nur einen Teil der Daten. Die jeweiligen Inhalte bestimmen sich nach § 14 Abs. 5

GewO.

Die Daten müssen ebenso oft erfasst, geprüft und plausibilisiert werden. Es besteht

die Gefahr unterschiedlicher Signierschlüssel und unterschiedlicher Behandlung bei

Plausibilitätskontrollen, was in der Regel inkonsistente Datenbestände bei den einzelnen

öffentlichen Stellen zur Folge hat, die mit den Datenbeständen aufgrund ihrer

Aufgaben umgehen müssen. Alles in allem liegt eine komplexe und fehleranfällige

Prozesskette bei der Gewerbeanzeige vor. Ein durchgängiges E-Governmentverfahren

ist für diesen Prozess geradezu prädestiniert. Allein durch den Wegfall der

mehrfachen Erfassung in den einzelnen Behörden können Bearbeitungsaufwände in

Größenordnungen eingespart werden. Dazu kommen die qualitativen Vorteile einer

einheitlichen Datenerfassung für die Datenbestände der Empfängerbehörden.

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3 BESCHREIBUNG DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Gewerbetreibender

Bürger

GewerbeamtGemeinde

• Medienbruch bei der Mehrzahl der

Übermittlungen,

• keine normierten Kategorien,

• mehrfache manuelle Erfassung der

Daten,

• keine gleichen Plausibilitäten

(Datensatz nicht zu 100% übernehmbar)

� Keine konsistenten Datenbestände

Unterschiedlicher Datenbestand ohne

normierte Kategorien � unterschiedliche

Ergebnisse bei Statistiken

Landratsamt

EDIFACT

Abbildung 3: Ist-Zustand der bisherigen Lösungen für eine Gewerbeanzeige

3.2 Definition und Abgrenzung

Handwerkskammer

Bundesagentur

für

Arbeit

Finanzamt

und weitere

9 Behörden

Statistisches

Landesamt

Ein elektronisches Gewerberegister (eGWR) ist nun ein Verfahren zur Registrierung

und Verwaltung aller anzeigepflichtigen Gewerbe, Inhaber und Betriebsstätten mit

Beginn der Anzeige nach der Gewerbeordnung und allen damit verbundenen Prozessen

mit Mitteln der Informationstechnologie.

Das Gewerberegister gehört zu den nicht öffentlichen Registern. Aus dem Gewerberegister

können jedoch Auskünfte auf besonderen Antrag hin erteilt werden. Die Inhalte

der Auskünfte bestimmen sich nach den Abs. 6 und 8 des § 14 GewO. Ein

eGWR soll für diese Auskünfte einen Online-Dienst bereitstellen. Weiterhin müssen

für die Weitergabe von Daten gem. § 14, Abs. 7 GewO entsprechende Online-

Recherchen möglich sein.

Unter dem Gesichtspunkt von möglichst durchgängigen E-Governmentlösungen erreichen

die Anforderungen an ein eGWR eine neue Qualität. Das Verfahren der An-,

Ab- und Ummeldung eines Gewerbes (Gewerbeanzeige und -anmeldung) soll auf

Basis von Web-Technologie in möglichst hoher Flächendeckung zum Einsatz gebracht

werden. Die Daten sollen nur noch an einer Stelle – möglichst durch den Gewerbetreibenden

– erfasst, geprüft und plausibilisiert werden. Kreisangehörige Gemeinde

und zuständiges Landratsamt greifen mittels gesicherter Verbindung online

auf den gleichen Datenbestand zu und können ihre entsprechenden Aufgaben erle-

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3 BESCHREIBUNG DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

digen. Die Übermittlung der Daten an die weiteren Empfängerbehörden soll ebenfalls

auf elektronischem Wege, auf Basis von Standards (EDIFACT und DatML/RAW) erfolgen.

Im Vergleich zur oben geschilderten Ausgangssituation gestaltet sich der Soll-

Prozess aufgrund dieser Definition wie folgt:

Gewerbetreibender

Bürger

Internet: XML

Gewerbeamt

Gemeinde

Gewerbetreibender

Bürger

• Kein Medienbruch in Datenübergabe,

• keine manuelle Erfassung der

Daten,

• gleicher Datenbestand Gemeinde

und Landratsamt,

• elektronische Datenübergabe an

weitere Ämter

� Konsistente Datenbestände

XML Workflow

zentrales eGWR und

Fremdverfahren

Landratsamt

Gleicher Datenbestand Gemeinde und Landratsamt,

gleiches Auswertungssystem –

gleiche Ergebnisse

Abbildung 4: Soll-Zustand eines elektronischen Gewerberegisters online

3.3 Einsatzfelder

XML

XML

XML

XML

Handwerkskammer

Bundesagentur

für

Arbeit

Finanzamt

und weitere

9 Behörden

Statistisches

Landesamt

Die Einsatzfelder für das eGWR liegen bei kreisangehörigen Städten und Gemeinden,

Landkreisen, kreisfreien Städten, den Empfängerbehörden nach § 14 Abs. 5

GewO und den sonstigen öffentlichen Stellen nach § 14 Abs. 6 GewO.

Die Beteiligten sind wie folgt in das Verfahren einbezogen (vgl. auch Kapitel 3.1):

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3 BESCHREIBUNG DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Gewerbetreibende

• Anmeldung

• Ummeldung

• Abmeldung

Antrag Anfrage

Duplikat der

Anzeige

Stadt- oder

Gemeinde-

Verwaltung*

Verfahren**

• Staatliches Gewerbeaufsichtsamt

• Staatliches Umweltfachamt

• Finanzamt

• Statistisches Landesamt

• Registergericht (bei Abmeldungen)

• Steuerstelle der Gemeinde

* Beispiellösungen: IKOL-GW, eGWR-DZBW, GEWAN-Bayern, MIGEWAT-Thüringen

** Bei kreisfreien Städten entfällt Landkeis → Direktmeldung an Externe Behörden

Auskunft

Meldung

Auskunftsemfänger

• Externe Behörden

• Bürger

Fehlgeschlagen

Landratsamt

• IHK

• Handwerkskammer

• Eichamt

• Bundesagentur für Arbeit

• Hauptverband der gewerblichen

Berufsgenossenschaften

Optional

Prüfung

Abbildung 5: Die Beteiligten der elektronischen Gewerbeanzeige/-an-, um- und abmeldung

Die unterschiedliche Aufgabenverteilung zwischen kreisangehörigen Städten und

Gemeinden einerseits und deren kreisangehörigen Landkreisen andererseits führen

insbesondere beim eigentlichen Gewerbeanzeigeverfahren zu heterogenen Anforderungen

an die Architektur und die Funktionalität des eGWR. Lediglich an die Gewerberegisterauskunft

werden einheitliche Anforderungen gestellt. Dies wird bei den

Ausführungen in Kapitel 4 berücksichtigt.

3.4 Nutzen

Der Nutzen, den die Wirtschaft (Gewerbetreibende, Investoren), die Verwaltungen

(Städte, Gemeinden, Landratsämter, Empfängerbehörden) sowie die Gesellschaft

aus der Fachanwendung eGWR ziehen, ist jeweils verschieden. Einen Überblick über

die einzelnen Vorteile gibt die nachfolgende Tabelle:

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3 BESCHREIBUNG DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Wirtschaft Verwaltung Gesellschaft

• Bereitstellung eines

Online-Dienstes, damit

Wegfall eines

Gangs zum Gewerbeamt

• Verkürzung des Prozesses

der Gewerbeanzeige

für die Wirtschaft

• Aufbau eines einheitlichen,

konsistenten

Datenbestandes als

Basis für Gewerbeauskünfte

• Verbessertes Standortmarketing

und verbesserteWirtschaftsförderung

• Einsatz modernster

Technologie für die

Bearbeitung des Gewerbewesens

• geringe Fehleranfälligkeit

• minimale Hardware-

und Softwarekosten

• minimale Kosten für

den Betrieb der Lösung

(ASP)

• Verkürzung des Prozesses

der Gewerbeanzeige

für die beteiligten

Verwaltungen

und Empfängerbehörden

• Aufbau eines einheitlichen,

konsistenten

Datenbestandes (nahezu

100%ige Datenkonsistenz)

als

Basis für Statistiken

und für Fördermittelentscheidungen

• Aufbau eines modernen

Images der beteiligten

Regionen und

damit Verbesserung

der Standortfaktoren

• Kostenreduktion bei

den Verwaltungen

und damit Einsparung

von Steuergeldern

Tabelle 1: Nutzen des elektronischen Gewerberegisters für einzelne Gruppen

Durch das elektronische Fachverfahren tritt darüber hinaus eine deutliche Verbesserung

der Qualität der an die Empfängerbehörden übermittelten Gewerbeanzeigen

ein. Es wird der flächendeckende Einsatz des europäischen Branchenschlüssels

Wirtschaftszweige 2003 4 (WZ 2003) durchgesetzt. Damit lassen sich Statistiken auf

Basis eines vereinheitlichten, konsistenten Datenbestandes bei allen am Prozess beteiligten

Behörden erstellen. Einer wesentlichen Forderung der Statistischen Landesämter

nach Konsolidierung der übermittelten Gewerbedaten hinsichtlich der verwen-

4 Die WZ 2003 dient dazu, die wirtschaftlichen Tätigkeiten von Unternehmen, Betrieben und anderen statistischen

Einheiten in allen amtlichen Statistiken einheitlich zu erfassen. Sie baut auf der durch EG-Verordnungen verbindlich

eingeführten statistischen Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft (NACE Rev. 1.1)

auf. An der Erarbeitung dieser Klassifikationen waren zahlreiche Wirtschaftsverbände, die fachlich zuständigen Behörden

und andere Institutionen maßgeblich beteiligt. Als Ergebnis ist eine hierarchisch gegliederte Wirtschaftszweigklassifikation

mit 17 Abschnitten, 31 Unterabschnitten, 60 Abteilungen, 222 Gruppen, 513 Klassen und 1041

Unterklassen entstanden, die eine statistische Zuordnung aller wirtschaftlichen Tätigkeiten ermöglicht.

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3 BESCHREIBUNG DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

deten Branchenzuordnung wird damit Rechnung getragen. Im elektronischen Gewerberegister

unterstützt ein ausgefeilter, selbst lernender Thesaurus den Sachbearbeiter

bei der richtigen Branchenzuordnung. Gleichartige Auswertungsergebnisse stärken

das Vertrauen von Wirtschaft und Gesellschaft in die Leistungsfähigkeit der auswertenden

Behörde. Insbesondere in den Bereichen Wirtschaftsförderung (Neuansiedlungen,

Fördermittelentscheidungen, etc.), Tourismusförderung und Katastrophenschutz

spielt die Qualität des Datenbestandes eine entscheidende Rolle, wenn

Entscheidungen getroffen werden (müssen).

3.5 Wirtschaftlichkeit

Die Entwicklung eines elektronischen Fachverfahrens wird u. a. durch das Kriterium

der Wirtschaftlichkeit gesteuert. Die wirtschaftliche Bewertung von E-Governmentanwendungen

bezieht sich in der öffentlichen Verwaltung hauptsächlich auf das Verhältnis

von Kosten und Nutzen, wobei diese beiden Größen selten adäquat bestimmt

werden können.

Grundsätzlich setzt sich die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung aus den Kategorien

1) monetäre Wirtschaftlichkeit [KN],

2) Dringlichkeit [D],

3) qualitativ-strategische Bedeutung [Q] der IT-Maßnahme sowie

4) externe Effekten [E] (neu in WiBe 4.0)

zusammen. 5

Anders als in der Privatwirtschaft sind beim eGWR komplexere Mess- und Bewertungskriterien

sowie Wirkungsdimensionen anzunehmen, da in das Verwaltungsverfahren

bis zu 13 externe Behörden mit eingebunden sind. Weiter werden die Kosten

von den vorhandenen IT-Strukturen, Hardware, etc. beeinflusst.

Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung nach den Vorgaben der KBSt hat bei flächendeckender

Einführung einer E-Governmentlösung für das Gewerberegister beispielsweise

im Freistaat Sachsen einen monetären Nutzen in Höhe eines Kapitalwertes

von ca. 4,5 Mio. EUR ergeben.

Für die Verwaltung ergibt sich dieser Kostenvorteil durch den Wegfall der mehrfachen

Datenerfassung und der Online-Übermittlung der Gewerbeanzeigen. Durch den

vollständig elektronisch durchgeführten Bearbeitungsworkflow können Gewerbeanzeigen

auf der Verwaltungsseite deutlich schneller bearbeitet werden. Ein weiterer

Zeitvorteil liegt in der Möglichkeit der Online-Gewerbeauskunft, welche ebenfalls um

ein vielfaches schneller bearbeitet werden kann als auf dem herkömmlichen Weg. So

5 Zur Berechnung der Wirtschaftlichkeit von IT-Investitionen siehe das Verfahren WiBe. Aktuelle Versionen stehen

kostenfrei zum Download auf der Homepage der KBSt unter www.kbst.bund.de bereit.

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3 BESCHREIBUNG DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

berücksichtigt die o. g. Summe eine Einsparung von ca. 85.000 Arbeitsstunden auf

Verwaltungsseite (laut Aussage des Regierungspräsidiums Chemnitz).

Messbare Einsparungen werden auch im Bereich Sachkosten erzielt. So werden beispielsweise

in einer kreisfreien Stadt/Gemeinde wie Rostock monatlich ca. 600 Gewerbean-,

ab- und ummeldungen gestellt. Diese Meldungen werden heute ausschließlich

in Papierform erstellt und verteilt. Die Meldeauszüge werden an mindestens

sechs Behörden weitergeleitet. In Abhängigkeit des ausgewählten Gewerbes

vergrößert sich die Anzahl der zu informierenden Instanzen bis auf zwölf Institutionen

(vgl. hierzu Kap. 3.1). Durchschnittlich fallen so ca. 2.250 Blatt in der Woche an Unterlagen

an. Diese müssen mit erheblichem manuellen Aufwand separiert, kuvertiert

und versandt werden. Allein die Versandkosten betragen bei Sammelzustellung ca.

1.200 EUR pro Jahr.

Für die Gewerbetreibenden können Kostenvorteile durch den Wegfall des Gangs

zum zuständigen Gewerbeamt und evtl. mehrfach notwendiger Rückfragen zur endgültigen

Bearbeitung des Anliegens angenommen werden. Ein weiterer wirtschaftlicher

Aspekt ist die zügigere Beantragung bspw. von Fördermitteln.

3.6 Berücksichtigung sonstiger Standardisierungsaktivitäten

Über die KISA ist die Arbeitsgruppe mit dem Vorhaben „Elektronisches Gewerberegister

von Deutschland-Online verzahnt. Diese Projektgruppe, unter Führung des

Bayerischen Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung (BayLfStaD) und der

Datenzentrale Baden-Württemberg, hat den Auftrag, ein Konzept für einen medienbruchfreien

Gewerbemeldungsprozess zu entwickeln. Hierzu wurde als wesentliche

Voraussetzung bereits ein bundesweit standardisiertes Gewerbedatenaustauschformat

erkannt. Weitere Ausführungen sind dem Kapitel 4.1.1, hier dem Abschnitt Offenheit

zu entnehmen.

3.7 Gesetzliche Vorgaben

In diesem Kapitel werden die für die Einführung eines eGWR hauptsächlich relevanten

gesetzlichen Vorschriften am Beispiel des Freistaates Sachsen dargestellt.

3.7.1 Verwaltungs- und Gewerbevorschriften

Folgende Verwaltungs- und Gewerbevorschriften sind für die Einführung eines elektronischen

Gewerberegisters von Belang:

• die Gewerbeordnung (GewO), insbesondere § 14 (siehe Anhang 1) und

• verschiedene Durchführungsbestimmungen der Länder, so beispielsweise in

Sachsen:

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3 BESCHREIBUNG DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

– die Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft

und Arbeit zur Durchführung der §§ 14, 15 und 55 c der Gewerbeordnung

(GewAnzVwV),

– die Verordnung der Sächsischen Staatsregierung zur Durchführung der Gewerbeordnung

(SächsGewODVO) sowie

– die Verordnung der Sächsischen Staatsregierung über die Zuständigkeiten

der Großen Kreisstädte (SächsGrKrZuVO).

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

4 Spezifikation des Verfahrens „Elektronisches

Gewerberegister

In diesem Kapitel werden die technischen, funktionalen und organisatorischen Anforderungen,

die an das elektronische Fachverfahren Gewerberegister gestellt werden,

näher beschrieben. Es werden beispielhafte Lösungen aus den Bundesländern

Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen vorgestellt.

4.1 Technische Anforderungen und Lösungsansatz

Es werden zunächst die technischen Anforderungen an ein elektronisches Gewerberegister

erläutert hinsichtlich:

• Verfügbarkeit,

• Wiederverwendbarkeit,

• Skalierbarkeit,

• Flexibilität,

• Offenheit,

• Performance,

• Ergonomie,

• Dialog- und Formularmodus sowie

• Barrierefreiheit.

Darüber hinaus soll am Beispiel eines Schichtenmodells (unter Nutzung einer Middleware)

mit einer Client-Schicht (Frontend) und einer Middlewareschicht ein möglicher

Lösungsansatz dargestellt werden.

Schließlich wird auf den Aspekt der Sicherheit eingegangen.

4.1.1 Die technischen Anforderungen im Überblick

Kommunen, die beabsichtigen, das Fachverfahren auf elektronischem Weg zu realisieren,

müssen eine grundlegende technische Ausstattung vorhalten. Der strukturelle

Lösungsansatz basiert auf einer Laufzeitumgebung für browserbasierte E-Government-Anwendungen,

die aus statischen und aktiven Elementen aufgebaut sind. Bestimmte

aktive Elemente wie Authentifizierung, E-Payment, u. a., können übergreifend

von allen Fachanwendungen genutzt werden (s. u. zur Wiederverwendbarkeit).

Die Ablaufsteuerung einer Anwendung, der sog. Workflow, ist von der Darstellung

der einzelnen Seiten zu trennen. Aus den Anwendungen muss auf bestehende

Fachanwendungen qualifiziert zugegriffen werden können. Dies erfolgt über einen

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Backend-Adapter. Die in einer Anwendung enthaltenen Formulare/Webassistenten

müssen ebenfalls aktive Elemente enthalten können. Die Laufzeitumgebung muss

Infrastrukturfunktionen (Sessionmanagement, Sicherheitsfunktionen, u. a.) realisieren.

Darüber hinaus gibt es weitere Grundanforderungen, die ein eGWR aus technischer

Sicht leisten sollte:

Verfügbarkeit und Fehlertoleranz

Für eine angemessen hohe Verfügbarkeit sind technologische Rahmenbedingungen

durch die redundanter Auslegung oder eine technologische Trennung (z. B. die Implementierung

auf unterschiedlichen Serverinstanzen) kritischer Systeme zu schaffen.

Kein Systemzustand darf aus strukturellen Gründen zum Stillstand oder unkontrolliertem

Verhalten des Systems führen. Einzelne Systembestandteile müssen zu jeder

Zeit weitgehend selbstständig in der Lage sein, einen stabilen Zustand zu erreichen

(automatic disaster recovery). Durch Ausfall- oder Servicezeiten der Backendsysteme

(Fachverfahren oder andere) darf die Funktionalität der „Portalanwendung“ nicht

wesentlich beinflusste werden. Weiterhin ist mit Plausibilitätskontrollen und Hilfetexten

(vgl. Ausführungen dazu in Kapitel 4.2) eine gewisse Robustheit der Anwendungen

des Fachverfahrens zu erreichen.

Im Rahmen der organisatorischen Festlegungen sind die Anforderungen an die Verfügbarkeit

des Systems zu definieren. Diese hängen maßgeblich von der Verwaltungsgröße

und den zu bearbeitenden Fallzahlen ab.

Wiederverwendbarkeit

Klar definierte Module, Dokumentation und Standardisierte Application Programming

Interfaces (APIs) sollen die redundante Entwicklung von Basismodulen vermeiden

und dem Aufbau und der Pflege von Applikationen nach dem Baukastenprinzip dienen.

Die Entwicklung sollte durch ein leistungsfähiges „Integrated Development Environment“

(IDE) unterstützt werden. Aufbauend auf den Basismodulen müssen Anwendungen

mit geringem Aufwand erstellt, gepflegt und geändert werden können.

Dies soll sowohl die Basismodule selbst als auch die definierten Workflows und die

Daten der jeweiligen Anwendung beinhalten. Externe Fachleute, die nicht an der

Entwicklung der Basismodule beteiligt waren, müssen ohne größere Einarbeitung

neue Anwendungen erstellen und bestehende Anwendungen pflegen können.

Flexibilität

Änderungen und Erweiterungen sollten durch eine Entwicklungsumgebung, unabhängig

vom Hersteller der Basismodule, effektiv und kostengünstig unterstützt sowie

durch standardisierte Schnittstellen ermöglicht werden. Das System soll das Inbetriebnehmen

(Deployment) und das Aktualisieren (Update) von elektronischen

Fachverfahren aktiv unterstützen und weitgehend automatisieren.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Offenheit

Sämtliche Schnittstellen müssen definiert und dokumentiert werden. Für den Austausch

von Daten sollten vorzugsweise XML-Schnittstellen implementiert werden. Im

Bereich eGWR gibt es bislang keine rechtlich verbindlich vorgeschriebene Schnittstelle

analog dem Meldewesen online. Der Datenaustausch kann sowohl über die

Schnittstellen EDIFACT und DatML/RAW erfolgen.

Nach einem sorgfältigen Vergleich der zur Auswahl stehenden XML-basierten Formate

6 DatML/RAW vom Statistischen Bundesamt und XGewerbe hat die Projektgruppe

von Deutschland-Online in ihrer vierten Sitzung im April 2004 beschlossen,

DatML/RAW als das bundesweite Gewerbedatenstandardaustauschformat zu empfehlen.

DatML/RAW ist das allgemeine XML-Format für die Lieferung von Daten an das Statistische

Bundesamt. Jede Datenlieferung auf elektronischem Wege, ob an den gemeinsamen

Dateneingang von eSTATISTIK.core 7 oder auf Datenträger, sollte in diesem

Format erfolgen. Mit DatML/RAW können statistische Daten einheitlich für jede

Statistik geliefert werden. Spezifische Charakteristika wie Art und Umfang der zu einer

bestimmten Statistik zu liefernden Daten sind deshalb nicht in DatML/RAW

selbst, sondern in spezifischen Liefervereinbarungen (u. a. für die Gewerbeanzeigenstatistik)

beschrieben.

Skalierbarkeit

Die Anwendungen sind so zu programmieren, dass eine verteilte Verarbeitung erreicht

werden kann. Zur Erfüllung der Gesamtaufgabe müssen alle Komponenten der

Anwendung mitwirken und untereinander kommunizieren. Für den Client erscheint

das System meist wie ein Einziges (transparent). Zwischen den Komponenten existieren

definierte Schnittstellen.

Performance

Das System ist technisch so auszulegen bzw. zu skalieren, dass bei einem durchschnittlichen

Nutzerverhalten eine angemessen hohe Performance erzielt wird. Dabei

müssen die aus den Anforderungen Flexibilität und Skalierbarkeit sich ergebenden

Eigenschaften der Komponenten nochmals nach Performance-Kriterien modifiziert

werden (ein maximal flexibles und verteiltes System ist nicht performant). Überdurchschnittliche

Nutzerzugriffe können zu Performanceeinbußen führen, ohne dass das

System an sich gefährdet wird.

6 EDIFACT ist nicht XML-basiert.

7

Ein Verfahren zur automatisierten Übermittlung von statistischen Daten an die Statistischen Ämter des Bundes und

der Länder.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Ergonomie

Die ergonomischen Anforderungen bei der Implementierung des Verfahrens eGWR

sind in der Norm zu Gestaltung von Bildschirmarbeit nach DIN EN ISO 9241 hinreichend

beschrieben.

Diese Norm ist der internationale Standard für die Gestaltung von Bildschirmarbeit.

Im Sinne der Bildschirmarbeitsverordnung sollen Entscheider der öffentlichen Verwaltung

auf die Einhaltung dieser Werte achten.

Im Einzelnen gelten die folgenden Kapitel der DIN EN ISO 9241: 8

DIN EN ISO 9241- 2 – Anforderungen an die Arbeitsaufgaben - Leitsätze

DIN EN ISO 9241- 3 – Anforderungen an visuelle Anzeigen

DIN EN ISO 9241- 8 – Anforderungen an Farbdarstellungen

DIN EN ISO 9241-10 – Grundsätze der Dialoggestaltung

DIN EN ISO 9241-11 – Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit

DIN EN ISO 9241-12 – Informationsdarstellung

DIN EN ISO 9241-13 – Benutzerführung

DIN EN ISO 9241-14 – Dialogführung mittels Menüs

DIN EN ISO 9241-15 – Dialogführung mittels Kommandosprachen

DIN EN ISO 9241-16 – Dialogführung mittels direkter Manipulation

DIN EN ISO 9241-17 – Dialogführung mittels Bildschirmformularen

Dialog- und Formularmodus

Es wird empfohlen, dem Sachbearbeiter im Gewerberegister je nach seinen persönlichen

Vorlieben einen Dialogmodus und einen Formularmodus bereit zu stellen.

Der Dialogmodus nutzt alle Vorteile einer modernen Web-Oberfläche oder Windows-

Oberfläche, wobei die Webvariante zu bevorzugen ist. Dabei kann der Bearbeitungsvorgang

in logische Programmabfolgen aufgeteilt werden, damit eine Überfrachtung

des Bildschirms vermieden wird. Dies kommt dem erfahrenen Sachbearbeiter entgegen,

welcher in der Lage ist, das Verfahren unabhängig von der früheren Bearbeitungsfolge

der reinen Papierbearbeitung zu bedienen.

8 Vgl. DIN 2006.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Abbildung 6: Dialogmodus am Beispiel der KISA

Dem weniger versierten Sachbearbeiter soll die Möglichkeit gegeben werden, die Daten

in einem so genannten Formularmodus zu bearbeiten, welcher sich von seinen

Eingabefeldern und der Bearbeitungsreihenfolge am Papierformular der Gewerbeanzeige

orientiert.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Abbildung 7: Formularmodus am Beispiel der KISA

Barrierefreiheit

Bei der Einführung von elektronischen Bürgerdiensten sind hinsichtlich der Ergonomie

auch die Anforderungen an die Barrierefreiheit zu beachten. Die Anforderungen

für barrierefreie Internetlösungen finden sich in der Barrierefreie Informationstechnikverordnung

(BITV) und sollen hier nicht in aller Ausführlichkeit beschrieben werden.

Zusammengefasst sind aber folgende Anforderungen zu berücksichtigen:

• Farbgestaltung in einem angemessenen Kontrastverhältnis, um Farbfehlsichtigkeiten

auszugleichen;

• Screen-Reader 9 -freundliche Layoutgestaltung:

– Verzicht auf Layouttabellen,

– Setzen von unsichtbaren Sprungmarken;

• Erreichbarkeit aller Schaltflächen mittels Tabulatortaste;

• Skalierbarkeit der Schriftgrößen;

• Angebot von Schwarz-Weiß- und Weiß-Schwarz-Varianten des Layouts sowie

• Verzicht auf clientseitig auszuführenden Programmcode (z. B. Java-Script).

9 ScreenReader sind Programme, die Sehbehinderten Bildschirminhalte vorlesen

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Obwohl die BITV nur für Behörden der Bundesverwaltung gilt (für Landesbehörden

gelten entsprechende Landesvorschriften), stehen Kommunen unter dem moralischen

Druck, Internetangebote ebenfalls barrierefrei auszugestalten.

4.1.2 Beispielhafter Architekturansatz

Die Effizienz des eGWR wird wesentlich vom gewählten Architekturansatz bestimmt.

Der in der Landeshauptstadt realisierte Architekturansatz dient: 10

• der Zentralisierung von Querschnittsfunktionen (Authentifizierung, Payment,

u. a.),

• der Vermeidung von Mehrfachinvestitionen durch Baukastenprinzipien der Implementierung,

• der flexiblen Realisierung der Web-Anwendungen auf der Basis der Modulbibliothek,

• der möglichen Realisierung unter Verwendung von OpenSource-Systeme,

• der Möglichkeit von Eigenentwicklungen auf Basis der Modulbibliothek,

• der weitgehenden Verwendung von Standardbrowsern als Frontend,

• der flexiblen Anbindung an Fachverfahren,

• einem einheitlichen Format (XML),

• der Nutzung von Standards (keine proprietären Schnittstellen/Formate) und

• der Integration von zentralen Administrationskomponenten für verschiedene

Fachverfahren.

10 Eine Veröffentlichung zu diesem Ansatz ist von der FH Erfurt für Oktober 2006 geplant.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Kunde

Fachverfahren

Web-

Anwendung A

Sachbearbeiter

Middleware (Modulbibliothek)

Sachbearbeiter

Fachverfahren

Abbildung 8: Beispielhafter Architekturansatz

Protokoll

Web-

Anwendung B

Schnittstelle

Fachverfahren

Schnittstelle

Extern

Intern

Die Architektur ist in einzelne Schichten und Module gegliedert. Bei den innerhalb

des Applikationsservers zu implementierenden Modulen werden Schnittstellen zur

vertikalen und zur horizontalen Integration realisiert. Einzelne Module können andere

Module des Basissystems (Middleware) aufrufen. Sie können ihrerseits von Applikationen

der Applikationsschicht aufgerufen werden.

Für die Kommunikationspfade werden Schnittstellen bereitgestellt und dokumentiert.

Die Programmschnittstellen sollen die Lösung für zukünftige Erweiterungen offen halten,

so dass für die APIs Standardformate in Anlehnung an XML zu bevorzugen sind.

Ausschließlich mit Hilfe dieser APIs erfolgt die Kommunikation. Sämtliche Schnittstellen

werden standardisiert und gleichartig aufgebaut.

Datenschnittstellen zu möglichen Fremdsystemen werden grundsätzlich über XML

und entsprechende Schemata der so genannten XÖV-Gruppe realisiert.

Schichtenmodell

Der Ansatz verfolgt das Konzept der indirekten Anbindung des Anwenders an das

Fachverfahren durch eine spezifische Web-Anwendung. Die Web-Anwendung basiert

auf zentralen Funktionen einer Middleware, die auch die Schnittstellen zu den Fachverfahren

bereitstellt. Die einzelnen Komponenten der Middleware (Module) und die

darauf basierenden Anwendungen, die hier dargestellt werden, müssen einem

Schichtenmodell genügen. Sie müssen unter Verwendung des gängigen 3-Tier-

Modells implementiert werden.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

XML

Client

HTML

Darstellung

Middleware

Backend-Adapter

Daten-Schicht

Abbildung 9: Schichtenmodell der Architektur

Client-Schicht

Die Client-Schicht ist zuständig für die Präsentation der darzustellenden Daten und

die Verarbeitung von Benutzer-Eingaben. Die eigentlichen Workflows sind ausgelagert.

Grundsätzlich ist sowohl für die Administrations- als auch für die Nutzerschnittstelle

eine Web-Oberfläche vorgesehen, die browserunabhängig Zugang zu den Anwendungen

gewährt. Spezifische Client-Anwendungen werden damit vermieden. Bezüglich

der zulässigen Client-Technologien sei explizit auf den entsprechenden Abschnitt

des SAGA-Standards (web-/computerbasierter Informationszugriff) verwiesen.

Zu ergänzen ist, dass Client-Software wie z. B. JAVA-Applets und Plug-ins nur für

spezifische Aufgaben (z. B. Signieren) eingesetzt werden sollte. Die Installation spezieller

Client-Software ist somit nicht Voraussetzung für die Nutzung der Systemfunktionen.

Middleware-Schicht

Mit dem Ziel der Kostenreduktion durch Wiederverwendbarkeit und Sicherstellung

der Interoperabilität durch definierte Schnittstellen und Protokolle soll ein flexibler

Middleware-Ansatz verfolgt werden.

Als Middleware bezeichnet man anwendungsunabhängige Technologien, die Dienste

zur Vermittlung zwischen Anwendungen bereitstellen, so dass die Komplexität der

zugrunde liegenden Applikationen und Infrastruktur verborgen wird.

Die Middleware stellt eine Ebene in einem komplexen Software-System dar, die als

„Dienstleister“ anderen, ansonsten entkoppelten Softwarekomponenten die Kommunikation

untereinander ermöglicht.

Die Middleware-Schicht schützt die Fachverfahren vor direktem Zugriff der Clients

und stellt der Client-Schicht Dienste zu Verfügung. Sie enthält konfigurierbare Module,

die zu Anwendungen zusammengefügt werden können. Auf Basis dieser Module

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

werden, unterstützt durch eine Entwicklungsumgebung, Anwendungen implementiert.

Alle Module beinhalten eine einheitliche Schnittstelle auf XML-Basis sowohl für die

horizontale als auch die vertikale Integration.

Diese Schicht realisiert die Applikationslogik. Hier erfolgt die Kommunikation und die

Integration der Basismodule. Neben der Verwendung von einem Simple Object Access

Protocol (SOAP) kann zur Kommunikation mit verteilten Komponenten Remote

Message Invocation (Java RMI) oder ein vergleichbarer Kommunikations-Dienst genutzt

werden.

Die Integration der Datenschicht erfolgt anwendungsspezifisch oder indirekt durch

Funktionen der Basismodule. In beiden Szenarien soll XML für den Datenaustausch

verwendet werden. Die Informationen der Daten-Schicht werden hier aufbereitet und

an die Client-Schicht übergeben.

Die Middleware-Schicht sichert die Funktionalitäten zur Transaktionsverwaltung sowohl

zur Client-Schicht als auch zur Datenschicht. Backend-Adapter sind vorzugsweise

innerhalb dieser Schicht implementiert. Es wird ein zentraler Backend-

Connector genutzt. Der Aufruf erfolgt als Webservice. Er nimmt Daten aus beliebigen

Quellsystemen entgegen und transformiert die Datenstrukturen in das Format der

Zielanwendung. Der Backend-Adapter nutzt die verbreiteten und standardisierten

Technologien XML, XSD und XSLT zur internen Realisierung der Mapping- und Routingaufgaben.

Dieses Basismodul enthält Komponenten für die Anbindung von Datenbanken,

Files, Internetprotokollen wie TCP/IP, HTTP, FTP oder SMTP. Der Backend-Connector

ist in die Entwicklungsumgebung einzubeziehen. Die folgende Abbildung

zeigt eine Architektur aus dem Freistaat Thüringen.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Applikationsserver

Clientschicht

Middlewareschicht

Backend-

System 1

Nutzer Browser

HTTP(s)

Web-Server Apache/CMS Imperia

HTML/XML

XML/XSLT o. A.

JSP o. A.

Fachanwendungen Administrationsanwendungen

Anwendung 1

Anwendung 2

Anwendung 3

Anwendung 4

Datenschicht

Anwendung 1

Anwendung 2

Modul/Anwendung-Schnittstelle Modul/Anwend.-Schnittstelle

Anwendungsschnittstelle

Spez. Protokoll

Anwendung/Modul-Schnittstelle

Pool der Basismodule

Modul 1 Modul 4 Modul 7

Modul 2

Modul 3

Modul 5

Modul 6

Modul 8

Modul 9

Modul/Backend-Connector-Schnittstelle

Backend-Connector/Modul-Schnittstelle

Backend-Connector

Backend-Schnittstellen


Anwendungsschnittstelle

Spez. Protokoll

Backend-

System 2

Abbildung 10: Beispielarchitektur der Middleware in der Landeshauptstadt Erfurt

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Daten-Schicht

Die Daten-Schicht dient der Sicherung und Bereitstellung der notwendigen Daten für

die Module und Anwendungen. Alle Datenbanken sollen relationale Datenbanken

sein, die per Structured Query Language (SQL) abfragbar sind.

4.1.3 Sicherheitsaspekte

Der Aspekt der Sicherheit ist von Anfang an bei der technischen Umsetzung zu berücksichtigen.

Dies resultiert insbesondere auch aus datenschutzrechtlichen Bestimmungen

und den oben geschilderten rechlichten Rahmenbedingungen, welche hohe

Anforderungen an den Grad der Sicherheit stellen.

Demzufolge muss das System eine dem Gefährdungsgrad angemessene Sicherheit

bieten.

Bedeutung und Aspekte der Sicherheit im E-Government

Sichere und vertrauliche Kommunikation und datenschutzgerechte Lösungen sind

zwingende Voraussetzung für die umfangreiche Akzeptanz und den Erfolg des

E-Government bei den Nutzerinnen und Nutzern.

Die Sicherheitsanforderungen sind abgestuft. Während reine Informationsangebote,

wie z. B. touristische Stadtinformationen, nicht geschützt bzw. vor unberechtigtem

Zugriff bewahrt werden müssen, stellen Transaktionen wesentlich höhere Anforderungen

an die Sicherheit. Jede Lösung muss so sicher sein, wie das Gesetz bzw. der

Nutzer es fordert. Dazu sind integrierte Sicherheitsarchitekturen notwendig, die auf

Sicherheitskomponenten aufsetzen.

Informationelle Selbstbestimmung setzt Transparenz der Datenverarbeitung voraus.

Diese sollte dadurch unterstützt werden, dass die verantwortliche Stelle als vertrauensbildende

Maßnahme ihre Datenverarbeitungspraxis und Sicherheitspolitik veröffentlicht

und allgemein zugänglich macht. Darüber hinaus sind weitergehende vertrauensbildende

Maßnahmen wie beispielsweise ein nachvollziehbares Sicherheitskonzept

und ein daraus resultierendes Sicherheitsmanagementsystem erforderlich.

Vertrauen in Datenschutz und Datensicherheit muss einen nicht behebbaren Mangel

an Wissen kompensieren. Diese Kompensation kann nicht durch Technik allein geleistet

werden. Vertrauen richtet sich nicht nur auf eine isolierte technische Anwendung,

sondern ebenso auf den sozialen Kontext, in den diese eingebettet ist.

Schutzbedarfsfeststellung

Mit der Schutzbedarfsfeststellung wird nun für identifizierte onlinefähige Dienstleistungen

definiert, welchen Schutzbedarf die ihr zu Grunde liegende Kommunikation

z. B. zwischen Nutzer und Behörde nach sich zieht. 11 Die zu betrachtenden Sicher-

11 Vgl. BSI 2006b.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

heitsziele sind die Vertraulichkeit und Verbindlichkeit (Integrität, Nicht-Abstreitbarkeit,

Authentizität der Kommunikationspartner). Unverzichtbare Voraussetzung für das

Funktionieren des eGWR ist ferner die Verfügbarkeit der technischen Systeme (z. B.

Web-Server). Für rechtsverbindliche Transaktionen ist grundsätzlich der Aspekt des

Schriftformerfordernisses zu berücksichtigen (für eine umfangreiche Beschreibung

der Schutzbedarfe siehe Anhang 2).

Für das eGWR, wie es im vorliegenden Spezifikationsbericht vorgestellt wird, wurde

insgesamt die Schutzbedarfsklasse „hoch“ ermittelt (s. Anhang 2).

4.2 Funktionale Anforderungen

In diesem Kapitel werden die funktionalen Anforderungen, die an ein elektronisches

Gewerberegister gestellt werden, untersucht.

Neben den gewerbespezifischen Funktionen, die hier nicht detailliert ausgeführt werden

(siehe Kapitel 1.2) müssen die Module und Anwendungen über nachfolgende

Basisfunktionalitäten verfügen:

• die Umsetzung der spezifischen Anforderungen der einzelnen Bundesländer,

• das Bezahlmodul,

• die elektronische Datenübermittlung an Empfängerbehörden inkl. der Unterstützung

der Standards EDIFACT und DatML/RAW sowie

• Plausibilitätsprüfungen und elektronische Bürgerdienste.

Die Umsetzung der spezifischen Anforderungen der einzelnen Bundesländer

Das elektronische Gewerberegister muss die Möglichkeit bieten, landesspezifische

Besonderheiten abzubilden. Insbesondere soll hier ein medienbruchfreier Workflow

zwischen kreisangehöriger Gemeinde und zugehörigem Landratsamt erwähnt werden,

wenn wie z. B. in Sachsen oder Bayern, das Landratsamt eingegangene Gewerbeanzeigen

zu prüfen hat. In Kapitel 0 wird auf diesen Punkt am Beispiel des

Freistaates Sachsen detailliert eingegangen.

Das Bezahlmodul

Durch die Umgestaltung hin zu einem medienbruchfreien Prozess sind E-Payment-

Funktionen zu integrieren. Um eine hohe Akzeptanz zu erreichen, ist es wichtig, dass

das Angebot des Zahlungssystems neben einem hohen Verbreitungsgrad dem Sicherheitsbedürfnis

des Kunden (Unternehmen, Bürger) gerecht wird.

Die Elektronische Datenübermittlung an Empfängerbehörden

Für die elektronische Datenübermittlung an Empfängerbehörden sind elektronische

Dienste bereitzustellen, welche eine medienbruchfreie Datenübermittlung gewährleisten.

Dabei sind die Standards EDIFACT und DatML/RAW zu unterstützen.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Plausibilitätsprüfungen und elektronische Bürgerdienste

Bei der programmtechnischen Umsetzung des Fachverfahrens sind für die Eingabedialoge

Plausibiltätsprüfungen zu hinterlegen, die das Eingeben unplausibler Daten

im Kontext der Anforderungen des Gewerberegisters verhindern und damit Fehler

und Inkonsistenzen im Verfahren vermeiden. Im Einzelnen soll hier verzichtet werden,

alle möglichen Plausibilitäts-Kontrollen aufzuzählen, da das den Rahmen des

Spezifikationsberichtes sprengen würde.

Für die Vorgänge Gewerbeanzeige und Gewerberegisterauskunft sind elektronische

Bürgerdienste bereitzustellen, welche einen medienbruchfreien Datenfluss zwischen

Bürger und Verwaltung gewährleisten.

In ganz besonderem Maße gilt die Forderung von Plausibilitätsprüfungen für die Ausgestaltung

eines elektronischen Bürgerdienstes für die Gewerbeanzeige online. Hier

ist von unbedarften Bürgern auszugehen, die sich weder mit Internetanwendungen

noch mit dem fachlichen Hintergrund des Gewerberechtes auskennen. Neben Plausibilitätsprüfungen,

die im Hintergrund den Durchgriff auf das Backend erfordern, sind

gut verständliche Hinweistexte unbedingt erforderlich. Die Form eines elektronischen

Assistenten, der dem Bürger Schritt für Schritt durch seine Gewerbeanzeige führt, hat

sich hier bewährt

4.3 Organisatorische Anforderungen, dargestellt an Praxisbeispielen

Für die Vorgänge Gewerbeanzeige und Gewerberegisterauskunft sind elektronische

Bürgerdienste bereitzustellen, welche einen medienbruchfreien Datenfluss zwischen

Bürger und Verwaltung gewährleisten.

An den nachfolgenden Umsetzungsbeispielen aus Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern

wird dies praktisch erläutert. Dargestellt werden:

• eine Lösungen aus dem Freistaat Sachsen zum medienbruchfreien Workflow des

elektronischen Bürgerdienstes Gewerbeanzeige online zwischen kreisangehöriger

Gemeinde und zugehörigem Landratsamt bis hin zu den Empfängerbehörden,

• eine Lösungen aus Mecklenburg-Vorpommern zum elektronischen Workflow für

Gewerbeerlaubnisse und

• eine Lösung aus Thüringen zur elektronischen Gewerberegisterauskunft.

Diese Entwicklungen sollen Empfehlungen und Anregungen, aber auch Erfahrungen

für künftige Umsetzungsvorhaben vermitteln.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

4.3.1 Gewerbeanzeige online im Freistaat Sachsen (medienbruchfreier

Workflow)

Nachfolgend wird ausgeführt, wie der medienbruchfreie Workflow einer Gewerbeanzeige

zwischen Gemeinde und Landratsamt bis hin zu den Empfängerbehörden im

Freistaat Sachsen gestaltet ist.

4.3.1.1 Bisheriger Workflow (verwaltungsintern)

Aufgrund einer Prüfungsfunktion für eingegangene Gewerbeanzeigen gemäß sächsischer

Gewerbeanzeigeverordnung müssen kreisangehörige Städte und Gemeinden

Gewerbeanzeigen an ihren zuständigen Landkreis übermitteln. Dies geschah bisher

in Papierform durch Postversand der Exemplare drei bis 13 von 14 der Gewerbeanzeige.

Im Landratsamt wurden die Daten erneut im Verfahren des Landkreises erfasst.

Die Übermittlung der Exemplare vier bis 13 von 14 an die Empfängerbehörde

erfolgte wiederum per Post an die Empfängerbehörden gem. § 14 Abs. 5 GewO.

4.3.1.2 Konzeption eines elektronischen Gewerberegisters

Um diesen auf Dauer unhaltbaren Zustand zu verbessern, wurde ein zentrales, webbasiertes

elektronisches Gewerberegister konzipiert, entwickelt und zum Einsatz gebracht.

Kreisangehörige Gemeinde und Landratsamt arbeiten innerhalb eines Verfahrens auf

einer gemeinsamen Datenbank. Durch die Zentralisierung der Datenablage in dieser

Datenbank wird eine Übermittlung von Gewerbeanzeigen zwischen Gemeinde und

Landkreis überflüssig. Das Gewerbeverfahren ist mandantenfähig. Die Bearbeitung

erfolgt mittels Web-Client über ein geschütztes Netz der sächsischen Kommunalverwaltungen

(KDN)

Die jeweiligen Befugnisse der Sachbearbeiter sind in einem umfangreichen Rechte-

und Rollenkonzept festgehalten. Die Rollen (Gruppen) bilden die Funktion der einzelnen,

mit der Bearbeitung des Gewerberegisters und der Gewerbeerlaubnisse betrauten

Mitarbeiter ab. Dies sind beispielsweise:

• Gemeindesachbearbeiter,

• Administrator,

• Landratsamtsfunktion,

• Auskunft gem. §14, Abs. 7 GewO,

• registrierter Onlinenutzer.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Abbildung 11: Beispiel für Nutzergruppen (Gewerbeanzeige online im Freistaat

Sachsen)

Diesen Gruppen werden dann die entsprechenden Rechte innerhalb des Verfahrens

eingeräumt.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Abbildung 12: Beispiel für Rechte (Gewerbeanzeige online im Freistaat Sachsen)

Datenbank- und Applikationsserver befinden sich in einer demilitarisierten Zone. Der

Zugriff auf die Verfahren und Daten erfolgt über das geschützte, geschlossene Verwaltungsnetz

der sächsischen Kommunen KDN.

4.3.1.3 Optimierter, medienbruchfreier Workflow (verwaltungsintern)

Wird nun bei der Gemeinde ein Gewerbe angezeigt, erfasst der Sachbearbeiter diesen

Fall, druckt drei Exemplare des Formularsatzes aus (einmal Gewerbetreibender,

einmal Gemeinde/Gewerbeamt für die Ablage, einmal Gemeinde/Steueramt) und

schließt den Fall aus seiner Sicht ab. Der neue Gewerbedatensatz wird in die Datenbank

geschrieben, erhält den Status „in Prüfung“ und erscheint in der To-do-Liste des

zuständigen Sachbearbeiters im Landkreis. Der Sachbearbeiter im Landkreis ruft sich

die Gewerbeanzeige aus der To-do-Liste auf und prüft sie.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Externe Empfänger

LRA

Prüft

eGWR-DB

Workflow

Gemeinde

Erfasst

Abbildung 13: Workflow der Gewerbeanzeige zwischen Gemeinde und Landkreis im

Freistaat Sachsen

Bei positivem Resultat der Prüfung bekommt die Gewerbeanzeige den Status „abgeschlossen“

und die Daten für die elektronische Übermittlung an die Empfängerbehörden

werden bereitgestellt. Für den Fall, dass eine Empfängerbehörde die Daten noch

nicht auf elektronischem Wege entgegennehmen kann, erfolgt der Ausdruck des entsprechenden

Formulars.

Ist das Ergebnis der Prüfung negativ, trägt der Sachbearbeiter des Landkreises die

Gründe dafür ein, der Fall bekommt wieder den Status „in Bearbeitung“ und wird in

die To-do-Liste der entsprechenden Gemeinde gestellt. Dort beginnt der Bearbeitungsworkflow

von neuem. Der ganze Vorgang läuft innerhalb eines Verfahrens auf

einer gemeinsamen Datenbank und völlig medienbruchfrei ab. Eine Doppelerfassung

von Daten ist nicht mehr notwendig.

4.3.1.4 Erstellung der Gewerbeanzeige online durch den Gewerbetreibenden

(elektronischer Bürgerdienst)

Um für den Gesamtprozess eine medienbruchfreie Lösung bereit zu stellen, wurde

ein elektronischer Bürgerdienst geschaffen, der es dem Gewerbetreibenden von seinem

PC aus ermöglicht, eine Gewerbeanzeige bei seiner zuständigen Gemeinde

einzureichen.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Externe Empfänger

Bürger/Gewerbetreibender

LRA

Anzeige

per HTTPS

Prüft

eGWR-DB

Workflow

XML

E-BD

Abbildung 14: Erstellung der Online-Gewerbeanzeige ( E-Bürgerdienst)

Gemeinde

Erfasst

Papier

Der Gewerbetreibende ruft den E-Bürgerdienst über das Web-Portal seiner Gemeinde

oder seines Landkreises auf und wird durch einen Assistenten von Eingabe zu

Eingabe geführt (siehe nachfolgende Abbildung). Die Datenübertragung erfolgt dabei

HTTPS-verschlüsselt.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Abbildung 15: Assistent für die Anzeige eines Gewerbes

Auf Grund der derzeit geringen Verbreitung qualifizierter elektronischer Signaturen

wurde entschieden, dass so genannte Hybridverfahren einzusetzen sind. Am Ende

des Eingabe-Assistenten druckt sich der Gewerbetreibende sein Exemplar der Gewerbeanzeige

aus und sendet seine Daten ab. Die Daten werden per XML an die

zentrale Gewerbedatenbank übermittelt und erscheinen als Gewerbeanzeige in der

To-do-Liste des Sachbearbeiters der zuständigen Gemeinde. Parallel dazu hat der

Gewerbetreibende sein ausgedrucktes Exemplar der Gewerbeanzeige zu unterschreiben

und der Gemeinde vorzulegen.

Ab diesem Zeitpunkt erfolgt die weitere Bearbeitung im oben angeführten Workflow

aus Verwaltungssicht.

Der E-Bürgerdienst unterstützt derzeit sechs Fallkonstellationen:

1) Anmeldung eines neuen Gewerbes,

2) Anmeldung einer neuen Betriebsstätte,

3) Änderung der Betriebsstätte oder Tätigkeit,

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

4) Abmeldung einer bestehenden Betriebsstätte,

5) Anmeldung eines neuen Inhabers und

6) Abmeldung eines Inhabers.

4.3.1.5 Einbindung von Gemeinden mit Fremdverfahren in den Workflow

Wie in den letzten Abschnitten ausgeführt, ist ein besonderes Merkmal einer

E-Governmentlösung zum elektronischen Gewerberegister ein medienbruchfreier

Workflow zwischen kreisangehöriger Gemeinde und Landratsamt. Für die Anbindung

von Verfahren an die zentrale Lösung bietet sich der Einsatz von webservices an. In

Bayern ist dies bereits im Rahmen von GEWAN realisiert worden. In Sachsen wird

derzeit an der Implementierung der webservices gearbeitet.

Benutzen die kreisangehörige Gemeinde und der Landkreis dasselbe Verfahren, ist

die Umsetzung innerhalb des Verfahrens und der Datenbank möglich. Aufgrund der

kommunalen Selbstverwaltung steht es jedoch jeder Kommunalverwaltung frei zu

wählen, welches Gewerbeverfahren eingesetzt wird. Daher kann nicht davon ausgegangen

werden, dass alle kreisangehörigen Kommunen in einem Landkreis das gleiche

Verfahren nutzen werden. Um dennoch die Vorteile der medienbruchfreien Workflow-Lösung

nutzen zu können, wurde ein so genannter Data-Exchange-Service

(DES) zum Datenaustausch und zur Erweiterung des Workflows auf Gemeinden mit

Fremdverfahren konzipiert und bisher in einer Beta-Version 12 umgesetzt.

Dabei ist von drei Szenarien auszugehen.

Szenario A: Eine Gemeinde mit Fremdverfahren übermittelt eine Gewerbeanzeige

an das eGWR mittels eines XML-/EDIFACT-Datensatzes

Nutzen kreisangehörige Gemeinden andere Gewerbeverfahren, werden für die Workflowfunktion

des Landkreises mit diesen Gemeinden XML-Datensätze oder Daten im

EDIFACT-Format ausgetauscht. XML-Datensätze werden in den Formaten XGewerbe,

DatML/RAW und dem proprietären XML-Format des eGWR entgegen genommen.

Der DES nimmt die XML/EDIFACT-Daten vom Fachverfahren X in der Gemeinde Y

entgegen und führt die Plausibilisierung gemäß den Regeln des eGWR durch, was

eine deutliche Verbesserung der Qualität der Daten ermöglicht. Im Erfolgsfalle wird

der Datensatz in der Datenbank des eGWR abgelegt, ansonsten erfolgt die Übermittlung

einer Fehlernachricht. Ab sofort steht der Datensatz für alle notwendigen Funktionen

im eGWR zur Verfügung.

12 Eine Beta-Version ist eine unfertige Version eines Computerprogramms. Während dieser Zeit befindet sich das

Programm in der Beta-Phase oder auch im Beta-Stadium. Der Begriff ist nicht exakt definiert, als Faustregel zur Abgrenzung

einer Beta-Version von anderen Versionen gilt in der Regel, dass zwar alle wesentlichen Funktionen des

Programms implementiert, aber noch nicht vollständig getestet sind und das Programm daher vermutlich noch Fehler

enthält.

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4 SPEZIFIKATION

DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES

GEWERBEREGISTER“

Externe Empfänger

Bürger/Gewerbetreibender

LRA

Anzeige

per HTTPS

Prüft

eGWR-DB

Workflow

XML

E-BD

A

Gemeinde

Erfasst

Papier

EDIFACT / XML

über HTTPS

Gemeinde

Abbildung 16: Gewerbeanzeige von der Gemeinde mit Fremdverfahren an das

eGWR

Werden die Daten im EDIFACT-Format übermittelt, werden sie durch den DATA-

Exchange-Server in XML konvertiert. Für die Übernahme in die Datenbank wird die

gleiche Schnittstelle benutzt wie für die Übernahme der XML-Daten aus dem E-

Bürgerdienst.

Erfasst

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS „ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Abbildung 17: Datenübermittlung Kommune – Landratsamt

webservice

Eintrag in To-do-Liste des Landratamtes

To-do-Liste

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Szenario B: Der von der Gemeinde übermittelte Datensatz „Gewerbeanzeige“

(XML/EDIFACT/Papier) wird vom Landratsamt abgelehnt

Ist das Ergebnis einer Prüfung eines Datensatzes, welcher zu einer Gemeinde mit

Fremdverfahren gehört, negativ, muss dies der Gemeinde (elektronisch) mitgeteilt

werden.

Externe Empfänger

Bürger/Gewerbetreibender

LRA

Anzeige

per HTTPS

Prüft

eGWR-DB

Workflow

XML

E-BD

A

EDIFACT / XML

über HTTPS

B Rückmeldung

Gemeinde

Erfasst

Papier

Abbildung 18: Gewerbeanzeige mit elektronischer Rückinformation

Gemeinde

Erfasst

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Verbindungsaufbau mit Gemeinde

per Webservice (https) und

Übertragung des

Prüfungsergebnisses

Übertragung der Statustabelle

mit Eintrag, wann

Daten an welchen

Empfänger übermittelt

wurden

Abbildung 19: Elektronische Rückinformation an die Gemeinde bei Ablehnung der

Gewerbeanzeige durch das Landratsamt

Szenario C: Eine Gewerbeanzeige geht über den E-Bürgerdienst ein und muss

an eine Gemeinde mit Fremdverfahren weitergeleitet werden

Um Gemeinden mit Fremdverfahren, die keinen eigenen E-Bürgerdienst anbieten,

trotzdem das eGWR bereitstellen zu können, wurde für diesen Fall eine eigene Lösung

(dargestellt in der folgenden Abbildung als „C“) entwickelt.

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4 SPEZIFIKATION

DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES

GEWERBEREGISTER“

Externe Empfänger

Bürger/Gewerbetreibender

LRA

Anzeige

per HTTPS

Prüft

eGWR-DB

Workflow

XML

E-BD

A

EDIFACT / XML

über HTTPS

B Rückmeldung

Prüfung über

HTTPS

Gemeinde

Erfasst

Papier

Abbildung 20: Datenübermittlung Kommune – Landratsamt

C EDIFACT/XML

C

über HTTPS + Papier

EDIFACT/XML

über HTTPS + Papier

Gemeinde

Der E-Bürgerdienst stellt bei einer eingehenden Gewerbeanzeige fest, dass die zugehörige

Gemeinde ein Fremdverfahren benutzt. Anschließend erfolgt die Konvertierung

des Datensatzes in das Format, welches die Gemeinde entgegennehmen kann

(EDIFACT/XGewerbe, ab 2006 auch DatML/RAW). Der Datensatz wird dann über

eine gesicherte Verbindung an die Gemeinde übermittelt.

Erfasst

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS „ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

E

Abbildung 21: E-Bürgerdienst Gewerbeanzeige online mit Anbindung Fremdverfahren

Der E-Bürgerdienst

E-Bürgerdienst

To-do-

DatML/Raw

HTTPS

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

4.3.1.6 Bereitstellung einer Online-Recherche gemäß § 14 Abs. 7 GewO

Es wurde eine Online-Recherche-Möglichkeit geschaffen, welche den nicht mit der

Gewerbeüberwachung betrauten Ämtern eines Landkreises oder einer kreisfreien

Stadt gemäß § 14 Abs. 7 der GewO einen Zugriff auf ausgewählte Felder des Gewerbedatenbestandes

ermöglicht. Zum Einsatz kommt dabei ein allgemeines Tool

zur Auswertung des Gewerbedatenbestandes per Web-Oberfläche.

Über die oben angesprochene Rechteverwaltung wird sichergestellt, dass folgende

Ämter –

• Bußgeldstelle,

• Gesundheitsamt,

• Straßenverkehrsamt und

• Lebensmittelüberwachung –

nur die Felder

• Name,

• Vorname,

• Adresse der Betriebsstätte,

• Adresse der Hauptniederlassung und

• angemeldete Tätigkeit

abrufen können.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Abbildung 22: Auswertung der Gewerbedatenbank am KISA-Beispie

Bei Vorliegen der rechtlichen Voraussetzungen kann diese Lösung problemlos anderen

Behörden zur Online-Recherche bereitgestellt werden. Die Auswertungsmöglichkeiten

sind flexibel, um ggf. einem späteren Bedarf dieser Behörden nachkommen zu

können.

4.3.1.7 Organisatorische Fragestellungen und Erfahrungen bei der Einführung

Bei der Einführung des Verfahrens in Sachsen und zur Bereitstellung medienbruchfreier

Workflows waren zahlreiche organisatorische Fragestellungen zu beachten, die

hier dargestellt und beantwortet werden sollen.

Workflow Gemeinde/Landratsamt

Fragestellung: Soll ein einheitliches Gewerbeverfahren flächendeckend im ganzen

Landkreis eingesetzt werden?

Wird die Frage mit „ja“ beantwortet, ist es hilfreich, wenn das Landratsamt sich an

den Kosten der Einführung des Verfahrens in den kreisangehörigen Gemeinden beteiligt.

Nur so ist eine entsprechende Akzeptanz sicher zu stellen.

Weiterhin ist zu entscheiden, ob bei der Einführung des Verfahrens die Daten je Gemeinde

aus den einzelnen Vorgängerverfahren der Gemeinden zu übernehmen sind

oder ob der Datenbestand des Landkreises als der führende Datenbestand anerkannt

wird, dieser in das neue Verfahren importiert und auf die Gemeindemandanten

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

verteilt wird. Die Erfahrungen sprechen eindeutig für die letztgenannte Lösung, da

hierdurch die Kosten für die Datenkonvertierung niedrig gehalten werden und der organisatorische

Aufwand weitaus geringer ist.

Die Erfolgsquote der Datenübernahme lag im Freistaat Sachsen bisher je nach Vorgängerverfahren

des Landkreises zwischen 91 % und 99,6 %.

Fragestellung: Darf eine Gewerbeanzeige nach erfolgter positiver Prüfung noch

geändert werden?

Als ein weiteres organisatorisches Problem hat sich die Fragestellung heraus gestellt,

ob eine Gewerbeanzeige nach erfolgter positiver Prüfung noch geändert werden darf

oder nicht. Die Aussagen der Landkreise zu dieser Problemstellung waren unterschiedlich,

so dass eine mandantenspezifische Konfigurierbarkeit erforderlich wurde.

Fragestellung: Sollen auch nicht-meldepflichtige Vorgänge in den Workflow aufgenommen

werden?

Im bisherigen Einsatz des Verfahrens hat sich herausgestellt, dass der Umgang mit

nicht-meldepflichtigen Vorgängen (z. B. wenn ein Gewerbetreibender in der Gemeinde

einen nicht meldepflichtigen Sachverhalt per GewA2 anzeigt) in den einzelnen

Landkreisen unterschiedlich ist. Rechtliche Vorgaben gibt es dazu in Sachsen nicht.

Manche Landkreise möchten nicht meldepflichtige, aber dennoch per GewA gemeldete

Vorgänge genauso wie meldepflichtige Vorgänge behandeln, inkl. der Datenübermittlung

an die Empfängerbehörden. Andere Landkreise möchten die nichtmeldepflichtigen

Vorgänge zwar mitgeteilt bekommen und im Verfahren abrufen können,

aber nicht an die Empfängerbehörden weiterleiten und auch bei Gewerbeauskünften

nicht berücksichtigen. Es wurde daher im Workflow ein so genannter Pseudo-

Vorgang implementiert, der mandantenabhängig konfigurierbar ist.

Ist ein einheitliches Gewerbeverfahren im Landkreis nicht geplant, so ist zu organisieren,

dass die Gemeinden, welche ein Fremdverfahren einsetzen, die Daten auf elektronischen

Weg medienbruchfrei an das Verfahren des Landkreises übermitteln. Hierfür

wurde der o. a. DES entwickelt.

Voraussetzung für den Einsatz des DES, der sich in Sachsen noch in der Erprobung

befindet, ist, dass das Fremdverfahren einen standardisierten Gewerbedatensatz überhaupt

ausgeben kann, was nicht immer gegeben ist.

Die nachfolgenden Fragen beziehen sich v. a. auf den Einsatz des DES.

Fragestellung: Wie erfolgt die Übermittlung an den Landkreis?

Es wird ein Webservice mittels HTTPS-gesicherter Verbindung mit vorheriger Authentifi-zierung

per UserID und PIN eingesetzt. Die Variante eines verschlüsselten E-

Mail-Versands wurde aufgrund der hohen organisatorischen Aufwände bei der

Schlüsselverwaltung und der erfahrungsgemäß schlechten Handhabung von E-Mail-

Verschlüsselung durch die Sachbearbeiter in der Gemeinde verworfen.

Fragestellung: Wie erfolgt die elektronische Rückmeldung über die Prüfung der

Gewerbeanzeige an die Gemeinde?

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Das Prüfungsergebnis wird der Einfachheit halber per E-Mail zugestellt, es wird die

ID der Gewerbeanzeige zur Identifikation in der Gemeinde mitgeschickt, u. U. eine

Notiz. Auf die Übermittlung personenbezogener Daten wird verzichtet, um keine Verschlüsselung

einsetzen zu müssen. Ein HTTPS-gesicherter Download wäre ebenso

möglich.

Eine technisch elegantere Lösung für die zwei letzten Fragestellungen wäre die Implementierung

eines Web-Service gewesen, dies hätte aber Änderungen in den Verfahren

der Gemeinden notwendig gemacht, um den Web-Service einzubinden. Wegen

der dann für die Gemeinden entstehenden Kosten für die Programmanpassung

durch die jeweiligen Hersteller und der damit zu erwartenden Akzeptanzprobleme

wurde diese Lösung vorerst verworfen.

Fragestellung: Wie erfolgt die Zuordnung einer Gewerbeanzeige –Ummeldung

oder Abmeldung – aus einem Fremdverfahren zu dem bestehenden Gewerbe im

eGWR?

Die ID des Gewerbes des Fremdverfahrens wird im eGWR als „Alias-Name“ gespeichert

und kann so zugeordnet werden. Die Zuordnung erfolgt im DES i. d. R. maschinell.

Ist der Versuch der maschinellen Zuordnung über den „Alias-Namen“ erfolglos,

wird versucht, über Inhaber und Betriebsstätte eine Zuordnung zu ermöglichen. Die

möglichen Treffer (eine Eindeutigkeit kann nicht vorausgesetzt werden) werden dem

zuständigen Sachbearbeiter im Landratsamt als Vorschlagsliste unterbreitet, die letztendliche

Zuordnung trifft der Sachbearbeiter (Auswahl aus Vorschlagsliste per

Mausklick). Ist auch eine manuelle Zuordnung nicht möglich, wird der Datensatz verworfen

und eine entsprechende Fehlermitteilung an die Gemeinde geschickt.

Da Anlaufschwierigkeiten erwartet werden, wird empfohlen, mit einer solchen Lösung

zunächst mit einer kleineren Gemeinde in einen längeren Probebetrieb zu gehen.

Datenübermittlung an Empfängerbehörden

Der technologische Stand in den Empfängerbehörden ist höchst unterschiedlich.

Nicht alle Empfängerbehörden sind derzeit in der Lage, die Daten auch elektronisch

entgegenzunehmen und weiterzuverarbeiten. Zur Datenübermittlung wurde in Sachsen

wie folgt vorgegangen:

• Durchführung eines Workshops mit allen Empfängerbehörden: Mit diesem Workshop

wurden zunächst alle Empfängerbehörden über das Ziel der elektronischen

Datenübermittlung und die dazu notwendigen Voraussetzungen informiert. Zu

den Voraussetzungen gehören:

– Entgegennahme von Gewerbeanzeigen in einem Standardformat (EDIFACT,

XGewerbe, DatML/RAW) und

– elektronische Erreichbarkeit.

• Einzelgespräche mit allen Empfängerbehörden: Mit jedem Empfänger ist einzeln

abzuklären,

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

– ob die Daten überhaupt elektronisch entgegengenommen werden können,

– welches Format zu übergeben ist,

– welcher Übertragungsweg benutzt wird,

– ob der Übertragungsweg (KDN/IHL?) sicher ist,

– wie die Verschlüsselung erfolgt, wenn der Übertragungsweg nicht sicher ist,

– wie die gegenseitige Authentifizierung erfolgt,

– wie die Übermittlung protokolliert wird,

– welche Testphase vereinbart wird und

– welcher Übermittlungszyklus angewendet wird.

• Testphase: In der vereinbarten Testphase wird die elektronische Übermittlung der

Datensätze parallel zum Papier vorgenommen. Die Testphase sollte nicht zu

knapp bemessen sein, um alle im vorherigen Abschnitt angesprochenen Probleme

mit hinreichender Sicherheit erfolgreich testen zu können. Es kann nicht ausgeschlossen

werden, dass sich in der Testphase herausstellt, dass getroffene organisatorische

Festlegungen angepasst werden müssen.

Erst nach längerer erfolgreicher Testphase sollte mit der elektronischen Übermittlung

in den Produktionsbetrieb gegangen werden.

Elektronischer Bürgerdienst Gewerbeanzeige online

Fragestellung: Soll ein elektronischer Bürgerdienst für die Gewerbeanzeige eingesetzt

werden?

Der Einsatz eines elektronischen Bürgerdienstes ist erstrebenswert, da hierdurch erst

eine durchgängige, medienbruchfreie E-Governmentlösung ermöglicht wird.

Fragestellung: Wie wird dem Erfordernis der Schriftform entsprochen? Soll die

qualifizierte elektronische Signatur zum Einsatz kommen?

Die Voraussetzung einer qualifizierten elektronischen Signatur verringert die Akzeptanz

drastisch. Als Alternative wurde daher in Sachsen das so genannte Hybridverfahren

eingesetzt.

Fragestellung: Welche Vorgänge der Gewerbeanzeige werden online unterstützt?

Diese Frage beantworten die Nutzerverwaltungen unterschiedlich. Der E-

Bürgerdienst muss daher mandantenspezifisch konfigurierbar sein.

4.3.2 Die Gewerbeanmeldung in Mecklenburg Vorpommern (medienbruchfreier

Workflow)

Nachfolgend wird dargestellt, wie die Anmeldung eines Gewerbes in Mecklenburg-

Vorpommern medienbruchfrei gestaltet wurde.

60 von 92


4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

4.3.2.1 Ausgangssituation

Innerhalb des Sachgebietes Gewerbewesen, welches in einer kreisfreien Stadt wie

Rostock dem Stadtamt zugeordnet ist, existieren eine Vielzahl unterschiedlicher Teilprozesse,

die sich über alle in Kommunikationsbeziehungen stehenden Instanzen

(C2G, B2G, G2G) erstrecken. Kernprozesse stellen hierbei die Gewerbeanmeldung, -

abmeldung, -ummeldung sowie die Gewerberegisterauskunft dar. Im Rahmen der

bisherigen Analyse wurden spezielle Teilprozesse identifiziert. Entscheidende Kriterien

hierfür waren deren elektronische und rechtssichere Umsetzbarkeit sowie deren

Nutzbarkeit und Dringlichkeit für die Verwaltung.

Die derzeitige Bearbeitung der verschiedenen Teilprozesse erfolgt zum überwiegenden

Teil manuell. Die Anträge werden von den Antragstellern händisch ausgefüllt und

im Stadtamt manuell in das Verwaltungssystem (IKOL-GW von der Telecomputer

GmbH, CBG Schwerin) übertragen. Die Software übernimmt die Verwaltung der gemeldeten

Gewerbe: mit deren Anmeldungen, Ummeldungen und Abmeldungen. Zudem

werden Unterstützungen hinsichtlich der Meldeverfahren geboten und die Melderegisterauskunft

ermöglicht. Die Kommunikation innerhalb der dargestellten Prozesse

mit anderen Ämtern und Institutionen geschieht zum großen Teil auf dem

Postweg. IKOL-GW verfügt hierfür über eine Exportfunktion zum Ausdruck verschiedener

amtlicher Schreiben. Die Schreiben werden in der Poststelle der Behörde gesammelt

und verschickt. Ein weiterer Teil der Kommunikation erfolgt auf der Basis

von Telefongesprächen, Faxen und E-Mails, welche zumeist nicht im engen Sinne

von standardisierter Form sind. Zur Kommunikation mit der Statistik sowie der IHK

verfügt IKOL-GW über eine EDIFACT-Schnittstelle. Die IHK erhält die EDIFACT-

Daten in Form eines Flat-Files per E-Mail zugesendet, die zur Weiterverarbeitung

größtenteils wieder manuell vorbereitet werden müssen. Die IHK Rostock sowie einige

anderen Kammern planen in nächster Zeit den Einsatz neuer Software innerhalb

der Kammer. Hierbei soll der Datenaustausch auf der Basis von XML beruhen. Allgemein

wäre es wünschenswert, die Kommunikation für die Prozesse im Gewerbewesen

auf der Basis von XML durchzuführen (plattformunabhängig, strukturiert, lesbar,

leicht zu transformieren). Eine für das Gewerbewesen geeignete Form der

Kommunikation bietet OSCI-Transport (Online Service Computer Interface) als sichere

Transportschicht und XGewerbe. Grundlage für die Technologien sind XML,

SOAP, XML-Signature und XML-Encryption.

4.3.2.2 Das Verfahren der Gewerbeanmeldung

Die derzeit analysierten Prozesse beziehen sich auf das Verfahren der Gewerbeanmeldung.

Die Gewerbe und analog dazu deren Anmeldung unterteilen sich in folgenden

Klassen:

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Anzeigepflichtig

Handwerkspflichtig

Abbildung 23: Klassen von Gewerbeanmeldungen

Erlaubnispflichtig

Stadtamt

Überwachungspflichtig

Im Folgenden wird die Verfahrensweise bei der Anmeldung von Gewerben für diese

Klassen getrennt voneinander dargestellt.

Anzeigepflichtiges Gewerbe

Für die Anmeldung aller Gewerbe erfolgt zunächst das Anzeigeverfahren (siehe

Abbildung 24).

Vom Bürger sind hierfür der ausgefüllte Antrag sowie optional dessen Identifikation

mit einem Personalausweis oder mit einer qualifizierten elektronischen Signatur (für

den elektronischen Weg) notwendig. Auf Basis dieser Dokumente beginnt der

Workflow im Stadtamt in der zuständigen Gewerbeabteilung. Es erfolgt zunächst eine

Prüfung der Identität und des Alters, wobei bei Bedarf mit dem Einwohnermeldeamt

bzw. mit dem Vormundschaftsgericht kommuniziert wird. Handelt es sich bei dem anzumeldenden

Gewerbe um eine Gesellschaft, wird zur Überprüfung ein Registerauszug

vom zuständigen Amtsgericht angefordert. Sind alle Prüfungen positiv verlaufen,

wird dem Antrag stattgegeben und es werden Benachrichtigungen an den Antragsteller,

die verschiedenen Ämter und Institutionen versendet. Je nach den Merkmalen

des Gewerbes oder des Antragstellers werden zusätzliche Benachrichtigungen z. B.

an die IHK oder die Ausländerbehörde vorgenommen.

Der Ablauf gestaltet sich wie folgt:

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Finanzamt

Anzeigeverfahren

Gewerbeaufsichtsamt

Berufsgenossenschaft

Antrag

Benachrichtigungen

Zoll

Personalausweis/Signatur

vorhanden

ja

Person

unter 18

ja

Gesellschaft

ja

Antrag o.k.

Bürger

Personalausweis/

Signatur

Stadtamt

nein

Auskunft

nein

Auskunft

nein

Registrierung

Benachrichtigungen

optional

Amt für

Umweltschutz

Statistik

Stadtsteueramt

Einwohnermeldeamt

Vormundschaftsgericht

Amtsgericht

Handwerkskammer

IHK

Legende:

Hygiene/

Veterinäramt

Gesundheitsamt

= Dokument

= Verzweigung

= Einrichtung/Person

= Aktion

= Zustand

= Optional

= Kommunikation

= Workflowablauf

Ausländerbehörde

Abbildung 24: Workflow für die Anmeldung eines anzeigepflichtigen Gewerbes

Erlaubnispflichtiges Gewerbe

Bei einer Anmeldung erlaubnispflichtiger Gewerbe erfolgt neben dem Anzeigeverfahren

das Erlaubnisverfahren. Deren zeitliche Abarbeitung ist abhängig vom jeweiligen

Gewerbe (z. B. Gastronomie: parallel; Bewachung: erst Erlaubnisverfahren, dann

Anzeigeverfahren).

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Antrag

Auskunft aus

Gewerbezentralregister

Erlaubnisverfahren

Steuerliche

Unbedenklichkeitsbescheinigung

(Finanzamt)

Führungszeugnis

Gesellschaft

ja nein

ja

Überprüfung

Überprüfung

Überprüfung

Bürger

Erlaubnisverfahrensschritte

entsprechend

dem Gewerbe

Erlaubnis

Stadtamt

Führungszeugnisvorhanden

Führungszeugnis

z.B.:

• Gastronomie

• Spielhallen

• Versteigerer

• Bewachung

• Makler

• Pfandleihhäuser

• Schaustellen von

Personen

• Bauträgen

nein

Legende:

Bundeszentralregister

Einwohnermeldeamt

IHK

Wohngemeinde

= Dokument

= Verzweigung

= Einrichtung/Person

= Aktion

Amtsgericht

• Insolvenzabteilung

• Schuldnerregister

= Zustand

= Optional

= Kommunikation

= Workflowablauf

Abbildung 25: Workflow für die Anmeldung eines erlaubnispflichtigen Gewerbes

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Erlaubnisverfahren – Gastronomie

Umbau

nein

nein

Erlaubnisverfahren

(allgemein)

Neubau

ja

Nutzungsänderung

Zubereitung

von Speisen

nein

Erlaubnis

Mit Unterbringung

Benachrichtigungen

(siehe

Anzeigepflichtige)

ja

Baugenehmigung

ja

Nutzungsänderung

Benachrichtigungen

Benachrichtigungen

Stadtamt

Gesundheitsamt

Legende:

= Dokument

= Verzweigung

= Einrichtung/Person

= Aktion

= Zustand

Ablauf

Erlaubnisverfahren Anzeigeverfahren

Bauamt

Veterinäramt

Krankenkasse

= Optional

= Kommunikation

= Workflowablauf

Abbildung 26: Workflow für die Anmeldung eines erlaubnispflichtigen Gewerbes –

Gastronomie

Der erste Schritt des Erlaubnisverfahrens umfasst die Prüfung der Person über das

Führungszeugnis bzw. der Gesellschaft über das Gewerbezentralregister. Anschließend

erfolgen Überprüfungen in Kommunikation mit der IHK, der Wohngemeinde und

dem Amtsgericht. Für die einzelnen Gewerbe sind vor der Erlaubnis noch individuelle

Teilprozesse, wie sie in Abbildung für Gaststätten und Abbildung 27 für Bewachungen

dargestellt sind, abzuarbeiten.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Nachweis Haftpflichtversicherung/Police

(Versicherung)

Erlaubnisverfahren – Bewachung

Erlaubnisverfahren

(allgemein)

Fachliche Eignung/

Zeugnis (IHK)

Erlaubnis

Benachrichtigungen

(siehe

Anzeigepflichtige)

Nachweis der

finanziellen Mittel

(Bank oder Bilanz)

Bürger

Stadtamt

Legende:

= Dokument

= Verzweigung

= Einrichtung/Person

= Aktion

= Zustand

= Optional

Ablauf

Erlaubnisverfahren

Anzeigeverfahren

= Kommunikation

= Workflowablauf

Abbildung 27: Workflow für die Anmeldung eines erlaubnispflichtigen Gewerbes –

Bewachung

Das Projekt VESUV

Ausgehend von den obigen Prozess-Spezifikationen werden derzeit im Rahmen des

vom BMWA geförderten VESUV-Projektes 13 (verteilte Software-Agenten für sichere,

rechtsverbindliche Aufgabendelegation in mobilen, kollaborativen Anwendungen) in

Zusammenarbeit mit der Hansestadt Rostock und weiteren Partnern digitale Software-Assistenten

entwickelt, um häufig wiederkehrende Behördengänge zu erledigen.

Ziel ist es, Bürgern, Sachbearbeitern und Entscheidungsträgern in der Hansestadt

Rostock künftig regelmäßig anfallende, komplexe Geschäftsprozesse zu erleichtern.

Konkrete Einsatzbereiche sind das Gewerbewesen und die Organisation

von Großveranstaltungen (Eventmanagement).

13 Vgl. http://www.vesuv-projekt.de.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

4.3.3 Die Gewerbeauskunft im Freistaat Thüringen

Beschrieben wird der Prozess der Auskunft aus dem Gewerberegister gem. § 14 (6)

und (8) GewO für öffentliche und nicht-öffentliche Stellen. Im Einzelnen geht es um

die Gewerbeauskunft für den autorisierten Behördenkreis und für die Bürger unter

den Bedingungen einer kreisfreien Stadt in Thüringen.

Mit der Online-Auskunft soll ein Verfahren zur Verfügung stehen, bei dem Anfrage,

Gebührenerhebung und Auskunft online über das Internet und dies möglichst in

Echtzeit erfolgen. Hierin liegt eine erhebliche Verwaltungsvereinfachung für die Auskunftssuchenden,

aber auch für die Gewerbebehörden.

Um die Vorteile der elektronischen Kommunikation zwischen dem Auskunftssuchenden

und der Gewerbebehörde bundesweit nutzen zu können, bedarf es, sofern die

Gewerbebehörde einen automatisierten Abruf über das Internet zulassen darf und

will, jedoch einer verbindlichen Ausgestaltung bestimmter Verfahrensabläufe (bei der

Feststellung der Identität des Anfragenden und der Bereitstellung einer „Bezahl-

Funktion“ für die zu entrichtenden Gebühren).

Bei dem vorgesehenen Verfahren soll es sich nicht um einen automatisierten Abruf

im Sinne eines freien, an keinerlei Voraussetzungen gebundenen Zugangs zum Gewerberegister

handeln. Vielmehr wird eine Auskunft nur über die gemäß $ 14 Abs 6

und 8 zulässigen Daten erteilt– und zwar erst dann, wenn die Angaben des Auskunftssuchenden

eine eindeutige Identifizierung des Gewerbetreibenden (des Gesuchten)

ermöglichen.

Damit bei der Internetauskunft kein Zugriff durch „Unbekannte“ auf das Gewerberegister

erfolgt, muss die Identität des Antragstellers (auch aus Gründen des Gebühreneinzuges)

feststehen. Dies kann beispielsweise durch Authentisierung mittels einer

elektronischen Signatur, also eine einfache Identifikation, aber auch durch Nutzung

eines von ihm nach einer Registrierung zugeteilten Zugangscodes über

PIN/Passwort erfolgen.

4.3.3.1 Prozessauslöser

Antragsteller sind öffentliche Stellen (wie Behörden, Organe der Rechtspflege, öffentlich-rechtliche

Einrichtungen des Bundes, der Länder und Gemeinden) oder nichtöffentliche

Stellen (wie Rechtsanwälte, Privatpersonen u. a.).

4.3.3.2 Prozessinhalt

Nach § 14 (6) Gewerbeordnung dürfen an öffentliche Stellen fallweise aus der Gewerbeanzeige

• Name,

• betriebliche Anschrift und

• angezeigte Tätigkeit

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4 SPEZIFIKATION

DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES

GEWERBEREGISTER“

– so genannte „Grunddaten“ des Gewerbetreibenden – übermittelt werden, soweit

dies zur Erfüllung der in ihre Zuständigkeit fallenden Aufgaben erforderlich ist.

Weitere Daten aus der Gewerbeanzeige dürfen ihnen übermittelt werden, wenn:

• dies zur Abwehr erheblicher Nachteile für das Gemeinwohl oder sonst unmittelbar

drohenden Gefahr für die öffentliche Sicherheit erforderlich ist oder

• die Empfänger die Daten beim betroffenen Gewerbetreibenden nur mit unverhältnismäßig

hohem Aufwand erheben könnten oder von einer solchen Datenerhebung

nach der Art der Aufgabe, zu der die Daten erforderlich sind, abgesehen

werden muss und kein Grund zu der Annahme besteht, dass das schutzwürdige

Interesse des Gewerbetreibenden überwiegt.

Die o. g. Stellen erhalten gebührenfreie Auskünfte.

Nach § 14 (8) Gewerbeordnung dürfen an nicht-öffentliche Stellen aus der Gewerbeanzeige

• Name,

• betriebliche Anschrift und

• angezeigte Tätigkeit

– so genannte „Grunddaten“ des Gewerbetreibenden – übermittelt werden, wenn der

Auskunftsbegehrende ein berechtigtes Interesse an der Kenntnis der Daten glaubhaft

macht.

Die Übermittlung weiterer Daten ist zulässig, wenn der Auskunftsbegehrende ein

rechtliches Interesse, insbesondere zur Geltendmachung von Rechtsansprüchen, an

der Kenntnis der zu übermittelnden Daten glaubhaft macht und kein Grund zu der

Annahme besteht, dass das schutzwürdige Interesse des Gewerbetreibenden überwiegt.

Die o. g. Stellen erhalten gebührenpflichtige Auskünfte.

Auskünfte sind unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen der Gewerbeordnung

und der Datenschutzgesetze des Bundes und der Länder bei eindeutiger

Zuordnung des Auskunftsersuchens zu einem Gewerbetreibenden zu erteilen.

Zu unterscheiden sind autorisierte und nicht autorisierte Auskunftsersuchende.

4.3.3.3 Varianten des Hauptprozesses

Der Hauptprozess – zum einen das Auskunftsersuchen einer öffentlichen Stelle und

zum anderen das Auskunftsersuchen einer nicht-öffentlichen Stelle – kann unterschiedlich

gestaltet werden.

Die auskunftsersuchende Behörde (Auskunftsersuchender) erhält nach Eingabe der

PIN/Passwort-Kombination ein mit den Daten der Behörde und einem Aktenzeichen

(Transaktionsnummer) vorausgefülltes Formular zur Eingabe der Anfragedaten (bekannte

Daten des Betriebsinhabers bzw. des Betriebes). Hierbei kann der Vordruck

zur Gewerbeanzeige oder ein spezieller Webdialog zur Anwendung kommen.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS „ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Abteilung Gewerbeangelegenheiten

Logging

Zeitstempel Log-Daten

Sessionmanagement

Transaktionsnummer

Aktenzeichen

Transaktion Aktenzeichen

Nutzermanagement

Prozess: Authentifizierung/IdentDaten

Benutzer

Empfängerdaten/Status

PIN/PASS

Login/Client/Res

• Empfängerdaten: Anschrift

• Status: Behörde/Privat

Empfängerdaten/Status

Aktenzeichen

Formmanagement

Transaktionsnummer

Forms

Abbildung 28: Funktionsschema autorisierte Auskunft – Autorisierung

Form-

Gerüst

Prüfung

Zugangsdaten

OK: Empfängerdaten/Status

Form:

Generator

Controller-Schnittstelle

Kommentar:

Steuerdaten aus

Backend

PIN/PASS

NO: Fehler

HTML-Form

Behörde

Form:

Anmeldung

Form:

vorausgef.

Anfrage

Formulardaten

-2 -

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Die Implementierung/Realisierung geschieht stufenweise. Die Infrastruktur-Software

und der Formularserver wurden bereits auf der genannten Plattform installiert.

CuriaWORLD Formularserver

Login-Plugin

(Web-Anwendung)

Gewerberegister-

Formular

(kann mit dem

Designer erstellt

werden)

Payment-Plugin

(Web-Anwendung)

User-Service Payment-Service

Registrieranwendung

(Web-Anwendung)

Freischaltanwendung

(Web-Anwendung)

Kassensystem

AB-DATA

Gewerberegister-

Plugin

(Web-Anwendung)

Delivery-Service

Abbildung 29: Online Gewerberegisterauskunft – Funktionsfluss

Migewa-

Fachanwendung

Virtuelle

Poststelle

(Web-Anwendung)

Migewa-

Datenbank

Das neue System (s. Abb. 29) wurde als eigenständige Serverinstanz in die bestehende

Infrastruktur integriert. Am dem Gewerberegisterverfahren wird die Leistungsfähigkeit

der Infrastrukturkomponenten (Laufzeitumgebung, Module, Administrationsanwendungen

und Schnittstellen) nachgewiesen.

Mit dem Ziel der Kostenreduktion durch Wiederverwendbarkeit und Sicherstellung

der Interoperabilität durch definierte Schnittstellen und Protokolle (XDienst, OSCI)

wird ein flexibler Middleware-Ansatz verfolgt. Das garantiert eine einfache und kostengünstige

Übertragung und Verbreitung der Lösung auf andere Kommunen, ohne

die notwendigen Anpassungen zu behindern.

Bei der synchronen Beantwortung der Anfrage erfolgt die Auskunft elektronisch, ohne

die Mitwirkung eines Mitarbeiters der Stadtverwaltung.

Im Gegensatz zu einer synchronen Beantwortung ist es bei einer asynchronen

Beantwortung einer Anfrage notwendig, dass ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes in

das Auskunftsverfahren eingreift.

Die Anfragen öffentlicher Stellen werden grundsätzlich kostenfrei gewährt, für die Anfragen

nicht-öffentlicher Stellen sind Möglichkeiten der Gebührenerhebung und das

Anbieten verschiedener Bezahlverfahren vorzusehen (aktuell: 15 € pro Anfrage). Die

Steuerung, ob ein Kunde kostenfreie Auskünfte erhält oder hierfür bezahlen muss,

wird im Rahmen der Freischaltanwendung abgewickelt.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Alle implementierten Module und Anwendungen genügen den Standards und Empfehlungen

der BITV sowie SAGA und SIGA in ihrer jeweils zum Implementierungszeitpunkt

aktuellen Version:

• SAGA (http://kbst.bund.de/Themen-und-Projekte/eGovernment-,182/SAGA.htm),

• SIGA (http://www.bsi.de/fachthem/egov/4_siga.htm) und

• Standards der XÖV-Gruppe.

Bürger

Login-Maske

Anmeldung mit:

- Benutzername und

Kennwort

- Zertifikat

Verlinkung zur

Registrieranwendung

Virtuelle

Poststelle

Das Ergebnis der

Anfrage wird aus dem

Dateisystem importiert

und verschickt.

Auch Rückfragen sind

über die VPS möglich.

Formular für

Abfragedaten

Formular zur Eingabe

der Abfragedaten der

Gewerberegisterauskunft

Dieses Formular kann

mit dem

Formulardesigner

erstellt werden

Sachbearbeiter

Formularserver

Migewa-

Fachanwendung

Die Anfrage wird

direkt in die Migewa -

Fachanwendung

importiert und kann

hier weiterbearbeitet

werden.

Das Ergbnis wird ins

Dateisystem

exportiert.

Abbildung 30: Online-Gewerberegisterauskunft – Architektur

Ergebnismaske

Es wird angezeigt,

dass kein eindeutiger

Treffer ermittelbar war

und die Anfrage an

einen Sachbearbeiter

weitergeleitet wurde

Das Funktionsmodul Gewerberegisterauskunft befindet sich seit September 2006 im

Pilotbetrieb. Es basiert auf den in dieser Spezifikation empfohlenen Vorgehensweisen

und erfüllt die rechtlichen Anforderungen an eine Gewerberegisterauskunft. Es

realisiert sie einfache und erweiterte Auskunft, ist transaktionsorientiert und bietet die

Möglichkeit der Anmeldung mit qualifizierter Signatur. Die Bezahlfunktionen werden

aktuell implementiert, dem Anwender stehen mehrere Modi zur Verfügung. Transaktionen

(Sitzungen) können unterbrochen, gespeichert und wieder aufgenommen werden.

Anträge kann der Bürger als PDF oder per Post einreichen. Auskünfte werden

entweder elektronisch über eine ebenfalls implementiert Virtuelle Poststelle oder auf

dem Postweg erteilt.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Abbildung 31: Online Gewerberegisterauskunft – Bürgersicht

Unter Verwendung des Vordruckes „Gewerbe-Auskunft“ kann ein modularer Formularaufbau

abgeleitet werden:

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Abbildung 32: Formular einer Suchmaske für autorisierte Behörde am Beispiel der

Stadt Erfurt

Nach Eingabe der begehrten Angaben startet der Auskunftsersuchende die Abfrage.

Zulässig sind nur Auskunftsersuchen, die nicht kontinuierlich erfolgen. Diese dürfen

sich auf Einzelfälle oder Fallgruppen beziehen.

Die eingegebenen Angaben werden vom System mit dem Datenbestand des Gewerbeverfahrens

abgeglichen. Ist eine eindeutige Zuordnung der Abfrage zum Datenbestand

möglich, erhält der Auskunftsersuchende die gewünschte Auskunft im Regelfall

per E-Mail oder als PDF-Datei zum direkten Ausdruck aus dem Browser.

Ist eine eindeutige Zuordnung zum Datenbestand nicht möglich, erhält der Auskunftsersuchende

eine entsprechende Information und das Auskunftsersuchen wird

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

durch einen Mitarbeiter der Gewerbebehörde bearbeitet durch Einstellung in den

Postkorb des Gewerberegisterverfahrens.

Das Einpflegen des Bearbeitungsstandes erfolgt durch den Mitarbeiter. Mögliche Bearbeitungsstände

sind

• "Ersuchen im Posteingang des Mitarbeiters",

• "Bearbeitung erst nach Vorortüberprüfung",

• "Bearbeitung erst nach Vornahme Gewerbeanzeige" und

• "Auskunft erteilt".

Der Mitarbeiter kann Bearbeitungsstände mit Kommentaren und weiteren Aufforderungen

versehen. Wenn Aufforderungen an den Auskunftsersuchenden vorliegen,

erhält dieser darüber eine Mitteilung per E-Mail.

Die Verantwortung für die Übermittlung der Daten trägt im Falle des Auskunftsbegehrens

der Empfänger. Die übermittelnde Stelle prüft nur, ob das Übermittlungsersuchen

im Rahmen der Aufgaben des Empfängers liegt. Hier muss also die Zuständigkeit

der ersuchenden Behörde ersichtlich sein und die Anfrage muss inhaltlich

schlüssig sein. Die Entscheidung trifft der jeweilige Sachbearbeiter.

Der Mitarbeiter bearbeitet das Auskunftsersuchen, speichert die Auskunft als PDF-

Datei in den Ordner des Auskunftsersuchenden und setzt den Bearbeitungsstand auf

"Auskunft erteilt". Im Bearbeitungsstand "Auskunft erteilt" erhält der Auskunftsersuchenden

eine Benachrichtigung.

Die Auskunftsersuchen sind entsprechend den Bestimmungen des Fachamtes für die

Dauer von sechs Monaten zu protokollieren und mit der Angabe des Auskunftsersuchenden

im Datensatz des Gewerbetreibenden zu speichern.

Die Bereitstellung von vorausgefüllten Formularen ist eine zentrale Systemkomponente.

Hier kann der Nutzer eine vormals abgebrochene Sitzung wieder aufnehmen,

ohne die Eingabe wiederholen zu müssen. Das System speichert die Eingabe transaktiosnspezifisch

zwischen und stellt dann vorausgefüllt Formulare zur Verfügung.

Die Funktion stellt nutzer- und transaktionsspezifische elektronische Formulare zum

Download, aber auch zur Bearbeitung am Bildschirm bereit.

Die lokale Speicherung sowie das Rücksenden mit und ohne Signaturfunktion von

Formularen soll ermöglicht werden, ebenso das individuelle Ausdrucken leerer bzw.

ausgefüllter Formulare und deren Rücksendung per Post.

Die Rücksendung auf einem der genannten Wege verursacht entweder die manuelle

Eingabe der Daten in das Fachverfahren durch die zuständige Verwaltung bei Rücksendung

via Post bzw. die automatische Datenvalidierung, -plausibilisierung und

-vorverarbeitung im Online-Verfahren.

Die auskunftsersuchende Behörde erhält ein Formular zur Eingabe der Empfängerdaten

des Ersuchens. Der Auskunftsersuchende muss entscheiden, ob er zukünftig

am Online-Verfahren teilnehmen will.

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Der Auskunftsersuchende erhält ein mit den Daten des Auskunftsersuchenden und

einem Aktenzeichen vorausgefülltes Formular zur Eingabe der Anfragedaten, wie bekannte

Daten des Betriebsinhabers bzw. des Betriebes. Hierbei findet der Vordruck

zur Gewerbeanzeige Anwendung.

Nach einer Abfrage, ob alle bekannten Angaben eingegeben wurden, wird der Auskunftsersuchende

befragt, ob er die drei Grunddaten (sog. einfache Auskunft) oder

darüber hinaus weitere Angaben aus der Gewerbeanzeige (sog. erweiterte Auskunft)

benötigt.

Wenn weitere Angaben aus der Gewerbeanzeige benötigt werden, muss zusätzlich

durch den Auskunftsersuchenden ein bestimmter Tatbestand aus einem vorgegebenen

Tatbestandskatalog ausgewählt werden.

Nach Eingabe der begehrten Angaben startet der Auskunftsersuchende die Abfrage.

Zulässig sind nur Auskunftsersuchen, die nicht kontinuierlich erfolgen. Diese dürfen

sich auf Einzelfälle oder Fallgruppen beziehen. Die eingegebenen Angaben werden

mit dem Datenbestand des Gewerbeverfahrens abgeglichen. Ist eine eindeutige Zuordnung

der Abfrage zum Datenbestand möglich, erhält der Auskunftsersuchende

sofort eine Information, dass ihm die Auskunft postalisch zugesandt wird.

Die Verantwortung für die Übermittlung der Daten trägt im Falle des Auskunftsbegehrens

der Empfänger. Die übermittelnde Stelle prüft nur, ob das Übermittlungsersuchen

im Rahmen der Aufgaben des Empfängers liegt. Hier muss also die Zuständigkeit

der ersuchenden Behörde ersichtlich und die Anfrage muss inhaltlich schlüssig

sein. Die Entscheidung trifft der jeweilige Sachbearbeiter.

Der Mitarbeiter bearbeitet das Auskunftsersuchen und sendet die Auskunft an den

Empfänger. Wenn der Auskunftsersuchende am Online-Verfahren teilnehmen will,

wird mit der Auskunft ein Schreiben mit den Zugangsdaten zum Online-Verfahren an

den Auskunftsersuchenden versandt. Dieses Schreiben muss durch den Auskunftsersuchenden

gegengezeichnet werden.

Die Auskunftsersuchen sind für die Dauer von sechs Monaten zu protokollieren und

mit der Angabe des Auskunftsersuchenden im Datensatz des Gewerbetreibenden zu

speichern.

4.3.3.4 Prozessergebnis

Die Antragsteller erhalten eine einfache oder erweiterte Auskunft aus dem Gewerberegister

und ggf. einen Kostenbescheid.

4.3.4 Administrationsanwendungen

Die Administrationsanwendungen stellen das zentrale Werkzeug zur Überwachung,

Pflege und Anpassung der in den Basismodulen definierten Anforderungen und

Schnittstellen dar. Gleichzeitig stehen der Infrastruktur folgende Administrationsanwendungen

zur Verfügung:

Benutzermanagement,

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4 SPEZIFIKATION DES VERFAHRENS

„ELEKTRONISCHES GEWERBEREGISTER“

Monitoringservice,

Protokollierungsservice und

Entwicklungsumgebung.

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LITERATURVERZEICHNIS

Literaturverzeichnis

Andersen 1997 Andersen, Uwe: Gemeinden/Kommunale Selbstverwaltung. In:

Andersen, Uwe/ Woyke, Wichard (Hrsg.): Handwörterbuch des

politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland, 3. Aufl.,

Opladen: Leske & Budrich 1997, S. 172-180.

BSI 2006a Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI):

E-Government-Handbuch, Bonn 2006.

http://www.bsi.bund.de/fachthem/egov/3.htm

Abruf 22.09.2006.

BSI 2006b Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI):

IT-Grundschutz, Bonn 2006.

http://www.bsi.bund.de/gshb/index.htm

Abruf 22.09.2006.

BSI 2006c Projektgruppe E-Government im Bundesamt für Sicherheit in

der Informationstechnik: Phasenplan E-Government.

Phase 3 Analyse. Modul aus dem E-Government-Handbuch.

Bonn 2006.

http://www.bsi.bund.de/fachthem/egov/6.htm

Abruf 22.09.2006.

Tettinger/ Wank

2004

Peter J. Tettinger/ Rolf Wank: Gewerbeordnung - Kommentar,

7. Auflage, Verlag C.H. Beck München 2004.

DIN 2006 Deutschen Institut für Normung: DIN EN ISO 9241, Beuth-

Verlag, Berlin 2006.

KBSt 2005 Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für

Informationstechnik in der Bundesverwaltung (KBSt): SAGA.

Standards und Architekturen für E-Government-Anwendungen.

Version 2.1. Schriftenreihe der KBSt. Band 82. September

2005.

http://www.kbst.bund.de/cln_011/nn_836960/Content/

Standards/Saga/Standards/standards__node.

html__nnn=true

Abruf 29.06.2006.

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ANHANG 1: § 14 GEWERBEORDNUNG

Anhang 1: § 14 Gewerbeordnung

(1) Wer den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes oder den Betrieb einer

Zweigniederlassung oder einer unselbständigen Zweigstelle anfängt, muss dies der

für den betreffenden Ort zuständigen Behörde gleichzeitig anzeigen. Das gleiche gilt,

wenn

1. der Betrieb verlegt wird,

2. der Gegenstand des Gewerbes gewechselt oder auf Waren oder Leistungen ausgedehnt

wird, die bei Gewerbebetrieben der angemeldeten Art nicht geschäftsüblich

sind, oder

3. der Betrieb aufgegeben wird.

Die Anzeige dient dem Zweck, der zuständigen Behörde die Überwachung der Gewerbeausübung

sowie statistische Erhebungen nach Maßgabe der Absätze 5 bis 11

zu ermöglichen. Die erhobenen Daten dürfen von der für die Entgegennahme der

Anzeige und die Überwachung der Gewerbeausübung zuständigen Behörde nur für

diesen Zweck verarbeitet oder genutzt werden. Steht die Aufgabe des Betriebes eindeutig

fest und ist die Abmeldung nicht innerhalb eines angemessenen Zeitraums

erfolgt, kann die Behörde die Abmeldung von Amts wegen vornehmen.

(1a) Die Finanzbehörden teilen den zuständigen Behörden die nach § 30 der Abgabenordnung

geschützten Verhältnisse von Unternehmen im Sinne des § 5 des Gewerbesteuergesetzes

mit, wenn deren Steuerpflicht erloschen ist; mitzuteilen sind

lediglich Name und Anschrift des Unternehmers und der Tag, an dem die Steuerpflicht

endete. Die Mitteilungspflicht besteht nicht, soweit ihre Erfüllung mit einem unverhältnismäßigen

Aufwand verbunden wäre. Absatz 1 Satz 3 und 4 gilt entsprechend.

(2) Absatz 1 gilt auch für den Handel mit Arzneimitteln, mit Losen von Lotterien und

Ausspielungen sowie mit Bezugs- und Anteilscheinen auf solche Lose und für den

Betrieb von Wettannahmestellen aller Art.

(3) Wer die Aufstellung von Automaten (Waren-, Leistungs- und Unterhaltungsautomaten

jeder Art) als selbständiges Gewerbe betreibt, muss die Anzeige nach Absatz

1 allen Behörden erstatten, in deren Zuständigkeitsbereich Automaten aufgestellt

werden. Die zuständige Behörde kann Angaben über den Aufstellungsort der einzelnen

Automaten verlangen.

(4) Für die Anzeigen ist

1. in den Fällen des Absatzes 1 Satz 1 (Beginn des Betriebes) ein Vordruck nach

dem Muster der Anlage 1 (Gewerbeanmeldung - GewA 1),

2. in den Fällen des Absatzes 1 Satz 2 Nr. 1 (Verlegung des Betriebes) und in den

Fällen des Absatzes 1 Satz 2 Nr. 2 (Wechsel oder Ausdehnung des Gegenstandes

78 von 92


ANHANG 1: § 14 GEWERBEORDNUNG

des Gewerbes) ein Vordruck nach dem Muster der Anlage 2 (Gewerbeummeldung -

GewA 2),

3. in den Fällen des Absatzes 1 Satz 2 Nr. 3 (Aufgabe des Betriebes) ein Vordruck

nach dem Muster der Anlage 3 (Gewerbeabmeldung - GewA 3)

zu verwenden. Die Vordrucke sind vollständig, in der vorgeschriebenen Anzahl und

gut lesbar auszufüllen. Zur elektronischen Datenverarbeitung kann die zuständige

Behörde Abweichungen von der Form, nicht aber vom Inhalt der Anzeige nach den

Sätzen 1 und 2 zulassen.

(5) Die zuständige Behörde darf regelmäßig die Daten der Gewerbeanzeigen übermitteln

an

1. die Industrie- und Handelskammer zur Wahrnehmung der in den §§ 1, 3 und 5 des

Gesetzes zur vorläufigen Regelung des Rechts der Industrie- und Handelskammern

genannten sowie der nach § 1 Abs. 4 desselben Gesetzes übertragenen Aufgaben

ohne die Feld-Nummer 33,

2. die Handwerkskammer zur Wahrnehmung der in § 91 der Handwerksordnung genannten,

insbesondere der ihr durch die §§ 6, 19 und 28 der Handwerksordnung zugewiesenen

und sonstiger durch Gesetz übertragener Aufgaben ohne die Feld-

Nummer 33,

3. die für den Immissionsschutz zuständige Landesbehörde zur Durchführung arbeitsschutzrechtlicher

sowie immissionsschutzrechtlicher Vorschriften ohne die Feld-

Nummern 8, 10, 27 bis 31 und 33,

3a. die für den technischen und sozialen Arbeitsschutz, einschließlich den Entgeltschutz

nach dem Heimarbeitsgesetz zuständige Landesbehörde zur Durchführung

ihrer Aufgaben ohne die Feld-Nummern 8, 10, 27 bis 31 und 33,

4. das Eichamt zur Wahrnehmung der im Eichgesetz, in der Eichordnung sowie in

der Fertigpackungsverordnung gesetzlich festgelegten Aufgaben, und zwar nur die

Feld-Nummern 1, 3, 4, 11, 12, 15 und 17,

5. die Bundesagentur für Arbeit zur Wahrnehmung der in § 404 Abs. 2 des Dritten

Buches Sozialgesetzbuch sowie der im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz genannten

Aufgaben ohne die Feld-Nummer 33, bei der Abmeldung ohne die Feld-Nummern 8,

10 bis 16 und 18 bis 33,

6. den Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften ausschließlich zur

Weiterleitung an die zuständige Berufsgenossenschaft für die Erfüllung der ihr durch

Gesetz übertragenen Aufgaben ohne die Feld-Nummern 10, 28, 30, 31 und 33,

7. die Behörden der Zollverwaltung zur Wahrnehmung der ihnen nach dem Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz,

nach § 405 Abs. 1 in Verbindung mit § 404 Abs. 2 des

Dritten Buches Sozialgesetzbuch sowie nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz

obliegenden Aufgaben ohne die Feldnummer 33, bei der Abmeldung ohne die Feldnummern

10 - 16 und 18 - 33,

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ANHANG 1: § 14 GEWERBEORDNUNG

8. das Registergericht, soweit es sich um die Abmeldung einer im Handels- und Genossenschaftsregister

eingetragenen Haupt- oder Zweigniederlassung handelt, für

Maßnahmen zur Herstellung der inhaltlichen Richtigkeit des Handelsregisters gemäß

§ 132 Abs. 1 des Gesetzes über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit

oder des Genossenschaftsregisters gemäß § 160 des Gesetzes betreffend die Erwerbs-

und Wirtschaftsgenossenschaften, und zwar ohne die Feld-Nummern 6 bis 8,

10 bis 13, 18, 19, 21, 22 und 27 bis 33,

9. die statistischen Ämter der Länder zur Führung des Statistikregisters nach § 1 Abs.

1 Satz 1 des Statistikregistergesetzes in den Fällen des Absatzes 1 Satz 2 Nr. 1 und

2 die in Absatz 8a Satz 4 angeführten Feld-Nummern.

§ 138 der Abgabenordnung bleibt unberührt.

(6) Öffentlichen Stellen, soweit sie nicht als öffentlich-rechtliche Unternehmen am

Wettbewerb teilnehmen, dürfen aus der Gewerbeanzeige

1. Name,

2. betriebliche Anschrift,

3. angezeigte Tätigkeit

des Gewerbetreibenden übermittelt werden, soweit dies zur Erfüllung der in ihre Zuständigkeit

fallenden Aufgaben erforderlich ist. Die Datenübermittlung nach Satz 1 ist

im Wege des automatisierten Abrufs über das Internet zulässig, wenn die öffentliche

Stelle den Gewerbebetrieb mit Namen bezeichnet hat, die Identität des

Gewerbebetriebs durch einen automatisierten Abgleich der in der Anfrage angegebenen

mit den in der Gewerbeanzeige gespeicherten Daten des Gewerbebetriebs

eindeutig festgestellt worden ist, technisch sichergestellt ist, dass der Abruf von Daten

den nach Satz 1 zulässigen Umfang nicht überschreitet und Veränderungen an

dem Inhalt des

Registers nicht vorgenommen werden können. Weitere Daten aus der Gewerbeanzeige

dürfen ihnen übermittelt werden, wenn

1. dies zur Abwehr erheblicher Nachteile für das Gemeinwohl oder sonst unmittelbar

drohenden Gefahr für die öffentliche Sicherheit erforderlich ist oder

2. die Empfänger die Daten beim betroffenen Gewerbetreibenden nur mit unverhältnismäßig

hohem Aufwand erheben könnten oder von einer solchen Datenerhebung

nach der Art der Aufgabe, zu der die Daten erforderlich sind, abgesehen werden

muss und kein Grund zu der Annahme besteht, dass das schutzwürdige Interesse

des Gewerbetreibenden überwiegt.

(7) Für die regelmäßige oder fallweise Weitergabe von Daten innerhalb der Verwaltungseinheiten,

denen die für die Entgegennahme der Anzeige und die Überwachung

der Gewerbeausübung zuständigen Behörden angehören, gilt Absatz 6 entsprechend.

Im automatisierten Abrufverfahren ist sie zulässig, soweit dies unter besonderer

Berücksichtigung der schutzwürdigen Interessen der Gewerbetreibenden und der

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ANHANG 1: § 14 GEWERBEORDNUNG

Aufgaben der beteiligten Stellen wegen der Vielzahl der Weitergaben oder ihrer Eilbedürftigkeit

angemessen ist. Die Datenempfänger sowie der Anlass und Zweck des

Abrufs sind vom Leiter der Verwaltungseinheit schriftlich festzulegen. Die speichernde

Stelle protokolliert bei dem Abruf die Datenempfänger sowie Anlass und Zweck

der Abrufe. Eine mindestens stichprobenweise Protokollauswertung ist durch die

speichernde Stelle zu gewährleisten. Die Protokolldaten dürfen nur zur Kontrolle der

Zulässigkeit der Abrufe verwendet werden und sind nach sechs Monaten zu löschen.

(8) Öffentlichen Stellen, soweit sie als öffentlich-rechtliche Unternehmen am Wettbewerb

teilnehmen, und nichtöffentlichen Stellen dürfen aus der Gewerbeanzeige

1. Name,

2. betriebliche Anschrift,

3. angezeigte Tätigkeit

des Gewerbetreibenden mitgeteilt werden, soweit der Gewerbetreibende nicht widersprochen

hat; in diesem Fall hat der Auskunftsbegehrende ein berechtigtes Interesse

an der Kenntnis der Daten glaubhaft zu machen. Die Datenübermittlung nach Satz 1

ist im Wege des automatisierten Abrufs über das Internet zulässig, wenn die öffentliche

Stelle den Gewerbebetrieb mit Namen bezeichnet hat, die Identität des Gewerbebetriebs

durch einen automatisierten Abgleich der in der Anfrage angegebenen mit

den in der Gewerbeanzeige gespeicherten Daten des Gewerbetriebs eindeutig festgestellt

worden ist, technisch sichergestellt ist, dass der Abruf von Daten den nach

Satz 1 zulässigen Umfang nicht überschreitet und Veränderungen an dem Inhalt des

Registers nicht vorgenommen werden können. Ein automatisierter Abruf ist nicht zulässig,

wenn der Betroffene der Auskunftserteilung widersprochen hat. Die Übermittlung

weiterer Daten aus der Gewerbeanzeige ist zulässig, wenn der Auskunftsbegehrende

ein rechtliches Interesse, insbesondere zur Geltendmachung von Rechtsansprüchen,

an der Kenntnis der zu übermittelnden Daten glaubhaft macht und kein

Grund zu der Annahme besteht, dass das schutzwürdige Interesse des Gewerbetreibenden

überwiegt.

(8a) Über die Gewerbeanzeigen nach Absatz 1 Satz 1 und 2 Nr. 3 werden monatliche

Erhebungen als Bundesstatistik durchgeführt. Für die Erhebungen besteht Auskunftspflicht.

Auskunftspflichtig sind die nach den Absätzen 1 bis 3 Anzeigepflichtigen,

die diese Pflicht durch Erstattung der Anzeige erfüllen. Die zuständigen Behörden

übermitteln die Gewerbeanzeigen monatlich an die statistischen Ämter der Länder

mit den Feld-Nummern

1. 1 bis 4 als Hilfsmerkmale für den Betriebsinhaber,

2. 10 und 12 bis 14 als Hilfsmerkmale für den Betrieb,

3. 4a, 8, 15 bis 25, 27, 29 und 32 als Erhebungsmerkmale.

Die statistischen Ämter der Länder dürfen die Angaben zu den Feld-Nummern 1 und

3 für die Bestimmung der Rechtsform bis zum Abschluss der nach § 12 Abs. 1 des

Bundesstatistikgesetzes vorgesehenen Prüfung auswerten. Ferner dürfen sie nähere

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ANHANG 1: § 14 GEWERBEORDNUNG

Angaben zu der Feld-Nummer 15 unmittelbar bei den Auskunftspflichtigen erfragen,

soweit die gemeldete Tätigkeit sonst den Wirtschaftszweigen der statistischen Systematik

der Europäischen Gemeinschaft gemäß Verordnung (EWG) Nr. 3037/90 des

Rates vom 9. Oktober 1990 (ABl. EG Nr. L 393 S. 1) nicht zugeordnet werden kann.

(9) Weitere Übermittlungen der nach den Absätzen 1 bis 4 erhobenen Daten für andere

Zwecke sind nur zulässig, soweit die Kenntnis der zu übermittelnden Daten zur

Verfolgung von Straftaten erforderlich ist oder eine besondere Rechtsvorschrift dies

vorsieht.

(10) Der Empfänger darf die übermittelten Daten nur für den Zweck verarbeiten odernutzen,

zu dessen Erfüllung sie ihm übermittelt werden.

(11) Für das Verändern, Sperren oder Löschen der nach den Absätzen 1 bis 4 erhobenen

Daten gelten die Datenschutzgesetze der Länder.

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ANHANG 2: SCHUTZBEDARFSFESTSTELLUNG FÜR

DAS EGWR

Anhang 2: Schutzbedarfsfeststellung für das

eGWR

Im Zuge der Einführung von E-Government sollen bestehende Dienstleistungen so

umgesetzt werden, dass ein bedeutender Anteil der notwendigen Kommunikation

zwischen Kunden und Behörde über das Internet abläuft. 14 .

Es ist für das elektronische Gewerberegister zu definieren, welchen Schutzbedarf die

ihr zu Grunde liegende Kommunikation induziert. Es ist ratsam, dass eine Schutzbedarfsfeststellung

unter Einbezug des IT-Sicherheitsbeauftragten, des Datenschutzbeauftragten

und des Justitiariats durchgeführt wird.

Das hier dargestellte Vorgehen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik

(BSI), die so genannte E-Government-spezifische Schutzbedarfsfeststellung,

15 betrachtet ausschließlich die Kommunikation zwischen Nutzern und Behörde

und damit die Schnittstellen des Online-Dienstleistungsangebots.

Dabei wird hinsichtlich der Schadensauswirkungen auf der Seite der Nutzer sowie

auf der Seite der Behörde der Schutzbedarf festgelegt.

Unter Schadensauswirkungen auf der Seite der Nutzer sind insbesondere die Beeinträchtigung

des informationellen Selbstbestimmungsrechts (Auswirkungen auf die

gesellschaftliche Stellung oder auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der Nutzer) und

Beeinträchtigungen der persönlichen Unversehrtheit zu verstehen.

Auf Behördenseite stehen das gesetzmäßige Verwaltungshandeln (Verstoß gegen

Gesetze/Verordnungen/Verträge) und ein damit verbundener Imageverlust wie negative

Außenwirkungen im Vordergrund. Andere Auswirkungen, so beispielsweise die

Beeinträchtigung der Aufgabenerfüllung oder auch finanzielle Auswirkungen, sind

denkbar. Dabei sind insbesondere die finanziellen Auswirkungen nicht generell in absoluten

Zahlen zu quantifizieren.

Als Orientierungshilfe werden im Folgenden fünf Schutzbedarfsklassen definiert. Da

der Schutzbedarf meist nicht unmittelbar quantifizierbar ist, beschränkt sich die Definition

auf eine qualitative Aussage:

Schutzbedarfsklasse Ausprägung der Schutzbedarfsklasse

Kein Ein besonderer Schutz ist nicht notwendig, da keine

Schadensauswirkungen zu erwarten sind.

14 Die Darstellung bezieht sich, auch weitgehend wörtlich, auf die entsprechenden Kapitel im BSI-E-Government-

Handbuch (vgl. BSI 2006a). Wegen dieser weit reichenden Identität der Texte wird auf eine gesonderte Zitierung der

übernommenen Passagen verzichtet.

15 Vgl. BSI 2006c.

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ANHANG 2: SCHUTZBEDARFSFESTSTELLUNG FÜR

DAS EGWR

Niedrig Die Schadensauswirkungen sind eng begrenzt.

Mittel Die Schadensauswirkungen sind begrenzt und überschaubar.

Hoch Die Schadensauswirkungen können beträchtlich sein.

Sehr hoch Die Schadensauswirkungen können ein existenziell bedrohliches,

katastrophales Ausmaß erreichen.

Tabelle 2: Schutzbedarfsklassen

Im Fall des eGWR sind die herausragenden zu betrachtenden Sicherheitsziele die

Vertraulichkeit und Verbindlichkeit (Authentizität, Integrität und Nicht-Abstreitbarkeit).

Unverzichtbare Voraussetzung für das Funktionieren von E-Government ist ferner die

Verfügbarkeit der technischen Systeme auf Behördenseite (Web-Server). Für rechtsverbindliche

Transaktionen ist zudem der Aspekt des Schriftformerfordernisses zu

berücksichtigen.

Die Schutzbedarfsklasse für das eGWR wird daher anhand der Sicherheitsziele

• Vertraulichkeit,

• Verbindlichkeit (Verbindlichkeit der Kommunikation, Integrität, Authentizität und

Nicht-Abstreitbarkeit der übertragenen Daten, Authentizität der Kommunikationspartner),

• Schriftformerfordernis sowie

• Verfügbarkeit der technischen Systeme auf Behördenseite

festgestellt.

a) Vertraulichkeit der Kommunikation

Werden Daten z. B. zwischen Kunden und Behörde ausgetauscht, so ist es in vielen

Fällen notwendig sicherzustellen, dass diese nicht von unberechtigten Dritten mitgelesen

werden; die Vertraulichkeit der übertragenen Daten muss geschützt werden. Im

herkömmlichen papiergestützten Verfahren wird dies in der Regel durch die Verwendung

von Briefumschlägen sichergestellt.

Einordnung Erläuterung Schutzbedarf

Kein Allgemeine Informationen; konventionelle Übermittlung

durch Veröffentlichung in Broschüren/Zeitung-en/allgemein

zugänglichen Medien

oder Versand per Postkarte

Niedrig Gering schützenswerte personenbezogene bzw.

vertrauliche Daten; konventionelle Übermittlung

durch Versand per Postkarte oder Brief

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ANHANG 2: SCHUTZBEDARFSFESTSTELLUNG FÜR

DAS EGWR

Einordnung Erläuterung Schutzbedarf

Mittel Eingeschränkt schützenswerte personenbezogene

bzw. vertrauliche Daten; konventionelle Übermittlung

durch Versand per verschlossenem Brief

Hoch Personenbezogene bzw. vertrauliche Daten; konventionelle

Übermittlung durch Versand per verschlossenem

Brief

Sehr hoch Besonders schützenswerte personenbezogene

bzw. vertrauliche Daten; konventionelle Übermittlung

üblicherweise durch Versand per Postzustellungsurkunde

oder persönliche Übergabe

Tabelle 3: Schutzbedarfsfeststellung für das Sicherheitsziel Vertraulichkeit

Elektronisches

Gewerberegister

Für das eGWR wurde der Schutzbedarf hinsichtlich der Vertraulichkeit mit „hoch“

eingestuft. Es werden personenbezogene Daten entsprechend dieses Kriteriums übermittelt.

Die Voraussetzungen für das Kriterium „sehr hoch“ werden nicht erfüllt.

b) Verbindlichkeit der Kommunikation

Unter dem Sammelbegriff „Verbindlichkeit“ sind im E-Government Schutzbedarfe

hinsichtlich der Integrität, Authentizität und Nicht-Abstreitbarkeit zu betrachten.

Schutzaspekt Kommentar

Wie sicher müssen sich die Kommunikationspartner

sein, dass die Daten unverändert

und authentisch sind?

Ist es notwendig, dass einer der Kommunikationspartner

gegenüber Dritten

nachweisen kann, dass er die Daten

gesendet oder erhalten hat?

Ist es notwendig, den Zeitpunkt des Erhalts

oder des Versands einer Nachricht

nachweisen zu können?

Für die Übermittlung an die Empfängerbehörden

ist es notwendig, dass diese

sicher sind, die Daten von der richtigen

Quelle – hier Kommune/Landratsamt

kommen – und unterwegs nicht verfälscht

worden sind.

Gleiches gilt für Gewerberegisterauskünfte

und die Datenübermittlung von

der Gemeinde an das Landratsamt.

Im Fall der Gewerbeanzeige online ist

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ANHANG 2: SCHUTZBEDARFSFESTSTELLUNG FÜR

DAS EGWR

Schutzaspekt Kommentar

Wie sicher müssen sich die Kommunikationspartner

über die Identität des jeweils

anderen sein?

es wichtig, dass die Daten unverändert

ankommen. Die Authentizität des Anzeigenden

wird über das schriftlich eingehende

Formular sichergestellt.

Der Nachweis des Erhalts und der Absendung

der Daten ist sowohl bei der

Kommunikation mit den Empfängerbehörden,

der Datenübermittlung der Gemeinden

an das Landratsamt sowie für

die Übermittlung von Gewerberegisterauskünften

wichtig. Der Zeitpunkt der

Übermittlung spielt eine untergeordnete

Rolle.

Bei der Gewerbeanzeige online ist der

Nachweis des Erhalts und der Absendung

der Daten weniger wichtig, da hier

nach wie vor das unterschriebene und

per Post übermittelte Formular die entscheidende

Rolle spielt.

Tabelle 4: Schutzbedarfsfeststellung für das Sicherheitsziel Verbindlichkeit (Gesamtdarstellung)

ba) Integrität der übertragenen Daten

Werden Daten übertragen, so ist sicherzustellen, dass diese nicht auf dem Übertragungsweg

verändert werden; ihre Integrität bedarf eines gewissen Schutzes.

Einordnung Erläuterung Schutzbedarf

Niedrig Allgemeine Informationen;

Mittel Informationen für einen eingeschränkten Benutzerkreis

Hoch Steuererklärung, Steuerbescheid Elektronisches

Gewerberegister

Sehr hoch Daten, die zu automatischen Handlungen oder zu

Hilfseinsätzen führen

Tabelle 5: Schutzbedarfsfeststellung für das Sicherheitsziel Integrität

Für das eGWR ist der Schutzbedarf hinsichtlich der Integrität mit „hoch“ einzustufen.

Es werden Daten übermittelt, die für die Weiterverarbeitung in den Empfängerbehör-

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ANHANG 2: SCHUTZBEDARFSFESTSTELLUNG FÜR

DAS EGWR

den von Bedeutung sind und daher integer sein müssen. Automatisierte Handlungsabläufe

erfolgen nicht.

bb) Authentizität und Nicht-Abstreitbarkeit der übertragenen Daten

Es ist ferner zu prüfen, inwieweit es notwendig ist, die übersandten Daten ihrem Absender

zuordnen zu können. Dies betrifft sowohl die Authentizität der kommunizierten

Daten, d. h. die für den Empfänger verlässliche Zuordnung zum vermeintlichen Absender,

als auch die Nicht-Abstreitbarkeit, also die gegenüber Dritten beweisbare

Zuordnung.

Einordnung Erläuterung Schutzbedarf

Kein Der Abruf allgemeiner Informationen

Niedrig Für die Vereinbarung eines persönlichen Beratungsgesprächs

beim Bauamt ist das Themengebiet

und ggf. die Telefonnummer des Gesprächspartners

relevant

Mittel Die Mitteilung über das Gewerbe sollte nur der

Berechtigte vornehmen dürfen

Hoch Die Mitteilung über das Gewerbe darf nur der Berechtigte

vornehmen können

Sehr hoch Bei der Aushändigung des Dokuments xy ist persönliches

Erscheinen unter Vorlage eines Dokuments

zur Authentisierung erforderlich (Nicht-

Abstreitbarkeit)

Elektronisches

Gewerberegister

Tabelle 6: Schutzbedarfsfeststellung für das Sicherheitsziel Authentizität und Nicht-

Abstreitbarkeit der übertragenen Daten

Für das eGWR wurde die Schutzbedarfsklasse der Authentizität und Nicht-

Abstreitbarkeit der übertragenen Daten mit „hoch“ eingestuft. Die Gewerbeanzeige ist

durch den Gewerbetreibenden selbst oder durch dessen gesetzlichen Vertreter vorzunehmen,

ein persönliches Erscheinen ist nicht erforderlich.

bc) Authentizität der Kommunikationspartner

Die Nutzung von Online-Dienstleistungen setzt oft voraus, dass Behörde und Nutzer

sich „erkennen“ können.

Einordnung Erläuterung Schutzbedarf

Kein Die Kommunikationspartner können ungenannt

bleiben

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ANHANG 2: SCHUTZBEDARFSFESTSTELLUNG FÜR

DAS EGWR

Einordnung Erläuterung Schutzbedarf

Niedrig Die Behauptung der Identität reicht aus

Mittel Die Identität der Kommunikationspartner lässt sich

plausibel nachprüfen

Hoch Die Identität der Kommunikationspartner lässt sich

verbindlich nachprüfen

Sehr hoch Bei der Aushändigung des Dokuments xy ist persönliches

Erscheinen unter Vorlage eines Dokuments

zur Authentisierung erforderlich (Nicht-

Abstreitbarkeit)

Elektronisches

Gewerberegister

Tabelle 7: Schutzbedarfsfeststellung für das Sicherheitsziel Authentizität der Kommunikationspartner

Für den Datenaustausch im eGWR wird hinsichtlich der Authentizität der Kommunikationspartner

die Schutzbedarfsklasse „hoch“ festgestellt. Es ist notwendig, dass

die Kommunkikationspartner wissen: wer, wem, welche Daten übersendet.

c) Schriftformerfordernis

Im Zuge der Schutzbedarfsfeststellung wird auch erhoben, ob ein Schriftformerfordernis

besteht, da dieses direkten Einfluss auf die einzusetzenden Sicherheitsmechanismen

hat. Folgende Schutzaspekte wurden für das eGWR ermittelt:

Schutzbedarfsaspekt Kommentar

Wird für diesen Kommunikationsschritt

die Schriftform gefordert?

Ist diese rechtliche Vorgabe notwendig

oder kann das Gesetz/die Verordnung

im Sinne des Bürokratieabbaus oder der

Prozessoptimierung) kurzfristig geändert

werden?

Gibt es in den zu Grunde liegenden Gesetzen

und Verordnungen eine darüber

hinausgehende Anforderung?

Gibt es eine Abschwächung?

Besteht nur die Gewerbeanzeige online.

Alle anderen Kommunikationsarten im

Gewerberegister kommen ohne Schriftformerfordernis

aus.

Eine kurzfristige Änderung durch den

Gesetzgeber ist nicht wahrscheinlich.

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ANHANG 2: SCHUTZBEDARFSFESTSTELLUNG FÜR

DAS EGWR

Schutzbedarfsaspekt Kommentar

Wenn keine Schriftform: Werden in diesem

Kommunikationsschritt im konventionellen

Verfahren Unterschriften eingesetzt?

Wenn ja, zu welchem Zweck?

Wodurch können sie ersetzt werden?

Tabelle 8: Schutzbedarfsfeststellung für das Sicherheitsziel Vertraulichkeit

d) Verfügbarkeit der technischen Systeme auf Behördenseite

Online-Dienstleistungen können nur genutzt werden, wenn die technischen Systeme

auf Behördenseite verfügbar sind. Es ist für jede Dienstleistung zu prüfen, in welcher

Zeit-Größenordnung ein Ausfall der Systeme akzeptabel ist.

Einordnung Erläuterung Schutzbedarf

Niedrig bis

mittel

Eine Ausfallzeit der Online-Dienstleistungen von

mehr als 24 Stunden kann toleriert werden.

Hoch Eine Ausfallzeit der Online-Dienstleistung zwischen

einer und 24 Stunden wird als tolerable eingeschätzt.

Sehr hoch Die maximal tolerierbare Ausfallzeit der Online-

Dienstleistung liegt unter einer Stunde.

Tabelle 9: Schutzbedarfsfeststellung für das Sicherheitsziel Verfügbarkeit

(für den Online-Dienst)

(für das Gewerberegister

selbst)

Hinsichtlich der Verfügbarkeit wurde der Schutzbedarf unterschiedlich bewertet:

• für den Online-Dienst wurde der Schutzbedarf als „niedrig bis mittel“ eingestuft,

die Zugriffszahlen sind derzeit nicht so hoch, dass sich ein höherer Schutzbedarf

für diesen Punkt rechtfertigen würde.

• für das Gewerberegister selbst wurde der Schutzbedarf als „hoch“ eingestuft. Für

die Arbeit der Sachbearbeiter kann ein Ausfall des Systems von mehreren Stunden

toleriert werden, in der Regel kann die Arbeit in dieser Zeit mittels Papierformularen

fortgesetzt werden Bei einem Ausfall von mehr als 24h würde aber der

Zusatzaufwand für die Nachverfassung im Verfahren zu hoch werden.

Zusammenfassung

Im Ergebnis ist für das elektronische Gewerberegister ein hohes Sicherheitsmaß identifiziert

worden. In den meisten Sicherheitsanforderungen liegt ein hoher Schutzbedarf

vor. Im Folgenden werden die Lösungen zur Erfüllung dieser hohen Sicherheitsanforderungen

vorgestellt.

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ANHANG 3: MAßNAHMEN ZUR ERFÜLLUNG DER

SICHERHEITSANFORDERUNGEN

Anhang 3: Maßnahmen zur Erfüllung der Sicherheitsanforderungen

a) Vertraulichkeit

Schutzbedarf

Kein Keine

Niedrig bis

mittel

Hoch bis

sehr hoch

Sicherheitsanforderung Zutreffende Lösung

Verschlüsselung sinnvoll, aber

nicht zwingend erforderlich

Verschlüsselung zwingend erforderlich

(personenbezogene

Daten)

Benutzung von sicheren Behördennetzen,

z. B. in Sachsen

KDN und IHL unter Einsatz von

SSL-gesicherten Verbindungen.

Tabelle 10: Verschlüsselung in Abhängigkeit vom Schutzbedarf der Vertraulichkeit

b) Verbindlichkeit

Schutzbedarf

Kein Keine

Niedrig bis

mittel

Sicherheitsanforderung Zutreffende Lösung

Authentisierung: plausible Angaben

genügen

Mittel Authentisierung, bei der die Identität

des Kunden durch eine

unabhängige Instanz bestätigt

wurde (fortgeschrittene elektronische

Signatur)

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ANHANG 3: MAßNAHMEN ZUR ERFÜLLUNG DER

SICHERHEITSANFORDERUNGEN

Schutzbedarf

Sicherheitsanforderung Zutreffende Lösung

Hoch Authentisierung, die eine zweifelsfreie

Nachweisbarkeit der

Identität des Kunden zulässt,

d. h. qualifizierte elektronische

Signatur zwingend erforderlich

Sehr hoch Authentisierung, die eine zweifelsfreie

Nachweisbarkeit der

Identität des Kunden bereits

zum Zeitpunkt der Antragsbearbeitung

zulässt, d. h. persönliches

Erscheinen erforderlich,

elektronisch nicht abbildbar.

Geschlossene Benutzergruppe

innerhalb gesicherter Behördennetze,

Authentifizierung mittels

UserID und PIN für Datenübermittlung

zwischen Behörden,

beim Online-Dienst Gewerbeanzeige

wird Hybrid-

Verfahren eingesetzt, damit liegt

handschriftlich unterzeichnetes

Formular in der Gemeinde vor.

Tabelle 11: Einsatz von Signaturen in Abhängigkeit vom Schutzbedarf der Verbindlichkeit

c) Schriftformerfordernis

Schutzbedarf

Sicherheitsanforderung Zutreffende Lösung

nein Keine zusätzliche

ja Qualifizierte elektronische Signatur

zwingend vorgeschrieben

Beim Online-Dienst Gewerbeanzeige

wird ein Hybrid-

Verfahren eingesetzt, damit liegt

ein handschriftlich unterzeichnetes

Formular in der Gemeinde

vor.

Tabelle 12: Auswirkungen eines Schriftformerfordernisses auf den Einsatz von Signaturen

Die anzubietende Lösung muss sich in die bestehenden Sicherheitsstrukturen integrieren

lassen. Es sind hinreichend geeignete Maßnahmen zu ergreifen, dem hohen

Schutzbedarf des Verfahrens elektronisches Gewerberegister inkl. der Sicherung deren

Daten nachzukommen. Die Maßnahmen leiten sich aus dem IT-Grundschutz des

BSI ab. Es wird an dieser Stelle darauf verzichtet, diese im Einzelnen aufzuzählen.

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ANHANG 3: MAßNAHMEN ZUR ERFÜLLUNG DER

SICHERHEITSANFORDERUNGEN

Die empfohlene Schichtenarchitektur bietet die beste Grundlage, diese Sicherheitsempfehlungen

umzusetzen.

Die Sächsische Lösung betreibt die einzelnen Komponenten Gewerberegisterapplikation,

Gewerberegisterdatenbank, Auswertungstool und Online-Dienst auf getrennten

Servern innerhalb der Sicherheitsstrukturen des KDN (Plattform Zentrale Dienste

des KDN) und des IHL.

Es soll an dieser Stelle lediglich noch darauf hingewiesen werden, dass bei der programmtechnischen

Umsetzung des Verfahrens die Eingabedialoge mit Plausibiltätsprüfungen

zu hinterlegen sind, die das Eingeben unplausibler Daten im Kontext

der Anforderungen des Gewerberegisters verhindern und damit Fehler und Inkonsistenzen

im Verfahren vermeiden. Im Einzelnen soll hier verzichtet werden, alle

möglichen Plausibilitäts-Kontrollen aufzuzählen, da das den Rahmen des Spezifikationsberichtes

sprengen würde.

In ganz besonderem Maße gilt die Forderung von Plausibilitätsprüfungen für die Ausgestaltung

eines E-Bürgerdienstes für die Gewerbeanzeige online. Hier ist davon

auszugehen, dass besonders unbedarfte Nutzer, die sich weder mit Internetanwendungen

noch mit dem fachlichen Hintergrund des Gewerberechtes auskennen. Neben

Plausibilitätsprüfungen, die im Hintergrund den Durchgriff auf das Backend erfordern,

sind gut verständliche Hinweistexte unbedingt erforderlich. Die Form eines

Assistenten, der den Nutzer Schritt für Schritt durch seine Gewerbeanzeige führt, hat

sich hier bewährt.

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