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Rudolf Steiner und Buddha

Im 17. Kapitel, Vers 11 kommt die Geschichte

von den 10 aussätzigen Männern,

die geheilt werden. Christus sagt,

dass sie sich den Priestern zeigen sollten;

einer von ihnen kommt zurück und bedankt

sich. Christus: „Sind nicht zehn

geheilt worden? Wo sind nun die anderen

neun? Kehren sie nicht zurück, um die

Gotteskraft zu preisen?“ Er meint damit

nicht, dass sie sich bei ihm persönlich

bedanken sollen.

Steiner spricht davon, wie wichtig es sei,

dass ein kleines Kind die Dankbarkeit

kennenlernt, denn aus dieser Stimmung

entsteht die Gottesliebe und daraus

wiederum Liebe zur Pflicht. Es geht also

darum, im Alltag die Dankbarkeit zu

üben – als Grundlage der Pflicht.

7. Schritt

Samma sati heißt echte Achtsamkeit,

Wachheit, rechtes sich Erinnern, rechte

Bewusstheit.

Steiner sagt an dieser Stelle, dass man

„fortwährend vom Leben lernen solle“.

Beim 7. Schritt ist man schon am Ende

dieser Stufen und es geht darum, eine

bestimmte Art der Erinnerungen zu

pflegen.

Im Lukas-Evangelium (18,35) begegnet

Christus einem blinden Bettler, der ihn

darum bittet, wieder sehen zu können.

Im Griechischen gibt es verschiedene

Worte für sehen. In diesem Falle heißt

es „hinaufschauen“.

Im Grund genommen sind wir alle blind

und müssen alle lernen „hinaufzuschauen“.

Neulich hatte ich mit einer Gruppe

Jugendlicher die Übung gemacht, dass

sie auf Blumen in einer Vase schauen

sollten. Wir kamen so weit, dass sie

sagten: „Wir sehen, dass die Pflanzen

echt sind, also nicht aus Plastik.“ Damit

sahen sie schon mehr als das Physische,

das ist der Anfang von etwas Geistigem.

Es geht darum, dass wir dieses Geistige

noch mehr sehen lernen, auch, dass wir

uns daran erinnern können, dass wir aus

der geistigen Welt kommen. Im Sinne des

Buddhas sind wir aus dem „Durst des

Daseins“ auf die Erde gekommen und nun

erinnern wir uns wieder an den Ursprung.

das Geistige, was zwischen

dem Physischem liegt

Rudolf Steiner gibt an, wie man jeden

Tag aus den Erfahrungen lernen kann:

man soll sich abends genau erinnern,

was am Tag gewesen ist. Wenn man

sich beispielsweise ein Gespräch mit

einem anderen Menschen ins Gedächtnis

ruft, erinnert man sich an Dinge, die

man während des Gesprächs gar nicht

bemerkt hat: Man kann den Sinn der

Worte „zwischen“ den Zeilen verstehen.

Das ist das Geistige, was zwischen dem

Physischen liegt.

Wenn man gelernt hat, achtsam auf das

Wirken des Geistigen im Physischem zu

sein, kommt man zu dem

8. Schritt

Samma samadhi

rechte Sammlung, rechte Konzentration,

rechte Versenkung, auch Meditation.

Im Lukas Evangelium (18/35) kommt

der Christus an; sein Weg endet in Jerusalem.

Das Wort samadhi, besteht aus den Worten

fest-zusammen-fügen. Die Meditation

in diesem Sinne heißt nicht, dass man

14 Hinweis September 2011

Hinweis September 2011

Bild: Rainer Sturm_pixelio.de

Rudolf Steiner und Buddha

das Geistige und das Physische werden wieder

fest zusammengefügt

weg ist von dem Physischen, sondern

das Geistige und das Physische werden

wieder fest zusammengefügt – das, was

eigentlich zusammengehört. Man könnte

auch sagen, man ist eins mit sich selbst

oder man ist eins mit der geistigen Welt.

Steiner schreibt in seinem Buch „Wie

erlangt man Erkenntnisse höherer

Welten“, dass man wenigstens einmal am

Tag merken sollte, dass man ein Bürger

zweier Welten ist. Das Geistige ist in

dem Physischen und das Physische ist

in dem Geistigen. Natürlich erlebt man

das nicht alles sofort, denn dazu braucht

man diesen Weg.

Ich finde es erstaunlich, wie Rudolf Steiner

aufgreift, was der Buddha gegeben

hat, und alltägliche Übungen daraus entwickelt.

Es ist immer noch Buddhismus,

aber er wurde durch das Christentum so

bereichert, um nicht von dem Leid loszukommen,

sondern es zu verwandeln.

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