SOS Service - New Mallorca

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SOS Service - New Mallorca

4TitelZurück in die Vergangenheit mit Frank FröhlichDer erste Gastronomie-GigantDer große Mann, groß nicht nur wegenseiner Länge von 2,10 m, sondern vorallem wegen seiner Erfahrungen undseiner Leistungen, die er vor 49 Jahrenauf Mallorca erbracht hat, erzählt unsvon der Vergangenheit.Frank Fröhlich hatte schon immerFernweh. Seine erste große Reise trater als Dreijähriger an, indem er sichklammheimlich davonstahl und alsblinder Passagier in einer S-Bahn mitfuhr.Als junger Mann heuerte er aufder Hamburger „Hanseatic“ an, umendlich die weite Welt zu sehen. Seindamaliger Kollege Benny Benndorff wurde bald sein bester Freund. Die beidenjungen Stewards waren schon allein wegen ihrer Erscheinung ein echter Hinguckerfür die Gäste der „Hanseatic“. Benny, gerade mal 1,58 m groß, und Frankmit seinen 2,10 m hinterließen ungewollt einen bleibenden Eindruck. Die Reedereimachte ohne ihr Wissen mit ihnen sogar Werbung für das Schiff. Schondamals schwärmte Benny von Mallorca, seine Eltern besaßen in Cala Blava einHaus. Er erzählte von der Aufbruchstimmung auf der Insel und dem Tourismus,der immer mehr zunahm. Benny war überzeugt, dass Mallorca gastronomischeFachkräfte brauchte und sie dort gemeinsam etwas bewegen könnten. Frank warvon der Idee anfangs nicht angetan. Spanien war ihm nicht weit weg genug, erhatte ein anderes Ziel: ein Hotel in New York. Doch schließlich ließ er sich vonBenny doch für Mallorca begeistern. Kurzerhand quartierten sich die beiden1964 bei Bennys Eltern in Cala Blava ein. Gemeinsam machten sie die Insel unsicher,mit viel Spaß am Leben verprassten sie ihr Geld, bis keines mehr da war.So blieb ihnen nichts anderes übrig, als wieder arbeiten zu gehen. An der Playade Palma lernten sie Erich Becker kennen, den Inhaber der „Pfanne“, das heutigeBeach House am Balneario 2. Benny konnte sofort als Kellner anfangen. ErichBecker expandierte schnell und so kam es, dass auch Frank Fröhlich in einem der


5TitelLokale als Kaffee-und-Kuchen-Verkäufer Arbeit fand. Allerdings war er kreuzunglücklich,sein Job – und auch seine Gäste – war zum Gähnen langweilig. Erschaute sich zunächst in der benachbarten Gastronomie um und dann auf derganzen Insel. Ihm fiel auf, dass auf Mallorca nicht nur befestigte Straßen fehlten,sondern auch Tanzlokale. Frank sprach den holländischen Besitzer des „ExtaseMontemar“ an, das damals ein schlecht laufendes Lokal an der Playa de Palmawar. Falls dieser den Laden aufgeben wolle, er, Frank, habe Interesse daran. Esdauerte nicht lange, bis der Holländer sich bei Frank meldete. Eine Million Guldenhatte er in den Sand gesetzt. Frankwitterte seine große Chance. Schonlange ging er mit der Idee einer Großdiskothekschwanger, ganz nach demPrinzip des „Big Apple“ im Berlin derBeatles-Ära, allerdings fehlte ihm dasnötige Kleingeld. Frank mobilisierteden vornehmen Gastronomen ErichBecker, der jedoch anfangs mit derIdee nichts anzufangen wusste. Dochletztlich fanden sich Investoren, dievom Businessplan des Frank Fröhlichso begeistert waren, dass sie ohne zuzögern das benötigte Geld bereitstellten.Auf zwei Etagen des ehemaligenMoulin Rouge, der heutigen FerreteriaArenal, entstand 1965 das „Big Apple“,die erste Diskothek auf Mallorca. Imunteren Bereich wurde eine Bühne errichtet,die Tanzfläche hatte die Form einer Violine und von der zweiten Etageaus konnte man von einer Balustrade aus das ganze Lokal überblicken. FrankFröhlich zeichnete in nächtelanger Handarbeit die Werbeplakate und verteiltesie inselweit. Nur eine Hürde gab es noch zu nehmen: Er hatte bisher keine Live-Band gefunden. Bands gab es zwar genug, aber keine konnte den Ansprüchendes 25 Jahre jungen Frank Fröhlich gerecht werden. Ein heißer Tipp zu einerTruppe Musiker, die in einem Kino, dem Cine Borne, als Pausenfüller agierten,sollte Franks Rettung sein. Er war so angetan von der Beatles-Cover-Band, dasser sie sofort einstellte.


6TitelVon da an schwärmtenNacht für Nacht mehrereHundert Gäste in das BigApple. Nach diesem Erfolgbegann Frank Fröhlich,nach neuen Abenteuern zusuchen – wen wundert‘s?Er nahm eine neue Herausforderungin Deutschlandan und kehrte Mallorcaden Rücken. Doches dauerte nicht lange, under wurde auf die Insel zurückbeordert.Das Big Apple lief nach seiner Abreise nicht mehr gut, und manbrauchte seine Hilfe. Er ließ sich nicht lange bitten und sanierte den Club. Sowie es schien, war er der eigentliche Star der Diskothek. Ohne ihn blieben dieGäste weg. Außerdem änderte sich die Musikrichtung, die Beatles waren out,die Tendenz ging in Richtung Soul. Doch keiner hatte diesen Trend ohne FranksHilfe erkannt. Hinzu kam der Ärger mit der damaligen Kirchenpolizei. Zum Beispielwar das Küssen in öffentlichen Lokalen verboten. Immer wieder kam es zuKontrollen, die den Gewerbetreibenden das Leben schwer machten. Frank hattegroßen Einfluss und konnte durch seine Beziehungen meist das Schlimmste –wie die Schließung des Lokals – verhindern. Parallel dazu arbeitete Frank beimersten Deutschen Rundfunk auf Mallorca, Radio Aleman, geschaffen von GünterRodin, der damals nur eine Stunde am Tag auf Sendung ging. Mit seinem Beitrag„Franks heiße Platten-Party“ konnte er sich weiter verwirklichen.Acht lange Jahre war das Big Apple das Vorbild für alle anderen Gastronomen.Wegen tragischer familiärer Umstände entschloss man sich Anfang der SiebzigerJahre, sich von dem Lokal zu trennen. Damit endete die Ära Big Apple.Der große Mann findet es erschreckend, wie sich Mallorca im Lauf von 49 Jahrenentwickelt hat. Das fängt beim durch die Reisegesellschaften verursachten Billig-Tourismusan, reicht über die nachlassende Qualität in der Gastronomie alsAntwort auf die Dumpingpreise und die Moral der Sauftouristen, die im Rauschkeine mehr zu haben scheinen, bis hin zu den gestellten Fake-Reportagen der


privaten Fernsehsender über dieInsel. Frank warnt jeden, der aufgut Glück auf die Insel kommenmöchte. Früher habe man sich gegenseitiggeholfen, meint er, dochheute würde einen keiner mehr unterstützen.Wenn du hinfällst, sagter, treten sie noch nach. Die Massenmüssen gelenkt werden, sonstwuchern sie, resümiert er. Schautman nach „dunkel Arenal“, wie dieInsulaner den zu Llucmajor gehörendenAbschnitt von Arenal nennen,beherrschen nur Schmutz undheruntergekommene Hotels dasBild. Die Herren Direktoren, sagtFrank, interessiert es nicht, wie esdort aussieht. Letztendlich sind siealle nur hinter dem schnellen Geldher. Auch uns sind Gerüchte zuOhren gekommen, dass Hotels ihreKöche anweisen, mies zu kochen,damit Geld eingespart wird, weildie Gäste dadurch lieber auswärtsessen gehen. Es scheint also nichtmehr viel von den alten Werten vor49 Jahren übrig geblieben zu sein.Wir bedauern dies ungemein undwünschen Frank Fröhlich trotzdemnoch eine schöne Zeit auf der nichtmehr schönsten Insel der Welt.


81 x Mallorca und zurückHans Rauch17 Jahre auf der schönsten Insel und dann wieder zurück nach DeutschlandReportLiebe Freunde,in den nächsten Folgen von New Mallorca erzähle ich euch von meinen 17Jahren auf Mallorca. Was ich alles erlebt habe und von guten und schlechtenErfahrungen, die ich gemacht habe.Sicherlich wird sich so mancher wiedererkennen, doch alles, was ich hierschreibe, ist wahr.Wie es anfingWir schreiben den März 1996, zu Hause – ich komme aus Frankenthal inder Pfalz – lief irgendwie alles an mir vorbei. Es gab Schwierigkeiten mit derKrankenkasse. Wegen der Zähne. Mein Zahnarzt sagte mir: Alles was ich mache,wird bezahlt, mach dir keine Gedanken. Ich war so blöd und habe michnicht rückversichert. Und dann hatte ich den Salat: eine Riesenrechnung!Zur selben Zeit wurde mir das Auto gestohlen, klarer Fall für die Versicherung,dachte ich. Nach langem Hin und Her ging das dann Gott sei Dank inOrdnung.Dazu kam dann noch der Mietprozess, den ich verloren hatte. Es ging gegeneine ethnische Minderheit, Zigeuner darf man ja nicht mehr sagen. Wäre einDeutscher mein Gegner gewesen hätte ich gewonnen, meinte der Richter.Dann sagte ich mir, wenn dir so viel Gutes widerfährt, ist das einen AsbachUralt wert, und ich begab mich, logischerweise gut gelaunt, in meineStammkneipe. Es war der 25. März.Dort traf ich Uwe und Norbert, die gerade von ihrem Mallorcaurlaub zurückkamen.Man unterhielt sich und kaum hatte ich erzählt, was mir die letztenWochen so alles passiert war, sagten beide wie aus der Pistole geschossen:Mensch Hans, geh doch nach Mallorca!


Da ich bis dahin erst ein einzigesMal und nur eine Woche aufMallorca gewesen war und dasauch schon gefühlte 100 Jahrezurücklag, mussten die beidenmir alles erklären. Sie überzeugtenmich, dass Mallorca dasNonplusultra sei.Eine Nacht habe ich noch darübergeschlafen und bin dannvoller Energie und Zuversichtins Reisebüro, um eine WochePaguera zu buchen. Das war amDienstag, den 26. März.Mittwochs ging ich zum Einwohnermeldeamt,um mich abzumelden.Wo geht es denn hin?,wurde ich gefragt. Nach Spanien,sagte ich. Wohin genau, kann ichIhnen nicht sagen, wir fangenmit Mallorca an. Nun gut, sagtedie Beamtin, dann schreiben wir„unbekannt verzogen“. Das warmir so egal!Donnerstag, der 28. März. Ichhabe meine Koffer gepackt, meinGeld gezählt, es waren 4.000 DM,und mich noch einmal mit meinenFreunden Uwe und Norbertgetroffen. Einer von den beidenmusste mich schließlich zumFlughafen bringen.


10ReportAm Freitag, den 29. März, ging morgens um acht Uhr der Flieger. Ich warpünktlich und die Mission Mallorca konnte beginnen.Nachmittags, so gegen 14 Uhr, kam ich in meinem Hotel an, packte denKoffer aus, sortierte meine Papiere und musste feststellen, dass mein Führerscheinnicht hatte mitwollen nach Mallorca, er lag noch zu Hause. Naja, in Paguera würde ich bestimmt Arbeit finden, das zumindest hatte mirUwe versichert. Also machte ich mich direkt auf den Weg in die Kneipenund Hotels.Nach drei erfolglosen Stunden, in denen ich von Kneipe zu Kneipe gegangenwar, blieb ich in der letzten hängen, ganz in der Nähe vom Hotel. DerWirt, Olaf hieß er, gab mir den Rat, einmal im Mallorca Magazin nachzusehen,da stünden eine Menge Stellenangebote drin.Am Tag darauf kaufte ich besagte Zeitung, und tatsächlich: jede MengeAngebote. Aber keines in Paguera. Eines jedoch fesselte meine Aufmerksamkeit:Geschaftsführer für Kneipe gesucht in Cala Millor. OhneFührerschein kein Mietwgen und ohne Spanischkenntnisse habe ich michnicht in den Bus getraut, also nahm ich ein Taxi. Kann ja nicht teuer sein,Mallorca ist nicht groß. Und schon war der erste Hunderter weg. Für denTrip nach Cala Millor – einfach. Und dann traf ich den Besitzer der Bar. Wirhaben uns eine gute Stunde unterhalten, und dann passierte es.Was passierte, könnt ihr in der nächsten Ausgabe lesen.Bis dahin,Euer Hans


12Gestrandet im ParadiesReportSabine Luft, www.astro-adviser.comOft ist es ein Urlaub im Warmen, fernab jeglicher Realität, der irgendwo in derErinnerung hängenbleibt. Es ist die Illusion, vor Problemen zu flüchten undmöglichst weit weg von der Heimat neu anzufangen. Viele, die finanziell angeschlagensind, kratzen ihr letztes Geld zusammen, um auf Mallorca ihr Glück zusuchen. Doch geschwächt von der Wirtschaftskrise, bietet Spanien sogar wesentlichweniger Aussicht auf Unterstützung als Deutschland. Denn dort gibtes ein noch recht gut funktionierendes Sozialsystem, das im Notfall zumindestdie Grundbedürfnisse decken kann, während der mittellose Auswanderer hiernahezu vollkommen allein gelassen wird. War er in Spanien nicht erwerbstätig,greift das sowieso sehr schwache soziale Netz fast gar nicht. Häufig sprechendie Auswanderer kein oder nur sehr wenig Spanisch, und im Lauf der Zeit sinddie Ausweisdokumente entweder abgelaufen oder anderweitig abhandengekommen. Der Gang ins Konsulat wäre eine Lösung. Zumindest, um Kontaktzu Verwandten aufzunehmen und einen Rückflug zu organisieren. Allerdingswird diese Möglichkeit nur von wenigen wahrgenommen – sei es aus Schamoder auch Angst vor den in Deutschland zurückgelassenen Problemen. Vieleder gestrandeten Glücksritter übernachten dann notgedrungen am Bahnhof,auf Parkbänken oder am Strand. Sie betteln oder besuchen die sogenanntenTafeln, die Armenküchen, anstatt an ihr altes Leben im kühlen Norden wiederanzuknüpfen. Die ehemaligen Kontakte haben sie schon lange abgebrochenund den in Deutschland Zurückgelassenen einzugestehen, dass ihr Traum vomGlück hier geplatzt ist, fällt unendlich schwer.Institutionen wie das Rote Kreuz oder die evangelische Kirche in Palma – undes gibt noch einige mehr – sind hier ausdrücklich und gesondert zu erwähnen,wenn es um um sinnvolle Hilfe geht. Ein ganz besonderes Beispiel allerdingsist der Friseursaloninhaber Stefan Werner. In seinem Salon Estefan in Palmanimmt er seit acht Jahren Kleidung, Spielwaren, Hygieneartikel und was sonstnoch alles für das tägliche Leben gebraucht wird entgegen und verteilt diesedirekt ohne weitere Verwaltungskosten über freiwillige Helfer direkt bei den Bedürftigen.Berührungsängste kennt er nicht, er ist oft auch nachts für die Notleidendenda und hat manchmal einfach nur ein offenes Ohr für vereinsamteMenschen. Er arbeitet eng mit der deutschen Botschaft und anderen Hilfsorganisationenzusammen und hilft dabei, Menschen, die hier nicht mehr leben


13Reportwollen oder können, zurück nach Deutschland zu bringen und sie dort wiederzu integrieren.Bei einem Gespräch erzählte er mir wunderbare Geschichten über Betroffene,denen er wieder auf die Beine geholfen hat. Er hat heute noch Kontakt mit ihnen.Ein wesentliches Anliegen ist ihm, Fachkräfte nach deutschem Standardim Sinne des deutschen dualen Systems – Arbeitspraxis plus Berufsschule – mitdem Abschluss des Gesellenbriefs auszubilden. Es ist offensichtlich nicht nurdie Arbeitslosigkeit, die der Gesellschaft zu schaffen macht, sondern der Mangelan gut ausgebildeten Fachkräften.Bewerbungen für die Ausbildung und den Kontakt für die Abgabe der notwendigenUnterlagen – Schulzeugnisse, Praktika, Jobs – unter www.estefan-palma.comDiverse andere Helfer und Hilfsorganisationen, die unter anderem die Lebensmittelfür die Tafel sammeln, findet ihr auf Facebook unter Alimentos Para Ayudarund Bons Aires Arxiducs.


14ReportEs wäre schön, nein, sogar ganz wunderbar, wenn es mehr Engagierte gäbe,die bereit sind, von ihrem eigenen Glück ein wenig abzugeben. Früher wurdenEssensspenden in die Entwicklungsländer geschickt, heute finden wirArmut und Hunger direkt vor unserer Tür. Schauen Sie nicht weg! Wer also Essens-oder Kleiderspenden übrig hat und damit etwas Sinnvolles tun möchte,der wende sich an eine der folgenden Kontaktadressen:Evangelische Kirche PalmaRotes KreuzSalon Estefan, Stefan Werner in PalmaHerzlichen Dank!


16ReportGabriele HefeleHeimat, Tradition, IntegrationFrüher oder später beschäftigt sich jeder Resident mit der Frage: Was ist Heimat?Was bedeuten mir meine Traditionen? Warum gäbe es sonst so vieleOktoberfeste im Ausland! Und spätestens an Weihnachten überkommt somanchen sogenanntes „Heim-Weh“ nach der Romantik der alten Heimat.Dennoch muss die neue Heimat zu einer ebensolchen werden, das Neuemuss einem vertraut werden, sonst wird man unglücklich und geht eines Tageswieder zurück.Was ist Heimat?„Heimat ist dort, wo mein Herzist“, schrieb schon Ringelnatz.So hörte ich in vielen meinerInterviews Ähnliches von Ausgewanderten,immer wiedersinngemäß den Satz: „Heimatist dort wo ich mich wohlfühle“.So etwa Evelyn Weyhe, die nachJahren in Afrika 1999 nach Spanienkam, um ihren Sohn auf eine deutsche Schule hier schicken zu können.Ihre Aussage:„Grundsätzlich ist Heimat für mich da, wo ich bin undmich wohlfühle. Ein Stück Heimat war und ist nochheute Kenia für mich. Mein gesamtes, junges Erwachsenenlebenhabe ich dort verbracht und viele schöneErinnerungen. Meine neue Heimat ist mir auch nah,Heimat im Sinne von „Wurzeln“ ist jedoch nach wievor München.“Eine andere geborene Münchnerin, Christine G.,die im Jahr 2000 ihre Zelte in Deutschland abbrach:„Heimat ist für mich da, wo ich mich wohl fühle. Womeine Freunde sind, wo ich ein gemütliches Heim habe


17Reportund wo meine Hunde sind. Im Moment ist Mallorca meine Heimat. Ich könnte miraber auch vorstellen, an einem anderen schönen Platz auf der Welt zu leben.“Die Krimischriftstellerin Fran Ray hat eine interessante Definition: „Heimat istfür mich einfach das Gegenteil von Fremde. Also, Heimatist nicht mein Geburtsort mit seinen Traditionen –sondern Heimat kann ich mir selbst schaffen. Damit istHeimat ist der Ort, an dem ich mich im Moment identisch,in irgendeiner Form sozial eingebunden fühle.Wenn ich im Flugzeug im Anflug auf Palma de Mallorcabin, fängt mein Herz schon schneller an zu schlagen,dann weiß ich, gleich bin ich wieder daheim. Wenn ichdann die Palmen sehe und auf der einen Seite das Meerauf der anderen die Berge, fühle ich mich vertraut, zugehörigund freue mich, wieder zuhause zu sein. Wennich nach München komme, empfinde ich zwar eine gewisseVertrautheit, aber ich fühle mich nicht mehr so zugehörig.“Sonne und Klima sind wichtigAlle geben erwartungsgemäß als ersten wichtigen Umzugsgrund die Sonneund das milde Klima an,auch die schöne Landschaftund die vielfältigePflanzenwelt. Fragtman sie danach, ob siesich vorstellen könnten,wieder an ihremGeburtsort zu leben, somöge stellvertretendder Schweizer EnzioCastignoli stehen, deraus Luzern stammtund schon seit 1973ein Haus hier erwarb.


18Report„Luzern ist zwar für mich die schönste Stadt der Welt, aber Schnee hatte ichgenug, das brauche ich nicht mehr!“Übrigens bedeutet allen das deutsche Weihnachtsfest eine vermisste Tradition,die sie aber versuchen, in die neue Heimat zu transportieren mit Christbaumbesinnlichen Liedern etwa. Evelyn beschrieb die Sehnsucht nach alterHeimat so: „Ich bin nicht oft dort, aber wenn dann mal, dann treiben mir ganzabsurde Dinge das Wasser in die Augen, zum Beispiel der Geruch einer Leberknödelsuppeoder schreckliches Gejodel auf einem bayerischen Radiosender.“Wie steht es mit der Integration?Das ist eine Schlüsselfrage. Obwohlalle meine InterviewtenSpanisch können, manche sogaretwas den hiesigen Dialekt, kommenals ehrliche Antworten immerwieder: „Ehrlich gesagt, fühleich mich nicht so richtig integriert.Obwohl ich Spanisch spreche undman mir auch mit Höflichkeit entgegenkommt, habe ich immer dasGefühl trotz allem eine „extranjera“,ein „guiri“ zu bleiben. Einheimische,nette Bekannte habe ich viele, aber richtige Freunde eigentlich nicht.“


19ReportEinzig Enzio, der dieses Jahr 40 JahreJubiläum auf Mallorca feiert, kann damitaufwarten, dass er mehr einheimischeals deutschsprachige Freunde hat: „Ichtreffe dann meine alten spanischen Freundeso zwei bis dreimal in der Woche in derBar und das Hallo ist immer groß!“Alle aber sind sich darin einig, dass sienicht mehr zurück wollen nach Deutschland– mit Einschränkungen. Wieder definiertes Evelyn anschaulich: „Ich kannmir nicht so richtig vorstellen, wieder anmeinem Geburtsort zu wohnen. Ich bin einfach schon zu lange weg. Auch, weilich das Gefühl habe, nicht mehr in die Enge Deutschlands hineinzupassen. Aberausschließen will ich es nicht, denn sein Glück nimmt man ja bekanntlich überallhin mit!“


20SatireAusgewandert und nun im Alter alleinauf Mallorca von erfüllten Träumen und was im Alterdavon übrig bleibt........Elke Adkane www.encantados.euMallorca , die Insel des Lichts.....Viele Menschen wünschen sich den ewigen Sommer , besonders wenn manseine Jahre der beruflichen Tätigkeit hinter sich gebracht , wird der Traumvom Rentenalter im ewigen Sommer , zum letzten Lebensziel.Meist werden Versicherungen fällig und es wird nach einem Eigenheim hierauf Mallorca Ausschau gehalten.Da die Flugzeit nach Deutschland gering ist , nimmt man das große Abenteuergerne in Kauf...Das Einkünfte hier auch besteuert werden , scheint anfänglich nicht dasgrößte Problem.Da auf Mallorca viel deutsch gesprochen wird, ist die Sprache für die meistenSenioren , die auswandern auch kein greifbares Problem..Die ärztliche Versorgung auf der Insel ist auch hervorragend, dank derMediziner aus Deutschland , die hier ansässig sind und mit ihren Praxen oderKliniken hier auf Mallorca es an nichts mangeln lassen.Auch der deutsche Supermarkt , lässt keine Wünsche offen, so das es miteinigen Preisabweichungen nach oben , die gewohnten Speisen , leicht zuerwerben sind...Doch was ist wenn keine sozialen Kontakte vorhanden sind und es nacheiniger Zeit des Einlebens zu Gefühlen der Einsamkeit kommt ??Teilweise auch durch den Tod des Lebenspartners ??Teilweise auch durch Krankheit oder Behinderung ??Für viele , der hier ansässigen Senioren kommt dann der Zeitpunkt, wo mansich die Frage stellt :,,Gehe ich zurück nach Deutschland ?``


21SatireHier können wir empfehlen , sich rechtzeitig um soziale Kontakte zu bemühen,sei es in Kirchen, Vereinen oder Verbänden . So, können Sie vorbeugen ,im Falle X ganz alleine zu sein...Selbst der Weg in eine Einrichtung z. B. Betreutes Wohnen oder gar ein Pflegeheimsollte Ihnen hier auf Mallorca keine Angst machen....Es gibt deutsche Einrichtungen , die keine Wünsche offen lassen und diespanischen Einrichtungen haben sich mittlerweile durch internationalesPersonal auf ihre Gäste eingestellt.Ferner bietet sich auch die Möglichkeit , zu Hause von ambulanten Betreuungsservicesoder mobilen Pflegediensten in gewohnter Umgebungbetreuen zu lassen.. Also, nach den aktuellen Kenntnissen des Verfassers ,lässt es sich nach wie vor der ,,dritten`` Lebensabschnitt auf der Insel desLichtes sehr gut bewältigen...das Angebotist vielfältig und die Organisationgut durchführbar.Das Preis-Leistungsverhältniss ist im Vergleich zu Deutschland um ein wesentlichesgünstiger..Für nähere ausführliche Informationen steht der Verfasser jederzeit zurVerfügung.


22„Houston! Mallorca hat ein Problem!“Satire von Jutta RielauSatireEin Motto dieser aktuellen Ausgabe lautet: Gestrandet im Paradies.Und gerne hätte ich mich wieder einmal ausgelassen, bspw. über die diesjährigeZeckenplage - hätte es da nicht „Wetten dass ..?“ gegeben.Sie wissen schon, das vollmundig beworbene Sommer-Special - gesendet ausMallorca.Welch Debakel! Doch während andere Schreiberlinge sich derzeit lustvolleinem sichtlich überforderten Moderator widmen, möchte ich an dieser Stelleeinmal Klartext sprechen: über Satelliten!Nein, nicht die High-Tech-Ungetüme, die um unseren lieblichen Planetenkreisen.Ich meine andere SAT-Modelle - und die sind organischer Natur.Kritiklos, aufälligst aufgetakelt und speicheltriefend bejubeln diese „VIP-Satelliten“ krakelende Fregattvögel mit Namen Carmen, können sich nichtsattsehen an den langweiligen Babybäuchen ausgemusterter TV-Assistentinnenund gieren danach Herrn G. B. aus Glasgow in Schottland einmal die Handschütteln zu dürfen.Warum sie das tun?Nun, VIP-Satelliten verfolgen ein einziges ehrgeiziges Ziel: Das eifrige Umkreisenso genannter „Prominenz“ - zwecks Erhalt einer Dauer-Aufenthaltsgenehmigungin deren Dunstkreis.Egal wie ungebildet, ungehobelt oder charakterlos manch Promi im Privatund/ oder öffentlichen Leben auch ist - garantiert finden sich selbst in dessenUmlaufbahn dauergrinsende, eilfertige VIP-Satelliten. Und da Mallorca nunmal eine gewisse Promi-Dichte aufweist, sind auch die lästigen Flugkörpernicht weit.Besonders gern tummeln sich diese (neben obiger Großveranstaltung) aufGolfplätzen, in Beauty Spas oder busseln sich in westlich gelegenen „In-


Locations“ die fiebrig glühendenWangen wund. Hauptsache manist dabei - oder sollte ich sagen:hinten dran ...Doch auch eher schlichte - undbisher völlig unverdächtigeInselzonen mutieren mittlerweilezu wahren Satelliten-Fundgruben.Nehmen wir bspw. den Osten unddort im speziellen Cala Millor -neudeutsch „VOX-City“ genannt.Vor gerade mal zwei Wochenbesuchen mein Gatte und ichdort urlaubende Bekannte undwerden - innerhalb von 5 Minuten- detailliert informiert, wo sichdiverse Gewerbebetriebe derTV-Auswanderer von „GoodbyeDeutschland“ befinden.Und als ob dies nicht unnützesWissen genug wäre, erzählen unsereBekannte wenige Tage späterehrfürchtig, dass sie eines dieserEtablissements sogar persönlichbesucht haben - und das, obwohlsie deren Inhaber - im TV und inNatura - geradezu erschreckendunsympathisch finden.Ich kann da nur staunen und fragemich im Stillen: Würden diese(ansonsten voll zurechnungsfähigen)Menschen auch im „normalenLeben“ derart ungeliebte(aber diesmal völlig unprominente)Unternehmer besuchen?7 Juliweißes FestBeginn 19:30


24SatireWohl eher nicht!Und genau hier liegt der fundamentalste Unterschied zwischen den Begriffen„Fan“ und „VIP-Satellit“!Ein echter Fan mag und / oder bewundert sein Idol. Er liebt dessen Musik,Schauspielkunst, irgendein sonstiges künstlerisches Schaffen oder einfach nurdessen Ausstrahlung / Humor. Wenn diese Menschen für „ihren“ Roooobertklatschen oder „ihre“ Lieblings-Boutique aufsuchen, tun sie dies voll Freudeund Begeisterung - und es sei ihnen von Herzen gegönnt.Ein VIP-Satellit hingegen klatscht „unisono“ und hechtet lechzend jedwederArt von „Götterdämmerung“ hinterher!Vielleicht wissen viele Flugobjekte ja noch nicht, dass Prominenz - egal obklein oder groß - nicht automatisch die Garantie für einen guten Charakter darstellt.Diese simple Weisheit entspringt übrigens weder Neid noch Missgunst,sondern realer Erfahrung.Auch der eigene Ruhm wird durch Speichellecken kaum nachhaltig gestärkt.Warum also kleben so viele Flugkörper zuhauf an den Fersen vermeintlicherLichtgestalten, anstatt selber an ihren (persönlichen) Möglichkeiten zu arbeiten?Die Welt braucht keine Schmeißfliegen, sie braucht Schmetterlinge!Auf den eigenen Glanz klommt es an. Punkt


Calle Marbella 2207610 Playa de Palma


26ReportRETRO MALLORCAGiordano F.Stolz wie ein Spanier – mit diesem deutschen Bildnis verbindet sich fürmich das Bild des sich in der Arena präsentierenden Toreros, die Armetheatralisch ausgebreitet … „Was bin ich für ein Held!“ Ganz falsch. Ja, derSpanier ist stolz: auf seine Würde und die seines Nächsten, er mag es nicht,dass man ihm jovial die Schulter tätschelt oder mit großer Geste einen Euroin die Hand drückt.Als wir 1997 nach Mallorca kamen, war die spanische Sprache nur Geräuschpegel,aus dem uns ab und zu ein Wort entgegen flatterte, das wirverstanden. Aus gutem Grund hatten wir uns mitten in der Altstadt vonPalma niedergelassen. Wir waren gezwungen, spanisch zu reden. Dort lebtendamals nur Einheimische, Mallorquiner, die mit der netten Geste, unsauf Spanisch anzusprechen, uns ihre Sprache lehren wollten. Wo sich heuteLuxusboutiquen aneinanderreihen, gab es vor 15 Jahren einfache Schneider,Souvenirläden mit den typischen Siurells, mit Modeschmuck, Lederaccessoires,mit CDs und Ansichtskarten. Und mit Nachbarn, die abends aufder Straße saßen und den Tag ausklingen ließen.Von der Arbeit kommend bogen wir in die Jovellanos ein, eigentlich nurfünf Minuten bis zur Wohnung unterm Dach brauchten wir dennoch oftmehr als eine halbe Stunde, ehe wir uns an den steilen Aufstieg machenkonnten. Man kam einfach nicht an den Nachbarn vorbei ohne einen kleinenSchwatz. Keine Floskeln, keine Fassade, kein Zähnefletschen als Ersatzfür ein Lächeln, das ja bekanntlich von Herzen kommen sollte. Stattdessen:wirkliches Interesse, eine Zwiesprache über die Mühsal des Tages. EinGefühl der Leichtigkeit und des Geborgenseins in dieser kleinen Gemeinschaft,eine Verantwortung füreinander ohne das Gefühl, bevormundet zuwerden.


27ReportOstern nahte, für uns mit Hasen und bunten Eiern, mit denen Mallorquinereigentlich gar nichts anfangen können. Eher mit den Angeboten an Lammfleisch,entweder das ganze Tier oder portioniert nach Gusto. Unser Speisezettelsah mangels Geld nur Baguette mit Butter und Salz sowie schwarzenTee bis zum Abwinken vor. Wenigstens würden wir jeden Tag nahezu sattwerden können. Gründonnerstag war mein Geburtstag. Die Leute kauftenvor den Feiertagen ein, als ob die Supermärkte nie wieder öffnen würden.Wir fegten die Wohnung schon zum vierten Mal und wischten Staub, wolange keiner mehr war. Unser Arbeitgeber war mit dem Lohn schon zweiMonate im Rückstand, obwohl die Auftragslage mehr als zufriedenstellendwar.Doch plötzlich klingelte es an der Tür, wir hatten eine Zugschelle. Catalinastand mit einem mittelgroßen Karton an der Tür: „Wir haben eingekauft fürOstern, aber jetzt haben wir eine Einladung aufs Land erhalten. Es wäreschade, wenn das alles verderben würde. Wäret ihr vielleicht so lieb, unsdas abzunehmen? Ihr würdet mir einen sehr großen Gefallen tun, bitte.“Zögernd nahm ich den Karton, aus dem mir der Duft eines Bundes frischerLauchzwiebeln in die Nase stieg. Catalina wünschte ein frohes Fest undmachte sich für ihre siebzig Lenze recht hurtig an den beschwerlichenAbstieg. Catalina sei Dank, denn jetzt konnten wir auf unser SalzbaguetteLauchzwiebeln streuen. Auch Oliven, Tomaten, Gurken, Paprika und Chorizobarg der Karton.Dann klingelte Miguel mit einem Kilo Lammfleisch, das er erworben hatte,obwohl seine Frau ausdrücklich darauf bestanden hatte, das Festtagsfleischselbst zu kaufen. „Bitte, nimm das! Meine Frau macht mir die Hölleheiß, wenn ich damit nach Hause komme“, flehte er mich geradezu an. Esfanden sich auch noch ein paar Würste im Fleischpaket. In loser Folge kamendann Juan, Ana und Maite. Beim Einkauf vertan oder eingeladen nachumfangreich gefülltem Kühlschrank oder die Wünsche der Ehefrau falschverstanden – das waren die Argumente. Selbst ein Paket mit Schokohasen


28Reportwar dabei – „Ich hab doch Diabetes, weißt du.“ Ostern hätte jetzt drei Wochendauern können. Wir haben von jedem einzelnen unserer Nachbarndie Pakete nur zu gerne angenommen. Die Geschichten drumherum warenschon sehr durchsichtig. Denn Juan hatte nur Ostern 1997 Diabetes,danach nie wieder.Etliche Jahre später berichtete Miguel, immer noch vor seiner Schneidereistehend, dass die Nachbarn beobachtet hatten, dass wir selten einkaufengegangen sind. Zu Ostern haben sie dann alle penibel darauf geachtet. Ihnenallen war aufgefallen, dass wir enorm abgenommen hatten. Als dannCatalina meinte, sie hätte sowieso viel zu viel eingekauft, überprüften auchalle anderen Nachbarn ihre Festtagsvorräte. Auf diese Weise empfandenwir die Nachbarschaftshilfe nicht als beschämendes Almosen.Und genau das haben wir in Mallorca immer wieder erlebt, dieses Zueinanderhalten,dieses Füreinanderdasein. Zum Glück galt eine solche Hilfsaktionnie wieder uns selbst, und wir haben uns immer an solchen beteiligt,wenn es um Hilfe für andere ging. Egal ob in Sa Pobla, Villafranca oderPalma – die Spanier würden nie die Würde ihrer Nachbarn verletzen. Dazusind sie einfach zu stolz.


30Von den Anfängen des TourismusErinnerungen eines MallorquinersKerstin-Daniela MorgensternReportWenn Tomeu seinen täglichenSpaziergang an der Meerespromenadeund durch den Ortmacht und den Trubel und dievielen Touristen am Strand undauf den Straßen sieht, macht ersich so seine Gedanken. Tomeuist Rentner und hat im Laufe derJahre einiges von der Welt gesehenEr ist aber immer wieder inseine Heimat und zu seiner Familiezurückgekehrt. Etwas wehmütig wird er, wenn er sieht, was aus seinemDorf Cala Rajada geworden ist. Er denkt an die Anfänge des Tourismus, wie erals Junge und junger Mann die Sommer erlebte …Bereits vor seiner Zeit, in den 1920er-Jahren, gab es die ersten Touristen in CalaRajada, natürlich nur wenige. Die erstenHotels vor Ort waren das Hotel Ca’s Bombu(gibt es immer noch!) und das HotelCastellet.In den 1930er-Jahren zählte man bereits30.000 Touristen auf Mallorca und 5.000Nicht-Spanier, die auf Mallorca lebten,davon 32 Deutsche in Cala Rajada. Einervon ihnen war Karl Otten, ein deutscherSchriftsteller, der das bekannte Buch„Torquemadas Schatten“ schrieb, in demer seine Erlebnisse zu Anfang des spanischenBürgerkrieges beschrieb. (1936musste er Spanien dann verlassen.)


31ReportTomeus Erinnerungen beginnen in den 1950er-Jahren. „Als ich so sechs odersieben Jahre alt war, sprach das ganze Dorf von einer deutschen Frau, die ineinem weißen Bikini im Meer badete! Das war ein Eklat, so etwas hatte mannoch nie gesehen! Die älteren Jungen versteckten sich in den Hügeln hinterdem Strand, um einen Blick auf diese ‚halbnackte‘ Frau zu werfen!“Neben den sogenannten „Veraneantes“, spanische Urlauber aus Palma odervom Festland, die in Cala Rajada in eigenen Häusern die Sommermonateverbrachten, gab es auch wohlhabende ausländische Urlauber. Zum Beispieldie französische Familie Michelin – ja, die von den Autoreifen! –, die jedenSommer nach Cala Rajada kam. Durch das Hotel Castillo, das von einem amerikanischenEhepaar asiatischer Herkunft geführt wurde, kamen auch vieleenglische Touristen.Tomeu erinnert sich auch gerne an Mr. und Mrs. Ross, ein amerikanisches Ehepaar,das ein Haus am Hafen und ein riesiges Auto, einen Cadillac oder so et-Gabriele Hefele:Das Kuriose-Tage-Buch.Eine Auswahl originellerGedenk- und Aktionstageübers Jahr.72 Seiten . Paperback .ISBN 978--3848-224449 . 5,00 €Als E-Book: 2,99 Euro.Über Buchhandel, Amazon oderdirekt im Shop von www.bod.de.


32Reportwas Ähnliches, besaß. „Sie waren evangelisch und besuchten unseren Gottesdienst.An einem Sonntag nach der Kirche kam ein Fahrer mit diesem Cadillacvorgefahren, lud uns paar Kinder in das Auto und fuhr uns zum Haus der FamilieRoss. Und dort bekamen wir von den Dienstboten kalte Limonade! Aufdiese Weise sah ich den ersten Kühlschrank meines Lebens!“ Die Mallorquinerkühlten zu dieser Zeit ihre Lebensmittel noch mit Eisblöcken.Cala Rajada war in dieser Zeit auch sommerlicher Urlaubssitz der FamilieMarch, deren Oberhaupt der berühmt-berüchtigte Gründer der Banca Marchgewesen ist. Natürlich wurden auch reiche Verwandte und Freunde in ihrDomizil eingeladen. Es gab ein eigenes Gebäude für Dienstboten, Gäste undFahrzeuge und auch Pferde sowie einen eigenen Reitlehrer für die EnkelkinderJoan Marchs. Obwohl alle mallorquinischen Strände öffentlich sind, wurdeein Teil des bekanntesten Strandes Cala Rajadas, der Cala Agulla, ab ca.zehn Uhr morgens von einem Wächter abgesperrt, damit Familie March umdiese Zeit ungestört schwimmen konnte. „In einem Sommer wurden extra fürdie Familie March am Hafen Stierkämpfe ausgetragen. Manchmal schaute dieFamilie im Freien per Projektor Filme auf einer großen Leinwand an. Wir, dasnormale Volk, durften dazukommen und mitschauen“, erinnert sich Tomeu.Während es die Touristen liebten, im Meer zu baden, hielten sich die Mallorquinereher fern. „Nur ganz wenige gingen schwimmen, höchstens zur Abkühlungnach der Landarbeit oder dem Mandelernten, und nur wenige einheimischeFamilien gingen am Sonntag zum Strand, wo sie aus frisch gefangenemPulpo, Muscheln und Gambasdirekt aus dem Meerleckere Paellas unter Pinienbäumenzubereiteten.“Helle Haut war „in“, undsomit Sonnenbaden „out“.Auch bei der Arbeit aufdem Feld trug man langeÄrmel und große Hüte.In den 1960er-Jahren beganndann der Massentourismus.Der wirtschaftliche


33ReportAufschwung in Deutschland wecktedas Fernweh der Deutschen. Reiseveranstalterorganisierten den Traumvom Urlaub im Süden. Die bestehendenHotels vor Ort waren häufig überbelegt,so dass die Reiseleiter händeringendnach anderen Unterkünftenfür die Touristen suchten. Wohnungenbis in Capdepera wurden als Ersatz fürHotelzimmer genommen. Man würfeltealle möglichen Urlauber in denUnterkünften zusammen, doch dieTouristen beschwerten sich nicht, dieBegeisterung war zu groß. Auf dieseArt und Weise wurde der Grundstein


34Reportfür so manche spätere Ehegelegt. Nicht wenige Einheimischefunktioniertenihre Häuser zu Pensionenum oder vermieteten Zimmer.Als Folge des Zweiten Weltkriegswaren viele deutscheFrauen verwitwet, esgab generell mehr Frauenals Männer, weil viele jungeMänner im Krieg gefallenwaren. Somit kamen auch mehr Touristinnen als Touristen nach Mallorca. DieUrlauberinnen waren wesentlich freizügiger als die einheimischen Frauen, fürdie es sich nicht schickte, alleine aus- oder tanzen zu gehen, und so manchefanden die „Latin Lover“ überaus anziehend. Und diese wiederum fanden dasfreie Verhalten der Frauen aus dem Norden sehr einladend und versuchtenmit ihnen zu flirten. Sogenannte „Picadores“, die alle zwei Wochen eine neueTouristin als Freundin hatten, wurden sogar in spanischen Liedern besungen.„Das erotische Flair Mallorcas war damals Teil des Urlaubspakets. MancheFrauen kamen nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda hierher“, grinst Tomeu.Küssen am Strand war für die Einheimischen etwas nie Dagewesenes!Die ersten Tanzflächenin CalaRajada befandensich unter freiemHimmel. Eines derältesten Tanzlokale,das es heutenoch gibt, war dasBolero in der Nähedes Pinienplatzes.In diesen Jahrengab es richtig gute


35ReportMusik in Cala Rajada: „Los Pequeniques“, eine Gruppe aus Madrid, die in ganzSpanien bekannt war, und „Los cinco del Este“ spielten jeden Sommer täglichin Cala Rajada. Für die Touristen war Mallorca damals das Paradies, alles warviel billiger im Vergleich zu Deutschland, und niemand beschwerte sich.Tomeu sinniert: „Dann wurde immer mehr gebaut, es wurden Bäume gefällt,aus Sandwegen wurden Straßen. Es kamen mehr Komfort, mehr Geld undmehr Annehmlichkeiten. Aber wenn ich die Zeiten von damals mit heute vergleiche,werde ich traurig. Damals gab es viel mehr Zuneigung auf beidenSeiten füreinander, mehr Respekt und Achtung. Heute geht es nur noch umGeschäfte und Geld. Und alles, was zu viel ist, ist schlecht. Unsere Heimat istnicht mehr wie sie war, durch die Globalisierung ist alles austauschbar. Das istsehr, sehr schade ...“


36ReportLOS POPS seit 1962Die älteste Rockband MallorcasZusammen sind sie 341 Jahre altSeit bereits 51 Jahren gibt es dieRockband LOS POPS auf Mallorca.Sie gehören zu den erstenBands der Insel, die Beatles-Songsgespielt haben. Die fünfköpfigeBand wurde von Frank Fröhlichentdeckt.1964 spielten die LOS POPS im Cine/KinoBorn zwischen den Filmaufführungen inPalma. Frank Fröhlich hatte gerade dasBig Apple, das erste Tanzlokal Mallorcas,eröffnet und suchte händeringend nacheiner Live-Band. Ein heißer Tipp führteihn dann zu den LOS POPS. Nachdemsich Frank die Band eine Weile angesehenbzw. angehört hatte, wusste er sofort:die oder keine. Er fragte FrontmannPaco, ob er denn Englisch spräche. Pacoantwortete mit einem aufgeregten yes,yes, yes. Man wurde sich schnell einigund bis heute verbindet die LOS POPSund Frank Fröhlich eine große Freundschaft.Wenn man sie fragt, wie vieleBandmitglieder sie sind, wird immer mit


„Sechs!“ geantwortet. Frank ist alsodas sechste Mitglied, obwohl er nichtauf der Bühne steht, und er begleitetdie Band bis heute zu fast jedem Auftritt.Im Big Apple schafften sie dengroßen Durchbruch. Damals in den1960er-Jahren kannte man diese Art vonMusik noch nicht.Die LOS POPS schlugen ein wieeine Bombe. Sie spielten Nachtfür Nacht vor mehreren HundertZuschauern. Als das Big Apple fürimmer schloss, verließen drei Musikerdie Band. Man wollte etwasanderes ausprobieren und neueWege gehen. Allerdings dauertees nicht lange, bis die ersten Aussteigerreumütig zurückkamenum weiterzuspielen.1972 hatten sie also kurzzeitig aufgehört, umwieder neu durchzustarten. Heute stehen sienun 51 Jahre auf der Bühne. Paco, der Sänger,ist 68 Jahre alt, der Schlagzeuger 67, der Gitarristebenfalls 67, der Bassist 66 und der Pianist73, somit sind sie zusammen 341 Jahre alt. Am23. Juni sind die LOS POPS vor 3.000 Zuschauernin Consell aufgetreten. Hut ab vor der ältestenRockband Mallorcas!


38CD tIPPSThirty Seconds to Mars - Love Lust Faith + DreamsÜber 250.000 Alben des Vorgängers This Is War, 500.000 deutsche FacebookFreunde, Headliner bei Rock am Ring 2013....Thirty SecondsTo Mars sind nicht zu stoppen!Die erste Single „Up In The Air“ ist der fulminante Auftakt für das neueAlbum „Love Lust Faith + Dreams“. Jared Leto, Sänger, Songwriterund kreativer Kopf der Band, produzierte vier der insgesamt zwölfneuen Tracks gemeinsam mit Steve Lillywhite (U2, The RollingStones, Peter Gabriel). Jared Leto beschreibt das neue Album als “weitmehr als nur eine Entwicklung, es ist ein brandneuer Anfang. UnsereKreativität hat uns an einen völlig neuen Ort geführt, der aufregend, unerwartet und unglaublichinspirierend ist.“Das Album-Cover zeigt “Isonicotinic Acid Ethyl Ester” (2010 - 2011) vom internationalen Kunst-SuperstarDamien Hirst, ein weiteres Werk des Künstlers wird auf der CD selbst zu sehen sein.Thirty Seconds To Mars haben weltweit über 5 Millionen Alben verkauft, ihre Videos wurden beiYouTube über 300 Millionen Mal gespielt und sie erhielten etliche Musikpreise, hierzulande u. a. diePlatin-Auszeichnung für ihr letztes Album „This Is War“.Vampire Weekend - Modern Vampires Of The CityModern Vampires Of The City“ spiegelt die Größe und RomantikNew Yorks: Kirchenorgeln, tiefe Bässe, brausende Drums und lateinischeChöre werden kombiniert mit dem klassischen VampireWeekend-Sound voller Freude und feinem Humor.,,Vampire Weekend ziehen das Abenteuer, die Spielerei und einendüsteren Unterton vor und werden immer mehr zur Album-Band.“(musikexpress, Mai 2013),,Perfekte Popmusik, lässig, verspielt - und unsterblich.“ (RollingStone, Mai 2013),,Sanftes Piano, schabende Beats und viel Raum zwischen denTönen ..., die Indie-Rocker präsentieren sich als schlaue Strategen, die Gegensätzliches geschicktvereinen ...“ (stereoplay, Juni 2013)Hugh Laurie : Didn‘t It RainWie sein Vorgänger wurde „Didn’t It Rain“ von Joe Henry produziert,aufgenommen wurde das Werk im Ocean Way Studio in LosAngeles im Januar diesen Jahres. Mit viel Herz und der herausragendenLeistung seiner Begleit-Musiker, der Copper BottomBand – Jay Bellerose , Kevin Breit , Vincent Henry , Greg Leisz ,Robby Marshall, David Piltch und Patrick Warren mit Elizabeth Leaund Larry Goldings – bietet das Album zudem mehrere Gesangs-Parts der aus Guatemala stammenden Singer-Songwriterin GabyMoreno und der Soul-Sängerin Jean McClain , die bereits mitdiversen Künstlern wie Jimmy Cliff und Sheryl Crow gearbeitetehat. Ein weiterer Höhepunkt des Albums ist ein ganz besonderer Gast: Grammy-Gewinner undBlues-Künstler Taj Mahal . Unterstützt durch seine Stimme wird Little Brother Montgomery „VicksburgBlues“ auf eine ganz neue Art und Weise interpretiert.


39VeranstaltungenskalenderTapa Route PalmaMo 01.07.Ort: Club BCM / MagalufBeginn: 22 UhrAL JARREAUin KonzertOrt: Palma ArenaBeginn: 20 UhrDi 02.07.Professor GreenMallorca Rocks HotelMallorcaMi 03.07.ALEJANDRO SANZ PLAZA DE TO-ROS MallorcaBeginn: 22 UhrEintritt: ab 42 €Do 04.07.Example y DJ Wire 2Mallorca Rocks Hotel MallorcaBeginn: 19 UhrMarkt in AlcudiaBeginn: 8 Uhr – 13 UhrBeginn: 20 Uhr Eintritt: 40 €


40Balearia MallorcaAMERICAN BOAT PARTYVeranstaltungenskalenderIbiza Party im Es Paradis PalmaBeginn: 11.30 Uhr Eintritt: 35 €Weitere Informationen:http://www.balearia.comRevitalize Yourmind LAHOX RestoBuddha Bar MallorcaBeginn: 21 UhrEintritt freiWeitere Informationen:budhabar.apunt@facebook.comMarkt in IncaBeginn: 8 Uhr – 13.30 UhrFr 05.07.Trui Teatre MallorcaU2 PLEASE TRIBUTEEintritt: 40 €So 07.07.weisses Fest mit brasilianischerLive Musik und Samba Show!Ort: Can Pastilla Beginn 19:30Amazing SundayOrt: Nikke Beach / MagalufRESEARCH FESTIVAL PORTO CRITOBeginn: 22 Uhr Eintritt: 25 €Sa 06.07.Wochenmarkt in LlosetaBeginn: 20 UhrEintritt frei


41Markt in ConsellMarkt in AlcudiaMarkt in Santa Maria del CamiMo 08.07.Fisch Festival inPorto ChristoBeginn: 12 UhrDi 09.07.Mallorca Rocks Hotel MallorcaTINIE TEMPAHVeranstaltungenskalenderSa 13.07.Fischerfest in Cala BonaJUAN MAGANVILAFRANCAEintritt: 10 €Beginn: 19 UhrEintritt: 45 €Do 11.07.Mallorca Rocks Hotel MallorcaEXAMPLE Y DJ WIRE 3Beginn: 20 UhrEintritt: 40 €Fr 12.07.Festes del Carme in Porto CristoTrui Teatre MallorcaFOFITO, RODY Y MONICA ARAN-GON präsentieren :HABIA UNA VEZ...Beginn: 19 Uhr Eintritt 20 €So 14.07.Tu clave MallorcaHYPNOSIAEintritt: 8 €Weitere Info’ s:http://www.tuclavemallorca.com


42Mo 15.07.Mallorca RocksHotel mallorcaBEADY EYE -TEMPLESBeginn: 19 UhrFischerfestin PortocolomDi 16.07.Do 18.07.Auditorium Palma MallorcaJALO EN CONCIERTOBeginn: 21.30 UhrEintritt: 18 €Fr 19.07.Kultur Messe inValldemossaAuditoriumPalma mallorcaTOMATITO -SOY FLAMEN-COBeginn: 22 UhrEintritt: 38 €Trui Teatre mallorcaDOS CARAS DU-RAS EN CRISISBeginn: 22 UhrEintritt: 27 €Sa 20.07.Djsession mallorcaPORTOCOLOMELECTRONIC OPENAIRVeranstaltungenskalenderSant JaumeNacht Messein ManacorSo 21.07.Caipirinha Party! Original brasilianischeCaipirinhas für nur 5 Euro!Live Musik, mit ÜberraschungOrt: Can Pastilla Beginn 19:30Di 23.07.Mallorca Rocks Hotel mallorcaBIFFY CLYROBeginn: 19 Uhr


43Mi 24.07.Es Gremi mallorcaALEXANDER MARCUSCopa del Rey32. Segelregatta inPalmaDo 25.07.VeranstaltungenskalenderKonzert mit MOJINOSESCOZIOSOrt: IncaBeginn: 21.30 UhrEintritt: 18 €Sa 27.07.Auditorium Palma MallorcaDIEGO CARRASCO YREMEDIOS AMAYABeginn: 22 UhrEintritt: 27 €BirracruzisMallorcaOrt: IncaBeginn: 22 Uhr Eintritt: 23 €Fr 26.07.Festes de SantaCatalina Thomas inValldemossaSo 28.07.Nachtmesse in MuroMo 30.07.REVOLVERin KonzertEs Gremi MallorcaLVC FESTBeginn: 21 UhrEintritt: 12 €Ort: POLLENCABeginn: 22 UhrEintritt: 25 €


44Das Konsumenten-Navi fürVor- und NachdenkerGeld regiert die Welt. Geld verdirbt den Charakter.Folglich verdirbt Geld die Welt. Wenn es umMacht, Umsatz und Profit geht, kennen Politik,Industrie und Werbung keine Scham, es wirdgelogen, was das Zeug hält. Das Opfer ist immerder kleine Mann bzw. die kleine Frau, gerne auchEndverbraucher genannt. Was also können wirheute überhaupt noch bedenkenlos konsumieren?Wo finden wir brauchbare Informationen?Wie können wir uns wirkungsvoll schützen vorder großen Volksverarsche?Einer, der Missstände gerne und begeistertaufdeckt, ist der Schauspieler, Autor und DokumentarfilmerHannes Jaenicke. Sein Konsumenten-Navibietet reichhaltiges Material für denkritischen Verbraucher: spannend, unterhaltsam und provokant. JaenickesRecherchen sind in dieser geballten Zusammenstellung ein wichtigesZeugnis über die skrupellose Geschäftemacherei in unserer modernenKonsumgesellschaft.»Früher hab ich das wenige Geld, das mir von meinen Theatergagen übrigblieb, mit Hilfe freundlicher Bankberater auf die vermeintlich hohe Kantegelegt, um in der Sommerpause verreisen zu können. Später wunderte ichmich immer sehr, dass mein Erspartes im besten Fall stagnierte oder aberdahinschrumpfte, mit immer sehr überzeugenden Erklärungen der nettenAngestellten. Heute weiß ich, dass diese netten Berater arbeiten und vorgehenmüssen wie Drückerkolonnen, und nur verdienen, wenn sie ihrenKunden Anlageprodukte andrehen, die nur für die Bank profitabel sind.«Hannes Jaenicke deckt auf, wie man sich gegen die immer raffiniertereIrreführung und Verdummung des Konsumenten wehren kannEin Blick hinter die Kulissen: So durchschauen wir die gefährlichen Machenschaftenin unserer Konsumgesellschaftwww. die-große-volksverarsche.deLiteratur TippGuetersloher VerlagshausISBN-13: 9783579066363


46Report10 Jahre XII Apostel MallorcaDie Zeit im VisierSeit nunmehr zehn Jahren prägt das RestauranteXII Apostel die Playa de Palma. Als einesder wenigen gehobenen Lokale in der sonstauf deutsche Hausmannskost spezialisiertenSchnitzel-Landschaft der Playa erscheint dasXII Apostel als Segen für Touristen wie Residenten,die nicht nur Freude an gutem Essen,sondern auch an Stil und Ambiente haben.Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr. ZweiTeammitglieder heben sich ganz besondershervor und sind an der Geschichte des Lokalsfast von Anfang an beteiligt: Carsten ist seit neun Jahren Restaurantleiterund kennt alle Facetten der Gastronomie. Iris agiert im Hintergrund, sie istfür administrative Arbeiten und das Personal zuständig. Gemeinsam sind siedie Seele des Restaurante XII Apostel. Die beiden erinnern sich, wie einst dieEröffnung gefeiert wurde. Mit großem Brimborium, sagt Carsten, habe maneine riesige Einweihungsparty gestartet. Das Lokal war voll bis unter die Decke,die Musik laut und die Nachbarn sauer. Die Rechnung folgte auf demFuße, schmunzelt er, man habe das Lokal dann zur Strafe für drei Monateschließen müssen. Früher wurden oft Motto-Partys gefeiert, erzählt er uns,das Personal erschien dannkostümiert. Das habe sehrviel Spaß gemacht, und auchdie Gäste waren vom Konzeptdes XII Apostel begeistert gewesen.Aber wie es so oft vorkommt,erzählt Carsten, wärensolche extravaganten Eventsaus Kostengründen von derGeschäftsführung gestrichenworden. Iris fügt hinzu, dassdie Gesetze für Lokalbetreiber


in den letzten Jahren sehr verschärftworden wären. Man dürfeohne eine genau formulierte –und auch genehmigte! – Lizenznoch nicht einmal eine Musik-CDlaufen lassen, sondern nur das,was die öffentlichen Medien senden,also Radio oder TV. Carstenergänzt, dass Mallorca einfach zulange bei der Umsetzung der EU-Richtlinien geschludert habe. Inanderen europäischen Ländernhabe man nach der neuen Gesetzgebungumgehend reagiert. Fürdie Gastronomen dort, sagt er, istes selbstverständlich, die Musiknicht bis zum Anschlag aufzudrehen.Hier auf der Insel habe mansich zu viel Zeit mit der Umsetzungder EU-Richtlinien gelassen, undals der Druck dann wuchs, musstealles sehr schnell gehen. Also kamendie Ordnungshüter mit demVorschlaghammer. Gehorchenoder schließen. Eine andere Wahlhatten die Gastronomen nicht. Inkurzer Zeit habe man ohne Vorwarnungetliche Lokale dichtgemacht.Carsten meint sogar, einenMissbrauch des Gesetzes durchLokalbetreiber, Hauseigentümerund Hoteliers zu erkennen. Dennviele benachbarte Gastronomen,so erklärt er uns, bekriegen sich,indem sie sich bei den Behördenwegen Lärm-, Geruchs- oder an-


49Reportwiederkommen. Es sind viele Unternehmen, die an der wirtschaftlichen Kriseder Insel Schuld tragen und mit solchen Angeboten die Krise noch forcieren.Diese Firmen haben kein Bewusstsein, oder besser gesagt, sie tragen keine Verantwortungfür die Zukunft der Insel. Wie soll es also weitergehen? Es wird endlichan der Zeit, das Potenzial der Playa de Palma zu erkennen und nicht nur denBallermann als Saufmeile zu vermarkten. Ibiza, sagt Carsten, ist doch das besteBeispiel, dass es auch anders geht. Was bleibt, ist die Hoffnung.Wir fragen nach, was für die Zukunft geplant ist. Iris und Carsten schauen sichan und man hat das Gefühl, sie sind sich einig. Sie wünschen sich, sagen sie,dass die Schönheit der Insel und das Bewusstsein der Menschen, die hierherkommen, erhalten bleiben. Außerdem könne man sich vorstellen, noch einzweites XII Apostel zu eröffnen – allerdings, sagen sie, ist es unglaublich schwer,ein geeignetes Objekt zu finden. Schließlich bräuchte man eine enorme Deckenhöhe,viel Platz und eine geeignete Lage. Immobilien dieser Art gibt esnicht so viele oder sie sind nicht bezahlbar, erklärt uns Carsten.Trotzdem schauen die beiden aufglückliche zehn Jahre XII Apostel zurück.Die wöchentliche Speisekartevon mittwochs bis dienstags bietetmit dem Tagesmenü für 8,95 € auchfür das kleine Budget leckere Köstlichkeitenan. Für aktuelle Informationenzur angesagten Wochenkartekann man sich in den Newsletterwww.xii-apostel.com eintragen.Außerdem sind die Themen-Brunchsonntagebei den Gästen sehr beliebt. Neben vielen Residenten, die oft Bekanntebeim Brunchen treffen und vielleicht sogar neue Freundschaften schließen,kommen auch Mallorquiner gerne. Bei Lachs, Speckschinken, Mettwurst undweiteren Schlemmereien lässt es sich wunderbar klönen. Schon seit zwei Jahrenmachen wir die Themen-Brunchs, wirft Iris ein, doch allmählich gehen mirdie Ideen aus. Verschmitzt schaut sie uns an und fragt, ob unsere Leser vielleichtIdeen und Anregungen zu weiteren Themen für XII Apostel hätten. Wer sichin die nächsten Themen-Brunchs einbringen möchte, ist herzlich willkommenund hat jetzt die Gelegenheit dazu.Einsendungen bitte an: redaktion@newmallorca.de


50PR ArtikelBAR RESTAURANTE SON VERYDas Lokal der GeheimrezepteBlau, blau ist die Sangria außerdem: die besten Hamburger weit und breitGanz versteckt in den verwinkeltenGassen von Arenal und im Schutz derHotels Luna Park, Luna und Y Panemabefindet sich ein kleines Restaurantmit dem Namen Son Veri Nous.Auf den ersten Blick käme man nichtauf die Idee, dass es sich um ein deutschesLokal handelt und erst rechtnicht darauf, dass es hier die bestenHamburger weit und breit gibt. Einerder beiden Köche, der einigeJahre in den USA gelebt hat, hat dieinteressantesten Burgerrezepte ausden Staaten mitgebracht und sie à laBar Restaurante Son Veri Nous nochverfeinert. Das Rezept unterliegt absoluterGeheimhaltung, und das istwahrscheinlich gar nicht so verkehrt. Denn sonst würden sich Burger King undMacDonalds ganz sicher auf dieses beschauliche Restaurant stürzen und nichtsunversucht lassen, um an die Rezeptur zu kommen. Aber geheim ist nicht nurdas Rezept für die Hamburger, sondern auch für die blaue Sangria, wahrscheinlichdie einzige dieser Art auf Mallorca. Dafür kommen die Gäste von weit her.Wem die Blaue nicht schmeckt, kann sich für eine schneeweiße Sangria entscheiden.Der Chef verrät nur, dass die Rezeptur auf Weißwein basiert.Auch die Schnitzelvarianten, die natürlich ausschließlichin der Pfanne zubereitet werden, sind beachtenswert.Wobei auch hier Schnitzel nicht einfach nurSchnitzel ist. Extravagante Variationen wie dasSchnitzel Gorgonzola sind bei den Gästen sehrbeliebt. Inhaber Dieter führt die Bar Restau-


51PR Artikelrante Son Veri Nous nun inder vierten Saison. Was anfangsnur als Eiscafé gedachtwar, nahm schnell größereAusmaße an und wurde zueinem beliebten Treffpunktfür die Hotel-Gäste und -Angestelltensowie für Residentenaus der Umgebung. Dieungezwungene Atmosphäredes Lokals mit seiner großenTerrasse und den gemütlichenSofaecken im Innenraumlässt so richtig Urlaubsstimmung aufkommen und lädt zum Verweilen ein.Übrigens wird hier jeder Gästewunsch erfüllt: Selbst wenn das Leibgericht nichtauf der Speisekarte stehen sollte,zaubert der Koch fast alles, nachwas es den Gast gelüstet. Auf Vorbestellunggibt es sogar Schweinekrustenbratenmit Kartoffelklößen,dazu Blaukraut, oder hausgemachteKässpätzle. Die Küche ist durchgehendbis drei Uhr morgens geöffnet.Ein weiteres Highlight des Lokalssind 3-D-Portrait-Kristalle, dieman gleich vor Ort herstellen lassenkann, um sie als wunderbare Erinnerungmit nach Hause nehmen zukönnen. Besuchen auch Sie das Lokalder Geheimrezepte!Calle Mossen, 907620 S‘ ArenalTel: 0034 600 042 376www.facebook.com/Sonvery


52PR ArtikelEröffnung des CopacabanaEin RückblickAm 18. Mai war es endlich soweit!Im Copacabana in CanPastilla stieg die offizielle Eröffnungsparty.Trotz Wind undSturm ließen es sich weit über120 Gäste nicht nehmen, dasEreignis mitzufeiern! Verwöhntwurden sie mit einem Streifzugdurch die Küche mit brasilianischen,bayrischen und internationalenKöstlichkeiten. Mit Weinenaus der Weinkellerei „TiannaNegre“ und Weißbier vom Fasswurde das Buffet abgerundet. Jedem wurde klar, dass das Konzept von brasilianischerLebensfreude und bayrischer Gemütlichkeit eine perfekte Mischung ist.Trotz der schlechtenWitterung gelang es denbrasilianischen Musikern,dass selbst derletzte Tanzmuffel seineHüften zu heißen Sambaklängenkreisen lies,und als dann noch „TinaTurner“ auftrat, wusstendie Besitzer Andreas undSuziete selbst nicht mehr,ob sie nun auf Mallorcaoder schon direkt in Brasiliensind!


53PR ArtikelDie Eröffnung war ein vollerErfolg, und das CopacabanaTeam wird jeden Gast kulinarischin eine andere Weltentführen! Bitte entnehmenSie weitere Veranstaltungendem VeranstaltungskalenderC/ Gregal, 2Can Pastilla0034 618 644 630


Paradas44 StopsPlaya de PalmaBalnearios del 1 al 15Cala EstanciaTren TurísticoTel. y Fax: +34 +34 +34 647 493 822

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