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September 2007 / Ausgabe 7Hamburg:Das Magazin aus der MetropoleZukunftsmusikIn der HafenCity entstehtdie Stadt von morgenGut geschnittenHamburger Mode erobertdie StraßeGut gebautIn China wächst einzweites HamburgBesser geht’s nichtGewinnen Sie einWochenende in derHansestadtARCHITEKTUR UND DESIGN4 HAMBURG – DAS MAGAZIN DER HANSESTADT


Hamburg:Heft 7: Architektur und DesignInhalt/EditorialGROSSE FREIHEITHallo, können Sie mich hören? S.04Ein Designerstück, das Leben rettet: die Notrufsäule aus Hamburg.Einpacken, bitte S.04Der Erfolg des Hamburger Verpackungsdesigns.Auf den ersten Blick S.05Die Logos der Hansestadt und ihre Geschichte.TITELFOTO: COMPUTERANIMATION DER ELBPHILHARMONIE VON HERZOG & DE MEURONTITELDie Weltverbesserer S.06Hamburger Stardesigner zeigen ihre Lieblingsentwürfe.Blaue Lagune S.14Dampfer vorm Balkon und Möwen auf dem Weg zur Arbeit. Wie in derHafenCity der Traum vom Leben am Wasser wahr wird.Das neue Hamburg bei Shanghai S.19Warum der Hamburger Meinhard von Gerkan ein Stück Hansestadt inChina baut. Interview.Eine Schanze für die Mode S.20Der angesagteste Stadtteil Hamburgs. Die aufregendsten Entwürfe jungerDesigner. Und die Menschen des Viertels. All das in einer Modestrecke.KALENDERAlles hier bei uns S.25Die wichtigsten Termine aus der Hansestadt und der Metropolregion– von September bis Dezember.48 Stunden Hamburg S.27Die besten Tipps für ein formvollendetes Wochenende.WARUM HAMBURG?„Style ist alles” S.30Wir fragen die Stars der Hansestadt, warum sie hier und nirgends sonstleben wollen. Diesmal: der Rapper Jan Delay.Luftbild der HafenCity: Bis 2010 wird hier die Elbphilharmonie gebaut.Hamburger Designer, S.06 Die Geburt der HafenCity, S.14Stararchitekt von Gerkan, S.19LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER,Mode aus der Hansestadt, S.20egal, ob Sie ein Computerspiel kaufen, an Bord einerFähre gehen oder eine Zeitschrift in die Hand nehmen –die Chancen, dass Sie es mit Design aus Hamburg zu tunhaben, stehen ziemlich gut. Vieles, was Sie sehen, lesenoder aus dem Supermarktregal ziehen, wurde in Hamburgentworfen. Die besten Designer der Stadt stellen wirIhnen auf den nächsten Seiten vor: einen Mann, der übersWasser geht, eine Frau, die per Knopfdruck Schlösser ausLicht entstehen lässt. Außerdem sehen Sie bei uns Kollektionender aufregenden jungen Modeschöpfer Hamburgs.Wir führen Sie durch die HafenCity, mitten in dieArchitektur-Revolution am Wasser. In ihrem Zentrumentsteht mit der Elbphilharmonie das wohl spektakulärsteGebäude des Landes.Wir freuen uns auf Ihren Besuch – in der MetropoleHamburg.York Pijahn und Sebastian Wehlings für die RedaktionPS: Die achte Ausgabe von Hamburg: Das Magazin aus derMetropole erscheint Mitte Dezember – in der Financial TimesDeutschland, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, derSüddeutschen Zeitung und dem Standard in Österreich.3 HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE


GROSSE FREIHEITHallo, können Sie mich hören?Eine Säule aus Hamburg rettet Leben in der ganzen Welt.Als das Unternehmen Siemens & Halske 1949 eine neue Notrufsäule entwickelte, waren Preisewie der „red dot design award“ noch nicht erfunden. Sonst wäre die orangefarbene Schöpfungaus Hamburg wahrscheinlich mit Ehrungen überhäuft worden. Von so zeitloser Funktionalitätist die Form der Säule, dass man sie heute fast unverändert am Straßenrand findet. Dieersten, damals noch hölzernen Notrufsäulen wurden 1941 entlang der Autobahnen aufgestellt.Während des Krieges wurden die meisten von ihnen zerstört. Siemens bot sich nun dieChance zum Neuanfang.Die SH 50 hatte einen stählernen Fuß, einen Sprechtrichter auf 1,30 Meter Höheund abgerundete Kanten, die an die reduzierte Formenwelt des Films 2001 erinnern.Das Innenleben haben die Ingenieure seitdem immer wieder angepasst:mit ISDN, Mobilfunk und Sprachübertragung im Internet. Der wichtigste Handgriffaber ist gleich geblieben: Wer die Klappe hebt, wird automatisch verbunden– mit der Notrufzentrale der Versicherungswirtschaft. 20 000 Notrufsäulen stehenan Deutschlands Straßen. Die Säule hat sich für Siemens auch zum Exportschlagerentwickelt. In Österreich gibt es sie ebenso wie in Argentinien. Und sogar inSaudi-Arabien steht die Säule made in Hamburg. Wer also in der Wüste mal einePanne hat, muss nur nach dem orangefarbenen Designerstück Ausschau halten.Einpacken, bitteAber gerne. Jede dritte Verpackung aus dem Supermarkt wird an der Elbe entworfen.41 Minuten verbringen wir pro Wocheim Supermarkt. Was wir aus dem Regalgreifen, steht oft nicht auf der Einkaufsliste.Wir kaufen, was wir plötzlich habenwollen. Weil wir auf einmal einDuschgel toll finden oder Hungerauf Schokolade bekommen.Wenn das passiert, hat ein Verpackungsdesignerseine Arbeitgut gemacht. Sie besteht darin,Produkte so zu verpacken,dass sie ins Auge fallen, dasssie die Aura des Begehrenswertenumgibt, dass mansie gern anfasst und mitnimmt.Alles, was Sie hiersehen, wurde in Hamburgentworfen: Deutschlands Hauptstadtdes Verpackungsdesigns.F0TOS: ANDRÉ MÜHLING, SIEMENS CORPORATE ARCHIVESHAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE 4


Auf den ersten BlickDie Markenzeichen der Hansestadt sind unverkennbar. Aber wer hat sie erfunden?RECHERCHE: SERGE DEBREBANT5613724Der Dom, zwei Burgtürme, darüber zwei1 Sterne, die an die Schutzpatronin Mariaerinnern. Die Darstellung des HamburgerWappens geht auf das 12. Jahrhundert zurück.Übrigens: Millionen Menschen führenes täglich mit sich. Das Wappen prangt aufComputerchips von Philips, die in HandyundGeldkarten stecken.1924 brachten die Deutschen Jurgenwerkedie „Rahma“ auf den Markt.2Um Verwechslungen mit Milch(rahm)produktenauszuschließen, wurde das h späterentfernt. Geblieben ist die Rama-Jule. Seit1954 trägt sie Kleidung, die in Curslack,Kirchwerder, Neuengamme und Altengammeüblich war: die Vierländer Tracht.Italienischer Kaffee, ein französischer3 Name und ein Logo aus Hamburg –das ist Balzac Coffee. Vanessa Kullmann, diedie Kette 1998 in der Hansestadt gegründethat, entdeckte den Engel auf der Vespa beimWettbewerb einer Grafikschule. Heute prangtdas Logo deutschlandweit auf 30 Läden.Es war der Hausbesetzer Doc Mabuse,4 der die Totenkopfflagge das erste Malauf der Westtribüne des Millerntor-Stadionshisste. Das war in den Achtzigern. Heuteverkauft der FC St. Pauli das trendige Markenzeichenauf Tank-Tops und Toastern.Vor neun Jahren sprang die Stadt ein,5 um Astra zu retten. Heute wird dasBauarbeiterbier von einst in Szenebars inganz Deutschland serviert. Das liegt auch ander Agentur Feldmann + Schultchen, dieAstra ein neues Design verpasste: Anker undHerz, wie ein lächelndes Tattoo.1910 brachte Simplo den FüllfederhalterMontblanc auf den Markt. Der6Stern auf der Kappe soll den schneebedecktenGipfel der französischen Alpen symbolisieren.Die Zacken stehen für die sechsGletscherzungen.Als sich drei Vereine 1919 zum HSV7 zusammentaten, legten sie sich einneues Logo zu – die Raute, die an Schifffahrtszeichenerinnert. Offen ist, wer sie erfundenhat: entweder der Spieler Otto Sommeroder Funktionärssohn Henry Lüttjens.5 HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE


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Die WeltverbessererOb Computerspiel, Bett oder Fährschiff– ohne Design made in Hamburg säheunsere Welt anders aus. Doch die Macherkennt kaum jemand. Bis jetzt. Wir haben dieStars der Formvollendung und ihre bestenEntwürfe vor die Kamera geholt.Text: York PijahnFotos: Roberto HegelerIdeen von der StraßeEinfach hochheben und loslaufen – wie machen die beiden das? DiePoller, die an den Molen des Hamburger Hafens dazu dienen, die ganzgroßen Schiffe festzumachen, wiegen viele hundert Kilo. Eigentlich. DasDesignerpaar Julia Thesenfitz, 37, und Christian Wedekind, 35, hat ausdem Poller eine federleichte Skulptur gemacht. Eine Fußbank, ein Beistelltisch,der heute in vielen Hamburger Wohnungen steht. GanzeApartments haben „Thesenfitz und Wedekind“ schon eingerichtet,Konferenzräume, Hotellounges. In einer Wohnung lehnt der Nachbaueines Porzellantellers an der Wand, drei Meter im Durchmesser, Geschirrfür Giganten. Das Designerpaar vergrößert, verkleinert und entfremdetObjekte des Alltags. Ihre Werke sind stets an der Grenze zwischen Designund Kunst. Die besten Ideen? „Liegen auf der Straße“, sagt JuliaThesenfitz. „Wie im Falle des Sektkorken-Drahts, den wir gerade mehrfachvergrößert haben. Kennen Sie die Dinger, die nach einer Party aufdem Boden herumliegen?“ 60-mal vergrößert soll aus dem Draht einGartenpavillon werden. Drei Meter hohes Design auf dem Rasen. DieGesichter der Nachbarn würde man gern mal sehen.HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE


Die Spiele sind eröffnetEs geht bergab mit Peter Cukierski. Der Hang, den er hinunterrast,ist so steil, dass einem ganz flau wird. „Ja, das ist doch mal ein Ergebnis,mit dem er sich zu Hause blicken lassen kann“, lobt dieKommentatoren-Stimme die Zwischenzeit. Eine Stimme, die echtwirkt und doch künstlich ist. Wie der Hang, wie die rasende Fahrt,die dem 33-jährigen Computerspiel-Designer (links im Bild) einLächeln auf die Lippen zaubert. „Gut, oder? Willst du auch mal?“Cukierski ist so etwas wie der Karl Lagerfeld der deutschen Computerspielbranche.Seine Sportspiele für Playstation, Xbox oder dieNintendo Wii verkaufen sich viele hunderttausend Mal. Über 40Programmierer und Grafiker arbeiten für ihn und die zwei weiterenGesellschafter der Firma 49Games, Florian Knappe (Mitte) undThomas Mahlke (rechts). Für Torino 2006 reiste ein Entwicklerteamnach Turin, filmte Bobbahn und Eiskunstlaufhalle, besuchte dieBiathlon-Strecke. Um die Pirouetten beim Eistanz realistisch aussehenzu lassen, engagierten die Game-Designer eine Eiskunstläuferin,deren Bewegungen von 30 Kameras gefilmt wurden. Künftig,sagt Cukierski, werden Spiele immer mehr wie Kinofilme aussehen.2008 soll ein neues Produkt auf den Markt kommen, zeitgleich mitden Olympischen Sommerspielen. Der Rasen wird so grün seinwie in der Realität, und die Athleten werden in den Startblöckennervös auf den Startschuss warten. Die Spiele sind eröffnet.HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE 8


Zu Wasser, zu Lande und in der Luft„Eine Schnellfähre, die mit 27 Knoten – rund 60 Stundenkilometern– durch das Mittelmeer fahren soll: So ein Schiff darfnicht aussehen wie ein Schuhkarton, den man durchs Wasserprügelt.“ Sondern? „Na wie wohl?“, sagt Jens Romca, 41, Industriedesigner.„Schnell.“Romca, Geschäftsführer und Teilhaber des Designbüros Müller/Romca,lässt seine Finger über die Linien des Fährmodellsgleiten. Wie ein schnittiges Auto sieht das Schiff aus, dessenEntwurf 2001 von der HDW-Werft in Kiel in Auftrag gegebenwurde. Das 180 Meter lange Schiff soll einmal zwischen Griechenlandund Italien pendeln.Das Design, das Jens Romca und sein zehnköpfiges Team vonHamburg und ihrem Außenbüro in Kiel aus entwickeln,schwimmt, fährt und fliegt. Eine Straßenbahn wurde von ihnenentworfen; ein Wohnwagen; das Bad, das an Bord des AirbusA 380 abhebt. Haben Sie einen Traum, Herr Romca? „Dass ichin unserem Büro an der Kieler Förde stehe und draußen ziehteine unserer Fähren vorbei. 180 Meter Schiff. Großartig.“9 HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE


Die Wappen der ModerneSie sind überall. Sie strahlen von Häuserdächern herab. Sie leuchtenauf Einkaufstüten, Preisschildern, Verpackungen, Fernsehbildschirmen.Logos – die Zeichen oder Buchstabenfolgen, die für eineFirma oder Organisation stehen und auf einen Blick zu erkennensind wie ein Straßenschild. Wie die olympischen Ringe, wie dasrote Kreuz. Eines dieser Logos ist das blau-rot-weiße Oval vonC & A. Seine heutige Form und Farbe bekam das Logo bei FactorDesign in Hamburg, einer der erfolgreichsten Agenturen für Kommunikationsdesignin Deutschland. Kabel Deutschland, der Verlagder Süddeutschen Zeitung, das Hamburger Thalia Theater, die DeutscheWelle – die Liste der Firmen, die sich in Hamburg ein Erscheinungsbildgestalten oder das alte überarbeiten lassen, ist lang. Anden neuen Farben und Formen für C & A arbeiteten vier Jahre langein Dutzend Designer, sie entwarfen alles, vom Kassenzettel biszum kleinsten Etikett und Waschhinweis. „Logos sind die Wappender Moderne“, sagt Johannes Erler, 42, einer der drei Geschäftsführervon Factor Design. „Unter ihnen vereinen sich Menschen wieunter einer Flagge.“Rund 1400 Firmen in Hamburg haben sich auf Kommunikationsdesignspezialisiert. Viele Logos, die uns täglich begegnen, entstehenan der Elbe. Warum gerade hier? „Weil gutes Design vieles erfüllt,was wir hier in Hamburg als wichtigste Tugenden empfinden“,sagt Johannes Erler: „Verlässlichkeit, Berechenbarkeit,Individualität.“Legendäre BettgeschichtenUnd da hat er Platz genommen: Rolf Heide auf seiner berühmtenStapelliege. Schränke, Stühle, Küchen, Lampen, Teppiche undMessestände in der ganzen Welt hat der 75-jährige Hamburgerentworfen. Ideen, oft so genial und einfach, dass anderen nicht vielübrig blieb, als sie nachzumachen. 1966 designte Heide die Stapelliege,ein flaches Bett, das sich – wie der Name sagt – stapeln lässt.Nebeneinandergestellt wird es zum Doppelbett, drei ergeben eineLiegelandschaft, über Eck, überall. Mehr als 40 Jahre nach ihrerErfindung wird die Stapelliege noch immer gebaut: Design ohneVerfallsdatum. „Damals habe ich mich um den Wohnteil der ZeitschriftBrigitte gekümmert und Möbel entworfen, die einfach herzustellensein sollten. Praktikabel und günstig“, sagt Heide, der inAhrensburg, im Hamburger Osten, lebt und arbeitet.Eine ganze Generation Leserinnen und Leser kaufte die von derFirma „Wohnbedarf“ hergestellten Möbel, die als Bausatz in dieganze Republik verschickt wurden und schnell und einfach montiertwerden konnten. „Ich hatte nie das Bedürfnis, die Wohnungenanderer Leute einzurichten“, sagt Heide, „deshalb sind mir Innenarchitekten,glaube ich, auch immer etwas suspekt. Meine Entwürfesind lediglich Möglichkeiten und Angebote, die immer freikombinierbar sind. Ich stelle mir eigentlich immer die gleicheFrage, bevor ich mit einem Entwurf beginne: Was sind die Wünscheund Sehnsüchte der Menschen? Und wie kann gutes Designsie erfüllen?“HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE 10


Den Stern im AugeSiebeneinhalb Millionen Menschen liegen so wie dieser Manneinmal pro Woche auf dem Bett. Oder sie sitzen in der U-Bahn oderfläzen sich in ihrem Lieblingssessel – um den Stern zu blättern.Ohne den Herrn auf unserem Foto wäre das nicht möglich. TomJacobi, 51, ist der Art Director des Stern, des Heftes Stern Fotografieund Chefredakteur der Zeitschrift View. Was so ein Art Directormacht? Er ist das Auge einer Zeitschrift. Jacobi wählt aus rund7000 Bildern, die seine Redaktion jeden Tag erreichen, jene Fotosaus, die schließlich gedruckt werden. Er kümmert sich um dieGestaltung der Seiten, er gibt dem Heft sein Design, seine Arbeitwurde mehrfach ausgezeichnet. „Ich kümmere mich um alles, wasman ansehen kann. Ja, schreiben Sie das. Das versteht jeder“, sagtJacobi. Der Stern ist nur eine von vielen Zeitschriften, die in derMedienstadt Hamburg produziert werden. Neben Gruner + Jahrhaben unter anderen auch die Verlage Heinrich Bauer, Spiegel undZeit ihren Hauptsitz an der Elbe.Was unterscheidet ein gutes Foto von einem schlechten? „Daraufgibt es tausend Antworten“, sagt Jacobi, während er in einer derletzten Ausgaben blättert. Bilder des verstorbenen SchauspielersUlrich Mühe sind darin zu sehen. Dunkle Augen, die aus demPapier der Seiten herauszuschauen scheinen. „Im Grunde ist esganz einfach“, sagt Jacobi, „ein gutes Bild muss mich berühren.“11 HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE


Alles ist erleuchtetWenn die Dämmerung heraufzieht, sei es in London, München,Kuala Lumpur oder in Hamburg, dann kommt die Stundeder Ulrike Brandi. Dann gehen die Leuchten der Lichtdesignerinan. Sie heben Banken, Flughäfen, ganze Straßenzügeaus der Dunkelheit. 146 Leuchten sind es, die jeden Abend dasHamburger Rathaus in Szene setzen. Anderthalb Jahre arbeitetenUlrike Brandi, 50, und ihr Team an einem Lichtkonzept,das die Tiefe des Hauses zeigen und den Rathausmarkt in einenwarm illuminierten Ort verwandeln sollte. „Wir haben vieleNächte auf dem Rathausmarkt gestanden“, erinnert sich Brandi,als sie für unseren Fotografen einen Leuchtstab in die Handnimmt. Licht! Im Frühjahr 2005 gingen das erste Mal dieScheinwerfer am Rathaus an, die Zeitungen schwärmten voneinem Lichtschloss, das jetzt in der Hamburger Innenstadtentsteht – sobald die Dämmerung kommt. Auch die neueElbphilharmonie wird im Licht von Ulrike Brandi strahlen.Und zu Hause? „Da hängt ein Kerzenleuchter mit 13 Wachskerzen.“Sie mag es, wenn wenig Licht eine große Wirkunghat. Bald wird Brandi wieder lange Nächte wach sein, wennsie im französischen Boisbuchet einen Workshop für Lichtdesignerleitet. Das Mondlicht will sie nutzen, es reflektieren. Daswenige soll wirken – wenn die Dämmerung kommt.HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE 12


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Blaue LaguneOzeanriesen vorm Balkon, Möwen aufdem Weg zur Arbeit. Der Traum vomLeben am Wasser für jedermann. In derHafenCity wird er gerade wahr.Text: Ralf WiegandBauklötze staunen: Vom Touristendampfer aus kann man siesehen – die ersten Wohnungen und Büros am Sandtorkai.FOTO: MEDIASERVER HAMBURGAus dem Ghettoblaster dröhnt Frankie Goes to Hollywood,und der Chef steht hinterm Tresen und nipptam Prosecco. Ein Bauarbeiter kommt herein, es istSchichtwechsel draußen auf einer der Baustellen vorder Tür. Der Mann riecht nach schwerer Arbeit. „Hi, wie geht’s dirdenn heute?“, summt Christopher Fritzsche und stellt das GlasProsecco ab, um die Frikadelle einzupacken, die der kernige Kundeverlangt. Dann geht der Arbeiter, und Fritzsche sagt: „Irgendwannwerde ich keine Frikadellen mehr verkaufen, sondern Canapés undAustern.“„Irgendwann“ wäre an einem anderen Ort als der HafenCity nur einBegriff für eine unbestimmte Zukunft. Doch hier ist das anders. DerKiosk, in dem Fritzsche zusammen mit seinem Partner JoachimEckert an Anwohner und Bauarbeiter Buletten verkauft, Toilettenpapier,Champagner, Katzenfutter und Hoffnung auf das großeLottoglück, dieser Ort, bisweilen „Wunderladen“ genannt, liegt inder HafenCity – dem spannendsten Platz der ganzen Stadt. Hierverändert sich alles in solch rasantem Tempo, dass „irgendwann“klingt wie „übermorgen“. Wie ein Schwur: Irgendwann wird allesfertig sein. Irgendwann wird hier die Mitte der Stadt sein. Der Herzschlagist schon zu spüren, er klingt wie die Dampframme, die denBoden planiert, auf dem das nächste Haus entsteht. Fritzsche sagt:„Das ist Entertainment. Ich wollte das leben.“Die Hamburger HafenCity: 1997 stellte der damalige Erste BürgermeisterHenning Voscherau den Plan für eines der größten StädtebauprojekteEuropas vor. Heute ist es die größte Baustelle des Landes.Auf 155 Hektar entsteht, zehn Fußminuten vom Rathaus entfernt,ein neuer Stadtteil an der Elbe mit Wohnraum für mindestens 12 000Menschen und mit 40 000 Arbeitplätzen. Mit Museen, Einkaufszentren,Schulen und der HafenCity Universität, mit kleinen Privathäfenund großem Kreuzfahrtterminal. Eine eigene U-Bahn-Linie wirdes geben als unterirdische Schlagader fürs neue Herz der Stadt.Hinter einer großen, grünen Holztür im Schuppen 50 wird amKlang des spektakulärsten Gebäudes der HafenCity gearbeitet. Bislanggibt es zwar erst ein Modell, aber was für eines! Akustiker undArchitekten werkeln seit Monaten an einem detailgetreuen Nachbaudes Konzertsaals der künftigen Elbphilharmonie – Maßstab 1:10.15 HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE


Pioniere der HafenCity (oben und rechts):Kioskbesitzer Christopher Fritzsche;der Geschäftsführer der Neumann Gruppe JensSorgenfrei; die Familie von Silke Wernerund Gábor Hahn; der Architekt Philipp Loeper(links) mit Karl Olaf Petters von der ReGeHamburg im Modell der Elbphilharmonie.Große Freiheit: Die Marco-Polo-Terrassenmit ihren Grünflächen laden zur Erholung ein.„Wir wollen einen der besten Konzertsäleder Welt bauen“, sagt Karl Olaf Petters vonder ReGe Hamburg, der Projekt-Entwicklungsgesellschaftder Stadt. Wenn die ganzeWelt zuschaut, überlässt man nichts demZufall.Die Elbphilharmonie ist das Leuchtturmprojektfür die HafenCity, für Hamburg,vielleicht für ganz Deutschland. Wie dieOper in Sydney das moderne Australiensymbolisiert, so wird die Elbphilharmoniedie Skyline Hamburgs vom Wasser aus prägen.„Die Kreuzfahrtschiffe werden direktdarauf zufahren“, sagt Petters. Und wennden Besuchern vom Anblick die Augenleuchten, sollen ihnen später, wenn sie drinsind, nicht die Ohren klingeln. Der Konzertsaalwird die Visitenkarte des neuenHauses. „Die Elbphilharmonie hat jetztschon einen Ruf wie Donnerhall“, sagt Petters,„die besten Orchester der Welt sollensich hier einmal wohlfühlen.“Deshalb lebt Philipp Loeper, 32, schon seitgut einem Jahr in Hamburg. Sein Arbeitgeber,das berühmte Architekturbüro Herzog& de Meuron, hat den Architekten in dendeutschen Norden geschickt, damit er dort– mit Puppen spielt. Tatsächlich stehen imSchuppen fünfzig Kartons voller Puppenherum, die an kleinen Sesseln festgeklebtsind. Spielzeug ist das freilich nicht. „Es gibtdafür eine Spezialfirma in Japan“, sagt Loeper.Die kleinen Orchesterfreaks sind imMaßstab 1:10 angefertigt, wie alles hier imMaßstab 1:10 gemacht worden ist. DieStruktur der Wände, der Belag des Bodens,sogar der Schall wird komprimiert. Und„Es ist, als ob man durcheine Architekturausstellunggehen würde.“auch die Luft, die in einem Raum mit 2100Menschen entsteht, wird durch Stickstoffeinleitungsimuliert. Alles hat Einfluss aufden Klang. Schall ist gnadenlos, er pralltwie eine Flipperkugel von hier nach da.In der Hamburger Puppenkiste wird er vermessenund gebogen. Im Modell kann ArchitektLoeper eine Wand um ein paar Gradneigen, eine Sitzreihe verschieben oder dieDeckenkonstruktion tiefer hängen. „Dasgroße Konzept steht, wir machen den Feinschliff“,sagt er. Die Akustiker, Spezialistenaus Japan, wollen den Raum zum Klingenbringen wie keinen zuvor. Deswegen habensie die 2100 Puppen anfertigen lassen, weiljeder Mensch, der in einem Konzertsaalsitzt, Einfluss auf den Klang hat. 2100 Zuschauerwird der Saal einmal fassen, wenner ab der Saison 2010/11 bespielt wird.Den Entwurf der Elbphilharmonie hat jederschon gesehen, der sich ein bisschen fürHamburg interessiert. Das Haus schwebt,einer gläsernen Welle gleich, über dem altenKaispeicher A, der als Sockel dient. Früherwurde hier Kakao gelagert. Die Architekten,deren Wagemut die Münchner AllianzArena oder das de Young Museum inSan Francisco erahnen lassen, planen denVerbund des alten Speichers mit dem luftigenAufbau als multifunktionale Begegnungsstätte.In dem Haus wird man dauerhaftwohnen können, nur kurz parken, feinspeisen oder im Luxus übernachten. 107Meter wird das Gebäude an seinem höchstenPunkt messen. Unübersehbar schön solles werden. Für die Planer des Orchesterraumsist das die Herausforderung: „Es ist,als müsse man in ein Hochhaus einen Konzertsaaleinpassen“, sagt Loeper.In der HafenCity ist alles ein wenig größer.Wenn etwa Levente, eineinhalb Jahre alt,HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE 16


Blickfang: Vom AussichtsturmViewPoint kann man die Arbeitenin der HafenCity beobachten.FOTOS: BERND JONKMANNSden Schnuller aus dem Fenster spuckt, kannMama Silke, 41, ihn nicht einfach wiederreinholen. Sie wohnen hoch oben im fünftenStock, sie können die Elbe riechen, undvor den deckenhohen Fenstern wachsen dieBaukräne und errichten, was einmal dieNachbarschaft der jungen Familie sein wird.Silke Werner und Gábor Hahn, 38, zählenmit ihren Söhnen Levente und Aeneas zuden Pionieren der HafenCity. Ein Jahr lebensie schon im entstehenden Stadtteil. „Wirwollten das hier nicht nur beobachten“, sagtder Soziologe Hahn, „wir wollten mittendrinleben. Wir wollten schon immer am Wasserleben. Für uns ist das ein Experiment.“Eine Idee der HafenCity war von Beginnan, dass sie für alle da sein soll. Alte undJunge, Singles und Familien, Business undBildung. Es wird Platz für E- und U-Musikgeben, für Kreuzfahrtschiffe einen Terminalmit eigenem Busbahnhof und für die Privatjolleeine kleine Marina. FamilienfreundlichesWohnen darf in einem solchen Quartiernicht fehlen. Die schnörkellosen Häuserder Baugenossenschaft Bergedorf-Bille amKaiserkai gehören zu den ersten, die inzwischenbezogen worden sind. Familien wiedie von Gábor Hahn und Silke Werner könnensich hier das Wohnen nah am Wasserund am Puls der Stadt leisten.Noch ist das Leben an diesem Ort etwaszwiespältig. „Täglich gibt es hier etwas, wasgestern noch nicht da war“, sagt Silke Werner,„man fühlt sich wie in einem Experimentierbaukasten.“Früher da zu sein – dasbedeutet eben auch, warten zu müssen: aufden Spielplatz, die Kita, die Schule, die Uni.Alles wird es hier einmal geben, früher oderspäter. Die dreizügige Grundschule imGanztagsbetrieb ist schon im Bau. Von ihremFenster aus kann die Familie die Marco-Polo-Terrassensehen, einen Platz mitriesigen Ausmaßen, der der Elbe entgegen-fließt. 6400 Quadratmeter. Und exakt 33Bäume.„Bäume müssen wachsen“, sagt Michael R.Neumann und schaut durchs Fenster desKonferenzraums auf eine planierte Sandfläche,auf der einmal der Sandtorpark entstehenwird. Direkt daneben plant Neumann,Aufsichtsratschef der NeumannGruppe GmbH, den Bau der InternationalCoffee Plaza. Den gläsernen Turm hat derNew Yorker Architekt Richard Meier entworfen.Baubeginn wird im Herbst sein.Auch auf dieses Haus des größten Rohkaffeehändlersder Welt schaut die ganze Stadt.Als gläserner Solitär beschließt es eine Achse,an deren anderem Ende die Elbphilharmoniesteht. „Wir planen keine 08/15-Gewerbefläche“,sagt Neumann, „wir wollendurch das Gebäude Hamburg positionierenals Zentrum der Kaffee-Kompetenz für dienächsten hundert Jahre.“ Da tragen dieKonkurrenten große Namen: London oderNew York.Noch residiert die Neumann Gruppe ineinem vergleichsweise bescheidenen Hausam Sandtorkai 4. Drinnen kommt man sichvor, als befände man sich in einem Zeitkorridor.Aus den hinteren Fenstern fällt der17 HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE


Einer gläsernen Welle gleich wird sich die Elbphilharmonie, wie auf dieser Computeranimation, einmal auf dem alten Kakaospeicher erheben.Blick in die Fleete der Speicherstadt, streiftüber rote Backsteinwände, schlüpft in alteLagerräume. Nach vorn hinaus schießendie Baukräne der HafenCity aus dem Boden.„Es findet hier eine unglaubliche Metamorphosestatt“, sagt Neumann, der seitbeinahe fünfzig Jahren in diesen Bürosarbeitet.Vielleicht liegt darin die große HerausforderungHafenCity: Sie steht für das ganzgroße Neue, für Ideen von Architekten, dieso viel Platz zur Verfügung haben, wie siesich nur erträumen können. „Es ist, als obman durch eine offene Architekturausstellunggehen würde, in der alle Launen sichtbarsind“, sagt Neumann. Die HafenCitylebt aber gleichzeitig in der Tradition einerStadt, die schon immer ein bisschen reicher,aber auch bescheidener war als andere. Inder Kaufleute handeln, nicht reden. In derdie Bürger ihre Kieze lieben, ob das Viertelan der Elbchaussee oder in der Hafenstraßeliegt. Es ist alles ihr Hamburg.Es ist kein Zufall, dass für die Elbphilharmonieso viele private Spenden eingegangensind, dass der Kampagnen-Slogan fürdas schönste Haus der Stadt seine Berechtigunghat: Hamburg baut ein Wahrzeichen.Und alle Hamburger bauen mit.Hamburg baut einWahrzeichen. Und alleHamburger bauen mit.Ein Unternehmen wie die Neumann Gruppepflegt dieses hanseatische Understatementseit Jahrzehnten. Jede siebte TasseKaffee, sagt Geschäftsführer Jens Sorgenfrei,„geht durch unsere Hände“. 13 Prozent desWelthandels wickelt die Gruppe ab. Künftigwird man diese Kaffeemacht auch sehenkönnen. „Nicht Prestige, sondern Funktionalitätsteht im Vordergrund“, sagt Sorgenfrei,als er im Flur vor dem Modell des neuenHauses steht: Darin werden nicht nur120 Mitarbeiter der Neumann Group unterkommen.Alle Firmen, die mit Kaffee zutun haben, sollen dort ihre Adresse haben.„Wir werden den elften Stock beziehen“,sagt Sorgenfrei und drückt einen Knopf amModell. Motoren surren – die Miniatur-Sonnenjalousien schließen sich.An sonnigen Tagen stellt Christopher Fritzscheschon mal ein paar Stühle vor die Türseines Kiosks und schenkt Champagner aus.Er hat ein Faible für Champagner. Überhauptist es natürlich kein normaler Kiosk.40 Quadratmeter groß, sechs Meter hoheDecken, und die 110 Quadratmeter großeWohnung liegt gleich dahinter – wo gibt esso was schon? Wenn ein Kunde hereinkommtund sagt: „Einen Supermarkt gibtes hier nicht?“, antwortet Fritzsche: „Wirsind doch da!“Silke Werner, die ein paar Häuser weiterwohnt, kommt auch gern hierher. „Das isteiner der Orte, die jetzt schon natürlich wirken“,sagt sie. Sonst geht sie doch noch abund zu rüber ins „alte“ Hamburg, zum Wochenmarkt,„da tanke ich das Heimelige,das ich hier noch nicht habe“.Sie sind irgendwie Suchende, die Neuen inder HafenCity. Ob Architekten, Unternehmer,Familienväter, Abenteurer: Manchmalmachen sie den Eindruck, als seien sie allemit einem großen Treck nach Süden gezogen,in diese Wüste am Wasser. Und manchmalhaben sie Heimweh. „Wir sind alleneu“, sagt Fritzsche. Aber jeden Tag wirddie HafenCity ein Stück schöner, ein paarQuadratmeter lebenswerter.„Wenn alles einmal fertig sein wird“, sagtKioskbesitzer Fritzsche und dreht das Prosecco-Glasin den Händen, „dann werdenwir wohl weggehen müssen. Es wird soschön sein, dass es nicht auszuhalten ist.“FOTO: MEDIASERVER HAMBURGHAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE 18


TITELDas neue Hamburg beiShanghaiWarum baut jemand in China ein Stück Hansestadtnach? Und warum sollen Menschen über die Elbeschweben? Ein Gespräch mit dem StararchitektenMeinhard von Gerkan.FOTO: WILFRIED DECHAUHerr von Gerkan, stellen Sie sich vor, Siehätten einen Wunsch frei. Was würdenSie in Hamburg gern bauen?Ich habe mal den Plan für eine Gondel entwickelt,die über die Elbe hinwegfährt. Siekönnte in der Innenstadt starten, quer überdie Hafenanlagen schweben, sodass manvon oben den Hochbetrieb an den Terminalssehen kann. Enden könnte sie in Harburg,zum Beispiel auf dem Gelände einesFreizeitparks.Und wann kann man die erste Gondelfahrtüber die Elbe buchen?Das ist vorerst nur ein Traum. Ich hab darüberschon mit vielen Leuten gesprochen,die mir zugestimmt haben. Aber ehrlichgesagt: Ich hab viel zu tun und widme michdann doch lieber den Dingen, aus denenauch sicher etwas wird.In der Nähe von Shanghai bauen Sie geradeeine ganze Stadt für etwa 800 000Menschen. Wann werden die ersten Mieterin Lingang einziehen?Das erste Wohnquartier ist fertig und kannnoch in diesem Jahr bezogen werden. BisEnde 2008 werden dort schon 150 000 Menschenleben. Die Infrastruktur ist fertig undauch der kreisrunde See von drei KilometernDurchmesser. Dafür war übrigens dieAlster das Leitbild. Der See in Lingang istjedoch fünfmal so groß wie die Alster. InLingang wachsen jetzt die Häuser aus demBoden. Aber man fühlt sich dort gar nichtwie auf einer Baustelle, denn es wurdenzwei Millionen Bäume gepflanzt.Stimmt es, dass Sie in Lingang auch einStück Hamburg nachbauen?Nicht nachbauen, sondern nachempfinden.Wir haben dort in einer Ringanordnung 18gleich große Quartiere, die jeweils 20 000Menschen Unterkunft bieten, und dieseQuartiere sollen Patenschaften zu den großenHafenstädten der Welt erhalten. FürHamburg habe ich die schönste Lage ausgesucht.Und dort wird jetzt mit HamburgerArchitekten und einem HamburgerInvestor das Hamburg-Quartier realisiert.Der Charakter der typischen HamburgerStadtviertel wird sich dort wiederfinden.Meinhard von Gerkan, Architekt.Wie darf man sich das vorstellen?Es hat natürlich etwas mit Backstein zu tun.Die Wohnbauten werden möglichst alle ausrotem Ziegelstein gebaut. Die öffentlichenBauten aber – zum Beispiel Einkaufszentren– werden sich mit anderen Materialien herausheben.Die Einheitlichkeit wird dortalso durch das Material entstehen.Wie traditionell und international solltemoderne Architektur eigentlich sein?So abstrakt lässt sich die Frage kaum beantworten.Ich kann ein Beispiel dafür geben,wie es nicht sein sollte. In Asien haben esdie Amerikaner geschafft, ihre Spiegelglas-Architektur hinzustellen. Und damit daschinoise Element – auf Wunsch der chinesischenPolitiker – nicht zu kurz kommt,haben sie obendrauf zum Beispiel ein Pagodendachgesetzt. So kommen natürlich nurKarikaturen zustande. Stilelemente lassensich nicht beliebig kombinieren.Ist der Brückenschlag von Alt zu Neu inder Hamburger HafenCity gelungen?Mir persönlich ist das etwas zu bunt und zuzusammengewürfelt. Die Speicherstadt hatja ein hohes Maß an Individualität, abertrotzdem ist sie ein in sich geschlossenesGanzes. Das liegt daran, dass durchgängigein Material, ein roter Ziegel, verwendetworden ist. Sich auf ein Material zu verständigenschafft die wünschenswerte Balancezwischen Vielfalt und Einheit. Bei der HafenCityist das umgekehrt. Da sind die Gebäudetypologisch mehr oder weniger allegleich, sie wechseln bloß in ihren Materialienund Farben.Glauben Sie, dass die Elbphilharmoniezum Wahrzeichen Hamburgs wird?Das Konzerthaus ist ein wirklich schönerEntwurf, und es wird absolut zu Recht dieZeichenhaftigkeit haben, die dieses Gebäudebeansprucht. Doch was sich als Wahrzeichenetabliert, weiß man nie im Voraus.Denken Sie an den Eiffelturm in Paris: Geplantwar er ursprünglich als temporäresGebäude. Eiffel musste sich verpflichten,den Turm nach der Weltausstellung wiederabzureißen. Denn die meisten Pariser warenGegner. Heute ist der Turm eine der größtentouristischen Attraktionen Europas.Interview: Meite ThiedeMeinhard von Gerkan, 72, ist einer dererfolgreichsten Architekten Deutschlands.Zu den von seinem Büro gmp verwirklichtenEntwürfen zählen der Airport Hamburgund der Berliner Hauptbahnhof – und inChina die Retorten-Großstadt Lingang.19 HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE


TITELRoter Stein, urbaner Stil:Stefanie Fraude undVincent Schreiter von derAgentur „Stylesurfer“ganz in Mode von Garment.Er trägt dazu Schuhe vonPuma, sie Schmuck vonHeissmangel. Der Herrdaneben trägt ein Lächeln –und seinen Hund.HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE 20


Eine Schanzefür die ModeDas Karo- und Schanzenviertel ist der Spielplatz fürHamburgs Kreative. Hier arbeiten und leben Künstler,Werber, Fotografen und Modemacher. Und gehenaus, in den unzähligen Bars und Cafés des Szenequartiers.Wir haben die Menschen des Viertels gebeten,sich von den angesagten Designern der Stadteinkleiden zu lassen. Die Straße wird zum Laufsteg.Fotos: Melanie Dreysse, Styling: Tini Rathe21 HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE


Lebensmittel aus Asien imRegal, Mode aus Hamburgam Körper: Yang-Soon- Kang,Verkäuferin bei Asia-around,und ihre Nichte Yerin tragenKleidung von Sium und Schuhevon Asiaaround.


Dressed to chill: Filmproduzent Stefan Köster trägt Anzug, Hemd, Halstuch von Lewin.Sunshine Reggae: Frauke Seidemann,Studentin und Fotografin,in Bluse und Rock von Bitten Stetter.23 HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE


Entspannt hinter Gittern: Manou undMik Rahner, Animationsregisseure.Er im Anzug von Herr von Eden.Sie im Kleid von FKK.Hier geht es zur ModeDie Ateliers der angesagtesten HamburgerDesigner liegen nah beieinander. Viele sindvom Schanzenviertel aus zu Fuß zu erreichen:Waschen, Schneiden,Anziehen: Jens Kruseund Yvette Krohn,Friseure bei Kinky inder Schanzenstraße.Hose, Kleid, Bluse vonFKK, Schuhe von ChieMihara, Armband vonHeissmangel.Herr von Eden, Marktstraße 33,Tel. 040/439 00 57, www.herrvoneden.deGarment, Marktstraße 25,Tel. 040/410 84 03, www.garment-online.deSchmuckwerkstatt Heissmangel,Weidenallee 21, Tel. 040/41 35 36 99,www.heissmangel-schmuck.comFKK, Hegestraße 21,Tel. 040/46 00 90 41, www.fkk-fashion.deBitten Stetter, Stresemannstraße 110,Termin nach Vereinbarung,Tel. 0179/224 25 37, www.bittenstetter.comSium, Marktstraße 27,Tel. 040/430 73 27, www.sium.netLewin, Rambachstraße 12,Tel. 040/37 50 06 60, www.lewin-hamburg.deHAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE 24


KALENDERAlles hier bei unsDie wichtigsten Termine von September bis Dezember– in Hamburg und der Metropolregion.SEPTEMBERKonzerte24.9. Sportfreunde Stiller –2006 schufen die Sportfreunde mit„54, 74, 90, 2006“ die Hymne zurFußball-WM. Auf ihrem jüngstenAlbum „La Bum“ sucht man einederart aufgedrehte Gute-Laune-Nummer vergebens. Die Münchnerschwelgen lieber in Melancholie.Alsterdorfer Sporthalle, 20 Uhr, 29Euro. www.sportfreunde-stiller.de24.9. Barbara Schönebergerand the Berlin Pops Orchestra – DerStartschuss für ihre „One night toremember“-Tour fällt in ihrem WohnortHamburg: Erstmals ist das Showtalentdabei Herrin über ihre eigeneProduktion, stellte das Team und ihrRepertoire selbst zusammen. Laeiszhalle,20 Uhr, ab 30,25 Euro. www.barbara-schoeneberger.dePremieren/LesungenSeit 18.9. Theaterneueröffnung:2. Heimat – Rund um dasStück „Ueli Hürlimann oder Wieschüchtern darf ein Mann sein?“laden die Macher ein zu einer Reise– zurück in die Zeit der Kultursalonsder Zwanziger- und Dreißigerjahre,als man Kunst noch in edlen Privatwohnungenzelebrierte und dabeiauch speiste und trank. Diese künstlerisch-kulinarischeKombinationwird auch hier geboten. Ein Schildam Eingang gibt es nicht: Wer reinwill,der muss die Klingel finden.Max-Brauer-Allee 34, Speicher 34,Menü und Karte für 57 Euro. www.die2teheimat.de27.9. „Gemischtes Doppel“ –Der Leiter des Literaturhauses, RainerMoritz, und NDR-RedakteurinAnnemarie Stoltenberg geben mitBuchempfehlungen eine Orientierungshilfeim Dschungel der 80 000Neuerscheinungen des Jahres. HamburgerLiteraturhaus, 19 Uhr, ab 4 Euro.www.literaturhaus-hamburg.deBis 31.12. „Westerland“ – Liebe,Spaß und Urlaubsträume sinddie Basis des Musicals, das durchalte und aktuelle Hits von Bands wieDie Ärzte, Texas Lightning, ModernTalking oder von Johnny Cash untermaltwird. Delphi Showpalast, Doab 14,90 Euro, Fr ab 19,90, Sa ab24,90 Euro, 20 Uhr. www.delphishowpalast-hamburg.deAusstellungenBis 9.12. Geflohen ausDeutschland: Hamburger Künstlerim Exil 1933–1945 – 64 jüdischeKünstler aus Hamburg mussten nachder Machtergreifung durch die Nazis1933 die Stadt verlassen. Kaum einerfand den Weg zurück in die Heimat.Sonderausstellung im Hamburgmuseum,Di–Sa 10–17, So 10–18Uhr, 7,50 Euro; Gratis-Führungen So14 Uhr. www.hamburgmuseum.deBis 4.11. Dr. Struensee aus Altona– Er galt als die rechte Handdes dänischen Königs, hatte Einflussauf die Reformen Dänemarks undführte sowohl die Pockenschutzimpfungals auch die Pressefreiheit ein.Ein angebliches Verhältnis mit derKönigin brachte ihm den Tod aufdem Schafott. Altonaer Museum,Di–So 10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr, 6Euro. www.altonaer-museum.de30.9. (Eröffnung), 2.10.–6.4.„Weltempfänger“: 10 Jahre GalerieEvent im September27.9.–4.10. Filmfest HamburgClint Eastwood, Jodie Foster, Jim Jarmusch, Fatih Akin – dasist nicht die Gästeliste der kommenden Oscar-Verleihung,sondern ein Vorgeschmack auf die Regisseure der etwa 130Filme, die neben jenen von jungen deutschen und internationalenFilmemachern auf dem Filmfest Hamburg gezeigtwerden. Bis 26.9. : 6,50 Euro, ab 27.9. : 7,50 Euro. EröffnungsundAbschlussfilm: 8,50 Euro. www.filmfesthamburg.deder Gegenwart – Zum Jubiläum gibtes eine Neupräsentation der Sammlung,die Werke von der Pop-Art bisheute umfasst. Galerie der Gegenwart,Di–So 10–18 Uhr, 8,50 Euro.www.hamburger-kunsthalle.deEvents/Feste/Sport30.9. 17. Volkslauf durch dasAlstertal – Der 8. hella Laufcup bestehtaus insgesamt drei Läufen (9.9.Alsterlauf, 16.9. Airport Race unddiesem), die man absolvieren muss,Konzerte im September27.–29.9. Reeperbahn-FestivalNach dem großen Erfolg im letzten Jahr mit 10 000 Zuschauernund 200 Bands auf 21 Bühnen: Dieses Jahr haben für den dreitägigenmusikalischen Ausnahmezustand im und um den Kiezunter anderem die Grammy-Gewinner The Ark (Foto) ausSchweden und die Britrocker von Ash zugesagt. Ab 26 Euro.www.reeperbahnfestival.com25 HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE


um in die Wertung zu gelangen.Zwar kann man nicht mehr mitlaufen,das 800 Teilnehmer zählendeStarterfeld ist komplett, Unterstützungist aber immer willkommen.www.hella-laufcup.deOKTOBERKonzerte13.10. Dominique Horwitzsingt Jaques Brel – Vor zehn Jahrenfeierte die Produktion Premiere.Nach wie vor bewegt der in Parisgeborene Schauspieler Horwitz mitseinen Interpretationen von Brel-Chansons das Publikum. Unterstütztwird er vom NDR Pops Orchestra.Laeiszhalle, 20 Uhr, ab 30,25 Euro.www.karsten-jahnke.de16.10. Tocotronic – Seit fast 15Jahren ist die Hamburger Band zusammen– und für Überraschungengut. Der Aufschwungsstimmung indiesem Lande setzen Tocotronic mitdem achten Album einen Aufruf zur„Kapitulation“ entgegen. Kampnagel,20 Uhr, Vorverkauf 20, sonst 25Euro. www.tocotronic.de18.10. Joe Cocker – Den größtenErfolg hatte der Woodstock-Teilnehmerstets in Deutschland. Inzwischenlebt Cocker zurückgezogen inCrawford / Colorado, wo er eine Eisdielebetreibt. Jetzt verlässt er dastraute Heim, um sein neues Album„Hymn for my Soul“ vorzustellen.Color Line Arena, 20 Uhr, ab 39 Euro.www.hekticket.de21., 22.10. PhilharmonischesStaatsorchester Hamburg – Beiihrem 2. Philharmonischen Konzertwerden Ravels „Le Tombeau de Couperin“,Mozarts Sinfonie Nr. 31, die„Pariser Sinfonie“, sowie Strawinskys„Le Sacre du Printemps“aufgeführt; Dirigent ist Marc Arnold.Laeiszhalle, 21.10.: 11 Uhr, 22.10.: 20Uhr, ab 8 Euro. www.philharmonikerhamburg.de28.10. JazzNights Nils LandgrenFunk Unit – „Mr. Red Horn“wird Nils Landgren wegen seinerroten Posaune genannt. Er spieltePremieren/Lesungen5.10. „Pornographie“ – EinStück über das Lebensgefühl in Zeitenvon Terror und Anschlägen – der„Pornographie des Alltags“ einerwestlichen Metropole. Von SimonStephens. Regie führt SebastianNübling. Uraufführung. Schauspielhaus,ab 6 Euro. www.schauspielhaus.de14.10. Les Contes d’Hoffmann– Jacques Offenbach hinterließ nurdie ersten drei Akte dieser Oper vollständig.In diese von Christine Miebereitsmit Größen wie Herbie Hancockoder Maceo Parker. In Hamburgstellt er sein neues Album „LicenceTo Funk“ vor. Laeiszhalle, 20 Uhr, ab28,20 Euro. www.karsten-jahnke.de31.10. Take That – Als die Bandsich im Jahre 1996 auflöste, war siedie erfolgreichste britische Band seitden Beatles. Nach zehnjähriger Pausefeiern die Männer aus Manchestermit ihrem Album „BeautifulWorld“ ein glückliches Comeback.Color Line Arena, 20 Uhr, 62,65 Euro.www.eventim.deEvent im Oktober5.–10.10. Design FestivalFür Designer und für alle Liebhaber schöner Formen ist diesein Pflichttermin: das 2. Design Festival Hamburg. Mehr als20 000 Besucher zählte der Veranstalter hamburgunddesign,im letzten Jahr. Ausgewählte Designbüros, -schulen und-geschäfte werden in diesem Jahr innerhalb von fünf Tagen143 Veranstaltungen auf die Beine stellen. Unter anderemwerden Ideen, Projekte und Produkte gezeigt, die sich durchökologische und benutzerfreundliche Gestaltung auszeichnen.Im Rahmen des Festivals wird auch über die Designausbildungan Hamburger und anderen Hochschulen informiert.www.designfestival.delitz inszenierte Aufführung sindMotive aus Erzählungen E.T.A. Hoffmannseingebaut. Staatsoper, 18Uhr, ab 6 Euro. www.hamburgischestaatsoper.de17.10., 18.10. Slowenische LiteraturtageI und II – Einer Nachtvoller „Poesie und Wein“ mit denslowenischen GegenwartslyrikernAles Steger, Lucija Stupica und UrosZupan am 17.10. folgen am 18.10.Kurzgeschichten aus der Feder derAutoren Andrej E. Skubic und AndrejBlatnik. Preise im Internet unter:www.literaturhaus-hamburg.de28.10. Lampedusa (Voraufführung:27.10.) – Das Drei-Personen-Stück von Henning Mankell – Regie:Dominique Schnizer – handelt vonden Absurditäten der Mediengesellschaft.Diese deutschsprachige Erstaufführungist eine Koproduktion mitden Ruhrfestspielen Recklinghausen.Schauspielhaus, ab 6 Euro.www.schauspielhaus.deAusstellungen10.10.-6.1. American Beauties– Gezeigt werden Fotografien vonu.a. David Hockney und Wim Wenders,die aus der Sammlung F.C.Gundlach stammen. Die Ausstellungbeleuchtet amerikanische Lebensweltenvon Ost bis West, von derKüstenmetropole bis in den MittlerenWesten. Im Rahmen des DesignFestivals (siehe Kasten) wird die Ausstellungam 9.10. um 20.30 Uhr miteiner Modenschau eröffnet. Deichtorhallen,Di–So 11–18 Uhr, 7 Euro.www.deichtorhallen.de12.10.–13.1. Eine Liebe. MaxKlinger und die Folgen – Aus Anlassseines 150. Geburtstages wird MaxKlingers Wirkung auf die europäischeKunst ab 1900 erstmals in einerAusstellung gewürdigt. DerMaler, Bildhauer und Grafiker hatteebenso Einfluss auf das Schaffenvon Max Ernst wie von Käthe Kollwitz,Edvard Munch oder Max Beckmann.Hamburger Kunsthalle, Di–So10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr, 8,50 Euro.www.hamburger-kunsthalle.deFortsetzung auf S. 28HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE 26


48 Stunden HamburgDie besten Tipps für ein formvollendetes Wochenende.TEXT: STEPHAN ZIMPRICH, ILLUSTRATION: DIRK SCHMIDTSchon die Eingangshalledes Side Hotels ist be-19.00 FREITAGeindruckend: Acht Stockwerke lichte Höhe,schnörkellos und geradlinig ist die Innenarchitekturdes Mailänder DesignersMatteo Thun. Das Side Hotel ist uneitel genug,sich nicht für das einzige Architekturjuwelin Hamburg zu halten. Es bietet eineFührung zu den aktuellsten Bauprojektender Stadt. Wer sich nach dieser Tour erholenwill, kann im hauseigenen Spa entspan-SAMSTAGnen. Side Design Hotel, Drehbahn 49, Tel.040/30 99 90.11.0020.00Wer Hamburg entdeckenwill, sieht rot. Früherwurde in der Stadt ein Baumaterial besondersoft verwendet: Backstein. Das Chilehausist der beeindruckendste Vertreterder „roten“ Baukultur: Die Front des vonFritz Höger entworfenen Gebäudes läuftzu wie ein Schiffsbug, die Wände zierenMosaike, und sogar eine Straße wird vondem Kontorhaus überspannt. Genau derrichtige Ort für einen Drink – in der „BierBar“. Die hat Stil, trotz ihres Namens. BierBar, Burchardstraße 12, Tel. 040/337561.23.00Der Name ist zum Glücknicht Programm: Das Uebel& Gefährlich ist ein Klub für tanzlustigeund gitarrenverrückte Nachtschwärmer.Einschüchternd sieht nur der Betonklotzaus, in dem der Klub logiert: Die Mauerndes Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieghielten jedem Sprengversuch stand. Imvierten Stock erwarten den Besucher ironischePuttengemälde und ein Publikum, dasschlechte Stimmung nur vom Hörensagenkennt. Uebel & Gefährlich, Feldstraße 66.Auf der EinkaufsmeileNeuer Wall gibt es alles,was die Designer dieser Welt zu bieten haben.Wenn Sie eine Pause vom Bummelbrauchen, empfehlen wir das D.O.C. Indem Glaskubus am Jungfernstieg kannman günstig italienisch und vor allem mitAlsterblick speisen. D.O.C., Jungfernstieg58, 20354 Hamburg, Tel. 040 /32527645.14.00Lässige und bezahlbareMode gibt es im Karoviertel.Zwei Läden seien genannt: Im „Alpenglühn“kombiniert man Stoffe aus HeidisBergwelt mit hanseatischen Motiven. Inder „Pension für Produkte“ warten Wohnaccessoiresauf ein neues Heim. Alpenglühn,Marktstraße 108; Pension für Produkte,Neuer Pferdemarkt 32.19.00Bastian Falkenroth, Chefder K&K Kochbar imCuriohaus, hat sich der „molekularen“ Kücheverschrieben. Entsprechend ungewöhnlicxhsind die Gerichte: Jakobsmuscheln mitBaumkuchen, Chili-Gelee und kandierteKarotten. Und an den Wänden Werke vonBaselitz und Balkenhol. K&K Kochbar, Rothenbaumchaussee11, Tel. 040/36 11 16 36.10.00SONNTAGAn einer Hafenrundfahrtkommt in Hamburg keinervorbei. Kapitän Prüsse nimmt Sie mitzu einem der markantesten Bauwerke –oder besser: Er fährt Sie darunter hindurch.Die Köhlbrandbrücke ist, der Länge nach,zwar nur die Nummer zwei in Deutschland,die Eleganz der Stahlseilkonstruktionist aber unerreicht. Kapitän Prüsse, An denLandungsbrücken, Tel. 040/31 31 30.12.00An der „Schönen Aussicht“glänzen die blauenKacheln der Imam Ali Moschee. Das prächtigeGebetshaus steht auch Besuchern offen.Innen ist eine Rarität zu bewundern:einer der größten Rundteppiche der Welt.An dem Perser mit 16 Meter Durchmesserarbeiteten 22 Spezialisten über drei Jahre.Imam Ali Moschee, Schöne Aussicht 36, Tel.040/22948610, tel. Anmeldung erwünscht.15.00„Junge, komm bald wieder“,sang Freddy Quinn.Wer wissen will, was den Jungen in die Welthinaustrieb, der muss von der Terrasse desDockland-Hauses die Elbe hinabschauen.Wenn Sie hier kein Fernweh bekommen,dann nirgends. Das Dockland ist nicht nurwegen seiner Terrasse bekannt. Das vomArchitekturbüro Bothe Richter Teheranigebaute Haus neigt sich mit dem Fluss,schiebt sich wie ein Schiffsbug die Elbehinab. Bürohaus Dockland, Van-der-Smissen-Straße.Suchen Sie Informationen über die Stadt? Hotels, Tickets, Termine? Die finden Sie am schnellsten unter www.hamburg-tourismus.de. Hier könnenSie auch den kostenlosen „Happy Hamburg Katalog“ bestellen mit allen wichtigen Adressen und Terminen. Oder rufen Sie an: 040/300 51 800.27 HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE


50 000 Karten wurden für die Musicalkomödie mit den größtenHits aus Udo Jürgens’ Karriere schon verkauft. Bei manchenCastings saß Jürgens selbst in der Jury. Mit dem Musicalwürdigt Stage Entertainment das Lebenswerk des KärntnerWeltstars, der mehr als 900 Lieder herausbrachte. 17.11.: Vorpremierezur Weltpremiere (am 2.12.), Operettenhaus amSpielbudenplatz, 15 Uhr, ab 76,90 Euro. www.eventim.deEvents/Feste/Sport5.–7.10. 5. Lüneburger Sülfmeistertage– Im Jahr 1472 wurdedas Fest erstmals erwähnt. Musik,Tanz, Theater und ein Festumzugehren das „weiße Gold“, das Salz,das der Stadt früher Reichtum bescherte.„Sülfmeister“ waren in derSalzproduktion die mächtigstenMänner, da sie die Siedepfannen und-rechte besaßen. Am 2.10. startendie Festivitäten mit dem „Sülfmeisterball“.www.suelfmeistertage.de7. und 21.10. Bungeejumpingin der HafenCity – 47 Meter hoch,250 Tonnen schwer: Der umgebauteHafenkran als Springturm gilt alsDeutschlands ungewöhnlichsteBungee-Anlage. Sie liegt im Baakenhafenan der Versmannstraße, vonwo man freien Blick auf den HamburgerHafen hat. Eine Anmeldungist 14 Tage vorher nötig. 89 Euro.www.jochen-schweizer.de14.10. Stadtparkmarathon – EinMarathon für Schulen, wobei sichdiese sogar mit den Profis des FC St.Pauli messen können. Die schnellsteStaffel gewinnt einen Trainingsnachmittagmit BeachvolleyballprofiPremiere im November17.11. Ich war noch niemalsin New YorkDavid Klemperer. Anmeldungen unterwww.stadtparkmarathon.de14.10. Friedrichskooger Krabbentage– Hier kann man frischeKrabben direkt aus der Nordsee undin allen Variationen essen. Wer mag,nimmt vorher auch noch an einem„Krabbenpulwettbewerb“ teil. www.friedrichskoog.de27.10.–4.11. 48. InternationaleBootsausstellung Hanseboot –Auf der sechstgrößten Messe derWelt kann man Deutschland- undWeltpremieren bestaunen. Nebenspektakulären Schiffen undYachten gibt es ein Jollen-Centerund ein beliebtes Angelforum.Täglich 10–18, Mi 10–20 Uhr, ab7 Euro. www.hamburg-messe.de/hansebootNOVEMBERKonzerte4.11. Curtis Stigers – Eines seinerbekanntesten Werke ist derSoundtrack zu Whitney HoustonsFilm „The Bodyguard“. Seit einigenJahren widmet sich der Saxofonist,Sänger und Songwriter nun demJazz. Fabrik, 21 Uhr, 26,95 Euro.www.eventim.de11. und 12.11. Laith al Deen –Mit der Single „Bilder von Dir“ gelangdem Deutsch-Iraker im Jahr2000 der Durchbruch, in Hamburgstellt der Mannheimer sein neuesAlbum „Die Liebe zum Detail“ vor. 20Uhr, Große Freiheit 36, 28,55 Euro.www.eventim.de14.11. Gentleman & The FarEast Band – Er heißt Tilmann Ottound ist Deutschlands einziger Reggae-Starvon internationalem Format.Seine zweite Heimat hat er ausdiesem Grund auch auf Jamaika gefunden,deshalb pendelt er häufigzwischen Köln und Kingston hin undher. Sporthalle Hamburg, 20 Uhr,30,90 Euro. www.kartenhaus.de16.11. Sinéad O’ Connor – Berühmtwurde die Irin durch den Prince-Song„Nothing Compares 2U”.Immer wieder kündigte sie ihrenRückzug aus dem Musikgeschäft an– bislang hat ihre Liebe zur Musikimmer noch gesiegt. DeutschesSchauspielhaus, 20 Uhr, ab 40,80Euro. www.getgo.dePremieren/Lesungen3.11.–27.1. Witzigmann undRoncalli-Vorpremiere – Drei Monatefeilte der Sternekoch an seinemneuen Menü. Zirkusdirektor BernhardPaul will das Gesamtkunstwerkdiesmal mit viel Livemusik abrunden.So, Di, Mi ab 89 Euro; Do, Fr, Sa ab99 Euro; an Silvester 100 Euro mehr.So 19 Uhr, sonst 20 Uhr. BajazzoHamburg, Trabrennbahn Bahrenfeld.www.witzigmann-bajazzo.de8.11. Holiday on Ice – Die Weltpremiereder „Elements“-Show, beider sich alles um Feuer, Wasser, Erdeund Luft dreht, ist in Hamburg. 306Millionen Zuschauer machen dasSpektakel im 60. Jubiläumsjahr zurerfolgreichsten Live-Unterhaltungsproduktionweltweit. Color Line Arena,19 Uhr, ab 12,90 Euro. www.holidayonice.de18.11. Der Rosenkavalier –Richard Strauss’ Oper über amouröseVerwicklungen im Wien der Zeit KaiserinMaria Theresias hat auch 96 Jahrenach der Uraufführung nichts vonihrem Zauber verloren. In Hamburgwird die komische Oper in Zusammenarbeitmit der Finnischen NationaloperHelsinki auf die Bühne gebracht.Staatsoper, 17 Uhr, ab 6 Euro.www.hamburgische-staatsoper.de23.11. „Der Schimmelreiter“,Uraufführung – Theodor StormsNovelle zählt zu den bedeutendstenFabeln und Mythen des Nordens: dieGeschichte des Aufstiegs eines jungenMannes, der seine Überzeugungengegen Widerstände der Gesellschaftdurchsetzen will – und dabeidas menschliche Maß vergisst. Fassung:John von Düffel, Regie: JorindeDröse. Thalia Theater Alstertor,ab 5 Euro. www.thalia-theater.deAusstellungen8.11.–6.1. Markenwelten –Hier kann man „Penny Black“, dieerste Briefmarke der Welt, die 1840in England herausgegeben wurde,und die Vorläufer der deutschenBriefmarke bestaunen. Allein 3000Marken werben für Hamburger Produkte,Institutionen oder Ereignisse.Vernissage: 7.11., 19 Uhr. Museumfür Kommunikation, Di–Fr 9–17 Uhr,Sa, So 10–18 Uhr. Der Eintritt ist frei.www.museumsstiftung.deEvents/Feste/Sport9.11.–9.12. Winterdom – Dasgrößte und bekannteste Volksfest imNorden hat auch im Winter geöffnetund bietet seinen jährlich rund neunMillionen Besuchern das geschätztePaket aus Kalorienbomben undNervenkitzel. Mo–Do 15–23 Uhr, Fr,Sa 15–24 Uhr, So 14–23 Uhr. www.hamburger-dom.de11.11. „Schokolade machtglücklich“: Kakaoverkostungen –Wo kommen die wichtigsten Kakaosortenher, wie werden sie angebautund geerntet? Fragen wie diese beantworteteine Referentin, zwei Konditorenerläutern den Weg des Rohmaterialszur Schokolade und erzählenGeschichten über Pralinés undSchokoladenkunst. Das besondersHAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE 28


Schöne daran: Man darf immer wiedernaschen. Anmeldungen sinderwünscht. Speicherstadtmuseum,14 und 16 Uhr, 15 Euro inkl. Museumseintritt.www.speicherstadtmuseum.deWeihnachtsmärkteAb 27.11. Historischer Weihnachtsmarkt– Roncalli-DirektorBernhard Paul hat den schönstenWeihnachtsmarkt der Stadt entworfen:direkt vor dem Rathaus mit Blickauf die Alsterarkaden. Einkaufstütenabstellen! Glühwein trinken!22.11.–2.12. Markt der Völker– Der Dialog zwischen den KulturenAusstellung im November16.11.–3.2. Georg BaselitzEr hat mit seinen Werken die Malerei auf den Kopf gestellt. AusAnlass des siebzigsten Geburtstags (23.1.) des neoexpressionistischenMalers und Bildhauers Georg Baselitz zeigen die Deichtorhallenerstmalig die bislang unveröffentlichte Serie der „Russenbilder“.Di–So 11–18 Uhr, 7 Euro. www.deichtorhallen.deGEWINNSPIEL: KOMMEN SIE NACH HAMBURGBeantworten Sie unsere Preisfrage. Mit etwas Glück gewinnen Sie ein Wochenende in derHansestadt. Zum Preis gehören zwei Übernachtungen im Doppelzimmer inklusive Frühstückim 5-Sterne-Hotel Empire Riverside, das vom Stararchitekten David Chipperfield entworfenwurde. Dazu gibt es eine Hamburg CARD und eine Hafenrundfahrt bei Kapitän Prüsse.Die Preisfrage:soll mithilfe sinnlicher Erfahrungenim Museum für Völkerkunde vereinfachtwerden. Dieses Jahr steht Chinaim Mittelpunkt. Angeboten werdenMassagen oder Teezeremonien.Eröffnung am 22.11. um 18 Uhr mitchinesischem Drachentanz. www.voelkerkundemuseum.comAb 23.11. „Weihnachtsmärchenschiffe“– Am Ballindamm wartetauf die Kinder ein besonderesProgramm: Auf fünf verschiedenenSchiffen können sie selber Kekse bakken,jonglieren lernen oder malen.Die Eltern können sich auf dem Caféschiffentspannen. Der Eintritt ist frei.Täglich 11–18 Uhr am Anleger Jungfernstieg.www.maerchenschiffe.deAb 26.11. Ottensen – Damit Kinderihre Einnahmen wirklich in Geschenkeinvestieren können, müssensie beim Flohmarkt in der „Zwergenhütte“keine Standgebühr zahlen.Fußgängerzone Ottenser Hauptstraße,Mo–Sa 11–21 Uhr, So 11–18 Uhr.www.ubagentur.deWeitere Weihnachtsmärkte:Fleetinsel (alle 27.11.–23.12.), HanseatischerWeihnachtsmarkt auf demGänsemarkt; Hamburg Harburg, Rathausplatz(ab 18.11.–23.12.); NorddeutscherChristkindlmarkt, Völkerkundemuseum.www.weihnachtsmarkt.infoIn welchem neuen Stadtteil wird die Elbphilharmonie gebaut?Schicken Sie die Lösung per Mail an:Leserbriefe@marketing.hamburg.deoder per Postkarte an die Hamburg Marketing GmbH,Kennwort: Hamburg-Magazin, ABC-Straße 4520354 Hamburg.Einsendeschluss: 10.11.2007. Der Gewinner wird aus allenrichtigen Antworten gezogen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.Wir freuen uns über Kritik und Anregungen. Was hat Ihnen anunserem Magazin gefallen? Was haben Sie vermisst? SchreibenSie uns!IMPRESSUMHamburg:das Magazin aus der Metropole –Erscheint viermal jährlich.HERAUSGEBERHamburg Marketing GmbHV.i.S.d.P.: Thorsten KauschABC-Straße 4520354 Hamburginfo@marketing.hamburg.deVERLAGMagazin VerlagsgesellschaftSüddeutsche Zeitung mbHGeschäftsführer: Rudolf SpindlerVerlagsleiter: Andreas TazlBÜRO HAMBURGEnglische Planke 620459 HamburgTel. 040 / 468 99 11 33Fax 040 / 22 81 59 112magazin@marketing.hamburg.deREDAKTIONYork Pijahn, Sebastian Wehlings;Isolde Durchholz (Schlussredaktion)ART DIRECTIONFlorian GmachAUTORENSerge Debrebant, Tonio Postel(Kalender), Annette Stiekele,Meite Thiede, Ralf Wiegand,Stephan ZimprichFOTOGRAFENMelanie Dreysse, Roberto Hegeler,Bernd Jonkmanns, André MühlingILLUSTRATIONENDirk SchmidtANZEIGENMagazin VerlagsgesellschaftSüddeutsche Zeitung mbHAndrea HedeckerRindermarkt 580331 MünchenTel. 089 / 21 83 93 24Fax 089 / 21 83 85 29DRUCKBurda Druck GmbHHauptstraße 13077652 OffenburgREPROCompumedia GmbHDer Verlag übernimmt für unverlangteingesandte Unterlagen keine Haftung.Das Papier des Hamburg-Magazinswird aus chlorfrei gebleichtem Zellstoffhergestellt. Bei Nichterscheinendurch höhere Gewalt oder Streik keinEntschädigungsanspruch. Eine Verwertungder urheberrechtlich geschütztenZeitschrift und aller in ihr enthaltenenBeiträge und Abbildungen, insbesonderedurch Vervielfältigung oder Verbreitung,ist ohne vorherige schriftliche Zustimmungdes Verlages unzulässig undstrafbar, soweit sich aus dem Urheberrechtsgesetznichts anderes ergibt. DieVeröffentlichung der Veranstaltungstermineerfolgt ohne Gewähr.29 HAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE


WARUM HAMBURG?„Die Alster als Tattoo“Die Stars der Hansestadt verraten uns, weshalb sie hier und nirgends sonst lebenwollen. Den Anfang macht der Musiker Jan Delay.„Style ist alles“: Jan Delay auf dem Dach des Hotel Atlantic.In dem Song Klar rappst du „Verdammtcool, weil Hanseat“. Bist du eigentlichHanseat?Meine Oma ist aus Ostpreußen hierher geflüchtet.Königsberg ist ja irgendwie auchHanse, insofern bin ich Hanseat in derzwanzigsten Generation.Ist eine Karriere wie deine eigentlich nurin Hamburg vorstellbar?Ich habe meine ganze Jugend in der Hafenstraßeverbracht. Stile wie Dub oder Reggaesind hier schon abgefeiert worden, als es dasim Rest von Deutschland noch nicht gab.Hier gibt’s einfach diesen Drang, zu feiernund Musik zu hören. Das, was ich mache,geht sicher nur in Hamburg, weil dieseStadt der Melting Pot von allen schönensubkulturellen Dingen ist. Eine Stylerstadt.Warum ist Hamburg so eine Stylerstadt?Weil sie komplett offen ist und so stilsichereinen eigenen Kulturbereich aufgebaut hat.Ins „Onkel Pö“ sind neben Udo und Ottound den ganzen Vögeln auch Miles Davisund Jimi Hendrix gegangen. Außerdem hatHamburg sehr viel Geld.Was ist daran so wichtig?Ohne Geld kannst du so was wie das Chilehausnicht bauen. Irgendwann haben diePfeffersäcke gecheckt, dass sie auch was zurückgebenmüssen.Als Musiker kommt man sehr viel herum.Warum lebst du in Hamburg?Du kriegst den Jan aus Hamburg, aber nichtHamburg aus Jan. Wenn ich mir mal einTattoo mache, lasse ich mir die Binnenalstertätowieren.Was kann die Welt von Hamburg lernen?Toleranz und Offenheit.Und was Hamburg von der Welt?Hamburg kann von der Welt eigentlichnichts lernen – außer nicht immer alles sosteif zu sehen, nicht so steif zu denken undsich so steif zu bewegen.Du trägst jetzt auf der Bühne die schickenAnzüge des Hamburger Labels Herrvon Eden. Wie wichtig ist Style für guteMusik?Ich kenne keine gute Musik, die keinen Stylehat. Style ist alles.Du warst in deinen Texten immer sehrpolitisch. Warum wirfst du jetzt „keineSteine mehr, sondern Discokugeln“ – sowie es auf deinem aktuellen Albumheißt?Bei meiner neuen Platte soll man den Kopfaus- und den Arsch anschalten. Ich schmeißauch auf Mercedes Dance den einen oderanderen Stein, aber so verpackt, dass esnicht beim Tanzen stört.Du hast dich mit Udo Lindenberg füreinen Song zusammengetan. Warum istUdo – um es mit deinen Worten zu sagen– ein Styler?Weil er ein Unikum ist. Alles, was er macht,hat er selbst erfunden. Es ist einfach wunderschön,wie er singt. Es ist krass, wie dasdamals in den Siebzigern und Achtzigernschon gegroovt hat und was für eine Artvon Slang er in den Texten hatte.Könntest du wie Udo in einem Hotel leben?Ja, wenn ich sechzig bin, fände ich das spitze.Das Atlantic ist von den großen Hotelsam sympathischsten, weil es eben schon einbisschen runtergerockt ist.Interview: Annette StiekeleHAMBURG – DAS MAGAZIN AUS DER METROPOLE 30

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