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D A S N E T Z W E R KLebenslanges Lernen in der beruflichenIntegrationsförderung des Landes BremenESF - Projekt „Lern wieder!”Selbstlernkompetenzenfür benachteiligte Jugendlichein der beruflichen Bildung -Lehr- und Lernberatungfür Lehrkräfte, Schüler/-innenund Auszubildendewww.iaw.uni-bremen.de/netzwerk-lebenslanges-lernenBLK - Projekt SESEKOSElbstwirksamkeit durchSElbststeuerung undK0operatives Lernenfür benachteiligte Jugendlichein der Berufsausbildung undihr pädagogisches Personalwww.seseko.deEUROPÄISCHE UNIONEuropäischer SozialfondsMarkt der LernprojekteJugendliche agieren kompetent -TagungsdokumentationGerlinde HammerBremen, Januar 2008www.iaw.uni-bremen.de/netzwerk-lebenslanges-lernen


ESF - Projekt LERN WIEDER!Daten und InformationenProjektleitungGerlinde Hammer Tel.: 0049- (0)421-218-9514 E-Mail: ghammer@uni-bremen.deMitarbeiter/-innenÄnne HildebrandtBarbara HummelSusanne KretzerEugen NordlohLaufzeit01.01.2005 bis 30.06.2008PostadresseUniversität Bremen / IAW; FVG-Mitte; Celsiusstraße; Postfach 330440; D - 28334 BremenProjekt E-MailHomepagelernwieder@iaw.uni-bremen.dehttp://www.iaw.uni-bremen.de/netzwerk-lebenslanges-lernenFörderung und KooperationEUROPÄISCHE UNIONEuropäischer SozialfondsFreie Hansestadt BremenSenatorin für Arbeit,Frauen, Gesundheit,Jugend und SozialesFreie Hansestadt BremenSenatorin für Bildungund Wissenschaftt e c h n o l o g i eb e r a t u n g ss y s t e mt b s d e r a r b e i t n e h m e r k a m m e r b r e m e nSEESTADTBREMERHAVENDer MagistratKG Ostertor /Physionetzwerk


Markt der LernprojekteMarkt der LernprojekteJugendliche agieren kompetent - TagungsdokumentationBremen, Januar 2008Gerlinde HammerÄnne HildebrandDr. Norbert HübnerBarbara HummelSusanne KretzerEugen Nordlohunter Mitarbeit vonFür das Projekt SesekoSchul zentrum Alwin-Lonke-StraßeKai GarbadeBerufsschule für MetalltechnikAndrea Fidan, Ralf Burfeind, Ralf GieslerAllgemeine Berufsschule in BremenSusanne Schröder (Berufsschullehrerin), Inge Krevert (Sozialpädagogin),Jens Meier (Lehrmeister)Für das Projekt „Lern Wieder!“Schulzentrum BlumenthalRenate Petschko, Dieter Koczy, Hans-Joachim Below, Barbara Neurath,Gerda Öllering-Gräfing, Birgit Detjen, Simone SchmiessekBTZ BremerhavenMonika Liedtke, Petra Brandt, Maike Booken-Lange, Melanie SchenkSZ Carl von Ossietzkky - Gewerbliche Lehranstalten BremerhavenHela Bildau, Volker Hattendorf, Birgit Landsberg, Heiko Weber von ScheidtKaufmännische Lehranstalten BremerhavenSusanna Bransi, Katrin MolthanInstitut für Berufs- und Sozialpädagogik e.V.Martina Franke, Christine Gottschalch, Peter Michels, Erika Opitz, Ulla Seitz


Markt der LernprojekteMarkt der LernprojekteJugendliche agieren kompetent –Eine TagungsdokumentationGerlinde HammerBremen, Januar 2008ESF – Projekt: Lern wieder!Selbstlernkompetenzen für benachteiligte Jugendlichein der beruflichen Bildung – Lehr- und Lernberatung für Lehrkräfte,Schüler/innen und AuszubildendeBLK – Modellversuch SESEKOSelbstwirksamkeit durch Selbststeuerung und kooperatives Lernenfür benachteiligte Jugendliche in der Berufsbildung und ihrpädagogisches Personal


Markt der Lernprojekte


Markt der LernprojekteInhaltsverzeichnisMarkt der Lernprojekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Gerlinde Hammer, Leiterin der Forschungseinheit „Qualifikationsforschungund Kompetenzerwerb“ im IAW . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112.1 Dr. Birgit Weihrauch, Staatsrätin und Senatorin für Arbeit, Frauen,Gesundheit, Jugend und Soziales . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132.2 Dr. Luise Martens, Referentin bei der Senatorin für Bildung und Wissenschaft . 142.3 Wolfgang Funk, Referent bei der Bremerhavener Arbeit GmbH . . . . . . . . . . . . 16 Einleitendes Referat von Prof. Dr. Peters: Die Bedeutung SelbstorganisiertenLernens in der Beruflichen Integrationsförderung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173.1 Was ist unter selbstorganisiertem Lernen zu verstehen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183.2 Warum ist selbstorganisiertes Lernen eigentlich so wichtig? . . . . . . . . . . . . . . . 193.3 Selbstlernkompetenz – was gehört dazu? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 213.4 Die Lernausgangssituation auf Seiten der Teilnehmer und Teilnehmerinnen vonMaßnahmen der beruflichen Integrationsförderung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 223.5 Wie können Selbstlernkompetenzen gefördert werden? . . . . . . . . . . . . . . . . . . 223.6 Schlussbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 Präsentation von Lernprojekten im Plenum. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 274.1 Medienkompetenz im Ausbildungsalltag zur Hauswirtschaftshelfer/in . . . . . . . 274.2 „Alles was rollt“ – ein Sommerfest für Kindergartenkinder . . . . . . . . . . . . . . . . 344.3 „Computerkurse für Senioren und Seniorinnen“. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 Der Markt der Lernprojekte am Nachmittag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 495.1 „Second-Hand-Laden“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 495.2 „Kreative Praktikumsauswertung“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 535.3 „Internationale Frikadellen im Esscape“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 575.4 „Teampower-Spiel und Lernkartei“. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 625.5 „Vorstellung der Berufsausbildung zumKonstruktionsmechaniker/zur Konstruktionsmechanikerin“. . . . . . . . . . . . . . . . 645.6 „Schülerfirma für Maleraufträge“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 705.7 „HanseLife Kochshow- Asiatische Bratnudeln“. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 735.8 Liste der verwendeten Abkürzungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77


Markt der LernprojekteVorwortDer Transfer-Workshop hat den Versuch gemacht, Jugendlichen mit besonderem Förderbedarfeine Bühne zu bieten, auf der sie ihre Erfolge beim Erwerb von Selbstlernkompetenzenin Lernprojekten mit Realcharakter darstellen und präsentieren können. Erfolge, die sieerzielt haben, weil sie die Angebote zum Lernen in den verschiedenen Lernarrangementsmit der Übernahme von Verantwortung beantwortet haben und Stück für Stück beider Realisierung der an sie gestellten Herausforderungen in ihre jeweiligen Rollenhineingewachsen sind. Sie haben die Arbeitsprodukte und Dienstleistungen in ihrenLernprojekten als ihre eigene Sache begriffen, die sie selbst in die Hand genommenhaben. So haben sie selbständig, eigeninitiativ und selbstgesteuert gelernt. Dadurch wirdSelbstvertrauen aufgebaut. Und dieses neu erworbene Selbstvertrauen hat man denPräsentierenden angemerkt.Der Transfer-Workshop war eine Veranstaltung im Rahmen der Kooperation im Netzwerk„Lebenslanges Lernen in der beruflichen Integrationsförderung des Landes Bremen“.In ihm sind• das ESF-Projekt LernWieder! „Selbstlernkompetenzen für benachteiligte Jugendliche inder beruflichen Bildung - Lehr- und Lernberatung für Lehrkräfte und Schüler/innen“• der BLK-Modellversuch SESEKO „Selbstwirksamkeit durch Selbststeuerung undkooperatives Lernen für benachteiligte Jugendliche in der Berufsausbildung und ihrpädagogisches Personal“• das Projekt LeLe „Personalfortbildung für die Förderung Lebenslangen Lernens in derberuflichen Integrationsförderung“ aktiv.Das Netzwerk wird in Projektpartnerschaft von beruflichen Schulen, Aus- und Weiterbildungseinrichtungenund dem IAW/Universität Bremen und Arbeitnehmerkammer getragen.Mit ihrer Vernetzung wollen die Projekte und ihre Partnerinnen und Partner Synergienschaffen, die der Qualitätssteigerung und Nachhaltigkeit - der um die Verbesserung derIntegrationschancen benachteiligter Jugendlicher bemühten Programme - dienen.In diesem Sinn war der gemeinsam von den Projekten Lern Wieder! und SESEKO mitihren Projektteams veranstaltete Transfer-Workshop eine Plattform für Wissens- undErfahrungsaustausch zwischen anwendungsorientierter Wissenschaft und der Praxis vonLernprojekten in elf berufsschulischen und außerbetrieblichen Bildungseinrichtungen ausBremen und Bremerhaven. Vor allem im Hinblick auf den Transfer der entwickelten didaktischenund methodischen Konzepte war er der Versuch, auch bei der Präsentation dervielen überzeugenden Lernprojekte den Ansprüchen an selbstgesteuertes und kooperativesLernen gerecht zu werden. Wir meinen, dies ist den Akteuren und Akteurinnen gelungen.


Markt der LernprojekteEinleitungDas Netzwerk Lebenslanges Lernen in der beruflichen Integrationsförderung des LandesBremen hat diesen Workshop mit dem Ziel geplant, einer interessierten (Fach-) ÖffentlichkeitBeispiele guter Praxis von erprobten Lernprojekten zum selbstorganisierten und kooperativenLernen vorzustellen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung sollten die Jugendlichen mitbesonderem Förderbedarf selbst stehen. Sie sollten die Gelegenheit haben, präsentierenzu können, wie es ihnen mit Mut und Engagement gelungen ist, sich an Aufgaben undAufträgen mit Ernstcharakter zu erproben, bei ihrer Bewältigung Selbstvertrauen zu gewinnenund mit eigenen Ideen zur Lösung von Problemen beizutragen. Der Workshop wurdemit und für die aktiven Lerngruppen und ihre Lehrkräfte aus 11 schulischen und außerschulischenEinrichtungen in Bremen und Bremerhaven organisiert.Welche Bedeutung die Unterstützung von Schülerinnen und Schülern bzw. Auszubildendenhat, bei denen ein allgemeinbildender Schulabschluss und der Übergang in eine betrieblicheAusbildung keine Selbstverständlichkeit sind, zeigt der Berufsbildungsbericht für dasJahr 2006. Das BMBF weist darauf hin, dass es im Zeitraum von 1992 bis 2005 eine starkeVerschiebung von der dualen Berufsausbildung hin zum Übergang in Bildungsgänge derberuflichen Grundbildung gibt, die keine voll qualifizierenden Ausbildungen darstellen.Besondere Risikogruppen stellen Jugendliche mit ausländischer Staatsangehörigkeit oderMigrationshintergrund (hier insbesondere Mädchen und junge Frauen) und Jugendlicheohne Hauptschulabschluss dar.Für die Verbesserung der beruflichen Integrationschancen von Jugendlichen mit besonderemFörderbedarf sind zwei Gesichtspunkte hervorzuheben: Zum einen geht es umLernarrangements, die die Kompetenzen Lebenslangen Lernens entwickeln, indem sie selbstgesteuerteund kooperative Lernprozesse fördern. Denn neben ein abnehmendes Angebotan Einfacharbeitsplätzen treten zukünftig - im Zuge der mit technischen Entwicklungen einhergehendenbetrieblichen Umorganisationsprozesse - zunehmende Qualifikationsanforderungenan einfache Arbeit: In flexibilisierten, enthierarchisierten Arbeitsprozessen steigen diefachlichen, vor allem aber die überfachlichen Anforderungen („soft skills“). KommunikativeGruppenarbeitsprozesse sollen im Bereich von Hilfstätigkeiten ebenso bewältigt werden wieselbständiges Problemlösehandeln. Am Netzwerk beteiligte Projekte sind: ESF-Projekt Lern Wieder!, BLK-Modellversuch SESEKO. Weitere Informationen unterwww.iaw.uni-bremen.de/netzwerk-lebenslanges -lernen Vgl. BMBF: Berufsbildungsbericht 2006. Verfügbar unter: http://www.bmbf.de/de/4237.php (25.06.07) Vgl. Zeller, B./Richter, R./Dauser, D./ u.a. (Hrsg.): Die Zukunft der einfachen Arbeit. Von der Hilfstätigkeit zurProzessdienstleistung. F-bb-Reihe Wirtschaft und Weiterbildung. Bielefeld 2004


Markt der LernprojekteDer zweite wichtige Gesichtspunkt für die Verbesserung der Integrationschancen bestehtdarin, eine Verbindung von Arbeiten und Lernen zu arrangieren, in der Lerninhalte sich anden fachlichen und überfachlichen Anforderungen von konkreten Arbeitsprozessen orientieren.Dass am Lernort Betrieb die Verbindung von Arbeiten und Lernen u.a. im Hinblickauf die Anschaulichkeit des Ergebnisses und die unmittelbare Erfahrung des Nutzens vonLernfortschritten besonders für benachteiligte Jugendliche als Vorteil gesehen wird, gilt fürden Lernort Schule, insbesondere berufliche Schulen und außerbetriebliche Einrichtungenin gleichem Maß – allerdings von dem umgekehrten Ausgangspunkt einer klassischerweiseeher theoriegeleiteten Wissensvermittlung aus.In den Lernprojekten mit Ernstcharakter sind beide Anforderungen an moderne Lernarrangementsenthalten. Ob beim Betreiben einer Schulcafeteria, in der Schülerfirma oderbeim PC-Kurs für Seniorinnen und Senioren – Schülerinnen und Schüler erbringen eineDienstleistung oder erarbeiten ein Produkt, das termingerecht fertig werden muss und voneinem Kunden „bezahlt“ wird. Der Ernstfallcharakter und das reale Produkt bringen arbeitsorganisatorischeNotwendigkeiten hervor, die für diejenigen, die am Arbeitsprozess beteiligtsind, nachvollziehbar und einsehbar sind. Dem Lernen wird die Praxisferne genommen -Motivation und Lernbereitschaft werden gefördert.Die Herstellung von Produkten und Dienstleistungen werden im Hinblick auf die Förderungvon selbstgesteuerten und kooperativen Schritten im Lernprozess geplant. Das erfordertden Ablauf der Lernprojekte inhaltlich so zu strukturieren, dass Lernumgebungengeschaffen werden, die den Schülerinnen und Schülern einen für sie akzeptablen Grad vonFreiheit bei der Selbststeuerung einräumen. Planungsschritte, Momente des Projekt- undZeitmanagements, Teamprozesse wie Gruppenbildung, Übernahme von Funktionen in derGruppe, Gruppenarbeit und auch Präsentation von Zwischen- und Endergebnissen inklusiveanschließender Reflexion – alle Momente des Unterrichtsgeschehens - werden daraufhinüberprüft, ob und wie sie von den Schülerinnen und Schülern in eigener Verantwortungmöglichst selbständig wahrgenommen werden können und wie das Sicherheitsnetz aussieht,das die Intervention der Lehrkräfte darstellt. Deren neue Funktion als Lernberater/innen und Unterstützer/innen wird dann gebraucht, wenn sich Schülerinnen und Schülerbzw. Auszubildende überfordern, wenn die Empfindung von Angst bedrohlich wird oder sieeinfach nicht mehr weiterwissen.Vgl. Klippert, H: Teamentwicklung im Klassenraum. Übungsbausteine für den Unterricht. Weinheim und Basel(7. Aufl.) 2005, S. 60f.


10 Markt der LernprojekteDas Konzept des Workshops sollte den didaktischen und methodischen Zielen der durchgeführtenLernprojekte entsprechen. Den Maßstäben, die die Lerngruppen und ihre Lehrkräftebei der Gestaltung von Lern- und Arbeitsprozessen anlegen, hat auch ein Tag des gemeinsamenAustausches für die Verbesserung des Transfers gerecht zu werden. Insofern lag esnahe, die Präsentationen der Lernprojekte in die Hände der Akteure und Akteurinnen selbst– Schülerinnen und Schüler bzw. Auszubildende – zu legen und den Erfolg der Veranstaltungvon ihren Leistungen abhängig zu machen. Das Ziel des Workshop-Konzepts war, einenorganisatorischen und zeitlichen Rahmen zu schaffen, der offen und aufnahmefähig ist fürdie vielfältigen Formen der Präsentation, wie sie dann auch zu sehen waren: Theaterstücke,Rollenspiele, (Beamer-) Präsentationen, Film und Kochshow. Der Workshop selbst sollte eingutes Beispiel für selbstgesteuertes und kooperatives Lernen werden.Das Programm sah deshalb neben Begrüßung und kurzem Eingangsreferat eine Zweiteilungdes Tages vor: die Präsentation von drei Lernprojekten im gesamten Plenum mit 150Zuhörerinnen und Zuhörern bzw. Zuschauerinnen und Zuschauern und am Nachmittageinen großen „Markt der Lernprojekte“, auf dem parallel acht weitere Präsentationenjeweils dreimal gezeigt werden konnten, sodass es für die Besucherinnen und Besucherund auch die Jugendlichen selbst möglich war, sich drei weitere Vorführungen anzusehen.Nicht nur die große Zahl derjenigen, die bis zur abschließenden Zusammenfassung undAuswertung der einzelnen Präsentationen anwesend waren und den Akteuren applaudierthaben, sondern auch die Tatsache, dass immer wieder im Verlauf des Tages Schülerinnenund Schüler von sich aus die Organisatoren angesprochen und um Medienunterstützungwie eine weitere Lautsprecheranlage oder einen Beamer gebeten haben, zeigt, dass dasKonzept aufgegangen ist. Die Schülerinnen und Schüler haben den Workshop als ihren Tagbegriffen und die Sache mit den Präsentationen selbst in die Hand genommen.Die zu den Lernprojekten erarbeiteten Veröffentlichungen und Materialien sind unterwww.iaw.uni-bremen.de/netzwerk-lebenslanges-lernen als Download erhältlich.


Markt der Lernprojekte11Eröffnung und BegrüßungGerlinde Hammer, Leiterin der Forschungseinheit„Qualifikationsforschung und Kompetenzerwerb“ im IAWIch möchte Sie in meiner Funktion als Projektleitung zum heutigen Transfer-Workshop desNetzwerkes „ Lebenslanges Lernen in der beruflichen Integrationsförderung des LandesBremen“ herzlich begrüßen. Wir sind überrascht und freuen uns natürlich sehr, dass dasThema „Lebenslanges Lernen“ so viele – mindestens 150 - interessierte Gäste aus derIntegrationsförderung und auch jugendliche Besucher/innen angezogen hat!Unser besonderer Dank für die Mitgestaltung des Transfer-Workshops gilt den senatorischenVertreterinnen• Frau Dr. Weihrauch, Staatsrätin, Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend undSoziales und• Frau Dr. Martens, Referentin im Referat Berufliche Schulen bei der Senatorin fürBildung und Wissenschaft sowie• dem Vertreter der Bremerhavener Arbeit GmbHHerrn Funk, Fachbereichsleiter Ausbildung.Denn die politische Unterstützung und finanzielle Förderung aus diesen Häusern hat dieProjekte, deren Ergebnisse wir heute vorstellen, erst möglich gemacht.Noch ein Satz zum IAW: Das Institut Arbeit und Wirtschaft ist eine sogenannte Forschungstransferstelle,d.h. unsere Aufgabe besteht darin, neue wissenschaftliche Erkenntnisseaus der Universität in die Region zu transferieren, sie für die hier lebenden Menschennutzbar zu machen. Das IAW ist eine Kooperationseinrichtung von Universität undArbeitnehmerkammer Bremen.Diesem Auftrag folgend hat die Forschungseinheit „Qualifikationsforschung undKompetenzerwerb“ im IAW Transfer-Projekte mit regionalen Kooperationspartnern ausberuflichen Schulen und außerbetrieblichen Bildungsstätten zum „Lebenslangen Lernen“• eine der Kernkompetenzen für Ausbildungs- und Beschäftigungsfähigkeit – initiiert• zum einen das Projekt „Lern wieder!“, ein sog. ESF-Projekt, d.h. mitfinanziert aus demEuropäischen Sozialfonds• zum zweiten das Projekt „SESEKO“, das aus dem SKOLA-Programm der Bund-Länder-Kommission des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Fördermittel erhält.Zielgruppe beider Projekte sind Jugendliche, die auf dem dualen Ausbildungsmarkt keineLehrstelle bekommen konnten; diese Personengruppe wird „Jugendliche mit besonderemFörderbedarf“ genannt.Mit unseren Kooperationspartnern – die Sie alle heute noch kennen lernen werden – habenwir seit 2005 damit begonnen, das Postulat des „Lebenslangen Lernens“ in berufsvorbereitendenMaßnahmen, in vollzeitschulischen Bildungsgängen und in Berufsausbildungen bei


12 Markt der Lernprojekteaußerbetrieblichen Einrichtungen mittels sog. „Lernprojekte“ praktisch werden zu lassen.Diese „Lernprojekte“ werden Ihnen heute vorgestellt.Da nicht nur die Schüler/innen und Auszubildenden die Kompetenz zum „LebenslangenLernen“ erwerben müssen, sondern auch deren Lehrpersonal die Kompetenzen zu derenVermittlung, haben wir – offen für alle Bildungsträger der beruflichen Integrationsförderung– das Netzwerk „Lebenslanges Lernen in der beruflichen Integrationsförderung des LandesBremen“ gegründet, das Fortbildungen und Erfahrungsaustausch zum Thema anbietet. EineAnschubfinanzierung wurde durch den Senator für Bildung und Wissenschaft zur Verfügunggestellt. Soweit zur Vorgeschichte.Zum heutigen Ablauf der Veranstaltung:Nach der Begrüßung und der Einführung in die wissenschaftliche Diskussion zum„Lebenslangen Lernen“ durch Herrn Prof. Dr. Peter wird der weitere Tagesablauf durch dieHauptpersonen, die Jugendlichen selbst, die in den Lernprojekten gearbeitet haben, gestaltetwerden. Denn heute soll nicht über sie – gar als Problemfälle des Ausbildungsmarktes– geredet werden, sondern heute werden sie uns zeigen, was sie von und miteinander „fürdas Leben und damit für ihre Ausbildungsfähigkeit gelernt“ haben. Sie präsentieren unsauf vielfältige Weise die Ergebnisse der Lernprojekte. Wir wünschen Ihnen viel Spaß undAnregungen für Ihre Arbeit!


14 Markt der LernprojekteIm Projekt „Lern wieder!“, das vor allem Jugendliche in sogenannten frauentypischenBildungsgängen im Bereich Hauswirtschaft und Ernährung, Einzelhandel, Gesundheit undErziehung unterstützt, liegt der Frauenanteil bei den Jugendlichen sogar bei 66 %. Im BLK-Modellversuch SESEKO, der sich auf gewerblich technische Bildungsgänge konzentriert,liegt der Frauenanteil immer noch bei 17%.Ich denke, wir alle sind gespannt, was uns die beiden Projekte zu berichten haben, und ichwünsche uns allen neue Impulse für die weitere Arbeit.BegrüßungDr. Luise Martens, Referentin bei der Senatorin für Bildung und WissenschaftSehr geehrte Frau Dr. Weihrauch, sehr geehrter Herr Funk, sehr geehrte Frau Hammer,gerne bin ich der Einladung gefolgt, hier ein Grußwort zu sprechen.Ich begrüße alle Gäste dieses Transferworkshops und alle, die aus Interesse an diesemThema den Weg zu dieser Veranstaltung gefunden haben.Ganz besonders aber freue ich mich über die Anwesenheit unserer aktiven Teilnehmerinnenund Teilnehmer, welche die beiden Projekte, nämlich das ESF-Projekt „Lern wieder!“ undden BLK-Modellversuch SESEKO, mit Leben erfüllt haben.Ihr Engagement für innovative Ansätze in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeitauf dem Feld des Lebenlangen Lernens wird von der Bildungsbehörde ausdrücklichunterstützt.Die Ansprüche an Integrationsförderung seitens der beruflichen Schulen steigen seitvielen Jahren. Dieses gilt auch für die außerbetrieblichen Bildungseinrichtungen. Beideübernehmen in großer Zahl schulpflichtige und nicht mehr schulpflichtige Jugendlicheund junge Erwachsene in berufsorientierende, ausbildungsvorbereitende und beruflicheBildungsgänge, deren Ziele die Vermittlung des Hauptschulabschlusses, der Berufsreife odereiner Berufsausbildung sind.Für die berufliche Integrationsförderung stellt die Vermittlung von Kompetenzen, die zueinem Lebenslangen Lernen befähigen, eine besondere Herausforderung dar.Die Bedeutung wird durch zwei Zahlen klar. Der Berufsbildungsbericht der Regierungweist darauf hin, dass 1,3 Millionen Schulabgängerinnen und Schulabgänger im Alter vonunter 29 Jahren derzeit keinen Berufsabschluss haben und jährlich verlassen 80.000 jungeErwachsene die Schule ohne Abschluss.Vor dem Hintergrund der sich permanent verändernden beruflichen Anforderungen habenaber nur diejenigen auf dem Arbeitsmarkt eine Chance, die motiviert und in der Lage sind,aktiv und selbstorganisiert - auch jenseits von formalen Bildungsgängen - lebensbegleitendweiter zu lernen.Nur diejenigen, die einmal erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten entsprechend der sichändernden Erfordernisse weiterentwickeln können, werden auf Dauer die Chancen haben,


Markt der Lernprojekte15Beschäftigungsverhältnisse zu erhalten, die nicht im Bereich der prekären Beschäftigungsverhältnisseliegen.Um die Kluft zwischen der Gruppe der bereits gut qualifizierten, weiterbildungsbereitenPersonen auf der einen Seite und den benachteiligten Bevölkerungsgruppen auf der anderenSeite nicht weiter zu vertiefen und damit für die letztgenannte Gruppe eine Ausgrenzungaus dem beruflichen sowie aus dem gesellschaftlichen Leben zu verstetigen, ist in der beruflichenIntegrationsförderung das Postulat des Lebenslangen Lernens weiter mit Nachdruckzu verfolgen.Diejenigen, die heute hier versammelt sind, haben das verstanden.Sie alle versuchen diesem Anspruch gerecht zu werden.Die für das Lebenslange Lernen notwendigen Kompetenzen – zusammengefasst indem Begriff der Selbstlernkompetenz – sind vielfältig. Sie beinhalten personale, soziale,methodische sowie fachliche Kompetenzen in ihren vielfältig verästelten Dimensionen.Selbstlernkompetenz kann nicht einfach auf den Stundenplan geschrieben und „gelernt“werden. Vielmehr muss sie als integraler Bestandteil von Lehr-Lernarrangements so integriertsein, dass sich daraus eine dauerhafte Haltung, die ein entsprechendes Lernverhaltenerzeugt, ergibt.Das wiederum hat zur Folge, dass Lerninhalte, Methodik/Didaktik, Lernarrangements,die Rolle der Lehrenden und Ausbildenden, das Verhältnis von Subjekt und Objekt in derWeiterbildung neu durchdacht und gestaltet werden müssen. In diese Überlegungen mussder Einsatz der neuen Medien als unabdingbar notwendiger Bestandteil im Sinne von Lehr-Lernmitteln einbezogen sein.Insgesamt gesehen wird es darum gehen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen einpositives, kontinuierliches Lerninteresse und Lernverhalten mit adäquaten Mitteln undMethoden zu implementieren.Das wiederum stellt alle, die an Schule und Ausbildung beteiligt sind, vor neue Herausforderungen.Diese wiederum machen die eigene Weiterqualifizierung ebenso wie dieVeränderung der jeweiligen Rollenbilder notwendig.Dazu leisten die Projekte „Lern wieder!“ und „SESEKO“ einen wichtigen Beitrag.Neben der Weiterbildung der Lehrkräfte ist der wesentliche Schwerpunkt das Entwickelnvon sogenannten Lernprojekten.In diesen Lernprojekten geht es darum, dass das Lernen als möglichst weitgehend selbstorganisierteund eigenverantwortliche Tätigkeit neu bzw. wieder neu gelernt und mit konkretenArbeiten, die Ernstfallcharakter haben, verbunden wird.Im weiteren Verlauf des Transferworkshops - und das ist ein Punkt, auf den ich mich besondersfreue - werden die Schülerinnen und Schüler uns ihre Lernprojekte präsentieren.Ich wünsche uns allen gutes Gelingen, inhaltliche Anregungen und intensiven Austauschüber Möglichkeiten des Erwerbs von Selbstlernkompetenz sowie über den Ertrag, den Siebei der Entwicklung und Umsetzung Ihrer Lernprojekte erzielt haben.DANKE


16 Markt der LernprojekteWolfgang Funk,Referent bei der Bremerhavener Arbeit GmbHVielen Dank für Ihre Einladung zum heutigen Workshop.Unsere Geschäftsführerin Frau Kaap bedauert, dass sie heute leider aufgrund derFestveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen des ESF in Potsdam nicht hier sein kann.Gerne ergreife ich die Gelegenheit, das Projekt „Lern wieder!“ aus unserer Sicht zu beleuchtenund möchte zunächst kurz über die Bremerhavener Arbeit informieren.Die Bremerhavener Arbeit ist eine Gesellschaft des Landes und der Seestadt Bremerhaven.Ihre Aufgabe besteht in der operativen Umsetzung des beschäftigungspolitischenAktionsprogramms ( BAP ) und anderer Vorgaben, die im zuständigen Ressort der Senatoringetroffen werden.Was heißt „operative Umsetzung“: Wir prüfen und bewilligen Förderanträge, überwachendie Verwendung der Fördermittel, dringen auf die Einhaltung der vereinbarten Meilensteineund Zielgrößen und führen auch Vor-Ort-Kontrollen durch.Daher kennen wir die Projekte und natürlich die Antragsteller oder Träger sehr genau.Das ESF-Projekt „Lern wieder!“ wird von uns seit Januar 2005 gefördert. Ich möchte zweiZielsetzungen des Projekts herausgreifen.Zum einen werden Lehr- und Ausbildungskräfte, die mit Jugendlichen und jungenErwachsenen arbeiten, darin unterstützt, neue Lehr- bzw. Lernformen und Lernprojektezu entwickeln und im schulischen Alltag einzusetzen. Dafür wurde im Projekt ein modularesFortbildungsprogramm entwickelt, welches auf überaus große Akzeptanz, belegtdurch die steigenden Teilnehmerzahlen, stößt. Dieser Erfolg war für die Projektmitarbeiterund –mitarbeiterinnen sicher nur mit sehr hohem Engagement und Beharrlichkeit zu erreichen.Wir wissen, dass es zahlreicher Besuche und Besprechungen bedurfte, den „Tanker“Schule „mitzulenken“.Zum anderen wurden und werden in „Lern wieder!“ Lernprojekte speziell für Jugendlichemit erhöhtem Förderbedarf entwickelt. In diesen Projekten werden anhand realer Arbeitssituationendie Selbstlern-, aber auch arbeitsorganisatorischen Kompetenzen der Jugendlichenund jungen Erwachsenen gestärkt. Aufgrund unserer Befragungen der Jugendlichen bei denVor-Ort-Kontrollen konnten wir erfahren, dass viele von ihnen an Selbstvertrauen gewonnenhaben und den hohen Anforderungen der Berufswelt besser standhalten können.Sicher wird dies auch durch die „Präsentation der Lernprojekte“ bestätigt. Nicht unerwähntbleiben sollte dabei der hohe Anteil weiblicher Jugendlicher von über 60%!Vom Arbeitsprogramm des Projekts „Lern wieder!“ habe ich nur zwei Schwerpunkteherausgegriffen. Tatsächlich umfasst das Projekt 7 verschiedene Pakete, in denen die mitdem IAW vereinbarten Meilensteine und Zielgrößen allesamt übertroffen wurden.Die Bremerhavener Arbeit hat im Juni 2006 einer Ausweitung des Projekts – und natürlichauch der entsprechenden Förderung - zugestimmt. Dies geschah u. a. vor dem Hintergrundnicht nur der nachzählbaren Erfolge, sondern auch auf Grundlage des Vertrauens, welcheswir in die Leistungsfähigkeit des Trägers setzen.Ich wünsche der Tagung im Namen der Bremerhavener Arbeit einen erfolgreichen Verlauf undbin besonders gespannt auf die „Präsentation“ und den „Marktplatz der Lernprojekte“.


Markt der Lernprojekte17Einleitendes Referat von Prof. Dr. Peters :Die Bedeutung Selbstorganisierten Lernens in der beruflichenIntegrationsförderung„...erstens dass ich fast ganz Autodidakt war...“Gottfried Wilhelm Leibniz, geboren 1646, gestorben 1716, gilt als bedeutender Philosophund als einer der letzten Universalgelehrten. In einem Rückblick auf seinen Werdegangbekennt er sich dazu, Autodidakt zu sein. Von Beruf Jurist, eignete er sich bereits frühzeitigdie in der Wissenschaft und Philosophie seiner Zeit gültigen Kenntnisse an, um sie aktivweiterzuentwickeln.Autodidakten, das sind Menschen, die sich wesentliche Fähigkeiten und Kenntnisse selber„beibringen“ – ohne die Unterstützung einer Schule, eines Lehrers oder eines Anleiters. Essind also Aktivisten eines selbstorganisierten Lernens.Aus heutiger Sicht wirkt Leibniz damit ausgesprochen modern – einerseits. Denn auf deranderen Seite lässt sich an ihm auch ablesen, welche Veränderungen in den mittlerweile fast300 Jahren seit seinem Todestag eingetreten sind.Autodidakt zu sein, durch selbstorganisiertes Lernen neue Kenntnisse und Fertigkeitenzu erwerben, das ist heute längst nicht mehr die Sache einzelner, ausgezeichneterPersönlichkeiten – das ist unser aller täglich Brot geworden.Zugleich steht unsere Gesellschaft, stehen unsere Bildungsinstitutionen nicht länger abseits.Sie wirken dabei mit, den Heranwachsenden die Kompetenzen zu vermitteln, die siebrauchen, um gute Autodidakten zu werden, um lebenslange Lernprozesse erfolgreich zugestalten und zu bewältigen. Die Förderung dieser Selbstlernkompetenzen ist eine Aufgabe,die sich auch im Bereich der beruflichen Integrationsförderung stellt.Darauf möchte ich nun näher eingehen – und zwar in den folgenden Einzelschritten.Zunächst werde ich (1) zu klären versuchen, was unter selbstorganisiertem Lernen eigentlichzu verstehen ist. Daran anschließend geht es (2) um die Frage, warum diese Lernform heuteso viel Aufmerksamkeit erfährt: Warum ist selbstorganisiertes Lernen so wichtig? Und (3):Welche Kompetenzen, welche Selbstlernkompetenzen brauchen wir, um gute Autodidaktenzu sein? Bei der Förderung selbstorganisierten Lernens spielt (4) das Profil der Stärkenund der Schwächen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen, also ihre Lernausgangslage,eine entscheidende Rolle. Vor diesem Hintergrund möchte ich schließlich (5) der zentralenFrage nachgehen: Wie kann der Erwerb von Selbstlernkompetenzen in der beruflichenIntegrationsförderung gefördert und unterstützt werden?Die Folien der Power-Point-Präsentation zum Vortrag können im Internet unter www.iaw.uni-bremen.de/netzwerk-lebenslangeslernenangesehen und herunter geladen werden.


18 Markt der Lernprojekte1 Was ist unter selbstorganisiertem Lernen zu verstehen?Selbstorganisiertes Lernen – das ist zunächst einmal Lernen, und zwar menschliches Lernen.Dieses Lernen – genauer gesagt: das Verhältnis von Lernen und Lehren – wird in der aktuellenPsychologie und Pädagogik seit geraumer Zeit in einem neuen Licht gesehen.Jahrzehntelang dominierte das, was man heute als die „Herstellungsperspektive“ (Faulstich& Zeuner 1999) bezeichnet. Ein karikierendes, also grob schematisierendes Sinnbild fürdieses Lernverständnis ist der Nürnberger Trichter.Abb. 1. Der Nürnberger TrichterSie sehen: Hier wird das Wissen, der „Geist“, in denKopf des Schülers eingefüllt – dieser Vorgang ist die Tatdes Lehrers. Der Beitrag des Schülers und der Schülerinbesteht lediglich darin, seinen Kopf bereitzustellen, einenleeren Behälter, der das angebotene Wissen im Grundevöllig unverändert übernimmt. In diesem Verständnisdes Lernprozesses liegt das Handlungszentrum damit aufSeiten des Lehrers. Der Schüler bleibt passiv-rezeptiv – erübernimmt das, was ihm als Wissen angeboten wird.Dieses Verständnis des menschlichen Lernens führt zuder Erwartung, dass die Lehrkraft durch ihr Handeln – sofern es sich nur an den Regelnder (pädagogischen) Kunst orientiert – den Lernerfolg beim Lernenden aus eigener Kraftsicherstellen, in diesem Sinne also: „herstellen“ könne.Diese Erwartung hat sich als illusionär herausgestellt. Heute wird die „Herstellungsperspektive“auf das Lehr-Lern-Geschehen zunehmend durch eine andere Sicht des Lernens verdrängt– die „Aneignungsperspektive“ (Faulstich & Zeuner 1999). Dabei wird erkannt,dass Lernen ein aktives, durch eigene Motive gesteuertes Handeln des jeweiligenSubjektes ist. Das bedeutet aber, dass das lernende Subjekt, der Schüler, die Schülerin imHandlungszentrum steht. Neue Informationen und Kenntnisse werden von ihr nicht einfachübernommen – sie werden verarbeitet. Das heißt: Sie werden in die bereits bestehendenpersönlichen Vorstellungen und Erfahrungsmuster der Lernenden integriert.Der Begriff des selbstorganisierten Lernens lenkt nun die Aufmerksamkeit darauf, dass esim Vollzug des Lernens eine Reihe von Entscheidungen zu fällen gilt. Ich möchte diesenSachverhalt an einem Beispiel verdeutlichen.Nehmen Sie einmal an, Sie hätten sich vorgenommen, eine fremde Sprache – zum BeispielSchwedisch – zu lernen. Zu einem selbstorganisierten Lernprozess gehören die folgendenTeilschritte.(1)Sie müssen zunächst Ihre Ziele klären und festlegen: Wie weit wollen Sie die Spracheüberhaupt beherrschen? Wollen Sie ein paar Brocken im Super-Markt an den Mannbringen? Wollen Sie die Fernseh-Nachrichten verstehen? Oder wollen Sie fließendKonversation treiben?


Markt der Lernprojekte19(2)Wenn Sie hier Klarheit gewonnen haben, steht die Frage nach der Lern-Methode an:Wollen Sie mit Buch und CD selber, alleine für sich, lernen? Oder wollen Sie einenSprachkurs besuchen? Usw.(3)Im Anschluss können Sie sich daran machen, einen Plan aufzustellen: Womit wollen Siebeginnen? Welche Schritte schließen sich an? Wenn Sie mit anderen zusammen lernen,müssen Sie in dieser Phase auch die jeweiligen Aufgaben verteilen.(4)Und dann geht es endlich los! – Sie arbeiten die einzelnen Lernschritte ab: Vokabelnlernen, Texte lesen, Gespräche führen. Sie arbeiten sich vor von Lektion 1 bis (sagenwir mal) Lektion 25. Und stets prüfen Sie lernbegleitend, ob Sie auch wirklich alles gutgemacht haben und ob Sie tatsächlich schon so weit sind, dass Sie den nächsten Schritt,die nächste Lektion angehen können.(5)Und wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt, ist es dann irgendwann soweit:Sie sind am Ziel angelangt, haben die schwedische Sprache so weit erlernt, wie Sie es sichvorgenommen hatten. Und dann können Sie sich mit Fug und Recht freuen!Sie sehen: Wenn man ins Detail geht, erweist sich der Lernvorgang als ein außerordentlichkomplexes Geschehen, das dem Lernenden eine Vielzahl unterschiedlicher Entscheidungenabverlangt.Selbstorganisiertes Lernen zeichnet sich nun dadurch aus, dass diese Entscheidungen mehroder weniger durch die lernende Person selbst getroffen werden.So definiert Weinert (1982) selbstorganisiertes oder – wie er sagt – selbstgesteuertes Lernenals eine Lernform, bei der „der Handelnde die wesentlichen Entscheidungen, ob, was, wann,wie und woraufhin er lernt, gravierend und folgenreich beeinflussen kann“. (Ders., 102)Pätzold & Lang (2006) sind zugleich anspruchsvoller und großzügiger, wenn sie selbstgesteuertesLernen definieren als eine Lernform, „bei der der Lernende einen oder mehrereBestandteile seines Lernprozesses (z.B. Methoden, Ziele, Inhalte, Lernstrategien, Ressourcen)selbständig auswählt.“Sie sprechen also bereits dann von selbstgesteuertem Lernen, wenn die Lernenden selberwenigstens einen Bestandteil (oder mehrere Bestandteile) des Lernprozesses auswählen.Dabei schließt in ihrer Sicht selbstgesteuertes Lernen die Nutzung fremdorganisierterLernangebote oder der Unterstützung und Hilfe anderer Personen keineswegs aus.Damit verfügen wir über ein erstes, grundlegendes Verständnis, was unter selbstorganisiertemLernen zu verstehen ist.2 Warum ist selbstorganisiertes Lernen eigentlich so wichtig?In unserer heutigen Gesellschaften gilt – so scheint es – die Devise: „Stabil ist nur eins: Derpermanente Wandel – dass nichts so bleibt, wie es ist.“Die Ursachen für diesen Wandel sind unterschiedlich:


20 Markt der Lernprojekte• Globalisierung und die Sorge um die internationale Wettbewerbsfähigkeit sindHerausforderungen, die keinen der heutigen Nationalstaaten ungerührt lassen. DieRegierungen reagieren darauf mit einer Politik der permanenten Reform. Dabei werdendie sozialpolitischen Grundkoordinaten unseres Alltagslebens beständig umgewälzt. DieEinführung des Euro, Hartz IV, die Riester-Rente, die Praxisgebühr – das sind nur einigeBeispiele für die Veränderungen, die tief in unser Alltagsleben hineinwirken und vielfältigeAnpassungen erforderlich machen.• Besonders markant sind die Umwälzungen, die das Feld von Arbeit und Beschäftigungbetreffen. Der beschleunigte technologische Wandel hat drastische Folgen. TraditionsreicheBerufsbilder verschwinden, neue entstehen, in den verbleibenden Beschäftigungsfeldernverändert sich das Tätigkeitsprofil „von Tag zu Tag“. Die Erwartung, in einem einmalergriffenen Beruf bis zum Tag der Verrentung zu verbleiben, wird zur Illusion.Diskontinuitäten, Brüche in der Erwerbsbiografie sind längst zum Normalfall geworden.Von den Betroffenen wird das teils als Belastung erlebt, teils aber auch als Chance, weilsie hier Möglichkeiten der persönlichen Weiterentwicklung, der Realisierung persönlicherberuflicher Projekte sehen.Lernen – Lernen in allen Lebensphasen – wird damit zu einem Grundzug unserer Gesellschaft.Für den beruflichen Bereich bedeutet das: Lernen ist längst nicht mehr beschränkt auf eineder Arbeitstätigkeit vorgelagerte Bildungs- und Ausbildungsphase, vielleicht ergänzt durchpunktuelle Fortbildungen oder Umschulungen – Lernen wird zum alltäglichen, berufsbegleitendenErfordernis. Und dieses Lernen findet überwiegend außerhalb institutionellerArrangements statt. Das heißt: Die Lernprozesse müssen von den Betreffenden selbst organisiertwerden. Lebenslanges Lernen ist also notwendigerweise selbstorganisiertes Lernen.Damit kommt aber auch auf unser Bildungswesen eine neue Aufgabe zu: Es muss dieMenschen in unserer Gesellschaft mit den nötigen Kompetenzen ausstatten, die siebrauchen, um mit diesen Herausforderungen zurechtzukommen. Die Förderung derSelbstlernkompetenz ist eine Aufgabe, die sich auf allen Stufen unseres Bildungssystemsstellt. Das gilt in besonderem Maße für den Bereich der beruflichen Integrationsförderung.Diese Zusammenhänge werden noch einmal besonders deutlich, wenn man sich die wachsendeBedeutung der neuen Informationstechnologien vor Augen führt (Computer, Handy,Internet u.ä.).Sie entwickeln sich mit atemberaubender Geschwindigkeit. Die Menschheit hat fast 100Jahre gebraucht, um es vom ersten Telefon zum landesweit einsetzbaren Mobil-Telefon,dem Handy, zu bringen. Es bedurfte aber keiner 20 Jahre, um von den frühen, mittlerweilefast archaisch wirkenden Handy-Modellen zu den Multi-Media-Geräten heutiger Tage zugelangen. Nicht minder stürmisch verläuft die Entwicklung des Internet.Diese Vorgänge haben dramatische Folgen für Beruf und Alltag. Denn immer stärker etablierensich Computer und Internet als die Medien der gesellschaftlichen und wirtschaftlichenKommunikation:


Markt der Lernprojekte21• Der traditionelle Brief-Verkehr wird zunehmend durch das E-Mailing verdrängt.• Wikipedia tritt an die Stelle des Brockhaus.• Immer mehr – auch öffentliche – Dienstleister legen einen neuen Schwerpunkt auf denOnline-Service.Dies ist eine Entwicklung mit zwiespältigen Konsequenzen. Zum einen: Wer hier nicht mithaltenkann, der ist in Gefahr, an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden. Schonheute wird die Gefahr einer „digitalen Kluft“ beschworen, die Gefahr einer Spaltung zwischenNutzern und Nicht-Nutzern der Informationstechnologien.Auf der anderen Seite stellen diese Technologien aber auch ein hervorragendes Medium fürdie notwendigen Selbstlernprozesse dar. Sie eröffnen den einzelnen ja einen persönlichenZugang zu den Wissensbeständen unserer Gesellschaft.Daraus folgt zumindest eines: Der sachverständige Umgang mit den Neuen Medien – die„vierte Kulturtechnik“ Medienkompetenz – wird zum unverzichtbaren Bestandteil dessen,was heutzutage als Selbstlernkompetenz beschrieben wird.Womit wir bereits im nächsten Unterpunkt angelangt wären:3 Selbstlernkompetenz – was gehört dazu?Selbstorganisiertes Lernen setzt voraus, dass die einzelnen über die dafür nötigenKompetenzen verfügen. Aber welche sind das eigentlich?FachkompetenzenZu ihnen gehört in erster Linie die Beherrschung der Kulturtechniken, zu denen hier nichtnur Lesen, Schreiben und Rechnen gezählt wird, sondern auch die „vierte Kulturtechnik“der Medienkompetenz.MethodenkompetenzenHier geht es um die Methoden des Lernens. Und das sind insbesondere Fähigkeiten derInformationserhebung und –verarbeitung.SelbstkompetenzenDazu gehört die Fähigkeit zur Selbstmotivierung: Sie erlaubt es den einzelnen, zwischenzeitlicheMisserfolgserfahrungen zu neutralisieren und trotzdem „am Ball“ zu bleiben.Die Fähigkeit zur Selbstreflexion und zur Selbstkontrolle sind ebenfalls unverzichtbareVoraussetzungen eines gelingenden Lernprozesses.Soziale KompetenzenSie richten sich v.a. auf die Fähigkeit zur Kommunikation, zur Kooperation mit anderen undzum produktiven Umgang mit Konflikten.HandlungskompetenzDamit sich diese einzelnen Bausteine auch tatsächlich zu einem sinnvollen Lernprozesszusammenfügen, bedürfen sie der Integration – situationsgerecht, interessenbezogen, aufgabengemäß.Diese Integration ist das Werk der übergreifenden Handlungskompetenz.


22 Markt der Lernprojekte4 Die Lernausgangssituation auf Seiten der Teilnehmer und Teilnehmerinnen vonMaßnahmen der beruflichen IntegrationsförderungDie Vermittlung von Selbstlernkompetenzen kann nur gelingen, wenn sie zugeschnitten istauf das spezifische Leistungsprofil der jeweiligen Zielgruppe, auf das Profil ihrer Stärken undSchwächen.Dabei wird oft und gerne übersehen, dass die Jugendlichen, mit denen wir es in der beruflichenIntegrationsförderung zu tun haben, nicht nur Schwächen haben, sondern auch ganzentscheidende Stärken. Es ist eine Medaille mit zwei Seiten.Schauen wir zunächst auf die Vorderseite der Medaille, die Schwierigkeiten.Viele der jungen Menschen• sind mit Sprachproblemen belastet,• haben mit spezifischen Lernschwierigkeiten (Legasthenie, Dyskalkulie oderAufmerksamkeitsstörungen) zu kämpfen,• leiden unter Verhaltens- und Orientierungsproblemen, oder• sind durch schwierige häusliche Lebensumstände beeinträchtigt.In der Folge haben sich oftmals Schul- und Bildungswege herausgebildet, die durchgehäufte Misserfolgserfahrungen geprägt sind. Das prägt auch die Einstellung zum schulischenLernen: Die Jugendlichen sind vielfach entmutigt, trauen sich nur wenig zu, lehnenUnterricht und Schule ab.Das heißt zunächst einmal: Die für effektives Lernen nötigen sozialen, personalen undmethodischen Kompetenzen bringen diese Jugendlichen in der Regel nur teilweise odernoch gar nicht mit.Aber Vorsicht: Dies ist ja nur die eine Seite der Medaille. Es gibt noch eine andere Seite, dieRückseite. Dies ist die Seite der Ressourcen.So verfügen viele der Jugendlichen über handwerkliches Geschick, über Kenntnisse vonSprachen und Kulturen, über Kreativität, Musikalität, schauspielerische Fähigkeiten.Vor allem aber: Sie haben vielfach einschlägige Erfahrungen in alltäglichen Selbstlernvollzügen,Erfahrungen als Autodidakten gemacht – eben dort, wo es sie interessiert! Handy, DVD,Computer, Internet, Musikinstrumente, Sport – es sind diese Bereiche eines informellenLernens, in denen sie teilweise beeindruckende Leistungen erbringen, in denen sie bereitsKompetenzen entwickelt haben, die es zu erschließen gilt.So treffen wir bei ihnen auf ein je persönliches Profil aus Förderbedarf und Stärken.5 Wie können Selbstlernkompetenzen gefördert werden?Kann man Lernen lernen? Wie kann die Entwicklung von Selbstlernkompetenzen unterstütztwerden?Sicherlich nicht auf dem Wege traditioneller Lehr-Lern-Arrangements! Ein solcher Unterrichtmag seine Berechtigung in anderen Zusammenhängen haben – doch wenn es um dieFörderung von Selbstlernkompetenz geht, müssen wir nach anderen Wegen suchen.Wir finden sie in Lernarrangements, die sich an dem Prinzip eines handlungsorientiertenLernens ausrichten.


Markt der Lernprojekte23Hier wird gelernt durch direktes Handeln, eben durch Probe-Handeln – den Sprung ins kalteWasser. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen setzen sich also mit praktischen Lernaufgabenauseinander: Das kann die Gründung einer eigenen Schülerfirma, die Vorbereitung einerKlassenfahrt oder die Organisation einer Schulkantine sein.Die Bearbeitung solcher praktischen Aufgabenstellungen wird dadurch zu einem Lernprozess,dass die Beteiligten in seinem Verlauf1. Handlungserfahrungen machen – hier geht es darum, zu planen, Entscheidungen zufällen und mit anderen zu kooperieren;2. über diese Erfahrungen nachdenken und sie bewerten – dabei werden Erfolge festgehalten,aber auch Verbesserungsmöglichkeiten aufgedeckt;3. verbesserte Handlungsstrategien entwickeln, mit denen sie von neuem in den praktischenErfahrungsprozess hineingehen.Man sieht: Es handelt sich bei diesem Lernprozess um einen Kreisprozess, einen Kreislauf– was aber keineswegs bedeutet, dass wir mit ihm auf der Stelle treten.Das kann man sehr deutlich an den Kommentaren der Teilnehmenden im Lernverlauf ablesen.So hört man in der Reflexionsphase häufiger Kommentare wie diesen: „..hätte ich nichtgedacht, dass wir das hinkriegen!“ Ein anderes Beispiel aus der dritten Phase, in der an derVerbesserung der Lern- und Handlungsstrategien gearbeitet wird: „Jetzt habe ich eine Idee,wie wir das anders machen können!“Schlaglichtartig wird an solchen Sätzen deutlich: Im Prozess des handlungsorientiertenLernens kommt es zu einer Stärkung des Selbstvertrauens, aber auch zu einer Verbesserungund Festigung der eingesetzten Lernstrategien. In der Folge kann bald vorangeschrittenwerden, können andere, anspruchsvollere Lernaufgaben angegangen werden.Bei so viel Eigenaktivität der Lernenden stellt sich natürlich die Frage: Worin besteht genaudie Rolle der Lehrer und Lehrerinnen in diesem sich entfaltenden Lerngeschehen, wie könnensie zu seinem Erfolg beitragen?Die Rolle der Lehrenden (1): Auswahl der AufgabenstellungZunächst einmal sind sie dafür verantwortlich, eine geeignete Aufgabenstellung auszusuchenoder zu entwickeln. Die Passgenauigkeit dieser Aufgabe ist gerade in den anfänglichenLernzyklen von entscheidender Bedeutung für den Verlauf und den Erfolg desLernunternehmens. Bewährt haben sich Aufgaben mit Projektcharakter, also mit einemüberschaubaren inhaltlichen und oft auch zeitlichen Umfang – Beispiele s.o. Was sind dieGütekriterien für eine erfolgversprechende Lernaufgabe ?Die Aufgabe sollte in ein vorzeigbares Produkt einmünden, sie sollte einen handgreiflichenNutzen für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben und nach Möglichkeit einenErnstfallcharakter besitzen. Dadurch wird der Lernprozess für sie auch persönlich sinnvoll,dadurch entsteht die Motivation, sich hier nachhaltig zu engagieren.Die Aufgabe sollte aber nicht nur motivieren, sie sollte auch wesentliche Lernchancen enthalten.Daher sollte sie die Kooperation mit anderen erforderlich machen, sie sollte offen gestaltetsein, und sie sollte so komplex sein, dass sie sich nur in mehreren Schritten lösen lässt. Auf


24 Markt der Lernprojektediese Weise lassen sich Erfahrungen in der gemeinsamen Abwägung, der Planung und inder Abstimmung mit anderen machen.Besondere Sorgfalt verlangt die Berücksichtigung der Lernausgangslage der Teilnehmer undTeilnehmerinnen. Die Aufgabenstellung sollte sinnvolle Förderschwerpunkte setzen unddabei an den Stärken der Lerngruppe ansetzen. Unterforderung ist hier ebenso zu vermeidenwie Überforderung.Die Rolle der Lehrenden (2): Der Rahmen muss stimmen!Lehrkräfte entwickeln aber nicht nur die Projektaufgabe, sie sind auch verantwortlich fürden Rahmen des Lernprozesses.Zu diesem Rahmen gehört natürlich zunächst einmal die Entwicklung der Projektaufgabe(s.o.).Zu ihm gehört es zweitens, einen konstruktiven Umgang mit Fehlern zu fördern, einenUmgang, der Fehler nicht als Katastrophe, sondern als normales Durchgangsphänomeneines Lernprozesses aufnimmt.Zum Rahmen gehört es drittens, die nötigen Zeitpolster zu sichern, die ein Lernprozessbraucht, der Umwege und vorübergehende Sackgassen nicht scheut, weil sich an ihnenLernstrategien weiterentwickeln.Schließlich sollten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf ein Beziehungsangebot rechnenkönnen, das ihnen die Sicherheit gibt, auch jenseits ihrer je aktuellen Leistungen undFehlleistungen (bei aller diesbezüglichen Offenheit) auf Respekt und positive Anteilnahmezu stoßen. Diese Sicherheit erleichtert es ihnen, sich auf einen neuen Lernprozess einzulassen,dessen Unwägbarkeiten und Risiken für sie – vor dem Hintergrund ihrer eigenenBiografie – oftmals mit starken Ängsten und Befürchtungen verknüpft sind.Die Lehrkräfte sind nicht nur verantwortlich für den Rahmen des Lernprozesses, sie intervenierenauch aktiv in ihm. Freilich in einer neuen Rolle.Die Rolle der Lehrenden (3): Das Lernen begleitenLernbegleitung ist hier das Stichwort – aber was bedeutet das eigentlich? Lernbegleitungheißt, dass das eigenständige Lernhandeln der Lernenden im Handlungszentrum steht.Dieses Lernhandeln wird durch die Lehrerpersonen unterstützt, ohne dass sie darüberjedoch zum „Bestimmer“ des Geschehens werden.So werden 1. Impulse gegeben, es findet 2. Beratung statt, es werden 3. Konflikte moderiert– aber stets mit der Perspektive, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf dem Weg zumehr Eigenständigkeit zu fördern. Die Leitorientierung lautet hier: So viel Eigenständigkeitwie möglich, so viel Unterstützung wie nötig.Was heißt das konkret?Zum Beispiel: Impulse geben. Die Beobachtung und die Beurteilung des eigenen Lernhandelnsbereitet den Teilnehmenden oft große Schwierigkeiten. Oft fehlen die sprachlichen Mittel,


Markt der Lernprojekte25um das eigene Tun zu beschreiben. Hier kann die Lehrperson aktiv einen Einstieg vermitteln.Durch ihr Beispiel in regelmäßigen Feedback- oder Orientierungsgesprächen kann siesichtbar machen, welche Gesichtspunkte bei der Beschreibung des eigenen Lernverhaltensüberhaupt eine Rolle spielen und wie man sie in Worte fassen kann.Zum Beispiel Beratung. Natürlich wird die Lehrkraft die Teilnehmer und Teilnehmerinnenbei auftauchenden Schwierigkeiten auch beraten. Aber sie wird darauf hinwirken, dassnicht sogleich die Lehrkraft zu Hilfe gerufen wird. Vielmehr sollten die Lernenden zunächstsorgfältig die eigenen Möglichkeiten prüfen oder – wenn dies nicht weiterführt – sich andie anderen Gruppenmitglieder wenden. Erst wenn auch dies ohne Erfolg bleibt, sollten dieLehrer und Lehrerinnen eingeschaltet werden.Lernbegleitung setzt auf Seiten der Lehrenden eine neue Grundhaltung voraus.Die Rolle der Lehrenden (4): Eine neue GrundhaltungSo müssen sie sich darauf einstellen, dass eine Unterrichtsplanung im überkommenenVerständnis keinen Sinn macht. Sie müssen vielmehr bereit sein, offene Lernsituationen, beidenen das Ergebnis nicht schon vorab feststeht, zuzulassen und „auszuhalten“.Lehrkräfte brauchen den Mut zum Risiko, die Bereitschaft, Fehler und Umwege auf Seitender Teilnehmer und Teilnehmerinnen zu akzeptieren.Die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme, also die Fähigkeit, sich in die Vorstellungsweltder anderen Seite hineinzuversetzen wird in der skizzierten Lernform viel wichtiger als esbereits im traditionellen Unterricht der Fall war.Lehrkräfte brauchen auch Neugierde gegenüber den Einfällen, den Ideen und denSonderwegen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen.Und schließlich brauchen sie Geduld! Denn der skizzierte Erwerb der Selbstlernkompetenzentwickelt sich alles andere als geradlinig, er kennt Sackgassen und Umwege. Sie gehörenaber dazu, sind wertvolle Erfahrungen.6 SchlussbemerkungEs war mir wichtig, in meinen Ausführungen noch einmal etwas detaillierter auf dieAufgaben, die Rollen der Lehrer und Lehrerinnen einzugehen, die ohne Zweifel hochgradiganspruchsvoll sind.Allerdings kann kein Zweifel bestehen: Wenn wir uns die Ergebnisse des einzelnenLernprojektes anschauen, dann sind diese Ergebnisse in erster Linie durch die Beiträge derTeilnehmer und Teilnehmerinnen selbst bestimmt, durch ihr Engagement, ihre wachsendeVersiertheit und durch ihre Kreativität.Und ich denke, es ist an der Zeit, hier jetzt einmal Schluss zu machen, weil ich – wie Sieauch – schon sehr gespannt bin auf die einzelnen Projekte, die im Folgenden präsentiertwerden sollen.


26 Markt der LernprojekteLiteraturFaulstich, Peter / Zeuner, Christine (2006). Erwachsenenbildung. Eine handlungsorientierteEinführung, Weinheim.Pätzold, G. / Lang, M. (2004). Unterrichtsentwicklung I: Förderung des selbstgesteuertenLernens in der beruflichen Erstausbildung. SKOLA-Dossier 1, Dortmund.Weinert, F. E. (1982). Selbstgesteuertes Lernen als Voraussetzung, Methode und Ziel desUnterrichts. Unterrichtswissenschaft 10, S. 99-110.


Markt der Lernprojekte27Präsentation von Lernprojekten im PlenumAuszubildende des BTZ Bremerhaven präsentieren das LernprojektMedienkompetenz im Ausbildungsalltag der Hauswirtschaftshelfer/innenProjektbetreuungMonika Liedtke, Petra Brandt, Maike Booken-Lange, Melanie SchenkProjektbearbeitungNadja Eggers, Katharina Luft, Ajda Marcinkow, Tanja Otten, Miriam Rekowski, NicoleSzeike, Britta Müller, Sabrina Böddeker, Hala Jindo, Nicole Hawacker, Nakisha LewisDie Auszubildenden des zweiten und dritten Ausbildungsjahres zur Hauswirtschaftshelferin/zum Hauswirtschaftshelfer (HWH) beim Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ)in Bremerhaven präsentieren ihre Lernprojekte in Form eines Theaterstücks, das an ihremzentralen Ausbildungsort, d.h. in der Kantine, gespielt wird.Die LerngruppeDiese Gruppe von Auszubildenden besteht aus 11 jungen Frauen im Alter zwischen 18und 23 Jahren. Das Lern wieder!-Team setzt sich zusammen aus zwei Ausbilderinnen,einer Förderlehrerin und einer Sozialpädagogin. Das Ziel dieses Teams war von Beginnan die integrierte Förderung von Medienkompetenz innerhalb des Ausbildungsalltags derHauswirtschaftshelferinnen (HWH) unter Berücksichtigung vorhandener Lernschwächen,d.h. des besonderen Förderbedarfs dieser Zielgruppe. Eine Befragung der Auszubildendendurch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des IAW nach ihren Interessen bezogen aufdie Nutzung von Computer und Internet sowie zu ihrem Kenntnisstand auf diesem Gebietlegte einen großen Nachholbedarf offen und zeigte zugleich, dass ein solches Angebot dieLernmotivation stark befördern würde.Das ProjektvorhabenDie Lernprojektideen waren so konzipiert, dass sinnvolle Anknüpfungspunkte für dasLernen mit einem zusätzlichen und neuen Lernwerkzeug, dem Computer, identifiziert undin die Rahmenbedingungen integriert werden sollte. Die Inhalte und Themen sollten sich indie Ausbildungsinhalte einfügen bzw. mit diesen verknüpfen lassen. Die Einzelvorhaben, dieentwickelt und umgesetzt wurden und jeweils mit dem Einsatz von Computer und Internetverbunden wurden, waren:


28 Markt der Lernprojekte‣ Selbstportraits und Erstellung einer gemeinsamen Präsentation für die Kantinengäste.Fotografieren mit der digitalen Kamera, Bearbeiten der Fotos und Gestaltung von Textenmit Fotos zum Thema: Ausbildungsalltag, zentrale Tätigkeiten und Aufgaben‣ Einführung in Ergonomie und belastungsmindernde Übungen für den Ausbildungsalltagin der Küche und am PC-Arbeitsplatz. Gestaltung von anschaulichen Bildtafeln unterdem Motto „Falsch“ und „Richtig“ mithilfe von Text- und Bildbearbeitung‣ Auswahl, Gestaltung und Erstellung von Rezepttafeln für eine Themenwoche zur Fußball-Weltmeisterschaft‣ Auseinandersetzung mit dem Thema Mutterschaft (Einzelprojekt)‣ Selbstorganisierte Planung einer Reise nach Berlin: Basiskenntnisse zur Nutzung vonInternet und E-Mail, Förderung der Planungskompetenz, Kommunikationsfähigkeit undTeamfähigkeitDie Umsetzung der LernprojekteDa diese Lerngruppe einen Großteil der fachpraktischen Ausbildung in der Kantine derBildungseinrichtung absolvierte, in der jeden Tag die Versorgung vieler Menschen vomFrühstück bis täglichen Mittagstisch geleistet werden musste, war die Lernsituation durcheine große Verantwortung geprägt. Die Gäste der Kantine nehmen in der Regel diesesAngebot als selbstverständliche Dienstleistung hin. Dass die jungen Frauen noch in derAusbildung, also Lernende sind, war vielen Kunden und Kundinnen nicht bewusst. Dassdemnach hinsichtlich der Schnelligkeit und Routine im Service als auch bei der Zubereitungder Speisen nicht die Erwartungen wie bei einer professionellen Kantine zu erfüllen sind,wurde oft nicht wahrgenommen.Als Einstieg wurde deshalb die Herstellung einer Präsentationstafel gewählt, die Informationenzur HWH-Ausbildung vor Ort enthält, aber auch persönliche Portraits der Auszubildendenbeinhaltet und den Besuchernund Besucherinnen ein Bildvon den Besonderheiten undKontexte dieser Lern- undAusbildungsgruppe vermittelnwill. Diese Informationstafel istin der Kantine an zentralerStelle aufgehängt worden. Fürdie Arbeit an der beschriebenenPräsentation musstenzunächst durch Projektmittel(und Spenden) die erforderlichenArbeitsbedingungengeschaffen werden. Dafür wurdenim Unterrichtsraum zwei


Markt der Lernprojekte29PCs sowie Scanner, Druckerund Zubehör eingerichtet. DenEinstieg in die Förderung derMedienkompetenz stellte in diesemFall das Fotografieren unddie Fotobearbeitung sowie dieKomposition von Bildern undTexten dar, und bildete einenwichtigen Bestandteil nebender inhaltlichen Reflexion überihre Ausbildung und Rolle inder Einrichtung.In dieses Projekt einbezogenwaren Lerneinheitenzum gesundheitsgerechtenVerhalten sowohl bei derArbeit in der Küche als aucham Computer. Im Rahmen derAuseinandersetzung mit dereigenen beruflichen Rolle, wie sie sich aktuell für die jungen Frauen in der Ausbildung undin der Einrichtung darstellt, erarbeiteten sich die Auszubildenden Kenntnisse zu den ThemenTragen, Heben, Bücken, Fegen, Sitzen sowie Entspannen nach der Arbeit, die für ihr weiteresBerufsleben relevant sind.Darauf aufbauend haben die Auszubildenden Rezepte und Reklametafeln für eineThemenwoche in der Kantine unter dem Motto Fußball-Weltmeisterschaft mithilfe desComputers selbständig entworfen und erstellt. An jedem Tag in der Woche gab es einSpeisenangebot oder Mittagessen, das sich thematisch auf dieses Großereignis bezog, wiez.B. „Chili con Kahn“ oder „Chicken-Frings“.Das Baby-Projekt, (eine Projektidee, die schon länger und unabhängig von Lern wieder!geplant war) wurde hier ebenfalls realisiert. Den jungen Frauen in der Hauswirtschaftsausbildungwird durch Babypuppen, die sie für eine bestimmte Zeit mit nach Hause nehmenund auch bei der Arbeit ständig mit sich tragen und behüten müssen und die einerProgrammierung gehorchen, die die Bedürfnisse eines echten Babys simulieren, die Folgeneiner Mutterschaft in ihrer Lebenslage praktisch verdeutlicht.Das sich anschließende Lernförderangebot, das erneut die Mediennutzung in den Mittelpunktstellte, enthielt eine Steigerung der Komplexität der Aufgaben insofern, als die eigenständigePlanung und Zusammenstellung einer gemeinsamen Fahrt nach Berlin selbständig von denLernenden organisiert wurde. Die gemeinsame Reiseplanung umfasste den Besuch in einervergleichbaren Ausbildungsstätte und den Austausch mit den Auszubildenden dort, einKultur- und Bildungsprogramm (Reichstag, Gedächtniskirche, Weihnachtsmarkt, Zoo u. V.m.), aber auch Organisation von Anreise, Fahrtkosten, Unterkünfte und Freizeitangeboten.Von der Aufgaben- und Arbeitsteilung bis zu den Abstimmungsprozessen im Team oblagen


30 Markt der Lernprojektealle wichtigen Entscheidungen der Lerngruppe selbst. Die Lehrkräfte unterstützten nur, wodies unbedingt nötig schien. Neben der Förderung der Kommunikations- und Teamfähigkeitbestanden die Lernziele - bezogen auf den Computer als Werkzeug - in der Erarbeitungvon Basiskenntnissen wie z.B. das Internet als Informationsmedium nutzen zu können, dieFertigkeit zur gezielten Recherche im Netz zu entwickeln sowie Anfragen und Schriftverkehrper Mail erledigen zu können. Anhand der Rückmeldungen von den Auszubildenden istersichtlich, dass ihnen dieses letzte gemeinsame Abschlussprojekt und die gemeinsameReise den meisten Spaß und die größten Lernerfolge gebracht hat.Für die Vorstellung ihrer Lernprojekte auf der Transferveranstaltung haben die Auszubildendendie Form eines kleinen Theaterstückes gewählt, das verschiedene Szenen enthält, die sichim Ausbildungsalltag in der Kantine täglich zutragen können. Anhand dieser Situationenstellten die Auszubildenden anschaulich und mit Humor dar, welche neuen Kenntnisse undKompetenzen sie durch die Lernprojekte erworben haben und welche positive Bedeutungdas Lernen für sie wieder gewonnen hat.Um den jungen Frauen das Lampenfieber vor einem großen Publikum aufzutreten zu nehmen,wurde in der Einrichtung in Bremerhaven eine Generalprobe mit ca. 30 Personen durchgeführt,zu der die Kollegen und Kolleginnen per Handzettel eingeladen wurden. Diese Veranstaltungdiente zugleich auch der Verbreitung der Projektideen von Lern wieder! und von Beispielenguter Praxis für interessierte Lehrpersonen. Die zweite Vorstellung im Landesinstitut für


Markt der Lernprojekte31Schule (LIS) vor immerhin 150 Personen, die wir im Folgenden anhand von Fotos und mithilfeder Regieanweisung dokumentieren, lief reibungslos und die Lerngruppe erntete sehrviel Applaus.Auszug aus der Original-Regieanweisung(...........)Nadja und Miriam tragen das Bild „Kantine“ rein. Nicole H. wechselt dann mit Nadja den Platz.Nicole H.: Hallo wir sind die Auszubildenden der Hauswirtschaft. Zwei Auszubildende ausdem 3. Lehrjahr haben Fotos von den Hauswirtschaftgruppen gemacht. Dann haben wirdiese Wandzeitung zusammengestellt, um uns vorzustellen und zu zeigen das wir auchAuszubildende sind.Miriam: Diese Bilder haben wir von der Digital Camera am PC zusammengestellt undausgedruckt. Dazu haben wir Texte drunter geschrieben. Dieses war für mich nicht einfach.Der Umgang mit dem PC war nicht so leicht, aber am Ende haben wir es dann dochgeschafft. Das ist unsere Wandzeitung.Miriam und Nicole H. hängen die Wandzeitung / Kantine auf.Nadja: Und dazu haben wir ein Informationsblatt erstellt. Dieses haben wir dann in deneinzelnen Werkstätten verteilt.Nicole S.: In dieser Woche lernten wir die ersten Arbeiten am Computer. Arbeiten mitBildbearbeitung, Word Art und schreiben in Word, Ordner anlegen und verschiedeneFunktionen. Es war ungeheuer schwer, von Anfang an, selbstständig an diesem ProjektWandzeitung zuarbeiten.Ajda: Noch nicht zumachen! Ich möchte bitte noch eine Cola kaufen.Nicole S.: Einen Moment bitte, wir müssen mal eben welche aus dem Kühlhaus holen.Katharina kannst du bitte eine Kiste Cola bringen?Nicole H. und Katharina tragen eine Kiste Cola, Nicole ,falsch und Katharina richtig.Nadja kommt dazu und sieht Nicole H.Nadja: Nicole, du machst das falsch. Denk an deinen Rücken. Soll ich dir zeigen, wie mandas richtig macht?Nicole H: Ja. mach doch mal vor.Nadja macht es richtig vor und erklärt.Nadja: du musst immer in die Hocke gehen, dass der Rücken gerade bleibt. So, musst Dudann hoch kommen.Nicole H.: Und wenn ich runter gehe auch ?Nadja : Ja auch so wieder runter.


32 Markt der LernprojekteNadja zeigt es weiterNicole S.: Wir haben einige Tage Ergometrie bei uns auf der Arbeit durchgenommenund dabei viele Sachen gelernt Unter anderen wie ich richtig hebe, am PC sitze oderrichtig fege.Nadja und Nicole hängen die Fotos der Ergometrie auf. Gehen dann von der BühneNicole: Auf diesen Fotos sind die Unterschiede zu sehen. Arbeiten, die wir in richtiger oderfalscher Haltung durchführen.Geht dann von der Bühne. (..........)Neue Szene:Sabrina: Berlin, Berlin wir fahren nach Berlin!Nicole kommt dazuNicole: Hey, was rufst du denn hier so laut?Sabrina: Ich muss immer noch an unsere tolle Berlinfahrt denken.Miriam kommt dazuMiriam: Ich habe Berlin gehört?Nicole H.: Wir reden über unsere Klassenfahrt, die wir über das Internet geplant haben.Sabrina: Das ist ganz schön viel Arbeit gewesen, Möglichkeiten und Preise für dieUnterkunft, Fahrpreise und Zugverbindungen und auch die Unternehmungen zu planen.Wir haben ja alles vorher über das Internet rausgefunden. Echt eine super Sache so kannman sich viel besser vorbereiten und alles planen.Miriam: Super war, dass uns das Frühstück gebracht wurde. Für den Rest haben wir dannselber gesorgt. Die Leute in der Gästeetage waren auch sehr nett. Gut das die im Internetstehen, sonst hätten wir auch nicht so günstig wohnen können.Nicole H.: Berlin ist eine Stadt wo man immer was unternehmen kann. Am Besten hat mirdas Musical „Tanz der Vampire” gefallen. Die Karten hatten wir ja auch vorher über dasInternet gebucht.Sabrina: Interessant war aber auch die Führung durch den Bundestag. Da mussten wir unsvorher anmelden mit Namen und Anschrift, sonst kommt da keiner rein.Miriam: Dann habe ich noch per Email den Kontakt zum Johannesstift hergestellt. EineEinrichtung mit einer Gemeinschaftsverpflegung, wollten wir schon immer mal ansehen.Nicole H.: In der Disco, im Kino und im Gruselkabinett waren wir natürlich auch. Dasgehört einfach zu Berlin dazu.Nicole S.: Berlin ist eine sehr aufregende Stadt, in der man sehr viel unternehmen kann.Wir haben Weihnachtsmärkte besucht, Gedenkstätten und Kirchen angesehen, waren amBrandenburger Tor, im Fernsehturm und am „Lehrter Bahnhof`. Unser Geld konnten wirbeim Bummel auf dem Kuhdamm und im KDW loswerden. Weil wir so viel erlebt haben,wurde jeder Tag in einem Protokoll festgehalten. So ist ein Tagebuch entstanden.Miriam und Nicole H. tragen die Fotos rein und hängen die auf


Markt der Lernprojekte33Sabrina: Einige unserer schönsten Erlebnisse und Erinnerungen von Berlin haben wir hierauf den Fotos festgehalten.Ajda: Was macht ihr dann jetzt schon wieder?Die Gruppe zusammen: (sehr laut rufen) Es geht voran!!!Alle kommen mit Nordic WalkingStöcker rein. Laufen im Kreis undjeder sagt noch etwas.Lebenslangen Lernen!Es geht immer weiter!Wir lernen jeden Tag dazu!Immer nach vorne sehen!Da haben wir aber viel gelernt !Internet macht Spaß!Bloß noch keine Babys!Was man alles in 3 Jahren lernenkann!Ajda kommt dazu und fragt:ReflexionDass sie ihr Lernprojekt auf einer so großen Veranstaltung vorstellen konnten, motiviertedie Lerngruppe zusätzlich. Dies zeigen die Rückmeldungen der Auszubildenden zu denEindrücken und Erfahrungen, die sie auf der Transferveranstaltung gewonnen habendeutlich:„Ich habe mich getraut vor vielen Menschen zu sprechen.“„Wo ich zum ersten Mal auf der Bühne stand, fand ich schön und wo ich den Applausgekriegt habe, habe ich mich glücklich gefühlt.“„Dieser Applaus war ein sehr schönes und zugleich aufregendes Erlebnis für mich.“ „Dashatte mir viel Spaß gemacht. Würde ich gerne noch mal so was machen.“„Ich fand es super vom Publikum, dass sie uns zugehört haben, und so viel Applaus!“


34 Markt der LernprojekteDie Klasse BFSK 05.1 der Berufsfachschule Kinderpflege am SchulzentrumBlumenthal präsentiert das Lernprojekt „Alles, was rollt“ein Sommerfest für KindergartenkinderProjektbetreuungRenate Petschko, Dieter KoczyProjektbearbeitungRamona Baumgart, Viktoria Brem, Wiebke Brinkmann, Nicole Burdorf, RolandDitinger, Svenja Emmerich, Alina Fitz, Daniela Geide, Bianca Hauswald,Marlene Nitzpon, Stephanie Wentland, Julia WurthmannDie LerngruppeDie Klasse dieser schulischen Berufsausbildung zur Kinderpflegerin besteht aus 2 Schülernund 14 Schülerinnen am Ende des ersten Ausbildungsjahres. Das „Lern Wieder!“-Teambestand aus sechs Lehrkräften mit den Fächern Sozialpädagogische Grundlagen, GestaltendeTechniken, Datenverarbeitung und Kommunikation.Das Lernprojekt „Alles was rollt – ein Sommerfest für Kindergartenkinder“ wurde bereits ineiner vorangegangenen Veröffentlichung vorgestellt. Das ProjektvorhabenZum Abschluss des ersten Ausbildungsjahrs wurde von den Auszubildenden selbständigein Sommerfest für Kinder einer Kindertagesstätte organisiert und durchgeführt.Die Kindertagesstätte gab das Motto für das Kinderfest vor: Als roter Faden sollte mitBlick auf die Fußballweltmeisterschaft „Alles was rollt“ Thema des Kinderfestes sein. DieAuszubildenden sollten unter diesem Motto ein für Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahrengeeignetes Fest planen und gestalten. Dabei sollen die Jugendlichen fächerübergreifend dasKnow-how einsetzen, das sie im ersten Ausbildungsjahr erworben hatten. Das Lernprojekteröffnete den Auszubildenden verschiedene Lernchancen, die sich dem Kompetenzbündel„Kompetenz zum selbstgesteuerten Lernen“ zuordnen lassen.Die Umsetzung des LernprojektsNach einer Vorbesprechung mit den Lehrkräften arbeiten die Auszubildenden im Team folgendeAnforderungen an ihr Vorhaben heraus:von Flatow, Sybille et al (2007): Lernprojekte mit Ernstcharakter. Bremen / Bremerhaven. Als Download unter www.iaw.uni-bremen.de/netzwerk-lebenslanges-lernen.


Markt der Lernprojekte35‣ Die Angebote für die Kinder müssen altersgerecht sein‣ Der Vorbereitungsaufwand muss vertretbar sein‣ Die Planung muss einbeziehen, dass das Fest vom Wetter unabhängig durchführbar ist‣ Als pädagogisches Gestaltungsprinzip soll das Fest die Kinder zu Bewegung und eigenerAktivität anregen‣ Die Eltern der Kinder, die zum Fest eingeladen werden, müssen im Vorfeld über diePläne der Auszubildenden informiert werdenDas ElternflugblattDie Auszubildenden einigten sich mit der Leitung der Kindertagesstätte darauf, dieElterninformation über ein Flugblatt zu regeln, das über die Kindertagesstätte als Einladungverteilt wurde und zugleich auch die Beschäftigten im Kindergarten und sonstige möglicheFestbesucher ansprach. Der Text des Flugblatts wurde von der Lerngruppe imUnterrichtsgespräch konzipiert und anschließend formuliert.ZielgruppenreflexionAngestellt wurden auch Überlegungen zur Zielgruppe, um die Angebote alters- und zielgruppengerechtgestalten zu können: Wie alt sind die Kinder, wie setzen sie sich nachGeschlecht, nationaler bzw. ethnischer und sozialer Herkunft etc. zusammen? WelchesNiveau an Sprach- und Körperbeherrschung sowie im Umgang mit Gerätschaften,Werkzeugen etc. kann vorausgesetzt werden? Hier brachten die Jugendlichen auch ihrePraktikumserfahrungen in die Diskussion ein.Die EinführungstombolaBei der Planung des Festes fiel den Auszubildenden ein, dass die Kinder der Kindertagesstättefast alle Auszubildenden nicht kennen, dass diese außerdem mit einer großen Anzahlunbekannter Besucher konfrontiert werden. Daher überlegte das Team, was getan werdenkonnte, um gleich zu Anfang das Eis zu brechen. Man einigte sich darauf, zum Auftakt desFestes eine Tombola zu veranstalten, bei der jedes Kind einen netten Gewinn ziehen konnte.Dann, so die Berechnung, die sich als zutreffend erwies, war zu Beginn gleich Spannungim Raum, die Kinder fasziniert und haben die Chance, darüber die erste Fremdheitzu überwinden.


36 Markt der LernprojekteDie RessourcenFür die Organisation des Kinderfestes stand den Auszubildenden nur ein geringes Budgetvon ca. 50 Euro zur Verfügung. Ein Brainstorming über Möglichkeiten, kostenlos an Preisefür die Tombola heranzukommen, förderte eine tolle Idee zutage: Unter Nutzung desInternets wurden Spielwaren- und Sportgeschäfte der Region sowie Krankenkassen undgroße Unternehmen wie swb angeschrieben, über die geplante Kinder-Tombola informiertund um Sachspenden gebeten. Um dies umzusetzen, kooperierten Jugendliche mit guterMedienkompetenz mit Schülern und Schülerinnen, die eher etwas zum Formulieren derMail-Texte beisteuern konnten. Den Jugendlichen gelingt es auf diesem Weg, ein weitgefächertesSortiment an attraktiven Preisen zu sammeln. Konzipiert, konstruiert und gestaltetwird dazu ein Glücksrad, an dem die Kinder drehen und Preise erlösen können.Die Entwicklung von SpielideenEin weiteres Brainstorming in der Klasse ergab eine erste Sammlung von Spielideen und ihreKategorisierung unter bestimmten pädagogischen Überschriften: Manche Spiele sprechenbesonders das Bewegungsgefühl der Kinder an, andere das Geschick, wieder andere dieKreativität beim Gestalten und Verändern von Dingen, andere zielen auf das musikalischeEmpfinden, das Gefühl für Rhythmus usw. Nun beschloss die Jugendlichen, drei Gruppenzu bilden, um die Weiterentwicklung und Ausgestaltung der Spielideen arbeitsteilig umzusetzen.Jede Gruppe nahm den Auftrag mit, sich spielerische Aufgaben auszudenken, diezum Motto passten und organisierten und erstellten alle dazu nötigen Utensilien. Sie vereinbartenauch die Erstellung von Plakaten zu den einzeln Spiel- und Mitmachangebotenals Information für die kleinen und großen Gäste des Festes.Die zeitliche und inhaltliche Arbeitsplanung, die Umsetzung der Arbeitsschritte, dieKalkulation des für die Materialbeschaffung verfügbaren Budgets – all das war in derjeweiligen Gruppe autonom zu organisieren. Konflikte über die Schwerpunktsetzung, dieAufteilung der Arbeiten, den Einsatz der Finanzmittel löste die Gruppe möglichst selbst.Nur im Notfall wird auf die Lehrpersonen zurückgegriffen. Für diese Arbeit in den festenTeams wurden die Unterrichtsstunden der beteiligten Fächer zur Verfügung gestellt.Die Auszubildenden arbeiteten gemeinsam die von ihnen erarbeiteten Planungsschritteab und konnten nötigenfalls theoretische und praktische Unterstützung von den Lehrkräftenabfordern.


Markt der Lernprojekte37ErgebnisseHeraus kam eine pädagogisch durchdachte und abwechslungsreiche Spielesammlung, diesich sehen lassen kann:‣ Für das Spiel „Murmelbilder“ benötigt man umgedrehte Schuhkartondeckel und kleineSchaumstoffbälle. Diese werden von den Kindern bemalt und in den Kartondeckelnhin- und hergerollt, bis bunte Bilder entstehen. Es regt die Phantasie der Kinder an undtrainiert ihre Geschicklichkeit‣ Für das Spiel „Autorennen“ werden auf einem Tisch mit Barrieren aus Pappe zweiRennstrecken aufgebaut. Den Kindern werden Papierautos zur Verfügung gestellt. Auf„Los“ fahren je zwei Autos um die Wette, indem sie von je einem Kind vorwärts gepustetwerden. Das Spiel trainiert ein Moment von Körperbeherrschung, denn es regt dieKinder dazu an, ihren Atem zielgerichtet zu dosieren. Es bringt zudem auch eher bewegungsarmeKinder in Bewegung.‣ Beim Spiel „Schwungtuch“ halten die einen Kinder ein großes Tuch an den vier Seitenund versuchen durch Bewegung des Tuchs Wellen und Wind zu simulieren. Jeweilsreihum legt sich ein Kind in das Tuch und wird von „Wind und Meer“ hin und hergewogt . Das Spiel spricht einerseits das Bewegungsgefühl und die Balance der Kinderan, anderseits wird die Abstimmung der Bewegungsabläufe in der Gruppe erprobt.Bei dieser Aktivität haben die Kinder erstmal mit demSchwungtuch Wellen geschlagen und dann durften sieunter durch rennen.


38 Markt der Lernprojekte‣ Beim Spiel „langes Elend“ wird aus Bettlaken ein sehr langes Tuch zusammengenäht.Dieses Tuch wird auf dem Boden über eine Reihe von Hindernissen gebreitet,die eine Art Berg- und Talbahn ergeben. Die Aufgabe der Kinder besteht nun darin,einen Ball über diese Hindernisse bis ins Ziel, das von einer Dose am Ende des „langenElends“ markiert wird, zu rollen. Die Kinder erproben hier ihre Motorik und werden inBewegung gebracht.‣ An der Torwand aus einem Bettlaken mit Löchern konnten die Kinder sich imTorschießen versuchen und ihr Ballgeschick erproben bzw. trainieren.‣ Beim Spiel „Luftballonmännchen“ stellen sich die Kinder auf ein Stück Pappe, zeichneneine Linie um ihre Füße herum und schneiden anschließend eine Fußschablone aus. Indiese wird ein Schlitz geschnitten. Nun bekommen die Kinder einen Luftballon an einerSchnur. Die Schnur wird durch den Schablonenschlitz geführt und hinten verknotet,sodass der Luftballon über dem „Pappfuß“ schwebt. Hier wird die Feinmotorik in derHandhabung der Schere und dem Knotenmachen geübt.‣ Beim Spiel „Knautschbälle“ werden Luftballons mittels eines Trichters mit Sand befüllt,anschließend werden die Luftballons bemalt. Die Geschicklichkeit der Kinder und ihreKreativität wird in diesem Spiel besonders gefördert.Hier ging es darum mit den Kindern Knautschbälle zu basteln.Dafür mussten sie in einen Luftballon Sand füllen. Mit denfertigen Produkten konnten sie spielen oder zu der Torwandvon Svenja gehen.


Markt der Lernprojekte39‣ Beim Spiel „Minigolf mal anders “ haben die Kinder einen Ball über verschiedeneHindernisse zu führen. Die Aufgabe besteht darin, den Ball durch Röhren oder übereine Rampe zu rollen; das Kind muss mit dem Ball durch einen Tunnel kriechen; der Ballmuss durch einen Reifen und schließlich am Ziel in einen Eimer geworfen werden. DasSpiel gibt den Kindern Gelegenheit, ihre Geschicklichkeit und Motorik, die Koordinationvon Augen und Hand weiterzuentwickeln.‣ Beim Spiel „Parcours der Bälle“ können die Kinder mit einem rollenden Ball kleineKegel umwerfen und dabei ihre Geschicklichkeit im Umgang mit dem Ball erproben.‣ Das Spiel „Windmühlen“: um eine Windmühle zu erstellen, müssen die Kinder zuerstmit einer Schere in bunte Papierquadrate bis zu einer vorgegebenen Markierungschneiden. Dann nimmt sich jedes Kind ein Stück Draht, sticht diesen durch die Mittedes Quadrates und weiter durch jede einzelne Ecke und befestigt ihn anschließend miteiner Perle. Zum Schluss, wenn alles fertig ist, nehmen sie sich einen Strohhalm undbefestigen die Mühle mit dem Draht an dem vorgefertigten Loch.Beim Spiel „Windmühlen“ bauen die Kinder Papierwindmühlen,die sie nach Hause mitnehmen können. Hier wirddie Feinmotorik angesprochen bzw. trainiert.


40 Markt der Lernprojekte‣ Das Spiel „Dosenlaufen“: bei diesem Spiel wird eine Art Stelzenlauf auf Dosen veranstaltet.Die Kinder können sich aus Luftballonmännchen einen individuellen Parcoursaufbauen und ihn mit den Dosenstelzen unter den Füßen bewältigen. So wird dieBalance, die Geschicklichkeit und die Körperkoordination geschult.‣ Das Spiel „Klangkonzert“: die Kinder basteln Musikinstrumente aus Transparent-Tonpapier, Kleber, Perlen und Reis. Mit den hergestellten Instrumenten könnensie musizieren.‣ Das Spiel „Klangbälle“: die Kinder stellen Klangbälle her, indem sie Luftballons mit Reisund Perlen füllten. Durch Bewegungen mit dem "Klangball" können die Kinder verschiedeneKlänge erzeugen.‣ Das „Murmellabyrinth“: bei dieser Aktion haben die Kinder sich ein eigenesMurmellabyrinth erstellt. Sie haben dabei verschiedene zurechtgeschnittene Pappstückeso ineinander gesteckt, dass ein Labyrinth entsteht und eine Murmel durchrollenkonnte.Mitmachaktionen „Essen & Trinken“Neben den Spielen hat sich jede der drei Arbeitsgruppen zum Ziel gesetzt, eine Mitmachaktionauf dem Feld „Essen und Trinken“ zu erfinden. Die Kinder bekommen hier die Möglichkeit,eine aktiv-produzierende Haltung zu ihrer Ernährung einzunehmen und sich eine gesundeund kreative Speise oder ein Getränk unter Nutzung geeigneter Instrumente selbst zu bereiten- oder mit den Worten einer Auszubildenden:“Das Getränk motiviert die Kinder dazu, sich selbst vitaminreiche und gesunde Getränke zumischen, weil sie wissen wie leicht das funktioniert.“Folgendes kam dabei heraus:‣ Der Melonendrink: Die Kinder können sich mit Wasser und Apfelsaft in einemPlastikbecher einen Drink mixen. Aus einer Honigmelone können sich die Kinder dannMelonenkugeln ausstechen und diese in den Drink werfen. Außerdem können sie eineKiwischeibe abschneiden und diese dekorativ an den Becherrand stecken.‣ Der Tomatenspieß: Die Kinder können von Cherrytomaten einen Deckel abschneiden,sie aushöhlen, mit Frischkäse füllen und mit einer Lauchzwiebel dekorieren.Anschließend können sie die Tomaten aufspießen und vom Spieß verzehren.‣ Der Gurkenburger: In Anlehnung an den Hamburger werden von den KindernGurkenscheiben abgeschnitten, zwischen zwei Gurkenscheiben wird Frischkäsegeschmiert.ReflexionNach dem Sommerfest erfolgte sowohl eine individuelle, schriftliche Reflexion als auch einegemeinsame Auswertung verbunden mit der Aufgabe, eine Präsentation für die Schüler und


Markt der Lernprojekte41Schülerinnen des nächsten Jahrgangs zu erarbeiten, mit der zum einen die Erfahrungen undErgebnisse vorgestellt und bewertet werden, zum anderen die neue Lerngruppe wichtigeInformationen über berufliche Anforderungen und Tätigkeiten erhält. Das hier zusammengestellteMaterial stellt eine Auswahl dar, die die Lerngruppe selbst für die Präsentation aufdem Transfer-Workshop getroffen hat. Die Lerngruppe hat eine gemeinsam erarbeitetePowerpoint-Präsentation gewählt, um die Prozesse und Ergebnisse ihres Lernprojekts beimTransfer-Workshop vorzustellen. Das gesamte Angebot an entwickelten Spielen will dieGruppe wegen der großen Nachfrage und den vielen positiven Rückmeldungen auf derVeranstaltung in einer eigenständigen Sammlung demnächst veröffentlichen.Die Klasse BT 2601 des Projektes Lernen und Arbeiten im Buntentor (PLAnB)der Allgemeinen Berufsschule in Bremen präsentiert das Lernprojekt„50+“ - PC-Kurse für Ältere im Buntentor - Schüler und Schülerinnenunterrichten Senioren und SeniorinnenProjektbetreuungSusanne Schröder (Berufsschullehrerin), Inge Krevert (Sozialpädagogin),Jens Meier (Lehrmeister)ProjektbearbeitungCenk Asuman, Cem-Tahir Cetinel, Meral Demirci, Christin Haan, Silvia-Sabrina Haar,John Kieselbach, Marcel Landsiedel, Mareike PollogDie LerngruppeDas Projekt PLAnB - Projekt Lernen und Arbeiten im Buntentor - ist ein Kooperationsprojektzwischen dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) der Jugendhilfe „Kleine Marsch“ und derAllgemeinen Berufsschule (ABS) in Bremen.Das Angebot umfasst acht Plätze plus zwei Notfallplätze, die häufig belegt sind.Es richtet sichan Jugendliche im Alter zwischen 16 und 18 Jahren, die längere Zeit die Schule nicht odernur teilweise besucht haben, noch schulpflichtig sind und nach dem 10. Schulbesuchsjahrnoch keinen Abschluss haben. Die Jugendlichen leben in der Mehrzahl nicht mehr bei ihrenEltern und werden deswegen in Jugendwohngruppen oder Einzelwohnungen durch verschiedeneJugendhilfeeinrichtungen betreut.PlanB mit seinem Lernprojekt „50+ - PC-Kurse für Ältere im Buntentor - Schüler undSchülerinnen unterrichten Senioren und Seniorinnen“ ist dem 2. Arbeitsbereich der ABS,den Ausbildungsvorbereitenden Bildungsgängen zugeordnet. D.h. es ist im Bereich derberuflichen Grundausbildung - mit dem Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung - imBildungsgang Berufsorien-tierung in Projektform (BO) angesiedelt.


42 Markt der LernprojekteDas PlanB-Projektteam arbeitet in einem Dreierteam, bestehend aus einer Sozialpädagogin,einem Lehrmeister und einer Lehrerin. Zudem wird das Projekt im Unterrichtsfach Englischdurch einen Fachlehrer unterstützt.Beschreibung der Lerngruppe - PLAnB Geschlecht:4 Mädchen (ein Mädchen im Praktikum)3 Jungen Alter:17 (m), 18 (m), 18 (m)16 (w), 17 (w), 18 (w), 19 (w) Muttersprache: Deutsch Staatsangehörigkeit:5 Schüler: Deutschland2 Schüler: Türkei Schulabschlüsse:Alle Schüler/innen ohne Abschluss (eine Schülerin mit Abschluss)29.01.2008Referent/-in - Susanne Schröder, Inge Krevert, Jens Meier und Jugendliche der Lerngruppe imPLAnB: Meral, Mareike, Silvia, Christin, Cem, Cenk und Marcel. Folie 5Das ProjektvorhabenDie Schüler/innen planen gemeinsam mit den Lehrkräften PC-Kurse für Senioren undSeniorinnen, bereiten sie in kleinen Teams vor und führen sie selbständig durch. Dabeiwerden neue Lernstrategien angewendet, da die Schülerinnen und Schüler die Rolleder Lehrkraft übernehmen und die beteiligten Lehrer/innen im Lernprozess begleitendeund unterstützende Aufgaben wie die des Moderierens und Beratens wahrnehmen. Diezentrale Idee des Projekts besteht darin, die Motivation der Schüler/innen, sich mit denGegenständen des regulären Unterrichts (EDV, Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen,Deutsch, Fachpraxis) auseinander zu setzen, auf diese Weise zu verbessern.Die geplanten Kurse haben Realcharakter, es rufen also tatsächlich Kunden und Kundinnenan, Senioren und Seniorinnen nehmen an den Kursen teil und am Ende werden für dieBezahlung „echte“ Quittungen ausgestellt. Die Schülerinnen und Schüler sind im Lernprojektals „echte“ Mitarbeiter/innen angesprochen. Sie werden an den Einnahmen beteiligt und


Markt der Lernprojekte43haben eine klare Verantwortung gegenüber ihren Kunden und Kundinnen, da sie ja selbstdas Produkt, die PC-Kurse für Senioren und Seniorinnen, planen und umsetzen. Auf dieserGrundlage werden weitergehende Ziele verfolgt.Ziele im Projekt – PLAnBWir wollen gemeinsam mit benachteiligten Jugendlichen(Mädchen und Jungen) aus dem Wohngebiet Buntentor / Neustadt Lernen & ArbeitenAuf dieser Basis können weitere Ziele erreicht werden: Der Erwerb des Hauptschulabschlusses; eine berufliche Grundausbildungim Bereich Wirtschaft und Verwaltung1. Jahr Berufsorientierung in Projektform entspricht dem1. Jahr B/BFS (Bildungsgang Berufseingangsstufe/Berufsfachschule); sich von Straffälligkeit, Gewalt und Drogen distanzieren; neue Lebensstrukturen aufbauen und Perspektiven schaffen.29.01.2008Referent/-in - Susanne Schröder, Inge Krevert, Jens Meier und Jugendliche der Lerngruppe imPLAnB: Meral, Mareike, Silvia, Christin, Cem, Cenk und Marcel. Folie 4Die Umsetzung des LernprojektsVor Beginn des Lernprojekts als einer didaktisch geplanten Unterrichtssequenz im Umfangvon 30 Unterrichtsstunden zur Planung und Durchführung von PC-Kursen für Seniorinnenund Senioren im Buntentor ist eine genaue Terminplanung, Öffentlichkeitsarbeit und einAnmeldeverfahren durchgeführt worden. Dafür wurden Werbeflyer gestaltet und in denHaushalten des Quartiers verteilt, es wurden Zeitungsanzeigen geschaltet und kleinePresseinformationen verschickt. Die danach eingehenden telefonischen Anfragen wurdenvon den Schülerinnen und Schülern angenommen und bearbeitet.


44 Markt der Lernprojekte1. Schritt: WerbeflyerPostwurf im StadtteilFlyer: PC-SeniorenkurseDie inhaltliche Vorbereitung der PC-Kurse fand in dafür eingerichtetenTeams statt, in denen jede/rSchüler/ in für verschiedene inhaltlicheAspekte der Themen verantwortlichwar, die in einem der dreiKurse auf dem Programm standen.Um arbeitsfähige Schülerteams zubilden, wurde mit den Schülerinnenund Schülern über vorhandeneErfahrungen mit Teamarbeit gesprochen,es wurden gemeinsam ausder Diskussion heraus Arbeitsregelnfür die Arbeit in Teams festgelegtund Sinn und Zweck vonTeamarbeit wurden geklärt. Beider Teamzusammenstellung wurdedarauf geachtet, dass man sichwechselseitig im Team helfen kannund es möglichst wenig Konfliktstoffin den Teams gibt.So sahen die Wünsche derSchülerinnen und Schüler für dieTeamarbeit aus:29.01.20082. Schritt: ZeitungsanzeigeReferent/-in - Susanne Schröder, Inge Krevert, Jens Meier und Jugendliche der Lerngruppe imPLAnB: Meral, Mareike, Silvia, Christin, Cem, Cenk und Marcel. Folie 11Zeitungsanzeige am PCentwerfenAnzeige "schalten"Telefonische Annahme derAnmeldungenTeilnehmerlisten führen•„Dass sich alle beteiligen“• „Dass alle zusammen arbeitenund nicht jeder alleine...“• „Dass jeder humorvoll mitarbeitetund nix gegen Musik einzuwendenhat“• „Ich wünsche mir, wenn ich inder Gruppe arbeite, dass ich nichtalleine nachdenken muss unddass man sich nicht streitet“• „Ich wünsche mir, dass jedereine klare Aufgabe hat und dasses keine Unstimmigkeiten gibt“29.01.2008Kursplanung:Termine verschobenReferent/-in - Susanne Schröder, Inge Krevert, Jens Meier und Jugendliche der Lerngruppe imPLAnB: Meral, Mareike, Silvia, Christin, Cem, Cenk und Marcel. Folie 12Dann wurde in einem mit detailliertenArbeitsanweisungen vorgeplantenWechsel zwischen selbstver-


Markt der Lernprojekte45antwortlicher Arbeit zum Recherchieren der Inhalte und gegenseitigem Zeigen, Besprechenund Auswählen der Inhalte in den Teams die Vorbereitung der Kurse in die Tat umgesetzt.Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass es vor allem bei der Vorbereitung des erstenKurses immer wieder auch einmal hakte. Es ist so ziemlich alles vorgekommen, was dasGelingen eines komplexeren Lehr- Lernarrangements für alle Beteiligten manchmal schwierigsein lässt: Beim Feedback stellt sich heraus, Arbeitsanweisungen sind nicht verstandenworden. Teams sind nicht arbeitsfähig, weil Teammitglieder fehlen oder weil sie wegenäußerst negativer Erlebnisse in ihrem sozialen Umfeld nicht in der Lage sind, mitzuarbeiten.Und eines Morgens ruht die Arbeit einfach vollständig: Es ist eingebrochen worden und dieGruppenkasse ist gestohlen worden. Das ist dann erst einmal wichtiger und sowieso völligunabweisbar. Als Folge musste der erste Kurs verschoben werden und die ganze Planunggeriet ins Wanken.3. Schritt: Vorbereitung der PC-Kurse im UnterrichtMaterialsammlungenArbeitsplakate /29.01.20083. Schritt:Vorbereitung der PC-Kurseim Unterricht"Generalproben"29.01.2008Referent/-in - Susanne Schröder, Inge Krevert, Jens Meier und Jugendliche der Lerngruppe imPLAnB: Meral, Mareike, Silvia, Christin, Cem, Cenk und Marcel. Folie 13Die Mädchengruppeund Jungengruppeentwickelngemeinsam Beispieleund ÜbungenReferent/-in - Susanne Schröder, Inge Krevert, Jens Meier und Jugendliche der Lerngruppe imPLAnB: Meral, Mareike, Silvia, Christin, Cem, Cenk und Marcel. Folie 15Trotzdem haben alle drei Seniorenkursestattgefunden und der Verlustder Gruppenkasse ist auf gemeinsamenBeschluss von Schülern undSchülerinnen und dem Projektteamvon PlanB durch vier zusätzlicheKursangebote wieder wettgemachtworden. Stimmung und Motivationin der Lerngruppe wurden gegenEnde des Lernprojekts immer besser.Es gab nämlich Lerneffekte,die die Schülerinnen und Schülerbei sich selbst beobachtetet haben:Was das Lernarrangement und dieTeamarbeit betrifft war irgendwannklar, wie das geht und dass amEnde ein Feedback stattfindet. Wasdie Nervosität vor dem tatsächlichen„Halten“ eines Kurses betrifftstellte sich so etwas wie Routinemit Lampenfieber ein. Was dieBenutzung von Moderationskartenbetrifft - die hatten ihre Nützlichkeitnach dem ersten Mal unter Beweisgestellt. Und was das Sprechen undReden vor Seniorinnen und Seniorenangeht hatten die sehr positivenRückmeldungen für deutlich mehrSelbstvertrauen gesorgt.


46 Markt der LernprojekteKommentare der Seniorinnen und SeniorenDas hat mir gefallen„Viel Mühe gegeben. Viel Geduld aufgebacht. Gut erklärt.“„Sie hatten alle viel Geduld.“„Alle sehr viel Mühe gegeben.“„Die Atmosphäre im Haus hat mir gut gefallen. Der Unterricht war gut. Es hat mir gut gefallen.“„Es war alles gut für mich.“„Es war gut!“„Kein Zeitlimit. Kombination: Alt und Jung.“„Sehr ausführliche Erklärung für Senioren.“Das sollte man beim nächsten Mal verbessern„Man müsste etwas mehr Zeit haben!“„Man sollte noch einen Tag anhängen, die Zeit war zu kurz.“„Mir hat alles ein bisschen zu lange gedauert. Etwas mehr Hintergrundwissen.“„Etwas mehr Zeit z.B. fürs Internet.“„Wir brauchen mehr Zeit für einzelne Themen.“„Keine Beurteilung möglich.“4. Schritt: Durchführung der PC-Kurse02.02.2008. . . Schüler unterrichten SeniorenReferent/-in - Susanne Schröder, Inge Krevert, Jens Meier und Jugendliche der Lerngruppe imPLAnB: Meral, Mareike, Silvia, Christin, Cem, Cenk und Marcel. Folie 16Im Lernprojekt wurde intensiv mitPräsentationen - auch in Form vonRollenspielen und Generalproben -gearbeitet. Die jeweils im Anschlussstattfindenden Reflexionsrundengehörten fest mit zum Programm,da sie für benachteiligte Jugendlicheein eigener, neuer und wichtigerLerngegenstand sind. Im Folgendenist ein Auszug aus verschiedenenReflexionsgesprächen zu lesen, beidenen die Kommentare von denSchülerinnen und Schülern aufModerationskarten geschriebenwurden.


Markt der Lernprojekte474. Schritt: Durchführung der PC-KurseVerkostung: Kaffee, Tee und KekseErstellen digitaler Bilder von den KursteilnehmernErstellen von Quittungen02.02.2008Referent/-in - Susanne Schröder, Inge Krevert, Jens Meier und Jugendliche der Lerngruppe imPLAnB: Meral, Mareike, Silvia, Christin, Cem, Cenk und Marcel. Folie 17Gut war / Das habe ich durch dieGruppenarbeit gelernt„Lust“ war kein Kriterium“„einfach gemacht“„Spaß gehabt, verstehen uns gut“„Das es wichtig ist, sich auf den anderenverlassen zu können.“„Dass ich mich lieber auf mich selberverlasse oder dem ich vertraue.“„Dass ich nicht so wirklich mitgearbeitethabe. Beim 1. Kurs ja, beim 2. Kurs nichtso. Das war schon Scheiße.“„Dass man sich gegenseitig hilft.“Nicht so gut war / Das waren die Stolpersteine„lieber in zweier` Teams“„keine Lust jemanden anzutreiben“„Dass Schülerin 11 und ich vieles alleine machen mussten.“„Keine richtige Absprache!“„Keine richtige Zusammenarbeit!“„Die Gruppe war nie vollständig.“„Ich habe mein Kopf zu Hause vergessen...“„Habe mich nicht vorbereitet...so...wirklich...“Das werde ich mir in Zukunft vornehmen„Nicht so nervös vor einem Kurs zu sein.“„Beim nächsten Mal werde ich Gas geben, so wie beim 1. Kurs.“„Mehr versuchen auf die anderen einzugehen.“„Viel, viel, viel...besser üben!“Als das Projektteam dann den Schülerinnen und Schülern erklärte, dass ein Transfer-Workshop mit vielen Lernprojekten aus verschiedenen beruflichen Schulen und Weiterbildungseinrichtungenstattfinden soll, und jedes Lernprojekt von den Schülerinnen undSchülern selbst vorgestellt werden soll, und dass PlanB mit seinem Lernprojekt im großenPlenum vor über 100 Gästen die Seniorenkurse präsentieren wird, war das natürlich zunächstein riesiger Berg. Gemeinsam haben dann die Schüler und Schülerinnen und das PlanB-Projektteam die Einladung und Tagesordnung gelesen und überlegt, was man tun kann.So kam die Idee zustande, eine gemeinsame Präsentation mit den wichtigsten Stationen


Markt der Lernprojekte49Der Markt der Lernprojekte am NachmittagDer Berufsorientierungs-Kurs des Schulzentrums Blumenthalpräsentiert das Lernprojekt„Second-Hand-Laden“ProjektbetreuungHans-Joachim Below, Barbara Neurath, Gerda Öllering-GräfingProjektbearbeitungKristina Aap, Nurcan Agirman, Nergez Akan, Sultan Alankaya, Murat Braimi, FatimaGusani, Mustafa Lalek, Kathrin Lochner, Joanna Nowicki, Joschka Piontek, Eva-MariaRabe, Merlinda Sali, Vivien Seedorf, Ceylan Sego, Emine KaradagDie LerngruppeZur Lerngruppe gehören 15 Jugendliche, davon sind 3 männlich. Sie besuchen einen einjährigenBerufsfeldorientierungskurs, dessen Ziel der Erwerb des Hauptschulabschlusses bzw.des erweiterten Hauptschulabschlusses in Verbindung mit hauswirtschaftlichen und sozialpädagogischenGrundlagen ist. Das Lern wieder!-Team besteht aus drei Lehrkräften mit denFächern Textiles Gestalten, Mathematik, Datenverarbeitung, Politik und Deutsch.Das ProjektvorhabenFür diese Zielgruppen sollte der traditionelle Fächerkanon aufgebrochen werden. Diegeforderten Lerninhalte müssen integriert sein in produktorientierte Lernsituationen mitkonkreten greifbaren und sichtbaren Lernergebnissen. Diesem Anspruch sollte bereitsdas Vorgänger-Lernprojekt „Textile Gestaltung - Weihnachtsbasar“ genügen, aus dessenUmsetzung heraus die Impulse für die Idee zum Aufbau eines schülerbetriebenen Second-Hand-Ladens entstanden.Mit Blick auf die Motivationslage der Zielgruppe wurde der Schwerpunkt der Projektarbeitauf handwerkliches Arbeiten gelegt. Im Zentrum des Lernprojekts steht dabei das FachTextilgestaltung. Eingebunden werden zudem die Lernbereiche Wirtschaft, Politik, Deutsch,Mathematik und Datenverarbeitung.Die Umsetzung des LernprojektsDas erste Lernprojekt hatte zwei Phasen: In der ersten Phase wählten und fertigten dieJugendlichen vorwiegend textile Gebrauchsgegenstände für einen Weihnachtsbasar und


50 Markt der Lernprojekteorganisierten die Vermarktung ihrer Produkte. Sie sollten etwas produzieren, was einenfür sie einsehbaren Sinn erfüllte und ihnen die Chance gab, mit ihren Produkten an die„Öffentlichkeit“ zu treten und durch den Verkauf sogar Einnahmen für die Klassenkassezu erzielen. In der zweiten Phase fertigen die Jugendlichen Textilien für ihren eigenenGebrauch. Hier entstanden auf Wunsch der Jugendlichen Grillhandschuhe.Aus diesem Lernprojekt heraus entstanddie Idee zum Aufbau einesschülerbetriebenen Second-Hand-Ladens, der ebenfalls die genanntenKompetenzebenen anspricht: ein solchesLernprojekt bietet praxisorientierteLernzugänge und Anknüpfungspunktean die Kreativität der Jugendlichen, esverlangt Fertigkeiten auf dem Feld derOrganisations- und Arbeitsplanungund nicht zuletzt trainiert es dieTeamarbeit und die Übernahmevon Verantwortung durch denErnstcharakter der Aufgabe. Und auch in dieses Lernprojekt ließen sich Inhalte aus denverschiedenen Fächern wie Mathematik, Deutsch und Politik integrieren. Begonnen wurdemit diesem Lernprojekt im Herbst 2006. Die Eröffnung des Ladens fand am 15. April 2007mit einer großen Veranstaltung in der Schule statt, zu der auch die Presse eingeladen wurdeund mehrere Artikel in der Zeitung erschienen. Lehrenden wie Lernenden war es wichtig,dass dieses Projekt auch Wege aus der Schule heraus findet.Die Stationen dieses Lernprojektes sind in der Präsentation für den Transfer-Workshopbeschrieben.‣ Vorstellung der Idee, Beschaffungeines ersten Fundus an gebrauchterKleidung‣ ein kahler, leerer Raum soll einLaden werden, da sindGestaltungsideen gefragt‣ Die Jugendlichen schwärmen ausfür Erkundungen in Second-Hand-Läden in Bremen-Nord, sie führenInterviews mit den Geschäftsinhabernund -inhaberinnen undentwickeln eigene Ideen.


Markt der Lernprojekte51‣ Die Lerngruppe hat viele Aufgaben und Fragen zu diskutieren und zu entscheiden:Wer sind unsere Kunden, wie können wir das Angebot attraktiv gestalten, die Ware präsentieren?Wo bekommen wir gut erhaltene, gebrauchte Kleidung? Nach welchen Maßstäbenwollen wir sie sortieren und sichten? Wie arbeiten wir diese Kleidung auf und wie pflegenund verschönern wir sie? Welche Näh- und Wäschepflege muss sein? Wie können wirunser Angebot ausweiten? Wie erreichen wir unsere (neue, mehr) Kunden und Kundinnenam besten?‣ Erarbeitung eines verbindlichenArbeitsplans, Festlegung derÖffnungszeiten, Aufgabenteilungund Verantwortlichkeiten,aber auch den Schichtwechsel,die Kassenprüfung und dasAufräumen regeln‣ Öffentlichkeitsarbeit: Entwicklungvon Werbeslogans sowieEntwurf und Verteilung vonReklame-Flyern in der Nachbarschaftund in der Schule‣ Ankündigung einerEröffnungsfeier‣ Erstellung von Plakaten und Stellwänden für die große Eröffnungsfeier, Auswahlder Kleidungsstücke und der selbstgefertigten Ohrringe und Perlenarmbänder fürdie Eröffnung‣ Präsentation von Ergebnissen zu angrenzenden Fragestellungen aus dem Politikunterricht:u.a. „Kleider machen Leute - gestern und heute“; wo und unter welchenArbeitsbedingungen wird Kleidung heute hergestellt?‣ Entwurf für einen Presseartikel‣ Durchführung der Eröffnungsfeier und Reflexion der Veranstaltung‣ Erarbeitung eines Internetauftritts, der über das Projekt informiert, durch dieMedienfachleute der Lerngruppe (www.seggend-hand.de.ki)‣ Erarbeitung der Präsentation für den Transfer-Workshop im LISReflexionDie handwerkliche Gestaltung von textilen Objekten gibt den Jugendlichen die Chance,Motivationsbarrieren zu überwinden. Denn Textilien sind keine abstrakten Fakten, diemühsam kognitiv erschlossen werden müssen. Jeder benutzt sie. Sie sind konkret erfahrbar.Die Jugendlichen haben den konkreten Nutzen ihrer Arbeit vor Augen. Sie sind gefordert,


52 Markt der Lernprojekteden Prozess der Verschönerung oder Herstellung ihrer Produkte selbständig zu planen undkönnen so ihre Planungskompetenz verbessern. Die Schüler und Schülerinnen können ihreKreativität weiterentwickeln und eigene Gestaltungsideen in die Produkt(neu)gestaltungeinbringen. Sie können durch den Erwerb handwerklicher Kompetenzen neues Vertrauenin ihre eigenen Fähigkeiten gewinnen. Die Lernenden identifizieren sich mit ihrem Ladenund ihren Produkten und gewinnen durch die Würdigung ihrer Produkte durch Dritte anSelbstbewusstsein. Sie übernehmen Eigenverantwortung für ihre Produkte und Aufgaben,ihr Verantwortungsbewusstsein auch gegenüber der Gruppe wird gestärkt.Für die Beteiligten wird die Bedeutungvon Teamarbeit ganz konkret erfahrbar:Die Jugendlichen lernen eigene Stärkenund Schwächen besser einzuschätzenund lernen die Unterschiedlichkeitvon Individuen als Zugewinn kennen.Sie entwickeln die Kompetenz weiter,eigene Arbeitsergebnisse angemessenzu präsentieren. Durch denfächerübergreifenden Ansatz könnenneue Lernzugänge zum Erwerb(schrift-)sprachlicher und mathematischerKompetenzen geschaffen werden,denn für die Aufgaben sindMengenbetrachtungen für ihre Material- und Preisberechnungen nötig, ebenso wie kommunikativeKompetenzen zur Vermittlung von Produktinformationen im Kundengespräch.Für die Präsentation ihres Lernprojektsauf dem Transfer-Workshop im LISwurde zum einen eine Auswahlvon Kleidung und Schmuck mitgebrachtund dekorativ ausgestellt,zum anderen konnten die Besucherund Besucherinnen anhand mehrererStellwände den Entstehungsprozessdes Ladens nachvollziehen, denn dieverschiedenen Stationen waren vonder Lerngruppe selbst dokumentiertund fotografisch festgehalten worden.Darüber hinaus wurde die Website aufeine Leinwand projiziert. Dass sie ihreArbeit und ihren Laden auf einer so großen Veranstaltung vorstellen konnten, motiviertezusätzlich, wie die Rückmeldungen der Schüler und Schülerinnen zu den Eindrücken und


Markt der Lernprojekte53Erfahrungen, die sie auf der Transferveranstaltung gewonnen haben, deutlich zeigen:„Ich fand die Ausstellung sehr gelungen. Es hat mir und ich denke mal auch der ganzenKlasse sehr viel Spaß gemacht. Ich fand es auch gut, vor den vielen Leuten den Vortragzu machen. Das hat mein Selbstbewusstsein sehr gestärkt. Die Vorträge von den anderenwaren auch sehr aufschlussreich. Ich denke, dass man den Sinn des „Seggenhandladens“sehr gut verstanden hat, da wir die Vorträge sehr gut rübergebracht haben. Unter anderemfand ich es auch toll, dass es was zu essen gab.“„Ich fand die Ausstellung schon ganz okay, bis auf den Jungen der nebenan genervt hat.Das Telefonieren fand ich auch klasse. Ich war auf jeden einzelnen Mitschüler sehr stolz, allehaben gut mitgemacht. Die Leute von nebenan waren auch sehr nett, mit denen kam ichgut klar. Das Büffet fand ich auch sehr lecker. Also ich fand das schön, dass ich mitgefahrenbin, ich würde so was gerne noch mal tun.“Die Klasse BFSG 06.1 des Schulzentrums Blumenthalpräsentiert das Lernprojekt„Kreative Praktikumsauswertung“ProjektbetreuungBirgit Detjen, Simone SchmiessekProjektbearbeitungChristina Bock, Sabrina Bolczyk, Dittmann Frauke, Mateus Goncz, Philip Halle,Gernot Henkel, Ayse Insel, Katja Kuhnke, Julia Orlowski, Mona Plifke, Natalia Riffel,Kristina Wagner, Marcel ZimmermannDie LerngruppeDie Lerngruppe besteht aus 16 Jugendlichen, davon 4 männlich, im Alter von 17 bis 22Jahren. Die Voraussetzung zur Teilnahme am diesem Bildungsgang ist der Realschulabschluss,d.h. es handelt sich hier um eine vergleichsweise leistungsstarke Gruppe im Rahmen derZielgruppen des Projekts. Das Lern Wieder!-Team bestand aus zwei Lehrerinnen mit denFächern Deutsch und Gestaltung.


54 Markt der LernprojekteDas ProjektvorhabenWährend der einjährigen Berufsfachschule sind in der Regel zwei Praktikumsphasen vorgesehen.Die traditionellen Formen der Auswertung der individuellen Praktikumserfahrungen,wie Tagebücher und schriftliche Berichte, wollte diese Lerngruppe als selbstgestellte Aufgabedurch kreative Auswertungs- und Präsentationsformen ersetzen oder ergänzen.Die Umsetzung des LernprojektsNach dem ersten Praktikum im Zeitraum November bis Dezember 2006 entschied sichdie Lerngruppe neue Wege in der Präsentation der Erlebnisse zu gehen: Die Schüler undSchülerinnen erarbeiteten individuelle und kreative Präsentationen‣ als kleines Theaterstück, in das das Publikum, d.h. die Mitschüler und Mitschülerinneneinbezogen wurden‣ in Gedichtform‣ als Lebensmittel-Verkostung (Geschmackstest mit Testpersonen aus dem Publikum) inVerbindung mit einem Quiz‣ als Lese- und Märchenstunde‣ als nachgestellte Tagesabläufe unter Zuhilfenahme von berufsrelevanten Gerätschaftenwie Urinal oder Zahnarztinstrumente


Markt der Lernprojekte55‣ als Pantomime (ohne Worte)‣ als Adventskalender in Form eines Hauses bzw. Wohnheims, mit vielen Fenstern undTüren, die sich öffnen ließen‣ als Plakat‣ als geräumiges Modell auf einer Holzplatte (Tierheim zur „Begehung“)Die Ideen waren zahlreich und spannend. DerPräsentationstag in der Schule wurde fotografischfestgehalten und bildet den ersten Teil derPräsentation auf dem Transfer-Workshop im LIS,insofern die Lerngruppe ein Beispiel, nämlich dasPraktikum einer Schülerin im Tierheim, auswählteund dem Publikum vorstellte. Das zweite Praktikumim Frühjahr dieses Jahres hat die Lerngruppe ebenfallskreativ ausgewertet. Statt der traditionellenBerichte wurden von den Schülern und Schülerinnenzunächst Interviews mit ausgewählten Personengeführt. Diese wurden aufgeschrieben und in derSchülerzeitung „Egge-News“ veröffentlicht. DesWeiteren haben einige Schüler und Schülerinnenihre Berufe in Form von „Marktschreiern“ verkauft,


56 Markt der Lernprojekted.h. sich in die Pose des vorlauten und offensiven Verkaufsstrategen geworfen und die Rolleeines überzeugten und überzeugen wollenden Propagandisten für die eigene Sache gespielt.In dieser Form wurden vier Pflegeberufe vorgestellt. Diese Präsentationsmethode solltedie Zuschauer und Zuschauerinnen fesseln und einnehmen, was auch gelang.Darüber hinaus haben die Jugendlichen mit Unterstützung eines Kunsttherapeuten ihreindividuellen Praktikumserfahrungen in einem Bild dargestellt. Diese Bilder, es sind sechszehnan der Zahl im Format 50x50 cm, wurden im zweiten Schritt zu einem gemeinsamenGemälde „komponiert“. Jedes Bild erzählt eine Geschichte, zu jedem Bild gehört ein individueller,aber zentraler Gedanke, der die wichtigste Erfahrung aus dem Praktikum ausdrückt.Daraus entstand die Idee, zu den Bildern tatsächlich eine Geschichte zu erzählen, die voneiner „Reise durch das Praktikumsland der BFSG“ erzählt, die der kleine Junge namensDietmar erlebt.Die Struktur und Gliederung derVorträge ebenso wie die Mittel zurVeranschaulichung bestimmter Inhaltesind von dieser Lerngruppe sehrdurchdacht, effektiv und einnehmendumgesetzt worden. Begleitend kamendarüber hinaus auch Powerpoint-Präsentationen zum Einsatz, die dieZuschauer und Zuschauerinnen durchdie Vorträge und Demonstrationenleitete.


Markt der Lernprojekte57ReflexionDie Intensität, mit der sich die Schüler und Schülerinnen mit ihren Erfahrungen sowie denKonsequenzen für ihre Berufswahl und ihre Bewerbungen beschäftigten, war hoch undproduktiv. Die Diskussionen und Auseinandersetzungen mit den Anforderungen der verschiedenenBerufe und persönlichen Interessen standen im Mittelpunkt. Wichtig war aberauch die Erprobung von neuen Ausdrucksformen und Selbstpräsentation und nicht zuletztdie Förderung von kreativer Schreibkompetenz.Die Klasse LAV / BOK des SZ Carl von Ossietzky Gewerbliche LehranstaltenBremerhaven präsentiert das Lernprojekt„Internationale Frikadellen“ im EsscapeProjektbetreuungHela Bildau, Volker Hattendorf, Heiko Weber von Scheidt, Birgit LandsbergProjektbearbeitungVanessa Fountain, Denise Hoffmann, Songül Kaya, Riad Khello,Christin Ostendorf, Elvira SelemiDie LerngruppeDie Lerngruppe besteht aus 6 Jugendlichen, davon 2 männlich. Der Lehrgang bietet nebeneiner Berufsorientierung die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss nachzuholen. DieMehrzahl der Schüler und Schülerinnen kommen aus sozial schwachen Familien, habeneinen erheblichen Förderbedarf und sind schulmüde. In der Folge sind ihre individuellenFähigkeiten und ihre Lernbereitschaft im Rahmen traditioneller Unterrichtsformen nurschwer zu aktivieren. Das Lehrgangskonzept stellt deshalb die Praxisorientierung in denMittelpunkt, in dem die Jugendlichen an vier Tagen in der Woche in der schülerbetriebenenKantine, dem „Esscape“, lernen und arbeiten. Sie bereiten dort täglich Frühstück undMittagstisch zu und verkaufen Speisen und Getränke. Das Lern wieder!-Team besteht ausdrei Lehrkräften, die sowohl in der Praxis als auch im Unterricht eingesetzt sind.


60 Markt der Lernprojektenehmen und zubereiten wollen. Einkauf und Arbeitsplan wird gemeinsam erledigt. Danachwerden alle gewählten Rezepte im „Esscape“ zubereitet, wobei besonderes Augenmerk derguten Arbeitsvorbereitung gilt. Die verschiedenen internationalen Frikadellen werden aufdekorierten Platten serviert, gemeinsam probiert und bewertet. Das Angebot umfasste:‣ eine italienische Frikadelle mit Lammhackfleisch und Parmesan‣ eine Falafel (syrisch) aus Kichererbsen mit Koriander und Kreuzkümmel‣ eine griechische Frikadelle mit Quark, Oliven, Gurke und Paprika‣ eine türkische Frikadelle, die Köfte, zur Hälfte aus Lammhackfleisch und Rinderhackfleischmit Knoblauch‣ eine kroatische Cevapcici, länglich geformt mit Zwiebeln und PetersilieDer Herstellungsprozess wird im Esscape gefilmt und der entstandene Film bei derPräsentation mit Musik unterlegt vorgeführt. Für die Präsentation im LIS haben dieJugendlichen ihre Frikadellen am Vortag zubereitet und in Kühlboxen verpackt, um sie denGästen der Tagung zu servieren, die sie auch als Testpersonen ansprachen. Dazu habensie kleine Texte vorbereitet, die Informationen zur Zubereitung sowie zu den Zutaten undGewürzen enthalten und ihren Kundenfragebogen bereitgelegt.


Markt der Lernprojekte61ReflexionDie Schüler/innen haben die Informationen, die sie über das Herkunftsland der Frikadellenan das Publikum ihrer Präsentation vermittelten, selbst erarbeitet und aufbereitet. Für einigeSchüler/innen war es gleichzeitig ihr Heimatland. Weil gerade diesen Schüler/innen dieWeitergabe von kulturellen Besonderheiten an die Mitglieder des Lernprojektes und dieBesucher der Präsentation sehr wichtig war, wurde der im Titel „Internationale Frikadellen“angelegte interkulturelle Aspekt eingelöst. Durch die beständige Beurteilung der Frikadellenin der Erprobungsphase als auch während der Präsentation lernten die Schüler/innen, aufGrund der Bewertungen der Frikadellen durch die Gäste, Kritik als Anregung für die beständigeVerbesserung der Rezeptzusammenstellungen und Zubereitungsweisen umzusetzen.Das Selbstbewusstsein und die Lernbereitschaft der Schüler/innen wurden durch die Arbeitim Lernprojekt und die anschließende Präsentation gestärkt. Neben der Einübung fachpraktischerKompetenzen konnte die Medienkompetenz durch die Nutzung des Internets undder Anfertigung der selbstgestalteten Plakate für die Besucher gefördert werden. Ebensoverbesserten die Schüler/innen ihre sprachlichen Kompetenzen durch die Aufbereitung derInformationen und deren Darstellung.


62 Markt der LernprojekteDie Klasse EO5/3 der Kaufmännischen Lehranstalten Bremerhavenpräsentiert das LernprojektTeam-Power-Spiel und LernkarteiProjektbetreuungSusanna Bransi, Katrin MolthanProjektbearbeitungAnna Andreev, Eugenia Grünwald, Tatjana Maatz, Nico Galwas,Patrick Pleuß, Kevin StolzeDie LerngruppeDie Lerngruppe besteht aus 20 Auszubildenden, davon XX männlich. Die Ausbildungsbetriebeverteilen sich über ein großes Spektrum an Einzelhandelsunternehmen, esreicht von kleinen Geschäften wie einer Tankstelle oder Zoohandlung bis hin zu großenLebensmittelketten und Discountern.Das ProjektvorhabenDie Ausbildungsinhalte der zwei bzw. dreijährigen Ausbildung im Einzelhandel, die in derBerufsschule vermitteln werden müssen, sind in den letzten Jahren reformiert und in 10Lernfelder gegliedert worden. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee zur Herstellung einermit den Ausbildungsjahren stets wachsenden Lernkartei durch die Auszubildenden selbst.Der Lernstoff kann nach Lernfeldern gegliedert in Form von Frage- und Antwortkarten aufbereitetwerden und auf diese Weise sowohl der Vorbereitung auf Klassenarbeiten als auchder Prüfungsvorbereitung dienen. Vorteil dieser Methode ist zudem, dass der Stoff von denAuszubildenden selbst kurz und prägnant herausgearbeitet, auf das inhaltlich Wesentlichereduziert und verständlich formuliert werden muss, damit die Karten für die genanntenZwecke auch nützlich sind. Ein solches Vorgehen bringt es notwendigerweise mit sich, dassdie Auszubildenden sich intensiv und reflektierend mit den Inhalten befassen, den Lernstofferarbeiten und durchdringen müssen, statt nur auswendig zu lernen oder mechanischzu pauken.


Markt der Lernprojekte63Die Umsetzung des LernprojektsUm den Einstieg in die Erstellung einerLernkartei zu erleichtern, wurde dasTeampower-Spiel angeschafft und eingesetzt.Dieses preisgekrönte pädagogische Spielfunktioniert ebenfalls mit Fragekarten, wobeinicht einfach nur Antworten gegeben werdenmüssen, sondern auch Einschätzungenvon Stärken und Schwächen der Mitspielerund Mitspielerinnen eine wichtige Rolle fürden Erfolg im Spielverlauf haben. Die indiesem Spiel vorgegebenen Fragenkartenwurden als Vorlagen bzw. exemplarisch fürgute Formulierung und Fragetechniken eingeführt.Das Spiel wurde zunächst zweimalim Unterricht gespielt. Im nächstenSchritt wurden die vorhandenen Spielkartenmit Blankokarten ergänzt, auf denen dieAuszubildenden berufsfachliche Fragen bezogen auf die aktuell im Unterricht behandeltenThemen festhielten. Das diente der Übung für effektive Strategien zur Anfertigung derKarten für die Lernkartei. Für die Präsentation auf dem Transfer-Workshop im LIS hat dieMehrzahl der Auszubildenden von ihren Arbeitgebern keine Freistellung erhalten, sodassnur eine kleine Gruppe kommen konnte, um über die fortlaufende Arbeit an und mit derLernkartei zu berichten.Reflexion„Es war eine gute Alternative zum normalen Unterricht. Unsere Teamfähigkeit wurdegestärkt. Da wir die Fragen selber formuliert haben, hatten wir einen besseren Lernerfolg.Dabei haben wir gemerkt, dass das Überlegen und Formulieren von Fragen schwerer ist alssie zu beantworten. Das Spiel und die Vorbereitung dazu haben Spaß gemacht.


64 Markt der LernprojekteDie Klassen „Konstruktionsmechaniker“ KM 04-2 und KMI 04-1/2der Berufsschule für Metalltechnik präsentieren die Lernprojekte1. Powerpoint-Präsentation: Vorstellung der Berufsausbildung zumKonstruktionsmechaniker / zur Konstruktionsmechanikerin2. Abdeckhauben – kooperative GruppenarbeitProjektbetreuungAndrea Fidan, Ralf Burfeind, Ralf GieslerDie LerngruppeDie Klasse KM 04/2, Schüler des 3. Ausbildungsjahres zum Konstruktionsmechaniker, wurdeaufgrund der Vorerfahrungen mit der ersten Durchführung des Lernprojekts „Ausbildungzum/zur Konstruktionsmechaniker/in – Vollzeitschüler erstellen eine digitale Präsentationüber ihre Berufsausbildung“ ausgewählt, um bei der Fortsetzung des Projektes mit demneuen Schwerpunkt „Kooperatives Lernen“ mitzuarbeiten.Die Klasse besteht aus 14 männlichen Vollzeitschülern des 3. Ausbildungsjahres imAlter von 18-25 Jahren, sechs von ihnen Migranten bzw. mit Migrationshintergrund.Ihren Hauptschulabschluss haben sie im Rahmen des zweijährigen BildungsgangesBerufseingangsstufe der Berufsfachschule erworben. Acht Schüler haben an der Durchführungdes ersten Lernprojekts teilgenommen. Ihnen ist der Umgang mit PowerPoint vertraut undsie haben bereits mit dem Fragebogen Wie Lerne Ich? WLI – Schule zur Reflexion undVerbesserung ihrer Lernstrategien gearbeitet. Die sechs neuen Schüler müssen an beideInhalte noch herangeführt werden.Das ProjektvorhabenIm Lernprojekt wurde eine Homepage inhaltlich geplant und technisch realisiert, die dieAusbildung zum Konstruktionsmechaniker an der Berufsschule für Metalltechnik darstellt– aus der Perspektive der Schüler des 3. Ausbildungsjahres. Wesentliche Elemente sindein Klassenfoto aller Schüler, das mit den persönlichen Lebensläufen hinterlegt ist, Fotosder verschiedenen Ausbildungsstätten und Maschinen, deren fachgerechte Benutzung TeilMetzger, Christoph: WLI-Schule. Wie lerne ich? Eine Anleitung zum erfolgreichen Lernen für Mittelschulen undBerufsschulen mit beigelegtem Fragebogen. Aarau (6. unv. Aufl.) 2006. WLI-Fragebogen mit Anwendungsbeispielenund Kommentaren s.a. Clasen, H., Hammer, G., Hübner, N., Kostov, I.K: Wie lernt man, wie man lernt?Reflexionsmethoden für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf, IAW 2007


Markt der Lernprojekte65der Ausbildung ist, Fotos von hergestellten Produkten der Klasse wie Außentreppe undGeländer und eine Übersicht über die Ausbildung. Im Lernprojekt wird die Aufarbeitungbiografischer Bezüge der Schüler an Inhalten der Ausbildung und mit Blick auf beruflichePerspektiven - auch bezüglich zukünftiger Bewerbungssituationen - durchgeführt. Die technischeRealisierung wurde mit Blick auf die Erweiterung der Medienkompetenz (Internet,digitale Fotografie, PowerPoint) geplant.Unsere Berufsausbildungzum Konstruktionsmechanikeran der Berufsschule für MetalltechnikUnsere KlasseKM 04/2UnserWochenstundenplan im3. AusbildungsjahrUnsere beidenBetriebspraktikaUnsere typischenAusbildungstätigkeitenUnsere SchweißausbildungUnser TheorieunterrichtUnsere ProjekteLehrgänge(Zerspanung)UnsereBerufsausbildungAusbildungsordnungfür denKonstruktionsmechanikerAusbildungsvorbereitungundBerufsausbildungan der BfMGabelstabler-FührerscheinDie Umsetzung des LernprojektsUm die vorhandenen Lernunterschiede soweit wie möglich auszugleichen wurden in einemVorprojekt Flächenberechnungen in Verbindung mit den Grundlagen von PowerPointerarbeitet. Das sogenannte Hauptprojekt – „Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker -Vollzeitschüler erstellen eine digitale Präsentation über ihre Berufsausbildung“ – war in fünfPhasen gegliedert:


66 Markt der LernprojekteAnwendung des WLI-FragebogensDie Arbeit mit den Ergebnissen des WLI-Fragebogens stellte für die Gruppe der Schüler,die schon am ersten Durchgang des Lernprojekts teilgenommen haben die bewussteAuseinandersetzung mit Stärken und Schwächen eigenen Lernverhaltens und seinerEntwicklung im letzten Lernprojekt dar. Mit ihnen wurden Einzelgespräche geführt, indenen ausgehend vom Ergebnis der Fragebogenauswertung die individuelle Entwicklungdes letzten Schulhalbjahres besprochen wurde und Strategien und Ziele für das zweiteLernprojekt erarbeitet wurden. Für die Gruppe der neuen Schüler bedeutete die Anwendungdes WLI-Fragebogens den Einstieg in die Fragestellung, wie sie selbst ihr eigenesLernverhalten beurteilen, wo sie Stärken und wo sie Schwächen sehen. Im Anschluß an dieBearbeitung des WLI-Fragebogens wurden mit ihnen auf der Grundlage einer visualisiertenErgebnisdarstellung Absprachen über Veränderungswünsche und –möglichkeiten für ihrLern- und Arbeitsverhalten getroffen.Erstellen der LebensläufeFür die Erstellung der persönlichen Lebenslaufe wurde in den gleichen Gruppen wie zuvorgearbeitet. Für den eigenen Lebenslauf sind die Schüler die Experten und können individuellbestimmen, welche Inhalte ihnen für die eigene Darstellung auf der Homepage wichtigsind. Dadurch wird eine Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie in Gang gesetztund ein Bewusstsein dafür geschaffen, mit welchen Werten sich die Schüler identifizieren(z.B.: Hobbys, Familie, Herkunft, Ziele).Durch den Austausch untereinander über die individuellen Lebenswege werden die Schülerauf unterschiedliche Wertvorstellungen und Perspektiven aufmerksam. Dadurch können sieeinerseits die Inhalte, Normen und Werte vergleichen und sich selbst positionieren, andererseitserhalten sie auch Anregungen für ihre eigene Perspektive und vielleicht sogar füreigene Lebensziele. Durch die Gruppenarbeit zur eigenen Lebensgeschichte lernten sich dieSchüler näher kennen und das Klassenklima wurde verbessert. In den Reflexionsgesprächenwurde die Gruppenarbeit positiv bewertet, sie habe Ideen und Anregungen gebracht.Kommentare der Schüler: „Mit dem Fragebogen und mit der klaren Aufgabenstellung undder Einteilung der Gruppenmitglieder hat es Spaß gemacht, mich mit der CD (gemeintist die CD mit der Präsentation, die im ersten Durchgang des Lernprojekts entstandenwar) wieder auseinanderzusetzen“. „Ohne die ‚alten Schüler’ wäre ich gar nicht mit derCD zurechtgekommen und hätte gar nichts gefunden. Ich habe schon Ideen für meinenLebenslauf.“Verbesserungsvorschläge für die vorhandene PräsentationIn der folgenden Gruppenarbeit sollten die Schüler die aus dem ersten Lernprojektdurchgangvorhandene PowerPoint-Präsentation bewerten und Verbesserungsvorschläge sammeln


Markt der Lernprojekte67(z.B.: Neue Themen, vorhandene Themen überarbeiten usw.). Dabei sollten sie sich überlegen,welche Medien sie nutzen wollen, welche zusätzlichen Texte geschrieben werdenmüssen, welche außerschulischen Orte besucht werden müssen und wer für welcheThemen die Verantwortung übernimmt. Die Schüler sollten sich einzelnen Schwerpunktenzuordnen. Drei bis vier Schüler bearbeiteten in einer Gruppe ein Thema, wobei alte undneue Schüler gemischt wurden. Innerhalb der Gruppen sollten Diskussionsprozesse über dieverschiedenen Ideen und Punkte, die zu einem Thema gehören, und über Möglichkeitender Umsetzung der Themen erfolgen. In den Gruppen wurden Rollen wie Gruppensprecher,der die Kommunikation zwischen den Gruppen in Gang hält, und Beobachter, der Materialfür die Reflexion sammelt, eingesetzt.Ausarbeitung der festgelegten ThemenDie Schüler sollten in ihren Gruppen die einzelnen, diskutierten Themen erarbeiten. Fürdie Umsetzung der eigenen Ideen zu einem Thema musste die Gruppe einen Arbeitsplanmit einer Aufgabenverteilung und einer Zeitleiste erstellen. Die Gruppe traf auch dieEntscheidungen über zu nutzende Medien. Weiterhin mussten die Ziele für die Erstellungdes Produktes benannt werden, wodurch das Ergebnis am Ende der Gruppenarbeitbewertet werden sollte. Die neuen und die zu überarbeitenden Themen wurden von denGruppensprechern der gesamten Klasse vorgestellt.Einzelne Gruppenmitglieder übernahmen Teilaufgaben und besprachen die Inhalte untereinander,bearbeiteten sie und stellten die (Zwischen-) Ergebnisse ihrer Gruppe vor. Nachdemdie Produkte in den Gruppen fertiggestellt worden waren, wurden sie der gesamtenKlasse vorgestellt. Da das den Gruppen vorher bekannt war, wurde dadurch eine höhereIdentifikation mit dem Produkt erreicht. Bei einer kritischen Bewertung durch die Mitschülersollten sie ggf. Position für ihr Produkt beziehen. Die Kritikfähigkeit innerhalb der Klassesollte dadurch gesteigert werden.Fertigstellung der PräsentationJeweils ein Schüler jeder Gruppe sollte die neuen und überarbeiteten Inhalte zurGesamtpräsentation hinzufügen und danach die Verlinkung der einzelnen Punkte undThemen fertigstellen. Die Zusammenführung der einzelnen Punkte und die Erstellung derPowerPoint-Präsentation auf einer CD kann aus organisatorischen Gründen nicht von allenSchülern gemeinsam erstellt werden. Von daher musste aus jeder Gruppe jeweils ein Schülerin das CD-Erstellungsteam bestellt werden. Eine Abstimmung über diese Funktion musstegruppenintern erfolgen. Das von dem jeweiligen Gruppenteam entsendete Teammitgliedübernimmt Verantwortung für die gesamten Inhalte der Gruppe. Die Präsentation wurdeauf CD gebrannt und jedem Schüler überreicht.


68 Markt der LernprojekteReflexion der Ergebnisse und der GruppenarbeitNachdem die einzelnen Arbeitsgruppen ihre Inhalte auf der CD der Klasse vorgestellthatten wurde deutlich, dass sie sehr stolz auf ihre Ergebnisse waren. Die anschließendeReflexion über die persönlichen Lernergebnisse, über die Gruppenarbeit und über die Frageder nachlassenden Motivation ergab folgendes Bild. Positiv wurde zuerst das Erlernen derPowerPoint-Software genannt, dann das selbstständige Erarbeiten von Inhalten mithilfevon Medien wie Internet, digitaler Fototechnik etc. und als Drittes das gegenseitige Helfenin der Gruppe oder auch in der Klasse. Generell wurde die Anfangsphase der Gruppenarbeitvon den Schülern positiv bewertet. Beim eigenständigen Abarbeiten der Arbeitsaufträgewurde die Kommunikation in der Gruppe nicht mehr so gut bewertet. Als Gründe dafürwurden zum einen die eigene Unsicherheit genannt, ob die erzielten Ergebnisse gutgenug wären, zum anderen wurde darauf hingewiesen, dass durch das Fehlen einzelnerGruppenmitglieder der Ist-Zustand häufiger unklar war.Kommentare der Schüler:„PowerPoint kann ich jetzt noch besser. Ich weiß, wo ich im Internet suchen muss, wennich Material brauche und wenn ich nicht weiter wusste, konnte ich bei meinem Nachbarnnachfragen“.„Zu Anfang wusste jeder in der Gruppe was er machen sollte, aber später beim Erarbeitender Arbeitsaufträge, wusste ich gar nicht ob ich die Fragen schon gut genug beantwortethatte. Die anderen Gruppenmitglieder haben mir auch keine Antwort gegeben. Zeitweisewar ich alleine und die anderen Gruppenmitglieder waren nicht da, woher sollte ich wissen,was die schon gemacht haben“.Unsere Klasse KM 04/2Lehrgänge BilderKlicke auf ein Gesicht, um mehrüber die Person zu erfahren !!!!!!!!


Markt der Lernprojekte69Unsere SchweißausbildungBerufsschule für MetalltechnikReiherstraße 86 und Bevenser Straße 5Lebenslanges Lernen / WeiterbildungBildungsgangstruktur:SS KlV Berufe• Ausbildung:• Die Schweißausbildung beginnt im 1. Ausbildungsjahr• und geht bis zum Ende der Ausbildung.• Man lernt die Maschinen und verschiedene• Schweißverfahren kennen.••• Prüfung:• Die Prüfung ist am Ende des 3. Ausbildungsjahres.• Für die Schweißprüfung für MAG 135 muss man• Kehlnaht steigend und V- naht mit Wurzel, Füll und• Decklage schweißen können.• Bei Elektrode 111 sind die Prüfungen gleich.4. Ausb.-Jahr 143. Ausb.-Jahr 132. Ausb.-Jahr 121. Ausb.-Jahr110. Ausb.-Jahr 10987Kammerprüfung KammerprüfungBFS/qu FachstufeBFS/qu FachstufeBFS/qu FachstufeB/BFS (BGJ-s) 2-jähriger BildungsgangB/BFS (Ausbildungsvorbereitung)HS-AbschlußBeratung Sek I / BS durch Beratungslehrer in den:* Schulzentren des Sekundarbereiches I* Gesamtschulen* Sonderschulen* Seiteneinsteiger (z.B. Sprachanfänger)Verbundsystemzwischen BetriebenundProduktionsschuleEinstiegduale AusbildungBS-Teilzeit4. Jahr (dual)BS-Teilzeit3. Jahr (dual)BS-Teilzeit2. Jahr (dual)BS-Teilzeit1. Jahr (dual)Sek. IWerkstattphasen1413121110987Teilzeit Vollzeit117 8 BFS/qu77 5 B/BFS 2. Jahr78 5 B/BFS 1. Jahr18 1 BGJ36 2 BFS21 1 KMAU109 6 KMMS27 2 AMST/KMST96 6 MBKT27 2 MEBE606 38 GesamtLegende Bildungsgänge:BFS/qu = Berufsfachschule mit berufsqualifizierendemAbschlussB/BFS = Berufseingangsstufe/BerufsfachschuleBGJ = Berufsgrundbildungsjahr MetallBFS = Berufsfachschule TechnikLegende Berufsbezeichnungen:KM = KonstruktionsmechanikerAM = AnlagenmechnaikerIM = IndustriemechanikerMB = MetallbauerMEBE= MetallbearbeiterFachrichtungen(Teilzeit):MS = Metall- u. SchiffbautechnikAU = AusrüstungstechnikST = SchweißtechnikKT = KonstruktiontechnikStruktur der BildungsgängeUnser typischen AusbildungstätigkeitenUnser typischen Ausbildungstätigkeiten


70 Markt der LernprojekteDie Klasse B/BFS 2, Berufsfeld IX des Schulzentrums Alwin-Lonke-Straßepräsentiert das Lernprojekt„Schülerfirma“ für Maleraufträge an der Alwin-Lonke-StraßeProjektbetreuungKai GarbadeProjektbearbeitungMichéle Löbbert, Florian Kochan, Patrick PlazewskiDie LerngruppeAn dem Lernprojekt „Schülerfirma“ waren 14 Schüler und1 Schülerin im Alter zwischen 17 und 19 Jahren beteiligt.Sechs von ihnen haben einen Migrationshintergrund.Sie besuchten die zweijährige Berufseingangsstufeder Berufsfachschule im Berufsfeld Farbtechnik undRaumgestaltung. Der Bildungsgang verbindet den Erwerbdes Hauptschulabschlusses mit der Vermittlung vonBerufsreife.Das ProjektvorhabenIn Anlehnung an den Rahmenlehrplan des LernfeldsFarbtechnik und Raumgestaltung war die Idee desLernprojekts, handlungsorientierte Lernsituationen herzustellen.Passend zum Konzept von Lernprojekten, dasLernen an die Durchführung von realen Aufträgen mitErnstcharakter binden möchte, macht die „Schülerfirma“alle Phasen der Auftragsbearbeitung von der Akquisitiondes Auftrags bis zur Abnahme der Baustelle durchden Kunden/die Kundin zum Gegenstand des Lernens.Sowohl Aufträge wie der Entwurf eines Logos für denGrambker Jugendclub und der Bau einer Schildanlageden die Schülerinnen und Schüler selbst akquiriert haben,als auch Aufträge des Schulzentrums Alwin-Lonke-Straßewurden erfolgreich gemeistert.


Markt der Lernprojekte71Umsetzung und Ergebnis des LernprojektsIm Schuljahr 2006/2007 war die Durchführung des Lernprojekts auf den Schwerpunktkooperatives Lernen ausgerichtet. Insofern waren zunächst Schritte wie Einführung vonGruppenarbeit, Vorstellung der Aufgaben, Gruppenbildung, und Rollenverteilung in derGruppe (Gruppensprecher, Zeitwächter, Protokollant etc.) zu bewältigen. Besonders derGruppenbildung wurde große Aufmerksamkeit gewidmet, weil bestehende Sympathiezwischen den verschiedenen Gruppenmitgliedern für die Motivation der Arbeitsgruppeund die Tragfähigkeit der Binnenstruktur der Gruppen von großer Bedeutung ist. Konflikte,die aus außerschulischen Beziehungen entstehen oder auch in den Gruppen eskalierendeKonflikte wie z.B. die Weigerung, eine Frau als Gruppensprecherin zu akzeptieren, könnenmitunter nicht innerhalb der Arbeitsgruppe bearbeitet werden, sondern müssen bei derGruppenbildung beachtet werden. Für die Bearbeitung solcher Konfliktkonstellationen mussdann ein anderer Rahmen gesucht werden.Die Arbeitsgruppen, die die Phase der Gruppenbildung („storming“) erfolgreich durchlaufenhaben, zeigten bei den Schritten Baustellenbegehung, Aufmaß, Arbeits- und Materialplanung,Baustelleneinrichtung, –durchführung und –abnahme eine gute „Performance“. Der PunktBaustellenkalkulation blieb wegen schwacher Mathematikkenntnisse, die sich im Verlaufdes Lernprojekts nicht beheben ließen, ein offenes Problem.Folgender Dialog aus der Reflexionsphase wirft ein Schlaglicht auf die Bewertung desLernprojekts durch die Schüler und Schülerin:Frage„Was habt ihr bei den Lernprojekten gelernt? Was hat euch bei den Arbeiten an denProjekten gefallen?“Antwort„Wir sind selbstständiger geworden.“Frage„Woran habt ihr denn gemerkt, dass ihr selbstständiger geworden seid?“Antwort„Wir können unsere Arbeit besser organisieren. Wir planen die Arbeitszeit und diePausen selber.“Und:„Die anderen haben mich gefragt und nicht den Lehrmeister, wenn sie was nicht verstandenhaben, weil ich immer da war und Bescheid wusste.“Frage„Wenn die vorhin genannten Probleme nicht auftreten würden – alle kommen, regelmäßigund pünktlich – würdet ihr dann wieder Gruppenarbeit und Lernprojektemachen wollen?“


72 Markt der LernprojekteAntwort„Ich will nicht nochmal. Ich krieg das zu zweit oder allein besser hin. Mit der Gruppe istmir zuviel Unruhe drin.“Und:„Wenn wir die Gruppen selbst zusammenstellen könnten, dann würden wir es wiedermachen.“Und:„Wieder mit den Leuten, mit denen wir jetzt gearbeitet haben.“Präsentation des Projekts auf dem Transfer-WorkshopDas Projekt auf einem großen Workshop in der Öffentlichkeit vorzustellen war etwas,was den beteiligten Schülerinnen und Schülern ganz fern lag. So wurde gemeinsam überlegt,was man tun könnte, um den Jugendlichen die Angst davor zu nehmen, dass einemnichts einfällt, dass man etwas Dummes sagt oder einfach blöd dasteht. So wurde die Ideeentwickelt, einen kleinen Film darüber zu drehen, wie eine Arbeitsgruppe eine Baustelleplant, durchführt und gemeinsam im Team die Arbeit auswertet. Der Film sollte dann aufdem Workshop vorgestellt werden, und Schauspieler/in, Regisseur/in und Kameraleute(die Lehrer/innen!) danach dem Publikum für Fragen zur Verfügung stehen – wie aufder richtigen Berlinale. Nachdem die Szenen geplant und ein grobes Drehbuch entworfenwar, wurde der Film parallel zur Durchführung der Baustelle gedreht, was gar nichtso einfach war. Erst beim Drehen des Films wurde allen klar, dass man nicht nur Drehort,Einstellungen, handelnde Akteure/Akteurinnen und Ablauf planen muss, sondern es mussden Schauspielern und Schauspielerinnen auch klar sein, was sie an welcher Stelle tun undsagen müssen, damit es im Film auch gut zu sehen und verständlich ist. So ging’s noch malzurück ins Klassenzimmer, und für die Hauptsituationen wurden kleine Szenen gemeinsamerarbeitet und aufgeschrieben. Genauso sah auch die Vorbereitung für das Interview durchdas Publikum auf dem Transfer-Workshop aus. Mit einem kleinen Kurzfilm zum Üben fürden großen Auftritt auf dem Transfer-Workshop...Frage„Wie war das, Euren Film über das Lernprojekt „Schülerfirma“ auf dem Transfer-Workshopvorzustellen?“Antwort„Ungewohnt, wir hatten Angst, dass uns nichts einfällt. Aber das ging dann immer besser.Beim dritten Mal mussten wir nicht mal mehr auf unseren Spickzettel schauen.“„Wir hatten ja ziemlich viele Fragen: Was für Leute kommen da? Wo sitzen wir? Auf derBühne, in der Halle, oder wo? Ich hatte Angst, dass ich die Fragen nicht verstehe.“


Markt der Lernprojekte73Frage„Was hast Du gemacht, um mit der Angst klar zu kommen?“Antwort„Die Lehrer haben mich beruhigt, sie würden mir die Antworten übersetzen. Ich habe danndie Leute auch mal gefragt, wer sind Sie und was machen Sie?“Die Auszubildenden „Hauswirtschaftshelfer/in“ desInstituts für Berufs- und Sozialpädagogik e.V.präsentieren das Lernprojekt HanseLife KochshowAsiatische BratnudelnProjektbetreuungMartina Franke, Christine Gottschalch, Peter Michels, Erika Opitz, Ulla SeitzProjektbearbeitungJessica Jürgens, Fabian KleinSascha Kück, Thomas Maschke, Tugba Memis, DeniseOtto, Oxana Reifschneider, Sabrina Rother, Anetka Szymanczyk, Patrik Unger


74 Markt der LernprojekteDie LerngruppeDie Lerngruppe besteht aus 21 Auszubildenden, davon 6 männlich. Das Lern wieder!-Team besteht aus 4 Lehrkräften. Die Lerngruppe ist gekennzeichnet durch ein gutesGruppengefüge und eine große Motivation und Begeisterungsfähigkeit auf der einen Seite.Auf der anderen Seite ist ein erhöhter Förderbedarf auf den Gebieten der schriftsprachlichenund kommunikativen Kompetenzen, der Konzentrations- und Merkfähigkeit, derFähigkeit zur Selbsteinschätzung und Selbstpräsentation sowie bei der Selbständigkeit undder Übernahme von Verantwortung gegeben. Auf die Förderung dieser Kompetenzfelderkonzentriert sich das Lernprojekt „Hanse Life Kochshow“. Es verbindet Handlungs- undProduktorientierung und fördert die Fachkompetenz bezogen auf die Produkte, die ausgewählt,weiterentwickelt und zubereitet werden.Das ProjektvorhabenDie Auszubildenden kreieren einenStand für die Hanse Life Messe, andem sie selbstentwickelte Rezepte,die für Kochanfänger geeignet undgesund sind, life zubereiten und denBesuchern und Besucherinnen zumProbieren anbieten. Das Lernprojektwird den Auszubildenden vorgestelltund angekündigt, dass sie sich ander Vorbereitung, Durchführung,Dokumentation und Auswertung desgeplanten Vorhabens beteiligen könnenund dabei größtmögliche Entscheidungsfreiheit zu folgenden Aufgaben erhalten:‣ Unterstützung und Partner organisieren (Sponsoren, Spenden für Standkosten,Kooperation mit Betrieben)‣ Auswahl eines geeigneten Rezeptes‣ Organisation der Arbeitsteilung‣ Gestaltung des Standes‣ Entwicklung einer Kundenbefragung‣ Entwicklung eines Handzettels für die Kundschaft, die das Rezept zum Nachkochenmitnehmen möchte‣ Gestaltung der Präsentation und Dokumentation per Foto- bzw. Videoaufzeichnung‣ Auswahl einer geeigneten Gelegenheit und Vorbereitung einer Generalprobe für dieKochshow (Stadtteilfeste oder kleinere Messen)‣ Durchführung und Auswertung der Generalprobe‣ Vorbereitung für den Transfer-Workshop (Präsentation ohne Kochen vor Ort)


Markt der Lernprojekte75Umsetzung des LernprojektsBei der Vorstellung des Lernprojektswurde den Auszubildenden einFeedbackbogen vorgelegt, mitdem sie ihre Meinung dazu geäußerthaben: Der Feedbackbogenerfasste folgende Kategorien:• Ich freue mich auf ...• Ich habe Angst vor ...• Ich kann mir vorstellen ...• Mir fällt sonst noch ein ...Das Projekt wurde von derLerngruppe sehr positiv aufgenommen.Insbesondere zu denKompetenzen, die mit diesem Projekt gefördert werden sollten, haben sie ihre Empfindungen,ihre positive Motivation, aber auch ihre Befürchtungen benannt, sodass diese von Anfang anThema und Lerngegenstand beim Projekt waren. Angst hatten die meisten von ihnen davor„(.....)vor Aufregung etwas falsch zu machen“. Gefreut haben sie sich bei diesem Vorhabenam häufigsten darauf „(.....)zu zeigen, was ich kann.“ Die Häufigkeit der ersten Antwortzeigt deutlich das mangelnde Selbstvertrauen der Auszubildenden und die zweite zeigt inKorrespondenz dazu die Bedeutung von Anerkennung durch andere als Motivationskraftfür diese Zielgruppe.Zu Beginn haben die Auszubildenden Anschreiben entworfen, die an möglicheKooperationspartner (Arbeitsagentur, Radio Bremen, Weser-Kurier, swb, Krankenkassen)gerichtet werden. Sie haben sich in die Situation und Sichtweise der jeweiligen Adressatenund Adressatinnen hineingedacht und auf diese Weise ideenreiche und schöne Anschreibenformuliert. Lediglich die Rechtschreibung ist korrigiert worden. Diese selbst entworfenenAnschreiben dienen als Vorlage für die beim ibs für die Pressearbeit zuständige Mitarbeiterin.Die Azubis waren froh und stolz darauf, dass ihnen von den Lehrkräften zugetraut wurde,diese Anschreiben verfassen zu können.Bei der Auswahl des Rezeptes musste die spezielle Zielgruppe der Kochanfänger/innenberücksichtigt werden, insofern mussten sich die Auszubildenden in die Lage (eher) jungerMenschen ohne Kocherfahrung versetzen. Nach den Erkundungen, welche Rezepte undSpeisen dafür geeignet sind, wurden diese zur Probe gekocht, um auch Mengen, Zeiten undgeschmackliche Varianten auszuprobieren.Die Gestaltung der Stellwände und des Standes insgesamt enthält neben Informationenzu dem ausgewählten Gericht auch solche über die Auszubildenden, ihren Beruf und ihreEinrichtung. Die Lerngruppe entwickelt einen Kundenfragebogen, der auf dem Stadtteilfestin Hemelingen, wo die Kochshow das erste Mal öffentlich auftritt, erprobt wird. Es handeltesich für die Auszubildenden um den ersten „Ernstfall“ und sie mussten sich mit Kritik und


76 Markt der Lernprojekteder Korrektur ihrer Fehler auseinandersetzen. So gab es die Feststellung, dass die Würzungdes Gerichts nicht gut bewertet wurde und dass die Arbeits- und Rollenteilung besser abgesprochenwerden muss, d.h. eine detaillierte Festlegung darauf stattfinden muss, wer kocht,wer schneidet Gemüse und bereitet vor, wer führt das Gespräch mit dem Publikum, wannwird gewechselt. Gerade bei dem Thema „Würzen“ kommt zum Tragen, dass die Azubishäufig Defizite im Wissen um Geschmack und die Wirkung einzelner Gewürze haben undihre sensorische Wahrnehmung nicht stark ausgeprägt ist.Es sollen von der DVD zwei Bildfolgen mit Filmrand versehen und eingefügt werden.Eine, die die Jugendlichen in einer Besprechung zeigt, die andere, die Arbeiten auf derBaustelle zeigt.ReflexionDie Auszubildenden haben ein eigenes Rezept entwickelt und erprobt, das auch Ungeübtenachkochen können: Asiatische Bratnudeln. Die Auszubildenden stellten auf dem Transfer-


Markt der Lernprojekte77Workshop den Weg und die Schritte für die Entwicklung ihrer eigenen Kochshow dar. Daes auf dem Transfer-Workshop aus technischen Gründen nicht möglich war, die Rezeptelife zuzubereiten und den Kunden und Kundinnen zum Probieren zu präsentieren, wurdestattdessen die Herstellung anhand einer Powerpoint-Präsentation mithilfe von Stellwändenund durch eine Reihe von mitgebrachten Utensilien wie etwa einem Wok verdeutlicht. DieGäste des Transfer-Workshops konnten die Auszubildenden dazu befragen und gemeinsamdiskutieren über Schwierigkeiten und Hürden bzw. über die Erfolgserlebnisse. Für viele derJugendlichen aus dieser Lerngruppe war es eine wichtige Erfahrung und ein Zugewinn, sichmit der Frage nach effektiven Methoden zur verständlichen Vermittlung von Informationenund Prozessen für die Zuhörer und Zuhörerinnen zu beschäftigen, um die Präsentation hinterdem Stand zu optimieren. Die freie Rede und der Dialog mit dem Publikum erfordert sehrviele Dinge: Fachkompetenz, kommunikative Kompetenzen, aber auch Selbstbewusstseinund Improvisationstalent.Liste der verwendeten AbkürzungenABSALSBaEBfMBFOBFSGBFSHBFSKiBOKBvBEggeGLAHWHKLALLLLISSOLSZAllgemeine Berufsschule/ BremenAlwin-Lonke-StraßeBerufsausbildung in einer außerbetrieblichen EinrichtungBerufsschule für MetalltechnikBerufsfeldorientierungBerufsfachschule für GesundheitBerufsfachschule für HauswirtschaftBerufsfachschule KinderpflegeBerufsfeldorientierungskursBerufsvorbereitungAbkürzung für das SZ Blumenthal mit Bezug auf die Adresse:Eggestedter StraßeGewerbliche Lehranstalten/ BremerhavenHauswirtschaftshelferin/ HauswirtschaftshelferKaufmännischen Lehranstalten/ BremerhavenLebenslanges LernenLandesinstitut für SchuleSelbstorganisiertes LernenSchulzentrum


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