und Leseprobe (PDF) - Vandenhoeck & Ruprecht

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Michael von Aster / Jens Holger Lorenz, Rechenstörungen bei Kindern8 Michael von Aster und Jens Holger LorenzDas Grundanliegen dieses Buches ist ein interdisziplinäres. Es will auf dereinen Seite Ergebnisse der neurowissenschaftlichen und medizinischen Grundlagenforschungdarstellen und auf der anderen Seite Entwicklungen in den psychologischen,pädagogischen und therapeutischen Anwendungsfeldern skizzieren.Mit dieser zweiten Auflage wollen wir nun eine Aktualisierungbezüglich der wissenschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre zum ThemaRechenstörungen bei Kindern vornehmen. Die enthaltenen Kapitel wurdengrößtenteils einer gründlichen Revision unterzogen, darüber hinaus wurde einKapitel über computergestützte Förderprogramme neu aufgenommen.Die modernen Neurowissenschaften haben dazu beigetragen, dass zahlreicheErkenntnisse und Theorien aus den psychologischen und pädagogischen Disziplinenbestätigt und weiterentwickelt werden konnten. Insbesondere durch dieMethoden der funktionellen Bildgebung kann man heute buchstäblich sichtbarmachen, wie Denken funktioniert, wie und wo Gedächtnisinhalte entstehen undwelche Rolle den Gefühlen dabei zukommt. Hinter dem Begriff der »erfahrungsabhängigenNeuroplastizität« steht die Einsicht, dass sich jedes Gehirn, das heißtseine individuellen neuronalen Verschaltungen,aus den persönlichen biographischenErfahrungen gewissermaßen selber erschafft. Das heißt, es organisiert sichin Anpassung an das, was für das Individuum bedeutsam und lebenswichtig ist.Die Reifung von Nervenzellen vollzieht sich dabei in den verschiedenen Regionendes Kortex zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit unterschiedlicher Geschwindigkeit.Daraus resultieren so genannte sensible Phasen mit erhöhter neuronalerPlastizität, in denen bestimmte Funktionen besonders leicht gelernt oderaber – bei ungünstigen Bedingungen – in ihrer Entfaltung behindert werdenkönnen. Erkenntnisse dieser Art erlauben Rückschlüsse darauf, welche Merkmaleeiner Lernumgebung fördernden oder aber behindernden Charakter für dieEntwicklung bestimmter Fähigkeiten haben.Die sorgfältige Untersuchung von Patienten mit umschriebenen Hirnschädigungenund Funktionsausfällen haben zu einem besseren Verständnis sokomplexer geistiger Tätigkeiten wie dem Rechnen beigetragen. Früher nahmman an, dass der Umgang mit Zahlen eine einheitliche, in einem singulärenRechenzentrum vermittelte Fähigkeit sei. Heute erkennt man, dass die Fähigkeit,mit Zahlen umzugehen, aus vielen Komponenten besteht, die in verschiedenenRegionen des Gehirns koordiniert werden.Das lebhafte und wachsende Interesse, das die Ergebnisse der Hirnforschungbei Pädagogen und Therapeuten findet, ist nachvollziehbar, denn siegeben Anhaltspunkte für ein besseres Verständnis geistiger Verarbeitungs- undOrganisationsmechanismen bei schulischen Lernaufgaben. Je besser diesesVerständnis ist, desto leichter dürfte es der Lehrkraft fallen, eine angemesseneVorstellung darüber zu entwickeln, was sich im Kopf ihres Schülers vollzieht,vollziehen sollte oder eben nicht vollziehen kann, und desto besser sind auchihre Möglichkeiten, individuell adaptive Lernmittel und -hilfen zu kreierenund bereitzustellen.© 2013, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, GöttingenISBN Print: 9783525462584 — ISBN E-Book: 9783647462585

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