Ergebnisse einer RCT Prof. Dr. Klaus Hauer, Agaplesion Bethanien ...

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Ergebnisse einer RCT Prof. Dr. Klaus Hauer, Agaplesion Bethanien ...

Körperliches Training bei Demenz: Ergebnisse einer RCT

Prof. Dr. Klaus Hauer, Agaplesion Bethanien-Krankenhaus/Geriatrisches Zentrum am

Klinikum der Universität Heidelberg

Demenzielle Erkrankungen sind neben dem kognitiven Leistungsverlust und dem Auftreten

von Verhaltensauffälligkeiten, auch durch einen Verlust motorischer und funktioneller

Leistungen gekennzeichnet. Die Betroffenen erleiden deutliche Einschränkungen ihrer

mobilitätsabhängigen Lebensqualität und zeigen ein extrem hohes Sturzrisiko.

Bisher durchgeführte Untersuchungen zeigen uneinheitliche Ergebnisse in Bezug auf die

Wirksamkeit körperlichen Trainings. Mängel in Untersuchungsmethoden, unspezifische oder

unzureichende Interventionsmaßnahmen aber auch Mängel in der Therapeutenausbildung sind

häufig die Ursache für negative Ergebnisse (Hauer et al 2006). Bislang fehlen methodisch

hochwertige Studien mit Trainingskonzepten, welche psycho-soziale Aspekte und verbliebene

Ressourcen aber auch Defizite demenziell Erkrankter berücksichtigen (Schwenk et al. 2009).

Ergebnisse einer großen Interventionsstudie am Agaplesion Bethanien-Krankenhaus

/Geriatrisches Zentrum Heidelberg zeigen signifikante Trainingserfolge bei leicht bis

mittelschwer erkrankten Patienten. In einer der weltweit größten Untersuchungen in diesem

Forschungsbereich konnte durch ein intensives, 3-monatiges Training eine 30-50 %

Steigerung motorischer Leistungen (Kraft und wichtige funktionelle Leistungen wie Gehen,

Aufstehen), eine signifikante Verbesserung des kognitiven und psychischen Status (z.B.

Depression) und eine Steigerung der körperlichen Aktivität erzielt werden, die auch noch in

einer Nachbeobachtungsphase anhielten (Hauer et al 2012).

Besondere Bedeutung für den Trainingserfolg hatte ein demenzspezifischer Trainingsansatz,

der auf psycho-soziale, kommunikative und kognitionswissenschaftliche Grundlagen

aufgebaut war (Schwenk 2008). Die vorliegenden Studienergebnisse weisen auf das hohe

Rehabilitationspotential dieser Patientengruppe hin, die bislang teilweise aus

Rehabilitationsmaßnahmen ausgeschlossen werden.

Von besonderer Bedeutung sind zudem Verbesserungen bei Defiziten, die spezifisch für die

kognitive Schädigung demenziell Erkrankter sind. Hier sind vor allem

aufmerksamkeitsorientierte Dual-Task Leistungen zu nennen. Solche kognitiven Defizite

treten im Krankheitsverlauf früh auf, verringern auch Alltags-relevante motorische

Leistungen (wie z.B. Gehen) drastisch um bis zu 50% und stellen möglicherweise das bislang

fehlende Bindeglied zur hohen Sturzgefährdung demenziell Erkrankter dar. Das erfolgreiche

Training dieser Leistungen, die bislang als nicht trainierbar galten, auf das Niveau nicht

kognitiv eingeschränkter, älterer Personen, stellt einen wichtigen Schritt in Richtung eines

demenzspezifischen Trainingsansatzes dar, welcher kognitive und motorische Ansätze

miteinander verbindet (Schwenk et al 2010). Die erfolgreichen Forschungsergebnisse werden

derzeit in die Praxis überprüft. In einem Modellvorhaben wird das neu entwickelte

Trainingsprogramm im Rahmen eines umfassenden klinischen Behandlungskonzepts zur

geriatrischen Rehabilitation bei Demenz im Bethanien-Krankenhaus evaluiert.

Literatur:

Hauer K, Schwenk M, Zieschang T, Essig M, Becker C, Oster P. Effects of physical training on motor

status in patients with dementia: a randomised controlled trial. (Journal of the American Geriatric

Society, JAGS 2012; 60:8–15.)

Schwenk M, Zieschang T, Oster P, Hauer K. Dual-task performances can be improved in geriatric

patients with dementia: results of a randomised controlled trial. Neurology 2010; 74, June 15: 1-7.

Schwenk M, Oster P, Hauer K. Kraft- und Funktionstraining bei älteren Menschen mit dementieller

Erkrankung. Praxis Physiotherapie, 2008; 2, 59-65.

Hauer K, Becker C, Lindemann U, Beyer N. Systematic Review: Effectiveness of physical training on

motor performance in cognitively impaired persons. Am J Phys Med Rehabil 2006 Oct;85(10):847-

57.


Kontaktadresse:

Prof. Dr. phil. med. habil. Klaus Hauer

Bethanien-Krankenhaus/ Geriatrisches Zentrum

am Klinikum der Universität Heidelberg

Leiter der Forschungsabteilung

Rohrbacherstrs.149; 69126 Heidelberg

Tel.: 06221-3191532; FAX: 06221-3191505; Email: khauer@bethanien-heidelberg.de

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