Osteoporose: Wer frühzeitig handelt, kann das Risiko ... - Interpharma

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Osteoporose: Wer frühzeitig handelt, kann das Risiko ... - Interpharma

«Das grenzt an ein Wunder.»Emma Senn nimmt trotz ihrer 86Jahre noch regelmässig Englischunterricht.Diese Stunden sindihr wichtig, denn ihre beiden Töchterleben in Neuseeland und mit ihrenEnkelkindern kann sie sich nurauf Englisch unterhalten. Dass sieüberhaupt noch Englischstundenbesuchen kann, grenzt «an einWunder», wie sie selbst betont. DennEmma Senn leidet an Osteoporose.Und vor einigen Jahren hatten die4 | 5Es beginnt unbemerktEine Osteoporose verläuft oft über lange Zeit ohne Symptome respektivebeginnt mit unspezifischen Symptomen wie Rückenschmerzen oderMuskelverspannungen. Entsprechend wird die Diagnose Osteoporosemeist zu spät gestellt. Der Verlust an Körpergrösse (Buckel) oder Hautfaltenam Rücken sind bereits konkrete Symptome, die auf Knochenschwundhindeuten. Spontanbrüche ohne grössere Gewalteinwirkungsollten ebenfalls den Verdacht auf Knochenschwund wecken. Statistischerleidet jede zweite Frau und jeder fünfte Mann im fortgeschrittenenLebensalter einen osteoporosebedingten Knochenbruch.Der Arzt kann eine Osteoporose relativ einfach diagnostizieren. Dazuwird die Knochendichte mit einem speziellen Niedrigenergie rönt gengerätgemessen. Eine Osteoporose liegt dann vor, wenn die Knochendichtemehr als 25 Prozent unter der durchschnittlichen Knochendichtevon gesunden Menschen des gleichen Geschlechts liegt.Fachleute unterscheiden zwei Arten der Osteoporose:Primäre Osteoporose: Bei 95 Prozent aller Fälle handelt es sich umeine primäre Osteoporose, das heisst, die Erkrankung ist nicht die Folgeeiner anderen Erkrankung. Ursache kann zum Beispiel eine ungenügendeKnochenbildung in jungen Jahren sein, hervorgerufen durchFehlernährung und / oder mangelnde körperliche Bewegung. Auch einegenetische Vorbelastung erhöht das Risiko für eine Osteoporose.Sekundäre Osteoporose: Diese Osteoporose kann viele Ursachenhaben. Langzeittherapien mit gewissen Medikamenten, etwa Kortison,können zum Beispiel die Knochen brüchig machen.


durch die Krankheit verursachtenSchmerzen ihren Körper derart imGriff, dass sie kaum noch essen odergehen konnte.Es beginnt im Jahre 1996 inNeuseeland. Als Emma Senn amFlughafen den Koffer vom Gepäckbandnehmen will, spürt sieeinen Schmerz im Halswirbel. Siedenkt sich nichts weiter dabeiund der Schmerz legt sich wieder.Aber am nächsten Morgen kommter mit voller Wucht zurück.Der Arzt vermutet zunächst eineEmbolie, einen Gefässverschluss aufgrunddes Fluges. Das Röntgenbildzeigt jedoch, dass der siebte Halswirbelgebrochen ist. Der Verdachtfällt rasch auf eine Osteoporose, wasdie Knochendichtemessungbestätigt.Einige Jahre später geschieht wiederein Ungeschick am Flughafen, diesmalin Zürich. Und wieder sind dieHalswirbel betroffen. Seither nimmtEmma Senn regelmässig KalziumundVitamin-D-Präparate, damit dieKnochen nicht noch brüchigerDie Folgen können gravierend seinOsteoporose tut nicht weh, gefährlich sind aber die Folgen, nämlichdie Knochenbrüche. Bereits ein Husten oder das Heben einer Kistekann genügen und der Knochen bricht.Besonders gravierend sind Brüche des Hüftgelenks. Im Rahmen desNationalen Forschungsprogramms NFP 53, «Muskuloskelettale Gesundheit»,wurden die Folgen für die Betroffenen detailliert untersucht.In der Schweiz erleiden jedes Jahr mehr als 8600 ältere Personeneine Hüftfraktur aufgrund brüchiger Knochen. Die Folgen eines solchenBruchs: 15 bis 25 Prozent aller Patientinnen und Patienten versterbeninnerhalb eines Jahres. Viele andere sind danach bleibendbehindert, 50 Prozent erreichen nicht mehr die gleiche Mobilität wievor dem Hüftbruch. Rund ein Fünftel kann anschliessend nicht mehrnach Hause zurück und muss in Pflegeheimen medizinisch betreutwerden. Hüftgelenksbrüche verursachen zudem erhebliche Gesundheitskosten.Abbildung rechte Seite:Ständiger Auf- und Abbau des Knochens:Pro Jahr werden rund zehn Prozentder Knochenmasse umgebaut. Dafür verantwortlichsind knochenaufbauendeZellen (Osteoblasten) und knochenabbauendeZellen (Osteoklasten). In der Jugendüberwiegt der Knochenaufbau. Ab einemAlter von etwa 35 Jahren beginnt dernatürliche Abbau.


werden. Am Anfang hat sie dieMedikamente täglich eingenommen,dann wöchentlich und mittlerweilebraucht sie nur noch viermal pro Jahreine Infusion.Eine Zeit lang geht das gut, aber imJahre 2007 verschlechtert sich derGesundheitszustand von Emma Senndramatisch. Drei Lendenwirbelbrechen ein und drücken auf dieNervenbahnen. «Ich ging in diePhysiotherapiestunden, aber diesverschlimmerte die Situation nurnoch. Die Schmerzen waren wirklichunerträglich, ich konnte weder6 | 7Osteoblasten (knochenaufbauende Zellen)Osteoklasten (knochenabbauende Zellen)Osteon:Grundeinheitdes KnochensKnochenbälkchenOsteoklasten (Knochenabbauende Zellen)Knochenhaut(Periost)Blutgefässe


schlafen noch essen.» Und mit jederTherapiestunde wurde es schlimmer.Heute bereut sie, dass sie nichtfrüher klar gesagt hat, dass es nichtmehr geht. Schliesslich wird diePhysiotherapie beendet und sie bekommtstattdessen ein Korsett.Damit bessert sich ihr Zustand. DasLaufen geht nun wieder einfacher,der Appetit kommt zurück, dieSchmerzen nehmen ab. Nach einigenWochen kann sie das Korsett zurSeite legen, der Rücken hat sichstabilisiert. Und schliesslich kann sieauch die Schmerzmittel wiederabsetzen.«Osteoporose ist bei uns in derFamilie verbreitet. Meine beidenTöchter sind ebenfalls betroffen undauch meine Schwester hat darangelitten», so Emma Senn. Wenn siegewusst hätte, welche Auswirkungendie Krankheit haben kann, hättesie rechtzeitig etwas unternommen.«Früher dachte ich, das seienRückenschmerzen und das sei abeinem bestimmten Alter ganz einfachnormal.» Für die nächste Generationgilt das nun nicht mehr. Ihre Töchterhaben sich frühzeitig untersuchenlassen.Weiter auf Seite 12«Vitamin D, Kalzium und Bewegung reduzierendas Osteoporose-Risiko.»Heike Bischoff-Ferrari ist Professorin für die Prävention chronischerErkrankungen im Alter. Seit dem Jahre 2008 ist sie Leiterin des Zentrumsfür Alter und Mobilität an dem Universitätsspital Zürich und demStadtspital Waid. Sie ist überzeugt, dass die Prävention von Osteoporoseviele Stürze und Frakturen bei älteren Menschen verhindernkönnte.Osteoporose gilt als eine Krankheit, die vor allem Frauen betrifft.Warum sind Frauen eher betroffen als Männer?Männer haben einen genetischen Vorteil, sie haben grundsätzlich grössereund stärkere Knochen. Bei Frauen beschleunigt sich zudem derKnochenabbau nach der Menopause. Er beträgt dann etwa zwei Prozentpro Jahr. Bei Männern nimmt zwar im Alter der Testosteronspiegelab. Dies beschleunigt den Knochenschwund ebenfalls, aber nichtso stark wie der sinkende Östrogenspiegel bei Frauen.Trotzdem sind auch Männer vom Knochenabbau betroffen.Die Männer gingen in den letzten Jahren bei der Diskussion um Osteoporoseetwas vergessen. Jeder fünfte Mann ab 50 Jahren hat einerhöhtes Risiko und muss in seinem künftigen Leben mit einem osteoporosebedingtenKnochenbruch rechnen. Zudem können die Auswirkungeneines Hüftbruchs bei Männern schlimmer sein als bei Frauen:Männer sterben eher an den Folgen eines Hüftbruchs als Frauen. Warumdas so ist, ist noch unklar.


Ihre Untersuchungen zeigen, dass sich auch die ElternGedanken machen müssen. Offenbar gibt es viele Kinderin der Schweiz, die zu wenig Vitamin D erhalten.Das ist ein Problem, das wir ernst nehmen müssen. Der Knochenaufbauist ein lebenslanger Prozess: Kindheit und Jugend sind sehr wichtig,denn bis zum Alter von etwa 25 Jahren wird der Knochen aufgebaut.Zwischen 25 und 35 Jahren bleibt die Knochendichte erhaltenund danach beginnt der natürliche Abbau. Wenn in der Jugend nicht diemaximale Knochendichte erreicht wird, dann hat das lebenslang Auswirkungenund der Knochen wird bei diesen Menschen früher porös.Verschiedene Untersuchungen zeigen nun, dass bis zu 50 Prozentder Kinder in der Schweiz an einem Vitamin-D-Mangel leiden. VitaminD ist doppelt wichtig: Es ermöglicht nicht nur den Knochen-, sondernauch den Muskelaufbau. Personen, die in ihrer Jugend an einem ausgeprägtenVitamin-D-Mangel gelitten haben, haben ein grösseres Risiko,im Alter an Osteoporose zu erkranken.Woher kommt dieser Vitamin-D-Mangel bei Kindern?Kinder verbringen immer weniger Zeit draussen an der Sonne. Sonnenlichtist die wichtigste Vitamin-D-Quelle des Menschen. Viele Elternschützen zudem ihre Kinder wie heute empfohlen vor der Sonne, waswichtig ist, um das Hautkrebsrisiko zu senken. Aber bereits ab einemSonnenschutzfaktor 6 kann die Haut nicht mehr genügend Strahlungaufnehmen, um Vitamin D zu produzieren. Und im Winter scheint beiuns in der Schweiz die Sonne zu wenig stark, der Körper kann nichtgenügend Vitamin D produzieren. Entsprechend bräuchten Kinder vorallem im Winter zusätzliches Vitamin D aus Supplementen, wie die


10 | 11gängigen Vitamin-D-Tropfen. Leider gibt es in der Ernährung nicht allzuviele Nahrungsmittel mit reichlich Vitamin D, eigentlich nur den fettenFisch.Wie gross ist die empfohlene Menge an Vitamin D für Kinder?Ab dem zweiten Lebensjahr beträgt die empfohlene Einnahmemengeheute 600 Einheiten pro Tag. Zum Vergleich: In 100 Gramm Wildlachsstecken etwa 600 Einheiten, im Zuchtlachs nur die Hälfte.Wie kann man einer Osteoporose am besten vorbeugen?Die Prävention fokussiert heute auf drei Säulen: Vitamin D, eine gesundeErnährung, reich an natürlichem Kalzium und Proteinquellen,sowie Bewegung. Gute Kalziumquellen sind Milch und Milchprodukte,aber auch Nüsse und kleine Fische, bei denen man die Gräten mitisst,etwa Sardellen. Wichtig ist, dass Vitamin D in genügender Mengeeingenommen wird, denn ein Vitamin-D-Mangel begünstigt eine Muskelschwächeund erhöht bei älteren Menschen das Sturzrisiko. Stürzesind der Hauptrisikofaktor für Knochenbrüche bei älteren Menschen.Unsere Daten zeigen, dass eine Vitamin-D-Einnahme von täglich 800Einheiten jede dritte (!) Hüftfraktur verhindern könnte. Wenn man bedenkt,welche gravierenden Folgen eine Hüftfraktur bei älteren Personenhaben kann und auch welche Behandlungskosten entstehen– pro Fraktur etwa 20 000 bis 30 000 Franken, Folgekosten nicht eingerechnet–, dann wird klar, dass sich eine Vorbeugung lohnt. Undzwar auch bei Männern und Frauen ab dem 60. Lebensjahr und beihochbetagten Menschen.


Immerhin, heute geht es Emma Sennbesser. Aufgrund der Knochenbrücheist sie zwar zehn Zentimeter kleinerals noch vor zehn Jahren, aber siesagt: «Es geht mir erstaunlich gut, ichhabe aufgrund der Osteoporosekaum mehr Einschränkungen in meinemAlltag.» Natürlich ist sie vorsichtigerals früher, besonders bei vereistenGehwegen. Aber sie ist wiederviel unterwegs, geht regelmässigins Osteoporose-Turnen und auch dasReisen fällt ihr wieder leichter. Dieletzte Knochendichtemessung warzehn Prozent besser. Vielleicht fliegtEmma Senn schon bald wieder ansandere Ende der Welt. Sie freut sichbereits auf die nächste Hochzeiteines Enkelkindes in Neuseeland.Die dritte Säule umfasst die Bewegung. Welche Sportarten sindideal für Menschen mit einem erhöhten Osteoporose-Risiko?Vor allem Sportarten, die Gewicht auf das Skelett bringen, also eherGehen und Walken als Schwimmen. Vier Stunden Gehen pro Wochereduzieren das Risiko für einen Hüftbruch bereits um 40 Prozent. Einspezifisches Krafttraining ist ebenfalls sinnvoll, weil man bei der Osteoporoseheute immer stärker auch auf den Muskel fokussiert. GuteMuskeln – nicht Knochen – sind entscheidend, wenn es darum geht,Stürze zu vermeiden.Ab einer sehr geringen Knochendichte helfen diese drei Säulenjedoch nicht mehr allein weiter und es braucht unterstützendMedikamente, um den weiteren Knochenabbau zu verhindern.Ab welchem Zeitpunkt sind Medikamente sinnvoll?Heute entscheidet dies der Arzt, indem er das 10-Jahre-Knochenbruchrisikomithilfe des sogenannten FRAX-Programms berechnet (FractureRisk Assessment Tool). Steigt das Risiko über einen gewissen Wert,wird der Einsatz von Medikamenten erwogen. Das FRAX-Programmberücksichtigt neben der Knochendichte wichtige Risikofaktoren wiedas Alter und die familiäre Belastung. Wichtig ist zum Beispiel einBlick in die Familiengeschichte. Gab es in der Familie Hüftfrakturenoder Osteoporose-Fälle? Die Vererbung kann bis zu 70 Prozent desRisikos ausmachen.Ab welchem Zeitpunkt sollte man das Thema Osteoporosemit seinem Hausarzt ansprechen?Bei Frauen ab etwa 50 Jahren oder mit der Menopause, bei Männernab 60 Jahren. Man nennt die Osteoporose auch eine stille Krankheit,


12 | 13weil man lange nichts bemerkt. Indirekte Zeichen einer Osteoporosekönnen sein, dass man kleiner wird oder ständig unter Rückenschmerzenleidet. Man sollte die drei Säulen der Prävention anwenden, bevores zum Knochenbruch kommt. Eine Knochendichtemessung istsinnvoll, wenn eine familiäre Belastung besteht, bereits ein Knochenbruchstattgefunden hat oder Risikofaktoren bestehen, etwa Kortisonbehandlungen,rheumatoide Arthritis oder Darmerkrankungen. Ein Problemist leider, dass die ersten Brüche an der Wirbelsäule oft gar nichterkannt werden. Die betroffene Person unternimmt nichts dagegenund weitere Brüche kommen dazu. Immer mehr Wirbel brechen ein,der Rücken krümmt sich. Früher wurde dies dann Witwenbuckel genannt.Damit sind oft starke Schmerzen verbunden.Stürze vermeidenMenschen können selbst viel zur Vorbeugung beitragen und das Risiko für eineOsteoporose reduzieren. Neben den drei erwähnten Säulen Vitamin D,Kalzium und Bewegung (siehe Interview Seite 8) ist es wichtig, Alkohol inüberschaubaren Mengen zu trinken und nicht zu rauchen.Wichtig ist zudem eine effiziente Sturzprophylaxe:– Sehschwächen korrigieren– Stolperfallen beseitigen (Teppich, Kabel usw.)– Vorsicht bei Medikamenten, die zu Schwindel führen können– Beleuchtung optimieren (z. B. bei Treppen)Allerdings gilt auch: Etwa 70 Prozent der Krankheitsursachen von Osteoporosedürften genetisch bedingt sein und können nicht beeinflusst werden.


14 | 15Osteoporose-Behandlung: Blick in die ZukunftBei der Behandlung von Osteoporose geht der Blick aktuell etwas wegvom Knochen, hin zum Muskel, ist Heike Bischoff-Ferrari, Professorinam Universitätsspital Zürich, überzeugt. Die meisten Brüche ereignensich bei älteren Menschen als Folge eines Sturzes. Bei der Verhinderungdieser Stürze setzen viele heutige Forschungsprojekte an. ZurVermeidung von Frakturen braucht es nicht nur gesunde Knochen,sondern in erster Linie eine gute Muskulatur, die den Sturz überhauptverhindert oder zumindest dafür sorgt, dass er glimpflich ausgeht.Die Forschungsprojekte haben zum Ziel, die Muskelkraft zu stärken.Das wird zum Teil auch über Kombinationstherapien gemacht: Dabeiversuchen Forscher, herauszufinden, welche Kombinationen derverfügbaren Wirkstoffe bei einem bestimmten Patienten die bestenErgebnisse erzielen. Geforscht wird auch an neuen Darreichungsformenvon Vitamin D.In der letzten Phase der klinischen Erforschung steckt ein Wirkstoff,der das Enzym Cathepsin K blockiert. Cathepsin K ist am Abbau derKnochenmatrix beteiligt, entsprechend soll der neue Wirkstoff denKnochenabbau verlangsamen.Interessant ist auch der Ansatz via Kalziumzitrat: Ein Forschungs teamdes Kantonsspitals Bruderholz untersucht die Wirkung von Kalziumzitratauf die Knochen. Eine erste Studie hat gezeigt, dass dieser Stoffdie Knochen stärken kann – auch bei «knochengesunden» Personen.Das heisst, er könnte auch präventiv eingesetzt werden. Noch ist aberunklar, ob durch die Gabe von Kalziumzitrat auch das Frakturrisikosinkt.


Meilensteine in der Behandlung von OsteoporoseDer Begriff Osteoporose ist zwarrelativ neu, aber die Krankheit selbstist es nicht. Alte Menschen mitbrüchigen Knochen gab es schon vorJahrhunderten. Das Bild alter Frauenmit gekrümmten Rücken finden wirin Büchern oder auch in Theaterstücken.Deuten zum Beispiel dieAbbildungen von Hexen mitgebeugtem Rücken auf eine Osteoporosehin? Der Unterschied ist:Heute sind die Menschen demKnochenzerfall dank medizinischenFortschritten nicht mehr hilflosausgeliefert.1930 Der amerikanische KlinikerFuller Albright beschreibt erstmalsden Zusammenhang zwischen Menopauseund Osteoporose. Er erkennt,dass der gesunkene Östrogenspiegelbei Frauen zu Knochenschwundführt. Auf dieser Grundlage wirdspäter die Östrogenersatztherapieentwickelt.1978 Calcitriol ist die wirkungsvollsteForm von Vitamin D. Bereits seitEnde der 70er-Jahre ist dieserWirkstoff in Apotheken erhältlich.1990 Erst Mitte der 90er-Jahre wirddie Osteoporose genauer umschriebenund definiert. Auslöser ist dieKnochendichtemessung, die erstmalseine recht verlässliche Diagnoseerlaubt.Zu diesem Zeitpunkt gelingt auchden sogenannten Bisphosphanatender Durchbruch: Obwohl dieseStoffgruppe zu diesem Zeitpunktschon seit Jahrzehnten bekannt ist,dauert es bis in die Mitte der 90er-Jahre, bis sie zur Behandlung vonOsteoporose eingesetzt werden. DieMedikamente hemmen die Aktivitätder knochenabbauenden Zellen undsind heute die am häufigstenverwendeten Medikamente gegenOsteoporose.2000 Der erste Wirkstoff aus derGruppe der selektiven Östrogenrezeptor-Modulatoren(Serms) wirdin der Schweiz zugelassen. DerWirkstoff wird zur Prophylaxe undzur Therapie bei postmenopausalenPatientinnen eingesetzt, vor allemzum Schutz der Wirbelsäule.


Weiter im Webwww.osteoporose-rat.chDer Osteoporose-Rat ist ein interdisziplinäres Gremium, bestehendaus Ärzten und Patientenvertretern, das sich mit spezifischen Fragenzu Prävention, Diagnose und Therapie beschäftigt.www.rheumaliga.ch/ch/osteoporoseDie Rheumaliga ist eine Non-Profit-Organisation, die nicht nurInformationsmaterial entwickelt, sondern auch Kurse und Veranstaltungenfür Patienten organisiert.www.shef.ac.uk/fraxDer FRAX-Rechner ist ein Instrument, das die WHO entwickelt hat,um das Frakturrisiko von Patienten zu errechnen.www.osteoswiss.chSchweizer Osteoporose-Portal der Schweizerischen PatientenorganisationOsteoSwiss.www.rheuma-schweiz.ch/go2/de/155Rheuma Schweiz bezweckt die Sicherstellung von Informationen aufdem neusten Stand der Wissenschaft für Fachleute und Betroffene.


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