und Leseprobe (PDF) - Vandenhoeck & Ruprecht

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Michael von Aster / Jens Holger Lorenz, Rechenstörungen bei KindernMichael von AsterWie kommen Zahlen in den Kopf?Ein Modell der normalen und abweichenden Entwicklungzahlenverarbeitender HirnfunktionenRechnen und Intelligenz: Einige VorbemerkungenDie aktuell gültigen internationalen Klassifikationssysteme für psychische Störungen– ICD-10 und DSM-IV – definieren die Rechenstörung ebenso wie dieLese-Rechtschreib-Störung als voneinander unabhängige Klassen von umschriebenenStörungen der schulischen Fertigkeiten. Nach diesem Konzept derTeilleistungsstörung liegt eine gravierende Beeinträchtigung des Erlernensgrundlegender rechnerischer Fertigkeiten bei ansonsten normaler Intelligenzund adäquater Beschulung vor, das heißt, die Teilfähigkeit ist signifikant schwächerals aufgrund der Intelligenz zu erwarten wäre. Diese Diskrepanz soll ihrenAusdruck in einer psychometrischen Messung mit standardisierten Testverfahrenzur Rechenfähigkeit und zur Intelligenz finden.Diese Konzeption geht davon aus, dass das Rechnen eine umschriebene,von anderen Funktionen unabhängige Hirnfunktion ist, deren Entwicklungvon früh an aus vermutet genetischen Gründen ausbleibt oder gestört verläuft.Dieselbe implizierte Annahme gilt für das hier verwendete Konstruktder Intelligenz. Die Intelligenz wird als genetisch determiniertes, entwicklungsstabilesPersönlichkeitsmerkmal aufgefasst, das unabhängig ist von derTeilleistung des Rechnens und deshalb zu ihr in Kontrast gebracht werdenkann.Vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Entwicklung in den letztengut zwei Jahrzehnten sind diese Konzepte und die in ihnen enthaltenen impliziertenAnnahmen nicht mehr zeitgemäß. In den anstehenden Revisionender genannten Klassifikationssysteme werden deshalb auch gravierende Änderungenerwartet. So werden in der DSM-V die spezifischen schulischenEntwicklungsstörungen voraussichtlich dimensional in einer Klasse zusammengeführt,mit variablen Ausprägungen in den verschiedenen schriftsprachlichenund mathematischen Fähigkeitsbereichen und unter Verzichtauf ein striktes psychometrisches Diskrepanzkriterium, was der vielschichtigenKomplexität dieser Störungen hinsichtlich der beteiligten kognitivenKomponenten und der Häufigkeit komorbider Symptome besser gerecht zuwerden verspricht.© 2013, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, GöttingenISBN Print: 9783525462584 — ISBN E-Book: 9783647462585

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