Handbuch Menschenrechte (Mai 2010) - Ludwig Boltzmann Institut ...

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Handbuch Menschenrechte (Mai 2010) - Ludwig Boltzmann Institut ...

WAS SIND MENSCHENRECHTE Freiheitsrechte: Recht auf Privatleben, Bewegungs-, Meinungs-, Gewissens-, Religions-, Vereins- und Versammlungsfreiheit Gleichheitsrechte: Gleichheit vor dem und durch das Gesetz, Schutz vor Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, Alters, der Rasse, Hautfarbe, Religion, ethnischen, sozialen oder genetischenHerkunft, politischen Anschauung, Behinderung oder sexuellen OrientierungPolitische Rechte: Wahl- und Stimmrecht, gleiche Ämterzugänglichkeit, Parteienfreiheit, Petitionsrecht Rechte des Wirtschaftslebens:Eigentum, Erwerbs-, Niederlassungs-, Dienstleistungs- oder Gewerkschaftsfreiheit Kollektive Rechte: Selbstbestimmungsrecht der Völker, Recht auf Entwicklung und eine gesunde UmweltVerfahrensrechte: Recht auf gleichen Zugang zu Justiz und auf ein faires Verfahren, insbesondere im StrafprozessSpezifische Rechte für benachteiligte Personengruppen: Kinder, ältere Menschen, Kranke, Menschen mit Behinderung, AusländerInnen, Flüchtlinge, Minderheiten, indigene Völker und sonstige benachteiligte PersonengruppenAllen diesen Rechten ist gemeinsam, dass es sich um subjektive Rechtsansprüchehandelt, wodurch Menschen in die Lage versetzt werden, ihr Leben in Übereinstimmungmit den Prinzipien der Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde zu gestalten.Mit der Anerkennung von subjektiven Rechten gegenüber der Gemeinschaft,denen konkrete Pflichten und Verantwortung anderer gegenüberstehen, werdenMenschen von bloßen Objekten einer Rechts- oder Sozialordnung zu Subjekten,von Untertanen zu StaatsbürgerInnen. In diesem Prozess der Emanzipation, desEmpowerment, liegt die eigentliche revolutionäre Kraft der Menschenrechte begründet,die sie von anderen Wertesystemen wie insbesondere Religionen unterscheidet.Denn im subjektiven Recht auf Leben oder Eigentum drückt sich ein völliganderes Selbstverständnis des Menschen aus als im bloßen Verbot des Tötens oderStehlens.1.1.3 Entwicklung der MenschenrechteHistorisch gesehen haben sich die Menschenrechte in einem dialektischen Prozessunterschiedlicher Revolutionen und „Generationen“ entwickelt. Am Beginn standendie bürgerlichen Revolutionen gegen Absolutismus, Feudalismus und die Macht derkatholischen Kirche, legitimiert durch die Ideen der Aufklärung, des rationalistischenNaturrechts, des Gesellschaftsvertrags, Konstitutionalismus und Liberalismus inEuropa und Nordamerika. Sie führten zur Verankerung der bürgerlichen und politischenRechte 1 auf Leben, Freiheit, Eigentum und demokratische Mitbestimmungin den Verfassungen der bürgerlichen Nationalstaaten des 18. und 19. Jahrhunderts.Das in den Verfassungen sozialistischer „Volksdemokratien“ des 20. Jahrhundertsverankerte sozialistische Menschenrechtskonzept verstand sich als Antithese zur1 Auch Menschenrechte der 1. Generation genannt.Handbuch Menschenrechte | 7

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