KulturBetrieb - Berthold Schmitt, Kunsthistoriker, Kurator, Public ...

schmitt.art.de

KulturBetrieb - Berthold Schmitt, Kunsthistoriker, Kurator, Public ...

Im Fokus

Service- und Aufsichtspersonal –

die „Visitenkarte“ des Museums

Die Standards für Museen, 2006 vom Deutschen Museumsbund

und ICOM-Deutschland vorgelegt, fordern als eine wesentliche

Voraussetzung für gute Museumsarbeit das Vorhandensein von

ausreichend qualifiziertem Personal. 1 Die Standards beschränken

sich allerdings noch auf das wissenschaftliche Personal. In

der Publikation Museumsberufe von DMB und ICTOP werden

Funktionsbeschreibungen zumindest für „Leiter/in“ und „Assistent/in

Besucher- und Aufsichtsdienst“ dargestellt. 2 Ein wachsender

Konsens entwickelt sich in der Museumswelt, dass eine

konsequente Personalplanung, regelmäßige Mitarbeitergespräche

und nicht zuletzt Weiterbildung des Museumspersonals erforderlich

sind.

Differenzierter ist schon die Meinung zur Erfordernis von „Service-“

bzw. „Kundenorientierung“. Hier spielen Größe des Museums,

Trägerschaft etc. eine Rolle – ob das Aufsichtspersonal

noch unmittelbar zum eigenen Team gehört oder an externe Firmen

vergeben ist. Große Differenzen gibt es in der Aufgabenbeschreibung

von Kassen- und Aufsichtspersonal in erwarteten

inhaltlichen Kompetenzen: den Einen ist jede inhaltliche Auskunft

untersagt, während im ehrenamtlich geführten Heimatmuseum

Freiwillige bereit stehen, ausführlich Auskunft zu geben

und die Gäste zu begleiten.

Das Personal hat eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf

die Besucher

Unterschiedliche Museumstypen und Betriebsformen erfordern

unterschiedlich aus- und weitergebildetes Personal als Kontaktpersonen

mit dem Publikum. Sie können bestehende „Schwellenängste“

bei Besucher/-innen mildern und sorgen für eine

persönliche Note. Wesentliche Planungen und Zukunftsvisionen

der Museumsleitung und die Konsequenzen für den Museumsbetrieb

sollten dem Personal bekannt sein, die Einbindung in

16 |

KulturBetrieb

vielfach angestoßene Leitbildprozesse ist unerlässlich. Das Personal

in den Eingangs- und Ausstellungsbereichen verfügt zusammen

mit den Kolleg/-innen der Bildungsarbeit über einen

reichen Erfahrungsschatz mit dem Publikum, den es in die Neuausrichtung

der Museumsarbeit einbringen kann.

Hinsichtlich alltäglicher Fragen des Umgangs mit Besucher/innen,

Konfliktbewältigung etc. aber auch grundsätzlicher Fragen

eines Servicebewusstseins gibt es in den Museen

mehrheitlich Nachholbedarf. Museen können von professionellen

Bereichen z. B. des Tourismusgewerbes lernen, im Freiwilligenbereich

liegen große Qualifizierungschancen für Gästeführer/-innen.

Es sollte nicht unterschätzt werden, welche Wirkung

gut geschultes und freundliches Personal auf Besucher/-innen

hat und diese zu „Wiederholungstätern“ werden

lässt. Entsprechende Zielsetzungen der Qualifizierung von Service-

und Aufsichtspersonal spielen eine zunehmende Rolle im

Qualitätsmanagement der Museen und werden bereits in Zertifizierungen

wie Service-Q oder der Museumsregistrierung Niedersachsen

/ Bremen berücksichtigt.

Hans Lochmann

Hans Lochmann, Leiter

Museumsverband für Niedersachsen und Bremen e.V.

Prinzenstraße 23, 30159 Hannover

Tel 0049 | 511 | 214498-3, Fax 0049 | 511 | 21449844

E-Mail info@mvnb.de, www.mvnb.de

1 Standards für Museen, Kassel / Berlin 2006, S. 13 f.

2 Museumsberufe – Eine europäische Empfehlung,

Berlin 2008, S. 30 f.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine