Erste Stunde - Theater und Schule

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Erste Stunde - Theater und Schule

Materialmappe zu „Erste Stunde“ von Jörg Menke-PeitzmeyerInszenierung: Stefan SchletterMit: Wolfgang Zarnack* Man wird ständig unterbrochen* Anschreien oder lautes Schimpfen* Ständige Kritik am Tun oder Privatleben* Telefonterror* Mündliche Drohungen (auch unter vier Augen)* Schriftliche Drohungen (sind seltener, wegen des Beweises)* Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke/Gesten/Andeutungen, ohne etwas auszusprechen- Angriffe auf soziale Beziehungen* Es wird nicht mit dem Gemobbten gesprochen* Man lässt sich nicht ansprechen* Man wird wie »Luft« behandelt- Angriffe auf soziales Ansehen* Hinter dem Rücken des Gemobbten wird schlecht über ihn gesprochen* Man verbreitet Gerüchte* Man macht jemanden lächerlich* Man verdächtigt jemanden, psychisch krank zu sein* Man macht sich über eine Behinderung lustig* Man imitiert den Gang, die Stimme oder Gesten, um jemanden lächerlich zu machen* Man macht sich über das Privatleben lustig* Man beurteilt den Arbeitseinsatz in falscher oder kränkender Weise* Man ruft dem Gemobbten entwürdigende Schimpfworte oder Ausdrücke nachAls Happy Slapping (engl. etwa für „fröhliches Schlagen“) wird eine Körperverletzung auf meistunbekannte Passanten, aber auch Mitschüler oder Lehrer bezeichnet. Die meist jugendlichen Angreiferlaufen dabei z.B. auf ihre Opfer zu und schlagen es z.B. ins Gesicht. Mitunter werden Opfer auch bis zurBewusstlosigkeit verprügelt, anderweitig verletzt, sexuell genötigt oder vergewaltigt. Die Angreifer flüchtendaraufhin, ohne sich um das Opfer zu kümmern. Üblicherweise wird der Angriff von einem weiterenBeteiligten mit einer Handy- oder Videokamera gefilmt. Die Aufnahmen werden anschließend im Internet5


Materialmappe zu „Erste Stunde“ von Jörg Menke-PeitzmeyerInszenierung: Stefan SchletterMit: Wolfgang Zarnackveröffentlicht oder per Mobiltelefon verbreitet. Motive für „Happy Slapping“ sind unter anderem einBedürfnis, über Extremhandlungen auf sich aufmerksam zu machen und diese Gewalttaten als Videobeweiszu dokumentieren und zugleich das Opfer erneut zu demütigen. In Folge von Mobbing und Happy Slappingnahm sich 2006 in Danzig/Polen ein Mädchen das Leben. Die 14-Jährige erhängte sich, nachdem sie vonMitschülern sexuell belästigt wurde und die Aktionen mit einer Handykamera gefilmt wurden.3. Opfer, Täter und MitläuferGrundsätzlich ist Mobbing kein individuelles Problem der Opfer oder Täter, sondern ein strukturellesGruppenphänomen, das eskaliert ist, weil keine rechtzeitigen und hinreichenden Interventionen erfolgten.Jedoch scheinen bestimmte Persönlichkeitszüge der Opfer Mobbing zu fördern: so können Schüler betroffensein, die ängstlich oder überangepasst sind und ein geringes Selbstwertgefühl haben. Auch auffälliges oderandersartiges Aussehen, Ungeschicklichkeit, Hilflosigkeit oder geringe Frustrationstoleranz können dazuprädestinieren. Manchmal kommen potentielle Opfer auch aus Familien mit betont gewaltsensiblen bzw.gewaltächtenden Verhaltensnormen, oder es trifft Schüler, die besonders gutgläubig und vertrauensvoll aufihre Mitschüler zugehen. Letztlich verfügen sie nicht über die nötige soziale Gewandtheit, um ganz alleinden Angriffen der Täter die Stirn zu bieten. Bei Tätern, d.h. Schülern, die aktiv mobben, sind häufigfolgende Tendenzen zu beobachten: Demonstration von Stärke/Macht (häufig körperliche, seltener geistigeÜberlegenheit), Steigerung des (mangelnden) Selbstwertgefühls, Kompensation von Schwächen, Führer-Verhalten (sie haben oft Anhänger/Mitläufer in Cliquen), dabei überspielen sie oft die eigene Unsicherheit,die Unzufriedenheit mit sich selbst – oder sie lassen aufgestaute Aggressionen an einem Unschuldigen aus.Die Mitläufer wollen vor allem nicht die Zugehörigkeit zu der Gruppe aufs Spiel setzen, in der sie sich starkfühlen. Beobachter schreiten häufig nicht ein, weil sie Angst haben, selbst zum Mobbingopfer zu werden.Mobbing kann aber auch von einer einzelnen Person ausgehen.4. Die Folgen von MobbingHäufig sind die Erwachsenen ratlos oder schauen weg, während die Opfer, egal ob Kinder oder Erwachsene,die Schuld bei sich selbst suchen und zunehmend in eine soziale Isolation geraten. Lehrkräfte sind meistüberrascht, wenn man sie auf Mobbing in einer Klasse anspricht. Denn die Schikanen geschehen oft zusubtil und meist außerhalb des Unterrichts, während der Pausen oder auf dem Schulweg.6


Materialmappe zu „Erste Stunde“ von Jörg Menke-PeitzmeyerInszenierung: Stefan SchletterMit: Wolfgang ZarnackJe länger Mobbing andauert, umso schwieriger ist es, eine Lösung zu finden und umso sicherer ist diekörperliche oder seelische Beeinträchtigung der betroffenen Kinder oder jungen Erwachsenen.Forschungen bestätigen, dass Mobbing sich auf die gesamte Persönlichkeit des Opfers auswirkt undSelbstvertrauen, Lernmotivation, Leistungsvermögen und Gesundheit schädigt. Die gesundheitlichenBeschwerden sind beträchtlich. Durch die wahrgenommene Isolierung entwickeln sich häufig depressiveTendenzen. Zunächst ist Mobbing auch dadurch wirksam, dass die Opfer das „Problem“ erst einmal bei sichselbst suchen, und dies oft über längere Zeit. Nur selten informiert ein Schüler oder eine Schülerin einenLehrer oder erzählt den Eltern, was tagtäglich passiert.Bei jugendlichen Betroffenen können folgende Verhaltensweisen mögliche Anzeichen für Mobbing sein:-Sie wollen nicht mehr zur Schule gehen-Sie wollen zur Schule gefahren werden-Ihre schulische Leistung läßt nach-Sie verlieren Geld (das Geld wird von den Tätern erpresst)-Sie können oder wollen keine schlüssige Erklärung für ihr Verhalten geben-Sie beginnen zu stottern-Sie ziehen sich zurück-Sie haben Alpträume-Extremfall: Sie begehen einen Selbstmordversuch oder Amoklauf5. Häufige Fragen zum Thema Mobbing 2Wo endet die Rauferei – und fängt Mobbing an? Bei einer Rauferei kämpfen zwei gleich Starkegegeneinander. Beim Mobbing ist einer von beiden physisch und psychisch stärker. Der Täter will an Statusgewinnen, indem er einen anderen gezielt fertig macht und andere dafür benutzt. Es liegt eine Asymmetrieder Macht vor, die die ganze Klasse in eine Schieflage bringt. Für die anderen ist es ab einem bestimmtenPunkt sogar gefährlich, etwas für das Opfer zu tun.2 http://www.psy.lmu.de/mobbing/mobbing/faq.html#1, 13.01.20117


Materialmappe zu „Erste Stunde“ von Jörg Menke-PeitzmeyerInszenierung: Stefan SchletterMit: Wolfgang ZarnackMobbingsituation auf bestimmte Personen zurück: Täter und Opfer, aber auch die Mitschüler werden damitin ihrem Glauben bestärkt, dass das Opfer die Schuld an dem Mobbing trage und Täter würden das Opfer fürsein Beschweren bestrafen. Darüber hinaus lernen Mitschüler auf diese Weise, dass man als Opfer vor derKlasse bloßgestellt wird und als Täter die erwünschte Aufmerksamkeit erfährt.Diskussionen über Mobbing sind generell sinnvoll, sofern keine Personen direkt an gesprochen werden.Lehrer können eine soziale Stunde im Monat einführen und über Mobbing und aggressives Verhaltendiskutieren.Nach kurzfristiger Besserung in einem Mobbingfall wieder locker lassen Warum nicht? UnternehmenLehrende Maßnahmen und zeigen diese den erwünschten Erfolg, so dürfen diese nicht bei kurzfristigerBesserung der Mobbingsituation eingestellt werden: Die Schüler und Schülerinnen lernen daraus, dass zwarUnannehmlichkeiten auftreten, wenn sie jemanden schikanieren, aber diese nicht von langer Dauer sind. DasOpfer wird also in Zukunft massiver schikaniert, damit es nicht wieder petzt. Inkonsequenz der Betreuerverstärkt die Aggression bei den Schülern.Wenn Regeln oder Maßnahmen eingeführt werden, dann sollten diese so gewählt sein, dass sie einfach,effektiv und nachhaltig sind. Am besten sind solche, bei denen alle Lehrer mitwirken können.Mobbing auf die Persönlichkeit des Opfers zurückführen Warum nicht? Für das Opfer bedeutet das eineklare Schuldzuweisung und die Übertragung der ganze Verantwortung für das Entstehen aber auch dasBeenden von Mobbing. Das Opfer wird dadurch noch stärker in für ihn/sie "unlösbare" Situation gedrängtund möglicherweise zu riskanten Handlungen verleitet (Suizid, Weglaufen, Schule schwänzen,Autoaggression).Maßnahmen ergreifen, bei denen das Opfer auch versteht, dass das Verhalten der anderen unangemessenund falsch ist und dass jeder Opfer von Mobbing werden kann. Alle Beteiligten (Opfer, Täter und Mitschüleretc.) sollten begreifen, dass Mobbing ein erlerntes Verhalten ist, welches keinesfalls toleriert werden sollte.Mobbing als Problem zwischen bestimmten Personen behandeln z.B. "Du solltest vielleicht einfach einbisschen mehr aus Dir herausgehen, dann würden Deine Mitschüler auch anders auf Dich eingeben"( zumOpfer) oder "Du weißt doch, dass sie/er so ist lass sie/ihn doch einfach in Ruhe" (zum Täter)Warum nicht? Täter und Opfer werden in ihren Rollen respektive Handlungsweisen bestärkt, was eine11


Materialmappe zu „Erste Stunde“ von Jörg Menke-PeitzmeyerInszenierung: Stefan SchletterMit: Wolfgang ZarnackPerspektivenübernahme erschwert oder sogar verhindert und zu weiterem Mobbing führt.Lehrer sollten aggressiven Kindern klar zu verstehen geben, dass ihr Verhalten nicht geduldet und nichtakzeptiert wird und betonen, dass es dabei keine Rolle spielt, gegen wen es sich richtet.Das Opfer aus der Klasse nehmen Warum nicht? Täter haben einen Bedarf an erzieherischerAufmerksamkeit. Verlässt z.B. das Opfer die Klasse, so würde das aggressives Verhalten als eine effektiveStrategie bestätigen und sehr wahrscheinlich würden sich Täter einfach ein neues Opfer suchen. Das Opferlernt hingegen, dass Weglaufen ein Weg zur Problemlösung ist und das es keine Sicherheit erwarten kann.Das erhöht Angst, dass es auch von den neuen Klassenkameraden schikaniert wird.Die Auflösung von Mobbing sollte eine Modellfunktion für alle Schüler haben. Die Maßnahmen solltendaher mit und innerhalb der Klasse erfolgen. Nur so erhalten Schüler die Möglichkeit soziale Fertigkeitenim Umgang mit Mobbing zu erlernen und sich aktiv an solchen Problemen zu beteiligen.7. Was kann man gegen Mobbing tun?Von Mobbing-Situationen Betroffene brauchen Unterstützung von Außen, denn Mobbing-Opfer könnensich meist nicht mehr selbst wehren.Schüler/innensollen den Mut haben, sich an eine Person wenden, die helfen kann (Lehrer, Schulpsychologen, Eltern,Freunde, Außenstehende, Beratungsstelle). Viele Opfer schämen sich, dass sie gemobbt werden und leidenstill vor sich hin. Es ist jedoch wichtig, dass sie erwachsenen Personen, denen sie vertrauen, von Mobbing-Vorfällen erzählen. Auch der Kontakt mit Betroffenen im Internet kann helfen, das Selbstbewußtsein wiederzu gewinnen und Wege aus der Opferspirale zu finden.Lehrer/innensollten klar Standpunkt beziehen und versuchen, zumindest den „zusehenden" Mitschülern, möglichst aberauch den Tätern einen Perspektivenwechsel zu ermöglichen und ihnen die psychischen Folgen für die Opferin einer solchen Situation klar zu machen. Sie sollen Schüler ermutigen, über Mobbing-Vorfälle zuberichten. Opfer müssen geschützt und unterstützt werden, Täter sind zur Rede zu stellen und aktiv in dieLösung mit einzubeziehen. Klassenregeln sollten als präventive Maßnahmen gegen Mobbing vereinbartwerden.In Einzelfällen kann auch mit dem Jugendamt, der Erziehungsberatungsstelle oder einer anderen12


Materialmappe zu „Erste Stunde“ von Jörg Menke-PeitzmeyerInszenierung: Stefan SchletterMit: Wolfgang ZarnackBeratungseinrichtung (durch Fallbesprechung oder Betreuung betroffener Familien oderKindern/Jugendlichen) zusammengearbeitet werden.Elternsollten die Warnsignale von Mobbing kennen. Sie sollten das Kind ernst nehmen, wenn es z. B. nicht mehrin die Schule gehen will, morgens Magenschmerzen hat, Albträume hat, viel krank ist oder Schulsachenbeschädigt nach Hause bringt. Bei Mobbing-Verdacht sollten sie nicht vorschnell mit dem Täter Kontaktaufnehmen, sondern die Schule informieren und fordern, dass gehandelt wird. Notfalls können sie sich auchan die Schulleitung, den Elternbeirat oder eine Beratungsstelle wenden.Allgemein sollten in Schulen präventive Maßnahmen gegen Gewalt und Mobbing durchgeführt werden undProjekte unterstützt werden, die das Schulklima verbessern und eine offene Atmosphäre und fairekonstruktive Gesprächs- und Streitkultur ermöglichen. Dies kann in Projekten, Elternabenden, Konferenzen,Vorträgen etc. geschehen. 4 ()Aktion gegen Mobbing. Seit Februar 2010 läuft die bundesweite Aktion „Mobbing - Schluss damit“.Eltern, Kinder und Lehrer können auf der Seite mobbing.seitenstark in Online - Fragebögen Rede undAntwort stehen. Gemobbt wird im Klassenzimmer schon lange und fast jede Schule ist davon betroffen.Aber in den letzten Jahren hat sich einiges getan. Betroffene finden im Netz zunehmend Gehör, können inimmer mehr Foren anonym über ihren Kummer sprechen, Infomaterial downloaden oder eines derzahlreichen Helpdesks aufrufen.8. RechtlichesHier geht es um das geltende Recht im Bezug auf Mobbing in der Schule und darum, was bei den Behördenund Gerichten geltend gemacht werden kann (Beschwerden, Klage vor den Zivil- undVerwaltungsgerichten, Berufungen, Dienstaufsichtsbeschwerden, Eingaben, Strafanzeigen usw.). Dabei istzu bedenken, dass der Einsatz solcher Mittel u.U. dem Schüler mehr schaden als nutzen kann. In erster Liniesollten daher die Möglichkeiten einer verständnisvollen und gütlichen Vermittlung mit dem Ziele einerEinigung gesucht werden (Mediation). Eltern müssen dort, wo sie bei der Schule auf Widerstand stoßen oder4 Annemarie Renges, Familienhandbuch. http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Schule/s_360.html.13


Materialmappe zu „Erste Stunde“ von Jörg Menke-PeitzmeyerInszenierung: Stefan SchletterMit: Wolfgang Zarnackwo ihnen Vorschläge gemacht werden, deren Befolgung sie für unangemessen oder unzumutbar halten, stetsihren eigenen Standpunkt nochmals unter dem Gesichtspunkt prüfen, ob und inwieweit nicht die andereSeite ganz oder teilweise Recht haben könnte (Bereitschaft zum erneuten Nachdenken, ggf. auch zurSelbstkritik). In den meisten Fällen ist es für die Eltern unerlässlich, den Sachverhalt, so wie sie ihn gesehenhaben oder wie er ihnen berichtet worden ist, in schriftlichen Notizen festzuhalten (Dokumentation) unterAngabe des Datums, der Uhrzeit, des Ortes, des Vorfalles in seinem wesentlichen Verlauf, der evtl.sichtbaren Folgen (z.B. Verletzungen) und der als Zeugen in Frage kommenden Personen (Mitschüler,Eltern anderer Schüler, die Vergleichbares erlebt haben). 5III. SPIELPRAKTISCHE ÜBUNGEN 6Die folgenden Übungen dienen als Vorschläge zum spielerischen Heranführen an das Thema Mobbing, alsauch zur Nachbereitung der Inszenierung im Unterricht.1. Mobbing – Ja oder Nein?Im Klassenzimmer werden rechts und links auf dem Boden zwei Linien im Abstand von ca. 4m gezeichnet.Die rechte Linie verdeutlicht dabei die neutrale Linie (0%), während die linke die Mobbinglinie darstellt(100%). Eine Person liest nacheinander Beispielsituationen (s. unten) vor. Jeder Schüler entscheidet sichnun, für eine Stelle zwischen den beiden Linien und positioniert sich damit: Je nach Stärke der persönlichenEinschätzung zu Mobbing bewegt er sich dabei unterschiedlich weit von der neutralen Linie weg.Beispielsituationen:-Ein Schüler sagt dem Lehrer, dass eine Schülerin in der letzten Pause heimlich geraucht hat.Timo lispelt. Wenn er im Unterricht aufgerufen wird, kichert jedes Mal die ganze Klasse.5 Rechtsanwältin Beatrix Zurek. Mehr dazu unter http://www.psy.lmu.de/mobbing/mobbing/rechtliches_mobbing.html.614


Materialmappe zu „Erste Stunde“ von Jörg Menke-PeitzmeyerInszenierung: Stefan SchletterMit: Wolfgang Zarnack-Jan muss einem bestimmten Mitschüler jede Woche 5 Euro geben, damit der ihn nicht verprügelt. Kann Jannicht zahlen, kriegt er vor den Augen der Mitschüler Schläge.-Jeden Tag, wenn Alex auf den Pausenhof kommt, wenden sich seine Mitschüler demonstrativ ab. Stellt ersich trotzdem zu ihnen, heißt es: „Hau ab!“-Peter foult beim Fußballspiel. Seine Mitspieler fordern ihn auf, das Foulen zu lassen. Aber Peter foultimmer wieder. Schließlich beschließen die anderen, ihn vom Spiel auszuschließen.-Zuerst sticht jemand die Reifen von Anjas Fahrrad platt. Kurz darauf wird ihre Jacke in die Toilettegestopft. Ihr Handy wird geklaut und seitdem bekommt sie Droh-SMS.-Nina ist sauer, dass Jana die bessere Note im Referat bekommen hat und spricht den Rest des Tages nichtmehr mit ihr.-Irgendjemand hat heimlich Fotos gemacht, als Nicole auf einer Party betrunken war. Am Tag nach derParty taucht ein Bild der betrunkenen Nicole im Internet auf. Eine Woche später noch eines und dann nocheines. Die Bilder zeigen Nicole in immer peinlicheren Situationen.2. Einer muss rausAlle gucken sich im Kreis an und einigen sich zusammen – nur über Blicke – wer den Kreis verlassen muss.Die Übung kann einige Minuten dauern, danach sollte darüber gesprochen werden, aus welchen Gründensich die Gruppe eben für diese Person entschieden hat. Und: Wie fühlt sich die »ausgestoßene« Person?3. Das Eia) In der Klasse werden verschiedene Gruppen mit jeweils 6–7 Personen gebildet.Eine Person geht innerhalb der Gruppe blind umher (das Eigelb). Der Rest der Gruppe (das Eiweiß)beschützt die Person, dass sie nicht im Raum anstößt und sich sicher in diesem bewegt. Der Blinde derGruppe kann dabei das Tempo und die Richtung variieren.b) Die Hälfte der Gruppe schließt die Augen, der Spielleiter ordnet jedem schweigend einen Partner zu, derden Blinden ohne Worte durch den Raum führen muss, so dass kein Blinder einen anderen Spieler berührt.4. Körperhaltungen/TicksAlle Personen bewegen sich im Raum:15


Materialmappe zu „Erste Stunde“ von Jörg Menke-PeitzmeyerInszenierung: Stefan SchletterMit: Wolfgang Zarnack*Was macht ihr, wenn ihr unsicher/nervös/aufgeregt/ängstlich/aufgesetzt lustig etc. seid?z.B. Ziehen sich alle immer wieder am Pullover (Unsicherheit)Alle zwinkern ständig (Nervosität)Alle knaupeln immer wieder an den Nägeln (Angst) etc.* Wie laufen starke Personen? Wie laufen schwache Personen? Welche Unterschiede gibt’s?* Was sind Ticks? (körperlich/geistig) Habt ihr so etwas selber? Beobachtet ihr das bei Personen?Jeder sucht sich einen Tick (eigenen oder erdachten). Je 5 Personen stellen ihre Ticks gleichzeitig vor.5. Wahrnehmung, FeindbildIn Paaren wird ein Bild von einem Feind als Skulptur entwickelt. Der Partner baut sich als Gegenbild dazu.So können unbewusste Ähnlichkeiten mit dem Feindbild entdeckt bzw. Unterschiede klar herausgestelltwerden. Wichtig: Eine klare Skulptur/Position finden und diese bewusst und ernst wahrnehmen.6. „In der Klemme stecken“a) Entwickelt zu dieser Situation ein Standbild. Bildet dazu mehrere Gruppen. Für jede Gruppe ist folgendeszu beachten:* Jede Gruppe hat je einen Regisseur.* Wer ist alles bei dem Vorfall dabei? Verteilt die Rollen.* Wie fühlen sich die Personen in der Situation?* Die Regisseure bauen Standbilder mit den Gruppen.b) Präsentiert euer Standbild. Die andere Gruppe ist das Publikum.* Für das Publikum: Welchen Eindruck vermitteln euch die einzelnen Rollen?* Für die Schauspieler: Wie fühlen sich die Rollen beim Standbild an?7. Konfliktsituationen bewältigenVorher gesammelte Konfliktsituationen werden in Trios als Skulpturen dargestellt und analysiert. Zusätzlichwerden alternative Positionen entwickelt und geprobt.16


Materialmappe zu „Erste Stunde“ von Jörg Menke-PeitzmeyerInszenierung: Stefan SchletterMit: Wolfgang ZarnackV. TEXTAUSZÜGE aus „Erste Stunde“ von Jörg Menke-Peitzmeyer 7JÜRGEN„Okay, bringen wirs hinter uns. Ich gebe euch fünf Minuten. Fünf vonfünfundvierzig, da könnt ihr nicht sagen, ich wär nicht großzügig. FünfMinuten, in denen könnt ihr mit mir machen, was ihr wollt. Mich Wichser,Arschloch, Votze nennen, mir die Schultasche klauen, das Etuiausräumen, alle Bleistiftspitzen abbrechen, die Feder vom Füller, ihrkönnt mir die Turnschuhe ausziehen, meinen Anorak unter denWasserhahn halten, was weiß ich, euch wird schon was einfallen. Sogarverkloppen könnt ihr mich meinetwegen. Aber nur fünf Minuten, das istder Deal, nicht eine Sekunde länger. Danach will ich meine Ruhe für denRest der Stunde. Fünf Minuten, die eine Minute, die ich jetzt schonverquatscht habe, häng ich euch hinten dran. Also, auf die Plätze, fertiglos!“„Wißt ihr, warum die Brasilianer so gut Fußball spielen können?Weil die meisten von ihnen aus den Slums kommen. Und in den Slumsspielt man, um zu überleben. Da spielt jeder gegen jeden, Sechsjährigegegen Vierzigjährige, und die Stärkeren bestimmen die Regeln. Undimmer geht es um irgendwas, Geld, Alkohol, Drogen. Es gibt Eltern, dieschicken ihre Kinder zum Anschaffen auf den Bolzplatz. Wenn der Vaternichts mehr zum Saufen hat, muß der Sohn drei Tore schießen. Wenn duda nicht schnell genug bist, hast du nicht nur den Ball verloren, sondernauch den Knöchel oder das Schienbein gebrochen, und wenns deinGegner nicht besorgt, dann spätestens dein Alter, wenn du abends mitleeren Händen dastehst. Du mußt immer auf der Hut sein, jedeBewegung in deinem Rücken mußt du vorausahnen. Also lernst du, mitder Sonne zu spielen und die Schatten zu lesen. Nur dann hast du eine7 Jörg Menke-Peitzmeyer. Erste Stunde. Rechte beim Theaterverlag Hofmann-Paul, Berlin.17


Materialmappe zu „Erste Stunde“ von Jörg Menke-PeitzmeyerInszenierung: Stefan SchletterMit: Wolfgang ZarnackChance.“„Übrigens, ich heiße Rickert.Fickert geht natürlich auch. Genauso wie Pickert, wenn ich mal wiedernen Akneausbruch hab, meist so vor Weihnachten wegen der ganzenSüßigkeiten, ja, ich steh auf Spekulatius, Christstollen, Lebkuchen undson Zeugs. Dann könnt ihr aber auch Dickert sagen. Ich nehm leicht zu,im Moment hab ich eher meine Dünnpfiffphase, weil die mich in meineralten Klasse zum Abschied noch mal so richtig durch den Fleischwolfgedreht haben, außerdem bin ich ein bißchen nervös, weiß ja nicht, wasmich hier erwartet. Also, sucht euch einfach was aus, ich meine, falls ihrnicht gleich Votzewichserarschlochspastiblödmann sagen wollt. In meinerletzten Klasse hieß ich außerdem noch Gaby. Nicht daß ihr denkt, ichhätte ne Geschlechtsumwandlung hinter mir, nee, ich war schon immerein Junge. Mir ist bloß einmal ein 'e' ausgerutscht.“Schreibt das Wort „Hausaufgabe“ an die Tafel, wobei ihm der letzteBuchstabe etwas verrutscht.„So. War keine Absicht, hab halt manchmal ne Klaue, was solls, kannpassieren. Trotzdem stand da immer noch Hausaufgabe in meinem Heft,fand ich. Wobei ich mit der Meinung ziemlich alleine dastand. MeinNachbar meinte nämlich, da stehe 'Hausaufgaby'. Was fürn Quatsch,dachte ich, warum sollte ich 'Hausaufgaby' in mein Heft schreiben, ich binkein Spaßvogel, das hatten die mir schon vom ersten Tag anausgetrieben, aber da hieß ich auch schon Gaby. Mein Nachbar hatte eslaut in die Klasse gebrüllt, und da haben die andern natürlich mitgemacht.Und schon war ich schwul. Nicht wegen meiner Vorliebe für SarahConnor, das brauchte ich denen gar nicht erst zu sagen, sondern wegeneines einzigen verrutschten e's. Am Anfang war ich sogar stolz. Echt, ichhab mich heimlich darüber gefreut. War schließlich das erste Mal, daß icheinen Vornamen hatte. Nee, ich fands Klasse, daß ich Gaby hieß, auch18


Materialmappe zu „Erste Stunde“ von Jörg Menke-PeitzmeyerInszenierung: Stefan SchletterMit: Wolfgang Zarnackwenn Gaby ein Mädchenname ist und ich ein Junge bin.“„Meistens ist ja das, was die andern an einem blöd finden, genaudas, was eigentlich gut ist an einem. Einzigartig. Besonders.Unverwechselbar. Sonst würds den anderen ja gar nicht auffallen, und siemüßten nicht draufrumreiten. Etwas, was nur man selber hat, ganzexklusiv, so wie die Übertragungsrechte für die Bundesliga , die gibtsauch nur bei Arena, also eigentlich müßten die andern sogar dafürbezahlen, daß sie mit einem reden oder einen anschauen dürfen. DieserStich ins Außergewöhnliche, ins Überdurchschnittliche, ins Einmalige, dermacht dich zum Opfer. Etwas, das eigentlich ins Museum gehört oderunter Denkmalschutz gestellt. Mindestens ins Fernsehen. Etwas, daseinen von diesen ganzen Täteropfern unterscheidet, die alle gleichaussehen, an jeder Schule, auf jeder Straße, in jeder U-Bahn, die dusogar schon auf hundert Meter Entfernung riechen kannst, sodurchschnittlich kommen die daher. Die gleichen Klamotten, die gleichenSprüche, die gleichen Posen, der gleiche Gesichtsausdruck. Totalaustauschbar, nix Besonderes, Massenware, Billigprodukte. Wie aus nemTäteraldi. Die dumpfe Mehrheit, die nach allem tritt und schlägt, wasbesonders ist.“VI.WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN1. Hilfe für MobbingopferKostenlose Hotline des Deutschen Kinderschutzbundes für Kinder und Jugendliche: 0800-111 0 333für Eltern: 0800-111 550; http://www.kinderundjugendtelefon.dehttp://mobbing.seitenstark.de Rubrik »Für Kinder«; Button »Hilfe«: Telefon-Notdienste und Web-Notdienste: unmittelbare, anonyme Beratung undHilfe für betroffene Kinder und Jugendlichehttp://www.kidsmobbing.de19


Materialmappe zu „Erste Stunde“ von Jörg Menke-PeitzmeyerInszenierung: Stefan SchletterMit: Wolfgang Zarnackhttp://www.mellvil.dehttp://www.mobbingberatung.infohttp://www.schueler-mobbing.de/mobb/modules/newbb/http://www.mobbing-in-der-schule.info/http://www.schueler-gegen-mobbing.dehttp://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Schule/s_360.htmlhttp://gewalt-in-der-schule.infohttp://www.gewalt-an-schulen.dehttp://www.gewalt-in-der-schule.infohttp://www.e-circus.orghier wird ein interaktives Rollenspiel vorgestellt, entwickelt gegen Mobbing und Gewalt an Schulenhttp://www.gew.de/Tipps_und_Hinweise_zum_Umgang_mit_Cyber-Mobbing.http://www.psy.lmu.de/mobbing/mobbing.htmlDie Psychologische/Pädagogische Fakultät München forscht unter der Leitung von PD Dr. MechthildSchäfer Mobbing als Form aggressiven Verhaltens und Ursachen dieses Verhaltens. Die Seite bietet einensehr informativen Überblick und Vertiefung zum Thema und weiterführende Links zur internationalenMobbingforschung. Sie bietet umfangreiche Antworten sowohl für Mobbingopfer, als auch für Lehrer undEltern.2. Presseartikel„Mobbing an hessischen Schulen wachsendes Problem“ - http://www.nh24.de/index.php/vermischtes/22-allgemein/41069-hessen-mobbing-an-hessischen-schulen-wachsendes-problem, vom 19.01.2011„Jeder kann Opfer werden" - Mobbing unter Kindern und Jugendlichen, SWR1 Leute - Sendung vom06.08.2010„Fies, aber beliebt“, SchulSPIEGEL vom 13.04.2008„Psychoterror unter Mitschülern - Mobbing führt in die Angstspirale“, Volle Kanne - ZDF - Sendung vom12.06.2007 09:05 Uhr„Mobbing im Klassenzimmer - gequälte Schüler, hilflose Lehrer“, Panorama - ARD - Sendung vom11.01.2007 21:45 Uhr„Hauen, schubsen, tratschen“, SchulSPIEGEL vom 16.09.200620


Materialmappe zu „Erste Stunde“ von Jörg Menke-PeitzmeyerInszenierung: Stefan SchletterMit: Wolfgang Zarnack„Der Schrecken im Klassenzimmer“, die tageszeitung vom 05.08.2006„Jede Woche 500.000 Mobbing-Fälle“, SchulSPIEGEL vom 12.02.2006„500.000 Mobbing-Opfer an Deutschlands Schulen“, Süddeutsche Zeitung vom 12.02.2006„Kinder haben ein Anrecht auf Schutz", Süddeutsche Zeitung vom 14.12.2005„Schikane in der Schule führt auch noch im Erwachsenenalter zu seelischen Störungen"www.psychiatrie-aktuell.de vom 09.09.20033. Bücher / ArbeitsmaterialienSchäfer, M. (2008). Mobbing im Klassenzimmer. In: W. Schneider & M. Hasselhorn, Handbuch derPädagogischen Psychologie. Göttingen: Hogrefe.Melzer, W. / Schubarth, W. / Ehninger F.: Gewaltprävention und Schulentwicklung. Analysen undHandlungskonzepte.Dambach, K. E.: Mobbing in der Schulklasse. Ernst Reinhardt, München 2002.Kasper, H.: Arbeitsmappe Konfliktmanagement in der Schule. AOL-Verlag 2004.Kasper, H.: Kinder gegen Gewalt in der Schule stärken. Cornelsen Verlag Scriptor, 2003.Kasper, H.: Schülermobbing – tun wir was dagegen! AOL-Verlag 2000Kindler, W.: Man muss kein Held sein – aber …! Verhaltenstipps für Lehrer bei Mobbing und inKonfliktsituationen. Verlag an der Ruhr, Mühlheim 2006.Scheithauer, H. / Hayer, T. / Petermann, F.: Bullying unter Schülern: Erscheinungsformen,Risikobedingungen und Interventionskonzepte. Hogrefe, Göttingen 2003.Hurrelmann: Gegen Gewalt in der Schule (Handbuch für Elternhaus und Schule), Beltz.Bründel, Heidrun / Hurrelmann, Klaus: Gewalt macht Schule. Pädagogische Antworten auf eine sozialeKrise. Beltz, Weinheim/Basel, 2007Olweus, Dan: Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten – und tun können. Huber, Bern2006.Kasper, Horst: Arbeitsmappe Konfliktmanagement in der Schule: Schüler – Lehrer – Kollegium – Eltern –Öffentlichkeit.(Taschenbuch)21


Materialmappe zu „Erste Stunde“ von Jörg Menke-PeitzmeyerInszenierung: Stefan SchletterMit: Wolfgang Zarnack4. RechtsliteraturKasper (1998). Mobbing in der Schule. 2. Aufl., Beltz-Verlag.Wöbken-Ekert (1998) Vor der Pause habe ich richtig Angst. Campus-Verlag.Singer (1999). Die Würde des Schülers ist anstastbar. Rowohlt TaschenbuchAvenarius & Heckel (2000). Schulrechtskunde. 7. Aufl., Luchterhand.22

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